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Full text of "Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde"

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WHITNEY LIBRARY, 


HARVARD UNIVERSITY. 


THIE!GIET OF 


. DE WHIENETY, 


Sturgis Hooper Professor 


IN THE 


MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY 


0135 
ul, a ap | 


Neues Jahrbuch 
a 
Mineralogie, Geognosie, Geologie 


Petrefakten-Kunde, 


herausgegeben 
von 


Dr. K. C. von LEonHAarD und Dr. H. @. Bronn, 


Professoren an der Universität zu Heidelberg. 


Jahrgang 1842. 


Mit 11 Tafeln und mehren eingedruckten Holzschnitten. 


ee un ee Va Be a a N u ER er m 
STUTTGART, 
E. Schweizerbart’sche Verlagshandlung. 


= 1842. 


: NER is st I; 
r Ei da | x Ä y < I P- ne ; \ 
RE REEN 
Be a Pen Er 


Inhalt. 


I. Abhandlungen. 


H. Creoner: das Flötz-Gebirge nördlich von Eisenach, mit 
Taf. 1 3 

E. F. GLockEr: 
Mährens B 

G. zu Münster: Beitrag : zur Kenntniss einiger neuen seltenen 
a uilonpen aus den lithographischen Schiefern in 
Baiern 

G. G. Puscu: über ein fossiles Hirsch-Geweih aus der Gruppe 
der Edelbirsche (Cervus Bresciensis) aus un 
mit Taf. I, Fig. 1,2 . 

RB. A. Puicierr: über Clypeaster altus Seuzws u. a. 
Verwandte, Taf. II, Fig. 3—5 2 

H. G. Bonn: die Gletscher- Theorie und Eiszeit- Hypothese 
des Hrn. L. Acassız aus dem physikalisch-geologischen 
Gesichtspunkte i - 

Von GutTBıer: über einen neuen Fundort fossiler Knochen 
bei Ölsnitz im Sächsischen Voigtlande, mit Taf. II 
und HI . - 

BiscHorr: über fossile, albfsgätle und nicht fossile Knochen 


re zur on Kenntniss 


„ über die erusta petrosa der Zähne 
Unser: über die Untersuchung fossiler Stämme holzartiger 
Gewächse 


Puscr: fossile Batrachier- und Bpkikier Reste aus Podolien 

PerzuoLpr: über Calamosyrinx ee mit 
Taf. V 

H. v. Meyer: een ein "Saurier aus dem Muschel- 
kalke von Luneville . 

G. v. Bröne: geologische Schilderung des grössten Theiles 
vom Gubernium Poltawa, mit 1 Holzschnitt - 

G. v. BLöne: Ergebnisse einer Reise von Charkow nach 
dem Donetz, mit Taf. VI, A H 

H. v. Meyer: über die Füsse des Pemphix Sueurii, mit 
Taf. VII, A 

Fr. A. Burmint neue Kreide- Foraminiferen, mit Taf. VII, B. 

G. Sınoserser: Vorläufige ‚Übersicht über die eigenthümn- 
lichen bei Villmar an der Lahn auftretenden” jüngern 
Kalkscbichten der ältern (sog. Übergangs-) Formation, 
besonders nach ihren organischen Einschlüssen, und 
Beschreibung ihrer wesentlichsten neuen Arten; ee 


Seite 


1—21 
22—34 
35—46 
47 —51 
92—55 
56—88 

127—144 
145—146 
147 —148 
149—178 
179—180 
181—183 
184—198 
198— 214 
255 — 260 
261—271 
272—273 


IV 


einem Vorwort über Namengebung in der Naturbe- 
schreibung überhaupt und in der Paläontologie insbe- 
sondere, Tafel VIII, B : RE 2 5 

Dr. PerzuorLpr: über Balanus carbonaria, Taf. IV . 

C. F. Naumann: über den Quincunx als Gesetz der Blatt- 
stellung bei Sigillarta und Lepidodendrum . . 

Ar. Braun: über die Blattstellung der Gewächse mit Be- 
ziehung auf die fossilen Formen und die vorangehende 
Abhandlung . - > i ü - - x 

D. Fr. Wıser: über die in den Eisen-Gruben am Gonzen 
bei Saryans im Kanton St. Gallen vorkommenden Mi- 
neralien, nebst einigen oryktognostischen Bemerkungen 
vermischten Inhaltes; mit 1 Holzschnitt 

Fr. v. Hasznow: Monographie der Rügen’schen Kreide- 
Versteinerungen, Ill. Abtheilung: Mollusken, mit Taf. IX 

H. Br. Geinitz: über einige Petrefakte des Zechsteins und 
Musehelkalks, mit Taf. X, Fig. 1—14 f “ 

M. L. FRANKENHEIM: über einige Mineral-Spezies ER 

Pn. Braun: Beiträge zur Lehre von den Fels-Spiegelfläche 

H,B. Geinitz: über Graptolithen, mit Taf. X, Fg. 15—29 

Pn. Braun: Versuch einer allgemeinen Theorie der Fels- 
spiegel-Flächen i R 2 k 3 e & 

G. LanpereEse: über eine im Basalt-Konglomerate des @nüll- 
Gehirges aufgefundene Frucht, Dryobalanus basal- 
ticus, aus der Familie der Kupuliferen, mit Taf. XI, A 


U. Briefwechsel. 
A. Mittheilungen, an den Geh. Rath von 


gerichtet, von den Herren: 


Pr. Braun: Spiegel und Schichtung des Bunt-Sandsteins; 
Kohlen-Sandstein Hessens s 2 e 5 . 

Fr. Reıcn: Knorria imbricata im Kohlen-Sandstein von 
Haynichen - . - - - x . . 

B. Corra: Hebuugs-Linien und Versteinerungen im Thü- 
ringer Muschelkalk - RL , ? . 

D. F. Wıser: oryktognostische Notizen über Zirkon, Fluss- 
spath, Kalkspath, Glimmer, Stilbit, Turmalin, 
Talk, Strahlstein, Pennin, Rutil,. Bitanıt 
Magneteisen, Titaneisen,Buntkupfererz,Ame- 
thyst, Granat, Diopsid, Asbest, Eisenkies, 
Eisenspath der Schweitz, und Kalkspath, Arra- 
gon, Lasurstein und Phillipsit andrer Länder 

C. Kersten: Erdbeben in Dalmatien am 4, Juli 1841 


L. Zeuscuner: Reise in den Karpathen und der Tatra; 


die Nummuliten-Formation ist Lias; Versteinerungen 
derselben . - : } , . . 
AusHhaus: Mesotype vom Alpstein; Ausscheidungen im 
Muschelkalk . > . : e - _ x { 
Escher von DER Lintu: Alter der letzten Alpen-Hebung; 
Klima während der Kies-Ablagerung ; Eis-Zeit; Gletscher- 
und Wasser-Schliff; Belege zur Gletscher-Theorie; — 
Fels-Metamorphosen in den Alpen » - 


Seite 
379—402 
403—409 

_410—417 
418—425 
507—527 
528— 575 
576—579 
631—655 
656—695 

696 — 701 
7157—812 
813—816 

LEONHARD 

89—90 
90—91 
215—217 
217— 226 

\ 274 

274—275 
276 
276— 281 


v 


C: F. Naumann: letzte Hebung des Erzgebirges zwischen 
Braunkohlen-Bildung und Basalttuff-Ablagerung , 

L. v. Buch: Metamorphismus und Glättung der Gesteine 
Schwedens . 

G. Hergst: Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein i in N 
sen; Land- und Meer-Bildungen 

L. ZEUSCHNER: Nummuliten-Dolomit und Karpathen- Sandstein 
der Tatra; deren Versteinerungen, en und Muschel- 
kalk in Polen 

Russescer: Bohrungen am Piräus in Hippuriten- Kalk bis 


Glinimerschiefer A 
G. Hergest: Manganerz- Krystalle (Pyrolusit) von n- 
menau, mit 3 Holzschnitten . . 5 
SorEr: Neues Mineral im Wallis ! ; r 
F. Krauss: Gebrannter Lias- Schiefer bei Boll . ; 


LorteErt: Erscheinungen an erratischen Blöcken in Dauphine 

ZIMMERMANN: Wirkungen des Hamburger Brandes auf Mi- 
neral-Stoffe; Reise in die Sächsische Schweitz und Geo. 
logisches darüber : . . 

F. A. Genta: Analzim in Prehnit verwandelt; Alter ver- 

| schiedener Zechsteine 

D. F. Wiıser: Oryktognostische Bemerkungen üher Roth. 
eisenstein, Brauneisenstein, Schwarzman- 
ganerz, Bittersalz, Magneteisen der Schweitz 

B. Corra: körniger Kalk von Wunsidi 


B. Mittheilungen ; an Prof. Bronx gerichtet 
Herren: 


Fischer von WArLpnem: über denRhopalodon; Murcnison’s 
Bericht über die Geologie Russlunds ; Elasmwotherium; 
Versteinerungen von Moskau 


Fr. A. Rormer: Inoceramus involutus, Trigonia; 
Versammlung zu zur Trematosaurus und 
Mastodovsaurus; Nautilites (Clymenites), 
Sphenophyllites, Di plazites, Credneria; Gyps- 
Krystalle; Goniometer: Bode-Thal; Schwefel-Krystall; 
Kiesel - Gehalt vulkanischer Gesteine ; : Norddeutsche 
Theer-Gruben; Harz-Petrefakte . ER aR h : 

G, zu Münster: Fossile Fische und Sepien seiner Samm- 
lung; Iguana-Zahn; Isoarca ein neues Muschel- 
Geschlecht; DEKoNINcK’s ES REBLTIOO SE NEFUNE N 
neue Corniculina- Arten , : 


Görrert: Baumartiger Farn und gabelige Oyendiee i in den 
Nilgherri und baumartiges Lycopodium auf Sumatra 
lebend; Kalamiten - Skelett wie bei Lykepodien, 
Sigillaria - - . 5 - £ 5 Eh: 

Herm. v. Meyer: Simosaurus an. g. im Muschelkalk von 
Limneville, Nothosaurus Schimperi daselbst; Aus- 
arbeitung der Knochen aus dem Gestein; Protorosau- 
vus Thüringens; Metaxytherium und Halianassa 
sind verschieden; Rhinoceros in Molasse bei Lausanne ; 
Dinotherium Bevaricum und Mastodon angus- 
tidens in der Sammlung zu München & . . 


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281 
282— 283 
426—428 
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431—1433 
433—435 
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580—581 
581—582 
702—707 
707— 708 
708-709 
817—819 
‚„ von den 
91—95 
95—97 
97—98 
98—99 
99—102 


Yı 


Unene: Chloris Be Psaronieen; fossile Koni- 
feren . 

G. SANDBERGER: 
Schichten, Versteinerungen, Alter, Schaalsteiu; Kuge- 
liges An Glied der Goniabilens we. 
nites pinnafus 


F. A. Geng#: Binnen- Konchylien | lebender Arten in Kalktofl 


zu Ahlersbach - 
L. v. Buch: Produkten; Panurirs "über u: 


Terebratula nucella = T. sphaera . . 
Giırarn: Calceola Dylan n. sp. aus Gottland; mit 
3 Holzschnitten . : 


Cur. Karpp: Meeres- Strömungen, innere Bedieee devneläl 

Herm. v. Meyer: ,Labyrinthodonten-Genera: Mastodonsau- 
rus, Capitosaurus und Metopiasund deren Arten; 
BelosaurusPlieningeriim Keuper Württembergs ; 
Simosaurus in Deutschland; Glaphyrorhynchus 
Aalensisim Untereisenoolithund Brachytaeniuspe- 
rennis im gelben Jurakalk Würtiembergs; Pterodac- 
tylus Meyerivon Kelheim; Prosopen- und Pitho- 
noton-Arten daselbst ; 

Qussssteot: Geognostisches Verhalten Schwäbischer For- 
mationen und deren bemerkenswerthesten Versteine- 
rungen; Beweise alter Gletscher-Wirkuug auf der Alp 

Wissmann: Versteinerungen im Muschelkalk: Ceratites 
nodosus, Myophoria, Natica, Pleurotomaria, 
Lima, Nucula, Korallen . 3 

Fr. A. Rormer: alte Petrefakte und Formationen im Harz 

Paıcıper: Prozente lebender Petrefakten-Arten in I£aliens 
Tertiär-Gebilden . 

Acassız: Reise-Projekt nach en: Aar-Gletscher; 
Gletscher; Myazeen . 

Fr. v. HAGENoW: Kreide-Gebilde an der Nord- Küste; Gale- 
rites- Arten 

Cur. Karp: Meeres- Strömungen: äussere Bedingungen und 
Schluss-Bemerkungen . 

Rumer: Fährten im Banden iu der a Be un 
Hirsch-Geweihe (Taf. VIII, A); lebender Frosch im 
Muschelkaik ‚Trigouotretafragilis; :Muschelkalk ?-Dolomit 

MENTzZeEL: Delthyris rostratus im Muschelkalk Schle- 
siens, dessen Gesellschaft; Stylolithen e 

HeErm. v. Meyer: Nothosaurus auch im Muschelkalk zu 
Lüneville; Simosaurus von dort; Babyrinthodonten 
_ Xestorrhytias Perrinii — daselbst; Notho: 
saurus angustifrons bei Krailsheim; Nothosau- 
rus mirabilis im Muschelkalk Basels; neuer Saurier 
im Unter-Eisenoolith zu Aalen; Trochietis carbo- 
naria, Cervus lunatus, Mastodon Turicensis, 
Rbinoceros, Schildkröten und Myliobatis aus 
Tertiär-Bildungen der Schweitz, Tapirus priscus, 
Dorcatherium von Eppelsheim: Palaeomeryx von 
Mombach; Keitik über ve CHrıstors Arbeit über Rhi- 
noceros, Rh, Merckii im Rhein-Diluviale; Cancer 
Klipsteinii von Kressenberg; Carcinium sociale 
von Dives . h 

F. A. Gestn: Zusätze und Berichtigungen : zu S. 229 


ieh über 


Grauwacke bei Weilburg (Yillmar); ihre 


Seite 

102 
226— 229 
2329 
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283 —301 
501—304 
304— 309 
309-311 
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312 —313 
313—317 
317 
436—450 
450-451 
451—1453 
583 —589 
590 


VII 


G. Sınpeerger: Villmarer Versteinerungen: Goniatites, 
Strophomena; Vergleichung zwischen seiner und Ds 
Vernevir’s Synonymie 


B. Corra: über Perzuour’s Calamosyrinx } 
Fr. A. Rormer: über Versteinerungen und Eu aanen 
ım Harz 


C. Mittheilungen an Hrn. Prof. Brum von dem 


F. E. Gumerecnr: Geognostisches über die Formationen der 
Gothaer Gegend im Vergleich mit anderen . 

— — Bedingnisse des Entstehens und Zusammenvorkommens 
verschiedener Eruptiv-Gesteine . . ‚ ß 


IE. Neue Literatur. 


A. Bücher. 


1841: Atlas de Mineralogie; G. Bıschor; G. Fıscher DE 
Waupsem; C. Harrmann; K. v. Könıs; J. J. v. Litt- 
row; F. Lusan; G. zu Münster; D’Omarıus D’Harnoy; 
A. D’OrBıeny; L. Pır.a; J. Russescer; J. Sowersy; 
J. STEININGER; SURELL; G. TRrımMMmER . & 

1840: H. W. Dows; J. Scort BowERBANK; — 1841: H, 
Asıch; BEUDANT, DE Jussıeu et MıLne Epwarps; C. G. 
Carus; H.T. pe La Becuz; E. Fr. v. GLocker; L. DE 
Konıner; C#. Lyeit; Co. MAcLAREN: MAURER; H. Mayer; 
Mestivier; G. MICHELoTTT; Hucn MiıLLer; Ar. Perzuoror: 
J. PuırLies; OÖ. R. pu Roquan; L. ZEISzweR; — 1842: 
v. Horcer; J. N. Hrpına; C. LyerL; A. D’ORrBIENY . 

1840: C. Moxon; C. Moxon; — 1841; H. Asıcn; L. Asassız 
L. Agassız; BartLeTT; BaRTLeTtT übers.: H. G. Brown 
und J. J. Kaur; E. Desor; Durr£noy et ELIE DE Beav- 
MoNT; dies.; E. Hırcncock; A. PricHarn; J. SowERBY; 
F. Unser: — 1842: W. M. Hısccıns; F. J. Hucı A 

1838: H. D. Rogers; — 1839: H. D. Rocers; — 1841: 
J. DE CHARPENTIER,; L. DE Koniner; A. Pricuirn; H, 
D. Rogers; — 1842: F. J. Hucı; Cu. Lyeiu: A. D’OR- 
Bisny; F. L. Ruope; P. DE TeHikatcHorr . } 

1841: J. N. Fuchs; Hırcncock; P. v. Körren; CH. Lveır; 
E. SısmonDa; Geological Map of Nova Scotia; — 1842: 
L. Acassız; id.; C. Darwın; P.Durr; M. L. FRANKENHEIM ; 
H. Br. Geinitz ; A. v. Guteier; Ch. Lyerr; H. Mayer; 
MarteviLtLe; G. zu Münster; J. J. D’Omauıus pD’HarLoy; 
A. PerzuoLor; F. V. Rasruin: S. Sauvace und A. Bu- 
visnier; B. Srtuper; F. X. M. Zırpe i - 

1842: B. Corra; C. Prominenz; SOWERBY und Bee, 

1841: v.Leonnarn; — 1842: v. LEonnarn; A. D’OreıonY; A. 
D’Orgıcny; M.A. F, Prester zweim.;, G.Rose; D. VöLTER 


B. Zeitschriften. 


a. Mineralogische und Hüttenmännisch 


Kirsten und von Decuen: Archiv für Mineralogie, 
Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Berlin 
8°, [vgl. Jahrb, 841, S. vu]: 


Scite 

709—710 

819 
820—821 
Herrn: 
710-719 
821—842 
104—105 
234—R3b 
318—319 
A54—455 
591 —592 

720 
8413 —844 


vHI 


1841, 1; XVI, 1, S. 1—420, ,Tf. u . 3 


Der Bergwerksfreund etc. u 8° [vgl. Jahrb. 


1840, 591]. 
1840—1841, III und IV, 
Jahrbuch für den Berg- und Hütten- Mann für 1843 


E. F. Grocker: Mineralogische Jahres-Hefte 8° 
[vgl. Jahrb. 1341, S. vum] uns nicht zugekommen, 


J. G. Lünpe: Zeitschrift für vergleichende Erd- 
kunde, Magdeburg 8°, 
1842; I, ı, ı1; 1—192. 


J. Fr. L. Hausmann: Studien des Götlingischen Ver reins 
bergmännischer Freunde, Göttingen 8° [vgl. Jahrb, 
1838, 422]. 

1841; IV, 1, S, 285—397, Tf. ıı 
1812; V,5°8.3--101, TR n 


Bulletin de la societe geologigue de Prähes: Paris go (vol, 
Jahrb. 1841, S. vın]. 
1841 (Juni 7—Aug. 21); XIL, 337—424, pl. ıx . 
» (Sept. 1—9), XII, 425—488 (et xxvır pp.) pl. —xuı 
1842 (8. Nov.—6. Dez. 1841); XIII, 1—80 5 


Memoires de la societeE geologique de France, Paris a0 
[vgl. Jahrb. 1838, S. 674]. 
1839; III, ı1, 179—401, pl. xxı—xxv. . 2 
1840; IV, ı, 1—228, pl. ı-xıu 
1841; IV, 11, 229—365, pl. xım —xvir 


Annales des Mines, ou Recueil de memoires sur Pepe 


tation des mines, Paris 8° [vgl. Jahrb. 1841, S. Ir 
1841, 1; XIX, ı; p. 1—237, pl. ı1—nu ; 
». 15 30% XIX, I, I, p. 238—850, pl. m—ıx . 
»„ I, v5 XX, 1, ım p. 1468, pl. I 
A. Rıvıkre; Annales des sciences geologiques 4 - 
Anales de Minas, etc. Madrid 8° Ivgl, Jahrb, 1949, 101 
Tomo II, 458 pp., v pll. . - 
Cu. Moxonx: the Geogist, a Monthly Heard de 
1842 Jan.—März; I, ı—ın, p. 1—94, pl. 1-u &h 
Proceedings of the ro Society of London 8° Fe. 
Jahrb. 7841, vıır]. 
1841, Mai 20 fr. vgl, im Philosoph. Magaz. 
Transactions of the Geological Society of London, London 4° 
[vgl. Jahrb,. 1840, vıı). Nichts Neues. 


Transactions ofthe Manchester Geological Society, London 8° 
1841, I ’ : 3 JH ; \ i ; 


b. Allgemein naturhistorische u. a, 


Verhandlungen der Gesellschaft des vaterländischen Museums 
in Böhmen, Prag 8° [vgl. Jahrb. 1841, vıır], 
1841, 110 SS. xıı Tafeln , 
Berichte über die Verhandlungen der Böhmischen ehe er 
der Wissenschaften in den Sektionen, Prag 4°. 
1840—1841 (410 SS., 1842) 


Seite 
455 


320 
320 


594 


105 


323 


594 


594 


IX 


Vorträge bei der Deutschen Naturforscher - Versamnilung 
[Jahrb. 1841, vıu]. 
1842 in Maynz - ; 
Vorträge bei der Ialionischeh Gelehrten-Versammlung- 
1839 zu Pisa (nach der Isis) . e : ? 
1840 in Turin „ »  ») » i { 
Actes de la Societe helvetique des sciences ee: 
1840 a Fribourg - \ 3 


1841 zu Zürich - Ä Ber, 
J.C. PoGGENDORFF: Annalen der Physik und Chemie, 
Leipzig 8°. 


1842, ı, ı; Lv, 1, I, S. 1—340, Taf. I1—u h 

H. Kröyers Tidskrift for Naturvidenskaberne, Kjöbenh. 80, 
[Jahrb. 7841, vıı]. 
1840 111, 1--306, mit 3 Tafeln (n. d. Isis). 


Erman’s Archiv für wissenschaftliche Kunde von 
Russland, Berlin 8° 
1841, I, 1, ı1, S. 1—422, Tf. ı 
„Ss. 423-596, Ti. 1, 1m 
„ellıv.’S. 597-2794 


Bulletin de la Societe des Nanrnee de Moscou 80, 
1840, ı—-ıv; S. 1—540, Tf. ı—ıx } . . 
1841, ı—ıv; S. 1—928, Tf. ı—xı 
1842, 1; a 220, Tr. I 


Coumptes rendus hebdomadaires des seances ie Tidcallinie 
des sciences,par MM.lessecretaires perpetuels, Paris 4°. 
1842, I. Semestre, nro, 1—8; Janv.—Fevr.; XIV 1—322 
ae 5 „ 9-18; Fevr.— Mai; XIV 323—670 


L’Institut: Journal general des societes et travauz scien- 
tifiques de la France et de V’Etranger; Ie. Section: 
Sciences mathemaltiques, physiques et nalurelles, Paris 4° 
[vgl. Jahrb. 1841, vn]. 


IXe annee; 1841, nro. 397—404; p. 261— 328 5 

n 5 » Sept.—Dez.; nro. 405—414; p. 329 — 116 
> n Dez.; nro. 415—418; p. 417-452 : 
EBEN. ,, 1842, Jan.—Fevr.; nro. 119496; p: 1-72 
= > RE ONE: —Juil!., nro, 427— — 446, p. 73— 252 


The London, Edinburgh and Dublin. Philosophical Magazine 


and Journal of Science, third Series (incl. the Procee- 
dings of the Geological Society of London) London 8° 
[vgl. Jahrb. 71847, S. vın]. 


1841, August; XIX, ı: nro. 122, p. 97—176 $ 
RA Sept. —Oct.; XIX, 18, Iv; nro. 123—124, p. 177— 336 
“ Nov, —Jan.; a wu; nro. 125— ve P- 337 

2 — 6508 

1842, Jan. — Apr.; - XX, Iv; nro. 128-131, p. 1352. 

„ . Mai—July;..,„. ;v- Yun nro. RE, hi 353 
—606 D 
1842, July—Aug.; 2 XXI, L, 1: nro. 135-136, p- 1— 160. 


Jameson: Edinburgh new philosophical Journal, Edinb. 8°. 
1840, Juli, Oct.; nro. 57—58; XXIX, ı, ır, S. 1—432 . 
1841, Jan., Apr.; nro. 59— 60; XAX, ı, ı, S. 1—432, 

© 1841, Juli, Oct,; nro. 61—62; 2907 1, u; S. 1—444 


Seite 


846 


236 
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456 


324 


JARDINE, Sergey, Jounston, Dos and R. Tayror: the Annals 
a. Mugazine of Natural History ete., London 8° [vgl. 
Jalırb. 1841, vııı]. 

1841, Oct. —1842 März, nro. 49--54; VIII,u— vıa. .. 
p. 81-852, DEU x | > 

The Journal of the Asiutic Society en Bengal, go (det 

Jahrb. 1841, S. ıx]. 


B. SırLıman: the American. Journal of Science and Arts, 
New Hav. 8° [vgl. Jahrb. 1841, ıx). 

1841, Oct.; XLT, ı, u: S. 1—408 ® 

1842, Jan., Apr: XLI, ı, u1;S8. 1108, pl. iv : 


C. Zerstreute Abtiätedlungen 


sind angezeigt .  . : 3 107; 238; 324; 458; 598; 725; 


IV. Auszüge. 


A. Mineralogie, Krystallographie, Mineral-Chemie. 


H. Asıcn: Beiträge zur Kenntniss des Feldspathes, II. Abhaudl. 

F. VARRENTRAPP: Zusammensetzung verschiedener Chlorite 

G. Rose: über Hydrargilit von Slatoust . ! 

A. Damovr: einige als Quarz resinite bekannte Mineralien 

A. F. Svangere: Pikrophyll, neues Mineral von Sala 

G. Suckow: anomal gebildete Eisenkies-Krystalle . i . 

Senez: analysirt Belemniten-Kalkstein von Pillefranche 

Bootu und Lea: zerlegen Chromeisen-Erz von Kuba 

BREITHAUPT: zur genaueren Kenntniss bekannter Minerafige 

KunLmann: Silizifikation des Kalksteins 

J. DomeyKko: Analysen von Kupfererzen aus Chili 

Tu. Tuomson: um Glasgow vorkommende Mineral-Substanzen 

C. Rammeusgerg: Schlackiges a aus dem Basalt 
von Unkel am Rhein : : 

J. Jousston: Beryll-Varietät in Connecticut N . { : 

Wasser: Pouchkinit im Ural . 

L. A. Neerer: krystallisirtes Talk- Hydrat von Unst 

, „ Arragon in Schottland . 

v. SALM-Horstmar: Zerlegung des Torfs von Coesfeld . 

A. BreitHaupt: kohlensaures Wismuthoxyd von Hirschberg 

Kranz: über Konikrit und Pyrosklerit von Elba . 

G. Rose: Xanthophyllit in Talkschiefer von Slatoust 

JacgerLam: Platin-Form und Vorkommen in Columbien 

H. Rose: Zersetzung der natürlichen Aluminate 

E. Schweizer: Analyse des Porphyrs von Kreutznach 

Pu. Warter: zerlegt fossiles Wachs aus @allizien ; , 

G. Rose: Zerlegungen von Feldspath und Verwandten . 

SauvacE: Analyse der Pierre Morte der Ardennen 

W. O0. Bouzse: Vorkommen von Berylien u. a. in New Jersey 

Cu. U. Sueparn: Ledererit aus New-York und Canada 

J. Fr. L. Hausmann : Kıystallisation von Hi r- und Antimon- 
Nickel N » 

SEHR: L. Hausmann: Blatter Graphit aus Zeylon. 

C. RAsMELSBERG: Zusammensetzung des Lievrits 


Seite 


456 


322 
724 


848, 


332 
332 
333 


xI 


A. BrEITHAUpr: Kiese- und Kies- bildende Metalle; Isomorphie’n ; 
Greenockit i 

Bussr: Steinkohlen von Commentry N | 

Senez : Zerlegung verschiedener Eisenspathe 

Ch. U. Sueparp: zerlegt Meteorstein aus Missouri 

W. Hamincer: neue Varietät von Arragonit von Herrengrund 

L. Ersser: Eutwickelung einer krystallographischen Formel 

L. A. NEcker: chromsaures Rrskın yon Unst 

A. Beeıtnavuer: Plakodin, neuer Kies von Müssen 

PETERsEn: analysirt Basalt von Suhl . 

Dipvay: analysirt Kaolin von Grimaud 

W. Hamınser: neue Lokalität von Gaylussit- "Metamorphosen 

H. Rose: Licht-Erscheinungen bei Krystall-Bildung . . . 

Esermen: Aikalı-haltiges Mangan-Erz von Gy, Hauute-Saone 

C. Rammeusgerg: Zusammensetzung des Humboldtit’s von Bilin 

Kranz: Mineralien in Granit- Gängen auf Elba : 

Bior: Krystall-Bildung des Ap ophyl lits von Faröe und Grönland 

P. BerTHIER: Brom-Silber aus Mexico und Frankreich 

P. Savı: Branehit, ein Brenz aus Braunkohle T'loskana’s 

CLaussen: Diamanten ım alten rothen Sandstein Brasiliens . 

A. Erman: Gediegen-Eisen aus der Petropawlower Goldseife 

Po. Prantamove: neue Mineralien: Agirin und Titaneisen 

aus Schweden . 
Yorke: künstlicher Arragonit ! 
M. ve Serres: Tr ein neues Mineral aus dem Ardeche- 


Departement 
A. v’Aımour, Romäin, neues llineraft von st. Marcel 
TraıL: essbares Bergmehl aus Umea Lappland h 


PıyEen: Zeriegung chinesischen Mineralmehls 

Rammersserg: zerlegt Nickelglanz (Nickelarsenik-Kies) v.Luberstein 
h Psilomelan aus Siegen 

Biscuor: zerlegt Rasen-Eisenstein von Bloritzburg 


Duroczer: Mineralien der Faröer : - . 
Rammeusgenc: zerlegt Hausmannit von Ihlefeld 
R Heulandit aus Istand - 


Boye£ und Bor: zerlegen 3 Feldspathe aus Delaware 

J. Privauvx: Fibroferrit, natürliches Eisen-Sulphat aus Chi? 
H. Asıcn: Feldspath-artige Mineralien, Nachtrag II - 

A. BreitHaupT: neue Formen des tesserälen Kıystall- Systems 
Denis: Vorkommen der Diamanten in Minas geraes 
Sınvınc: Analyse des Bournonits von Neudorf . 
RammersgerG: zerlegt faserigen Braun- Eisenstein aus 


Braunschweig i 
'SAaUvAGE: zerlegt Halloysit von Mezieres 
C. Kersten: Vanadin in Deutschland { 


Bopvemann und Lirton: zerlegen Oligoklas und Feldspath - 
W. Haıinger: Hartit, ein neues Erdharz aus Nieder-Österreich 
J. Domzrro: Vorkommen von Fahl- und Buntkupfer-Erz Chälis 
Gruner: analysirt Kalkstein des Ambert-Tbales c i 
C. Bromsis: analysirt Fahlerz aus Blexico 
A. Gıirarn: Basalte und ihr Verhalten zu Doleriten 
. Rose: Dimorphie des Palladiums 
F. X. M. Ziere: Vulkanische Mineralien Böhmens und ibr geo- 
guostisches Verhalten . i Ä B - . 
SENEzZ: zerlegt Kalkstein von Veuzac 
Kranz: Eiseuglanz und Eisenkies auf Elba 


Scite 
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955 
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732 
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Xu 


. Seite 
Raımmersgers: zerlegt Bitterspath, Miemit, von Bilin . ; 851 
A. BreitHaupr: über Kalkspath und Arragon r & : 2 851 
SauvaceE: Analyse von Oxford-Thon und Craie tufau £ : 852 
EsBELmEen: ,„ des Kalks von Busey-les-Gy e : 852 
E. F. Grocker: Wasserkies, in Mähren und Schlesien. re 852 _ 
Durr£enoy: Untersuchung des Villarsits - . . » 853 
W. Haıpineer: Ixolit, ein neues Erdharz . - : : > 854 
R. Hermann: Ural-Orthit, ein neues Mineral , . A 854 
. B. Geologie und Geognosie. 

Pırıa: Versuche über die Erscheinungen an den Fumarolen der 
 Solfatare und des Aygnano-See’s . 113 
C. Harımann: „die Schöpfungs-Wunder der Unterwelt“ Stuttg. 

1841, 8.) 114 
W. Rıcnaroson: über die Lokalität des Hyracotherinm 114 
Ar. Bronenıart: Aschen-Regen auf einem See-Schiffe bei Sumatra 115 
Bramston: Beständig gefrorner Boden in N.-Amerika : E 116 
Hebung und Anschwemmung von Land in der untern Loire und 

der Vendee . e i F } } 117 
Duwvar: Neocomien- Gebirge im Drome-Dept. N 4 : ; 118 
Forcnnammer: Tertiär-Boden Dänemarks . 5 243 
E. Rosert: Ursprung der Kieselerde des Geysers auf Island 5 243 
C. Darwın: merkwürdige Sandstein-Barre zu Pernambuco u. a. 243 
MAaATHER 
H. D. Rocsrs| zerstreute Blöcke und Geschiebe des Diluvial- 
LockE Landes in Amerika . ; \ 2 ? : 245 
JACKSON 
G. BLödE: geognostische Beschreibung des Gouvts, Charkow . 246 
J. DE CHARPEnNTIER: „essai sur les glaciers etc.“ 1841, 8°. i 342 
L. A. Necker: Gletscher-Morainen und Eis-Zeit i 350 
Ca. Martins: Gletscher Spälzberyens, der Schweitz und Norwegens 354 

= In wie ferne Gletscher die Steine ausstosseu : 356 

L. Acassız: Neue Beobachtungen am Aar-Gletscher . 359 
W. A. Lamrapivus: künstliche Verflüchtigung des Goldes und Sübers 359 
Durrenoy: vulkanische Gebilde um Neupel f Ä , 465 
v. MEYENDoORFF: geognostischer Umriss von Russland ’ : 474 
E. Desor: Besteigung der ‚Jungfrau . ; 3 ; . 476 
r n Schliff-Flächen in den Kalk- Alpen ; \ , ; 476 
Fortführung von Staub über’s Meer . : \ : , 476 
De Correeno: Ritzen der Schliff-Flächen . : ; 478 
BovssineauLt: über die Wärmestrahlung des Schnee’ s ‘ } 478 
WANGENHEIM von QuaALen: Geognosie des westlichen Ural’s . 478 
G. Fıscuer v. Warpnem: Bestimmung dortiger Petrefakte > 483 
F. Uncer: fossile Pflanzen auf der Stangalpe . 3. s 607 
Daver£e: über die Zinnerz-Lagerstätten ü . } & : 609 
S. A. v. Herner: über Gang-Theorie’n 610 
WaLkEr u. A.: Zerstörungen von Gestein durch Saxicava rugosa 

zu Plymouth . ? Sp 
Arc. D’Orzıcnv: Tertiär- ‚System der Pampa’s S.-Amerika’s g 736 
Acassız’ und Desor’s Winter-Ausflug nach den Gletschern P 737 
J. DE CuArrentier: die Venerz’sche Hypothese auf erratische 

Erscheinungen des Nordens angewendet [vgl. S. 745] : 738 
Durocuer: Erratische Erscheinungen in den Pyrenden . 741 


H. Br. Geimitz: das Sächsisch-Böhmische Kreide- WENTEPR IIL,, 
Oberlausitz und innres Böhmen . 4 N . 74 


X 


J. Dessovees u. ©. Pr£evost: Knochen-Höhlen u. Breccien um Paris 
ELsıe pe Beaumont: über Durocuer’s Abhandlung von den Dilu- 


vial-Erscheinungen des Nordens . , 
Erıe pe Beaumont: Wirkung zentraler Wärme und äusserer Kälte 
auf Gletscher-Bildung . - , . a 
— — über erratische Phänomene . \ ; . . N 
D’AgBaDIE: das Tehama in W.-Arabien ; ! i \ . 


Steinkoblen-Lager in Istrien und Dalmatien 

v. SENARMoNT: das Kreide-Gebiet im Aube-Depart. 

A. PırLLette: Steinkohlen-Becken in den östlichen Pyrenäen 

Erdbeben in S.-Salvator, Guatemala ü i 
5 auf Ternate g 

Durrenoy: Aufnahme von Staub in die Wolken } 


C. Petrefaktenkunde. 


G. zu Münster: „Beiträge zur Petrefakten- Ber IV. Heft, 1841 

Ein modernes Mammont in N.-Amerika 5 

H. v. Meyer, „veue Gattungen fossiler Krebse im Bunten Sand- 
stein“ etc. 1840, 4. 

Koch und ScHhmip: „die Fährten-Abdrücke im n Bunten Sandsteine 
bei Jena, 1841, 4. . 

L. Vanuxem: Austern-Lager auf der Küste der Vereinten Staaten 

VALENcCIENNES: Fisch- und Reptilien-Genera des Meeres oder 
des Süsswasserss . 

H.R. Görrerr: Quadersandstein- Flor Schlesiens "und Aachens 

Kıur: über Canis propagator b 

Duvar-Jouve: „Belemnites des terrains eretaces“ ä 1841, 49 

Owen: 6 neue Arten fossiler See-Schildkröten ; 2 - 

D’OrszısnY: Foramiferen der Pariser Kreide s : 

v. Bucn: „Produkten oder Leptänen“, 1841, SP . 

G. Bronn u. J. J. Kıup: „Gavial-Reptilien des Lias“, 1841, fol. 

C. Luxıs: Zersetzung suceulenter Pflanzen-Stämme 

FıscHer v. WaLpnem: fossile Pflanzen Russlands 

De ChrıstoL: Sinemuria, ein neues Genus fossiler Muscheln . 

L. Acassız: Monographie d’Echinodermes, 3°. livr., Neuchatel 1842 

De Laızer et pe Parıev: fossiles Pachyderm, Oplotherium 

D’Arcusac: Fossilisation der Echinodermen „. . 

GörrperT und EHReENBERG: Schlesisches Wiesen- Papier 

R. Owen: 2. Bericht über fossile Reptilien Britaniens 

G. Gr. zu Münster: Beiträge zur Petrefakten-Kunde Y. Heft, 1842 

G. Fischer DE WALDHEIM: sur le Rhopalodon, Saurien fossile; 8° 

L. Acassız: Nomenclator zoologicus, Fascic. I, 1842, 4° 3 

H. E. Srricktanp: über das Muschel-Genus Cardinia im Lias 

S. P. Prast: Libellen-Flügel im Lias 

S. SturcHgury: Pachyodon, fossiles Muschel- Geschlecht i im n Lias 

A. E. Corpa: Karpolithen, besonders der Steinkohlen-Formation 

Ixem: Reinigung von Grünsand-Petrefakten : ; . 

L. Acassız: Poissons fossiles, livr. XIV, 1842 - ) : 

Bucktand: Schnecken-Löcher im Kalkstein . , L - b 

C. Pr£vost: desgl. - 

BuckıneHam: Menschen- Fährten im Sandstein 'N.-Amerika’s . \ 
A. v. GursIer: fossiler Farnen-Stamm: Caulopteris Freies- 
lebeni, in Zwickauer Schwarzkohle (1842, 8°) . i 
J. Scortr BowerBAank: Moos- Achate u. a, kieselige Körper e 
R. Owen: Polyptychodon-Reste im Untergrünsand Englands 


Bich-TaEs 


Seite 
743 


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502 
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503 
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620 


XIV 


. Seite 
M.- pe Senres: Metaxythberium- Skelett bei Beaucaire . - 622 
R. A. pu Roquan: „Description des Rudistes des Corbieres, 4°“ 623 
Coqguann: Abhandlung über Aptychbus und Teudopsis . ö 625 
M’CrerLanp: Hexaprotodon, ein fossil. Pachyderm: (stindiens 628 
T. B. Jorpan: Galvanische Kopie’n von Petrefakten 629 
C. MicnHerorr:: „Alunografia del Genere Murex, Vicenza 1841, 4° 745 
Uncer: Versteinte Hölzer des Museums zu Linz . 745 
E. Forges: zoo-geolog. Beobachtungen über Süsswasser- Konchylien 748 
A. D’OREIENY: Z00- geologische Beobachtungen über Rudisten.. 749 
Guerrin: Insekten in Bernstein Siziliens . ; ; : ; 750 
©. J. Dare: Fossile Libellen iu Lias \ ; ; E s 750 
v. NortHampron: Fossile Arachniden ; ä k : ö 750 
BuckLann: Bericht über fossile Insekten . - i 750 
Gray: 2 neue Seestern-Genera: Comptonia und Framia i 751 
Eve. Sısmonpa: „Monografia degli Echinidi del Piemonte“, 1841 4° 751 
C. G. EuRenBERG: Lager mikroskopischer Organismen in Berlin 752 


L. Acassız: Etudes critiques sur les Mollusques fossites, II, . 

Myes, le moitie (Neuchatel, ie 2 s ; E 8 862 
Corva: über fossile Pflanzen ; | ; 866 
W. H. Benson: systematische Stellung von. Bellerophon ee: 867 
J. Quezertr: Infusorien-Arten, welche im N. leben und in Rich- 


mund fossil sind . no: 5 . x N 153 868 
H. H. Wuıte: fossile xuntbidien 2 Y : z 868 
R. Owen: fossile Säugthiere von Darwın’s "Welt- Reise L : 868 


D. Mindralien- id RE ie, 


Veokanf einer bedeutenden Mineralien-Sammlung R 125 
OsermürLer und Tascae’s Sammlungen aus dem Pariser Bein 753— 756 


E. Geologische Preis-Aufgaben 


der Niederländischen Sozietät zu Harlem 2 . { L 829 


Drucktehler-Verzeichniss. 


Seite Zeile statt lies 

31, v0. .28 at, 

58, U4 „ u. AGassız v. CHARPENTIER und Acassız 
02, 4 „ im Abschwung im Abschwung 

68, o. Schoonen Schoonen, 

- . Atleynanys Allegannys 

1062.03 3) N 4) 

167, 22 „ „Ataenian taeniam 


ER pr IX. 
BE A 7 — Aug. 21 
316, 1, u. gändli zugleich 

439, 9, o. VerhäNnisse „ Verhältnisse, 


„ gestürzier gestürzte. 

verzeichnet, förderen sie oft die- 
selbe. Es 

jedoch die 

noch nach 

also 

Weltkrankheiten 

Identität, d. i. seine Gottheit, 

XLI 


445, 15 „ o. als 

» 2 „ u. Weltkräften 
447, 17 „ ,„ Identität 
455, 5,0. XL, 

2, u! 

y an 

459, 11 ,„ o. rhomboedri- 


722, 12 „ „ 10. JamEson’s 
24. 5,u11B 

743, 12 „ o. Blackdow 
750, 5 „ u. Bächer 

751, 7 ,„o. Kafer 


Das 
Flötz-Gebirge nördlich von Bisenach, 


von 
Brn. Bergmeister A. CREDNER 
in Gotha. 


— 


Hıezu Tafel ]. 


— 


Die Gegend, auf welche sich die nachfolgende Beschrei- 
bung beschränkt, umfasst das bergige -Land' nördlich von 
-der Zörsel bei Eisenach und östlich von der Werra bei 
Kreutzburg. Die Oberflächen - Verhältnisse derselben über- 
sieht man am leichtesten, wenn man auf der Strasse von 
Langensalza nach Eisenach die Höhe zwischen Gross-Beh- 
ringen und Gross- Lupmiz betritt. Bei dem ersten Dorfe 
endet die Keuper-Ablagerung, welche das ringsum von Mu- 
schelkalk- Höhen umschlossene Plateau von Gotha bedeckt. 
Unter braunrothen Mergeln heben sich westlich von jenem 
Dorfe die Glieder der Lettenkohlen-Gruppe hervor, gleich- 
förmig dem Muschelkalk angelagert, welcher in hor. obs. 
104 streichend und 50100 gegen NO, einfallend in einem 
flachgewölbten, von der Nessa durchschnittenen Rücken die 
Höhe des Zainichs mit dem Zöürselsberg bei Sättelstedt ver- 
bindet. Auf diesem Berg-Rücken zwischen Gross-Behringen 
und Zupnitz. angelangt, erblickt man ein schmales, in nord- 


westlicher Richtung langgezogenes Bassin vor sich. Scharfe 
Jahrgang 1842. 1 


2 


Berg-Rücken, deren Form in ihnen schon aus der Ferne 
Kalk-Berge erkennen lässt, umschliessen dasselbe von allen 
Seiten. Gegen SW. hin erstrecken sich die der Zürsel ent- 
lang laufenden Höhen des Zörselsberges, des Landgrafen- 
berges, des Ramsberges und Goldberyes, ferner jenseits der 
Werra, welche diesen Höhen-Zug bei Hörschel durchschnei- 
det, der Kieiforst und Entenberg; gegen NW. hin schliessen 
sich die Höhen jenseits der Werra bei Kreutzburg mit dem 
Hellerstein an die vorigen an; gegen N. und N®, vom er- 
wähnten Bassin erhebt sich der breite und hohe Kalk-Rücken 
des Aainichs, welcher sich nördlich von der Werra nach 
dem Kalk-Plateau des Eichsfeldes hinzieht. Das so begrenzte 
Bassin wird durch einen etwas niedrigeren, von Kreuizburg 
aus gegen SO. hin auslaufenden Höhen-Zug, welcher sich bei 
Neukirchen einerseits nördlich nach dem Zaimich, anderseits 
südlich nach dem Landgrafenberg hin verläuft, durchschnit- 
ten. Es entstehen hierdurch drei kleinere Bassins, das von 
Gross-Lupnilz, das von Mihla und das von Krauthausen. 
Aus diesem letzten erheben sich einige ansehnliche Berg- 
Höhen, der Moseberg, der Eichelberg, die Schlierberge und 
vor allen die Kesel-förmige Kuppe der Zageleite. Diese 
letzte erreicht gegen 1100’ Meeres-Höhe; die meisten der 
das Bassin umschliessenden Kalk-Berge erheben sich bis zu 
1300° und 1400'. 

Am südwestlichen Abhange des Berges zwischen Gross- 
Behringen und Gross-Lupnilz, welcher diese Übersieht ge- 
währte, gehen die oberen Lagen des Muschelkalkes in vie- 
len Schluchten zu Tage aus; sie streichen in hor. 11 und 
fallen 5°—10° gegen SW. Auf ihnen ruhen die Keuper- 
Mergel, welche sich jenem Berge entlang von Mellborn über 
Gross-Lupnitz bis Julienslust hinziehen. Hier bei Juhenslust 
liegen die mergeligen gelblich-braunen Schiefer der Letten- 
kohlen-Gruppe dem Muschelkalk gleichförmig auf; die Schichten 
streichen dein von Newkörchen nach dem Aatnich hiniziehenden 
Berg-Sattel parallel in hör. S, mit einem Fallen von 10% gegen 


SW. Ebendiese Schiefer zeigen oberhalb Zölzelsroda ein 


3 


südöstliches Streichen mit flaechem nordöstlichem Einfallen. 
Südlich von Wenigen- Dupnitz, am Fusse des Jörselsberges sieht 
man neben dem in hor. 10 streichenden und gegen NO. ein- 
fallenden Muschel-Kalk die buntgefärbten Mergel des Keu- 
pers in entsprechender Lagerung. Es geht hieraus hervor, 
dass dem Bassin von Gross- Lupnälz die Keuper-Mergel Mulden- 
förmig und dem Muschel-Kalk gleichförmig aufgelagert sind. 

Ganz dieselben Verhältnisse wiederholen sich im Bas- 
sin vor Mehla; doch sind hier die Glieder des Keupers in 
dem von Berka nach MiAle in nordwestlicher Richtung lau- 
fenden Thal-Grunde in ihrer ganzen Entwickelung zu beob- 
achten, während sie in der Gegend von Gross-Zupnitz durch 
die Acker-Erde fast gänzlich überdeckt sind. Unterhalb Berka 
ruhen die Lettenkohlen- Schiefer einen Fuss mächtig und 
‚ von dolomitischen Mergelin begleitet, gleichförmig. auf den 
oberen Lagen des Maschel-Kalkes am südwestlichen Abhange 
des Zainichs (Streichen hor. 10, Fallen 10° SW.). In ent- 
sprechender Lage findet sich bei Lauterbach der Dotomit, 
sowie unter demselben der braunrothe und grünlieh-graue 
Mergel-Sandstein dem Sandstein des rothen Steinbruches bei 
Goiha parallel. Bei Mihla wenden sich die Schichten der 
Lettenkohlen-Gruppe gegen SW. und ziehen sich hierauf in 
SO. Riehtung mit NO. Einfallen dem Newkirchener Höhen-Zug 
entlang hin. Also auch hier eine völlig geschlossene flache 
Mulde, welche nach ihrer Mitte zu mit braunrothen Keuper- 
Mergeln ausgefüllt ist. 

Manchfaltiger sind die geognostischen Verhältnisse des 
Bassins von Krauthausen. Es erstreckt sich in NW. Rich- 
tung vom Landgrafenberg bei Eisenach über Kraulhausen, 
die Saline Wilhelmsglücks- Brunn, über die Werra hinüber 
bis in die Gegend von /fla auf eine Länge von 2 Meilen, 
während die grösste Breite desselben zwischen Spiehra und 

Kreutzburg kaum eine halbe Meile beträgt. Ursprünglich 
_ dürfte dieser grosse Unterschied zwischen Länge und Breite 
noch ansehnlicher gewesen seyn, da das isolirte Vorkom- 
men der Lettenkohlen-Gruppe und jüngerer Gebilde. in 

1: 


4 


südöstlicher Richtung jenseits der Nesse und Zörsel hei 
Trennelhof und Rothehof auf einen früheren Zusammenhang 
mit dem Bassin bei Krautkausen hindeuten dürfte. 

Die Mulden-förmige Bildung, welche auch diesem Bas- 
sin zu Grunde liegt, geht aus den OÖberfllächen- Verhältnis- 
sen der Gegend wenigstens beim ersten Anblick nieht hervor; 
die Höhen und Berg-Rücken des Moseberges, des Eichelberges, 
der Hageleite, des Schlierberges und des Tellberges, welche 
sich regellos vertheilt in ihm erheben, scheinen vielmehr 
dagegen zu sprechen und deuten jedenfalls auf Anomalie’n 
der geognostischen Verhältnisse hin, welche die ungewöhnliche 
Form der Oberfläche zur Folge hatten. Sie werden sich 
leicht übersehen lassen, wenn zunächst die Gesteine, welche 
den Rand und den ursprünglichen Grund des Bassins bilden, 
und sodann die in demselben abgelagerten Gebilde betrachtet 
werden. 

Das Krauthäuser Bassin ist ringsum von Berg-Rücken 
des Muschelkalkes umschlossen, dem sich in Lagerung und 
Verbreitung die Lettenkohlen-Gruppe unmittelbar anschliesst, 
Den Berg-Rücken entsprechend streichen die Schichten vor- 
herrschend in nordwestlicher Richtung, am südwestlichen 
Bassin-Rand gegen NO,, am Nordostlichen gegen SW. ein- . 
fallend. In dieser Lagerung sieht man am rechten Thal- 
Gehänge der Hörsel unterhalb Slediefeld über dem Bunten 
Sandstein den Wellenkalk, den Gyps mit Dolomit und den 
Kalkstein von Friedrichshall in hor, 9—10 streichend und 
30°—40° gegen NO. einfallend. An dem gegenüberliegen- 
den Rande, am Höhen-Zuge zwischen Ütterode und Kreulz- 
burg fallen die Schichten des Wellenkalkes bei einem Strei- 
chen in hor. 9 unter 10°—15° gegen SW. ein, Sprechen 
diese vorherrschenden Lagerungs-Verhältnisse für eine Mul- 
den-förmige Bildung, so beweisen zahlreiche Beobachtungen, 
dass diese unter den gewaltsamsten Störungen stattfand und 
daher vielfachen Unregelmässigkeiten unterworfen war. Schon 
zwischen dem Dorfe Zörschel: und Stedtefeld in der Nähe 
der beiden Basalt-Gänge , welche im Wellenkalk aufsetzen; 


B) 


bemerkt man bald ein südwestliches Einfallen, bald eine 
lothreehte Stellung der Schichten. Weit auffallender sind je- 
doch die Lagerungs-Verhältnisse am Michelsberg bei Eisenach. 
Am westlichen Abhange dieser durch mehre Steinbrüche auf- 
geschlossenen Berg-Kuppe gehen die oberen Schichten des 
Bunten Sandsteines zu Tage aus; braunrother und grünlich- 
weisser, zum Theil dolomitischer Mergel-Sandstein wechselt 
in dünnen Lagen mit buntgefärbten Mergeln. Anfangs fallen 
die Schichten bei einem Streichen in hor. 91, unter 80°—S5° 
gegen NO., näher noch der Kuppe zu bei gleichem Streichen 
unter S0° gegen SW. Die Kuppe selbst besteht aus Wel- 
lenkalk, dessen Schichten, in hor, 9 streichend, unter 72° 
gegen SW., also unter den Bunten Sandstein einfallen. In 
einem Gyps-Bruch am östlichen Abhange des Michelsberges 
schneidet dieser Wellenkalk an einer stockförmigen Masse 
von thenigem Gyps und buntem Mergel scharf ab. Die 
Grenz-Fläche streicht in nördlicher Richtung und fällt unter 
ungefähr .50° gegen SW. ein. Wegen dieser Auflagerung 
des Wellenkalkes auf dem Gyps-Mergel wurde dieser selbst 
von Frıepe. HormAnn dem Bunten Sandstein beigezählt, wäh- 
rend er dem Keuper angehört, wie nicht nur aus seiner 
petrographischen Beschaffenheit, sondern auch aus seiner 
Auflagerung auf den Muschelkalk am Landgrafenberg und 
oberhalb Stregda hervorgeht. In dem erwähnten Bruch am 
Michelsberg erscheinen die Schichten des Keuper - Mergels 
stark gebogen, etwas vom Berge entfernter streichen sie in 
hor. 10 und fallen unter 50% gegen SW. 

Der Michelsberg ist nur durch den Michelsbach vom 
südöstlichen Fusse des Ramsberges getrennt. In dem Pro- 
file, welches die an diesem hinführende Chaussee bildet, zei- 
gen sich genau dieselben Anomalie’'n, wie am erstgenannten 
Berge. Statt des Keuper-Mergels erscheinen jedoch hier die 
Glieder der Lettenkohlen-Gruppe in gekrümmter, aufgerich- 
teter Schichten-Stellung unter dem Wellenkalk. Auch zeich- 
net sich dieser durch eine an Steinkernen von Trigonia 
vulgaris reiche Lage. aus; diese Kerne liegen nicht, wie 


6 


gewöhnlich, auf der oberen, sondern auf der nach unten gekehr- 
ten Seite derselben, eine Erscheinung, welche die förmliche Um- 
kippung der Schichten recht augenscheinlich darlegen dürfte. 
Wendet man sich in südöstlicher Richtung vom Michels- 
berg nach dem linken Thal-Gehänge der Zöürsel, so wiederholen 
sich ganz ähnliche abnorme Erscheinungen an den Kalk- 
Rücken des Gau/lgenberges. Die Schichten des Kalksteines 
von Friedrichshall, namentlich (die unteren oolithischen Lagen, 
streichen hier in hor. 104 und fallen unter 60° gegen SW. 
unter den Bunten Sandstein, der sich weiter hinauf nach 
dem Göpelsderg zu mit gleichem Streichen und Fallen auf- 
legt, welches sich erst in der Nähe des Zechsteines in die 
entgegengesetzte Richtung umändert. Dass jener Kalkstein 
am Galgenberg Muschelkalk sey, diess beweisen die zahl- 
reichen Versteinerungen desselben, namentlich Enerini- 
tesliliiformis,Peeten Albertii und AvieulaBronni. 
3ei dieser ist, wie gewöhnlich, die rechte Klappe mit der 
Kalk-Schichte verwachsen, die linke aber nicht nach oben, 
‚sondern nach unten gerichtet, indem auch hier die Versteine- 
rungen auf der nach unten gekehrten Seite der Schieht liegen. 
Der Kalksteın des Galgenberges zieht sich als ein schma- 

ler Kamm bis zum @efilde hin, dann erhebt er sich zu der 
Höhe des Arnsberges, weleher durch einen schmalen aber 
tiefen Berg-Sattel vom Reihersberg getrennt ist. Die Schlucht, 
welche sich zwischen beiden nach Fischbach zu öffnet, be- 
zeichnet zugleich einen verschiedenen Schichten-Bau in den 
Kalk-Bergen. Westlich von ihr fallen (Fg. 5) die vielfach ge- 
krümmten Schiehten des Wellenkalkes und ‘des unter ihm 
hervortretenden Bunten Sandsteines meist steil gegen SW., 
während man am östlichen Gehänge derselben ein theilweises 
Profil der gegen NW. einfallenden Lagen der verschiedenen 
Glieder des Muschelkalkes vor sich sieht. Auch die Letten- 
kohlen-Gruppe schliesst sich, um die Verwirrung zu ver- 
grössern, mit zum Theil stark aufgerichteten Schichten, 
welche theils gegen NW. und theils gegen NO. einfallen, 
dem Kalkstein von Friedrichshall an. 


7 


Solche auffallende Störungen sind indessen nicht nur 
auf den südlichen Rand des Krauthäuser Bassins beschränkt, 
sie finden ebenso am nördlichen und in der Mitte desselben 
Statt. Zwischen Siregda und Madelungen erhebt sich ein 
scharfer Berg-Kamm, niedriger als der angrenzende Mose- 
berg. Muschelkalk und die Schichten der Lettenkohlen- 
Gruppe, namentlich eines gelblichbraunen, an Kalkspath- 
Drusen reichen, körnigen Dolomites bilden ihn, -Die Gestein- 
Lagen streichen dem Berg-Rücken gleichlaufend in hor. 19 
"und fallen 35°—50° gegen SW. 

Noch verwickelter ist der Schichten-Bau einiger niedri- 
ger Rücken von Wellenkalk zwischen Madelungen und Ütie- 
roda am nördlichen Fuss der Zageleite. Wie bei den übri- 
gen Ralk-Bergen streichen auch hier die Schichten in Stunde 
9—10; dagegen zeigt sich in der Neigung derselben nichts 
Konstantes: unmittelbar nebeneinander sieht man sie bald 
steil aufgerichtet, bald in söhliger Lage, bald manch- 
faltig gekrümmt. 

Vom Goldberg oberhalb Stedtefeid zieht sich ein langer 
Höhenzug, der Tellberg, in nordnordwestlicher Richtung ‚queer 
durch das Krauthäuser Bassin nach Äreuizburg zu, welcher 
sich erst dicht vor der Saline Wilhelmsglücks-Brunn in die 
Ebene verläuft und gegen die Werra hin steil abfällt. Er 
besteht aus den Schichten des Kalksteines von Friedrichs- 
hall, unter welchen am steilen Abfall nach der Werra zu 
unterhalb Spzehra, am Spaienberg, der schon von Voisr be- 
‚schriebene Gyps ausgeht. Die Schichten des zum Theil ooli- 
thischen Kalksteines, reich an Encrinites liliiformis, 
Plagiostomastriatum, Terebratula vulgaris, Tur- 
ritella sealata, Avicula socialis, streichen auf der 
Höhe des Berges hor. 104 unter 45°—50° gegen SW. ein- 
fallend, und am Fusse desselben nahe bei der Saline und in 
der Nähe des Gypses hor. 14, flach gegen ©. fallend. 

Um ‚und neben den aus Muschelkalk und aus der Let- 
tenkohlen-Gruppe 'bestehenden Höhen, welche sich im Krauft- 
häuser Bassin erheben, erscheinen jüngere Gebilde an- und 


& 


auf-gelagert , ohne solche Störungen, wie die vorerwähn- 
ten, selbst in der unmittelbaren Nähe dieser Berge zu 
zeigen. Es folgt hieraus, dass das Bassin von Krauthau- 
sen vor Ablagerung solcher jüngeren Gebilde Form und 
Gestalt erhielt und dass diess mit gewaltsamen Störungen 
der Lagerung der bereits vorhandenen Gesteine verknüpft 
war, wobei sich auch hier die am T’häringer- Wald vorherr- 
schende nordwestliche Richtung der Hebungen geltend macht. 
Die Zeit, in welche diese Störungen fallen, dürfte mit der 
Billungs-Periode der Gyps-Mergel über der Lettenkohlen- 
Gruppe zusammentreffen. - 

Wir wenden uns nun zu den Gebilden, welche sich 
nach diesen Störungen im Krauthäuser Becken und um die 
aus ihm hervorstehenden Erhöhungen des Bodens ablager- 
ten. Sie bestehen aus der oberen Gruppe des Keupers und 
den Gliedern des Lias. Die braunrothen und grünliehgrauen 
Mergel des Keupers bedecken den grössten Theil des Kraut- 
häuser Bassins. Sie verbreiten sich vom Michelsberg nach 
Ramsborn, Deubachshof, Spiehra, vorzüglich aber über die 
Gegend von Stregda, Madelungen, Kraulkausen und Leng- 
röden, sowie jenseits der Werra nach Iffa zu. Am mäch- 
tigsten sieht man sie am nördlichen Abhang der Aageleste 
entwickelt. Es wechseln daselbst Schichten von grünlich- 
grauem Mergel mit licht-braunrothen Lagen desselben Ge- 
steines; dazwischen schalten sich einzelne 4’ — 2‘ mächtige 
Bänke eines dichten, festen, meist graulichweissen Thon- 
Quarzes oder eines diehteren Mergels mit krystallinischen 
Quarz-Nestern ein. Von Gyps zeigte sich keine Spur in 
dieser über 200° mächtigen Ablagerung. Die Schichten strei- 
chen hor. 11 bis 12 mit einem Einfallen von 15° bis 30% 
gegen SW. Eine gleiche Lage zeigen die Mergel am Eichel- 
bery, so wie a nördlichen Abhange des Moseberges. Da- 
gegen fallen dieselben Mergel-Lagen oberhalb Rumsborn und 
bei Spiehra unter 250 — 30° gegen NO., auf eine Mulden-för- 
mige Einlagerung derselben in Kraulhäuser Bassin hindeutend. 

In der Mitte dieses Beckens ist der untere Lias-Sandstein, 


“ 


9 


dem am,grossen Seeberg bei Gotha völlig entsprechend, abgela- 
gert. Er bedeckt die Höhe und den nordwestlichen Abhang des 
Moseberges, die Kuppe des Eichelberges und die Kuppe und den 
südwestlichen Abhang der Zageleite und der Schlierberge. Er 
ist meist gelblichweiss, feinkörnig, fester als die Sandsteine 
des Keupers und liefert ein ganz vorzügliches Bau-Material, 
welches. in. zahlreichen Brüchen am sSchäüerberg, an der 
Heageleite und am Eichelberg gewonnen wird. Er ist regel- 
mässig in mächtige Bänke geschichtet, welche gegen die un- 
terliegenden Mergel, mit welchen sie nirgends zu wechsel- 
lagern, scheinen, scharf begrenzt sind. Nur hier und da 
zeisen sieh schwache Lagen eines fetten grauen Thones 
zwischen den Sandstein-Schichten. Die oberste Bank, gegen 
10° stark, ist die mächtigste von allen; auf sie beschränkt 
sich fast ausschliesslich die Gewinnung von Bausteinen. Die 
Mächtigkeit der ganzen Sandstein-Bildung scheint ungefähr 
SO! zu betragen. Versteinerungen im Sandstein wurden bis 
jetzt nicht bemerkt. Die Schichten des Sandsteines streichen 
am Moseberg wie an den Schlierbergen hor. 94 bis 10% und 
fallen unter 10° bis 15° gegen SW.; nur an der Chaussee 
oberhalb Ramsborn scheint das entgegengesetzte Einfallen 
Statt‘ zu finden. Es möchte wohl keinem Zweifel unterlie- 
gen, dass die jetzt getrennten Partie'n des Sandsteines ur- 
sprünglich ein zusammenhängendes Ganzes bildeten und dass 
gegenwärtig nur noch einzelne Theile des nordöstlichen Flü- 
gels einer flachen Mulde vorhanden sind, welche die Mitte 
des Krauthäuser Bassins einnahm. Nur die festeren Sand- 
stein-Partien widerstanden bei der späteren Thal-Bildung 
der Zerstörung und schützten zugleich die unter ihnen lie- 
genden Mergel, die sich daher hier, wie zwischen Gotha 
und Arnstadt, als die untere Hälfte meist kegelförmig ge- 
stalteter Berge erhielten, 

Über dem unteren Lias-Sandstein folgen die Kalk- und 
Mergel-Schichten des Lias. Wenn sich diese einst auch in der 
Mitte des Krauthäuser Bassins ablagerten, so lässt sich doch 
nach den eben gemachten Bemerkungen im Voraus erwarten, 


10 


vorhandene Ablagerung desselben scheint sich anf eine kleine, 
dass ihr Vorkommen wegen ihrer leichteren Zerstörbarkeit 
noch beschränkter ist, als das des unterliegenden Sandsteines. 
In der That haben sich nur kleine Überreste ihrer Ablage- 
rung erhalten, die indess um so mehr Beachtung verdienen, 
je entschiedener sie für die frühere Verbreitung der Lias-For- 
mation im Krauthäuser Bassin sprechen und je deutlicher siedas 


Vorkommen der verschiedenen Glieder derselben nachweisen. 


Schon seit langer Zeit ist das Vorkommen von schwarz- 
grauen Mergel- Schiefern am Schlierberg namentlich durch 
Voist*), bekannt. Sie sind sehr dünnschieferig und der 
Verwitterung im hohen Grade ausgesetzt. Hiezu scheint die 
Zersetzung von Schwefelkies, welcher in ihnen vorkömmt, 
viel beizutragen. Sie ruhen, wie man namentlich im Kraut- 
häuser Steinbruch beobachten kann, unmittelbar auf dem 
weissen Sandstein, mit welchem sie in einigen schwachen 
Lagen wechsellagern. Weiter nach oben legen sich einige 
wenige Zolle starke Schichten eines schmatzig-gelben sandi- 
gen Mergels dazwischen. Noch höher hinauf sieht man eine 
gegen 1’ starke Bank zwischen den geradschieferigen Mergeln, 
welche aus plattgedrückten Nieren eines hellgrauen diehten 
Kalksteines und thonigen Sphärosiderites und aus Tuten-Mergel 
besteht. Darüber folgen wiederum schwarzgraue Mergel-Schie- 
fer, deren gesammte Mächtigkeit 20’ bis 25‘ beträgt. Sie sind 
dem unteren Lias- Sandstein völlig gleichförmig aufgelagert. 

Noch mehr, als diese Schichten-Folge, sprechen die Ver- 
steinerungen für die Zugehörigkeit der Schiefer zur Lias- 
Formation. In den Schichten unmittelbar über dem Sand- 
steine findet sich in zahlloser Menge Posidonomya Bro nnj, 
der kleinen, wenige Linien grossen Varietät entsprechend, 
welche Rormer **) als den bituminösen Lias-Schiefern ange- 
hörig bezeichnet. In den höheren Lagen scheint diese 


*) Vossr’s kleine mineralogische Schriften, Band I, S. 152. 
Desselben mineralogische Reisen durch das Herzogthum Weimar 
und Eisenach, Thi, 2, S. 95. 

**) Die Versteinerungen des norddeutschen Oolithen-Gebirges, $. 81. 


11 


Versteinerung gänzlich zu verschwinden, während eine kleine 
Avicula(Monotis), der A. fornieata*) ähnlich , immer 
häufiger wird; in dem dichten Kalkstein wurden sie bis 
jetzt nicht bemerkt. Ausserdem finden sich noch sehr häufig 
Abdrücke von Venus liasina, entsprechend der kleinen 
Varietät, welche Rosmer #*) aus den Kalk-Schiehten unter dem 
Tuten-Mergel bei Trilleke anführe. Endlich, sind Abdrücke 
und Steinkerne 'einer kleinen Bivalve, Cardium trunca- 
tum ***) entsprechend, in den Zwischenlagen von sandigem 
Mergel sehr häufig. Diese wenigen Arten von Versteine- 
rungen dürften genügen, um entschieden zu beweisen, dass die- 
ser schwarzgraue Mergel-Schiefer dem Posidonomyen - Schie- 
fer, wie er dem untern Lias-Sandstein im Innerste - Thal 
unmittelbar aufgelagert ist, völlig entspricht. Ammoniten und 
Terebrateln wurden bis jetzt in ihm nicht gefunden. Der 
Posidonomyen-Schiefer bedeckt den westlichen Abhang der 
Hayeleite und der Schlierberge; wenigstens wurde er hier 
bei verschiedenen Steinbruchs-Anlagen entblöst. In einem 
Schacht, welcher im Jahre 1798 versuchsweise auf Stein- 
kohlen angelegt wurde, fand man die Mergel-Schiefer gegen 
40! mächtig. in der Nähe des Sandsteines kommen nach 
Voıst}) einzelne kleine Partie'n einer vorzüglichen Stein- 
kohle, jedoch ohne Spur von Kräuter-Abdrücken vor. Ein 
gleichmässig fortsetzendes nur einigermaasen bauwürdiges 


Kohlen-Flötz wurde nicht aufgefunden. 


Ein zweiter Überrest des Lias hat sich am Moseberg 
erhalten. Schon Voicr +}) erwähnt, dass am Moseberg 
'Thon-artiger Eisenstein mit Gryphiten vorkomme, den er 
indess wegen seiner sehr beschränkten Verbreitung nieht 
habe auffinden können. Hrn. Gunmprecht gelang es vor 
Kurzem, diese Fundstelle näher nachzuweisen und durch 
das Vorkommen der entscheidendsten Versteinerungen das 
Vorhandenseyn des Lias-Kalkes darzuthun. Die jetzt noch 


*) Rormer’s Versteinerungen ete. Nachtrag, S. 32, Tf. XVII, Fg. 26. 
"”) a. a. ©. 109. — *””) Rozrmer a. a. O. Nachtrag, S. 39. 
1) a. a. 0. S. 154. — 7) Mineralogische Reisen, II, 88. 


12 


kaum 20 Schritte im Durchmesser betragende Fläche 'am 
nordwestlichen Abhange des Moseberges zu beschränken. Am 
sichersten findet man sie, wenn man den von Ramsborn nach 
Madelungen fülırenden Fussweg einschlägt, durch welchen 
da, wo er sich vom Berg-Rücken nach dem nordwestlichen 
Abhange herabzieht, einige Lagen des Lias entblösst sind. 
Sie bestehen aus schmutzig gelbgrauem Mergel-Thon und 
einer Schicht eines dichteren, theils schwarzgrauen, theils 
gelblichgrau gefleckten Mergel-Kalkes, mit welchem Nieren 
von thonigem Sphärosiderit vorzukommen scheinen. Die 
Mächtigkeit dieser Mergel- und Kalk-Lagen scheint nur we- 
nige Fusse zu betragen; sie ruhen unmittelbar auf dem unte- 
ren Lias-Sandstein, dessen obersten Schichten Mergel-reicher 
und weniger fest sind, als die tiefer liegenden. Wendet 
man sich gegen Ramsborn hin, so neigen sich hier die Schich- 
ten des gelblichweissen Sandsteines gegen NO., während sie 
in den alten Steinbrüchen an der nördlich von der Lias- 
Ablagerung gelegenen höheren Kuppe des Moseberges in hor. 
103 streichend unter 12° bis 15° gegen SW. einfallen. Es 
scheint hiernach, dass dieses Vorkommen des Lias der Über- 
rest des südöstlichen Flügels der ursprünglich Mulden-för- 
migen Ablagerung im Krauthäuser Becken ist. 

Welcher Abtheilung des Lias diese Überbleibsel am 
Moseberg parallel zu stellen sind, darüber lassen die vor- 
kommenden Versteinerungen kaum in Zweifel. Vor allen 
findet sich in ausserordentlicher Menge theils lose im Thon- 
Mergel, theils eingewachsen im Mergel-Kalk Gryphaea ar- 
cuata; weniger häufig sind Ammoniten, sämmtlich aus der 
Familie Arietes, Terebratula subserrata*®), Avi 
cula inaequivalvis, Venus liasina (9), eine Pecten- 
Art, so wie ein undeutliches Bruchstück eines Belemni- 
ten. Namentlich die unzweideutigen beiden erstgenannten 
Versteinerungen dürften die Annahme rechtfertigen, dass 
der Mergel und Kalk am Moseberg der Gruppe des Lias- 


Kalkes entspricht, in seinem petrographischen Charakter 


”) Rormer’s Versteinerungen, S. 42, Tf. U, Fg. 21. 


15 


mehr mit dem Vorkommen in Süddeutschland (besonders bei 
Bahlingen), als mit dem im nordwestlichen Deutschland *) über- 
einstimmend. | 

Voıst erwähnt in seinen mineralogischen Reisen **) 
eines alten in der Mitte des vorigen Jahrhunderts angeleg- 
ten Versuch-Baues auf Steinkohlen an den Kohlbergen süd- 
lich von Eisenach, welcher verschiedene Versteinerungen, A ste- 
rien, Belemniten, kleineAmmonshörner und Pecti- 
niten in ziemlicher Menge geliefert habe. Schon zweifelte 
ich an der Richtigkeit dieser Angabe und deutete sie auf 
die Versteinerungen und wulstförmigen Ausscheidungen des 
Wellenkalkes, welcher den Bunten Sandstein des Kohlberges 
umgibt, als icb bei Verfolgung der Schichten-Störung des 
Muscheikalkes der früher erwähnten Schlucht zwischen dem 
Arnsberg und Reihersberg eine alte Hialde fand, welche die 
Aussage Voıcr's völlig bestätigte. In zahlreichen Exempla- 
ren fanden sieh Bruchstücke von B 

Belemnites paxillosus (Tkleiner und spitzer zu- 
- Jaufend als B. paxillosus in Bronw’s Lethäa, 8. 409), 
die Falten an der Spitze in Folge der starken Verwitterung 
der Oberfläche undeutlich; 

B. pistilliformis (9 gleichfalls hassieh wegen star- 
ker Verwitterung der Oberfläche; 

Pentacrinites basaltifermis in zusammenhängen- 
‚den Stiel-Gliedern und einzelnen Wurzel-Stücken; 

AmmonitesAmaltheus, 14‘ bis 3 gross, 'zum Theil 
mit Knoten auf den abwechselnden Rippen, besonders häufig 
in einem schwarzgrauen Mergel versteinert; 

A. ...° (Fam. Faleiferi), in einem einzigen Bruch- 

stück gefunden; 

Terebratula vieinalis in Kalkstein eingewachsen; 

T. subserrata® mit der vorigen in Kalkstein einge- 
wachsen. 

Diese Versteinerungen, so wie das Vorkommen von lieht- 
gelblichgrauem dichtem Kalkstein, von thonigem Sphärosiderit 


'*) Rosmer’s Versteinerungen, S. 4, — "*) II, 100. 


14 

und schwarzem Mergel-Schiefer dürften die Annahme recht: 
fertigen, dass die hier abgelagerte Partie des Eias den Be- 
leinniten-Schichten entspreche, wie sie sich namentlich auch 
am Fusse des Zeimberges bei Göltingen finden. Aber unter 
welchen Verhältnissen erscheint diese Gruppe hier abge- 
lagert $ Voıst führt a. a.O.S. 99 an, dass in einem der ak 
ten Schächte eine Schicht schwarzgrauer Letten mit den 
Kalkstein - Schichten senkrecht niedergehe. Diese Angabe 
lleutet auf ungewöhnliche Lagerungs-Verhältnisse, über welche 
eine kurze Beschreibung der Umgegend weiteren Aufschluss 
ertheilen dürfte. | 

Südöstlich von Eisenach sind in einem kleinen Raum 
von ungefähr einer halben Stunde Länge und Breite, wel- 
cher mit dem Göpelsberg anhebend gegen W. von Marien- 
thal, gegen N. von der Zörsel und gegen 8. von einem un- 
bedentenden bei Rothehof in die Zörsel fallenden Bach be- 
grenzt wird, alle Formationen des Flötz-Gebirges zusammen- 
gedrängt, welche in der Zhüringen’schen Mulde vorzukommen 
scheinen. Vom Drachenslein herab ziehen sich die meist 
grobgeschichteten Bänke des Rothen-Todtliegenden mit grö- 
beren und kleineren Bruchstücken von Glimmerschiefer, Auarz, 
Granit und Porphyr bis an den südwestlichen Abhang des 
in südöstlieher Richtung lang sich hinziehenden Kammes des 
Güpelsberges. Hier erscheint ihm der Zeehstein, fast aus- 
schliesslich aus einem gelblichgrauen diehten un kleinkör- 
nigen Dolomit bestehend, aufgelagert, dem sich am nord- 
östlichen Abhange des Göpelsberges der Bunte Sandstein 
anschliesst., Bis dahin, wo sich dieser dem gegen NO. vor- 
liegenden Galgenberg und dem einzeln liegenden Hofe Ge- 
filde nähert und wo der von Eisenach nach Moosbach führende 
Fussweg gegen den Rothehöfer Grund zu abfällt, erscheinen 
die genannten drei Formationen in regelmäsiger, gleiehför- 
miger Auflagerung, in hor. 104 streichend und unter 25° 
bis 300 gegen NO, einfallend. Jenseits dieser Grenz-Linie 
hört die Regelmäsigkeit und Gleichförmigkeit der Schichten- 
Folge auf. Der Buute Sandstein und, noch weit auffallender, 


15 


derMuschelkalk erscheinen in der verworrensten Lagerung, 
Der letzte bildet den scharfen Kamm des Galgenberges, 
wie 'die steil nach allen Seiten hin abfallenden Rücken des 
Arnsberges, des Rerhersberges und des Armenberges. Die 
Richtung. dieser Berge und der ihr entsprechende Schiehten- 
Baunfolgt zwei Haupt-Linien; am Armenberg und Rerhersberg 
ist: sie der durch den Rofhehöfer Grund bezeichneten Grenze 
zwischen Muschelkaik und Buntem Sandstein im Allgemeinen 
parallel, die Schichten und Berg-Rücken streichen in nordöst- 
licher ‚Richtung und erste fallen unter 300—50° gegen NW. 
Am Galgenberg und Arnsberg herrscht die südöstliche Rich- 
tung, vor, mit vertikaler Aufrichtung oder steilem südwest- 
lichem Einfallen der Sehichten. Wo sich beide Hebungs- 
Linien durchkreutzen, sucht man vergeblich einen allmähliehen 
Übergang des Streichens der einen Richtung in das der an- 
deren ; eine tiefe Schlucht zwischen dem Arnsberg und 
Reihersberg, welche nieht nur den Muschelkalk , sondern 
auch, die oberen Lagen des Bunten Sandsteins durchschnei- 
det, „bezeichnet die Grenze zwischen beiden Richtungen ; 
südwestlich von ihr am steilen @ehänge des Arnsberges strei- 
chen die Schichten gegen SO., nordöstlich von ihr gegen NÖ. 
| Diesen offenbar gewaltsamen Störungen sind die vor- 
zugsweise verbreiteten Glieder des Welleukalkes, aber auch 
die des Kalksteines von Friedrichshail und der Lettenkohlen- 
Gruppe ausgesetzt gewesen, wie man recht deutlich an der 
Aufriehtung der Schichten in den Durchsehnitten letzter 
Gebilde am Fahrweg von Rolhehof nach dem Gefilde und 
‚an der Weinstrasse am Abhange des Armenberges beobach- 
ten, kann. Nur der Lias, welcher sieh in der Tiefe der 
erwähnten Schlucht ablagerte, war ihnen nicht unterworfen, 
Dafür sprieht nieht nur die auf diese Schlucht beschränkte 
Verbreitung desselben, sondern auch die wenig geneigte 
Lage seiner Schichten, namentlich des dichten Belemniten- 
reichen Kalksteines und der schwarzgrauen schiefrigen Mer- 
gel (Fig. 5). | | 

Der Einselinitt zwischen Arnsberg und Reihersderg kann 


16 


- hiernach füglicher Weise nicht anders, denn: als eineerweiterte 
Spalte betrachtet werden, gebildet nach: Ablagerung:der Let- 
tenkohlen-Gruppe und vor der des Lias, dessen Verbreitung 
sich hier auf die engen Grenzen innerhalb dieser Schlucht 
yu beschränken scheint. Denkt man sich die Richtung :der- 
selben gegen NW. hin verlängert, so trifft sie den ‘östlichen 
Abhang des Galgenberges und des Michelsberges,, sowie: das 
westliche Gehänge des Tellberges. Dieses Zusammentreffen 
legt den innigen Zusammenhang der Haupt-Störungen im Kraul- 
häuser Becken mit denen in der Nähe des Gefildes a eine 
schlagende Weise dar.  velrepind A 


Das Vorkommen des Lias lässt sich nach dem Vorher- 
gegangenen in der Umgegend von Eisenach an drei Punkten 
mit Sicherheit nachweisen. An den Schlierbergen und der 
Hageleite erscheinen über dem untern’Liäs!Sändstemidis Phl 
sidonomyen-Schiefer, am Moseberg über demselben Sandstein 
der Lias-Kalk, und am Fusse des Reihersberges die Belemniten- 
Schichten des Lias, Diese im hohen Grade beschränkten; 
gegenwärtig selbst unter einander isolirten Vorkommen :ste- 
hen ausser Konnex mit ausgedehnteren Ablagerungen des 
Jias; die Gegend von Coburg, in welcher die Verbreitüng 
des süd-deutschen Lias beginnt, ist ungefähr 15 Meilen, die 
des nord-deutschen Lias gegen 12 Meilen entfernt. Dennoch 
ist eine grössere Übereinstimmung der Eisenacher Vorkom- 
men mit dem letzten, als mit dem süd-deutschen Lias, un- 
verkennbar. Ganz besonders gilt diess vom Posidonomyen- 
Schiefer an den Schlierbergen, in seiner Zusammensetzung 
und Grösse der Posidonomya Bronni den gleichnamigen 
Schichten bei Astenbeck völlig entsprechend, und von der 
Belemniten-Schicht am Reihlersberg mit dem Vorkommen am 
Heimberg im hohen Grade übereinstimmend. 


Es liegt wohl nahe, das Vorkommen des Lias bei Bisen- 
ach mit dem des untern Lias-Sandsteines bei Golha*) zu 


*) Jahrbuch 1839, $. 380 ff. N a a2, 


a An 


17 


_ 


vergleichen. Bei diesem lassen sich, besonders deutlich am 
grossen Seeberg und am Rennberg, zwei Abtheilungen unter- 
scheiden. Die untere, 60‘—70' mächtig, besteht aus gelb- 
liehweissem feinkörnigem Sandstein mit einem quarzigen Binde- 
mittel, und nur ihre oberste 6‘—10' mächtige Bank aus einem 
weniger festen, leichter zu bearbeitenden mergeligen Sandstein. 
Diese untere Abtheilung stimmt selbst in den einzelnen Lagen 
mit dem Sandstein der Schlierberge und des Moseberges ganz 
überein, wenigstens möchte eine etwas geringere Festigkeit 
des letzten keinen wesentlichen Unterschied bilden. Be- 
sonders auffallend ist die Übereinstimmung der obersten Bank 
auch hinsichtlich ihrer 6°— 10‘ betragenden Mächtigkeit. 
Während über dieser bei Zisenach unverkennbare Glieder 
der Lias-Formation folgen, zeigen sich am yrossen Seeberg 
und ZRennberg Gebilde von einem zweideutigeren Charakter. 
Neuere Steinbruchs-Arbeiten gaben über sie folgenden Auf- 
schluss, 


Am grossen Seeberg liegen über dem gelblichweissen 
Sandstein 

1) Schwarzgrauer, feuerfester Thon mit schwachen La- 
gen von gelbem Thon und grauem sandigem Thon, 4° mächtig 
(a. a. ©. S. 399, ce): 

2) Grünlichgrauer Mergel-Sandstein mit schmutzig-grünem 
Mergel (z. Th. in flachgedrückten Kugeln) und sandigem 
Mergel-Schiefer abwechselnd; mit undeutlichen Spuren von 
Pflanzen-Überresten, 14° mächtig (a. a. ©. 8. 399, d). 

3) Gelblichgrauer Mergel- Schiefer und röthlichgelber 
Mergelthon mit Abdrücken und Kernen von Modiola mi- 
nima (Rormers Verst. S. 90, Tf. V, Fg. 6), Inocera- 
mus amygdaloides (f) und Cardium truncatum 
(Goror. Tf. OXLIUI, Fg. 10), 4'— 10' mächtig (a. a. O. 
S. 399, e). | 

Diese Schichten-Folge stimmt mit den, nur mächtiger 
entwickelten Gesteinen zwischen dem Salz-Gebirge und dem 
eigentlichen Lias der Umgegend von Salzgitter, wie RoEMER 


Jahrgang 1842. 2 


18 


(Verst. ete. Nachtrag, S. 2) anführt, überein. Mit einigen 
Abänderungen wiederholt sie sich am Rennberge bei Wech- 
mar. Am nordwestlichen Abhange desselben liegt in gleich- 
förmiger Auflagerung auf der obersten Bank des gelblich- 
weissen Sandsteines 

1) schmutzig grünlichgrauer und schmutzig braunrother 
Thon-Mergel, 4'—5' stark; 

2) gelblichgrauer Mergel-Thon, zuoberst reiner Thon; 
3’—4' mächtig; in dieser Lage finden sich, namentlich in 
der Nähe von schwachen Brauneisenstein- Adern, ringsum 
ausgebildete, gegen 1’ grosse Krystalle von weingelbem 
Gyps, in ihrer Form den Oxforder Krystallen gleich; 

3) gelber sandiger Eisenocker, meist ganz mürbe, 3° 
bis $' stark ; 

4) perlgrauer Thon, 4’ stark; 

5) schwarzer, schiefriger Kohlen-Letten, flache bis 34 
starke Nester einer sehr unreinen Bettenkohle umschlies- 
send; 3’—14‘ stark; 

6) gelblich sandiger Letten, 1’ mächtig; 

7) röthlich und gelblichweisser Mergel- Fan mit 
Equisetum, 

Dass man hier eine durch zufällige Lokal-Verhältnisse 
besonders stark entwickelte Zwischenlage vor sich habe, 
deren unter 1—6 angeführten Glieder der Lage des schwarz- 
grauen, feuerfesten Thones am Seeberg entsprechen werden, 
diess zeigt sich deutlich im obersten Steinbruch am Renn- 
berg, wo über der oberen S’—10°/ mächtigen Bank des gelb- 
lichweissen Sandsteines nachstehende Schichten folgen: 

a) braungelber sandiger Letten mit braunrothem sandi- 
gem Thoneisenstein, 14’ mächtig; 

b) grauer, fetter Thon, 1’ mächtig; 

e) schwarzer Kohlen-Letten, 1‘ stark; 

d) dünngeschichteter, thoniger Sandstein, 1/5 / 

e) röthlich- und bräunlich-gelber Sandstein, mit oft 
aufrechtstellenden Ästen eines Equisetum, Sl‘; 

f) grauer Letten, schieferig, 1%‘ stark; 


19 


g) gelblichbrauner, schieferiger Sandstein, 4; 

h) schmutzig gelblichgrauer schiefriger Letten. 

Hier entsprechen a, b, e und d den Lagen 1—6 am 
Fusse des Zennberges und h der obersten Schicht 3 am See- 
berg. An beiden Bergen liegt demnach über dem weissen 
Sandstein eine Bildung gegen 20‘ mächtig, aus Thon und 
Mergel, aus mergligem Sandstein . mit Pflanzen - Überresten 
besonders von einem Equisetum, und aus einem schmutzig 
gelblichen Letten mit Lias-Versteinerungen bestehend. Ror- 
MER rechnet nur diese Letten-Lage zum Lias, während er 
die tieferliegenden sandigen Schichten und namentlich den 
weissen Sandstein dem Keuper beizählt (Rorm. Verst. ete. 
Nachtrag, S. 2). Das beschränkte und untergeordnete Vor- 
kommen des weissen Sandsteines und noch mehr des Lias 
bei Eisenach und Gotha gewährt kein sicheres Anhalten, ob 
man über oder unter dem weissen Sandsteine die Grenz- 
Linie zwischen Keuper und Lias zu ziehen habe. Doch ist 
es nicht zu verkennen, dass der weisse Sandstein gegen den 
bunten Keuper-Mergel in beiden Gegenden scharf begrenzt 
erscheint, während er mit den entschiedenen Schichten des 
Lias am Schlierberge, wie am Seeberg durch Wechsellage- 
rung und Gesteins-Übergänge in näherem Zusammenhange 
steht. Die Equisetum-Art, welche sich im Sandstein am 
Zennberg und Seeberg findet, wurde bis jetzt in einem ent- 
schiedenen Gliede des Keupers nicht bemerkt. Auch die im 
weissen Sandsteine vorkommenden. Bivalven-Reste weichen 
von denen des Keupers unverkennbar ab. Hiedurch dürfte 
es gerechtfertigt werden, wenn die Bezeichnung des weis- 
‘sen Sandsteins der Schlierberge und des Seeberges als Un- 
terer Lias-Sandstein beibehalten wurde. 

Von diesen allgemeineren Bemerkungen über das Vor- 
kommen des Lias in der Umgegend von Eisenach und Gotha 
möge dem Verfasser gestattet werden, nochmals auf das 
Krauthäuser Bassin zurückzukommen. Ungefähr in der Mitte 
desselben, nahean 4 Meile südwestlich von Kreutzburg, liegt 


die früherhin auf herrschaftliche Rechnung betriebene, jetzt 
| Be 


20 

an Privat - Besitzer übergegangene Saline Wilhelmsglücks- 
Brunn. Der geringe 13 Procent nicht übersteigende Ge- 
halt der.in einem Sehachte gefassten Soole, welche hier zu 
Gute gemacht wird, veranlasste mehre Bohr-Versuche zur 
Auffindung von Steinsalz oder mindestens einer hochhalti- 
geren Salz-Quelle.. Bei einem der früheren Versuche im 
Jahre 1767, welcher auch VoiıGT (mineral. Reisen, II, 8.89) 
erwähnt, durchbohrte man unter dem 20° hohen’ Gerölle 

60‘ Bunte Mergel ohne Gyps, 

150‘ Bunte Mergel und Letten mit Gyps. 

Die beste Soole, welche hiebei aufgefunden wurde, er- 
reichte in ihrem Gehalte höchstens 0,03. Die Versuche wur: 
den daher als erfolglos eingestellt; da sie indess keineswegs 
als entscheidend betrachtet werden können, so sah man sich 
in neuerer Zeit zur Fortsetzung derselben veranlasst, um 
so mehr, als der Salz-Gehalt der meisten Quellen der Um- 
gegend auf eine verbreitetere Steinsalz-Ahlagerung hinzudeu- 
ten scheint; jedoch auch diese neueren Versuche blieben 


‘- ohne den erwarteten Erfolg: Nach einer mündlichen Mit- 


theilung des verstorbenen Berg-Inspectors Marrını soll sich 
in der Bohrarbeit vom Jahre 1829 Kalk-Gerölle bis gegen 
200° unter der Thal-Sohle niedererstreckt haben. So sehr 
diese Angabe für den ersten Augenblick befremden muss; 
so dürften doch die Lagerungs- Verhältnisse eine genügende 
Erklärung derselben geben. Es wurde bereits erwähnt, dass 
eine Haupt-Richtung, nach welcher eine Störung der Schich- 
ten-Lage Statt fand, vom Reshersberg über den Michelsberg 
und Zellberg hinlaufe, und dass ihr tiefer niedersetzende 
Spalten zu entsprechen scheinen. Diese Riehtung dureh- 
schneidet die Gegend der Saline Wilhelmsglücks-Brunn; es 
ist daher’ ein möglicher Zufall, dass der erwähnte Bohr- 
Versuch auf einer mit Kalk-Bruchstücken ausgefüllten Spalte 
angesetzt worden ist. Doch ganz abgesehen von der Zu- 
lässigkeit dieser Erklärung geben die eben erwähnten Ver- 
hältnisse einen Fingerzeig, wo bei künftigen Versuehen 
Steinsalz und eine gesättigte Soole zu suchen seyn dürfte 


21 


Zunächst möchte die Haupt-Niederlage von Steinsalz 
nicht im Keuper, dem der Bunte Mergel und Gyps bei 
Wilhelmsglücks - Brunn unzweifelhaft angehört, sondern im 
Gyps unter dem Kalkstein von Friedrichshall zu suchen seyn. 
Dieser findet sich reich an Terebratula vulgaris, Pla- 
giostoma striatum, Encrinites liliiformis und 
Rostellaria scalata am nordwestlichen Fusse des Zell- 
| berges nahe bei Wılhelmsglücks-Brunn unmittelhar dem Gyps 
am Spatenberg aufgelagert. Das nordöstliche und östliche 
 Einfallen seiner Schichten bezeichnet die Gegend zwischen 
Wilhelmsglücks-Brunn und Longröden, am nordöstlichen Fusse 
des Zellberges als die zu einem Bohr-Versuche vorzugsweise 
geeignete. Hier liegt die Wahrscheinlichkeit vor, unter 
dem Kalkstein von Friedrichshall den am Spatenberge aus- 
gehenden Gyps anzutreffen, und durch grössere Entfernung 
von der Werra und von den Spalten, welche am südwest- 
lichen Abhange des Tellberges und Spatenberges wahrschein- 
lich niedersetzen, den zu starken Zudrang wilder Wasser 
zu verhüten. 


Beiträge 


zur } 
seognostischen Kenntniss Mährens, 


Hrn. Professor E. F. GLOCKER. 


——— 


I. Über die Formation des Jurakalks im 
mittlen March-Gebiet. 


Nahe bei dem Dorfe Kurowitz, eine Meile südöstlich 
von Kremsier, auf dem linken Ufer der Murch im Aradischer 
Kreise erhebt sich eine ziemlich steile Anhöhe, deren Gi- 
pfel aus dichten weisslichgrauem Jurakalk besteht, wel- 
cher in zwei Brüchen gewonnen und als hydraulischer Kalk 
benützt wird. Dieser Kalkstein stimmt mit dem hellen Jura- 
kalk der Württembergischen Alp und der Nickolsburger Berge 
in Mähren vollkommen überein, enthält auch, wie dieser, 
Trümmer von Kalkspath und Zwischenlagen von grauem und 
grünlichem Mergel, und ist besonders durch die für die obere 
Abtheilung der Jura-Formation charakteristischen Aptychus- 
Schaalen ausgezeichnet. Bis zum Oktober 1840, wo ich die 
erwähnte Anhöhe besuchte, wusste man von einem Vorkom- 
men des Jurakalks in dieser Gegend von Mähren noch nichts; 
es waren vielmehr bis dahin nur zwei Punkte in Mähren 
bekannt gewesen, an welchen sich Jurakalk in kleinen Ge- 
birgs-Massen aus der Tertiär-Formation erhebt, nämlich bei 


23 


Nickolsburg im südlichen Theile des Brünner Kreises und 
bei Strumberg im östlichen Theile des Prerauer Kreises. 
Durch die Auffindung des Jurakalks von Kurowilz wird 
nun die Richtung bezeichnet, welche der Necholsburger Jura- 
kalk in seiner zu vermuthenden Fortsetzung unter die Ter- 
tiär-Formation zu nehmen scheint, und dadurch eine geogno- 
stische Lücke ausgefüllt. Die Richtung des Mährischen 
Jurakalks ist nämlich eine nordöstliche und zugleich bogen- 
förmige, queer durch das March-Gebiet hindurch. In diese 
Richtung fällt auch der Siramberger, Nesselsdorfer, Tichauer 
und Zeschner (Skotschauer) Jurakalk, an welchen letzten 
sich weiterhin der mehr nordwärts streichende Jurakalk 
des Krakauer Gebietes und Oberschlesiens anschliesst. Die 
durch die fast überall aufgelagerte Tertiär - Formation viel- 
fach unterbrochene Zone des Mährisch-Schlesischen Jurakalks 
erscheint als ein Ausläufer oder als eine nördliche Neben- 
Zone von der grossen Haupt-Zone des Jurakaiks der Alpen, 
welche von den Französischen Alpen aus durch die Schweitz, 
Tyrol, Salzburg, Steyermark und Österreich bis mitten in die 
Karpathen hinein sich erstreckt. Sie geht parallel mit dem- 
jenigen Theile der Haupt-Zone, welcher in die Karpaihen 
fällt, und ahmt zugleich auch das Streichen der grösseren 
westdeutschen Neben-Zone des Jurakalks nach, welche die 
Bauhe Alp und das Fränkische Gebirge in sich begreift. 

Der Kurowitzer Jurakalk ist deutlich geschichtet; die 
Schichten fallen steil nach SO. ein, aber nicht überall unter 
demselben Winkel. An einer Stelle im ersten Bruche fand 
ich den Einfalls-Winkel = 55—60°, an einer andern unge- 
fähr = 80°. Eine Ungleichheit des Einfalls-Winkels wird 
auch durch die Krümmung der Schichten hervorgebracht, 
welche bei meiner Anwesenheit in dem ersten Bruche an 
der dem noch unabgebauten Kalk -Rücken, welcher beide 
Brüche von einander trennt, gerade gegenüberliegenden Seite 
zu erblicken war, Die Schichten steigen dort in grossen 
Bogen-Linien .empor, 

Zwischen den Kalk - Schichten liegen mit mehrfacher 


24 


Wiederholung 1'7—2' dieke Schichten von festem dichte m 
und im Bruche flachmuschligen, ebenem oder unebenem hell- 
grauem Mergel, so wie Schichten eines mergligen Ju- 
rakalk-Konglomerats, welches aus unerdentlich unter- 
einander liegenden kleinen und sehr kleinen eckigen Stücken 
von weisslichgrauem dichtem Jurakalk und bald mehr bald 
weniger zahlreichen Schaalen-Resten von kleinen Individuen 
des Aptyehus imbricatus besteht, die entweder durch 
ein mergeliges Bindemittel oder auch für sich allein so innig 
mit einander verbunden sind, dass man gar kein Bindemittel 
wahrnimmt. Häufig, aber nicht durehgängig, zeigen sich 
auch noch sehr kleine, eckige oder flachgedrückte, rundliche 
oder längliche, weiche, graulichgrüne oder schwärzlichgrüne, 
talkige oder chloritische Partikeln, ähnlich den Glaukonit- 
Körnern des Grünsandsteins, in das Konglomerat eingemengt ; 
desgleichen hin und wieder sparsame kleine weisse Kalk- 
spath-Stückchen, selten etwas grössere Kalkspatlı- Partieen. 
Die grösste Menge von Schaalen-Resten befindet sich an den 
beiden Aussenseiten der Konglomerat-Platten, und die obere 
Fläche namentlich ist mit lauter solehen dicht-gedrängt über 
und neben einander liegenden Schaalen-Fragmenten bedeckt, 
so dass diese bier eine eigene dünne Schaalenkonglo- 
merat-Schicht über dem übrigen Kalk-Konglomerat bil- 
den. Im dichten Jurakalk selbst sind dagegen die Apty- 
cehus-Schaalen sehr selten. — Unter den zahlreichen kleinen 
Aptychus-Schaalen des Konglomerats befinden sich weit spar- 
samer einzelne grössere, welche derselben Art angehören, 
Beide trifft man selten Paar-weise neben einander, sondern 
fast immer vereinzelt und in allen Stellungen chaotisch unter- 
einander liegend an, 

Es ist auffallend, dass in dem Kurowitzer Jurakalk bis 
jetzt keine anderen Versteinerungen, als die genannten Apty- 
chus-Schaalen gefunden worden sind, und zwar diese in 
so grosser Menge in den mit dem dichten Jurakalk wech- 
selnden Kalkkonglomerat-Schichten. Die Thiere, von welehen 
diese Schaalen herrühren, müssen daher in dem Gewässer, 


25 


‚woraus sich der Jurakalk gebildet hat, in einer bestimmten 
‚Periode, welche durch den Absatz der Konglomerat-Schich- 
ten bezeichnet ist, in zahlreichen Familien gelebt haben. In 
allen Gebilden der Jurakalk- oder Oolith-Formation, in wel- 
chen man bis jezt diese noch immer räthselhaften Schaalen 
gefunden hat, erscheinen dieselben, so viel bekannt ist, nur 
zerstreut und isolirt; das Vorkommen einer so grossen Menge 
‚Konglomerat-artig zusammengehäufter Aptychus-Schaalen ist 
daher bis jetzt dem Kurewiltzer Kalk eigenthümlich. 

Es war mir schon zum voraus nicht wahrscheinlich, 
dass der Kurowitzer Kalk so ganz vereinzelt dastehen werde, 
und diese Vermuthung bestätigte sich im folgenden Jahre. 
Als ich nämlich zum zweitenmale in jene Gegend kam, fand 
ich auf einem Hügel bei Paczetluk, nördlich von Holleschau, 
12 Meilen NO. von Kurowilz, ein ganz ähnliches geschichte- 
tes kleinkörniges Kalk-Konglomerat, wie an dem letzten Orte, 
jedoch nur mit sparsamen kleinen Aptychus-Schaalen, ausser- 
dem aber auch noch mit sehr kleinen Stacheln von Cida- 
rites coronatus und mit flach-zylindrischen , sich dieho- 
tomisch verzweigenden, mehrfach gewundenen räthselhaften 
Körpern von 2 —4''! Breite und zum Theil beträchtlicher 
Länge. Die Schichten dieses Konglomerats sind wellenför- 
mig gebogen und wechseln mit Schichten eines grauen zer- 
brechliehen Mergels ab. Dass dieses Paczelluker Kalk- und 
Mergel-Gebilde zu derselben Formation gehöre, wie der Ku- 
rowilzer Kalkstein, ist keinem Zweifel unterworfen, 


H. Entdeckung von Versteinerungen im Grauwacken- 
Kalkstein der silurischen*) Formation bei Olmütz. 

So ausgedehnt bekanntlich die Grauwacken - Formation 

in Mähren, und an so vielen Orten sie auch durch Brüche 

aufgeschlossen ist, se war doch bisher noch in keinem 

Gliede derselben eine Spur von Versteinerungen vorgekom- 

men, Im Jahr 1539 fanden einige Steinbruch - Arbeiter auf 


”) Doch wohl eher der devonischen Formation, wenn man diese näm- 
lich als selbstständig anerkennen will, | Br. 


26 


einem aus schwarzem Grauwacke-Kalkstein bestehenden Hü- 
gel dicht bei dem Hanaken-Dörfchen Ritiberg, SW. von Ol- 
mülz, die ersten Exemplare von Versteinerungen dieser For- 
mation in Mähren, und der im December :1840 verstorbene 
Herr Generalmajor v. Keck lenkte zuerst seine Aufmerksam- 
keit darauf. Im September 1840 besuchte ich selbst in sei- 
ner Begleitung, und im gegenwärtigen Jahre noch zweimal 
den Aittberger Hügel und erbeutete dort eine Anzahl der 
für die Grauwacke- Formation eharakteristischen Versteine- 
rungen. 

Auf allen bis jetzt erschienenen geognostischen Charten, 
welche sich zugleich auf Mähren erstrecken, ist in einem 
ziemlich weiten Umkreise um Olmütz herum nichts als Di- 
luvial- oder Tertiär- Boden angegeben; und doch tritt die 
Grauwacke- Formation und zwar die silurische Abtheilung 
derselben an vielen Stellen deutlich zu Tage, so z. B. die 
Grauwacke selbst ganz nahe bei Olmätz, an der NW. Seite 
- gegen Halschein zu, so wie bei Kokor im SO. von Olmütz, 
Thonschiefer bei Grüyau, Krezman und Przedmost in eben- 
derselben Richtung, der Kalkstein dieser Formation bei Krez- 
man, Kohor, Zierawitz, Roketnitz, Ozekin, Przedmost, desglei- 
chen in SW. Richtung bei Nebetein und Ritlberg u. s. f.; 
ja Olmülz selbst steht auf Grauwacken- Fels, welcher zwar 
zum Theil von Thon-Schichten bedeckt ist, wie in der Mitte 
der Stadt, wo man ihn bis zu einer bedeutenden Tiefe durch 
einen artesischen Brunnen durcehbohrt hat, theils aber auch 
frei emporragt, wie am Burg-Thor, wo die Mauer des Fe- 
stungs-Grabens und ein Theil der Häuser unmittelbar dar- 
auf erbaut sind. Auf dem oben erwähnten Hügel bei Bilt- 
berg wird der Grauwacken - Kalkstein seit einiger Zeit in 
einer Menge einzelner unregelmässiger Löcher gebroehen, — 
eine sonderbare Art von Steinbruchs-Arbeit, die bei den Ha- 
naken ziemlich allgemein gebräuchlich ist. Den Bauern ist 
es bequemer, an jeder Stelle, wo sie festes Gestein wahr- 
nehmen, ein Loch zu machen, um die Steine herauszunehmen, 
als einen ordentlichen zusammenhängenden Bruch anzulegen, 


27 


Dieser Raubbau straft sich aber immer selbst sehr bald; 
denn die Wölbungen über den Löchern, welche oft stollen- 
artig eine kurze Strecke weit in den Berg hinein verlängert 
sind, stürzen früher oder später zusammen, ‚und es sind be- 
reits jetzt schon viele der vor Kurzem eröffneten Gruben 
verschüttet. Zuweilen wird auch eine Grube von ihrem Be- 
sitzer selbst, wenn sie ihm die benöthigte Quantität Steine 
geliefert hat, absichtlich wieder zugeworfen, um keinem An- 
dern durch das Offenstehen Veranlassung zum Graben zu‘ 
geben. In Folge dieser höchst verwerflichken unregelmässi- 
gen Art von St&inbruchs-Arbeit ist die obere Fläche und ein 
Theil des südlichen Abhanges des Aillberger Hügels ganz 
uneben geworden; grössere und kleinere Löcher und flache 
Vertiefungen wechseln mit hervorragenden Buckeln ab. Der 
Kalkstein, welcher hier gebrochen wird, ist dicht, feinsplitt- 
rig, fast durchaus graulichsehwarz oder schwärzlichgrau, zu- 
weilen jedoch auch bunt und zwar schwarz und grau, schwarz 
und weiss, oder schwarz, grau und roth gefleckt, und stellt 
dann einen schönen bunten Marmor dar. Der schwarze ver- 
hält sich als wahrer Stinkstein; denn er entwickelt beim 
Zerschlagen einen auffallend starken ammoniakalen Geruch. 

Die Petrefakte dieses Kalksteins finden sich, so viel 
bis jetzt bekannt ist, nur in einem kleinen Distrikte an 
dem flachen, Czellechowilzg zugekehrten Abhange des in 
Rede stehenden Hügels, und zwar mehr oder weniger ge- 
drängt bei einander, während dagegen auf dem obersten 
Rücken des Hügels der Kalkstein ganz Petrefakten - leer ist 
und auch an den übrigen Abhängen noch nirgends Petre- 
fakte wahrgenommen worden sind. Die grösste Menge die- 
ser Versteinerungen liegt vereinzelt in Verbindung mit vie- 
len Kalkstein-Bruchstücken in einer lockeren mergeligen Erde, 
welche unmittelbar unter dem Rasen folgt und die anste- 
hende zusammenhängende Masse des Grauwacken-Kalksteins 
bedeckt. Auch in manche der Kalkstein-Bruchstücke selbst 
sind Petrefakte eingewachsen, viel seltner aber in den un- 
terliegenden zusammenhängenden Kalkstein - Fels. Die mit 


28 


Kalkstein- Trümmern und Petrefakten angefüllte mergelige 
Erde bildet eine zwei und mehre Fuss mächtige Lage und 
geht nach unten zu in ein Aggregat von lauter fest mit ein- 
ander verbundenen Kalkstein-Stücken nebst dazwischen lie- 
genden Versteinerungen über. Die einzelnen in dieser Trüm- 
mer-Schicht liegenden Petrefakte sind fast immer durch 
Mergel-Umhüllung mehr oder weniger unkenntlich gemacht, 
seltner mit eisenocherigem Lehm bedeckt. Im Wasser lässt 
sich die mergelige Hülle zum Theil erweichen und ablösen, 
woranf dann die organischen Formen oft sehr deutlich her- 
vortreten, Sowohl die Petrefakte als die Kalkstein-Stücke 
sind auch zuweilen mit einer Rinde von Kalk-Sinter über- 
zogen, weleher sich ohne Verletzung der Ei ann 5; Form 
nicht ablösen lässt. 

Die Versteinerungen des ARitiberger Grauwacke-Kalk- 
steins sind in demselben unregelmässig vertheilt; doch be- 
merkt man, dass gewisse Gattungen und Arten vorzugsweise 
beisammen liegen. So findet man z. B. an einigen Stellen 
fast lauter Kalamoporen, an anderen ganze Haufen von 
Cyathophyllen, noeh an andern wieder beide bei einan- 
der oder auch gewisse andere Petrefakten-Arten in ihrer 
Begleitung. Sowohl die Petrefakte von einerlei Art, als 
auch verschiedene Arten von Petrefakten, worunter immer 
die Korallen die Oberhand haben, sind oft fest mit einander 
verwachsen oder eines auf das andere aufgewachsen, so dass 
sie wirkliche Korallen-Riffe gebildet zu haben scheinen. Die 
Korallen dieser ältesten Riffe scheinen auch von manchen 
anderen Thieren angegriffen worden zu seyn; denn man be- 
merkt verschiedenartige fossile thierische Körper oder deren 
Gehäuse oft tief in sie eingesenkt und nur theilweise aus 
ihnen hervorragend. Unter den Korallen selbst trifft man 
am häufigsten Cyathophyllen auf Kalamoporen aufgewachsen 
an, und zwar bald mit ihrem untern schmälern Ende, so 
dass sie aufreclit oder schief stehen, bald ihrer ganzen Länge 
nach auf- oder an-liegend, Zuweilen wächst ein Cyathophyl- 
lum auch wirklich aus dem Innern einer Kalamopore heraus; 


29 


Nicht selten sind gestreifte Terebrateln und Cyathophylien 
fest mit einander verwachsen, auch jene auf Kalamoporen 
aufsitzend ; ferner Enkriniten - Stiele oder Glieder von sol- 
chen auf Kalamoporen und Cyathophylien auf- oder in sie 
ein-gewachsen; Stomatoporen bilden einen netzförmigen 
Überzug auf Cyathophyllen u. s. f... Alles dieses beweist, 
dass ein vielfaches Ineinandergreifen dieser kleinen Welt 
von Organismen statt gefunden habe. 

Die Versteinerungs-Masse dieser Petrefakte ist 
am häufigsten der dichte schwarze Grauwacke - Kalkstein, 
welcher das herrschende Gestein des ZAäiltberger Hügels 
ausmacht, viel seltener, wie z. B. hei einzelnen Cyathophyl- 
len, ein graulichweisser, feinsplittriger Kalkstein. Bei man- 
chen der vorkommenden fossilen Schnecken (Bellerophon, 
Spirula, Euomphalus) ist der schwarze Kalkstein weiss 
oder grau marmerirt. Zuweilen bildet kleinkörniger weisser 
Kalkspath eine schwache Hülle um die Steinkerne der Schne- 
eken und Muscheln, bei welchen die Schaale selten vorhan- 
den ist und oft in Kalkspath verwandelt zu seyn scheint. _ 

Die Zahl der bis jetzt bei AReitberg aufgefundenen Gat- 
tungen und Arten von Petrefakten ist nicht gross, aber an 
Individuen sind einige dieser Arten schr reich. Man muss 
übrigeus hiebei bedenken, dass der Fund ganz neu ist und 
sich vorläufig nur auf einen sehr kleinen Raum und auf das- 
jenige erstreckt, was ich selbst gesammelt habe; daher man 
wohl erwarten darf, dass bei weiteren Aufdeckungen am 
Rittberger Hügel auch noch andere Gattungen und Arten 
zum Vorschein kommen werden. Unter den bis jetzt dort 
entdeckten fossilen organischen Resten, welches lauter thie- 
rische sind, erscheinen als die zahlreichsten und vorherr- 
schenden die der Kalamoporen und Cyathophylien. 

Wegen Unvollständigkeit der Exemplare haben sich mehre 
dieser Versteinerungen nicht ganz sicher bestimmen lassen. 
Sie scheinen aber alle zu bekannten Gattungen zu gehören 
und sind, mit Übergehung einiger noch problematischer, 


folgende: dei ’ 


50 


1. Krustazeen und zwar Trilobiten. 


Calymene macerophthalma (Broxen. Zist. nat. des 
Crusiacees foss., pl. ı, fg. 4). Kleine Exemplare, alle ein- 
zeln mitten in den festen schwarzen Kalkstein eingewachsen, 
nicht in unmittelbarer Berührung mit den anderen Petre- 
fakten, wenn gleich in deren Nähe vorkommend.: Bei kei- 
nem Exemplare der Kopfschild sichtbar. 


> 1. Schnecken (Univalven). 


A. Gephalopoden, meist Siphoniferen. 

Bellerophon apertus (Sow. Min. Conch. of Gr. 
Brit. pl. 469). Blose Steinkerne, 1’—13“ Par. im Durch- 
messer, 

Eine Spirula, 2” —3 lang, glatt, stark sichelförmig 
gebogen, mit abgerundeter Spitze u. s. w. ? 

Eine grosse Spirula-ähnliche Schnecke mit einem Sipho, 
welcher ziemlich entfernt vom Rande hindurehgeht ; spiral- 
förmig eingerollt; die ganze Form in einer Richtung 3”, in 
einer andern 4” im Durchmesser. 

Noch eine andere ähnliche Form, aber wahrscheinlich 
von Spirula verschieden, mit zwei ziemlich weit von ein- 
ander entfernten Windungen und stumpfem Ende Gem bir 
ceras Rittbergensis n.). 

Eine Clymenia ($), etwas über 1” im Durchmesser, . 
ähnlich der Cl. undulata (Brony Zeihaea, Taf. I, Fig. 2). 

B. Trachelipoden, und zwar Lamarer’s Abthei- 
lung der Phytophagen. 
3 Euomphalus Dionysii GoLoruss (Zethaea, Taf. U, 
Fig. 3). Nicht häufig. 

Euomphalus depressus Gorpr. Noch seltener, A 
der vorige. 

Ansserdem noch ein stumpfeckiger Euomphalus, wel- 
cher vielleicht zu E. pentangulus Sow. gehört, aber 
nieht ganz mit der Abbildung in der Zethaea (Taf. II, Fig. 11) 
übereinstimmt. Ich habe davon nur ein einziges Exemplar 


\ 


31 


gefunden, welches in seiner flachen Ausdehnung einen Durch- 
messer von beinahe 3” hat. 

Ein Turbo, nur in einigen unvollständigen Exemplaren 
und daher nicht näher bestimmbar. 

Eine kleine Phasianella, bis jetzt nur in zerbroche- 
nen Steinkern-Fragmenten. 

Eine ziemlich grosse Turritella, welche ver uthlieh 
T. obsoleta ist. Nur zwei zerbrochene Exemplare, an 
welchen die Zwischenräume zwischen den Windungen mit 


kleinkörnigem hellgrauem Kalkspath ausgefüllt sind. 


Il. Muscheln (Bivalven). 
A. Dimyen. 

Luceina proavia Gotor. (Petref. Germ.1I, tab. CXLVI, 
fig. 6). Schöne Exemplare von fast vollkommen kreisrun- 
dem Umrisse, sowohl grosse als kleine, von 10 —21'Y im 
@ueer-Durchmesser. Ziemlich häufig. 5 

Eine andere viel kleinere Luceina mit stark gewölbter 
runzlich gefurchter Schaale, der €. rugosa Goror. entspre- 
chend (Peiref. IL, tab. CXLVI, fig. 9. 

Cardium (Conocardium) elongatum® (Gorpruss 
Peiref. Il, tab. CXLU, Fig. 2). Bis jetzt nur in wenigen 
Exemplaren, welche in frischen schwarzen Kalkstein fest 
eingewachsen sind. 

 B. Monomyen. 

Eine Muschel von dem Habitus eines Inoceramus 
oder einer Posidonomya, aber mit keiner der in Gorpr. 
Petref. II, tab. CV1II, CXIX, CXX abgebildeten, in der Grau- 
wacke- Formation vorkommenden Arten dieser beiden Gat- 
tungen übereinstimmend. Es wurde ein Exemplar als schwar- 
zer Steinkern gefunden. 

Ein kleines flaches Pecten mit 15—16 stark erhabenen 
Rippen, wovon die Hälfte als Hauptrippen stärker hervor- 
treten. Vielleicht eine neue Art. 


€. Brachiopoden. 
'Terebratula retieularis (Atrypa retic. Darm.), 


32 


Zwei Varietäten, eine mit stärkeren, eine andere mit schwäs 
cheren Falten; ‚lauter kleine Exemplare und grösstentheils 
nur Steinkerne. Öfters auf Kalamoporen und EN 
aufgewachsen. 

Terebratula Wilsoni Sow, (Broxs, Zeih. tab. 11, 
fig. 11). Nur wenige und sehr kleine Exemplare. i 

Spirifer elevatus L. v. Bucn (Delthyris ele- 
vata. Daım.). Gleichfalls nur in wenigen Exemplaren, fest 
in den Kalkstein eingewachsen. BIN, 

Spirifer osiiolatus, ScHLorn. Spirifer rotun- 
datus Sow., Trigonotreta ostielata Br.)!  Stein- 
kerne von der in der Lethäa (Taf. I, Fig. 14) abgebildeten 


Form, ausnahmsweise aus hellgrauem Kalkstein bestehend. 


IV. Radiarie-n. 

Von Krinoiden kommt Cyathocrinites pinna- 
tus Goror. in einzelnen Stiel- Stücken und Stiel-Gliedern’ 
(Entrochiten und Trochiten) vor, aufsitzend auf Kalamopo- 
ven und Heliopora interstincta, auch in solche ein- 
gewachsen. | 

Ausserdem fand ich in der RN Zelle eines Cya- 
thophyllum vermieulare ein Glied eines: zylindrischen 
Enkriniten-Stiels mit eigenthümlich gabelförmig sich verzwei- 
genden Figuren auf der End-Fläche, welche Zeichnung keine: 
der im Gororuss’schen Petrefakten-Werke abgebildeten Enkri- 
niten-Arten besitzt. 


V. Koralien 


Stomatopora serpens Bronw (Aulopera ser- 
pens Goror.) (Zethäa, Taf. V, Fig. 10). Sehr ausgezeich- 
net. Auf Cyathophylien und Kalamoporen aufsitzend. 

Calamopora gothlandiea Goror. (Petref. T, tab.’ 
XXVI, fig. 3). Kugelige, sphäroide, Scheiben-förmige, Ei- 


förmige und knollige Exemplare, von 1”—4'' im grössten 


r 


Durchmesser. Häufig. 
Calamopora polymorpha Goror. (a.a.O.tab. XXV, 
fig. 2, 3, 4, 5). lu zwei Varietäten, var. Iuberosa und var. 


33 


ramnso-divaricala; die erste die häufigste. Wie die vorige, 
lose in der mergeligen Erde liegend, welche den anstehen- 
den Grauwacke-Kalkstein bedeckt, 


Calamopora spongites Gorpr. (a. a. O. tab. XXVI, 
fig. 1,2), Var. tuberosa und Var. ramosa. Theils lose vor- 
kommend, wie die vorigen, theils und zwar häufig auf Zya- 
thophylien und Kalamoporen aufsitzend. 


Heliopora interstineta Broxw (Heliopora py- 
riformis Bıamv., Astraea porosa Gotor.). Schön er- 
hältene und meist grosse Exemplare, worunter einige von 
der Form eines Pilz-förmigen Huts mit kurzem Stiele, an- 
dere umgekehrt kegelförmig. Selten. 


Cyathophyllum dianthus Goror. (Pelref. IT, tab. 
XVI, fig. 1). Grössere und kleinere Exemplare, fast immer 
einzeln, selten zwei aneinander gewachsen. Die End-Zelle 
bei dieser wie bei den folgenden Arten gewöhnlich mit er- 
digem Mergel angefüllt, in welchen die Individuen oft ganz 


eingehüllt sind. 


Cyathophyllum turbinatum Goror, (a. a. O. tab. 
XVI, fig. $S). Exemplare von 1’'—14“ Länge. 


Cyathophyllum ceratites Gorpr. (a.a.O., tab. XViL, 


fig. 2). Mit Horn-förmig gekrümmter Basis. Von 1”—2' Länge. 


Cyathophyllum vermiculare Goror. (a. a. ©. tab. 
XVII, fig. 4). Theils regelmäsig-, theils unregelmäsig- 
zylindrisch, mit zahlreichen Wulst-förmigen Ringen und sich 
wiederhoienden Prolifikationen. Die Aittberger Exemplare 
erreichen eine Länge von 3”—51”; ja ich fand sogar eines, 
dessen Länge, wenn die abgebrochene Basis ergänzt wird, 
über 7 betragen haben muss, und das vielleicht als eine 
eigene Varietät (var. giganlea) von C. vermiculare anzu- 
sehen ist. mE 

Cyathophyllum qnadrigeminum Gorpr. (a. a. ©. 
tab. XVII, fig. 6, c). Ausgezeichnet, aber nicht mit so 
vielfachen Verwachsungen, wie sie im Gorpruss’schen Werke 


angegeben und abgebildet sind, | 
Jahrbuch 1842. RrSe 


34 


Wahrscheinlich befinden sich unter den Rifiberger Zya- 
thophyllen auch noch Cyathophylium hypoerateri- 
forme Goror. (tab. XVIL, fig. 1) und C.plieatum (tab. XVIH, 
fig. 5), deren spezifischen Charaktere sich aber an den vor- 
gekommenen Exemplaren noch nieht vollständig wahrneh- 
men liessen. 


Von den hier aufgeführten Versteinerungen des Rilt- 
berger Grauwacke-Kalksteins kommt, wie schon eine flüch- 
tige Vergleichung lehrt, ein grosser Theil und vielleicht, 
wenn die noch unbestimmt gelassenen Spezies vollends be- 
stimmt seyn werden, die Mehrzahl auch im Grauwacke- 


Kalkstein der Zifel vor. 


Beitrag 
zur 


Kenntniss einiger neuen seltenen 
Versteinerungen aus den lithogra- 
.-phischen Schiefern in Baiern, 


von 


Hrn. Grafen G. zu, MÜNSTER. 


— 


Seit zwei Jahren sind in den lithographischen Schie- 
fern von Barern wieder viele neue Versteinerungen aufge- 
funden worden, unter welchen einige Reptilien und Fische 
so merkwürdig sind, dass sie eine anbeiek besondere Be- 


kanntmachung verdienen. 


1. Pterodactylus Meyeri m. 


Sehr erfreulich war mir die vor Kurzem gemachte 
Acquisition eines neuen kleinen Pterodactylus aus den 
lithographischen Schiefern der Gegend von Kelheim, der über 
einige noch zweifelhaft gebliebene Theile dieses sonderbaren 
Thieres nähern Aufschluss gibt. 

Beim Finden desselben im Steinbruche wurde die Schiefer- 
Platte, auf welcher er lag, zerbrochen; es befanden sich 
jedoch alle Theile des Thieres ausummenkiingend noch auf 


3 Schiefer-Stücken. 
3 ) 


36 


Durch Nachlässigkeit meines Sammlers gingen aber 2 
dieser im Hause aufbewahrten Stücke verloren und konnten 
bis jetzt noch nieht wieder aufgefunden werden. Auf dem 
einen derselben befand sich der Kopf mit dem Brust-Apparat 
und die linke Seite des Thieres, auf dem andern ein Theil 
des linken Beins und die Fuss-Knochen des rechten Beins. 

Dieser Pterodaectylus ist noeh etwas kleiner als der 
bekannte Pt. brevirostris, den v. SöÖMMERING zuerst im 
VI. Band der „Denkschriften der k. Akademie der Wissen- 
schaften zu München“ bekannt gemacht hat. Beim ersten 
Anblick glaubte ich ein jüngeres Exemplar desselben zu er- 
blieken. Eine nähere ‚Untersuchung zeigte aber ein ver- 
schiedenes Verhältniss der einzelnen Knochen zu einander, 
einen viel feineren Knochen-Bau, am Flug-Finger nicht 
vier, sondern nur drei Phalangen, und nach Versicherung 
des Finders so wie der Personen, welche den jetzt fehlen- 
den Kopf gesehen haben, hatte derselbe einen kurzen spitzen 
Vogel-Schnabel. Das kleine Thier liegt auf dem Rücken und 
zeigt auf der vorhandenen Platte: 

1) einen Theil der- Wirbelsäule mit 12 Wirbeln, wel- 
che sehr kurze @ueer-Fortsätze haben 4 

2) 12 grössere Rippen und 6 feine Bauch-Rippen; 

3) die Becken-Knochen und das kurze feineSchwänzehen ; 

4) den vollständigen rechten Arm bis zur Spitze des 
Flug-Fingers; 

5) vom linken Arm den vollständigen Flug-Finger ; 

6) den rechten Ober- und Unter-Schenkelknochen und 
vom linken Oberschenkel ein Stück. 

Ausserdem erkennt man noch den etwas «dunkler ge- 
färbten Umriss der Haut-Bedeckung des Thieres, so wie an 
einigen Theilen der Extremitäten eine Flughaut oder, nach 
Wacıer, Schwiinmflosse. | 

Die auffallendste Verschiedenheit von den bisher be- 
kannten Arten besteht im Flug-Finger, welcher nur drei 
Phalangen hat, von welehen die erste am längsten, die 
zweite um 1‘ und die dritte um 2“ kürzer ist, Dieses 


37 


letzte Glied endigt nicht, wie bei den bisher bekannten 
Flug-Fingern der andern Arten, in eine Spitze, sondern es 
ist stumpf und hat eine seitwärts gebogene, gerade und 
schmale Klaue, während die andern 3 Finger kurze breite 
Klauen besitzen. An den beiden letzten Gliedern des soge- 
nannten’ Flug-Fingers ist der bereits erwähnte schmale, et- 
was dunkel gefärbte Eindruck einer Haut oder Flosse dop- 
pelt so breit als der Knochen, der gegen das Ende breiter 
und an der Klaue stumpf abgeschnitten wird. Auch an den 
Arm- und Bein-Knochen zeigen sich dergleichen dunkel ge- 
färbte Eindrücke. In den von Spıx abgebildeten und be- 
schriebenen zwei letzten Gliedern’des Flug-Fingers eines an- 
geblichen Pteropus Vampyrus Lin.*) ist an der Spitze 
ebenfalls ein soleher Haut- oder Flossen-ähnlicher Eindruck 
befindlich, ohne dass er jedoch in der Beschreibung besonders 
erwähnt worden ist. Diese Eindrücke geben den Flug- 
Fingern ein Ruder-ähnliches Ansehen und erinnern dadurch 
an Wascrer’s Ansicht, der diese Finger mit Flossen zum 
Schwimmen und nicht zum Fliegen bestimmt glaubte. 
Die Abbildung und nähere Beschreibung dieses neuen 
Pterodaetylus durch Bern. v. Meyer wird im 5, Heft meiner 
„Beiträge zur Petrefakten-Kunde“ erscheinen ; ich habe ihn 
nach diesem Naturforscher, dem wir die nähere Kenntniss 
so vieler fossilen Reptilien verdanken und von welchem wir 
eine Monographie der verschiedenen Arten dieser merkwür- 
digen Thiere zu erwarten haben, Pt. Meyeri genannt. 
Es soll noch ein Pterodaetylus und ein kleiner 
Saurier in den Schiefer - Brüchen von Daztling gefunden 
worden seyn, die ich aber zur Zeit noch nicht gesehen habe. 


MH. Scrobodus ovatus. 
Besonders interessant war mir ein vollständig erhaltener 
Fisch aus den Solenhofer Schiefer- Brüchen, den ich zu 
keiner der mir bekannten vorweltlichen- Fisch - Gattungen 


*) Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften zu München, 
VI, 59. 


38 


unterzubringen weiss. In der allgemeinen äussern Form des 
Körpers hat. er zwar grosse Ähnlichkeit mit dem von Acas- 
sız abgebildeten Pholidophorus latimanus, für welehen 
ich ihn anfänglich auch gehalten habe; allein bei näherer 
Untersuchung zeigt er sich so wesentlich davon verschieden, 
dass.ich mich veranlasst gesehen habe, ein neues Genus 
daraus zu bilden, zu dessen wesentlichen Kennzeichen ich 
folgende rechne: = 

Der Körper länglich; die Rücken-Elosie gegenüber dem 
Raume zwischen der Bauch- und After-Flosse, gegabelt mit 
gleich langen Lappen, deren starken eckigen Schuppen sich 
etwas über die Basis des obern Lappens erstrecken; die 
kleinen fast kreisrunden Zähne sind flach gewölbt und haben 
in der Mitte ein rundes Grübehen; sie sitzen in mehren Reihen. 

Diese zu den Homocereis gehörende Gattung bildet den 
Übergang von der Familie der Lepidoiden zu den Pye- 
nodonten; wegen der Grübehen in den Zähnen schlage 
ich den Namen Serobodus vor. Bei dem vorliegenden 
Exemplare meiner Sammlung erkennt man im Unterkiefer 5 
Reihen Zähne. Die beiden äussern und die mittle Reihe 
haben die kleinsten, die beiden Zwischen-Reihen die grössten 
Zähne ; vorn sind längliche Sehneide-Zähne, wie beim Gy- 
rodus und Pyenodus, während der übrige Körper hinsicht- 
lich der Stellung der Flossen und in Beziehung auf die 
Schuppen einem Pholidophorus anzugehören scheint. Die 
Rücken-Flosse ist schmal und lang, es sind nur 5—6 starke 
Strahlen zu erkennen; auch die Lappen der Schwanz-Flosse 
sind schmal mit wenigen Strahlen; After-, Bauch- und Brust- 
Flossen sind kurz und klein; die sehr dieken Schuppen sind 
glatt und ungezähnt, vom Kopf bis zur After-Flosse länglich 
viereckig, von da bis zum Schwanz rhoinbeidal. Die Form 
des Körpers ist verlängert eiförmig. 


Ill. Genus Coelacanthus Asass, 


Nieht weniger interessant sind zwei Arten Coelacan- 
thus aus den Schiefer-Brüchen von Kelheim und Eichslädt. 


39 
Acassız erwähnt in seinem Feuillelon addilionel vom März 
1836, S. S3, dass man zu Bruyeres unter mehren neuen 
Fisch-Arten auch das Fragment einer neuen Gattung aus 
dem Magnesian-limestone von Durham entdeckt habe, wel- 
chen er Coelaeanthus genannt und im 10. und 12. Hefte, 
Tafel 62 des Il. Bandes abgebildet hat. Eine nähere Be- 
schreibung dieses Fisches fehlt noch. Die Abbildung fin- 
det sich eingereihet zwischen den Gattungen Thrissops und 
Leptolepis, welche zur Familie der Sauroiden gehören; es 
scheint daher, als ob Acassız geglaubt habe, dieser Fisch, 
von welchem er nur Bruchstücke kannte, gehöre in diese Fa- 
milie! Allein es fehlen ihm die spitzen konisehen Zähne, 
die rhomboidalen Schuppen und die festen knöchernen Wir- 
bel, welehe den Sauroiden eigenthümlich sind. Es passt üer- 
haupt dieser Fisch so wenig, wie Serobodus, zu den von Acas- 
sız unter der Ordnung der Ganoiden aufgeführten Familien. 

Ich hatte bereits im Jahrbuch 7834, S. 539 dieser 
sonderbaren neuen Fisch-Gattung erwähnt, welche ich da- 
mals Undina nannte, da die Benennung Coelacanthus von 
Acassız noch nicht bekannt war. Acassız, dem ich eine 
Zeichnung dieses Fisches geschickt, schrieb mir im Dezem- 
ber 1835: „Undina peneillata ist mir durchaus unbe- 
kannt“, 

Vor Kurzem erhielt ich nun zwei Arten dieser Gattung 
in grossen deutlichen Exemplaren. An einem derselben zei- 
gen sich im offenen Maule des gut erhaltenen Kopfes so- 
wohl im Gaumen, als im Kiefer flache Zähne, welche 
oben stark und eng granulirt sind; die sehr dünnen Schup- 
pen sind länglich abgerundet und bilden eine dichte feine 
Decke, an welcher nur die Zeichnung auf der Oberfläche, 
selten aber die Umrisse der Schuppen zu erkennen sind 
Bei keinem der 3 Exemplare ist eine Spur der Wirbel zu 
erkennen, während Rippen, Wirbel-Fortsätze und Stralilen 
in den Flossen vollständig erhalten sind. 

Vorzüglich zeichnet sich aber dieser Fisch durch die 
sehr. breite Schwanz-Flosse und ihre langen eigenthümlichen 


40 

Strahlen,aus, durch welche die Wirbelsäule mitten durch 
geht und an der Spitze eine zweite kleine Schwanz-Flosse 
bildet. Auf dem Rücken sind 2 Flossen; die erste über den 
Brust-Flossen hat 8 einfache Strahlen, welche nur an der 
Spitze ein wenig gegliedert sind; die zweite sitzt über. der 
After-Flosse und hat einfache breite Strahlen; die Brust- 
Flosse hat ebenfalls breite, sehr flache Strahlen ; an der Bauch- 
Flosse aber sind die breiten Strahlen. an der äussern: Seite 
eben so fein gezähnt, wie die langen Strahlen der ersten. 
Schwanz-Flosse, 

Die Schuppen-Decke der einen Art ist mit uiid 
kurzen und sehr feinen Strichen bedeckt: ich nenne diese C. 
striolaris; die zweite, welche an den sämmtlichen Flos- 
sen breitere und flachere Strahlen: als die erste hat, zeigt 
auf den Schuppen kurze erhabene Striche oder länglich er- 
_ habene Punkte; ich nenne sie nach dem Finder; welcher sie 
mir zur Förderung der Wissenschaft überliess, €. Kohleri. 

Die nähere Beschreibung und Abbildung dieses merk- 
würdigen Fisches wird im 5. Hefte meiner „Beiträge zur 
Petrefakten-Kunde“ erscheinen, 


IV. Genus Thaumas”). 


Am merkwürdigsten war mir aber ein vor Kurzem un- 
ter dem Namen eines fliegenden Drachen eingesendeter eigen- 
thümlicher Fisch, der zur Abtheilung der Haye, jedoch mehr 
in die Familie der Rocben (Raja), als der eigentlichen Haye 
(Squalus) gehört und einige Ähnlichkeit mit dem kleinen 
Rochen hat, der, in der Sammlung der geologischen Sozie- 
tät von FIROR befindlich, von Acassız Asterodermus 
platypterus genannt und im Hl. Bande seiner Peissons 
fossiles, pl. 44, fig. 2—6 abgebildet worden ist. 

Mein Exemplar ist vom Kopf bis zur Schwanz-Spitze 
sehr gut erhalten und 14‘ lang; man erkennt in der stiel- 
runden Wirbelsäule 136 Wirbel, Der ganze Körper ist 


*”) Tuaumas, Vater der Harpyen, das personifizirte Meer-Wunder. 


41 


noch mit feiner Chagrin-Haut überzogen, welche um den 
Hals sehr spitz-stachlig ist. Die Schulter- Knochen und 
Becken-Knochen sitzen so nah beisammen, dass im Zwischen- 
raum nur: 5 Wirbel befindlich sind. 

Die, grossen Brust-Flossen bilden breite zugespitzte Flü- 
gel, welche bis zu den Bauch-Flossen reichen; sie laufen 
aber nicht bis zur Spitze des breiten Kopfes , wie bei le- 
benden Rochen, sondern der Kopf steht vor, wie bei der 
Propteryga OrTo ; unter demselben sind zwei grosse herab- 
hängende Lappen. Im obern Theile des Kopfes sitzen. mehre 
Reihen kleiner, sehr spitzer, dreieckiger Zähne; die Bauch- 
Flossen sind schmal und lang; an den Strahlen derselben: ist 
so: wenig, wie’ an denen der Brust-Flossen, eine Gliederung 
zu erkennen. Rippen oder Wirbel- Fortsätze sind nicht 
sichtbar. Der lange Schwanz endigt in einen schmalen 
abgerundeten Lappen ; noch an demselben sitzt eine: kleine 
dreiseitige Rücken-Flosse; in beiden sind keine Strahlen 
bemerklich. Die genaue Abbildung und Beschreibung dieses 
Fisches wird im: 5. Hefte meiner „Beiträge zur Petrefakten- 
Kunde“ erscheinen; ich habe ihn Th. Draco genannt. 

Von einer weit grössern Gattung Raja besitze ich ei- 
nige Bruchstücke der Flügel-ähnlichen Brust: Flossen, die über 
1’ breit sind und früher von Acassız als „Schwanz - Ende 
eines grossen Hayfisches“ etiquettirt worden sind. 


V. Genus Aethalion. | 
Im Jahrbuch 7839 habe ich S. 679 unter Nr. 4 und 5 


einiger neuen Arten Uaturuserwähnt, die jedoch, nach näherer 
Untersuchung der Zähne bei neuen Individuen, dieser Gattung 
nicht wohl zugehört haben können, sondern ein ganz neues 
Genus bilden, zu welehem ich seitdem noch vier neue Ar- 
ten erhalten habe. Bei diesen 6 Arten steht die Rücken- 
Fiosse nieht der Bauch-Flosse, sondern dem Raume zwischen 
After- und Bauch-Flosse gegenüber; sie haben ferner keine 
grossen konischen, sondern kleine feine Zähne (en drosse) ; 
die Strahlen-Fortsätze der Schwanz- Wirbel sind nicht an 


42 


die Wirbel gelehnt, sondern stehen davon ab, so wie an 
den Rücken - Wirbeln. Diese Fische kommen der Gattung 
Sauropsis fast näher, als der Gattung Caturus; allein die 
Wirbel und Schuppen sind nicht besonders kurz und zahl- 
reich‘; auch sind die Strahlen der Flossen nicht zahlreich und 
eng beisammen; die Brust-Flosse ist verlängert, und die 
Zähne sind nicht dick konisch. 

Der Bürsten-förmigen Zähne wegen werden diese Fi- 
sche nicht zu den Sauroiden, sondern zu den Lepidoiden zu 
zählen seyn; da sie aber zu keiner der von Acassız bekannt 
gemachten Gattungen passen, so schlage ich die Bildung: 
einer neuen Gattung unter dem Namen Aethalion*) vor. 

Zu diesem Genus würden folgende 6 Arten gehören: 

1) Ae. angustus. 

2) Ae. angustissimus, welche beide schon, wie vor- 
hin erwähnt, im Jahrbuch von 7839 beschrieben sind. Eine 
Abbildung des letzten wird in meinen „Beiträgen zur Pe- 
trefakten-Kunde“, 5. Heft, Tf. V, Fig. 3 erscheinen. 

3) Ae. inflatus. Die Rücken-Flosse gross, die Strah- 
len weit aus einanderstehend, After-, Bauch- und Brust- 
Flossen klein, fast gleich gross; der Körper zwischen der 
Rücken - Flosse und dem Kopfe sehr bauchig, gegen die 
gegabelte Schwanz - Flosse aber verengt zugehend; der 
Kopf klein mit stark gewölbter Stirn; Schuppen nicht 
gross, dünn. 

4) Ae. tenuis; die ziemlich grosse Rücken-Flosse weit 
zurücksitzend; Brust-Flosse schmal, ziemlich lang; Bauch- 
Flosse mittelmäsig; After-Flosse gross; die Lappen der 
Schwanz -Flosse schmal und spitz; der Körper dünn, fast 
konisch; der kleine Kopf mit einer geraden Stirn. 

5) Ae. subovatus. Rücken-Fiosse gross mit nahe zu- 
sammenstehenden Strahlen, der Bauch-Flosse fast gegenüber; 
Schwanz -Flosse mit kurzen breiten Lappen, die übrigen 
Flossen sehr klein; die Stirn flach gewölbt; die dünnen 
Schuppen ziemlich gıoss. 


*) Aertnalıon, Schiffer aus Tyrus, in cinen Fisch verwandelt. 


43 


6) Ae. parvus. ‚Rücken -Flosse mittelmäsig; After-, 
Bauch- und Brust-Flosse klein; der Körper klein, läunglich; 
der Kopf nicht gross ; die Stirn wenig gewölbt. 


VI. Genus Pachycormus. 


Von der Gattung Pachyeormus war mir bisher nur eine 
unbestimmte Art aus den Kalkschiefern Baierns bekannt, 
von welcher ich nur ein paar Gerippe aus den Bichstädter 
Steinbrüchen besass. Ich habe jedoch seitdem einige andre 
Arten aus den Kelheimer Brüchen erhalten, die mir sämmt- 
lich neu waren. 

1) P. gibbosus zeichnet sich durch einen zwischen 
dem Kopfe und der Rücken-Flosse Höcker-förmigen Rücken 
aus; letzte ist breit und sitzt gegenüber dem Raume zwi- 
schen der After- und der Bauch-Flosse. Die gegabelte 
Schwanz-Flosse hat kurze breite Lappen. Die konischen 
Zälne sind nicht sehr spitz. 

2) P. striatissimus bleibt viel kleiner, ist ohne Hö- 
cker, und hat eine verlängert-eiförmige Gestalt; Rücken- 
und After- Flossen sind gross; die Zähne spitz, konisch; 
die Schuppen sehr fein gestreift. - 

3) P. latus. Körper sehr breit, länglich-eiförmig; am 
höchsten war die Rücken-Flosse, welche einen spitzern Winkel 
als bei den zwei vorlergehenden Arten bildet; dasselbe 
gilt auch von den übrigen Flossen. Die Schuppen dieses 
grossen Fisches sind fein gestreift. 

4) P. elongatus. Die vorhandenen Gerippe zeigen 
eine sehr verlängerte Gestalt; die Schuppen sind gestreift; 
die Wirbel- und Stachel-Fortsätze gross und stark. 

Bei allen diesen Arten verlängert sich die Wirbelsäule 
ziemlich weit in den obern Schwanz-Lappen. 


Vil. Pbolidophorus angustus, 


ist sehr schmal und lang; er zeichnet sich durch eine wn- 
verhältnissmäsig lange und selimale Brust-Flosse aus, welche 
noch länger als beim Ph. longimanus ist, welchem er 


44 


zwar in der äussern Form ähnelt, sich aber durch gezähnte 
Schuppen, viel kürzere Schwanz-Flosse und eine nur halb 
so breite Rücken-Flosse unterscheidet. 


VIII. Genus Caturus. 


Von keiner Gattung Fische habe ich bis jetzt so viele 
Arten aus den lithographischen Schiefern erhalten, als von 
Pholidophorus und Caturus, Von erstem besitze ich. 20, 
von letztem 22 Arten. Die neuen Arten sind: 

1) C. granulatus, ein 54‘ langer, vorzüglich gut er- 
haltener Fisch, mit sehr kleinen granulirten Schuppen, fast 
wie die Chagrin-Haut eines Hayes; ohne sichtbare Wirbel; 
der Kopf sehr klein, wit äusserst grossen konischen Zähnen. 

2) C. obovatus, ein 31” langer, ebenfalls ganz voll- 
ständiger Fisch; er hat eine länglich-eiförmige Gestalt, einen 
grossen Kopf, kleine konische Zähne, feine glatte Schuppen; 
Wirbel sind in keiner der beiden Hälften sichtbar. 

3) C. intermedius. Auch bei diesem Fiseh sind die 
Wirbel nicht zu erkennen, obgleich, wie bei den vorher- 
gehenden Arten, die Wirbel-Fortsätze u. s. w. sichtbar sind. 
Ein Theil des Kopfes fehlt; der Körper ist schmal; die glat- 
ten Schuppen sind gross u, s. w. 

4) C. brevicostatus, zeichnet sich dureh sehr kurze 
Flossen und Rippen oder Stachel-Fortsätze aus. Auch an 
dieser Art fehlen die Wirbel. Sie ist dem Megalurus 
brevicostatus ähnlich, von welchem sie aber sehon durch 
die gegabelte Schwanz-Flosse hinreichend abweicht. 


IX. Aspidorhynchus longissimus. 


Diese in den Schiefer-Brüchen von Poinlen gefundene 
ausgezeichnete Art unterscheidet sich von dem ebenfalls 
grossen A. acutirostris durch verhältnissmäsig längere 
und schmälere Gestalt, da sich die Länge des Rumpfes, ohne 
Kopf und Schwanz zur Breite ohne Flossen verhält =?3:1, 
beim A. acutirostris aber = 54:1. Das vorliegende 


Exemplar ist im Ganzen 2’ 3“ Rheinisch lang und 2 3 


45 


v 


breit. Auch der Kopf ist verhältnissmäsig grösser, der Un- 
terkiefer länger; die Zähne sind grösser; alle Flossen 
grösser und länger, vorzüglich die Schwanz-Flosse, als bei 


jenem. 


X. Belonostomus angustus. 


Von den 12 Arten dieses Geschlechtes in meiner Samm- 
Jung ist diese neue, bei Äelherm gefundene Art am kleinsten 
und zierlichsten. Der Körper ist verhältnissmäsig sehr 


schmal und hat feine in die @ueere gestreifte Baueh-Schuppen. 


XL Gyrodus meandrinus. 


Die bedeutende Zahl meiner Gyrodus-Arten aus litho- 
graphischen Schiefern ist durch eine neue 11. Spezies von 
Kelheim vermehrt worden, welche sich sowohl durch "die 
konische Gestalt der vordern Hälfte, als durch die meandri- 
schen Linien auf der ®bertläche der Schuppen von allen mir 
bekannten Arten wesentlich auszeichnet; auch sind die Rücken- 
Schuppen mit kurzen starken Stacheln besetzt. 


Xil. Libys Polypterus. 


Schliesslich muss ich noch der Überreste eines sonder- 
baren, mir neuen Fisches aus den Schiefer - Brüchen von 
Kelheim gedenken, dessen eigenthümlichen Zähne an den im N} 
lebenden Polypterus erinnern. Sie sind nämlich kegelförmig, 
und hinter ihnen sitzt ein Haufen Chagrin-ähnlicher Zähne, 
Einige Kopf-Theile und umherliegende dicke Schuppen sind 
fein gekörnt. 

Nach den eckigen dieken Schuppen zu köhleasen! würde 
‘der Fisch zu den Lepidoiden, nach den dicken konischen 
Zähnen aber zu den Sauroiden gehören ! 

Ich nenne diese neue Fisch - Gattung Libys (Schiffer 


von Baccnus, in einen Fisch verwandelt). 


Ausser vorstehenden Reptilien und Fischen erhielt ich 
noch einige neue Arten Krebse, Isopoden, Insekten, 


« 


46 


Pflanzen und Sepien. Ünter den letzten findet sich 
eine eigenthümliche Gattung, die einer besondern Erwähnung 
‚verdient. In meinem .frühern Aufsatz über diese Verstei- 
nerungen vom Jahre 1839 habe ich bereits einer neuen, ganz 
besondern, sehr grossen Art von Rhynceholithen erwähnt, 
welche ich in den Solenhofer Sammlungen gesehen hatte. 
‚Seitdem war ieh so glücklich, nicht nur einen solehen Kör- 
per aus dem Solenhofer Steinbruch , sondern auch den Ab- 
(druck des Cephalopoden selbst zu erhalten, zu welchem jene 
‚Körper gehören, die von verschiedenen Arten herzurühren 
scheinen, da sie von abweichender Form und auch von ver- 
schiedenen Fundorten kommen, Sie scheinen jedoch von den 
eigentlichen Rhyncholithen verschieden zu seyn, da diese 
für Schnäbe! von Schaalen-Cephalopoden gelten, während jene 
immer Horn-artige Knochen (die Schulpen) eines Schaalen-losen 
Cephalopoden gewesen sind, welche von allen bekannten 
‚Gattungen sowohl lebender als fossiler Cephalopoden durch 
die eigenthümliche Gestalt dieser Rücken-Schulpe so wesent- 
lich abweicht, dass ich mich veranlasst gesehen habe, eine 
nene Gattung daraus zu bilden, die ich Kelaeno ci 
genannt habe, 

Da mir zur Zeit nur ein unvollständiges Exemplar ohne 
Kopf-Arme bekannt ist, so lassen sich nur folgende Gattungs- 
‘Kennzeichen annehmen: 

Der Sack eiförmig, oben abgestutzt, unten abgerundet, 
ohne Schwimm-Flossen; der Kopf tief sitzend; die Rücken- 
‚Schulpe Horn-artig, lang gestielt, mit einer krummgebogenen 
Ausbreitung am untern Ende. Die nähere Beschreibung der 
‚mie bekannten Arten wird im 5. Heft der „Beiträge zur 
‚Petrefakten-Kunde“ erscheinen, . 


Über 
ein fossiles Hirsch-Geweih aus 
der Gruppe der Edel - Hirsche 
(Cervus Bresciensis) 


aus Zilkauen, 
von 


Herrn G. G. PuschH. 


mn 


Hierzu Tafel II, Fig. 1, 2. 


— 


Die paläontologischen Forschungen der neuern Zeit ha- 
ben uns gelehrt, dass auch auf dem Zurepäischen Kontinent 
in derjenigen Periode, welche wir kaum mehr passend die 
diluvische zu nennen pflegen, unter den noch lebenden Wie- 
derkäuer-Geschlechtern besonders das der Hirsche eine viel 
grössere Arten-Zahl enthielt, als jetzt. In alten Torf-Mooren, 
im Lehm, welcher die erratischen Blöcke des Nordens ein- 
schliesst, im Löss u. s. w., finden sich nicht selten Über- 
reste, besonders Geweihe und Schädel-Fragmente von Hir- 
schen, welche unserem lebenden Edelhirsch ähneln und 
früher meist dieser Art beigezählt wurden; Kaup hat aber 
schon gezeigt, dass sie zum Theil von zwei Arten: Cervus 
»rimigenius und €. priscus abstammen, die wesentlich 
von €, Elaphus verschieden sind. lch habe in diesem 


48 
Jahrbuch 7840, S. 78 gezeigt, dass auch in Polen solehe 


Überreste vorkommen, von denen Kaur a. a. ©. S. 172 der 
Meinung ist, dass sie seinem C. primigenius angehören 
möchten, woran ich aber noch zweifle, weil der obere Theil 
der Geweih-Stange nicht abgeplattet ist. Seit der Zeit, da 
ich dieses Geweih beschrieben, erhielt ich durch die Güte des 
Hrn. Professor WacA allhier wieder ein andres, wesentlich 
von jenem abweichendes, aber ebenfalls von einem Hirsch 
aus der Gruppe der Edel-Hirsche abstammendes, welches in 
den Torfmooren jenseits Zrzese Cilewski zwischen dem Bug 
und Miecliawiee gefunden wnrde und sich in demselben 
fossilen Zustande befindet, als das von mir beschriebene 
grosse Elenn-Geweih. 

Dieses Geweih gehörte höchst wahrscheinlich wieder 
einer anderen erloschenen Art von Edel-Hirschen an. Unter 
dieser Voraussetzung will ich diese Art mit dem Namen C, 
Bresciensis bezeichnen. 

Ich habe das ziemlich wohl erhaltene Ge mit Ku 
Schädel-FragmentaufTf. H, Fg.1 genau zeichnen lassen und will 
versuchen, dessen Eigenthümlichkeiten näher anzugeben. : 


1) Der Winkel, den das Stirnbein mit dem Hinterhaupt 
‚bildet, heträgt 112°, also eben so wie bei Cervus prisens, 
ist mithin 10° spitzer als bei ©. Elaphus, und wenig stum- 
pfer als bei der 1840 von mir aus Polen beschriebenen 
Hirsch-Art. 

2) Jede Geweih-Stange hat zwischen dem Riseisehik 
'und’der sehr kräftig entwickelten Krone ausser der Augen- 
‚Sprosse nur noch eine schlank entwickelte Eis-Sprosse, wel- 
‚che die Stelle der dritten Sprosse beim lebenden Edel-Hirsche 
vertritt. Zwischen dieser und der Augen-Sprosse ist an 
‘beiden Geweih-Stangen bei a nar noch ein Rudiment einer 
dritten Sprosse vorhanden, die dadurch zwar angedeutet, aber 


”) Kaur hält dieses Kennzeichen für zufällig und unwesentlich ; mög- 
lich, dass es nur durch den Druck der aufliegenden Schichten MM. 
vorgebracht wurde. _ Da.ina 


49 


nieht zur Entwickelung. gekommen ist. Bei €. primige- 
nius und C. Elaphus sind zwischen dem Rosenstock und 
der Krone stets 3 Sprossen, bei C. priseus 4 Sprossen 
vorhanden. 

3) Die an beiden Geweih-Stangen leider abgebrochenen 
Augen-Sprossen waren an ihren Anfängen nicht kreisrund, 
wie beim Edel-Hirsch, sondern zu beiden Seiten stark ab- 
geplattet, und die vorhandenen Überreste lassen auch er- 
kennen, dass diese Sprossen nicht parallel gerade nach vorn, 
wie bein Edel-Hirsch gerichtet, sondern zu beiden Seiten 
ziemlich stark nach Aussen, also divergirend gekrümmt seyn 
mussten. 

4) Die vorhandene Eis-Sprosse, die nur an der rechten 
Geweih-Stange vollständig erhalten ist, ist gegabelt, d. h. sie 
trägt noch eine kleine Seiten-Sprosse, was ich noch an keinem 
Hirsch-Geweih gesehen habe, und welche Eigenthümlichkeit 
auch an keinem von Cuvier und Burron abgebildeten Geweih 
‚ ausgedrückt ist. | 

5) Die Geweih-Stangen sind’vom Rosenstock bis zu 
der gegabelten Eis-Sprosse 'elliptisch nach vorn zusammen- 
gedrückt oder so zugeschärft, dass der vordere Rand eine 
ziemlich scharfe Kante bildet. Dabei ist die obere Fläche 
flach, schief nach vorn abfallend, die untere ist etwas mehr 
abgerundet, die hintere gerundete Fläche mit Perlen besetzt, 
die obere und untere zusammengedrückte Fläche glatt und 
der Länge nach gefurcht. In dieser Eigenheit ähnelt unser 
Hirsch mithin dem C. priseus; wenn man aber die von 
Kaur im Jahrbuch 1839, Tf. II, Fig. 4 gegebene Durch- 
schnitts-Zeichnung der Geweih-Stange von €. priseus mit 
meiner Zeichnung von CE. Bresciensis, Fig. 2 vergleicht, 
so. wird man doch gleich erkennen, dass die Zuschärfung 
nach vorn bei letztem viel stärker als bei jenem ist. ‚Unter 
der gegabelten Eis-Sprosse sind die beiden Geweih-Stangen 
bis zur Krone kreisrund, wie beim Edel-Hirsch ; aber an 
den Enden der Krone spricht sich wiederum deutlich eine 
starke seitliche Abplattung aus. i 

Jahrgang 1842. R- 


50 


6)' Die Kronen sind stark entwickelt, ‘an der rechten 
Stange mit 3, an der linken Stange "mit'6 Enden. Diese 
Kronen sind denen: des Edel-Hirsches sehr ähnlich. Im All- 
gemeinen ist die linke Stange stärker entwickelt und etwas 
länger, als die rechte. ‘Solche Differenz findet sich auch 


häufig am Edel-Hirseh. 


Dimensionen der Stangen A, und B in Millimetern. _ 


AB 
Länge in gerader ‚Linie von b_.bis e und von d bis e ; 740 870 
Durchmesser der Stangen bei f und g Ä ; z 50 50 
ss 5 = zwischen der Augen- rer Eis- 
Sprosse nach den punktirten Linien in Fig. 2 
von hinten nach vorn .. ; f : ? i Pr 68 68 
von oben nach unten . - 48 48 
Entfernung der Augen- von der. Eis. Srosie, von Mitte zu EN 
Mitte gemessen ! r h 160 "235 
Von der Mitte der Eis- Anlass bis zum Ahle ei Kokiuen 2% 
von. h bis i und von k bis | NL PAR F ö - 450 400 
Vom Winkel der Kronen-Sprosse m bis n . Ä ee 
” E „ Eis Sprosse o bis p . f SINE RO AREA 
y Re „  Augen-Sprosse q bis r >  . i , 188 
Dicke des Rosenkranzes von d bis s.. ; ‚ \ { 98 
5 „ Rosenstocks von dbiss . ' 68 
Entfernung der beiden Rosenstöcke unter dem en ke 08 
Breite der Stirn von tbisu . | use de 
„ des Hinterbaupts über dem Prbkieköne EREE N kyjslan. 130 
Höhe des Hinterhaupts erde . - REN. 94 


Aus dieser Beschreibung und der heigefüiphei Zeibuuik 
ergibt sich, dass C. Bresciensis durch wesentliche Cha- 
raktere leicht vom C. Elaphus und C. ‘primigenius zu 
unterscheiden ist ; hingegen steht er dem C. priseus Kaur 
viel näher durch einen gleichen Stirnkanten-Winkel und die 
abgeplattete Form des 'untern Theils der Geweih - Stangen. 
Dennoch sind wir nicht berechtigt, ihn dieser Art beizu- 
zählen „ weil zwischen beiden wieder andere und wesent- 
liche Veraltuhkter Statt finden. Die Aanpe Untexschiedb 
sind, dass: 

1) €. priseus al der Krone 4 Sprossen (En- 
den), C. Bresciensis aber nur 2 entwickelte und eine 


sl 


rudimentäre hat, mithin sogar noch eine weniger, als bei 
€. Elaphus stets entwickelt sind. 

2) Dass der Wurzel-Theil der Krone, Fig. 1 vonh bisi 
3 der Länge der Stangen, bei C. priseus nur 4, bei C, 
Bene 1 dieser Grösse beträgt. 

3) Dass die 2. Sprosse der Stangen, entsprechend der 
3. des Edel-Hirsches und der 4. des C. priseus, gegabelt 
und dabei viel kräftiger, als bei diesen beiden Hirseh-Arten, 
entwickelt ist. 

4) Dass die 2. Sprosse des C. Elaphus und C. pris- 
eus hier nur rudimentär angedeutet, die 5. supernumeräre 
des letzten aber gar nicht vorhanden ist. 

5) Dass beide Stangen verhältnissmäsig weniger aus- 
einanderstehen, als bei €. priseus. Diese Entfernung ist 
beil. Bresciensis nicht grösser, als beim lebenden Edel- 
Hirsch. | 

6) Dass das Hinterhaupt hinter dem Geweih nur wenig 
vertieft und nicht mit 4 Narben im @uadrat gestellt. wie 


bei C. priscus, versehen ist*). 


*) Indem ich dieser neuen Art die Ächtheit weder zu- noch ab-sprechen 
will, muss ich bemerken, dass alle Geweihe so zahllosen Varia- 
tionen unterworfen sind, dass bei zwei nahe verwandten Thieren 
die Geweihe die unzuverlässigsten Kennzeichen abgeben, wenn man 
deren nicht ganze Reihenfolgen besitzt. Kavp schreibt mir, dass er 
Material samınle und später viele abweichende Formen des Geweihs 
des lebenden Edel-Hirsches in seinen Akten der Urwelt geben will, 
um zu zeigen, wie sehr an dieser Art die Natur jetzt noch gespielt 
hat. Bei seinen Untersuchungen bleiben die Abnormitäten ausge- 
schlossen. Erst nach diesen Untersuchungen glaubt er im Stand 
zu seyn, seine beiden Arten urweltlicher Edel-Hirsche fester stellen 
zu können. Selbst dem Winkel, welchen die Stirn mit dem Hinter- 

"haupt bildet, schenkter kein so grosses Vertrauen mehr und glaubt, 
‘dass derselbe in hohem Alter variire. Letztes wird jedoch schwer 
zu erweisen seyn bei der kurzen Lebens-Dauer unsrer Edel-Hirsche 
und weil bei allen kolossalen Geweihen aus früheren Zeiten nie das 
-Kranium erhalten ist, sondern (wie in neuester Zeit noch) nur die 
Stirn-Platte mit den darauf sitzenden Geweihen. Bronn. 


Über 
Clypeaster altus ScıLLA’s 


und einige Verwandte, 
von 


Hrn. Dr. R. A. PıLıppi. 


Hiezu Tafel II, Fig. 3, 4, 5. 


Scır.a hat in seinem Werke „la vana specolazione“ 
u. s. w. auf Tafel IX, Fg. 1, 2 einen Clypeaster abge- 
bildet, welcher in Kalabrien, Malta und Sizilien vorkommt 
und den Namen Cl. altus erhalten hat. Er ist von Lamarck 
charakterisirt: Cl. verlice elato, conoideo; ambulacrıs lon- 
yis ; margine brevi, crasso, rolundato. — Ich habe aus Kala- 
brien 11 Clypeaster mitgebracht, welche sämmtlich der Dia- 
gnose und der zitirten Figur entsprechen, aber nichts desto 
weniger drei verschiedenen Arten angehören. Diese Menge 
von Exemplaren hat mich in den Stand gesetzt, über den 
Werth oder Unwerth der Kennzeichen, die man wohl beim 
ersten Blick geneigt wäre zur Unterscheidung der Ulypeaster- 
Arten anzuwenden, ein sichereres Urtheil zu erwerben, als 
wenige Exemplare an die Hand geben können. Ich habe 
mich überzeugt, dass gerade die am meisten in die Augen 
fallenden Eigenthümlichkeiten der Gestalt — ob die Basis 


3 


mehr rund oder mehr winkelig, mehr kreisförmig oder mehr 
eiförmig , ob die Wölbung mehr wie pyramidal, oder mehr 
konvex oder konkav ist, ob die Ambulaera schwächer oder 
stärker gewölbt erscheinen — sehr veräuderlich sind und 
zur Unterscheidung der Arten gar nicht oder doch nur sehr 
sekundär gebraucht werden können. Auf ähnliche Weise 
variirt die Gestalt bei den ächten Eehinus und namentlich 
bei Echinus melo ganz unglaublich. Man muss daher 
andre, wesentlichere, mit dem innern Bau des Thieres in 
einem bestimmten Zusammenhange stehende Merkmale auf- 
suchen, und diese habe ich, bei den drei fraglichen Arten 
wenigstens, in der Stellung der Genital-Poren , namentlich 
in Beziehung zu dem ersten Loch der Ambulacra gefunden. 
Wenn man diese fünf ersten Ambulakral-Löcher durch Li- 
nien verbindet, so liegen bei derjenigen Art, welche am 
häufigsten ist und der ich daher den Namen Cl. altus 
lasse, die Genital-Poren weit ausserhalb; bei einer an- 
dern Art, Cl. Seillae mihi, liegen sie beinahe in der 
verbindenden Linie, aber etwas nach aussen, und bei 
der dritten, welche ich Cl. turritus nenne, genau in die- 
ser Linie, welehe hier wirklich vorhanden ist und einen ver- 
tieften spitz fünfeckigen Raum, ein besondres Vertikal-Feld, 
scharf begränzt. Die Abbildungen zeigen diess deutlich. 

Ich lasse jetzt die Diagnosen und Dimensionen der ein- 
zelnen Arten folgen, aus denen die Veränderlichkeit der Ge- 
stalt am deutlichsten hervorgeht. | 

1) Cl. Seillae mihi, Ct. pentagono-ovatus, angulalus, 
vertice elato-conoideo ; area verlicali nulla; porıs genitatibus 
subapprosimalis ; ambulacris longis; margine brevi (fig. 3). 


| Länge. Breite. Höhe. Verhältniss. 
ENT) 474 - 40,9 n Y 100 : S6 : 44 
Nr. 2 40,5 36’ 21 100 : S6 : 51 
Länge des unpaaren Ambul. Breite des Randes,. Verhältniss. 
Nr. 1 21 zn 100 : 33 


Nr. 2 20 zen 100 : 35 


34 


2) Cl. turritus mihe, Cl. ovalo - pentagonus , verlice 
lurrito-conoideo ; area verlicali profundata bene descripta ; 
poris genitahibus approximatis in peripheria areae verhcalis ; 
ambulacris longis; margine brevi (fig. 4). 


Länge. Breite, Höhe. Verhältniss, 
Nr. 1 55% Br- ii) BIER 100 : 94:49 
NEBEN 64' 37 100 : 85 : 47 
Länge des unpaaren Ambul. Breite des Randes. Verhältniss. 
Nr. 1. 3% 12° 100 : 48 
Nr. 2 as: 14 100 : 41 


3) Cl. altus mehr, Cl. ovalo-penlagonus ; vertice elalo- 
conoideo ; area verticali nulla ; poris genitalibus valde remo- 
lis; ambulacris longis ; margine brevi (fig. 5). 


Läuge, Breite. Höhe. Verhältniss. 
Nraaca0f AT at 234% 100 : 94 : 46 
Nr. 2 60° 4, 24 100 : 95 : 40 
Nr. 3.1.5844 39 26 100 : 94 : 48 
Nr. 4 60° 58,44 30° 100 : 97 : 50 
Nrimau 024 nal 1 Bu 100 : 92 : 55 
Nr. 6 653 RU H 40% 100 : SS : 61 
Nr. 78%) 76/4 69 4814 100 : 90 : 64 

Länge des unpaaren Ambul. Breite des Bandes, Verbältniss. 
Nr. 1 2a 103 100 : 42 
Nr, 2 Da 123 100 : 46 
Nr. 4 BR 123 100 : 43 
N ga u #3 100 : 36 
Nr. 6 35 15 '" 100 : 45 


Bei allen 3 Arten ist der Rand ziemlich scharf (doch 
finden sich auch Verschiedenheiten) und nieht wohl „abge- 
rundet“, wie es in der Diagnose von LamArck heisst. — Der 


*) Gerade am Scheitel beschädigt und daher nieht mit Sicherheit zu 
bestimmen. 


55 


Cl. grandiflorus var. humilior, welchen Broxn in der 
Lethaea Tf. xxxvı, Fig. 9 abbildet, dürfte sich wohl bei 
genauerer Untersuchung als eigene Art ausweisen. Die Fi- 
guren von ScırLA reichen nicht hin, um mit Sicherheit die 
Art zu erkennen. 

Überhaupt will ich noch bemerken, dass man auf die 
Genital-Poren bei der Charakteristik der Genera zu wenig 
Rücksieht genommen hat. So finde ich z. B. nicht bemerkt, 
dass Echinolampas nur vier Genital-Poren und, was da- 
mit zusammenhängt und die Zahl der Genital-Poren bedingt, 
nur vier Eierstöcke hat. Spatangus Ac., Brissus, Am- 
phidetus, Micraster (gibbus), Hemipneustes, Ho- 
laster? haben ebenfalls 4 Genital-Poren, der Spatangus 
canaliferus Lamk. dagegen, den Acassız zu einem Miera- 
ster macht, hat nur zwei Genital-Poren und nur 2 Ovarien, 
Dieses von einem der wesentlichsten Organe des Thieres 
hergenommene Kennzeichen verdient offenbar eine grössre 
Berücksichtigung als manche andere, die man in neuern Zei- 
ten zu generischen Unterscheidungen benutzt hat. 


Erklärung der Abbildungen. 


Fig. 3, der Wirbel von Ciypeaster Scillae Pn. 
-... turritus Pu. 
m.» BD) ” „ altus Ph. 
Auf diesen Figuren bezeichnet @& die Genital-Poren. 


» 4, » 2) „ „ 


x 


| Die, _ | ud, 
‘Gletscher - Theorie und Eiszeit- 
| Hypothese v 


A des 
Herrn L. Ascassız, 


aus 
dem physikalisch - geologischen Gesichts - Punkte beleuchtet 


von 


H. G. BRoNN. 


—__ 


Die Fortschritte, welche die Geologie den vereinten 
Forschungen von VENETZ, CHARPENTIER und Asassız über die 
vor ihnen als blosse Lokal-Erscheinungen ohne wesentliche 
Bedeutung betrachteten Gletscher-Phänomene verdankt, ge- 
hören zu den grössten und sehönsten, welche diese Lieblings- 
Wissenschaft der heutigen Zeit, die sich mehr als andre 
Naturwissenschaften eine allgemeine Anerkennung erworben, 
in dem letzten Jahrzehnte gemacht hat. Wenn aber die 
Resultate der mit so vielem Kosten- und Zeit-Aufwande, mit 
so beharrlichem Eifer und mit so ausdauernder Anstrengung 
gepflogenen Untersuchungen bis jetzt diejenige Aufnahme 
noch nicht ganz gefunden und diejenige Überzeugung bei 
Anderen noch nicht ganz erweckt zu haben scheinen, wel- 
che sie verdienen, so liegt diess zum Theile in der Schwierigkeit 
der unmittelbaren Deutung der Spuren früherer Ereignisse, 


wt 


7 
4‘ 


welche noch keineswegs alle Hindernisse besiegt hat, zum 
Theil aber und hauptsächlich in dem etwas zu leichtfertigen 
Übergriffe, den sich eben diese Deutung bis in das bereits fest 
angeeignete Gebiet der jetzt allgemeinen geologischen Hypo- 
these erlaubt hat, statt sich ihr unterzuordnen. 

Wenn ich es daher versuche, auf einige Schwierigkeiten 
aufmerksam zu machen, welche der Acassız’schen Theorie 
der Gletscher und insbesondre ihrer Bewegungs-Weise zum 
Theil noch entgegenstehen, mehr um dieselben auf dem Wege 
der Beobachtung allmählich erläutert oder widerlegt zu sehen, 
als um damit zu widerlegen, — wenn ich es versuche, diese 
Theorie auf das Gebiet zurückzuführen, welches ihr gebührt 
und das ‚sie ohne Noth nieht hätte überschreiten sollen, ob 
diess gleich nur beiläufig und Anhangs-weise geschehen ist — 
wenn ich darzuthun versuche, dass diese Lehre alle ihr etwa 
nothwendigen Voraussetzungen, die sie im Widerstreite mit 
der geologischen Hypothese sich anzueignen versucht hat, viel 
besser im Vereine mit ihr und durch sie zu erlangen im Stande 
ist: so glaube ich dem Verdienste jener Lehre und ihrer 
Gründer die grösste Anerkennung von meiner Seite zu be- 
weisen, weil ich ihm die universellste Anerkennung von Seite 
des grösseren Publikums möglicher zu machen suche, und ichbin 
überzeugt, dass der Urheber jener Hypothese, dessen freund- 
schaftlichen Gesinnungen für mich einen so grossen Werth 
haben, diese Art von Entgegentreten einer anderweitigen Ab- 
sicht nicht zuschreiben wird. Ich sehe vielmehr mich persön- 
lich und durch ihn selbst hiezu berufen durch gewisse Grund- 
sätze, die er denjenigen entgegenstellt, zu welchen ich mich 
bei verschiedenen Arbeiten und Gelegenheiten bekannt habe, 
deren Vertheidigung aber im Angesichte der seinigen ich dem 
wissenschaftlichen Publikum noch schuldig geblieben bin, 
weil ich sie stückweise und Zusammenhang-los nicht ge- 
ben konnte und weil ich eine Polemik hasse, die um klein- 
liche Einzelnheiten überall sich zu entzünden bereit ist. 

Die neue Theorie, wie sie AcaAssız in seinen „Unter- 
suchungen über die Gletscher“ (Solothurn 1841) darlegt, 


38 
bietet, abgesehen von einer grossen Menge neuer Ergebnisse 
der verdienstlichsten eigenthümlichen Forschungen, über die 
ich mich verpflichtet glaube den Leser auf die Original- 
Schrift zu verweisen, neben einigen anderen, noch etwa 
folgende Haupt-Sätze für unsre Betrachtung dar: 

1) Die Bewegung des Gletscher - Eises Thal-abwärts, 
welche in einem Sommer bis über 400’ betragen kann, ist nicht, 
wie man seit SAUSSURE angenommen, ein Herabgleiten auf 
geneigter Ebene in Folge seiner Schwere, sondern sie ist 
nach Schkucuzers weit ältrer und längst vergessen gewe- 
sener Theorie eine Wirkung der Massen-Ausdehnung: des 
Eises von unten schief vor- und auf-wärts, nämlich haupt- 
sächlich in der Richtung des geringsten Widerstandes, durch 
das nächtliche Gefrieren und Ausdehnen des im Sommer täg- 
lich an seiner Oberfläche abschmelzenden und in zahllose 
Haar-Spalten eindringenden Eis-Wassers, kombinirt mit der 
Richtung der Gravitation der obern Theile*). Diese Fort- 
bewegung der Gletscher und der in ihrem Hintergrunde auf 
sie gefallenen Gesteins- Trümmer nach den End - Moränen 
setzt daher eine beständig um den Null- Punkt auf- und 
ab-schwankende Temperatur voraus und kann nur da, wo 
diese Statt findet, eintreten (Acassız). » Char star. 

2) Die Fels-Flächen'‘, auf welchen sieh die Gletscher in 
dieser Weise bewegen, werden durch Bildung und Einwir- 
kung eines Reib-Sandes und vieler Geschiebe, welche theils 
aus abgedrückten Bestandtheilen ihrer eigenen Oberfläche 
und theils aus den durch Spalten auf die Gletscher-Sohle 
von oben hinabgefallenen Fels-Trümmern entstehen, allmäh- 
lich abgerieben und wie ein Spiegel polirt, dabei der Haupt- 
Richtung nach gefurcht und auf der ebenen Fläche wie in 
den Furchen geritzt, wie Glas durch Diamanten (v. Cnar- 
PENTIER’s Entdeckung). 

3) Das Vorkommen: einer Menge alter Moränen und 
Schliff-Flächen eben angedeuteter Art in Verbindung mit 


”) Gletscher S. 154. 


39 


einer gewissen Anzahl anderer durch die Gletscher gewöhn- 
lich bewirkter Erscheinungen an den Thal-Seiten hoch über 
den jetzigen Gletschern oder im Thal-Grunde Stunden-weit 
unterhalb dem Ende der jetzigen beweist, dass die Gletscher 
dereinst eine Mächtigkeit und eine Erstreckung besessen, 
welche die aus geschichtlieher Zeit bekannte bei Weitem über- 
trifft, und dass sie in einer Mächtigkeit von Tausenden von 
Fussen durch die Mündungen der jetzigen Haupt-Thäler bis 
in die Ebenen der Schweitz, der Lombardei u. s. w. hervor- 
gedrungen waren (Entdeekung von VENETZ ; — V. CHARPENTIER). 

4) Die Verbreitung der erratischen Alpen - Blöcke in 
der Ebene der Schweiz und an den Abhängen des Jura 
lässt sich nicht durch Wasser-Strömungen, sondern ebenfalls 
nur dureh eine Fortführung auf dem Rücken mächtiger Eis- 
Massen bis an ihre jetzige Stelle erklären (Beobachtungen 
und Folgerungen v. Cuarrenrier’s und Acassız’s, welche aber 
in der nähern Erklärung von einander abweichen). 

5) Da man Schliff-Flächen auch in den höheren Theilen 
des Jura und solche mit alten Moränen, Fels-Blöcken u. s. w. 
in den Vogesen und dem Schwarzwald, in ganz Grossbritannien, 
Schliff-Flächen über ganz Skandinavien und Finnland und 
einen grossen Theil von Nord-Amerika, endlich erratische 
Blöcke auch in der Norddeutschen, Russischen, Belgischen u. a. 
Niederungen, in Asien, Nord- Amerika und Nord-Afrika ($) 
gefunden, so müssen auch hier vordem Gletscher bestanden 
haben, es muss die ganze Erd-Oberfläche bis zum Fusse des 
Atlas dereinst mit einer mächtigen Eis-Rinde überzogen 
gewesen seyn, deren Bewegung von Skandinavien nach Deutsch- 
land zu die Schrammen in das Skandinavische Gebirge grub, 
und auf deren Rücken die Blöcke von den allein hervor- 
ragenden höchsten Gebirgs-Spitzen aus nach den Punkten 
ihrer jetzigen Ablagerung gelangen konnten (Beobachtun- 
gen Verschiedener , theils auch von Acıssız; Folgerungen 
von diesem). Ä 

6) Da nun ferner Individuen einer ausgestorbenen Ele- 
phanten-Art im Sibörischen Bise vorkommen, da die Reste solcher 


60 


 Elephanten auch in den Diluvial-Schiehten bei Zyor gefun- 
den werden, und die Diluvial-Schiehten dureh die Empor- 
hebung der Alpen als jüngstes Gebilde mitgehoben worden, 
also unmittelbar vor dieser entstanden sind, da ferner jene 
Sibirischen Elephanten mit Haut und Haar erhalten sind, 
also unmittelbar nach ihrem Tode eingefroren seyn müssen, 
so hat Ascassız folgende; Hypothese zur Erklärung der 
Thatsachen sowohl als der unter 5. enthaltenen Folge- 
rungen ersonnen. Am Ende der Diluvial-Zeit trat plötzlich 
eine allgemeine grosse Kälte ein, durch welche die mittle 
Temperatur der Erd-Oberfläche bis in die Breite des Aflas 
herab unter den Gefrier-Punkt sank, alle Dünste der Atmo- 
sphäre sich als Schnee und Eis niederschlugen, und so auch 
alle, welche nun aus wärmeren Gegenden in diese Dunst- 
freie Atmosphäre nachströmten. Diese Kälte tödtete die 
Wesen der letzten Schöpfung, die Schnee - Niederschläge 
hüllten sie zum Theile ein; die ganze Erd-Oberfläche be- 
deckte sich bis zu genannter Breite herab mit einer Eis- 
Rinde, aus welcher nur die höchsten Berg-Spitzen hervor- 
ragten, und es herrschte eine Zeit allgemeiner Verödung. 
Dann stiegen die Alper empor und streuten ihre Blöcke auf 
dem Rücken des Eises aus ; sie „änderten plötzlich die klimati- 
schen Verhältnisse der Schwestz“*) , was dann durch Jahres- 
und Witterungs-Wechsel die Oszillationen der Temperatur 
veranlasste, dureh welehe jene bewegende Ausdehnung der 
Eis-Massen und die Fortschaffung der Fels-Blöcke möglich 
wurde; das Eis-Wasser sammelte sich in Bäche und Ströme, 
folgte zuerst der Richtung der im Eise vorhandenen Spalten 
und grub an ihrem Grunde unsere heutigen Erosions-Thäler 
aus, so dass, wie das Eis schmolz, die auf seinem Rücken 
befindlichen Blöcke in einem tieferen Niveau über dem trocke- 
nen Boden, auf dem noch auf den Schliff-Flächen liegenden 
Reib-Sande abgesetzt wurden, und zwar oftauf ihren schmal- 
sten Kanten und in den kühnsten Stellungen. So zogen sich 
die Eis-Massen immer weiter aus den Ebenenin die Thäler und 


?) Gletscher $. 295. 


61 


endlich bis auf die Höhe der Alpen zurück (von welcher 
sie nach CHArPEnTier’s Ansicht nur aus örtlichen Ursachen, 
nur durch periodische Kälte in Folge einer anfangs grösseren 
Höhe der Alpen u. s..w. hervorgetreten waren und sich bis zum 
Jura ausgedehnt hatten). Die Skundinavischen Fels-Schliffe 
und Fels-Schrammen sind aber ebenfalls nichts anderes, als 
die‘ Wirkungen der von Skandinavien gegen Deulschland, 
Russland und Belgien sich ausdehnenden Gletscher, auf deren 
Rücken dann die erratischen Blöcke bis in die Ebenen die- 
ser Länder gelangt sind (Hypothese von Acassız). 

Es ist nicht meine Absicht, gegen die vier ersten dieser 
Sätze, gegen die Erklärung der Bewegungs-Weise der Glet- 
seher, den Ursprung der Sechliff-Flächen, die Beweise gröss- 
rer und mächtigerer Ausdehnung und Verbreitung der Glet- 
scher in den Alpen, im Jura, in den Vogesen und in Gross- 
‚britannien zu streiten, noch die Behauptung anzugreifen, dass 
die Alpen-Blöcke auf dem Rücken der Eis-Massen bis zum 
Jura gelangt seyen; theils sind diess Ergebnisse unmittel- 
barer Beobachtungen, über welche auch nur der Beobachter 
an Ort und Stelle urtheilen kann, und welchen man gerne 
beipflichten wird, sofern sie weder eine theoretische Unmög- 
lichkeit einschliessen , noch auf eine passendere Weise er- 
klärt werden können. VENETZ, CHARPENTIER, AGassız, STU- 
DER, Escher, Mousson, Forses aus Zdindburg, HEATH aus 
Cambridge, Martins u. A., welche grossentheils anfangs un- 
gläubig gewesen ‚„ sind der Reihe nach an Ort und Stelle 
überzeugt worden und scheinen sämmtlich hinsichtlich die- 
ser Punkte übereinzukommen, bis erst neue Beobachtungen. 
sie zu andern Ansichten nöthigen; — wenn nicht etwa hin- 
sichtlich der Fortschaffung der zerstreuten Alpen-Blöcke bis 
an die Seiten, bis auf die Kämme, selbst bis in die inneren 
Thäler des Jura noch untergeordnete Abweichungen der 
Meinungen herrschen. Ich sagte „bis erst neue Beobach- 
tungen sie zu andern Ansichten nöthigen“, denn einer von 
STUDER *) mitgetheilten Nachricht zufolge darf man die 


”) Jahrb. 1841, 672. 


62 


Beobachtungen keineswegs als geschlossen betrachten und hat 
der letzte Sommer zur Kunde von manchen Verhältnissen 
im Innern der Gletscher geführt,; welehe man nicht erwartet 
hatte. Vorzüglich aber muss in die Augen fallen, dass nach . 
unseren jetzigen Kenntnissen ein tägliches Einsickern des 
Eis-Wassers von der Oberfläche des Gleischers an bis in 
Tiefen von 50°—100‘ oder gar von: mehren Tausend Fussen, 
wie sie der 3. und 4. Satz voraussetzt, und zwar in solcher 
Menge, dass ein Gletscher-Ende hiedurch allein im Laufe 
eines Sommers zuweilen, trotz seines Abschmelzens, doch 
bis 50° and. mittle Gletscher-Theile bis 400° weit vorrücken 
können, kaum zu begreifen ist, wie unbedeutend auch eine 
solche Ausdehnung noch immer bei der zahllosen Menge auf 
der ganzen Länge- des Gletschers zusammenwirkender Haar- 
Spalten für die oberflächlichste Schicht seyn würde, wenn 
nämlich die Ausdehnung in der Richtung der Oberfläche, 
und nicht, wie Acassız selbst annimmt, in einer diese Ober- 
fläche schief nach vorn und oben durchsetzenden Richtung 
(wodurch eben das Ausstossen eingesunkener Steine bewirkt 
wird) Statt fände... Erstes müsste ohnehin ein Überstürzen 
des Gletschers an seinem Ende zur Folge haben, wie man 
es nicht findet. — Zudem hat aber Acassız selbst durch seine 
in 20° tiefen Bohr-Löchern angestellten Temperatur-Beobach- 
tungen *) nachgewiesen, dass die täglichen Oszillationen der 
Sommer-Temperatur im Ab schwung in 7600‘ See - Höhe 
nur bis zu 8‘ Tiefe des Gletschers fühlbar sind und dort 
zwischen 0° und — 0033 schwanken, und dass von 9' Tiefe 
an eine Temperatur von — 0°35 C. unabänderlich herrscht, 
also keineswegs jenes Schwanken der Temperatur eintritt, 
welches er (nach S. 59) selbst als Bedingniss betrachtet; 
so dass für diese Tiefe nur die Wirkung grössrer, in die 
weitern Spalten eindringender Wasser-Mengen in der un- 
mittelbaren Nähe dieser Spalten übrig bleib. Wenn die 
Theorie dann zur Erklärung der Ausdehnung und Bewe- 
gung des Gletschers nach dem Thale zu auf den seitlichen 


*) Gletscher, S. 190. 


63 


Widerstand rechnet, den der Gletscher durch die Thal- 
Wände erfahre *), so ist zu erwägen, dass, wie auch Acas- 
sız erzählt, die Seiten des Gletschers durch Reflexion der 
Sonne-Strahlen an diesen Thal- Wänden stark abschmelzen und 
daher in beträchtlicher Höhe frei zu stehen pflegen. Wenn 
Acassız ferner **) auf Bıscuor’s Beobachtungen gestützt, um 
seiner Ausdehnungs-Theorie ein grössres Gewicht bei der Be- 
wegung zu sichern, behauptet, dass die Boden-Wärme nur 
da, wo sie 0° übersteige, was in den Alpen unter 6165‘ See- 
Höhe der Fall seye, ein Schmelzen des Gletschers an seiner 
Sohle und mithin eine hiedurch gegebene Voranbewegung 
bewirken könnte, während er in einer grösseren Höhe im- 
mer mit dem Boden zusammengefroren bleiben müsse, so 
dürfte zu berücksichtigen seyn, dass durch die Bedeckung des 
Bodens durch den Gletscher die Zonen gleicher Boden-Wärme 
unter ihm höher an dem Berge hinauf und in die Sohle des Glet- 
schers hinein gerückt werde; dass auch, wie Acassız selbst be- 
merkt, wenigstens die Verdünstung des Eises bei einer Tempera- 
tur unter 0 nicht ganz aufhöre; dass thonige u.a. Gesteine, wie 
ScHhügter’s Versuche beweisen, eine Anziehungs-Kraft selbst ge- 
gen Wasser-Dünste äussern und sie in sieh saugen; dass thonige 
u. a. Gesteine, wie sie frisch aus dem Bruche kommen, immer 
eine gewisse Menge von Feuchtigkeit besitzen, von der sie im Ge- 
birge beständig durchsunken werden, so unmerkbar dieselbe 
auch beim blossen Anblick der Steine seyn mag; dass endlich 
eine, wenn auch noch so schwache, aber unausgesetzt fortdau- 
ernde Verminderung des Gletschers an seiner Sohle ein allmäh- 
liches Fallen desselben gegen die Tiefe hin bewirken müsse, 
welches neben der eben so unmerklich scheinenden Wir- 
kung der Haar-Spalten nicht ganz zu übersehen wäre. 

Die erwähnte Erhebung der Zonen von gleicher Boden- 
Wärme in die Sohle des Gletschers beruhet nämlich auf der 
grösseren Wärmeleitungs-Fähigkeit des Eises gegen die der 


Luft. Wie daher in Gebirgen die Zonen gleicher Boden-Wärme 


”) Gletscher S. 154. ») Gletscher S. 196—198. 


64 


sich mehr in die Höhe ziehen, als in der Ebene, so muss 
diess auch, wenn gleich in einem nach dem Verhältnisse der 
minderen Dichte geringeren Grade, in einem Eis-Berge ge- 
schehen, kann aber nur bei negativen Wärme-Graden direkt 
messbar seyn, während bei positiven Graden alle stärkere 
Erwärmung des Eises nur eben darum unterbleibt, weil alle 
reichlieher in dasselbe. hinübergeleitete Boden- Wärme so- 
gleich zur Bildung von Wasser verwendet wird. 


Doch ist es nicht meine Absicht oder meine’ Hoff: 
nung, durch diese Bemerkungen die Erklärungs-Weise der 
- Fortbewegung der Gletscher im Ganzen zu widerlegen; sie 
sollten nur auf einige noch nicht beseitigte Bedenken auf- 
merksam machen und insbesondre vor einer ganz einseitigen 
Auffassung dessen, was die komplizirte Folge verschiedener 
Ursachen zu seyn scheint, bewahren. | 

Zu 5). Indessen sind wohl nicht alle Erscheinungen, 
welche Acassız von den Gletschern hergeleitet hat, diesen 
zuzuschreiben, insbesondre nicht alle, welche man in Skan- 
dinavien, Finnland, Nord-Deutschland und Nord- Amerika) 
beobachtet hat. 


S 


Was zuerst die erratischen Blöcke in Nord-Deulschland, 
den Niederlanden und einem Theile von Russland betrifft, 
so ist ihre Grenze nach der neuen von Erman**) entwor- 
fenen geognostischen Karte Russlands viel zu unregelmäsig, 
um von einem allgemeinen Temperatur-Zustande der Erde 
abgeleitet zu werden. Sie zieht nämlich allerdings von Bel- 
gien an über Breslau nach Tula im 35° O. L. ziemlich gleich- 
mäsig dem 51° N. Br. entlang, krümmt sich aber dann in 
stumpfem Winkel stark N.- wärts, fast gerade gegen den 
Kälte-Pol, so dass sie schon im 52° ©. L. den 62. Breite- 
Grad erreicht; ihre weitre Fortsetzung ist nicht bekannt. 
Nun ist aber so ziemlich als erwiesen anzunehmen, dass 


”) Dewsy im Jahrb. 1840, 617. 
‚3 ) Archiv für wissenschaftliche Kunde Russlands, 1841, 1. 


65 


alle diese Fels-Blöcke durch von Finnland und anderen im 
Nörden geleßenen’ Gegenden hergekommene Eis-Berge beim 
Schmelzen ümhergestreut worden sind, wozu nicht einmal 
eine Erniedrigung der jetzigen Temperatur dieser Länder, 
sondern nur eine Erniedrigung der Oberfläche dieser Gegen- 
den selbst, eine Versenkung derselben unter den Meeres- 
Spiegel vorauszusetzen ist, wie denn auch aus dem Nieder- 
schlage jugendlicher Tertiär-Bildungen in Nord-Deufschland, 
Belgien, Norwegen, Schweden und Nord-Russland erwiesen 
ist, dass diese Gegenden grossentheils erst nach der Tertiär- 
Zeit aus: dem Meere emporgestiegen sind, und wie Schweden 
noch 'fortwähreind steigt. Dass aber jene Blöcke wirklich 
durch schwimmende Eis-Berge umhergestreut "worden seyen, 
erhellt daraus, dass in dem noch untergetauchten Theil je- 
nes’ Landstriches, ini Gebiete des Finnischen Busens nämlich, 
ein solches Umherstreuen noch jährlich erfolgt, wie nicht 
nur den jetzigen Küsten-Bewohnern bekannt ist, sondern 
auch :v. Baer, BorHTLincK u. A. in dieser Gegend, und wie 
in Nord-Amerika in See’n und Flüssen Cuirman und BayrıELD 
beobachtet haben. v. Bark beschreibt insbesondre einen Fall 
mit einem 10,000 Zentner schweren Granit-Block auf dem 
Ufer der Insel Hochland gegenüber, der über Meer aus Finn- 
land gekommen seye, und bemerkt, dass ihm während einer 
Sonmer: Reise durch Finnland ıwehre solche Fälle bekannt 
geworden*). Die Zeitungen haben mehre ähnliche Fälle 
erzählt, die sich an der Süd- Küste Schwedens im Winter 
1842 zugeträgen. ‘Von gleicher Art ist nach BorstLinck die 
Wirkung aller Flüsse und See’n in Finnland. Bis 3° dicke 
Blöcke tragen die aufthauenden Eis-Schollen fort und lagern 

sie schmelzend an dem Ufer ab, "wohin Wind und Strömung 
sie zusainmentreiben: bald gleichmäsig” zerstreut auf allmäh- 
lich ansteigender Fläche, bald in Form hoher Ufer-Mauern, 
wo die Tiefe des Wassers am Ufer selbst ihnen gestattet, 
dieses zu erreichen und sich an ihm zusammenzudrängen, bald 
endlich in: Gestalt ‚übereinander ‚liegender. Stufen oder 


*) Jahrb. 1841, 599. 
Jahrgang 1842. 3 


66 


Terrassen, wo das Wasser schon vorhermehre dem Hochwasser 
mit Eis- Blöcken erreichbare Stufen bildete, oder wo ein 
allmähliches Sinken des: See-Spiegels oder Hebung des Lan- 
des die allmähliche Bildung untereinander liegender ÜUfer- 
Mauern veranlasste*).. Diese charakteristischen Terrassen 
mit Geschieb-Wällen finden sich an der ganzen Süd-Küste 
Lapplands gegen das weisse Meer in grosser Regelmäsigkeit 
und Verbreitung wieder; und was die Zappländischen Flüsse 
betrifft, so erzählt Boruruine ähnliche Wirkungen vom Kems- 
Flusse, dessen Eis im Frühling Klafter-dicke Fels --Blöcke 
Strom-abwärts führt, aber der Anschwellung wegen beim 
Schmelzen bis zu 25’ Höhe über seinem gewöhnliehen Wasser- 
Stande absetzt**). Nach Parror drängen im Burtneck-See 
die in jedem Frühling ans Ufer geworfenen Eis-Blöcke die 
von unterwaschenden Ufern herabgestürzten Fels-Blöcke: wei- 
ter.ins Land zurück, verändern also hier deren Lage zum 
dritten Male***). Von Nord- Amerika berichtet BayrıELD, 
dass es ganz gewöhnlich seye, dass der Zorenz-Strom, des- 
sen Eis im Winter bei zuweilen — 30° mit dem Grunde 
zusammengefriert, bei Eintritt des Thauwetters eine Menge 
von Steinen aus dem Flussbette emporhebe und weiter trage. 
Einen Schiffs-Anker von 4 Tonne Gewicht habe er von einer 
der stärksten eisernen Ketten losgesprengt und fortgeführt. 
Unter den Eis-Bergen, welche auf offenem ‚Meere vom Nor- 
den herabgetrieben werden, sind viele, welche mit Steinen 
belastet sind. Einen, vielleicht von der Baffins-Bai gekom- 
menen hat er- untersucht, welcher ganz ‚dick durchschichtet 
war mit Blöcken , Be und Kies f). Diese Eis-Blöcke 
treiben aber längs der Amerikanischen Küste bis in die Nähe 
des Golf-Stromes und der Azoren: herab, die Breite der 
Nord-Küste Afrika’ s und des Atlas. — Ähnlinkie: beobachtete 
Chıpman tt) an den. See’n. Nord- Ameriha’s. as 

Wie aber in genannten Gegenden wenigstens == 


”) Jahrb. 1839, 726—727. =) Jahrb. 1840, 616. 
==") Jahrb. 1837, 118:  osnsp) WJahrb. 1839, 214. 
+7) Jahrb. 1834, 689, 


67 


Terrassen-artige Verbreitungs- Weise der Blöcke und was 
noch heutzutage über den Vorgang zu beobachten ist, eine 
Herbeiführung derselben von Ferne her gegen die Küste, gegen 
die Berg-Abhänge und von unten nach oben, statt von 
den Berg-Gipfeln nach der Tiefe und nach der Peripherie 
der Gebirge andeutet, so ist es oft auch mit den Diluvial- 
Schrammen Skandinavsens der Fall. 

Die Schwedischen, Finnischen (zwischen dem 40° und 
53° der Länge und dem 60° und 62° d. Br.) und Zopplän- 
dischen Fels-Gebirge zeigen sieh an vielen Stellen abgerun- 
det, geglättet und gefurcht. Allein sie sind diess nur aufeiner 
gleichbleibenden und erst in sehr grossen Entfernungen sich 
allmählich verschiebenden Seite, der „Stoss-Seite“. Nie zeigt 
sich ein oder zeigen sich zwei einigermaasen benachbarte Berge 
auf zweien entgegengesetzten Richtungen angegriffen. Die 
Glättung und Furchen stehen daher in keiner oder doch nur 
in einer sehr untergeordneten Beziehung zum Relief des 
Gebirges selbst, in so ferne sie in gleicher Richtung über 
Berge und Thäler wegziehen und nicht durch die Höhe 
des ersten, wie beträchtlich sie seye, aufgehalten, sondern 
nur an seinen in der ungefähren Riehtung ihrer Flucht lie- 
genden Seiten um einige Grade abgelenkt werden. Nur 
ganz im Grossen genommen scheinen sie alle stralenförmig 
von einem: Insel-artigen Zentral-Punkte oder einer Zentral- 
Linie auszugehen. Diess ist das zwischen Norwegen und 
Schweden herabziehende Kjölen-Gebirge, etwa vom. 68° bis 
zum 63° N. Br. Nur eine Spitze dieses Gebirges wird zu 
7000’. See-Höhe angegeben, und nicht viele erreichen. 5000‘ 
—6000'*). Aber solche Höhen sind nach Serström’s Beoh- 
achtungen zwischen: Norwegen. und Herjeadalen. und Dalarne 
in Schweden überall in scharfkantige Fels-Stücke zerfallen **) 
noch ohne Spur von Glättung und Furchen. Die höchsten 
Furchen, welche er angetroffen, sind zu Särna in Dalarne in 
1500‘° See-Höhe und 800’ über dem umgebenden Hochlande, 


*) Munckre’s Physik, II, 191. 
**) Pogsennporre’s Annalen, 1838, XLIII, 548. 


a, 68 


und bei Fahlun sind welche noch in 1325‘ See-Höhe ange- 
zeigt; doch ist sonst mit seltenen Ausnahmen ibre Höhe von 
etwa 1000’ an abwärts, und zu Cariscrona beobachtet man sie 
noch 21’ unterdem Meeres-Spiegel“). Wienun von dem Kjölen- 

Gebirge aus sich die Flüsse Süd-wärts durch ganz Süd- 
Schweden und Schoonen, Ost-wärts in den Bottnischen Busen 
und Nord-wärts durch Lappland ins Eis-Meer verbreiten, so 
deuten auch die Stoss-Seiten und die Furchen eine Richtung 
der sie bedingenden Bewegung in S. und SSW. durch 
Schweden und Schoonen, in SO. und ©. durch ganz Finnland 
bis zum Zadoga- und Onega-See, in NO. nach dem weissen 
Meere und in N. auf der ganzen Zappländischen Küste an**). 
Auf fast der ganzen O.-Küste Schwedens und der W.-Küste 
Norwegens sind sie noch nicht beobachtet worden. Obschon 
aber die Richtung im Ganzen der des Fluss-Laufes entspricht, 
so geht sie doch, unabhängig von den örtlichen Krümmungen 
der Fluss-Thäler, oft queer über sehr hohe Berge weg, wie jene 
z. B. über den 1000’—1200° hohen Berge am nur 145° hohen 
Weneren und am Welter-See, und im südlichen Norwegen 
auf dem isolirten Plateau von Krogkleven und zwar in 
dem Gebirgs-Spalte, durch welchen man, auf der Post- 
Strasse von Christiania kommend, in das Thal von Ringerige 
hinabbliekt, sieht man nach BorHtLinek die Stoss-Seite der 
geschrammten F elsen, der in der ganzen Gegend herrsehen- 
den Richtung entsprechend, noch in einer Höhe von 1200 
vom Gebirge abgewendet, daher hier der Stoss a 
wärts gegangen seyn muss wer), 

"Auch in der Nähe der 0. Küste‘ bei Geffle führt die 
allgemein herrschende 8. -Richtung, an der ganzen W.-Küste 
des Bottnischen Busens in Finnland die allgemein herrschende’ 
Sso.: “Richtung sämmtliche Schrammen wieder. die Fluss- 
2) Das, 8. 558, ah en 
az a Serström a. a. O., und Bornriınek im Jahrb. 1839, 725; 1840, 

"617, 717, und besonders schön auf.der Karte, welche dessen Original- 
Aufsatze im Bulletin der Petersburger Akademie beigegeben ist. 


”»*) Bullet. scientif. de Acad. de St. Petersb., 1840, VIII, 162—166, 
besonders 164. 


’ 69 


Thäler und selbst an steilen Gehängen hinan, und zwar hier 
bis über das 700’ hohe Finnische Plateau hinweg. An der 
N.-Küste im Kolaer Meer-Busen wird die dort herrschende 
Richtung der Schrammen durch die stärksten lokalen Ein- 
wirkungen, durch die Richtung der Fjorde und ihrer steilen 
Fels- Wände nur um 2—3 Stunden des. Kompasses ge- 
ändert*). Wenn es nun Gletscher gewesen seyn sollen, 
welche diese Glättungen und Furchungen bewirkt, wie sind 
alle diese Erscheinungen zu erklären? Warum finden sich 
die Furchen überall nur auf einer, der Stoss-Seite der Berge, 
da in der Schweilz die Gletscher auf allen Seiten von den- 
selben längs der Thäler herabziehen! Wie ist es möglich, 
dass in den freien Höhen von Krogkleven die Richtung der 
Furchen Berg-an gehe? Wie kann von einer Höhe von nur 
1500‘ aus die Gletscher-Masse durch das ganze Bette des 
Boitnischen Meerbusens hinab und wieder über ein 700° über 
dem See-Spiegel erhabenes Plateau getrieben werden, wel- 
ches 70—90 deutsche Meilen davon entfernt liegt und mit- 
hin nur S00’ oder nicht 0,0005 Gesammt-Gefälle zulässt ® 
(denn im Jura, den Alpen gegenüber, ist das Gefälle noch 
7000' auf 10 Meilen Entfernung — 0,03**). Wie konnten 
auf ihrem Rücken die Geschiebe nach Deutschland und Bel- 
gien gelangen (um von T’ula nicht zu sprechen), wo die Sohle 
der Gletscher auf 150 Meilen Entfernung nur 1500’ oder 
nicht 0,0004 Gesammt - Gefälle, wenn man aber auch die 
höchste Spitze Skandinaviens am S.-Ende des Kjölen-Gebirges, 
Snöhältan im NW, von Christiania, annehmen wollte, nur 
0,0016 Gefälle erhalten würde. Welchen Einfluss kann diese 
Neigung noch auf die Richtung der Ausdehnung eines 


> BoeHtLınck im Jahrb. 1839, 725; 1840, 617, 717. Sollte aber 
durch die Ansicht, dass die Se von den Gebirgs-Höhen 
ausgegangen seye, die Richtung der furchenden Kraft an den Stoss- 
Seiten der Berge umgekehrt gedacht werden müssen, dann würden 
sich aus der Gletscher-Theorie wohl diese Ausnahmen, aber nicht 
die Mehrzahl der Fälle erklären, wo dann die Furchen den Fluss- 
Thälern entgegenliefen, 

““) Acassız, Gletscher S. 297. 


70 


Gletschers über Berge und Thäler hinweg äussern ®$ 'Aber 
auch in der Nähe von Snöhällan, da-wo von ihm ausgehende 
Furchen in SO, ziehen müssten, fand sie Skrström recht- 
winkelig auf diese Richtung nach SW. ziehen*)! ihn 

Freilich kann ich selbst, ohne zusammenhängende Beobach- 
tungen an Ort und Stelle gemacht zu haben, zur Erklärung 
dieser Erscheinungen eine genügendere Theorie nicht aufstellen, 
da auch die BosutLixex’sche Annahme einer Abschleifung und 
Furehung der Fels-Flächen durch die bei plötzlicher Kon- 
tinental- Hebung Skandinaviens zurückgedrängten Meeres- 
Gewässer voll Schutt und Fels-Blöcken sich kaum bewähren 
möchte, Vielleicht findet man mit der Zeit, dass Eis-Berge 
mit unten angefrorenen Fels-Trümmern, welche entweder an 
Ort und Stelle 'entstanden, oder von Norden her über diese 
Länder herabgetrieben, und welche je nach ihrer Grösse 
theils tief ins Meer hinabreichten,, theils nur oberflächlich 
hineintauchten , diese Glätte der Felsen und ihre Furchen 
hervorbringen halfen, indem sie von Winden und See-Strömun- 
gen über dieselben hingeschoben wurden oder da, wo sie 
mit ihrem Fusse durch eine Unebenheit des Meeres-Grundes 
aufgehalten waren, beim Steigen und Sinken der Gezeiten 
oder der Brandung auf jenem Grunde auf- und ab-glitten. 
Ihre Einschlüsse und ihre Oblast wäre dann bei ihrem Schmel- 
zen allmählich auf die Schliff-Flächen hinabgesunken, Diese 
Erklärung würde eine nur unbeträchtlich niedrigere Tem: 
peratur in einer Gegend der Erde erfordern, welche 
jetzt unter allen verhältnissmäsig die wärmste ist, indem an 
keinem andern Orte die Isothermen sich so weit nördlich 
hinaufziehen, als längs der West-Küste Europa’s. Und in 
keinem Falle würde, wie wir gesehen haben, die Annahme 
einer Vereisung der Erde bis zum Allas die obigen Er- 
scheinungen erklären können. 

Zu6). Was endlich die Gesammt-T ri betrifft, welche 
alle diese Erscheinungen erklären soll, so wird sie, wenn diese 
nicht alle in eine Kategorie zusammengehören, auch nicht 


”) SEFSTRÜM a. a, O. S. 559. 


71 
die Ausdehnung haben dürfen, die ihr Acassız gegeben hat; 


auf der anderen Seite wird sich zeigen, dass sie in sich selbst 
nicht genügen könne. 

Zuerst scheinen die fossilen Elephanten-Reste eine In- 
kongruenz in der Theorie zu beweisen. Weil ihre Reste 
in den von den Alpen gehobenen Diluvial-Schichten enthalten 
sind, müssen sie mit ihren Zeitgenossen zur Zeit der Bildung 
‘dieser Sehichten schon gelebt haben und untergegangen seyn; 
und weil sie wohl-erhalten in dem Sibirischen Eise und ge- 
frornen Boden vorkommen, wird auch wieder angenommen, 
dass jene Thiere bei der plötzlich eintretenden Kälte der 
Eis-Periode, also erst nach der Diluvial-Bildung, die doch 
nicht ebenfalls durch diese Kälte bedingt worden seyn kann, 
noch vorhanden gewesen und nun plötzlich ausgestorben und 
vom Eise umschlossen worden seyen., 

Wir müssen indessen hieran die Frage reihen, ob es 
denn aus den Elephanten - Resten wirklich erweislich, dass 
eine solche Erniedrigung der Temperatur Sibiriens jemals 
eingetreten seye? ob es wirklich zur Zeit der Elephanten 
dort so viel wärmer gewesen® und ob die allenfallsige Ab- 
kühlung so plötzlich eingetreten seyn müsse? 

Zunächst ist das Vorkommen der lebenden Elephanten- 
Arten in wärmeren Gegenden kein Beweis, dass ausgestor- 
bene Arten eines eben so warmen Klima’s bedurft haben. 
Noch heutiges Tages sind verschiedene Arten der Geschlech- 
ter Ursus, Canis, Cervus, Bos durch alle Zonen ver- 
breitet. Auch macht Cuvirr schon in Beziehung auf das 
einstige Klima Sibiriens darauf aufmerksam, dass die im S7- 
birischen Eise eingefrorene Elephanten-Art keineswegs eine 
nackte Haut, sondern eine Bekleidung von dreierlei Haar 
untereinander besessen habe und daher wohl fähig gewesen 
seyn dürfte, kältre Gegenden zu bewohnen, als unsre noch 
lebenden Arten. Gesellt sich doch noch jetzt bei den 
Tungusen das Kameel der heissen Wüste dem Rennthiere der 
nordischen Eis-Gegenden als Hausthier bei. — Dagegen hat man 
weiter eingewendet, dass die unermessliche Anzahl von 


72 


Elephanten, deren Reste in Söbirien begraben sind, unmög- 
lich genügende. Nahrung dort hätten finden können, „Aber zu- 
erst muss man sich erinnern, dass jene Reste ganz. allmählich 
im Verlaufe. von Jahrtausenden können begraben worden seyn 
und daher keineswegs nothwendig eine sehr. diehte Bevölke- 
rung andeuten. : Dann. ist im Sommer wenigstens der Boden 
keineswegs so unergiebig, als man ihn sich vorstellt. ‚Selbst - 
da, wo er unausgesetzt viele Klafter tief gefroren, wurzeln 
grosse Bäume in ihm; ‚denn im Sommer | thaut :er bis \auf- 
2’ — 16‘ Tiefe auf. Selbst um Jahulzk,. dessen ‚Mittel- 
Temperatur — 71° C. beträgt und dessen Boden mehre Hun- 
dert Fusse tief gefroren ist, wird ein ergiebiger Frucht-Bau 
und eine blühende Viehzucht betrieben und bedeeken Lärchen- 
Waldungen die Berg-Abhänge bis zu 2400‘ See-Höhe hin- 
auf*). Aber Jakutzk liegt, obsehon ‚viel südlicher, doch bei- 
nahe unter der nämlichen Isotherme, wie jene Küsten des 
Eis-Meeres, die sich so reich an Elephanten-Resten erwiesen 
haben. Man wird aber einwenden, dass diese Elephanten 
dann wenigstens im Winter keine Nahrung in jenen Gegen- 
den hätten finden können. Nun dann mögen ‚sie im Winter 
südwärts gewandert seyn, wie so viele andere. Säugethiere. 
Wie im. Polar- Meer die Eis-Bären,. wie in: Amereka die Land- 
Bären und in grossen Schaaren die Eichhörnchen (Seiurus 
Carolinianus) vom Norden her nach Kentucky **), wie. in 
Skandinavien die Lemmings in Zügen von Tausenden vor 'Ein- 
tritt des Winters regelmäsig wandern, so. konnten es ‚auch 
die Elephanten than, welche als weit umherschweifende Thiere 
ohnehin ‚bekannt sind. Aber. die treffliche Erhaitung des 
Elfenbeins im Boden Söbiriens, das Eingeschlossenseyn ‚der 
Elephanten mit Fleisch, Haut und Haaren in Eis-Blöcke des 
Polar-Meeres, beweist es nieht wenigstens, dass diese Thiere 
sehr schnell von der Kälte überrascht worden seyn müssen, 


”) Erman in der Einleitung: zum „Archiv für wissenschaftliche Kunde 
von Russland“. 
*#) Micusux, Voyage «@ lVouest des monts gr sh Paris 1804, 
p. 189. 


73 


indem sonst die Theile ihres Körpers‘ in Zersetzung über- 
gegangen seyn würden. Der im Eise vollständig eingefrorenen 
Individuen sind verhältnissmäsig zur ganzen Zahl doch nur 
wenige. Die Leichen dieser wenigen, vielleicht von den 
letzten ihrer Art, könnten leicht von ‘den für: sie: theil- 
weise bewohnbaren Plätzen ‘aus: durch Überschwemmungen 
reissender Flüsse bis vollends zum ‚Zis-Meere fortgeführt 
worden seyn. Doch ich will zu‘ dieser Hypothese meine 
Zuflucht nicht nehmen, sondern bei der eigenthümlichen Be- 
schaffenheit des Landes bleiben. _Gesetzt es gingen jetzt 
durch grosse Überschwemmungen, durch Versinken in Süm- 
pfen u. dgl. solche Thiere im Laufe des Sommers dort zu 
Grunde (wie man bekanntlich in Grossbritannien und Nord- 
Amerika sowohl die Hirsche mit dem Riesen-Geweihe als 
_ Elephanten in solcher Erhaltung und Stellung des Skeletts 
im Boden gefunden hat, dass sie offenbar in Sümpfen und 
Mooren versunken seyn müssen) *) und sänken in diesen Ge- 
wässern bis zur grössten Tiefe ein, bis zu welcher der Boden 
in ‘der Mitte des Sommers aufthauet, so würden sie durch 
den Aufenthalt in einer Temperatur auf dem Frost-Punkte 
unter Wasser, das nach wenigen Wochen wieder gefriert, nur 
wenig leiden können. Thaute der Eis-Boden einmal in einem 
folgenden Sommer tiefer auf, so würde nur die Folge seyn, 
dass sie jetzt auch tiefer in ihm einsänken und um so ge- 
sehützter gegen die Verwesung in folgenden Jahren lägen. 
‚Würden sie endlich vielleicht durch das Phänomen selbst, 
welches ihren Untergang herbeigeführt, mit Sand- und Schlamm- 
Anscehüttungen bedeckt, welche den Boden erhöheten **), so 
müsste eben hiedurch der Thau-Punkt im Boden steigen und 
die Höhe, bis zu welcher derselbe immer gefroren. bleibt, 
zunehmen; die verschütteten Thiere wären hiedurch für im- 
mer gegen Verwesung geschützt. So scheint also gerade 


*) Jahrb. 1835, 715 u. a. 
"*) So lese ich, dass der Boden Sibiriens an vielen Orten aus Wechsel- 
Schichten von Eis und gefrorenem Sande besteht, was offenbar eine 
solche Erscheinung andeutet. 


74 


diese anfänglich auffallendste Thatsache am wenigsten eine 
Temperatur-Erniedrigung und gar eine plötzliche und uni- 
verselle Erkaltung der Erd-Oberfläche anzudeuten. 

Eine plötzlich und nach der Existenz 'der Elephanten 
beträchtliche allgemeine Abkühlung der Erde ist daher 
durch das Vorkommen im Sibirischen Eise eingefrörener Elephan- 
ten keineswegs erweislich und ist zu Erklärung dieser Erschei- 
nung so wenig nothwendig, als zu der der erratischen Blöcke. 
Auf noch weit grössre Hindernisse für eine solche Annahme 
würde man aber stossen, wenn iman nach der Ursache fragen 
wollte, die eine solche Abkühlang hervorgebracht haben 
könnte. Aus der Theorie einer allmählichen Abkühlung der 
Erde von einem einst glühenden Zustande an bis zu dem ihrer 
jetzigen Temperatur, welcher auch die Hypothese im Übrigen 
beipflichtet, lässt sich, von lokalen Modifikationen abgesehen, 
nur eine stete Temperatur-Abnahme herleiten, und so gibt 
es auch keine andre, weder astronomische noch physikalische 
Ursache, aus welcher eine Absatz-weise Wärme - Abnahme 
erklärlich wäre. Ohne aber selbst eine solche Ursache angeben 
zu können, begnügt sich die Hypothese mit dem Bisherigen 
nicht einmal. Nicht nur plötzlich und stark soll nach ihr 
‘ die Temperatur der Erde gesunken, sondern sie soll nachher 
auch wieder gestiegen seyn; nieht nur am Ende der tertiären 
Periode soll sich dieses unerklärliche Ereigniss zugetragen, 
sondern nach jeder der bis jetzt gewöhnlich angenommenen 
5 geologischen Perioden soll eine solche grosse plötzliche 
Temperatur-Abnahme alle Lebenwesen getödtet haben, solldann 
die Wärme wieder etwas gestiegen seyn und neue Geschöpfe 
erweckt haben, um während der nächsten Periode sofort auf 
gleicher Höhe zu verharren. Zu Begründung dieser eben so 
unrichtigen als unnöthigen Theorie bei Acassız finden wir 
nur zwei Versuche in seinem Buche. Einmal nämlich be- 
hauptet er im Allgemeinen (S. 306) „Nichts spricht dafür, 
dass diese Temperatur-Abnahme eine allmähliche gewesen 
seye; im Gegentheil, wer die Natur von physiologischem Ge- 
sichts-Punkte zu betrachten gewöhnt ist, wird eher geneigt 


75 


seyn anzunehmen, die Temperatur der Erde habe sich stufen- 
weise erniedrigt, wieder etwas erhöht“ — u. s. w., wie oben 
bereits angegeben worden ist. Aber die ganze Abkühlungs- 
Theorie, die ganze Grundlage unserer heutigen Geologie, welche 
auch die Eiszeit-Hypothese selbst anerkennt, spricht ja für die 
allmähliche Abkühlung; aus ihr kann ja gar keine andre Ab- 
kühlungs-Weise hergeleitet werden, und jene vom Vf. schon 
bei einer anderen Veranlassung in ähnlicher Art gebrauchte 
Argumentation „Nichts spricht dafür“ kann mit Wahrheit 
nur gegen seine eigene Vorstellungs-Weise gerichtet werden. 
An einer anderen Stelle, S. 295, sagt er, dass die Erschei- 
nung, die Emporhebung der Alpen aus der unermesslichen 
Eis-Decke es gewesen seye, „welche die klimatischen Ver- 
hältnisse der Schweitz wieder plötzlich änderte und die durch 
Jahres- und Witterungs-Wechsel bedingten häufigen Oszil- 
lationen und Schwankungen in der Ausdehnung derdie Schweitg 
bedeckenden Eis-Kruste veranlasste. Wenn aber die Er- 
hebung der Alpen einen Einfluss auf das Klima hat haben 
können, so kann er doch jedenfalls nur ein lokaler, kein die 
Eis-Rinde der ganzen nördlichen und gemäsigten Zone zer- 
störender, und eben so kann es nureinerkältender und kein er- 
wärmender gewesen seyn: ein erkältender, weil wir noch 
jetzt sehen, dass dadurch die Schweiz zu einer wirk- 
lichen Niederlage ewigen Schnee’s und Eises unter allen 
Verhältnissen in Mitten der gemäsigten Zone wurde und 
somit auch erkältend auf die Nachbar-Gegenden wirket; wie 
dann auch CHARPENTIErR*) für seine Theorie riehtig angenom- 
men hatte, dass gerade eine einst beträchtlichere Höhe der 
Alpen die Ursache der einstigen grössren Ausdehnung der 
Gletscher gewesen seyn könne: eine Annahme, ‘die wir aber- 
mals dureh das Argument „dass nichts dafür spreche“ von 
Acassız beseitigen sehen (S. 281). Somit bleiben uns jetzt 
noch zwei Untersuchungen in Beziehung auf die Theorie 
der Eis-Zeit übrig, die über die zuletzt erwähnte Frage näm- 
lich, ob wirklich nichts für eine einst grössre Höhe der 


*) Jahrb. 1887, ar1. 


76 


Alpen-Kette spreche, und die über. die wirklichen Ursachen, 
welche die etwaigen klimatischen Veränderungen seit der 
Diluvial-Bildung zu erklären geeignet wären. 

Sind die Alpen einmal im feuerflüssigen Zustande em- 
porgestiegen, wie Acassız annimmt, so ist auch keinem Zwei- 
fel unterworfen, dass sie anfangs wirklich eine grössre Höhe 
als jetzt besessen haben, aus dem einfachen Grande, weil 
jeder Körper sich durch Erhitzung ausdehnt und durch Er- 
kältung zusammenzieht. Statt aller übrigen Beobachtun- 
gen will ich,nur auf die von G. Bıschor verweisen, welche 
im Jahrbuche *) angeführt sind, woraus erhellt, dass Granit 
bei seinem Übergange aus dem flüssigen in den krystallini- 
schen Zustand sich um 0,25 seines Volumens zusammenziehe. 
Zur Zeit, wo die Alpen sich mit einer Eis-Rinde überzogen, 
muss freilich ihre Oberfläche schoen gänzlich abgekühlt ge- 
wesen seyn, was aber nicht hindert, dass ihr Inneres noch 
glühend und ihr Kern noch flüssig war, wobei wir den Alina 
und viele andere thätige Vulkane mit ewigem Schnee be- 
deckt finden. Demnach hatte doch der ‚grösste Theil der 
Zusammenziehung damals schon Statt gefunden, oder es konnte 
wenigstens die starre äussre Kruste nicht mehr, vollständig 
der Zusammenziehung des inneren Kernes nachfolgen. Da 
aber nach Fox **) der Granit vom Rothglühen an sich noch 
um 0,02 zusammenzieht, so würde auch diess für den Mont- 
blanc in seinem über den Meeres-Spiegel vorragenden Theile 
schon 300° ausmachen, ohne der mit diesem Ausbruche noth- 
wendig. verbunden gewesenen und auch nach der äussern 
Abkühlung des Gebirges noch grösstentheils vorhandenen 
grösseren Erhitzung und Ausdehnung des Theiles der mäch- 
tigen Erd-Rinde zu gedenken, auf welcher. die Alpen stehen, 
so wie der Ausdehnung bloss gehobener neptunischer Schich- 
ten. Dass aber ferner die Senkung eines solchen auf feuri- 
gem Wege neulich entstandenen Gebirges auch dann noch 
binnen kurzer Zeit sehr messbar seyn könne, wenn es sich 
aussen schon mit Schnee zu bedecken vermochte, das beweist 


”) 1841, S. 564. ”*) Jahrb. 1833, 221. 


”2 


Bovussinsaurt’s Bericht über die Anden, in welchen der 
Quaguapichincha bei Quito jetzt in Höhen von Schnee befreit 
ist, wo dieser vor 100 Jahren die Französischen Geometer in 
ihren Arbeiten sehr hinderte; wornach der Purace bei Po- 
_ payan nach Versicherung der Einwohner seine Schnee-Grenze 
jetzt näher am Gipfel hat, als ehedem, und nach Messungen 
BovssissauLt's gleich Ouwle, Popayan, Sta. Fe de Bogola 
und der Meierei von Anlisana nicht mehr so hoch liegt, als 
Carpas und v. Humsorpr sie 30 Jahre früher gefunden *). 
Gleichwohl bestehen diese Theile der Anden aus trachyti- 
schen Gesteinen, die sich vom Schmelzen an nur um 18 
(statt 25) Prozent zusammenziehen **). — Man würde da- 
her auch hier eher Recht haben umgekehrt zu behaupten, 
Nichts. spreche dafür, dass die Alpen seit ihrer Emporhebung 
eine fortwährend gleichbleibende Meeres- Höhe behalten 
hätten. 

"indessen ist es nicht meine Absicht, alle Temperatur- 
Abnahme der Erd-Oberfläche oder gar die örtlichen Tem- 
peratur-Veränderungen seit dem Verschwinden der Elephan- 
ten läugnen zu wollen. Da aber erst in dem letzten Stadium 
der Erde sich die gemäsigte Zone von der heissen und die 
kalte von der gemäsigten mehr und mehr unterscheiden 
konnten, so vertheilte sich ein Grad mittler Temperatur- 
Abnahme so ungleich auf der Erd-Obertläche;' dass solche in 
der heissen Zone nicht, in der gemässigten wenig und in der 
kalten am meisten fühlbar wurde und auch hier vorzüglich dem 
Winter und den Nächten zu Gute kam, so dass ein Grad 
Abnahme der Mittel-Temperatur der ganzen Erde, in’ ange- 
deuteter Weise vertheilt, die Winter am Rande der Polar- 
Zone um mehre Grade kälter machen musste. Jedenfalls 
haben sich also seit dem Verschwinden der Elephanten die 
Temperatur-Veränderungen der Erde im Ganzen ‘auf Zunahme 
der Kälte des Winters und der Nächte in höheren Breiten 
beschränkt, was eine Zunahme von Schnee und Eis gegen 
die Pole und auf den ihnen benachbarten Gebirgen, und so 


*) Jahrb. 1836, 712. ”=) BiscHoFF a. a. OÖ, 


78 


N 


wieder:ein Zurückwirken dieses Eises auf die Temperatur der 
Umgegend und hauptsächlich auf ein Veränderlicher-werden 
des Sommers in derselben zur Folge hatte. 

Genügen diese Temparatur-Veränderungen aber nieht zur. 
Erklärung der mit den früheren Gletschern in Verbindung ge- 
brachten Erscheinungen, so werden die inzwischen durch Kon- 
tinental-Hebungen und - Senkungen, durch See- und Luft- 
Strömungen und etwa durch lokale Abkühlung der Erd-Rinde 
selbst möglichen örtlichen Temperatur-Veränderungen und die 
nach allen Anzeigen ungeheure Länge der Zeit von vielen 
seitdem verflossenen Jahr-Tausenden , wo ähnliche. örtliche 
Erscheinungen der Reihe nach alle Theile der gemäsigten 
und kalten Zone. betreffen konnten, mehr als hinreichen, 
wenn man bedenkt, dass diese örtlichen Erscheinungen noch 
in diesem Augenblicke die Folge haben, dass in unsrer Hemi- 
sphäre manche solche Orte, die um 20°, ja 25° der. Breite 
auseinanderliegen, unter gleiche Isotherme kommen und eine 
gleiche mittle Temperatur. besitzen ,; wie anderntheils solche 
Orte, welche unter gleicher Breite liegen, um 100—12°, ja 
17° verschiedene mittle Temperaturen haben können, — und 
wenn man sich ferner erinnert, wie schon in historischer 
Zeit, in. einer Frist von 200—300 Jahren das Klima von 
Grönland, einst Grünland, so mächtige Änderungen er- 
fahren hat, dass es jetzt fast unbewohnbar geworden ist, 
Welche klimatische Folgen würde nur eine aus irgend einer 
geographischen ‚Veränderung entstehende Vermehrung des 
jährlichen Schnee-Falles in der Schweilz bei gleichbleibender 
Sonnen-Temperatur haben? Und von welch’ zufälligen Ur- 
sachen scheint eine solche. Vermehruug: abzuhängen, wenn 
man bedenkt, dass die Regen-Menge in den Alpen nördlich 
vom Ende des Adriatischen Meeres die aller andern. Punkte 
von’ Europa um ein Mehrfaches übertrifft *) $ 

Zum Schlusse bleibt uns noch ein mit dieser Hypothese 
vielfach verknüpfter Gegenstand zu "erörtern übrig; nämlich 
die geologischen Perioden, deren ‘man neuerlich 


”) Vgl. Bercuaus’ physikalischen Atlas. 


79 


gewöhnlich fünf angenommen hat. Ich habe sie in der Lethäa 
mit den Namen der Kohlen-, Salz-, Oolith-, Kreide- und 
Molasse-Periode. bezeichnet, Dieses Perioden-Gebäude „.die 
Geburt auf kleine Flächen beschränkter Beobachtungen, wankt 
bereits in allen seinen Fundamenten; allein demungeachtet 
werden wir nöthig haben, es noch eine Zeit lang zu. stützen 
und zu flicken, weil uns die Errichtung eines neuen und 
bessern vielleicht nieht mehr so leicht werden wird, und 
uns das alte noch einen willkommenen Anhalts-Punkt gewährt. 

Die Abkühlungs-Theorie der Erde lässt die Annahme 
einer Absatz - weisen Abkühlung: oder gar (nach Acassız) 
einer Undulation derselben in für die ganze Erde gleieh- 
zeitigen Hebungen und Senkungen nicht zu. Weder die Ab- 
kühlung, noch irgend ein andres gegebenes Moment bietet 
uns daher. Mittel zur Annahme: scharfer Grenzen zwischen 
verschiedenen Perioden 'oder den Erzeugnissen derselben und 
insbesondre deren Thieren und Pflanzen. Diese änderten sich 
zwar, aber sie änderten: sich fortwährend und allmählich. 
Welcher Theorie der Erd-Rinden-Bildung wir aber:auch folgen 
mögen, so. werden wir. dagegen immer annehmen müssen, 
dass die neptunischen Schichten, die wir nach Gruppen, For- 
‚mationen und Perioden ordnen, sich einzeln nicht: gleich- 
zeitig ununterbrochen und mit gleichbleibendem Mineral- 
Charakter auf der ganzen Erd - Oberfläche haben absetzen 
können, dass vielmehr hier eine Menge. durch die jedes- 
maligen Verhältnisse von Land und Wasser zu einander be- 
dingter örtlicher Modifikationen in der Schiehten-Bildung ein- 
treten mussten, die überall sieh anders 'verhielten, dass aber 
auch viele Sehichten ‚da oder dort wieder zerstört worden 
sind, ‚dass, mithin kein: petrographischer oder geologischer 
Charakter, der zur Bezeichnung oder. zur Trennung von 
Schichten-Gruppen. diensam wäre, über die ganze Erd-Ober- 
fläche reichen ' könne; Universelle scharfe  Abselnitte ha- 
ben daher weder: in der Bildungs-Geschichte neptunischer 
Erzeugnisse bestanden, noch lassen sich Merkmale von sol- 
chen in deren Erzeugnissen auffinden. Diese aus der Bildungs- 


80 


Hypothese sehr einfach hervorgehende Folgerung besonders 
hervorzuheben, war so lange nicht an der Zeit, als der An- 
schein gänzlich dagegen zu sprechen schien, und weil in’ den 
Erfahrungs - Wissenschaften die Thatsachen schon so häufig 
allzu voreilige Folgerungen widerlegt haben und man dann 
hintendrein gewöhnlich bald’ 'so glücklich war, auch die wi- 
dersprechende Thatsache durch neue Folgerungen als ein 
nothwendiges Erforderniss derselben Hypothese zu’ erklären. 
Wenn ich daher jetzt die Nothwendigkeit behaupte, mehr 
und mehr auf scharfe Unterscheidung geologischer Perioden 
zu verzichten, so geschieht diess nieht in Folge einer vorge- 
fassten theoretischen Meinung, sondern weil sich die Beweise 
dafür bereits finden. | ' g 

Zu keiner Zeit ist wohl überall Meer, zu‘ keiner 
überall’ trocknes Land oder Sumpf gewesen; aber viele 
Punkte der Erd-Oberfläche sind beides wohl eine Zeit lang, 
öfter oder wechselweise gewesen. ‘Wenn eine Stelle eine 
nicht zu kurze Zeit lang unverändert vom Meere bedeckt 
gewesen, so werden die etwaigen Niederschläge und deren 
Einschlüsse während ‘derselben Zeit in ihrem einförmigen 
Charakter beharren oder sich nur allmählich ändern. ° Ist 
neben: dem letzten Falle eine andre Stelle in der Nähe zu 
Anfang und zu Ende dieser Zeit unter dem Meere bedeckt, 
in der Zwischen-Zeit aber trocken gewesen, so wird ‘sich 
zwischen ihren 'beiderlei Niederschlägen ein schroffer 'Ab- 
satz zeigen‘, 'nämlich zwar nur derselbe Unterschied wie 
zwischen den frühern und spätern Niederschlägen der ersten 
Gegend, aber ohne ‘die vermittelnden Glieder.‘ Hätte in der 
ersten Gegend eine heftige Strömung einen Theil der’ schon 
gebildeten Zwischenglieder wieder zerstört, so würde auch 
dort ein soleher und zwar ein noch grellerer Absatz ent-- 
stehen, weil die bleibenden positiven Spuren der Zerstörung 
sich beigesellen würden. Ereignisse dieser letzten 2 Arten 
in einem sehr grossen Maasstab verbreitet über‘ einen "Theil 
von Zentral-Europa' sind es wohl gewesen, welche Veran- 
lassung geboten haben zur Annahme scharfer Trennung der 


81 


Erdrinden- Bildung und ihrer Schichten in fünf Perioden; - 
vielleicht auch dass in manchen Fällen die Verborgenheit der 
wirklich vorhandenen vermittelnden Schichten in ‘weniger 
aufgeschlossenen Tiefen der Erde mit zur scharfen Sonde- 
rung beigetragen hat.. Auch ausgedehnte Gebirgs-Hebungen 
mit Schiehten- Aufrichtung, auf welche sich. dann wieder 
horizontale Schichten abgesetzt haben , bat, man als Grenz- 
Zeichen benutzt. Wie man aber in die Lage kömmt, solche. 
verborgene Tiefen oder entlegenere Erd-Striche genauer ken- 
nen zu lerıien, so müssen auch jene Aufriehtungen allmählich 
aufhören , um andern. zu ‘weichen, und jene örtliche Lücken 
sich 'mehr und mehr verlieren, während andre entstehen. da, 
‚wo man bisher nur ununterbrochen übergehende. Schichten- 
Folgen gekannt hatte*). Hätte sich also. die Geologie. in 
einem andern Theile .der Erde als in Zenfral-Europa_ ent- 
wickelt, so würde man zu ganz andern Perioden-Eintheilungen 
gekommen seyn, als hier; und mit eben. so viel Unrecht in 
Beziehung auf das 'Ganze.. Doch ist allerdings der Unter- 
schied, dass in der ersten Zeit: der neptunischen Gesteins- 
Niederschläge die Temperatur. noch höher gewesen ist und 
‚mithin 'auch gleiehförmiger: über der ganzen Erd-Oberfläche 
geherrscht hat, so',dass auch die-Beyölkerung der Erde und 
die. von ihr herrührenden ‚Reste einen gleichförmigen Cha- 
rakter haben konnten; — ‚und dass eben so damals.die Kon- 
tinente, vermuthlich; noch weniger hoch und ausgedehnt, 
den Zusammenhang. der unter, dem Wasser sich bildenden 
Schichten. weniger unterbrochen haben dürften, als ‚später. 
Iel: hatte schon in der Lethäa, in den eine jede Periode 
einleitenden Seiten‘, eine Liste von solehen. Arten von Or- 
ganismen gegeben, die ‚verschiedenen Perioden: gemein sind, 
und, auf welche 'sich, :da es mir hier ‚mehr um die vermitteln- 
den Gebirgs-Schichten, als die vermittelnden Petrefakten-Arten 
zu thun ist, nicht zurückkommen will. Wenn ich gerne 
zugeben will, dass manche dieser Arten bei genauerer 


Prüfung werden in je zwei ‚getrennt werden können oder 


*) In diesem Sinne spricht auch Constant Pr£vost. Jabrb. 1839, 734, 
Jahrgang 1842. 6 


s2 


unrichtig bestimmt seyn, wie man eingewendet hat, so’ hat 
sich doch die Anzahl solcher gemeinschaftlicher: Arten seit- 
‚dem, obsehon man sich sorgfältigerer Bestimmungen zu :be- 
fleissigen begonnen, noch sehr vergrössert, und DE VeErnkvıL 
und v’Arcuiac haben noch reichere Listen entworfen. 

I. Was nun die Grenze zwischen der jetzigen Zeit und 
der Molassen-Periode betrifft, so ist es bekannt, dass 'es 
tertiäre Niederschläge gibt, welche 0,95—0,90— 0,80-—-0,50 - 
—0,020 ihrer fossilen Arten mit der lebenden Schöpfung 
gemein haben, und wenn noch einige Zwischenglieder fehlen 
sollten, so werden auch diese sich noch finden. Hier ist 
also kaum eine wirkliche Grenze anzunehmen. Kaum lassen 
sich auch mehr die Beobachtungen beseitigen oder ignoriren, 
wo Reste ausgestorbener Thiere mit söolehen von Menschen 
auf primitiver Lagerstätte zusammen ‘vorkommen ®).' | 

ll. Zwischen der Molassen- und 'Kreide-Periode schien 
eine Zeit lang eine sehr scharfe Grenze zu bestehen, zumal 
man bei Paris eine reiche und vollständige Schichten-Folge 
an der Grenze von beiden beobachten konnte, wo sie scharf 
aneinander 'abzusetzen schienen. Dagegen besteht GrATE- 
zovp auf der Behauptung, dass bei Dax einige Kreide-Ver- 
steinerungen auch noch über der Kreide in den Tertiär- 
Schichten vorkommen, und nennt insbesondre Spatan- 
gus ornatus Derr., Galerites exeentricus Lmk. und 
G. semiglobus Lx.**); obschon bei Des Movrins ***) nur 
noch der erste in beiden Formationen angeführt wird. Der 
Sandstein der Gosau 'hat ausser tertiären Versteinerungen 
Peeten quinquecostatus und Trigonia scabra und 
nach Sepewick und Murchisox noch 10 andre Arteri der Kreide 
geliefert +). Lyerr gibt solche Vermischungen im „Faxöe-Kalk« 
auf Faxöe;}) an. Der Grünsand bei Aachen enthält nach 
PERRRERE AUTER DR r 1 


*) Jahrb. 1841, 502, 606, und viele ältre. i 
“®) Jahrb, 1839, 102, 103, 104. — GRATELOUP mem. sur les ‚oursins 
 fossiles, p. 3 
#*#) Des Mouuiss, etudes sur les Echinides, p- 343, 393. 
+) Jahrb. 1831. 101: 1832, 178, 484,  +r) Jahrb. 1837, 347. 


83 


Dumonr's Liste: unter 28 bestimmten Spezies 7, nach Davrzux 
unter 30, Arten 5, nach Hoznınanaus unter 23:Arten 5 tertiäre, 
welche, bereits. D’Arcuıac namentlich zusammengestellt hat*). 
In der Krimm.sieht;man nach. Dusoıs viele Fossil-Arten der 
alten Tertiär-Schichten hauptsächlich unter Vermittelung eines 
Nummuliten-Kalkes und harter Mergel‘in die Kreide hinüber- 
reichen **). Und. dieselbe Erscheinung wiederholt sieh nach 
Ler&vr£ in ‚Ägypten, :wo 2: charakteristische Arten der älte- 
sten. Grobkalk - Schichten, (Neritina perversa und ein 
‚grosser Cerithium-Kern) in: die Kreide eindringen, wäh- 
vend gewisseExogyrenund ein Baculit in denselben obener- 
wähnten Nummunliten-Kalk, der in der Krimm so viele Tertiär- 
Versteinerungen enthält, hinaufreichen. Wir entlehnen diese 
‚Notitz aus dem Aufsatze pe: VErnruir’s über die Krimm”**). 

„Il. »Die Grenze zwischen Kreide und Oolithen ist durch 
lie Entdeekung und Unterscheidung des Hils-Thones und 
des Neocomien als tiefster Glieder der Kreide sehr verwischt 
worden; jener ist nach Rormer's neueren Arbeiten wesentlich 
ein Kreide-Gebilde, (Speeton clay), enthält, aber im Aannöv- 
rischen Exogyra spiralis, Peeten lens, Terebratula 
perovalis, Serpula volubilis und Gellepora orbi- 
eulata mit Bele und. Portland- Kalk, gemein, mehr Arten 
mithin , als sich daselbst im . ‚Unter-Oolith und Oxford-Thon 
u. ;s. w. gemeinsam einfinden}). Wenn nun BormEr in 
seiner neuen Arbeit über die Kreide dieser "Arten, mit Aus- 
nahme, der Terebratula, nicht mehr. gedenkt oder neue 
Arten für die im Hils-Thone vorkommenden Individuen bildet, 
so findet dagegen nach Dusois eine desto grössre Vermischung 
von-Jura- und Kreide-Arten in dem nämlichen, Gebilde in der 
Krimm ‚Statt ff), wo, in ‚der ‚Kreide unter 49 Arten. 16 sich 


e) lich, 1841, 797. NE ae ==) Jelch; 1838, 350, 351. 
*=#) Jahrb. 1838, 557. 
7) Jahrb. 1837, 1165; doch wird im neuern Werke über die Kreide 
jene Exogyra spiralis S. 47 als eine neue Art aufgestellt. 
ID) Jahrb. 1838, 351,5 1841, 796. 


6: 


84 


aus den Oolithen einfinden. Nach Fırron*) kommen im 
SO.-Theile Englands 15 Arten aus den Oolithen [wobei in- 
dessen, so weit sie aus Fullers Earth stammen, zu bemerken 
ist, dass Rormer **) die Fırron’sche Fullers Earth sehon als 
Äquivalent des Hils-Thones oder Speeton elay betrachtet] in 
der Kreide vor, und nach Paıruips hat der Knapton- und 
Speeton-Clay in Yorkshire unter 107 Arten Versteinerungen 
99 aus der Kreide und 8 aus dem Kimmeridge-Thon gelie- 
fert, welcher dort fehlt. Moxrmorein und Ar. BRoNGNIART 
zählen in den Neocomien-Schichten des Jura, jener 4 unter 
14, dieser 2 Arten aus den Oolithen auf, von welchen frei- 
lich 2 Echiniden-Arten von Acassız als abweichende Spezies 
bezeichnet werden; — Miss Bexert führt in Wiltshire 5 
Arten des Coralrag auch im Obergrünsande an, wenn schon 
ich nicht allen Bestimmungen vertrauen möchte. Andre ge- 
meinsame Arten aus verschiedenen Gegenden findet man bei 
Gorpruss. Die meisten dieser Arten, so wie einige selbst 
gefundene führt D’Arcuıac in seiner Zusammenstellung na- 
mentlich auf***), und pr Roıssy bestätigt wenigstens die ae 
gonia clavellata nach Autopsie }). 

IV. Zwischen den Oolithen und der Trias, dem Salz- 
Gebirge, hat sich bis jetzt die geringste Anzahl gemeinsamer 
Arten ergeben; und dennoch ist es im Koburgischen und im 
Würltembergtschen sehr schwierig, diejenige Schiehte näher 
zu bezeichnen, mit welcher die eine dieser Formationen en- 
digen und die ‚andre beginnen soll, da diese Schichten 
allmählich und in gleichförmiger De in einander über- 
gehen, "de 
| V. Am schärfsten getrennt erschienen bis jetzt die Trias 
und die Kohlen - oder Übergangs - Gesteine: eine weite 
Kluft schien sich zwischen beiden zu öffnen. Auch diese Kluft 
ist seit wenigen Wochen ausgefüllt worden, nämlich seit dem 


*) Observations on the strata below the Chalk and Oxford Oolite in 
South East of England, 1836, 4°, | | 

=) Versteinerungen d. Norddeutschen Kreide (Hannover 1841, S. 132). 
**#=) Jahrb. 1841, 796. 1) Jahrb. 1839, 735. 


85 


Erscheinen des Münster - Wıssmann’schen Werkes über Sf. 
Cassian *). Das Gebilde von S’. Cassian, so lange Zeit selbst 
ein Räthsel, hat damit geendet, die Auflösung eines andern 
Räthsels, der Trennung zwischen Kohlen-Gebilde und Trias 
zu werden. Es ist ein bis jetzt unbekannt gebliebenes B3ittel- 
Glied zwischen beiden Perioden, welches unter 422 Arten 
386 ihm lokal eigenthümliehe enthält und unter den übrigen 
36 Arten 22 halb mit dem, Übergangs-Gebirge und halb mit 
der Trias gemein hat, für welche doppelte Verwandtschaft 
aber in eben so hohem Grade als die Arten auch die für 
beide bezeichnenden Genera sprechen. Wenn nun ausser- 
dem noch einige Arten mit. solchen entfernter Formationen, 
nämlich 11 mit denen im Lias und 3 mit denen im Jura- 
Gebilde theils identisch, theils analog sind, so beträgt diess 
kaum eine grössre Quote, als in andern Formationen auch 
vorkommet, die wir aber hier, um nicht zu weitläufig zu wer- 
den, nicht aufzählen wollen. Wir verweisen desshalb_ auf 
- die Lethäa, auf Hısınser, v. Buch (Terebr.), An. Broxcniarrt, 
v’Arcuıac, DE Vernevir u. A.**), ; 

So ist es nun durch die Ergebnisse neuerer Forschun- 
gen gar schön bestätigt und gerechtfertigt worden, wenn 
ich 1832 behauptete, dass derartige Fälle einstweilen von 
den übrigen geschieden und isolirt betrachtet werden müss- 
ten, bis genauere Untersuchungen an Ort und Stelle 
uns entweder eines Anderen belehrten oder uns den Grund 
der Vermischung von Versteinerungen aus verschiedenen For- 
mationen nachwiesen. Wenn wir aber eine solche Vermischung 
für die Gebilde verschiedener Perioden zugestehen müssen, 
wie viel mehr wird es für die Bildungen verschiedener For- 
mationen oder Formations-Gruppen in einerlei Periode der 
Fall seyn! Als ich vor 3 und 4 Jahren die von MurcHison 
und VERNEUIL ausgegangene aber später von ihnen selbst 
immer mehr beschränkte Behauptung las, dass alle 


*) Jahrb. 1842, Heft 1: es wird in den nächsten Auszügen angezeigt. 
*”") Jahrbuch 1839, 734; 1841, 797; insbesondre aber noch auf die 
Fälle in der Tarentaise, Jahrb. 1841, 236 un? >" 


s6 


Petrefakten-Arten des Cambrischen, des Silurischen, des ’De- 
' vonischen und des Bergkalk- Systems von einander verschieden 
seyn sollten *), sagte ich, von allgemeinern Gesichts-Punkten 
und Erfahr ungen ausgehend, da ich ‘die neue Eintheilung noch 
nicht näher kannte, nicht nur meinen Zuhörern vorher, son: 
dern drückte es auch bei verschiedenen Veranlassungen im 

Jahrbuche aus **), dass diese Naturforscher um so weniger 
_ würden eine Vermengung der Versteinerungen verschiedener 
Formations-Systeine läugnen können, je weiter sie von dem 
Englischen Maulwurfs-Hügel herunter sich in die Breite um- 
sehen würden. 

"Das Ergebniss , dass die Arten am Ende der Perioden 
keineswegs alle je ausgestorben sind, sondern zum Theile 
auch in die nachfolgende hinein leben, beweist demnach auch, 
dass diese Perioden selbst nieht streng geschieden sind; dass 
es überhaupt solche Perioden, welche anzunehmen uns so 
bequem ‘gewesen ist und vielleicht länger bleiben wird, uni- 
versell für die ganze Erd-Oberfläche zugleich 
gar nichtexistirt haben; dass daher auch eine plötzliche 
Kälte nach einem stabilen Wärme-Zustand "der Erde nicht 
alle Lebenwesen derselben gleichzeitig getödtet haben könne, 
um eine neue Schöpfung vorzubereiten, wie die Eis-Hypo- 
these annimmt, und dass überhaupt diese universelle Erkäl- 
tung, die sich der Erde, man weiss nicht wo und wie,-von 
Zeit zu Zeit zugezogen haben soll, ebenfalls nicht existirte: 
Aber es tritt gegen diese „geologische“ Ansicht noch ein 
neuer, bis jetzt nicht erwähnter, der „Eis-Hypothese“ enge 
verbündeter Gegner, der furchtbarste von allen auf in der 
Hypothese, „dass kein Charakter, d. h. kein wahrnehmbares 
Zeichen [eines Organismus] an sich je für so gering ge: 
halten werden darf, um absolut auf Identität hinzuweisen, 
dass überhaupt Charaktere die Art nicht abmarken, wohl aber 
das Gesammtverhalten zur Aussenwelt in allen Umständen 


nr Jahrb. 1839, 356, 734, besehräukt m 1841, 817. 
ar =") Jahrb. 1839, 735. Note; 1840, 97; 1841, 817 (letzte Zeile zu i-MiR.- 
CHISON) u. a. 


37 


des Lebens“ [welches sich aber: bei fossilen Wesen doch le- 
diglich auf ihr stratographisches Vorkommen und ihre Verge- 
sellschaftung mit andern Arten dabei reduzirt !]. „Es lassen 
sieh also: die Arten nach Ähnlichkeiten nicht erkennen, son- 
dern nach ihrem Verhalten®, und ohne Zweifel wird „man 
dereinst die spezifische Verschiedenheit der organischen 
Überreste nach den Umständen ihres Vorkommens ausspre- 
chen müssen, ohne Unterschiede zwischen denselben angeben 
zu können. Und statt in ‚grenzenlose Ungewissheit auszu- 
arten, wird unsre Wissenschaft sich dann von ihrer trocknen 
Grundlage zur Gedanken-reichen Blüthe entfalten“, — wenn 
nämlich nicht diese Blüthe, wie ich hoffe, im universellen 
Ur-Eise ein für alle Male erfroren ist! Ich habe diesen Gegner 
den furehtbarsten von allen genannt, weil er, ein wahres Ge- 
spenst, nichts Körperliches mehr an sich hat, wo. man ihn fassen, 
keinen Fuss, den man ihm hemmen, keinen Kopf, den man 
ihm absehlagen könnte! Verschiedenheit der Arten ohne 
Verschiedenheit des Charakters : womit soll man beweisen 
und wogegen soll man beweisen? „Mit den Umständen ihres 
Vorkommens“? Nun das heisst ja bei fossilen Arten nichts 
mehr und nichts weniger als mit der stratographischen Ver- 
breitung; das heisst ja nichts mehr und nichts weniger als: 
Wem es: gefällt, alle Arten zweier Perioden für verschieden 
zu erklären, der darf es thun; und wem es gefällt, alle 
Arten zweier unmittelbar auf einander liegender Schichten 
für verschieden zu erklären, ‘der darf es auch thun. Be- 
weisen kann er es zwar nicht, aber widerlegt werden kann 
er;auch nicht, weil er der Hypothese zufolge keinen Be- 
weis mehr braucht. Und läge sogar irgend eine Realität 
diesem Gespenste zu Grunde, so müsste der zoologische und 
botanische Systematiker im Gebiete dieser „Nachtseite der 
Natur-Wissenschaften“ seinen eigenen Gespenster - Glauben 
in tiefster Brust verschliessen, wenn nicht dieses Gespenst 
ihn allerwärts foppen und ängstigen, ihn von jedem Ruhe- 
Punkt vertreiben, ihn endlich selbst ins Gespenster - Reich 
hinabziehen soll! 


&n 


88 


Mögen also die ‚Gletscher statt dureh die Schwere sich - 
hauptsächlich dureh die Ausdehnung eingesiekerten Was- 
sers bewegen, mögen sie an vielen Orten den Boden ge- 
sehliffen und gefurcht, mögen sie Moränen angehäuft haben 
in Höhen und in Tiefen, ja in ganzen Gebirgen, wo sie jetzt 
nicht mehr vorkommen, mögen sie auch eine niedrigre Tem- 
peratur in der Zeit ihrer einstigen Grösse beweisen, — so 
ist doch nicht Alles unmittelbare Gletscher-Wirkung, was die 
Hypothese hat dafür erklären wollen; am Wenigsten aber 
kann daraus gefolgert werden, dass die ganze nördliche Hemi- 
sphäre bis in die Breite des Atlas plötzlich und gleichzeitig 
von einer Eis-Rinde umpanzert worden 'sey, und dass die 
ganze Erde wiederholt und stufenweise sich rasch abgekühlt 
und wieder erwärmt habe, um ganze Schöpfungen wechsel- 
weise erfrieren zu machen und neu zu erwecken. Auch wird 
mich wenigstens weder diese noch eine andre vorgefasste 
Meinung je bestimmen können, Arten ohne Unterschied 
anzuerkennen oder sie auf Merkmale zu gründen, weiche 
keinen Bestand zu haben scheinen, lägen auch ganze Erd- 
Perioden zwischen ihnen*). Denn sollen die der Untersuchung 
dargebotenen Petrefakte die ihr entzogene Erd-Geschichte 
enträthseln helfen, so darf der Werth dieser Dokumente 
nicht durch vorgefasste und willkührliche Annahmen ver- 
nichtet werden! 


*) Agassız hat sich allerdings in einem Briefe an mich gegen die Au- 
muthung feicrlich verwahrt, als mache er Spezies der Verschieden- 
heit der Formationen zu Liebe. Da aber ohlnediess verschiedene 
Naturforscher den Begriff. einer Spezies innerhalb gleicher For- 
mation ‘so ungleich weit nehmen, welche Basis bleibt jener Ver- . 
wahrung noch, den vorhin mitgetheilten. Ansichten. gegenüber ? 


Brrefwechkel 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. | 


Marburg, 20. November 1841. 


Ich säume, nicht, Ihnen mitzutheilen, dass ich während des Studiums 
der hiesigen mäcktig ausgebildeten Buntsandstein-Formation in Bezug 
auf ihre Spiegel-Bildung Gelegenheit gefunden habe, verschiedene eigen- 
thümliche auffallende Bildungs-Formen zu beobachten, welche früher mir 
dunkel und unerklärlich schienen. So u. a. eine, welche im Allgemeinen 
folgende Schichtung darstellt, indem zwei Schichten festen Sandsteines 
(Fg. 1 a und a‘) eine dritte lockere und dünnschieferige (b) von gänz- 


G 

= I 3 

I/INIINI IE — ——— 
P7 mn 


lich abweichender Schichtung einschliessen. So auch eine mehr und 
minder regelmäsige kleinwellenförmige Schichtung (Fg. 2), wo- 
gegen die doppelte drei- und selbst viel-fache Scheidungs-, wohl besser 
Zusammenstoss- Schichtung (z. B. Fg. 5) in einer und derselben 
festen Sandstein-Schicht etwas Gewöhnliches und in vielfältigstem Wech- 
sel Vorkommendes ist, sogar öfters in etwas gebogener Ablagerungs- 
Richtung. Dazu die netzförmige Leisten-Bildung auf Flächen 
der Schichtungs - Absonderung — ohne Fährten. Endlich noch die 
zahlreichen wanchfaltigst gezeichnetenBlättler-artigen Ausscheidungen 
von Eisenoxyd (-Oxydul) und namentlich von jenem die Sandstein-Spiegel 
bildenden Kiesel-Stoffe, nicht auf Kluft- und Schichtungs-Flächen, son- 
dern im festen Gesteine und dasselbe durchsetzend ; und schliesslich die _ 


90 


mysteriöse Spiegel-Bildung selbst. Übrigens aber noch keine 
Spur von Versteinerung! — Späterhin kam nun Hrn. Forcnnammer’s 
lehrreiche Abhandlung über die Meerstrands-Bildungen mir zur Hand. 
Wie sehr war ich überrascht, vom Sande dort aufgezählt zu finden, 
was hier im Sandsteine mir aufgedeckt vorlag und sich erst recht 
vollständig zeigte, als ich nun auch die vielen hiesigen Sandstein- 
Mauern, -Pflaster und - Treppen näherer Betrachtung unterzog. Da 
wurde es fast möglich zu wähnen, Hr. Forcunammer habe die Uıbilder 
zu seinen Sandlagerungs - Erscheinungen unserem Buntsandsteine ent- 
lehnt. — Auch diese Parallele trägt sich längst als Aufgabe bei mir 
herum. Wann wird sie ihre Lösung finden? — Diese grossen Sandstein- 
Massen sind demnach lediglich urzeitliches Meeresküsten-Ge- 
bilde. Wodurch nun aber gingen diese Sandlager-Massen in Sand- 
stein über, welcher statt von Muschelkalk , Keuper u. s. w. bedeckt zu 
seyn, bloss eine geringe Dicke ; von ‚Diluvium trägt? — Daran reihet 
sich sodann Folgendes: 

Belieben Sie sich zu erinnern, dass unsere Buntsandstein-Bergreihe 
auf dem rechten Lahn-Ufer bei Nieder-Weimar (14 Meilen unterhalb 
Marburg) iu die 'Thal-Ebene rasch .abfällt,., Hier »an ‚ihrem. Süd-Fusse 
nun tritt ein braunrother feinkörniger , dünnschieferiger und leicht zer- 
fallender Sandstein zu Tage; dasselbe in nördlicher Richtung (am west- 
lichen :Abfalle dieses Berg-Rückens gegen das Übergangs-Gebirge) bei 
Wehrshausen und Michelsbach, auch jenseits Elinhausen noch. Kohlen- 
Sandstein ist es jedenfalls, ob aber untrer oder obrer? — Erist bedeckt 
blos von einer Andeutung der Zechstein-Formation, welche bald Dolomit- 
Knollen oder kleine Zechstein-Blöcke mit vielen Kalk-, Braun- und 
Bitter-Spath-Drusen enthält; wogegen in diesem Sandsteine sich mir 
noch keine Versteinerungen und Abdrücke gezeigt haben. Und merk: 
würdiger Weise besitzt die nahe Grauwacken -Formation einen theils 
höheren, theils viel höheren Lager-Horizont, und gleich neben diesem 
Roth-Sandsteine von Nieder- Weimar zeigt sich ein Wildwasser-Graben 
über 20° unter dem Horizonte des. ersten eingeschnitten in mergelige 
Quartär-Bildung! — Also Hebung und Senkung ? Aber nirgends zeigen 
sich in diesem Berg-Zuge vulkanische en und überdiess fehlt es zu 
sehr an Grenz-Aufschlüssen. | | 


"Ph. Braun. 


Fr eiherg, 24. November 1841. 


Gälegenheilliehierlaubeieh mir Ihnen mitzutheilen, das ich vor Kurzem 
aus dem: Steinkohlen-Gebirge von Haynichen,. 4 Stunden von hier, die 
vom Grafen STERNBERG aus'der Grauwacke von Magdeburg abgebildete 
Knorria imbricata in einem über 3°. langen Stamm erhielt, welcher 
amı oberen Ende eine deutliche Dichotomie zeigt, was meines Wissens 
von dieser Pflanze noch nicht bemerkt wurde. Auch an einem kleinern 


91 


Ast-Stücke, auf welchem die Blatt-Stümpfe viel kleiner sind und enger 
stehen , ist die Gabelung zu bemerken. Jeues grössere Stück ist zum 
Theil mit einer Lage bedeckt, an deren Oberfläche kleine ovale Narbeu 
mit grösserem Vertikal - Durchmesser in derselben Entfernung und 
Stellung sich befinden, in welcher auf denn Stamme darunter die Blatt- 
Stünpfe der Knorria stehen, woraus sich ergibt, dass die Knorria 
nur die innere Axe eines Pflanzen-Stammes sey, der somit viele Ähnlich- 
keit mit Stigmaria hat. 


Fa. Reıcn. 


Mittheilungen an Professor BRoNN gerichtet. 


Moskwa, 43. Oktober. 1841. 


Ich habe Ihnen vor Kurzem eine kleine Notiz (lettre a. M. Mur- 
CHISON) über einen neuen Saurier, Rhopalodon geschickt und wün- 
sche, dass dieselbe Ihnen zugekommen ist. Heute wollte ich Ihnen mel- 
den, dass Hr. Murcsıson und seine Freunde vom Ural zurückgekommen 
sind und uns ein Bild der geognostischen Verhältnisse der durchreisten 
Gegenden zurückgelassen haben. Ich war bemüht, das Resultat kennen 
zu lernen, und Hr. Murcnison hatte die Güte, mir dasselbe in einem 
Briefe mitzutheilen. Dieser Brief ist zwar in unserem Bulletin (1841, 
S. 901—909) abgedruckt ; da ich aber nicht weiss, wie und wann diese 
Nummer Ihnen zukommen kann“), so beeile ich mich, Ihnen die Über- 
setzung dieses Briefes zu senden, da er für die Geologie Russlunds 
von der grössten Wichtigkeit ist. 

„Mein Herr und lieber Kollege. Ä 

„Da Sie ein so lebendiges Interesse an dem: Erfolg der geologischen 
Expedition nehmen , die ich in Verbindung mit meinen Freunden, Hrn 
Dı: Vernev,, Grafen Keysercine und Lieutenant KocKscHARoOFF unter-, 
nommen habe, so beeile ich mich, Ihnen einige der Haupt-Resultate un- 
serer Reise mitzutheilen. Ich thue diess mit um so grösserem Vergnü- 
gen, indem ich. Sie bitte, dieselben der kais. Gesellschaft der Naturfor- 
scher zu Moskwu bekannt zu machen, um wich dadurch gegen diese verdiente 
Gesellschaft, die mir die Ehre erwiesen hat, mich unter die Zalıl ihrer 
ausländischen Mitglieder aufzunehmen, einer Pflicht zu eutledigen. 


„Die Existenz des silurischen , devonischen und keblenführeuden 
(Bergkalk-) Systems im Norden Russlands ist Ihnen schon durch die 
Auszüge, welche die geologischen Gesellschaften von London und Paris 


*) Ich habe so ehen erst Nr. I desselben Jahrgangs, obschon durch rasche Gelegenheit 
erhalten. Bx. 


92 


war dieses Jahr :. 1) die Ordnung der ‚Überlagerung, die geognostischen 
Verhältnisse und. Vertheilung der obern ‚Sedimentär-Schichten zu er- 
forschen; — 2) die Kette des Urals zu untersuchen und zu sehen, in 
aus unseren Abhandlungen gegeben haben, bekannt. Unser Hauptzweck 
welcher Ordnung die horizontalen Lagen der Ebenen Russlands sich er- 
heben; .3) die Kohlen-Formation des Donetz und die angrenzenden 
lan Felsarten zu erforschen; . 

„Wir hatten schon voriges Jahr die nee laler Grenze des grossen 
Koblenkalk-Beckens von Zentral-Russland eıkannt; wir haben dieses 
Jahr die Kenntniss von der gebobenen Gestein-Masse hinzugefügt, die 
die grosse Halbinsel der M’olga bei Samara bildet, und warum die Ge-- 
steine, die durch tiefe Einschnitte entblöst und mit Fusulinen ange- 
füllt sind, die wir dem obern Bergkalk zuzälhlen, einen der Haupt-Züge 
der Russischen Geologie ausmachen. 

„Die Ablagerung des Bergkalks (terrain carbonifere) ist: allgemein 
von einer Reihe mergeliger, tboniger,, kalkiger und sandiger Lagen be- 
deckt, der wir den Namen „permisches System“ beizulegen uns 
vornehmen, weil ungeachtet dieselbe im Ganzen das Rothe Todtliegende, 
die Gruppe des Zechsteins u. s. w. darstellt, es doch sowohl wegen der 
Versteinerungen , als wegen der Natur der Gesteine unmöglich ist, ihr 
einen bestimmten Platz in einer oder der andern dieser deutschen Ab- 
theilungeu anzuweisen. Die Englische Klassifikation, nach welcher wir 
diese Gruppe zum Untern Rothen Sandsteinrechnen könnten, scheint 
uns nicht besser zu passen, weil dieser mineralogische Name für die 
grossen Massen von Mergel, weissem und gelbem Kalkstein und grauem 
Sandstein, die zu diesem Systeme gehören , eben se unpassend ist, als 
der Nanıe Old red, Alter Rother Sandsteiu, für die schwarzen und 
schiefrigen Gesteine von Devonshire. Zu-dieser permischen Epoche 
rechnen wir: die Haupt-Ablagerungen von Gyps bei Arsamas, der Piana, 
von Kasan, der Kama, der Sylva, der Ufa und der Umgegend von 
Orenburg; hierher stellen wir auch die Salz-Quellen von Sergiefsk und 
andern Orten um Orenburg, so wie alle Kupfer-Minen und die gros- 
sen Ablagerungen von Holz und fossilen Pflanzen, von welchen Sie schon 
eine Liste im Bulletin (1841, S. 488—14194) gegeben haben. 

„Die rothen Ablagerungen, welche folgen und das grosse Becken 
der Gouvernemente Woloyda und Nischni-Nowgorod einnehmen, haben 
unsnoch keine andere organischeReste als kleine Cypris-Arten und schlecht 
erhaltene Bivalven dargeboten; allein wenn wir ihre Mächtigkeit, ihre 
Vertheilung und ihre mineralogischen Kennzeichen in Betracht ziehen, 
so fühlen wir uns geneigt zu glauben, dass sie einst mit der Trias der 
Deutschen verglichen werden dürften. Wir sind in dieser Meinung noch 
durch die Eutdeckung des Grafen Keysercing bestätigt worden, der im 
Berge Boydo ganz im übrigen Russland unbekannte Fossilien gefunden 
hat, an die sich Ammonites bogdanus anschliesst, den Hr. v. Buch 
schon beschrieben bat und dem Muschel-Kalke beizählt. 


95 


„Der wahre Lias scheint sich in Russland nicht zu finden, wie es 
schon Hr. v. Buch in seiner letzten Schrift vorhergesagt hat; aber der 
Jura theilt sich in zwei Etagen, wovon die obere an mehren Orten am 
Donetz sich zeigt [vgl. BLöpe im Jahrb. 7841, 538 u. s. w.] Sie ist 
kalkig, beinahe immer oolithisch und schliesst Nerinäen, Trigonien 
u. s. w. ein, die Sie bestimmt haben, und lässt sich mit dem obern Jura der 
Deutschen — mit Portland und Coral rag meines Vaterlands — 
vergleichen. " a 

„Die untre Partie des Jura, die viel entwickelter ist, aber ein- 
zeln genonmen keine grosse geographische Flächen deckt, ist hie und 
‘da zerstreut oder durch jüngere Formationen verborgen. Von dem öst- 
lichen Abhange des Urals im 64° bis ans Kaspische Meer behält sie 
beinahe immer dieselben mineralogischen Kennzeichen und dieselben 
Fossilien. Diese Etage ist das Äquivalent des mittlen und unterm 
Jura.  Diess sind Ihre Eisensande , Ihre Sandsteine und schwarzen 
Thone dem Moskwa, die wir schon voriges Jahr an der Wolga, 
zwischen Koustroma und Kinischma, bei Makurieff an der Uschna ge- 
sehen hatten, und die wir diesen Sommer an mehren Stellen, namentlich 
zwischen Arsamas und Simbirsk, zwischen Sysran und Saratuff, zu 
Saragula und an dem Flusse Ilek in der Umgegend von Orenburg 
wieder gefunden haben. 

„Das Kreide-System, obgleich aus verschiedenen Lagen, wie weis- 
ser Kreide Mergel und Sandstein, bestehend, enthält nur Versteinerun- 
gen der weissen Kreide des westlichen Europa’s; Catillus, Belem- 
nites mucronatus, Ostrea vesicularis, Terebratula carnea 
scheinen durch alle Etagen durchzugehen. Über der weissen Kreide 
haben wir Nummuliten- Kalk gefunden, der in der Krimm”) anfängt 
und eine grosse Wichtigkeit in der Ausdehnung in Georgien, in Ägypten und 
im mittäglichen Europa;erlangt. Eben so scheinen uns die untern Tertiär- 
Lagen (periode eocene) bei Ihnen zu fehlen, die mittlen und obern 
Tertiär-Schichten (miocene et pliocene) hingegen grosse Flächen einzu- 
nehmen, sowohl in Podolien und Volhynien, als auch am Azow’schen 
und Kuspischen Meere , wo sich die jüngsten Ablagerungen zeigen. 

„Die Zeit erlaubt uns nicht, Sie von den zahlreichen und interes- 
santen Erscheinungen des Urals zu unterhalten, dessen Untersuchung 
uns beinahe drei Monate beschäftigt hat, indem wir abwechselnd die 
- Gold.baltigen Alluvionen, die Ablagerung Ihrer grossen fossilen Thiere 
erforschten und das Geheimniss des’ Metamorphismus' der Sedimente zu 
erfahren suchten , wovon der Ural sehr schöne Beispiele liefert und zu 
deren Erörterung immer die vortrefflichen Werke der HH. v. Humsoror 
und Gustav Rose befragt werden müssen. x 


”) Beispiele von Nummuliten von Elisubefhgrad lassen vermutlien, dass das Sy- 
stem der Krimm sich bis zum mittäglichen Abhange der ‚mittäglichen Granit-Steppe 
ausdehnt. G. F. v. W. 


94 


„Ich ‚bemerke Ihnen bloss, dass ‚diese Kette, weit entfernt ganz pri- 
mitiv zu seyn, mit Ausnahme: der -eruptiven Massen nur von, silurischen, 
devonischen und kohlenführenden, mehr ‚oder weniger alterirtem Gesteine 
zusammengesetzt ist, in‘ denen: ‚wir aber. anısehr, verschiedenen ‚Orten 
unsern Pentameras Knightii und andere Fossilien ‚erkannten, ‚die 
uns das Alter derselben klar anzeigten. . Diese, Gesteine, sind. in, paral- 
lelen und. symmetrischen ‚Bändern auf beiden Seiten des Urals. gestellt, 
und im Süd-Ural öffnen sie sich fächerförmig und ee ER 
Porphyren, die oft ia Jaspis umgewandelt sind., Een 

„leh werde Sie noch weniger von dem Bergkalke des Donetz unter- 
halten; denn ohne in einige Besonderheiten. über. den Werth und. die 
Mächtigkeit ‚dieses Terrains, das für das künftige Interesse Russlands 
so wichtig ist, einzugehen, würde: ich demselben nicht\.die Gerechtigkeit 
widerfahren lassen, die es verdient. ‚Als Geologe darfiman külin.be- 
haupten, dass alle zahlreichen Kohlen-Lagen dem Bergkalke (smountain- 
limestone and. grit) untergeordnet sind, und ‚nicht, das obere Kohlen- 
Terrain. Englands im eigentlicheu Sinne den: Worts (was schon us Eıen- 
waALD gesagt hat) darstellen. | z 

„Es bleibt mir noch übrig, Ihnen von einer REN. Entdäiküng 
zu sprechen, die wir auf unsrer Rückreise von Taganrog nach Moskwa, 
der Graf KeyserLing und wir auf zwei verschiedenen Wegen von Wo- 
ronesch und Orel (dem Don und ..der Oka), gemacht haben. Man glaubte 
bis jetzt allgemein, dass Russland von. N. nach S., eine, Folge von im- 
mer neueren Ablagerungen: zeige, bis zu dem Punkte, wo der Bergkalk 
des Donetz von. granitischen und plutonischen Felsen der mittäglichen 
Steppe gehoben wäre. Dem ist nicht also!.. Eine grosse Axe des De- 
- vonien-Terrains,, die: eine Breite von ungefähr 150 Wersten hat, geht 
Jurch das Zentrum von Russland in. der Breite von den Gouvernements 
Woronesch und Orel und richtet sich nach WNW,.., um sieh wahrscheinlich 
mit den Ablagerungen. desselben. Alters in. Lithauen‘, und Curland. zu 
verbinden. : Diese Entdeekung war um so wiehtiger,. da sie sich an. die- 
jenige anschliesst,.die wir dieses Frühjahr bei Schavsi: in Löthuuen, mach- 
ten, nämlich. die, eines’ Streifens des silurisehen Terrains ‘in. derselben 
Erhebungs-Zone. Ihre Wiehtigkeit entgeht. Ihrem Scharfsins nicht, und 
Sie vermuthien was daraus folgt. 

„Daraus serklärt: sieh sogleich der REN Untersrhied, BEA TRANNT, 2wi- 
schen der Ablagerung des Bergkalk-Beckens des Donetz und der Ihrer 
grossen moskowischen Begion Statt findet; denn, da die beiden Meere, 
wo diese Ablagerungen eintraten, seit den ältesten Zeiten durch ‚schon 
gehobene: Erd-Massen gesondert waren, so konnten und mussten. die 
Bedingungen der Ufer, der Ströihungen, der Zuflüsse , von welchen: die 
Natur der Meeres-Ablagerungen abhängt, verschieden seyn. Diese Ent- 
deckung gibt von der andern Seite den beiden Rändern des grossen 
moskowischen Beckens eine beinahe vollkommene Gleichförmigkeit, und 
man sieht in den Guvernementen Kaluya und Tula, wie im Waldas, 
die DevonischenFelsarten mit Holoptychiusnobilissimus unter dem 


95 


Bergkalk hingehen und den Kohlen-Lagern mit Productus gigas zur 
Basis dienen, welche jetzt den Gegeustand neuer Untersuchungen von 
Seiten der Regierung ausmachen. | 

„Die ungeheure Ausdehnung des Feldes, welches wir zu durchgehen 
hatten, würde Sie vielleicht in Erstaunen setzen, wenn ich. mich nicht 
bestrebte, Ihnen zu sagen, dass diese Reise , unternommen unter dem 
‚Schutze des Grafen von Cancrın, durch die Vorsorge des General Tscuer- 
Kın vorbereitet war. Die weisen Vorschriften desselben, verbunden mit 
dem, Geiste der Russland so eigenen Hospitalität besonders der Bewoh- 
ner des Ural, hatten alle Hindernisse weggeräumt und machten uns Alles 
‚möglich, 
„Wir. werden die Ehre haben, Ihnen später mit unserer Abhandlung 
‚eine ‚allgemeine Tabelle über die Ordnung der Überlagerung der Straten 
Russlands, die. wir jetzt bereisten, ‚so wie Durchschnitte und Karten 
mitzutleilen. Moskwa, :26., Sept. — 2. Oktober 1841. 


. R. J. MuRcHison.“ 


lch habe diese Tabellen, die Durehschnitte und die Karten gesehen, 
die niehts zu wünschen übrig lassen. 

Sie sehen mit welcher Beharrliebkeit, mit welchem Scharfbliek, ge- 
stützt auf lange Erfahrung diese HH. unser Russland besucht und durch- 
sucht haben, 

Hr. Graf Kevserreine hat einen Zahn des Elasmotherium mit- 
gebr seht. Sie können sich vorstellen, mit welchen Augen ich ihn be- 
trachtet habe, Ich hoffe Ihnen nächstens durch unser Bulletin eine ‚be- 
stimmtere Nachricht darüber zukommen zu lassen. u 

Auch wollte ich Ihnen in einer Abhandlung beweisen, dass unsre 
Kapitale Moskwa auf Lias gebaut sey. Zeichnungen von mehren Ver- 
steinerungen waren fertig, von Avieula inaequivalvis, Terebra- 
tula ornithocephala, T. digona, T. acuta, Trigonia cla- 
vata u.s. w. Grössre Thiere sind nicht gefunden „ indess ein Zahn 
von Squalus lässt bei sorgfältigerem Suchen mehr zu finden hoffen. 
Allein die Ansicht Hrn. MurcHison’s schlägt diesen Gedanken nieder. 
.Es bleibt doch immer merkwürdig, dass hier der untre Oolith,, den ich 
zum Theil für Lias hielt, unmittelbar auf dem Bergkalke ruht. [Vgl. 
Jahrb, 1839, 125.] 


.G. Fischer von, WALDREIM. 


Bovende, 27. Oktober 1841. 


Kürzlich habe ich auch ein schönes Exemplar des Inoceramus 
involutus Sow. bekommen; er findet sich in der obern (?) weissen 
Kreide ‚bei Lüneburg, ‚stimmt vollkommen mit der Abbildung bei So- 
WERBY und bleibt immer ‚eine ‘höchst merkwürdige Form. 


96 


Erst in diesen Tagen habe ich Acassız’s Arbeit über Trigonia 
erhalten und mich sehr darüber gefreut; doch T. costata scheint mir 
etwas zu sehr zertheilt; bei seiner Tr. quadrata habe ich bedauert, 
dass der Name- schon durch Sowersy in Fırron’s Kreide-Werk ver- 
braucht ist. IF 

Die geologische und mineralogische Sektion zu Braunschweig war 
sehr vergnügt und fleissig, und es gab auch viel Interessantes darin zu 
sehen und zu hören. Der Kammer-Präsident v. Braun aus Bernburg 
zeigte Abbildungen der von mir im vorigen Jahre besprochenen Saurier- 
Reste des Bunten Sandsteines vor und gab der Gattung den Namen 
Trematosaurus, worauf aber Professor PLienınGer zeigte, dass der 
von ihm bearbeitete Mastodonsaurus salamandroides mindestens 
derselben Gattung angehörte ; die beiden Formen von Bernburg dürften 
dann auch wohl ohne Zweifel davon verschiedene Spezies seyn. 

Professor GErMAR zeigte einen neuen Cephalopoden des Muschel- 
kalks in Thüringen vor und nannte ihn Nautilites (Ciymenites) 
infundibuliformis; auch. herrliche Exemplare. von Sphenophyl- 
lites Schlotheimii Sterne. und Diplazites emarginatus Gör- 
PERT wurden von ihm vorgelegt. 

L. ven machte darauf aufmerksam , dass bei tiedvernk die 
Nerven Sch erst oberhalb des ae theilen und alle bis zum 
Rande fortsetzen, ohne schwächer zu werden [s. d. Lethäa] ; dann theilte 
derselbe einige in Schweden kürzlich gemachte Beobachtungen mit und 
bemerkte namentlich, dass auch dort der Gneis durch Granit ins Daseyn 
gerufen, dass diese Umwandlung dem Granite eben nur da möglich ge- 
wesen, wo basaltische Massen in der Nähe gefehlt; unter und neben 
Basalten finde man dort nur unverändertes Schiefer-Gebirge ; die Granit- 
Partie’n seyen dort oft Schaalen-artig abgesondert, und, da EEE einzelnen 
Schaalen sich bei der Hebung an einander gerieben, so seyen sie mit 
Riefen. und Streifen versehen , welche andere Leute für Gle 'ischer- 
Spuren hielten. 

Dr. GırarD zeigte die Herkerdiete Gyps-Krystalle von Sparen- 
berg bei Berlin vor. Dr. Marx ein sehr einfaches, von ihm erfundenes 
Direflexions - Goniometer , welches der Billigkeit wegen gewiss vielen 
Beifall finden wird. Oberbergrath Zinegen theilte interessante Beobach- 
tungen über das Bode-Thal mit. — Auch wurde ein Schwefel-Krystall 
aus dem Marmor von Carrara, welchen mein jüngster Bruder vorzeigte, 
der grossen Schönheit und der interessanten Flächen wegen allgemein - 
bewundert. — Exkursionen hat unsere Sektion nach Schöppenstedt in das 
Hils-Konglomerat, den Lias und den Pläner, so wie nach Riddagshausen 
in den Great Oolite und die Roggensteine des Bunten Sandsteins ge- 
macht; an beiden Orten fanden sich zahlreiche Versteinerungen ; eine 
letzte Exkursion ist dann noch dem nördlichen Harze gewidmet gewesen. 

Fast hätte ich aber einen sehr interessanten Vortrag des Dr. AsBıch 
unerwähut gelassen; er wies darin auf zahllose Analysen gestützt nach, 
dass die ältesten vulkanischen Gesteine den grössten Kiesel-Gehalt und 


97 


das grösste spezifische Gewicht besitzen ‚und dass diese Eigenschaften 
desto schwächer werden, je jünger die Massen sind; man ‚wird daher 
aus dem Gewichte und dem Kiesel-Gehalt vielleicht wit grosser Sicher- 
heit das Alter der Massen bestimmen können, 

Unsere norddeutschen Theer-Gruben werden immer fleissiger besucht 
und untersucht, bleiben aber hinsichtlich des Ursprungs noch immer sehr 
vätlıselbaft; sie häugen daher vielleicht mit dem Weald-Gebirge und den 
Steinkohblen desselben zusammen. 

‚Ich habe mich entschlossen , jetzt die Harzer Petrefakte zu sam- 
meln und hoffe bald eine anschniiche Zahl zusammenzubringen. 


Fr. A. Rornuee. 


4 Bayreuth, 5. November 184i. 


Unter den 632 Arten fossiler Fische meiner Sammlung befinden 
sich einige neue seltene Arten aus dem Kupferschiefer von Richelsdorf, 
welche durch die Bemühungen des Hrn. Landbaumeisters AurHaus ent- 
deckt worden sind. Im 5. Heft meiner „Beiträge zur Petrefakten-Kunde“, 
welches 1842 erscheinen soli, werden unter andern 3 neue Arten Pla- 
tysomus, ein neuer Acrolepis und ein sehr vollständiger Pyg>- 
pterus Humboldtii abgebildet und beschrieben werden, dessgleichen ein 
kleiner Protorosaurus, den Herm. v. Meyer beschreibeu wird, 

Auch aus dem Württembergischen Lias habe ich durch den Ankauf 
einer zanzen Sammlung einige seltene und bis jefzt unbekannte Fische 
erhalten, worunter neue ArtenSauropsis, Thrissops, Tetragono- 
lepis, Notagogus u. s. w. sind. Eine Art Sauropsis wird ausser- 
ordentlich gross. Beim Grafen vow Manperston in Ulm sah ich ein 
Exemplar von fast 6° Länge. Unter den neuen Arten Tetragonole- 
pis war eine kleine Spezies, welche ich für Ihren Tetragonolepis 
semicinctus hielt; allein bei näherer Untersuchung fand ich, dass die 
Bauch-Schuppen fein gesägt sind, während sie bei jenem glatt seyn sol- 
len; ich nenne ihn daher T. subserratus. 

An Sepien- und Loligo-Arten fand ich 8 verschiedene Spezies im 
Württembergischen Lias. ; 

Acassız erwähnt in seinen Poissons fossiles ete. unter den neuen 
Acrodus- Zähnen einer zweifelhaften Art, die er Acrodus larva 
nennt, zugleich aber die Vermuthung äussert, dass. diese Zähne wohl 
einer besonderen Gattung Fische angehören könnten. Er hat vollkommen 
Recht: denn, nachdem ich einen Gyps-Abguss dieser Zähne von Thal- 
Itter durch Hrn. Professor v. KLırstein erhalten hatte, überzeugte ich 
mich, dass sie zu der von mir beschriebenen Gattung Dietea gehören. 

Zu Berg bei Neumarkt erhielt ich das Bruchstück einer fast 14‘ 
langen Flosse von einer neuen bedeutend grossen Spezies Cyeclar- 
thrus Acıssız, welche vollständig wohl einige Fuss lang gewesen 
seyn mag. 


Jahrgang 1842. 7 


98 


Unter meinen neuen Saurier-Zähnen ist einer aus dem obern Jura- 
Kalk, der an den Seiten zwei fein gekerbte Leisten hat. 

Aus dem Tertiär-Becken von Wien erhielt ich durch die Gefällig- 
keit des Hrn. Geh.-Raths v. Hauer einen kleinen Iguana-Zahn*) nebst 
andern sonderbaren fossilen Zähnen, welche in dem 5. Heft der „Bei- 
träge zur Petrefakten-Kunde“ abgebildet werden. 

In der Gegend von Aalen und bei Naitheim fand ich in den oben 
Jura-Schichten eine neue Muschel-Gattung , welche die äussere Gestalt 
der Isocardien, aber das Schloss und die Zähne einer Arca Di 

Es gehören namentlich hierher: 

1) Isocardia transversa Münsrt., Goror. Petref. Tf. 140, Fg. 8. 

2) B subspirata M., Gorpr. Tf. 140, Fg. 9 und 

3) Re texata M., Goror. Tf. 140, Fg. 11. 

Ich schlage für diese neue Gattung den Namen Isoarca vor. 

In Lüttich fand ich die Arbeit des Hrn. Professor pe Koninek über 
die Versteinerungen des Kohlen-Kalksteins von Vise und Tournay schon 
weit vorgeschritten. Seine Abbildungen sind nach so vollständigen Exem- 
plaren gezeichnet worden, dass wir eine ausgezeichnete a ge zu 
erwarten haben. 

Yon der Gattung Corniculina, welche ich im ersten Hefte meiner 
„Beiträge“ abgebildet und beschrieben habe, finden sich noch mehre Arten 
in dem Muschel-Sande von Siena und Coroneina. Die daher erhaltenen 
drei neuen Spezies sind: 

1) C. costata, welche der Länge nach gerippt ist. 

2) C. torquata, mit enger, glatter und halb gewundener Röhre. 

3) C. laevis, ganz glatt, die ältern Exemplare in der Mitte bauchig. 

Die früher beschriebene C. Ehrenbergii findet sich nicht nur ‘bei 
Castell’ arquato, sondern auch in tertiärem Muschelsand von Sieben- 
bürgen und an einigen Orten bei Wien. Der Hr. Geh.-Rath v. Hauer 
hat sie in schönen Exemplaren bei Nussdorf gefunden. 


G. Graf zu Münster. 


Breslau, 21. November 1841. 


Vor einiger Zeit hat Perroter in den Thälern des Nilgherri eine 
baumartige Farne und eine Cykadee mit gabelförmiger Theilung des 
Stammes entdeckt: Beobachtungen, die auch für die fossile Flora von 
grosser Bedeutung sind. Noch wichtiger aber ist die Entdeckung eines 


”) Diese Zähne, deren mir Hr. v. HAvEr zwei zur Bestimmung gesendet hatte, sind 
allerdings wie bei lguana und lguanodon zusammengedrückt und gekerbt, 
weiter aber geht die Ähnlichkeit kaum; und da die Bestimmung wegen meiner 
Hindeutung auf jene Übereinstimmung als von mir herrührend bezeichnet werden 
könnte, so muss ich mich verwahren und erklären, dass ich nach genauerer Ver- 
gleichung von beiderlei Zähnen diese fossilen keinenwegs vom Genus Iguana selbst 
herzuleiten Willens bin, R. 


99 


Baum-artigen Lykopodium von 4’ Dicke und 25’ Höhe , welches un- 
ser Landsmann Junenunn in Sumatra auf einem 3750 hohen Plateau 
in der Zentral-Gebirgs-Kette dieser Insel auffand. „Diess“, schreibt er 
am 18. Februar 1841 von Pitja koling auf Sumatra aus an den Präsi- 
denten unserer Akademie, Hr. Professor Dr. Nzzs von Esengecr , „hat 
mich fast bis zum Tollwerden entzückt und ist auch sicher eine grosse 
Merkwürdigkeit. Ich dachte lebhaft an die Worte v. Humsouor’s: 
„»Sollte man nicht einmal ein Land finden, wo Moose hohe Bäume bil- 
den ?““ Hoffentlich gelangt dieser interessante Stamm bald in unsre 
Hände, wovon ich Ihnen alsdann Nachricht geben will. 

Bei Untersuchung der verkohlten Rinde mehrer Kalamiten fand 
ich durch Verbrennen ein eben so schönes aus Kiesel bestehendes Ske- 
lett, wie wir diess bei den Equiseten der Jetztwelt wahrnehmen, 
wovon ich bald in meiner Arbeit über die Gattungen der Pflanzen han- 
deln werde, 

Kürzlich habe ich mebre Sıgillarien erhalten, welche ähnliche 
Ast-Ansätze, wie die Lepidodendron- Arten besitzen. Bei einigen 
stehen sie in Quincunx, bei anderen quirlförmig den Kalamiten-Gliedern 
ähnlich. 


GOEPPERT. 


Frankfurt a. M., 23. November 1841. 


Was sagen Sie dazu, dass die Saurier des Muschelkalkes der Ge- 
gend von Luneville verschieden sind von denen der Gegend von Bay- 
reuth und anderer Orte! Mich hat es überrascht. Ich überzeugte mich 
davon an den fragmentarischen Schädeln und Unterkiefern aus den Samm- 
lungen des Dr. GaıtLarvor in Luneville, des Dr. Mouczor und des Strass- 
burger Museums. Die Monographie der Muschelkalk-Saurier gewinnt 
daher durch Hinzuziehung der Überreste aus dem Muschelkalke Lothrin- 
gens sehr an Vollständigkeit. Das in letzter Gegend herrschende Genus 
nenne ich Simosaurus, die Spezies S. Gaillardoti, zum Gedächt- 
niss der Verdienste, welche der verstorbene Dr. GAILLARDoOT um die 
Versteinerungen und insbesondre um die fossilen Knochen des Muschel- 
Kalkes seiner Gegend besitzt. Sie erhalten demnächst von mir eine aus- 
führlichere Mittheilung über den Simosaurus. 

Diesen Überresten hatte Hr. Professor Dr. W. P. Scamrer die 
Güte die in dem Strassburger Museum verhandenen Saurier-Reste aus 
dem Bunten Sandstein von Sulzbad beizufügen, von denen ich bereits 
schon mehre veröffentlichte. Die Zähne in dem von mir als Odonto- 
saurus Voltzii beschriebenen Kiefer-Fragment aus dem untern Bun- 
ten Sandstein von Sulzbad habe ich dadurch Gelegenheit gefunden noch- 
mals zu untersuchen. Sie gleichen in der äussern Streifung dem Ma- 
stodonsaurus, und auch ihrer Struktur nach, so viel die jetzige 
Speckstein-artige Beschaffenheit der Zähne davon erkennen lässt, sind 


ir 


100 


sie mit Mastodonsaurus verwandt. Das in der mitteln Stufe des Bunten 
Sandsteins derselben Gegend gefundene Fragment, welches aus der 
Oberseite des Schädels herzurühren scheint, besitzt Erhabenheiten und 
Vertiefungen, welche denen in Mastodonsaurus nicht unähnlich sind. 
Die grössere mit Binnen und Grübchen versehene Platte aber, welche 
ich aus dieser Formation bekannt machte, würde für ein grösseres Thier 
beweisen, das dem Mastodonsaurus entschieden ähnlicher war. In den 
Mem. de la Soc. dhist. nat. de Strassb. II, 7, pl.ı, jig. 2 beschrieb ich 
auch ein Stück, von dem ich vermuthete, dass es das vordere Ende eines 
Unterkiefers wäre. Jetzt, da ich die Saurier des Muschelkalkes, mit 
denen dieses Stück Ähnlichkeit besitzt, besser kenne, bezweifle ich nicht, 
dass es dem Oberkiefer angehört. Unter den neuerlich in diesem Bunten 
Sandstein gefundenen Knochen befindet sich das vordere Ende von einem 
Unterkiefer, das zu dem eben erwähnten Stück passen würde. Sie be- 
sitzen beide auffallende Ähnlichkeit mit Nothosaurus und würden in 
Betreff der Grösse den mittelgrossen Exemplaren von N. mirabilis. 
des Bayreuther Muschelkalkes entsprechen. Der Unterkiefer aus dem 
Bunten Sandstein weicht indess von den vier mir bis jetzt aus dem 
Muschelkalk bekannten Unterkiefern hauptsächlich darin ab, dass seine 
Symphysis oder die vordere End-Strecke worin beide Kiefer-Hälften ver- 
einigt sind, verhältuissmäsig etwas kürzer ist, und dass die Alveole des 
letzten grossen Zahnes auf dem getrennten Kiefer-Aste und sogar noch 
ein wenig weiter zurück liegt, als die Stelle, wo die Symphysis beginnt, 
während in N. mirabilis diese Alveole mindestens tleilweise in die 
Gegend der Sympbhysis hineinragt. Mit diesem Unterkiefer fand sich im 
Bunten Sandstein auch ein von der Aussenseite entblösstes linkes Haken- 
Schlüsselbein (os coracoideum) vor, das ein wenig kleiner ist, als die 
kleinern von Bayreuth, und von diesen dadurch sich unterscheidet, dass 
die bei natürlicher Lage des Knochens nach vorn gerichtete Seite tiefer 
und in der vordern Gegend rechtwinkeliger zur Knochen-Achse ausge- 
schnitten ist, und dass der nach hinten gerichtete Rand, statt von der 
konvexeren Strecke in die konkavere durch Rundung überzugehen, an 
dieser Stelle einen kleinen sehr stumpfen Winkel beschreibt. _ Hierin 
kommt ihm ein Knochen aus dem Bayreuther Muschelkalke nabe, der 
aber fast noch einmal so gross ist. Ich besitze ferner zur Untersuchung 
ein Stück von diesem Gestein, welches ein Schulterbiatt, eine V-förmige 
Bauch-Rippe und einen Jängern Knochen, wahrscheinlich aus den Ex- 
tremitäten beherbergt. Das etwas gedrückte Schulterblatt lässt sich dem 
‚mittelgrossen von Nothosaurus vergleichen. Ein andres Gestein-Stück 
umschliesst Rücken-, Bauch- und Verbindungs-Rippen; von der Gegen- 
wart letzter in Nothosaurus überzeugte ich mich schon früher an einer 
Plätte mit Überresten einer kleinern Art aus dem Muschelkalk von 
Esperstedt. Ich bezweifele nicht, dass diese Überreste aus dem Bunten 
Sandstein vom Unterkiefer- an von einem Nothosaurus-artigen Thier 
herrühren, das ich wegen der bis jetzt im Kiefer und. Haken-Schlüssel- 
“bein sich am deutlichsten herausstellenden Abweichungen unter der 


101 


Benennung Nothos. Schimperi von den Arten des Muschel-Kalkes 
trennen möchte. 

Fast jedes Gestein erfordert ein eigenes Studium, um mit dem T’ren- 
nungs-Werkzeug von den auch nicht immer mit gleicher Beschaffenheit 
sich darstellenden Knochen-Versteinerungen entfernt zu werden. Ist man 
Meister der Natur des Gesteins und der Knochen, so kostet es nur Zeit 
und Geduld, um sich der Ensthüllung zu erfreuen. Es klingt freilich 
sonderbar, dass mit denselben Schlag, womit der Geübte Stücke Gestein, 
ohne den Knochen zu beschädigen, entfernt, der Ungeübte den Knochen 
heraussprengt. Die Fertigkeit liegt hauptsächlich darin, dass man dem 
Gestein nachgibt und es nicht zwingt in einer seinem Gefüge wider- 
streitenden Richtung sich abzulösen, Die mäsig angewandte Kraft oder 
Gewalt wird alsdann von dem Gestein gleichsam konsumirt und wirkt 
selten nachtheilig auf den umschlossenen Körper, dieser mag weicher 
oder fester seyn als das Gestein, Am schwierigsten sind solche Arbeiten 
mit dem Kupferschiefer der Zechstein-Formastion Thüringens vorzuneh- 
men, wie ich kürzlich selbst an einem bisher unbekannt gewesenen 
Exemplar meines Genus Protorosaurus erfahren habe, womit Hr. 
Graf Münster seine Sammlung vermehrte, und das er mir zur Beschrei- 
bung im 5. Hefte der Beitiäge zur Petrefakten-Kunde mittheilte. Gleich- 
wohl ist es wir gelungen die vorhandenen Theile vom Gestein zu be- 
freien, zumal die Hals-Wirbel, welche bei diesem Thier durch die Länge 
ihres Körpers, so wie durch die daran eiulenkenden schmalen, überaus 
langen Kuochen-Fäden sehr merkwürdig sind. Ich habe überhaupt bis 
jetzt nichts finden können, das den Monitoren, womit man dieses Thier 
vereinigte, ähnlich wäre. 

An der obern Hälfte eines Humerus aus der Molasse von Baltrin- 
gen in Oberschwaben habe ich mich nunmehr überzeugt, dass vE CHrI- 
stor’s Metaxytlerium (Phoques fossiles et Lamantin fossil d’Angers 
Cuv.) wirklich ein von Halianassa verschiedenes Genus ist, und dass 
das Metaxytherium auch zu Baliringen vorkommt. Die beiden Hu- 
meri, die ich von Halianassa besitze und welche Thieren verschiedenen 
Alters angehören, sind davon auffallend verschieden. Der Vorderarm 
besitzt in beiden Genera ebenfalls Abweichungen. Ich werde nun eine 
genauere Vergleichung der einzelnen Theile der Zähne vornehmen. 

Verflossenen Sommer ward zu Betusy, einem Landsitze 10 Minuten 
NO. von Lausanne, in der Molasse der fast vollständige Kiefer von 
einem grossen Pachydermen gefunden, das nach den Zähnen, welche 
Hr. Larpy mir während der Versammlung der Schweitzischen Natur- 
forscher in Zürich im August zu zeigen die Güte hatte, Rhinoceros 
incisivus seyn würde. Von derselben Stelle und ebenfalls aus der 
Molasse stammt die untere Hälfte von einem Mittelband-Knochen eines 
Wiederkäuers, der der Grösse nach Palaeomeryx Scheuchzeri 
seyn könnte. “Bei der Versammlung in Zürich theilte mir ferner Hr. 
Pfarrer Rensteiner ein Stück von der rechten Unterkiefer-Hälfte mit 
den drei hinteren Backenzähnen von Rhinoceros mit, das aus dem 


102 


Molassen-Sandstein von T’rogen im Kanton Appenzell, 13 Stunden von 
St. Gallen, herrührt. Der letzte und vorletzte Backenzahn besitzen un- 
gefähr gleiche Länge, wofür sich 0,m 045 annehmen lässt. Das Gestein 
gehört zur feinsandigen Molasse, welche bisweilen etwas thonig ist. 
Knochen und Zähne sind von schwarzer Farbe. In der Molasse der 
Wied bei Zürich fand sich der Unterkiefer von Rhinocerosz es ist 
diess also eines der häufigsten Geuera in der Molasse der Schweitz. 

Iu der Sammlung der Akademie zu München traf ich diessmal, aus- 
ser den mjr schon früher bekannt gewesenen fossilen Knochen, Zähne 
von Dinotherium Bavaricum, welche bei Steinkirchen unfern 
Pfajferhofen gefunden wurden; ein Unterkiefer-Fragment von Masto- 
don angustidens, welches aus der ältern Zeit der Sammlung stammt 
und dessen Fundort nieht angegeben ist; und noch ein andres Fragment 
von M. angustidens von Winhöring bei Alt-Ötting. An letztem baftet 
noch von dem Geröll, worin es gefunden wurde, und es ist diess das- 
selbe, wie das, woraus die Baierische Hochebene besteht, so dass die- 
ses unermessliche Gebilde, wenigstens zum Theil, gleich der Nagelflue 
der Schweitz, tertiären Alters seyn wird. 


Hermann v. Meyer. 


. @rätz, 24. November 1841. 


Von meiner Chloris protogaea wird nächstens das 1. Heft 
bei EncEeLmann in Leipzig erscheinen. Da der Text hier gedruckt, die 
Lithographie’n aber in Strassburg gemacht werden, se ist es begreiflich, - 
wie sich die Sache verzögern kann. Schon vor einem Jahre war diess 
Heft in Arbeit. 

Eine Abbandlung über die Psaronieen, die ich eben beendet habe, 
würde ich Ihnen gleichfalls für ihre Zeitschrift mittheilen, wenn nicht 
so viele Abbildungen dabei wären. Dagegen werde ich nicht ermangeln, 
einen Artikel über fossile Koniferen-Hölzer Ihnen einzuschicken, wie 
ich sehe, dass Ihnen diese meine Arbeiten erwünscht sind *). 


UNGER. 


*) Das sind sie im höchsten Grade. D. Red. 


Neue Literatur. 


A. Bücher. 
1841. 


Atlas de Mineralogie, ou histvire naturelle des minerauz, avec 40 pll., 
Paris, 18°, chez Rorkr. 

G. Biscuor: Physical, chemical and geographical researches un the 
internal heat of the globe, transl. from the German, London, 8°, 
[10 shil.). 

G. Fischer DE Warpneım: Lettre @« Mr. R. I. MurcHıson Esg. sur 
le RBRhopalodon, genre de Saurien fossile du versant occidental de 
V®Oural, Moscou, 10 pp., 1 pl. 

©. Harımasz: die Schöpfungs-Wunder der Unterwelt, interessante Schil- 
derungen der berühmtesten Höhlen, Quellen, Erdbeben, Vulkane, 
Bergwerke, Versteinerungen u. a. Merkwürdigkeiten, mit vielen Ab- 
bildungen, II Bände (638 und 554 SS., 12°). 

K. v. Könıe: Erläuterungen zu dem geognostischen Atlasse, I. Heft, 
Europa; — a.u..d. Titel: Erläuterung zur geognostischen Karie 
von Europa (x und 54 SS. gr. 8° und 1 Karte in Imp. Folio), 
Wien [2 Rtllr 10 Gr.). 

d. J. v. Lirtgow: die Wunder des Himmels u. s. w., 3. Aufl., Lief. ], 
S. 1—144 in 8° mit 4 lithogr. Tafeln in 4°, Stuttgart [15 Gr. Soll 
in 6 Lief, erscheinen]. 

F. Lugan: Lecciones de Geologia esplicadas en la sociedad de instruc- 
tion publica. Madrid, 4°, Lief. I (2 Frances). 

G. zu Münster: Beiträge zur Petrefakten-Kunde, IV. Heft: Dr. Wiıss- 
MAnNSs, Gr. Münster’s und Dr. Braun’s Beiträge zur Geognosie 
und Petrefakten-Kunde des SO.-Tyrols, vorzüglich der Schichten 
von St. Cassian (15% SS. und 16 Jith. Tafeln in 4°), Bayreuth. 

»’Omanıus D’Harrovy: des voches considerees mineralogiguement, nouv. 
edit. 8°, Paris (34 Fr.]. 


104 


A. D’OrrıenyY: Paleontologie Frangaise etc. [Jahrb, 1841, 463], Tume I, 
Livr. xıı—xvı |Tume II, Terrains jurassiques, soll noch vor dem 
Schlusse des ersten Theils im Jänner 1842 unter gleichen Bedin- 
gungen beginnen]. 

L. Pırıa: Studi di Geologie, Napoli in 8°, Part. I. 

J. Russesger: Reisen in Europa, Asien und Afrika, mit -besonderer 
Rücksicht auf die naturwissenschaftlichen Verhältnisse der betreffen- 
den Länder, unternommen in den Jahren 1835 — 1841, mit einem 
Atlas enthaltend (12) geographische und geognostische Karten, 
viele Gebirgs-Profile (28) , Landschaften, viele Pflanzen- und Thier- 
Abbildungen (Stuttgart 8°) [in Abtheilungen deren 2 einen Band 
machen], I. Abtheilung [fl. 3, — R. 1. 20 ggr.]. 

J. Sowersy: Mineral-Konchologie u. s. w. [Jahrb. 7841, 571] von Acas- 
sız: Lief, v—vır (S. 171—256, Taf. 8I—137), Braunschweig [9 Thlr,]. 

J. StEinincer: Geognostische Beschreibung (des Landes zwischen der 
untern Saar und dem Rheine, Trier, 4°, Nachträge (49 SS.) mit 
5 Petrefakten-Zeichnungen [fl. 3. 36 kr. — vgl, Jahrb. 1840, 225]. 

SurziL: Efudes sur les torrens des Hautes-Alpes,, Paris, in 4°, av, 
pl. [12 fr.]. 

G. Trımmer: Geuloyy and Mineraloyy, London, 8° [12 shil.], 


B. Zeitschriften. 


1) Memoires de la Societd yeologique de France, Paris, 4° 
[vgl. Jahrb. 1838, 674]. 
1839, III, ı1, 179— 401, pll. xxı—xxv. “ 


L. ve Buen: Essai d’ume classification des Terehratules ete., deuxieme 
partie, p. 179—238 [== Jahrb, 1834, 616, mit Beifügung einer Fi- 
zur jeder Art nach des Vfs. Zitaten]. 

Tuorent: Hemoire sur la constitution yeologique de la partie nord du 
departement de V’Aisne, touchant au ruyaume de Belyique, et de 
Vextremite sud du departement du Nord, p. 239—260, pl. xxiI—xxu. 

D’Arcurac: Observations sur le yroupe moyen de la for mb eretacee, 
n. 261—311 [>> Jahrb. 7841, 793 f.). 

Ai. Leymenie: Memoire sur la partie inferieure du Systeme seconduire 
du departement du Rhöne (du Lyonnais), p. 313—378, pl. xxIU—xxIV, 

B. Srüper: Memoire sur la carte geologique des chaines calcaires et 

- arenacees entre les lacs de Thun et ae Lucerne,, p. 379—401, 
pl. xxv. 
1840, IV, ı, 1—228, pl. 1—xu. 

Auc. D’ORrBIGnY: Memoire sur les Furaminiferes de ia craye blanche 
du bassin de Paris, p. 1—52, pl. 1, 

Bozer ; Memoire yeologique sur la masse de monlagnes, qui separent 
le cours de la Loire de ceus du Rhöne et de la Saöne. p. 53 —152, 
pl, v—vır [sehr kurz im Jahrb, 1841, 256). 


105 


L. ve-Bucu: Essai d’une classification et d’une description des Delthy- 
ris ou Spirifers et Orthis, traduit de VAllemand par Mr. H. Lk 
Coc9, p. 153— 228, pl. vıı—xı [>> Jahrb. 1838, p. 221—229, mit 
Beifügung einer Figur jeder Art nach des Vfs. Zitaten]. 


2) Annales des mines etc. [vgl. Jahrb. 1841, 572]. 
1841, no. 1; XIX, ı; p. 1—237, pl. ı—ır. 


Gruner : Abhandlung über die Natur der Übergangs-Gebirge und Por: 
phyre im Loire-Dept., S. 53—154, Tf. ıı. 

EseLmen: über ein Alkali-haltiges Mangan-Oxyd, S. 155— 166. 

LechateLier: über eine Ablagerung bituminösen Schiefers im Steinkohlen- 
Becken von Wouvant, Vendee, S. 193— 214. 

Apr. PırrLerte: über Lagerung, Ausbeutung und Behandlung der Blei- 
Erze in der Gegend von Almeria und Adra in Andalusien, 8. 
215—237, Forts, folgt, 


« 


3) Anules de minas publicados de orden de S.M. a direc- 
cion general del ramo, Madrid, 8° [Jahrb. 1840, 101], Tomo 
IT (458 pp., 5 pll.) enthält ausser Gesetzen und Berg- uud Hütten- 

“ männischen Abhandlungen: : 


J. EzouErra DEL Bayo: geognostisch-bergmännische Beobachtungen über 
die Gebirgs-Kette von Moncayo, S. 71—92. 

F. Naranso v Garza: geognostisch bergmännische Übersicht eines Thei- 
les der Provinz Burgos, S. 93—115. 

B. Perrico und A. Marstre: geognostische Abhandlung über den öst- 
lichen Theil der Provinz Almeria, S. 116—142. 

Geognostische Beschreibung von Esiremadura und N.-Andalusien, a. d. 
Französischen übersetzt von F. CuroLı Y LAGoANERE, S. 143—196. 

1. S. pe Barınpa: geognostische Zusammensetzung der Philippinen, 
S. 197—212, 

J. Ezqusrea: Einiges über die fossilen Knochen der Umgegend von Ma- 
drid, S. 213—216 [vgl. Jahrb. 1840, 221, 537]. 

R. pe Amar DE ra Toreke: Notizen über die Fuss-Spuren von Thieren 
in den Gesteinen verschiedener Länder, S. 218—236, Taf. ıv [< 
Jahrbuch 1835, 230, 323, 336; 1836, 165, 467, 472; 1837, 379, 
602 u. s. w.]. 

J. Ezquerka Der Bayo: Beschreibung der Sierra Almagrera nach ihrem 
jetzigen Erz-Reichthum, S. 237—253 [vgl. Jahrb. 1841, 353]. 

W. Scuurz: einige Angaben über die neuere Geschichte des Bergbaus in 
Asturien und Galizien, S. 254— 262. 

RA. ve Amar De LA Toree: Schwelel Gruben von Hellin, S. 263—280. 


106 


J. Ezquzana per Bayo: Gruben-Statistik Spaniens von 1839, aus amt- 
lichen Berichten zusammengestellt, S. 263—280. 


ZZ 


4) The London and Edinburgh Philosophical Magazine and 
Journal of Science (incl. the Proceedings of the Geological 
Suciety of London), London, 8° [vgl. Jahrb. 1841, 6S8]. 


1841, August; XIX, ıı; Nro. 122: p. 97—176. 


Proceedings of the Royal Society of London, 1841, Mai 20. 
G. Mantert: Schildkröten-Reste in der Kreide, S. 157—158. 


Proceedings of the Geological Society of London, 1840, Dez. 16; 841, 
-Jan. 6 [== Jahrb. 1841, 373). 
P. J. Marrın, Sopwit#, J. Smitu, Fr. Burr, wie oben. 


——____ 


5) U’Institut, 1. Section, sciences mathematiques, physiques et naturelles, 
Paris, 4° [vgl. Jahrb. 7841, 689]. 


IX. annee, 1841; No. 897—404, p. 261—328. 


MeErmer: fossile Knochen zu Moncaup, Basses Br (Akad. 1841, 
Aug. 2), S. 262— 263. 

v’Omarıus D’Harroy: Geologie des Condros an der Maas edeai d. Brus. 
1841, Mai 7), S. 266. 

CLAUssEn: Diahantsn in altem Sandstein Brasiliens auf erster Lager- 
stätte (das.), S. 266. 

Maıckensie: Gletscher und erratische Blöcke in Schottland (RR: SOC. „ 
1841, Febr. 1), S. 267. 

Lea: Oolith - Formation in Amerika (Plilad. Soc. 1840, Juni 19), S. 
281— 232. 

Bönrrinek: über Acassız’s Gletscher-Tlieorie (Bullet. de V’acad. de St. 
Petersb. 1840, Dez. 30), S. 281—283. 

EHREnBERG : Mitwirkung der Infusorien bei der Verschlammung der 
Häven von Wismar, Pillau, der Elbe bei Cuxhaven, des BASE Ss.W. 
(Berlin. Akad. 1841, März 15), S. 287— 288. 

Duvar-Jouve: Kreide-Belemniten um Castellane (Paris. Akad. 1841, 
Aug. 30), S. 293. ' 

Pıyen: Zerlegung von Mineral-Mehl aus China (das.), S. 270, 294. 

Dumour: Romein, ein neues Mineral (das.), S. 294, 295. 

Pıyer: Tertiär-Gebirge um Rennes (das.), S. 295. 

H. Rose: Licht- Erscheinungen bei Krystall - Bildungen (Berlin. Akad. 
1841, März 18), S 298—299. 

Prantamour: Analyse zweier neuer Skandinavischer Mineräften (Bibt, 
univers. 1841, No. 61), S. 308. 


107 


Sıms: Yttererde-Phosphat (Chim. Soc. Lond. 1841), S. 311. 

Enurengerg: Verbreitung und Wirkung des mikroskopischen Lebens in 
Amerika (Berlin. Akad. 7841, März 25), S. 315—316. 

Horner: über Mastodon- u. a. zu St. Louis gesammelte Thier-Reste, 
S. 318 [= Jahrb. 7841, 618]. 

Carrerr: Eis-Höhle im Herzogthum Aost, 319. 

Dumas: Analyse der atmosph. Luft verschiedener Stellen (Paris. Akad, 
1841, Sept. 20), S. 321. 


Erman’s: Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland, 

Berlin, 8°. ’ 
1841, I, ı, ı1, S. 1—422. 

A. Erman: über den dermaligen Zustand und die allmähliche Entwicke- 
lung der geognostischen Kenntnisse vom Europäischen Russland, 
S. 59—102, m. 1 Karte. 

SoKoLoOwsK3I: über gediegenes Eisen aus der Petropawiowsker Goldseife 
nach dem Gorny Journal 1841, August, bearbeitet von Erman, S. 
>14 319, 

Von Heımersen: Auffindung devonischer Schichten bei Orel, S. 396— 329. 


C. Zerstreute Aufsätze. 


Durerrey: über den Erd-Magnetismus und die Karte der magnetischen 
Intensitäten. Vorgelesen bei der Akademie der Wissenschaft in 
Paris (UInstitut 1835, II, 10—11). 

C. F. v. Grocker: vom Mährischen Graphite und einigen ihn begleiten- 

den Erscheinungen, welehe seinen Ursprung erklären können [in 
latein. Sprache in Verhandlungen der Kais. Leopold, Karolinischen 
Akademie der Naturforscher, Band X VIII, Supplement-Heft 1, Bres- 
lau und Bonn 1841, S. xıx—xLıv, mit ıı Tafeln], vgl. Jahrbuch, 
1840, S. 466. 

W. Horzıns: Untersuchungen über physikalische Geologie, erste Reihe 
(Philosoph. Transact. 1839, ıı, 381—424). [>> Jahrb. 1840, 109 
—110.]; zweite Reihe (daselbst 7840, ı, 193—208). [>> Jahrb. 
1840, 110—111]. 

Tu. Maczear: weitre Nachrichten über den Meteorstein-Fall im Cold 
Bokkeveld (London Philos. Transact. 1840, ı. 177—182). [Die 
früheren s. Jahrb. 1840, 722]. 

C. J. Harsreave: über die Berechnung der Anziebungen und der Figur 
der Erde (Lond. philosoph. #Zransact. 1841, I, 75—97), 


A U.8..200:2.@, 


. 


— 


A. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


H. Asıcn: Beiträge zur Kenntniss des Feldspaths (PossEnD. 
Ann. d. Phys. LI, 519 #.). [Fortsetzung von Jahrb. 1841, 468]. 

1) Über den Anorthit. Das nicht ganz befriedigende Resultat 
der früheren Analyse des Minerals veranlasste eine wiederholte Unter- 
suchung; dieser schickt der V£. nachstehende Bemerkungen über die 
Dolomit-Blöcke voran, in welcher die Anorthite gefunden werden. 
Man hat sie als metamorphische Trümmer jener Apenninenkalk-Schichten 
zu betrachten, welche in der frübesten Entwickelungs-Periode der Somma 
durch Gang-bildende Spalten in der Zentral-Region des später aufge- 
richteten Erhebungs-Kraters vielfach durebschnitten wurden und in der 
innigen Berührung mit den einschliessenden, aus Bisilikaten zusammen- 
gesetzten Gang-Massen durch Umschmelzung krystallinisches Gefüge an- 
nehmen. Bei der Neigung des Leuzits mit kohlensaurem Kali leicht 
zusammenzuschmelzen und bei der Fähigkeit der Kieselerde sich unter 
-allen Verhältvissen mit dem Kalke zu verbinden, war die Bildung einer 
grossen Anzahl von Mineral-Körpern bedingt, in deren Zusammensetzung 
Thonerde, Kalk- und Taik-Erde, so wie Kali wesentlich sind. So wird 
es erklärbar, dass Glimmer, Augit, Idokras, Granat, Tremolith, Pleo- 
nast u. a. meist in mikroskopischer Kleinheit vorhandene Mineral-Sub- 
stanzen die umgewandelten Kalke durchziehen, in grössern deutlich 
ausgebildeten Krystallen aber in der Regel nur in Drusen-Höhlungen 
und ‘auf Spalten vorhanden sind. Je näher solchen Räumen, unı desto mehr 
tritt der dolomitisirte körnige Kalk zurück; er geht zuletzt ganz in eine 
krystallinische Rinde über, welche grösstentheils aus dem innigen Ge- 
menge eines Glimmer - und Talk-artigen Fossils zu bestehen scheint. 
Niebt selten schliessen die Drusen-Höhlungen — deren besondre Natur 
die Bildung der Doppel-Silikate von Thon- und Kalk-Erde, wie Mejonit, 
Anorthit, besonders begünstigt zu haben scheint — eine bald Glas- 
ähnliche und amorphe, bald krystallinische weisse Masse ein, die sehr 
schwer schmelzbar und nur wenig löslich in Säuren, in seltsamer 


109 


Beziehung zu den Kıystallen der erwähnten Fossilien steht, welche die 
Wände der Räume bekleiden. Bald haften die Krystalle vollständig auf 
Theilen dieser Masse und gehen gleichsam verglast in dieselben über; 
bald werden sie von ihr theilweise oder ganz, jedoch solchergestalt um- 
hüllt, dass eine vollständige Berührung nicht Statt findet. Sehr häufig 
zeigt sich das bei Drusen, welche nur Mejonit enthalten. Die vertikal 
auf den Wänden der Weitung sitzenden Krystalle tauchen bisweilen so 
vollständig in die amorphe Masse, welche den Drusenraum wie mit einem 
in seiner Schaale bewegten Kern erfüllt, dass es unmöglich ist den- 
selben herauszuziehen, ohne die hineinragenden Krystalle abzubrechen, 
Die so getrennten, mit Hinterlassung eines regelmäsigen Eindruckes 
aus der Kern-Masse leicht zu entfernenden Krystalle sind nicht sehr 
scharfkantig und erscheinen wie mit einem weissen Anfluge überzogen. 
Mikroskepische Betrachtungen zeigen, dass letzter von völliger Zer- 
setzung der Oberfläche herrübrt, welche mit zahlreichen kleinen Kıystal- 
len von einer andern Form, als die der Mejonite, sich darstellen. Etwas 
Ähnliches findet sich auch, aber selten, bei Anorthiten. Vollständig nach 
allen Seiten ausgebildete Krystalle sind sehr selten und nie fest und 
invig mit der das Drusen-Inuere bekleidenden Rinde verwachsen, wel- 
che aus einem Aggregat mikroskopischer Krystalle von Idokras, Augit 
u. a. kleinen unbestimmbaren Prismen gebildet ist, die häufig ins Innere 
der Anorthite dringen. Besonders interessant zeigen sich die Dolerit- 
Fragmente aus der unmittelbaren Grenze von Leuzitophyr und Apenninen- 
Kalk. Eine Leuzit und Augit enthaltende Masse geht in ein Gemenge 
von gelblichen Glimmertalk-Blättchen und grobkörnigem Kalkspatlı über, 
welches bald feinkörnig und dolomitisch wird und neben vielen Augit- 
Theilen kleine Pleonaste in Menge enthält, weiche mitunter magnetisech 
sind. "Ein nicht unbedeutender Theil der Dolomit-Masse bleibt in Säuren 
ungelöst und bildet sodann ein krystallinisches Pulver verschiedenartiger 
Mineralien, die keineswegs alle bestimmbar sind und im Ganzen geringe 
Schmelzbarkeit besitzen. — In zwei Analysen ergab der Anorthit: 
Y 1. 
Kieselerde . 3 44,12 43,79 
Thonerde . i 35:2 35,49 


Eisenoxyd . . 0,70 0,57 
Kalkerde : 3 19,02 18,93 
Talkerde - - 0,56 0,34 
Kal uafnluahadt; 0,25 0,54 
Natron . 3 - 0,27 0,68 


100,04. 100,34. 
Die Formel wäre folglich: 
ta, 
Der mit Augit und Glimmer vorkommende Anorthit scheint in jeder 
Beziehuug der reinere zu seyn; er enthält über noch einmal so viel 


110 
Kali und Natron, als der aus Dolomit-Drusen, dagegen weniger Talk- 
erde als jener. | 
2) Pseudo-Albit des Andesits aus Amerika. Bei näherer 
Untersuchung des Diorit-Porphyrs, welcher in den Kordilleren eine so 
überaus wichtige geognostische Stellung behauptet — Humsorpr legte 
der Felsart, ihrer grossen Verbreitung wegen, den Namen Andesit 
bei — war dem Vf. zunächst die leichte Schmelzbarkeit des für Albit 
gehaltenen Minerals aufgefallen, welches oft mit seinen ausgezeichneten 
Krystallen den vorherrschenden Gemengtheil der Gebirgsart bildet”). 
Seine Vermuthung, dass das Mineral nicht wirklich Albit sey, wurde 
noch mehr begründet, als er später aus grösseren Bruchstücken des 
Andesits von Marmato bei Popayan vollkommen reine Krystall-Frag- 
mente erhielt, deren Eigenschwere = 2,7328 bestimmt wurde. Die 
Analyse ergab: : 


Kieselerde . . A 59,60 
Thonerde 2 } } 24.28 


Eisenoxyd . j ; 1,58 
Kalkerde } ; { 5,77 
Talkerde h h 5 1,08 
Kali . F L - 1,08 
Natron 3 \ i 6,53 
99,92 


welcher Zusammensetzung die Formel: 


entspricht, und wornach sich das Fossil als neue Varietät der ein-und- 
ein-gliedrigen Abtheilung der Feldspath-Reihe zeigt. Es steht dasselbe 
zwischen Labrador und Anorthit oder besser Oligoklas, dem es auclı 
seiner chemischen Natur uach am nächsten kommt. Der Vf. schlägt 
dafür den Namen Andesin vor. — Das spez. Gew. des Andesit von 
Popayan ist == 3,5924. Er enthältneben Andesin Hornblende, Quarz, 
auch Spuren von Epidot und fein eingesprengten Eisenkies. 

3) Periklin von der Insel Pantellaria. -Das Gestein wurde von 
der Montagra entnonımen, einem Berg, welchen man geneigt ist für einen 
trachytischen Dom zu halten, der im Zentral-Punkt des grossen Er- 
hebungs-Kraters emporstieg. Es besteht der Trachyt fast ausschliesslich 
aus einer Anhäufung von schmelzbar glasigen, ziemlich vollständig aus- 
gebildeten bräunlichen Feldspath-Krystallen, welche eine durchschnitt- 
liche Länge von 3°’ und eine dergleichen Dicke von 1 haben und in 
einer unrein gelben krystallinischen, aber sehr fein porösen Grund-Masse 
wie eingeknetet erscheinen, aus der sie oft mit Hinterlassung glatter 
Eindrücke leicht abzusondern sind. Die Krystalle zeigen nicht die für 


*) Die Beschreibung, so wie Angaben über Verbreitung finden sich in Po&GENDoRFF’s 
Ann. der Phys., Bände 34 (9), 37 (189), 40 (163), 44 (196), so wie in Bucn: Isles 
de Canarie p. 464 cet, 


111 


den glasigen Feldspath sonst so charakteristischen Karlsbader Zwillings- 
Formen, Eigenschw, — 2,5950. Resultat der Analyse: 

Kieselerde . - - 68,23 

Tlionerde - 5 } 18,30 


Eisenoxyd . { ; 1,01 
Kalkerde : ROSEN 1,26 
Taikerde . ! f 0,51 
RKalı . 5 ; L 2,53 
Natron . s 3 h 7,99 
99,83. 


4) Adular vom St. Gotthardt. Die Analyse lieferte folgendes 
Resultat: 
Kieselerde . - - 65,69 
Thonerde ; . . 17,97 
Eisenoxyd . - ß Spur 


Kalkerde } i s 1,34 

Kalı . > - ; 13,99 

Natron . ; ; : 1,01 
100,00. 


5) Feldspath von Baveno. Er enthält: 
Kieseierde . . 0 00,12 
Thonerde . EN 18,57 
Eisenoxyd . . 5 Spur 


Kalkerde > - - 0,34 
Kali 3 a R Si 14,02 
Natron . F ; ; 1,25 

100,00. 


Es berechtigen diese Analysen zu der sehr wahrscheinlichen Ver- 
muthung, dass ein Orthoklas, der durchaus kein Natron enthält, in 
keinem der bekannten plutonischen Gesteinen zu finden seyn dürfte. 
Ebenso wird glaublich, dass der Albit einen geringen Antheil Kali, und 
der Leuzit neben Kali auch Natron enthalten. Kali und Natron treten 
sonach auf die entschiedenste Weise in die Reihe derjenigen isomor- 
phen Basen, welche sich in den kieselgesäuerten Mineral-Körpern nie- 
mals gänzlich abzustossen scheinen; denn Spuren des einen oder des 
andern Alkali konnten in den, dieser Meinung nicht günstigen Analysen 
eben so leicht übersehen werden, wie diess beim Adular vom St. Gott- 
hardt und beim Orthoklas von Baveno der Fall gewesen ist. — Der 
Vf. schliesst seine Arbeit mit folgender Tabelle, in welcher sämmtliche 
bis jetzt bekannte Glieder der Feldspath-Reihe mit dem Resultate ihrer 
Analyse in übersichtlicher Darstellung vereinigt sind. 


112 


Namen. 
ANIGBtLhit Ir » Se ern 
Iabandorz: 5-5 3.4 
Andesin . . .. ER 


Oligoklas (BERZELIVS) m 
Periklin (Gmen.n) . . . 

R von Pantellaria . 
KilsAlbıe 2. .%2% 
Albft (Rose) . % 


Ryakolith (Rose) . . . 
Glasiger oder Natron- Feld- 
krale u 9 nm 


Orthoklae 5 me. 4 


I. 


Spez. Gew. 


2,7630 
2,7140 
2,7328 
2,6680 
2,6410 


2,6223 
2,6140 


Ein-und-ein-gliedriges Krystall- System. 


35,49 
26,46 
24,28 
23,95 
18,93 
18,30 
17,29 
18,79 


0,57 
1,60 
1,58 
0,50 
0,48 
1,01 
0,82 


1 


8,93 
9,49 
5,77 
2,05 
0,15 
1,26 
2,09 


0,51 
0,41 


0,54 
0,22 
1,08 
1,20 
2,41 
2,53 
3,71 


0,68 
4,10 
6,53 
8,11 
9,98 
7,99 
5,62 
11,43 


I. Zwei-und ein-gliedriges Krystall- System. 


2,6180 


2,5970 


Epomoeo 


2,5756 
Adular 


2,5552 
baveno 


50,31 
66,73 
65,69 


« 


65,72 


29,44 
17,36 
17,97 
18,57 


0,28 


0 


Spur 


1,07 
1,23 
1,34 
0,34 


0,23 


1,20 
0 
0,10 


5,92 


8,27 


13,99 
14,0% 


10,56 
4,10 
1,01 
1,25 


Summe, 


nm 


Formel. 


. 
® 
. 
. 
. 
. 
. 
» 
. 


a 
“ 


Bir 
un 


nn 


Fr 
De 


® 
14 
[2 


nn 
= 
& 


+ HH 
04 


113 


B. Geologie und Geognosie. 


Pırıa hat Versuche über die Erscheinungen an den Fıu- 
marolen der Salfatare und des Agnano-See’s angestellt (V’Instit. 
1840, VIII, 237—288 und Ann. chim. phys. 1840, LXXIV, 331—336). 
Der von den Fumarolen aufsteigende Rauch entsteht durch Niederschlag 
von Wasser-Dampf, von fein vertheiltem Schwefel und wohl auch andern 
in Dampf-Form entwickelten Materien. Nähert man ihm einen bren= 
nenden Körper, so nimmt dieser Rauch zu, zumal wenn es in einem etwas 
geschlossenen Raumwe geschehen kann, und verbreitet sich in diesem 
ganzen Raume in weit höhrem Grade, als dass solches bloss der me- 
chanischen Wirkung der Wärme des brennenden Zunders u. dgl. zuge- 
schrieben werden könnte. — P. goss in einen Glas-Rezipienten eine 
Misckung aus Wasser, Eisen-Vitriol und Schwefelsäure und fügte an 
den Hals des Rezipienten einen tiefen Glas-Trichter an; das geschwefelte 
Wasserstoffgas stieg vou unten in diesen Trichter, mengte sich hier mit 
vieler atmosphärischen Luft, und wenn man nun einen breunenden Kör- 
per hineinsenkte, so entstund in dessen Nähe ein weisser Rauch, wie 
in den Fumarolen , der sich bald im ganzen Raume des Trichters ver- 
breitete. Um die gebildeten Stoffe näher kennen zu lernen, leitete der 
Vf. die Dämpfe in einen Kolben, worin ein grosses Stück brennender 
Kohle aufgehängt war; der Rauch füllte bald den ganzen Kolben aus, 
und nach vollendetem Versuch fand man im Innern des Gefässes viele 
schwefelige Säure , einige Spuren von Schwefel und viel Wasser in 
Tropfen-Form an den Wänden; die Elemente des geschwefelten Wasser- 
stoffgases verbinden sich also mit dem Sauerstoff der Luft, bilden Wasser 
und schwefelige Säure. Der Schwefel aber ist ein sekundäres Erzeug- 
niss durch die Reaktion des Wassers und der schwefeligen Säure auf 
noeh nicht zersetztes Schwefelwasserstoffgas, wie es (nebst Wasser) bei 
der Berührung dieser 3 Körper zu entstehen pflegt. Man hat also zweier- 
lei Wirkungen zu unterscheiden, die unmittelbar durch die Kohle zwi- 
scben dem Wasserstoff, dem Schwefel des Gases und dem Sauerstoff der 
Atmosphäre erregte, welche Wasser und schweflige Säure’ liefert, und 
die sekundäre Wirkung dieser ersten Erzeugnisse auf das noch unzer- 
setzte Gas, wodurch sich noch mehr Wasser und ein Niederschlag von 
Schwefel bildet. Daher besteht nächst dem glühenden Körper der Rauch 
aus Wasserdampf, und in grössrer Entfernung davon aus Wasserdampf 
und schr vertheiltem Schwefel, Ein rothglühender Glas-Stab an der 
Stelle der Kohle angewendet, gibt keine Reaktion zwischen den Ele- 
menten beider Gas-Arten. Metallisches Eisen dagegen und fast alle 
seine natürlichen Verbindungen : Eisen-Glimmer, 'Titan-Eisen, Eisen-Kies 
u. s. w., insbesondre (nach dem Ann. d. chim.) aber auch basaltische 
Lava verhalten sich wie die Kohle, Kupfer-Zink und Antimon erzeugen 
weder Wasser-Dampf noch schwefelige Säure, bedecken sich aber, wie 
das Eisen mit einer dünnen Schwefel-Lage und verhalten sich chemisch 

Jahrgang 1842. s 


“ 


114 

genommen ihm gleich. Die Erscheinung gehört daher in die Klasse der 
so zahlreichen chemischen Wirkungen dunklern Ursprungs, welche Ber- 
zeuıus neuerlich katalytische Kräfte genannt hat: Eisen und Kohle sind 
für das Gemenge aus Luft und schwefeliger Säure, was der Platin- 
Schwamm für jenes aus Sauerstoff- und Wasserstoff-Gas. 

Der Aufsatz in den Annales de chimie et de physique enthält noch 
eine Einleitung von Merronı, wornach dieser den jungen Pırıa auf die 
Bahn jener Untersuchungen geleitet hat. 


C. Hırımann: die Schöpfungs - Wunder der Unterwelt, 
interessante Schilderungen der berühmtesten Höhlen, Quellen, Erdbeben, 
Vulkane, Bergwerke, Versteinerungen u. a. Merkwürdigkeiten; II Bände 
(554 und. 639 SS. kl. 8°, Stuttgart 1841). Nach einer in den Heidel- 
berger Jahrbüchern der Literatur für 1842, S. 33—40 niedergelegten 
Kritik ist dieses Buch ein blosser Abdruck aus einem halben Dutzend 
andrer und zwar meistens ebenfalls populärer Lesebücher. Von seinen 
8 Abschnitten sind daselbst 5 grösstentheils mit den Quellen unmittelbar 
verglichen worden, und es hat sich ergeben, dass von den 755 Seiten, 
welche diese 5 Abschnitte in sich fassen, 55% wörtlich abgedruckt sind: 
435 (nebst 10—11 Tafeln) aus LeonHAarnp’s populärer Geologie, 60 aus 
Brum’s Lithurgik und 57 aus Mryer’s Paläologika, dass daher auch, 
obschon die Vergleichung im Einzelnen nicht weiter geführt ist, zwei- 
felsohne eben so genau sowohl die übrigen 200 Seiten dieser 5 Ab- 
schnitte aus BuckLannp, Horrmann, KArsTENn und ScHuRarTH, als die 
anderen 3 Kapitel aus v. Bucw’s Reisen in Italien u. s. w. kopirt seyu 
dürften. Und mit solcher Lüderlichkeit ist dieses Abdrucks-Geschäft be- 
trieben, dass auch nicht eine Sylbe in den Sätzen aus Hrrm. v. MEyer’s 
vor 9 Jabren gedruckten Paläologika geändert wurde, wo dieser erzählt 
„noch vor Abdruck dieses Bogens werde ich mit TUANBULL ÜUHRristie's 
Nachrichten aus Sizitien bekannt“, oder wo er von der neuen Hippopota- 
mus-Art in der Höhle bei Palermo sagt: „ich erlaubte mir sie nach ihrem 
EntdeckerHippopotamusPentlandizunennen“. Sohatauch Hr. HArr- 
MANN da, wo er LeonHarD’s Erzählung von Steinsalz im Karpathen- 
Sandstein aufnimmt, weil dieser sich auf Vorhergehendes beziehend nicht 
“ gerade in der Zeile, womit Hartmann anfangen wollte, die Formation 
genannt hat, diese‘ ungeheure Steinsalz-Ablagerung in den „Muschel- 
Kalkstein“ verlegt! Diess Pröbchen über Hrn. Hartmann statt mehrer! 


Wm. Rıcnaroson: Beobachtungen über die Lokalität des 
Hyracotheriums (@eol. Proceed. > Lond. a. Edinb, phil. Mag. u. 
Ann. 1840, XVII, 226). Im Jahr 1829 besuchte R. die Küsten-Strecke 
von Whitstable bis Hearne Bay, welche in sehr einförmiger Weise zu 


” 


115 


oberst aus Dammerde, dann aus einer 3—4‘ dicken Lage gelber Ziegel- 
Erde mit abgerundeten und eckigen Feuersteinen, Säugethier-Resten und 
Versteinerungen aus Sekundär-Schichten und darunter, die Haupt-Masse 
der Ufer-Wände bildend, aus dunkelbraunem London-Thon voil Septaria, 
Selenit, verkiestem Holz, Fisch-Wirbeln und -Zähnen, Nautilen u. a. See- 
Konchylien, Enkriniten- und Pentakriniten-Resten und Krustern bestund. 
Diese Küsten-Wände nun sind durch den Andrang des Meeres einer 
starken Veränderung der Form ausgesetzt. Gleichwohl fand R. im Herb- 
ste 1839 dieselbe geologische Struktur wieder, mit Ausnahme an der 
Stud-Hill genannten Stelle, wo der dunkelbraune London-Thon durch 
einen zäheren tief blauen Thon ersetzt erschien , welche ausser einigen 
Krinoiden-Resten auch nicht ein Seethier-Überbleibsel mehr enthielt, da- 
gegen eine solche Menge Landpflanzen-Reste darbot, dass die Trümmer 
kleiner in Eisenkies verwandelter Stämmchen in ganzen Boots-Ladungen 
zu ökonomischen Zwecken von den benachbarten Landleuten abgeholt 
wurden und sich der Vf. über 500 Zapfen u. a. Früchte und Fruchthüllen 
verschaften konnte. Sie trugen keine Spuren von mechanischer Beschä- 
digung durch Fortbewegung an sich. Dabei fand sich denn auch ein 
Rest von Hyracotherium, welchen R. Owen beschrieben hat. 


Ar. Broncntart: Aschen-Hegen auf einem See-Schiffe bei 
Sumatra (Bullet, geol. 1840; XI, 370—372). Der Baobab, Kapitän 
Av. Martın, war am 12. Jänner 1839 40 Stunden NNO. von Achem 
auf Sumatra bei starkem NO.-Winde. Um 4 Uhr hörte man eine De- 
tonation, welche man in: ersten Augenblicke einem Kononen-Schuss auf 
einem andern, 3 Stunden entfernten Schiffe zuschrieb; doch war er viel 
zu stark dazu, und es zeigte sich kein Rauch. Des Nachts um 13 Uhr 
und später fühlten der Kapitän u. a. Personen auf dem Verdecke sich 
das Gesicht belästigt und man überzeugte sich, dass von der Wind-Seite 
eine Menge feinen Staubes herangewehet wurde, durch welchen auch 
diese Seite des Schiifes bereits ganz weiss geworden war. Um 6 Uhr 
Morgens, bei gleichem Winde, war der Himmel olne Wolken, aber et- 
was nebelig, so dass man in die Sonne blicken konnte. Als 5 Tage später 
der Kapitän nach Buba Wee in 4° 57° N. Br. und 93° 10’ W. L. 
gelangte , sagten ihm die Malayen, dass am nämlichen Tage auch bei 
ihnen viele Asche gefallen war. Der Kapitän hatte etwas davon auf 
seinem Schiffe gesammelt, und diese Probe wurde Bronentarr’n zur Un- 
tersuchung zugestellt. Unter starker Lupe erschien sie grau, sehr fein, 
aus sehr geichen durchsichtigen oder durchscheinenden Körnclhen 
nebst einigen schwarzen und einigen kleineren glänzenden Theilchen 
bestehend. Maracutı fand bei chemischer Zerlegung : 

a) Glasige, durchscheinende, vor dem Löthrohr schmelzbare Ma- 


terie, welche man als Feldspath mit Natron- und Talkerde- 
BSR betrachten kann. u la om all sel ei 0,85 


S*# 


i16 


b) Schwarze undurehscheinende, unschmelzbare, gestaltlose und 

vom Magnete nicht anziehbare Materie, wohl eine Mischung 

aus Eisen- und Mangan-Oxyd 4 Hape Et v ! h 0.15 

Der Staub im Gavzen liess sich in ein schwarzes glänzendes Kügel- 
chen schmelzen. Chrom, Nickel und Schwefel bat man vergeblich ge- 
sucht, Diese Keunzeichen stimmen daher nicht mit denen eines atmeo- 
sphbärischen Staubes, noch ganz mit denen einer vulkanischen Asche 
überein. 

Le Pkrıeur hatte Bros@niart’s von einem ähnlichen Falle auf einem 
Schiffe in der Galum-Bai am Senegal erzählt, Mehre Stuuden lang war 
es in dem Grade von einer aus O. kommenden Staub-Wolke umbüllt, dass 
man nicht auf die Länge des Schiffes sehen konnte und beilegen musste. 
Und doch gibt es an der Küste keine thätigen Vulkane, und die Sand- 
Wüsten sind durch ausgedehnte Wald-Striche vom Meere getrennt, 


Bramston: beständig gefrorener Boden in N urd- Amerika 
(Geogr, Soc, Lond. > VInstit. 1841, IX, 120—121), Als einen solehen 
hatte man dem Vf. ein Strich Landes bezeichnet, welcher bei Martins Fall 
am Albany-Flusse , 30 Meilen oberhalb @loucester und 300° über dem 
Meeres-Spiegel, auf der Grenze des grossen Berkens der Jumes Bai in 
unermesslicher Erstreckung von altem Produktus-Kalkstein gebildet wird, 
worauf bin und wieder ein Thon mit Konchylien erloschener Arten liegt, 


A, Am 19. September 1839 beobachtete er an 3 ner 30° über 
dem Flusse, nach Ceısıvs : 


a h e 
in der Luft im Schatien 13°%89 13089 13089 
im Boden in 6° . N 9 16 11 ıi 9 16 
N Be SR 6 94 8 61 6 94 
) „ „ 22‘ 722 


B.C. Aw 28, und 30. September bei 1961 C. im Schatten ; die zweite 
Beobachtung 24° über dem Flusse, während derselben stieg die Tem- 
peratur der Luft im Schatten auf 8033 C., 


B, C. 

in 8° Tiefe 2 2068 in 10°' Tiefe } 1067 C. 

aim 273388 POT CEN a 

ru ; 5 28 REN 7 MER e PER So 

„36 556 BL 2 

„ 50° ” . 5 83 BEN ER - 4.37 3 

UT RER 3 611 rad ö Su 
„60 0 ö 26 „ 
DE er, 5339, 5 


D. Am 2. Dezember und rpäter fand man bei Silos zur Aufbewahrung 


„> 


117 


von Kartoffeln folgende Temperaturen, die erste in loser Erde der Silos, 
die folgenden in den Silos selbst, welche 5’—6’ mit Erde bedeckt, nach 
S. gerichtet und am Eingange mit Heu verwahrt waren. 

Luft-Temp. im Schatten in den Silos 


2. Dezember ; 0° C. . 5056 
31. er ; 3,33 
1. Februar ; — 16066 „ i 1 67 
Dahn, ; —. 111 „ RE AD 
28. März ; 4 7°22 , 3 33 
25. April k 1967 „ 5 3433 
1. Juni ; + 13033 „ 3 5 28 


E. Am 11, April grub man 6’ tief in gefrorenen Boden, ohne un- 
gefrorene Erde zu erreichen; ein in die ausgegrabene Erde gesenkter 
Thermometer zeigte 5° C., etwas weniger, als die umgebende Luft. Am 
14. Mai durchgrub man 100 Schritte davon eine 20° dicke Schichte gefrore- 
ner Frde und erreichte einen kiesig-sandigen Boden ohne Eis. Im Ok- 
tober 1836 vermochte ein Mann nicht eine Fichte auszugraben, weil ihre 
Wurzel noch in 24° Tiefe von Eis umgeben war. 

F. Eine frühere Beobachtung war schon am 2. und 3. Sept. 1835 ge- 
macht worden, wo man an der Mündung des Albany in 524° N, Br. und 
82° W. L., 30 Meilen von der obigen Stelle einen Brunnen grub, 15° 
tief durch zähen braunen aufgethauten Thon-Boden, 3° 7‘' durch gefro- 
renen Thon, 2’ durch Thon, der so hart war, dass man ihn meisseln 
musste u. Ss. w. 

Es gibt daher einen Land-Strich, dessen Boden im Sommer eine 
Strecke weit von oben herab aufthaut, wenn die Sonne darauf wirken 
kann, tiefer aber wenigstens sehr lange gefroren bleibt. Der Vf. glaubt, 
dass die Linie, womit das bleibende Eis im Boden anfängt, längs der 
Küste zieht zwischen Equan-river und Kap Henrietta-Muria, den Se- 
vern-River schneidet, nordwestlich läugs dem obern Mississippi geht 
und sich zwischen Smoky’s-River und Finlay’s fork den Rocky moun- 
tains nähert. Der Vf. möchte die Erscheinung herleiten von den Mas- 
sen schwimmenden Eises,, welche sich fast das ganze Jahr an der W.- 
Seite von Jumes Bai anlegen, i 


Hebung und Anschwemmung von Land im Dept. der untern 
Loire und der Vendde (Pharo de la Rochelle > Frorızr’s N. Notitz. 
1841, XVII, 327—32S). Das Wrack eines 1752 bei Verfolgung eines 
Französischen Fahrzeugs auf einer Sandbank gestrandeten Linienschiffs 
von 64 Kononen liegt jetzt mitten auf einer kultivirten Fläche, von wel- 
cher das Wasser seit jenem Jahre um mehr als 5 Meter senkrecht zu- 
rückgewichen ist, obschon sich dasselbe im Brester Haven in gleicher 
Höhe erhält. — Längs des ganzen SW.-Theiles des Departs. der unteren 
Loire bildet sich zum Theil wenigstens auch durch Anschwemmungen 


118 


fortwährend so viel neues Land, dass in den Jetzten 25 Jahren nur in 
der Flur von Bourg neuf mehr als 500 Hektaren kulturfähigen Landes 
da entstanden sind, wo früher (die See fluthete. Das nahe: uralte Städt- 
chen Poigny hatte sonst einen Haven, in welchem die Schiffe an in 
die Felsen eingelasseue und angeblich noch jetzt vorhandene Ringe be- 
festigt wurden. . Die Bouin-Insel war von Bourg-neuf durch eine Rhede 
getrennt, welche Etiez-du-Fresne gegenüber 2500 breit gewesen; jetzt 
aber nur noch ein 25—30M breiter, vom Flusse Faleron und einigen 
Bächen offen erhaltener Kanal ist. Zwischen Bourg-nenf und Bouin 
wurde sonst ein beträchtlicher Handel mit Salz nach Hollund getrieben; 
Schiffe von 100—130 Tonnen nahmen ihre Ladung bei Port-Rabund, 
welches jetzt ungefähr 3000® vom Meere liegt. Der Haven von St, Gilles 
versandet mehr und mehr. Die ganze Mitte der herrlichen Barre,, wel- 
che den Haven von Sables d’Olonne einst schloss, liegt jetzt trocken und 
wird bald nur noch durch die höchsten Fiuthen unter Wasser gesetzt 
werden, Der Haven von la Gachere hat sich erst vor Kurzem ganz 
geschlossen. Das Städtehen Oloune auf einem früher vom Meere um- 
flossenen Hügel ist jetzt von Sümpfen und Wiesen umgeben. — Einem 
‚gut beobachtenden Reisenden hat man 1823 zu Marrennes ein Üfer von 
Kalk-Felsen gezeigt, welches sich binnen einigen Jahren um ein Bedeu- 
tendes erhöhet habe, Auf der Insel Oleron machte man ihn auf eine 
Salz-Mine aufmerksam, an deren, einem Ende alle 25 Jahre ein 
neues Nivellement des Stollens nöthig werde; während an einer benach- 
barten Mühle das eine Giebel-Ende sich von Zeit zu Zeit von dem übri- 
gen (sebäude abtrenne und Gefahr und Kosten bereite. 


Duvan: Neocomien-Gebirge im Drume-Departement (Ann. 
sc. physic. nat. d’agric. et d’industr. de Lyon, II, 10 pp.). Im März 
1838 bereiste der Vf. genanntes Depart. mit Fourser. Sie verfolgten 
jenes Gebilde in Form einer Gebirgs-Kette, die von N, naclı S. durch 
ganz Dauphine zieht: hauptsächlich yon der Grande Chartreuse an deu 
Grenzen Savoyens nach dem Isere-Ufer bei Sapey, dann W.-wärts, wie- 
der S.-wärts, wo sie sich von der Isere durchsetzt bei St. Eyrere ein- 
senkt, sich gegen Sassenage wieder erhebt und durch ihre Fortsetzung die 
hohen Spitzen der Vehemonts bildet, unter welchen die Moucherolle 2288" 
Höhe hat. Diese Kette ist wesentlich neocomisch, und bildet fast die Gren- 
zen dieses Gebildes gegen die Alpen hin, während sich das Neocomien W.- 
wärts weiter in die Ebene erstreckt, jedoch in den Niederungen häufig 
durch die Molasse bedeckt wird, welche im Übrigen, gegen die gewöhn- 
liche Annahme, oft an den Aufrichtungen theilnimmt, welche ibre Unter- 
lagen erfahren haben. Das Neocomien besteht bier aus 2—3 Abtheilun-, 
gen, Die oberste geht fast überall zu 'Wage, besteht aus einem gelblich- 
weissen Kalke, der gewöhnlich hart, dieht, im Bruch muschelig, zuwei- 
len krystallinisch ist und Perten quinquecostatus, eine Pinnia [?], 


119 


eine grosse unbestimmbare Nerinea und Diceraten? enthält, wegen 
deren Gras diese Schichte Diceraten-Kalk genannt hat. Oft enthält sie 
bauwürdiges Eisen-Erz in Löchern. — Darunter liegt, an nur wenigen 
Stellen zu Tag gehend, ein dichter blauer Kalk mit vielen Belemni- 
ten, worunter B. dilatatus, mit Spatangus retusus, Terebra- 
tula ?biplicata acuta, 2 Pecten-Arten, einigen Polyparien und 
dem neuen Crioceratites Fournetii. Im Thale von Echevis sieht 
man diesen Kalk (oder doch einen ıhm sehr ähnlichen) nach unten zu 
wechsellagern mit etwas blättrigen Mergeln, beide in Schichten von 6’ 
—10'° Mächtigkeit, ohne Versteinerungen. Der gelbe und blaue Kalk. 
sind sehr trocken, die Mergel reich an Wasser, — Jener Kriozeratit 
(Taf. I) unterscheidet sich von Cr. Emericii bei gleicher Grösse bei- 
der (a'/3'*—4''6'! Durchmesser) — da sie nämlich beide seitlich zu- 
sammengedrückt und mit einfachen radialen Streifen versehen sind, zwi- 
schen welchen sich von Zeit zu Zeit etwas stärkere Rippen mit je drei 
Knoten einschalten, wovon einer auf der Seiten-Fläche, die 2 andern 
gegen die Rücken- und Bauch-Flächen hin stehen — dadurch, dass der 
zwischen den stärkeren Rippen eingeschaltene Streifen je 5—7 statt 
3—5 sind, dass die Bauch-Fläche glatt ist, während sich dort die Strei- 
fen sehr deutlich auch über sie fortsetzen, und dass dieselbe konvex statt 
konkav ist. Die Bemerkung Desuayzs’, dass bei den Crioceratiten 
jene Streifen an Zahl veränderlich und nach dem Alter in verschiedenem 
Grade deutlich seyen und dass das Alter auch auf die Form der Bauch- 
Fläche von grossem Einfluss seye, scheint dem Vf. doch keinen so gros- 
sen Spielraum für die Charaktere der Spezies zuzulassen, dass man seine 
neue Art noch mit jener vereinigen dürfte. 

Das Neocomien findet sich ausser in Neuchätel noch im Maas-Dept. 
bei Bar-le-Duc, in den Eisenerz-Gruben von Treveray bei Ligny (die 
Erze sind bier in der zweiten Schichte), an den Höhen von Suvonnieres 
im Perthois, im Haute-Marne-Departement (Vorrz) und bei Troyes im 
Aube-Departement (Cr. Murrer). 


C. Petrefakten-Kunde. 


G.zu Münster: Beiträge zur Petrefakten-Kunde, IV.Heft: 
Dr. Wissmanw’s und Gr. Münster’s Beiträge zur Geognosie und 
Petrefakten-Kunde des südöstlichen Tyrols, vorzüglieh der 
Sehichten von St. Cassian, unter Mitwirkung des Hrn. Dr. Braun 
(152 SS. und xvı lithogr. Tafeln, 4%), Bayreuth 1841. Diese Monogra- 
phie betrifft einen der interessantesten und wichtigsten Punkte, die wir 
kennen. Sie liefert uns, S. 1—21 „Wıssmanw’s geognostische Beschrei- 
bung des SO.-Tyrols und insbesondre der Schichten von St. Cassian, 
und S. 25—142 Gr. Münster’s spezielle Beschreibung und Abbildung 


120 


der Versteinerungen von St. Cassian, woruuter ein ansehnlicher Theil 
aus den Sammlungen von Dr. Wıssmann und von Professor Braus in 
Bayreuth stammen, woran sich S, 144—147 einige allgemeine Betrach- 
tungen, Ergebnisse und Vergleichungen knüpfen; — endlich S. 148—152 
eine Erklärung der Abbildungen“, 

Hr. Wıssmanu hat im Sommer 1840 die Alpen kbrdäie und sich 
St. Cassian hauptsächlich mit zum Ziele gewählt; Hr. Braun war 1839 
in dieser Gegend und hat manche Beobachtungen über mehre von erstem 
nicht besuchte Punkte den seinigen eingereihet. Da in dieser Gegend 
Gebirgs-Schichten vorkommen, die anderwärts noch kein Analogon ge- 
boten’ haben, so sieht sich Wıssm. genöthigt, einige neue Namen zu 
machen. | 
I. „Schichten von Seiss“ nennt der Vf. wiederholte Wechsel- 
lagerungen von grauen, auch bräunlichen oder grünlichen Mergeln, blau- 
grauen und schwarzen Kalksteinen, gelben dolomitischen Mergeln, rothen 
Schieferthonen und rothen Sandsteinen, welche oryktognostisch denen der 
Trias, zumal des Muschelkalkes und Keupers gleichen, gleiche Petre- 
fakten-Kerne (hauptsächlich Myacites Fassaensis W., dann auch 
Avicula Zeuschneri, Lyriodon und Posidonomya) führen und 
östlich von Seiss am Wege nach der Seisser Alp in einem hohen und 
breiten, schon durch v. Buch, ZeuscHner (Mineral. Zeitsehrift von 1829, 
401 ff.) und Reuss (Jahrb. 7840, 127 f., 148, 159 u. a.) bekannten Pro- 
file anstehen, und über welchen sich hier und deutlicher am Schlern 
noch Dolomit (II) hoch auflagert. So auch im Fassa-Thale, auf der 
Ampezzaner Alpen zu Botzen u. s. w.: doch durch die zahlreichsten und 
mächtigsten Verwerfungen in allen Höhen des Gebirges. Auf v. Bucn’s 
Karte von SO.-Tyrols sind jene Schichten mit V und VI bezeichnet und 
in ihrer weiteren Verbreitung angegeben. Der Vf. äussert sich nun noch 
über andre Äquivalente in weitrer Umgegend und namentlich im Salz- 
burgischen; er glaubt namentlich Lıcrr’s Schiefer von Werfen, Abtenau 
und Berchtesgaden”), letzte ebenfalls mit einem Myaciten (a. a. O. 
1832, 152) dabin rechnen zu dürfen. 

1I. Fassa-Dolomit, durch v. Buc# u. A. beschrieben, zuweilen mit 
Resten von Organismen, Stern-Korallen, Krinoiden-Stielen, mit Muschel- 
und Schnecken-Kernen, hin und wieder mit kenntlicher Schichtung, vom Vf. 
für ein gleichzeitiges Gebilde mit den Melaphyren erklärt, da man ihn 
nicht allein in diesen eingeschlossen finde, sondern W. auch Bruchstücke 


*) Jahrb. 1830, 169, 172; 1831, 76. Ref. hat hiebei nur zu bemerken, dass auch 
der graue, von Lıus ebenfalls dahin gerechnete Schiefer von Oettenberg in Berch- 
fesgaden (Jahrb. 1830, 178; 1832, 152), der aber nach Jahrb. 1830, 152 nur den‘ 
„Kalkstein der obern Gruppe“ (1830, 189 und 1832, 171) zwischen Oolithen und 
Hippuriten-Kalk liegend, unterteuft, Schlangen-artige Körper enthält «1830, 174; 
1832, 152, No. I), die ich später im Bonner Museum Lyeopodiolithen-ähnlich mit 
deutlichen Blättehen besetzt wieder erkannte in BERGER’s Unterlias-Sandstein von 
Bunz und Coburg „ und welche nach Goworuss’ mündlicher Versicherung auch in 
jenem von Weilheim in Württemberg vorkommen. wie schon im Jahrb. 1835, 511 
angenerkt ist. | Br. 


121 


der ersten im Dolomit gesehen habe; in diesen Sinne mögen unterirdi- 
sche Hitze, heisse Quellen und Dampf-Entwickelungen in dem Wasser, 
aus denen sich der Dolomit abgesetzt, allerdings an seiner Bildung An- 
theil haben. Er erhebt sich stets mit steilen Wänden und bleibt un- 
bedeckt. 

HI. Schichten von St. Cassian. In einem nach N. weit geöff- 
neten Berken, das, von 7000° hohen Dolomit-Bergen umgeben selbst nur 
2000°’—4500‘ Meeres-Höhe hat, in SN. 3 Stunden lang und inOW. 2 Stun- 
den breit ist, lässt sich die Gesteins-Beschaffenheit nur in einzeln vor- 
stehenden Felsen und in Wasser-Rissen erkennen, da die abhängige 
Oberfläche mit Weide und Wald bedeckt ist. In den Rissen aber er- 
kennt man fast nur Mergelthon mit einigen eingelagerten Kalk-Bänken, 
was ınan für eine ganz lokale Bildung halten muss, da es in den vor- 
handenen grossen Profilen von dem Glimmerschiefer und Feldstein- 
Porphyre an, worauf die Seisser-Schichten deutlich ruhen, bis zu den 
‚luftigen Spitzen des Fassa- Dolomites nirgends eine untergeordnete 
Stelle einnehmen kann. Die Lagerstätte der Petrefakte ist auf der Alp 
von St. Cassian, 13 Stunden von der Kirche entfernt: mehre ringsum 
isolirte und bis 200° hohe Wasser-Risse, in denen: vorherrschend grauer 
Mergel zu Tag geht, der selten Schieferthon-Struktur erlangt und hie 
und da einzelne oder einige 1’ dicke Kalk-Schichten aufnimmt, grau, 
oft mit rothbrauner Rinde voll oolithischer Körnchen, die selten ins In- 
nere dringen. Die Versteinerungen liegen im Kalkstein und im Thon, 
doch lösen sie sich aus diesem mit einer Reinheit aus, dass sie fast mit 
den Tertiär - Versteinerungen wetteifern können. Abdrücke und Stein- 
Kerne kommen fast gar nicht vor. Alle Arten, die man verschiedenen 
successiven Formationen zuzuschreiben versucht wäre, kommen durcheinan- 
der und durch die verschiedenen Schichten hin auf ursprünglicher Lager- 
stätte vor, wie sie gelebt haben : äusserst zahlreich an Individuen, manch- 
faltig und eigenthümlich an Formen, und mit wenigen Ausnahmen fremd 
den Arten, die man anderwärts findet: sie verhalten sich zu letzten, wie 
die Thier-Welt Neuhollands zur übrigen. — Dieses Gebilde hat der Vf, 
nur noch an einem zweiten Orte, 2 Stunden N. von St. Cassiun, in der 
Nähe der Heiligkreutz-Kirche gesehen, welche O. über St. Leonhard steht, 

IV. Schichten von Heiligkreutz: einige graue Kalkstein-Schich- 
ten auf dem rechten Gehänge des Abtei-Thales, etwa in der Mitte zwi- 
schen der Heüigkreutz-Kirche und St. Leonhard (Abtei) ganz isolirt zu 
Tage gehend. Sie enthalten viele Kalk-Konkrezionen und eine kleine An- 
zahl (8—9) von Petrefakten-Arten, Avicula, Unio, Nucula, Natieca, 
Spirorbis, welche so wenig als die vorigen über die Formation Auf- 
schluss gebeu, aber von den Samnlern oft unter die andern gemengt 
werden, daher sie der Vf. besonders aufzählt und beschreibt; dann 
Koprolithen. 

V. Sebichten von Wengen: liegen bei Wengen, ebenfalls an der 
Ö.-Seite des Adtei-Thales, meist schwärzliche und etwas schieferige 
Kalksteine von unebenem splittrigem Bruche, bituminösem Geruche wit 


122 


Petrefakten ganz erfüllt. Es sind 3 neue Halobia-, Posidonomya- 
und Avicula-Arten, Abdrücke eines Ammoniten und vorherrschende 
Pflanzen-Abdrücke, die mithin auch nicht zum Erkennen der Formation 
dienen. Der Vf. möchte sie mit III und 1V zusammen auf die Frenze 
zwischen I und II einordnen. 

Der Vf. schliesst mit dem Ausdrucke der Überzeugung, dass die Na- 
tur in den Alpen diejenigen Gesetze in der Ablagerung der verschiedenen 
Formations-Glieder und ihrer Petrefakte nicht befolgt hat, welchen man 
nach anderweitigen Beobachtungen eine zu grosse Allgemeinheit zuzu- 
schreiben pflegt“); er gebe aber die Hoffaung nicht auf, dass es endlich 
gelingen werde, die Gesetze der Lager-Folge und der Petrefakten-Füh- 
rung in den Alpen trotz der Schwierigkeiten der Untersuchung eben so 
gut zu erkennen, als sie in niedrigern Gegenden enthüllt sind. — Braun 
sagt in einer Note: er halte III, IV und V für Lokal-Erzeugnisse, wel- 
che aber sicher zu einem und demselben Gesteine gehören, das aus, 
mit allen Formationen von der ältesten Grauwacke bis zur Jura-Formation 
koutemporären Bildungen bestehe. 

In dem zweiten Haupt-Theile dieser Monographie finden wir nun 
noch die Beschreibung und Abbildung von nicht weniger als 79 Genera 
mit 422 Arten aus den Schichten III, welche also mit den von Wıssmann 
bestimmter benannten, beschriebenen und abgebildeten aus I, IV, V uud 
VI im Ganzen 433 Arten ausmachen. Jene ersten vertheilen sich auf 
folgende Weise: 


1. Polyparien . 14 Genera 53 Arten = 0,13 
II. Radiarien - 2 ss Te ii 
Ill. Anneliden ? 1 » Ar 
IV. Muscheln - 23 „ N 1) 
V. Schnecken i SE 191° „or 
VI. Cephalopoden . BR 33: 

vn. Fische . e RR. rs, N: 
VIII. Reptilien x 1 5 1... ea 
Im Ganzen . 79 Genera 422 Arten — 1,00 


Der Vf. gibt folgende Übersicht der St. Cassianer Arten, welche 
auch in andern Formationen vorkommen, nämlich in A Kohlenkalk und 
Zechstein, B in der Trias, C in Lias, D in Jura. 


*) Vgl. hingegen v. Münster im Jahrl. 1834, S. 1, die Eingaugs-Worte; dann meine 
Bemerkungen oben inı Jahrbuch 1842, S. 85, unter V. Br. 


Namen, Namen. 


Analog. 
dentisen, 
Identisch. 


“a .Cyathophyllum gracile Elan wlan rk A yienla anutiqua u A N  0>e 
„. * ‚Calamopora spongites . . #*.....%.h... #%.Nucenula elliptiea . . 2a, # 
MIERN A HIT OBaNAN ER SIE PU MERSENKT, eordatanı NE NE 
darin spinasas he en mubonalis hu 423 Ana 
En, hacıtlerase..e 1 ee En m euneatal (0... See 

.* ‚Enerinus liliiformis . -...*...2.1*. . .Emiarginula Goldfussii .......* 
*.. .Terebratula subacuta ......*..1..%*.Capulus neritoides. ... *......- 
RI, K Sennplecta. I, MER FR, HNatiea neritacean, ar 9. no 
een 5 MBlearısı contre Ri » plieistria aa Area 
PR ESeH. Ze S Blonoatar.. Knall sin Ken: » turbilina allen RT 
Kan “ aillataı 2 14 ee Natieellin Iyrataa „hy IR ER 
a 5 subeurvata . #......1 *....‚Tornatella subearinata .....*.. 
RT el subangusta’. . ra. SEE TVurbo'hybridus s. „2 20 mans 
rt SPUmer EOStratns. ii. Yon) SE Bil 75 „r Turzitella „anbearimata.. Zu 34 #35 
*...Peeten subdemissus .......*..] *.. .„Tetragonolepis obscurus ..*.... 
Zu kEue punetata., ad Kealrn,.Nothosattne un USER. 
. . *.Avicula ceratophaga. . .*...... 1590113) Am Ganzen. [121014 3 


Also von 422 Arten sind 389 ganz neu!, 20 mit in andern Forma- 
tionen vorkommenden Arten analog und nur. 13 ganz identisch. Von 
letzten beiden sind demnach: 


A im Kohlenkalk und Zechstein 7 identisch, 5 analog, 12 im Ganzen 


B in der Trias . 2 E 4 e. 6 = 10 „ „ 

Bm iası ... 4, ; - 4 N 7 MD) il, » 

D im Jura . . | - D 1 „ 2 ” 3 2) 2) 
16 20 36 


was 3 identische und 3 im Ganzen mehr als oben beträgt, weil 3 Arten 
in je 2 Formationen vorkommen. — Ausser diesen identischen Arten aber 
finden sich zu St. Cussian noch neue Generd, die man bisher »ur in 
gewissen einzelnen Formationen entdeckt hatte; so Cyathophyllum 
(wovon 4 Arten), Bellerophon (1 Art), Orthocera (3 Arten), Cyr- 
tocera (3 Arten) und Goniatites (13 Arten) fast nur in A u. a. äl- 
tern ‚Formationen; Ceratites (wovon 13 Arten) und Gyrolepis (1 
Art) nur nB; Ammonites (7 Arten) nur in C und D. Auch hatte man 
von Echiniden bisher nur Cidaris in ältern Formationen gefunden, wie 
deun alle 28! Arten von St. Cassian (wovon übrigens manche zu ver- 
einigen seyn werden) diesem Geschlechte angehören, während dagegen 
eine so grosse Menge meistens sehr zierlicher Schnecken (0,45 im Gan- 
zen) bisher nur in den jüngsten tertiären Gesteinen gefunden wor- 
den sind. 


Die Lithographie’n sind schön, zumal die 8 von JarwaRrT gezeichneten 
Tafeln. 


Über ein modernes Mammont gibt ein Ungenannter folgende 
Nachricht (in Philadelphia Presbyteriun, 1839, Jänner 12 > Sırrım. 
Am. Journ. of sc. > Bidl, univers. 1840, XXVIII, 419—420). Ein Bauer 


124 


der Grafschaft Gascunade [1?] im Missouri-Staate. 38° 20° N. Br. und 
92° ©. L. entdeckte beim Graben 5’ tief im Boden zuerst einen Teil 
des Thieres. Als der Vf. durch Hrn. Wasn davon Nachricht erhielt, be- 
gab er sich an Ort und Stelle in der Hoffnung, das ganze Skelett zu fin- 
den. Er liess eine viel grössere Grube eröffnen, und fand zuerst Damm- 
erde, dann Sand und blaulichen Thon, dann eine grosse Menge Fels- 
Bruchstücke von je 2—25 Pfund Gewicht, die absichtlich dahin transportirt 
und zusammengeworfen schienen, da man bis in 700’—800° Entfernung 
nicht die mindeste Spur von Steinen und Geschieben findet. Darunter 
eine lose Erdschichte, an deren Obeıfläche man den ersten Knochen von 
blauer Faıbe, eine gewöhnliche Indianer-Lanze und eine Axt entdeckte, 
verschieden von allen, welche der Vf. bis dahin gesehen hatte. Auf 
[unter?] dieser Erde lagen 6°°— 12‘ diek Asche, verkohltes Holz, kal- 
zinirte Knochen, Äste, Lauzen-Trümmer u. s. w.; das Feuer scheint am 
lebhaftesten gewesen zu seyn gegen den Kopf und Hals, weil dort diese 
Materien am dieksten lagen. Der Schädel war fast vollständig, aber 
so stark kalziniırt, dass er bei der geringsten Bewegung zu Staub zer- 
fiel; 2° davon fand man 2 lose und zerbrochene Zähne, nach dereu 
Trümner zu schliessen das Thier grösser, als ein bis jetzt beschriebenes 
Mammont gewesen seyn muss. Nach der Lage des Ganzen ist der Vf. 
zu glauben geneigt, dass das Thier mit dem Hinter-Theile in Schlamm 
versunken, dann auf die rechte Seite gefallen, so von den Indianern ent- 
deckt und getödtet worden sey. Der ganze rechte Vorderfuss und die 
Hinter füsse waren vortrefflich erhalten bis auf die kleinsten Knochen. 
Auch fand man zwischen Steinen und Asche ganze Fetzen einer mit 
Aschen-Lauge stark imprägnirten Haut, welche frisch gegerbtem Leder 
glich, und eine grosse Meyge Sehnen und Arterien, die scharf charak- 
terisirt, aber so zersetzt waren, dass man nur Hand-grosse Stücke in 
Weingeist aufbewahren konnte, — Mehr als 20 Personen könnten die 
Richtigkeit dieser Thatsachen bezeugen. 


H. v. Meyer: neue Gattungen fossiler Krebse aus Gebil- 
den vom Bunten Saudstein bis in die obere Kreide (Stuttgart 
1840, 4°, 28 SS., 4 Tafeln), > Isis 1840, 798. 

1) Pewphyx Sueurii, im Kalkstein von Friedrichshall. 


2) ie Albertii, im Muschelkalk, zu Horgen am Schwarzwald. 

3) Glyphea Regleyana in Kiesel-Nieren an der obern Saone. 

4) a Münsteri (rostrata) eben da. 

5) „ Dressierii dessgl. 

6) „ pustulosa, in Unterrogenstein bei Öhringen in Würt- 
temberg u. s. w. 

7) ” liasina aus Lias-Schiefer bei Menzingen. 

8) zrandis im Lias-Kalk zu Frittlingen bei Rottweil. 


9) Clytia ventrosa, aus Kiesel-Nieren der obern Saune und aus ee 
fordtlion von Rabenstein. 


125 


10) Clytia Mandelslohii aus Oxfordthon von Dettingen in Schwaben, 
auch zu Rabenstein. 
11) Prosopon tuberosum im Eisenrogenstein des Jura, zu Strassburg. 


12) m hebes in Mergel an der Mosel. 
13) »„.... simplex in Mergel des untern Coralrag bei Streitberg. 
14) us rostratum in Jurakalk bei Kelheim. 


Kock und Scamip: die Fährten-Abdrücke im Bunten Sand- 
stein bei Jena (Jena, 1841, 4°, 12 S. mit 4 Steindruck-Tafeln). Am 
Wege von Jena nach Kunitz fand Student FeLomann an den obern Schich- 
ten des Bunten Sandsteines Fährten-Reliefs, welche hier von K. und 
Sc#. beschrieben werden, indem erster den zoologischen, letzter den geo- 
gnostischen Theil der Schilderung liefert. Koch unterscheidet an diesen 
Sandstein-Platten folgende Arten von Relief-Formen : 

1) Eine Fährte, welche den Hessberger von Chirotherium voll- 
kommen entspricht und deren grössten Länge 10’ 10°’ ist. — 2) 8—10 
Fäbrten-Abdrücke von 3 Individuen (Tf. II und IV), welche wahrschein- 
lich der zweiten bei- Hessberg gefundenen Art entsprechen, ihre Länge 
beträgt 4°’—5’'. — 3) Viele dreizehige Fährten von 10°‘ Länge, deren 
Zehen ziemlich parallel verlaufen, wahrscheinlich eine neue Art. — 
4) Theils Hufeisen-förmige, theils ringförmige Wülste, welche etwas an 
die Pölziger Fährten erinnere , aber kleiner sind. — 5) Unregelmäsig 
gestaltete gestreifte Wülste, welche etwas den Rhizokorallien Zex- 
xer’s ähneln. K. glaubt, dass die deutlichen Fährten (1, 2 und 3) nicht 
von Säugethieren, sondern von Amphibien herrühren: die übrigen Ge- 
stalten 4 und 5 bleiben ganz ungedeutet. 


Verkauf 


einer sehr bedeutenden, oryktognostischen, geognostischen und 
petrefaktologischen Sammlung. 


Dieselbige enthält: 


Exemplare, 
1) Ausländische Mineralien nach Brum geordnet, ausgezeichnet 
durch sehr viele krystallisirte Exemplare, viele rohe und 
krystallisirte Edelsteine, mehre schöne Gold- und besonders 


Silber-Stufen . - N h 4772 
2) Mineralien aus Württemberg, Hack den nen ds ner 779 
3) Eine ganz vollständige Suite von Gebirgsarten aus Würt- 

temberg nach v. LEONHARD geordnet . x A 3143 
4) Einzelne geognostische Suiten daher, vorzüglich aus ei Fran 

und Oolith-Gruppe, nach der Formations-Schichten-Folge . 688 


5) Gebirgs-Arten des Auslandes nach von Leonurn geordnet 1834 


Exemplare 
6) Geognostische Länder-Suiten des Auslandes, und zwar: 
a. Aus Frankreich (Vogesen) Urgebirgs - Arten, vulkanische 


Gebilde, Flötzgebirgs-Arten u. s.f.. . .. IR: 159 
b. Böhmen, Ur- und Flötz- 1 : 3 . ; 3 205 
c. Mähren, dessgl. . B ’ . i 96 
d. Bergstrasse und Gegend um N reiselberg x ? s 11 
e. Schweitz — von St. Gotthardt, Graubündten , St. Gallen 
u. s. w. — und Flötz-Gebirgsarten, tertiäre Formationen 481 
f. Westliche Schweitzer-Alpen (von STUDER) . } . ; 100 
g. Aus England Ur- und Flötz-Gebirgsarten . .. 46 
h. Vom Cap der guten Hoffnung , Neuholland , Va Disk 
Land, Gebirgsarten und Mineralien . F ; ; i 116 
i. Vom Vesuv, ebenso . . WR : a ii 
k. Vom Rhön-Gebirge, Trapp- Fornhtipn E \ 27 
I. Pseudovulkanische Gebirgs-Arten, z. Th. aus Früukr dien, 57 
m.-Vom Kaiserstuhl Gebirgs-Arten 3 £ ' } } 30 
-n. Aus der Lahn-Gegend, Übergangs- Beine 2 . h 49 
o. Aus dem Rhein-Gau, dessgl. Ä E - N 118 
p. Aus dem Dillenburgischen dessgl. und Mictralien : 3 207 
q. Westphalen, Trias und Oolitb, kleines Format . : u 134 
r. Grossherzogthum Baden, Trias . { ‚ h } i 60 
s. Fürstenthum Erbach, dessgl. N : 3 l 3 Se 10 
t. Aus dem Breisgau, Oolith-Gruppe - } { 58 
u. Fürstenth. Fürstenberg, Gegend von Fran Hess 22 
v. Aus dem Herzogthum Coburg, Keuper und Lias u. s. f. 
klein Format . , i - h 46 
w. Aus dem Pariser Becken, Kreide- und Grobkalk-Formation, 
Süsswasser-Kalk. 5 ! - i 5 ner 9. 
x. Aus der Wetterau, Grobkalk u. s. f. i : ß i 55 
y. Münzenburg, Molasse . : h k 21 
z. Stein am Rhein, Molasse und Scabwansen. Kalk : ; 33 
‘ Zusammen 2464 
7) Petrefakten des Auslands und aus Württemberg . } i 2714 
7. 16,593 


Der grössere Theil der Fiemnlare ist 9OZoll und darüber, einzelne 
Länder-Suiten haben 4UZoll. 

Die Exemplare sind sehr gut erhalten von ganz frischem Bruch und 
alle charakteristisch ausgewählt, alle genau etiquettirt in Kapseln; un- 
ter den Württembergischen Gebirgs-Arten enthält der vierte Theil Pe- 
trefakte. Je 


Bestimmter Preis . i 6000 fl. Rhein. ° 


Das Mineralien-Comptoir in Heidelberg ist so gefällig, auf porto- 
freie Briefe weitere Auskunft zu ertheilen. 


Über 


einen neuen Fundort fossiler Kno- 
chen bei Oelsnitz im sächsischen 
 Voigtlande , 


Hrn. Hauptmann v. GUTBIER 
in Zwickau. 


Nehst zwei Beilagen 


von 


Herrn Apotheker Bıschorr. 


——_ 


Hiezu Tafel II, Fig. 6—10, und Tafel Ill. 


=—. 


Fl faudroit des volumes pour rupporter seulement tous les lieux, 
oi il se deterre journellement des os et des dents d’elephans. 
— CUVIER oss. foss. III, 371. 


Das Vorkommen fossiler Säugethier-Knochen im aufge- 
schwemmten Lande und in den Höhlen der Kalk-Gebirge 
gehört wohl zu den allgemeinsten Erscheinungen, die man 
schon in älterer Zeit kannte. Inzwischen schien das jetzige 
Königreich Sachsen arm an dergleichen Ablagerungen. Denn 
während das Diluvial-Land und die Kalk-Tuffe des preussi- 
schen Herzogthums Sachsen und der Thüringischen Länder 


von Elephanten-Gerippen, Hirsch-Geweihen u. 5, w. die 
Jahrgang 1842, 9 


128 


prächtigsten Exemplare lieferten, während besonders im 
Thale der weissen Elster, aufwärts von Pulitz (Köstrilz) #) 
in Reussischen, seit 1740 und über den Braunkohlen-Gruben 
bei Altenburg **) sehr werthvolle Knochen-Reste gefunden 
worden, kannte man zwar seit Fasrıcıus (1566) aus dem 
Kalk-Tuff von Robschütz***) gegrabenes Elfenbein, ferner 
nach FRrEIEsLEBEN einen Elephanten-Zahn aus dem Lerp- 
z’ger Stadt-Graben, aus dem Abraum der Kalk-Brüche von 
Zschochau unweit Ostrau einen Rhinozeros-Zahn nebst 
mehren Zähnen und Knochen-Stücken; ‘ferner werden ein- 
zelne Knochen. aus der Gegend von Schieritz 1751, von Sei- 
litz 1831 und von Zeisnilz erwähnt; Hr. Hofrath Reıcuen- 
BACH erkannte aus der Gegend von Zohmen Knochen von 
Zetazeen; von der Leripzeg-Dresdener Eisenbahn (dem Ein- 
schnitte bei Machern) soll Hr. Prof. Göprert ein Hirsch- 
Geweih aequirirt haben, und auf der Leipzig-Magdeburger 
Bahn-Strecke sollen neuerdings Elephanten-Zähne und 
- Knochen gefunden worden seyn. Alle diese Auffindungen 
erscheinen aber im Vergleich mit denen ausländischer Fund- 
Gruben doch sehr vereinzelt. | 

Da bot eine Gruppe Kalk-Brüche aus der Voigtländi- 
schen Grauwacke-Formation r) bei Ölsnilz seit 2-3 Jahren 
mit Lehm ausgefüllte Spalten, und in diesen einen Schatz 
von zum Theil wohlerhaltenen-Knochen und Zähnen dar, 
dass ich hoffen darf, die nähere Darstellung der geognosti- 
schen Verhältnisse und der bis jetzt gefundenen Thier-Reste 
werde einiges Interesse gewähren und zugleich die grosse 
Lücke ausfüllen, welche bisher hinsichtlich soicher Diluvial- 
Reste in Sachsen Statt fand. 


=) A Pölitz sur V’EIster un peu au dessous de Gera, Cvv. II, 1, #9. 
=) Mittheil. aus dem Osterlande, April 1837, S. 100. — Cuv. 1, 133. 
“"#) Pres de Rabschitz sur le chemin de Meissena Freyberg, Cuv.I, 133. 

'Nach FrBiesLegen Oryktogr. VII et VIII, S. 278: Stück von einem 
Einhorn. — Auf S. 277 und 278 desselben Werkes sind die fol- 
genden Fundorte bezeichnet. 
. 7) Die vorläufige Charakteristik letzter durch Hrn. Professor CarL 
Naumann s. im Jahrbuch 1841, 194 f, 


129 


Seit vergangenem Herbst wurde mir die Lokalität be- 
kannt, und seit dieser Zeit lässt der königliche Kreis-Direk- 
tor Freiherr. v. Künsssere Behufs einer in Zwickau ange- 
legten Kreis-Sammlung die Spalte ausbeuten. 

Die erwähnten Kalkstein-Brüche liegen 4 Stunde NW. 
der Stadt Ölsnitz nahe dem Dorfe Untermarxgrün am öst- 
lichen Hange einer flachen Kuppe, die von mehren zur El- 
ster führenden Schluchten begrenzt wird. Diese jetzige 
Oberfläche der Gegend gehört, bei ungefähr. 1250‘ Höhe 
über dem Meere, der mittlen Thal-Bildung an. Die Grau- 
wacke-Schiefer fallen einerseits vom westlichen Ausläufer 
des Erzgebirges, dem Plateau von Schöneck, andrerseits von 
dem Höhen-Zuge nördlich Zof ab und bildeten so eine weite 
Gebirgs-Wanne mit hügeligem Grunde, ehe das Elster-Thal 
bis auf sein jetziges Niveau von 1170 bei Ölsnitz eingewaschen 
war. Ein Schluss des alten Bassins mag erst eine Stunde 
unterhalb Ölsnilz bei Planschwilz Statt gefunden haben. 

Der lichtaschgraue dichte Übergangs-Kalkstein, in des- 
sen Nähe die Knochen vorkommen, hat ein sehr wechseln- 
des Fallen seiner mächtigen Bänke so, dass das Gestein in 
dem jetzt wichtigsten, nördlich gelegenen Neumann schen 
Bruche etwa 30° in W. einfällt, während in den Nachbar- 
Brüchen die Fall-Richtung oft um 45°, ja 90% umschlägt. 
Der erstgenannte Bruch ist von Osten her in Angriff ge- 
nommen worden, und man mag gleich von vorn herein auf 
die höchstens S’ breite, von O. nach W. streichende und 
mit Lehm ausgefüllte Höhlen-Spalte gestossen seyn, die 
sieh in ihrer dermalen bekannten Erstreekung von 30‘ bis 
auf 3° verengt und endlich im Dache schliesst. Seitwärts 
derselben ist zwar der Kalkstein manchfach ausgewaschen 
und scheint grössere Weitungen zu bilden *) ; eine besondre 


Veranlassung mag aber vorhanden gewesen seyn **), dass 


*) Tropfstein-Bildung in grösserem Maasstabe ist gar nicht vorhanden, 
höchstens bemerkt man Kalksinter-Tropfen, wie Hirsen - Körner. 
a Ein „Gang von ganz erdig-verwittertem Grünstein (Apbhanit?), der 
in der Richtung der geschlossenen Spalte mit grringer Mächtigkeit 


9* 
”. 


130 


ausser der Haupt-Richtung der erwähnten Kluft keine Kno- 
ehen deponirt werden konnten, obschon ein ähnlicher etwas 
eisenschüssiger und sehr zäher Lehm auch seitwärts vor- 
handen ist. Der erwähnte Lehm scheint die Knochen 
nur in einer 2’ mächtigen mittlen Lage zu führen ; über 
derselben ist er durch Tage-Wasser öfters aufgeweicht und 
durch Dammerde verunreinigt. Unter der Knochen - Lage 
nelımen ziemlich scharfkantige Kalkstein-Bruchstücke über- 
hand, welche aus dem Dache in frühester Zeit herabgefallen 
seyn mögen. 

Die thierischen Überreste scheinen zum grössten Theile 
ohne Fleiseh-Bedeckung in diese Spalte gelangt zu seyn, 
mögen aber doch mitunter noch durch die Sehnen us's. w. 
verbunden gewesen seyn; sonst würde man so viele, offen- 
bar nur einem Thiere gehörige kleinere Gebeine, so wie 
zwei Paan zusammengehörige Hirsch-Stangen nicht ganz nahe 
bei einander getroffen haben. Man findet aber dieses Kno- 
ehen-Haufwerk so zusammengeschoben, wie stärkere Holz- 
Stücke, schwächere Äste und Wurzeln bei jeder Überschwen- 
mung eines Gebirgs-Baches zwischen die Steine und Felsen 
am Ufer getrieben werden; denn wo der Spalten-Raum sich 
verengt oder wo grosse Fels-Blöcke vorragen, da trifft man 
das Meiste, die grössten Stücke an. ! 

Der Grad der Erhaltung der Knochen ist sehr. ver- 
schieden, und dazu hat wohl auch der Zustand beigetragen, 
in welchem sie ursprünglich eingeschlämmt wurden. Vor- 
zugsweise erscheinen die Zähne frisch, theils noch mit 
Crusta petrosa überzogen, das Email besonders an den 
Rutsch-Flächen glänzend; oft finden sich die meisten zu 
einer Kinnlade gehörigen Zähne beisammen, während die 
Kinnlade selbst zerstört ist. Eben so trifft man andere Kno- 
ehen fast ganz aufgelöst, dass sie oft sofort zerbrechen. 

Einzelne Zähne gaben während des Abreibens auf ei- 
nem Schleifsteine denselben brenzlichen Geruch von sich, 


aufsetzt, gab wohl die Veranlassung zur ersten Spaltung und dar- 
nach regulirte sich wahrscheinlich die Strömung, welche Kuo- 
chen absetzte. 


131 


wie ähnliche thierische Körper noch jetzt, wenn sie stark 
erhitzt werden, und hierdurch wurde wohl schon das. Noch- 
vorhandenseyn eines Theils der Knorpel-Substauz angedeu- 
tet, welche Hr. Apotheker Biscnorr in Zwickau bei einigen 
von ihm gefälligst untersuchten Knochen-Stücken und Zahn- 
Fragmenten nachwies*). 

Der ganze, seit vergangenem Herbst ausgebeutete, Raum 
dürfte 200 Kubik-Fuss nicht übersteigen. Eine grosse Menge 
der Knochen war, wie schon erwähnt, ganz zerstört; darum 
wird eine Herzählung der hauptsächlichsten der bis jetzt er- 
langten und meist gut erhaltenen Stücke einen Begriff von 
der grossen Masse thierischer Reste geben, die im kleinsten 
Raume die Erscheinungen von Kirkdale , Lünelvieil oder 
Mardolce wiederholen. Diese Reste sind, wie oben erwähnt, 
gegenwärtig in der Kreis-Sammlung zu Zwickau aufgestellt. 


1. Canıs spelaeus (Höhlenwolf) 


a. Eine rechte, zwei linke Unterkinnladen, deren Zähne 
einander vom Fangzahne bis zum letzten Backenzahne er- 
gänzen. 

b. Vom Vorderfusse der reehte und linke Oberarm. 

ec. Becken, Fragment der linken Hälfte, 

d. Vom rechten Hinterfusse : das Oberschenkel-Bein, 


das Fersen-Bein und der innere Metatarsier. 


2) Canis spelaeus minor (Höhlenfuchs) **). 


a. Beide Unterkinnladen verschiedener Individuen, mit 


fast vollständigen Zähnen. 


”) Ich theile die chemische Untersuchung des Hrn. Bısctorr in der 
Beilage mit, zumal das Jahrbuch für praktische Pharmazie u. s. w. 
(von der pharmazeutischen Gesellschaft der Pfalz, Kaiserslautern 
1840, in den Miszellen S. 222) Folgendes gibt: 

Knorpel-Substanz aus der Zahn- Masse eines Elephas 
primigenius, nach der Lösung des basisch-phosphorsauren Kalks 
in Salpetersäure als Rückstand erhalten, hat Dr. Winter darge- 
stellt. interessant ist, dass sich dieselbe Jahrtausende hindurch 
völlig gut. erhalten hat. 

“") Alles nach Bestimmungen des Hrn. Dr, Kaur. 


132 


 b. -Vom Vorderfusse ein rechter Oberarm. 

0 & Vom BHinterfusse: ein rechter Oberschenkel, ein 
rechter Unterschenkel: und ein 3. und 4. linker Metatarsier. 
3) ?Arctomys 
(oder ein diesem sehr ähnliches plumperes Thier) *). 


a. Oberschenkel. b. Oberarm. 


4) Lepus spelaeus”*). 
a. Linker Oberschenkel. b. Rechter Oberarm. 


5) Elephas. 


a. Spitze eines Stosszahns, 0” 122 lang, 07 025 am 
vorderu Ende und 0” 054 am Abbruche dick; übrigens 
fanden sich noch 0” 04 davon halb aufgelöst und boten die 
bei CuviEr erwähnten in einandersteckenden Kegel, wieder 
mit strahliger Textur des Elfenbeins dar. 

b. Eine einzelne Zahn-Platte (lame Cvv.): ich stelle 
dieselbe auf Taf. I, Fig. 6 dar zur Vergleichung mit der 
bei Cuvier abgebildeten des lebenden Elephanten. 

c. Zwei kleine Zahn-Keime mit 3—4 Zahn-Piatten, 
jedenfalls die ersten. Sie zeigen noch auf der hintern Seite 
Taf. 11, Fig. 7 a dieselbe Struktur wie die einzelne Platte, 
während von der Seite gesehen (Fg. 7 b) die Platten fast 
ganz mit Urusta petrosa (aa) überzogen und verbunden sind; 
PB bezeichnet das ‚Email, yy das Elfenbein, die Zahn-Masse. 

d. Zwei kleine obere Backenzähne in Fragmenten des 
Oberkiefers; die Kau-Flächen mit 6 angekauten Platten, 
02.06 lang, 0” 037 breit. 

e. Ein kleiner unterer Backenzahn der rechten Seite, 
die Kau-Fläche mit 7 angekauten Platten, 0" 055 lang, 0" 0275 
breit (Taf. 1, Fig. 8). — Letztgenannte 3 Zähne sind jeden- 
falls die zweiten, nach dem Alter. 


f. Ein linker Backenzahn, in einem Bruchstück des 


”) Alles nach Bestimmungen des Hrn. Dr. Kavp. 


135 


Unterkiefers; erster 0," 1215 lang, 0” 052 breit, mit 12 an- 
‚gekauten und 2noch unberührten Platten. Es wird der vierte 
nach dem Alter seyn. Somit wäre eine interessante Reihe 
für die Altersfolge der Zähne mit nur einmaliger Unter- 
‚brecehung erlangt *), denn, 

‚wenn Cuvier nach Corse beim so bieten unter den Ölsnilzer 


asiatischen Elephanten: Zähnen : 
am I. Zahn 4 Platten der 1. 3—4 Platten 
ey „aordh GE, 
„ Mm.2—13 %, soriklasig % 
N a zählt; .55.5chMadssle, au; 


Schon hieraus scheint hervorzugehen, dass diese Zähne 
-einer kleineren Spezies der Elephanten angehörten, nicht 
aber den grösseren Thieren, von welchen Cuvier pl. VI, 
fig. 3 einen Oberbackenzahn abbildet, der doppelt so gross ist als 
der oben unter f beschriebene. Letzter trifft in seinen Di- 
mensionen am meisten zusammen mit: dem Zahne, welchen 
Cuvier anführt mit den Worten: dent, d’une pelite machoire 
des environs de Cologne & 14 lames, Il usees, 0” 125 de long, 
0” 050 de large. Ich .habe daher Bedenken getragen, diese 
‚Zähne geradezu mit El. primigenius zu bezeichnen. 

g- Ferner fand sich im Sehutte alter Steinbruchs- 
Arbeit **) die linke Tibia, jedoch der obere und der untere 
Gelenkkopf fehlend, das Fragment etwa 0% 5 lang. | 

h. Knochen eines ganz jungen Elephanten (Dr. Kavr). 


6) Rhinozeros. 
a. Das Nasenbein; es ist auf 4 verkleinert Taf. II, 


*) Die Reihe erlangt einen noch wichtigeren Anfang durch das Kinn- 
Iaden-Fragment eines ganz jungen Elephanten wit Zahn, welches 
Hr. Dr. Kaup unter anderen ihm zugesendeten Knochen eut- 
‚deckt hat. | 

=") Ein Beweis, dass früher schon sehr werthvolle Reste mögen ge- 
funden worden seyn, aber gar nicht beachtet wurden. So er- 
wähnen die Arbeiter eines fast vollständigen Thier-Schädels, der 
vor einigen Jahren angetroffen worden, und dass es seit der Zeit 
immer „geröhrt“ habe, d. h. dass man immer Röhren oder Ge- 

. beine gefunden habe, 


134 


‚Fig. 9 dargestellt und zum Vergleich daneben in Fig. 10 das. 


von Rh. leptorhinus nach Cuvirr’s ossem. foss., Rhino- 
‚ceros pl. IX, fig. 7d. — In Fig. S ist x‘x die Kante des 
Nasenbeins an der Mittelnaht ; yy = 0" 05%); x' z — 0m 254. 

Die Auffindung dieses merkwürdigen Knochens dürfte 
nicht unwichtig seyn, weil eines Theils dadurch eine Spezies 
hervorgerufen wird, abweichend von Rh. tiehorhinus, 
wie von Rh. leptorhinus, während doch die nachfolgend 
aufgeführten Zähne unter sich nicht abweichen und auch 
keine Differenz zeigen von denen, welche Cvuvırr dem Eh. 
tichorhinus zuschreibt **). 


b. Beide Unterkiefer-Äste eines jungen Thiers, wovon 


der 2., 3. und 4. Milchzahn abgekaut, der 5. oder 1. Hinter- 
Backenzahn im Vortreten; mithin war das Thier in gleichem 
Zahn-Alter mit dem einjährigen Fohlen. Diese Kinnlade ist 
in der Sammlung mit A bezeichnet. 

ec. Beide Unterkiefer-Äste eines ältern Thiers. Grosse 
Schneidezähne sind nicht vorhanden gewesen, wohl aber die 
bei Cuvirr 11 mit b, b bezeichneten kleinen Zähne, deren 
‘Alveolen noch deutlich zu erkennen. 

Von den ersten vorderen Backenzähnen sind allerdings 
nur zerstörte Wurzeln vorhanden, die übrigen Backenzähne 
sind aber vollständig und in so schöner Position, als man 
nur für Erkennung des Zahn-Geschäfts hätte auswählen 
können. Der 2. und 3. sind schon Ersatz-Zähne; der 4. 
Milchzahn hat den Ersatz-Zahn schon unter sich, der 5. 
Backenzahn ist schon angekaut, der 6. aber noch nicht, und 


*) In der Lithographie sind y und y etwas verrückt worden; sie müss- 
ten einander gerade gegenüber stehen. D. Red. 
”*) Hr. Dr. Käup wird in seinen Akten jedenfalls Klarheit in diese 
Materie bringen, da ihm gegenwärtig die wichtigsten der oben be- 
schriebenen Knochen, Zähne u. s. w. zur wissenschaftlichen Be- 
nutzung vorliegen, v.©. 
Derselbe bemerkt in einem unmittelbaren Schreiben an die 
Redaktion, es bleibe noch zu untersuchen, ob die Rhinozeros-Art, 
welche alle obige Reste geliefert, Rh. tichorbinus, Rh. lep- 
torhinus oder Rb. Merckii seye; vielleicht rührten sie von der 
ersten und letzten her. D. Red. 


. 


135 


der 7%. ist noch als Keim und ohne Wurzeln in der Alveole, 
Das Thier hatte mithin noch nicht abgezahnt und noch nicht 
verglichen; es stand im Zahn-Alter des 4jährigen Pferdes. 
Dieser Unterkiefer ist in der Sammlung mit B bezeichnet. 

d. Zehn Backenzäkne des Unterkiefers, auf jeder Seite 
die 5 letzten. Das Tbier hatte zwar alle Milchzähne ge- 
wechselt, aber der 7. Backenzahn ist noch nicht angegriffen ; 
es war mithin älter als B und hat das Zeichen C. 

e. Neun Backenzähne des Unterkiefers, von rechts die 
5 letzten, von links die 4 letzten; sie sind sämmtlich abge- 
kaut und fest aneinander eingeschliffen. Das Thier muss 
weit älter gewesen seyn: es hatte verglichen. Die Zähne 
haben die Bezeichnung D erhalten *). 

f. Fünf Milch - Backenzähne des Oberkiefers, der 2. 
und 4, rechts, der 2., 3. und 4. links. Sie zeichnen sich 
durch niedrigere Schäfte, fast pyramidale Gestalt und breit 
auseinander greifende Wurzeln aus und sind schon abge- 
kaut; wegen ähnlichem Alter mit jenen des kleinen Unter- 
kiefers sind sie in der Sammlung mit A bezeichnet. 

&. Acht Backenzähne des Oberkiefers, auf jeder Seite 
die 4 letzten. Sie wurden mit vielen verweseten Kopf- 
Knochen im Raume eines Kubik-Fusses neben einander lie- 
gend gefunden. Der 4. Backenzahn jeder Seite war noch 
als Keim, ebenso der 6. kaum angegriffen, der 7. als Keim 
ohne Wurzeln. Das Thier stand im Alter dem B der Un- 
terkinnlade nahe und erhielt desshalb B. Hierbei ist noch 
interessant, dass der 7. Backenzahn der einen Seite ein Thal 
und einen Köcher (Krater) auf seiner Kau-Fläche zeigt, 
wie die Regel für den letzten solehes verlangt, der der ent- 
gegengesetzten Seite aber ein Thal und zwei Köcher, von 
weleher Abnormität Cuvier nichts anführt. 


”) Leider haben der 7. und 6. Backenzähn links durch Gyps-Abzüsse 
ersetzt werden müssen, da es uicht möglich war, solche vom der- 
maligen Besitzer zu acquiriren; andere an deren Stelle zu setzen 
ist aber schon darum unthunlich, weil in jedem Gebiss (in der 
Bedeutung der Zahn-Ärzte) die Zähne sich ‚eigenthümlich an ein- 
ander geschliffen und verschiedene Rutsch-Flächen gebildet haben. 


136 


h. Sieben Backenzähne des Oberkiefers, der 4., 5., 6. 
und 7. rechts, der 5., 6. und 7. links. Der 7. (letzte) ist 
hier schon in Arbeit; das Thier war älter als das vorige 
und erhielt die Bezeichnung C. Auch hier zeigt sich eine 
Abnormität und zwar beim 4. Zahne rechts, welcher nächst 
dem Thale und den normalen zwei Köchern noch einen 
dritten kleineren zwischen beiden führt. 4} 

i. Sechs Backenzähne des Oberkiefers, der 2., 5., 7. 
rechts, der 4., 6., 7. links, sämmtlich angekaut und der 
letzte fest angeschlossen; in gleichem Alter wie D des Unter- 
kiefers, daher in der Sammlung mit D bezeichnet. Auch hier 
in diesen vorzüglich schönen Zähnen des Oberkiefers zeigt 
ein 7. die Abweichung, dass er zwei Köcher führt ,- ob- 
gleich ihn sein übriger, weit mehr pyramidaler Bau und das 
Weitausgreifen der hinteren Wurzel deutlich als den letzten 
seiner Reihe charakterisirt. > | 

k. Drei linke Backenzähne des Oberkiefers, der 4., 5., 
6. eines sehr alten Thieres E *). | 

l. ‚Ausserdem wurde durch einzelne 2. und 3. Backen- 
zähne, so wie durch Keime aus allen Positionen die Zahl 
sämmtlicher gefundenen Zähne über 100 gebracht, von denen 
allerdings mehre der Sammlung nicht angehören, die aber 
eben nach ihren verschiedenen Stellungen “mindestens acht 
Nashorn-Individuen vermuthen lassen, deren Reste bis jetzt 
bei Ölsnitz gefunden wurden. 

m. Ein sehr schön erhaltener Atlas, fast übereinstim- 
mend mit der Abbildung Cuviers //, pl. vu, fg. 6, 7, S, 
jedoch die Platte d nicht so flach, sondern mehr gewölbt. 

n. Mindesteus 3 hierhergehörige Rücken-Wirbel. 

0.  Mehre Rippen-Fragmente, von denen das längste 
eine Knochen-Auftreibung zeigt, die durch Krankheit oder 
Bruch entstanden seyn mochte. ! 

p- Drei Fragmente von Schulterblättern. 

q. Vom Vorderfuss: der Vorderarm-Knochen der rech- 
ten Seite zerbrochen; — aus der Handwurzel das Haken- 


*) Die Zähue E sind an die Freiberger Akademie abgegeben worden. 


157 


Bein, os hamatum, uneiforme Cuv. von rechts und links; 
— aus der Mittelhand der äussere und mittle Metakarpier 
der reehten Seite, erster mit Knochen-Fortsatz, — und 
der innere und mittle Metakarpier der linken Seite, erster 
mit Knochen-Fortsatz. 

r. Vier Fragmente von Becken, an welchen besonders 
die Darmbeine ziemlich vollständig erhalten sind. 

s. Vom Hinterfuss: vom Unterschenkel - Knochen ein 
Fragment des untern Theils der rechten Seite; — aus 
der Fusswurzel der rechten Seite: das Fersenbein, das 
Sprungbein, das Kahnbein, das zweite Keilbein; — aus dem 
Mittelfusse: alle drei Metatarsier der rechten Seite und 
das Nagel-Glied der mitteln Zehe. 

Sämmtliche unter q und s aufgezählte Theile des Vor- 
der- und Hinter-Fusses passen genau zusammen; sie ge- 
hörten wahrscheinlich einem Individuum an und mögen wohl, 
wie Eingangs erwähnt wurde, noch durch die Bänder ge- 
halten, zusammen eingeschwemmt worden seyn. Vom Nas- 
horn sind daher nicht allein noch schönere Materialien zum 
Studium des Zahn-Geschäfts erlangt, als die vorigen vom 
Elephanten sind, sondern die Reste der vordern und hintern 
g, und das vorerst er- 


D 
wähnte Nasenbein gibt vielleicht Gelegenheit zu Bestimmung 


Extremitäten sind aueh von Bedeutun 


einer Spezies. 
7) Equus, Pferd. 
(Equus brevirostris Kaup, E. fossilis autt.*). 

a. Beide Unterkiefer- Äste mit dem Zahn- Werke .des 
einjährigen Fohlens, 3 Milchzähne, der erste Hinter-Backen- 
zahn im Vordringen; die Vorderzähne fehlen. 

b. Beide Unterkiefer-Äste mit den 12 Backenzähnen 
des Pferdes, welches abgezahnt und verglichen hat. 

ec. Ausserdem Unter- und Ober-Backenzähne in Gar- 


a. = 


nituren zusammenlegbar, dessgleichen Vorderzähne, Haken 
und Keime aus allen Positionen, im Ganzen über 100 Stück. 


*) Diese Art-Bestimmung ist uns von Hrn, Dr. Kaup brieflich unmit- 
telbar mwitgetheilt worden. D. Red. 


138 


d. Das Hinterhauptbein. 

e. Ein rechtes Schulterblatt. 

f. Vom Vorderfusse : beide Bug-Knochen, — der rechte 
Vorderarm, — dann der Mittelfuss (Schienbein), das Fessel- 
bein, das Hufbein und das Kronbein, von beiden Füssen in 
mehren Doubletten, — mehre Griffelbeine , eins mit nr 
Schienbein verwachsen. 

g. Mehre Becken-Fragmente. 

h. Vom Hinterfusse: Hüft-Knochen, Unterschenkel-Beine 
— und aus der Fusswurzel: das Fersenbein, das Sprung- 
bein, ein Schiffbein, Mittelfuss (Schienbein), Fesselbein, Kron- 
bein, Hufbein, meistens in mehren Exemplaren (z. B. S 
Sprungbeine) von beiden Füssen, so dass daraus Vorder- und 
Hinter-Füsse eines Thiers fast vollständig zusammengelegt 
werden konnten. 

Auch vom Pferde sind daher genügende Beleg-Stücke 
vorhanden um darzuthun, dass die Spezies wohl kaum von 


einem unsrer Pferde mittler Grösse abwich. 


8) Bos (priscus ?): 


a. Ein noch etwas problematisches Schädel-Stück mit 
dem Kerne eines Hornes. | 

b. Vier Zähne an einem Fragment des reehten Ober- 
kiefers, und zwar 2. Ersatz-Zahn, 3. Milch-Zahn, 4. und 5. 
Hinter- Backenzahn, letzter als Keim. Sie sind Taf. IH, 
Fig. 15 in 1 Maasstabe abgebildet, nehmen zusammen mit 
den Kronen eine Länge von 0=124 ein, welcher Raum um 
1 grösser ist, als der bei einem mir eben vorliegenden schwa- 
chen Individuum des jetzigen Rindes. Das Stück der äus- 
seren Knochen-Wand ist in Fig. 15 punktirt angedeutet uni 
weist durch seine Alveolen-Reste jedem Zahne seinen Platz 
an. Das Thier stund im kräftigsten Alter und hatte noch 
nicht abgezahnt. 

ce. Vier erste Zehen-Glieder, 2 innere und 2 äussere, 
kürzer als die des Hirsches im Verhältniss zur Dicke. 


139 


9) Cervus, Hirsch. 


a. Cervus primigenius Kaur (I) Fragment der 
linken Stange an der Hirnschaale festsitzend. 

b. Mehre Stangen einer kleinen Hirsch-Art, worunter 
ein Paar zusammengehöriger Geweihe von der Grösse, wie 
beim Reh, aber fast schaufelartig verbreitet, einstweilen mit 
11 bezeichnet, und Taf. II, Fe. 1, 2 und 6—11 abgebildet. 

Das besser erhaltene Geweih ist meist platt gedrückt, 
nur an den meisten oberen Abbrüchen geht diese Form durch 
die fast dreikantige, in eine der Walze genäherte über. 
Die Stangen sind senkrecht auf den Rosenstuhl und das 
Stirnbein aufgesetzt und von der 2. Sprosse an flach rück- 
wärts gebogen; hieran stehen die Enden wieder radial nach 
vorn und scheinen nicht sehr lang gewesen zu seyn. Die 
Augensprosse ist um die Stärke der Stange auswärts ge- 
wendet und zugleich stark abwärts geneigt. — Sämmtliche 
Geweihe sind äusserlich glatt, nur mit einzelnen sehr tiefen 
Furchen versehen ; die Rose ist mit länglichen und bei star- 


ken Exemplaren sehr hervortretenden Perlen besetzt. 


Vielleicht darf man das Schädel-Fragment, welches Taf. 
ill, Fig. 3, 4 und 5 in 1 Grösse von vorn, im Durchschnitt 
queer über die Rosenstühle und im Längen-Profil abgebildet 
ist, auf diese Hirsch-Art beziehen. ‚Dann ergibt sich die Form 
der Rosenstühle als elliptisch und deren Mitten um 0052 
von einander abstehend, während sie vom Punkte i um 0%065 
entfernt sind. Jedenfalls gehörte dieses F'ragment einem 
älteren Thiere an, als die nachfolgend beschriebenen Stangen. 
Die rechte und die linke Stange, mit Ausnahme, dass die 
rechte Augensprosse verkümmert ist, sind einander so voll- 
kommen gleich, dass deren Dimensionen nur einmal aufge- 


zeichnet zu werden brauchten *), 


“) Hr. Dr. Kaup theilte mir nach Ansicht meiner Beschreibungen und 
Zeichnungen folgende Notitz hierzu mit, ehe ich die auf S. 140 
beschriebenen Geweihe erhielt: 

„V. STERNBERG und Scuorrin haben in der Isis 1828, T£. VII, 


140 


Später wurden indessen noch einige andre schöne Stangen: 
A, BundC gefunden, welche Hr. Dr. Kaup nach Ansicht ihrer 
Skizzen sämmtlich für Alters-Verschiedenheiten von €. G uet- 
tardi erklärte, und die mir allerdings die grösste Ähnlich- 
keit mit den von Cuvier pl. vı, fig. 14—17 in 4 Grösse ab- 
gebildeten Fragmenten aus der Höhle von Eitampes zu haben 
scheinen. Von jenen Stangen zeigt die erste (wozu auch die 
linke fast eben so vollständig erhalten ist) unter dem grossen 
unteren Sprossen vorn und in einiger Höhe über erstem auch 
hinten je ein kleines Sprösschen, Eis-Spriesel, für welches 
an der grössern Stange B unten nur noch eine kleine An- 
deutung, oben nur eine Zuschärfung vorhanden ist. 

Diese Hirsch-Art dürfte dem Geweihe nach das.Reh nicht 
bedeutend an Grösse übertroffen haben. 


1829, Tf. I, und 7830, Tf. V ähnliche Geweihe abgebildet, die bei 
Köstritz gefunden wurden, 
„Isis 1828, Tf. VII, gleicht 'Tf. IN, Fg. 1 sogar in der An- 
deutung des Augensprossens und ist identisch mit diesen. Beide 
Geweihe sind Stangen, entweder von jungen Thieren, wie die hier 
gegebenen, welche ihre Jugend durch die hohen Rosenstühle an- 
zeigen, oder sind noch nicht völlig entwickelt, wie das in der Isis 
Tf. VII abgebildete. Da beim lebenden sehr häufig (? fast immer) 
der Augenspross der einen Seite verkümmert auftritt, so ist 
es mehr als wahrscheinlich, dass die Thiere mit einem Spross 
oberhalb der Rose nicht-verschieden von denen mit zwei Spros- 
sen sind. „Da die Isis von 7830 mir nicht zu Gebote steht, so 
kann ich über die Abbildungen daselbst nichts sagen. 
| „Nırsson bemerkt über das von Scuorrin in der Isis 1829, 
S. 416 und 417 besehriebene Geweih, dass dieses Tbier Cervus 
Sceanicus Cüv. sey und auch fossil bei Lund und Greifswald 
vorkomme. Es sey übrigens vom lebenden, dessen Rosenstock 
auch klein ist, nicht verschieden. Dagegen liesse sich jedoch 
einwenden, dass bei allen abgebildeten und denen, die sich in den 
Sammlungen zu Darmstadt, Mainz und Mannheim befinden, weder 
der Augen-Sprosse (wo er vorhanden) noch der folgende an der 
Spitze die vielfache Gabelung zeigt; es sind vielmehr beständig 
einfache Euden,, mit (?) Ausnahme von Cuvirr pl. VI, fg. 3 und 
(?) 10. 


141 


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342 


e. Zwei Fragmente vom rechten und linken Unter- 
kiefer eines Individuums (mit den Stangen A zusammenge- 
funden) mit je 3 Backenzähnen , welehe von denen eines 
Spiessers vom Edelhirsch nur durch grössere Abrundung 
der Seitenkanten zu unterscheiden sind; der 1., 2%, und 3. 
links nehmen zusammen eine Länge von 0" 05 in der Kinn- 
lade ein, der 2., 3., 4, rechts eine Länge von 0,054, beides 
genau wie bei dem zur Vergleichung vorliegenden Kiefer 
von €. elaphus. 

d. Drei obere Backenzähne verschiedener Hirsehe. 

a. Der erste links oben; abgebildet Taf. III, Fig. 14 
in natürlicher Grösse, 

Breite der äusseren Wand oben: 0,018. 

Stärke von aussen nach innen am Halskragen: 0,021. 

Höhe der äusseren Zahnwand am höchsten Grahte:: 0,022. 

Diese Dimensionen verhalten sich zu den gleiehnamigen 
beim Spiesser des Edelhirsches wie 5:4. Er unterscheidet 
sich besonders dadurch, dass beim Spiesser vom Edelhirsch 
die äussere Zahnwand von 2 scharfen Kanten seitlich be- 
grenzt wird, während sich diese Kanten bei dem beschrie- 
benen Zahne abrunden. Diess drückt auch die Zeiehnung 
richtig aus, dagegen ist nicht markirt, dass genau über dem 
mittlen Wulste der äusseren Wand deren höchster Graht 
steht; ferner ist der von der inneren Zahnwand in das 
Thal tretende Vorsprung von der Rinne der Hinterwand 
ausgehend sich zu denken, nicht aber dem Auge des Be- 
schauers links der Mitte. 

ß. Von einem andern Individuum der 2. oder 3. Zahn 
links oben, ein Keim. 

Breite der äusseren Wand oben —= 0,022. 

Stärke von aussen nach innen am Halskragen 0,027. 

Höhe der äusseren Zahnwand am höchsten Grahte 0,025. 

Die Zeichnung Taf. IU, Fig. 12 und 13, in natürlicher 
Grösse drückt hier richtig die Stellung der beiden Vor- 
sprünge gegen das Thal im Zahne aus; der Vorsprung an 
der innern Wand steht nicht so schräg nach hinten, als beim 


143 


Edelhirsch; der kleinere Vorsprung von der äusseren Wand 
ist bei letztem gar nicht vorhanden. Auffällig ist die 
schuppenartige Wucherung der Zahn-Masse an der hinteren 
‚Kante der äusseren Wand und der perlenartige Auswuchs 
von Erbsen-Grösse an der hinteren Kante der inneren Wand. 
Vielleicht wird hierdurch eine Spezies charakterisirt. 

y. Der 5. Backenzahn rechts oben, zerbrochen. 

e.. Ein Hinterhauptbein. 

f. Ein Schädel-Stück mit dem Stirnbein und beiden 
Rosenstühlen, welches S. 139 beschrieben worden. | 

g. Das linke Schulterblatt eines kleineren Hirsches *). 

h. Vom Vorderfusse: Bug-Knochen, — Vorderarmbein,— 
Mittelhand (Vorderlauf, Canon Cuv.), alle in verschiedener 
Grösse. 

'i. Rechte Becken-Hälfte eines kleinen Hirsches *). 

k. Vom Hinterfusse: Hüft-Knochen, Unterschenkel, 
Sprungbein und Mittelfuss, alle in verschiedener Grösse, 
unter andern ein Mittelfuss 0733 lang, von sehr starken 
Dimensionen **); — dann ein innres Zehen-Glied des rech- 
ten Hinterfusses eines kleinern Hirsches *), 

Es dürfte wohl sehr schwierig seyn, bei so vielen ähn- 
‚lichen Arten und nach dem Alter möglicherweise verschie- 
denen Individuen, die Knochen jeder Art richtig zu trennen. 


Hr. Dr. Kup hat sich ferner der Bestimmung einer 
Partie Knochen unterzogen, die vielleicht noch manches 
Merkwürdige bieten; einstweilen wären, wenn man auch 
nur 2 Hirsch-Arten als deutlich erkennbar annimmt, min- 
destens Reste von 10 Thieren nachgewiesen. — Dass Vogel- 
Knochen vorgekommen seyn sollen, ist wiederholt gegen 
mich erwähnt worden. Von Koprolithen wurde bis jetzt 


*) Nach Bestimmungen des Hru. Dr. Kavr. 

*) Hr. Dr. Kur gibt in einem direkten Briefe die Länge dieses Me- 
tatarsus auf 0M345 an und schreibt ihn dem C. mezgaceros zu; 
am Edinburger Exemplare hat derselbe 0m351 Länge. D. R. 


Jahrgang 1842. 10 


144 


noch keine Spur gefunden, und die wenigen Andeutungen 
von Benagung an ein paar Mittelhand-Knochen (Vorder- 
läufen) vom Hirsch scheinen auch nech nicht zu der An- 
nahme zu berechtigen, dass sämmtliche Knochen durch Raub- 
thiere in diese Höhle geschleppt worden wären. Vielmehr 
scheint Alles auf eine grössere Wasser-Bedeekung hinzu- 
weisen, die Busen-artig aus der Diluvial-Ebene Norddeutsch- 
lands zwischen die Schiefer- und Grauwacken -Höhen des 
Voigtlandes eintrat und bei der späteren Hebung dieser Ge- 
genden unter Andern auch das See-Becken von Ölsnitz zu- 
rückliess. Durch die noch spätere Einwaschung des tiefen 
Elister-Thales wurde auch jenes Bassin aufs Trockne ge- 
setzt, und nach viel-tausendjährigem Zwischenraume war es 
der Jetztwelt vorbehalten, in den Kalk-Höhlen und Wasser- 
Läufen der Urzeit die deutlichen Zeugen einer einst reichen 
Fauna, die zusammengesehwemmten Knochen der Bewohner 


jener Gegenden ans Licht zu ziehen. 


Beilage IM. 


Ueber fossile, halb-fossile und nicht fossile 
Knochen , 


r 


Versuche, welche bezweckten, einen Unterschied zwischen 
fossilen und nicht fossilen thierischen Überresten fest- 
zustellen und aufzufinden, 


von 


Herrn Apotheker Bıschorr 


in Zwickau. 


—_. 


Sämmtliche Kuochen wurden mit verdünnter Salzsäure behandelt, 
und dabei Folgendes beobachtet: 

1) Ein fossiles Rippen-Stück löste sich fast vollständig unter 
‘schwacher Kohlensäure-Entwickelung, bis auf einen geringen pulverigen 
Niederschlag auf, der aus basisch-phosphorsaurem Kalk, mit noch etwas 
Knorpel-Substanz inniger verbunden, bestand. Die Auflösung ging ziem- 
lich rasch von Statten, und die Flüssigkeit hatte eine auffallend dunkeli- 
gelbe Farbe angenommen, worin blausaures Kalı eine nicht geringe 
Menge von Eisen nachwies. 

2) Ein fossiles Elephanten-Stosszahn-Stück löste sich 
von allen anderen in der kürzesten Zeit binnen einer Stunde auf und 
hinterliess nur eine ganz geringe Menge eines erdartigen ganz frem- 
den Körpers. 

Unterbricht man die Biikirkang der Säure, sobald als sich die Gas- 
Entwickelung etwas vermindert hat und der Zahn-Rückstand durch- 
scheinend weiss geworden, indem man die Säure durch destillirtes Was- 
ser ersetzt, so erhält man die im fossilen Zustande noch vorhanden gr- 
wesene, mit einer sehr geringen Menge Knochen - Erde verbundene 
Knorpel-Substanz, welche ein Gallert-artiges Ansehen , aber noch 


*) Hervorgerufen durch einige Kuh-Zähne, welche die Arbeiter bei Oelsnitz aus 
Muthwillen wahrscheinlich vom Acker aufgelesen und unter die wirklich fossilen 
Zähne gemischt hatten. 


10* 


146 


einen ziemlich festen Zusammenhang besitzt und auch noch Struktur- 
Verhältnisse zeigt, von einer rein weissen Farbe. 

Durch die ihn umschliessende Knochen - Erde geschützt vermochte 
dieser organische Körper selbst Jahrhunderten zu widerstehen. In die- 
sem Zustande besitzt die Knorpel-Substanz folgende Eigenschaften: 

Sie. löst sich theilweise in kochendem Wasser, eben so in kausti- 
scher Kali-Lauge mit Zurücklassung von sehr wenig Fasern, und ganz 
vollständig in Salzsäure; die salzsaure Lösung des Zahnes war eben- 
‚falls stark gelb gefärbt, und durch Eisencyankalium zeigte sich sogleich 
ein starker Eisen-Gehalt. 

3) Ein Stück eines fossilen Rhinoceros-Zahns verhielt sich 
ganz ähnlich wie Nro. 2, der Elephanten-Zahn, nur mit dem Unter- 
schiede, dass ‚zur Auflösung einige Stunden erfordert wurden. 


4) Ein fossiles Kuh-Zahn-Stück ergab dieselben Resultate, 
wie Nro. 3. Die Flüssigkeit zeichnete sich gleichfalls durch eine auf- 
fallend gelbe Farbe und einen nicht unbeträchtlichen Eisen-Gehalt aus. 

5) Ein Kub-Zahn in der Erde aufgefunden verhielt sich ähn- 
lich, wie Nro. 4; die Farbe der Flüssigkeit war mehr braun-röthlich, und 
Eisen wurde nur sehr wenig darin angezeigt. 

6) Ein fraglich fossiles Kub-Zahn-Stück löste sich viel 
langsamer als die vorigen in Salzsäure auf, in etwa 10—12 Stunden; 
die rückständige Knorpel- Substanz war in beträchtlicherer Menge vor- 
handen, als bei den vorigen Versuchen ; die Flüssigkeit war nur ganz 
schwach gefärbt, und blausaures Kali zeigte nur eine Spur von Eisen 
darin an. 

7) Ein Stück Zahn einer frisch ausgeschlachteten Kuh ver- 
hielt sich ganz wie Nro. 6. Unter Zurücklassung der Knorpel-Substanz 
erfolgte die Lösung nach 12 Stunden; die Flüssigkeit sehr wenig ge- 
färbt, und kein oder fast kein Eisen anzeigend. 


Aus der verschiedenen Dauer der zur Lösung erforderlichen Zeit 
lässt sich direkt auf die mehr oder weniger feste Struktur dieser Kör- 
per schliessen und hieraus , obschon etwas gewagt, mit Wahrscheinlich- 
keit ein Alters-Vergleich ableiten. Demnach scheint der Elephanten-Zabn 
einer ältern Periode anzugehören , als der Rhinoceros-Zahn und dieser 
wiederum älter als die fossilen Kuh-Zähne zu seyn. Alle fossilen Kno- 
chen gaben eine stark gefärbte Lösung die stark Eisen-haltig war; die 
Lösung der nicht fossilen hingegen war nur sehr schwach gefärbt und 
die Gegenwart des Eisens kaum darin nachzuweisen. 


147 


Beilage I. 
Über 
Pr usta petr os au, 


von 


Herrn Apotheker Bischorr 


in Zwickau. 


Die Aussenseite fossiler Zähne einzelner vorweltlicher Thiere ist 
durch eine von denselben getrennte Scheide umgeben und geschützt, 
die jeder Erhabenheit und Vertiefung dieser Zähne folgt und auf dem 
Queerbruche eine krystallinisch - faserige Struktur, welche mit dem 
Schmelz der Zähne Ähnlichkeit hat, besitzt. Diese Scheide: wurde mit 
dem Namen Crusta petrosa belegt, und von mir damit folgende Ver- 
suche, behufs der Erforschung ihrer Bestandtheile, vorgenommen *). 

In einem Platin-Gefässe geglüht schwärzte sich diesel Substanz zu- 
erst und verbreitete einen animalisch-empyreumatischen Geruch. Durch 
fortgesetztes anhaltendes Glühen wurde die Masse wieder weiss ge- 
brannt. Auffallend war jedoch dabei eine stellenweise hervorgetretene 
blaue Farbe. Die geglühte Substanz löste sich unter schwachem Auf- 
brausen, mit Ausnahme einiger braunen zurückgebliebenen Flecken, 
vollständig in Salpetersäure auf. Im ungeglühten Zustande löste sich 
die sogenannte Crusta petrosa eben so vollständig in verdünnter Salz- 
säure , entwickelte dabei schwach Kobklensäure, und hinterliess bei ge- 
eigneter Unterbrechung der Säure-Einwirkung ihre Knorpel-Substanz in so 
reinem Zustande, dass sie getrocknet eine gelblichweisse, spröde, Horn- 
oder mehr noch Leim-artige Masse bildet, Diese erhaltene salzsaure 
Lösung gab durch Reagentien sofort die Gegenwart von Eisen, von 
Knochen-Erde und Knorpel zu erkennen. Zum Trocknen abgedampft 
schwärzt sich nämlich der Rückstand durch stärkeres Erhitzen, welche 
Färbung vollständig durch gesteigertes Rothglühen verschwand. Cyan- 


*) Es wurde die Crusta petrosa des Rhinoceros untersucht, welche in manchen Fäl. 
len eher das Ansehen eines fremdartigen Überzugs, als eines integrirenden Be- 
standtheils der Zähne hat, v. GuTB, 


148 


Eisen-Kalium bewirkte sogleich eine blaue Färbung, Schwefelsäure einen 
körnig-krystallinischen Niederschlag und Ammoniak einen gallertartigen 
weissen Niederschlag. Weder die sauer salpetersaure noch die basisch 
salzsaure Lösung wurden durch Schwefelwasserstoff verändert. Das 
Verhalten der Crusta petrosa zu den chemischen Reagentien ist demnach 
ganz identisch mit denjenigen der Zähne selbst. Sie enthält dieselben 
Bestandtheile, nämlich: 

Basisch-phosphorsaure Kalkerde, 

Kohlensaure Kalkerde, 

Eisen und 

Knorpel, wahrscheinlich aber auch etwas 

Flusssaure Kalkerde und 

Phosphorsaure Talkerde, welche aber wegen der ge- 
singen Menge verhandener Substanzen nicht nachgewiesen werden | 
konnten, Es ergibt sich aus diesen Versuchen, dass man diese Crusta 
petrosa als eine Zahn-Substanz anzusehen hat. Der Schmelz der Zähne 
besitzt viel weniger oder fast gar keine animalischen Theile; gefunden 
wurden: 


in den Fangzähnen in den Zähnen 
des Nilpferdes des Ochsen 
Organische Materie . i 0,251 - 0,280 
Phosphorsaure Kalkerde . 0,720 ‘ 0,640 
Kohlensaure Kalkerde . 0,029 : 0,080 


Über 
die Untersuchung fossiler Stämme 
holzartiger Gewächse, 


von 


Hirn. Professor UNGER 


in Grältz. 


m 


Es ist noch nicht lange, seitdem man angefangen hat, 
die fossilen Holz-Stämme auch in Bezug auf ihre anatomi- 
sche Struktur einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. 
Leider wurde dieselbe nur zu häufig durch den minder voll- 
kommenen Zustand von derlei Stämmen vereitelt; und wenn 
sich auch die Rinde derselben erhalten hatte, so zeigte sich 
das Innere meist zerstört, und umgekehrt war mit der Er- 
haltung des innern Holz-Theiles gewöhnlich die Vernichtung 
des äusseren Theiles verknüpft, so dass es vorzugsweise 
diesem Umstande beizumessen ist, wenn die Untersuchung 
fossiler Hölzer bisher den Gewinn für die Kenntniss vor- 
weltlicher Gewächse noch nicht gewährt hat, den man allen- 
falls erwartete, Indess ist nicht zu verkennen, dass dem- 
ungeachtet auf diesem Wege schon Vieles ‚geleistet worden, 
und dass die Auffindung mehrer ganz fremder Typen der 
Struktur, wozu sich keine Anolaga in der Vegetation der 
Jetztwelt finden und die offenbar gewisse verbindende Mittel- 
glieder darstellen, für die Anatomie der Gewächse von eben 


i50 


so grossem Belange ist, als sie der Petrefakten-Kunde zur 
sicheren Grundlage und wahren Erweiterung dient. 

Gewisse anatomische Verhältnisse, die wir an Stämmen 
und Stamm-Theilen von fossilen Pflanzen wahrnehmen, las- 
sen über die Bestimmung und Stellung derselben im Ge- 
wächs-Reiche keinen Zweifel; sie sind so ausgezeichnet, 
dass wir auf den ersten Blick die Familie, in mehren an- 
deren Fällen wenigstens die nächste Verwandtschaft mit ir- 
gend einer derselben zu bezeichnen im Stande sind, der 
sie angehören. Dahin sind z. B. zu zählen, die anatomischen 
Verhältnisse der Lepidodendren, der Farne, der Psa- 
ronien,derSigillarienundStigmarien,derKalamiten, 
der Palmen, ja selbst der Cycadeen und der Koniferen. 

Ganz anders verhält sich die Sache bei der grossen 
Abtheilung dikotyledonischer Gewächse, welche bei weitem die 
Mehrzahl der dermalen bekannten Pflanzen-Familien in sich 
fasst, — Familien, die sich in ihrem Blüthen- und Frucht- 
Bau zwar hinlänglich von einander unterscheiden, deren 
innerer Bau der Pflanzen-Achse jedoch nach den bisherigen 
Erfahrungen wenig auffallende Unterschiede darbietet. Und 
doch ergeht für den Paläontologen auch hier die Anforde- 
rung, nicht bei jener allgemeinen Bezeichnung stehen zu 
bleiben, sondern die Familie, ja wo möglich selbst die Gat- 
tung zu ergründen, welcher der fossile Stamm-Rest angehört 
haben mag. Ob nun eine so genaue Bestimmung für fossile 
Dikotyledonen-Hölzer überhaupt möglich, ob dieselbe nur 
approximativ und in welcher Art sie auszuführen sey, diess 
mag der Gegenstand nachfolgender Betrachtungen seyn, an 
welche ich mir das nähere Detail der auf diesem Wege 
bisher erlangten Kenntnisse anzuknüpfen erlaube. 

Wie bereits bemerkt, stehen die Akotyledonen, Mono- 
kotyledonen,, ja selbst die naektsaamigen Dikotyledonen von 
den übrigen Dikotyledonen bezüglich der Struktur des Stam- 
mes so weit ab, dass bei fossilen Gewächsen dieser Ab- 
theilungen, wo sich Stamm-Theile derselben in einem nur. 


einigermaasen erkennbaren Zustande erhalten haben, ‘die 


151 


Unterscheidung , welcher dieser Abtheilungen des Gewächs- 
Reiches sie angehören, keinen Schwierigkeiten unterliegt. 
Auf ungleich grössere Hindernisse stösst man hingegen, wenn 
es sich darum handelt, aus den Stücken eines fossilen Diko- 
tyledonen-Holzes auf die Gattung oder auch nur auf die 
Familie zu schliessen, der sie angehört haben mögen. Noch 
hat die vergleichende Pflanzen - Anatomie so wenige Fort- 
sehritte gemacht, dass man keineswegs auch nur von dem 
kleineren Theile der dikotyledonischen Pflanzen-Familien den 
anatomischen Charakter des Stammes anzugeben im Stande 
ist. Wie sollte man denn aus kleinen mangelhaften Trüm- 
mern des Holzkörpers einer fossilen Pflanze, von der man 
weiter nichts kennt, auf ihre Gesammt-Beschaffenheit und 
somit auf den ihr zukommenden Familien-Charakter schlies- 
sen können $ Man sieht hier leicht ein, dass, um in diesem 
Theile der Petrefakten-Kunde ins Reine zu kommen, die 
vergleichende Phytotomie die nöthigen Vorarbeiten erst ge- 
liefert haben muss. Doch würde diess jedenfalls zu lange dauern, 
wollte man dieses Feld der Petrefakten-Kunde indess brach 
liegen lassen und erst dann zu bearbeiten anfangen, wenn 
die vergleichende Anatomie jene gewünschten Fortschritte 
gemacht hat. Im Gegentheile scheint gerade die gemein- 
' same Bearbeitung beider für die eine Wissenschaft sowohl, 
wie für die andere am gedeihlichsten zu seyn, indem sie 
sich nothwendig gegenseitig fördern müssen, wenn anders 
die Methode, die man dabei wählt, die richtige ist. 

Meines Erachtens können wir uns unmöglich dabei be- 
gnügen, die fossilen Dikotyledonen-Hölzer bloss ihrer Struk- 
tur nach kennen zu‘ lernen, sie dieser gemäss zu gruppiren 
und nach willkührlich zusammengefassten Gattungs-Charakteren 
mit eigenen Gattungs-Namen u. s. w. zu bezeichnen. 

Wir würden dabei unstreitig nur ein künstlich erson- 
nenes Gebäude konstruiren, das mit dem natürlichen Bau- 
werke der vegetabilischen Schöpfung auf keine Weise zu- 
sammenstimmen würde , ja, zwischen welchen selbst nicht 
einmal eine Vergleichung möglich wäre, Eine solche Arbeit, 


152 


und wäre sie auch noch so mühsam, könnte sicherlich keinen 
Nutzen stiften; sie müsste vielmehr zu neuen Arbeiten auf- 
fordern , bis nämlich die Haupt-Aufgabe, d. i. die Zurück- 
führung solcher Formen auf bekannte Typen der Jetztwelt 
oder ihre Analogen erreicht ist. 

Es bleibt demnach für die Untersuchung der fraglichen 
Hölzer kein anderer Weg als der der Vergleichung übrig, 
und nur auf diesem Wege kann man erwarten, Einklang 
zwischen Vor und Jetzt zu bringen, d.i. diese fossilen Kör- 
per ihrem wahren organischen Werthe nach kennen zu 
lernen, 

Fassen wir nun die Erfordernisse einer glücklichen 
Enträthselang fossiler Hölzer überhaupt und namentlich der 
Dikotyledonen-Hölzer zusammen, so gehen sie offenbar 

a. auf eine möglichst deutliche Darstellung des Baues 
derselben; | 

b. auf eine Vergleichung dieser Struktur mit jener von 
jetzt lebenden holzartigen Gewächsen; | 

c. auf eine aus der theilweisen oder gänzlichen Über- 
einstimmung‘ beider abgeleitete Diagnose und Nomenklatur 
derselben. 

Zu diesem Zwecke zu gelangen sind indess oft lange, 
mitunter schwierige und zeitraubende Vorarbeiten erforder- 
lich, und namentlieh ist die für die mikroskopische Unter- 
suchung nöthige Präparation der fossilen Hölzer eine Arbeit, 
die am meisten Geduld erfordert. 

a. Ungeachtet ich mich mit diesem Gegenstande schon 
mehre Jahre mit grosser Vorliebe beschäftige, so ist es mir 
bisher doch noch nicht möglich geworden, von jedem fossi- 
len Holze für die mikroskopische Untersuchung geeignete 
Präparate anzufertigen, und wenn ich auch über manche 
in der Natur des Fossiles gelegene Hindernisse glücklich 
hinweggekommen bin, so habe ich doch andere bisher nicht 
überwinden können. 

Härte, Undurchsiehtigkeit, Durchdrungenseyn von fremd- 
artigen Substanzen u. s. w. bieten wenig Hindernisse dar; 


153 


dagegen Mürbheit, der Gehalt an Wasser, die Folgen gros- 
ser Quetschungen u. dgl., so dass eben dadurch die Stein- 
und Braun-Kohle viel schwieriger in Bezug auf ihre Struktur 
und wahrscheinliche Abkunft zu untersuchen ist, als ver- 
kieselte oder von Kalk durchdrungene Hölzer. 

Nur von sehr wenigen fossilen Hölzern können für eine 
- vollständige anatomische Untersuchung mit dem Hammer ge- 
schlagene Splitterehen genügen; in den bei weitem meisten 
Fällen ist man genöthiget eine umständlichere technische 
Behandlung einzuschlagen, wenn man seinen Zweck er- 
reichen will. | 

Vor längerer Zeit war es im Gebrauche, fossile Hölzer 
auf irgend einer beliebigen Fläche anzuschleifen und diese 
zu poliren. In den meisten Sammlungen finden sich der- 
gleich@n angeschliffene Hölzer; allein wenn diess auch in 
manchen Fällen, besonders wenn die Schnitt-Fläche den 
Stamm senkrecht traf, über das Gefüge desselben einigen 
Aufschluss gab, so war es dennoch weit entfernt, auf die 
‚gesammte Struktur derselben einen Schluss zu erlauben. 

Niıcor hat zuerst den glücklichen Versuch gemacht, so 
dünne Sehnitte von fossilen Hölzern anzufertigen, dass sie 
mittelst durchfallenden Lichtes unter dem Mikroskope unter- 
sucht werden konnten ; er begnügte sich übrigens nieht da- 
mit, bloss einen Hirn-Sehnitt zu liefern, sondern fügte seinen 
Präparaten namentlich von Koniferen und Dikotyledonen 
überdiess noch die zwei senkrecht auf einander geführten 
Längen-Schnitte bei, wodurch erst eine vollständige Kenntniss 
der Struktur derselben möglich wurde, Die Resultate die- 
ser Behandlung fossiler Hölzer hat sowohl er selbst als 
Wıruam veröffentlichet. 

Seitdem hat auch Ano. Pritcnarp*) dergleichen Prä- 
parate mit grosser Kunstfertigkeit ausgeführt, und da die- 
selben käuflich zu haben waren , so liess ich es mir ange- 
legen seyn, mir einen grossen Theil derselben zu verschaffen. 
Diese Präparate sollten mir als Muster dienen, um darnach 


”) Optieian (Fleet-Street, London), p. 162. 


154 


selbst welche zu verfertigen, was mir um so leichter schien, 
als ich theils in H. Wırsams Werk *), theils in Prırcuarp’s‘ 
Schriften”*) einiges Nähere über die Anfertigung solcher 
Präparate zu finden hoffte. 

Leider war diess nicht der Fall, und eben so wenig 
liess sich aus der Betrachtung der Präparate selbst etwas 
Sicheres über die Methode der Verfertigung entnehmen, so 
dass ich genöthiget war, den mühsamen Weg hundertfältiger 
Versuche selbst einzuschlagen. Jetzt, wo ich meinem Ziel, 
wenn ich es auch nicht ganz erreicht, doch ziemlich nahe 
gekommen zu seyn glaube, möchte eine kurze Mittheilung 
dessen, wie ich dazu gekommen, wenigstens für denjenigen, 
der sich mit den gleichen Studien beschäftiget, nicht unwill- 
kommen seyn. Die grösste Schwierigkeit macht das Her- 
unterschneiden von dünnen Schnittehen oder Scheibehen aus 
dem rohen Stücke des fossilen Holzes. Bei allen härteren 
Hölzern wird man ungeachtet des grösseren Zeitaufwandes 
doch noch eher zum Ziele gelangen, als bei ganz weichen 
und zerklüfteten, welche vorher durch eine Bindemasse, 
welche in die kleinsten Fugen und Klüfte eindringen muss, 
zusammenhbängender gemacht werden sollen. — Zuerst ist 
der horizontale oder Hirn-Schnitt auszuführen, der gewöhn- 
lich dureh die Richtung der hervorspringenden Fasern an- 
gedeutet wird. Ist man durch diesen über die Lage der 
Jahres-Ringe und der Markstrahlen unterrichtet worden, so 
macht man dann die der Rinde und den Markstrahlen pa- 
rallelen Schnitte. Die Grösse dieser Schnitte oder Scheib- 
ehen variirt und richtet sich im Allgemeinen nach der Grösse 
des fossilen Holz-Stückes, nach der Konservirung einzelner 
Stellen derselben und nach der Ausdehnung und Eieganz, 
die man überhaupt seinen Präparaten geben will; die an- 
fängliche Dieke der Scheibehen soll aber durch die Härte 


und Gleichförmigkeit des Fossiles bestimmt werden. Bei 


*”) The internal structure of fossil vegetables etc., Edinburgh 1833, 4°, 
”*) The microscopie cabinet, London , 1832, 8°, und A list of 2000. 
microscopie objects u. 8. w. 


155 


harten Hölzern ist die Dicke von 1 Millimeter hinlänglich, 
bei weicheren und mehr zerklüfteten Hölzern ist es ge- 
rathen sie etwas dicker zu schneiden, Übrigens werden 
alle Schnitte und Scheibehen mittelst eigener Schneidschei- 
ben, wie sie Steinschneider zu demselben Zwecke anwenden, 
‚im rohen Zustande verfertiget. Da selbst an den härtesten 
Holzsteinen die Ausführung des dem ersten Schnitte paral- 
lelen Schnitts und dadurch das Zustandebringen von dünnen 
Plättehen oder Scheibehen ohne weitere Vorbereitung miss- 
lingt, so ist es nothwendig nach Ebnung der ersten Schnitt- 
Fläche auf diese einen dickeren Glas- Streifen oder ein 
Schiefer-Plättehen aufzukitten. Als Kitt kann man sich hie- 
bei des Mastixes oder einer Composition von 4 Theilen 
weissen Wachses, 2 Theilen Mastix in Körnern und 1 Theil 
reinen Colophoniums, die man wohl vermengt zusammen- 
schmelzen lässt, bedienen, wobei nur zu bemerken, dass 
beide Theile, die man vereinigen will, vorher über einer 
schwachen Gluth warm gemacht werden müssen. Dieser 
zweite dem ersten paralleie Schnitt ist aber auch auf diese 
Weise noch immerhin schwer auszuführen. Steinschneider 
bringen ihn ohne Weiteres mit freier Hand zu Stande, Un- 
geübte werden ihn vergebens zu machen versuchen ; ihre 
‚Hand hat weder die nöthige Festigkeit, noch Kraft zu die- 
ser Operation. Um jedoch auch Solchen die Untersuchung 
fossiler Hölzer möglich zu machen, habe ich nach Angabe 
der HH. Professoren v. AscHAUER und SCHRÖTTER eine Art 
‚Support verfertigen lassen, in welchem das Fossil ein- 
gespannt und mittelst leichten Druckes stets in der- 
selben Richtung der in Umlauf gesetzten Schneidscheibe 
entgegengeschoben wird, bis dieselbe immer tiefer eingrei- 
fend nach und nach den Abschnitt vollführt. — Ist das 
Stück fossilen Holzes zu klein, um in den Support einge- 
spannt werden zu können, so wird dasselbe durch einen 
groben Kitt, bestehend aus 4 Theilen Colophonium, 3 Theilen 
Ziegel-Mehl und 1 Theil dickflüssigen Terpentins, an ein 


156 


Holz-Klötzchen von beliebiger Grösse angeheftet, und dann 
wie oben verfahren, 

Hat man sich auf diese Weise die drei wesentlichen 
Durchsehnitte des fossilen Holzes in Form dünner, auf Glas- 
oder Schiefer - Streifen befestigter Plättehen verschafft, so 
beginnt erst ihre fernere Zurichtung für das Mikroskop. 
Das Erste und Wichtigste, was nun zu geschehen hat, das 
ich aber leider zur Ersparung meiner darauf verwendeten 
Zeit zu spät erkannte, ist die völlige Ebnung der freien 
Fläche der erwähnten Plättehen, was nur mittelst vollkom- 
mener Plan-Scheiben aus Glocken-Metall oder Gusseisen dureh 
Reiben mit der freien Hand bewerkstelliget werden kann. 
Gewöhnliche Schleif-Scheiben, die vertikal gestellt durch 
ein Schwungrad in drehende Bewegung gesetzt werden, 
lassen, 'wenn sie auch anfänglich gut zugerichtet sind, mit 
dem längeren Gebrauche immer grössere Unebenheiten zu- 
rück, und können an dem daran geriebenen Steine nie eine 
vollkommen ebene Fläche zu Stande bringen; und doch ist 
diess eine unerlässliche Bedingung für das Gelingen eines 
Präparates. Sind nun auf gedachte Weise die Flächen eben 
gemacht, so werden sie mit feinem Schmirgel zuletzt abge- 
schliffen; es ist aber nicht nöthig, dass sie auch polirt wer- 
den. Endlich werden die so vorbereiteten und von dem 
anhängenden Schmirgel durch Bürsten gut gereinigten Plätt- 
chen von ihren Unterlagen abgenommen, was ganz leicht 
durch eine sachte Erwärmung derselben geschieht. 

Jetzt werden die vorerwähnten drei zusammengehöri- 
gen Plättehen mittelst des angegebenen Wachs-Kittes auf 
schmale, längere oder kürzere Streifen, von wenigstens 3 
Millimeter dickem Spiegel-Glase aufgetragen, und wird da- 
bei mit aller Sorgfalt verfahren, damit zwischen dem. Glase 
und dem Fossile keine grössere Ansammlung der Kitt-Masse 
oder irgend eines fremden Körpers zurückbleibt. Ein voll- 
kommenes Gelingen dieser Operation erfordert viele Übung, 
'und nur nacli vielen Versuchen lernt man 'manehe dabei 
vorkommende Hindernisse besiegen. Die Anwendung der 


157 


angegebenen Kitt-Masse ist hier von Wichtigkeit, denn we- 
der Mastix noch Canada-Balsam oder irgend ein anderes 
Binde-Mittel, wie z. B. Wasser-Glas, eine Auflösung von 
Schelllack u. a. m., entsprechen dem Zwecke und der fer- 
neren Behandlung des Präparates, und ich habe ausschliess- 
lich das Gelingen derselben erst der Anwendnung jenes zu- 
erstgenannten Kittes zuzuschreiben. Durch diesen Kitt wer- 
den, die Plättchen mit dem Glase so innig verbunden, dass 
jede fernere Behandlung sie nicht zu trennen vermag, aus- 
ser man beabsichtigt geradezu eine Trennung, welche seo- 
gleich durch ein leichtes Erwärmen des Glases erfolgt. 

Sind nunmehr die Plättehen auf dem Glas-Streifen kunst- 
gemäss aufgetragen, so werden sie zusammen auch auf der 
andern, jetzt freien Seite so lange auf einer durch ein 
Schwungrad in Bewegung gesetzten und vertikal-um ihre 
Achse sich drehenden Lauf-Scheibe abgeschliffen, bis sie 
dünn genug sind, um das Licht durchfallen zu lassen. Da 
dieses, wie alles andere Schleifen durch Anwendnung von ge- 
pulvertem und geschlämmtem Schmirgel in Ausführung gebracht 
wird, so geschieht es sehr leicht, dass mit zunehmender 
Dünne der aufgekitteten Plättchen die Ecken und Ränder 
der Glas-Streifen ebenfalls angeschliffen werden, oder zum 
Mindesten doch dort und da Ritze erhalten. Um diesem 
Übelstande vorzubeugen, ist es gut: 1) den Glas-Streifen 
selbst eine den aufgeklebten Plättehen angemessene Grösse 
zu ertheilen, d. i. die Ränder jener nicht über diese zu weit 
vorstehen zu lassen; 2) die Glas-Streifen in ihrer ganzen 
Ausdehnung mit jenem Kitte zu überziehen; 3) eine wo 
möglich nicht sehr ausgeschliffene und unebne Schleif-Scheibe 
zu gebrauchen, und endlich 4) nur einen ziemlich fein ge- 
schlämmten Schmirgel anzuwenden. Hat man diess Alles 
befolgt, so wird man in der Regel nieht Gefahr laufen mit 
dem Fossile auch die Folie desselben abzuschleifen. 

Die Frage, bis zu welcher Dünne man die Plättchen 
zuschleifen soll, erheischt jedenfalls eine Berücksichtigung 
der Natur des Fossiles. Sehr opake Hölzer müssen 


158 


"immerhin dünner gemacht werden, als transparente und 
durchsichtige. Ä 

Als Regel kann indess gelten, dass_die Blättehen so 
“dünn seyn müssen, bis eine darunter gelegte Schrift leser- 
‘lich wird. Es versteht sich aber von selbst, dass, falls 
“auch ein Schnittchen des Präparates eher durchscheinend 
“wird als’das andere, mit der Zuriehtung doch so lange fort- 
' gefahren werden muss, bis auch die übrigen Schnitte. diese 
'Eigenschafterlangen. Gewöhnlich zeigt sich der den Markstrah- 
‘len parallele Schnitt aus begreiflichen Gründen am längsten 
undurchsichtig und nöthigt daher auch die übrigen dazu gehöri- 
gen Plättehen bis zur Papier-Dünne und darunter abzu- 
‘schleifen. Das letzte Verdünnen kann eben so wenig als 
‘das frühere Planschleifen der Kehr- Seite auf der Lauf- 
“scheibe vollzogen: werden, sondern muss durch die Hand 
‘auf der horizontal-liegenden Planscheibe bewerkstelliget 
werden. Bei dieser Operation geschieht es zuweilen, dass 
“unter stärkerem Temperatur - Wechsel und sonstigen Um- 
"ständen der Kitt stellenweise nachlässt. Gewahrt man die- 
"ses, so ist es Zeit, das Schleifen sogleich zu unterbrechen, 
“wenn man nicht Gefahr laufen will, die Plättehen abgerissen 
‘und zertrümmert zu sehen. Ein sachtes Erwärmen des 
‘Glas - Streifens bis zur Flüssigmachung des Kittes bringt 
‘Alles wieder in Ordnung, ja trägt sogar zur stärkeren Be- 
"festigung desselben auf dem Glase bei. — Ist das Präparat 
mit feingeschlämmtem Schmirgel auf der Planscheibe zuletzt 
‘behandelt worden und hat das Verdünnen ein Ende, so 
“nimmt man den überflüssigen Kitt am Rande mit einem Mes- 
‘ser weg und schreitet zum Poliren, Dieses fordert grosse 
“Behutsamkeit, wenn nicht alle frühere Mühe umsonst an- 
gewendet seyn soll. Obgleich ich in diesem Punkte noch 
| keineswegs zur Meisterschaft gelangt bin, so glaube ich doch 
mein Verfahren anempfehlen zu können, weil es mich immer 
'zum Ziele führte. Ich polire mit feingeschlämmtem Trippel, 
‘womit ich einen angefeuchteten Tuch-Lappen mit ebener 


159 


Unterlage bestreiche, und auf welchem ich das Präparat mit 
der Hand in kreisender Bewegung, ohne stark zu (drücken, 
in. kleinen Unterbrechungen abreibe. Ein vollkommenes 
Troekenwerden des Tuch-Lappens ist wohl zu vermeiden, 
weil hiebei ein Erwärmen des Kittes und die Ablösung des 
‚einen oder des andern Blättehens ‚erfolgen würde. Ist auch 
diess geschehen, so werden die Ränder des Glases gehörig 
zugeschliffen; und das Pr 'äparat ist bis zur Reinigung vom 
"überflüssigen Kitte vollendet. Diess geschieht, indem man 
es vorerst im Wasser durch feine Bürsten abwäscht und 
endlich mit irgend einem fetten Öle vollkommen reiniget.. 
Aus den meisten Präparaten des Hrn. PrıTcHaßD. ist er- 
siehtlich, dass die Scheibehen auf irgend einer. andern Un- 
terlage in dieser Feinheit zugeschliffen und. polirt worden, 
bevor sie auf den Glas-Streifen aufgetragen werden, wo sie 
für immer verbleiben. Allerdings geht diess bei vielen fos- 
silen Hölzern an, die nicht bis zur grössten ‚Dünnheit zu- 
geschliffen werden. müssen und die überdiess durch keine 
Risse zerklüftet sind. Ist dieses aber, wie gewöhnlich, der 
Fall, so wird man besser thun, die ganze Verdünnung der 
Plättchen u. s. w. erst auf den Glas-Streifen selbst zu be- 
werksielligen. Bei weichen Hölzern thut man ‚sogar gut, 
über die Plättchen noeh einen gleichen Streifen sehr dün- 
nen Spiegel-Glases mittelst Canada-Balsam zu kleben, um 
sie nicht nur durchsichtiger zu machen, sondern engleich 
auch zu schützen. 
Auf diese Weise habe ich durch längere Zeit eine 
Menge derlei Präparate angefertigt, welche gegenwärtig die 
Zahl von ein paar Hunderten schon übersteigt., Es: ist na- 
türlich, dass diess mit vielen Zeit- Opfern verbunden war, 
die ich mir jetzt in den meisten Fällen dadurch erspare, 
dass ich die langwierigste Arbeit, das Anfertigen der rohen 
Plättcehen, einem Steinschneider überlasse , dem :ich bei je- 
dem Fossile die zu fertigenden Schnitte genau vorzeichne. 
Das Zurichten muss man jedoch immer selbst vornehmen, 
Jahrgang 1842. 'ıl 


160 


und diess’ist auch keine so Zeit-raubende Arbeit, wie man 
glauben könnte *). h 

b. Ich gehe nun zur "Erörterung des zweiten Punktes 
über, nämlich zur Vergleichung der Struktur fossiler Höl- 
zer mit jener von lebenden Pflanzen. Eine Darstellung des 


Bäues fossiler Hölzer, wenn sie auch noch so detaillirt wäre, 


würde dennoch gänzlich ünfruchtbar seyn, wenn dieselbe 
nieht in steter Beziehung zu den gegebenen Verhältnissen 
der Jetztwelt aufgefasst wäre. Vergleichung ist däher einnoth- 
wendiges Erfordeiniss, und es soll hier vorzugsweise davon 
die Rede seyn, äuf welche Art eine solche Vergleichung aus- 
geführt werden känn. Um überhaupt Vergleichungen der 
Art anstellen zu können, sind Sammlungen von Stämmen 
oder Stamm-Stücken baumartiger Gewächse, als von Far- 
nen, Palmen u. a. Monokotyledonen, von Cycadeen, 
Köniferen und Dikotyledonen eine wmerlässliche Be- 
dingung. Um indess solche Vergleichungen bei dem Mangel 
nöthiger anatomischer Vorarbeiten zweckmäsig anstellen zu 
können, hälte ich für erspriesslich, sich auch von diesen 
Präpärate anzufertigen, welche nebst dem Vortheile einer 
genaueren Einsicht in den innern Bau zugleich die Schnel- 
ligkeit des Überblickes und der Vergleichung gewähren. 
jahre in dieser Beziehung hat PriTcHärD ausgezeichnete Prä- 

pärate geliefert, die auf folgende Weise eingerichtet sind. 
Es sind Papier- dünn geschnittene Plättehen von 10—15 
Millimeter Länge und Breite, welche zwischen zwei am 
Rande durch Siebelläck zusämmengekittete dünne Spiegel- 
Gläser aufbewahrt werden. Je drei nach den wesentlichen 
Dimensionen gemächte Schnitte werden zusammen zwischen 
zwei Glas-Streifen gelegt und bilden einen für die mikroskopi- 
sche Untersuchung geeigneten Gegenstand. Hierbei erlangt 


*) Einige mir gütigst mitgetheilte Muster vom Vf. auf diese Weise 
zubereiteter Hölzer übertreffen an Deutlichkeit und Zierlichkeit Al- 
les, was ich in dieser Art bis jetzt gesehen. Schon das unbe- 
waflnete Auge unterscheidet organische Bestandtheile des Holzes 
deutlicher, als sonst bei schwacher*Vergrösserung. Br. 


161 


man freilich über die Struktur des Rinden-Körpers zunächst 
keinen Aufschluss; doch hat diess für obigen Zweck um so 
weniger zu bedeuten, da auch bei den fossilen Hölzern nur 
in den allerseltensten Fällen die Rinde mit dem Holz-Körper 
erhalten ist. 

Diese Schnittehen Baba durch eine eigene Maschine 
mit grosser Schnelligkeit verfertiget; nur ist erforderlich; 
dass deren Messer von ausgezeichneter Güte sind und stets 
sehr seharf erhalten werden. Ich halte es für überflüssig 
eine nähere Beschreibung dieser Maschine anzugeben und 
bemerke nur, dass ich zur grösseren ‚Deutlichkeit für 
die mikroskopische Untersuchung es geeignet finde, diese 
Schnittehen nicht trocken, wie diess PrırcuarD thut, einzu- 
legen, sondern den ganzen Zwischenraum zwischen den bei- 
den Gläsern mit Wasser zu füllen, die dabei stets dazwi- 
sehen gerathende und im. Gewebe der Hölzer selbst ent- 
haltene Luft aber mittelst einer Luft-Pumpe zu entfernen, 
Ist man nieht im Besitze einer Luft-Pumpe, so lässt sich 
eine weite Barometer-Röhre von 20 Millimeter Weite zu 
diesem Zwecke ebenfalls anwenden. Man lässt dann das 
fertige - Präparat , in dessen Rande von trocknem Sigellack 
man eine Öffnung macht, durch das Quecksilber in das Va- 
euum aufsteigen; in welches man vorher etwas Wasser ge- 
bracht hat. Nach Entfernung der Luft, die durch das 
Wasser ersetzt wird, verkittet man wieder die gemachte 
Öffnung. ©. 

Eine Sammlung von solchen Präparaten aus allen Fa- 
milien und Gattungen Holz-artiger Gewächse, besonders der 
Dikotyledonen, ist für die Vergleichung fossiler Hölzer un- 
erlässlich. 

e. Endlich den de Punkt betreffend, wie eine 
che Vergleiehung anzustellen, und auf welche Art für die 
Wissensehaft brauchbare Resultate gewonnen werden kön- 
nen, Slaube ich auf folgende Weise beantworten zu müssen, 

Es ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass bei einer 


Vergleichung von Gewächsen,, seyen sie in was immer für 
11* 


162 


einem Zustand, wo uns nur einige wenige Theile zu Ge- 
bote stehen, ganz genaue Resultate niemals erzielt werden 
können. Immerhin wird man sich begnügen müssen, appro- 
ximative Aufschlüsse zu erhalten. Diess ist aber auch bei 
Vergleichung lebender und fossiler Hölzer der Fall, und 
‚wenn man auch die Familie oder selbst die Gattung aus die- 
sen Merkmalen zu bestimmen im Stande seyn wird, so 
dürfte das jedenfalls nur für die Minderzahl der Gewächse 
gelten. Freilich kommen uns bei dieser Bestimmung die 
Beachtung mehrer anderer Umstände zu Gute, z. B. die 
einer Formation, oder einem und demselben Lager gleich- 
zeitig zukommenden übrigen Pflanzen-Reste, wie Blätter; 
Früchte u. dgl. Bei den Koniferen- und Dikotyledonen- 
Hölzern, die wir hier etwas näher betrachten wollen , sind 
‚überdiess eine grosse Menge von Verhältnissen zu berück- 
sichtigen, wodurch wir die Vergleichungen und Unter- 
'scheidungen bis ins kleinste Detail zu verfolgen im Stande sind. 

Auf die Bestimmung angewandt haben diese Merkmale 
einen verschiedenen diagnostischen Werth, der, obgleich im 
Allgemeinen sich gleich bleibend, dennoch durch den Cha- 
rakter der Familie häufig modifizirt wird. Mit ‚Ausnahme 
der Koniferen ist das Holz aller durch eine Vegetatio. peri- 
pherico-terminalis ausgezeichneten Gewächse aus einer Kom- 
-bination dreier Formen von Elementar-Theilen zusammen- 
gesetzt, nämlich der Gefässe, der Prosenchym- und der 
Parenehym - Zellen. Ihre Anordnung im Stamme tritt als 
Jahres-Lager, als Mark und Markstrahlen in die Erscheinung, 
und so wie diese in den verschiedenen Gewächsen auf die 
vielfachste Weise innerhalb gesetzlicher Grenzen abändert, 
sind auch die Elementar-Theile den manchfaltigsten Form- 
Verschiedenheiten unterworfen. Der nachstehende Über- 
blick über diese Verhältnisse mag das Gesagte bestätigen, 
zugleich aber auch einen Anhalts-Punkt für eine bisher 
noch nicht vorhandene Terminologie geben. 


163 


I. Die Jahres-Lagen des Holzes (strata ligni concentrica) sind 
a. Rücksichtlich ihres Vorbandenseyns oder Fehleus: 


1) deutliche (distinct4), wenn dieselben dem bewaffneten sowohl, 
‘als dem unbewaffneten Auge im Queerdurchschnitte des Stammes als 
deutliche Ringe erscheinen. Die meisten Holz-Arten der Jetztwelt und 
der Tertiär-Formation. 

2) undeutliche (minus conspicua), wenn die Abgrenzung zweier 
aufeinanderfolgender Lagen weniger deutlich hervortritt: Araucaria, 
'Thuyoxylum, Peuce Brauniana, P. Hoedliana. 

3) keine (nulla): das Holz wächst nicht absatzweise in Schichten, 
‚sondern gleichförwig an, Nur an fossilen Pflanzen: Pitus, Pivites. 

Der Holz-Körper bietet eine ununterbrochene Vereinigung von Ele- 
mentar-Theilen dar, und was uns als Abgrenzungen oder Lager erscheint, 
geht nur &us der verschiedenen Grösse, welche dieselben in gewissen 
Zeit-Räumen aunehmen, hervor. Mit jedem Aufschwunge der Vegetation, 
die sowohl durch Trockniss als durch Erniedrigung der Temperatur 
einen scheinbaren Stillstand erfährt, bilden sich an der ganzen Peri- 
pherie des Stammes die grössten Elementar-Theile, d. i. solche, welche 
das grösste Lumen haben, auf welche den Sommer über oder während 
der Vegetations-Zeit immer kleinere folgen, bis nach dem Stillstande im- 
mer wieder jene Schichten von Neuem anheben. 


b. Rücksichtlich ihrer Grösse: 

1) breite (lata): über 2’ breit; ® 

2) schmale (anguste): 1“'—2''' breit; und 

3) sehr schmale (angustissima): unter 1°’ breit. 
Es ist bekannt, dass die Breite der Jahres-Ringe an einer Pfianzen- 
Art nach Verschiedenheit der Individuen, nach ihrem Alter, — ferner, 
dass dieselben in einen und demselben Stamme, ja selbst in dem näm- 
lichen Jahres-Ringe sehr ungleich ist, und dass hierauf der Standort, 
der Boden, die Richtung nach der Welt-Gegend, die Bewurzelung, der 
Wechsel trockner und feuchter Jahre, so wie das Alter der Pflanzen 
einen regelmäsigen,, oft schr genau zu bemessenden Einfluss ausübt. 
Dessungeachtet ist nicht zu verkennen, dass die grössere oder geringere 
Breite der Jahres-Lagen oder Ringe von der spezifischen Beschaffenheit 
der Gewächse abhängt, und dass jede Art ein Breiten-Maas der Jahres- 
Ringe besitzt, über und unter welches ihre Produktivität nie hinausgeht. 


ec. Rücksichtlich der Verbreitung und Ausdehnung: 

1) gleichmäsige (aequabilia): nach allen Seiten beinahe gleichbreit. 

2) ungleichmäsige (inaequabilia): das: Gegentheil des Vorhergehen- 
den; z. B. Juuipuerus communis, J. Sabina, Tbuja u. s. w. Bei fos- 
silen Hölzern darf man die durch Quetschung ungleich gewordenen 
Schichten nicht damit verwechseln. 

3) unterbrochene (interrupta): anfänglich gleich- oder ungieich- 
mäsige Jahres-Lagen setzen sich im Alter nach aussen nur stellenweis® 
fort: Rosmarinus offieinalis. 


164 


ll. Das Mark oder der Mark-Körper (Medulla's. Corpus medul- 
lare), aus parenchymatischen Zellen bestehend, ist 


‘a. rücksichtlich der Zusammensetzung: 
1) gleichartig (pura): aus blossen, wenig von*einander verschie- 
denen Parenchym-Zellen bestehend. \ 
2) untermischt (mixta): von einzelnen zerstreuten Gefäss-Bündeln 
durchzogen, wie bei Echinocactus, Leptogonus, Echeveria grandiflora, 
Mirabilis, Oxybaphus, Plantago princeps, Amaranthus, is; dioica, 
Piper u. s. w. 


b. Rücksichtlich der Ausdehnung: ee 
1) sparsam (parca): die Breite des Markes verschwindet gegen die 
Ausdehnung des Holz-Körpers; — in den meisten Fällen. 


2) umfangsreich (larga): der Mark- Zylinder nimmt einen bedeu- 
'tenden Antheil an der Bildung des Stammes: Pinites medulläris. 


1lI. Die Markstrahlen (radii medullares): vertikal stehende, das 
Mark mit dem Rinden-Körper theilweise verbindende band-förmige, 
biconvexe Streifen parenchymatischer Zellen sind in allen Stämmen 
vorhanden und bilden vielerlei Formen, die wir unterscheiden 


a. Nach der Zusammensetzung in 

1) gleichartige (similares) aus einerlei Zellen zusammengesetzt. 

2) ungleichartige (dissimilares): aus verschiedenartigen Zellen und 
Behältern zusammengeseszt: Pinus abies, Larix Europaea u. S. w. 

3) einfachreihige (uniseriales): aus einer Reihe übereinander ste- 
hender Zellen bestehend: Cupressus, Tlıuja, Araucaria, Pinites, Peuce, 
Salix, Populus u. s. w. 

4) zweifachreihige (diseriales) : aus zwei unmittelbar verbundenen 
Reihen übereinanderstehender parenchymatischer Zellen zusammengesetzt. 
Einige Arten von Peuce. 

5) drei-, vier- und mehr-reihige (tri-multiseriales) aus drei und 
mehren Reihen zusammengesetzt: Pitus und die meisten Dikotyledonen. 
b. Nach der Ausdehnung ihrer Körperlichkeit: 

a. In die Höhe: 

1) hohe (curpore elonyato) ; 

2) niedere (corpore abbreviatoN. 

ß. In die Länge‘(in horizontaler Erstreckung) : 

1) kurze (breves); 

2) lange (extensi). 

». In die Breite: 

1) dicke (corpore crasso); 

2) dünne (corpore terui) ; 

3) sehr dünne (corpore tenuissimo). 

e. Nach der Gesammt: Grösse: 

1) grosse (magni) ; 

2) kleine (parvi). 


165 

d. Nach der Figur: 

1) rasch .abnehmend, linsenförmig (lenticulares) ; 

2) unvermerkt abnehmend, bandförmig (teniaeformes). 
e. Nach der Häufigkeit des Vorkommens: 

1) sehr genähert oder zahlreich (approximati) ; 
.. 2) weniger genähert (syarsı); 

3) entfernt stehend (wariures) ; 

4) sehr sparsame (rarissimi). 


f. Nach dem Erscheinen in einer und derselben Art: 
1)»einerlei Art (uniformes); 
2). zweierlei Art (biformes). 

IV. Die Holz-Zellen (cellulae ligni) sind meist gestreckte diekwan- 
dige Zellen, welche an der Zusammensetzung der Gefäss-Bündel 
und des aus demselben bestehenden ‚Holz-Körpers Theil nehmen. 
Es sind sowohl prosenchymatische, als parenchymatische Zellen. 

A. Die prosenchymatischen Holz-Zellen sind: 


a. Nach itrem Baue im Allgemeinen: 
1) ungetheilt (simplices) und stellen ununterbrochene, an den Enden 
spitz zulaufende Röhren dar: = 
wiEgj getheilt (septatae) , d. i. durch Queer-Wände in mehre über ein- 
‚anderstehende Zelien-Räume eöschjegen. 


b. Nach der Beschaffenheit der Zellen-Wände: 

1) ungetüpfelt (aeguabiles) : mit glatten Wänden; 

2) getüpfelt (porosae): die Wände mit Tüpfeln besetzt, wie bei 
Quercus; 

3) dünnwandig (leptolichae von Aerros und TeıXos), mit dünnen 
Wänden; 

4) dickwandig (pachytichae, Taxös TEeıX0s), mit diekeren Wänden 
versehen. | N 


c. Nach dem Lumen: 
1) enge (anyustae): die verdickten Gefäss - Wände ‚verengen das 
-Lumen sehr; 
2) weite (ampliores): das Lumen ist deutlich; 
.„3) sehr weite (amplissimae): das Lumen ist verhältnissmäsig sehr weit. 
d. Nach Länge oder vertikalen Ausdehnung: 
1) kurze (breves): bei Mohlites und mehren Leguminosae ; 
2) lange (longae): in den meisten Fällen, 
e, Nach der Häufigkeit. oder Anzahl: 
1) häufig (numerosae s. copivsae) :. AR ‚Holz besteht, fast, nur aus 
Beeuehroiatischen Zellen ; 
2) sparsam (rariores): ‚wenige Zellen. a. au.der. Bildung des 
. Holzes Antheil: Phegonium, Fagus. 


f. Nach der Vertbeilung : 


166 


1) gleichmäsig vertheilt (aeyquabiliter distributa): nach. der äusseren 
Greuze der Jahres-Ringe gleichmäsig an Zahl zunehmend; 

2) ungleichmäsig vertbeilt (aggregatae): il zusammen- 
gedrängt. { 4 


B. Die parenchymatischen Zellen (Cellulae ligni parenchymatosae) 
nehmen zuweilen keinen geringen Antheil an der Bildung des Hol- 
zes. Sie begleiten die Gefässe und sondern die einzelnen Gefäss- 
Bündel, ja selbst die Jahres-Lagen von einander, und sind daher 
entweder: 

a, Rücksichtlich ihres Vorkommens: | a a 
1) gar nicht vorbanden (nullae); oder 
2) sparsam (rariores): nur die Gefässe begleitend; oe 
3) häufig (frequentiores): unregelmäsig zwischen den Gefäss-Bün- 
deln des Holz- Körpers: Nyctagineae, Piperaceae. 
b. Rücksichtlich ihrer Struktur: 
° 1) dünnwandig (leptotichae); . 
2) diekwandig (pachytichae). 


V. Die Gefässe (vasa): weite, schlauchartige, gegliederte Elementar: 
Organe, die .allein oder in Verbindung mit Holz-Zellen das Holz 
bilden. Sie sind 

a. Ihrer Form nach: FE 
1) einfach getüpfelte Spiral-Gefässe (vasa porosa); 
2) gemischt gefüpfelte & ( „  taeniatoporosa); 

Die Tüpfeln sind hiebei: 

. gross (puri magai) ; 

. mittelmäsig (p. mediocres); 

. klein (p. parvi); 

. sehr klein (p. minimi) ; 

. dichtstehend und regelmäsig (p. conferti, spiraliter dispositi) ; 

. sparsam und unregelmäsig vertheilt (por: rariores irregulariter 

sparsi). R di 

b. Ihrer Gliederung nach: 

1) kurzgliederig (vasa drevi-articulata): Mohlites, Leguminosae; 
2) lauggliederig (v. Zunge-articulatu). 


NR en Bee) 


” 


c. Der Form der Zwischenwand nach: 
1) ohne Zwischenwände (dissepimentis obsoletis): die Zwischen- 
wände sind ganz resorbirt; 
2) mit treppenförmigen Zwischenwänden (d. scalariformibus) ; 
3) mit porösen Zwischenwänden (d. porosis). 
d. Der Stellung der Zwischenwände nach: 
1) mit horizontalen Zwischenwänden (d. horizontalibus) ; 
2) mit schiefstehenden Zwischenwänden (d. obliquis) und diess wieda 
a. nach den Seiten gekehrt (d. ad latera versis): 
ß. nach vorn und hinten gekehrt (d. antrorsum versis). 


167 


- e, Nach der Grösse: 
1) weite Gefässe (vasa ampla); 
2) enge Gefüsse (v. angusta); 
3) sehr enge Gefässe (0. unyustissima) ; 


f. Nach der Forın des Lumens: E 
1) rund (orbicularia); 
2) oval und elliptisch (elliptica) ; 
3) zusammengedrückt (cumpressa). 


g. der Häufigkeit nach: 
1) sehr häufige (v. copiossisima) ; 
2) häufige (copiosa); 
3) sparsame (rariora); 
4) sehr sparsame (rarissima). 


h. Der Vertheilung nach: 


1) gleichmäsig :vertheilt (aequabtliter ar: 

2) ungleichmäsig vertheilt oder gruppirt (dissita) ; 

3) vereinzelt (disjuncta); 

4) verschmolzen (coulita s. connata) , und zwar zu 2—8 Gefässen 
a (per paria, ternatim...... eonnata), die dann als Einheit 
zu betrachten sind. Solche verschmolzene Gefässe können übrigens so- 
‚wohl gleichmäsig als ungleichmäsig vertheilt vorkommen. 


a. in linienartiger Aneinanderreihung (in taeniam coalita) : 
ß. in massiger Anreihung (in fasciculum. coalita). 


i. Der Ausfüllung nach: 
. 1) leere (vasa vacua), in den meisten Fällen ; 

2) ausgefüllte (vasa ömpleta): durch Zellen ausgefüllt, wie z. B, 
bei Quereus, Broussonetia u. s. w. ; 


VI. Harz-Gänge (ductus resinosi) durchziehen nicht selten den 
Holz-Körper und gehören bei gewissen Pflanzen-Arten zu den regel- 
mäsigen, bei andern zu den unregelmäsigen Erscheinungen. Sie 
sind mehr oder weniger erweiterte, durch das Auseinanderweichen 
von Gefässen entstandene Gänge, die mit ätherischen Ölen, Bal- 
samen und Harz angefüllt sind. 

Sowohl bei jetzt lebenden Nadelhölzern (z. B. Pinus Laricio), 
als bei fossilen (z. B. Peuce resinosa) sind sie zu finden. Man 
unterscheidet: 

1) weite Harz-Gänge (umpli); | 
2) enge = (angusti; 
3) häufige (copios:) ; 

4) sparsame (ruriores). 


168 


Was nun die Bildung der Gattungs-Charaktere der fos- 
‚silen Hölzer und ihre Nomenklatur betrifft, so glaube ich, 
dass auch auf sie dieselben Regeln in Anwendung gebracht 
werden müssen, die man zur Bestimmung anderer fossiler 
Pflanzen-Theile, wie z. B. der Farnwedel, der Blätter, der 
Blüthen und Früchte u. s. w. festgestellt hat. 

Bleibt gegen die Identität einer fossilen Pflanze, sie mag 
in was immer für einem Theile erhalten seyn, mit irgend 
einer Gattung gegenwärtig existirender Gewächse kein Zwei- 
fel übrig, so kann sie nur als Glied derselben angesehen 
werden. Es ist begreiflich, dass zu einer solehen Unter- 
ordnung nicht bloss fossile Blumen, Früchte und Samen be- 
rechtigen, sondern auch Blätter und Stengel u. s. w, wenn 
sie sehr ausgezeichnet sind und ausschliesslich nur gewissen 
Gattungen zukommen. So wird man allerdings ein Recht 
haben, mehre Zapfen geradezu der Gattung Pinus zuzu- 
schreiben, aber auch Samen die so ausgezeichnet sind, ja 
selbst Zweige mit Nadeln. Blätter, wie sie bei Acer, Po- 
pulus, :Ulmus, Carpinus u. s. w. vorkommen, können der 
eigenthümlichen Form wegen gleichfalls als Reste von Pflan- 
zen-Arten angesehen werden, die jenen Gattungen angehören, 
besonders wenn damit zugleich entsprechende Früchte vor- 
kommen. Dasselbe gilt auch von den Früchten und Saamen, 
welche hinreichend unterscheidende Gattungs- Merkmale an 
sich tragen, wie z. B. die Gattungen Cocos, Juglans, Acer, 
Liquidambar, Ulmus u. s. w. In Benützung dieser Kenn- 
‚zeichen ist jedoch die grösste Behutsamkeit. anzuwenden, 
-und überhaupt ist die Unterbringung fossiler Pflanzen unter 
gegenwärtig existirende Formen nur dann zulässig, wo die 
‚Gattungs-Charaktere in den Fossilien ganz bestimmt hervor- 
treten, was immerhin selten der Fall ist. 

Viel häufiger dagegen lässt sich wohl eine Überein- 
stimmung fossiler Pflanzen- Theile mit den analogen Pflan- 
zen der Gegenwart in nur ausserwesentlichen Theilen dar- 
thun, woraus aber noch keineswegs eine Gleichheit der 


169 


‚Gattungen gefolgert werden kann. Dieser Fall tritt bei 
‚Blumen, bei Infloreszenzen, bei Stämmen und Zweigen und 
‘allerlei blattartigen Organen ein. Hier pflegt man .die 
‚Verwandtschaft des Fossiles mit irgend einer ‚lebenden 
Pilanzen-Gattung am besten dadurch zu bezeichnen, dass 
man dem Gattungs- Namen einen Ausgang auf „ites“ gibt, 
'wie z.B. Betulites, Alnites, Cupressites, Aspidites u. s. w. 
‚Nur solche fossile Pflanzen, die mit lebenden wenig 
-oder: gar keine ‚Verwandtschaft verrathen, ‚werden mit be- 
liebigen, jedoch immer nach den allgemeinen : Regeln der 
Nomenklatur gebildeten Namen belegt. Es versteht sich, 
-dass die Charaktere der Gattungen hiebei ganz willkührlich 
‚umgrenzt werden ‚können, und dass man sich häufig be- 
'gnügen muss, solche fossile Gattungen nur den allgemeineren 
‚Abtheilungen des Pilanzen-Reiches, i ı seltenen Fällen .der 
Ordnung oder der Familie lebender ee N 

‘Ganz dieselben Grundsätze hat man nun: meines Er- 
-achtens auch bei der Nomenklatur und: Klassifikation fossiler 
‚Hölzer in Anwendung zu bringen. Die Organisation des 
‘Stammes der Gewächse ist, wie oben erwähnt, im Allge- 
-meinen zwar von der Art, dass davon ‘die grösseren Unter- 
‚sehiede des: Pflanzen-Reiches, möge man sie nun: Klassen 
oder wie immer nennen, eben so wie in den Fruktifikations- 
-Theilen hervortreten ;; dagegen drückt: sich in den Familien 
‘kaum mehr . ein diesen‘ Charakteren entsprechender Unter- 
. schied in der Organisation des Stammes aus. Ganz beson- 
«ders gilt diess ‘bei den dikotyledonischen Pflanzen, wohin 
-die Mehrzahl unserer fossilen Hölzer gehört. -Wir: wissen, 
‘dass z.B. von der grossen Abtheilung der Amentaceen oder 
Julifloren, welche grösstentheils aus baumartigen Gewächsen 
"bestehen, die Familien der Myriceen , Betulaceen „.Cupuli- 
‘feren, der Ulmaceen, Moreen, 'Artocarpeen, Balsamifluen und 
'Saliceen im fossilen. Zustande vorkommen, indem zahlreiche 
Blätter, : Früchte und Saamen u. s. w. uns diese: Überzeu- 
"gung verschaffen; es dürfte aber immerhin sehr schwer bleiben, 


170 


'aus der Organisation eines fossilen Dikotyledonen-Holzes, in 
dem wir einen diesen Familien Angehörigen zu vermuthen 
'berechtiget Sind, auf die Familie selbst oder auch nur auf 
‚die grössere Abtheilung, der sie angehört, zu schliessen. 
‚Eben so haben die häufig holzartigen Leguminosen, Aceri- 
neen, Rhamnoideen u. s. w. unter den fossilen Pflanzen ihre 
Repräsentanten; allein es hält eben so schwer, aus irgend 
einem Stücke fossilen Dikotyledonen - Holzes diese Familien 
‘zu beweisen. Zwar ist nicht zu bezweifeln, dass jede die- 
'ser Familien, ja selbst einzelne gut konstruirte Gattungen 
auch im Baue des Stammes und zunächst selbst des: Hol- 
zes ihren Gattungs - Typus verrathen ; doch hat die verglei- 
‚chende Phytotomie noch so wenig Fortschritte gemacht, 
‘dass wir kaum im Stande sind, ‚auch nur die äussersten 
"Umrisse zur anatomischen Charakteristik der Pflanzen-Fami- 
lien zu liefern. | 

Unter diesen Umständen und da eine wissenschaftliche 
‘Behandlung dieses Gegenstandes nur das Werk lang dau- 
ernder und umsichtiger Studien seyn kann, ‚bleibt uns also 
‘vor der Hand nichts Anderes übrig, als auf dem Wege einer 
-langwierigen sowohl als unsicheren Vergleichung die ana- 
'tomische Beschaffenheit fossiler ‘mit der anatomischen Be- 
-schaffenheit lebender Hölzer, unter denen wir einige Ähn- 
lichkeit wahrnehmen, zu vergleichen und bei’ unverkenn- 
-barer Übereinstimmung auch eine Familien - Verwandtschaft 
-zu vermuthen. 

Erstreckt sich diese Verwandtschaft selbst auf einzelne 
«Gattungen, so wird es erspriesslich seyn, schon in der Be- 
“nennung darauf zu reflektiren und mit Beibehaltung der 
'Wurzel-Laute der bereits eingeführten Gattungs- Namen 
-denselben nur eine andere Endigung, wie z. B. in „inium“ 
‘oder „ites« zu ertheilen. Auf solche Weise würden die 
‘Gattungen Quercinium, Betulinium u. s. w. die geeignetsten 
-Benennungen für fossile Hölzer seyn, weiche in ihrer Struk- 
‚tur der Gattung Quercus, Betula u. s, w. ähneln. Mit 


1 171 


Übergehung der Koniferen-Hölzer, deren Klassifikation ich 
mir später mitzutheilen vorbehalte, übergebe ich daher hier 
ein System fossiler Dikotyledonen-Hölzer als Result meiner 
bisherigen Untersuchungen, wobei ich nur den Wunsch bei- 
füge, dass dasselbe durch neue Forschungen in diesem Ge- 
biete bald eine Erweiterung finden möge. Die zur Unter- 
stützung der Beschreibungen nöthigen Abbildungen werde 
ich seiner Zeit in meiner Chloris prologaea geben. 


Distributio lignorum fossilium, quae divisioni 
adlseribunlur planlarum dicotyledonarum. 


Conspectus diagnosticus. 


]. Radii medullares uniformes. 


A. Vasa breviarticulata. 
a. VTasavacua. 


a. Radii medullares latissimi. -» 2. 2. 0.000000. Phegonium. 
, Radii medullares medincres. R 
* Cellullae ligni prosenchymutosue elonyalae en. Fichtelites. 
** Cellulae ligni prosenchymatosae ablreviatne . .  Mohlites. 

Y. Radii medullares angustissimi . 2 2... Petzholdtia. 


b. Vasa impleta. 


a. aequabiliter distributa EDER - . e Pritchardia. 
ß. haud aequabiliter distrihute. . 
* amplissima, sensim decrescentiua » . .: .  .._MWithamiua, 
** minora, fasciculatim disposita . SR .  .  Cottaites. 
B. Vasa continua septis distantibus. #.. 


a. Vasu vacua. 
a, subsimplicia. 
* fusciculatim distributa . 2 =  . 0.0000. Rosthornia, 
** gequabiliter distributa. 
Bi Daregne Eat as ie Me « 0 Meyenites. 
ft numerosa. sy R: 
6. Strutalieni minus manifeta . 2 . .  .  Acerinium. 
66. Struta ligni conspiun . =. ae . «  Platuninium. 
ß. composita . - : x Aue 08 ei, Ulminium. 
b. Tasa impleta. 
a; subämplica sanhar 0 weni ac a). VE 
„ composita. 
* aequabiliter distributa. 
F: Fo porosa mogna «a ana“. 0 A 
TTV. porosa angustiora . R x & 2 B » Betulinium. 
** fasciculatim disposita 2 .:  . ee 00000. Schleidenites, 


II. Radii medullares biformes. 


A. Strata concentricen distincta . e Y 2: Ri A 2 Auercinium. 
B. Strata concentrica nulla . r 2 % = s A 5 Lillia. 


173 . 


Fuliftorae. 


I. Betulinium Une. Ligni strata concenlrica minus 
conspicue, ultra lineam lata. Radii medullares uniformes, 
angustissimi, conferti, e cellulis bi-tri-serialibus cannflati. 
Vasa porosa angustiora impleta, septis distantibus continua, 
hinc inde binatim ternatimve coalita, ceterum aequablliter 
distributa. Cellulae ligni prosenchymatosde, numerosae, 
septatae, leptotichae. 

B. tenerum Une. Vasa rariora, cellulis magqnis im- 
nlela. Pori vasorum minuti contigut, spiraliter dispostüi. il 
E formatione tertiaria ad Freystadi Austriae supericoris. 

II. Phegonium Une. Ligni slralta concenlrica distincta, 
ultra lineam late. Radii medullares wnifermes, copiosi, 
pluriseriales, extensi corpore subelongato, ad lafitudinem 
5 incerescente. Vasa aequabililer distributa, simplicia, va- 
cua, brevi-articulata, subangusta, strata concentrica incho- 
antia numerosissima sensim rariora. Cellulae ligni prosen- 
chymatosae leptotichae, inter vasa evanidae. 

Ph. vasculesum Une. Vasa septis obliguis, hine il- 

line inclinatis. Pori vasorım mediocres, configui, regulari- 
ter disposili. — E [ormetione tertiaria ad Gaspoldshofen, 
Freysiadt et Scherding Austrise superioris, ad Ernstorunn 
 Auslriae inferioris, ad Murberg, Radkersburg et Wurm- 
berg Styriae. 
II. Quercinium Une. Lignt strata eoncenfrica dis- 
"lineta. Radü medullares biformes, majores' reri, corpore 
longissimo , usgue 411 lato, minores crebri, wniseriales, e 
cellulis 20 superpositis formati. Vasa porose, cellulis mag- 
nis impleta, 0,13'' lata, in uno v. in duobus stratis coacer- 
vata, in reliquis multo minora, fasciculatim agygregata. 
lulae ligni prosenchymatosae. 

1) @. sabulosum Une. Strata  concentrica lineam 
lata. ' Vasa porosa brevi-articulata septis horizontalibus. 
Pori vasorum minuti conliguwi. Cellulae ligni leptotichae. — 
E formatione tertiaria ad Bachmanning Austriae superioris. 


\ 174 


2) 0. austriacum Uxe. Strata concentrica duas 
lineas lata. Cellulae ligni pachytichae. — E formatione ter- 
tiaria ad Bachmanning Austriae superioris et in Hungaria. 

3) O0. transylvanicum Une. Strata concentrica duas 
 lineas lata. Vasa porosa minora et minima copiosissima, 
fasciculatim aggregata. — E formatione tertiaria ad Tehers 
prope Almus Transylvaniae. re 

Observatfio. Ad Quercinium probabiliter referenda 
Kloedenia GöPPrERTI in LEONH. et BRronn N. Jahrb. für 
Mineral. 1839, p. 518, tab. I, ligni fossile genus, e cl. au- 
tore Quercubus analogum. 

IV. Ulminium Une. Ligni strata concentrica minus 
conspicua. Badii medullares uniformes conferti, corpore 
brevi, tenui, e cellulis parenchymatosis, bi-tri-serialibus con- 
flato. Vasa porosa aequalia, vacua, septis distanfibus con- 
linua, remota bi-ternatimve connata ceterum aequabiliter 
distributa. | Cellulae ligni prosenchymalosae leptotichae. 

1) U. diluviale Une. — E formaltione tertiaria ad 
Joachimsthal Bohemiae, ubi trunci integri cum suis ramis 
(vulgo Sündfluth-Holz) efossi. 

V. Plataninium Une. Ligni strata concentrica . li- 
neam lata. Radii medullares uniformes magni (usquo 2' 
lati) corpore subelongato, cellulis magnis pachytichis. Vasa 
numerosa, aequabiliter distribula, subsimplicia, angustiora, 
vacua, contlinua, poroso-spiralia, dissepimenftis dislantibus, 
scalariformibus, obliquis, latera versus spectantibus. Cellulae 
.ligni pachytichae. 5 i 


1) Pl. acerinum Une. Pori vasorum dissiti. — E 
formatione ignota. — E museo Universitatis Graecae sub- 
latum. | 


Observ. Maxime cum Plalano convenit, radii medul- 
lares in ligno fossili tamen multa latiora. Vasa poroso- 
. spiralia fere Aceris. | 
VI. Rosthornia Une. Ligni strata concenlrica in- 
"eonspicua, ultra lineam lata. Radii medullares uniformes, 
corpore lenuissimo, brevissimo, ex una v. tribus seriebus 


175 


‚cellularum»parenchymatosarum formato. Vasa porosa sub- 
simplicia angustissima (0,023'') vacua, lumine elliptico, 
septis distantibus obliquis, continua, rara, subaequalia, fasci- 
culatim disposita. Cellulae ligni prosenchymatosae. 
BY R. carinthiaca Une. Pori vasorum minimi sub- 
approximati. — E formatione Gosaviensi inter Althofen et 
Guttaring Carinthiae. 1}: 

Observ. Differt a Salicibus et Populis nonnisi radüis 
medullaribus, qui in his generidus simplices, in ligno fossili 
composili reperiuntur. 


S Acer ci 


 . VU. Acerinium Unc. Strata concentrica minus con- 
spicua , lineam dimidiam lata. Radii medullares tenuissimi, 
conferti, e cellulis unt — tri-serialibus formati. Vasa porosa 
subsimplicia, vacua, dissepimentis distantibus, continua, an- 
guslissima, numerosissima, aequabiliter distributa. Cellulae 
ligni prosenchymatosae pachytichae, inter vasa fere eva- 
nescentes. | 

1) A. danubiale Une., e formatione tertiaria Austriae 
superioris (Mus. Lentiens.). | ' 


Zegumiönosae. 


VII. Fichtelites Ung. Strata concentrica ultra l- 
neam lata.... RBadii medullares uniformes, conferti, cor- 
pore crassiusculo elongato tenui, e cellulis pluriserialibus 
majoribus minoribusque formato. Vasa porosa brevi-articu- 
lata, vacua, stratum inchoantia amplissima (0,16''' Tata) in- 
terdum per paria connata, reliyqua multo angustiora. Cellulae 
ligni prosenchymaltosae elongatae. 

1) F. articulatus Unc. Pori vasorum conferti. — 
E formatione tertiaria Austriae superioris (Mus. Lentiens.). 

IX. Mohlites Une. Ligni strata concentrica lata an- 
guslaque. Radii medullares uniformes conferti, corpore 
tenui abbreviato, e cellulis uni — pluri-serialibus minimis for- 
malo. Vasa porosa breviarticulata, vacua. Cellulae lignt 


prosenchymatosae abbreviatae, leptolichae. 
Jahrgang 1842. 12 


” 


176 


1) M. parenchymatosus Une. Strata concentrica 
latiora. Vasa porosa angustiora, versus strati peripheriam 
decrescentia. — E formalione miocenica prope Gieichenberg 
Styriae inferioris. 

2) M. cribrosus Un. Strata concenirica angustis- 
sima. Vasa porosa 0,15’ lata, annulum simplicem, pauecis- 
simis minoribus subsequentibus, formantia. — E formatione 
tertiaria prope Libethen Hungariae. 

X. Cottaites Une. Sitrata concenlrica conspicua, 
lineam et ultra lata. Radii medullares uniformes, compressi, 
tenuissimi, conferti, e cellulis minimis uni — tri-serialibus 
compositi. Vasa porosa minora, breviarticulata, impleta, in 
limite strati valde discreta, religua multo minora, fascicu- 
latim dispostia. Cellulae ligni prosenchymatosae angustis- 
simae. 

1) C. lapidariorum Unc. Vasa porosa in limite 
strali uniserialia. Cellulae ligni prosenchymatosae pachyü- 
chae. — E formalione tertiaria prope Gleichenberg, Siy- 
riae inferioris. 

2) ©. robustior Ung. Vasa porosa in limite strati 
pluriserialia, subapproximata. Cellulae ligni prosenchyma- 
tosae, leptolichae. — E, formatione terliaria ad Antal prope 
Schemnitz, Hungarige. Ä 


Genera dubiae affinitatis.. 

Al. Petzholdtia Une. Ligni strata concenlrica con- 
spicua, ultra lineam lata. Radii medullares uniformes cere- 
berrimi, tenuissimi, e cellulis uniserialibus formati. Vasa 
porosa magna, breviarticulata, vacua, aequalia, disjuneta, 
rarissime binatim ternatimxe conjuncta, ceterum aequabili- 
ter disposita. 

Cellulae ligni prosenchymatosae angustissimae , lepto- 
tichae. m 

P. tropica Une. Vasorum pori minimi, contigui, septa 
obliqua. WırHan Int. struct. pl. 16, fg. 12, 13. — E for- 
matione lertiaria insulae Antigoa. 


177 


SÄXJI: Prilchar dia Ung. Liägni strata concentrica 
nulla?  Badit medullares uniformes conferti, corpore te- 
nu, humili, e cellulis un? — bi-seriatis parenchymatosis magnis 
formato. Vasaporosarara, breviarticulata, ampla, cellulis im- 
pleta, hinc inde per paria connala, aeguadiliter distributa. 
Cellulae ligni prosenchymatosae numerosae. 

1) Pr. insignis Une. — E formatione terliaria in 
insula St. Bartholomaei Indiae occidentulis. 


XIM. Witnhamia Une. Ligni strata concentrica con- 
spieua. Radii medullares uniformes, conferti, corpore temui 
brevissimo, e cellulis uni — bi-serialibus parenchymatosis for- 
mato. Vasa porosa breviarticulata, subimpleta, stratum in- 
choantia amplissima, sensim angusliora. Cellulae ligni pro- 
senchymatosae angustae, leplotichae. 

1) W. styriaca Une. Strata concentrica lineam et 
ultra lata. Pori vasorum minimi, contigui, spiraliter dis- 
posifi. — E formatione tertiaria prope Nestelbach Styriae 
inferioris. | 

XIV. Meyenites Une. Ligni strata concentrica mi- 
Nus conspicua, ultra lineam lata. Radii medullares unifor- 
mes, conferlissimi, corpore tenui, humili ne cellulis uni —_ 
gaudri-serialibus minimis formato. Vasa porosa subsimplicia 
minora, parciora, vacua, septlis distantibus, continua, aequa- 
biliter distributa. Cellulae ligni prosenchymatosae leptoti- 
 chae, vasis multo numerosiores. 

1) M. aequimontanus Une. — E formatione mioce- 
nica prope Gleichenberg Styriae inferioris. ; 

XV. Nicolia Ung. Ligni strata concentrica incon- 
spicua. Radii medullares uniformes, confertissimi undulatim 
extensi, corpore tenui humili, e cellulis uniserialibus paren- 
chymatosis majoribus formato. . Vasa porosa ampla (0,19) 
impleta, rariora, aequabiliter disposita, per paria connata. 
Cellulae ligni prosenchymalosae angustissimae, pachytichee. 

1) N. aegyptiaca Une. E formatione, ufi videlur, 
tertiaria ad Asserac Aegypti. 

128 


178 


XVI. Bronnites Une. *). Ligni strata. concentrica 
distincta, duas lineas lata. Badit medullares uniformes, con- 
ferti, e cellulis uni — tri-serialibus (?) conflati. Vasa porosa 
magna, cellulis amplis repleta, aeyualia, bi-ternatimque con- 
nata, ceterum aequabililer distributa. 

‚Cellulae ligni prosenchymatosae septis creberrimis di- 
risae, leptotichae. 

1) Br. antigoensis Ung. Pori vasorum magni, con- 
ferti. — Wıraam Int. struct. pl. 16, fg. 11. — E formatione 
tertiaria insulae Antigoa. ; 

AXVH. Schleideniles Une. Ligni strafa concentrica, 
conspicua, ultra lineam lata. -Radii medullares uniformes, 
conferti, corpore tenui, breri, e cellulis uni — tri-serialibus 
parenchymatosis conflato. Vasa porosa continua impleta bi- 
nalim ternatimve connata, inaeyualia, in limite strati maxima 
(0,170''), religua minora, fasciculatim disposita.  Cellulae 
ligni vasa circumdanles parenchymalosae, majores, celerae 
prosenchymatosae pachyticha. 

XVII. Lillia Une. Ligni sirata concentrica nulla? 
Radii medullares biformes, corpere elongalo, majores ad 4" 
lati, minores copiosissimi ‚„ undulatim extensi, uniseriales. 
Vasa porosa mazxima (0,10 lat.) impleta subcontigua aequa- 
biliter distributa. Cellulae ligni ampliores, leptotichae, pro- 
senchymatosae, septatae. 

L. viticulosa Une. — E formatione tertiaria ad 
Ranka Hungariae (Mus. caesar. Vindob.). 


*) Der Hr. Verfasser hat wohl übersehen, dass Kunrn schon 1824 
(Synopsis plantarum oequinoctialium orbis novi, III, 380) ein den 
Portulaceen verwandtes Genus Bronnia genannt hat, deren näch- 
ster Verwandter nun nach des Hrn. Vf’s. Nomenklatur Bronnites 
seyn müsste, Wegen Antigua vgl. Jahrb. 1841, 720. Br. 


Fossile Batrachier- und Ophidier- 
Reste aus Podolien, 


von 


Hrn. Bergrath Puscn. 


— 


In meiner Paläontologie von Polen S. 168 habe ich 
kleine fossile Knochen aus Podoken angeführt und auf Tf. XV, 
Fig. 5 abgebildet, von denen ich richtig vermuthet habe, 
dass sie Batrachiern angehört hätten. Nur der mit abgebil- 
dete Rücken - Wirbel scheint den Ophidiern anzugehören. 
Ich gab damals an, dass diese Knochen aus einer losen 
weissen Sandschicht abstammten, ‚welche ich noch der Kreide- 
Gruppe zurechnete, die längs dem Dniester in Podolien 
häufig (durch quarzige lockere Sandsteine und mächtige Feuer- 
stein-Schichten repräsentirt wird. Diese Angabe bedarf 
zuerst einer Berichtigung. Jene kleinen Knochen finden 
sich nach Schneider (s. Karstens Arch. f. Min. Bd. VII, 
S. 327, 335 und 363) zuerst in einer weissen Quarzsand- 
Schicht unmittelbar über dem die Kreide vertretenden Feuer- 
stein - Stratum in der weissen Schlucht bei Jackowiec und in 
der grünen Schlucht (Zielony Tor) bei Raczynce im Thal 
der Siudzienica, welche beim Städtchen gleichen Namens 
unterhalb Kilaygrod in den Dniester einfällt. Diese Sand- 
Schicht enthält eine grosse Menge derjenigen Muscheln und 
Schnecken, welche das Podolische Tertiär-Gebirge vom Alter 
des Tegels bezeichnen, und gehört den untersten Schichten . 
. dieser Tertiär-Gruppe an. Sie finden sich ferner in der- 
selben Sand-Schicht noch weiter aufwärts im Studzienica-Thal 
in der Schlucht von AHotozubince, wo auch der nach oben 
in kalkigen Sandstein übergehende Sand von einer 2" star- 
ken schwarzen bituminösen Erd-Schicht bedeckt wird, welche 
ganz mit jenen kleinen Knöchelchen erfüllt ist. 


1S0 


z 


Ich übersendete meine Exemplare 1839 an den leider 
der Wissenschaft zu früh entrissenen Professor WıIEGMANN 
zu Berlin zur Bestimmung. Er hatte die Güte nach Verlauf 
eines Jahrs mir seine Ansichten darüber mitzutheilen, 
wünschte aber, wenu seine Körper- Leiden sich gemildert 
haben würden, eine nochmalige Revision vorzunehmen. Daran 
hat ihn aber der Tod verhindert. 


1) Fig. 5, g: Ossa ilium von Rana, der R. temporaria 

ähnlieh. 

2) Mehre Ossa ilium eines Bufo. 

3) Os ilium einer Rana, welche der R. para- f nicht 

doxa (Pseudes Wwaer.) nahe kommt. abge- 

4) Die untere Hälfte eines Oberschenkels einer Rana, BAT. 
welche der R. temporaria nahe steht. | 
5) Fig. 5, d und |: Oberarm von Rana$ (Bombinator), 
6) Fig. 5, e: Humerus, dem der R. temporaria ähnlich, 
7) Fig. 5, f: die untere Hälfte des Unterschenkels ven Rana 

(R. temporariae affinis). 

8) Nicht abgebildet: Os tarsi einer Rana. 

9) T£. XV, Fig. 5, i und k, welche ich mit dem Horn 
| einer Iguana verglich, bleibt zweifelhaft ; W ıEGMAnN 
will es nicht dafür gelten lassen. er 
10) Tf. XV, Fig 5, h, Oberstück des Oberarms von Rana, 
dem ein Stück Crista fehlt. | | 
11) Tf. XV, Fg. 5, a, b, e, ist das Interessanteste. WıEc- 

MANN konnte darin nur den Wirbel einer Natter, un- 
serer Coluber natrix generisch verwandt, erkennen. 
Ich hielt ihn für den Wirbel eines Sir e n-ähnlichen Thiers. 


SCHNEIDER fand ausserdem bei Jackowiec auch einige 
kleine Zähne und einen kleinen Schädel, leider waren diese 
aber auf der Reise abhanden gekommen und ich bekam sie 
also nicht zu sehen. 


| Über 
Calamosyrinx Zwickaviensis, 


Hrn. Dr. PETZHOLDT. 


(Im Auszuge mitgetheilt aus seiner Schrift: de Balano ei Cala- 
mosyringe, Lips. 1841.) 


Hierzu Tafel V. 


Unter den Pilanzen-Resten, welche in der Steinkohlen- 
Formation gefunden werden, verdienen ohne Zweifel die 
gestreiften Stengel oder Stimme die grösste Beachtung, schon 
aus dem Grunde , weil sie in der grössten Häufigkeit vor- 
kommen. Sie unterscheiden sich untereinander hauptsäch- 
lich darin, dass die einen Gelenke besitzen, während die 
andern solcher entbehren: jenen gehören bekanntlich die den 
Equisetazeen zuzurechnenden Kalamiten, diesen die Si- 
gillarien (Sigillariae verae Broncn.) und Syringo- 
dendren an, Ausserden unterscheiden sich die Kalamiten 
in ihrem Äusseren noch dadurch von den Sigillarien und 
Syringodendren, dass ihre Rippen glatt sind, während die 
der andern verschieden gestaltete, sonst aber regelmäsig ge- 
ordnete Narben besitzen und sich dadurch vor allen übrigen 
urweltlichen Pflanzen-Resten auszeichnen. Ein neues, zwischen 


182 


den genannten Pflanzen mitten innestehendes, sich jedoch 
von allen bekannten fossilen und lebenden Gewächsen we- 
sentlich unterscheidendes Genus ist nun die Calamosy- 
rinx, so genannt wegen ihrer theilweisen äussern Ähnlich- 
keit mit Calamites, Syringodendrum und Sigillaria. Diese 
Pflanze wurde in einem wohl erhaltenen Exemplare im Kohlen- 
Sandstein zu Neudörfel bei Zwickau gefunden und ist daher 
bis jetzt auch bloss in einer einzigen Spezies bekannt. 

Eine kurze Charakteristik der hierher gehörigen Ge- 
wächse dürfte der Vergleichung mit der neu aufgefundenen 
Calamosyrinx wegen nicht überflüssig seyn, wobei wir noch 
insbesondere darauf aufmerksam machen, dass bei der Be- 
schreibung der verschiedenen Gattungen zwischen Kern und 
Kohlen-Rinde ein bestimmter Unterschied zu machen und 
solcher gebührend hervorzuhebeu ist. 


Calamites 


Facies externa: Caulis sulcalus, articulatus; arlıculs 
vier ac ne vis quidem distinciis”*); costae laeves, parallelae 
(vel infra et supra arliculationes allernantes, vel interdum 
convergentes, vel super arliculationem recta linea continuantes). 

Nuclei facies: Sulei et artieuli mazxime dislincli; costae 
laeves, ceterum tales, quales lithanthracarü coriicis; infra 
arliculos inler sulcos tubercula **). | | 


Sigillaria vera Bkronan. 


- Facies externa: Caulis sulcatus,, non articulatus ; costae 
subaequales , parallelae, recla linea decurrentes, cicalricibus 
rectiserialis nolatae; cilalrices disciformes. 

Nuclei facies omnino convenit cum facie caulis externa, 
ezceplis cicatricıbus, quae punctiformes , lineares, luberculalae 
etc. sunt. Sulci plerumque profundiores et distincliores. 


*) Vgl. meine Schrift: „über Kalamiten und Steinkoblen-Bildung“ mit 
6 Steindruck- und 2 Kupfer-Tafeln, Dresden und Leipzig 1841, 
Seite 40. | 

**) Vgl. dieselbe Schrift, S. 51. 


183 


Syringodendrum. 


Facies exiterna: Caulis „sulcatus,, nun arliculalus ; coslae 
aequales, parallelae, recla linea decurrentes; coslarum cica- 
trices non discoideae, parvae. | 

Nuclei facies eadem quae corticis, erceptis cicalricibus, 
quae lineares aut tuberculalae apparent; sulci plerumque pro- 
fundiores et distinctiores. 


Calamosyrinx Zwiekaviensis, mihi (lab. V). 


Facies erterna: Caulis sulcatus, articulalus, costis aequa- 
libus, 0,3" latis, suleis dislinclis. Costae cicalricibus orna- 
iae. Circatrices circulares, reclisertulae, se invicem langen- 
les, eicalrice vasculari (2) sohlaria, centrali, punctiformi. In 
artieulo eicalrices majores, ellipticae, eicatrice vasculari lineari. 

 Nuclei facies, ubi corter lithanthracarius satis crassus 
remolus est, üa se habet: Caulis sulcatus; costae aequales, 
leniter ei eleganter striatae, circalricibus carentes alque, ubi 
externe articulalio apparet, inlerruplae. Articulalio spuria, 
eui quoque desunt cicalrices. 


Simosaurus, 


die Stumpfschnautze, ein Saurier-aus dem 
Muschelkalke von Luneville, 


von 


Hrn. HERMANN v. MEYER. 


oo 


Aus der Trias kannte Cvvizr von Sauriern nur die Überreste, 
welche der Muschelkalk der Steinbrüche bei den Dörfern Re- 
hainvilliers, Xermameni und Montsin der Gegend von Zuneville 
geliefert hatten. Aus den wenigen, ihm von Dr. GAILLARDoT 
mitgetheilten Überresten schloss er auf eine Plesiosaurus- 
Art und auf riesenmäsige Meer-Scehildkröten. Letzte 
haben sich nicht bestätigt; denn ihre Annahme beruhte nur auf 
der Ähnlichkeit, welche gewisse Knochen der Muschelkalk- 
Saurier mit denen der Schildkröten besitzen. Nachdem der 
Muschelkalk Deutschlands das Ergebniss geliefert hatte, dass 
der in dieser Formation vorherrschende und in einzelnen 
Theilen leieht mit Plesiosaurus zu verwechseln gewesene 
Saurier in einem eigenen Genus, dem Nothosaurus, be- 
stehe, lag wohl nichts näher, als die Vermuthung, dass die 
Reste aus dem Muschelkalke Loihringens, welche Cuvırr 
geneigt war einer Plesiosaurus-Art beizulegen, ebenfalls von 
Nothosaurus herrühren würden. Die Abweichungen, welche 
zwischen den von Cuvırr mitgetheilten Abbildungen und 
den analogen Knochen aus dem Muschelkalke der Gegend 


185 


von Bayreuth sich hevausstellten, waren so gering, dass man 
sie für Ungenauigkeiten in den nicht mit sonderlichem Fleisse 
verfertigten Cuvier'schen Abbildungen auslegen konnte. 

Mit dem Abschlusse der hauptsächlich auf den zu Bay- 
reuth befindlichen Sammlungen des Grafen Münster und der 
königl. Baierischen Regierung von Oberfranken beruhenden 
Untersuchung der Muschelkalk-Saurier Deutschlands beschäf- 
tigt, erhalte ich einen Theil von den in den Sammlangen der 
Wittwe des Dr. Gaittanpor zu Zuneville, des Dr. Mousror 
zu Druyeres und des Museums zu Strassburg aufbewahrten 
Saürier-Überresten aus dem Muschelkalk der Gegend von 
Zunevitle durch die Güte des Hrn. Professor Dr. W. Scuimper 
mitgetheilt, worunter vier fragmentarische Schädel und drei 
Bruchstücke von Unterkiefern, mithin Theile, welche ganz 
geeignet sind, über die Saurier dieser Lokalität erwünschten 
Aufschluss zu geben. Diese Überreste gehören nieht, wie 
man hätte erwarten sollen, zu Nothosaurus, sondern einem 
eigenen Genus an, das ich wegen seiner im Vergleich zu 
Nothosaurus, mit dem es sonst die meiste Ähnlichkeit be- 
sitzt, stumpferen Nase oder Schnautze Simosaurus von 
cıuög, Stumpfschnautze, nenne. | 

Indem ich die Resultate meiner Vergleichung mit No- 
thosaurus hier mittheile, verweise ich für die ausführliche 
Darlegung und die Abbildungen der Überreste beider Ge- 
nera auf die Monographie der Saurier aus dem Muschel- 
kalke, welche demnächst im Manuskript und in den Zeich- 
nungen beendigt seyn wird. 

Der Kopf des Simosaurus erinnert durch die drei Paare 
deutlich unterschiedener Löcher in der Oberseite, welche, 
von vorn anfangend, die Naäsenlöcher, Augenhöhlen und 
Schläfengruben darstellen, zunächst an Nothosaurus, ohne 
dass jedoch die Augenhöhlen und Schläfengruben so ganz der 
Oberseite angehören, als in letztem Genus. Das äusserste 
Schnautzen-Ende ist nieht gekannt; es liegen indess Anzeigen 
vor, wornach dasselbe kürzer und stumpfer oder breiter 


war, als in Nothosaurus. Die grossen, getrennten und nicht 


186 


dicht an das vordere ‚Schnautzen- Ende stossenden Nasen- 
Löcher, so wie der Umstand, dass die Augenhöhlen auf die vor- 
dere Hälfte der Total-Länge des Schädels kommen, sind andere 
Ähnlichkeiten mit, Nothosaurus und machen, dass, wie in 
diesem, so auch im Simosaurus die Gesichts-Streeke, eher 
dem. Begriffe von einer Schildkröte als von einem Saurus 
entsprechend, sehr verkürzt, dagegen die eigentliche Schädel- 
Strecke sehr verlängert erscheint. Bei solchen Ähnlich- 
keiten müssen die Unähnlichkeiten nur um so mehr auf- 
fallen, welche an. andern wesentlichen Theilen sich vorfinden. 
Im. Simosaurus ist der Kopf verhältnissmäsig kürzer und 
breiter als in Nothosaurus, da die sogenannte mittle Breite 
zur, Länge in erstem sich ungefähr. verhält wie 1:2, in 
letztem dagegen wie 1:4; auch scheint er in Simosaurus 
nicht ganz so glatt gewesen zu seyn, als in Nothosaurus; 
eine eigentliche Schädel-Wölbung aber fehlte beiden. Die 
verhkältnissmäsig kürzere Gestalt des Kopfes geht in Simo- 
saurus hauptsächlich auf Unkosten der Schnautze und der 
rundum knöchern begrenzten Schläfen-Gruben, deren Länge 
die mittle Schädel-Breite nicht erreicht, während sie in 
Nothosaurus dieselbe auffallend übersteigt. Dabei ist der 
vordere Winkel der Schläfen-Gruben eher breiter als der hin- 
tere, während in Nothosaurus der hintere Schläfengruben- 
Winkel auffallend breiter als der vordere sich darstellt; die 
grösste Breite der überhaupt regelmäsiger oval geformten 
Schläfen-Grube des Simosaurus ist mehr auf die Mitte ihrer 
Länge vertheilt. In Simosaurus sind die Schläfen-Gruben brei- 
ter getrennt als in Nothosaurus, und die Stelle, wo sie ein- 
ander am nächsten kommen, fällt bei erstem in ungefähr die. 
Mitte der Schläfengruben-Länge, bei letztem in die hintere 
Hälfte derselben; das längs-ovale, nach vorn mündende Scheitel- 
Loch liegt im Simosaurus der Mitte dieser Länge weit näher, 
als in Nothosaurus; es haben übrigens beide Genera das mit 
einander gemein, dass dieses Loch dem Scheitelbein allein 
angehört und an dessen schmalster Stelle angetroffen wird, 

In Simosaurus besteht mehr Gleichheit in der Länge 
und Breite der Augenhöhlen: in Nothosaurus sind sie, etwa 


a 


187 


Nothosaurus giganteus ausgenommen, länger als breit; 
in Simosaurus liegen die Augenhöhlen näher den Schläfen- 
Gruben, als den Nasen-Löchern, in Nothosaurus dagegen 
letztren näher, ais erstren. Wenn, wie erwähnt, die schma- 
lere Gegend des Scheitelbeins in Simosaurus verhältniss- 
mäsig breiter befunden wird, als in Nothosaurus, so bemerkt 
man dagegen, dass das Haupt-Stirnbeisr an seiner schmäleren 
Stelle in Simosaurus verhältnissmäsig etwas schmäler ist 
als in Nothosaurus. Die Nasenlöcher sind, zumal im Ver- 
gleich zu den Augenhöhlen, in Simosaurus ein wenig länger 
als in Nothosaurus, und in erstem ist ihr vorderer Winkel 
auffallend spitzer, als in letztem. f 

Die beiden Seitenflügel der Hinterhaupts-Gegend dehnen 
sich auffallend weit nach hinten aus; während sie in Notho- 
saurus hinterwärts kaum weiter überstehen, als der zur Auf- 
nahme des ersten Hals-Wirbels bestimmte Fortsatz des un- 
teren Hinterhaupt-Beins, so ziehen sie sich im Simosauras 
noch ungefähr ein Drittel von der Hinterhaupts-Breite, der 
grössten Breite aım ganzen Kopf, weiter nach hinten. Hier- 
durch erhält die Hinterhaupts-Fläche eine bogenförmige Ge- 
stalt; und es wird in der Hinterseite des Schädels der tiefe 
Einschnitt gebildet, welcher zu den auffallendsten Abwei- 
chungen von Nothosaurus gehört. Die Breite des Schädels 
in der Hinterhaupts- Gegend ist von der grössten Breite, 
welche -der Schädel sonst besitzt, oder der sogenannten mitt- 
len Breite, in Simosaurus nicht so auffallend verschieden; 
an dem Exemplare, woran die Verschiedenheit beider Breiten 
am stärksten ist, würden sie sich wie 3:2 verhalten; ge- 
wöhnlich aber besteht weniger Unterschied; in Nothosaurus 
dagegen gestaltet sich dieses Verhältniss wie 2:1. BHier- 
nach wären die Seitenflügel der Hinterhaupts- Gegend in 
Simosaurus mehr nach hinten, in Notbosaurns mehr nach 
neben ausgedehnt. h 

Die Gegend der mittlen Schädel-Breite liegt in Notho- 
saurus unmittelbar vor der Hinterhaupts - Ausbreitung; in 
Simosaurus ist der Schädel: an dieser Stelle sogar schmäler 


188 


und die mittle Breite liegt weiter vorn in der der unge- 
fähren Längen-Mitte der Schläfengruben entsprechenden Ge- 
gend. Damit ist in Nothosaurus Anlage zum Parallelismus 
der Nebenseiten verbunden, in Siıosaurus aber mehr Krüm- 
mung derselben. Ä | 

Die Neigung der Hinterhaupt-Fläche nach vorn seheint 
im neuen Genus noch geringer zu seyn, als in Nothosaurus. 
In der Fläche selbst besteht im Allgemeinen grössre Ähnlich- 
keit mit letztem Genus, als mit Krokodil oder einem andern 
lebenden Saurus; die Unterseite scheint aber in der mittlen 
Gegend noch einfacher gebildet, da ich den in Nothosaurus 
auf jeder Seite neben dem untern Binterhaupts-Bein hän- 
genden kurzen Fortsatz nicht bemerken konnte. Feirner ist 
die Oberseite der Hinterhaupts-Fläche nieht, wie in Notho- 
saurus, von den Enden an gegen die Mitte hin eingesenkt, 
sondern gerade, und fällt an den näher beisammen liegenden 
Ecken nach hinten und aussen ab. Die Höhe der Hinter- 
haupts-Fläche beträgt in der mittlen Gegend, abgesehen von 
den Seitenflügeln, ungefähr den vierten Theil von der gan- 
zen Breite der Binterhaupts-Gegend, in Nothosaurus etwas 
mehr als das Drittel, und doch erscheint in Simosaurus der 
Schädel nieht ganz so platt als in letztem Genus, was von 
der Stärke und dem Herabhbängen der Seitenflügel herrührt. 
Der zur Aufnahme der Wirbelsäule dienende Hinterhaupts- 
Fortsatz ist einfach knopfförmig gestaltet. An den vorlie- 
genden üxemplaren ist er verhältnissmäsig etwas geringer 
als in Nothosaurus und, statt wie in diesem queer-oval zu 
seyn, mehr herzförmig gestaltet, indem er da, wo er dem 
Ausgang des Hinterhaupts-Loches zur Unterlage dient, breiter 
und abwärts spitzer sich darstellt. Das Hinterhaupts-Loch 
wird von der Kreis-Form kaum abweichen; an den unter- 
suchten Exemplaren war es aber entweder nicht zu ent-- 
blössen oder zu sehr zerdrückt, um genau erkannt zu wer- 
den. Die über dem Hinterhaupts-Loche liegende Gegend ist 
von der Scheitel-Fläche stufenförmig abgesetzt; sie liegt da- 
her etwas: tiefer und steht auch weiter biuten hinaus, als 


189 


diese; oben ist jene eigenthümlich geformte Gegend in der 
Mitte längs-gekielt, was ich auch an mehren Exemplaren 
von Nothosaurus bemerkt habe. Die zu beiden Seiten der 
Hinterhaupts-Fläche schräg nach hinten und seitlich steliende 
grosse Pauken-Grube, welche eine Verwandtschaft des No- 
thosaurus mit den Schildkröten verräth, habe ich in Simo- 
saurus nicht vorgefunden. Dafür ist auf der Hinterhaupts- 
Fläche die Gegend des seitlichen Hinterhaupt-Beins von der 
untern Gegend, welche hauptsächlich aus dem Paukenbein 
bestehen wird, durch eine hinterwärts sich erweiternde 
Furche getrennt. Die Seiten-Flügel des Hinterhauptes fallen 
nicht allein durch ihre Länge, sondern auch durch ihre 
Breite auf, welche am Unter-Ende, wo die Gelenk-Fiäche 
zur Aufnahme des Unterkiefers liegt, am grössten ist; diese 
Gelenk-Fläche ist weit breiter, als hoch, und bestand haupt- 
sächlich aus einer grössern Konkavität und wohl auch noch 
aus der kleinen Konvexität, welche weiter nach innen liegt. 
Die Scheitel-Fläche ist hinten konkaver ausgeschnitten, 
als in Nothosaurus. In letztem liegt der hintere dreieckige 
Theil der Scheitel-Fläche fast bis zu dem Scheitel-Loch ver- 
tieft, wovon in Simosaurus niehts bemerkt wird. 
Unmittelbar vor den Nasen-Löchern, in der Gegend, wo 
der Schädel gewöhnlich am schmalsten sich darstellt, beträgt 
die Breite desselben in Simosaurus mehr als die halbe mittle 
Schädel-Breite, in Nothosaurus weniger. ' 
| Zur Bestimmung der Form der in der Diaemaifien lie- 
genden vordern Gaumen-Öffnung fehlt es noch an genügen- 
den Anhalts-Punkten. ich habe mich indess davon über- 
zeugt, dass der hintere Winkel dieser Öffnung jedenfalls 
weiter zurück liegt, als der hintere Winkel der auf der 
Oberseite befindlichen Nasen-Öffnungen. Der vordere Winkel 
der Gaumen-Öffnung ist noch nicht vollständig aufgefunden. 
In kurzer Entfernung von der Gaumen-Öffnung bemerkte ich 
vor derselben die gerundete hintere Seiten-Ecke eines ei- 
genen, von vorn in den Kiefer-Knochen eingreifenden Beines, 
das vielleicht der Zwischenkiefer ist, der alsdann, wenigstens 


190 


in dieser Gegend anders beschaffen war, als bei Nothosaurus. 
Die vordere Gaumen-Öffnung scheint in.einer einzigen Öff- 
hung von ungefähr der halben Breite des Schädels in der 
Gegend, wo sie liegt, zu bestehen ‚und ungefähr halb so lang 
als breit zu seyn. Weniger zweifelhaft ist es, dass in diese 
Öffnung hinten in der Mitte ein kurzer stumpfer Fortsatz 
hineinragt, welcher in dem vorderen Ende der Flügelbeine 
bestehen wird. In Nothosaurus ziehen diese Flügelbeine 
bis in den Zwischenkiefer hinein, wobei sie die Gaumen- 
Öffnung in zwei lang-ovale Löcher trennen. Somit ist jeden- 
falls gewiss, dass in Betreff der vorderen Gaumen-Öffnung 
eine grosse Verschiedenheit zwischen Simosaurus und No- 
thosaurus besteht, und: dass erster durch die Einfachheit 
seines Gaumen-Loches eher an Krokodil erinnern würde, 
wo es aber weit weniger geräumig ist und ganz dem Zwi- 
schenkiefer angehört. | ’ 
- Mit Ausnahme dieser vordern Gruner Öihrg bildet 
die Unterseite des Schädels eine völlig geschlossene Platte, 
und es verräth hierin der Simosaurus wieder grosse Ähn- 
lichkeit mit dem Nothosaurus. Die vorherrschende Breite, 
so wie der Umstand, dass die Länge der in der hinteren 
Hälfte vorkommenden beiden Seiten-Einschnitte nur 4, in Ne- 
thosaurus aber fast die ganze Schädel-Breite messen, verleiht 
der Unterseite des Schädels des Simosaurus das Ansehen 
einer ausgedehnteren geschlossenen Knochen-Platte, wobei 
nieht übersehen werden darf, dass bei ihm ein in Notho- 
saurus kaum wahrzunehmender Einschnitt in der Hinter- 
seite hinzutritt,. der weniger durch die Verlängerung der 
Pauken- und Flügel-Beine, als dadurch gebildet wird, dass 
das eigentliche Hinterhaupt den hintern Enden des Ober- 
kiefers weit näher liegt, als in Nothosaurus; und es ist 
diess so auffallend, dass, wenn man sich die hintern. Enden 
des Oberkiefers mit dem Gelenk-Fortsatz des Hinterhaupts 
verbunden denkt, man beim Simosaurus einen sehr stampfen, 
beim Nothosaurus dagegen einen sehr spitzen Winkel'er- 
hält. Diese Knochen-Platte der Unterseite wird, wie “es 


191 


scheint, wie in Nothosaurus auch nur durch. die Oberkiefer- 
beine, Gaumenbeine und Flügelbeine gebildet, von denen 
erste auf die Seiten-Ränder beschränkt sind und durch die 
andern verhindert werden, in gegenseitige Verbindung zu 
treten. Auch die Gaumenbeine sind, wie in Nothosaurus, 
durch das Dazwischentreten der Flügelbeine von einander ge- 
trennt. In Nothosaurus führt das Gaumenbein an dem hin- 
tern Ende des Oberkieferbeins etwas weiter zurück, als es 
in Simosaurus der Fall ist, und in letztem Genus scheint 
der viel stumpfer als in Nothosaurus sich darstellende vor- 
dere Winkel der seitlichen Flügelbein-Einsehnitte fast ganz 
durch das Flügelbein begrenzt zu werden, dem in Simo- 
saurus überhaupt eine grosse Ausdehnung zusteht. .Die weit 
über die Hinterhaupts-Fläche zurückführenden Fortsätze der 
Flügelbeine hat Nothosaurus nicht aufzuweisen; man könnte 
jedoch etwas Ähnliches in den Seitenflügeln der Flügelbeine 
des Krokodils vermuthen, die indess, mehr seitwärts gestellt, 
herabhängen und mit dem Paukenbein nicht verbunden sind; 
‚während sie in Simosaurus horizontal nach hinten ziehen 
und mit dem Paukenbein oder den Seitenflügeln des Hinter- 
hauptes eng verbunden erscheinen. | 

An den Schädeln des Simosaurus war es mir nicht mög- 
lich, die Nähte, welche durch das Zusammenliegen der ein- 
zelnen Kopf-Knochen entstehen, mit Sicherheit zu verfolgen, 
und: selbst die Sprünge oder durch Druck entstandenen Ver- 
sechiebungen zeigen bei den verschiedenen Exemplaren so 
wenig Übereinstimmendes, dass ich auch auf diese keine 
Vermuthung zu: gründen wage; wesshalb ich die Nähte lie- 
. ber ganz übergebe. An dem Schädel des Nothosaurus kenne 
ich die Nähte so genau, wie sie sich immer an nicht fossilen 
Thieren verfolgen lassen. | 

Die Zähne des Simosaurus stecken, wie’ die des Notho- 
saurus, seines Verwandten und Zeitgenossen, mit langen 
starken Wurzeln in getrennten Alveolen. Im Oberkiefer 
kenne ich sie bis in die Gegend vor den Nasenlöchern, von 


denen schon einer oder der andere dem Zwischenkiefer 
Jahrgang 1842. 13 


192 


angehören‘ wird. Sie führen zurück. bis in die Gegend'.der 
bintern Hälfte der, Schläfen-Grube. Auf die angegebene 
Strecke werden auf jeder Seite 25—26. Alveolen mit. 'ge- 
ringer gegenseitiger Entfernung kommen für Zähne, welche 
allmählich an Grösse und; Stärke zunehmen, je ‚weiter vorn 
sie sitzen, so..dass; der Durehmesser der vorderen: vorhan- 
denen Zähne das Doppelte. des Durchmessers der hintern:er- 
reicht ; an Länge scheint: die Zahn-Krone der vordern gegen 
die hintern. verhältnissmäsig mehr zuzunehmen. ‚ Wie ganz 
anders verhält sich. hierin Nothosaurus! In diesem Genus 
führen die Zähne nur bis in die Gegend der: vordern Hälfte 
der Schläfen-Grube zurück, und gleichwohl ist die Zahl der 
Alveolen, welche auf eine Strecke kommt, die der bei Si- 
mosaurus gekannten gleicht, um. ungefähr die Hälfte grösser, 
so. dass die Zahl in Simosaurus zu: der in Nothosaurus sich 
verhält wie 2:3. Dabei sind in Nothosaurus diese Zähne 
klein und: nehmen bei. ihrem: Stande: weiter vorn: nur unbe- 
deutend an Stärke zu, wofür aber in der Gegend zwischen 
den Augenhöhlen und den Nasenlöchern auf jeder Seite zwei 
die Reihe: der kleinen. Zähne: unterbreehende Alveolen (in 
Nothosaurus giganteus:nur eine) für auffallend: starke 
und lange Zähne auftreten und der Zwischenkiefer mit 
weiter auseinanderstehenden starken und langen Zähnen, be- 
waffnet ist. . Dieser die Annahme: von Schneide-, Eck- und 
Backen-Zähnen: zulassende Grössen-Unterschied besteht in  Si- 
mosaurus eben: so: wenig, als die in Nothosaurus ferner vor- 
handene kleine Zahn-lose Lücke: hinter den. Sehneidezähnen. 
Hiezu kommen nun noch die Abweiehungen, welche in Be- 
treff der Zahn-Krone zwischen beiden Genera wahrgenom- 
men. werden. Es sind nämlich in Simosaurus: selbst. die 
kleineren Zähne verhältnissmäsig stärker und etwas. stumpfer 
koniseh geformt und dabei: schwach. von aussen nach innen 
gekrümmt; unter der Zahn-Krone sind: sie bei Beginn. der 
Wurzel etwas eingezogen, über der Basis der: Zahn-Krone 
aufgetrieben , an der Aussenseite und zwar nur an. dieser. 
mit einer stumpfen Kante versehen, welche der Zahn-Krone: 


193 


einen mehr oder weniger starken Höcker verleiht; der 
Queerschnitt kommt mit Ausnahme der Stelle, wo diese 
Kante durchselinitten wird, dem Kreise sehr nahe, die Strei- 
fen gehen alle bis zur Spitze, welche mehr oder weniger 
abgenutzt erscheint, und verlieren sich nach unten da, wo 
die Zahn-Krone bauchiger wird; an der Innenseite stehen 
die Streifen am diehtesten; nach der Aussenseite hin wer- 
den sie, zumal vorn, sparsamer bemerkt, und diese 
Streifen, welche mehr das Ansehen von Längs-Eindrücken 
haben, gehen von der mit Schmelz überdeekten Zahn-Sub- 
stanz aus und werden dureh ersten nicht verstärkt. In den 
Zähnen des Nothosaurus gehört die Streifung ebenfalls der 
vom Schmelz überdeckten Zahn-Substanz an; sie wird aber 
von jenem noch etwas erhöht, und dabei sind die Zahn-Kronen 
im Ganzen schlanker, schwach nach innen und hinten ge 
krümmt, über der Basis nicht aufgetrieben und ohne Kante: 

' Nach einem Fragment aus der linken Unterkiefer-Hälfte 
sind die auf den getrennten Kiefer-Ästen sitzenden Zähne 
von gleiehförmigerer Grösse und im Allgemeinen kleiner als 
im Oberkiefer, worin sie den Zähnen des Unterkiefers in 
Nothosaurus gleichen, die jedoch verhältnissmäsig noch 
kleiner und schlanker sind. Diese unteren Zähne des Si- 
mosaurus stimmen indess mit denen des Oberkiefers darin 
überein, dass sie kurz und stumpf, unter der Krone etwas 
eingezogen, über der Kronen-Basis aufgetrieben und an der 
Aussenseite mit einer stumpfen, in der ungefähren Mitte am 
meisten sich verstärkenden und hier einem Höcker nicht un- 
ähnlich sehenden Kante versehen sind; die kaum merkliche 
Krümmang der Spitze geht nach innen, und die Streifung 
gleicht ganz der an den oberen Zähnen; auch ist die Spitze 
durch Abnutzung etwas abgestumpft. 

Aus der Gleichförmigkeit der auf die freien Kiefer-Äste 
kommenden Zähne konnte mit einiger Wahrscheinliekeit ge- 
schlossen werden, dass das vordere Ende des Unterkiefers 
mit stärkeren Zähnen bewaffnet seyn würde. Wirklich fand 


sich auch der Vordertheil eines Unterkiefers vor, der aus 
13 * 


194 


der Symphysis mit einem kurzen Stück von den getrennten 
Kiefer - Hälften besteht. Der ihm zu Grunde liegende Ty- 
pus ist ganz derselbe, wonach der Unterkiefer des Notho- 
saurus gebildet ist. Wie in Nothosaurus, so kommen auch 
hier auf die Symphysis im Ganzen 10 Alveolen für grosse 
Zähne, 5 auf jede Hälfte. Die erste Alveole der rechten 
Hälfte ist von der ersten der linken ungefähr so weit ent- 
- fernt, als die dritte von der vorsitzenden oder nachfolgenden, 
während die erste von der zweiten, besonders aber die 
vierte von der fünften geringere Entfernung zeigt; die letzte 
grosse Alveole gehört noch zur Hälfte der Symphysis-Strecke 
an; eine ähnliche Vertheilung bemerkt man auch in Notho- 
saurus. Von den grossen Zähnen ist keiner überliefert; ihr 
Durchmesser war, nach, Wurzel-Fragmenten zu urtheilen, 
etwas stärker als der, welchen die vordersten Zähne an den 
fragmentarischen Schädeln von Simosaurus zeigen, Die Al- 
veolen für die kleinen Zähne sind von derselben Stärke, wie 
an dem unbezweifelt von Simosaurus herrührenden Unter- 
kiefer-Fragmente. Beide Kiefer-Hälften bilden einen Winkel 
von ungefähr 50°. Bei aller Ähnlichkeit mit Nothosaurus 
unterscheidet sich dieser Unterkiefer von ihm doch daderch, 
dass die Symphysis verhältnissmäsig kürzer und breiter, die 
grossen Alveolen etwas grösser und der Unterkiefer vorn in 
der Mitte mit einem kleinen Einschnitt versehen ist. Wenn 
die von Cuvier (oss. foss. V, ı1, pl. 22, fig. 5, 6) von Zu- 
neville mitgetheilte Unterkiefer -Hälfte mit erhaltenem hin- 
terem Ende ebenfalls von Simosaurus herrührt, so besteht 
auch in diesem Theil zwischen ihm und Bi nach 
der Zeichnung, nur geringe Abweichung. 

Die Überreste von Simosaurus haben mir über das Er- 
setzen der Zähne und den Zweck der neben den Alveolen 
weiter nach innen liegenden Zahn-Gruben wichtige Auf- 
schlüsse geliefert, welche auf Nothosaurus und andere ver- 
wandte Saurier anwendbar seyn werden. Die Zahn-Grube 
nämlich. welehe von den Alveolen der Symphysis-Streeke und 
des vordern Endes des Oberkiefers weiter nach innen, auf 


195 


‚den getrennten Kiefer-Hälften aber neben der Reihe der 
kleinen Alveolen in einer Rinne liegen, sind wirkliche Lö- 
cher, die mit dem Innern der Zahn-Zelle zusammenhängen. 
Sie werden Gefässen den Durchgang gestättet und andere 
beherbergt haben, die zur Ernährung des erwachsenen Zah- 
nes dienten, so wie die Entstehung und Ernährung des 
Ersatz-Zahnes möglich machten. An Stellen in der Nähe 
des vordern Endes des Oberkiefers, auf der Symphysis- 
Strecke des Unterkiefers und auch auf den freien Kiefer- 
Ästen desselben habe ich mich überzeugt, dass der Ersatz- 
Zahn in diesen Löchern liegt. Ist die Wurzel des: alten 
Zahnes noch vorhanden, so nimmt der Ersatz- Zahn in 
der Nähe dieser einwärts gebogenen Wurzel seine Ent- 
stehung, nicht aber in dem früheren Zahne selbst; das 
Wachsen und Verändern des Ersatz-Zahns geschieht von 
innen nach aussen, wobei er dem alten Zahn oder dessen 
Wurzel iimmer näher rückt und, wenn er angelangt ist, sich 
in seinen Vorgänger gleichsam hineinfrisst und ihn untergräbt. 
Ich habe ferner die Bemerkung gemacht, dass die Gegenwart 
des Ersatz- Zahns keineswegs abhängig ist vom Alter des 
früheren Zahnes; es gibt Alveolen, aus denen noch ganz ge- 
sunde Zähne herausstehen, und demungeachtet zeigt sich 
durch das Gefäss-Loch hindurch der ihren Untergang dro- 
hende Keim-Zahn, der entweder vom früheren Zahne noch 
getrennt ‚oder an ihn schon herangerückt ist; ‚bei andern 
Alveolen ist es nur der Wurzel-Rumpf alter Zähne, in des- 
sen Nähe der Keim-Zahn wahrgenommen wird. Die Lage 
des Keim-Zahns im Gefäss-Loche konnte, zumal in der ersten 
Zeit, sehr verschieden seyn; bei weiterer Entwickelung nahm 
er seinen Weg: nieht immer unter der Knochen-Decke zur 
Alveole oder zum früheren Zahn, sondern sprengte bisweilen 
die Strecke vom Gefäss-Loch zur Zahn-Zelle auf oder trat 
mit der Spitze aus dem Gefäss-Loch heraus, um sich über 
der Knochen - Decke zur Alveole zu begeben, ‘wobei er ge- 
wöhnlich diese Strecke eindrückte. Für alle diese Fälle 
habe ich Beispiele aufgefunden, welche in der Monographie 


196 


“ 


der Muschelkalk-Saurier, durch Abbildungen erläutert, aus- 
führlich dargelegt werden sollen. 

Sämmtliche von mir bis jetzt aus dem Muschelkalk der 
Gegend von Lunevzlle untersuchten Schädel! und die Unter- 
kiefer-Fragmente nur mit Ausnahme von einem gehören einer 
grösseren Spezies an, die ich zum Andenken an den um die 
Fauna und Flora des Muschelkalkes schon zu Cuvier’s Zeiten 
verdienten Dr. GaAmtLARnoT, Vater, Simosaurus Gaillar- 
doti nenne; das andere damit nicht zu vereinigende Unter- 
kiefer-Fragment, in einem nach demselben Typus gebildeten 


Vordertheil bestehend, rührt von einem nur ungefähr 1 so 


grossen Thier her und deutet, abgesehen von dieser ge- 


ringen Grösse, auch durch die Form seiner Symphysis und 
die Lage der grossen Zahn-Alveolen eine eigene Spezies an, 
der ich den Namen Simosaurus Mougeoti gebe nach 
dem um die Fauna und Flora der Trias verdienten Dr. Mov- 
GEOT in Bruyeres, dessen Güte ich auch die Mittheilung eines 
grossen Theils dieser werthvollen Versteinerungen verdanke. 

Die Überreste aus dem Muschelkalke der Gegend von 
Luneville zeichnen sich von den namentlich zu Bayreuth ge- 
fundenen noch dadurch aus, dass sie sehr zerdrückt na 
Folve des Druckes zerbrochen aussehen und mit der Brut 
oder den Trümmern von Konchylien des Muschelkalkes be- 
deckt sind. Das Ansehen des Muschelkalks und der Kno- 
chen ist übrigens dem von Bayreuth ganz ähnlich. 

In der Sammlung zu Strassburg befinden sich einige von 
mir früher untersuchte Knochen aus dem Muschelkalke der 
Gegend von Luneville, worunter der obere Bogen von einem 
Rücken-Wirbel, an welchem ich schon, ehe ich den Simo- 
saurus vermuthen konnte, Abweichungen von den mir aus 
dem Muschelkalk von Bayreuth bekannten oberen Bogen von 
Rücken-Wirbeln derselben Grösse fand, die ich mir damals 
nicht erklären konnte. Der Unterschied besteht hauptsäch- 
lich darin, dass der obere Stachel-Fortsatz dieses Bogens 
verhältnissmäsig weniger hoch ist, als in Nothosaurus, und 
von der Stelle an, wo er entspringt, bis zum oberen Ende 


197 


hin allmählich an Dieke zunimmt. Im Übrigen besteht grosse 
Ähnlichkeit mit den Bogen der Rücken- Wirbel des Notho- 
saurus, selbst in Betreff der Kürze der Queerfortsätze und 
der hohen und schmalen Gelenk-Flächen an denselben; wie 
denn auch mehre in dieser Sammlung vorhandere Wirbel- 
Körper von derselben Lokalität sieh von denen des Notho- 
saurus aus dem Bayreuther Muschelkalk nicht wohl unter- 
scheiden lassen. 

Ich darf nieht unterlassen zu bemerken, dass ich ferner 
aus der Sammlung zu Strassburg vereinzelte Zähne aus dem 
Muschelkalk von Zuneville untersucht habe, welche durch 
verhältnissmäsig längere und schlankere Krone, durch ova- 
len @ueerschnitt und durch Mangel irgend einer Kante leicht 
von Simosaurus zu unterscheiden scheinen und sich mehr 
den Zähnen aus dem Muschelkalke Deutschlands anschliessen. _ 
Vielleicht gelingt es mir später, auch hierüber weitern Auf- 
schluss zu geben. 


Geologische Schilderung 

des grössten 'Theiles 
| ER naht 0 NE 
Gubernium Poltawa 


Hrn. GoTTLoB von BLÖDE. 


(Ein an Hrn. Bergrath PuschH in Warschau unter dem 30. Juli aus 
Charkow gerichtetes und von diesem mitgetheiltes Schreiben.) 


m 


Meine Aufgabe war: brauchbares Strassenbau-Material 
aufzufinden, und diess bestimmte als Haupt-Linie für meine 
Untersuchung die Richtung von der Knosh’schen Gouverne- 
ments-Grenze über Charkow, Poltuwa bis Krementschug. Von 
ihr bin ich dann 10—30 Werst rechts und links in das zu- 
nächst anschliessende Terrain gegangen. Nur an dem einen 
Ende der 220 Werst langen Distanz - Strecke liegen die 
wahren hammerfesten Gesteine; nach dem andern hin sind 
es meist zerbrochene und zerbrechliche Massen, vorzüglich 
aber Lehm und Sand, Ich will zuvörderst mit den här- 
testen den Anfang machen. — Es ist das plutonische Pro- 
dukt am Dnepr namentlich bei Krementschug ein Gneis, der 
theilweise dem Freiberger ähnelt. Bei seinem Anblick um- 
wehte mich daher auch einmal ein bergmännischer Hauch; 
aber der alte Silberbringer führt hier nur Gang-artige Trümmer 


199 


von grob- und gross-körnigem Granit, worin bald Quarz, bald 
Feldspath die Oberhand hat und Glimmer nur selten zum 
Vorschein kommt. Sie wechseln von 2'’— 1‘ Mächtigkeit und 
sind dabei scharf vom Nebengestein abgegrenzt, aber damit 
ziemlich fest verwachsen. Man sieht dieselben fast über- 
all in geringen Abständen und parallel nebeneinander in 
meist gleicher Richtung mit des Gneises Absonderung auf- 
setzen, wo von diesem nur einigermaasen zusammenhängende 
Partie'n entblösst sind. Das Letzte hat in der Gegend von 
Krementschug vorzüglich an 3 Punkten Statt. Vorerst ist 
das Fluss-Ufer (nämlich das diesseitige linke) unterbalb der 
Stadt mit kleinen Fels-Kämmen besetzt, die ein Bollwerk 
für einzelne Häuser gegen den Wellenschlag abgeben. Bei 
hohem Wasserstand verlieren sie aber ihre schützende Kraft 
und Kremen!'schug wird häufig dann eine Art Venedig. — 
Über den Wasser-Spiegel ragen ebenfalls hie und da Zacken 
heraus, und wo sie sich nicht darüber zu erheben vermocht 
oder schon dem Wellenschlag unterlegen sind, deuten die 
vielen kleinen Stromschnellen doch immer das durchaus 
harte Flussbette an. Bei der ziemlich vollkommenen Schiefer- 
Textur hat der Gneis auch fast durchaus deutliche Schichten- 
artige Absonderung. Die Lagen wechseln von 2'’—3‘ Mäch- 
tigkeit und zeigen ein ziemlich konstantes Einfallen von 
40°—60° in W, und NW. Sie entfallen. so diesseits dem 
Dnepr. — Ein 14 Werst nördlicheres Gneis - Vorkommniss 
ist das beim Spital Gottesacker. Die Felsart bildet hier 
einen länglichen niedrigen Hügel, an dessen einem Ende die 
Schichten-Köpfe zu Tage treten, während an’ dem entgegen- 
gesetzten andern Ende, unter einer mehre Fuss mächtigen 
Decke von mergeligem Lehm und Sand, Steinbruchbau Statt 
hat, in dem sich wohl auch zuweilen Lebende und Todte 
die Hände reichen. Es ist derselbe Gneis mit ähnlichen 
Gang-Trümmern und gleichem Schichten-Fall, als wie am 
Fluss-Ufer. So ist die Beschaffenheit auch der kleinen Gneis- 
Partie'n, die an dem flachen diesseitigen Thal-Abhang un- 


weit der Strasse nach Poltawa aus dem Sand hervorstossen. 


PZ 


200 


Diess ist das entfernteste sichtbare Gesteins- Vorkommniss 
am Fluss-Ufer, etwa 2 Werst davon entfernt. Dabei 'er- 
hebt es sich etwa 3—4 Faden hoch über den Wasser-Spie- 
gel, was die‘ grösste Höhe ist, die der Gneis in der Um- 
gebung der Stadt ’erreicht. Die mächtigen Sand-Hügel, 
welche sich hier höher über ihn aufthürmen, 'erniedrigen 
sich nördlich bald wieder; aber gleichwohl ist mit 'allen 
Wasser-Brunnen, die in den Ortschaften rechts und links 
der Poltawer Poststrasse bis 9 Faden tief gegraben worden 
sind, nirgends etwas anders als Sand oder Lehm getroffen 
worden. 

Man wird sich aus meiner geognostischen Skizze vom 
Gouvernement Charkew [Jahrb. 1841, 533] der Ansicht erin- 
nern, die ich über die wahrscheinliche Verbreitung der Stein- 
kohlen-Formation im südlichen Russland hege, und es ist eben- 
falls bekannt, dass fast gleichzeitig auch L. v. Buch in seinen 
Beiträgen zur Bestimmung der Gebirgs-Formationen Russlands 
[Jahrb. 1841, 127] die Anwesenheit jener in der Gegend von 
Krementschug vermuthet. Beides liess mich ‘keine Mühe 
scheuen, der mächtigen Schuttland-Deeke überall ins Innere 
zu sehen, wo sich nur eine Gelegenheit darbot; aber nach Al- 
lem scheint es, dass in der nähern und entferntern Umge- 
gend jener Stadt noch keine Zwischenbildung zwischen dem 
@neis und den Diluvial- Ablagerungen zu suchen ist. Um 
hierüber in andern Gegenden der Gneis-Zone Kenntniss zu 
erlangen und überhaupt die Gneis- Vorkommnisse mit ihren 
Decken längst des Dnepr zu beobachten, machte ich eine - 
Wasserfahrt bis zum Städtchen Keleberda, was einige 20 
Werst von Krementschug Strom-abwärts liegt. Der Fluss 
ging noch mit hohem Wasser, und so zeigten sich nicht alle 
die Gesteins-Zaeken ‘und kleinen Stromschnellen, die sonst 
bei niedrigem Wasserstand sichtbar seyn 'sollen; ‘dagegen 
äimponirten mehre kleine Gesteins-Inseln durch ihre weiss- 
gebleichten Felsen auf der dunklen Wasserfläche. Auf 
einer der bedeutendsten und nächsten von Kremenischug 
offenbarte sich noch ziemlich deutlieher westlicher Schichten- 


901 


Fall, aber je weiter davon, nimmt der Gneis ein granitisches 
Ansehen an, und das was zuvor als Schichtung erschien, 
wird nun eine unregelmässige senkrechte Absonderung oder 
blosse Zerspaltung. Diese interessante Abstufung verfolgte 
ich vorzüglich am diesseitigen Ufer, was mir wegen des 
 Stein-Geschäfts natürlich zunächst am Herzen liegen musste. 
Man denke sich aber auf keinen Fall dasselbe wegen des gnei- 
sigen Flussbettes auch durchaus felsig; im Gegentheil las- 
sen sich in der ganzen zuvor bemerkten Distanz höchstens 
S—10 Stellen zählen, wo anstehendes Gestein in Partie’n 
von meist unbedeutender Erstreckung die Sand- oder Lehm- 
Decke durchbricht. Eine der stattlichsten erhebt sich am 
Kinfluss des Psol, und ich muss sie, wegen der ergötzlichen 
Landschaft, die sich hier damit verbindet, die Schweitzer- 
Partie des Dnepr nennen. — lch weiss nicht, ob auswärts je 
etwas über die lieblichen Gegenden von Worskla und vor- 
züglich von Psol bekannt geworden ist: sie würden sich fast 
mit den anmuthigsten Thal-Gründen von Süddeutschland mes- 
sen können, wenn ihnen statt der vielen gelben Lehm-Racheln 
nur die Fels - Partien der weniger anlockenden Dnepr- 
Gegenden 'eigen wären. Gerade diess ist aber nun an der 
angezeigten Stelle der Fall. Die Felsen erheben sich nun 
freilich nieht in die Alpen-Regien, sondern nur 'zu der be- 
scheidenen Höhe von 4—5 Faden; aber dafür verwickelt 
sich nun auch mit ihnen bis auf ihre höchsten Spitzen die 
üppige Vegetation des Psul-Grunds. Stellt man sich auf 
einen derselben, das Gesicht Strom-aufwärts gewendet, so 
hat man links unter sich die riesige aber klare Wasser-Masse 
des Dnepr mit seinen ‘Stromschnellen und Felsen- Zacken, 
die wie Nymphen sich bald auf- bald unter-tauchen, je nach- 
dem eine Welle sie bedeckt oder bloslegt; vorwärts am 
Ende des weit ausgedehnten Wasser-Spiegels präsentirt sich 
Krementschug wie eine Haven-Stadt, während sich halb rechts 
nun der Vordergrund des Psol-Thals mit einem grünen 
Wiesen-Teppig eröffnet, auf dem wild romantisch geordnete 


Baum-Groppen von allerlei Laub- und Nadel-Holz prangen, 


202 
durch welche stellenweise der Psol selbst wie ein Silberblick 
durchsehimmert. So ist die Umgebung der Fels - Partie 
auch rückwärts; nur dass hier .noch, gleichsam um dem 
Ganzen das vollendetste Gepräge aufzudrücken, auf der 
Höhe des Hügels eine Kosacken-Familie nistet, deren Vieh- 
stand, ein paar Ziegen, wie lustige Gemsen auf den Felsen 
herumhüpfet. So hat man hiermit ein Feder-Gemälde von 
einer Dnepr-Psol-Landschaft. Setzet man noch Einiges 
hinzu, nimmt Anderes hinweg, so wird man mir Recht geben, 
dass ein soleher Punkt in der Steppe wohl eine Schweilzer- 
Partie genannt werden kann. — Der Gneis der Felsen 
ist schon ein gelber Gnanit, worin schiefrige und körnige 
Textur um die Herrschaft ringen. Die Schichten-artige Ab- 
sonderung hat daher einer mehr nur irregulären senkrech- 
ten Zerspaltung Platz gemacht, mit der inzwischen die 
Blättchen des Glimmers parallel liegen. So verhaiten sich 
auch die hier vorkommenden Granit- Gänge. Vom Dnepr- 
Ufer setzt hier das Gestein einige Werst am Psol fort, 
wobei es ähnlich wie bei Kremenischug durch einen schma- 
len niedrigen Hügel markirt wird, der eine kümmerliche 
Vegetation trägt und hie und da mit Fels-Blöcken bedeckt 
ist. Zu beiden Seiten liegen Diluvial- Absätze, und wo der 
Hügel endigt, nehmen solche allmählich die gewaltige Mäch- 
tigkeit an, die ihre Verbreitung auszeichnet. Nichts ist 
noch von Anzeichen einer Zwischenbildung vorhanden. — 
Bis Keleberda machen sich nun ‘nur noch ‘einige Gesteins- 
Partie'n bemerkbar, und je näher diesem Ort, desto mehr 
wird deren Natur granitisch. Das Städtchen selbst liegt 
fast ganz auf Felsen-Grund, und da sich dieser zum Theil 
gegen 5 Faden über den Dnepr erhebt, so hat nur der 
niedrig gelegene Stadt-Theil die Wuth des Stromes zu fürch- 
ten. Gleichwohl zeigt der ganze Vordergrund des Hügels 
ein Bild wilder Zerstörung; es scheinen noch die Wahr- 
zeichen von der frühern Wasser-Gewalt zu seyn, die grosse 
Gesteins-Massen von einander getrennt und zum Theil das 
Unterste zu oberst gekehrt hat. Nach dem vorherrschenden 


203 


petrographischen Charakter muss man den Bestand dieser 
Massen schon als Granit anerkennen; nichtsdestoweniger 
hat sich aber das Gestein gänzlich dem Krementschuger 
Gneis entfremdet. Es ist ein kleinkörniger Granit, aus 
äbnlichem röthlichem Feldspath, grauem Quarz und schwar- 
zem Glimmer gebiliet, als wie diese dem Gneis eigen sind, 
nur dass der Glimmer einen sehr geringen Antheil an der 
Zusammensetzung hat und zuweilen ganz fehlt. Dieser 
Zug und dass kein Bestandtheil zu Krystallen ausgebildet, 
erinnert an den Podolischen Granit; auch ist er eben so, 
wie dieser, ohne jede andere Mineral-Beimengung , als zu- 
weilen etwas Granat. Niehtsdestoweniger ist doch aber 
immer der allgemeine Habitus zwischen den Gesteinen des 
Dneprs und Bugs ein verschiedener. — Im Grossen zeigt 
die Keleberdaer Felsart ähnliche senkrechte Absonderung, 
wie sie von vorgängigen Partien bemerklich gemacht wor- 
den ist, nur ist Mächtigkeit und Parallelismus seiner 
Platten noch variabler. Darnach scheint sich nun auch 
das Verhalten der Granit - Gänge zu modifiziren, die hier 
eben so häufig wie im Krementschuger Gneis vorkommen 
und dieselbe Gesteins - Beschaffenheit wie dort auch über- 
all da zeigen, wo sie sich nur der Beobachtung darbieten. 
Es scheinen überhaupt diese Gang-artigen Granite so an 
allen den übrigen Gesteins- Massen zu haften, wie die den 
ältern Kalkstein - Bildungen eigene Kalkspath- Durchtrüm- 
merung. — Etwas anderes als Diluvial-Straten ist ebenfalls 
über dem Keleberdaer Granit nicht zu sehen. Aller Orte, 
wo er sich gegen N.O. unter einer Decke versteckt, sind 
es jene, welche diese bilden, und schon bei einigen Wersten 
Entfernung stehen alle Wasser-Brunnen und tiefe Wasser- 
Racheln bis in das Fluss - Niveau im Lehm und Sand, Es 
hat so auch hier den Anschein, als wenn das krystallinische 
Gebilde seitwärts vom Drepr schnell der Tiefe zufiele, und 
der Umstand, dass seine Erhöhung und der Fluss-Lauf strich- 
_ weise zusammentreffen, möchte vielleicht am wahrscheinlich- 
sten durch eine Spalte bedingt worden seyn, wodurch diesem’ 


204 


die Richtung vorgezeichnet ward.  Keineswegs aber dürfte 
der Fluss-Lauf durch den Gneis- Granit-Rücken allein be- 
stimmt worden seyn, und weine Beobachtungen beriehtigen 
daher auch die Angabe von Dusois u. A., welche irviger 
Weise. die Dnepr-Gesteine erst bei Jehalerinoslaw,, 150 Werst 
unterhalb Krementschug, auf die linke Fluss-Seite übertreten 
lassen. — Es ist gerade die Gegend, wo sich der Dxepr 
plötzlich gegen S. herein wendet, und so hat man vielleicht 
damit den Mangel an. Beobachtungen ergänzt. — Wie weit 
von jenem Rücken ab könnten aber nun wohl die Gebirgs- 
Bildungen und insonderheit darunter die Kohlen -Formation 
zu suchen seyn, welche namentlich im benachbarten Gou- 
vernement Jehaterinoslaw in der Nähe der plutenisehen 
Felsarten an die Oberfläche gebracht worden sind! Die 
Erscheinung, dass man zunächst und entfernter von jenem 
auf keine Spur, selbst auf kein Anzeigen stösst, ist eine 
auffällige, und es. möchte desshalb ihre Deutung mit Ver- 
hältnissen verknüpft seyn, die denen von den Jekuterinos- 
law’schen Gegenden gerade entgegengesetzt wären. — Sollte 
man nämlich nieht annehmen können, der Granit-Gneis-Rücken 
aın Dnepr sey schon vor der Kohlen-Bildung erhoben und 
habe den westlichen. Rand der Mulde abgegeben, innerhalb 
deren jene zur Entwickelung gekommen, während die gleich- 
artige Unterlage für die Kohlen-Formation am Donetz evst 
nach Entstehung der letzten in die Höhe getrieben wor- 
den seye® und möchten nicht die dasigen vielartigern plu- 
tonischen Gesteine, wovon der grössere Theil wohl als 
Durchbruchs- Produkte gelten kann, ein schlagender Be- 
weis dafür seyn $ — Über denselben Gegenstand habe ich 
schon in einem Brief [Jahrb. 1841, 510], bei Gelegenheit, wo 
ich auf die grosse Verschiedenheit zwischen den Podolischen 
und Jekaterinoslawer plutonischen Gesteinen und noch mehr 
auf das abweichende Verhalten ihrer Decken-Gebirge auf- 
merksam gemacht, eine ähnliche Meinung geäussert, und 
ich bringe diese hiermit in Erinnerung. — Ist Erstes nun 
aber der Fall, alsdann kann jenes Fehlen der ältern 


205 


neptunischen Absätze zunächst dem Ausgehenden ihres 
Grund-Gebirgs noch weniger befremden ; ınan wird im Gegen- 
theil nach Analogie der Gebirgs - Konstitution im Charkow- 
schen und Jekalerinvslawschen auch ihr Daseyn im Poltaw- 
schen voraussetzen können, nur dass sie hier tiefer unter 
der Oberfläche und so auch erst in grösserem Abstand von 
dem ausstehenden Gneis-Granit-Kamm liegen dürften. — 

Gern hätte ich in der Distanz, wo ich die Dnepr- 
Gesteine auf der linken Ufer-Seite verfolgt, auch auf der 
rechten untersuchen mögen, weil sich aus vergleichenden 
Verhältnissen beider gewiss einige interessante Ergebnisse 
vermuthen lassen; doch da die rechte Ufer-Seite nichts mit 
dem: diesseitigen Strassen - Bedarf zu schaffen hat, so be- 
schränkte ich mich blos auf die Besichtigung der Felsen 
beim Städtchen Krukow, was Krementschug vis-&a-vis liegt 
und noch ein Enclave des Poliawer Gouvernements ist. Zwi- 
schen den Gesteinen von beiden Orten ist kein Unterschied; 
nor. der Fall-Winkel der Schichten -artigen Absonderung 
schien mir an den Gneis- Felsen bei Krukow etwas stär- 
ker, als an jenen bei Krementschug zu seyn. Gegen eine 
Werst vom Ufer erhebt sich das rechte Thal-Gehänge be- 
deutend steiler und höher, als das diesseitige linke, und 
zieht so vom Fluss aus gesehen wie eine Hügel-Reihe 
längs demselben fort. Zugleich sollen an ihm. die Ufer- 
Gesteine ein: höheres Niveau unter den Diluvial- Ablagerun- 
gen. erreichen, als diesseits. Wäre es der Fall, so 
möchte diess eine beachtungswerthe Erscheinung seyn, die 
im Verein mit genauen Abnahmen der Sehichten - Neigung 
zu wichtigen Anhalts - Punkten über die Entstehungs- Art 
des Dnepr-Thals führen könnte. 

Bevor ich jetzt Pruro’s Steinreich verlasse, muss ich 
sehliesslich noch ein: Mal auf den früher berührten Übergang 
des Gneises in Granit zurückkommen. In der That ist 
dieser zwischen Krementschug und Keleberda so vollkommen 
und findet so successive statt, dass man sieh eine zauber- 
hafte Wirkung von gar sonderlichen geisterhaften Mächten 


206 


denken muss, wenn man den Gneis als ein metamorphisches 
und den Granit als ein plutonisches Erzeugniss ansehen 
und: so beiden natürlichen Brüdern ein freındes Eltern-Paar 
geben will. — Überhaupt bin ich noch nicht im Stand, mich 
mit der Umwandlungs - Hypothese zu befreunden; es liegt 
‚doch gar zu viel Gespensterhaftes: darin. — i 
Ich springe gegenwärtig nun auf die lockern Massen 
— die Diluvial-Bildungen — über, Zwar gibt es in dem 
Landstrich, von dem hier die Rede ist, noch einige andere 
Gesteine zwischen jenem und dem plutonischen Gebilde, 
aber es werden sich deren zum Theil ganz eigenthümliehe 
Verhältnisse klarer herausstellen lassen, wenn zuvor erst 
von dem Diluvium die Sprache gewesen ist. — Diess Letzte 
macht durch seine ungeheuern Lehm- und Sand- Massen 
wirklich auf eine Europäische Bedeutsamkeit Anspruch. 
Alle Nebenthäler des Dnepr sind in ihm eingeschnitten 
und alle Wasser-Brunnen, selbst die tiefsten, in ihm ausge- 
graben. Daraus kann man schon ebensowohl auf seine 
überaus grosse Mächtigkeit als wie auf seine durchgreifende 
Verbreitung schliessen. Es gleicht einem wahren ‚Meer, 
dessen messbare Tiefe stellenweise bis 20 Faden beträgt; 
Alles was von andern Gesteinen noch vorkömmt, erscheint 
nur insularisch darin. Recht interessant sind stellenweise 
gewaltige Racheln im Lehm, vor denen man oft plötzlich 
wie vor lauernden Schlangen-Rachen steht. Es sind diess 
mehr Stockwerks-Pingen-artige Einbrüche in der Lehm-Masse, 
als Wasser- Auskesslungen , obwohl Wasser durch früheres 
Eindringen in die Risse des Lehms grösstentheils die Grund- 
Ursache dazu gewesen seyn mag. Desshalb 'endigen‘ die 
sneisten dieser Schlünde auch in Thälern, aber die Haupt- 
Weitungen liegen zuweilen 1 Werst davon ab, und von 
ihnen gehen nach verschiedenen Richtungen schmale aber 
Jlangerstreckte Boden-Senkungen von 1 bis zu mehren Fussen 
Tiefe aus, wodurch sie ihr Reich auf Kosten des Ackerbaues 
immer mehr zu vergrössern suchen. So mögen fast unver- 
kennbar denn die schwachen Erdbeben, welche Perioden- 


207 


weise: durch’s' südliche Russland ihren Zug. nehmen, auch 
anderntheils einen gewissen Antheil an der ganzen’ Erschei- 
nung haben. — Sand und Lehm als wahre massige Diluvial- 
Erzeugnisse sieht man kaum sich gegenseitig. überlagern; 
sie stossen in horizontalen Richtungen aneinander, und es 
gewährt mitunter einen frappanten Anblick, an Thal-Wänden 
beide hart nebeneinander zu sehen. Allerdings tritt auch 
strichweise eine Lehm-Kruste über Sand ‚und umgekehrt 
eine Sand-Decke über Lehm auf; aber diess sind mehr jün- 
gere Bildungen. Beider Mächtigkeit beträgt nur 1—2 
Faden, und sodann lässt sie auch ihr mineralogischer Cha- 
rakter sogleich von den massigen Lehm- und Sand-Vorkomm- 
nissen unterscheiden. Der ältere Lehm ist meist mergelig, 
dabei ziemlich kompakt und stellenweise voller. Kalk-Kon- 
krezionen und der ältere Sand ungleich krystallinischer. als 
der jüngere. In Hinsicht der Sande muss man aber auch 
nieht noch einen dritten damit verwechseln, der zwar zu 
jenen das meiste Material geliefert hat, aber einer Sandstein- 
Bildung angehört, von der bald die Rede seyn wird. Ich 
habe eben beiläufig der bekannten Kalk- Konkrezionen ge- 
dacht. Diese kommen im Poltawschen in weit grösserer 
Frequenz vor, als sie mir in dem Lehm von Podolien 
und Bessarabien und selbst im Charkowschen aufgestossen 
sind. Vorzüglich. ist eine obere ziegelrothe ziemlich ver- 
härtete Lehm-Schicht ihr Hauptsitz, in der sie ohne Ordnung 
zerstreut liegen, und wo diese striehweise durch Wasser 
zerstört worden ist, da gibt es ähnliche Haufwerke, wie 
sie im Kreide-Gebirge öfters die ausgewasehenen Feuersteine 
zeigen, Die Meinung, welche diesen Knollen einen organi- 
schen Ursprung zuschreibt oder darin Ähnlichkeit mit den 
sogenannten Imatra-Steinen finden will, ist wohl eine durch- 
aus irrige. Wenn auch zuweilen einzelne Nieren an orga- 
nische Formen erinnern, so sind viele andere davon ver- 
schieden. Eben so ‚weicht Äusseres und innere Struktur, 
sobald man nicht einzelne, sondern alle Varietäten iu Be- 


trachtung zieht, von den eben auch vielfach missgedeuteten 
Jahrgang 1842. 14 


208 
Imatra-Steinen ab. — Konkrezionen mit Granit-Geschieben; 
wie solcher Hr. Hormans in seinem Bericht einer Reise von 
Kiew bis Odessa (Jahrb. 7840, 707) gedenkt, sind mir nie zu 
Gesicht gekommen; dagegen habe ich an einigen Stellen die bis 
60 Werste vom Dnepr ab liegen, Wallnuss- und Haselnuss- 
grosse Granit-Brocken im Lehm gefunden, und in einer Seiten- 
Schlucht des Worskla bei Reschetilowka liegen selbst bedeu- 
tende Blöcke, wovon die Masse dem Gang-Granit ähnelt; 
Das Vorkommen ist auffällig; aber vielleicht würde es in 
Verbindung mit gar denkwürdigen Verhältnissen der Sand- 
stein-Bildung zu bringen seyn, die ich schon vorläufig berührt 
habe und zu der ich nui übergehen will. Denke man 
sich in einem ungefähr 20— 40 Werst breiten ‚Striche, der 
aus dem westlichen Theil des Gouvernements Charkow durch 
den südliehen des Poltawschen bis an Worshla reicht, etwa 
S vereinzelte Sandstein-Partie’n, welche wie in das Schuttland 
von unten hineingeschoben, so von diesem allseitig umlagert 
und dadurch bis in den Fluss-Horizont von einander getrennt, 
sind. Aller Sandstein hat einen und denselben mineralogi- 
schen Charakter, und es ist so weiter unzweifelhaft, dass 
alle isolirte Partien die stehengebliebenen Überreste einer 
wahrscheinlich weit verbreiteten Sandstein - Bildung sind. 
Zusammen nehmen sie ungefähr einen Flächen-Raum ein, der 
zu dem ihres frühern Ganzen kaum in einem andeutbaren 
Verhältniss steht. Aus dem was zerstört worden, ist grössten- 
theils die Masse des Diluvial-Sands hervorgegangen, undes fehlt 
nieht an Wahrscheinlichkeit, woraus sieh schliessen lässt, 
dass das Zerstörungs- Terrain des Sandsteins zugleich das 
Ablagerungs-Terrain für den Sand gewesen, ja dass stellen- 
weise dieser noch den Ort beibehalten hat, den sein Mut- 
tergestein beherrschte. — Der Schlüssel zu diesen Erschei- 
nungen wird sich sogleich darbieten, sobald Gesteins - und 
Lagerungs - Verhältniss unsers Sandsteias näher entwickelt 
worden sind. Die Haupt-Abänderung, welche gewissermaa- 
sen in der Mitte zwischen noch zwei andern vorsteht, ist 
ein kleinkörniger @uarz- Sandstein von grauer und gelber. 


209 
Farbe und mit geringem eisenschüssig-thonigem Bindemittel. 
Kaum kommt ein anderer Gemengtheil darin vor, dagegen 
zeigt sich nicht selten der Sandstein gestreift: Theils ist 
er fest und mitunter sehr fest, zum Theil aber auch bis 
zum Zerfallen locker. Die andere Varietät, in die jene 
übergeht, hat ein stärkeres eisenschüssiges Zäment, ist dess- 
halb zuweilen hochroth und sieht fast wie gebrannt und 
ähnlich den Bruchstücken aus, deren ich in meiner Skizze 
vom COharkower Gouvernement gedacht habe. — Gegen die 
vorige und noch eine dritte Haupt- Abänderung nimmt sie 
nur geringen Antheil an den Schichten-Komplexen und ist 
Partie'n- weise gar nicht sichtbar. Überhaupt scheint sie 
nur eine veränderte gelbe Varietät zu seyn. — Die dritte 
Haupt-Abänderung ist meist grau und weiss und mehr fein- 
als klein-körnig. Auch sie sinkt von einem festen @uarz- 
artigen Sandstein bis zu einer lockern Zucker-artigen Masse 
herab. Manche Fels-Blöcke davon besitzen eine sehr feste 
Kruste, aber ist diese einmal durch starke Hammerschläge 
zersetzt, so stiebt auch das Übrige in Brocken oder als Sand 
auseinander. An diese Abänderung schliesst sich zunächst 
nun auch der Sand an, der die Schichten- Komplexe mit 
konstituirt. Es ist ein feiner krystallinischer Quarz-Sand, 
ganz so wie in dem zuletzt beschriebenen weissen Sandstein, 
und überhaupt nichts anderes als nur die Zäment-lose Kör- 
ner-Masse desselben. Zum Theil nimmt er zwischen den 
Stein-Schichten Platz, doch am meisten trifft man ihn zuun- 
terst, obwohl nicht unwahrscheinlich sodann tiefer von 
neuem wieder Stein folgen kann. Aber ausserdem scheint 
es auch, als wenn in der Horizontal-Verbreitung gewisse 
Schichten Distanz- weise bald Sandstein bald nur Sand wä- 
ren. — Alle Entblössungen befinden sich entweder in Schluch- 
ten oder an der rechten Thal-Wand einiger Flüsse, und nach 
ihnen möchte man glauben, dass der Sandstein überhaupt 
mehr eine erhabene als tiefe Region einnähme, aber dass 
diess weniger der ursprüngliche als vielmehr ein veränderter 


Horizont sey. Von den Partie'n bei Beresowa (südlich 
14: 


210 
Charkow) und Mertschik (nördlich Walki) liegen die Schich- 


ten auf der kleinen Strecke, wo sie durch Steinbruch-Bau 
sichtbar geworden, wenig geneigt. Ganz anders dagegen 
ist es bei Munutlow Buerak (südlich Walhi) und bei Petschani 
so wie Berestowenka (nordöstlich Kunstantinograd). Hier 
zeigt sich nun eben die merkwürdige gewaltsame Störung 
in der Lagerung und Schichtung und dabei eine theilweise 
Zermahlung des Sandsteins zu kleinen Fragmenten und selbst 
Sand. Nichts ist in seiner ursprünglichen Lage; anstatt zu- 
sammenhängender Schichten sieht man nur Felsen-Haufwerke, 
nach verschiedenen Richtungen geneigt. Das Ganze trägt hier 
überall so sehr den Anschein, als sey es von unten herausge- 
hoben, dass man mit Spannung, wenn auch vergeblich, die 
Produkte der Katastrophe sucht, wodurch diess bewirkt 
worden seyn könnte. — Bei Manuilow Buerak lassen sich 
stellenweise an grossen Schichten - Fragmenten bedeutende 
Krümmungen wahrnehmen; doch ist die Lokalität nicht so 
günstig, um bestimmt entscheiden zu können, dass es eine 
spätere Biegung sey, und nicht von einer grossartigen kon- 
zentrisch-schaaligen Absonderung herrühre. 

An der rechten Thal-Wand des Worskla zwischen den 
Dörfern Kamenka und Brusia nördlich Poltawa. ragen aus 
dem Sand in 3 bis 5 Faden Höhe über den Wasserspiegel ge- 
waltige Sandstein-Blöcke bis von 14 Faden Länge hervor, und 
nur einige Faden höher sind durch einen kleinen Graben 
eine Menge von Bruchstücken und Brocken entblöst, so 
dass fast gewiss ein grösseres Haufwerk zertrümmerter 
Schichten tiefer im Sande zu suchen ist. — Genug, alle 
Zustände, in welchen man die Sandstein-Formation erblickt, 
konnten nicht blos durch äussere Gewalten hervorgebracht 
werden; vielleicht dass sie später noch zerstörender auf 
den Zusammenhang einwirkten ; doch die erste und Haupt- 
Zerstörung scheint von unterirdischen Emporhebungen aus- 
gegangen zu seyn, obwohl ausser den früher berührten 
Granit-Brocken und Blöcken keine andere Felsart selbst nicht 


Spuren-weise zum Vorschein kommt. — Die wichtige Frage 


211 


über das Formations-Alter des Sandsteins ist von allen sei- 
nen Vorkomms-Punkten aus nicht bestimmt zu beantworten. 
Das Fehlen eines diessfalls entscheidenden Grund- und vor- 
züglich Decken-Gebirgs wird nicht durch bestimmende Petre- 
fakte ersetzt, obwohl unter gewissen Einschlüssen im 
Sandstein auch Formen vorkommen, denen eine vegetabili- 
sche Abkunft und namentlich einige Ähnlichkeit mit Kala- 
miten zugesprochen werden könnte. Aber diese Walzen- 
förmigen, zum Theil auch breitgedrückten und meist inwendig 
hohlen Gestalten von einigen Zollen bis Fuss-Länge und dann 
bis 3 und 4 Zoll Dicke gehen durch Mittelform in andere 
über, die kaum für etwas Anderes als nur für Konkrezionen 
genommen werden können. — Immer werde ich iudess dar- 
über erst noch andere Meinungen hören und zur Be- 
urtheilung einige Exemplare gelegentlich versenden. Über 
sämmtliche Einschlüsse muss ich aber noch Einiges bemerken, 
da vorzüglich die Art und Weise des Einschlusses recht 
interessant, ja selbst ganz auffällig ist. Vorerst ist die 
Masse aller ein von dem sie einschliessenden gar verschie- 
dener Sandstein. Bei einem mitteln und selbst groben Korn 
besitzt er eine rothe oder bräunliche Farbe und einen so 
stark hervortretenden Eisen-Gehalt des Bindemittels, dass 
manche Stücke wohl für Eisensand-Erz genoinmen werden 
könnten. Was nun ihr Eingeschlossenseyn anbetrifft, so 
liegen sie im Sandstein gerade nur wie eingeknetet, sind 
gewöhnlich mit einem leeren Raume umgeben und sodann 
nur stellenweise mit jenem locker verkittet. Das gibt den 
Anschein, als wenn sie nicht mit letztem gleichzeitig ent- 
standen, sondern als schon existirende Gebilde nur von ihm 
umhüllt worden wären, und fast könnte man einen solchen 
Gedanken Raum geben. — Auf Felsen-Flächen, die längere 
Zeit atmosphärischem Einfluss ausgesetzt gewesen, sieht 
man nur ihre hinterlassenen leeren Räume und so einen 
kavernösen Sandstein; sie selbst aber liegen im Sand zer- 
strenet. Am besten ist diess Alles am Worskla bei Slasonze 
zu beobachten. N güsues ur 


212 


Gewiss ist die interessante Sandstein - Formation über 
einen grossen Theil von Süd-Russland verbreitet, nur dass 
sie den Dnepr nicht überschreiten dürfte; und so ist wohl 
bei späterer genauer Untersuchung benachbarter Landes- 
Theile Hoffnung, ihre geognostische Stellung definitiv ermit- 
telt zu sehen. — Varläufig bin ich geneigt, sie weniger für 
eine ältere oder mittle Sandstein- Bildung, als vielmehr 
für eine jüngere und vielleicht für den Eisen - Sandstein 
der Kreide - Formation zu halten. lich fusse dabei ausser 
dem Gesteins-Charakter noch auf zwei lokale Umstände. 
Vorerst ist bis jetzt noch kein Sandstein von mittlem Al- 
ter in Süd- Russland vollgültig nachgewiesen, und sodann 
hört überall die Herrschaft der Kreide auf, wo die des 
Sandsteins beginnt, so dass man sie beide als sich gegen- 
seitig ersetzend betrachten könnte. — 

Von hoher Bedeutung ist die Sandstein - Bildung übri- 
gens noch für den Diluvial-Sand mit Sandstein-Bruchstücken 
im südlichen Aussland. In meiner Skizze vom Gouverne- 
ment Charkow war ich um die @uelle für letzte verlegen, 
und. in meinem spätern Brief an Lron»arD glaubte ich sie 
nur allein von Kohlen-Sandstein ableiten zu müssen. Jetzt 
liegt auf einmal uns die Hauptquelle für jene Fragmente 
vor Augen und, wenn auch der Äntheil, welchen der Kohlen- 
Sandstein daran haben dürfte, nicht als ausgeschlossen an- 
zusehen ist, so rührt doch entschieden die grösste Menge 
der Bruchstücke von den jüngern Sandsteinen her. Wie- 
der eine neue volle Thatsache von Wichtigkeit für das 
Studium der Diluvial-Straten in den Süd-Provinzen. 

Damit will ich nun vorläufig die Mittheilungen über 
die innere Gebirgs-Beschaffenheit des von mir durchforsehten 
Terrains schliessen; sie umfassen das Erheblichste davon. 
Das was ich jetzt noch aus meinen Beobachtungen zum Besten 
geben will, berührt ein Verhältniss der äussern Oberflächen- 
Konfiguration von hohem Interesse. Vielleicht kennt man meine 
Hypothese, welche ich zur Erklärung der sonderbaren Thal- 
Formen vorzüglich vom Fluss- Gebiet des Donetz aufgestellt 


213 


habe. Ganz: so, wie ich hierbei vermuthete, zeigen die Fluss- 
Behälter des Dxepr ähnliche Erscheinungen, nur sind diese noch 
frappanter und zum Theil wohl auch etwas abweichend von er- 
sten... Wenn man im Pollawschen Gouvernement die Dnepr- 
Flüsse im Allgemeinen aus W. in O. verkreutzt, so steigt man 
wie von einer Treppe hinab, die eben so viele Stufen, als der 
Dnepr Seitenflüsse,. hat. Das Bild gibt sogleich einen all- 
gemeinen Begriff von der merkwürdigen Erscheinung. Die 
Fluss-Einsehnitte stellen nämlich nur Halbthäler dar, wovon 
jedes eine bis 20 Faden hohe Wand oder besser Terrasse 
hat, die sich in der Regel rechts des Flusses befindet, 
rärend../sich. Alinks:üdem. Eilnss; Ufer eine zum: Eheil:am- 
übersehbare Ebene anschliesst. — Wäre ich nicht schon 
durch die Donetz-Thäler im Charkowschen theilweise darauf 
' vorbereitet gewesen, so möchte sieh mir unter anderen als 
plausibelste Erklärungs- Art die Hypothese aufgedrängt ha- 
ben, dass die Dnepr - Flüsse auf Gebirgs - Spalten liefen, 
woran sich immer die Gebirgstheile dazwischen niedergesetzt 
hätten. Allerdings würde eine solche Annahme vorerst auch 
eine genaue Bekanntschaft mit gewissen Zuständen am 
Dnepr als der sodannigen Hauptspalte voraussetzen; aber 
auch schon ein Überblick ven den Fluss-Terrassen auf die 
Gegenstände der jenseits von jedem Fiuss liegenden Ebene 
gibt die Überzeugung, dass letzte so unmerklich ansteigt, 
dass sie nach beistehender Figur beim folgenden Fluss eine 
fast eben so hohe Terrasse zu bilden im Stande ist, als 
wie der vorgängige Fluss besitzt. Dafür ist auch ‚noch der 


schlagendste Beweis der nur unbedeutende Niveau-Unter- 
schied zwischen den Flüssen. — Aber immer blieb ich 
auf das Verhalten des Dnepr und der Niveau -Beschaffen- 
heit seiner Gesteine aın diesseitigen Ufer gespannt; denn 


214 


falls Spalten und Senkungen in der vorausgesetzten ° Ärt 
innerhalb seines Fluss- Gebiets Statt gefunden hätten, so 
müssten sich nothwendig auch auf- und nieder-wärts sprin- 
gende Winkel an den Ufer-Gesteinen oder abwechselnd di- 
stanzweises Verschwinden und Wiederhervortreten derselben 
offenbaren. Doch ein solches Verhalten ist nieht zu beob- 
achten; und so scheint mir denn immer meine Hypothese für 
die Donelz-Thäler, welche sich auf eine allgemeine Boden- 
Senkung gegen S.W. basirt, auch für die Dnepr- Thäler, 
wenn auch nicht ganz genügend und Vorwurfs-frei, doch 
am ungezwungensten anwendbar zu seyn. — Würde übri- 
gens endlich noch einmal durch scharfe Beobachtungen dies- 
und jen-seits des Dnepr die Wahrscheinlichkeit einer Spalte 
für denselben noch mehr erhöht, so liesse sich vielleicht 
auch denken, dass diese Spalte die Mitursache für die be- 
rührte allgemeine südwestliche Boden-Seukung seyn könne. 
Jetzt wäre ich nun zum Schluss aller meiner Mitthei- 
lungen, und diess wird vielleicht willkommen seyn, da ich 
zuletzt die Feder nur auf dem bodenlosen Grund der Hy- 
pothese schwang, die nun aber schon einmal eine nothwen- 
dige Erbsünde der Geognosie ist. — Übersieht man endlich 
das Ganze noch mit einem Rückblick, so bestätigt sieh die 
Erfahrung, dass ein öfters beim vorerstigen Anschein ein- 
förwiger Landes-Strich bei genauer Nachforschung mancher- 
lei Interessantes enthält, sobald man dafür nur ein offenes 
Auge hat und nicht flüchtig über Sand und Lehm forteilt. 
— So wie übrigens der durehforschte Streifen beschaffen, 
dürfte wahrscheinlich die allgemeine geognostische Beschaf- 
fenheit des ganzen Gouvernements Pollawa seyn, das einen 
Flächen-Raum von 1189 geogr. [Meilen umfasst. 


u En 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
| | gerichtet. 


Tharand im Januar 1842. 


Dass der die Hessberger Fährten enthaltende Sandstein zur For- 
wation des Bunten gehört, ist. jetzt auch durch die von Hrn. FELDMANN 
bei Jena aufgefundenen, von Kock und ScHmipr beschriebenen ganz 
analogen Fährten hinlänglich bewiesen; aber Crepner’s interessanter 
Aufsatz über das relative Alter dieses Sandsteins (Jahrb. 1841, S. 556) 
brachte mir die Erhebungs-Linien im Thüringischen Muschelkalk wieder 
recht lebhaft in Erinnerung, über die ich Ihnen schon 1840 ziemlich 
ausführlich schrieb, Der von CrEpner beschriebene schmale Muschel- 
kalk-Zug, der mit 40°—50° S.W. Neigung von Eisfeld nach Gottfrieds- 
berg zu streicht und weiterhin in dem Dollmar seine Fortsetzung findet, 
gehört offenbar einer solchen Erhebungs-Linie an; er streicht wie die 
Linien bei Eckartsberga und Gotha’ dem Thüringer Walde parallel aus 
S.O. nach N.W., seine Schichten fallen vom Gebirge abwärts und 
scheinen unter den Bunten Sandstein einzuschiessen, während dieser 
zu beiden Seiten des Kalk-Zuges horizontal liegt und also offenbar, 
wie Creoner Taf. IX, Fig. 3 darstellt, durch eine Verwerfungs-Spalte 
in diese Lage gekommen ist. 

Eine andere solche Aufrichtungs- Linie fand ich vergangenes Jahr 
im Muschelkalk der Gegend von Kahla; sie streicht von dem Bodhnite- 
Berge bei Altenberga dicht oberhalb des Dorfes Zwabitz vorbei, ist 
dann durch das Saal-Thal unterbrochen, findet sich aber jenseits an 
der Leuchtenbury wieder, die offenbar ihr Bestehen dieser Aufrichtung 
verdankt. Bei Zwabitz fallen die Schichten des Muschelkalkes und 
des zunächst darunter liegenden Bunten Mergels 70°—90° theils gegen 
S.W., theils gegen N.O. Weiter östlich aber, wo durch das Saul-Thal 
alle diese Schichten entfernt sind, ist im Bunten Sandstein keine 
Schichten-Störung zu beobachten. Die Leuchtenburg mit dem Dohlenstein 


216 


bildet gegenüber eine ganz isolirte Muschelkalk-Parthie mitten im Bunt- 
Sandstein - Gebiet; die Schichten sind hier nach verschiedenen Seiten 
aufgerichtet, und am Dohlenstein, welcher gegen das Saal- Thal hin 
einen so steilen Absturz bildet, dass von Zeit zu Zeit grosse Fels- 
Wände herabstürzen, liegt der Muschelkalk deutlich zwischen dem 
Bunten Saudstein , d. h. er ist nicht etwa dazwischen geschichtet, son- 
dern seine Schichten sind mit manchfachen Biegungen zwischen das 
Niveau der Sandstein-Schichten herabgesuuken, 

Verfolgt man die Richtung dieser hier scheinbar mit der Leuchten- 
burg endigenden Erhebungs-Linie weiter gegen S.O., so findet man 
durch das ganze Gebiet des Buuten Sandsteins und des Zechsteins 
hindurch keine deutliche Spur von ihr, auch in der Grauwacke sind 
mir keine besonderen Störungen in dieser Richtung aufgefallen. Da 
findet man aber plötzlich bei dem sogenannten Waldhaus unweit Greiz 
einen ganz isolirten Muschelkalk - Steinbruch mitten im Grauwacken- 
Gebiet, über 4 Meilen von jedem anderen Musecbelkalk entfernt. ‚Der 
Steinbruch bildet ein 38 Ellen tiefes Loch mitten auf einer bewaldeten 
flachen Grauwacken-Höhe. Die Kalk-Schichten sind steil aufgerichtet, 
fallen 70° —75° (selbst bis 90°) gegen W. und enthalten ausser- 
ordentlich viele meist sehr deutliche Versteinerungen,, besonders Pla- 
giostoma striatum, Ostrea decemcostata Gror., OÖ. multico- 
stata Gror., OÖ. subanomia Münst., Mytilus vetustus Guor., 
Lima lineata, Spirifer fragilis v. B., wodurch sie sich ‚ent- 
schieden als zum Muschelkaik gehörig zu nn geben. ii 

Kommt man aus Sachsen her in diesen merkwürdigen Steinbruch, 
so ist man ganz erstaunt, den ersten Muschelkalk unter so höchst, son- 
derbaren Lagerungs - Verhältnissen anzutreffen; kommt ‚man aber aus 
Thüringen und hat dort die Phänomene der Erhebungs- Linien kennen 
gelernt, so wird man sogleich versucht seya, diesen. merkwürdigen 
Steinbruch damit in Verbindung zu bringen. Und wirklich, weun man 
die Leuchtenburger Erhebungs-Linie südöstlich verlängert, so berührt 
sie ziemlich den Punkt, wo bei Greiz der Muschelkalk mit aufgerichte- 
ten Schichten zwischen der Grauwacke liegt. Auch bei Rudolstadt 
entdeckte ich diesen Sommer das westliche Ende einer, wahrscheinlich 
ziemlich weit fortsetzenden Erhebungs.Linie im Muschelkalk. Sie 
streicht von Eichfeld in südöstlicher Richtung ‚nach . dem Saal- Thale 
zu, wird durch dieses unterbrochen, endigt aber erst gegenüber am 
rechten Ufer in den isolirten Muschelkalk - Bergen von. Freylipp. und 
Schloss Culm, welche sich ganz analog verhalten wie der Dohlenstein 
und die any bei Kırhla. Auch hier ist im Gebiet des. Bunten 
Sandsteins von der Aufrichtung oder Verwerfung nichts zu, erkennen. 

Sie werden aus dem Allem ersehen, dass die, unter; ‚sieh parallelen 
Erhebungs: Linien ein sehr allgemeines und charakteristisches; Phänomen 
der Thüringischen Flötzgebirgs-Gegenden siud; ‚sie; finden. sich auf‘ beir 
den Seiten des Gebirgs-Rückens weit hin ausgedehnt,; in der, As 
aber uur so weit, als der Muschelkalk reicht, deutlich ausgeprägt, ; ‚Der 


217 


Bunte Sandstein ist vielleicht zu mürbe gewesen, um von den gross- 
artigen Erhebungen oder Verwerfungen recht deutliche Spuren aufzu- 
bewahren; es scheint, dass hier vorzugsweise nur die harten Steinplat- 
ten des Muschelkalkes zu Monumenten solcher geologischer Ereignisse 
tauglich waren. Sind doch auch in der Meuschen-Geschiehte die harten 
und unbeugsamen Charaktere geeigneter dauernde Spuren zu hinterlas- 
sen, als die weichen und nachgiebigen. 

Hr. Crepner meint, dass die Aufrichtung bei Bisfeld vor Ablage- 
rung des Keupers erfolgt seyn möge; da aber an der parallelen Eckarts- 
bergaer Linie auch die unteren Keuper-Schichten mit aufgerichtet sind 
(Jahrb; 1840, S. 299), so scheint es doch, als seyen wenigstens diese 
unteren Schichten schon gebildet gewesen, „Jedenfalls wird man wohl 
annehmen können, dass diese Linien im Innern der Flötz-Gebirge mit 
der letzten Erhebung des Thüringer Waldes und wahrscheinlich auch 
des Kiffhäusers und Harzes in Beziehung stehen. Dadurch werden 
aber frühere Hebungen dieser Gebirge keinesweges ausgeschlossen, 
und so scheint namentlich der Thüringer Wald schon zur Zeit der 
Zechstein-Ablagerung in seiner Grundform vorhanden gewesen zu seyn; 
denn die dolomitischen Koralleu-Riffe, welche ihn fast umsäumen, deu- 
ten an, dass er damals als Land-Zunge von dem Pichtelgebirge und Erz- 
gebirge aus in das Zechstein-Meer hineinragte. 


Einige der oben erwähnten Beziehungen werden Ihnen durch die 
nun bald vollendete geognostische Karte von Sachsen deutlicher wer- 
den, bei deren Vorbereitung ich zu diesen Resultaten gelangte. Sec- 
tion XVHI (Leipzig- Jena) haben Sie wahrscheinlich von Freiberg aus 
erhalten; Seetion XIX (Piauen) wird diesen Winter, und Section XX 
(Hof) das letzte Blatt künftigen Winter fertig. 


BERNHARD (oTTA. 


Zürich, 9. Januar 1842. 


Anfangs November des vorigen Jahrs erhielt ich mit anderen Gott- 
hards - Mineralieu eine Gruppe von drei kleinen Krystallen, deren Di- 
mensionen überdiess noch sehr verschieden sind, und welche ich nach- 
folgender Charakteristik gemäss mit völliger Überzeugung für Zirkon 
erkläre. Der grösste davon ist 6° lang und 2° dick. Es ist ein 
quadratisches Oktaeder eutrandet zur Säule, oder die Kombination des 
ersten quadratischen Oktaeders mit der ersten quadratischen Säule 
(Zircon prisme D P) von Hıur. Die Zeichen nach Naumann sind 


’ 


l \ L 
B 00.P. 
l P 
Neigung der Oktaeder-Flächen zu einander = 123019‘. 


218 


Neigung der Oktaeder-Flächen zu den Säulen-Flächen —= 131949’, 

Neigung der Säulen-Flächen zu einander . . . . = 90%. 

Die Säulen - Flächen sind vorberrschend. Zwei nebeneinanderlie- 
gende ÖOktaeder - Flächen sind ebenfalls überwiegend grösser als die 
beiden übrigen, wovon die eine bedeutend kleiner, die andere ganz 
klein ist. Struktur parallel den Säulen-Flächen deutlieh wahrnehmbar. 
Gelblichbraun. Glasglanz, etwas Fett-artig. Stark an den Kanten 
durchscheinend. Bruch nicht wahrnehmbar. Durch Berg-Krystall nicht 
ritzbar. (Ich konnte nämlich, um die Kanten des Kıystalls der Sprö- 
digkeit wegen möglichst zu schonen, die Härte nur negativ prüfen.) 

Vor dem Löthrohre in der Platin- Zange selbst in ganz dünnen 
Splittern und im strengsten Feuer uuschmelzbar,, überhaupt sich wenig 
verändernd und nur an den feinsten Kanten weiss werdend. 

Eine der Seiten -Flächen des beschriebenen Krystalls ist mit vier, 
die zweite und die dritte aber mit zwei niedlichen schwarzen Eisen- 
Röschen (ohne aufliegende Rutil-Krystalle) von sehr verschiedener Grösse 
besetzt. Der Läugen- und Queer-Durchwesser der grössten beträgt 
nur ungefähr 14‘. — Die mit diesen Zirkon-Krystallen verwachsenen 
Eisen-Röschen sind für den Fundort sehr bezeichneud , und meines 
Wissens ist auch der Eisenglanz noch nirgends als Begleiter des Zir- 
kous angeführt worden. 

Der Form nach hat der beschriebene Zirkon -Krystall die grösste 
Ähnlichkeit mit denjenigen von Frederickswärn in Norwegen; die 
Farbe hingegen ist lichter. 

Die erwähnte Gruppe ist bis jetzt das erste und einzige mir be- 
kannte Exemplar des Zirkons vom Goftkard, denn der von Hrn. Berg- 
rath Larpoy in Lausanne in den Denkschriften der Schweitzerischen 
naturforschenden Gesellschaft vom Jahr 1829, S. 254 erwälınte Kyystall 
ist meines Dafürhaltens — der stärken Streifung parallel den Rand- 
kanten des quadratischen Oktaeders und des für den Zirkon zu spitzen 
Neigungs-Winkels der Endflächen wegen — nichts anderes als gelblich- 
brauner Anuatas. EscHER von DER Lint# und einige andere hiesige 
Mineralogen sind ebenfalls meiner Meinung. 

Hr. Lırpy hatte die sehr verdankenswerthe Güte mir sein Ex- 
emplar auf mein Ansuchen bin zur Einsicht zu übersenden, Derselbe 
schrieb mir, dass auch in ibm der Neigungs-Winkel der Endflächen 
früher schon einige Zweifel erregt und dass er nun mit mir völlig 
überzeugt seye, dass dieser Krystall nicht dem Zirkon angehören könne. 

Der Zirkon scheint demnach, wie der von mir im Jahrbuch für 
1841, S. 92 beschriebene Idokras von Campv longo, zu den allerselten- 
sten Mineralien des Gotthards zu gehören. 

Der Güte des Hrn. Larpvy verdanke ich drei kleine, aber sehr 
schöne deutliche Krystalle enthaltende Exemplare des schwefelsau- 
ren Strontians von der Grube des Vauds bei Bew im Kanton Waad, 

Diese Krystalle sind: 

1) Gerade rhombische Säulen entspitzeckt zur Schärfung 


219 


über den scharfen Seiten und entstumpfeckt (Strontiane sulfatee Epointee 


2 
M E A P) von Hauy. Die Zeichen nach Naumann sind: 
od 
Po.Pron.orm.wP2 
0 M P d 
2) Gerade rhombische Säulen entspitzeckt zur Schärfung 


über den scharfen Seiten und über P und entstumpfeckt (Strontiane 


1 
sulfatee dodecaedre M E A) von Hauy. Die Zeichen nach Naumann sind: 
od 


PX.Po.& Pp.3. 

0 M d 

Die Grösse der Krystalle wechselt vom ganz Kleinen bis zu un- 
gefähr 5‘ Länge und 1’' Dicke. Farbe graulichweiss mit einem Stich 
ins Blaue.‘ Durchsichtig. Begleitende Substanzen- sind: ganz kleine, 
graulichweisse, Pyramiden-förmige, nicht näher bestimmbare Kalkspath- 
Krystalle; kleine Rhomboeder von blassrosenroth gefärbtem Braunspath 
mit konvexen Flächen und eine Spur von gediegenem Schwefel. — 
Das Mutter-Gestein dieser Zölestin-Krystalle ist ein rauchgrauer Kalk- 
stein. — Leider werden dieselben immer seltener werden, indem die 
Grube verlassen und unzugänglich geworden. Man ist jetzt genöthigt, 
in den Halden nach diesem Strontian zu suchen. 


Freund Escher von DER Lint#, welcher sich letzten Sommer län- 
gere Zeit im Wallis aufgehalten, hat gütigst meine Sammlung mit 
nachbenannten Mineralien bereichert, welche ich als zum 'Theil neue 
Vorkommnisse, oder anderer Gründe wegen, einer besonderen Erwäh- 
nung werth erachte. 


1) Flussspath in lichte Äpfel- grünen deutlichen Oktaedern, 
deren Grösse vom ganz Kleinen bis zum Durchmesser von ungefähr 
24° abwechselt; die kleinsten scheinen graulichweiss zu seyn. Be- 
gleitende Substanzen sind: Schneeweisser Stilbit in kleinen Krystallen, 
der variete epointee von Haux angehörend; graulichweisser krıystalli- 
sirter Quarz und gelblichweisse äusserst kleine Krystalle von Adular, 
— Dieser Flussspath ist vom Gibelbach zwischen Viesch und Laaz 
im Ober - Wallis. Er wurde im Jahr 1840 zuerst und zwar nach Hrn. 
Escner’s Angabe im talkigen Kalk und Quarzit-Schiefer (Glimmer-Fiysch) 
aufgefunden. 


2) Kalkspath in äusserst kleinen, aber sehr deutlichen, lichte 
gelblich-braunen Krystallen, welche der varietE dodecaedre raccourcie 
von Hauy angehören. Begleitende Substanzen sind: kleine, sehr zarte, 
durchsichtige, sechsseitige Tafeln von Silber-weissem Glinmer; Schnee- 
weisser, krystallinischer Feldspatlı und Wächs-gelber, in äusserst klei- 
nen, Sattel-förmiz gebogenen Rhomboedern krystallisirter Braunspath. — 
Das Beisammen - Vorkommen dieser Substanzen macht dieses Exemplar 
zu einer wahren Augenweide,. — Dieser Kalkspath findet sich am 


220 


Remie- Gletscher nahe beim Gibel-Thale, einem westlichen Arme des 
Binnen-Thales im Oberwallis. 

3) Glimmer, Silber-weisser, mit einem Stich ins Gelbliche. Die 
Hälfte einer ursprünglich 34° langen, 24” breiten und 4’! dicken sechsseiti- 
gen Tafel, woran aber nur drei Seiten Flächen ausgebildet erscheinen, 
vom Geisspfad - Passe zwischen‘ dem Antiyorio- Thale im Piemont und 
dem Binnen-Thale im Oberwallis. — Glimmer-Tafeln von dieser Grösse 
sind in der Schweitz eine seltene Ersc heinung. 

4) Stilbit, Schnee-weisser,, in Garben-förwig gruppirten Krystal- 
len der rariete epointee von Hauy, mit ganz kleinen Bergkrystallen 
und feinschuppigem Silber-weissem Glimmer auf Quarz vom Gibelbach. 
zwischen Viesch und Laux im Ober wallis. 

Bei diesem Anlasse erlaube ich mir auch noch zweier ebenfalls im 
Wallis gefundener Exemplare ven Stilbit zu erwähnen, welche ich 
schon seit einiger Zeit in meiner Sammlung aufbewahre. 

Das erste ist eine Gruppe von kleinen theils der variete epointee 
und theils der variete primitive von Hauy angehörigen Schnee-weissen 
Krystallen, welche von Büschel-förmig gruppirten, Nadel-förmigen, 
durchscheinenden, graulichgelben Epidot - Krystallen begleitet sind. Es 
soll im Sonnen- Thale bei Niederwald im Oberwallis gefunden worden 
seyn. — lch halte dieses Stück sehr werth, weil Krystalle der Kern- 
Form, so viel mir bekannt, nur höchst selten vorkommen. Dieselben 
sind jedoch die kleinsten der beschriebenen Gruppe. 

Das zweite enthält kleine, Garben-förmig gruppirte, Schnee-weisse, 
ebenfalls der variete Eepointee von Haur angehörende Krystalle, welche 
auf Tafel-förmigen Bergkrystali (variete Ccomprünee) aufgewachsen 
sind; angeblich von Niederwald im Oberwallis, 

5) Stilbit, Schnee-weisser, in sehr kleinen Kıystallen der variete 
epointee von Hauy, mit Chlorit und Albit auf einer Gruppe von schö- 
nem, Wasser - hellem Bergkrystall vom Mont’ Albrun im Binnen- Thale 
im Oberwallis. — An zwei Krystallen dieser Gruppe entdeckte ich drei 
äusserst kleine, aber deutliche, durchseheinende, gelblichbraune Ana- 
tas-Krystalle, wovon zwei von ungefähr gleicher Grösse auf eine 
der Säulen-Flächen des einen, der dritte und kleinste hingegen auf eine 
der Säulen - Flächen des anderen Bergkrystalis aufgewachsen sind. 
Zwei von den Anatas- Krystallen sind quadratische Oktaeder ohne wei- 
tere Modifikation, der kürzeste und dickste Krystall hingegen scheint 
vierfach entscheitelt zu seyn. — Dieses Vorkommens, von Anatas ist 
meines Wissens bis jetzt noch nirgends erwähnt worden. 

Von dem ebenfalls auf Gruppen dieses Berg-Krystalls vorkommen- 
den, gelblich-grünen Titanite unterscheiden sich die unentdeekten Anatas- 
Krystalle sowohl durch die gelblich-braune Farbe, als auch durch die Form. 

Auf diesen sowohl durch interessante Abänderungs-Flächen als durch 
den hohen Grad von Durchsichtigkeit und Glanz ausgezeichneten Berg- 
krystallen vom nämlichen Fundorte habe ich im Jahr 1837 die Chabasie 
entdeckt. Ä 


221 


6) Turmalin, schwarzer, aus dem Binnen- Thale. Ein ungefähr 
6’ Janger und 2'' dicker, isolirter Krystall, dessen einer Gipfel durch 
die Flächen des Grund-Rhomboeders R = P und des ersten spitzern 
Rhomboeders — 2 R= o gebildet wird, wovon eine der letzten sehr 
vorherrschend ist. Ferner sind noch drei andere, aber nur ganz kleine 
Flächen verbanden, welche ich mit Gewissheit nicht näher zu bestimmen 
vermag. Da die Säulen -Flächen zylindrisch und stark gestreift sind, 
so lassen sich auch diese nicht genauer beschreiben. — Hr. Escuer 
hat von diesem Turmalin mehre sehr schöne für die biesige städtische - 
Mineralien - Sammlung bestimmte Exemplare mitgebracht, wobei sich 
auch eine Druse befindet, welche einen an beiden Enden ausgebildeten 
Tormalin- Krystail und mehre sehr schöne Tafel-artige Eisenglanz- 
Krystalle enthält. 

Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, dass in diesem an manchfalti- 
gen und schönen Mineralien so ausgezeichnet reichen Thale der Eisen- 
glanz. sich auf dieselbe Art vorfindet wie auf der N.O.- und S.-Seite 
des Gotthards, bald mit und bald ohne aufliegende Rutil-Krystalie. 


8) Talk in krummblättrigen, grünlich Silber-weissen, derben Mas- 
sen mit graulichweissen Rhomboedern vou Bitterkalk von der EN 
nördlich ob Imfeld im Binnen-Thale. 

9) Strahlstein in kleinen, braunen, krystallinischen Partie’n auf 
Diallag-artigen Gestein vom Geisspfad-Passe zwischen den Antigorio- 
Thale im Piemont und dem Binnen-Thale im Oberwallis. — Diese sel- 
tene Farben- Abänderung des Strahlsteins ist meines Wissens bis jetzt 
noch an keinem andern Orte der Schweitz aufgefunden worden, 


10) Pennin vom Finnel-Gletscher im Matter-Thale im Oberwallis. 
Ich erhielt davon vier Exemplare, wobei ein isolirter 12,366 Milligramme 
schwerer von fremdartigen Substanzen ganz freier Tafel-artiger Krystall, 
der sich hiermit zum Bestimmen der Eigenschwere des Pennins, welche 
von Hrn, Professor FröreL (Pocsen». Annal. Bd. L, 1840) seiner Zeit 
nicht angegeben wurde, sehr gut eignet. — Ich fand dieselbe fünf Wä- 
gungen bei 14° RrAıumur zufolge — 2,635. | 


11) Butil aus der Gegend von Aernen im Binnen-Thale. Es sind 
zwei.kleine, ungefähr 3' lange, Nadel-förmige, isolirte Krystalle, de- 
ren.Zuspitzung durch die Entrandungs-Flächen o, oder die Flächen des 
primitiven quadratischen Oktaeders, und durch die Enteckungs-Flächen s 
oder..die Flächen des uächststumpfern Oktaeders gebildet werden. Die 
Zeichen dieser Kombination sind nach NAUMANN P.PCO 


SanB% 
o. s. von Brum. 


Br Säulen-Flächen können der starken Streifung wegen nicht nä- 
her bestimmt werden. 

12) Titanit vom Steinhaus-Horn nordöstlich von Guttannen an 
der’ Grimsel-Strasse im Berner Oberland. Es sind zwei kleine, unge- 
fähr 3 lange und 1“! breite, isolirte Durchkreutzungs - Zwillinge 


222 


(ähnlich Fig. 19, Taf. II, zu der Abhandlung von G. Rosz) ‘vom Gi 
bell-gelber Farbe, mit einem Stieb ins Grünliche. 

Ganz ähnliche Zwillinge des Titanits, begleitet von Ania leare ieh 
len, auf Drusen von Bergkrystall aufgewachsen, welcher, so wie der 
Adular, ganz von erdigem Clilorit durchdrungen ist, kommen‘ auch am 
Sustenhorne in der nämlichen Gegend vor. — Es befinden sieh davon 
zwei Exemplare in meiner Sammlung. Dieser zwei Fundorte des Ti- 
. tanits ist meines Wissens bis jetzt noch nirgends erwähnt worden. 

13) Magueteisen aus dem Binnen- Thale. Ein sehr gut ausge- 
bildetes, etwas Keil-förmig verlängertes, Spiegel-flächig glänzendes, 
Eisen-schwarzes Oktaeder von ungefähr 24‘ Durchmesser, auf. einen 
kleinen eirca 3° langen und 1} dicken, Wasser - hellen Bergkrystall 
aufgewachsen, an welchem ausser den gewöhnlichen Säulen und Zu- 
spitzungs-Flächen auch noch Trapez-Flächen und die Flächen einer 
spitzern Pyramide vorkommen. 

Ein ausgezeichnet schönes Oktaeder von 4° Durchmesser, mit 
Quarz auf Glimmerschiefer aufgewachsen, vom nämlichen Fundorte hat 
Hr. Escner für die hiesige städtische Mineralieu-Sammlung mitgebracht. 
— Bis jetzt sind mir noch keine Krystalle von Magneteisen vorgekom- 
men, welche einen so ausgezeichnet schönen und starken Glanz besitzen, 
wie die so eben beschriebenen. | 

14) Titaneisen, derbes, an der Oberfläche stellenweise ehrlich 
bunt angelaufen, auf frischem Bruche hingegen Pech-schwarz und Fett- 
artig glänzend mit Pennin und graulich weissem derbem Feldspath in 
graulich-grünem Strahlsteine aus dem Serpentin des Geisspfad- Passes. 

15) Buntkupfer-Erz, derbes, mit lichte und schmutzig gelblich- 
braunem Quarz, graulichweissem Feldspath, schwarzem Glimmer, Ku- 
pfergrün und wenig derbem Magneteisen vom Berge Helsen, an der 
Südseite des Passes aus dem Binnen- Thale über den Remi- Gletscher 
nach Persal an der Simplon- Strasse. — Von Schweitzischem Bunt- 
kupfer-Erze war mir bis jetzt nur das auf der Daspiner-Alpe in ER 
bündten vorkommende bekannt. 

Ferner hat Hr. Escher noch nachbenannte für die schon mehr er- 
wäbhnte öffentliche Sammlung bestimmte Mineralien mitgebracht: 

a) Flussspath, rother, aus dem Bultscheider-Thale, Visp gegen- 
über, in welchem auch der den Sammlern schon lange bekannte als im 
Wallis vorkommend bezeichnete Molybdän-Glanz gefunden wird. 

b) Kalkspath in Krystallen der variete dodecaedre raccourcie 
von Hauy, mit Eisenspath, Quarz, Feldspath und Glimmer auf Gneis 
von Aernen im Binnen-Thale. z 

ec) Amethyst, aus dem @ibel-Thale, einem westlichen Arme des 
Binnen-Thales. Du 

d) Granat, rother, ähnlich Pileplise von Lolen zwischen Ursern 
und Graubündten; vom Fleschhorn im Binnen-Thale. i 

-e) Granat, Äpfel-grüner, in ganz kleinen Eh one ode 
som Fundorte des Antigorits, nämlich in der Näbe der Grenze zwischen 


223 


dem Antigorio-'Thale in Piemont und dem Binnen- Thale. — Nur we- 
nige Krystalle: haben einen Durchmesser von ungefähr 13. 

f) Diopsid von Thieralpeli am Tschervandunc, einem Bergstocke 
westlich vom @eisspfad-Passe zwischen Piemont und dem Binnen-Thale, 

In; meiner Sammlung befinden sich .schon seit längerer Zeit drei 
Exemplare dieses Diopsids. — Eines davon enthält: kleine, aber sehr 
schön ‚ausgebildete «und: vielfach modifizirte dunkelgrüne Krystalle. — 
Ein zweites enthält grössere, Säulen-fürmige, ungefähr 9‘ lange und 
2" dicke Krystalle von lichterer Farbe, an denen jedoch die End- 
Flächen nicht vorhanden sind; : Beachtenswerth dünkt mir, dass diesel- 
ben (wie gewisse Turmaline) mehrfach gebrochen, aber durch schmalere 
und breitere Bänder von graulichweissem Quarze wieder zusammenge- 
kittet ‚erscheinen. Begleitende Substanzen sind: Quarz und graulich- 
weisser Kalkspath, beide .derb; ferner eine blättrige, zuweilen Perlmut- 
ter-artig glänzende, Schnee-weisse Substanz, welche sich vor dem Löth- 
rohre wie Feldspath verhält. 
.... Ich verdanke das ‚letzterwähnte Exemplar der Güte des Hrn. Ge- 
heimenratli und Professor ScHönLEın zu Berlin. 

g) Asbest, in Fuss- langen Stücken vom gleichen Fundorte. 

h) Magneteisen, ‚derbes, polarisch-magnetisches,, mit Zeisig-grü- 


‘nem Epidot gemengt, von Berge Helsen an der Süd-Seite des Passes 


aus dem Binnen- Thale über dem Remi-Gletscher nach Persal an der 
Simplon-Strasse.. 

i) Eisenkies in kleinern und grössern bis 14’ im Durchmesser 
haltenden enteckten Würfeln, deren Oberfläche in Eisenoxyd- Hydrat 
umgewandelt ist, aus dem Binnen-Thale. 

k) Eisenspath in röthlichbraunen, stark glänzenden Rhomboedern 
mit konvexen Flächen aus dem G@eren-Thale. — Auch in meiner Samm- 
lung befindet sich schon seit geraumer Zeit ein Exemplar von diesem 
wirklich sehr schönen 'Eisenspathe, 

Von ausländischen Mineralien, welche ich seit meinem letzten 
Schreiben an Sie erhalten habe, erlaube ich mir noch anzuführen: 

1) Kalkspath, lichte violett gefärbter, angeblich vom Harz. Es 
ist ein langgezogenes, primitives Rhomboeder mit Flächen von verschie- 
dener Ausdehnung. Die grössten sind ungefähr 14“ lang und 1” breit. 
— Dieses Rhomboeder ist an allen Kanten edle mehr und weniger 
stark abgestumpft, oder die Kombination des Grund-Rhomboeders R=P, 
mit dem nächst stumpfern Rhomboeder — $ R = g und der zweiten 


rhomboedrischen Säule OO P2 — u. Die Flächen des Grund - Rhom- 
boeders sind sehr vorherrschend, die Entkantungs-Flächen hingegen nur 
ganz schmal. ' 

2) Kalkspath, graulich-weisser , mit Bleiglanz, wenig Eisenkies 
und kleinen graulich-weissen und Rauch-grauen, entkanteten Würfeln 
von Flussspath, angeblich vom Andreasberg am Harz. Der begleiten- 
den Substanzen : wegen halte ich jedoch dieses Exemplar eher für ein 
Produkt der Englischen Gruben. Die Grösse der Krystalle dieser Druse 

Jahrgang 1842. 15 


224 


wechselt vom ganz Kleinen bis zu: ungefähr 71“. Längen«= und :3/4 
Queer-Durchmesser. Der deutlichste davon ist ein Rhomboeder ent- 
scheitelkantet, einreihig entrandeckt in der Richtung der Scheitelkanten, 
entrandeckt zur Säule und zweifach zweireihig entrandet zum: Ver; 
schwinden der Kerpflächen. Es ist: die Kombination des ersten‘ stum- 
pfern Rhomboeders g, mit dem ersten spitzern f der ersten rhomboedri- 
schen Säule e und dem Skalenoeder. Die Zeichen‘'nach NAumann sind: 


— R.—2R oo0R.R®. 
g 8! N 


3) Kalkspath, gelblichgrauer mit Linsen-förmigen Krystallen von 
Mesitinspath, kleinen glänzenden Wasser-hellen Berg-Krystallen, der- 
bem graulichweissem Bitterspathe und einer dünnblättrigen grünlich 
Silber- weissen Glimmer-artigen Substanz von Traversella im Br0220- 
Thale in Piemont. Die meisten dieser Kalkspatli-Krystalle sind klein, 
mehre aber von mittler Grösse, und werden begrenzt ‘durch die Flä- 
chen des ersten spitzern Rbomboeders — 2 R = f (vorherrschend); 
die Flächen des Grund - Rhomboeders R (als schmale Abstufung der 
Scheitel-Kanten von f); die Flächen der zweiten rhomboedrischen Säule 
OQOP2 = u (als schmale Abstumpfung der Rand- Kanten von f) und durch 
die eine dreiflächige Zuspitzung bildenden, Flächen. eines Rbomboeders 
der zweiten Reihe (wahrscheinlich —z R= pP 2 eine Messung der 
Winkel konnte ich nicht vornehmen. 

Die beschriebenen drei Formen des Kalkspathes sind weder i im At- 
las von Hauy noch in demjenigen von Levy über die Hruranp’sche 
Sammlung abgebildet, auch meines Wissens in den Lehrbüchern bis 
jetzt nicht beschrieben worden, 

4) Arragon von Caltaniseita in Mittel - Sizilien. Es ist eine un- 
gefähr 21 lange und 11” breite Gruppe von sehr schönen, deutlichen, 
durchscheinenden, graulichweissen, ins Schnee - Weisse übergehenden 
Vierlings -Krystallen der variete semi-parallelique ternaire von Haus, 
welche das Ansehen einer sechsseitigen Säule haben. — Die Zwischen- 
räume sind mit krystallisirtem Gediegenem Schwefel erfüllt, Der Län- 
gen- und der Queer-Durchmesser der grössten Krystalle beträgt ungefähr 
5‘, .— Sowohl mit den Seiten- als mit den End-Flächen N Vier- 
lings - Krystalle sind sehr kleine, Büschel - förmig zusammengehäufte, 
Pyramiden-artige, nicht näher bestimmbare , graulichweisse Kalkspath- 
Krystalle innig verwachsen, welche sich durch das Verhalten vor dem 
Löthrohre, erele Härte und stärkeres Aufbrausen mit Säuren aufs 
Bestimmteste vom Arragon unterscheiden. 

Dieses Exemplar liefert also ein neues Beispiel der interessanten 
Verbindung von Arragon mit Kalkspath, deren schon Hauy in seinem 
Traite I, S. 462 als einer höchst merkwürdigen DENE gedenkt, 
und welcher seither so oft erwähnt wurde. 

Diese Gruppe von Arragon-Krystallen hat der Farbe und des bei- 
breehenden Schwefels wegen die grösste Ähnlichkeit mit den a 
Drusen von Sizilianischem schwefelsaurem Strontian, 


225: 


Meines Wissens 'ist ‘dieses Fundortes‘ von Arragon: bis jetzt noch 
nirgends erwähnt worden. 

5) Lasurstein (Lapis Lazuli) vom Vesuv. Eine kleine, undeut- 
lich körnige, krystallinische, Lasur-blaue Masse, mit wenig Silber-weis- 
sem Glimmer in weissem, feinkörnigem Kälkstein (sogenanntem salini- 
schem Marmor), der stellenweise mit vielen kleinen braunen Flecken 
von Eisenoxyd- Hydrat bedeckt ist; 


Dieser Lasurstein schmilzt vor dem Löthrohre leicht und mit eini- 
gem Aufwallen zu weissem, blasigem Glase. In Borax leicht lösbar 
zu klarem ungefärbtem Glase. — Proben von Lasurstein aus der Bu- 
Charei zeigten ein ganz gleiches Verhalten. Der Lazulith hingegen ist 
vor dem Löthrohre, wie bekännt, wnschmelzbar, und vom Hauyn unter- 
scheidet sich der 'vesuvianische Lasurstein hauptsächlich ‘durch ‘den 
mangelnden für den Erstern so ebärakteristischen 'Glasglanz. 


... Da vor dem Löthrohre die Probe mit den Flussmitteln keine Kupfer- 
Reaktion zeigt, so hat man es also auch mit keinem Erze dieses Me- 
talls zu thun. | | 

Diesem Verhalten vor dem Löthrohre — das zwar von dem im 
Prodromo von Menrtieerrı und Coverzi S. 303, für ‚den Lapis Lazuli 
vom Vesus angegebenen bedeutend abweicht, hingegen mit demjenigen 
des Asiatischen Lasursteins übereinstimmt — und den mit ähnlich ge- 
fürbten Mineralien gemachten Versuchen und Vergleichungen zufolge 
scheint es mir unzweifelhaft, dass das beschriebene Exemplar wirklich 
dieser Mineral-Gattung angehöre, obschon meines Wissens in den Deut- 
schen mineralogischen Handbüchern dieses Vorkommens noch nicht er- 
wähnt wurde. 

6) Phillipsit von Aci reale an N S, 0. -Küste Siziliens. — Der 
Besitz dieses Exemplares veranlasste mich das Verhalten vor dem Löth- 
rohre zu prüfen, welches ich: bis jetzt nirgends ausführlich beschrieben 
fand; von Korerr’s Tabellen vem Jahr 1838,':S,, 39. enthalten nur eine 
kurze Notitz, | 

Im .Kolben über ‚der Spiritus - - Lampe ER Wasser. gebend, in 
kleine, Keil- förmige Bruchstücke zerfallend , Schnee-weiss und undurch- 
sichtig werdend. 

In der Platin -‚Zange beim ersten Einwirken der Flamme in ganz 
kleine Stücke zerbröckelnd (wie Arragon), Schnee-weiss und undurch- 
sichtig werdend, hernach aber leicht und ruhig zur Wasser-hellen Kugel 
schmelzend, 

In.kleinen Stücken mit Borax ruhig, aber langsam lösbar zu klarem 
ungefärbtem  ‚Giase. 

- In ‚kleinen Stücken. mit N ists lösbar zu, _ klarem , ‚un- 
gefärbfem Glase, das nach dem Erkalten milchig. erscheint. 

Mit Soda zur liehte-gelblichweissen,. Hudgrehsichligen, Email- gihgen 
Kugel schmelzend. 

Mit Kobalt-Solution: dunkelblau werdend, jedoch etwas unrein. Die 

15 * 


226 


Dimensionen der beschriebenen Mineralien sind alle nach Neu-Schweitzer- 
Maas bestimmt, der Fuss zu 10 Zoll. 


D. | F, Wiszr. 


Mittheilungen an Professor BRONN gerichtet. 


Weilburg, 23. Aug. und Bonn, 18. Dee. 1841. 


‚In einem meiner frühern Briefe (Jahrb. 1841, 238 ff.) ertheilte ich 
Ihnen Nachricht über die paläontologische Beschaffenheit der 
Weiburger Gegend. Ich habe seitdem gefunden, dass die (S. 238) 
erwähnte Weilburger  schieferige Grauwacke etwas Lahn- auf- 
wärts im Löhnberger Wege iu ihrer untersten rothen Schichte 
noch eine viel weitere Ausdehnung hat und an allen Punkten, wo sie 
auftritt, nicht nur die wesentlichsten ihrer Versteinerungen, sondern 
auch fast überall in den weniger regelmäsig geschichteten, an die Ver- 
steinerung- führenden Schichten angrenzenden mächtigen Massen eine 
Menge Kalk-Kugeln enthält. Sie zieht nämlich vom ’Löhnberger Wege 
aus wahrscheinlich unter dem Lahn-Bette durch, tritt deutlich auf dem 
jenseitigen Ufer, durch Schaalstein und Grünstein gestört, etwas weiter 
Lahn-abwärts am Karlsberge in der sogenannten Schmidtbach, dann 
im Weil- Wege am Webers- Berge wieder auf, geht darauf bei dem 
Dorfe Kirschhofen nochmals durch das Lahn - Bett und erscheint am 
Fusse des Scheuren-Berges in besonders feinspaltbarer Schichtung. An 
den beiden letzten Orten vor Kirschhofen und am Scheuren- a fan- 
den wir die wenigsten Versteinerungen darin. 

Als die wesentlichsten Einschlüsse dieses Grauwacke- 
Schieferss müssen die kleinen ovalen Körperchen betrachtet werden, 


welche theils ohne, theils mit Queer - Einschnitt vorkommen und dann 


ein Bohnen- förmiges Ansehen haben. Die Abdrücke dieser Tbierchen, 
welche ich für Cytherinen halte, zeigen unter dem Mikroskope bei 
mäsiger Vergrösserung sehr deutliche Längsstreifung. In dem rothen 
Gestein sind sie zwar auch fast überall in sehr grosser Häufigkeit, 
aber nicht so deutlich, wie in dem gelbbraunen verwitterten, welches 
in einzelnen Theilen fast ganz daraus zusammengesetzt ist. Zur Be- 
zeichuung dieser eigenthümlichen Grauwackenschiefer - Schichte wähle 
ich, von diesen ihren wesentlichsten Einschlüssen entnommen, den Na- 
men Cytherinen-Schiefer. Was das Alter dieser Grauwacke 
betrifft, so ist sie etwa, wenn man überhaupt hierbei pa- 
rallelisiren darf, dem Wenlock gleichzustellen, wie'sich 
aus dem Nachfolgenden ergibt. Die früher von mir irr- 
thümlich als Pterinea laevis Gr. angeführte Bivalve ist 
höchst wahrscheinlich die von Münster Posidonomya ?venu- 
sta genannte Art aus dem Clymenien-Kalk von Schübelhammer 


227 


und Presseck und dem Wenlock von Dudley. Gleichfalls be- 
sass ich noch nicht eine hinreichende Zahl deutlicher Ex- 
emplare von der Calymene, welche ich als C. Blumenbachii 
angeführt hatte, und welche vielmehr neu ist, unter den 
mir bekannten Arten der Calymene laevis Münster von 
Eibersreuth am ähnlichsten. Die Calymene aus der rothen 
Schichte, welche ich (S. 238) als noch unbestimmt angab, 
ist dieselbe. 

In der rothen Schichte kommen ausser den he der 
neuen Calymene, der Posidonomya ?venusta v. Münster, die 
beiden in meiner vorigen Mittheilung erwähnten Kriniten- Säulen vor, 
von denen die 10kantige vielleicht zu Cyathocrinites geometri- 
cus Gr. gehören wird, von welchem ich ganz an derselben Stelle ei- 
nen zwar nicht sehr schönen, aber doch noch sicher als solchen zu be- 
stimmenden unteren Becken-Theil fand, der weit kleiner: ist, als das 
in Gospruss Petref. German. beschriebene und abgebildete Exemplar, 
und zu der Dicke der Säule, welche nur etwa 1° misst (— so ist 
nämlich der im Jahrbuch S. 238 ganz unten mit ? bemerkte Schreib- 
fehler zu verbessern —) ganz im Verhältniss steht. Ferner finden sich 
in der rothen Schichte Säulen-Stücke von Cyathocrinites pinnatus 
und Cyathophyllum ceratites Gr. 

In der zweiten grauen Schichte finden sich die neue Caly- 
mene und Cyathocrinites pinnatus, wovon dann die zwei im 
Jahrb. 7841, 239 als C. rugosus und Poteriocrinites tenuis 
Mit. erwähnten Kriniten nur verschiedene Formen der Säule sind. 

Aus der dritten, gelbbraunen Schichte ist noch Patella ?im- 
plicata Sow. (Wenlock-Kalk) zu erwähnen. 

Für die Beobachtung des Versteinerungen-einschliessenden Schaal- 
steins haben wir, ausser der am letzten Male (1841, 238) erwähnten 
‚Stelle in der Steinlache, noch eine zweite nahe an der Stadt im Löhn- 
berger Wege aufgefunden. Dieser Schaalstein scheint auf dem beim 
Fundament-Graben zu neuen Häusern etwas weiter vorn an der Stadt 
aufgedeckten Grünstein-Tuff zu liegen, ein Vorkommen, welches durch 
Cyathoerinites pinnatus Gr. hier (und zu Dillenburg durch Te- 
rebratula prisca v. Scuroru., mit welcher dort auch noch ein Cya- 
thophyllum vorkommt) dem von Naumann (Jahrb. 7841, 194 ff.) in 
Sachsen beobachteten Grünstein-Tuff sich analog zeigt. Über der Schaal- 
stein- Wand liegt oben unmittelbar die Dammerde auf. Es zeigt dieser 
Schaalstein-Felsen deutlicher, als irgend einer unserer nächsten Umge- 
bung, den innigen Zusammenhang mit dem devon’schen Kalk 
und bestätigt die von Bevrıch (Beiträge zur Kenntn. des Rhein. Über- 
gangs-Geb. S. 12) angenommene Entstehung aus demselben. Denn es 
fanden sich daselbst: Cyathophyllum vermiculare, €. quadri- 
geminum, C. helianthoides, Astraea porosa, Calamopora 
polymorpha, €. spongites, Cyathocrinites pinnatus Gr. Aus- 
serdem wird Bexrıcu’s Annahme dadurch noch befestigt, dass sich an 


228 


unserer‘ Lokalität noch: einzelne: unverändert gebliebene’ EN 
Kabk- Stücke im: Schäalstein eimgeschlossen: finden. 0% Bi 
‘In! einem erst vor Kurzem’ erschlossenen Lager von: ee 
Brauneisenstein»an: der Ziegelhütte fand ke eg 
erg atus Gr. ziemlieh häufig. FH HR 
'Was ‘den Villmarer: Kälk (den. bisher sopjtiannten Villmarer 
Sry „vgl Jahrb. 1841, 239 f.) betrifft‘, so behälte:lich 
mir vor, über die am genannten Orte von mir näher gesehilderte: und 
besonders ‘auch über eine sehr interessante zweite , ‘früher ı uns’ noch 
nicht bekannte Stelle Ihnen’ nächstens eine vorläufige :Nachricht) in Be- 
zug auf: unsere bis jetzt gemachten Funde ‘und Beobachtungen: fürs 
Jahrbuch zu senden , wobei 'einstweilen :hauptsächlich die  bisher'schon, 
von‘änderen Fundorten bekannten und die von Villmar Be, beschrie- 
benen: Arten aufgeführt werden sollen. ner kn 
Noch 'muss ieh des Charakters erwähnen, Gele wie es mir 
scheint, die Aufmerksamkeit aller Derjenigen verdient, welche Gelegen- 
heit haben Polythalämien'> Schaalen zu beobachten. ‘Ich fand nämlich 
bei drei Goniatiten-Arten aus dem Tbonschiefer von’ Wissenbach, 
bei G: subnautilinus v. SchLora., G. compressus Beyrıen (Gyro- 
ceratites griaeilis H. v. Meyer) und einer dritten verwandten neuen 
Art, dass sie alle ein mehr oder weniger kugeliges oder’ovales 
Anfaugs-Glired' haben, welches‘ an allen Exemplaren zwar mit dem 
folgenden Glied‘ eng: zusammenhängt 'und nur die Kammer-Scheidelinie 
erblicken lässt, jedoch dadurch eine Abschnürung zeigt, dass das 'fol- 
gende :Glied:als eine bedeutend schmälere Röhre sich: daran anschliesst, 
oder. mit auderen Worten; ‘dass’ das Anfangs - Glied mit dem folgenden 
eine mehr oder weniger Birn-förmige Gestalt bildet. ‘Es ist num 
wünschenswerth, dass durch’ die Aufmerksamkeit von ‘Vielen, je nach- 
dem ein Jeder vom. Material begünstigt ist, erforscht werde, wie weit 
und auf welche Arten’ sich‘ dieses abgeschnürte Kugel-förmige Anfangs- 
Glied erstreckt. | Wie Sie mir'in ihrem Brief vom 25. Nov. d. J. schrei- 
ben, würde es:sehr zweckmäsig’ seyn, Exemplare involuter Arten unter 
eigenen Augen durchschneiden 'und anschleifen zu lassen. Sie haben 
in Ihrer Sammlung‘, ‘wie Sie’ mir gleichfalls schreiben, schon 'einige 
Nachforschungen angestelit und bei ‘der 'lebenden Spirula gefunden, 
dass. die Aufangs -Kamimer gleichfalls’ sebr' gross und völlig Kugel- 
förmig ist, (dass übrigens auch die folgenden Kammern noch an dieser 
Form theilnehmen. | 
Es gibt nun auch Polythalamien, deren Anfangs-Kammer nicht 
grösser, als die folgende, 'und nicht von derselben. abgeschnürt ist, wie 
ich diess im» hiesigen Bonner Museum bei Exemplaren von Ammoni- 
tes laevigatus und A, complanatus Reım., beide aus dem unteren 
Oolith von .Thurnau, gefunden habe, Diese zwiefache Beschaffenheit 
der Anfangs-Kammer wird nun, wo es geschehen kann, zu beachten 
seyn, und es wird sich dann’ auch ergeben, ob: dabei allmählicheÜber- 
gänge Statt finden, ob die mehr kugelige Beschaffenheit einer gewissen 


229 


Sektion und dann wieder, ob gerade den Polythalamien-Schaalen 
der älteren Formationen eigen ist. 

ı Endlich habe ich. beim Durchmustern der geognostischen Sammlung 
meines Vaters, des ‚Professor SANDBERGER zu Weilburg, ein sehr inte- 
ressantes Stück vorgefunden: bestehend aus lauter unordentlich und ohne 
bedeutendes  äusseres Bindemittel zusammenhängenden Gliedern von 
Cyathocrinites pinnatus,: mit erdigem Malachit überlaufen. Hin 
und. wieder zeigen ‚sich Reste der. Krone. Das Vorkommen ist recht 
lehrreich für den inneren Bau der Säule... Das Innere ist meistens bis 
auf die ganz dünne äussere Haut , welche die Säule umkleidet, ausge- 
trocknet. «Hie ' und: da ist der Nahrungs - Kanal noch stehen geblieben 
und manchmal; auch noch Queer-Flächen der Säule“). Die inneren 
Theile und einzelne geringe Zwischenlagen sind, wie mir scheint, von 
Eisenoxyd: en rien Die Fundstelle ist eine Kupfer- Grube im 
Beinahe in m 

ori Gu1DO SANDBERGER. 


Giessen, 20. Dec. 1841. 


In der Nähe von Schlüchtern, 12 Stunden N.O. von Hanax, finden 
sich zwei sehr interessante Bildungen von jüngstem Süsswasser-Kalk, 
nämlich 2 St. S. von Schlüchtern zu Ahlersbach und 3 St. im N.O. 
zu Elm. Dort sieht man mitten im Muschelkalk-Gebiete einen sehr 
Petrefakten-reichen Tuff Mulden - förmige Vertiefungen ausfüllen. Bis 
jetzt hatte ich aber nur Gelegenheit den zu Ahlersbach zu untersuchen. 
Kohlensaures Wasser löst den Kalk auf zu saurem kohlensaurem Kalke, 
verliert aber bei seinem Hervortritte an die Luft die anfangs freie Koh- 
lensäure durch Verdünstung, und lässt nun einen schneeweissen, sehr 
fein-pulverigen, einfach kohlensauren Kalk niederfallen. In ihm finden 
sich viele Blätter der Holz-Arten, welche in der Nähe stehen “*), und 
von Konchylien bis jetzt folgende Arten: Succinea oblonga Dre.; 
Helix pomatia, H. arbustorum und H. nemoralis L., H. hortensis Mürr.., 
Helix personata Lmx., H. obvoluta Mürr., H. costata, H. pülchella, H. 
rotundata Mürr., H. cellaria Mürr., H. nitidosa FeEr., H. nitida, H. 
erystallina, H. fulva, H. incarnata und H. fruticum Müiur., H. strigella 
Drr., H. bispida und H. lapieida L.; Bulimus montaunus und B. obseu- 
sus Drpr.; Achatina acicula Lmr., A. lubrica Menke; Clausilia bi- 
dens und Cl. ventricosa Dre., C. obtusa Preir.; Pupa muscorum 
Nırss., C. doliolum Drer., Caryehium minimum Mirr. 


F. A. Gentn. 


*) Diese anscheinenden Reste sind wohl nur Inkrustationen dessen ,„ was verschwun- 
den ist, wie ich aus einem mitgetheilten Exemplare schliesse. Br. 

**) Ganz das Verhalten, wieich es am Kalk-Tuff im Muschelkalk-Gebiete bei Neckarels 
beschrieben. Gaea Heidelbergens. (1830), S. 143—144. BR. 


250 


RW HARD 
Berlin, ‚26. Dec. 1811. 

Könnte ich Ihnen statt meines kurzen Abrisses über Produkten 
[s. später] die ganze Monographie senden, welche ‘alle Spezies’schön gesto- 
chen enthalten soll, so möchte sie wohl mehr Ihrer Aufmerksamkeit werth 
seyn. Mein Widerwillen gegen die Spezies-Macher ist bei dieser Untersu! 
chung nicht verringert worden. So schöne Abbildungen, 'wie in Paizrırs 
Yorkshire II, ist es nicht schade, dass zu ihnen nicht tiefer eindrin- 
gende Erläuterungen gefügt worden ? Wenigstens kann ich mich mit 
so leicht aufgefassten Unterschieden: nieht befreunden:. ' Mein leitendes 
Prinzip ist immer, nachdem man so viel gesehen hat, als ‚möglich, 
alles Analoge der Gestalt herbeizurufen, 'mit der man sich''beschäftigt, 
und durch Vergleichung sich einen Typus der 'Klasse,, der Ordnung, 
des Geschlechtes zu bilden. Diesen gewonnenen Typus halte ‘ich fest, 
und untersuche, worin und wodurch er in einzelnen Spezies: verändert 
ist. Da verschwindet dann sogleich so manche Spezies, die nur Fragment 
ist. Bei den Produkten geht die obere Schaale bald verloren, oder 
die ganze Valve geht” davon, und nur der innere Abdruck bleibt zurück. 
Alle diese Formen, die Unvollkommenheiten sind, stehen als Species. 
Ich weiss nicht mehr zusammenzubringen, als die in der Clavis aufge- 
führten. 18, und würde auch von diesen noch einige zusammenwerfen. 
Die Engländer nennen sie Leptaena nach Dırman. Mir ist das gleich. 
Darman’s Meinung warıes auch, dass die Produkten zu seiner Lep- 
taena gerechnet werden sollten; allein sonderbarer Weise geht nnın 
Leptaena für Schweden fast ganz verloren. Alle von. ihm. aufgeführten 
haben eine Area, keine Röhren, und senkrechte Linien ‚auf. der Area 
durch verbreitete Byssus-Fäden. Mag man sie nicht für Orthis halten 
wollen, wohin sie doch am nächsten gehören, so sind es;noch weniger 
Produkten, daher auch nicht Leptänen. Der einzige Productus, der 
in Schweden vorkommt, nahe der einzige auch aller silurischen Schich- 
ten, ist gerade von Darman nicht als Leptaena aufgeführt; es ist der 
eben so zierliche als häufige Produetus sarcinulatus (Leptaena 
lata, Orthis striatella Darm, Terebratula striatula Lim 
Sonderbar, dass Darman die ausgezeichneten Röhren am Schloss nicht 
bemerkte. Ich sahe eine Etiquette von seiner eigenen Hand auf vielen 
von Wamblingbo auf Gottland, an denen die Röhren so schön bervor- 
traten, als an denen, welche in Berlins Umgebung so oft gefunden 
werden. Ich sahe dieses in der Sammlung der Akademie der Wissen- 
schaften in Stockholm. Darman’s schlechte Figur zeigt davon keine 
Spur. Mir scheint es einleuchtend, dass Produkten jederzeit und über- 
all gänzlich der Area entbehren, die Schaalen liegen dicht auf ein- 
ander und Röhren können nie fehlen. Da jedoch der Schloss- Rand an 
grossen Produkten sich mit dem Schnabel umbiegt, so ist er selteu her- 
vortretend, noch weniger werden die gebrechlichen Röhren sich in ih- 
rer Stelle erhalten. Man siebt sie, Dentalien gleich, innen ganz glatt 
im Gesteine umher liegen. PrırLirs hat pl. VIII, fig. 6 bei P. pugilis 


231 


eine Area gezeichnet,\aber: es ist nur ein Schein ; ich sehe solche Stücke: 
die andere‘ 'Schäale: legt sich dicht darauf, und nichts tritt hervor als 
die Röhren aufı dieser falschen Area, welche PintLirs auch gezeichnet, 
aber nicht: erkannt: hat. | Es ist»das Innere von P. comoides. — Sehr 
häufig’ »werdenUnterschaalen mit Oberschaalen verwechselt, und man 
glaubt den Produetus flach, wenn er doch, mit seiner Oberschaale ver- 
sehen, im Gegentbeil hoch gewölbt ist. Viele Spezies verschwinden, 
wenn man)bieraufvachtet.:' Man unterscheidet dieses durch den nie feh- 
lenden Rest ‚des übergebogenen und abgebrochenen Schnabels der Ober- 
schaale, der immer.‘noch in seinem Umriss im ‚Gestein festsitzt. Das 
ist dann) gewiss ‚Unterschaale. Durch dieses Mittel bin ich zur Über- 
zeugung gekemmen, dass die so ganz anomale, polymorphische Lima 
waldaica wirklich ein Produetus ist, mit ungemein schmalem Schloss. 
Die produzirten. Schaalen, sobald sie nicht mehr von den aufsteigenden 
Spiral-Armen in‘ Ordnung gehalten: sind, werden ganz toll, breiten sich 
aus nach. allen Seiten: und schlagen Falten und Wellen, wie ein Theater- 
Vorhang. Diese Falten’ können ‚keine ‚Species bestimmen , eben so we- 
nig als sie auf einem Theater-Vorhang erweisen können, ob derselbe 
von Rope oder KaursucH gemalt sey. Es scheint wirklich nach dem 
neuen: Werke von: Pauinıes über Cornwall und Devonshire, er wolle 
sich nicht »bloss mit Namengeben ‚begnügen , sondern auch die Eigen- 
thümliebkeiten der Formen hervorbeben, und, was erfreulich ist , sogar 
Kontinental-Meinungen -werden berücksichtigt, selbst Namen, und ihnen 
werden englische: aufgeopfert!! Doch wird solche Hoffnung der besse- 
ren Bearbeitung wieder sehr niedergeschlagen durch die Wegwerfung 
des Namens von Terebratula und dessen Vertauschung um Epithy- 
vis, Hypothyris und Cleiothyris, je nachdem die Terebratel den 
Schnabel steif in die Höhe , oder eingezogen trägt, oder der Öffnung 
ermangelt. Das ist doch, bei Gott! zu oberflächlich. PuıtLies ist 
zum Brittischen Reichs-Paläontologen ernannt worden, und als solchem 
hat ihm die General ordnance office zwei Fracht- Wagen mit Fässern 
voll Walliser Petrifikaten vor das Haus geführt. Gewiss ist ein 
ganzes Fass mit Nobis gefüllt. — Doch wollen wir von seiner Thätig- 
keit und von seinem Fleiss recht viel Nützliches und Belehrendes er- 
warten; Das Sieben bleibt uns ja doch immer vorbehalten und frei, 
und auch in Deutschland sorgt man genug dafür, dass wir im Geschäft 
des Siebens und Läuterns nicht ausser Übung kommen *). 

Paıetips’ neue Genera Loxenemä, Macrocheilus mögen nütz- 
lich, notbwendig seyn, allein ich wünschte doch, man gebe sick etwas 
mehr Mühe, solche Namen leicht und wohlklingend zu machen. Asassız 
hat ein glücklicheres griechisches Lexikon. 


*) Vielleicht waren nicht alle Stellen dieses Briefes vom Hrn. Verfasser zur Ver- 
öffentlichung bestimmt. "Ich habe mir solche aber nicht versagen können, da des 
Belehrenden und des Triftigen so viel darin enthalten ist und es so sehr Notlı 
thut auf jede Weise der endlosen Species- Macherei, die bereits als Handwerk ge- 
abt Wird, en na ten Br. 


232 


Zu meiner Verwunderung babe: ich in Stockholm gesehen, dass“ die 
schöne, einer Flinten - Kugel gleiche ,, von Pınper.in 'allenihren  Abän- 
derungen trefflich abgebildete Terebratel, welchesich) als Tı sphäera 
in den „Beitr. zu Geb. - Form. in Russland“ beschrieben; schon von 
Dırman als T. nwcella aufgeführt 'worden wary- von Skarpsasen\und 
Hushyfiöl in Ostgothland. Weder hg rg EN EE BE 
es vermuthen lassen. are ar 

Hr. Dr. GırarD: hat unter Sazlteh ‚die en won: Gottland de 
ten, eine offenbar ganz neue Art von Calceola: WARF „deren Be- 
schreibung Sie in einem besondern' Briefe ‘erhalten.: 5 sul 

| 5 tion ee von -Buon. bsai 
Sarg i ib areh nobamnaım 

LEE a ET bon Tas ideilikain esishlhew 
laden? | » Berlin,)-28 En 1841. 

Unter den vielen ee eh Par: ‚Udie durch Bei 
Crantz in diesem Herbste von @ottland'hierher' gelangt sind ‚ı und die 
sich durch seine Mineralien - Handlung "wohl bald» Verbreiten ‘werden, 
habe ich ein Exemplar gefunden‘, ‘das ich für 'einemeueiSpezies: von 
Calceola halten muss. Erlauben Sie’ mir 'ein: wenig‘ näher darauf 
einzugehen. Dass die Muschel‘ zum‘ Genus’ Caleeola ‘gehöre,  be- 
weist die breite, hoch ‘aufsteigende, über die’Stirn hivausgebogene' Area; 
dass es aber eine audere Spezies als C! 'saudalina’sey,; zeigt der Um- 
riss, der, wie bei keiner andern Brachiopoden-Art,''noch weniger:bei 
einer andern Abtbeilüng der Acephalen, ein’viöllig: scharfiviersei- 
tiger ist. Ich drücke, um der Genauigkeit’ willen, den: Ba 
auf dem Papier ab und lasse das ne, ee is usdını as 


Yo k ir k 6% AL u 


welcher die Aa aufsteigt, also ae u ne N ee ge- 
hört der Stirn an, und über. diese hinaus biegt sich ‚der ;stumpfe Schna- 
bel. Daher ist denn auch die. von. demselben, zur,.breiten „Schloss- 
Kante herabgehende Area die grösste von,den.yier Flächen: der. Schaale; 
die Seiten-Flächeu sind kleiner und die Ebene zwischen Schnabel und 
Stirn die kleinste. Bei der C. sandalina .ist:die ‚Area zwar auch, schon 
vorberrschend, aber duch nicht in dem Grade . überwiegend als bier; 


L 


*) Es hat mir nicht gelingen wollen bei dieser schwachen Zeichnung die unregel- 
mäsigen Runzeln der innern Seite (b) deutlich zu machen; sie erscheint hier stär- 
ker gestreift, als sie es ist. 


a —L— 


233 


denn bei dieser Spezies ist die Entfernung vom Schloss zum Schnabel 
wohl dreimal so gross, als vom Schnabel zur Stirn, ein Beweis, dass 
die Muschel am Schloss bei weitem schneller gewachsen ist, als an 
der Stirn. Daher steigt die Area nur mit einem Winkel von circa 30° 
an, während bei der C. sandalina der Winkel wenigstens 60° beträgt. 
Diess gibt den Charakter der Schaale: C. sandalina hoch mit einer 
feinen, erst am Ende übergreifenden Spitze ; diese Art niedrig mit weit 
überstehendem stumpfen Schnabel (Fg. c). Die Anwachs-Streifen gehen 
stark hervortretend über die Seiten-Flächen, weniger scharf über Area 
und Stirn fort. An der Stirn drängen sie sich zusammen und laufen 
gegen die Area auseinander, abermals der Beweis eines verschiedenen 
Wachsthums an den einzelnen Stellen der Schaale. Und dadurch be- 
sonders ist Calceola merkwürdig und vor allen andern Brachiopoden 
ausgezeichnet, dass+sie am Schloss sehneller-wächst, als an der Stirn 
und auf den Seiten, während die übrigen Genera, wie überhaupt die 
Acephalen, nach vorn sich schneller fortbilden als in der Gegend des 
Schlosses. Thecidea und einige Spirifer-Arten nähern sich ihr am mei- 
sten. Die Area zeigt ausser ‘den Anwachs-Streifen auch die ihr eigen- 
thümlichen feineren Längs - Streifen, so wie in der Mitte eine kleine 
Furche, welche zum Schnabel läuft. Ähnliche schwache Furchen be- 
gränzen die Area zu beiden Seiten und stumpfen dadurch die Kante 
gegen die Seiten-Flächen ein wenig ab. . Die Seiten- Flächen sind fast 
völlig flach, nur in der Mitte ein wenig eingebogen, die Stirn-Fläche 
ist eben. Die innere Seite der Schaale ist runzelig, nicht regelmäsig _ 
gestreift, wie bei der C. sandalina, und am Rande.bilden die Runzeln 
schwache längliche Zähne. In der Mitte der Stirn ist einer dieser 
Zähne etwas grösser geworden; ihm gegenüber liegt aber der eigent- 
liche grosse Zahn der Unterschaale, in der Mitte des Schlosses. Es 
ist diess der Zahn, welcher zwischen, die beiden., in einen Knopf ver- 
einten Zähne der Deckel-Schaale hineingreift, wie man wohl an der 
C. sandalina *) sehen kann; dort ist er: klein und kurz, bier in: eine 
Leiste verlängert, die in den Grund der Schaale herabgeht. Doch ist 
diese Leiste nicht mit jener zu verwechseln, welche sich in der Deckel- 
Schaale findet und zur Anbeftung der Arme oder des Gerüstes dersel- 
ben bei vielen Brachiopoden dient, Am Ende dieser Leiste, unter dem 
Zahn des Stirn-Randes befindet sich eine elliptische Öffnung, welche in 
den Schnabel hbineinführt. Leider fehlt. die Deckel-Schaale; aber man 
wird wobl schon aus der einen grösseren Schaale genug zur sicheren 
Bestimmung der Agt entnehmen können, und ich würde daher vorschla- 
gen, sie als C. pyramidalis aufzuführen, da Hisınger ein sehr un- 
deutliches Exemplar als Turbinolia pyramidalis in seiner Lethaea 
Suecica tab. 28, fig. 12 abgebildet und mit wenigen Worten beschrie- 
ben hat. Dr. GirARD. 


*) Calceola sandalina ist von Hrn. Austın auch zu Chiscombe - Bridge, Devonshire 
aufgefunden und von PninLirs pl. 60, fig. 102% abgebildet worden. 


a ne (%) net ee 


Neue Literatur. 


A. Bücher. 
1840. 


H. W. Dowe: über die nicht periodischen Änderungen der Temperatur- 
' Vertheilung auf der Oberfläche der Erde, von 1782 bis 1839, I 
Bände, Berlin, 4°, 1840—1841 [4 Rthlr.]. 

J. Scort BoweErsank: @ History of the fossil Fruits and Srets of the 

London Clay, Part. 1. Aa 


1841. 


H. Apıcn: Geologische Beobachtungen über die vulkanischen Erschei- 
nungen und Bildungen in Unter- und Mittel- Italien, Ir. Band, 
1e. Lieferung: über die Natur und den Zusammenhang vulkanischer 
Bildungen, Braunschweig (19 Bogen gr. 4°, und Atlas von 3 Kar- 
ten und 2 lithogr. Taf. in Fol. [2 Thal, 16 Gr.]. 

BEUDANT, DE Jussieu et MıLne Enwaros: Cours el&mentaire de Vhi- 
stoire naturelle, Paris, 12°. — Mineralogie et Geologie par 
Brunanrt [3 Fr.]. sh 

C. G. Carus: Zwölf Briefe über das Erden-Leben (296 SS.), 8°, Stutt- 
gart [2 fl. 42 kr.]. 

H. T. ve ra Beene: Report on the Geology of Corrivall, Devon and 
West-Somerset, with plat., London, 8° [14 shil.]. 

E. Fr. v. Gr.ocker: über den Jurakalk von Kurowitz in Mähren und 
über den darin vorkommenden Aptychus imbricatus, mit 4 Stein- 
druck-Tafeln, 4°, Brestau. 

L. ve Koninek: Memvire sur les COrustacces fossiles de Belgique 
(Extrait des N. Memoir. de V’acad, roy. des sciences de Bruxel- 
les, XIV, 20 pp. 1 _pl., 4°). 


235 


Ch, LyeıL: Elements of Geology; second edition, II voll., 12°, London. 

Ca. MaicLaren: the Glacial Theory of Professor Acassız, Edinburgh, 8°. 

Maurer: Influence meteorologique des montagnes et des forets. Re- 
'ponse a quelques questions addressees par S. E. le Ministre de 
Ulnterieur, Paris 1841, 8°. 

H. Miyer: Clavis analytica zur Bestimmung der Mineralien nach einer 
einfachen und sichern Methode ; Ile. Abtheil. (3°. Lieferung, S. 129 
—256 [18 Gr., vgl. Jahrb. 1841, 571). 

Mestivıer: Cosmographie, ou rehabilitation du systeme de Ptolemee, 
av. 8 pli., 8°, Paris. 

G. Micnerortt: Monografia del genere Murex, ossia enumerazione 
delle principali specie dei terreni sopracretucei dell’ Italia (27 pp. 
5 tab., 4°), Vicenza. 

Hucn Mirter: the Old red Sandstone, London, 8°. 

Ar. Perzuorprt: de Balano et Calamosyringe addidamentis ad Saxoniae 
palaeologiam duo scripsit (35 pp., 2 tab. lithogr, 8%), Dresdae 
et Lipsiae. 

J. PsırLıes: Figures and Descriptions of the paläozoic fussiles of Corn- 
wall, Devon und West- Sumerset observed in the Ordnance Geo- 
logical Survey of that District. London 8° [9 shill.]. 

O. R. pu Roquan: Description des Coquilles fossiles de la famille des 
Rudistes, qui se trouvent dans le terrain cretace (Aude), I vol, 
4° avec 8 pll. [9 Frances]. Paris. 

L. Zeıszner : 0 formacyi jura nad brzegami wisiy (36 pp. 8°), Krakvwic. 


1842. 


v. Horser: Geognostische Karte des Kreises ob dem Manharts-Berge 
in Östreich unter der Ens, nebst einer kurzen Beschreibung der 
daselbst vorkommenden Fels-Arten; nach eigenen Beobachtungen 
[44 SS. und 1 lith. und kolor. Karte in gr. Fol.), Wien [16 Gr.]. 

J. N. Hevına: Geschichte der Wieliczkaer Saline; herausgeg. und mit 
einer geognostischen Beschreibung der Salz -Formationen u. s. w. 
vermehrt durch L. E. Hroına (xıı und 276 S.) 8°, mit 3 lith. Kar- 
ten in Fol. und 12 pittoresken Ansichten der vorzäglichsten Gruben- 
Partie’n in hoch 4°. Wien [1 Rthlr. 16 Gr.; die Ansichten 2 Rthlr.]. 

C. Lyeın: Grundsätze der Geologie, oder die neuen Veränderungen der 
Erde und ihrer Bewoliner in Beziehung zu geologischen Erläute- 
rungen, nach der 6. Aufl. übersetzt von C. Hartmann, I. Band; 
Geschichte der Fortschritte der Geologie und Einleitung in diese 
Wissenschaft (576 SS.) 8° mit 6 lithogr. Tafeln, Weimar [3 fl. 36 kr.]. 

A. P’Orsıony: Paleontologie Francaise etc. [Jahrb. 1842, 104], Tome I, 
Livr, xxviu— xxx. 


236 
B. Zeitschriften. RE a. 


1) Geologisch-mineralogisehe Vorträge bei der Halienischen 
Gelehrten-Versammlung zu Pisa, 1—14. Oktob. 1839 (Isis 
1841, 553 — 10) . 


P. Sıvı: Geologie des Monte Pisano [Jahrb. 1340, 305— 51a), S. 553. 

P. Savı: Vorkommen der Brenze in Toskana, S. 554. 

Pasını: Geologie der südlichen Alpen von Langen- -See bis Krain, Ss. 554. 

Sısmonpa: Geologie Piemonts, mit Karte, S. 555. 

Givrı: die Kohlen von 16 Orten Toskanu’s enthielten 3: salpeters. 
Naphthalin, seyen daher nur Braunkohlen, S. 555. _ 

O. Scorrzenaca: Kalk-Formation und Fische des Monte Bolca, S. 555. 

ZuccaGNI-ÖRLANDINI: wo sich der Apennin von den Alpen ablöse, S. 555, 

G. Gumonı: Geologie und Bergwerke der Apuanischen Alpen, S. 556. 

Hevwoop: Karte der Steinkohlen- Bezirke von Lancashire, S. 556. 

V. Paocaccint: Phylliten u. a. Reste des Gypses von Sinigaglia, S. 556. 

Barpracco: über die Bergweıke von Pietra santa, S. 556. We 

G. Mazzı: tertiäre Formation des Ombrone-Gebiets, S. 557, 

N. vı Rıo: Monographie des Venda-Berges, Euganeen, S. 557. 

De. Psorı: Hebungen und Senkungen des Bodens iu Italien, S. 557. 

E. Rıpern: Vorschläge zur Aufklärung über Versandungen durch Flüsse, 
Fiuthen ete., S. 558. 

Barsamo ee ein fossiles Reptil und 2 Fische bei Varenna, S. 558, 

P. Sıvı: Branchit, neue Brenz-Art in Braunkohle Tuskana’s, S. 558. 

Zuccacnt-Orrtandını: Mineralogisches aus dem Taro-Thale, S. 559. 

Barpracco: Gold in den Ligurischen Apenninen, S. 559: 

Domnanoos: über Santorin, mit Russeeger (Jahrb. 1840, 199), S. 559. 

Nesrı: Scheererit zu Florenz, S. 560. | 

L. Pırıa: Geognosie der Apenninen Neapels, S. 560—563. 

Diskussion über den veränderlichen Stand des Meeres um Italien, S. 564, 

SIsMonDa : über die Geologie der Piemonteser Alpen, S. 566. 

Mazzı: Stufen und Versteinerungen vom Ombrone-Thal, S. 567. 

Orıorı: Zentral-Wärme der Erde (nach Poıssow’s Ansicht), 8. 567. 

Pasını: Geologie vom Langensee bis Friaul, S. 568. 

P. Savı: über den Rogenstein Toskana’s, S. 570. 

Pasını: über die Struktur der Erde, S. 571. 

Ausflug nach dem Monte Pisano, S. 572: 

P. Sıvr: über die schlechte Luft der Maremmen, S. 572. = 

G. Scorors: Braunkohle aus dem Vicentinischen und Veronesischen, 8. 573. 

Pasını: Über mineralogische Nomenklatur in Italien, S. 573. 

A. Orsını: Gebirgsarten und Versteinerungen (Hippuriten) von Ascolä 
am Monte Corno in den Apenninen, S. 574. 

Pasını: geologische Karte des Lombardisch-Venetianischen Reiches, 8.574. 

Domnanoos: Schmirgel auf Naxos, S. 575. 


237 


2) L’institut, 11Sect, Sciences mathematiques, phusiques 
et naturelles, Paris, 4° [vgl. Jahrb. 1842, 106], 


IX annee; 1841, Sept. 30 — Dec. 2;n0. 405—414, p- 329—416, 


J. E. Bowman;:, Silurische Gesteine in Denbigshire (Assoe. Brit. in 

Plymouth, 1841), S. 240. 

Bericht der in Glasgow ernannten Kommission über Erlangung von 
„Instrumenten „und ‚Registern ‚„ um die Erdbeben in Schottland und 
Irland. anzuzeigen "und aufzuzeichnen (das.), S. 340—341. 

Ar. BRoNGNIART u. Maraguri: zweite Abhandlung über Kaoline, S. 345, 

J. PrutLirs; Kleine Krustazeen paläozoischer Gesteine (Ass. Brit.), S. 349, 

WALkER: "Veränderungen im Fahrwasser von Plymouth durch Saxicava 
rugosa (das), S S. 350, 

Acassız.: Beobachtungen am Aar-Gletscher (Pariser Akad. Okt. 18), S. 354. 

EHRENBERG: ‚Verschlammung der Häven und Fluss-Betten durch mikrosko- 
pische Tbiere (Berlin. Akad, 1841, Juni 10), S. 358. 

A. Erman: jetziger Zustand unsrer geologischen Kenntnisse von Russ- 
land (Enman’s Archiv etc. D, S. 362. 

Bror: Bildung .der Apopbyllit- „Krystalle (Paris. Akad. Oct. 25), S. 365. 

Daunaee: Lagerung , Zusammensetzung und Ursprung der Zinnerz- 
Nester (Bericht daselbst), S. 365—366. 

B. Derom et Damour: Komet: ‚ein neues Mineral aus der Familie der 
Caleiden (das.), S. 366. 

' Duvar-Jouve: nnd ‚über die Belemniten (Bericht das.), S. 366. 
Dvrocner: Diluvial-Erscheinungen in den Pyrenäen (das. Nov. 2), S. 375. 
Bourceois: Fossile Bäume zu, Etamypes (das.), 8. 375. 

Görrerr: über ‚die in, Schlesien, ‚Curland und bei Freiberg gefallenen 
Meteor-Papiere (Berlin. Akad. 1841, Juni 24), S. 380. 

E. Roserr: Kieselerde an den heissen Quellen Islands (Paris, Akad, 
Nov. 8),, S. 382—2383. 

Master; Schildkröte der Kreide Lond. roy. Soc. 1841, Mai), S. 386. 

Hopkins: Einfluss der Berge auf.die Winter- Temperatur auf gewissen 

%ı Punkten der nördlichen Hemisphäre (Assoc. Brit. 1841), S. 391—392. 

Yorke: über künstlichen Arragonit (chem.. Soc. Lond.), S. 393. 

v’Omazsus n’HarrLorz Geologie Belgiens (Acad. Bruzxel.), S. 404—405. 

Dupeerey :-;über die ‚neuen antarktischen Länder und die neuliche Be- 

‚ stimmung „des, magnetischen Zentral - Poles durch die Engländer 
(Soc. philomat.)y; S. 412—414. 

Locke: Geologie einiger Theile in den Vereinten Staaten im W. der 
Alleghany’s (S. 414—415). 

‚ Paläontologische Bemerkungen, S. 415. 

Beer: Schwefel-Quellen der Vereinten Staaten. S. 415. 

M. ve Serres: über Metaxytherium (Ann. scienc. nat.), S. 416. 


238 


3) Bulletin de la Societe ae pc de a: ‚Paris 8 
[vgl. Jahrb. 7841, S. 687]. vinn 
“ 1841; XII, 337—424 (Juni 7—21), pl. m Krans 

Coouann: Fortsetzung, S. 337—352. 

Auc. D’ÜRBICNY: neue geographische Beobachtungen‘ über die 
Cephalopoda acetabulifera, S. 352—361. Br 

Ruurın : Alter des Kalkes von Chäteau-Landon, S. 364-368. 

E. Roserr: Geologische Beobachtungen der Korvetie la Recherche im 
Grönland, i. J. 1836, S. 361—369. Er ei 

De Vernevit: über Lithauen, Curland und Lieflung, Sa 

Leeranc und RauLin: geologische Durchse :hnitte um Bari iS, S. 373. 

E. Rogert: Vorkommen von Eisen um Paris, S. 373— 376. 

Cogvann: Abhandlung über Aptychus, S, 376—391,'Tf. xı., 

WeEsMmanN: Übersicht der geologischen Karten von Östreich, Ss. 392. 

Daver£e: Zinnerz-Lagerstätte (vgl. U’Instit. 365), S. 393—401. 

Renoir: Erwiderung an pe Roys und Lerniere über Gletscher, S. 
401—412. j 

Auszüge aus diesem Jahrbuch, 1841, ı, S. 1a Als.‘ 
» » der Proceedings of the Lond. geolog. Soc. 1840, Dec. 16, 
S. 415—419. 

Fr. Burr: Geologie von Aden, Arabien, S. a19—anı. 

E. Kerrey: Geologie von Owayhi, S. 421426. 


T%T- 


C. Zerstreute Aufsätze. 


W. AımswortH: geologische Untersuchungen längs dem Euphrat [zer- 
streut in dessen Reseurches in Assyria, 'Babylonia and Chaldaea, 
forming part of the labours of the pe London 
1838, 343 pp. 8°). 

A. DE ua Marmora: Geologische Beobachtungen über die 2 Balearen 
Majorea und Minorca im Winter 1833 — 34 (Memor. d. r. Accad. 
d. sc. di Torino, 1835, XXXVIII, 51—74, mit Karte). 

Dumont: Analytische Tabellen der Mineralien (Nouv. Mem. de V’ Acad. 
de Bruzelles, 1839, XII, 95 pp.) 

Lavinı: Abhandlung über den Talkerde-haltigen Gyps von Piobesi de 
Guarene (Memorie d. Accadem. di Torino, 1836, XXXIX, 201—207. 

A. Sısmonpa: Geologische Beobachtungen über das Susa-Thal und den 
Mont Cenis (ib. 1835, XXVIII, 143—162, 1. Taf.). 


Auszüge 


A. Mineralogie, Krystaliographie, Mineralchemie. 


F. ViArBENTRAPP: über die Zusammensetzung des Chlorits 
(Posgenp. Ann. d. Phys. XLVIII, 185 ff.). Die Analysen ergaben: 
im Chlorit von im Chlorit vom im Chloritschiefer 
Achmatowsk im Gotthardt. von Pfitsch iu 
Ural.- Tyrol. 
Talkerde ; 2 33,972 L 17,086 & 41,54 
Eisenoxydul ; 4,3745 % 28,788 i 5,44 
Thonerde . 2 16,966 ; 18,496 -. 10,18 
Kieselerde . - 30,376 i BE,BOTF MN: 31,54 
Wasser 1 i 12,632 5 8,958 : 9,52 


98.310 -.. 08.608... 98,02 


G. Rose: über den Hydrargillit (a. a. O., S. 564 ff). Der 
Fuudort dieser neuen Mineral - Gattung ist Achmatvwsk bei Slatovust, 
woselbst sie mit Magueteisen gemengt vorkommt. Sechsseitige Prismen, 
enfseitet; parallel den Endflächen vollkommen spaltbar. Lichte-röthlich- 
weiss; durchscheinend; in dünnen Blätmben durchsichtig: auf den End- 
flächen Perlmutter-, ausserdem Glas-glänzend. Härte etwas niedriger, 
als die des Kalkspathes. Nach dem Verhalten vor dem Löthrohre und 
gegen Säuren besteht der Hydrargillit ") aus Thonerde, Wasser und 
einer Spur von Kalkerde, 


A. Dımove: über einige unter der Benennung Pxarz re- 
sinite bekannte Mineral- Substanzen (Ann. d. Min. Ime ser, 


*) Dieser Name wurde zwar schon früher von Davy dem Wavellit gegeben; da 
jedoch später BERzErıvs und Fucas in letztem Mineral noch Phosphor- und Fluss- 
Säure fanden, so wurde jene Benennung nicht weiter angenommen, und es ist so- 
nach keine Verwechselung nit dem Uralischen Mineral möglich. 


Jahrgang 1842. 16 


240 


Vol. XVII, p. 202 cet.). Hyalith. Wie bekannt, gewöhnlich auf 
Spalten- Wänden von Gesteinen vulkanischen Ursprungs als Überzug 
vorkommend. Mitunter findet er sich auch inmitten von Massen blasi- 
ger und schwammiger Laven, die ganz neuerdings ergossen scheinen. 
Man führt Hyalith als vom Vesuwv, vom Ätna und von andern noch 
thätigen Feuerbergen herrührend an. Alle ähneln sich in ihren äusser- 
lichen Merkmalen; aber sie enthalten nur wenig oder kein Wasser. 
Ja es scheint, dass es zwei Gattungen von Hyalith gibt: eine mitten in 
Laven vorkommende dürfte vielleicht nichts seyn, als geschmolzener 
Quarz; die andere könnte sich in Folge von Feldspath - Zersetzungen 
gebildet haben; die Spuren von Schmelzbarkeit, welche sie zeigt, lässt 
die Gegenwart eines Alkali’s vermuthen. — Fiorit. Das untersuchte 
Stück stammt vom Berge Amiata bei Santa - Fiora in Toskana. Vor- 
kommen auf einem grauen Tuff (der unter dem Suchglase als gebildet 
aus mit einander verbundenen, glasigen Theilchen sich darstellt) in ge- 
wundenen, Röhren - förmigen Stücken von milchweisser Farbe und im 
Bruche von Porzellan -artigem Aussehen. Ritzt Glas. Gibt im Glas- 
kolben Wasser in Menge; andere Versuche deuteten auf Gegenwart der 
Flusssäure.. — Opal aus Mexiko. Findet sich in einem grauen, gla- 
sigen, vulkanischen Gestein. Theils ist derselbe farblos, vollkommen 
durchscheinend, aber ohne buntes Farbenspiel, theils zeigt er sich im 
Innern durchscheinend, obne Glanz, umgeben von bräunlicher Rinde, 
welche alle Farben der Iris zurückwirft; noch andere Opale erscheinen 
braun. Nach den Versuchen des Verf. (welche in der Abhandlung selbst 
nachgesehen werden müssen) ist derselbe geneigt zu glauben, dass die 
organischen und kohligen Substanzen, welche das Mineral enthält, eine 
wichtige Rolle im Erzeugen der Licht-Erscheinungen spielen. Auf die 
Ungarischen Opale konnte D. seine Untersuchungen nicht umfassend 
genug ausdehnen; ein Bruchstück fast undurchsichtig und ohne buntes 
Farbenspiel zeigte jedoch gleich den Mezikanischen starken empyreu- 
matischen Geruch und sehr merkliche alkalinische Reaktion. — Pech- 
stein, aus den Vereinigten Staaten, aus Mexiko, Ungarn und Island, 
gab im Glaskolben Wasser, entwickelte empyreumatischen Geruch und 
zeigte alkalinische Reaktion. — Geyserit. Ähnliche Phänomene im 
Glaskolben, wie bei Pechstein. 


A. F. Svangere: Pikrophyli, ein neues Mineral von Sala 
(Pocgenp. Annal. d. Phys. Bd. L, S. 662 ff). Kommt in der Grube „das 
Kabinett“ etwa 30 bis 40 Faden unter Tag vor und gleicht im Ansehen 
dem sogenannten unschmelzbaren Salit. Härte zwischen Glimmer und 
Kalkspath. Spez. Gew. — 2,73. Farbe sehr dunkelgrün; schimmernd. 
Vor dem Löthrohr unschmelzbar. Im zugeblasenen Glasrohr Wasser 
gebend, das nieht alkalisch reagirt,. Ergebniss der Zerlegung: 


241 


'Kieselerde . ; 3 j 49,80 
Thonerde . i . - 1,11 
Kalkerde . h ö N 0,78 
Talkerde . real } 30,10 
Eisenoxydul - \ . 6,86 


Manganoxydul . { ‚ Spur 
Wasser A 5 R E 9,83 
98,48 


woraus man die mineralogische Formel: 
3MS? — 2 Ag 
erhält. 


BoussingauLt: Analysen einiger bituminösen Substanzen 
(Ann. de Chim. et de Phys. LXXIII, 442 cet.) 

a) Sehr reines Bitumen von Bechelbronn (Nieder - Rhein), quillt 
auf einer Wiese, 

b) Erdöl von Hatten (Nieder-Rhein), entsteigt tertiären Ablagerungen. 

c) Festes Erdpech von Coxitaumbo bei Cuenca in Mexiko: 


a. b. c. 
Kohlenstoff . 88,3 .„. 887 .„ 88,70 
Wasserstoff . 21H 2:93 2280.°% 9,68 
Stickstoff Ä id 04 . 1,62 


100,5 . 101,7 . 100,00 


G. Suckow: Beschreibung anomal gebildeter Eisenkies- 
Krystalle (Possenno. Ann. d. Phys. LI, 284 ff... Die beobachteten, 
Abnormitäten sind Verzerrungen des Oktaeders und der hexaedrischen 
Kombinationen mit dem Oktaeder. Ohne Hinzufügung der Krystall- 
Figuren würde ein Auszug nicht verständlich werden. 


Senxez: Analyse von Kalkstein der Gegend von Pillefranche 
(Ann. des Min. 3me Ser. XVIII, 535). Beide zerlegten Abänderungen, 
die eine graulichweiss, dicht und muschelig im Bruche (a), die andere 
gelblichgrau, schwarz gefleckt und meist sehr feinkörnig (b), gehören 
zur oberen Abtheilung des vom Eisen - Oolith bedeckten Belemniten- 
Kalkes. Resultate der Analyse: 


(a) (b) 

Thonerde . - f r DET 2,0 
Kohlensaure Kalkerde 5 81.0.445.5,.8940 
“ Talkerde A 10,5: 5: 5,0 
Eisenoxyd ö 4 \ REN 2,0 


= 96,0. 980 


242- 


J. C. Booru und C. Lea: Zerlegung eines. Chromeisenerzes 
von Mahobol unfern Gidara auf dem Eilande Cuba (SıLLıman 
Americ. Journ. XXXVIII, 243 cet.). 


Chromoxyd . s j 20 SO RRNE 38,742 


 Eisen-Protoxyd . - - z 24,516 
Thonerde . } L f EUR 452 


Magnesia - - ; 5 TIGER TE ZU 
i 100,000 


Breituaupt: Beiträge zur genauern Kenntniss schon be- 
stimmter Mineralien (Poscsenn. Ann. d, Phys. Lill, 145 fi). Da- 
vyn und der Cancrinit (von G. Rosr) sind identisch; Nephelin 
und Beudantin gehören einer und derselben Spezies an, und alle 
diese Substanzen müssen in ein Genus gerechnet werden. — Hum- 
boldtilit (nieht der .Oxalit) und der sog. Sarkolith vom Vesudv 
sind identisch; dessgleichen Somervillit und Geblenit, wezu auch 
Careers Melilit zu zählen. Alle genannten Mineral- -Körper vereinigt 
der Verf, unter seinem Genus Stylobat. — Der Monticellit ist 
Chrysolith von weisser, theils auch von beinahe Fleisch-rother Farbe. 
— Zwischen Valencianit und Adular gibt die Eigenschwere eine 
genügende Differenz. wrsr 


Kunıman zu Lille: Silizifikation des Kalksteins (Lund. 
chemic. Soc., 1841, Mai 18 > Philos. Mag. a. Ann. 1841, XIX, 332). 
K. legt Kalkstein in eine Auflösung von Kali-Silikat, lässt ihn einige 
Tage an der Luft stehen und wäscht ihn dann ab. Er legte ein Stück 
so verkieselter Kreide vor, und obschon diese nur 0,03—0,04 Kieselerde 
enthielt, so ritzte sie doch vielen Mörtel und Marmor. Ebenso kann 
man kohlensaures Blei und Pariser Gyps härten. DaK. Alkali-Salze 
in allen Kiesel-baltigen Kalksteinen findet, welche hydraulisch sind, so 
glaubt er, dass solche anfaugs gewöhnlicher Kreide an Reinheit gegli- 
chen, aber allmählich verkieselt worden sind durch Einsickern an Was- 
ser, welches ein Alkali- Silikat aufgelöst euthielt, oder durch einen je- 
nem künstlichen entsprechenden natürlichen Prozess. 


243 


B. Geologie und Geognosie. 


ForcHHAMmMErR: über den Tertiär-Boden Dänemarks (OERstEn 
Oversigt ‚over det Kongl. Danske Videnskabernes Selkabs -Ferhandl. 
1840, 4° > Münchn. gelehrte Anzeigen, 1841, 571). Die Rollstein- 
und Geschiebe - Formation Dänemarks zerfällt in 3 Unter- Abtheilungen. 
1) Die Bernstein- oder Braunkohlen-Formation, den an der Küste häu- 
figen Bernstein liefernd, scheint gleich alt mit der Subapenninen-Forma- 
tion. Die mit Skandinavischen Geschieben abwechselnden Versteinerun- 
gen von Salzwasser-Thieren beweisen, dass sich diese Formation nicht 
als Moräne abgesetzt haben kann. 2) Die Thon-Formation darüber führt 
die grössten Geschiebe, hat aber noch nicht eine Versteinerung geliefert. 
Diejenigen, welche sich 3) in der Sand -Formation zeigen, welehe die 
grössten Höhen und den eigentlichen Wald-Boden des Landes bildet, 
gehören der jetzigen Fauna der Nordsee an, vertragen sich daher eben- 
falls nicht mit Moränen, — Aus dem Verhalten aller dieser Geschiebe 
schliesst der Vf., dass die Bewegung, welche die grossen Geschiebe 
für die 2 ersten Abtheilungen lieferte, von N.O., von der Skandinavi- 
schen Halbinsel, diejenige aber, welche die Geschieb-Formation in der 
dritien Periode veranlasst hat, von der Ostsee ausgegangen seye. 


Eug. Rosert: Ursprung der Kieselerde des Geysers auf 
Island (Paris. Akad. 1841, 8. Nov. > T’Instit. 1841, IX, 382—383). 
Nahe beim grossen Geyser ist ein Hügel aus unzersetztem blaulich- 
grauem Phonolith, an dessen Seite man jedoch unverkennbare Spuren 
einer alten beträchtlichen Therme unterscheidet. Hier allein gleicht der 
Phonolith-Teig einem Kaoline, und die chemische Zerlegung ergab, dass 
dieser nur 0,658, statt der 0,723 Kieselerde des unveränderten Phono- 
liths enthält. R. glaubt daher, dass die heissen Quellen Islands ihren 
Kiesel-Gehalt Phonolith-, Basanit- und Dolerit-Massen entnehmen, mit 
welchen sie in der Tiefe in Berührung kommen, seye es bloss durch 
ihre oft bis auf 124° C. gesteigerte Temperatur, oder nach Dumas’ An- 
sicht durch den wiederholten Stoss der Wasser - Dämpfe gegen die 
Wände ihrer Felsen-Behälter. Es fragt sich daher noch, ob die um die 
Geyser her befindlichen Thon-Ablagerungen nicht der Thonerde entspre- 
chen könnten, welche durch Auflösung der Kieselerde frei geworden wäre, 


C. Darwin: über eine merkwürdige Sandstein-Barre von 
Pernambuco an der Küste von Brasilien (Philosoph. Magaz. a. 
Journ. 1S41, XIX, 257—260). Vor vielen Buchten und Fluss-Mündun- 
gen ziehen sich in kleiner Entfernung von der Brasilischen Küste lange 
sehmale Riffe hin, über welche die Wellen hinüberschlagen. Ein sol- 
ches von 30—60 Yards Breite, mehren Fussen Höhe über Tiefwasser und 


244 

einigen Meilen Länge in der Richtung der Küste verschliesst einen Theil 
des Havens von Pernambuco. Zuerst möchte man es für ein Korallen- 
Riff halten; bei näherer Untersuchung aber bestebt es aus einem har- 
ten, blass-gefärbten Sandsteine mit sehr glattem Bruche, gebildet aus 
Quarz - Körnern ‘mit kalkigem Kitte. Hin und wieder enthält er abge- 
rundete Quarz - Geschiebe von Bolınen- Grösse und darüber mit einigen 
Muschel - Trümmern. Spuren von Schichtung sind nur undeutlich vor- 
handen. An einer Stelle sieht man eine geneigte, 4‘ dicke Lage von 
'stalaktifischem Kalkstein; an einer andern wird eine falsche Schichtung, 
welche unter 45° landeinwärts fällt, von einer horizontalen Masse ab- 
geschnitten. Auf beiden Seiten des Riffs haben sich viereckige Bruch- 
stücke desselben abwärts gesenkt, und Spalten zeigen sich hier und da. 
Eine Meile weit verfoigte es D. und fand es von ganz gleichbleibender 
Beschaffenheit. Die äussre ‘Seite der Barre ist mit einer dünnen Lage 
kalkiger Materie überzogen, welche an den tiefern Stellen so diek (über 
3°“ —4') ist, dass man selten mit dem Hammer bis auf den Sandstein 
bindurehdringen kann. Sie besteht zanz aus kleinen Serpeln, welche 
einige Balanen und Papier-dünne Lagen einer Nullipora einschlies- 
sen. ‘Aber nur die Oberfläche ist, lebend, und darunter besteht die 
Schichte aus denselben organischen Körpern erfüllet mit schmutzig-weisser 
Kalk-Masse. Obschon dieser Jberzug nicht sehr hart ist, so wider- 
steht er doch seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden durch 'seine Ab- 
rundung der Tag und Nacht tbätigen Brandung. Denn seit Mensehen- 
Gedenken. soll sieb_ nichts, an diesem Riff geändert. haben. Doch leidet 
die inwendige , dem ruligeu Wasser zugekehrte Seite der Barre, wo 
dieser Überzug fehlt, wie die hinabgesunkenen Stücke und die auf der 
Oberfläche vorragender Geschiebe beweisen. Diese Serpeln sind daher 
das unscheinbare Mittel, wodurch die Existenz derselben gegen die 
unablässige Brandung gesichert. wird. Im Stillen und Indischen Ozean 
sah der Vf. die Korallen -Riffe ebenfalls durch eine solche Rinde ge- 
sehützt, Jie aber nur aus Nulliporen- Arten besteht; und Lieutenant 
Nerson beschreibt solche Riffe an den Bermudas (Geol. Trans. V, 1, 
177), welche von ähnlichen Serpula- Massen gebildet werden sallen; 
wahrscheinlich aber nur überzogen werden. 

Im Golfe von Mexiko, au den Küsten der Vereinten Staaten und 
des südlichen Brasilien erstiecken sich solche Riffe und schmale Inseln 
und Sandbänke viele hundert Meilen weit längs der Küste, durch seichte 
Lagunen von ihr getrennt, welche eine grosse Erstreckung und zuwei- 
len eine Breite von einigen Meilen besitzen. -Rogzrs (Report of the 
Brit. Assoc. III, 13) findet Grund zu vermuthen, dass sie durch Em- 
porhebung von Sandbänken an Stellen gebildet werden, wo'Strömungen 
sind, und so mag es auch wit der Barre von Pernambuco seyn. Die 
Stadt steht auf einer niedern schmalen .Insel und einer langen Sand- 
Spitze einer niederen Küste gegenüber. Gräbt man bei tiefem Wasser- 
Stand in der Nähe der Stadt, so findet man den Sand zu einem Sand: 
stein erhärtet, jenem der Barre äbnlich, aber viel reicher an Konchylien. 


245 


Unter solchen Verhältnissen könnte dann eine geringe Veränderung im 
Niveau oder im Laufe der Strömungen längs der Küste allmählich die 
Wegwaschung des loser gebliebenen Theils des Sandes veranlassen. 
während der mehr erhärtete Theil desselben längern Widerstand leistete 
und gerade der Brandung entgegen durch jene Kalk-Rinde am meisten 
geschützt würde. - 


Maruer: über zerstreute Blöcke und Geschiebe des Di- 
luvial-Landes, und Diskussionen (Assoc. Amer. Geolog. 1841, 
Apr. > VInstit. 1841, IX, 439—440). Die Geschiebe -Fluth scheint 
im Allgemeinen aus N. gekommen zu seyn, und zwar im O. des Hud- 
son von N.W. und im W. desselben von N.O. Die Diluvial- Furchen 
sind im Allgemeinen parallei der Richtung der Thäler, worin man sie 
bemerkt, selbst in den Queer- Thälern, wo sie also von der Haupt- 
Richtung abweichen. Nur wenige dieser Gebilde findet man noch inner- 
halb dem 38° und 39° Br., und nie hat sie der Vf. im Kohlen-Gebiete 
des Ohio und nur selten in Kentucky gesehen. Die von Honcz in der 
Gold-Gegend in N.- Karolina zitirten Geschiebe möchte er nur als ein 
an Ort und Stelle zerfallenes Granit-Gebirge betrachten. 

H. D. Rogzrs meint, dieses Gebirge besitze eine grössre Breite; 
allein der von N. kommende Strom habe von Pennsylvanien an seine 
schwersten Blöcke abgesetzt und nur noch um so feineres Material mit 
sich fortgeführt, je weiter er auf die südlichen Terrassen herabgekom- 
men seye; daher man auch im feinen Sande des S. die nordischen Ma- 
terialien erkenne. Allerdings ruhen auf Long Island zerstreute Blöcke 
auf Schichten von Sand und feinem Kies; aber die Diluvial-Thätigkeit 
scheint auch nicht auf eine Periode beschränkt gewesen zu seyn. 

Locke zitirt eine Stelle von Ohio, wo der Kalkstein in einer Aus- 
dehnung von 10 Acres eine vollkommen gleiche Fläche bildet, wie sie 
entsteht, wenn man zwei Steine auf einander abreibt. Darauf unter- 
scheidet man mehre Systeme von geraden und parallelen Furchen aus 
N.W. nach S.O., von welchen einige so fein wie mit einer Diamant- 
Spitze gewacht sind, andre aber 0m01 Breite und 0% 003—0m004 Tiefe 
haben und ira Grunde so rauh sind, als wären sie von einem mit un- 
widerstehlicher Gewalt geführten Meisel von besondrer Form gemacht 
worden. Sie müssen ihre Entstehung einem harten Körper von unge- 
heurem Gewichte verdanken. Ein schwimmender Eis-Berg z. B. würde 
die nöthigen Bedingnisse darbieten und eine solche Wirkung hervor- 
bringen können. 

Marner fügt noch bei, dass die Geschiebe in Ohio keineswegs vom 
Zufall umbergestreut sind, sondern zusammenbängende Linien und Grup- 
pen bilden. Am St.-Peters-Flusse zieht "sich eine solche Linie mehre 
Engl. Meilen weit fort, wie längs eines Ufers; andere überschreiten 
das Gesichts- Feld am Horizont, wie jene, welche von Exton queer 


246 


aus den Ohio-Staat zieht und mehr als 40 Meilen Fänge) und 5 Meilen 
Breite hat. 


‚C. T. Jackson fand die nn der Diluvial-Ströme: nirgends 


deutlicher als bei Providence, Cumberland, wo ein ‚beträchtlicher Berg 
aus porphyrischem Titan - führendem Eisen von. ‚ganz besonderem Cha- 
rakter ist. Nordwärts davon findet man keine Geschiebe; südwärts 
aber liegen sie in ungeheuern Massen; etwas unterhalb zu Papoose- 
Squash- Neck kommen kleine Geschiebe- jener ausgezeichneten Felsart 
vor; im S. von Newport und weiter südwärts sind dieselben noch 
kleiner. Diese Ablagerung erstreckt sich von N. nach S. über 40 Mei- 
len weit in einer von 6 bis 15 Meilen zunehmenden Breite. Die charak- 


teristische Chiastolith-Felsart von Lancaster, Massachusetts, bietet eine 


ähnliche Erscheinung dar, indem sie sich in beweglichen Massen süd- 
wärts bis Boston erstreckt, gegen N. aber keiue Spur zeigt. Aber die 
Spuren des Diluvial-Stromes scheinen nach S. hin in Maine und Rhode 
Istand noch viei ausgezeichneter zu seyn, als im N., und vom Berge 
Katadin hat man [Diluvial-] .Geschiebe in 4000* See-Höhe‘ gefunden, 


obschon keine Anzeigen irgend eiuer Hebung nach dem Abzuge des 


Diluvial-Stromes vorhanden zu seyn scheinen. 


G. Bröpe: Geognostische Beschreibung des Gouvts. 
Charkow (Bullet. Soc. imp. d. Naturalist. de Moscou, 1841, 34—108). 
Das Gouvernement begreift den grössten Theil der Ukraine in sich 
[vgl. Jahrb. 1841, 533—542]. Es ist eine im Mittel -400° über dem 
Meere liegende Hochebene von Steppen-Natur , in welcher die steil ein- 
geschnittenen waldigen Thäler wie grüne Bänder verlaufen. Nur in 
diesen kann man in der Regel kleine und unzusammenhängende Schich- 
ten-Folgen zu Tage gehen schen, da sie sonst allerwärts unter mäch- 
tigen Diluvial-Ablagerungen versteckt sind, daher auch ihr relatives Al- 
ter, ibre Verbreitung u. s. w. oft nur ungenügend erkannt werden 
können. Die vom Vf. beschriebenen Formationen sind: 

1. die Steiukohlen-Formation erscheint zu Petrowka, 30 
Werst W. von Issum, als steil hervorgehobener Sattel, 200—300’ mäch- 
tig, aus 3—4 Wechsel-Lagern von Sandstein mit Eisenerzen, Schiefer- 
Tnon und Steinkoblen, auch etwas Kalkstein bestehend, mit einem Fal- 
len von 50° — 60° in W.S.W. Die Kohlen - Lager haben 3—5° Mäch- 
tigkeit; die Qualität ist meistens gut; dünne Lager faserigen Anthra- 
zits schieben sich zwischen die herrschende Blätter und. Pech-Kohle 
ein. Der Kalkstein enthält an Petrefakten: Strophomena, Tere- 
bratula, Trigonotreta und Gypidia. Im Sandsteine findet man 
einzelne. Abdrücke oder ganze Lager von Neuropteris, Pecopteris, 
Calamites (Suckowii) und Sigillaria (undata), Lepidodendron 
eoufluens und L. Sternbergii, Stigmaria ficoides und Lyceo- 
podites pinnatus. 


247 


2, Die Jura-Formation an 2 Stellen im: Donetz-Thale: zu Donetz- 
kaia bei Petrowka und zu Kaminku. An dieser Stelle, weniger voll- 
ständig an jener, findet man: von unten auf: a) schwärzlichen schiefe- 
rigen Lignit mit Eisenkies stark durchdrungen 12° ....; — b) röth- 
lichen , gelben oder grauen. milden Sandstein, aus Quarz- und Kuülk- 
Körnern mit Glimmer - Blättchen und Eisen -schüssigem Zäment, 6—8° 
mächtig, nach oben reich an Nieren schaaligen braunen Thoneisensteins 
bis von einigen Fussen Grösse, aus undeutlichen vegetabilischen Über- 
vesten zusammengesetzt; — c) Schichten “feinkörnigen dichten rapie 
Kalksteins,, gelblich oder aschfarbig, nach oben mit emer 12 — 13 
mächtigen Muschelkalk-Bauk aus meist grossen und abgerollten Stein- 
kernen vorzüglich von Lyriodon, auch bei Petrowka noch von ?Te- 
rebratula impressa, Ammoniten, Peecten oder Lima, Pho- 
ladomya ?Murchisoni, Gryphaea ?dilatata, Ostrea, Mytilus 
oder Modiola, ?Melania Headingtonensis, worauf scharf abge- 
setzte, kleinkörnige, lockere oder feste Oolithe von blendend weisser, bei 
Petrewka gelblicher Farbe folgen, deren von den vorigen verschiedeuen, 
doch in den Unrissen verwischten Petrefakte nur Nerinäen (N. ele- 
gans und N. ?triplicata) und bei Petrowka noch Pecten und Pen- 
takriniten-Glieder in einem zweiten Muschel- Lager, unterscheiden 
lassen; — d) ein dolomitisches Gestein gehört dem ganzen Schichten- 
Systeme an. Die Schichten sind dünne und nur in der Muschelbank 
wechselweise von 2—3’'; das Einschiessen ist 6° — 10° NNW.; bei 
Petrowka 7°— 10° N., die ganze Mächtigkeit 20—30'. Der Vf. be- 
- trachtet diese Schichten- Folge als die Repräsentanten des mitteln und 
oberen, oder des braunen und weissen Jura-Gebildes v. Bucu’s, wagt 
äber keine speziellere Parallele zu ziehen. 

3. Die Kreide-Formation ist nächst dem Diluviale am meisten 
verbreitet, obschon sie unter diesem und einigen tertiären Partie’n meist 
nur im Niveau der Thal-Sohlen ausgeht uud im N. Theile sogar noch 
unter diesen zu versinken pflegt. Sie zeigt a) Sand, Sandstein, Quarz 
und Kieselthon mit einander abwechselnd oder in einander greifend und 
übergehend, mit Farnen, Blättern und durchlöchertem Holze ; b) Tripel- 
artiger Kieselthon voll zylindrischer Löcher oder Erd-Pfeifen; c) Thon 
und Kreide-Mergel; d) schreibende Kreide mit Feuersteinen, welche als 
Kern oft PTerebratula plicatilis enthalten, daun mit Belemnites 
wmucronatus, der oft verkieselt ist. Die Mächtigkeit beträgt über 160'; 
die Neigung ist sehr unregelmäsig 6°—10°, Bei Slowänsk finden sich 
in einem Thal-Kessel der Kreide 2 Salz-See’n, “der grössre von 150 Fa- 
den Läuge und 3—5 Arschinen Tiefe; der Salz - Gebalt ist 0,06 und 
begründet mehre kleine Salinen. Welcher Formation das wahrscheinlich 
zu Grunde liegende Salz-Lager angehören möge, lässt sich nicht be- 
Stimmen, 3 Rn 

4. Die Tertiär-Formation besteht aus plastisch-thonigen, leh- 
migen und sandig kieseligen Ablagerungen, verborgen unter mächtigem 
Diluvial Laud, vertheilt in kleine Kreide- Becken, eutblöst von allen 


248 


Versteinernugen); daher sehr abweichend von denen PUHBHEHE, u. 2 
benachbarter Gouvernements. 
5) Die Diluvial-Bildungen sind sehr mächtig. 


C. Petrefakten-Kunde. 


L. Vanuxem: alte Austern-Lager auf der Atlantischen Küste 
der Vereinten Staaten (Asoc. Americ. Geol. 1841 > VInstit. 1841, 
IX, a31—432). Auf genannter Küste kommt eine Menge ausgedehnter 
Lager von Ostrea Virginiana vor; doch sind nur wenige genau 
untersucht worden, wie jene bei South- Amooy , welche ungeheuer seyn 
und sich über mehre Acres erstrecken sollen. Manche halten sie für 
gehobene Austern -Bänke ; andre für Menschen-Werk. Die Ost-Küste 
Marylands bietet ebenfalls viele dar. Bei der Mündung des Kreeks 
von Pickuwazeni, 80 Meil. unterhalb Washington, hat man eine Kalk- 
Brennerei darauf angelegt; die Untersuchung dieses Lagers, so wie 
noch eines benachbarten und eines dritten bei Baltimore haben den Vf. 
zu Conrap’s Ansicht geleitet, dass sie Menschen-Werk seyen. Einen 
einzigen Fall ausgenommen, hat niemals Jemand die zwei zusammen- 
gehörigen Klappen noch beisammengefunden. Allerwärts lagen viele 
Pfeil-Spitzen und "Trümmer von Töpfer-Waare dazwischen. Der Grund 
des Lagers ist der gelbliche Lehm-Boden des Landes, worin man unter 
dem Lager Wurzeln u. a. Theile der inländischen Zeder entdeckt hat 
zum Beweise, dass der Boden vor Anhäufung der Muscheln schon eine 
Land - Vegetation trug. Sie ziehen sich an den Kreeks hinauf, gehen 
aber Selten längs der Flüsse fort, wahrscheinlich weil die Kreeks den 
Indianern reichen Fang darboten. Die Ufer - Stellen sind niedrig und 
die Austern-Art lebt noch häufig an jenen Gestaden. Dass diese Lager 


aber ein verbältnissmäsig hohes Alter besitzen, erhelit daraus, dass sie 


wieder mit Erde bedeckt sind, dass eine sehr alte Zeder wieder in 
dieser Erde über ihnen gewachsen ist, und aus dem Mangel aller Tra- 
dition über ihren Ursprung. 

Doch gibt es nach Conrksn auch Fälle, die nicht von Menschen 


herrühren. Man findet nämlich zu Easton an der Ost-Küste Marylands. 
die Muscheln noch ganz; an einigen Stellen sind Reste ältrer Muscheln, 


zweifelsohne vom Wasser des Golfs, zwischen den Austern abgesetzt 
worden; manche endlich sind auch zu ferne gelegen von den jetzigen 
Auster-Bänken, als dass man ihre Anhäufung Menschen zuschreiben 
könnte, wie in Cumderland County und New-Jersey. 


VALENCIENNES: über gewisse Fisch- und Reptilien-Genera, 
welche sich nicht wit Bestimmtheit den Süsswasser- oder 


249 


den Meeres-Bewohnern beizählen lassen (Ann. science. nat. 
1841, B, XVI, 110—112). Die Frage, ob die Steinkohle und ver- 
wandte Formationen mit Palaeoniscus-artigen Fischen eine Meeres- 
oder eine Süsswasser - Formation seye, lässt sich nach jenen Fischen 
allein nicht wohl entscheiden, Denn die Paläonisken sind einerseits 
mit den Stören, andrerseits mit solchen Fischen verwandt, welche zwi- 
schen den Lucioiden und Clupeoiden stehen, und die Störe leben in 
Süsswassern [und im Meere], während die Lucioiden entweder Be- 
wohner des Süsswassers sind oder aus diesem ius Neer gehen, wie 
die Clupeoiden aus dem Meere in die Flüsse steigen. Denn ein 
Aufenthalt im Meer - Wasser setzt keine andre Organisation voraus, als 
der in Süsswassern ; beide enthalten wenigstens für Kiemen - Athmer 
Sauerstoff genug, wenn auch nicht gleichviel. Aber sogar unter den 
Säugethieren finden sich dergleichen Belege. Während die Delpline 
und Meerschweine und die Seehunde im Allgemeinen sich im Meere 
aufhalten, so lebt der Platanista des Pıinıus doch im Ganges oberhalb 
Benares, wohin das See-Wasser nicht gelangt, der Tonina (Inia 
D’Ore.) im Orinokn oberhalb den Fällen von Alures und Maypures, 
und die Sterrer’sche Beluga in Süsswasser-See’n, — wie gewisse 
Seehunde im Süsswasser des Baikal und des kleinen Aral-See’s, und 
im wenig salzigen Kaspischen Meer. Wenn dagegen unter den Rep- 
tilien die Krokodile im Allgemeinen Süsswasser- Bewohner sind, so 
schwimmt und nährt sich wenigstens der Cr. biporcatus, ein Bewoh- 
ner der Sechellen u. a. Amiranten-Inseln, wie auch Timors, Cerams 
u. Ss. w., im Meere, ohne eiuen Unterschied der Organisation vom Nil- 
Krokodil zu zeigen. Der Vf. kennt auch kein Geschlecht von Fischen, 
das man als eine meerische Form betrachten könnte. So wohnen die 
Rochen in Ameriha in Süsswassern, eine Pastinake bewohnt den 
Rio-del- Magdalena ausser dem Bereiche Jer Fluth und wird in den 
benachhärten Etangs gefischt; — von den Pleuronekten geht PI, 
flesus in die Loire hinauf bis Roanne, Pl. limanda in die Seine 
bis Paris, Pl. solea in den Rhein bis Coblenz; auch die Alosen 
(Maifische) steigen zur Laich-Zeit in die Flüsse, und von der Agone der 
Italiener, die im Möttelmeere lebt, bleibt sogar manches Individuum für be- 
ständig im Garda-See. Die Aale gehen, noch kaum dem Ei entschlüpft, aus 
dem Meere in die Flüsse und kehren erwachsen ins Meer zurück; die 
Salmen und Alosen machen es umgekehrt. Der Biserte- u. a. See’n 
an der N.-Küste Afrika’s bis nach Tunis hin sind voll Sparus-, 
Sceiaena- u. a. Fisch-Arten, welche in See- und Süss-Wasser zugleich 
leben, wie die Mugil-Arten auch im Becken von Arcachon in Frank- 
reich vorkommen. Maccurrocn hat viele gelungene Versuche gemacht, 
See-Fische und See-Mollusken in Süsswassern zu erziehen, und durch 
Nırsson wissen wir, dass unsre [?] Anodonten an der Schwedischen 
und Norwegischen Küste im Meer-Wasser leben. 


250 


H. R. Görpert: über die fossile Flora des Quader-Sand- 
steins von Schlesien und der Umgegend von Auchen (Acta Acad. 
Cuarsur. Leopold. Carol Natur. Cur. XIX, ı1, 95—160, tab. xLvi—Liv: 
auch als besondrer Abdruck, Breslau 1841, 4°). T. Der Quadersand- 
stein, Pläner-Sandstein, mit Pläner-Mergel und Pläuer-Kaik Schlesiens 
nimmt zwei Striche ein, den einen in der Grafschaft Glatz und Nach- 
barschaft, den andern am N.-Rande des Riesen - Gebirges u. s. w. 
Von Bven, v. Raumer, ZogBer und v. CarnaLL, v. Decuen haben diese 
Bildungen beschrieben. Kisslingswalde, Hundorf, Plomnitz, Nieder- 
Langenau, Mölling, Altwaltersdorf bei Habeischwerdt, Schömberg; 
"Neuen, Tiefenfurt und W’ehrau bei Bunzlau sind die einzigen Fundorte 
fossiler Vegetabilien, während thierische Reste von Pecten Barum. 
costatus u. s. w. an mehr Orten vorkommen. 

Il. Die Schlesischen Pflanzen sind in Abdrücken und Kernen, 
selten als wahre Versteinerungen vorhanden. Eine noch fortdauernde 
Bildung dieser Zustände hatte der Vf. Gelegenheit bei Breslau zu be- 
obachten. Das Schlesische Oder - Thal mag früher eben so reich an 
Eichen-Wäldern gewesen seyn, als es noch jetzt isi; denn in und um 
Breslau trifft man in Schuttlande nicht selten auf geschwärzte Eichen- 
Stämme, welche in verschiedener Richtung meistens noch an ihrem 
ursprünglichen Standorte ruhen.” Am linken Ufer der alten Oder, wel- 
ches sich 10° — 12’ hoch über das Fluss-Bette erhebt, zwischen der Ro- 
senthaler und der nach Oswitz führenden Gröschel- Brücke, bemerkt 
man von oben nach unten: sandige Dammerde in dünner Schichte, Sand 
3'—4', Eisenoxyd-reichen Lehm 2’—3’, und meistens schoa in und un- 
ter dem Wasser- Spiegel einen blauliehen Letten’ 1’—2'. Beide letzten 
enthalten, besonders häufig in der Nähe jener Stämme, eine ungeheure 
Menge Blätter in horizontalen, 3° — 4‘ dieken und 400° — 500° weit 
wahrnehmbaren Lagen. Ähnliche Stämme mit einer solchen Blätter- 
Lage sieht man auch am entgegengesetzten Ufer. Diese Blätter lassen 
sich vollkommen als solche der Quercus peduneulata erkennen, 
welche noch jetzt hauptsächlich die Ebenen und Thäler Schlesiens be- 
wohnt; sie sind stark gebräunt, grösstentheils wohl erhalten, und ver- 
breiten beim Verbrennen so wenig als das geschwärzte Holz der 
Stämme einen bituminösen Geruch. Jener schwärzliehe nach Schwefel- 
Wasserstoff- Gas riechende Thon ist mit Ast- und Wurzel-Stücken von 
Eichen, Equiseten (E. arvense) u. s. w. erfüllt, die in einem Ver- 
kohlungs - Prozesse begriffen sind, „Bei einigen ist die Rinde bereits 
verkoblt, der Holz-Körper davon so völlig gelöst, dass er selbst im 
feuchten Zustande leicht herausgenommen werden kann und beim Aus- 
trocknen eines solehen Stücks leicht herausfällt, während die Rinde 
ziemlich fest am Thone haftet und einen Abdruck ihrer Form bewirkt 
hat.“ Die Holz- Theile sind nicht zusammengedrückt; aber um die 
mit lockerm Zellgewebe und weiten Luft- Gängen versehenen Equise- 
ten zieht sich jährlich bei niederen Wasserstande des Sommers die 
Thon - Schichte mit ihren Theilen durch Austrocknen zusammen, und 


steigt hernach das Wasser wieder an, :so hebt das Wasser die schon 
lockern Holz - Körper aus der Rinde oder mit dieser aus dem Boden 
leicht heraus und füllt den so entständenen leeren Raum mit Sand oder 
Thon wieder aus, wie man in vielen Belegen sehen kann, So entstehen 
also eigentliche Versteinerungen mit und ohne Rinde, Abdrücke der 
äussern und der innern Seite der Rinde, und Steinkerne. — Die Queer- 
Wände an den Abgliederungen der Equiseten werden der Ausfüllung 
nieht hinderlich, weil sie sich von allen ‚Seiten mehr oder weniger voll- 
ständig lostrennen und von dem eindringerden Ausfüllungs-Material bei 
Seite geschoben werden, wodurch sich das gleiche Verhalten der Kalami- 
ten ’erklärt.. In der auf den Blättern lagernden Lehm - Schichte aber 
sieht man eine noch merkwürdigere Erscheinung, nämlich die Ausfüllung 
der in derselben befindlichen Vegetabilien mit Eisenoxydul, oder die 
Versteinerung durch Eisenoxyd in vielfachen Formen und Übergängen. 
Durch Haarröhrchen - Anziehung nehmen die Holz-Ästchen und dünnen 
Würzelchen das unstreitig durch Vermittelung der Kohlensäure aufge- 
löste Eisenoxydul auf, welches in Eisenoxyd allmählich übergeht, so 
dass man unter dem Mikroskope die Ausfüllung der Zellen mit beiden 
deutlich erkennen kann. Hiedurch wird also bewiesen, dass auch Kraut- 
artige Pflanzen - Theile versteinern können, was der Vf. selbst früher 
bezweifelte. Oft ist mechanische Ausfüllung der weiteren Räume und 
chemische Versteinerung des Zellgewebes beisammen an einem Stücke 
zu sehen, wie es der Vf. auch an Stigmarien gefunden. Unter den Äst- 
chen waren einige erst im Verhärten begriffen, andre schon schleifbar 
hart, noch andre oft nur 1°" — 3‘ dicke Ästchen in Folge nach dem 
Erhärten fortdauernder Haarröhrehen-Wirkung bis auf 1° Abstand von 
‚ in konzentrischen Schichten den Sand verkittendem Eisenoxyd umgeben, 
wodurch, wenn sich diese Schichten endlich berühren, zuletzt ein fester 
dichter Eisenstein entsteht. Theils auf diese Weise, wie schon KınprLer 
(PossenD. Annal. 1836, XXXVII, 203—206) erwähnte, theils auf eine 
andre erst später nwachzuweisende Art entsteht der grösste Theil der 
Eisenstein-Erze in sumpfigen Gegenden. — Wird dann endlich in den 
so. versteinten Vegetabilien noch der organische Stoff auf trockenem 
oder nassem Wege zerstört, so bleibt die versteinernde Ausfüllungs- 
Masse ‚als ein Aggregat von Steinkernen sämmtlicher Zellen und Ge- 
fässe zurück (daher sich bei den opalisirten Koniferen-Hölzern Ungarns ete., 
die in die. ‚Zellenwände 'Trichter-förmig eingesenkten Tüpfel, Poren, als 
erhabene Wärzchen auf den Seiten der Zellen erheben), welche ganz 
geeignet sind, die noch so oft genährte Meinung zu widerlegen von 
einer Verwandelung der organischen Substanz selbst in Stein, nämlich 
von einer Ersetzung derselben durch Stein- Masse, im Verhältnisse als 
sie sich auflöse, unter Beibehaltung ihrer Form. Ä 

III. Die Vegetabilien des Schlesischen Quadersandsteins sind fol- 
gende: a) Akotyledonen, ausser einer Reihe noch problematischer 
Körper, die wohl unorganischen Ursprungs oder zum Theil als durch 
Insekten veranlassten Holz-Auswüchse zu betrachten sind. 1) Cylindrites 


252 


spongioides n., ein ?Fucoide, 2) Münsteria (Alge bei STERNBERG) 
Schneideriana n.; — b) Filicitae: 3) Protopteris (früher Cau- 
lopteris Göpe.) Singeri PresL; — c) Palmae: 4) Fiabellaria 
chamaeropifolia a., ein Blatt; — d) Coniferae: 5) Dammarites 
(Prest) erassipes n., ein Zapfen; — e) Dikotyledouen-Stämme, 
nicht näher bestimmbar; — f) verschiedene Dikotyledonen-Blätter, 
darunter eines von Credneria, alle nicht genau bestimmbar, weil sehr 
‚unvollständig, aber abgebildet. — Alle diese Reste zusammengefasst, 
zumal aber die der Palmen und Baum-Farnen, deuten auf einen von 
dem heutigen gänzlich verschiedenen, tropischen Charakter der Flora 
jener Gegend, welche ein Klima wie an oder in den Wendekreisen 
voraussetzt. 


Aus dem eisenschüssigen Quadersandstein bei Aachen untersuchte 
der Vf., sich stützend auf einen Auszug (S. .138—145) aus seinen frü- 
heren Untersuchungen über 102 Arten lebender Koniferen-Hölzer, wo- 
von die Resultate im Jahrb. 7841 (S. 844 ff. Anmerk.; — ausführlicher 
in der ebendaselbst S. 605 erwähnten Schrift) mitgetheilt sind, und eine 
Untersuchung der in einigen Punkten überraschend damit übereinstim- 
menden Magnoliaceen-Genera Drimys und Tasmannia (S. 145— 
149), folgende Pflanzen-Reste: 1) Holz-Stücke und Zweige von Pinites 
(sensu strictiori) Aquisgranensis Göpe.; 2) Pinites-Zapfen (Stro- 
bilites, Conites); 3) eine Wallnuss: Juglandites elegans Görer.; 
4) 5) zwei andere Früchte: Carpolithes euphorbioides (Bower- 
BANK’ Ss Wetherellia aus dem London-Thon auf Sheppey nahestehend) 
und der sehr indifferente C. oblongus. Auch diese Flora scheint 
sich von der jetzigen Europäischen zu unterscheiden, wenn auch keinen 
tropischen Charakter zu tragen. 


Kaup: über Canis propagator (Isis 1834, 535, Tf. x). Mit 
Resten von Eiephas primigenius, Cervus eurycerus, Bos primigenius 
und der noch lebenden Biber-Art fischte man aus dem Rheine auch den 
Kiefer eines Hundes, kleiner als bei Canis lupus spelaeus und C. fa- 
miliaris fossilis SERR., von der Grösse wie beim Schweisshunde (C. fam. 
scoticus), dem er auch in Proportionen etc. sehr nahe kommt. K. hält 
ihn demnach für den Stamm-Vater wenigstens eines Theiles unsrer Haus- 
hunde aus der Zeit der obengenannten Pachydermen und Wiederkäuer. 


Ergebnisse einer Reise von Charkow 
nach dem Donetz, 


von. 


Herrn GoTILoB voN BLÖöDE. ‘ 


«Ein an Hrn. Bergrath Puscn in Warschau unter dem 28. Septbr. aus 
Charkow erlassenes -Schreiben.) 


Hiezu Tafel VI A. 


Ich bin seit mehren Tagen von den geognostischen Ex- 
kursionen im Jekaterinoslawschen und Charkower Gouverne- 
ment zurückgekehrt, deren Veranlassung, wie ich in meinem 
letzten Brief geschrieben, die Ankunft der Herren Murcnı- 
Son und VerneviL im Donelzer Steinkohlen- Reviere war. 
Mit letztem zusammen habe ich, nach vorgängiger gemein- 
sehaftlicher Reise von ZLisitschansk bis Bachmut, von da 
eine Exkursion zu dem bekannten Steinkohlen-Vorkommniss 
bei Pelfrowka gemacht, wo wir uns wieder mit Hrn. Mur- 
 cmison vereinigten, der mittlerweile die Kohlen-Formation 
gegen Jekalerinoslaw und den Drepr zu verfolgen gesucht 
hatte. Bis hierher sind wir sodann über Stock und. 
Stein gefahren, und von da sind die Herren über Moskau 
nach Petersburg abgereist. Die Tour mit Vernevis war für 


mich sehr angenehm und nicht ohne recht interessante 
Jahrgang 1842, 17 


254 


Ergebnisse, und so will ich das Erheblichste davon vorläufig 
in der Kürze mittheilen. Umständlicheres steht von jenem 
ausgezeichneten Geologen selbst zu erwarten, dem ich 
darin für jetzt nicht vorgreifen will und desshalb auch, 
was ich meinerseits von Petrefakten gefunden, ihm überlas- 
sen habe. 

Vorerst ist der bisher verschieden gedeutete Gyps von 
Bachmut seiner richtigen geognostischen Stelle näher getre- 
ten. Beim Dorf Beloisorska, in etwa 3 des 40 West, lan- : 
gen Wegs zwischen der Steinkohlen-Förderung Lisitschansk 
(unweit des Dorfes Werchni am Donelz) und den Gyps- 
Brüchen von Bachmul, zeigt sich auf einer Strecke von 
etwa 2 Werst eine mehrmalige ziemlich grossartige unter 
10° bis 15° in SW. geneigte Wechsellagerung von dichtem 
blätterigem Gyps, röthlichem kleinkörnigem Sandstein und 
grauem zum Theil dolomitischem Kalkstein, wovon mürbe 
mergelige Schichten des letzten vorzüglich viele Produkten 
einschliessen, welche Murcuıson und Verxevis dem Zechstein 
zuzuschreiben und dabei in dem Sandstein ein Analogon 
des Todtliegenden zu sehen geneigt waren. — Einige Werst 
zuvor, also im Liegenden des Schichten-Profils, war noch 
der alte Kohlen-Sandstein anstehend zu sehen. Gewiss er- 
leidet, es kaum Zweifel, dass man hier etwas anderes als 
das Kohlen-Gebirge vor sich hat; dafür spricht auch der 
gewaltige Unterschied in der beiderseitigen Schichten - Zu- 
sammensetzung,; nur liegt andererseits in ‚der. Wechsellage- 
rung der Gesteine, ein Umstand, der in Berücksichtigung 
gezogen seyn: will. — Bei Lisitschansk wird; das Kohlen- 
Gebirge durch die Beil, bedeckt: hier 30 Werst davon 
hätten wir also. wieder eine andere Bildung darüber,  wäh- 
rend ‚wieder um 120. Werst nordwestwärts auf der Koh- 
len-Partie. von ‚Petrowka unmittelbar Jura Platz ‚nimmt, 
Welche. überaus interessante, Erseheinung $; Aber es ist 
diess noeh nicht,genug, Es scheiut als, wenn Neptun in 
dem kleinen merkwürdigen Bezirk auch noch vorkommende 
Lücken zwischen jenen Formationen hätte ausfüllen wollen. 


255 


Ungefähr 6 Werst hinter dem Gyps von Bachmut gegen 
Slawänsk ist beim Dorf Berchowka am Thal-Gehänge des 
Flüsschens Siupka eine überraschende Schichten - Folge "ent- 
blösst. Es sind mürber, röthlicher und bunter Sandstein, 
voll rother und grüner Thon-Gallen, gelber kavernöser 
Kalkstein und rethe und grüne Thon- Mergel, zusammen 
von einer Mächtigkeit, welche das ganze gegen 100 Fuss 
hohe Thal-Gehänge von oben bis unten einnimmt. Von Gyps 
ist darin nichts zu sehen und überhaupt der Charakter 
von jedem Gestein sowohl als von der ganzen Schichten- 
Masse nicht mehr der von dem Beloisorskaer Schichten- 
Profil. — Man denkt an den bunten Sandstein oder Keuper. 
— Zuvor fehlen zwischen dem Profil und dem Bachmuter 
Gyps die Entblösungen, und diess ist auch weiterhin bis 
zur Kreide bei Slawänsk der Fall. Es bleiben so demnach 
rückwärts die Grenz -Gesteine gegen das Gyps-Gebilde und 
vorwärts dieselben gegen die Kreide bei Slawänsk unbekannt. 
Würde man hier aber die Kreide- Decke abheben können, 
so glaube ich, dass man auch noch im Verband mit andern 
Gesteinen die Salz-Stöcke treffen müsste, wovon die Salz- 
See’n daselbst nur ihre Nahrung erhalten können. Diess 
war schon früher meine Ansicht, und sie ist nunmehr durch 
den Schichten-Wechsel bei Berchowka fast zur Überzeugung 
gesteigert. 

Von Slawänsk schlugen wir den Weg in gerader 
nördlicher Richtung nach dem Donelz ein und erreichten 
sein Thal vis-A-vis dem Dorf Banaja. Ehe wir uns 
hier an der ergötzlichen Aussicht erfreuten, die in etwa 
11 Werst Entfernung links von der Überfahrt das Kloster 
S. Gors darbietet, was theils auf den Spitzen von 1S0 bis 
200 Fuss hohen Kreide-Felsen erbaut, tlieils darin ausge- 
höhlt’ ist, hatten wir noch einen andern geognostischen 
Genuss. Die Kreide liegt hier auf Jura, der längs dem 
untern Thal- Gehänge auf & Werst Erstrekung und gegen 
30 Fuss hoch entblöst ist (vgl. d. Hand-Zeichnung). Von den 
gegen die Kreide unter 10% bis 15° südostsüdlich geneigten 

17% 


256 


Schichten beginnen die davon entferntesten untern mit dich- 
tem festem Kalkstein, darauf folgen dolomitische und oolithi- 
sche Bänke und zuletzt verhärtete Thon-Straten. Diese 
beiden letzten sind für den Donelzer Jura etwas Neues; 
denn an den früher von mir aufgefundenen Partie’n 'bei 
Kamenka und Donetzka lassen sie sich nicht beobachten. 
Der Schichten-Kompiex des dichten Kalkes erscheint als der 
mächtigste und bildet schöne Fels - Partie’n; die einzelnen 
Schichten aber desselben wechseln in Platten von einigen Zol- 
lon bis zu mehren Russen Mächtigkeit. An Petrefakten sind 
hier die Schiehten arm; der Thon scheint ganz leer davon zu 
seyn. Schade übrigens, dass eine weite Schlucht mit be- 
deckten Gehängen den unmittelbaren Kontakt zwischen 
Jura und Kreide zu sehen verhindert. Beachtenswerth sind 
von letzten 1 bis 2 Zoll mächtige kompakte Feuerstein- 
Lagen, welche dieselbe Fall-Richtung wie die Jura-Sehichten, 
aber nur eine geringere Neigung haben. Auch zeigt die 
Kreide eine starke ziemlich regelmäsige senkrechte Zer- 
klüftung, die fast in eine unvoilkommene Säulen - förmige 
Absonderung übergeht; desshalb auch die imponirenden 
Zacken, die aus der Haupt-Masse hervorstehen. 

Die Auffindung des eben besprochenen Jura liess uns 
den Entschluss fassen, den andern Tag vom Dorf Jaremowha 
aus das rechte Thal-Gehänge auf Pferden durch Dick und 
Dünn zu verfolgen, und in der That ward unsere Anstren- 
gung belohnt. Kaum 5 Werst hinter jenem Dorf gegen 
Kamenka zu stiessen wir in einer. ziemlich tiefen Seiten- 
Schlucht wieder auf eine aus der Schluacht-Sohle hervortre- 
tende Jura- Partie, die sich über 1 Werst verfolgen lässt 
und gegen 30 Fuss hoch entblöst ist. Hierin nehmen zwi- 
schen gelbem mürbem kalkigem Sandstein und dem untern 
dichten und obern oolithischen Kalkstein noch einige andere 
Schichten Platz. Es sind diess eine thonige sandige Eisen- 
stein-Lage, sodann ein eisenschüssiges kalkiges Konglomerat, 
ferner ein 2 Fuss mächtiger charakteristischer Pisolith und 
endlich eine 2 bis 3 Fuss mächtige Muschel-Lage, die 


257 


vorzüglich aus Steinkernen und Fragmenten von Lyriodon- 
Arten besteht, gerade so wie sie in den von mir früher 
beschriebenen Jura-Partie'n von Kamenka und Donetzkaja 
vorkömmt. Zum Theil unmittelbar über dieser grossen 
Muschel-Lage umschliesst ein mürber Thonmergel eine Menge 
Terebrateln; aber was von Ostreen, Peeten und Ne- 
rinäen vorkommt, ist in den andern Straten, namentlich 
im dichten und oolithischen Kalk, mehr einzeln“ zerstreut. 
Sonst entspricht die Schichten-Neigung ziemlich dem diess- 
artigen Verhalten der Zanajaer Partie; aber statt der Kreide- 
Decke liegen hier auf der bewachsenen Kuppe des Schlucht- 
Gehänges Bruchstücke von chloritischem, quarzigem und 
thonigem Sandstein, der mit Sand mächtige Schichten-Kom- 
plexe beim Dorf Jaremowka bildet, die am Thal-Gehänge 
des Donetz von unten bis oben hinauf reichen. Es ist diess 
dieselbe chloritisch -quarzige und thonige Sandstein-Bildung, 


über deren wahre Lagerungs- Ordnung gegen die Kreide 


meine Schrift über die Gebirgs- Formationen des Charkower 
Gouvernements einige Zweifel lässt, und die sodann von 
Neuem in meinem letzten Brief an LeonuArp wieder zur 
Sprache gebracht ward [Jahrb. 7841, 541]. Durch ein sehr in- 
struktives Profil, zu dem ich bald kommen werde, ist die Sache 
nun aber ins Reine gebracht. Es ist entschieden Grünsand. 

Von der Kamenkaer Jura-Partie, zu der wir nun von jener 
übergingen, war diessmal mehr und weniger zu sehen, als 
zur Zeit, wo ich sie zuerst auffand. Der Grund-Besitzer 
davon hatte, um einen Überblick seiner Mineral- Reichthü- 
mer zu erlangen, das ganze längs dem Donetz anstehende 
Jura-Gestein beräumen lassen. Dadurch ist ein schöner 
Durchschnitt von den obern und mittlen Schichten zum Vor- 
schein gekommen; dagegen sind bei der Gelegenheit die 
früher ‚mittelst eines kleinen Schurfes aufgedeckten tiefern 
Kohlen- und Eisenerz-Lagen verstürzt worden. — Ein 
Verhältniss stellt sich aus dieser nun entstandenen Ent- 
blösung vorzüglich schön heraus. Man sieht nämlich, dass 
der ganze Schichten -Komplex einen flachen Sattel formirt, 


2 


258 


dem’ sich die Kalk-, aber nicht die Sandstein-Straten gefügt 
zu haben scheinen. Diese zeigen sich wie mehrfach gekniekt, 
und dergestalt aus ihrem Zusammenhang gebracht, dass die 
verschiedenen Theile einer Schicht bald höher und bald tiefer 
liegen. Einzelne solcher Schichten-Fragmente sind stellen- 
. weise auch Haken-förmig gekrümmt. Es ist diess eine ganz 
interessante Erscheinung, und es weist dadurch die dasige 
Jura-Partie gar deutlich auf das ganze Mulden- und Sattel- 
System hin, das dem Donetzer Jura überhaupt eigen seyn 
muss, da bei den meisten durch Kreide-Mittel von einander 
getrennten Partien fast immer ein Theil derselben Sehieh- 
ten wieder kehrt. Daraus lassen sich nun aber auch mit 
Beziehung auf die Kohlen-Formation nicht unwichtige Sehluss- 
foigen ziehen, worauf ich später einmal bei anderer Gele- 
genheit zurückkommen werde. Mar 

Wieder eine unbekannte Jura-Partie entdeckten wir 
ferner weit im Donetz-Thal bei Isjum. Es ist diess wohl 
die ausgedehnteste und dadurch noelı ausgezeichnet, dass 
unmittelbar darüber der Grünsand und auf diesem wieder 
- die Kreide lagert. Bei etwa 14 Werst sichtbarer Erstreckung 
reicht der. verschiedenartige Schichten- Wechsel des Jura 
gegen 60 bis SO Fuss an der rechten Thal- Wand. herauf. 
Die Straten von röthlichem und mürbem gelbem Sandstein 
mit Eisenstein und liehtegrauem diehtem, auch dolomitischem 
Kalkstein liegen auch hier unterst und ein feinkörniger 
etwas mürber Oolith zu oberst. Dazwischen nimmt ein 
unterer Oolith, sodann die grosse Muschel-Lage (immer das 
ächte Wahrzeichen für die mittlen Schichten) und dann ein 
Wechsel von geringer-mächtigem diehtem Kalke und mer- 
geligen und thonigen Straten Platz. Eine Mergel- Schicht 
umschliesst in grosser Menge Stachein von Cidarites, und in 
dem obern Oolith finden sich vorzüglich Nerinäen. Auch 
deuten ausgefallene Korallen das Vorkommen von diesen 
in irgend einer der mergeligen oder thonigen Straten an. 
Wohl gehört der grösste Theil der ganzen Schichtungs- 
Masse Buchs mittlem Jura an, doch der höhere Theil 


259 


davon fällt zweifelsohne der obern Jura-Gruppe anheim. — 
Wie ich schon berührt, liegt hier zwischen dem Jura und 
der schreibenden Kreide ein Straten - System von thonigem 
und quarzigem Sandstein und Sand, dem analog, wie ich 
es von andern Punkten im Charkower Gouvernement be- 
schrieben habe. Diese Entdeckung, durch einen Steinbruch 
vorbereitet, machte mir Freude, weil an allen andern Orten 
die Sandstein-Bildung und die Kreide sich zu fliehen schei- 
nen, oder, und wohl richtiger, sich gegenseitig wirklich ver- 
treten mögen. Das war es aber, was die wahre Stellung 
des Sandsteins immer anfechtbar liess; das /sjumer Profil 
legt sie nun klar vor Augen. Übrigens mag die ganze 
Schichten-Gruppe eine Mächtigkeit von 20 bis 30 Fuss ha- 
ben. Höchst frappant war für mich darunter ein Gestein, 
worin mir ein alter Bekannter aus dem Podolischen Grün- 
sand mit einer so täuschenden Ähnlichkeit entgegentrat, 
dass ich mich in das Fluss - Gebiet des Dniester versetzt 
meinte. Es ist diess die lichtegraue, öfters bräunlich ge- 
fleckte thonige Feuerstein-Masse, die dort häufig Exogyra 
columba einschliesst. Was hier merkwürdig von der dar- 
über liegenden Kreide, ist ihre geringe Mächtigkeit im Ver- 
gleich gegen andere Verbreitungs-Punkte; denn sie erreicht 
kaum 30 bis 40 Fuss. Erst entfernter gewinnt sie wieder 
an Masse, greift so in die Thal-Sohle herab und begrenzt 
im Niveau derselben die Verbreitung ihrer Unterlagen. 
Man möchte glauben, dass diess auf Kosten des Grünsands 
geschehe; wenigstens ist ein solches Verhalten nicht ohne 
Bedeutung auf das sonst gewöhnlich getrennte Vorkommen 
beider Formations-Glieder. 

Fast den Beschluss unserer Exkursion machte noch die 
Donetzer Jura-Partie in der Nähe der Petrowkaer Kohlen- 
gebirgs-Kuppe. Es möchte diess das nördlichste Vorkommen 
des Jura am Donetz seyn, und ist schon aus meinen frühern 
Mittheilungen bekannt *). Als bemerkenswerth über die 


”) Möglich und sogar wahrscheinlich könnte es aber seyn, dass zwi- 
schen diesem Jura-Vorkommniss und dem von Zsjum noch andere 


266 


hier neuerdings gemachten: Beobachtungen hebe: ich nur die 
Ausbeute eines schönen grossen Ammoniten heraus; den 
ieh in der grossen Muschel-Lage auffand. 

Überhaupt hat durch unsere Tour vorzüglich die Be- 
kanntschaft mit der Verbreitung des Jura am Donelz einen 
bedeutenden Zuwachs erhalten, und es ist diess selbst für 
Versuche, die zur Aufsuchung der Kohlen-Formation eirst- 
malen in diesen Gegenden unternommen werden möchten, 
nicht ohne Wichtigkeit. Aber auch für die Geognosie von 
Russland ist es von hohem Interesse, in dem Jura am 
Donetz wieder eine Formation zu wissen, die in dem Ge- 
birgs-Skelet der Süd-Provinzen eine nicht unbedeutende 
Stelle einnimmt. Zugleich endlich beachtenswerth ist sein 
abweichender Charakter von dem Jura, der in andern Ge- 
genden Russlands bekannt ist. Es fehlt jetzt nur noch, 
dass die einzelnen Schichten von allen Partie’'n recht genau 
sondirt, alle organischen Einschlüsse mögliehst sorgfältig ge- 
sammelt und sodann jene unter sich wie mit anderwärtigen 
Jura-Straten treu verglichen werden. Diess erfordert noth- 
wendig einigen Zeit-Aufwand und wenigstens mehr, als diess- 
mal darauf verwendet werden konnte. 

Jetzt will ich nur noch zu dem beigefügten Kärtehen 
bemerken, dass dieses nur vorzüglich die einzelnen sicht- 
baren Jura- Partie'n augenfällig machen und dabei das Au- 
genmerk auf das auffällige Zusammentreffen jener mit be- 
deutenden Krümmungen des Fluss-Laufs lenken soll. 


zu finden wären, sobald auch in dieser Distanz das Thal Schritt 
vor Schritt begangen würde. 


Über 
die Füsse des Pemphix Sueurii, 
$ von 


Hrn. HERMANN v. MEYER. 


— 


Hiezu Tafel VII A. 


In meinem über „Neue Gattungen fossiler Krebse aus 
Gebilden vom Bunten Sandstein bis in die Kreide“ handeln- 
den Werkchen (Stuttgart, 1840) lieferte ich die Beschreibung 
des für den Muschelkalk so bezeichnenden Langschwänzers 
Pemphix Sueurii. Ungeachtet mir dazu weit über hun- 
dert Exemplare zu Gebot standen und ich inzwischen noch 
andere untersucht hatte, so wollte es mir bisher doch nicht 
gelingen, über die Füsse und deren Beschaffenheit sichern 
Aufschluss zu erhalten. Selbst von der Scheere, welche 
man dem ersten Fuss beigelegt hatte, musste ich erklären, 
dass sie noch nicht nachgewiesen sey, nachdem mir diesel- 
ben Exemplare mitgetheilt worden waren, worauf deren 
Annahme beruhte, 

Vor Kurzem hatte Hr. Apotheker Weismann in Stultgart 
die Gefälligkeit, mir die in seiner Sammlung befindlichen 
Exemplare von Pemphix Sueurii aus dem Muschelkalk der 
Gegend von Orailsheim in Württemberg zuzusenden, woran 


262 


Überreste von den seltener sich darstellenden Theilen vor- 
handen waren, namentlich Füsse. Darunter ist unstreitig 
das wichtigste Stück, das von mir in Fg. 1 abgebildete 
erste Fuss - Paar mit dem vollständig erhaltenen einen 
Fuss, woraus hervorgeht, dass derselbe mit einer wirklichen 
Scheere bewaffnet ist. Beide Füsse liegen ohne ihren Ce- 
phalothorax auf solche Weise gekreutzt, dass das untere 
Ende vom langen Glied des einen Fusses zwischen dem 
langen und dem kurzen Glied des andern Fusses sich be- 
findet, wodurch es auch gekommen seyn mag, dass vor völ- 
ligem Erhärten der Gesteins-Masse diese beiden Glieder 
getrennt und etwas von einander entfernt wurden, während 
die übrigen Glieder noch zusammenhärgen. Vom andern 
Fuss ist nur das untere Ende wirklich erhalten, und seine 
übrigen Theile lassen sich, wenn sie nicht gänzlich weg- 
gebrochen, im Abdruck verfolgen. 

Das letzte Glied, welches den beweglichen Scheeren- 
Theil oder den Daumen (Pollex).bildet, ist von derselben Länge 
wie das vorletzte, wenn man dessen, gewöhnlich mit dem 
Namen Zeigefinger (Index) belegten Scheeren-Theil unbeach- 
tet lässt, und man kann für diese Länge 0”,0185 annehmen. 
Das letzte Glied von 0”,004 Stärke ist schwach konisch 
zugespitzt und nur gegen seine Spitze hin schwach ein- 
wärts oder gegen den unbeweglichen Schenkel hin gekrümmt, 
Der unbewegliche Schenkel hat beim Spalten des Gesteins 
etwas gelitten, wobei auch der zwischen den beiden Schen- 
keln liegende Rand etwas beschädigt wurde, was der Ab- 
bildung zur Erläuterung dienen mag. So viel lässt sich in- 
dess erkennen, dass der unbewegliche Schenkel, der schwach 
auswärts gerichtet ist und mit dem Rande, woran er sitzt, 
einen sehr stumpfen Winkel bildet, nicht viel kürzer, nicht 
stärker und auch nicht mehr gekrümmt gewesen seyn konnte, 
als der bewegliche Theil der Seheere. 

Das zweite Glied zeichnet sich durch Kürze und Breite 
aus, es ist dabei in seiner vordern Hälfte oder an der Ba- 
sis seines Scheeren-Fortsatzes breiter, als in der hintern 


263 


Hälfte, die hinten fast gerade abgestumpft ist; für die grös- 
sere Breite lässt sich 0”,015 annehmen. 

Das dritte Glied, von mir das kurze genannt, verdient 
diesen Namen auch hier im Vergleich zu den beiden Glie- 
dern, zwischen denen es liegt. Seine Total- Länge wird 
nicht über 0”,012 betragen haben, und die gegen das 
zweite Glied hin liegende grösste Breite wird auf die Breite 
les letzten in der hinteren Gegend herauskommen. Hinter- 
wärts wird das dritte Glied, wenigstens von der hier ent- 
blösten Seite betrachtet, weit schmäler und spitzt sich zu. 


Das vierte Glied ist in diesem Fuss ein langes und 
zwar wenigstens noch einmal so lang, als das dritte Glied; 
seine Total-Länge beträgt 0”,02S, und für die grössere 
Breite, von welcher Seite es entblöst ist, erhält man, abge- 
sehen vom gezahnten Aussenrande, 0” ,0095. 


Das fünfte Glied, ein kurzes, ist nicht kürzer als das 
dritte; es liegt mit dem Glied, welches die Verbindung des 
Fusses mit dem Körper unterhält, fast inniger zusammen, 
als mit dem zuvor erwähnten; über beide gibt die Abbil- 
dung nähere Auskunft; sie sind nicht weniger breit, als 


das lange Glied. 


_ Sämmtliche Glieder sind auf ähnliche Weise bewarzt, 
wie der Cephalothorax von Pemphix in den Gegenden, wo 
die Warzen kleiner werden; auch das erste Glied besass 
keine stärkere Warzen. Das fünfte Glied und jenes, wel- 
ches die Verbindung mit. dem Körper unterhielt, schei- 
nen stellenweise glätter gewesen zu seyn, als die übrigen; 
am deutlichsten bewarzt ist das dritte und vierte oder das 
kurze und lange Glied; erstes besitzt überdiess einige nach 
der Länge gereihte auffallend stärkere Warzen, und von 
letztem habe ich noch anzuführen, dass die Zähnchen des 
Aussen-Randes in ihrem Stande weiter nach vorn an Grösse 
und Stärke zunehmen, während an der Innenseite stumpfere 
Zähnchen gesessen haben; auch an dem fünften Gliede 
bemerkt man einige stärkere Warzen. Die Schaalen- 


264 


Substanz trägt ein mehr oder weniger schmutzig-weisses An- 
sehen; das Gestein ist der graue, dichte, schwere Muschel- 
kalk, scheinbar ohne sonstige Versteinerungen. 


Ein anderes Exemplar von Pemphix Sueurii der Weis- 
MANNschen Sammlung, welches ich Fg. 2 abgebildet habe, 
zeichnet sich durch die gute Erhaltung des zweiten linken 
Fusses aus. Das in der Nähe des Cephalothoraxes liegende 
_ längste Glied misst 0,017 Länge bei 0”,0055 Breite; sein 
dem Bauche zugekehrtes Ende ist rundlich abgestumpft, das 
entgegengesetzte etwas spitzer und mit einem Fortsatz ver- 
sehen, der sich einem Knöpfchen vergleichen lässt. Davor 
folgen zwei Glieder von gleicher Länge, die 0",013 beträgt. 
Von diesen wird dasjenige, welches dem langen unmittelbar 
vorsitzt, das sogenannte kurze oder dritte Glied der Reihe 
seyn. Sein dem langen Gliede zugekehrtes Ende ist stumpf 
zugespitzt; das entgegengesetzte scheint gerader zu endigen, 
und besitzt an der einen Ecke einen kleinen Knopf-artigen 
Fortsatz, der zur Einlenkung gehörte. Die grösste Breite 
dieses dritten Gliedes fiel in die hintere Hälfte, wo sie 
0”,006 beträgt, in der vordern Hälfte aber nur 0” ‚005. 


Das Glied vor dem so eben beschriebenen wäre das 
zweite oder dasjenige, welches bei Gegenwart einer Scheere 
den unbeweglichen Theil derselben in Gestalt eines Fort- 
satzes liefern würde. Nach dem dritten Glied hin endigt 
dasselbe gerade mit einem kurzen Fortsatz an der einen 
Ecke, der die Einlenkang unterstützt haben wird. Die 
Breite dieses an der Nebenseite beschädigten Gliedes betrug 
kaum mehr, als an dem vordern Ende des dritten. 


Vor diesem Glied liegt ein noch demselben Fuss an- 
gehöriger Theil von nicht unter 0”,013 Länge, woran das 
vordere mit der Bruch-Fläche der Gesteins- Masse zusam- 
menfallende Ende nicht vollständig ist. Da nun dieses Glied 
kaum länger gewesen seyn wird, so stellt sich für das erste, 
zweite und dritte Glied ungefähr gleiche Länge heraus. 
Das letzte Glied spitzte sich allmählich zu und scheint 


265 


gegen das Ende hin schwach gekrümmt. Bei dem fragmenta- 
rischen Zustande dieses und des vordern Endes des darauf- 
folgenden Gliedes war es unmöglich, sichern Aufschluss über 
eine Scheere oder über einen Scheeren-Fortsatz vom zweiten 
Glied zu erhalten; letzter scheint indess nicht ganz gefehlt 
zu haben, 


Die drei vollständigeren Glieder sind mit kleinen Wärz- 
chen, jedoch nicht dicht, besetzt, die hie und da, am ersten 
in der Rand-Gegend, in voliständigem Zustande die Gestalt 
kleiner kurzer Stacheln besessen zu haben scheinen. 


Hinter dem langen Gliede des beschriebenen Fusses 
bemerkt man den Queer-Schnitt von einem folgenden von 
rundlicherer Form und etwas über 0”,003 Stärke; zu die- 
sem Fusse gehören wohl auch die in der Nähe des langen 
und kurzen Gliedes des zweiten Fusses vorhandenen End- 
Theile, von denen sich indess nur anführen lässt, dass sie 
schmal und lang waren. Hinter dem @ueer- Schnitt vom 
dritten Fuss findet sich ein Theil von ähnlicher Stärke, 
der voın vierten Fuss herrühren wird. 


Der dabei vorfindliche Cephalothorax, der ohne durch 
Druck gelitten zu haben 0”%,035 Breite misst, setzt es aus- 
ser Zweifel, dass diese Füsse dem Pemphix angehören. Bei 
dem ersten Fuss-Paar jedoch könnte, da dasselbe sich ohne 
den Cephalothorax vorfand, Bedenken erhoben werden, wenn 
man es diesem Krebs beilegen wollte, wie ich: es bereits 
gethan. Die Gründe, welche :mich: dabei leiteten, sind fol- 
gende: Unter der grossen Menge von mir aus dem Mu- 
schelkalk untersuchten Krebsen kenne ich kein anderes 
langsehwänziges Genus als den Pemphix; die Grösse dieser 
Füsse ist der Grösse dieses Krebses angemessen; die Be- 
schaffenheit der auf den Fuss-Gliedern sitzenden Wärzehen 
sind von ganz. derselben Natur, wie die auf dem Cephalo- 
thorax des Pemphix; unter den Exemplaren der 'WEısMmann- 
schen Sammlung befindet sich eins, das etwas kleiner als 
das zuletzt beschriebene ist, und aus einem Cephalothorax 


266 


besteht mit Resten von einem Fuss, der dem isolirt gefun- 
denen Paar ähnlich beschaffen gewesen seyn muss. Nach 
den vom langen Glied vorhandenen Andeutungen würde 
dessen Länge nicht unter 0,025 betragen und zu ihr 
die Breite in einem dem vereinzelten Fuss angemessenen 
Verhältniss stehen. Daran sitzt nach dem Bauche hin ein 
kurzes Glied von ungefähr 0”,015 Länge bei 0",007 Dicke 
und wohl etwas grösserer Breite. Was hievon übrig, ist 
deutlich bewarzt, hie und da und besonders gegen den 
Rand hin mit etwas grössern Warzen. Dieses kurze Glied 
hängt mit einem nicht ganz so langen, aber eben so starken 
Gliede zusammen, welches das Verbindungs-Glied seyn wird. 
Nach diesen und meinen früheren Beobachtungen würde 
sich nun in Pemphix Sueurii das Verhältniss der Länge 
des ersten Fusses zum zweiten herausstellen wie 3:2; die 
Glieder des ersten Fusses würden ungefähr noch einmal 
so stark (breit) seyn, als die des zweiten, und die Glieder 
von diesem noch einmal so stark als die des dritten und 
vierten Fusses; die Glieder des ersten und zweiten Fusses 
sind mehr platt geformt, die der folgenden Füsse rundlich; 
der erste Fuss besass eine Scheere, das lange und das 
zweite Glied mit Inbegriff des Scheeren - Fortsatzes waren 
ungefähr gleich lang. und das erste Glied ungefähr so lang 
wie das zweite ohne dessen Scheeren-Fortsatz, die kleinen 
Glieder sind untereinander von fast gleicher Länge; im 
zweiten Fuss dagegen bestand grosse Gleichförmigkeit in 
der Länge aller Glieder. In meinem Werke über „Neue 
Gattungen fossiler Krebse“ finden sich an den Taf. I, 
Fe. 6 und 10 abgebildeten Exemplaren Überreste vom er- 
sten Fusse vor, die jedoch über dessen Beschaffenheit kei- 
nen Aufschluss geben; und die stärkeren Glieder der Ex- 
emplare Fg. 3, 5, 7, 12 sind Glieder des zweiten Fusses. 
Bei dieser Gelegenheit‘ kann ich nicht unerwähnt las- 
sen, dass der Pemphix Sueurii neuerlich auch in dem Mu- 
schelkalke der Gegend von Rothenburg an der Tauber ge- 
funden wurde, von wo mir Hr. Präsident vow ANnDRIAN ein 


267 


jetzt in ‚der Sammlung. zu Ansbach befindliches Exemplar 
von der Grösse des in meiner Schrift Taf. II, Fg. 5 aufge- 
führten unlängst mitgetheilt hat. 


— 


Bei den nachträglichen Untersuchungen, welche ich 
durch die im Besitz des Hrn. Werısmann befindlichen Ex- 
emplare über die Füsse des Pemphix Sueurii anzustellen 
veranlasst ward, musste es mir erwünscht seyn, jene Ex- 
emplare kennen zu lernen, welche in letzter Zeit die natur- 
förschende Gesellschaft in Basel erhielt, und über die in 
deren viertem Bericht [>> Jahrb. 7841, 740, 741] die Herren 
Dr. Burckuarp und von SEcKENDORFF Nachricht geben. 
Hr. Rathsherr Pzrrer Merıan hatte die Gefälligkeit mir eine 
Auswahl dieser im Muschelkalk von Schweitzerhalle und des 
Grenzacher Horns bei Basel gefundenen Exemplare von Pa- 
linurus Sueurii, woran Füsse und Antennen deutlich er- 
halten waren, mitzutheilen, was mich in den Stand setzt, 
meine Angaben hierüber noch mehr zu vervollständigen. 


“Darunter befindet sich ein Exemplar von Schweilzer- 
halle, welches durch gute Erhaltung seiner Füsse und An- 
tennen besondere Aufmerksamkeit verdient. Diese gute 
Erhaltung hat es, neben der glücklichen Ablösung der Platte, 
hauptsächlich der Beschaffenheit des Gesteins zu verdanken, 
die durch die thonige Natur fast mehr den festen Bänken 
des Lias-Schiefers gleicht, als jenen, die gewöhnlich unter 
dem Kalkstein von Friedrichshall begriffen werden, zu welch’ 
letzten auch die Pemphix-führenden Schichten gehören. Die- 
ser Krebs ist von der Grösse des von mir in meinem Werke 
Taf. I, Fg. 5 abgebildeten Exemplars , mithin von mittler 
Grösse. _ Sein Cephalothorax ist stark zerdrückt und etwas 
verschoben, was "auch vom Abdomen gilt; vom eigentlichen 
Schwanz ist nur ein unbedeutender Rest erhalten. 


Der rechte Fuss des Paars, womit die Reihe der Füsse 


beginnt, ist ein wenig. schwächer, als der linke, an den ich 


268 


mich in der Beschreibung halten werde. Das lange Glied 
desselben wird grösstentheils vom Cephalothorax bedeckt. 
Das kurze Glied misst 0”,007 Länge bei 0,005 Breite; 
das daran einlenkende vorletzte Glied, bei 0m,0045 gleich- 
förmiger Breite, ohne den Scheeren-Fortsatz 0”,0105, mit 
demselben 0,018. Länge, so dass also 0,0075 auf den 
Scheeren-Fortsatz kommen, was auch die Länge des letzten 
. Gliedes oder des beweglichen Theils der Scheere ist. Die 
beiden Scheeren-Theile sind einander sehr ähnlieh; sie sind 
spitz-konisch geformt und nicht merklich gekrümmt. In die- 
sem Fuss ist also das letzte Glied nicht kleiner und das 
vorletzte Glied mit dem Scheeren -Fortsatz 24mal so lang 
als das kurze Glied. Die Füsse dieses Paars sind nach 
vorn gerichtet und nehmen überhaupt eine solehe Lage ein, I 
‚wonach man glauben sollte, dass sie zum Erfassen von Ge- 
genständen  tüchtiger gewesen als zur, Fortbewegung des 
Körpers. In diesem Fall würden sie das erste Paar dar- 
stellen, dabei aber nicht allein von dem zu Cruslsheim. iso- 
lirt gefundenen ersten Paar stärkerer Füsse abweichen, son- 
dern auch selbst mit jenen Füssen nicht vollkommen über- 
einstimmen, welche ich mich bestimmt sah für das zweite 
Paar auszugeben. Daher ergibt sich nun, ‚dass es wohl 
keinem Zweifel unterliegt, dass die beiden vordern Paare 
von Füssen des Pemphix Sueurii mit nicht auffallend langen 
Scheeren bewaffnet waren, aber noch nieht möglich ist es die 
gegenseitige ‚Beschaffenheit beider Paare mit Sicherheit an- 
zugeben, was. um so. schwieriger fallen wird, als bei den 
Krebsen überhaupt in den End-Gliedern der Brei Füsse, 
sogar bei einem und demselben Individuum, auffallende Ver- 
schiedenheit bestehen kann. 

An der rechten Seite des Krebses sind hingen en 
Fuss noch drei andere ‚Füsse sichtbar, zwischen ihm aber 
und dem ersten von diesen habe ich keine Überreste von 
einem andern Fuss wahrgenommen, was freilich bei dem 
zerdrückten Zustande des Cephalothoraxes schwer wäre. 
Wegen der hieraus entstehenden Ungewissheit in der 


269 


Deutung der Füsse ist es besser, ihre Betrachtung mit dem 
letzten fortzusetzen, dessen Entblösung mir gelang. Von 
seinem langen Glied ragt nur ein Theil unter dem Cepha- 
lothorax hervor; zwischen diesem Glied und dem kurzen 
ist der Fuss an diesem Exemplar am stärksten gebogen, und 
zwar hinterwärts. Das vorletzte Glied scheint fast mehr 
als noch einmal so lange als das kurze, und dieser Fuss 
scheint mit keiner wirklichen Scheere, sondern nur mit 
einem schmalen geraden letzten Gliede von der ungefähren 
Länge des kurzen versehen zu seyn. Die Breite des lan- 
gen Gliedes beträgt 0”,002 und die der we Glieder 
ungefähr die Hälfte. 

Unmittelbar davor liegt der vorletzte Fuss, über den 
sich nur anführen lässt, dass sein langes Glied nicht unter 
0%,012 betrug; das Exemplar ist nicht geeignet, um eine 
Entscheidung darüber zuzulassen, ob dieser Fuss mit einer 
wirklichen Scheere bewaffnet war oder nicht. 

Der vorvorletzte oder dritte Fuss besass eine Scheere; 
_ der rechte ist grösstentheils erhalten, in vorzüglicbem Grade 
aber der linke, dessen Übereinstimmung mit erstem es wahr- 
scheinlich macht, dass er wirklich ‘der gleichnamige Fuss 
sey. Derselbe Druck, welcher den Cephalothorax zerquetschte, 
schob auch den Fuss weiter zurück; oder es müsste zwi- 
schen dem dritten und vierten Fuss vollkommene Überein- 
stimmung bestehen, was nieht unmöglich wäre, und in die- 
sem Fall würde nur der letzte Fuss ohne wirkliche Scheere 
gewesen seyn. Von genanntem Fuss misst das lange Glied 
0,014 Länge bei fast 0%,003 Breite, das kurze 0",005 bei 
kaum mehr als 0”,002 Breite, das vorletzte mit dem Schee- 
ren-Fortsatz 0”%,011 Länge bei 0”,002 gewöhnlicher Breite 
und das letzte Glied 0”,004 Länge. Dieses Glied oder der 
bewegliche Scheeren-Theil erscheint nicht breit und ist 
kaum gekrümmt, er spitzt sich allmählich zu; der andere 
den Fortsatz des zweiten Gliedes bildende Scheeren - Theil 
seheint nicht ganz so lang als der bewegliche; er ist eben- 


falls nicht merklich gekrümmt und steht etwas schräg nach 
Jahrgang 1842, 18 


270 


aussen, wobei er mit der Nebenseite des Gliedes einen 
stumpfen Winkel macht, und dem Ende desselben ein etwas 
breiteres Ansehen verleiht. Das letzte Glied ist also an 
diesem Fuss wahrscheinlich noch ein wenig kürzer, das 
vorletzte noch einmal so lang, und das lange dreimal so lang 
als das kurze Glied, 

An diesem Exemplare sind auch beide Paare von An- 
tennen oder Fühlern, die äussern sowohl als die innern, 
überliefert. Die innere Antenne ist einfach, d. h. sie be- 
steht nur aus einem feinen gegliederten Fühlfaden auf. jeder 
Seite, von dem ungefähr 0,029 Länge überliefert ist. Zu- 
vor waren mir vier Exemplare mit Antennen bekannt; an 
dreien derselben bestand die innere Antenne aus zwei Fä- 
den (foss, Krebse ete., Taf. Il, Fg. 4, 5, 7) und an: einem 
aus einer (Fg. 9), so dass vorliegendes Exemplar das zweite 
Beispiel letzter Art abgibt. Von den Stamın-Gliedern der 
innern Antenne sind nur Andeutungen vorhanden. Von den 
Gliedern des Stammes der äussern Antennen sind die bei- 
den vordern am besten erhalten, und selbst vom dritten 
glaubt man Andeutungen zu gewahren; diese Glieder zeich- 
nen. sieh durch ihre Breite aus, welche 0”,004 misst und 
kaum geringer ist als die Länge ; sie sind mit einigen schwa- 
chen Wärzchen besetzt.. Die rechte äussere Antenne: ist 
in vorliegendem Exemplar mehr nach. vorn gerichtet, die 
linke mit dem ersten Glied ihres Stammes rechtwinkelig 
zur Länge nach aussen umgebogen. Von: dem Faden der 
rechten Antenne ist. 0%,045 erhalten; die Stärke am. jetzi- 
Ende, so. wie der Umstand, dass der Faden an dem von 
mir früher mitgetheilten kleinern Individuum (Taf. H, Fg. 12) 
länger war, beweisen, dass er hier nicht vollständig über- 
liefert ist; er wird wohl das Doppelte der Faden- Länge 
der innern Antenne betragen haben. Gegen das Stamm- 
Glied hin ist der Faden der äussern Antenne 0”,0015. breit. 
Von. der rechten Seite ist ferner der etwas beschädigte 
Flügel-föürmige Fortsatz wahrzunehmen, dessen Breite nicht 


271 


unter 0",006 und die Länge nicht unter 0,”009 betrug; es 
bestätigt sich daran, dass er deutlich gekielt ist. 

Von den übrigen Exemplaren habe ich nur eins zu er- 
wähnen, das aus dem Muschelkalk des Grenzacher Horns 
herrührt und sich an der Nebenseite gut entblösen liess. 
Man erkennt daran, dass die schmale Längs - Erhabenheit 
des in der vordern Längen-Hälfte liegenden randlichen 
Feldes (vergl. Taf. II,. Fg. 2 meines Werkes) bis zur vor- 
dern Ecke des Cephalothoraxes fortsetzt. Auch dieser Ce- 
phalothorax ist an dem Bauch-Rande nicht Leisten -artig 
eingefasst, was gegen die starke Einfassung des Hinter- 
Randes nur um so mehr auffällt. 


18 * 


| Nene i 
Kreide-Foraminiferen, 


Hrn. Amts-Assessor FR. A. RoEMER. 


— 


Hierzu Tafel VIIB. 


In meiner Arbeit über das Kreide-Gebirge sind bereits 
zahlreiche Formen von Foraminiferen beschrieben , welche 
in dem Hils- Thone unweit Zschershausen vorkommen; man 
‘findet sie leicht, wenn man in dem Chaussee-Graben und 
auf dem Anger, wo jene Gebirgsart ansteht, die obere 
Kruste abnimmt und in Wasser schlämmt, bis aller Thon 
entfernt ist; es bleibt dann ein grober Sand zurück, in wel- 
chem man jene Körper schon mit unbewaffnetem Auge be- 
merkt. Letzten Sommer habe ich dort noch folgende Arten 
entdeckt, die schon wegen ihres Alters für die Entwickelungs- 
Geschichte dieser kleinen Schöpfung nicht ohne Interesse 
sind und daher bekannt zu werden verdienen. 

1. Frondicularia hastata n., Fg. 5. Bisher waren 
Frondikularien erst aus der oberen Kreide-Bildung bekannt; 
es ist diess daher zur Zeit die älteste For; sie steht dem 
Umrisse nach zwischen Fr. striata D’Ors. und Fr. cor- 
data n. in der Mitte, ist stark zusammengedrückt, dreiseitig, 
fast doppelt so hoch wie breit, oben sehr spitz, an der 
Basis mit wenig vorstehender Mündung versehen, hat ganz 
gerade, stumpfe Seiten-Ränder und etwa sechs Scheidewände, 
welche in der Mitte der Breite in einen spitzen Winkel 


275 


zusammenlaufen. Möglich, dass die äussern Falten nicht den 
Scheidewänden entsprechen und dass diese in entgegenge- 
setzter Richtung laufen; Fr. cordata lässt diess vermuthen. 

2. Vaginulina Kochii n. var. laevis, Fg. 1. Unter- 
scheidet sich von der früher beschriebenen Form dadurch, 
dass das Gehäuse weniger schnell an Breite zunimmt und 
dass die innern Scheidewände aussen nicht Rippen -artig 
hervortreten; die breiten Seiten haben etwas scharfe Kan- 
ten; die schmalen Seiten sind nieht unbedeutend gewölbt. 

3. V. striatula n., Fg. 2. Sie ist der V. harpa im 
Ganzen sehr ähnlich, aber nicht halb so gross, an den brei- 
ten Seiten etwas gewölbt und auf jeder mit etwa zehn 
feinen Längs-Linien versehen, welche ziemlich gerade sind, 
gleiche Länge zu haben scheinen und die Queerscheide- 
wände nicht durchschimmern lassen; die schmalen sind un- 
deutlich gekielt und tragen auch einige Längs-Linien. 

4. V. eostulata n., Fg. 3. Das Gehäuse ist fast linea- 
risch und gerade, wird langsam breiter, ist stark und gleich- 
mäsig zusammengedrückt und zeigt auf den breiten Seiten 
Rippen-artig scharf vorstehende, schräge, ziemlich gerade 
Scheidewände: von den schmäleren Seiten ist die an der 
Mündung anliegende gerade und glatt, während die ent- 
gegengesetzte durch vorspringende Wölbung der Kammern 
im Profil gekerbt erscheint. Eine sehr schöne, dunkel ge- 
färbte Form, der V. legumen p’Ors. am nächsten stehend. 
Das abgebildete Exemplar ist unten abgebrochen. 

5. Planularia erepidularis n., Fg. 4. Das Gehäuse 
ist eirund, stark zusammengedrückt, nimmt schnell zu und 
zeigt etwa 7 scharf hervorstehende und sanft gebogene 
Seheidewände; der Rücken ist undeutlich gekielt. Pl. ere- 
pidularis D’Orsıcny ist viel länglicher und fast lanzettlich. 

6. Pl. orbiculata n., Fg. 6. Das Gehäuse ist fast 
kreisrund, gleichfalls sehr zusammengedrückt und zeigt auf 
den Seiten weniger und unregelmäsigere Scheidewände; die 
Grösse ist ganz dieselbe, wie bei der vorhergehenden Art. 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. 


Freiberg, 13. Okt. 1841"). 


Bei meinem Aufenthalt in Dalmatien im Laufe dieses Sommers 
erfuhr ich von mehren Beamten der dortigen Kohlen-Gruben am Monte 
Promina bei Dernis, dass daselbst am 4. Juli früh 2 Uhr zwei be- 
deuteade Erdstösse kurz nach einander in der Richtung von NO. 
nach SW. empfunden worden seyen. 


CARL KERSTEN. 


4 


Krakau, 27. Okt. 1841. 


Im verflossenen Sommer bereiste ich wieder mehre Punkte in den 
Karpathen und der Tatra, die mir bis jetzt unbekannt geblieben waren. 
Ich erlangte über vieles Dunkle Aufschluss; so unter Anderm fand ich 
charakteristische Versteinerungen in. der Nummuliten - Formation. Sie 
besteht aus Schichten von Schiefer-Thon , Karpathen-Sandstein und Do- 
lomit, die mit unzähligen Nummuliten angeschwängert sind. Die von 
PuscH darin angeführten Versteinerungen sollen auf Kreide deuten; die- 
sem kann ich aber gar nicht beistimmen. Die beiden Pecten sind neu 
bis jetzt; die Ostreen sind ebenfalls unbekannt; Gryphaea ist durch- 
aus nicht zu finden. Somit war kein Anhalts-Punkt in der Bestimmung 
dieser Formation. Gegenwärtig werden bedeutende Bauten in Zakopane 
ausgeführt, und bei der Gelegenheit fand ich viele Terebrateln, die der 
T. numismalis entsprechen, nur sind diese Exemplare etwas ver- 
schieden von den Württembergischen, indem sie weniger gewölbt sind: 
sie entsprechen aber vollkommen der Französischen Abänderung aus den 
Hautes-Alpes. Es gibt öfters Exemplare, die wenig ausgesprochen sind 


*) Durch ein Versehen verspätet, D. R, 


275 


und die man wohl verwechseln könnte mit T. carnea; aber diese 
Kreide - Versteinerung hat niemals ein scharf ausgebildetes Ohr, und 
durch eine scharfe Kante bestimmt bezeichnet. Sodann sind in bessern 
Individuen deutliche Rippen zu finden, die sich Reifen-artig schliessen, 
wie man sie nur in der Familie der T. numismalis antrifft. Somit 
ist diess eine Lias - Versteinerung, die diese Schicht ganz bezeich- 
nei. Der darüberliegende Karpathen - Sandstein enthält zwar liasische 
Formen, die‘ meisten aber gehören dem untern Oolith an. Diesem 
Briefe lege ich eine kleine Abhandlung über den Jura bei Krakau in 
Polnischer Sprache bei: sie werden finden, dass der Polnische Jura sehr 
ähnlich ist dem der Schwäbischen Alp: nur seine unteren Schichten 
sind etwas verschieden. Die Petrefakte verglich ich im Berliner Mu- 
seun, so dass sie sicher bestimmt sind. 


L. ZeuscuHneEr. 


Rothenburg a. d. Fulda, 22. Jan. 1842. 


In dem Jahrbuche für Mineralogie 7841 habe ich die Abhandlung 
über Zeolithe mit grossem Vergnügen gelesen. Als Fundort der Meso- 
type wird auch der in der Nähe meines Wohnortes gelegene Alpstein 
bei Sontra aufgeführt. Ob Ihnen bekannt ist, in welcher Menge und 
in was für einer erstaunlichen Manchfaltigkeit, was äussere Formen 
betrifft, dieses schöne Mineral besonders in der neuesten Zeit vor- 
gekommen ist, diess möchte ich bezweifeln. So besitze ich in meiner 
Sammlung eine Suite von der feinsten Haar- förmigen Krystallisation 
bis zu Krystailen von einer Linie.-Durchmesser in Drusen von bis zu 
1 Fuss Länge und 4 Fuss Breite, und ganz derbe Stücke Mesotyp- 
Massen. Diess führt mich ‘auf die (Seite 306 der Abhandlung) ausge- 
sprochene Erklärung über die Bildung der Zeolithe durch „Infiltration“ 
und „Ausscheidung“. Bei unseren Mesotypen des Alpsteins lässt sich 
der Beweis klar vorlegen, dass solche durch Ausscheidung entstan- 
den sind. So finden sich ganze Blöcke, die aus nichts als Mesotyp- 
Massen bestehen, andere die etwas Wacke-Thon beigemengt enthalten, 
und wieder welche, bei denen die Masse, weniger durch den Raum 
beengt, feine Anfänge zu Krystallisationen zeigt; und in dem Verhält- 
nisse, wie die Raumbeengung mehr und mebr verschwand, die beginnende 
Kıystallisation von den feinsten Nadeln bis zu einer Linie Stärke in 
den Drusenräumen. Das umschliessende Gestein bestehet bei der Na- 
del-förmigen Krystallisation in der Regel aus Wacke-Thon, während 
das bei den stärkeren Krystallen ein doleritischer Basalt ist. Höchst 
interessant ist am Alpstein (bekanntlieh ein Basalt- Durchbruch durch 
den Bunten Sandstein) die Umwandelung des Nebengesteins an den 
Wänden der gefritteten Sandsteine, gebackenen Schiefer-Letten und 
Thone mit ihren Kluft-Flächen und überkleidet mit Dendriten-Zeichnungen. 

Wenn Sie die Sache interessirt, könnte ich Ihnen demnächst eine 


276 


Zeichnung und Beschreibung: des Alpsteins mit einer Suite seiner Neben- 
gesteine ‚und seiner Mesotype liefern. | 
In einem Muschelkalke in der Nähe des Alpsteins fand ich kürg- 
lich sphäroidische Ausscheidungen , innen hobl und mit. Kalkspath in 
den „Würfeln-ähnlichen Rhomboedern“ überzogen. : 
Arrtnavs, 


* 


Zürich, 17. Febr. 1842, 


Vor einiger Zeit schrieb mir Professor Stuper, er habe Ihnen be- 
richtet [Jahrb. 1841, 677], dass im Aar- wie im Rhöne - Becken die 
‚grossen Findlinge sich überall über den ältern Geschiebe-Auffüllungen 
der Thal-Gründe abgelagert zeigen und dass daher die Epoche der letz- 
ten Alpen- Erhebung von derjenigen der Block-Verbreitung durch die 
lange Periode der Kies - Auffüllung unsrer Thal- Gründe getrennt sey. 
Diese Behauptung kann ich für das Rhein-, Linth- und Reuss- Becken 
nicht bloss vollkommen bestätigen, sondern zugleich noch hinzufügen, 
dass während der Periode der Kies-Auffülluug in unsern Gegenden ein 
Klima herrschte, das von dem gegenwärtigen nicht sehr verschieden 
oder wenigstens milde genug war, um noch Birken, Fichten, Wachbhol- 
der, nebst einer Menge eigentlicher Sumpf-Pflanzen gedeihen zu lassen. _ 
Die sogenannten Schiefer-Koblen (bituminöses Holz) von Utznach, Dün- 
ten (Linth- Becken) und Mörovyl (zwischen St. Gallen und Roschach) 
bestehen nämlich ganz und gar aus Bruchstücken der angeführten 
Pflanzen und liegen theils mitten zwischen den diluvialen Geschiebe- 
Ablagerungen, theils an ihrer obern Grenze. In diesen Geschiebe- 
Massen ist bis jetzt nirgends auch nur ein einziger Block gefunden 
worden, obgleich sie an zahlreichen Stellen hübsch aufgeschlossen und 
also der ‚Untersuchung zugänglich sind; auch in Dürnten wurden 
beim Graben eines 40° tiefen Schachtes durch die Geschiebe-Masse hin- 
dureh keine Blöcke, sondern bloss gerundete Geschiebe von höchstens 
Kopf-Grösse gefunden. Erst über diesen Geschieben und über den 
Kohlen zeigen sich die Blöcke an allen den angeführten Stellen. ı 

'So auffallend es nun auch erscheinen mag, dass nach dem warmen 
Palmen - erzeugenden Klima der Molasse-Periode, nach der später fol- 
genden letzten Erhebung der Alpen und der durch sie wohl grössten- 
theils bewirkten Entstehung und Auswaschung, der Molasse-Thäler, end- 
lich nach der noch spätern Auffüllung der Thal- Gründe mit Geschiebe 
und Ablagerung der vorhin erwähnten Schiefer-Kohlen und nach dem 
während dieser letzten Periode herrschenden gemässigten, jedenfalls 
nicht polaren Klima eine Epoche eingetreten seyn soll, während welcher 
eine Zeit lang die ganze ebene Schweitz uud später noch ein bedeuten- 
der Theil derselben hoch mit Gletscher-Eis bedeckt war, so zweifle ich 
doch gegenwärtig im Gerinugsten nicht mehr an der Existenz dieser Epoche. 

' Schon 1839. überzeugte. mich. zwar Herr..voN ‘CHARPENTIER auf 


277 


Exkursionen, die er mit mir nach den verschiedenen zum Theil pracht- 
vollen Block - Ablagerungen der Umgegend von Bex vorzunehmen die 
Güte hatte, so viel als vollständig von der Richtigkeit der Block-Theorie 
durch Gletscher, und auch die mir spezieller bekannten Block - Ablage- 
rungen im Linth- und Reuss-Becken erklärten sich durch sie viel ge- 
nügender als durch eine der früher aufgestellten Theorie’n; doch konnte 
ich mich, namentlich bei Übersicht unserer Gegenden von den Gipfeln 
der Molasse-Berge aus, der aufsteigenden Zweifel nicht erwehren ; ich 
empfand dasselbe Widerstreben gegen diese supponirten Eis - Massen, 
das Hr. v. Cuarpentier S. 351 seines Werkes so offen bekennt‘ em- 
pfunden zu haben, Auch war ich immer noch nicht recht überzeugt, 
dass ein Schutt und Steine fortwälzendes Gewässer an felsigen Seiten- 
Wänden nicht ähnliche Furchen und Streifen bewirken könne, wie eine 
Gietscher-Masse, zumal ich Fels-Politur durch jetzige Gletscher noch 
nie gesehen hatte. 

Während des verflossenen Sommers babe ich mich indess gründlich 
überzeugt, dass die Formen des Gletscher-Schliffs wesentlich verschie- 
den sind von denjenigen des Wasser-Schliffs; und sollten auch bie und 
da Zweifel aufsteigen können über die Entstehungs - Weise des gross- 
welligen Schliffs, so wird das Daseyn von schmälern, meist 1 bis 3 
Zell breiten Furchen, die der Richtung des Thales ungefähr parallel 
laufen, ferner das Daseyn von feinen, wie mit dem Grabstichel gezo» 
genen, den Furchen meist parallelen Streifchen oder Kritzen immer 
für. die Entstehung durch Gletscher entscheidend seyn; denn von Stei- 
nen abgeriebene Felsen zeigen, wie Hr. v. Cuarrentier und Hr. Acas- 
sız in ihren Werken über die Gletscher hervorheben, von diesen letzten 
Erscheinungen nie die geringste Spur. 

Findet man nun, wie es wirklich der Fall ist, die charakteristischen 
Formen des Gletscher - Schliffs von der Höhe von etwa 9000’ *) über 
dem Meere an abwärts bis in den tiefsten Grund der Tbäler hinab, z. B. 
bei Tavenasa im Vorder - Rheinthal unterhalb Brigels, an den Felsen 
des Schollbergs bei Sargans ete. und bis an die Höhen des Jura hin- 
auf, so müssen wirklich alle Zweifel über die einst vorhandene Bedeckung 
der ebenen Schweitz mit Gletscher-Eis wegfallen; und zugleich schöpft 


*) Die so höchst interessante Beobachtung des Herrn Desor, dass die alpinen Ge- 
birgs-Kämme nur bis etwa 9000 F. Meereshöhe geschliffen und gerundet sind, 
höher aber nur schroffe, zackige Gestalten (Folgen der Verwitterung) zeigen, be 
stätigt sich imnıer mehr. Eine der interessantesten Gegenden in dieser Beziehung 
ist wohl die Höhe des @eisspfads, Pass zwischen dem Walliser Binnen- und dem 
Piemontesischen Antigorio-Thal, vgl. Taf. VI, Fg. C. Seine Ostseite besteht aus 
Gneis, die Westseite aus dem (st-Ende einer wohl eine Stunde langen gewaltigen 
Serpentin-Masse, welche, merkwürdig genug, die Mitte, den senkrechten Theil 
eines Gneis-Fächers bildet. Wie beiliegende Skizze zeigt, sind die höchsten Kämme 
beider Gesteine sehr schroff und gezackt, die Pass-Höhe dagegen ausgezeichnet 
schön abgerundet; überdiess haben die ehemaligen Gletscher eine Menge Gneis- 
Stücke ins Serpentin-Gebiet hinüber geführt, wo sie beim Vergehen des Gletschers, 
zum Theil in höchst 'wunderlicher Lage, auf den Gipfeln der Serpentin-Dome lio- 
gen geblieben sind, 


278 


man hieraus die Überzeugung, dass nicht nur die Molasse-Thäler, son- 
dern auch die eigentlichen Alpen- Thäler zur Zeit dieser Gletscher- 
Periode ganz ausgebildet und wenigstens so tief waren wie gegenwärtig. 

Hr. v. CHareentier namentlich bat in seinem Werke sehr klar aus- 
einander gesetzt, wie einfach sich die Erscheinungen der Block-Ablage- 
rungen durch die Gletscher-Theorie erklären, und ich füge nur noch als 
eine der Thatsachen,, die gar keine andere Erklärungs-Weise zulassen, 
das Vorkommen von scharfkantigen und scharfeckigen Bruchstücken wei». 
cher Molasse - Sandsteine mitten in mächtigen Block - Ablagerungen an. 
Solche Sandstein - Stücke sah ich namentlich am frischen Abrisse eines 
Block -Walls, welcher bei Aulage einer Strasse zwischen Wohlen und 
Bremgarten im Aargau durchstochen wurde. Wären Stücke solchen 
lockern Sandsteins auch nur kurze Zeit in einer Fluth fortbewegt wor- 
den, so hätten sie sich nicht bloss abgerundet, sie wären ganz zerfallen. 

Auch die fast völlige Abwesenheit von feinem Schutte in mächtigen 
Ablagerungen von gleichartigen Blöcken und das Vorkommen von hoh- 
len Räumen erklären sich durch die Gletscher-Theorie so höchst einfach, 
während diese Erscheinungen die Fluth - Theorie in grosse Verlegenheit 
Setzen. Stürzt über dem Vereinigungs- Punkt von 2 Gletschern ein 
Fels-Kopf ein, so wandern seine Trümmer beim Vorrücken des Gletschers 
als Gufer-Linie über die Mitte des vereinigten Gletschers weiter, ohne 
zu zerfallen, wenn sie wenigstens nicht aus zerklüftetem Gestein be- 
stehen, und ohne sich mit andern Gesteinen zu vermischen. Zerschmilzt 
dann der Gletscher , so setzen sich die Blöcke auf dem Boden ab, und 
es ist gewiss nichts natürlicher, als dass zwischen denselben eine Menge 
Räume hohl, unausgefüllt bleiben; und in der That sehen wir diese 
hohlen Räune an allen Ablagerungen, die vorherrschend aus grossen 
und gleichartigen Blöcken bestehen. Ebenso ist augenscheinlich, dass 
wenn ein Block in Folge von Klüften oder eines Falls vom Rücken des 
Gletschers auf den Boden hinab in mehre Bruchstücke zerfällt, die Kan- 
ten und Ecken dieser Stücke einander sehr häufig entsprechen werden. 
Hr. Dervc hat diese Erscheinung an zahlreichen Blöcken des Rhöne- 
T’hals nachgewiesen und sie wiederholt sich überall. 

Wie hübsch und einfach endlich erklärt sich nicht durch die Glet- 
scher -Theorie die bisher so räthselvolle, für die Schweitz allgemeine 
Thatsache, dass die grössten und entferntesten Blöcke in den Becken 
der Rhöne, Aar und Reuss aus Granit, in dem der Linth aus Seruft- 
Konglomerat bestehen. Granit und Sernft-Konglomerat sind in den ent- 
sprechenden Gegenden diejenigen Gesteine , welche sich zum Zerfallen 
am wenigsten eignen, Ihre Blöcke mussten sich daher auch auf dem 
Wege von ihrem Stamm - Orte bis zu ihrer jetzigen Lagerstätte besser 
erhalten, als die der Kalksteine und Sandsteine. Kurz, sämmtliche Er- 
scheinungen der Findlinge stimmen so vollkommen mit der Theorie 
ihres Transports durch Gletscher überein und stellen sich so sehr als 
nothwendige Folgen dieser Theorie dar, dass sie mir wenigstens eben so 
fest begründet erscheint, als die meisten geologischen Theorie’n , wenn 


279 


auch die Ursache einer solchen allgemeinen Vergletscherung gegen- 
wärtig allerdings noch sehr zweifelbaft ist. 


In Ihren Erläuterungen zur Montblanc-Karte im geologischen Atlas 
erheben Sie einige Bedenken gegen die Umwandlungs- Theorie. Ohue 
mir ein Urtheil über den Werth dieser Theorie anmaasen und ohne be- 
haupten zu wollen, dass sie nicht vielleicht hie und da/ zu weit ausge- 
dehnt worden sey, kann ich doch nieht umhin, mich dahin zu äussern, 
dass wohl z.B. in unsern Alpen das Daseyn von sehr grossartigen 
Umwandelungen nicht bestritten werden kann, wenn wir gleich noch 
nieht im Stande sind, das Wie und Wodurch der Umwandelung nach- 
zuweisen. 

Wenn wir z. B. an den Anhöhen, die den Nufenen-Pass in S. be- 
grenzen, im schwarzen Schiefer eine Menge Belemniten finden, und 
zwar nicht nur auf einer Ablosungs - Fläche, sondern in senkrechten 
“Abständen von wenigstens 3— 4° (höchst wahrscheivlich finden sie 
sich auch in Schichten, die viele Hundert Fuss von einander entfernt 
sind), so können wir doch unmöglich annehmen, die Thiere der Beleu- 
niten seyen sämmtlich durch ein plötzliches Natur - Ereigniss getödtet 
und durch die Bestandtheile des Schiefers auf einmal begraben worden, 
sondern wir müssen schliessen, dass die Tbiere successive nach einan- 
der gelebt haben und daher auch durch Niederschläge verschiedener 
Zeiten begraben worden sind. Das sie umschliessende Gestein ist aber 
durch seine krystallinische Beschaffenheit sehr verschieden von den Se- 
diment-Bildungen,, die als unverändert betrachtet werden können; es 
enthält sogar, nicht etwa auf Gängen, sondern stellenweise in seiner 
ganzen Masse nebst Glimmer auch sehr schön ausgebildete Granaten, 
welche bis 4 Zoll Durchmesser erreichen. Will man nun nicht anneh- 
men, was wohl die Chemiker noch weniger zugeben werden, als eine 
Umwandelung von Sandstein in Granit, dass in derselben Flüssigkeit 
Moilusken leben und Granaten sieh ausscheiden konnten, so muss man 
zugeben, dass dieser Schiefer nach seiner Ablagerung von Einflüssen 
betroffen worden sey, welche das Entstehen von Granaten und Glimmer- 
Krystallen hervorriefen. 

Dieser Schiefer aber, fast senkrecht stehend, bildet einen Streifen 
von wohl 4 Stunde Breite und erhebt sich wenigstens noch 1000’ über 
die Höhe des Nufenen-Passes, so dass der Maasstab der Umwandelung 
schon hier als sehr bedeutend erscheint. Nach einem massigen Gesteine, 
das als Ursache der Umwandelung gelten könnte, sieht man sich ver- 
geblich um; die nächsten sind die Granite des Medels- Thals und die 
Granite und Porphyre des Langen- und Lauisser-See’s. 

Diese Schiefer der Nufenen sind indess nur ein einzelner Punkt 
der mächtigen Schiefer-Bildung, die sich aus der Allde blanche durch’s 
ganze Wallis hinaufzieht und sich im oberen Wallis in zwei Arme 
theilt, von denen der nördliche in Ursern, Ober-Alp u. s. w., den 


280 


eigentlichen Gebirgs- Stock des Gotthard in N., der südliche im Nufe- 
nen-Pass, Bedretter- und Piosa-Thal, Scopi u. s. w. diesen Stock in 
S. begrenzt; beide Zweige vereinigen sich dann im Vorderrhein-Thal 
oberhalb Iianz wieder in eine Masse. Im Vorderrhein- Thal aber 
gehen diese oft sehr kalkreichen Schiefer allgemein in hellgrünlichen 
talkigen. Quarzit-Schiefer über; in diesem selbst finden sich hie und da 
Feldspath -Körner ein und er verfliesst in den Gneis der @otthard- und 
Leispalt-Masse ; wenigstens ist es bis jetzt eben so wenig gelungen, 
eine scharfe Grenze zwischen diesem Quarzit-Schiefer und dem Gneise 
aufzufivden, als zwischen dem Gneise und Gneis-Grauite der Zentral- 
Massen des Gotthards u. s. w. 

Der grünlich-talkige Quarzit-Schiefer aber umschliesst andererseits 
an den Nord- Abhängen des Vorderrhein- Thals grosse Nester Penta- 
kriniten - führenden Kalksteins (wahrscheinlich Lias) und geht ferner 
über in die bunten Schiefer, talkigen Quarzit-Schiefer und rothen Kon- 
glomerate, die sich zum Theil als dünne Decke der tiefern Gesteine 
über die höchsten Kämme des Glarner-Lands weg bis an den Walen-See 
und gegen das Sarganser-Thal nach Mels hinabziehen (Tf. VI, Fg. B). 
Mitten im Gebiete dieser Schiefer, die im Kanton Glarus allgemein sehr 
sanft nördlich fallen und in grosser Entfernung von massigen Gesteinen 
finden sich im talkigen Quarzit auch einzelne deutliche Feldspath-Kör- 
ner ein, die Schieferung im Kleinen verliert sich, und das Gestein ver- 
dient wirklich den Namen von talkigem Gneis-Granit. 

Wenn es also, wie mir wenigstens scheint, unmöglich ist im Schie- 
fer der Nufenen das Produkt einer Umwandelung zu verkennen, dessen 
Agens gegenwärtig nicht mebr sichtbar ist, so führt die geographische 
Verfolgung dieser Schiefer zu Erscheinungen, die es höchst wahrschein- 
lich machen, dass ursprüngliche Sediment-Gesteine nieht bloss in Gra- 
naten und Glimmer-führende Thonschiefer-artige Gesteine und in bunte 
talkige Schiefer, sondern auch in .Gueis und Gneis-Granit umgewandelt 
worden seyen, R - 

Finden wir ferner im eigentlichen Alper- Gebirge fast die ganze 
Masse der Sediment-Gesteine überall in einem Zustande, der verschie- 
den ist von demjenigen der gleich alten Gesteine der Vorberge, z. B. 
die Lias - Petrefakte des Kalfeuser-Tkals mit einer feinen Talk- 
Decke überzogen, die Nummuliten - Gesteine des Kisten- und Panixer- 
Passes etc. ebenfalls eigenthümlich talkig schimmernd und wie gefrittet, 
die bekannten Fisch- Schiefer von Matt und die Fukus- Schiefer dersel- 
ben Gegend als harte, Thonschiefer-artige Gesteine, während die Num- 
muliten- und Fukus- führenden Gesteine , die einige Stunden weiter 
nördlich, also etwas entfernter von der Haupt-Masse des Gebirges liegen, 
sich als gewöhnliche Kalksteine und als gemeine Mergelschiefer dar- 
stellen, so liegt doch gewiss der Gedanke sehr nahe, dass auch diese 
abnorme mineralogische Beschaffenheit der Sediment-Gesteine eine Folge 
sey desselben Prozesses, der im innersten Kerne des Alpen- Gebirgs 
so deutliche Beweise von Umwandelungen hinterlassen hat. 


281 


Der gegenwärtige Brief ist nun bereits so lange geworden, dass 
ich die übrigen mir ‘genauer bekannten Beispiele von Umwandelungen 
in grossem Maasstabe nicht mehr anführen will, um so mehr als die 
meisten in Jen Denkschriften der Schweitzerischen naturforschenden 
Gesellschaft durch Hrn. Stuper ausführlich beschrieben worden sind, 

’ Beiliegend überschicke ich Ihnen ein Stück des Belemniten - führen- 
den Nufenen-Schiefers und bedaure, nicht auch eines mit Granaten bei- 
legen zu können, um Sie von der Gleichartigkeit des Gesteins zu über- 
zeugen; vielleicht kann ich diess zu Ende nächsten Sommers nachholen. 

Ps. 22. Febr. Ausser den rundlichen Durchschnitten enthalten die 
Belemniten - Schiefer der Nufenen sehr häufig eine Menge Erbsen-g:os- 
ser ellipsoidischer und eckig Säulen-förmiger Körper, wovon auf bei- 
liegendem Stücke: auch einige Spuren zu sehen sind. Freund Wiser 
hat gefunden, dass sowohl die einen als die andern aus vorwaltender 
Kieselerde, wenigem Eisenoxyd und Kalkerde bestehen, dass’ sie auch et- 
was Wasser enthalten (vielleicht in Folge der Verwitterung), und dass 
sie weder Staurolith, Disthen, Feldspath, noch Hornblende oder Chia- 
stolith seyn können, wofür man sie verschiedener Ähnlichkeiten wegen 
halten möchte. Sämmtliche Belemniten dieses Gesteins haben übrigens, 
wie der im beiliegenden Stücke, die strahlige Textur verloren; sie be- 
stehen sämmtlich aus weissem krystallinisch- körnigem Marmor. Ich 
wäre sehr begierig zu erfahren, ob Hr, Beonn die zylindrischen Körper 
vielleicht als Enkriniten erkennen kann. Sie sind sehr bäufig; aber 
noch nie habe ich deutliche Struktur daran gesehen *). 

Escher von DER Lintm. 


Freiberg, 22. Febr. 1842. 


Aus der Sektion Oarisbad (XVD der geognostischen Karte des 
Königreichs Sachsen werden Sie ersehen haben, dass die früher von 
mir geäusserte Vermuthung: die letzte Erhebung des Erzygebirges 
sey den Phonolithen zuzuschreiben, wohl niebt ganz richtig ist; denn 
die basaltischen und phonolithischen (?) Tuffe, welche den grossen Ba- 
salt- und Phouolith - Ergiessungen vorauszingen, liegen bei Haunstein 
horizontal am Gneis-Abhange des Erzgebirges. Da nun die Braunkoh- 
len - Sandsteine bei Osseck, Üzernowitz u. s. w. 20—30° fallen, so 
scheint sich die letzte Erhebung des Erzgebirges nach der Bildung 
der Braunkoblen - Formation und vor der Bildung jener Tuffe ereignet 


zu haben. 
C. F. Naumann. 


*) Einige dieser zylindrischen, geschobenen Entrochiten-ähnlichen Körper sind deut- 
lich genug erhalten, um bei günstigem Licht-Reflex hier den mitteln feinen Nah- 
zungs-Kanal und den von der Gelenkfläche abgesonderten Rand, dort sogar die 
fünfstrahlige Zeichnung um den Nahrungs-Kanal der Pentakriniten zu unterschei- 
den. Hr. Escher wird, wenn er darauf achtet, bei andern Exemplaren das gewiss 
noch deutlicher finden, ı BRonn. 


282 


Berlin, 1. März 1842. 

Sie haben (1841, 669) den Bericht eines Korrespondenten über die 
Braunschweiger Versammlung der Naturforscher bekannt gemacht, in 
welchem auch ein: Vortrag berührt, erläutert, beredet und: widerlegt 
wird, den ich in Braunschweig gehalten haben soll; Wenn irgend 
ein Zuhörer Ansicht, Zweck und Geist eines Vortrags nicht  auffasst, 
vielleicht weil ihn während der Zeit andere Dinge beschäftigen, so ist 
das Übel eben nicht gross; wenn er aber darüber einen Bericht und 
eine Widerlegung gibt, so sieht das einer sehr tadelnswürdigen Ver- 
wegenheit nicht unähnlich; und wird ein soleher Berieht gedruckt, so 
kann es leicht begegnen, dass dem, der den Vortrag gehalten, grosses 
Unrecht zugefügt wird. Erlauben Sie mir daher die Erklärung, dass 
ich in dem Bericht Ihres Korrespondenten kaum ein einziges Wort, 
und selbst auch dieses nur in gänzlich verschiedenen Bezie- 
hungen als das meinige erkennen kann. 

Mit den Erscheinungen des Metamorphismus der Gebirgsarten seit 
lange beschäftigt, hatten Hısınckr’s fleissige und erweckende Arbeiten 
oft den Wuvsch in mir rege gemacht, so viel es bei meinem hohen: Al- 
ter noch meine wenigen Kräfte gestatten, in Schweden zu forschen, ob 
wohi die Entstehung des Gneises aus veränderten silurischen Schiehten 
sich nachweisen liesse? und ob wohl in solehem Falle ein so ungebeu» 
rer Metamorphismus in anderen Erscheinungen verfolgt werden könne. 
Als das kleine Dampfboot aus den Kreuzwellen des Cattegai in Gothen- 
burg endlich die Spitze des Molo erreichte, fahr ich freudig erschrocken 
zurück. Ein blendend weisser Fels von Natron-Spodumen, eine erha- 
bene, imposante Gestalt trat uns am Ende des Molo entgegen; sichtbar 
Jagen die Schichten des Gneises wie Schaalen um den beherrschenden . 
Kern, oder waren in mächtigen Stücken von ihm umschlossen. Auf 
der Spitze bewegte sich der Telegraph, Otteshällaklint. Ich glaubte 
vom Felsen her mit Donnerworten zu hören: Per me si va alla vista 
delle cuse stupende. Und so war es! In Trollhätta schienen die Berge 
ihr innerstes Adern - Geflecht zu entfalten; Arterien und Venen fast 
bis zum bewegenden Herzen. Wer hätte, von so mächtigen Erscheinun- 
gen umgeben, bier noch an Ritzen und Schrammen , Streifen und Eis- 
Zeit gedacht!! Ich war auf Halle und Hunneherg, auf der Kinnekulle ' 
bei Lidkiöping und sahe vor mir die vielen Basalt-bedeckten Westgothi- 
schen Berge, und die Transitions-Schichten unverändert darunter, und 
immer nur, wo der Basalt sie bekrönt. Der Gneis aber berührt diese 
Transitions-Schichten nie, sondern bleibt überall mit deutlichem Rande 
in der Entfernung zurück. Jeder Basalt-Berg aber, das wissen wir 
jetzt denke ich ziemlich gewiss, ist das Ausgehende eines Ganges, eines 
Stocks , einer grossen Masse , welche unter deu bedeckenden Schichten 
sich ausdehnt. Sollte wohl dieser unter der Oberfläche sich fortziehende 
Basalt die silurischen Schichten vor dem überall weit umherwirkenden 
Metamorphismus beschützt und sie später unverändert zu Tage erhoben 
haben? Gewiss ist das eher zu glauben, als an eiue Wegführung 


2853 


einst zusammenhbängender Schichten zu denken, welche uns doch keine 
Erläuterung geben würde, warum denn eben der Basalt nur auf dem 
Gipfel solcher Schichten ruhen könne, warum niemals auf Gneis! 

Erschien dieser Gueis wieder, so war es immer wie sanft ange- 
schwollene Muskeln über die Adern des Innern. Ellipsoiden im Kleinen, 
wie Odenwald, Riesengebirge, Brocken, Carlsbad, Mähren, Morvan 
im Grossen. — Die Schaalen oder Schichten, welche konzentrisch das 
Ellipsoid bilden, sind gar wenig uneben auf ihrer äusseren Fläche, fast 
glatt; allein die inneren von den äusseren völlig bedeckten 
und umgebenen Schaalen sind es eben so sehr, als die äus- 
sere Oberfläche selbst. Daher kann ich es dem Hrn. Serström 
nicht zugeben, die glatte Kurve der äusseren dem Metamorphismus zu 
entziehen und sie als Folge einer anderen späteren Erscheinung zu 
bestimmen, welche nur auf die äussern, nie auf die innern Flächen 
einwirken könnte. Gänge von einer Schaale zur andern verworfen, 
erweisen wie kräftig diese Schaalen über einander verschoben, daher 
geebnet worden sind. Ellipsoiden, welche gebrochen und nur zur 
Hälfte erhoben worden, zeigen auf einer Seite die Köpfe der Schaalen, 
auf der anderen die leichte Kurve der Oberfläche, daher auf der einen 
Seite der steilere rauhe Abfall, die Steilseite, auf der anderen die 
flache Stossseite, welche kein Stess und Reibung jemals in diese 
Form gebracht haben könnte. Gross und herrlich ist Alles dieses nicht 
bloss in der Nähe von Stockholm, sogar in der Stadt selbst an vielen 
Orten zu sehen! Und wer könnte jemals den lehrreich-begeisternden 
Besuch im Oligoclas-Bruch von Yiterby vergessen! — Dieses flüchtig 
zu entwickeln war ungefähr der Gegenstand und die Absicht meines 
Vortrags in Braunschweig. «Polemik und Eis- Zeit und Ritzen und 
Schrammen haben keinen Theil daran, und von diesen ist in Braun- 
schweig niemals die Rede gewesen. Mögen Deutsche sich soweit 
vergessen, Lyeur (!!) für eine Autorität in Deutschland zu halten, der 
Metamorphismus bleibt doch eine grosse Erscheinung! 


LeoroLd von Bucn. 


Mittheilungen an Professor BRONN gerichtet. 


Heidelberg, 18. Okt. 1840. 


Meeres-Ströme: innre Bedingnisse derselben. — Die 
Einflüsse verschiedener Wärme-Grade,, ihrer Wechsel und des Druckes, 
so wie der Bewegungen der Atmosphäre auf die Strömungen des 
Meeres unter verschiedenen Zonen wurden nach v. Humsoror’s Vor- 
gang vielseitig besprochen, nachgewiesen, erläutert. Zu wenig Rück- 
sicht aber, lange fast gar keine, nahm man auf die Natur des Meeres- 
Bodens und auf diejenigen Einflüsse der Temperatur , welche von den 


284 

Tiefen der Erde selbst ausgehen und durch vulkanische’Risse 
dieser Tiefen, durch plutonische Spalten, welche bestimmte Striche hal- 
ten *), bedingt sind, und doch leiten manchfaltige Erscheinungen gerade 
der denkwürdigsten Meeres-Ströme, wie des @olfstromes *"*), anschau- 
lich darauf nin. Ich beziehe mich in diesem Punkte auf die Erklärun- 
gen, die ich in der Hertha (Almanach für 1836, Kempten bei Toe. 
Dunnuemer, S. 186 ff.) zugleich über die Streichungs-Linien unter- 
meerischer Gebirge gegeben. Diese Gebirgs - Züge bedingen nämlieh 
die Strom-Richtungen augenscheinlich, so weit sie auf diejenigen Tiefen 
wirken, bis zu welchen Strömungen im Meere herrschen. Dass diese 
Tiefen aber selbst in Bezug auf Mittheilung anhaltender Bewegung 
von oben bedeutend sind, bat die neuere Mechanik und Physik bis zu 
einen gewissen Grade bewiesen, worüber im Folgenden, 

Festere Schlüsse lassen sich weiterhin nur wagen, wenn die Un- 
terschiede der Temperatur und chemischen Beschaffenheit 
des Golfstromes und anderer Strömungen des Meeres an den ausge- 
zeichnetsten Strichen in grösseren Tiefen, zahlreicher und umfassender 
als bisher und mit genügender Sicherheit verfolgt sind. Bis dahin 
betrachte ich meine Andeutungen als blosse Fragezeichen, Schwer je- 
doch dürfte sich die Ansicht bezweifeln lassen, dass atmosphärische 
Verhältnisse theils im Grossen mit unablässigen Prozessen, theils 
im Kleinen mit einzelnen mächtigen Vorgängen der plutonischen 
Tiefe in gewisser Verbindung stehen, theils, von diesen unabhän- 
gig, in eigener Sphäre sich selbst vermitteln. Gerade aber in 
diesem letzten, in ihrem anschaulichsten, darum anerkanntesten Bezuge 
erklären sie die Temperatur ete. des Wassers wie die des Lan- 
des — nur an der Oberfläche, im Ganzen bis zu geringer Tiefe und 
in allgemeinen Verhältnisse der geographischen Breite. i 


Die Geschichte der Erdoberfläche selbst zeigt uns aber, dass 
die Temperatur, die von den Tiefen der Erde ausgeht, nicht minder 
als die atmospbärische geeignet ist, Bewegungen im Meere zu be- 
gründen, wenu gleich der riesenhäafte Druck der Wasser -Masse von 
oben jeden Gedanken an Strömungen auf dem Meeres- Grunde zwar 
nicht verdrängt, doch überall mässigt, wo das Meer in bedeutender Tiefe 
auf unerschüttertem Boden oder auf einem Boden ruht, der, bewegt 
oder nicht, durch vulkanische Dänpfe weder bleibend noch Forüberan, 
hend erhitzt ist. 

Diess führt auf die beiden Hauptfragen, die ich in Betreff des 
Reliefs der Strand-Gebiete und des Meeres-Bodens in der Hertha be- 
rührt habe, um die Natur der Meeres - Ströme bis in ihre Tiefen zu 
verfolgen, auf die Bedeutung nämlich quantitativer und qualitativer 


*) Jahrb, 1840, 564—570 ; 1836 , 573—577; 1841, 224 und Cur. Karp, Italien, Berlin 
bei Reıxer 1837, dritte Vorlesung. 
**) Jahrb. 1841, 2%4. Joms Meuisu, Reise nach den Frereinten Stuaten, ee 


S. 29 gibt eine Zeichnung der Breite und Richtung des @n/fstroms. 


285 


Bedingungen, auf die Bedeutung der Schwere’ wie der Wärme, d. 
des Druckes der Luft und der Wasser-Massen wie der Temperatur. 

Weniges schicke ich .voraus: es ist irrig, den Meeres- Spiegel als 
eine Ebene zu betrachten (Jahrh. 1841, 203). Ohue Ungleichheit 
des Meeres-Spiegels sind Meeres-Strömungen, ohne Ungleich- 
heit der Temperatur Winde- oder Luft- Stiöme undenkbar (Jahrb. 
1841, 207). Diese Bedingung ihrer Möglichkeit, selbst ihre be- 
stimmte Veranlassung erklärt Vieles, noch keineswegs aber ihre 
letzte Ursache. | 

Am wenigsten ist die Ungleichheit des Meeres - Spiegels erschö- 
pfende Ursache der Meeres- Strömungen. Sie selbst, so wie die Un- 
gleichheit der Temperatur, setzt tiefer bestimmende Ursachen allseiti- 
ger wirksame voraus und nur, wo weder fremde Anziebung noch ent- 
scheidende Bewegung eingreift, nur im Zustande der Ruhe und gleich- 
mäsigen Dichtigkeit des Wassers fordern hydrostatische Gesetze gleiche 
Spiegel- Höhe verbundener Meere. Nach mehrseitigen Beobachtungen 
2. B. kann das Mittelmeer nicht beträchtlich tiefer liegen, als :der 
Atiantische Ozean”), und doch fluthet der Arabische Busen bei Suez 
an 27 Fuss höher als der Spiegel des Meeres bei Alexwandrien ”*) und 
vom Atluntischen Ozeun her dringt, mit der Schnelligkeit zweier Sce- 
meilen und darüber in einer Stunde , eine obere Strömung durch die 
Meerenge von Gibraltar ein, worauf wir zurückkommen werden, 

Bei den Winden andererseits ist es klar, wie.erst BRewsTEr wieder 
in der zehnten Versammlung der Naturforscher (1840) gezeigt hat, dass 
diese Bewegungen in der Atmosphäre von der Temperatur abhängen 
-und mit ihr wechseln. Sobald man aber auf das Meer blickt, nicht 
einmal seine Bewegungen, nur seine ‘Temperatur betrachtet, sobald 
regen sich Zweifel in Masse, die nicht alle gleich deutlich gelöst, viel- 
mehr von solcher Stärke sind, dass sie oft in sehr bekannten Verhält- 
nissen, anscheinend ausgemachte Ansichten mit sich selbst in Wider- 
sprüche verwickeln, 

Mitten z. B. im Winter ist im Feuerland die ee des Meer- 
Wassers 30° F. höher, als die überschwebende Luft-Schicht, die See 
daher stark mit Dunst bedeckt, die Kälte im Winter, selbst wenn Fan- 
RENHEIT’S Scala auf 24° und 26° fällt, kaum empfindlich , und im Som- 
mer, wenn sie Nachts auf 29° F. (mithin 3° unter den Gefrierpunkt) 
sinkt, den Gewächsen doch nicht nachtheilig. Soll diess einzig den: 
Grund vielleicht darin. haben, dass die Luft in diesen Breiten, 
weil mit Feuchtigkeit übersättigt, die Meeres-Dünste nicht 
frei mehr aufnehmen kann, mithin dessen Temperatur auf diesem 
hohen Standpunkt erhält, da überdiess die Temperatur des Landes selbst 


”) Arıaco in Edinburgh New Phil. Journ. N. 41, S. 50, wo nur ein Unterschied 
von 0,73 Meter von Crahere in den Pyrenüen aus geınessen. 

*=) 5, Musceke in GEauLer’s W. VL, 1772. An die alten Untersuchungen über die an- 
ziehende Kraft der Berge (PAilosophical Transactions Vol. 2) will ich hier nicht 
weiter erinnern. 


Jahrgang 1842. 19 


286 


weit gleichförmiger ist, als irgendwo in der nördlichen Erdhälfte 
unter entsprechender Breite ? 

Mag; diese Erklärung noch so einfach lauten oder seyn, sie führt 
jedenfalls selbst wieder auf neue Räthsel, auf alle Zweifel z. B., welche 
über den entscheidenden Grund solcher Feuchtigkeit und der 
tiefen Schnee - Linie des Feuerlandes noch herrschen, das an vulkani- 
schen Bildungen (die entfernteren Regionen höher hinauf abgerechnet), 
arm, den grossen Namen „Feuerland“ bis jetzt ohne Inhalt trägt (Jahrb, 
1841, 198, Note). Noch aber hat man nicht genau ermittelt, wie die 
Temperatur des Meeres dort in bedeutenden Tiefen stehe, ob ‚sie viel- 
leicht sich verhalte wie in jener Region um Spitzbergen, wo man 
nur Einen Vulkan und diesen auch nur in der Entferuung kennt. Ich 
darf daher kaum wur die Frage wagen, ob vielleicht im Feuerland 
jenes Phänomen in Verbindung stehe mit der Geschichte der Hebun- 
gen Patagoniens u. s. w., die ich im Jahrb. 1840, 565 ff. mit Bezie- 
hung auf eine von mir bezeichnete Hebungs Linie berührt habe, welche 
offenbar durch Spitzbergen geht (Jahrb. 1836, 573) und mit Beziehung 
auf die Verbältnisse des tellurischen Magnetismus, die bei Spiz- 
beryen besonders denkwürdig sind (Jahrb. 1840, 569 ff.). 

1. Druck und Temperatur des Meeres: Unterseeische 
Bedingungen der Meeres-Strömungen. 

Am häufigsten: beschifft, ist unter den Oceanen der Atlantische, au 
genauesten beobachtet. In nördlicher und südlicher Breite nimmt hier 
die Temperatur an der Oberfläche des Wassers im Durebschnitt auf 
40 Breite-Graden 4° R. zu oder ab. - Nach unten dagegen herrscht in 
einer Tiefe von etwa 363 Faden nach Fırzroy’s Angaben bei einer Eut- 
ferınung von 56 Lävuge- und 15 Breite - Graden ein Unterschied — von 
bloss 23° F. Untersuchungen über diese Verhältnisse sind indess noch 
sehr vereinzelt. Noch ist auf diesem Wege unentschieden, wie weit 
und welchen etwa örtlichen Verhältnissen der kleine Unterschied *) — 
beizumessen ist. Zusammenstellung bekannter Thatsachen macht indess, 
dureh Schlüsse, welche aus diesen Thatsachen folgen, höchst wahr- 
scheinlich., dass die Temperatur des Meeres in den entsprechenden 
grössten Tiefen verschiedener Breitegrade überall da sich nahe kommt, 
wo keine von unten aufwirkenden vulkanischen Gewalten 
eigene Rechte sich schaffen, In der Gesammt - Masse des Was-, 
sers gleicht sieh nämlich die im Innern der Erde steigende Wärme, so 
weit sie allgemein von unten aufwirkt, so ebenmässig aus, dass sie, 
über vorstehende Frage nicht entscheidet. 

Die Temperatur des Meeres weckt also auf diese Art manche Zwei- 
fel, doch keineswegs unlösbare Räthsel. Das Schwierigste bleibt ihre 
Beziehung auf die Strom-Gänge, auf die Flüsse des Meeres. 


*) Pısanskx in seinen Bemerkungen über „die Ostsee" S. 9 behauptete, das Wasser 
derselben sey im Sommer kälter, als das Wasser anderer Meere, Dass sie im 
Winter oft erstarrte, habe ich in -meinem Ifalien. 1837, S. 8 schon erwähnt, 
Vgl. Carteav De CarLeviche, Gemälde der Ostsee, S. 135. 


287 


Je tiefer das Meer, desto näher liegt sein Boden wenig wärmeren Ge» 
stein-Massen des Innern. Über Untiefen verräth es die niediigsten Wärme- 
Grade. Diejenige Wärme, die es der geographischen Breite, nimmt, 
wie jene, die es der Jahreszeit dankt, nach unten natürlich ab. Was 
aber Acassız auf den Höhen des Festlandes in seiner Theorie der Fir- 
nen, übertrieb Prron in seiner Theorie der Meeres-Tiefen, indem er die 
Abgründe derselben mit ewigem Eise versorgt. Letzte Ausicht hat be- 
sonders G. BıscHor in geeignete Schranken gewiesen. Ihre Beschrän- 
kung liegt auch in den Hauptpunkten, die ich gegen Acassız’ im. Jahrb. 
1841 geltend machte. Sie liegt schon in der Genesis des Meeres, 
wie sie ebendaselbst (1541, 200, Note fl.) angedeutet wurde. Nur 
Weniges darf ich hier noch beifügen, auch nur vorübergehend an Bürron 
erinnern , der, in einer veralteten Vorstellung befangen, sich abmühte, 
die Behauptung zu vertheidigen, das Meer gefriere gar nicht. Peron’s 
Ansicht bildet in dieser bestimmten Sphäre nur das gleich unhaltbare 
andere Extrem. Die Wahrheit ist auch hier die Mitte, so wie sie diese 
Mitte ist, wenn man jener Ansichten gedenkt, welche unter dem Meere voa 
nichts als von Wirkungen eines sogenannten Zentral-Feuers sprechen. 

Gänzlich erstarrt selbst das Polar - Meer nirgends. Auch in der 
Bafinsbai fanden mitten im Eise Ross, Parry und Sızıne den Meer- 
Grund nicht gefroren. Bei einer Erkaltung von — 4° R. mehr oder 
weniger ”) scheidet das Wasser im Frieren das Salz aus und steigt 
erstarrt nach oben als Eis: eine Quasi-Felsart schwimmender Inseln **); 
Nur wenige hochnördliche Küsten, wie in der Eschholzbai, zeigen in noch 
ungemessener Tiefe Eis, wie das Sibirische Festland ***). Wie weit 
aber dieses Eis ins Innere vielleicht des Meeres sich erstrecke, ist zwei- 
felhaft und, soweit sie bis jetzt bekannt, bedeutet diese Erscheinung im 
Norden wohl nicht mehr als im kleinen Maase. die Eis-Bildung im wenig 
tiefen See-Grunde nahe der Eld-Mündung, welche, aufsteigend, ver- 
sunkene und vereiste Ketten u. s. w. vom Boden mit emportrug. Wärme 
theilt von unten, nach mehrseitigen Beobachtungen, selten die Erde dem 
Wasser mit f). Die Wärme-Verbältnisse der Flüsse sind mit denen 
des Meeres nieht geradeweg auf Fine Linie zu stellen, wenn sie gleich 
im Kleinen nahezu sich entsprechen ff). Nicht dureh Grund-Eis erstarrt 


*) GinBEeRT’s Ann. Ph. B. 57, S. 144 ff. : 

**) CHR. Karp im Jahrb. 1841, 214 ff., 228 mit Bezug auf Schichten-Bildung, 
für welche zugleich die Würdigung vulkanischer Linien, wovon weiter 
unten nicht olıne Bedeutung ist, wie a. a. . gleichfalls gezeigt wurde. 

*%**) Hertha 1836, S. 162. 

7) Vgl. z.B. Journ. de Phys. T. 62, S. 443. 

it) Hertha 1836, S. 16% ff. Die sogenannte Ausstrahlung der Wärme des Bodens 
‚ist durch Kälte von oben, durch Kälte der Luft vermittelt. Wie weit diese in 
Meeres Tiefen eingreifen, und in welchem Maase sie da fortwirken können, ist 
eine.andere Frage. Die ganze Lehre der Ausstrahlung erliegt, gleich der der 
Leitung (worüber ich im Jahrb. 1841, 226 sprach), noch vielen Zweifeln und 
häufig sind beide Worte nicht mehr als dürftige Nothbehelfe nicht erklärter, 
nur weiter hinausgeschobener Räthsel. Die sogenannte Ausstrahlung musste 
sehon zu allem Möglichen herhalten. 


19 * 


258 


die Oberfläche des tiefen Meeres, wie die Oberfläche der Flüsse von 
bestimmter Tiefe und unter den bestehenden Verhältnissen und Ge- 
setzen gestattet die Natur weder des Eises, noch des Meeres als solche, 
dass die ganze Masse des letzten, wo es am tiefsten, völlig vom Boden 
auf erstarre. Ein neuer Beleg dafür liegt vielleicht selbst in den Ge- 
setzen der Schiehtung. Darauf deutete ich. in Ihrem Jahrbuch 71841, 
210 ff., besonders S. 215 schon apagogiseh, und mit Bezug auf die 
Schichtung schon darum, weil auch wahre Schichtung nie blose 
Erstarrung, sog. Schichtung des Eises aber nur untergeordnete, ab- 
hängige, keine reine ursprüngliche, keine simultane Bildung ist. Wenn 
die Wasserfläche völlig ruhig, die Luft sehr trocken ist, dann bildet 
sich auch auf dem Meere, nicht bloss auf See’n *) bei unerheblicher 
Kälte Eis auf der Oberfläche, welches man vergebens für aufgestiegenes 
Grund -Eis erklären wollte, Bei 0°5 und bei 222 C. beobachtete Sco- 
RESBY ””) diese.Erscheinung bei heiterer Nacht im Polar-Meer. Ebenso 
Ross u. A. Die gegenseitigen Verhältuisse erstarrender Gewässer zei- 
gen aber noch weit grössere Manchfaltigkeit: während z. B. seichte 
Teiche und Flüsse unter dem Einflass der Soune wärner als tiefe sind, 
‚verwindern, wie gesagt, Untiefen und Nähe des Landes die Temperatur 
des Meeres oft so sehr, dass unter gewissen, noch nicht vollständig 
erprüften Verhältnissen nach v. Humeoror selbst das Thermometer die 
Annäherung entlegener Küsten warsend vorauskündet ”"*). Das Anschla- 
gen kalter Wellen von unten treibt, aufbrandend, die wärmere Wasser- 
-Schieht der Unutiefen nach Muncks u. A. wieder ab. Nicht in jedem 
‚Bezuge von unten und von der Erde, sondern zunächst von oben, zu- 
nächst von der Atmosphäre, geht bis zu gewissem Grade die Erkältung 
‚wie Erwärmung auch des Meeres aus, dessen Boden eisfrei ist oder 
.eıkaltend das Eis nach oben sendet. Die Eide aber, welche F) dem 
Wasser wenig Wärme‘ mittheilt, leitet schlechter noch als Wasser 
die Wärme T}). Die geringe Fähigkeit der Leitung, die grosse Auf- 
“nahme der Wärme, welche dem Wasser zukommt, verursacht, dass die 
Temperatur, die es durch Luft und Sonne gewinnt, langsamer, als die 
der Luft, sich ändert. Unter den Tiefen, deren Wärme-Grad von der 
Jahreszeit abhängt TFF), bestimmt noch das Klima eine konstantere 
Temperatur, von welcher so eben die Rede war. Je grösser die Wasser- 
Masse in Verhältniss der Oberfläche ist, auf welche die Kälte wirkt, 
desto leichter beginnt die Ausscheidung des Salzes, mit dieser das 
theilweise Gefrieren *T). Nach Scorezsgr bilden sich daher auch 


*) Nachträglich : wie den 16. März 1SAl am Bodensee. 
**) Tagebuch einer Reise auf den Wallfischfang ete. (übers. von Krırs, Hamburg 
1825, 8. S. 249, 298). 
**+*) GILBERT a. a. 0. Bd. 7, S. 343. 
+) Journ. de Phys. a. a. O. (62, S. 443). 
++), Giusert a. a. 0. Bd. 63, S. 277. 
+++) A. v. Hemrouor, Reise etc.. übers. I, 347 ff. 
*-;) GiLBerT Bd, 62, S. 1 ff. 


289 

auf oflenem Meere, selbst wenn es bewegt ist, Eis-Krystalle. Ufer, 
Buchten u. s. w. begünstigen natürlich die Eis Bildung. In der Duris- 
Strasse traf man Eis- Berge mit Flächen von 5 — 6 Quadrat-Sremeilen, 
150' hoch, dabei noch 90— 100 Faden ®) tief, also über 2000 Mill. 
Tonnen schwer. Das nördliche Polar-Eis haben vorzüglich Hupson, 
Davis, Barrın, Errıs, Frosiısuer, MippLeron, ScorEspyY, Ross, Parry, 
Fıscher, FrRanKLin, WaANGEL, v. AnJou etc., das südliche Coox, WEDDEL, 
Forster, D. p’ÜrvııLe u. A. untersucht. Letztes dringt selten über 42 oder 
43° s. Br. vor, Doch z. B. 1780 schwamm es weiter und im April 1828, 
doch nur als Treibeis bis zum 350 s.B. und 18° 6. L.*). In diesem 
Wandel liegt etwas Periodisches, wenigstens ein Abnehmen 
und Zuuehmen *”"). Nach Beobachtungen in der Nähe des Kap scheint 
im Sommer 1839 auf 1840 die südpolarische Eis-Welt eine grosse 
Bewegung erfabren zu haben, welche für die Unternehmung des 
Kapitän Ross von Bedeutung werden kann. Am 15. Okt. 1840 traf 
nämlich Kapitän Courroiıs südlich von der Nadelbank unter 36% 3' 
s. Br. und 239 39° L. von Paris eine Eis-Masse von 2—3 See-Meilen 
Länge, die er für eine neue Insel hielt, und in ungefähr derselben 
Breite trafen auch zwei andere Schiffe damals auf bedeutende Eis- 
Massen }). Die Lösung solcher Massen hatte vielleicht schon im Januar 
1840 die doppelte Entdeckung des Süd- Australischen Festlandes er- 
leichtert, deren ich im Jahrb. 1840, 569 gedachte. Ross steuert unter 
wichtigeu Verhältnissen (1840) nach diesem Süden. 


Wie übrigens bei steigender Wärme das Eis schmilzt, so bricht 
es bei übermäsig steigender Kälte. Auf der Oberfläche des Meeres 
gibt es daher eine Kälte, welche selber Feind des Eises wird. 
Mehrere Jahre zu Boothia Felix verweilend,, beobachtete, wenn die 
Temperatur unter 18° C. sank, Ross das furchtbare Krachen zersprin- 
gender Eis Berge. Als hätten Erdbeben gewüthet, so stürzten durch 
Kälte diese eisigen Felsen in Trümmer. Welchen Stand die Kälte auch 
halte, eine schleehthin zusammenhängende Eis-Decke der 
ebbenden und wogenden See ins Unermessliche ist unmög- 
lich, wenn man auch an wärmere, vom Boden aufquellende 
Wasser nur da, und bis jetzt auch da nur fragend, erinnern mag, 
wo in Mitte unabsehbarer Eis-Flächen, beständig auf freien Strecken, 
bleibende Polinjen sich finden, wie jene, die noch ungemessen 
an der Nordwest-Küste von Kotelnoy nach SO. mindestens 270 geogr. 
Meilen hinziebt, bisher immer offen getroffen wurde und deutliche 
Strömung zeigte. Andere Polinjen wechseln in gegenseitigen Ver- 
hältnissen. Diese anschauliche Verbindung wechselnder Öffnung 


*) Der Niederländer EGEDE Sarevn (Bruchstücke eines Tagebuchs in Grönland 
1770—1778, übers. von Frıes, Hamburg 1817) will in dem Isefjord 200—309 Faden 
im Wasser gehende Eisberge gesehen haben. 
**) PossGExporrr’s Annal. 18, S. 625 (Horsbrouch). 
*%**) Jahrb. 1841, II, 216-219, 229, mit Hertha 1836, S. 16?—-166. 
+) Nachträglich aus dem Bulletin de la Societe de Geographie, Januar 1841. 


290 


golcher.Striche mag sich durch die. bezeichnete Unmöglichkeit einer 
schlechthin zusammenhängenden Meeres-Decke erklären. Die Thatsache 
aber, dass fast alle Polinjen von N.W. nach S.O. streichen, lässt sich 
dureh Küsten-Verhältnisse allein nicht aufbellen. Selbst die Erinne- 
rung an Strömungen”) genügt, so weit bis jetzt die Untersuchungen 
reichen, nur zum Theil. 

Wenden wir uns der Hauptfrage wieder zu! Im Verlaufe der Un- 
tersuchung wird sich noch näher zeigen, dass wir in Würdigung ächter - 
Meeres-Ströme keineswegs ausschliessend auf der Oberfläche und 
bei atmospbärisehen Bedingungen verweilen dürfen. N 

Zwei Momente, scheint mir, sind da vorzüglich zu beachten: die 
Bedingungen nämlich , die vom Meeres-Grunde, und jene, die von 
oben her über die Natur der Strom-Gänge des Meeres entscheiden. 

a) Der gleichmäsige Wärme-Stand entsprechender Meeres-Tiefen 
unterliegt aber mächtigen Einwirkungen, die theils bleibende, theils 
vorübergehende Abweichungen desselben begründen. Unsere Frage 
entscheidet sich durch die beständigen, nicht durch die vorübergehenden 
Abweichungen. Letzte geben hier nur Wiuke zum besseren Verständ- 
niss der erstern. Stark abweichende Temperatur zeigt sieh aber in 
solchen Meeres-Tiefen nur, wo man Ursache hat, an die Wirksamkeit 
bestimmter Gewaiten, an mächtige Risse und Öffnungen, an vul- 
kanische Linien und Mündungen, Kratere und Halb-Kratere, 
nicht bloss au mächtige Thermen u. s. w. zu denken. Nur also um 
solche Gebiete oder nur von ihnen aus wird der tiefste Meeres- 
Grund heftige und anhaltende Bewegungen und Strömungen 
selbst veranlassen. Voruübergehende heftige Bewegungen kann er 
überall erfahren, wo er von vorübergehenden Erschütterungen ergriffen 
wird und diese sind nicht selten so gewaltsam, dass sie in ziemlichen 
Strecken des Meeres tiefste Wasser rings aufwühlen. Beispiele dieser 
Art sind bekannt, nieht bloss um Kamischatka und Lissabon ete. Schon 
die Alten führten mehre an. 

b) Rechnet man nun wie nothwendig zum Druck der Wasser- 
Masse die Verdichtung des Wassers in der Tiefe *”), lässt man diese, 
wie gering sie auch sey, nach Perkın’s u. A. in arithmetischem Fort- 
schritte zunehmen, so würde nach bekanntem Überschlage das Gewicht 
einer 12.000 Fuss hohen, einen Quadrat-Schuh haltenden Wasser-Säule 
nahezu eine Million Pfund betragen (Ausl. 2840, Nr. 279). In solcher, 
so beschaffener Tiefe, unter der Last solch. n Druckes scheinen da- 
her — nur unter besondern Verhältnissen Meeres - Strömungen denk- 
bar. Was aber bedeutet eine Million Pfund, wenn man die Grösse sich 


“) Im Grönlündischen Meere und in der Baffinsbai strömt das Eis nach ScorEssY 
und Ross gesetzmäsig von N.O. nach S.W. Das Sibirische Meer zeigt nach 
Wnasges und v. Ansou weit grössere, dem Sibirischen Festland -ähnliche Eis- 
Flächen, deren im Sommer offene Stellen an Küsten voll Treibeis und Eisberge 
sind u. s. w. 

#*) Selbst abgesehen davon, dass die Schwere und Dichtigkeit des Seewassers nicht 
überall gleich ist, worüber im folgenden Abschnitt. 


291 


fortpflanzender Kraft, der es weder an Zeit, noch an anhaltender 
Wirkung fehlt, bei der geringen sog. Kompressibilität des Wassers 
würdigt. Eigentliche Meeres-Flüsse sind aber ganz andere Erscheinun- 
gen, als die flüchtigen Bewegungen oberflächlich verschwindender Wel- 
len *), wenn man sie gleich häufig nicht viel anders ansieht und oft zu 
ausschliessend nur des Druckes in der Tiefe des Meeres gedenkt, die 
im Allgemeinen allerdings von grosser Bedeutung ist. 

Unter dem 57° s. Br. und 85° 7’ 6. L. von Paris z. B. fanden 
die Offiziere des Schiffes Venus bei 3470 Yards (oder 4 Kilometer), an 
einer andern Stelle selbst bei 4110 Yards keinen Grund, Die Sonde 
wieder herauszuziehen, brauchten, nach dem Echo du Monde Savunt 
vom .6. Januar 1841, 50 Matrosen zwei Stunden. . Im Polar-Meere fand 
Scoresgy in einer Tiefe von 7600 F. keinen Boden. Die am wenigsten 
tiefen Meere sind die Eurnpäischen: ein Verhältniss, was den Höhen 
der Berge entspricht, 


Allgemeine Aufschlüsse über unsere Frage geben die Gesetze der 
Wasser-Bewegung überhaupt, wie die Untersuchuugen gewisser Land- 
Ströme, z.B. des Ganges und des Amazunen-Stromes, dessen Fluthen nach 
SABınE ”*) bis auf 300 See-Meilen im Meere noch kenntlich sind, beide 
zeigen, dass sowohl bei fallenden, ais waagerecht fortstreichendem Wasser 
die Schnelligkeit der Bewegung in bestimmten Verhältnisse nach unten 
abnimmt, dass unter gewöhnlichen Verbältnissen die tiefsten Flüsse 
auf dem Grunde minder schnell als oben, nichtsdestoweni- 
ger aber machtvoll sich fortbewegen. Namentlich ist der Einfluss 
des atmosphärischen Druckes auf die Beweguug des Wassers und dessen 
Verdichtungs-Fähigkeit äusserst unerheblich, Nach mehrseitigen Berech- 
nungen beträgt für den Druck von 100 Atmosphären die Kompression 
des Wassers nicht voll ein halbes Hundertstel des Volumens ***). Neuere 
Beobachtungen des Laufes bestimmter Flüsse durch See’n, 
ihres Einsinkens uud Wiederaufsteigens, im Grossen die Beobachtungen 
anhaltender Meeres- Stürme, die Aufwühlung des Meeres- Grundes, 
daher wohl auch des Sandes bei der Dünen-Bildung, geben weitere 
Belege 7). Die Ansicht Kanr’s u. A. von der ruhevollen Tiefe des 
Meeres unter Stürmen hat unverkennbare Rechte, beschränkt sich aber 
auf mehr oder minder flüchtige, wenn auch mächtige ‚Stürme, Die 
Verbreitung der Bewegung nach der Tiefe zu lässt sich nach 


”) Vergl. im folgenden Abschnitt die Bemerkungen über die Fluthwellen und 
über die sog. Fortschaffungs-Welle (transaction wave). 

=) Account of Experiments ete., S. 447. 

»===) Vergl. z. B. G. W. Munckze’s Handb, etc. T, 1829, S. 171 fl. 

+) Gelegentlich zu bemerken, will man auch an den Küsten der Brelag'ie ausser 
den mächtigen Ansätzem von Sand und Schlamm allmähliche Land - Erhebung 
beobachtet haben. Nach dem Preton von Nuntes soll unter Anderem ein Felsen- 
Riff bei Marennes augenscheinlich, doch ruhevoll über dem Meeres-Spiegel im- 
mer mehr und mehr aufsteigen. Hier genügt es, zu beachten, dass auch die 
Dünen-Bildungen nicht inımer auf einseitige Weise zu erklären sind. Über 
jene Hebungs-Linien aber vergl. Jahrb. 1836, 573 ff., mit 1840, 564 ff, 


dem Maase der Zeit ermitteln. An Zeit: aber fehlt es nicht, wenn 
man die Geschichte, an Kraft nicht, wenn man die Natur der 
Meeres-Ströme betrachtet. 


c) Dennoch gibt es Erscheinungen, welche, auch solcher Überschläge 


zu spotten, den Berechnungen, die auf die Faktoren ausschliessender 
. Mittheilung der Bewegung von oben sich gründen, zu trotzen, auf 
Seiten der Last, will man offen seyn , einen Überschuss zu verrathen 
drohen, der in der Rechnung nicht rein aufgeht. Wie gross auch — 
nur etwas zu erwähnen! — die Zeit genommen werden mag, um die 
Bewegung aller Meeres- Ströme nur von oben nach unten dringen zu 
lassen, — diese Art der Fortpflanzung würde den Strom - Gang in der 
Tiete nicht bloss in demselben Maase jünger erscheinen lassen, als 
den oberen. Sie würde auch auf schwerer lösbare Widersprüche- des 
Reliefs der Boden - Gebirge mit dem Zug der Strömung auf der Ober- 
fläche stossen. Der Lauf z. B. des Golfstroms müsste dann eine gar 
zu wandelbare Geschichte haben, bis er sich gehörig eingerichtet 
hätte. Selbst durch jene Art der Fortpflanzung müssten nämlich die 
Verhältnisse der Tiefe allmählich auf die oberen rückwirken. Die Sache 
aber ist ernsthafter! — 


Nur plutonische oder diesen verwandte Erd-Gewalten 


könnenmit solchen, mit den grösstenLastenleichtes und wil- 
des Spieltreiben. In unerschütterten und von keiner vulka- 
nischen Spalte durchsetzten Tiefen lässt schon das Gewicht 
der Meeres-Masse nicht bloss wilde, sondern selbst wage- 
rechte oder wahre Längen-Strömungen nur unter mehrsei- 
tig bestimmten Bedingungen zu. Aufdringende Erwär- 
mung aus plutonisch zerrissenen oder nez sich aufschlies- 
senden Schaechten wirkt aber das ihrige auf eigene Art und 
vermag, wo sie anhaltend, bleibende, wo sie sturmvoll, 
plötzliche Bewegungen zu begründen. Nicht bier ist es am 
Orte, auch nur die Grund - Bestimmungen der erwäbnten Bedingungen 
vollständig und ausführlich anzugeben. So weit sie hieher gehören, 
liegen sie schon im Obigen und in dem, was noch folgen soll, sowohl 
über atmosphärische Bedingungen, als über das Relief. des Mee- 


res-Bodens. Hier reihen sich vorerst wenige Neben - Bemerkungen 


an. Selbst Dämpfe nämlich und mächtige Thermen. der Tiefe ver- 
mitteln, unter vielseitigen Beziehungen die höhere Temperatur der 
unteren sogenannten Schichten des Meeres ”), wie zum Theil in klei- 
nem Maase die Wutb plutonischer Ausbrüche, der anhaltende Qualm au ge- 
wissen Punkten immer gährender, an anderen oft nur scheinbar unterbro- 
chener, in überdeckter Tiefe fortstreichender Risse der Erd-Rinde des 
Festlandes den Boden und die umgebende Luft weithin erwärmt. So 
ist — um eine neue Beobachtung zu erwähnen — nach Moorcrorr der 
Boden von Kaschmir, der früher zum Theil See war, reich an heissen 


P- 


”, Hertha 1836, S. 191 ff. mit 186 ff. 


295 


Quellen und von Erdbeben häufig heimgesucht, an vielen Stellen wär- 
mer, als zu gewissen Zeiten die Atmosphäre. So danken in der 
Fortsetzung dieser Linien *) ganze Strecken, selbst des südwest- 
lichen Europa’s, ungewöhnlich mildere Temperatur, schon nach älte- 
ren Beobachtungen und Ansichten, unterirdischen Einflüssen. Man 
kennt im Meere Striche, wo das Maas der Wärme einen 
Überschuss zeigt, der durch das Maas atmosphärischer Wir- 
kungen allein so wenig erklärt wird, als die bestimmte Be- 
gränzung der Meeres-Ströme und als die' Bewegung des 
Meeres da, wo die Last des Meeres der Berechnung zu spol- 
ten drobt, wenn das Relief seines Bodens und die sich selber gleiche 
Geschichte soleher Ströme, so weit bestehenden Ansichten gerade der 
anders Denkenden zu trauen ist, nicht ausser Anschlag gelassen wird. 

Erscheinungen vorhin berührter Art kannten, wie bemerkt, schon 
die Alten. Nicht durch die Wucht, sagt Senecı **), des überfluthen- 
den Wassers erlöschend, noch durch die Last seiner ungeheuern Masse 
gebändigt, wisse das Feuer der Tiefe Ausgänge sich zu bahnen. Auch. 
untermeerische Ströme blieben ihrer Beobachtung nicht fremd *"*), 
Als schamios, wie heute, Neid und Feigheit der Priester und Sophisten 
den grössten Denker alter Zeiten, nach dem Tode ArrxınDers, den 
ARISTOTELES nach Chalkis trieb, da wussten selbst schwache Köpfe viel 
zu reden, mit welch forschendem Blicke der Weise, der allein 
—. mehr wog, als damals sein ganzes gesunkenes Volk und alle Prie- 
ster der Welt, — den Meeres - Bewegungen des Buripos bei 
Euböa (Negroponte) nachsann. Wem wären die Ahnungen der Stoi- 
ker über die Wunder des Meeres, die Worte des ArısroTELEs, SALLUST, 
PLinıus, StraBo, Senecah, Meta, wie des Homer, Luckez, Vircit, 
Ovıp u. A. über die Charybdis, wem selbst die Mythen verschiede- 
ner Völker, zumal der Griechen unbekannt, jene, die auch in Sizilien 
spielen, wie des ArLrnueus Liebe in Elis zur ArEtuusa, die, unter 
dem Meere fort, — auf die Insel Ortygia bei Syrakus floh? — die 
Bitten Orıons an Poseidon und die Mythen, die um Lrmnos, Cntos, 
Devos }) alle Wunder des Meeres, wie die Giganten-Kämpfe die Wunder 


*) Diese Fortsetzung vulkanischer Züge Euwropa’s nach dem Orient ist 
nachgewiesen in CHr. Kapp’s Italien, Berlin bei Reımer 1837, z. B. S. 60 ff. 
und 671. Auch Jahrb. 1835, 573 ff. 1810, 564 ff. und Hertha 1836, S. 144 ff., 200 ff. 

**) Seneca Nat. Quaest. Il, 26 Nee eztizctum iguem mari superfuso, nec impetum 
ejus gruvitate ingentis undae prohibitum exire etc. Jahrb. 1840, 565. 
***) 7. B. Seneca Nat. Quaest. III, 26. Pomron. Meıa I, 9, $. 4. lin. 54 ete. Vgl. 
Jahrb. 1841, 213. 

+) Frühe schon, sagt z. B. Primus (H. N. Il, 87, 88 ed. Harduin. 1. p. 114), seyen 
Delos und Rhodos, später Anaphe, Neu, Halone, dann (Olymp. 135, 4, d.i. 
237 v. Chr.) Thera und Therasia, 130 Jahre darauf Hiera« (dutomate) , ferner 
Thia und viele andere Eilande, die er sämmtlich erwälnt, auch Italienische, 
aufgestiegen. B. IV, 12 spricht er wiederholt von Thera (Santorin) und Thera- 
sia (Tiresia). Letzte Insel ist jene, deren Eutstehung auch Sereca a. a. O. Nat. 
Quaest. II, 26 und Vl, 21 nach älteren Berichten beschrieben. Vgl. Philosophi- 
cal Transactions abriged Vol. VI, 21, p. 154. Die Gegenseite zu diesen Krschei- | 
nungen bilden zum Theil die schwimmenden Inseln, die den Alten, wie ich 


294 


des Landes berühren, ohne doch in solchen Anklängen ihres Inhalts 
Tiefe auszuathmen! ve 

Auf der Insel Kephalonia sieht man Seewasser-Ströme landeinwärts 
fliessen. Sie verlieren sich ins Unergründliche. In Dünste mag in 
der Tiefe dieses Wasser sich lösen, dadurch nach STrIickLAnD in ver- 
schiedenen Gegenden Griechenlands zahlreiche Thermen, nach Brown 
im Kleinen die häufigen Erdbeben des aufsteigendes Gebietes mitbedingen 
(Jahrb. 1840, 386 ff. mit 1838, 698). Den Meeres-Strömen, die in Austra- 
lien landeinwärts fliessen, lassen sie eher nicht bestimmt sich vergleichen, 
ehe man letzte genauer ins Innere verfolgt hat. In manchen Gegenden dro- 
hen Quellen durch Land-Erhebung zu versiegen. Nicht bloss Thermen und 
andere Mineral-Brunnen, wie im sturmreiehen Adria-Meer,, wovon 
ieh in meinem Italien (Vorl. III) sprach, aueh sog. kalte und Süsswasser- 
Quellen sieht man oft weit vom Lande senkrecht und mit Macht 
aus tiefem Meere steigen, gleich artesischen Brunnen, z. B. im Indischen 
Ozean mehr als 18 deutsche Meilen von der nächsten Küste aufsprudeln. 
Die zahlreichen Süsswasser-Quellen in der südlichen Spitze des Persi- 
schen Golfs, wo er in den Indischen Ozean mündet, nahe den kleinen 
Eilanden Ara und Bachtrain, sind bekannt. Der Indische Ozean schon 
allein lässt ein ganzes System von Streichungs - Linien 
untermeerischer Spalten verschiedener Gebirgs-Züge er- 
rathen, wenn man auch nur die sprechendsten Thatsachen zusammen- 
stelit, die ich zu gelegener Zeit Ihnen vorlegen kann. Schon in der 
Hertha 1836 und im Jahrb. 7840, 564 ff. habe ich Manches angedeutet 
über den Zusammenhang dieser Streichungs-Linien mit ge- 
wissen Meeres-Bewegungen und Strömen, 

Doch ich eile, diese Neben-Bemerkungen abzubrechen und erinnere 
nur an den heissen Fluss des Meeres an Afrika’s Südost-Küste; an den 
Meer-Strom bei Sumatra da, wo der Indische Ozean durch untergeord- 
nete Busen dem Stillen sich verbindet; an den wechselnden Strom-Gang 
zwischen den Maldiven, au das stürmische Meer im N.O. von Sumatra 
nach den Nikobar-Inseln, an das ruhigere gegen S.O. zwischen Sumatra 
und Neu - Guinea und ähnliche Thatsachen, deren Fülle Klarheit gibt. 
Jene im Golfstrom unterirdisch aufwirkende Wärme in der Gegend der 
Antillen ; die allmäbliche auf der Oberfläche und bis zu gewissen Tiefen 
untersuchte Verminderung der Temperatur dieses Stroms nach oben, unter 
manchen zum Theil entsprechenden Räthseln selbst seiner 
Geschwindigkeit; die Thatsache, dass diese veränderte Temperatur 
gleichwohl in einer Entfernung von mehr als 1000 See-Meilen, nämlich 
in der Gegend 'der grossen Bank von Neufundland noch 210° — 22° C. 
zeigt, wo die Oberfläche des eigentlichen Meeres nur 9°—10° C. hat; 
die Verhältnisse dieses Stromes im vulkanischen Gebiete der Azoren, 
welches auch in der Hertha hervorgehoben ist; die bekannte, wenn 


im Jahrb. 1840, 230 gezeigt habe, gleichfalls bekannt waren, Über die Ansichten 
der Alten von vulkanischen Eilanden vgl. z. B. auch die Erklärer zu Horat. 
J, Od. 11, 4 fi. zu Meıa 11, 7, 174 etc. Vgl. im Folg. S. 757 ff. 


295 


gleich veränderliche , doch ungewöhnlich hohe Meeres-Wärme , ‘welche 
Sasıne *) zwischen den 330—38° , selbst bis zum 44° n. Br. und zwi- 
schen dem 10°—16° w. L. von Greenwich traf; die hohe, d. h. die ihre 
Breitegrade übertreffende Temperatur der vom Gulfstrom bestrichenen 
Küsten Enylands, Irlands, der Hebriden und Norwegens, denen aller- 
dings von Amerikanischen Küsten auch Baunstämme etc. zugeflösst 
werden; die Strömung bis Nova - Zembla und Spitzbergen, die sich 
zuletzt, statt zu versinken, in die allgemeine Strömung des Sibiri- 
schen Polar-Meers verliert, welche an Spitzbergen hin bis nach Labdra- 
dor etc. zieht; die schon in der Hertha aufgezeigte Unmöglichkeit ge- 
nügender Erklärung des Golfstroms aus der allgemeinen westli- 
chen Strömung des (Ozeans und des dazu gehörigen Äguinoktial- 
Stroms; diese und andere und noch viele Verhältnisse zahlreicher an- 
derer Meeres- Ströme, geben, wenn nach den gewöhnlichen, meist nur 
atmosphärisch behandelten Erklärungen gedeutet, kein klares Gesammitbild, 
auf welchem der Blick des Naturforschers befriedigt ruhen könnte, vie- 
ler Erscheinungen gar nicht zu gedenken, z. B. der leichter erkläıten 
hohen Temperatur des Ägninoktial- Stroms bei der Insel Ascension, 
wo er nach Sısıne 25° 56’ C. hat, nachdem er vorher nur 23° C. hatte, 
und zwischen Trinidad und Jamaica, wo er fast durchaus 28° C, 
zeigt. — Auch Parror’s u. A. Bemerkungen, die ich schon oben berührte, 
will ich nicht wiederholen, wenn sie gleich zur Erklärung der erwähn- 
ten erossen Polinje südostwärts von Kotelnoy zum Theil auf wär- 
mere vom Boden aufsteigende Wasser zurückführen. 

Unentschiedene Vermuthungen solcher Art sind zwar stets beach- 
tenswerth, aber nur als Winke für genauere Forschung, 

Aus einer Tiefe von 80 — 100 Faden aus dem Golfstrom an der 
Amerikanischen Küste heraufgezogen, war das Bleiloth nach Horner **) 
noch so heiss, dass man es mit der Hand nicht berühren konnte, Auch 
bei den Kurilischen Inseln, ın der Diemens - Strasse, auch sonst im 
Atlantischen Ozean, vermutbete schon Horner ähnliche Stellen, wenn 
gleich z. B. die Rauchwolke,, die in letztem unter 2° 43° s. Br. und 
20° 35’ w. L., bei hellem Wetter sich zeigte, gleich vielen ähnlichen 
Erscheinungen, wohl nur vorübergehendes vulkanisches Aufbrausen vor- 
aussetzt, ungefähr wie, mehr auf der Obeifläche des Meers, die erhöhte 
Wärme, welche FrankLın unter dem 45° n. Br. nach dem Meerbusen 
von Biscaya hin beobachtete, nach SıBınE u. A. wohl nur Folge unge- 
wöhnlich starker Stürme war, welche das Wasser des Golfstroms die- 
sen Küsten näher führte. Jenes Aufbrausen indess und andere zahl- 
lose Ereignisse, die in verschiedenen Meeres - Gegenden häufig sich 
wiederholen, sind indess wahre Parallel- Phänomene aufsteigender 
Eilande und Erd- Erschütterungen, welche oft bestimmte 
Striche halten, worauf wir zurückkomnien werden. 


”) Account of Experiments £etc., S. 439. 
**) GisBenT's Annal, d. Phys. Bd. 63, 5. 276. 


296 


Lenz fand-im Atlantischen Ozean unter 45° 53° n. Br. und 15° 17° 
w. L., wegen der Nähe des Landes wohl weniger, als wegen des @oif- 
stroms ”), ungewöhnlich geringe Abnahme der Meeres- Wärme nach 
der Tiefe. Nahe dem Kap der guten Hoffnung traf FLinpers **) unter 
36° 36’ s. Br., die Temperatur der Meeres Oberfläche auf 17°,7 und in 
150 Faden Tiefe 17°,2. Unweit des Pics von Narrondam, der 2000’ 
aufsteigt, fand FınLayson "””) unter 139 24° n. Br. und. 94° 12° ö.L. 
von Greenwich das Meer in 280° Tiefe nur 1°,4 C. kälter, als an. der 
Oberfläche. Zwischen Grönland und Spitzbergen, vom. 76° n. Br. au 
zeigt. das Polarmeer in der Tiefe ausgezeichnete Wärme. Vom Meere 
bei Feuerlund, wie von Fırzroy’s u. A. Beobachtungen, sprachen wir 
vorhin. Örtlich wirkende vulkanische Mächte bilden unter den tieferen 
Meeres-Massen niederer Temperatur wärmere: Striche, ohne Zweifel 
häufiger, als sparsame Beobachtungen bis jetzt entdeckt haben, oft im 
grössten Maasstabe, wie sie z. B. im Golf von Bajä, nahe an den 
Thermen des Ufers im kleinsten Maase vorkommen, wenn man diese 
und ähnliche untergeordnete Erscheinungen damit vergleichen will, ohne 
doch über Porowıirscr’s Ansicht zu entscheiden, nach weicher die- 
‚allerdings starke, doch etwas übertriebene Verdunstung des sog. sinken; 
den — Miitelmeeres durch unterirdische Wärme verstärkt werden soll 7). 

Nicht unter dem Gleicher, sondern aus tieferen als atmospbärischen 
Gründen, unter kälteren Breitegraden zeigt die Tiefe, wie die Oberfläche 
des Meeres, in beiden Erdhälften die höchste Temperatur, in der nörd-- 
lichen, besonders zwischen dem 10. und 20. Breitegrade. Die höheren 
Breiten der südlichen Hälfte sind noch zu wenig untersucht. Im Nor- 
den des’ Allantischen Ozeans herrscheu zwischen 15° östl. und 15° w.- 
L. von Greenwich die denkwürdigsten Wärme-Verbältnisse der Tiefe; Sie 
sprechen um so lauter, seit man sie mit denen der Baffinsbai, die 
durch Ross, PArky und Sısıne bekannt 'sind, verglichen hat. Das Grön- 
ländische Meer ist nämlich zwischen jenen Länder - Graden, etwa vom 
75° der Br., an vielen Stellen in der Tiefe wärmer als dessen Spiegel, 
an anderen wenigstens nicht kälter, BEEcHEY, FıscHEr, SABINE, FRANKLIN, 
ScorEsgy haben diese Thatsachen ausser Zweifel gesetzt. Aus ScorEsey’s 
gründlichen Beobachtungen geht hervor, dass diese Wärme bestimmte 
Striche hält. Wenigstens hat er gezeigt, dass sie nieht bis unter 72° 
n. Br. und 19° w. L. reicht, indem er daselbst in 118 Faden Tiefe, 
5 Faden über dem Grunde, die Temperatur niebt nur tiefer als an der 
Oberfläche, sondern selbst unter der des gefrierenden Wassers fand. 
Schon in der Hertha habe ich in diesem Bezuge bemerkt, dass nach 
Scorzssy u. A. der Golfstrom den Nurwegischen Küsten entlang zum 
Nord-Kap, dann durch einen westlichen Strom nordwestwärts gewen- 
det, das Polar-Eis hindert, in die Nordsee zu treiben. Die Meeres- 


*) Munckr in GEHLER’s phys. Wörterb. VI, S. 1683. 
*=) Reise nach dem Austral-Lande, übers. Weimar 18316, S. 181. 
#=2) Voyage to Siam and Hui ete., S. 33. 
+) Popowirsen, Untersuchungen vom Meere, Frankf. und Leipzig, 1750. 4. Vgl. 
v. Horr Gesch, nat. Veränd. d. Erdoberfl. Ill, 278 ff. Zudem s. Jahrb. 1839, 450. 


297 

Wärme, die in der Nähe von Spitzbergen in 100—200 Faden Tiefe um 
6—7, höher als die der Oberfläche ist, erlaubt, gleich jener an der 
Amerikanischen Küste und an andern Stellen, nach meiner Ansicht, die 
Vermutlhung, dass ihre spezifische, ihre Haupt-Quelle grossentheils 
in der Tiefe zu suchen ist, ohne darum sonst die Mitwirkung der 
übrigen Bedingungen auszuschliessen. ScoreEsgy *) indess, der den 
Golfstrom den Norwegischen Küsten entlang auf der Oberfläche 
fluthen lässt, zog aus jener tiefen Meeres- Wärme in der Nähe von 
Spitzbergen den Schluss, der @olfstrom müsse sich dort in die Tiefe 
senken und zum Ufer-Strome werden: einen Schluss, der, was ScoRE:BY 
selber fand, in einigem Widerspruch mit bekannten hydrostatischen Ge- 
setzen steht. Der Irrthum ruht aber, scheint mir, hauptsächlich in der 
alten Voraussetzung, die sich an die Oberfläche hält, und nur auf 
dieser dem &olfstrom Wasser aus südlichen warmen Gegenden nach 
Norden führen lässt. Scoresgy war indess ein viel zu grossartiger 
Beobachter, als dass er dabei sich hätte beruhigen mögen. Eben so 
kühn als vorsichtig und mild in der Wissenschaft, wie im Leben, wagte 
er an der später bestimmter erprüften, vorber jedoch schon von Rum- 
ForD gegebenen Erklärung zu rütteln, dass der fragliche, dem süssen 
Wasser eigene Punkt der grössten Dichtigkeit bei dem Sceewasser 
nicht angetroffen werde. Er meinte, das Seewasser sey einige Grade 
über 0° C. am diehtesten. Daher führe der Golfstrom in der Tiefe 
Wasser aus südlichen warmen Regionen nach Spitzbergen hin. Die 
Thatsache ist aber einfach diese: unter 76° n. B. und etwa 10° ö.L., 
ist die Meeres- Tiefe kälter, als in ungefähr gleicher Länge unter 80° 
n. Br. Soll daher ein Strom warmes Wasser in der Tiefe dahin führen, 
so kann er nicht wohl in dem angegebenen Striche herströmen 
und kann zugleich in solcher Tiefe sein Wasser nur dann warm er- 
halten, wenn es auf seinem Wege unten dureh plutonische Spal- 
ten immer wieder, doch hier nur in der Art erwärmt wird, dass 
bei der Tiefe und Schnelligkeit des Stromes, die Mittheilung der Wärme 
nach oben mächtig und fortwährend gehemmt wird. Auf diese also 
und jede Weise wird man auf plutonische Spalten der un- 
termeerischen Tiefe gewiesen, welche stellenweise die be- 
stimmte Thätigkeit des Innern durchwirken lassen. Es fragt 
sich daher nur nach den Stellen, wo diese Spalten der Thätigkeit theils 
bleibend, theils vorübergehend, sich öffnen, nach dem tieferen Zusammen- 
hang dieser Striche und nach den Verhältnissen derselben zu den Ge- 
setzen strömender Meeres - Bewegungen. Darüber ‚werden mit der Zeit 
weitere Entdeckungen entscheiden und diese werden nicht aus- 
bleiben. Einfacher z. B. mag die Beobachtung sich erklären, dass 
die mittle Temperatur des Meeres nicht gerade unter dem Gleicher die 
höchste ist. Ernste Winke aber geben schon die Striche, in welchen 
neue Inseln aufgestiegen sind, wie Nye-Oe bei Island 1783, die jüngern 


*) An Account of the Arctic, Regions. T. I, S, 209, 


298 


Inseln unter den Azoren 1631, 1638 (von welchen schon Gassennı 
de vita Epicuri I, Vol. II, p. 15050 spricht) und 1720. Eben so viele 
Eilande des Griechischen Archipelagus; Santorin 237 v. Chr,, Aspronisi 
im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechuung, Megalo-Kameni 196, die 
Erhebung bei Hiera Anfang des achten Jahrhunderts, Mikri- Kameni 
1573, die neue Insel zwischen beiden 1707, 1708 und viele andere, wor- 
über schon die Alten (S. 294) ausführlicher sprachen, und jene meist jün- 
gern, deren ich im Jahrb. 1840, 568 gedachte. Die grossartige Erschei- 
nung des Versinkens uud Wiederaufsteigens solcher Eilande 
genau an derselben Stelle ist schon aus v. Humsorpr’s Reisen _ 
bekannt. Was ich über die Hebungs- und Senkungs - Livien jener 
oben bezeichneten und anderer Strecken im Jahrb. 1836, 573—577 und 
1840, 564 — 570 ausgesprochen, der Zusammenhang nämlich solcher 
selbst bleibender Erscheinungen mit der Hebung z. B. der Adriatischen 
Küsten ete., ferner Skandinaviens , der Senkung Grönlands und der 
Faröer u. s, w., mit denkwürdigen Verbältuissen in der Gegend der 
Hebriden, um Island u. s. w., lässt, wie gesagt, die Sache in einfachem 
Lichte erscheinen, in welchem zugleich die bedeutende Krümmung der 
isothermischen Linien, der Einfluss jener unterirdischen Erwär- 
mung auf die magnetischen Pole, wovon später, und zugleich der 
Gesammtblick auf die Geschichte der Erde freier wird. Auch hier 
aber musste ieh, schien mir, wie oben bei Erwähnung des Feuerländi- 
schen Neeres. darauf verweisen, weil man aus den angeführten That- 
sachen entnehmen kann, wie sehr auch in diesem Bezuge zu wünschen 
wäre, durch immer neue Beobachtungen bestimmter als aus den an- 
gegebenen möglich wird, die Frage, welche hier sich aufdrängt, der Be- 
antwortung zuzuführen, in welchen Verbältnissen nämlich be- 
stimmte hohe Wärmegrade der Meeres-Tiefe zu verschiede- 
nen Bewegungen des Meeres stehen; ob nicht da, wo keine 
obere Strömung, doeh aber hohe Temperatur der Meeres -Tiefe in 
gewisser Läugen-Ausdehnung sich zeigen sollte, irgend eine und wel- 
cherlei Bewegung in dieser Tiefe zu vermuthen, oder, was mit 
jetzigen Hülfsmitteln nur entfernt möglich ist, zu entdecken sey. Vul- 
kanische Spalten sind nirgends an allen Stellen, welche sie 
durchziehen, gleich offen und thätig, weder unter dem Meere, 
noch unter dem Festland. Die Thätigkeit aber, die an bestimmten Punkten 
derselben, an einigen immerwälhrend,, sich äussert, wirkt oft mächtig 
in ungemessene und noch unermessliche Fernen und wer 
möchte wohl so kühn seyn, z.B. jene mehralssied-heisse Stelle 
des Golfstroms bei Amerika für einen schlechthin vereinzel- 
ten Punkt, für einen solchen auszugeben, der keiner vulka- 
nischen Linie angehöre? ist sie doch im Lauf des Gulfstroms 
selbst keineswegs die einzige bis jetzt entdeckte Quelle 
seiner plutonischen Wärme, Und wie jung noch, wie arm und 
doch wie reich schon sind unsere Entdeckungen! Seelig, wem es ver- 
gönnt ist, neue und neuere zu wagen. 


299 


Nur schwache zwar und vereinzelte, doch darum nicht minder denk- 
würdige Erinnerungen an die höhere Temperatur des uralten 
Meeres, die”) wenigstens in den reiferen Ausbildungs - Perioden der 
Erde gleichfalls nicht überall völlig dieselbe war, — Erinnerungen, 
sagte ich , Periode mit Periode gemessen, an diese Zeiten gibt noch 
heute die Temperatur solcher Meeres-Flüsse, die, wie der Golfstrom, 
nach meiner Ansicht, an gewissen Punkten, selbst in weiten Strecken, 
vulkauischen Boden voraussetzen. Die Temperatur solcher Ströme ist 
aber weder überall, noch an allen Stellen nothwendig immer — sich 
gleich, und oben, bei bestimmter und bewegter Tiefe, keineswegs un- 
mittelbar gerade immer und allein da am höchsten, wo senkrecht 
hinab in der Tiefe jene mitwirkungsfähigen Spalten liegen **). Auf 
solche und ähnliche Art also, kann auch die Wärme von un- 
ten, nicht bloss die atmosphärische von oben, Bewegungen 
des Meers vermitteln, selbst, wo sie bleibend, anhaltende Strömun- 
gen wesentlich mit begünstigen, ihre Temperatur wesentlich mitbestimmen. 

Das Weitere ergibt sich dem Unterrichteten daraus. von selbst, 
Wir wollen hier die Frage nicht weiter ausdehnen auf die Herde, wo 
im Innern des Erdbalis die Wärme entschieden und bis zu solchem 
Grade steigt, dass alles dorthin eindringende Wasser schlechtweg in 
Dampf sich wandelt, wie unsere Thermen (Jahrb. 1840, 386 f.), 
selbst jene Art von Erd-Erschütterungen zeigen, welche von den Grie- 
chen dem Poszıvos zugeschrieben wurden (Jahrb. 1841, 200 f. mit 1840, 
386 ff.). Nach eben diesem Gotte würden, wie ich in der Hertha sagte, 
die Alten, wäre er im Kreise ihrer Erfahrung gelegen , auch den Golf- 
strom, diesen Pyriphlegethon- des Meeres, genanut haben, die 
Strasse nänlich Poszınons, wie sie die Milchstrasse, wie die alten 
Skandinavier den Regenbogen, Strasse der Götter naunten. 

Die anhaltende Erhöhung des Meeres -Bodens durch unablässige 
Niederschläge, die Verschlauwinung ungestörter Risse der Tiefe wird aber 
gegen die gegebene Ansicht Niemand einseitig geltend machen, der die 
Thätigkeit, zumal die anhaltende, gewisser Vulkane des Festlandes mit 
eigenem Auge beobachtet oder über die Gesebichte der Erd-Bildung , ja 
nur über unterseeische Ausbrüche sich unterrichtet hat. Oder sollten 
wir etwa an die Prämissen der Lehre Davry’s u. A. erinnern, welche 
die Erdbeben durch Einstürzen des Meeres in metallische Tiefen des 
Innern erklärt? 


Diese also und ähnliche Beziehungen lassen wir in vorliegender 
Betrachtung ruhen. Sie führen weit hinaus über den gegenwärtigen 
bestimmten Zustand der Dinge auf seine Veränderungen, auf seine 


*) Jahrb. 1841, 200 ff. 224 (mit 1834, 183 und 1840, 412). Dass übrigens plutonische 
Spalten unter dem Meere sowohl als unter trockener Erdoberfläche selbst für 
die Schichtung bedeutend sind, habe ich Jahrb. 1841, 200 ff. nachgewiesen. 

**) Vgl. Hertha 1836, S. 189. Unabhängig von der Hitze des Äquators gleicht sich 
natürlich die Temperatur des Golfstroms, da wo er am schnellsten geht, am 
schwersten mit der des umgebenden Ozeans aus. 


300 


‘Geschichte, sowohl in, als vor der heutigen Erd-Periode, und dadurch 
unabweisbar zuletzt auf alle Grund-Verhältnisse der feuer 
flüssigen Tiefe-zur starren, zur meerbedeckten, sowohl, 
als zur sog. trockenen Erd-Rinde; sie führen in die Geheimnisse 
der Hebungs- und Seukungs-Linien bestimmter Länder 
Strecken, und der Stadien ihrer Hebung, in die Räthsel des Zu- 
sammenhangs der tellurischen Veränderungen des Magnetismus, der 
nur im Starren sich gefällt, mit den Veränderungen an den tiefsten 
Gräuzen der Erd-Rinde, kurz auf alle jene Fragen, die ich im Jahrb. 
1840, 569 theils entwickelt, theils berührt habe und von denen keine 
ohne die andere befriedigend zu lösen ist, — auf jene Bestim- 
mungs-Gründe, die uns zuletzt durch Schlüsse, welche auf Schlüsse 
sich stützen, die auf Thatsachen ruhen, im Innersten der Erde die 
tiefste, darum unaufgeschlossene Einheit, die Lösung aller Wider- 
sprüche erkennen lassen, den Heerd, weil der höchsten tellurischeu 
Wärme, darum der höchsten Ausdehnung, und doch zugleich, wie 
von selbst sieh versteht, und mit derselben Bestimmtbeit, den 
Heerd der höchsten Schwere, der unmittelbarsten Sichselbst-Anziehung 
der Erde, die weder von Aussen anwäclhıst, noch irgend etwas von sich 
entweichen lässt, sondern in Allem sich selbst aus sich entwickelt im 
Welt-Systeme, dem sie gehört. Hier zeigt sich zumal und mit ei- 
nem Blicke jenes o0jJ100 des ArıstorELes , vielmehr jene wahre 
Simultaneität und Dialektik, welche schon die Alten im reinen Begritle 
wenigstens der apxı) einfacher, tiefer und allseitiger erkannten, als 
alle seitherigen und als die allermodernsteu Natur-Philosophen. Werden 
z. B. Gase als die einfachsten Stoffe vorgestellt, und iu so fern, doch 
in allseitigem Vereine, im Innersten der Erde angenommen , so gibt 
schon die Lehre ihrer sogenannten Erstarrung, die Chemie des Diamants, 
Graphits ete, Winke genug, wie in diesem Innern höchste Hitze und 
höchster Druck zugleich denkbar wird, doch nur Denen, welche be- 
greifen, dass und warum (Jahrb. 7841, 211) in solcher Tiefe keines- 
wegs an Krystallisation und dergleichen zu denken ist. Der Heerd 
vestalischer, nie entweichender Gluth, das heisse Reich des Gottes 
mit dem bildenden Hanımer der Schwere öffnet sich nur dem Blicke, 
der in der Fülle der Erfahrungen , welche dem Alterthum verborgen - 
‘blieb, mit arıstotelischer Schlusskraft jenes stetige Verhältniss zu 
durchdringen weiss, welches PrLaTon ”) Analogie nannte, Schlüsse 
aber der Analogie im aristotelischen Verstande, sind Schlüsse, in 
welchen die Einzelnheit nicht als Vielheit wie in der Induktion, son- 
dern als bestimmte Allgemeinheit, als Moment der Allheit die entschei- 
dende, die schlusskräftige Mitte, — eine Mitte ist, der nur mit allseiti- 
ger Vorsicht und Umsicht das richtende Urtheil sich nähern kann, 


*) Pıatom Timaros, S. 31 (27 ff). Vergl. CH. Kapp in Lüppe’s Ztschr, Vergl. . 
 Erdk. 1, I, 1842, S, 1—23. 
# * 


301 | 
eK‘ Heidelberg, 4. April 1842. 
Nachträglich die RR dass nach Niıcouinı u. A. der Spiegel 
des Mittelmeeres von 18235 — 1828 um 112 Millimeter gesunken seye, 
der Länder-Boden also in bestimmten Gebieten um so viel sich gehoben 
haben soll: eine Angabe, die jedoch schwer ausführbare Messungen 
voraussetzt. Die Hebung der Italienischen und Dalmatischen Küsten 
des sturmreichen Adriatischen Meeres, wie der Jonischen Inseln etc. 
(Jahrb. 1839, 450 ff.) betrifft die: bekannten Linien , die ich in meinem 
Italien, Berlin bei Reımer 1837, Vorles. III bezeichnet habe. Auf das 
Mittelmeer führt mich auch die längst SEBENLUBSENB Fortsetzung oben 
stehender Abhandlung. 


Cur. Karp. 


Frankfurt a. M., 11. Febr. 1812. 


In meinem Schreiben an Sie vom 23. Juni v. J. (Jahrb. 1841, 461) 
sprach ich die Vermutbung aus, dass es unter den fossilen Sauriern 
solche geben könnte, deren Zahn-Struktur jener analog beschaffen 
wäre, welche in den nach prismatischer Art gebauten Zähnen wahrge- 
nommen wird, und glaubte, dass die unter Mastodonsaurus begriffe- 
nen Thiere geeignet wären, einer solchen Abtheilung - anzugehören. 
Durch die fossilen Knochen, welche Hr. Professor Dr. Prienincer die 
Güte hatte aus der Trias Württembergs mir mitzutheilen, und deren 
genauere Darlegung in dessen Werk erfolgen wird, verwirklicht sich 
meine Ausicht immer mehr. Der Name Labyrinthodon, welchen 
Owen an die Stelle von Mastodonsaurus gesetzt wissen wollte, 
passt nun nicht mehr für ein einzelnes Genus; denn der Labyrintho- 
donten sind, wie ich [und Owen] gefunden, mehre, und unter diesem 
Namen liesse sich’ jetzt eine Familie oder gar eine Ordnung begreifen. 
Zu einer Klassifikation dieser eigenthümlichen Saurier bin ich bereits 
im Stande folgende Skizze zu liefern. 

Labyrinthodontes: Saurier, deren Zahn-Struktur jener ähnlich 
ist, welche in den nach prismatischer Art Be Säugethier -Zähnen 
wahrgenommen wird u. s. w. 

I. Mastodonsaurus Jäcer (Salamandroides Jäger, Ba- 
trachosaurus Fırzınger, Labyrinthodon Owen): Kopf nach vorn 
zugespitzt; Augen-Höhlen in der hintern Hälfte der Schädel- Länge an 
die Mitte derselben grenzend; die Augen-Höhlen in geringer gegensei- 
tiger Entfernung; Nasen -Löcher am vordern Ende der Schnautze (der 
Grad (der gegenseitigen Eutfernung der Nasenlurkten) so wie das Schei- 
tel-Loch sind noch nicht ermittelt) etc. 

1) M. Jaegeri H. v. Meyer, in der Letten-Kohle des Keupers von 
Gaildorf; Sammlungen zu Stuttgart etc. 

II. Capitosaurus Münster: Kopf nach vorn stumpf zugerundet; 
Augen-Höhlen in der ungefähren Mitte der hintern Hälfte der Schädel- 

Jahrgang 1842. 20 


302 


Länge, verhältnissmäsig etwas kleiner als bei I und weiter von einander 
entfernt; Nasen - Löcher am vordern Ende der Selmautze und . von 
Binder entfernt; Scheitel-Loch; etc. 

1) C. arenaceus Münsrt. "Kopf-Länge } 3 von L, 1; aus dem Ken- 
per von Benk in Franken; Sammlung zu Bayreuth. 

2) C. robustus H. v. Mer. Kopf-Länge % grösser als bei II, 1, 
‘oder etwas über 2 von I, 1; im Keuper-Sandstein von ae ee 
lung des Hrn. Sekretär Staur in Stutigart etc. 

If. Metopias H. v. Mer. Kopf nach vorn stumpf zugerundet; 
Augen-Höhlen in der vordern Hälfte der Schädel -Länge; die Augen- 
Höhlen weit von einander entfernt; Nasen - Löcher am vordern Ende 
der Schnautze und weit von einander entfernt; Scheitel-Loch; ete. 

1) M. diagnosticus H. v. Mer. Kopf-Länge ungefähr wie in 
IH, 1; im Keuper-Sandstein von Stuttgart; Sammlung der Zentral-Stelle 
des landwirthschaftl, Vereins in Stuttgart. i 

Zu derselben Abtheilung von Thieren gehört ferner der Odonto- 
saurus, von dem indess noch solche Theile fehlen, welche es möglich 
‚machen würden, ihn in ein Schema wie vorstehendes einzureihen. 

Es gehören vielleicht sämmtliche, bisher für Mastodonsaurus 
gehaltene Überreste aus dem Keuper-Sandstein von Stuttgart nicht diesem, 
sondern den andern Genera an; und es wäre nun auch nicht überflüssig 
nachzusehen, ob die Reste aus dem New-red-Sandstone von Warwick, 
Leamington und anderen Lokalitäten Englands wirklich von Mastodon- 
saurus, oder von welchem Genus sie herrühren. 2 

In dem Stuben - Sandstein der Keuper- Formation von Löwenstein 
in Württemberg liegt ein Saurus mit gewöhnlicherer Zahn - Struktur, 
dem ich wegen der Pfeil-förmigen Gestalt seiner Zähne den Namen 
Belodon Plieningeri gegeben habe. oje 

Der Simosaurus gehört nun auch Deutschland an, Die. aus 
Frankreich zur. Untersuchung erhaltenen Reste lehrten mich den Schä- 
del desselben bis auf das vordere Ende der Schnautze kennen, welches 
an allen diesen Exemplaren weggebrochen war. Oben erwähnte Sen- 
dung enthält einen von der Oberseite entblösten Schädel von Simosau- 
rus mit völlig erhaltenem vorderem Schnautzen-Ende aus dem ‚etwas 
dolomitischen gelblichen Muschelkalk-Gebilde der Gegend von Ludwiys- 
burg. Dieses Prachtstück, woran nur die Seiten-Flügel der Hinterhaupts- 
Gegend fehlen, ‚gehört Sr. Erlaucht dem Grafen Wırnzım von Wäürt- 
temberg. Nachdem nunmehr ‚das vordere Ende der Schnautze gekannt 
ist, so stellt sich in der allgemeinen Umriss-Form des Schädels auffal- 
lende Ähnlichkeit zwischen Simosaurus und dem viermal grössern. Ma- 
stodonsaurus heraus, und doch gibt es nicht leicht zwei Genera, welche 
im Übrigen so gänzlich von einander verschieden wären, als die eben 
genannten. Die mehr rundliche Form des Schnautzen-Endes in 'Simo- 
saurus fällt gegen die schmale gleichförmige Verlängerung, welche 
dieser Theil in Nothosaurus darstellt, wie ich erwartet hatte, hinlänglich 
auf; die vor den Nasen-Löchern liegende Strecke, welche in Nothosaurus 


303 


fast so Jang ist, als der Raum vom wvordern Nasenloch-Winkel bis zum 
hintern ‚Augenhöhlen- Winkel, misst in Simosaurus nur die Hälfte die- 
ser Strecke; in Simosaurus verhält sich die vor den Nasen - Löchern 
liegende Strecke zu der bis zur Hinterhaupts- Fläche reichenden Länge 
des Schädels wie 1.:5, in Nothosaurus wie 2:9, der Grund aber zu 
diesem nicht sehr auffallenden Unterschied liegt darin, dass in Notho- 
saurus der längern Schnautze durch die grössere Länge der bhiutern 
Schädel-Hälfte das Gleichgewicht gehalten wird. 

Der hinlänglich bekannte, dem Unteroolith angehörige Eisenoolith 
von Aalen in Württemberg umschliesst ein eigenes Genus von schmal- 
kieferigen Sauriern, dem ich den Namen Glaphyrorbynchus, und 
in der vorliegenden Form Gl. Aalensis gebe. Hr. Graf zu Münster 
hatte die Güte, mir einige Kiefer - Fragmente mitzutlieilen, woran ich 
die auffallenden Verschiedenheiten . erkannte, welche dieses Tbier von 
den andern Genera, deren Schädel in der äussern Umriss-Form Ähnlich- 
keit besitzt, auszeichnen; leichter wird dieser Saurus an den ovalen, 
schräggestellten Alveolen erkannt. 

Der dichte gelbe Jurakalk von Aulen umsehliesst ebenfalls einen 
neuen Saurus, der weit grösser, als der zuvor erwähnte ist. In Betreff 
seiner verweise ich auf das fünfte Heft der vom Hrn. Grafen zu Mün- 
STER herausgegebenen Beiträge zur Petrefakten-Kunde, worin ich einen 
Zahn von diesem Thier, das ich Brachytaenius perennis nenne, 
näher darlegen werde. 

In demselben Hefte der Beiträge: besehreibe ich auch den kürzlich 
im, lithographischen Kalkschiefer von Kelheim gefundenen Pterodac- 
tylus Meyeri Münsr.; es ist diess gegenwärtig das kleinste Thier 
aus. der merkwürdigen Abtheilung fliegender Saurier; sein Grössen- 
Verbältniss zu Pt. brevirostris, dem kleinsten vor seiner Entdeckung, 
berechnet sich wie 2:3, und zu P, grandis, dem grössten wie 1:13 
oder 14. An diesem Thierchen überzeugte ich mich von der Gegenwart 
eines Abdominalrippen-Apparats, :gleich. dem in den Sauriern; die Bauch- 
und 'Verbindungs-Rippen sind an ihm so fein wie Haare. 

„»ili Die vom Hrn. Grafen zu Münster im bereits erwähnten gelben 
-diehbten. Jurakalk von Aalen gefundenen ‚Überreste meines Krustazeen- 
Genus Prosopon wurden mir durch die Gefälligkeit ihres Besitzers 
zur Untersuchung mitgetheilt. Sie gehören dreien Spezies an; dem 
von ‚mir ‚bereits aus einem ähnlichen Kalke von Kelheim bekannt ge- 
maebten, Pr. rostratum ;und zweien‘ neuen. Arten, ‚welche ich Pr. 
spinosum,und Pr. marginatum ‚benannt habe. Die bei Aufstellung 
des Genus ‚ausgesprochene Vermuthung über eine Trennung desselben 
scheint.. durch Auffindung neuer Formen und vollständiger: Exemplare 
immer mehr sich zu bestätigen. So ergibt sich jetzt, dass Pr. rostra- 
tum und Pr. marginatum jeinander verwandter 'sind,, als den ‚übri-. 
gem ‚Spezies, ‚welche ihrerseits nähere gegenseitige Verwandtschaft 
zeigen. Für den Fall einer wirklicben Trennung schlage ich vor, die 
beiden ersten unter dem bezeichnenden Namen Pithonoton zusammen- 


20° 


304 


zufassen. Die Klassifikation soll zwar nicht vorgreifen, sie.:darf aber 
und muss sogar Hand in Hand mit der Erweiterung: der Entdeckungen 
gehen, um die Bezeichnung: der Formen mit hinlänglicher Schärfe vor- 
nehmen zu können. | 


Herm. v. Mevix. 


Tübingen, 15. Febr. 1842. 


Ich bin seit geraumer Zeit mit unsern Schwäbischen Formationen . 
beschäftigt, besonders mit dem Jura, und hoffe noch:im Laufe des Som- 
mers darüber ein kleines Werkchen zu Stande zu bringen. Es macht mir 
einige Mühe, weil’ich darin eine kurze Charakterisirung und das ge- 
naue Vorkommen der Petrefakte besonders zu berücksichtigen habe. 
Zu dem Behufe wurden die meisten Ammoniten-Spezies mit Farben an- 
gemalt, um die Loben um so sicherer hervorzuheben. Grosse Schwie- 
rigkeit machen die Bauch-Loben, doch ist es mir bei den meisten ge- 
Jungen, sie darzustellen. Die Kenntniss der Bauch-Seite der Ammoniten 
ist niebt ganz unwichtig. Zunächst finden wir immer in der Median- 
Linie des Bauches einen schmalen, aber sehr lang herabhängenden Lo: 
bus, den ich vorzugsweise unter dem Bauch-Lobus verstehe. Zwischen 
ihm und dem untern Seiten-Lobus heftet sich der Naht-Lobus an, des- 
sen äussere sichtbare Wand die sogenannten Hilfs- Loben bildet, und 
dessen innere durch die Involution verdeckte gewöhnlich der äussern 
gleicht: Nur bei ganz involuten Formen (A. Amaltheus, A. Mur- 
chisonae...) hat der Naht-Lobus keine Tiefe, sondern löset sich in 
eine Zahl von Hilfs-Loben auf, die in gerader Reihe stehen. Hingegen 
bei Planulaten, Coronaten ist der Naht-Lobus überaus tief. Demnach 
sind also der Rücken-Lobus, jederseits zwei Seiten-Loben und ein Bauch- 
Lobus als die sechs bekannten Haupt-Loben zu unterscheiden; zu ihnen 
kommt noch links und rechts ein Naht-Lobus, der durch die Naht- 
Linie ungefähr halbirt zwar eine grosse Breite hat, aber in’ den meisten 
Fällen nur als Hilfs-Lobus anzusehen ist. Nur bei einzelnen Familien 
wird er so gross, dass der zweite Seiten-Lobus gegen ihn verschwindend 
klein wird, wie diess L. v. Buch bei Planulaten und Coronaten ‘schon 
längst nachgewiesen hat. In Beziehung auf den Bauch-Lobus zerfallen 
die Ammoniten in zwei grosse Klassen. Bei der einen ist der Bauch- 
Lobus sehr synimetrisch und endigt in zwei markirte Spitzen (Arieten, 
Caprieornier, Dorsaten‘...), die wie am 'Rücken-Lobus durch 'einen 
ganz kleinen Satiel geschieden sind, bei der andern ist er mehr un 
symmetrisch und endigt nur in einer etwas schief stehenden Mr 
(Planulaten, Coronaten). 

Auch die Gervillien haben mir viel zu schaffen gemacht, doch 
gelingt es endlich, den Zusammenhang zwischen G. pernoides des 
Braunen Jura und dem Mytilus socialis des Muschelkalks in allen 
einzelnen Theilen nachzuweisen. Sie haben in Ihrer Lethäa Tf. 79, Fg. 13 b 


305 


zuerst hervorgehoben, dass nıan am Schlosse der Gervillia (linke grosse 
Klappe) die glatte Bandfläche mit queerliegenden Muskel-Furchen wohl 
von der innern Falten- Fläche unterscheiden müsse, die sich vorn zu 
einzelnen grössern Falten-Zähnen entwickelt. Ganz dasselbe zeigt der 
Mytilus. Aussen findet sich eine Band-Fläche mit sechs Muskel-Furchen 
(doch wechselt diese Zabl bei verschiedenen), von denen ich schon frü- 
her gesprochen habe; denn sie lassen sich überall auf Stein- Kernen 
leicht erkennen (selbst von Mytilus keratophagus hat es Dr. Geinıtz 
bewiesen). Allein dass auch innen sich eine wiewohl schmalere Falten- 
Fläche finde, sebe ich zum ersten Male auf einem verkieselten Exenı- 
plare aus dem obern Muschelkalk von Waiblingen, was einer meiner 
fleissigsten Zuhörer von dort entdeckt hat. Unter den Wirbeln ent- 
wickelt sich diese Falten-Fläche zu zwei ziemlich hoch hervorstehenden 
Zähnen, die ich auch schon längst von Steinkernen kenne. Von den 
Zähnen der G. pernoides zeichnen sie sich durch ihre Schärfe aus. 
Ich muss hier wiederholen, was ich schon früber behauptet habe, dass 
ich keine glatte Avicula kenue — sowohl im Jura als im Muschelkalke 
— [aber doch lebend], bei der man nicht Grund hätte, das Schloss, der 
Gervillia zu vermuthen. Die Unterschiede des Schlosses halte ich nicht 
für genügend, um beide in verschiedene Familien zu stellen. 

Zu meinem Erstaunen habe ich im den Wendelsheimer Steinbrüchen 
(nördlich Rottenburg) des grünen Keuper-Sandsteius ein Schenkel-dickes 
Equisetum columnare bekommen, in dem «ein Calamites arena- 
ceus steckt! Im Knoten, wo die Blattscheide sitzt, ist nämlich eine 
dünne Schicht von der Oberfläche des Equisetum weggesprungen, und 
ein sehr deutlicher Calamites blosgelegt. Beider Kuoten fallen genau 
zusammen, Ich zeigte dieses seltene Stück dem Prof. H. Mont, und 
der scharfsinnige Botaniker bewies mir gleich, dass selbst, abgesehen 
von dem Zusammenfallen der Knoten, beide Stücke zusammengehörig 
seyn müssten, weil der innere Kalamit gerade doppelt so viele Längs- 
streifen zeigt, als die Blattscheide des äussern Equisetun an derselben 
Stelle Furchen hat. Kommen wir zuletzt doch noch zu dem kaum ge- 
abneten Resultat, dass die Kalamiten des Steinkohlen-Gebirges Equise- 
ten sind, deren äussere Haut abgestreift ist, während im Keuper nur 
die jüngern Exemplare dieselbe durch Verwitterung verloren haben ? 

Man kann in unserm Muschelkalke den Wellen - Dolomit immer ge- 
nau von dem darüber folgenden Wellen - Kalke unterscheiden. Der 
Wellenu-Dolomit greift weit in die Fläche des Bunten Sandsteines über, 
während der Wellen- Kalk eine steile Wand dem Sandsteine zukehrt. 
Ausserdem gehört die glatte Trigonia cardissoides nur dem Wellen- 
Dolomite, Mytilus costatus (Gervillia) dem Wellen-Kalke an. In 
jenem Wellen-Dolomite habe ich auf einer Pfingst-Reise bei Simmozheim 
nordöstlich Calw einen kleinen Saurier entdeckt, der auffallend dem 
Ichthyosaurus des Lias gleicht. Die markirt gestreiften Kegel-förmigen 
Zähne stehen in einer, wenn auch flachern Furche, die Wirbel-Körper 
(2 breit) sind genau wie Damenbrett-Steine, und Knochen-Glieder der 


: 306 


Füsse von den Polygonal-Knochen der Ichthyosauren nieht zu unter- 
scheiden. Einzelne Knochen dieses kleinen Ichthyosaurus sind überall 
in Wellen-Dolomit gar nicht selten. { 

Gern möchte ich bei der Eintheilung der Formationen Dasjenige 
zusammenbhalten, was zugleich räumlich eng aneinander geknüpft ist, 
welches Prinzip Leor. v, Buch mit so vielem Glück auf die Eintheilung 
unseres Jura angewendet hat. Dem folgend gehört der Wellen-Dolomit 
mit Trigonia cardissoides dem Bunten Sandstein an, weil beide 
weit mit einander fortsetzen, der Wellen-Kalk mit Gervillia eostata 
aber dem Muschel-Kalke, denn er schliesst sich eng in die Steil-Wand 
des Haupt - Muschelkalkes an. Die Letten - Kohle gehört wieder zum 
Muschelkalke, denn sie bedeckt ihn über weite Strecken, nur nicht ganz 
bis zum unfruchtbaren Steil-Rande, Erst auf der Letten-Kohle setzt 
der Keuper in markirten Berg-Rändern ab, Nun wird freilich auch der 
Keuper auf weite Strecken hin gleichmäsig vom untern Lias bedeckt: 
es könnte daher scheinen, dass nach demselben Prinzipe auch der Keu- 
per mit diesem untern Lias zu einer Formation zu vereinigen wäre. 
Allein an dieser Vereinigung hindern uns merkwürdige Verwerfungen. 
Der untere Lias bildet nämlich eine horizontale Fläche, 
aus weicher die Keuper-Rücken Insel-artig hervorstehen. 
Im Bebenhäuser Grunde nördlich Tübingen hat schon SchüsLer darauf 
aufmerksam gemacht. Am schlagendsten aber sind die Filder, zunächst 
an dem bekannten Punkte bei Echterdingen. Hat man von Stutigart 
her die Keuper-Höhe bei Degerloch erreicht, so ist die fruchtbare Filder- 
Fläche überall mit Kalken der Gryphaea arcuata bedeckt. Nur 
südlich Echterdingen erreicht man plötzlich die Thone des Ammonites 
Turneri, darüber die Stein-Mergel der Terebratula numismalis 
(mittler Lias), endlich sogar Posidonomyen - Schiefer, Stinksteine und 
Ammonites Jurensis, die sicherste Leitmuschel für die allerobersten 
Lias-Schichten, Aber man gehe nur wenige Schritte vorwärts bergan, 
so treten schnell die rothen Thone des Keupers ein, auf der Höhe be- 
deckt von dem harten gelben Keuper - Sandstein mit dem bekannten 
„Bonebed“, Den Rücken des Schönbuchs erreicht nicht die Spur des Lias; 
erst wenn man wieder hinabsteigt nach Waldenbuch, so tritt abermals 
der untere Lias der Filder ein. Wie hier gegen den Wald-Rand des 
Schönbuchs , so verhält sich auch die Filder - Fläche auf dem rechten 
Neckar -Ufer bei Esslingen gegen den Wald-Rand des Schurwaldes. 
Die Filiale Esslingens; Sulzgries, Hohenäcker, St. Bernhard, Serach etc., 
liegen genau im Niveau der Filder auf Lias; sobald man aber zu Katha- 
rinen-Brücke oder zum Berg-Rande des Jägerhauses hinaufsteigt, so 
ist überall Keuper bis auf die höchste Fläche, Eine bemerkenswerthe 
Analogie für Echterdingen findet sich zwischen Kimmichsweiler und 
Oberhof östlich Esslingen, von wo ein kleiner Riss nach Westen führt. 
Hier steht der gauze Lias bis über den Ammonites Jurensis hinaus 
an, während 10 Schritte davon der weisse Keuper - Sandstein (Stuben- 
Sandstein) gebrocheu wird, Ähnliche Thatsachen lassen sich am 


307 


Hohenstaufen etc. nachweisen, Es sind also zweierlei Erscheinungen 
merkwürdig: 

ı) dass der untere Lias an vielen Punkten bedeutend von Kevper- 
Höben überragt wird, was nur durch Niveau - Veränderung des 
Bodens in der Zwischen - Zeit von Keuper und Lias genügend er- 
klärt werden kann, welche Niveau-Veränderungen E, pe BEAumonT 
bekanntlich als so wichtig für Formations - Bestimmungen nachge- 
wiesen hat; 

2) dass sich auf diesem grossen Lias-Felde zwei Punkte finden (Ech- 
terdingen und Kimmichsweiler), welche von aller Verbindung ab- 
geschnitten die obersten Lias-Lagen zeigen. Bei Kimmichsweiler 
ist es eigentlich nur ein ganz unbedeutendes Gebirgs- Stück, was 
an dem tiefliegenden Thal- Abhang gleichsam nur hingeworfen 
scheint; mitten zwischen bohen Keuper - Rändern sucht man ver- 
gebens die Verbindungs-Glieder, welche erst an der linken Fils- 
Seite bei Hochdorf auftreten. 

Aber noch auffallender als dieses sind die eckigen Kalk. Blöcke, 
welche überall mit den vulkanischen Tuffen in engster Beziehung stehen. 
Diese sogenannten Basalt-Tuffe stehen bekanntlich zwischen Reutlingen 
und Boll sowohl auf der Fläche des Kalk - Plateau’s als tiefer im brau- 
nen und schwarzen Jura an mehr als 100 Punkten hervor. Mir erschei- 
nen sie immer als das Resultat eines grossen Vulkan-Herdes, wo die 
Basalt-Massen als untergeordnete Lava-Ströme. den Tuff durchbrachen. 
Denn abgesehen von der bei weitem überwiegenden Menge erlaubt es 
schon die Beschaffenheit der Tuffe nicht, sie als Reibungs-Produkte des 
Basaltes anzusehen. Nur wenn die Hügel klein sind (etwa 15’ bis 40°), 
geformt wie Maulwurfs- Hügel, bestehen sie ganz aus Tuffen. Sind 
sie höher, so stehen unten rings die Gesteine an, welche dem jedes- 
maligen Niveau entsprechen, und nur der äusserste Gipfel ist mit etwas 
Tuff bedeckt. In diesem Tuffe fehlen nun nirgends die grossen und 
eckigen Blöcke von weissem Jurakalk. Um aber die Stelle, wo diese 
Blöcke weggenommen sind‘, zu ermitteln, müssen Sie wissen, dass in 
unserm weissen Jura sich drei Abtheilungen scharf und Jeicht unter- 
scheiden lassen. Die untere ist ein wohl geschichteter thoniger ho- 
mogener Kalk mit Terebratula impressa. Die mittle ist viel 
weniger zur Schichtung geneigt, nähert sich gerne der oolithischen 
Struktur und zerklüftet sich bei der Verwitterung zu grotesken Felsen, 
die durch zahlreiche Sprünge wie Breccien aussehen. Schwämme 
und Terebratula lacunosa stellen sich hier zuerst in Menge ein. 
Die obere beginnt endlich mit einem ganz ungeschichteten Kalke, der 
entweder Thon-frei und homogen mit vielen Kalkspath- Adern (Marmor 
gewöhnlich genannt), oder zuckerkörnig und häufig der trefflichste Do- 
lomit ist. Der Reichtbum an Quarz und Feuersteinen fällt darin auf, 
Von diesen Kalken finden sich in den Tuffen nun zwar alle, aber am 
meisten fallen die mittlen mit Schwämmen auf. Jetzt führe ich Sie 
zuerst auf den Hohenstaufen, nehmen Sie Taf. II, Fig. 2 des trefflichen 


308 


Memoirs über die geologische Konstitution der Alp von Graf von Man- 
DELSLOH zur Hand. Der steil ansteigende Gipfel (1. Argile Oxfor- 
dienne) ist geschichteter-unterer weisser Jura (kein Schwamm 
und keine Terebratula lacunosa darin), welcher steil auf dem 
braunen Jura absetzt. Auf diesem letzten, südwestlich vom Berge, liegt 
ein Stein-Haufen (2. Dolomie jurassique), im mächtigen Blöcken über- 
einander gestürzt: es ist mittler weisser Jura mit Schwämmen, auch 
einigen zuckerkörnigen Kalken, die allerdings etwas Bittererde enthalten 
dürften. Jedenfalls gehört das Ganze einer Abtheilung an, die höher 
als der Staufenberg liegen sollte. Untersucht man nun die Unterlage 
(3. Calcaire et Schistes), so zeigt sich bald, dass diese nicht verworfen 
ist: es ist der mittle braune Jura mit Ostraea Cristagalli, der 
unter dem Orte Hohenstaufen durchstreicht. Mit einem Worte, denken 
Sie sich eine Masse, die Zevs vom Himmel dorthin geworfen hat. Ge- 
wöhnlich pflegen sich unter solchen Stein-Haufen Spuren von basalti- 
schem Tuff zu finden; allein der Wind pfiff mir zu stark um die Ohren, 
ieh habe ihn hier nicht gefunden. Steigen wir jetzt aus dem Neckar- 
That auf den mit einer Linde gekrönten @eigerbühl nordöstlich Er. 
Bettlingen (südwestlich Nürtingen)! Man sieht es gleich den massigen 
Felsen an: hier ist Terebratula lacunosa sammt den Schwamm- 
Korallen; und wühlt man im Schutt herum, so findet man auch bald 
Spuren von schwarzem Glimmer und Basalt-Tuff. Und doch liegt dieser 
Haufen über 14 Stunden vom Alp-Rande entfernt, unmittelbar auf Po- 
sidonomyer-Schiefer, der bier noch nicht 1150° Meeres-Höhe erreicht. 
Dringen wir weiter nach Süden vor, so zeigt schon die Kegel-artige 
Form des Kapfs bei Grafenberg,, dass hier Tuff vorhanden seyn muss. 
Unten am Berge ist aber überall der unveränderte horizontal-geschichtete 
mächtige Thon des untern braunen Jura mit Ammonites opali- 
nus, der steil über der Sohle des Lias ansteigt. Nur die äusserste 
Spitze ist mit Kalk-Blöcken wie am Geigerbühl bedeckt; bereits sind 
wir aber auf diesem Gipfel wenigstens 150° höher, als auf dem Geiger- 
bühl. Noch eine halbe Stunde südlicher steht der Gipfel des Florians- 
Berges schon auf den blauen Letten des mittlen braunen Jura; der 
Tuff dieses Gipfels ist vorherrschender, aber mächtige Blöcke stecken 
ihre Köpfe heraus, als ständen die Kalke mit Schwämmen hier an: sie 
liegen gegen den @eigerbühl schon 400° höher. Endlich erreichen wir 
den Haupt-Vulkan-Berg des ganzen Rands, den Clausenberg (Juriberg), 
bedeckt von einer Kalk-Kappe, zuckerkörnig und dolomitisch; aber 
auch Schwämme und Terebratula lacunosa fehlen nicht, Zwar 
sind wir hier abermals um ein Beträchtliches höher gerückt, und doch 
stehen wir nicht im Niveau des mittlen weissen Jura; wir müssen noch 
um ein gutes Stück vorwärts und hinauf, um diesen zu erreichen, 
Überschauen wir jetzt von der Schloss-Ruine Neuffen (2300', ungefähr | 
die Höhe, wo viele der erwähnten Kalke sich in ihrer ursprünglichen 
Lagerstätte finden, — nur die zucker-körnigen Kalke entsprechen einer 
noch grössern Höhe) die Gegend, so liegt der fernste Tufl-Punkt, der 


309 


Geigerbühl, 2 Stunden direkt von uns und zugleich sein Gipfel über 
1100° tiefer; je näher die Tuff-Berge unserer Burg stehen, desto höher 
ragt der Tuff, und folglich auch der Kalk-Schutt hinauf, doch bleiben 
alle unter ihrer ursprünglichen Lagerstätte zurück. Sie müssen sich 
folglich alle gesenkt haben. Aber wie sollen wir uns diess denken ? 
Warum müssen nur alle Tuff-Gipfel diese kleine Kappe von Blöcken 
tragen und die andern Berge nicht? Das ist eine Haupt-Schwierigkeit, 
und gerade diese finde ich bei der Betrachtung nirgends erwogen! 
Wären diese Blöcke Granit (wie am Rangenberge) oder irgend eine 
ältere Gebirgsart, als am Berge ansteht, so würden wir schnell be- 
haupten, diese Massen können nur aus der Tiefe herauf gefördert seyn. 
Allein jetzt sind es jüngere Gebirgs-Massen, die bei der gleichmäsigen 
Struktur des ganzen Stufen-Landes unmöglich im Innern stecken, auch 
rings um den Tuff-Berg nirgends in gleichem Niveau mit dem Berge 
anstehen können. Sie müssen von der Höhe herabgekommen 
seyn, und zwar, wenn sie nicht aus dem Himmel gefallen sind, vom 
nahen höher hinauf liegenden Al»p- Rande, Lägen diese Kalk- Blöcke 
auch in den Thälern , und nicht bloss auf den Tuff Gipfeln , kämen sie 
nicht so gesetzlich immer nur mit dem Tuff zusammen vor, so würde 
ich, der ich vielleicht zuletzt an die Gletscher in Deutschland glaube, 
zu diesem verzweifelten Erklärungs - Mittel die letzte Zuflucht nehmen. 
Allein schon das Vorkommen der Kalk-Blöcke mit Tufien , und zwar so, 
dass keines ohne das andere bestehen kann, erlaubt keine Erklärung 
durch Gletscher. Anderer Einwürfe nicht zu gedenken. Schon seit 
drei Jahren beschäftige ich mich mit diesem Probleme, suche mir auch 
die Sache durch allerlei theoretische Voraussetzungen zu erklären, allein 
zu einer bestimmten Ansicht kann ich darüber nicht kommen. So viel 
ist aber gewiss, dass wir hier grosse eckige Stein-Blöcke haben, die 
auf andere Weise als durch Gletscher von der Höhe dorthin gekom- 
men seyn müssen. 
QUENSTEDT. 


Göttingen, 19. Febr. 1842. 


Mit den Petrefakten des Muschelkalks habe ich mich verschiedent- 
lich beschäftigt und bin dadurch zu einigen erweiternden Angaben über 
dieselben in Stand gesetzt. Schon im vorigen ‘Sommer hatte ich durch 
ein Exemplar von Ceratites nodosus,' das ich im obersten Muschel- 
kaik in der Nähe des Meissners fand, Gelegenheit, die Frage über die 
Lage des Sipho in diesem Konchyl definitiv erledigen zu können. Er 
ist nämlich entschieden dorsal, wie bei den übrigen Ammoniten, und 
es möchte daher an dem angeschliffenen Exemplare Ihrer Sammlung, 
wie Sie (Leth. 178) auch selbst unentschieden liessen, nur den Schein 
eines fast zentralen Sipho haben. Merkwürdig ist allerdings, dass sich 
dieser Sipho so selten zeigt; doch habe ich ihn später auch an zwei 


310 


Exemplaren aus der Nähe Göftingens durch eine im Rücken hinziehende 
runde Rinne angedeutet gefunden, während es an dem zuerst erwähn- 
ten Exemplar scheint, als ob er Rosenkranz-förmig sey. Neulich 
schrieb mir Hr. Hrxamer, dass er dort zu Leimen bei Heidelberg eben- 
falls ein Exemplar mit einer Rücken-Rinne aufgefunden habe. 

Ganz nahe bei meinem heimatlichen Dorfe Meensen findet sich im 
obern Muschelkalke eine Schicht etwas porösen Kalksteins, welche 
viele gut erhaltene Konchylien enthält; die Schwierigkeit ist zwar nicht 
gering, um durch Hinwegarbeiten des Gesteins die feineren Theile der 
Petrefakte blos zu legen, doch ist es wir durch viele Geduld gelungen, 
mir auf diese Weise einige Aufklärungen zu verschaffen. Vor Allem 
interessirt es mich, hier aufgefunden zu haben, dass das von Ihnen 
aufgestellte Genus Myopbhoria nicht, wie Gorpruss will, mit Lyrio- 
don zu vereinigen ist, sondern in. seinen Rechten erhalten werden muss. 
Aus der erwähnten Schicht bei Meensen besitze ich am Schloss ent- 
blösste Exemplare von Myophoria eurvirostris, M. laevigata 
und M. ovata (Mactra trigona Gospor. = Lyrodon ovatum 
Gorpr,), welche deutlich zeigen, dass die Schloss - Zähne ungestreift 
sind. Auch habe ich früher schon in Schwaben, z. B. in der ALBERTI- 
schen Sammlung, gute Exemplare von M, Goldfussi gefunden, welche 
eben so wenig, Streifung der Schloss-Zähne zeigten, als diejenigen, 
welche ich bei Ihnen gesehen. Überdiess habe ich. fast von allen 
Myophorien gute Kerne, welche aber niemals eine Spur von Streifung 
der Schloss - Zähne wahrnehmen lassen , was doch bei den Kernen der 
ächten Lyriodon-Spezies der Fall ist. Sie sind (Leth. 174) im Zweifel, 
ob der bei Zıeren Taf. 72, Fig. 1 abgebildete Kern, welcher solche 
Streifung zeigt, aus der Trias- oder aus einer andern Formation sey, 
indem Zıeten den Fundort nicht angebe; indess ist in einer andern 
Stelle (S. 100) bemerkt, er sey aus unterm Oolith, — Die in der er- 
wähnten Schicht vorkommenden Univalven geben mir Gelegenheit zur 
Erweiterung der noch immer höchst mangelhaften Kenntniss der Uni- 
valven des Muschelkals. Ich habe eine Natica von der Grösse einer 
Kastanie herausgearbeitet, welche die erste ganz vollständige Univalve 
ist, die mir und wohl überhaupt aus der Trias bekannt geworden; sie 
ist zu vollständig, um bestimmen zu können, ob sie mit den zerdräück- 
ten Kernen im Bunten Sandstein der Pogesen, welche als N. Gaillar- 
doti Lerroy bekannt sind, ident sey. Trochus Albertinus Goupr, 
ist Pleurotomaria Albertina Wıssm. Ferner habe ich in dieser 
reichhaltigen Schicht einen Euomphalus entdeckt von der Grösse der 
Helix lapicida, mit welcher er auch in der Gestalt etwas Ähnliches hat, 
nur ist die Spira eingesenkt. Ferner einen ziemlich grossen Trochus 
-mit vielen Spiralen. 

Ein® neue Spezies von Lima findet sich im obern Muschelkalk, 
welche sich von den übrigen dieser Formation sogleich auszeichnet, 
indem sie ungestreift ist, mit Pecten laevigatus aber wegen ihrer höhern 
Wölbung und geringeren Gleichseitigkeit nicht zu verwechseln ist. Ich 


311 


fand'sie schon zu Leimen bei Heidelberg ; in Graf Münster’s Sammlung 
liegt sie aus der Baireuther Gegend als Lima venusta Münster, 
und vor einiger Zeit fand ich sie auch hier am Hainberge.. — Auch 
finden sich am Hainberge fast alle die vielen Spezies von Nucula, 
welche Graf Münster in der Gegend von Baireuth entdeckt und bei 
Gorpruss bekannt gemacht. hat; es ist auffallend, dass sich in den ent- 
sprechenden Schichten der Heidelberger Gegend nur sehr wenige dieser 
Spezies finden, Übrigens besitze ich aus dem dolomitischen Wellen- 
Kalk Schwabens noch mehre unbeschriebene Spezies von Nucula. 

In dem ganz erstaunlich reichen Museo Münsteriano habe ich auch 
endlich die ersten unzweifelhaften Korallen aus dem Muschelkalke 
gesehen. 

In Berlin arbeiten jetzt Beyrıcan und Ewırn die Resultate ihrer 
Untersuchungen im westlichen Schenkel der Alpen aus. 


Dr. Wissmann. 


Bovende, 1. März 1842. 


Diesen Winter habe ich zwischen Petrefakten des Harzes zuge- 
bracht; ich kenne jetzt etwa anderthalb Hundert Spezies von dort und 
habe über die Alters- Verhältnisse dieses herrlichen Gebirges , welches 
ich freilich in geologischer Beziehung noch nicht bereist habe, schon 
einige Auskunft erhalten ; leider kenne ich Versteinerungen nur aus der 
nördlichen Hälfte und rührt die Mehrzahl aus dem Kalke bei Grund 
und aus den Sandsteinen der Schalke und des Rammelsberges; letzte 
entsprechen der kohligen, die Kalke bei Grund und Elbingerode der 
Plymouth-Gruppe des Englischen devonischen Systems, und da weiter süd- 
lich bei Lesbach in den mit Diorit wechsellagernden Eisensteinen Bron- 
tes sıgnatus Puırries mit mehren eigenthümlichen Arten nicht selten 
vorkommt und den silurischen Wenlock-Kalk anzeigt , die Schichten des 
Harzes aber ein südöstliches Einfallen haben, so scheint es fast, als 
wenn sie sämmtlich übergestürzt wären; es ist diess indessen eine nur 
auf der Stube gebildete Ansicht, welche im Sommer geprüft werden 
muss. Einige Spezies seheinen einen sehr scharfen Horizont zu bilden 
und z. B. die Posidonomyen nur in der obersten kohligen Gruppe 
des devonischen Systems vorzukommen ; dagegen dürfte Pruıtrırs doch 
irren, wenn er das Kohlen-, das devonische und das silurische Gebirge 
für eben so scharf gesondert ansieht, wie das Kreide-, Oolith- und 
Salz-Gebirge ; wie auffallend ist es z. B., dass fast alle Korallen von 
Plymouth auch wieder im Wenlock-Kalke vorkommen, Zur Zeit bin ich 
eifrig beschäftigt, sämmtliche Arten zu lithographiren und bofie im 
Frübjahre zunächst im Rheinischen Schiefer-Gebirge Vergleichungs-Punkte 
aufsuchen zu können. Aus Berlin erfahre ich, dass Hofrath Hausmann 
bei Krantz eine sehr schöne Sammlung von Übergangs-Versteinerungen 
für das Göttinger Museum erstanden bat: allerdings eine sehr erwünschte 


312 


Bereicherung dieser Anstalt. — Mein jüngster Bruder hat eine Mono- 
graphie von Astarte bearbeitet. | 


Fr. A. Dasieal 


Kassel, 7. April 1842, 


Ihr Aufsatz über die Eis-Theorie (S. 56) ist mir wie aus der Seele ge- 
schrieben; namentlich bin auch ich schon seit lange zur Überzeugung 
gekommen , dass diejenigen Revolutionen, welche unsre geologischen 
Perioden geschieden haben, schwerlich über den ganzen Erdboden sich 
erstreckten, und dass die Erhebungen der Kontinente und der Gebirgs- 
Ketten nur in den seltensten Fällen plötzlich geschehen sind, sondern 
mebrentheils wohl Jahrhunderte und länger gedauert und, in vielen 
Fällen wenigstens, stossweise oder allmählich gewirkt haben. Hierauf 
hat mich unter Anderem die Untersuchung des Verhältnisses geführt, in 
welchem an den verschiedenen Lokalitäten Siciliens und Unteritaliens die 
ausgestorbenen zu den lebenden Arten fossiler Konchylien stehen. Ich 
theile Ihnen das Resultat dieser Untersuchungen mit. Wo nur wenige 
Arten gefunden worden sind, so dass das Verhältniss zwischen den 
lebenden und ausgestorbenen Arten durch spätres Auffinden zahlreicherer 
Arten bedeutend modifizirt werden könnte, habe ich ein * beigesetzt. 


Zahl bekannter Quote aus- 


Arten. gestorbener 
; Arten. _ 
Im nördlichen Calabrien im Allgemeinen . . . 164 ... . 0,46 


5 „ e zu Monasterace, Ost- 

Enten, lo hab NH LUN yUn Si REN 7 a Er 
Zu Cutro zwischen Catanzaro und Cotronre . 70... 045 
„ Nasiti oberhalb Reggio in 1500° Seehöhe*. 22 . . . 0,36 
Im’ Dhalides’Uamato‘: 1. 3, Se 215 ee 
Zu. Gravina' in Apulien: 2.00%. 2040 1000 0 
» Pezzo, Messina gegenüber in 100'—150° . 79 . 2. ..:0,16 
„ Carrubbare, 1 St. von Reggio in 300° . . 129 . . . 0,12 
.Möünteleona3a900% 2... 2. I a ee 
Trend NT LE, 1) 7 RER 


Im innern Siciien im Allgemeinen ww 03 SAH INOIT TE 
ZulBuccheri® ix sau Day, wesen Bi RE BT RT 
HrSyracus.* sh Bee RR TR DT er 
irGirgenti” : amt wma. u ar eh Dale Tun DOWN As 
muPdlermo .. nausifsen HR IN N TATIE TIER 20504 
visite ri sa il m a eig IE 012 
REBEBEN NET SuitITTRNERINT IRABRRPUNS TOO 
„.: Cefali; bei Catania. „510 ee. rn. OR. 0 200,085 
„  Nizzeti oberhalb der Cyclopen-Insein. . . 68 . ... 0,055 
yenllelazzon. su. ziehe Venen RB EITITT 


313 


Ich glaubte anfangs in diesen Tertiär-Bildungen Unterabtheilungen 
machen zu können, und in Sicilien ginge diess zur Noth an; allein ich 
habe es aufgegeben bestimmte Abschnitte zu machen, da für eine jede 
Lokalität das Verhältniss zwischen den lebenden und ausgestorbenen 
Arten ein andres ist. Ich zweifle gar nicht, dass, wenn man für. sämmt- 
liche Lokalitäten, wo Tertiär-Versteinerungen vorkommen, solche Ver- 
zeichnisse entwerfen wollte, alle Ziffern von 100— bis 0 zum Vorschein 
kommen würden. Was wird dann aus der Eintheilung in eocen, miocen 
und pliocen (oder richtig äocän, meocän und pleocän *)? 


-  Paitieen. 


Neuchätel, 10. April 1842. 


Durch die grossartige Unterstützung Sr. Majestät des Königs von 
Preussen ”*) bin ich in den Stand gesetzt worden, dieses Jahr meine 
Versuche auf dem Aar-Gletscher wieder aufzunehmen und durch Er- 
weiterung derselben hoffe ich Thatsachen genug über einige noch un- 
genügend gekannte Erscheinungen zu sammeln, um das Ganze einer 
Erledigung näher zu bringen. Da bei den bereits gemachten und wei- 
ter auszuführenden Arbeiten mehre Erscheinungen, die nicht so leicht 
beobachtet werden können, aufs Anschaulichste an den Tag gelegt 
werden sollen, wollte ich durch Ihr Journal alle diejenigen, die sich 
um Gletscher - Fragen interessiren, einladen, diese Gelegenheit zu 
benützen, um sich von dem Bestande der Thatsachen zu überzeugen. 
Es dürfte dazu nicht bald eine günstigere Gelegenheit dargeboten wer- 
den, und da ich wünsche, dass die gewonnenen Resultate, die es schwer 
seyn dürfte wiederholt zu kontroliren, von Niemanden bezweifelt wer- 
den können, soll mir häufiger Besuch willkommen seyn. Ich werde zu 
Anfang Juli wieder auf den Aar- Gletscher gehen und da in einer 
See-Höhe von 7600’—8000’ auf dem freien Eis - Meere ungefähr 6 Wo- 
chen lang kampiren. Von da aus lassen sielı leicht Ausflüge in der 
Nähe machen, um alle Erscheinungen ferner zu untersuchen, die nicht 
gerade dort am augenscheinlichsten sind. Für diejenigen, denen ein 
Aufenthalt auf dem Gletscher selbst zu beschwerlich erscheinen dürfte, 
bietet das Hospiz auf der Grimsel einen bequemen Zufluchts-Ort. Die 
Hütte, die ich bereits habe hinschleppen lassen , wird geräumig genug 
seyn, um mehre Personen aufnehmen zu können. Haben Sie daher die 
Güte diese Ankündigung in Ihrem nächsten Hefte aufzunehmen. 

- .. Ich ‚will diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne Ihnen 


*). Von ? aiovy: aevum: Zeitalter ; AEloV: weniger 5 TAEIOV: mehr; und kaıvos: 
Neu. 

*=) Welcher nach öffentlichen Blättern auf den Antrag der Herren vox Prvru und 
von Humeorpr Hrn. Acassız 3000 Frances jährlich zur Fortsetzung seiner Unter- 
suchungen hat zur Verfügung stellen lassen. Br. 


314 


Einiges über die neueste Produktion im Gebiete der Gletscher-Litteratur 
zu schreiben. Ich meine Hucr's Schrift „über das Wesen der Gletscher“, 
— Hosı erhebt sich vor Allem gegen die Behauptung, dass die Glet- 
scher den Fels-Boden, auf dem sie sich fortbewegen, wirklich poliren 
und abrunden. Er behauptet, diese Abrundung sey ‘eine natürliche 
Folge der schaaligen Absonderung des Granits und’ komme weder auf 
schieferigem Urgebirge, noch ‘auf Kalk vor. Dass aber die Glimmer- 
schiefer, Gneise und Halbgranite des Hassli an den Thal-Wänden wirk- 
lich polirt und abgerundet sind, wurde bereifs 1838 bei der Versamm- 
lung der Societe geologique de France in Pruntrut gemeldet. Dass 
der Kirchet oberhalb Meyringen, der dem Hochalpen - Kalke angehört, 
dass der Boden des Rosenlaui-Gletscher, der ebenfalls Kalk ist, polirt 
und gerundet sind, wurde auch schon damals angezeigt; dass der schie- 
ferige Serpentin an den Thal-Wänden und unter dem Gorner-Gletscher 
im Zermatt- Thale dieselben Verhältnisse zeigt, wurde 1839 gesehen 
und bekannt gemacht. Alle diese Thatsachen sind in den Eiudes sur 
les glaciers wieder erwähnt: davon weiss aber Hr. Hucı im Jahre 1842 
noch nichts, davon hat er nichts gesehen. Dagegen bringt er keine 
Einwendungen, und doch glaubt er sich berufen durch Zurechtweisungen 
die Welt über das Wesen der Gletscher aufzuklären. Wer möchte da 
Hrn. Hucı nieht fragen, ob die genannten schieferigen Gesteine und 
der Hochgebirgs- Kalk denn auch in grossen Massen sich schaalıg 
absondren? Ferner behauptet Hr. Hucı, die Oberfläche der Bauch - Ge- 
stalten des Granits in Oberhassli sey so rauh, als die Oberfläche des 
Granits im Allzemeinen. Hätte Hr. Hucı die Verhältnisse näber unter- 
sucht: er würde gesehen haben, wie dort der härtere Quarz zu einer 
Fläche geebnet ist mit dem Feldspath, dass neben dieser allgemeinen 
Glättung die Oberfläche geritzt ist, dass die Ritzen und Reifen auf 
langen Strecken mehre Ellen lang ohne Unterbrechung auf der Ober- 
fläche eingegraben sind, und dass von einer Verwechselung mit Gang-. 
Spiegeln keine Rede seyn kann, um so weniger als die Richtung dieser 
Furchen und Ritzen im Allgemeinen der Richtung des Thales folgt, 
hie und da und namentlich an verengten Stellen des Thales etwas ansteigt, 
und sie überall von den herunterrieselnden Bächen und von den furcht- 
baren Schnee-Lawinen im rechten Winkel durchschnitten und selten von 
denselben verwischt werden. Sehen Sie übrigens hierüber Comptes 
rendus de VInstitut, 14. Mars 1842, wo Hr. Desor nähere Details 
mitgetheilt. So viel also von diesen schon längst und vielseitig bespro- 
chenen Verhältnissen. Ich komme zu den angeblichen neuen Versuchen 
Hucr’s, die er während eines 13tägigen Aufenthalts auf dem untern 
Grindelwald - Gletscher im Januar 1832 gemacht haben will. Wie 
Hr. Hucı seine Beobachtungen über die Veränderungen der Oberfläche 
des Gletschers bei dem hohen Stande des Winter - Schnee’s gemacht 
haben mag, leuchtet nicht ganz ein. Noch weniger kann ich begreifen, 
wie Hr. Hucı mit 8 Männern, und wären es Riesen gewesen, die Fahrt 
nach dem obern Theil des Gletschers unternehmen und. mit: Allem 


315 


hinreichend sich versorgen konnte, um dort oben 13 Tage ohne Verkehr mit 
dem Thale zu bleiben „mit allem Nöthigen für 2—3 Wochen versehen“, 
Der Bedarf an Lebensmitteln allein würde 8 Männer bei der Schwie- 
rigkeit des Weges hinreichend in Anspruch genommen haben. Ich 
weiss wenigstens, dass während eines Monat-langen Aufenthaltes auf 
dem Aar-Gletscher ein Mann alle andere Tage regelmäsig, Extra-Sen- 
dungen nieht eingerechnet , mit Proviant für 8— 10 Personen herauf- 
kommen musste, dass ein anderer zur Herbeischaffung des im Sommer 
nöthigen Holz-Vorraths ebenfalls jeden andern Tag brauchte. Also war ein 
Mann beständig beschäftigt zur Erhaltung von 10 Leuten; wie sollen 
da 8 Männer bei der rauhen Jahreszeit für 9 Personen auf 2—3 Wochen 
alles Nöthige fortschleppen können und dazu Instrumente zu Beobach- 
tungen, Decken zum Schutze gegen die Kälte und Stricke und Stangen 
zu wiederholten Einfahrten in das Innere des Gletschers durch die 
‘Spalten mitgenommen haben ? Auf dieser Exkursion will Hucı zweimal 
bei einer Tiefe von 114° und 161° den Boden erreicht und Gletscher 
und Boden vereint gefunden haben. Wie diese Einfahrten bewerkstel- 
ligt wurden, wie namentlich Hucı bei seiner wohlbeleibten Gestalt von 
8 Männern ohne besondere Vorrichtung wieder heraufgezogen werden 
konnte, wird nicht erzählt. Doch verweilte Hucı lang genug in der 
Tiefe der Schrunde, um Beobachtungen mit dem Thermometrographen 
machen zu können und namentlich um zu erfahren, dass 4° in den 
Gletscher eingesenkt das Instrument immer um 0° oder etwas weniger 
zeigte. Ich halte den für sehr geschickt, um nicht mehr zu sagen, der 
es vermag, ein 4’ tiefes Loch zum Empfang eines Thermometrographen 
auf dem Grunde eines Gletscher-Schrundes zu bohren. Mir wenigstens 
wollte es nicht jeden Tag glücken auf der freien Oberfläche des Glet- 
schers bei freier Bewegung mit einer von zwei Mäunern gehandhabten 
Bohrstange so tief einzudringen. Denn um S. 125 sagen zu können: 
„Im Innern der Firn- wie der Gletscher - Masse herrscht fortwährend 
bei allen Tags- wie Jahres-Zeiten eine Temperatur die unveränder- 
lich 4° unter Null steht“ — muss er es doch auch gethan zu haben 
behaupten. 

Die Ermittelung der Temperatur der innern Masse eines Gletschers 
ist eine Angelegenheit, deren Erledigung einem jeden Freunde der 
Wissenschaft sehr am Herzen liegen muss, auf die man aber noch 
lange warten dürfte, da direkte Beobachtungen in dieser Beziehung zu 
(den schwierigsten gehören, die man auf dem Gletscher vornehmen kann; 
und ausser einer einzigen, die ich 7840 in einem Bohrloche von etlichen 
20° Tiefe gemacht, ist mir nicht bekannt, dass irgendwo Angaben der 
Art mitgetheilt worden wären; meine Beebachtungen aus dem Jahre 
1341 bis zu einer Tiefe von 140° sind noch nicht veröflentlieht *). Hr. 
Hucı weiss es aber besser, wenn er sagt: „Unzählige eigene und 
fremde Beobachtungen über das Gletscher-Eis sprechen sämmtlich 


*) Doch im /astitut durch Hrn. v. HumsorLor gemeldet. Br. 


\ 


316 
folgende Thatsache aus. Das Gletscher-Eis hat in seinem Innern allenthal- 
ben eine. Temperatur, die nie über dem Gefrier- Punkte und nie 00,5 
unter demselben steht“. Ich will Hrn. Hucı nicht fragen, woher er das 
weiss und wo er seine Bohr-Versuche gemacht hat, um die Temperatur 
des Innern des Gletscher-Eises zu bestimmen? denn .er hat mir selbst 
vor 2 Jahren gesagt, dass er nie Bohr-Versuche gemacht und dass er 
sich sehr auf meine -Resultate freue. Oder wird vielleicht Hr. Hucı 
behaupten, die Tenıperatur des Innern lasse sich aus unzähligen Beob- 
achtungen an der Oberfläche erschliessen? Etwas fällt mir. biebei sehr 
auf, dass nämlich dieser allgemeine Schluss Hucr’s buchstäblich mit 
dem Resultat der einen Beobachtung übereinstimmt , die ich bereits 
bekannt gemacht, aber gar nicht mit denjenigen, die ich später in 
grösserem Umfange angestellt und noch nicht der Öffentlichkeit über- 
geben habe, Ich hatte 171840 wahrgenommen, dass der äussre Temperatur- 
Wechsel in so weit auf die Temperatur der Gletscher - Masse einwirke, 
dass dieselbe öfters bis zu einer Tiefe von 8’—9’ gerade bis Null er- 
höht würde, in einer grössern Tiefe aber bis mehr denn 20' Tiefe fand 
ich damals beständig — 4° C. Dieses Resultat schmückt. Hrn. Hucı ge- 
genwärtig auf folgende Weise aus: „Im Sommer fand Acıssız die 
Gletscher - Temperatur von oben bis jzu 25° Tiefe — 0,33%. Ich fand 
immer etwas weniger, was wahrscheinlich den Instrumenten zuzuschrei- 
ben ist. Die meinen zeigten im Innern der Gletscher - Masse — 0,28° 
bis — 0,29°. Die rauhe Gletscher - Kruste schwankte immer naeh. der 
umgebenden Luft; war diese z. B. 5° warm, so stieg die Temperatur 
der Kruste auf + 1° bis 2°; sank dagegen die Luft- Temperatur auf 
— 5°, so fand ich in der Kruste — 1°,5. Anders als der Gletscher 
verbält sich der Firn. Bei stärker Kälte sinkt seine Temperatur einige 
Grade unter den Gefrier-Punkt, und bei starker Wärme steigt er mehre 
Grade über selben. An einem warmen Tage lockert sich der Firn in 
seinen Körnern 3’ bis 2’ tief auf, und dann sinkt von seiner Oberfläche 
bis in jene Tiefe das Thermometer von + 5° auf + 1%, 

Wohlgemerkt: es handelt sich von der Temperatur des Eises und 
nicht etwa von der der umgebenden Luft; also Gletscher-Eis von + 
2° Wärme und Firn vön + 5°! 

Weit entfernt, Ihre Kritik meiner Gletscher-Ansicht im Jahrbuch un- 
gerne gelesen zu haben, hat mich Ihre freimüthige Besprechung dersel- 
ben sehr gefreut. Nur wollen wir die Gletscher-Erscheinungen nicht 
zu: nahe mit zoologischen Gründen beleuchten *). In meiner eben 


Pr 


*) Ich glaube die zoologischen Gründe nicht auf die Gletscher - Erscheinungen, son- 
dern auf die daraus gefolgerte Hypothese angewendet zu haben, und nur in der- 
selben Weise, wie es mein verehrter Freund selbst zu thun versucht hat! Der im 
Eingange dieses Briefes enthaltenen Einladung gemäss erlaube ich mir zu. den 
in diesem Sommer zu lösenden Aufgaben einige Fragen zu stellen, Es ist zwar 
plausibel, aber noch keineswegs erwiesen, dass das Eis-Wasser jede Nacht in 
die Haarspalten eindringe, darin gefriere und die Gletscher ausdehne. Man messe 
daher in al i i rt sei i i einer 

aher in allen Theilen eines Gletschers el. an seinem Anfang, in s 


317 


fertig gewordenen Monographie der Myaceen, erste Abtheilung, die 
Ihnen in Kurzem zukommen soll, werden Sie einige Betrachtungen über 
die Grenze der verschiedenen Schöpfungen,, so wie über die Verschie- 
denheit der Arten in verschiedenen Formationen finden. Weitere Be» 
obachtungen werden wohl die jetzt abweichenden Ansichten einander 
näher bringen. Sie erhalten zugleich auch, wenn nicht schon früher, 
die erste Lieferung meines „Nomenclator Zoologicus“. 


Acassız. 


Greifswald, 31. März 1842. 


Im Binnenlande zu Quitzin habe ich letzten Sommer einige hübsche 
Ausbeute gemacht und sehr schöne Galeriten mitgebracht. Ich habe 
mich dabei aufs Neue überzeugt, dass dort die Überreste höherer Kreide- 
Schichten als auf Rügen zu Tage treten. Obenauf lagert eine Schichte 
Dammerde #’—2’ stark; dann folgt einiges Mergel-artiges Kreide-Gerölle 
und eine 3’—5' mächtige Schiehte sehr harter Kreide, welche der harten 
Kreide von Seeland sehr nahe komnit. Sie wird von der gewöhnlichen 
weichen Kreide, ganz der bröckeligen Rlügen’schen ähnlich, unterlagert 
und enthält gewiss die meisten, wenn nicht alle Arten der Rügen’schen 
Petrefakte, wovon ich mindestens schon 100 Arten gefunden habe. 
Sehr häufig ist dort Galerites vulgaris in den schönsten Exempla- 
ren und in so vielen Übergängen, dass man aus den Extremen wohl 
4 Arten bilden könnte, unter denen G. abbreviatus nicht immer mit 
Gewissheit. herauszufinden ist. Zwei neue dürften sich indess doch 
feststellen, wovon der eine grosse Ähnlichkeit mit G. albo-galerus 
hat, der andere aber vielleicht der grösste aller Galeriten ist. Darüber 
in der 4. Abtheilung der Monographie ein Mehres. Nicht minder häufig 
ist die einzige Belemniten-Art, B. mucronatus, welche eben so mit 
Schmarotzern bedeckt ist, wie auf Rügen. — Es hat mir bisher an Ge- 
legenheit gefehlt, die Pommern’schen Lager zu Gustebin und Warsin 
eben so sorgfältig zu untersuchen, wo ein ähnliches Resultat zu er- 
warten ist. 

Fr. von Hagenow. 


Mitte, an seinem Ende, um wie viel er durch jene Ausdehnung bei Nacht dicker 
und breiter wird und sich in die Länge streckt; man messe wie viel er durch 
Schmelzen bei Tag an Höhe und Breite abnehme und wie es mit seiner Voranbe- 
wegung stehe, Ist Ausdehnung des gefrierenden Wassers die alleinige Ursache 
seiner Bewegung, so kann er sich nur bei Nacht bewegen; ist die Ursache eine 
andre, so wird er es hauptsächlich bei Tag tlıun. Gletscher, die sich in ihrer 
Mitte 300°—400° jährlich voranubewezen, geben genügende Mittel zu Entscheidung 
dieser Fragen. Man messe auch die Menge des bei Tag und bei Nacht am Ende 
des Gletschers abtliessenden Wassers. Auch das Eis verdunstet unter dem Null- 
Punkt; muss denn nicht schon desswegen das Eis in allen Kanälen, Spalten, Rin- 
nen, Haarspalten im Innern des Gletschers schwinden und daher der Gletscher 
allmählich zusammensitzen:; eben dadurch sich voranbewegen? Andre Bedenken 
folgen 5. 344—347 in der Anzeige des CuarrextTier’schen Buches. 
Br. 


Jahrgang 1842, Bu 21 


Neue Literatur. 


E27} 


A. Bücher. 
1S40. 


C. Moxon: Illustrations of characteristic Fossils of British Strata 
[340 figures] , to which are added explanatory notes, London, 4° 
[12 shill.]. 

C. Moxon: the diametric Chart of the principles and Sheoyicn of Geo- 
logy in one large sheet, culoured [104 shill.], 0x mounted on canvas 
in boards [134 sbill.]. 


1841. 


H. Asıen: Erläuternde Abbildungen geologischer Erscheinungen beob- 
achtet am Vesu» und Ätna in den Jahren 1833 und 1834, mit fran- 
zösischem und deutschem Texte, Braunschweig, 8 SS, 10 Taf. gr. 
Queer-Folio [4 fl. 48 kr.]. 

L. Acassız: Recherches sur les Poissons fossiles ; Neuchätel et Soleure, 
in 4° avec Atlas in Fol. — 14 livrais. [vgl. Jahrb. 1840, 221; 
ist die vorletzte Lieferung. ] 

L. Acaıssız: de la succession et du developpement des Etres organises 
a la surface du globe terrestre dans les differens ages de la na- 
ture, 17 pp. 8°, Neuchätel. 

BaArtLert’s: Index geologieus, London [grosse Tabelle der Formationen 
mit ihren oryktognostischen und organischen Einschlüssen]. 

Bartıertt’s Index geologicus übersetzt von EsEnau und Tnomä. Stutt- 
gart [grosse Tabelle, s. o.] 

H. G. Bronn und J. J. Kaur: Abhandlungen über Gavial-artige Rep- 
tilien der Lias-Formation (mit 4 lithographirten Tafeln in 9 Blät- 
tern und 1 Vignette) in Fol., Stuttgart [fl. 5. — Rthlr. 3 4 ger.]. 

E. Desor: V’Ascension de la Jungfrau, effectuee le 28. avüt 1S41 par 
MM. Acıassız, FoRBES, DU CHATELIER et DESoR, precedee du 
Tecit de leur traversde de la mer de glace du Grimsel a Viesch 


319 


en Valais (tir& de la Bibliotheque universelle de Geneve, Non, 
1841) 56 pp. 8°, 2 cart. 

Durrenox et ELıe pe Beaumont: Carte geologique de la France sous 
la direclion de Mr. BRoCHANT DE VILLIERS; 6 feuilles coloriees 
et un tableau d’assemblage egalement colorie, Paris, ful. 

Durrenoy et Erıe DE Beaumont: Explication de la carte geologique 
de la France etc., Paris, 4°. 

Eow. Hırcucock: First Anniversary Adress before the Association of 
American Geologists at their second annual meeting in Philadel- 
phia, April 5, 1841 (50 pp.) New-Haven [bei SınLıman, 25 Cents]. 

A. Pricuarn: a history of Infusoria, Ka and fossil, London, 8°. 

J..Sowersy: Mineral-Konchologie u. s. w. [Jahrb. 1842, 104], übers. 
von Acassız, Lief. VIIL (8. Taf. 138 — 157), Braun- 
schweig [3 Thlr.]. 

F. Unser: Chloris protogaea, Beiträge zur Flora der Vorwelt, Leipzig; 
4°, Heft I, ıv, ıv und 16 SS., v Tafeln, 


1842. 


W. M. Hıccıns: the Book of Gevloyy, being an Elementary Treatise 
on that Science; tho which is added an Account of the Gevlogy 
of the English Watering Places, with col. plat., London, 8°. 

F. J. Hucı: über das Wesen der Gletscher-und Winter-Reise ın das 
Eis-Meer, Stuttgart, 135 SS., 8°. 


B. Zeitschriften. 


1) Memoires de la Societe ee de France, Paris, 4° 
[vgl. Jahrb. 1842, 104]. 

1841, IV, ı1, p. 229—365, pl. xıt—xvı. 

J. CornveL: Abhandlung über das untre Kreide- und obre Jura-Gebirge 
im Kreise Vassy, Haute-Marne, S. 229— 278, Tf. xın—xıv. 

J. CorsveL: Notitz über die Haupt- Merkmale der Felsarten zwischen 
den: gefleckten Portland-Kalk und dem geodischen Eisen desselben 
Departements, zur Erleichterung der Grenz-Bestimmung zwischen 
den Jura- und Kreide-Gebilden daselbst, als Fortsetzung voriger 
Ablıandlung, S. 279—290, Tf. xv. 

A. Leymenıe: Abhandlung über das Kreide - Gebirge des Aube- Dept. 
mit allgemeinen Betrachtungen über das Neocomien, S. 291—364, 
Tf, xv1s; xvır [>> Jahrb. 1839, 464-466]. 


2) Annales des Mines etc. [Jahrb. 1842, 105]. 
1841, no. ı1, 113; XIX, 11, ıı1, S. 238—850, pl. m —ıx. 


A. PaıLLEtTe: Abhandiune über Lagerung, Ausbeutung und Behandlung 
des Eisen -Erzes in den Umgegenden von Almeria und Adra in 
Andalusien, S. 239 — 266; 

9X] * 


Pe 


320 


F. J. Neweorp: über den jetzigen Zustand des Ätna, S. 387—389. 

Mineral-Chemie : Auszug der Arbeiten von 1840, S. 391—546. 

Durocner: Untersuchungen über Felsarten und Mineralien der Feröer, 
S. 547—592. 

en Chemie: Auszug der Arbeiten von 1840, S. 599-748. 


3) Transactions of.the Manchester : Society, 
London, 8°, Vol. I, 1841. 


4) Der Bergwerks-Freund, ein Zeitblatt für Berg- und 
Hütten-Werke, Gewerke ete., Eisleben, 8° [vgl. Jahrb. 1840, 


591]. 
1841, III, Forts.; und IV, no. 1—12 ( wöchentlich 1ı Nummer, | 
1842, IV, no. 13 ff. 36 Nummern 1 Baud. 


5) Jahrbuch für den Berg- und Hütten-Mann für 1842 (214 
SS. 8°, 1 Tab. und 2 Taf.), Freiberg [20 N.Gr.). 


6) Actes de la Societe helvetique des sciences naturelles, 
assemblee a Friboury le 24— 26. Avut 1840, 23° session ; 
Fribourg (253 pp.), 8°. 


7) L’Institut, 1. Sect. Sciences mathematigues, physiques 

et naturelles, Paris, 4° [vgl. Jahrb. 1842, 237]. 
IX. annee, 1841, Dec. 6—28, no. 415—418, S. 417—452. 

BaRLETT, Austen, BucKLAND, LyTte, DE Lı Bec#e: posttertiäre Bildungeu 
und Höhlen in Cornwall und Devon (Brit. Assoc. Plymouth, 1841), 
8. 421—422. 

Sesuin: Artesischer Brunnen zu Claye (Akad. 6 Dee.), S. 426. 

Bourson: neues Verfahren um schöne Krystalle von Kupfer -Sülfit zu 
erhalten (i5.), S. 426. 

DE QUATREFAGES: Geologie der Chausey-Inseln (Soc. philomat., Nov. ein 


S. 426—427. 
PricnH: alte organische Reste von Cornwall u. s. w. (Brit. Assoc. 1541), 
S. 428. 


Jorpan: galvanische Kopie’n von Fossilien (ib.), S. 428. 

Wırriams : vulkanische Produkte um Plymouth (ib.), S. 428. 

Revrıero: fossile Fische im Rothen Sandstein von Connecticut: 5 Pa- 
laeoniscus- und 3 Catopterus- Arten (Assoc. Amer. Geol PR 
S. 430. 

Vınuxem: Fährten erloschener Vogel-Arten im Neuen rothen Sandsteine 
von Massachusetts und Connecticut (ib.), S. 430 [= Jahrb. 7841, 739]. 


% 


321 


Vanuxem: alte Kg auf der Allantischen Küste der Vereinten 
Staaten (tb.), S. 431—432 [= Jahrb. 1842, 248]. 

Durerrer: Kälte- Eh der nördlichen Hemisphäre (Soc. Philomat., Dec. 4), 
S. 434—435. 

R. E. Rogers und Jackson: über Dolomit (Assoc. Americ, Geol., 1841), 
S. 439. 

Maruer und Jackson: Sulheh in Ur- , Übergangs- und Sekundär - Ge- 
steinen (ib.), S. 439. 

Marner , H. D. Rocers, Locke, C. T. Jackson: erratische Blöcke im 
Diluvial-Gebirge (ib.), S. 439—440. 

Tayror und H. D. Rocers: Steinkohlen-Gebirge in Pennsylvanien (ib.), 
S, 440. 

Horser: Zahn - System des Mastodon (Americ. philos. Soc.), S. 449 
= Jahıb. 1841, 619]. 

SuerarD: Gediegen- und Meteor-Eisen von Oswego und Giulford (Amer. 
Journ.), S. 451—452. 
X. annee, 1842, Janv. 3 — Fevr. 24; no. 419—426, p. 1—72. 
Araco: artesischer Brunnen von @renelle (Acad. Frang. 3. Jänn.), S. 2. 
DurzrreyY: über 2 nördliche Kälte-Pole (Soc. Philomat. 4. Dec.), S. 3, 
Dauseny : Dolomit-Zersetzung in Tyrol (Brit. Assoc., 1841), S. 4. 
NicorLer: geologische Beobachtungen über den Mississippi (Assoc. 
Americ. geol., 1841), S. 6. 

Hovsnron: Metall-Gänge im südlichen Michigan (ib.), S. 6, 7. 

MaARrRcEL DE Serres , „Tripoleenne“: ein neues dem Tripel analoges Mi- 
neral (Acad. Frang., Janv. 10), S. 10. 

Owen: fossile Reptilien in Gross- Britannien (Brit. Assoc., 1841), S. 11—13. 

H. E. SrrickLıno: Cardinia Ac., ein für den Lias als bezeichnend an- 
gesehenes Mollusk (ib.),: S. 13. 

M. E. Moore: Ion er Reste bei Plymouth, und Diskussionen. 

| (ib), S. 13—14. 

E. Eienwarn: Ichthyosauren und Ceratiten in Russland (Acad. St. 
Petersb., 1840), S. 16. 

-J. Jounston : neue Beryll-Varietät (Sırrım. Journ. > Jahrb.S.326), S. 19. 

Gramm: heisse Quellen in Grönland, S. 40. 

RB. Owen: 6 neue Arten fossiler Chelonen (Geolog. Soc.), S. 44—45. 

Kersten: fossiler Menschen-Schädel, S. 47—48 [Jahrb. 1841, 703]. 

Burat: Geologie des Kohlen-Beckens in Saöne-et-Loire (Acad. scienc., 

„1842, Fevr. 7), S: 50. 

HB D’Orzıenr: zoologisch- geologische Betrachtungen über Rudisten 
(das.), S. 51. 

"A. D’Orzıieny: Instrument zu Messung des Spiral- Winkels der gewun- 
denen Konchylien (Soc. Philom. und Paleont. Franc.), S. 52. 

Martıns: Beobachtungen über die Gletscher. (das.), S. 52—53. 

Fourser: Geologie der Alpen zwischem dem Wallis und Oisans. "Ge- 
birge und Erz-Lager in den Alpen und Toskana (Soc. Phil.), S.59— 60. 

Einsenkung, des todten Meeres, S. (35) 64. 


322 


©. Kunsten : Ergebniss der Experimente, um im N Vana- 
dium zu suchen, S. 64 (Posen Ann.). 

Rozer: Ungleichbeiten der Erd-Rinde, S, 68 Jahrb. 1841, 603). 
Baırry: artesischer Brunnen im Militär-Hospital von Lille Ach: Scienc., 
‘ Fevr, 21),.8. 66. wa, 

Moore: artesischer Brunnen zu Plymouth (Brit. Assoe a S. 68. j 
Buckrınp: Schnecken-Löcher in Feisen (das,), S.: 68. 

Psırvies: Alter der Formationen in Devon (das.), S. 68. 

Bove: Feldspathe der Urgesteine des Delaware. (Philad.: Soe.), 8.70. 
Anschüttungen an der West-Küste Frankreichs [Jahrb. 1842, 447]; B.:72,: 
Beıenungaen’s Aerolithen-Regen, 8. 72. 


8) B. Sırrıman: the American Journal of Science and Arts, 
New-Haven, 8° (vgl. Jahrb. 1841, 575]. | 
1841, Juli, Oect.; XLI, 1, 2, S. 1—216—1408. 
W. C, Reverenp: über Amerikanische fossile Fische, S. '26—28. 
W..C. Reprıewv; über einen Tornado zu New - - Braunschweig , a: 
19. Juni, S. 69— 79. 
R.C. Tıyror: Notitz über ein Modell vom westlichen Theil des Schuyl- 
fill- oder südlichen Kohlenfeldes in Pennsylvanien, S. 80—92, 
Versammlung der Amerikanischen Geologen in Philadelphia, S. 158—189. 


Miszellen: Proceedings ofthe Geological Society of London, 
S. 190. — Ehemalige ‚Gletscher in Schottland, S. 191. — Neue 
Infusorien in Steinsalz, S.. 183. — Acassız und seine Werke, S. 194. 
— Skizze der Geologie N.-Amerika’s, S. 195. — Vulkanische Phä- 
nomene auf Hawaii, S. 200. — Fossile Schildkröten und Saurier, 
S. 404. — Geologische Zeichnungen, 8.206, — Gletscher; Morä- 


nen; MurcHison im Ural, S. 207. — Fossile Foraminiferen im Grün- 
sand von New-Jersey, S. 213. — Entdeckung einer regelmäsigen 
Steinsalz - Formation in Virginien, S..214. —. Verhandlungen der 
Akademie zu Philadelphia, S. 215. 4,6] 


E. Hırcncock: erste Jahrtags-Rede vor der een Re u Ame- 
rikanischer Geologen in Philadelphia am: 5. April 1841, S.232—275. 

J. W. Baızey: Skizze der Infusorien aus der Familie: der Baeillärien 
mit Rücksicht auf die wichtigsten der im lebenden oder im fossilen 
Zustand in den Vereinten Staaten vorkommenden Arten, S. 284—306. 

J. T. Hopge: Beobachtungen über die Sekundär- und Tertiär-Formationen 
in. den‘ südlichen Atlantischen Staaten, mit einem ‚Anhang: von 
ConkaD, S. 332—348, 1 Tafel. 

3.C. Booru: Analyse verschiedener Blei-,:Silber- ,: Kupfer-, Zink - uud 
Eisen - Erze von .King’s Mine, .N.-Carolina, S. 348—352.. 0) 

Cu. U. SHuerasp: über 2 Varietäten von lolit, S:.354—8358; + 

-Miszellen: Baımey: Polythalamien im  obern.. Mississippi ; Ss. 400. 
FORCHHAMMER: neue Substanzen in Torf, Sı-402, 


EG 


323 


9) Cir. Moxon: the Geologist, a montlhily record of investiga- 

_ tions and discoveries in Geology, Mineralogy and their 
associate sciences, London, 8°. 

1842, January, I, no. 1, ı1, 111, p. 1—94, pl. 1, a. 

Einleitung, S. 1—2. y 

Periodische Zusammenfassung: die Eis-Theorie, S. 3—14. 

Original-Mittheilungen: J. Buckman: Lias-Schichten bei C'heltenham, S. 14. 

Verhandlungen der Sozietäten: der geologischen zu London 1841, Nov. 3; 
zu Manchester, Oct. 2, S. 20—29. 

Bücher-Schau: Manchester Transactiouns I; DuvaL-Jouve, S. 29—32. 

Monatliche Notitz, 1. Februar, S. 33—36. 

Original-Mittheilungen: C. B. Rose: über Rinder-Knochen im Thon von 
Norfolk ; p’Orsıgny über Ammoniten [aus der Paleontologie Fran- 
caise!), S. 36—45. 

Verhandlungen der Sozietäten: der geologischen zu London 1841, 
Dee. 1, 15; und zu Manchester, Dec. 16; zu Dudley 1842, Jänn. 17, 
S. 45—61., 

Bücher-Schau : StEININsErR Saar-Gegend, S. 62—64. 

Monatliche Notitz, 1. März, S. 65—66. 

Original-Mittheilungen: ArLLrorr: ein Lophiodon-Zahn unter Londonthon; 
D’ORBIGENY: Ammoniten, Fortsetzung; Gorpon Schmelz - Punkt der 
Metalle, S. 66—84. 

Miszellen: Zerlegung des Sillimanits, Anthosiderits, S. 84—85. 

Sozietäts - Verhandlungen zu Manchester, der Akademie zu Paris, 
Ss. 85—91. 

Bücher-Schau : ou Roquan RBudisten, S. 91—94, 


——___ 


10) Erman’s Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russlund, 
Berlin, 8° [vgl. Jahrb. 1842, 107]. 


1841, I, nı, S. 423—596, Taf. ıı, ıı1, 


H. R. Görrert: über ein in Wolhynien gefundenes versteintes Holz, 
so wie über das Studium der versteinten Hölzer überhaupt, S. 493 
—513, Tf. ın. 

A. Erman: über: Tbier- Fährten im Livländer Sandstein nach FiscHer 

von Warpneim [Jahrb. 7840, 737], S. 526—528, Tf. ıu, Fg. 1. 

A. Enman: über vermeintliche Ichniolithen bei Buchtarminsk (sind 
Kunst Erzeugnisse), S, 529—533, Tf. sr, Fg. 2. 

A. Erman: die Entstehung‘ der Imatra-Steine nach E. Horrmann , PARr- 
RoT und EHrRENBERG, S. 534—544 [Jahrb. 1840, 679, 714]. 

A. Erman: Beiträge zur Klimatologie des Russischen Reiches, I. Ab- 

"schnitt, S. 56%— 580- 

A. v. Meyenporrr’s und seiner Begleiter Bericht über ihre Reise im 

Europäischen Russland im J. 1840, S. 580 — 589 [mitbegriffen im 
Jahrb. 1842, 91 —95]. 

Von zwei in Russland vorkommenden Versteinerungen, Tf. m, einem . 


324 


lehthyedorulithen (Fg. 3) und einem Baier n 4) Aa 1840, 
136], S. 592—595. 


11) H. Kröver%® Tidskrift for Naturvidenskaberne, Kjöben- 
havn, 8° [vgl. Jahrb. 1841, 110]. | 


1840, III, 1—306, m. 3 Taf. (nach der Isis). 


Luso: Hinblick auf die Thier- Welt Br asiliens vor der letzten Erd-Um- 
wälzung (aus @versigte:n over det kgl. Danske Videnskabernes 
Selskabs Forhandlinger i 1838), S. 85—101 > Isis 1841, 686— 692. 

Lunp: spätre Berichte (ebendaher, 1839), S. 700--703 [vollständiger im 
Jahrb. 1840, 120—125)]. 


12) The London and Edinburgh Philosophical Mayazine and 
Journal of Science (incl. the Proceed. of the geol. Soc, of. 
London), Lundon, 8° [vgl. Jahrb. 1842, 106]. 

41841, Sept., Oct., XIX, ım, ıv, no. 123, 124, p. 177—336. 

W. H. Mirrer: über Form und optisches Verhalten des Anhydrits, 
S. 177— 178. A 

C. Darwin: über eine merkwürdige Sandstein - Barre vor Pernambuco 
an der Küste Brasiliens, 8. 257—260 [>> Jahrb. 1842, 243]. 

Proceedings of the Gevloyical Society 1841, Jänn, 20 — Febr. 3, 
S. 315-325 [vgl. 1841, 689]. x 

R. Owen: über die Zähue von Labyrinthodon u. s. w., S. 315— 
318 [>> Jahrb. 1841, 629—630]. 

Ta. Austin: Beobachtungen über Hebung der.Küste von Waterford 
Haven in der Menschen-Periode, S, 318—320. 

Cu. Lyere: Süsswasser-Fische von Mundesley, von Agassız bestimmt, 
S. 320—321. & 

W. Hoezıns: geologische Struktur des Wealden-Distrikts und des 
Bas-Boulonnais, S. 321—325. 

Proczedings of the Chemical Society. of London, 1841, Mai 11 — Jwii 
(S. 328—333). 

Yorke: über ein Stück künstlichen Arragonits, S. 330—332. 
Kunrmann: Verkieselung des Kalksteins, S, 332 [>> Jahrb. 1842, 242). 

Wesster’s Aukündigung von Vorlesungen auf dem neuen Lehrstuhl 

der Geologie am Collegium zu London, 3.538. 


C. Zerstreute Aufsätze. 

F.W. Horz: Übersicht der in Bernstein und Anime-Gummi 
bekannt gewordenen Insekten (Transact. of the London 
enltomul. Society, 1836, I, 133). 

H.v. Meyer: über das Vorkommen von Lebias Meyeri Ac, im Thone 
von Frankfurt (Museum Senkenbergianum, I, 288). 


———— men 


Auszüge 
| we 


A. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


J. Domzxıko: Analysen verschiedener Kupfererze aus 
Chili (Ann. des Min., 3me Ser., XVIII, 82 cet.). 1) Kupferkies, 
meist derb, selten krystallisirt; aus den ‚Gruben: a) de los Sapos, 
b) de Villador, c) de la Iguera, und 2) Bunt-Kupfererz, stets derb 
und mitunter in sehr beträchtlichen Massen, aus den ‚Gruben: d) de 
Tamaya, e) de los Sapos, f) de la Iguera. 


1. Kupferkies. 2. Bunt-Kupfererz. 
Te DU nn 7 
a) b) ce) g) e) f) 


Kupfer sin. 428,9.3657 kr in AI 565 
Busen. 45) 24.312648 0,26,0 51132; kr) 1, 5149117577. 19,2 
Schwefel 2. .29,0 . 33,8. 30,6 '.20,8. 23,1. 20,5 
Ganoarkinar.. 1,04 u u ILS 


99,7 . 98,1 . 100,9 . 96,7 . 100,0 . 100,1 


Tu. Taomson: über die um Glasgow vorkommenden Mineral- 
Substanzen (Phil. Mag. Dechr. 1840, 402 cet.). Die Gegend um 
"Glasgow — Lead Hills, Wanlock Head, die Gebirgs-Züge auf beiden 
Ciyde-Ufern, die Hügel-Reihe jenseits Greenock und Port Glasgow bis 
Kilmacolm — gehört zu den an Mineralien besonders reichen. Wäh- 
rend der Regierung Jako IV. wurde die Grube von Lead Hilis als 
„Goldwine“ bearbeitet. Das hauptsächlichste Erz ist Bleiglauz uud 
dessen gewöhnliche Gangart Barytspath; Kalkspath und Arragon kom- 
men in Menge und nicht selten sehr schön krystallisirt vor. Ausserdem 
finden sich in Lead Hills: Blei-Vitriol, koblensaures Bleioxyd, 
schwefelsaures Bleioxyd mit Kupferoxyd, kohlensaures 
Bleioxyd 'mit schwefelsaurem Bleioxyd, schwefelsaures 


326 


Bleioxyd mit drei Atomen kohlensauren Bleioxyds, phos- 
phorsaures Bleioxyd, kohlensaures Bleioxyd mit schwefel- 
saurem Bleioxyd und mit Kupferoxyd, phosphorsaures Blei- 
oxyd mitchromsaurem Bleioxyd, und vanadinsaures Bleioxyd. 
[Wir übergehen die vom Vf. beigefügten Bemerkungen, weil sie sämnt- 
lich durch mineralogische Hand- und Lehr-Bücher, so wie durch Jour- 
nale bereits bekannt geworden.] — Die Hügel von Kilpatrick, welche 
das Olyde-Thal von Stockey bis Dumbarton begrenzen, bestehen aus 
sog. Trapp - Gesteinen. In den Blasenräumen finden sich: Stellit 
(schneeweiss; in Krystallen, welche wie Strahlen von mehren Mittel- 
punkten ausgehen; Eigenschwere — 2,612; chemische Formel — 
4CaSz + M3Sz +AIS- 21 ag); Thomsonit; Natrolith; Me- 
solith; Scolezit; Glottalit: (die, Abstammung der Substanz von den 
Hügeln hinter Port Glasgow noch zweifelhaft; Mer scheinbar (?) in 
Oktaedern En glasglänzend; spez. Gew. — 2,181; Formel: 
CaS-+ AIS;% + 3 ag); Laumontit; Chabasie; Kuala Clu- 
thalit (nahe bei‘ Dumbarton in den Hügeln von Kilpatrick gefunden ; ; 
bildet grössere rundliche aus Krystallen, scheinbar rechtwinkeligen Pris- 
men bestehende Massen i im Mandelstein ; fleischroth; fast undurchsichtig; 
glasglänzend; spez. Gew. = 2,166; Formel: 4 (Al + Ms) S; + 
(S N) S +3 ag); Stilbit; Heulandit. Hermotom. — Koh- 
lensaure’ Magnesia wurde neuerdings zu Bishoptown entdeckt, 
Ausserdem findet man in der oben bezeichneten Gegend: Wollasto- 
nit; Prasolit (lauchgrün; besteht aus sehr locker verbundenen Fa- 
sern; Eigenschwere — 2,311; Gehalt: Wasser , Kieselerde, Magnesia, 
Eisenoxydul, Thonerde und walırscheinlich (?) auch Natron); Fluss- 
spath (u. a. bei Gourock);.Prehnit (in grösster Häufigkeit); Labra- 
dor (als Gemengtbeil einer. Grünstein-Erde); Kipatrick - Quarz (in 
Mandelsteinen 'Kugeln von. Haselnuss-Grösse bildend; gemengt mit 
Stilbit und mit Kalkspath;. spez. Gew. — 2,525; enthält neben der _ 
Kieselerde 2 Prozent Wasser und eine Spur von Schwefelsäure; ein 
ähnliches Mineral ist aus Neu-Schottland nach England gebracht wor- 
den); Schwefel-Cadmium (Greenockit). 


‘rt 


- RAMMELSBERG: über das sogenannte schlackige Magnet- 
eisen aus dem Basalt von Unkel am Rhein (Pogsenp, Annal. .d. 
Phys. Lil, 129 u. S. w.). Die Analyse ergab: | 


„ Eisenoxydul Me, 2, 604 EAREN ’ 
alı uns - RE Ih N „Li F 
Eu | _ Titansäure . . . 39,6... 

‚ i ‚ Bau ıı rar unlbias EB WAZ TIL RZ ZZ 


100,0.) 


J. Jonsston: neue Varietät von‘ B eryli:z u. Haddam, in. Con- 
neeticuti entdeckt. «Sırııman Amerie. Jowrn. XL, 401.cet.)..” Farbe 


327 


berggrün;  Eigenschw. = 2,716 — 2,719. Vorkommen auf einem im 
Gneise aufsetzenden Feldspath-Gange, y 


— 


'Wäißsner: über den Pouchkinit (Bullet. de la Soc. Imp. des 
Naturalistes de Moscou ,' Annee 1841, Nr. I, 112 cet.). Vorkommen 
unfern des Hüttenwerkes Neyvoroudiansk im Ural in Quarz-Trümmen, 
welche in rötblichem Thon liegen. „Zwiebelgrün“ oder „fahlgelb “, je 
nachdem die Krystalle in paralleler Richtung mit der Axe, oder unter 
einem rechten Winkel mit derselben betrachtet werden. Glasglanz. 
Sechsseitige Prismen, nur selten deutlich 'ausgebildet. Bruch uneben, 
zum Muscheligen sich neigend. Härte’ == 6,7. Blass olivengrünes 
‚Strich-Pulver. * Eigenschwere = 3,066. Resultat der ‚Analyse: 

Fear Kieselerde . ; : 38, ‚885 
Thonerde . . . 18,850 
Eisenoxyd . . Ay 16, 340 


Manganoxyd . . 0,260 
Kalkerde . . . "16,000 
Falkerden ur... 6,100 
N ie LE, 
Lithion 1 Se LO 

99,665. 


bb: A. Necrer:, krystallisirtes Talk-Hydrat auf dem Ei- 
lande,Unst (Bibl. univers., nouv. ser. XXVII, 371). Der Gang, in 
‚welchem jene Mineral- Substanz im. Serpentin - Fels vorgekommen und 
der alle Handstücke geliefert hat, welche sich in Europäischen Minera- 
lien- Sammlungen finden, ist gänzlich erschöpft; nur hin und wieder 
kommt das Talk-Hydrat in der Nähe noch auf sehr schmalen Adern 
vor,, ‚Die vom Verf. beobachteten Krystalle sind, sehr kleine entrandete 
‚sechsseitige Prismen, deren P-Fläche in ihrer Ausdehnung bei weitem 
‚vorwaltet; in ‚der Richtung dieser Fläche liegt auch der einzige deut- 
liche Durchgang. 


—_—_ 


Derselbe. Vorkommen vom Arragon in Schottland (a. a. O.). 
Das Mineral findet sich”ebenfalls auf ‘dem’ Eilande Unst, indem nänı- 
lichen -Serpentin-Fels‘, welcher ‚den‘ Gang von Talk -Hydrat umschloss. 
-Die’Wände kleiner Spalten sind 'mit “Arragon -Krystallen  überkleidet. 
‚Bis jetzt’ kannte man in a nur. die’ ing Art mr Mineral- 
Substanz. 


"W.iF, Fürst zu Saum - Horstmar: Zerlegung‘ des." Dorfs von 
Coesfeld (Possenp. Ann.'d. Phys.'LII, 624)  0,299'Grm; Torf gaben 


328 


0,024 Gran. Salmiak; dieses entspricht 0,0063 Grm. Stickstoff; bier 
enthält der nina Torf 2,1 Proz. Stickstoff. 


A. Breituaupr : über den Bismutit, das kohlensaure Wis- 
muthoxyd (a. a. ©,, S. 627 f.). Auf der Eisenstein - Grube Arme 
Hülfe zu Ullersreutk bei Hirschberg im Reussischen Voigtlande findet 
sich u; a. in einem hornigen Brauneisenstein: Gediegen - Wismuth, 
Wismuth-Glanz und -Hypochlorid, erstes in eingesprengten oder kleinen 
Partie’n, das zweite in eingewachsenen Nadel-förmigen Krystallen, auch 
derb. . Beide ‘metallischen von Kupferkies. begleiteten Mineralien sind 
zuweilen an ihren Rändern und an der Oberfläche, gewöhnlich aber 
durch und durch in eine blassgraue oder grüne Substanz umgewandelt, 
die mehr oder weniger rein aus kohlensaurem Wismuthoxyd besteht. 
Äussere Kennzeichen: Glasglanz in den reinsten Partie’n, selten lebhaft ; 
der aus Wismuthglanz entstandene Bismutit berg- und unrein zeisig- 
grün, selten strohgelb; der aus Gediegen-Wismuth entstandene gelblich- 
grau, Stroh- und Erbsen-gelb; Strich in den dunkelgrünen Abänderun- 
gen grünlichgrau, sonst farblos; undurchsichtix bis an den Kanten 
durchscheinend; Nadel-förmige After-Krystalle, eingesprengt und derb; 
Bruch muschelig, uneben, zum Theil fast erdig; Härte zwischen 54 
und 44; sehr spröde; spez. Gewicht — 6,864— 6,909. — Grüne, gelbe 
und graue Abänderungen lösen sich in Säure vollständig auf. Nach 
PrArTtner’s chem, Untersuchung besteht das Mineral hauptsächlich aus 
kohlensaurem Wismuthoxyd, welches nicht frei ıst von Eisen, Kupfer- 
oxyd und Schwefelsäure. — Auch im Erzgebirge ist der Bismutit 
vorgekommen: zu Schneeberg, aus umgewandeltem Gediegen - Wismuth 
entstanden, und im ee Revier auf Bergmännischer- 
rn LEN 


BE 


Krınz: über von Korenr’s Conikrit und den Pyrosklerit 
‚(Karsten und v. Decnen Arch. f. Min. XV, 378 u. s. w.). Beide Substan- 
zen — welche, unfern Porto-Ferrajo, der Hauptstadt auf Elba, Gänge 
in Serpentin zusammensetzen — scheinen, wenn man sie an Ort und 
Stelle mit ihrem Nebengestein vergleicht, nicht viel Anspruch auf 
Selbstständigkeit machen zu dürfen. .Conikrit dürfte ein verhärteter 
Talk seyn, der sich auf Ablösungs-Klüften, wie nach der Begrenzung 
mit Serpentin hin, immer noch charakteristisch hervorhebt. . Da, ‚we,er 
dem Bespülen des Meeres ausgesetzt ist, sondert er sich ‚auf der’ Ober- 
fläche körnig ab,’ Durch eine gleiche Umwandelung aus Diallag scheint 
auch der Pyrosklerit hervorgegangen zu seyn. 


G. Rose: Xanthophyllit, eine neue Mineral-Gattung 
(Pogsenp. Ann. d.'Phys. L, 654 ff). Bildet' in Talkschiefer eingewachsene 


329 


kugelige Zusammenhäufungen von einem Zoll und darunter Durchmesser, 
die an der Oberfläche mit einer Menge kleiner Magneteisen -Krystalle 
besetzt sind. Der Kern der Kugeln besteht aus Talkschiefer, um welchen 
der Xanthophyllit eigentlich nur eine 3 bis 4'' dicke konzentrische 
Hülle ausmacht. Die Hülle selbst besteht aus breitstängeligen oder 
‚schaaligen Individuen, die exzentrisch zusammengehäuft sind und nach 
innen zuweilen die regelmäsigen Umrisse von sechsseitigen Tafeln er- 
kennen lassen. Farbe: Wachs-gelb; in dünnen Blättchen durchsichtig ; 
auf der Spaltungs - Fläche ziemlich stark Perlmutter - artig glänzend; 


Härte, wie jene des Feldspatlis; spez. Gewicht = 3,044. Vor dem 
Löthrobre in der Platinzange unschmelzbar; mit Borax leicht zu grün- 
lichem durchsichtigem Glase fliessend. — Die angestellten Versuche, 


welche in der Urschrift nachzusehen sind, ergaben, dass das Mineral 
aus Thonerde, Kalkerde, Natron, etwas Eisenoxyd und Kieselsäure zu- 
sammengesetzt ist; von Flusssäure, Talkerde und Kali keine Spur. — 
Vorkommen in den Schischimskischen Bergen bei Slatoust, 


Jacquzrraın: über das Platin (Ann. de Chim. et de Phys., LXXIV, 
213 cet.).. Wahrscheinliche Krystall-Form ist ein regelmäsiges Oktaeder. 
Durch BoussinsauLt wurde das Vorkommen auf einem Gold-führenden 
im Diorit aufsetzenden Gang zu Santa-Rosa in Columbien ausser Zwei- 
fel gestellt. 


H. Rose: über die Zersetzung der in der Natur vorkom- 
mende Aluminate (PocgEnD. Aunal. d. Phys. LI, 275 fi... Zu einem, 
Auszuge nicht geeignet. 


E. Scuwsizer: Analyse des Porphyrs von Kreutznach (a. a. O, 
S. 287 ff). Der Porphyr — dessen Feldstein-Grundmassen eine Menge 
kleiner Feldspath- und Quarz - Krystalle enthält, bisweilen auch etwas 


tombackbraunen Talkglimmer — besteht aus: 
--Kieselerde - - De Pe 70,50 
Thonerde } ; - - . 13,50 
Eisenoxyd ; - } s 5 5,50 
Kalkerde ’ i - - 0.25 
Talkerde .  . : R s } 0,40 
Kalı.. . 5 } 5 x : 5,50 
Natron . . . . . . 3,55 
Ehlor . Nur were 0,10 
Wasser . 5 . . . 0,77 


100,07 


330 


Bei der: vulkanischen Bildungs - Weise des Porphyrs erklärte‘ man 
sich das bekannte Auftreten der Sool-Quellen bisher so, dass die Soo- 
len ihre Nahrung von Salz- Thon hätten, der Gang-artige Klüfte füllte. 
Ursprünglich‘ dürften die Chlor-Metalle im Porphyr enthalter seyn. Das 
aus der Tiefe zufliessende Wasser zieht dieselben, so wie die übrigen 
Bestandtheile der Quelle, unter Mitwirkung von Wärme, hohem Druck 
und Kohlensäure aus den: Gesteinen selbst. Daneben lassen ‚sich: immer 
noch grössere oder geringere Anhäufungen von Salz-Massen- UNEIEREAENG 
die zur Ernährung der Quellen beitragen. 


.Pm. Warter: über fossiles Wachs aus Gallizien (Ann. de 
Chim. et de Phys. Oct. 1840, 214). Vor einigen Jahren wurde 
bei Truskawica ein fossiles Wachs ‚entdeckt, welches 2 bis 3 Meter 
tief in Lagen von Sandstein und-von EI Thon VkOBRuE Die 
Analyse ergab: 


Kohlenstoff > ; 85,85 
Wasserstoff ; s 14,28 
100,13 


Ta. Scurerer: über den Euxenit (Poccenn. Annal. d. Phys. 
L, 149 #.). Fundort: Jölster im nördlichen Bergenhuus-Amt in Nor- 
wegen. Verhältnisse des Vorkommens sind dem Vf. nicht bekannt. Das 
Mineral ist bräunlichschwarz, in dünnen Splittern röthlichbraun durch- 
scheinend, metallisch fettglänzend und von unvollkommen muscheligem 
Bruche; keine Spur von krystallinischer Struktur. Spez. Gew. = 4,60. 
. Chemischer Gehalt: 


Tantalsäure (Titansäure-haltig) . . ; 49,66 

Titansäure . - : ; . - BR 7,94 
" Yttererde . Ä i % x E : 25,09 

Uranoxydul . . L B EAN, a 3: 


Ceroxydul . - : s ; - 5 2,18 
Lanthanoxyd ‘ 2 : > - . 0,96 
Kalkerde . Al . Ä R ; 2,47 
Talkerde av, E - Ä 5 k 0,29 
Wasser ; $ ; Ehe ; ' 3,97 

98,90 


Es sollen die Zahlen-Verhältnisse jedoch nur als von annäherndem 
Werthe zu betrachten seyn. Der Name wurde nach den vielen seltenen 
Bestandtheilen gebildet, welche die Substanz enthält. 


G. Rose: Mittheilung von Untersuchungen über die Zu- 
sammensetzung des Feldspaths und anderer verwandter 


331 


Gattungen, ausgeführt von verschiedenen BR Chemi- 
kern (a..a..0. LII, 465 ff.). 

1. Feldspath. Die Analyse bestätigte die Goguchrant des Natron- 
Gehaltes, der von Asıcn (Jahrb. 1841, 468 ff.) in allen Abänderungen 
des :glasigen Feldspaths nachgewiesen worden, auch in den übrigen 
Feldspath- Abänderungen, im Adular und gemeinen Feldspath, wenn 
auch in geringerer Menge. Die zerlegten Feldspathe sind a) Adular 
vom Gotthardt; b) Feldspath von Schwarzbach im Riesen-Gebirge, 
in Drusenräumen von Granit vorkommend, mit kleinen Albit-Krystallen 
besetzt; die Masse der letzten schneidet jedoch scharf von der des Feldspa- 
thes ab und dringt nicht in diese ein; c) Feldspath von Alabaschka 
bei Mursinsk im Ural, ebenfalls in Granit-Drusenräumen vorkommend. 

2. Albit-ähnliches Mineral aus Pennsylvanien. 

3. Oligoklas von Ajatskaja nördlich von Katharinenburg im Ural, 
verschieden von dem bei Stockholm vorkommenden durch grössern Kali- 
und Eisenoxyd-Gehalt. 

4. Albit-ähnliches Mineral von Pisoje bei Popayan in Co- 
lumbien. 

(5. Labrador-äh nlsalfke Mineral vom Baumgarten in Schlesien 
im Gemenge mit Hornblende sich findend: 

(1a) (1b) (Le) (2) (3) (4) (5) 
Ban... 50.4447 885 :10,18) 21,57 3,91 0,80 
Natron # 22.2. °2.02000144 5,06. 3,50 9,91 7,55 6,19 19,39 
Kalkerde ... . ..... Spur 0,21 0,11 1,44 2,16 9,38 . 6,54 


Balkerden sul. 4a ,..1., Spur; ;:2,0,31 0,31 1,05 0,41: 
Thonerde ....... 18,28 20,03 21,10 19,60 26,52 25,23 
Thonerde «Titan- haltig) 19,64 r 
Eisenoxyd - » ... ». Spur .0,18 4,11, 0,70 


Kieselsäure. . . . . 65,75 67,20. 65,91 67,20 61,66 56,72 58,41 
99,64 101,84 100,80 100,07 99,5% 100,31 99,98 


SauvacE: Analyse eines in den Ardennen unter dem Namen 
Gaize oder Pierre morte bekannten Gesteius (Ann. des Min. 
ame Ser. XVIII, 520 cet.). Die Felsart nimmt unter der Kreide-For- 
mation ihre Stelle ein; sie bedeckt die Gault-Thone. Die Mächtigkeit 
beträgt bei 100 Meter. Die Masse ist sehr weich, ieicht, grau von 
Farbe. Unter starker Lupe ergibt sich, dass das Gestein nur ein schein- 
‚bar gleichartiges ist; inmitten der körnigen Masse sieht man viele kleine 
schwarze Punkte. Resultat der Zerlegung: 


Wasser . i : Ä s 8,0 
Gelatinöse Kieseler de - ß . 56,0 
Grünsand (Chlorit) - ? 12,0 
Thon . . 5 s . e 7,0 
Feiner quarziger Sand . . . 17,0 


100,0 


332. 


W. 0. Bovanz: Nachricht über das Vorkommen von „Zeo- 
lithen“ und andern Mineral- Substanzen in Bergen, Beryen 
County, New-Jersey (SıLLıman Americ. Journ. XL, 69 cet.). Die 
Bergen-Hills bilden das südliche Ende der unter dem Namen Palisadves 
bekannten „Grünstein“-Felsen an der westlichen Seite des Hudson- 
Flusses. Der Vf. fand: Stilbit auf Kalkspath- Gängen; Eisenkies, 
Heulandit und Laumontit unter ähnlichen Verhältnissen; Prehnit 
auf Kalkspath- Gängen; Datolith ebenso; ferner Analzim, Natro- 
lith, Apophpyllit in der primitiven und in mehren abgeleiteten Ge- 
stalten, die Krystalle theils von einem Zoll im Durchmesser; Thom- 
sonit, schmale Gänge zusammensetzend; begleitet von Prehnit und 
Mesotyp u. s. w. 


CH. U. Suerarn: über eine muthmaaslich neue Mineral- 
Substanz aus New-York und Canada (a. a. 0. XXXIX, 357 cet.). 
Ohne Wieder-Abbildung der dem Aufsatze beigefügten Krystall-Figuren 
ist kein Auszug möglich. Eine Analyse des vorläufig Ledererit ge- 
nannten Minerals: fehlt noch; vor dem PEOREERn verhält sich dasselbe 
wie Sphen. 


J. Fr. L. Hausmann: über die Krystallisation des Kupfer- 
niekels und des Antimonnickels (Studien des Götting. Vereins 
bergmänn. Freunde, IV, 347 ff... Kupfernickel-Krystalle von Riechels- 
dorf ergeben sich als Bipyramidal-Dodekaeder mit abgestumpften Grund- 
kanten. Für den Antimonnickel darf ein regulär sechseckiges Sy- 
stem entschieden angenommen werden; der Verf. beobachtete das Vor- 
kommen von Bipyramidal-Dodekaeder-Flächen, die, wenn sie nicht voll- 
kommen ausgebildet sind, auf den End-Flächen der sechsseitigen Tafeln 
eine regulär sechseckige Reifung bewirken. 


Derselbe: über einen blättrigen Graphit aus Zeylan (a. a. 0. 
349 f.). Die untersuchte Abänderung des Minerals besitzt diekstängelige 
Absonderungen und zeigt an einigen Stellen Anlagen zur krystallini- 
schen Individualisirung. Die Länge der Stängel beträgt bis zu 2 Par. 
Zoll. Sie sind theils gerade und gleichlaufend, theils gebogen, Die 
Stücke erscheinen durch parallele Flächen begrenzt, welche entweder 
rechtwinkelig, oder etwas schiefwinkelig gerichtet sind; wahrscheinlich 
gehörten dieselben einem Gange an. Die einzelnen Stängel gestatten 
nach ihrer Länge höchst vollkommene Spaltung bis zu den dünnsten 
Lamellen. Die Breite der Blätter richtet sich nach der Stärke der ab- 
gesonderten Stücke und pflegt zwischen 4 und 2 Linien zu messen. 
Die Spaltungs-Flächen sind stark glänzend und vollkommen spiegelnd. 
Unter der Lupe erscheinen auf ihrem Rauten-förmigen Queerrisse, ohne 


335 


Zweifel versteckte Blätter-Durchgänge andeutend, die den Haupt-Blätter- 
re Frentwinkehg, scheiden. ; 


C. Rımmersgerg: über die Zusammensetzung des Lievrits 
(Pogsen». Annal. d. Phys. L, 157 ff.). Aus neuen von R. angestellten 
Versuchen besteht der Lievrit aus: ya Ä 


"Nach der Analyse. Nach der Berechnung. 
ne ; 29,831 ° ENTE 
Eisenoxydul .. 52,683 ne 

oder Dreh) Be 00 een BE 
andrem ; 
Fersuch | Oxydul 33,074 . - . 33,06 
MkKalkerde 4.4: 012,487 13,40 
Manganoxydul . 1,505 
Wasser b . 1,612 we 
g8,008 mi ;#} 100,00 


Will man Kalkerde und Eisenoxydul als isomorph betrachten und 
auch das Mangan in die Formel aufnehmen, so wird diese: 


Ca? ) Si-+ Fe? Si 


Mn? 


A. Breituaupr: Beiträge zur nähern Kenntniss einiger 
Kiese und der Kies-bildenden Metalle, auch neue Isomor- 
phieen (a. a. O. LI, 510 ff.). Diese Mittheilungen, den Magnetkies, 
Gelb-Nickelkies, Roth-Nickelkies und den Antimon-Nickel betreffend, 


eignen sich nicht zu einem Auszuge,; 


Derselbe: über den Greenockit (a. a. O. S. 507 ff). Da in 
diesem Jahrbuche schon zu mehren Malen (u. a. Jahre. 1840, S. 687) 
von dieser neuen Substanz, dem Schwefel- Cadmium, die Rede ‚gewesen, 
sp müssen wir uns begnügen, auf den Urtext zu verweisen, 


yi 

Bussy: Untersuehung der Steinkoblen von Commentry 

(Journ. de Pharm. XXV, 713). Ausser abgesetztem. Schwefel wurde 

darin Salmiak in feinen Theilchen ‚Bingemsngt gefunden. Der BalBrn 
enthält Jod-Ammonium. 


x \ M 
Serez: Zerlegungen verschiedener Eisenspathe (Ann. de 
Min. 3me Ser. XVIIT, 536 cet.). Die analysirten Erze stanımen von 
Jahrgang 1842, 22 


334 


Pradines (a), Vorkommen inmitten talkiger Schiefer, der Eisenspath ist 
rein weiss; — von Magnols (b), gelblichbraun, von Kalkspath-Schnüren 
durchzogen und mit Barytspath gemengt; — von l’Hermie (c) und von 
Lasalle (d), beide letzten kommen im Kohlenschiefer vor. Resultate: 
ih are (a) (b) (e) . (d).- 
Koblensaures Eisen. . . 82 . 75 .. 74 . 68 


Kohlensaure Bittererde . 8. 1. ae 
Kohlensaures Mangan . . ee Re ne. 
Kohlensaurer Kalk . . . a BR ai: 4 
Bleiglanz . . . . ... Spur 

Barytspath . ». x. 2.2. ak 

Gangart 2a dw; Sense | ur RT 


100 . 100. 100 . 100 


Cu. U. Suerann: Zerlegung eines unfern Little Piney im 
Staate Missouri am 13. Februar 1839 gefallenen Meteorsteins 
(SıLLıMmaN Americ. Journ. XXAIX, 254—255). Das Resultat war: 


Kieselsäurg, ., 04 samssmana S1s22 

Billererde:. ... „0 2: 2. 42.88 

Eisen-Protoxyd . . . . 17,25 } Erdiger Antheil. 

Bionerde ,. 2 1...8 vo 0,49 

Matron" a... 0029. 10000 DDRE 

Brent). ons ven E0BO 

Kobalt und Chrom . . . 4,28 

VECHERTE Un SR HIN AL RRU TE IRELE 
' Schwefel und Verlust . . 4,73 


Meteoreisen. 


100,00 


W. Haipincer: über eine neue Varietät von Arragonit 
(Posen. Aun. d. Phys. LIII, 139 #.). Vorkommen in Zwillings-Kry- 
stallen (deren genauere Beschaffenheit der Abbildungen wegen in der 
Urschrift nachgesehen werden muss) zu Herrengrund auf körnigem 
Kalk. Mit den Arragonit-Krystallen finden sich auch merkwürdige 
Pseudomorphosen von Kalkspath nach Arragonit, und zwar (nach Be- 
obachtungen des Bergraths von Kocn in Nenusohl) in den obern Theilen 
der Drusen, während die untern den Arragonit enthalten, dessen Kry- 
stalle jedoch auch bereits zum Theil von einer Seite zerfressen und auf 
der andern mit mikroskopischen Kalkspath - Krystallen besetzt sind, so 
dass eine Suite jedes Zwischenglied der Pseudomorphose zwischen 
Arragonit und Kalkspath darstellt; Phänomene, welche unbezweifelt als 
Beweise der Abkühlung von oben gelten müssen. Der kürnige Kalk, 
auf welchem die Arragonite aufsitzen, muss wohl bei noch höherer 
Temperatur als sie selbst gebildet seyn. 


j 335 


L. Eısser: Entwickelung einer sehr einfachen Formel, 
nach welcher schon aus jeder krystallographischen Grund- 
form die grösstmögliche Anzahl gleichartiger Flächen sich 
bestimmen lässt, die in den respektiven Systemen vorkom- 
men können (Erpmann und MarcnHanD Journ. für prakt. Chem. XXIIT, 
442 ff... Zum Auszuge nicht geeignet. 


L. A. Necker : über das chromsaure Eisen auf-Unst (Bibl. 
univers., Nouv. Ser., XXVII, 372). Das ganze mittle Drittheil der 
Insel besteht aus Serpentin; er bildet Höhen von 200 bis 300 Meter. 
Hıegert entdeckte hier 1819 zahlreiche Haufwerke von chromsaurem 
Eisen. Der Serpentin ist ganz von diesem Erz durchdrungen; es fin- 
det sich eingesprengt in Körnchen von der Kleinbeit jener des Schiess- 
pulvers bis zu Massen von mehren Fussen und selbst von mehren 
Metern Durchmesser, aus Körnern bestehend , welche theils Nuss- 
Grösse haben. 


A. Breitnauet: Plakodin, ein neuer Kies (Pocsexn. Ann. d. 
Phys. LIII, 631 #.). Vorkommen (angeblich) auf der Grube Jungfer 
bei Müssen zwischen Eisenspath und Nickelglanz. Metallglänzend; 
bronzegelb; schwarzer Strich; Primär- Form: hemidomatisches Prisma 


erster Art + P es = v — 64°56' (wegen der übrigen Krystallisatione- 
Verhältnisse müssen wir auf die Abhandlung verweisen, da die beige- 
fügten Abbildungen zur Verständigung unentbehrlich sind); Bruch zwi- 
schen muschelig und uncben; sehr spröde; Härte —= 641 —64; spez. 
Gew. — 7,988—8,062. — Nach PrLartner’s qualitativer Untersuchung 


besteht der Plakodin aus Nickel und a. mit Spuren von Kobalt 
und Schwefel. 


Prressen: Analyse des Basaltes von der Steinsburg bei Suhl 
(Rammersgerg Handwörterbuch des chemischen Theiles der Mineralogie *) 
I, 84 und 85). Der zersetzbare Antheil (a) betrug 0,425, der unzer- 
setzbare (b) aber 0,575. Dieser wurde aber nachher durch Fluor- 
Wasserstoff-Säure zerlegt. Es enthielten nun: 


(a) ch) 

Kieselsäure . . 187,25 } 61,63 
Thonerde " N 8,82 l 14,28 
Eisenoxyd - - 11,76 
Eisenoxydul .: } 18,47 Ä 7,54 
Kalkerde : f 6,61 ! 6,03 
Talkerde ; k 10,29 ; 5,50 
Natron .° „, z 0.05 ; 3,92 
Kali h Re 1,10 
Wasser ; 3,69 

’ 101,11. 100,00 


*) Es enthält diess treffliche Werk (Berlin 1841) die Resultate mehrer chemischer 
Untersuchungen , welche vom Vf. selbst oder in seinem Laboratorium angestellt 
und noch nicht anderweitig publizirt worden. 


22 * 


ai 


336 e 


Die Berechnung ergab für den 
. zersetzbaren Theil: % zeolithischen Theil: 


Zeolith . ., * use lb, Kieselsäume, "1. 2.0 
Olivia ee a SB. Uhonende merk ET BERAN 18,70 
Maxneteisen, .„,... - 12,04 Kalkerde 7.2005 2022 72201 
Yan ALLOn.i Mae 0,11 
Kaly Van oe 8,84 
Wasser © . ea 7,83 


101,11' 


ein Resultat, welches, obgleich es ziemlich der Formel 

| (Ca, Kr US +5 H Be 
entspricht, dennoch auf ein Gemenge hinweisen möchte. - Der unzersetz- 
bare Antheil lässt noch weniger eine bestimmte Deutung zu; versucht 
man vermittelst des Alkalis die Menge von Labrador zu ermitteln, so 
mangelt es dafür an Thonerde. zu 


Divav: Analyse des Kaolins von Grimaud, Var. (Ann. des 
Min., 3me Ser. XVIII, 725). 


Wasser ; ; > N a 2,8 
Kieselerde- . : { i ; SE: 
Thonerde . 5 EU Auer go 19,8 
Eisenoxyd . Rah rl i - 2 1,2 
Kalkerde . h u IE Spur 
Taikerde . Eden, SR : 5 2 2,8 
GEN REF SR A a a re 9,1 

98,2 


W. Hamincer: über eine neue Lokalität von Gaylussit- 
Pseudomorphosen (PossEnD. Ann. d. Phys. LIII, 142: #.). Vorkom- 
men in der Kalkstein-Höble in der Tufna unfern Hermanecz bei Neusohl 
in hboblen Räumen der Sinus frontales eines Schädels von Ursus 
spelaeus, welcher aus einer mehre Fuss mächtigen Schichte von Ge- 
röllen und von Kalksinter ausgegraben worden. Die Krystalle des 
Gaylussits geben sich als Pseudomorphosen zu erkennen. Sie bestehen 
aus einem sehr locker zusammenhängenden Gewebe ganz kleiner Kalk- 
spatb-Krystalle, die jedoch stets grösser sind als die Individuen der sie 
umgebenden zarten Pulver - artigen Bergmilch -Bildungen. Ihre Form 
lässt sich auf die durch BoussinsauLt und FREIESLEBEN beschriebenen 
zurückführen. (Nach G. Rose kommen, Gaylussit-Krystalle auch beim 
Dorfe Kating unfern Tönningen in Schleswig 6—-7' unter der Dammerde 
in Mergel eingewachsen vor.) 


337 


H. Rose: über die Licht-Erscheinungen bei der Krystall- 
Bildung (Ber. d. Berliner Akad. und daraus in Erpmann und Mur- 
CHAND Journ. für prakt. Chem. XXIII, 447 ff... Am Schlusse heisst es: 
die Licht-Erscheinungen, welche sich beim Krystallisiren gewisser Kör- 
per zeigen, werden dadurch bedingt, dass das Salz aus einem Zustande 
in einen andern, isomeren, übergeht. Ein solcher Übergang ist häufig 
mit Phänomenen begleitet, welche von. ähnlicher Natur scheinen, wie 
das Leuchten bei der Krystallisation einiger Salze. Die bekannteste 
Erscheinung dieser Art ist das plötzliche Erglüken gewisser Oxyde, 
wie das des Chromoxyds , der Titansäure u. s. w., so wie auch einiger 
Mineralien, wie des Gadolinits. Vor dem Erglüben sind dieselben 
leicht in Säure löslich oder. durch solche zersetzbar, nach demselben 
zeigen sie sich unlöslich ‚oder wenigstens sehr schwer löslich und zer- 
setzbar. Bei beiden Zuständen der arsenigen Säure sind Verschieden- 
heiten im spezifischen Gewichte und in. der Auflöslichkeit im Wasser 
wahrnehmbar. Auch bei den. erwähnten Mineralien findet ein Unter- 
schied im spezifischen Gewichte vor und nach dem Erglühen Statt. 
Dasselbe ist nach der Feuer-Erscheinung, aber nicht immer, wie man 
vermutben sollte, grösser ‚als vorher, sondern bisweilen auch leichter. 
Dieser Umstand veranlasste die Untersuchung, ob sowohl bei der Licht- 
Entwickelung bei der Krystallisation als auch bei der Feuer-Erscheinung, 
welche gewisse Oxyde und Mineralien zeigen, Wärme frei wird; allein 
weder bei der Licht- Erscheinung beim Krystallisiren der Glas-artigen 
arsenigen Säure noch ‚bei der Feuer - Erscheinung, welche das Chrom- 
oxyd beim Erhitzen zeigt, wurde merkliche Wärme-Entwickelung wahr- 
genommen. Beide Phänomene, die vielleicht identisch seyn dürften, 
scheinen nicht in einem ‚Verhältnisse zu der Veränderung zu stehen, 
welche jene Substanzen vor und nach der Krystallisstion und dem Er- 
hitzen beobachten lassen. , 


Eszımen: über eın Alkali-haltıiges Manganerz (Ann, des 
Min., 3me Ser., XIX, 155 cet.). Die Substanz wurde vor einigen Jah- 
ren zu Gy (Haute - Saöne) aufgefunden. Vorkommen: als mehr oder 
weniger grosse rundliche Massen von faserigem Gefüge, schwach me- 
talliısch glänzend, dunkelgrau, welche in einer aus kohlensaurem Kalk 
und eisenschüssigem Thon "bestehenden Gangart sich: finden. Das Erz 
ist so weich, dass es zwischen den Fingern zerrieben werden kann. 
Die Analyse ergab: 


Wasser ; i Ä 1,67 
Oxygen s 14,18 
Mangan- Protoxyd.. L 70,60 
Eisen-Protoxyd , . ..-. . 077 
Fe 6,55 
KRalının, , Ä 5 4,05 
Talkerde °. ’ Ir 1,05 
Kieselerde . \ ii 0,60 


99,47 


338 


Wahrscheinlich stammt das fragliche Erz aus regellosen Höhlungen 
in den Kalk-Lagen der obern Abtheilung der zweiten Jura-Etage. 


L 


C. Rımmeispere: nachträgliche Bemerkungen über die 
Zusammensetzung des Humboldtits (Poceenn. Annal. d, Phys. 
LII, 633 £.). Wiederholte mit dem Biliner Mineral vorgenommene 
Versuche ergaben die Formel Fe & +3 H# als richtige, 


Kranz: über die in Drusenräumen der Granit-Gänge von 
St. Pietro auf Elba vorkommenden Mineralien“). (Kırsten und 
von Decuen Arebiv f. Min. XV, 399 ff... Es zeigt sich der neuere 
Granit Gang-artig im ältern theils mit scharfer Begrenzung, theils mit 
ihm verschmelzend. Beide Gesteine unterscheiden sich durch das grob- 
körnige Gefüge des neuen, durch seinen vorwaltenden Feldspath-Gehalt, 
den gleichmäsig vertheilten Turmalin und eine grössere Hinneigung 
zum Verwittern. Die Gäuge selbst, von sehr wechselnder Mächtigkeit, 
streichen vorwaltend hor. 11 und fallen stark. Die in NONE: 
vorkommenden Mineralien sind: 

1. Feldspath, besonders häufig und von hohem Grade ausge- 
zeichnet. Die Krystalle, deren Form stets das symmetrische sechssei- 
tige Prisma, sind am häufigsten einfach, jedoch nicht selten auch regel- 
mäsig verwachsen nach demselben Gesetze wie die Karlsbader Zwillinge, 
In der Regel zeigen sie sich klein, mitunter auch so gross, dass der 
Durchmesser von einer stumpfen Seitenkante zur andern 4‘ beträgt, 

2. Albit, weit seltner als Feldspath und nicht so ausgezeichnet. 

3. Quarz. Die Krystalle gewöhnlich nur klein, lassen zuweilen 
Bhomben- und Trapez-Flächen wahrnehmen, 

4, Lithbion-Glimmer, in zusammengehäuften sechsseitigen Ta- 
feln, zuweilen von Zoll-Grösse. (Als Gemengtheil des Granits findet sich 
nur schwarzer, wahrscheinlich einaxiger Glimmer.) 

5. Granat, kleine Dodekaeder und Leuzitoeder, zwischen hyazinth- 
roth und honiggelb. 

6. Berylli, ausser Krystallen der Kernform noch andere alle 
Flächen zeigend, welche bei der Substanz wahrgenommen worden, Am 
häufigsten wasserhell, ferner lichte-rosenroth, violblau, grünlich- und 
blaulichweiss, Manche Krystalle haben mehr als einen Zoll Länge 
und über einen halben Zoll Durchmesser; gewöhnlich sind dieseiben 
mit dem Ende auf Quarz oder Feldspath aufgewachsen, 

7. Turmalin, sehr ausgezeichnet, nicht "sowohl durch- seltene 
Krystall- Varietäten, als durch grosse Farben - Mauchfaltigkeit. Was 
letzte betrifft, so sind die Hauptfarben schwarz, grün und rotb. Schwarze 


*) Nach Bemerkungen von G. Rost, 


339 


Krystalle sind undurchsichtig, die übrigen durchscheinend bis vollkom- 
men durchsichtig. Seltner sieht man sie gleichmäsig gefärbt, wie u. a. 
die schwarzen und rothen; meist finden sich mehre Nuancen, die theils 
scharf von einander abscheiden, theils in einander übergehen. Es las- 
sen sich nach der Färbung folgende fünf Haupt-Varietäten unterscheiden: 

a) Schwarze undurchsichtige Krystalle, an den Enden mit den 
Rhompboeder-Flächen, besonders mit denen des Haupt-Rhomboeders ; auf 
den Seiten-Flächen ziemlich glatt; einzeln aufgewachsen, auch exzen- 
trisch gruppirt. 3 

b) Rothe Krystalle: an den Enden neben den Rhomboeder- Flächen 
mit der geraden End-Fläche, die nicht selten vorberrscht und sich oft 
ganz allein findet. Rosenroth und im Allgemeinen: sehr intensiv; die 
Farbe erblasst aber nicht selten gegen das freie Ende, wo die Krystalle 
zuweilen ganz farblos erscheinen. Diese zeigen sich einzeln aufgewach- 
sen, die sehr dünnen Nadel-förmigen in Büscheln zusammengehäuft und 
von Albit, Lithion-Glimmer und Quarz begleitet. 

c) Krystalle, zum Theil einige Zoll gross, am untern Ende schwarz, 
in der Mitte gelblichgrün, am obern Ende rosenroth, in beiden letzten 
Farben durchscheinend; die ersten Nuancen scheiden ziemlich scharf 
von einander ab, letzte gehen in einander über. Seiten - Flächen mit 
starker Streifung. 

- d) Krystalle am untern aufgewachsenen Ende rosenroth, nach u 
zu blasser werdend und lichte- olivengrüne Farbe annehmend, sind am 
obern freien Ende mit einer dünnen, höchstens eine halbe Linie dicken, 
schwarzen :Schichte bedeckt, die scharf an der vorhergehenden abschei- 
det. ‚Das freie Ende mit den Flächen des Haupt-Rhomboeders begrenzt. 
Die Kıystalle mitunter bis zu 24 Zoll Grösse. 

e) Krystalle am aufgewachsenen Ende schwärzlichgrün, das sich 
schnell durchs Olivengrüne ins Wasserhelle verlauft; an den freien 
Enden wie die unter d geschilderten Varietäten begrenzt. Manche mit 
den Seiten aufgewachsene Krystalle sind in ihrer Mitte schwärzlichgrün 
und zeigen an beiden Enden die so eben beschriebenen Farben-Änderungen, 

Der Granit der Gänge von St. Pietro zeigt viele Ähnlichkeit mit 
jenem von Morne [Mourne-Mountains] in Irland und von Baveno; in-. 
dessen ist jede dieser Örtlichkeiten durch besondere Eigenthümlichkeiten 
von der andern ausgezeichnet. Der Granit von Morne enihbält densel- 
ben weissen Feldspath, der jedoch nicht so gross vorkomnit, kleinen 
zusammengehäuften Albit, ferner Quarz, Lithion-Glimmer; und Beryll, 
wiewohl diese von andern Farben als beim Granit von Elbe, der Quarz 
Nelken-braun, der Lithion - Glimmer :grünlichgrau und der. Beryli grün 
und blau , aber keinen Turmalin ; statt dessen dagegen kleine Krystalle 
weissen Topases. Der Granit von Baveno enthält besonders Feldspath, 
der gewölinlich Fleisch-roth und durch schöne rechtwinkelige Zwillinge 
ausgezeichnet ist, ferner Quarz, der in grössern Krystallen als bei St. 
Pietro vorkommt, und Albit.. Die übrigen Mineralien finden sich nur 
seltener und bestehen ‘in kleinen undeutlichen Krystallen von Epidot, 


340 


in violblauen und weissen Flussspath-Oktaedern und iu Chlorit' und 
Laumontit. ' Nicht weniger bemerkenswerth sind kleine Tafel-forwmige 
Kalkspath- Krystallß, ‚welche in Drüsen zusammengehäuft den Feldspath 
und Quarz bedecken, a Zu 


Bıor: kr akt ‚Bibauue des N (Paric. Akad. 1841, 
Oct. 25 > UInstit. 1841, IX, 365). Die Apophjyllit- Krystalle von 
Feröe ruhen alle auf einer Gangart von Zitzen-fürmigem Mesotyp und 
‘ lassen, wenn: man’ sie queer im polarisirten Lichte des: Nicor’schen 
Prisma: mit: einer Lupe bewaffnet HE tRSEhLERG eigenthümliche Krystalli- 
satious-Verhältnisse: erkennen. IE? 

„Die unvollkommneren Krystalle treten mittelst eines Oniköneheiili 
vorspringend aus der Gangart: hervor, während die vollkommenen durch 
einen Punkt in ihrer Mitte; auf einer kleinen Mesotyp- Zitze erzeugt 
worden und vom Berührungs - Punkte aus nach beiden Seiten in die 
Länge gewachsen sind. Offenbar lässt diese Erzeugungs- Weise keine 
Endigung durch hermetisches [?] Abschneiden au beiden Enden des Kry- 
stalles zw: auch hat der Vf. keinen gefundeu, wo diese Symmetrie voll- 
ständig gewesen wäre. Doch bemerkt man im Allgemeinen eine be- 
sondre Übereinstimmung zwischen beiden so erzeugten Hälften. Sie 
ist um so: auffallender, als jede derselben stets aus einer gewissen An- 
zahl Lagen (etages) von ungleicher Höhe zusammengesetzt ist, deren 
jede eine Art ihr eigenthümlich - angehörenden Rahmens umgibt; und 
das Ganze ist wie in einer gemeinschaftlichen Schachtel von 'besondrer 
Struktur eingeschlossen, ; Meistens entsprechen sich jene Lagen in bei- 
den Hälften des Krystalles in gleichen. Abstande vom Mittelpunkt, wie 
das’ die fast beständige Gleichheit der Farben zeigt, die sie im polari- 
sirten Lichte in ihrem Innern, wie auf ihren Umrissen wahrnehmen 
lassen. Unter einigen Hundert auf einer Mesotyp-Masse sitzenden Kry- 
stallen fand‘ der Vf. die grössten nur 00,005 lang und 0m,001 dick, 
und: andre bis von den:kleinsten Maasen herab; aber diese waren dann 
demungeachtet ganz eben 'so gebildet.“ 

Die Apophyllite von Grönland kommen zwar auch auf einer Gang- 
art von Mesotyp vor, lassen aber nur Spuren des beschriebenen Baues 
erkennen , indem die innre Masse wohl ebenfalls in einer gemeinschaft- 
liehen Hülle enthalten ist, 'aber die bJättrige Anordnung nach der 
Queere gewöhnlich keinen Zusammenhang zeigt. — Die fortschreitende 
Zusammensetzung der Feröer Krystalle aus unterschiedenen Lagen; 
welche symmetrisch oder unsymmetrisch um einen Mittelpunkt ‚vertheilt 
sind, weicht ‚merklich‘ von der gewöhnlich angenammenen Bildungs- 
Weise der Krystalle ab, wornach man diese als zusammengesetzt be: 
trachtet aus’ konzentrischen unendlich dünnen Schichten, welche nach- 
einander um den zentralen Embryo angelegt werden; aber das Resultat 
bleibt dasselbe für ‘die äussre Gestaltung, weil die Bedingnisse, wodurch 
die Krystallisation geeudigt wird, 'immer die Grenz - Oberflächen den 


341 


 zweiflächigen Winkeln gemäss zu richten scheinen, welche die Theorie 
als möglich für jede Substanz zulässt nach der Betrachtung der den 
integrirenden Theilchen, woraus man den Krystall gebildet annimmt, 
zustehenden Abnahmen (decroissements). 


P. Bzrrmer: über das Vorkommen von Brom - Silber in 
Mexiko und zu Huelyoeth in Frankreich (Ann. chim. phys. 1841, C, 
Il, 417). - Der Bezirk von Plateros, 17 Stunden von Zacatecas und 
14 St. N. von Fresnillo liefert theils gediegenes Silber (sg. Blausilber) 
eingesprengt in einer derben grauen sehr Blei-reichen Masse, theils 
und hauptsächlich reines Brom-Silber, eine neue Mineral-Art in kleinen 
olivengrünen und gelblichen Krystallen (sg. Grün-Silber). Der Bezirk 
ist ein über die umgebenden Ebenen wenig erhobenes Kalk-Plateau, 
dureh welches hin und wieder kleine Thonschiefer - Hügel bervortreten, 
von Quarz-Gängen durchsetzt, die als Anzeigen von Erz- -Gängen gelten. 
Jetzt ist nur ein Werk in Betrieb, das von San Onofe, welches wöchent- 
lich 120—150 Mark Silber gibt. Das untersuchte Handstück war derb, 
grau, etwas röthlich, von unebenem glänzendem Bruche, voll kleiner 
Zellen, welche zum Theil mit einer matten blassgelben Materie und 
theils mit sehr kleinen schlecht ausgebildeten, glänzenden, olivengrünen 
Krystallen erfüllt sind, welche gänzlich dem Chlor - Silber gleichen, 
aber reines Brom-Silber sind. Das Stück bestund zu 0,45 aus kohlen- 
saurem blei, welches mit Quarz und etwas Eisenoxyd inuig verbunden 
die Haupt-Masse bildete, und lieferte 0,069 Silber. — Nach Durorr’s 
Bericht, welcher das Handstück geliefert, soll das Brom-Silber in Me- 
ziko nicht seltem seyn und sich oft in schönen kubischen und oktaedri- 
schen Krystallen finden. | 

Nun ist es bekannt, dass die Erze von Huelgoeth, Dept. von Fi- 
nistere, hauptsächlich Chlor-Silber enthalten. Da man aber zuweilen 
kleine grünliche krystallinische Körner darin angegeben, so untersuchte 
der Vf. einige Handstücke chemisch und fand in einem ärmeren Stücke 
von 0,019 und in einem reicheren von 0,15 Silber-Gehalt, welches ei- 
nem derben Eisenoxyd hin und wieder mit Mich-Quarz glich und über- 
all mit Chlor - Silber, sogar zuweilen in kleinen glänzenden Krystallen 
imprägnirt war, zwar keine Spur von Brom-Silber, entdeckte solches 
aber nachher in einem dritten eben so reichen schon mit dem freien Auge, 
indem es ausser den kleinen perlweissen kubischen Körnern von Chlor- 
Silber auch olivengrüne Körner, ganz jenen von Plateros ähnlich ,„ un- 
terscheiden liess, welche dann auch auf chemischem Wege als solche 
bestätigt wurden. Übrigens scheint das Brom - Silber daselbst rar zu 
seyn, obschon es an seiner grünlichen oder Zeisig - gelben Farbe leicht 
zu erkennen ist. Mit dem Chlor-Silber kommt es zwar nahe zusammen 
vor, ist aber nicht iuniger damit verbunden. 


342 


B. Geologie und Geognosie. 


J. DE CHARPENTIER: Essai sur les glaciers et sur Le ten. 
rain erratique du bassin du Rhöne, Lausanne 1841, 8° [363 pp. 
avec beaucoup de vignettes, 8 pll. lith. et 1 carte du terrain erratique 
du bassin du Rhöne]. Acaıssız hat seine „Studien über die Gletscher“ 
den Herren Venerz und CHArrEnTIEr dedizirt, weil er „durch ihre Ar- 
beiten zur Untersuchung der Gletscher angespornt, durch ihre Güte in 
den Stand gesetzt worden seye, selbstständig mit Nutzen diesen Gegenstand 
zu verfolgen“. 1836 brachte er einige Monate desshalb bei Cu. zu. Ob- 
. schon er nun seinerseits ihrem Verdienste die gebührende Anerkennung 
nicht versagt, und S. 12—14 seines Werkes noch näher bezeichnet hat, 
welche Entdeckungen und Ansichten man jedem von beiden — wenig- 
stens nach deren bis dahin erschienenen Bekanntmachungen — verdanke, 
liegt die Venerz’sche Abhandlung (1821) halbvergessen *), und scheint 
das neue CHArrentier’sche Werk, welches das Licht der Welt leider in 
einer Lausanner Buchhandiung erblickte, dort nur wenig vom Licht der 
Welt erblickt zu werden, nachdem es von der Acassız’schen Schrift 
‚ übereilt worden. Der anspruchlose Begründer eines grossen Theiles 
unsrer neuen Lehre von den Gletschern, welcher überall bemüht ist 
einem Jeden seinen Antheil an dem gesammten Verdienste zu sichern 
und mehr auf die Sache als auf die Verherrlichung seines Namens be- 
dacht, hat er verschmäht die Tageblätter mit seinen Entdeckungen zu 
füllen oder in brieflichen Zirkularen, wie sie jetzt von allen Seiten her- 
beiströmen, sich um Prioritäten zu streiten, während die Anpreisungen 
von Hucı’s Schrift über die Gletscher sogar in politische Zeitungen 
ihren Weg finden. Wir können uus daher nicht versagen, unsre Leser 
auf eine Schrift aufmerksam zu machen, welche bei Beurtheilung aller 
Gletscher-Verbältnisse, was Prioritäten, Gediegenheit und Klarheit der 
Darstellung betrifft, vor allen Andern beachtet zu werden verdient, und, wie 
sehr wir auch fürchten , dass die organische Schöpfung und die ganze 
Geognosie nicht aufs Neue — in unsrer Zeitschrift — unter dem Ur- 
Eis begraben werde, wenigstens eine Analyse der in genanntem Buche 
niedergelegten Untersuchungen mitzutheilen. Ref. erhielt es erst, nach- 
dem sein Aufsatz (Jahrb. 1842, 56—88) schon zum Drucke abgegeben 
war. Es besteht aus einer geschichtlichen Einleitung (S. ı—x), wor- 
in auch die während des Druckes dem Vf. zugekommenen Gletscher- 
Schriften von GoDEFFRoY, Renpu und Acassız, auf welche er ausserdem 
nur noch in einigen Noten Bezug nehmen konnte, kurz gewürdigt wer- 
den; — dann aus einem ersten Theile über die Gletscher (S. 1—114) 
und einem zweiten über das erratische Gebirge (S. 115 — 353), nebst 
einer Inhalts-Übersicht und Erklärung der Tafeln. Die $$. des ersten 


*) in den Memoires de la Societe helvetique I, Ir. 
**) Ausser den ersten Abhandlungen in den Ann. d. Min. TTII, 219—236, über die 
wahrscheinliche Ursache des Transportes der erratischen Blöcke im RAöne-Thale; 

dann in Bibl, uniwvers. > Jahrb,. 1837, 467-472. 


343 


Theiles handeln vom 'ewigen;Schnee, vom Firn, von seiner Verwandlung 
in Gletscher , von deren Wasser - Absorption, von dem Gefrieren und 
der Ausdehnung dieses Wassers, von der Struktur und der Zu-und- 
Abnahme der Gletscher, von der Ursache ihrer Voranbewegung, von 
der Glättung ihrer Unterlage, den Moränen, den Gletscher-Tischen, der 
Ausstossung fremder Körper, den Gletscher-Alluvionen, dem Einfluss 
organischer Körper auf die Gletscher, von Geschiebe - Gängen im Eis, 
von den Gletscher-Spalten und - Nadeln, von den Gletscher-Bächen und 
ihrem Wasser im Winter, von dem Gefrorenbleiben des Gletscher-Bettes, 
von den Gletscher-Furchen und dem Polar-Eise u. s. w. Die $$. des 
zweiten Theiles geben Auskunft von dem Begriff des erratischen Ge- 
birges, von dem Unterschied zwischen ihm und den Diluvial- und Al- 
luvial-Bildungen, von seinem Alter, von Arten, Formen, Grösse und 
Gemenge der Bestandtheile, von ihrer Anordnung, Verbreitung, Schich- 
tung und Stellung, von der Höhe ihres Vorkommens, von der Art und 
Weise wie das erratische Gebirge endiget, von seiner Erstreckung auf- 
geriebene Oberflächen, von den Auswaschungen, von den verschiedenen 
Hypothesen über seine Absetzung, welche der Reihe nach aufgeführt 
und einzeln widerlegt werden; Widerlegung der Einwände gegen die 
Gletscher- Theorie; Ursache der Diluvial- Gletscher, Widerlegung der 
Einwände gegen die angenommene Klima- Veränderung; Einfluss der 
Gletscher auf Diluvial-Erscheinungen; — Schlüsse, Befürchtungen und 
Hoffnungen. 

"Aus dem besonderen Inhalte können wir nur Einzelnes ausheben. 
Gletscher entstehen nur in denjenigen unteren Schnee- Gegenden, wo 
es thaut, und nur an Stellen (Schluchten), wo der Schnee mächtig ge- 
nug liegt, dass das Schnee- Wasser ihn nicht alle ganz durchdringen 
und aus 'seiner Soble entweichen kann; es muss dann in dessen Innerm 
wieder gefrieren, den Schnee binden und in Eis verwandeln, die Gletscher 
ausdehnen u. s. w., aus deren Boden daher weniger Wasser entweicht 
(S. 3, 5). Der Schnee bewegt sich daher auch nicht, wie der Gletscher 
und der locker - köruige Firn, der aber in seinem innern und untern 
Tbeile oft schon Eis ist, obschon er nur in Höhen vorkommt, wo es 
selten thaut (8000'). Die Haarspalten entstehen dadurch, dass das 
eingedrungene Schnee-Wasser sich ungleich vertheilt und in ungleichen 
Zeiten gefriert; daher eine ungleiche Spannung der ganzen Gletscher- 
Masse jene Risse veranlasst (S. 12). Die Gletscher - Masse wird ge- 
nährt durch direkten Schnee -Fall und hauptsächlich durch zusammen- 
gewehten Schnee, wenig durch Lawinen. Die Ausdehnung des Glet- 
schers durch das Gefrieren des Schneewassers in seinen Haarspalten 
geschieht hauptsächlich in der Richtung des kleinsten Widerstandes, 
also: von’ der Sohle nach der Oberfläche, und von dem Anfang gegen 
das Eude herab, weil rückwärts und seitwärts die Gebirgs-Wände hin- 
derlich sind; daher sich der ganze Gletscher abwärts bewegen muss. 
Seine Schwere verwag diess nicht zu bewirken, denn bald ist das Ge- 
fälle viel! zu unbedeutend (5°--6°) oder durch Erhebungen der Sohle 


344 


unterbrochen, bald ist es so stark (45°—50°), dass die, ganze Masse, 
wenn, sie einmal zu ‚gleiten begönne, in. immer . schnellere, Bewegung 
kommen müsste. Der Druck höherer Gletscher - Massen . auf. -tiefere,, 
2— 3 Stunden entfernte würde ein: Bauschen der dazwischen. .befind- 
lichen, aber keine Vorwärtsbewegung der letzten veranlassen (S. 33 u. a.).; 
Zwei. benachbarte Gletscher können: der eine vorrücken,, während der 
andre sich zurückzieht, je nachdem sie gegen die herrschende Rich 
tung des Windes, welcher sie mit Schnee versieht, geöffnet 'oder ge- 
schützt sind; wobei aber auch ihre Lage gegen. die Sonne : und. die 
Stärke ihres Gefälles von Einfluss ist (S. 28). Das Wiedererscheinen 
eingesunken gewesener Steine an der Oberfläche der Gletscher ist eine. 
blosse Folge des Abschmelzens des Eises darüber und der Ausdehnung! 
des Eises darunter durch gefrierendes Schneewasser (eine einfachere 
und deutlichere Erklärung , als die Acassız’sche , wornach es: scheint, 
als würden dieselben wie fremde Körper in einem Organismus durch 
Geschwüre über und aus ihrer Umgebung herausgehoben). : Bei vielen 
Veranlassuugen macht der Verf. aufmerksam ‚auf ein fortwährendes:Sich-, 
zusammensetzen (fassement) der Gletscher, welche. trotz der Ausdehnung 
des beständig einsickernden Wassers Statt findet und dureh :welche die: 
Gletscher - Thore insbesondre soleher Bäche, die im. Winter versiegen, 
sich mehr und mehr schliessen, S. 82 [sollte diess nieht auch zum Theil 
dem Niederschlage und Gefrieren feuchter Dünste an und in: den Wän- 
den dieser Thore zuzuschreiben seyn?] Auch er behauptet,: dass. der 
Boden unter den Gletschern selbst im Sommer. grösstentheils gefroren 
bleibe; wenn die Gletscher - Bäche im Winter nicht versiegen , sind: sie 
warmen Quellen zuzuschreiben. Er führt als hauptsächlichen Beweis, 
an, dass man seit 1821 jährlich von Juni bis Oktober. den @etrotz-. 
Gletscher im Bagnes-Thale bis auf seiner Sohle durchschrote, um: ‚einer 
neuen Sperrung der Drance, wie sie 1595 und 1818 Statt; gefunden, 
zuvorzukommen, und dass man dabei jedes Jahr die Kies-Sehle .dessel-, 
ben gefroren finde, mit Ausnahme eines 10’ breiten Streifens längs:dem 
Strome hin. Auch hat Ca. die Entstehung der „Karrenfelder“..beobachtet 
durch das Herabträufeln von Wassertropfen aus Eisgewölb-Spalten auf 
Kalk - Massen, worin sie bis 10° — 20° tiefe Furchen auszuhöhlen im. 
Stande sind (S. 101). Die ganze Darstellung der Gletscher-Verhältuisse 
zeichnet sich durch eine Einfachheit des Styls und der Erklärung aus, 
wie man sie nicht grösser wünschen kann. Nur in .der. Erwiderung 
auf die den Vortrag des Vfs. bei der Naturforscher - Versammlung. zu 
Basel am 13. Sept. 1838 gemachten Einreden vermissen |wir.;die-son- 
stige Bündigkeit des Beweises. Wie Ref. schon an einer andern Stelle 
geäussert (Jahrb. 1842, 61), so ist er weit entfernt, jan.den Thatsachen, 
um welche es sich handelt, zu zweifeln, oder wo: sie/ja, einer.Berich- 
tigung bedürfen sollten, diese ohne Studien an Ort und Stelle,geben 
zu wollen. Aber die Erklärung dieser Thatsachen kann ‚unmöglich 
genügend seyn, wenn sie nicht für jeden, auf dem gehörigen, wissen- 
schaftlichen Standpunkte Stehenden überzeugend wird. , Es. kann :niehts 


| 345 
klarer: seyn, als dass das Wasser, welches an der Oberfläche des Firns 
und Gletschers entstehet und in seine Tiefe versinkt, dort gefrieren, 
den Gletscher ausdehnen und die über ihm befindlichen Theile desselben 
in die Höhe ‘heben könne, während seine Oberfläche sich durch jenes 
Abschmelzen. in einem stärkeren oder schwächeren Grade senkt und 
die «Hebung :kompensirt. Sänke jedes entstandene Wasser - Theilchen 
senkrecht gegen den Erd-Mittelpunkt nieder und höbe gefrierend den 
Gletscher senkrecht auf seine Sohle wieder in die Höhe, so würde 
sehon ‘durch den Winkel, welchen beide Richtungen miteinander ma- 
chen, eine Voranbewegung der Gletscher -Masse nöthig werden, um 
so‘stärker, je höher jede einbildliche Gletscher -Schichte gegen die 
übrigen liegt, weil sie an deren Bewegungen mit Theil nimmt und weil 
im näwmlichen Verhältnisse auch der Widerstand der thalabwärts von 
- dem fraglichen Punkte befindlichen Gletscher - Theile rascher abnimmt 
gegen. den der thalaufwärts befindlichen, welche in einem mehr aufge- 
thauten Zustande auf der schiefen Ebene hinabsinken. Wie aber hiedurch 
allein der Gletscher auch an und mit seiner Sohle soll vorge- 
schoben‘ werden können, so dass er in manchen Jahren trotz des Ab- 
sehmelzens mit seinem untern Ende 50°’ weit und darüber vorrückt, ist 
nieht’ klar. Zuerst ist sein Vorrücken zum Theile auch dem Umstand 
zuzuschreiben, dass das wieder gefrierende Wasser sich nicht begnügt 
hat , in’ absolut senkrechter Richtung in den Gletscher einzudringen, 
sondern mehr oder weniger weit dem Gletscher entlang fortgeflossen 
ist: ein kleiner Theil des Gletschers fliesst (im Sommer) täglich weit hinab, 
während‘ der grösste fest-bleibende Theil täglich nur etwas Weniges 
hinabsinkt.' Aber davon abgesehen erlaube man mir zu glauben, dass 
eine. Quantität in der Tiefe des Gletschers gefrierenden Wassers viel 
leichter eine 100° hohe Eis-Säule über ihr (mit unbedeutender Reibung, 
weilalle Eis-Säulen nebeneinander zugleich dasselbe erfahren) emporheben, 
als die Reibung seiner 2— 4 Stunden langen Eis-Masse von genannter 
Höhe auf einer nur 5° — 10° geneigten unebenen und dazu mit ihm zu- 
sanımengefrorenen Fläche überwinden würde. Soll aber die Voranbe- 
wegung’in einer diägonalen Richtung zwischen der‘Sohle des Gletschers 
und‘ seiner’ darauf senkrechten Höhe gehen, so kann dadurch keine 
Glättung und 'Ritzung der Sohle bewirkt werden, wie es doch ge- 
schehen"sell.“ Der Vf. sucht zwar diese Einrede damit voraus zu wider- 
legen (8.105), dass er bemerkt, diese Ausdehnung und Bewegung finde 
ja’ zugleich; in) allen Theilen 'des Gletschers Statt. Diess wird aber 
nur zur Folge 'haben‘, dass man jene Hebung und Ausbreitung einer 
einzelnen Stelle des' Gletschers, das Bauschen desselben nirgends be- 
merken kaun, weil ‘es an allen Stellen zugleich eintritt, nicht aber dass 
die Sumnie der erwähnten Reibung vermindert wird. Aber die Summe 
der Kräfte: wird’ doch vermehrt, wodurch diese Reibung überwunden 
werden soll?’ Darauf haben wir zu erwidern, dass trotz dieser Ver- 
mehrüng'die Richtung des kleinsten Widerstandes immer die nach den 
Seiten (wenn sie frei stehen) und der Oberfläche des festgefrorenen 


346 


Gletschers statt parallel zu seiner Sohle bleiben würde: dass aber anch 
jene gegen das Ende des Gletschers wirkenden Kräfte nur dann als im 
Verhältvisse der in seiner Länge gefrierenden Wasser-Tbeilchen wirklich 
vervielfältigt zu betrachten seyn würden, wenn jedes in allen Richtun- 
gen parallel zur Gletscher-Sohle an einen absolut starren, harten, in- 
kompressiblen und unzertrümmerbaren Körper angrenzte, am'den es 
sich anstämmen könnte, wie die Eisenbarre, welche der Vf. S. 38!zur 
Versinnlichung braucht. Wir lesen aber in allen Werken: über die Glet- 
scher und so auch in diesem, dass dieselben in allen Richtungen leicht 
ihren Zusammenhang einbüssen und zerspringen, dass sie daber in allen 
Richtungen von zahllosen Haarspalten durchzogen sind, dass sie überall 
von mehr oder weniger breiten Rissen und Klüften durchsetzt werden, 
welche immerhin nicht alle bis auf deren Grund niedergehen oder sie 
nicht in ihrer ganzen Breite durchschneiden mögen (was nur ihre Wir- 
kung vermindert, nicht aufhebt, wie S, 108 angenommen wird), dass 
das körnige Gletscher-Eis demungeachtet nicht absolut spröde, wie ge- 
wöhnliches Eis, sondern in seiner Masse verschiebbar und komprimirbar 
ist und dass es sich fortwährend zusammensetzt (se tasse). Wer soll 
da eine Verschiebung der tiefsten Gletscher-Theile in der Richtung fast 
des stärksten Widerstandes glauben, wenn andre Richtungen ‚offen ste» 
hen? Unter solchen Umständen wäre nicht abzusehen, wie die Schwere 
(oder auch irgend eine andre mitbewegende Kraft) für die Theorie der 
Gletscher-Bewegung entbebrt werden könnte, wenn die Meinung derselben 
die ist, dass durch die Ausdehnung des gefrierendeu Sicker- 
wassers mehr als bloss das jedesmalige untre Ende des 
Gletschers in ganzer Mächtigkeit sich parallel zur Sohle 
auf derselben (um sie zu glätten) fortschiebe, — wie Ref..be- 
zweifelt, dass ein auf ganz ebenem Plateau liegender Gletscher von 
3—4 Stunden Durchmesser und 100'’— 200° Mächtigkeit sich mit mehr 
als seinem peripherischen Theile in ganzer Mächtigkeit radial in die 
Breite ausdehnen würde, so lange sich nämlich keine bündigeren als 
die bisherigen Beweise finden. Würde sich denn eine Schicht erhärteter 
Mergel z. B. von gleicher Tenacität, Form und Dimension wie ein Glet- 
scher auf solehe Weise voranschieben lassen? Dagegen läugnet Ref, nicht 
die Möglichkeit der Seitwärtsbewegung der Basis des Gletschers; durch 
jene Kraft im Verhältnisse als seine Seitentheile durch den. Reflex 
des Sonnenlichts wegschmelzen,, noch die Vorwärtsbewegung seiner 
obern Schichten in seiner ganzen Länge, noch die Bewegung der Basis 
überhaupt, aber in zufälligen und veränderlichen Richtungen, wie sie 
Gletscher-Bäche, Zusammensitzen, Spalten als sekundäre Ursachen etc. 
veranlassen können, die allerdings am öftesten longitudinale seyn mögen, 
Ref. erwartet daher und mit ihm viele Andere, entweder überzeugendere 
Thatsachen oder physikalische Beweise, oder eine Anwendung ‚der jetzi- 
gen Theorie auf bloss das jedesmalige untere Ende der Gletscher (mit 
100’—500’—1000' Länge) und eine Beschränkung derselben ‚hinsichtlich 
des obern, oder die Zuhülfenahme noch einer andern bewegenden Kraft. 


347 


Er glaubt aber, dass die zweite dieser Annahmen unter Berücksichti- 
gung der Wanderungen des unteren Endes der Gletscher und der vor- 
hin angedeuteten mittelbaren Kräfte, die in deren Sohle wirken, zu 
. Erklärung aller Erscheinungen genüge, ohne dass man sich zu denken 
brauche, der ganze Gletscher werde durch gefrierendes Wasser in sei- 
ner ganzen Höhe auf der Sohle vorangeschoben, um diese zu glätten, 
In anderen als. den wenigen oben angedeuteten Punkten scheint 
der Vf. nicht von den Ansichten Acassız’s (oder vielmehr Acıssız nicht 
von den seinigen älteren) abzuweichen, so weit der erste Theil reicht. 
Der zweite behandelt einen Gegenstand, welcher, einige Abschnitte aus- 
genommen, von Acassız kürzer erledigt worden ist. Unter erratischem 
Gebirge versteht Cu. Gestein - Trümmer (Blöcke, Kies, Sand, Erde), 
welche man entfernt von den Gebirgen, denen sie entstammen, findet, 
deren Fortbewegungs-Weise aber in den Augen vieler Geologen noch 
räthselhaft ist und jedenfalls von mächtigeren, als heut zu Tage wirken- 
den Ursachen herrührt. Sie sind, wie sich später zeigen wird, von 
Gletschern abgesetzt. Sie sind selten geschichtet, nehmen mit der Ent- 
fernung nicht an Grösse der Bestandtheile ab, sondern bestehen aus gros- 
sen und kleinen Trümmern durcheinander, die grösseren sind häufig noch 
rauh und scharfkantig, die grössten zu gross, um durch Wasser-Ströme auf 
ihre Lagerstätte gelangt zu seyn. Die Bildung dieses Gebirges scheint nach 
der Erhebung der Alpen begonnen und bis zu Ende der Diluvial - Bil- 
dungen fortgedauert zu haben und im Kleinen noch fortzudauern,, so 
dass es unter und über gewöhnlichem Diluvial-Lande vorkommt. Seine 
Bestandtheile, deren Ursprung, Formen, Grössen, Sortirung, schwebende 
Stellung u. dgl. können wir als mehr bekannt voraussetzen, obschon 
noch manches Bemerkenswerthe darüber gesagt wird. Hinsichtlich sei- 
ner Ablagerungs-Weise zerfällt es in zerstreutes, wie es sich noch jetzt 
am Ende der ins Freie ausmündenden Gletscher bildet, — in zusan- 
mengehäuftes, welches alten Moränen entspricht, und in geschichtetes, 
wie es noch jetzt oft in Wasser-Ansammlungen innerhalb neuer Moränen 
entsteht. Ch. verfolgt dessen Begrenzung wie sie vom obern Wallis 
an längs der Thal-Seiten in 2000°—3000° Höhe über der Rhöne fortgeht 
und sich am gegenüberliegenden Jura von Solothurn bis hinter Genf 
ebenfalls in 2000’ — 3000° Höhe über den See-Spiegeln verfolgen lässt, 
aber in der Mitte am höchsten an den Jura hinansteigt. Die Karte 
versinnlicht diess sehr schön. Die Fels-Schliffe kommen nur innerhalb 
der Grenzen des erratischen Gebirges vor und setzen unter die Glet- 
scher fort; sie finden sich auch auf Puddingen und Nagelfluh; die feinen 
Ritzen ‚auf denselben sind parallel unter sich, aber nicht mit dem Ab- 
hange des Gebirges, sondern vielmehr mit dem des Thal-Bodens [was, 
wenn Bef. es recht versteht, für dessen obige Ansicht spricht). Von 
den Furchen auf den Fels - Schliffen findet sich nichts erwähnt. Wir 
wollen dem Verf. nicht in der sehr vollständigen Aufzählung der (12) 
verschiedenen Hypothesen zu Erklärung der Erscheinungen des erratischen 


\ 


348 


Gebirges der Schweitz *) und ihrer eben so sorgfältigen Widerlegung 
(8.171 — 241) folgen, 'sondern sogleich zur Erklärung durch die Glet- 
scher übergehen, welche er selbst entwickelt und begründet. Prayr4m 
im J. 1815 (Works I, xxıx) und Görne 1829 (W. Meıster’s Wander- 
Jahre, 1829, Bd. XX, Buch ı1, Kap. 10) hatten auf eine solche Ansicht 
schon hingedeutet; der Vf. hörte sie ebenfalls zuerst 1815 und später 
aus dem Munde mehrer Alpen- Bewohner und Jäger, bei welchen sie 
(theils durch Traditionen) ziemlich verbreitet zu seyn scheint;' VEnETZ 
theilte sie ihm als Ergebniss eigener Studien an Ort und Stelle i. J. 
1829 schon in solcher Ausdehnung mit, dass er bereits die Blöcke der 
Hoch-Alpen durch das Rhöne- u. a. Thäler über die breite. Niederung 
der Schweitz binüberwandern liess. In der Absicht ihn zu widerlegen, 
studirte nun Cn. alle Verhältnisse genauer und fand darin seine eigene 
Bekehrung, welche er 1834 in der mehrerwähnten Vorlesung bei der 
Naturforscher-Versammlung zu Luzern (abgedruckt in den Ann. d. Min. 
VIII) aussprach, die wieder die Studien von Acassız nach sich zog. 
Des letzten erste Theorre war jedoch etwas abweichend von der jetzi- 
gen, in welcher Beide ziemlich übereinzustimmen scheinen, wesshalb 
wir darüber auf das Jahrb. 1842, 5. 53—59, Nr. 1—4 verweisen. Nach 
Aufstellung jener Hypothese (S. 247— 248) durebgehbt CH. wieder alle 
oben angedeuteten Verhältnisse des erratischen .Gebirges ausführlich, 
um mit wunderbarer Klarheit nachzuweisen, wie einfach und nothwen- 
die sich alle durch die Annahme «einer einst grösseren Ausdehnung der 
Gletscher erklären (S. 248—286). Can. handelt nur von dem erratisehen 
Gebirge der Schweitz und nimmt auf das in Süd- Amerika oder auf 
die Gletscher des Nordens nur eine gelegentliche augenblickliche Rück- 


sicht, ohne seine Forschungen mit Acassız auch auf den Schwarzwald, 


England u. s. w. auszudehnen. Worin aber Acassız und der Vf. noch 
wesentlich von einander abweichen, das ist in der Erklärung der Ur- 
sache, welche den Gletschern jene so viel grössre Ausdehnung gestattet 
hatte, und in den Schlüssen, welche sich an die Thatsache und Beding- 


‘nisse der einstigen Vergrösserung der Gletscher in Bezug auf die übrige 


Geologie etwa anknüpfen lassen. Acassız.hat, wie wir gesehen haben, 
zum Theil in Folge seiner 'extensiveren Beobachtungen als jene Ursache 
eine allgemeine Temperatur-Erniedrigung der Erde angenommen und 
diese sich zwischen allen angeblichen Erd-Perioden wiederholen lassen. 
C#. begnügt' sich‘ mit lokalen Ursachen und enthält sich allen Spekula- 
tionen in Bezug''auf andere Erd-Alter. :Er bedarf zu dem Ende nichts 
als eine Reihe kühler und regnerischer Jahre, wie die von’ 1812—1818 
gewesen sind, binneu welcher der Aar-Gletscher um 150° vorrückte. 
Nur 774 Jahre solchen Vorrückens und er hat den 66 Stunden langen 
Weg aus dem 'Grunde des Wallis bis nach Solothurn zurückgelegt! 
Die Zeit dieser Jahre und der Umherstreuung des erratischen Gebirges 


#9 Einige davon findet man im Jahrbuch: die Schimrer - Asassız'sche (von Agassız 
in seinem Werke aufgegeben), in 1838, 194; eine von Wıssmans in 1840, 314 ff. 


349 


dev Schweitz fiel unmittelbar) nach der 'der Hebung. der Atpen. Cu. 
hätte: desshalb ‘seit 1834 die” Ursache jener Temperatur - Erniedrigung 
in einer grössren Höhe der Alpen zu finden geglaubt (Jahrb. 1837, 472). 
‚Jetzt hält er dieselbe um so weniger für hinreichend, als sie über die 
‘erratischen Blöcke der Pyrenäen, N.-Asiens und Amerika’s keinen Auf- 
schluss gibt. Die Katastrophe ‚welehe die Alpen emporhob, erstreckte 
sich in grösserer oder geringerer Stärke über einen beträchtlichen Theil 
der ‚nördlichen Hemisphäre , beschränkte ‚sich. aber häufig nur auf die 
Bildung von Spalten’'und Rissen. : Die Tagewasser sanken durch diese 
Spalten nieder, 'erhitzten sich in der Tiefe und stiegen als Dämpfe 
wieder empor, welche jedoch im Verhältnisse fortschreitender Abkühlung 
oder Schliessung jener Spalten immer kühler wurden und die Sonne 
in Form von Nebel und Wolken mehr verhüllten, daher die Atmosphäre 
(besonders im Norden des 22° Br.) selbst abkühlten und den Regen 
vermehrten. Solche Dämpfe sieht man nach Pörrıs (Reise in Chili, I, 
416 ff.) noch jetzt den Vulkan von Antuco, dessen Kegel in eine Eis- 
Masse von unbekannter Dicke gehüllt ist, in reicher Menge ausstossen, 
die sich öfters als Wolken über die Erde ausbreiten. Jener Vorgang 
genügte, um in jenem Theile der nördlichen Hemisphäre die alten 
Gletscher sich nach der Tiefe ausdehnen und neue entstehen zu machen; 
er erklärte, warum im höhern Norden, in Skandinavien u, s. w., die 
Gletscher eine verhältnissmäsig noch grössre Entwickelung gewonnen, 
als in den Alpen, und hier eine grössre als in den südlichern Pyrenden 
[wenn aber die Temperatur sank, so dass Gletscher in grössrer Tiefe 
entstanden, musste deren Bildung in den vorigen Höben nicht aufhören ?]. 
Jene mechanische Katastrophe tödtete viele Lebenwesen da, wo sie 
beträchtlicher wär; andre kamen erst durch die grössre Feuchtigkeit 
und Kälte um und ihre Arten starben aus. ' Vielleicht sind die Elephan- 
ten und Rhinocerosse Sibiriens , wie von HumsoLpr vermuthet, durch 
die mit jener Katastrophe verbundenen Erd-Erschütterungen geschreckt, 
aus Mittel- Asien nach N.- Sibirien ausgewandert und dort schen im 
ersten Winter durch Kälte zu Grunde ‘gegangen. — Endlich hörten 
jene Dämpfe auf, die Temperatur erhöhete sich wieder und die Gletscher 
schwanden. Die Temperatur stieg sogar in der Schweitz nachher höher, 
als sie jetzt ist, so dass nach VEnetz’s u. A. Nachweisungen im X. Jahr- 
hundert manche Gletscher viel beschränkter , "manche Acker - Kulturen, 
-Gewächse und insbesondre die Wälder gegen die Höhe hin ausgedehn- 
ter waren, als sie jetzt möglich wären (S. 324,' 327 Noten); und es 
scheint, als ob noch jetzt die Temperatur tiefer sinke. Diese Verände- 
rungen in den Gletschern wirkten aber auch auf die Gestaltung des 
Bodens in den Thälern und der Ebene zwischen den Alpen und dem 
Jura, auf die Bildung‘'der ‚Diluvial-Ablagerung und des erratischen Ge- 
birges. ‘Die Gebirgs-Tbäler der Alpen sind Reste jener Dampf-Spalten, 
welche durch Schutt allmählich ausgefüllt, fast alle nur nächst ihren 
Mündungen Vertiefungen behielten, worin sich Wasser sammelten, See’n 
entstanden und die Fortführung der Gebirgs Trümmer aus den Thälern 
Jahrgang 1842. 23 


390 


in. die Ebene der Schweitz hinderten ; daher: deren untern Diluvial-Schich- 
ten auch nur Trümmer der Vorberge enthalten.‘ Als die Gletscher sieh 
‚bis zu jenen See’n ausdehnten. und sie zum Theil überbrückten, konnten 
‚sie ihre End-Moränen nicht durch sie hindurchschieben, wohl aber die 
Lasten ihres. Rückens darüber. hinaustragen «und .»andere Stoffe für die 
Diluvial- Schichten liefern... Als die Gletscher: sich ‚wieder zurückzogen, 
jentstunden Diluvial-Gewässer: überall in dem von ihnen bis dahin -ein- 
genommenen Bereiche, geschiehtete Niederschläge bildeten sich darin 
aus manchfaltigen Materialien, und die fliessenden: Tagewasser warfen 
die Bestandtheile der Moränen durcheinander und ebneten den Boden 
der tieferen. Schweitz. 

. Dass die Emporhebung der Alpen nicht able Einfluss auf das Klima 
der Gegend gewesen, ist unbezweifelt. Was man irgend theoretisch 
daraus ableiten kann, spricht für eine Erniedrigung desselben. ; Weniger 
strenge erweislich dürften aber die Spalten der dampfenden: Erd-Rinde 
und ihre Wirkung nach des Verfassers Theorie seyn, wenn sie auch 
keineswegs etwas Unmögliches sind. Doch kann man wohl fragen, wo 
denn die Beweise seyen. ihrer Ausdehnung über die ganze Erde im Nor- 
den des 22° Br,?.— Bei. weitem der Regen-reichste Punkt in Europa 
fällt in.die.O.- Alpen nordwestlich vom. Ende des: Adriatischen. Meeres, 
also ziemlich entfernt vom höchsten Punkte der Alpen. : Welche Ursaehen 
bewirken dort. eine solche Menge von Niederschlägen? Die Kenntniss 
dieser: Ursachen würde wabrscheinlich zur Lösung des andern Problems 
beitragen! 


L. A. Necker: über Gletscher - Moränen und Eis- Zeit 
(hauptsächlich nach dem 6. Abschnitte von Necrer etudes geologiques 
dans les Alpes, Paris, 8°, 1841, I, 492 pp:). Necker.ist durch seine 
20jährigen Beobachtungen über .die ‚Gletscher: ganz zu. denselben, An- 
- Siehten, wie sein Grossvater Saussure gelangt. Er @agt, wie es komme, 
dass die Begründer der newen Hypothese, wonach die Bewegung der 
Gletscher durch das Gefrieren. des in ihre. Zwischenräume eingedrunge- 
nen. Wassers bewirkt werden soll, nicht. zuerst die ‘Thatsachen wider- 
legt haben, worauf die Saussure’sche Theorie beruht. Ob. nieht die 
Gletscher auf geneigten Flächen ruhen? ’ob sie dadurch nicht dem Ein- 
fluss der Schwere. unterworfen sind? ob nicht ‚wirklich der; auf den 
Berg-Spitzen, gefallene Schnee endlich bis ans untre Ende der Gletscher 
gelange ? ob: nicht Erd - Wärme: an der Sohle der ‘Gletscher thätig seye 
und zwar manche Gletscher -Bäche auch im Winter: fliessen mache? 
Alles diess hat nicht. bestritten ‚werden können, ‚noch sind für die neue 
Theorie anderweitige Thatsachen ‚geltend gemacht ‚worden, die sich: nicht 
auch ‚mit. der. alten vertrügen. , ‚Selbst die Spuren. einer einstigen grös- 
seren Ausdehnung. der. Gletscher ı waren GRruner’s und Saussure’n 
nicht entgangen und sind ‚von diesem für seine Ansichten mit in Rech- 
nung gebracht worden. Nzcker läugnet dagegen, dass die Ausdehnung 
des in die Gletscher-Masse kingelnnpenen Eis-Wassers zur Erklärung der 


sl 


grossen Erscheinungen hinreichend seye, die man ihr zuschreiben wolle, 
dass die angeblichen obern Schichten der Gletscher sich schneller als 
die unteren bewegten, und dass sie vermögend seyen mittelst des an 
ihrer Sohle befindlichen Sandes und erratischen Gesteines die Felsen 
'zu poliren und zu ritzen, weil man erratische Fels-Blöcke weder im 
Innern der Gletscher finde, noch solche durch die seltenen und nach 
unten verengten Gletscher-Spalten bis auf den Grund würden gelangen 
können, noch Firn und Eis eine hinreichende Härte besässen, um selbst 
das Gestein zu glätten, oder die ritzenden und furchenden Kiesel fest 
genug in die viel bärtern Flächen zu pressen [doch drückt man auch 
mit dem weichen Finger ritzenden Sand fest genug in Glas etc.]; selbst 
das erratische, kalkige und feldspathige Gestein seye oft nicht hart 
genug, um in das darunter liegende härtere, quarzige einzudringen. 
Was endlich das Beispiel des polirten Felsen am Bernhard -Hospiz be- 
treffe, so seye es gar unglücklich gewählt, indem er der Überrest einer 
Spalten -Seite oder eines Sahlbandes seye und seine vollkommen pa- 


rallele Streifung , "ganz so beschaffen wie man sie überall an Quarz- 


Krystallen zu sehen gewöhnt ist, nicht von aussen herrühre,, sondern 
ein Ergebniss der innern Anordnung der krystallinischen Theile seye 
[was auch CHARPENTIER in seinem Buche bestimmt ausgesprochen hat. 
Br.]. Auch gegen die andre Theorie erklärt sich NEckeEr, welche, weil 
in den höchsten Alpen-Gegenden die Temperatur immer unter Null seye 
und mithin der Schnee nie schmelzen könne, um in das Innre einzu- 
sickern und aufs Neue gefrierend allmählich das Gletscher-Eis zu bilden, 
annimmt, die hiezu nöthige Wärme rühre von dem Drucke der höhern 
‚auf die tiefern Schichten her, wodurch latente Wärme frei werde: diese 
Ansicht werde durch kein Experiment und durch keine Beobachtung 
im Grossen unterstützt, und auch auf den höchsten Alpen-Spitzen seyen 
Zeiten, wo die senkrechte Sonne oder laue Winde den Schnee schmel- 
zen machen, dass er wieder gefrieren könne, daher man auch auf die- 
sen höchsten Spitzen Eis-Krusten antreffe. NEcKER ist der Überzeugung, 
dass die Gletscher auch zur Zeit ihrer grössten Ausdehnung nie die 
Thäler überschritten haben, in welche sie jetzt herabreichen. 

Die Diluvial-Blöcke, im Gegensatze der alluvialen, erscheinen um 
so häufiger, je weniger ausgedehnt das Terrain ist, dem sie entstam- 
men ,. und je weiter sie jetzt davon entfernt sind. So sind um Genf 
die von der Zentral- Kette der Alpen abstammenden Blöcke unendlich 
häufiger, als die sekundären Blöcke namentlich des Kalk-Gebiets, welches 
doch viel näher und ausgedehnter als jenes ist. Diess vertrage sich 
nicht mit einem Transport dieser Blöcke durch Gletscher, die sie gerade 
in entgegengesetzter Proportion fortgeschafft haben würden. Ihre Form 
ist im Allgemeinen wie an denen der Moränen ; ihre Kanten und Win- 
kel sind etwas abgestumpft, manchfaltige Abreibung andeutend. Aber 
nichts in der Vertheilung, Stellung und Struktur der Diluvial-Ablagerun- 
gen in der Ebene könne auch nur entfernt an Moränen erinnern. Der Vf. 
vermuthet [auf welchen Grund hin?]. dass alle Diluvial- Blöcke, selbst 

23 


« 


5 352 


‘die isolirt an Gebirgs-Abhängen liegenden, einstens Theile beträchtlicher 
Massen ausmachten, welche am Ausgange des Rhöne-, des Arve-Thals 
u. a. Alpen-Thäler mit andern Blöcken, Schutt, Sand und Schlamm 
obne Regelmäsigkeit durcheinander. abgesetzt waren als ungeheure 
Schutt-Kegel, deren‘ Mächtigkeit so beträchtlich war, dass, obschon 
sie sich in allmählicher Böschung gegen die Schweitzer Ebene senkten, 
ihr Fuss sich doch noch 2000'’—3000° hoch (absolute Höhe) an die Vor- 
berge des Jura anlegen: konnte; später wären'dann die feinen Theile 
allmählich weggeflösst worden und nur. grössre Blöcke, zum Theil 
selbst. weiter nach der Tiefe herabgeführt, noch einzeln liegen geblieben. 
Der Agentien, welche noch jetzt in den Alpen eine Fortführung von 
solchen Materialien bewirken, können nur drei seyn: ihre eigene Schwere, 
das Gletscher-Eis und die Berg-Ströme, Aber in ibrer jetzigen Stärke 
würden sie wohl nieht genügen, die schwersten der Diluvial - Blöcke 
fortzuführen, wenigstens nicht bis auf die Abhänge des ‚Jura hinüber. 
In den Thälern selbst und namentlich im Chamouny- Thale findet man 
noch Reste alter Moränen von ungeheurer Mächtigkeit: wahre Berge 
von mehren Hundert Metern Höhe, hinter denen sich natürlich das Was- 
ser zu beträchtlichen See’n aufstauete und, nachdem die Gletscher sich 
verringert ‚hatten , endlich mit so furehtbarer Gewalt den Damm durch- 
brechend Alles mit sich fortriss, dass das analoge Ereigniss im Bagnes- 
Thale davon nur eine schwache Vorstellung gewähren kann. Bei sol- 
chen Durchbrüchen also wurden auch die Granit- und Protogyn-Blöcke 
von den Zentral- Alpen und die in’.den untern dem Ausgange nähern 
Theil des Thales herabgestürzten sekundären Blöcke von dem Wasser 
mit fortgeführt, letzte aber nicht so weit als erste, weil die bei 
ihrer Begegnung schon verminderte Triebkraft des Wassers ihnen nicht 
mehr die Bewegung wie jenen mittheilen konnte, während die ersten 
mit ihrer ursprünglich grösseren Geschwindigkeit weiter vor das Thal 
hinaus fortgeführt wurden [?]. Es ist aber nicht im Chamouny-Thale allein 
so, auch im Wallis und in vielen andern Alpen- Thälern liefern Reste 
alter Moränen, von VEnerz‘.u. A. in grosser Entfernung unterhalb den 
jetzigen Gletschern aufgefunden, den Beweis, dass die Gletscher einmal 
viel ausgedehnter als jetzt waren, tiefer in die Thäler herabstiegen und 
sie oft queer durchsetzten, so dass sie das Wasser zurückstaueten, 
welches dann beim Zurückzug der Gletscher überall durchbrach. Da- 
her: sieht man Haufwerke von Diluvial-Blöcken und andern - Trümmern 
überall da vor der Mündung der Alpen-Thäler, wo die Zentral-Kette, 
von der sie kommen, hoch genug über die Grenzen des ewigen Schnee's 
binaufreicht, um zahlreiche Gletscher zu tragen (im Veronesischen, Mai- 
ländischen, Piemont), nicht aber in den O.- Alpen (Kärnthen, Krain, 
Kroatien, Dalmutien) ,. wo die Berge die nöthige Höhe’ nicht besitzen, 
noch im Vicentinischen, Feltrinischen, Bellunesischen und Friaul, wo 
die Thäler schon in den. niedrigen: Seiten-Ketten auslaufen. Das ein- 
zige andere Gebirge in Europa, ‚welches noch ansehnliche Gletscher 
besitzt, hat auch allein noch Diluvial - Blöcke geliefert, und zwar 


353 


ebenfallsin der Art, dass nach Hausmann die Blöcke in Braunschweig und 
Hannover aus Dalekarlien u. a. zentralern Theilen Skandinaviens stam- 
men, als die in Mecklenburg und Pommern, welche nur von Gottland und 
Öland herrühren. Anders verhält es sich mit den Pyrenäen, welche zwar 
ebenfalls reich an Gletschern sind, aber wenigstens nordwärts keine 
Diluvial- Blöcke zerstreut zu haben scheinen; denn ihre Gletscher sind 
von Sıussure’s zweiter Abtheilung,, welche nur an den Berg- Seiten 
hängen, ohne in die Thäler herabzusteigen. Sie konnten daher auch 
nicht den Lauf eines Flusses hemmen, und die Gesteins - Haufwerke, 
welche man im Innern der Thäler findet, mögen von Fels-Stürzen her- 
rühren. Die Karpathen und Türkischen Gebirge haben nach Bove 
weder Gletscher, obschon einige der letzten über die Schnee - Grenze 
binaufreichen, noch an ihrem Fusse erratische Blöcke. Und so zeigt es 
sich auch in den aussereuropäischen Gebirgs-Zügen, zu deren Betrach- 
tung der Vf. eine neuerlich von Darwın bekannt gemachte Übersicht 
benützt. Der Blöcke entbehren demnach die N. und O.-Ebenen Süd- 
Amerika’s nach v. HumsoLor, die des Amazonen - Stromes nach LA 
Coxpamıne, die des Chaco nach Azara, die beiden Seiten der chilesischen 
Kordileren bis zum 41° s. Br. nach Darwin und Puraguay nach RenGcer ; 
in Afrika: Algerien nach BosrayE, Süd- Afrika vom Wendekreis bis 
zum 35° s. Br. nach A. Smırn; in Asien: Nord-Indien am Fusse des 
Himalaya nach Royre; in Australien der SO.-Theil Neuhollands nach 
Mrreuert. Aber die Geschieb - Blöcke stellen sich ein in Süäd-Amerika 
von 41° an südwärts in Chili, in Putagonien, im Feuerlande und auf 
den S. und O. von diesen liegenden Inseln, wo auch grosse, bis zum 
Meere herabreichende Gletscher vorhanden sind. Darwın hatte aus 
seiner Zusammenstellung, wornach die Blöcke in beiden Hemisphären 
nur von deu Polen her bis in die polare Hälfte der gemäsigten Zonen 
reichen, freilich den Schluss gezogen, dass man ihre Umherstreuung 
in diesen Gegenden den bis dahin schwimmenden Eis - Schollen zuzu- 
schreiben habe. Aber Necrer will diese Erklärung nur für wenige 
Blöcke gelten lassen, die allerdings von den in hoben Breiten bis 'zum 
Meere reichenden Gletschern aus durch Eis-Schollen weit fortgeführt 
worden seyn könnten, aber nicht von den kontinentalen Alpen z. B., 
falls man nicht nachweisen könne, dass auch ihr Fuss einst vom Meere 
bespült worden seye; aber dann müssten wcehl viele Blöcke von Eis- 
Schollen an die damaligen nächsten Gestade, an die nördlichen Kalk- 
Alpen abgesetzt worden seyn, wo man durchaus keine findet. Da aber 
nicht wohl zu glauben, dass der ganze Ozean einst bis in die bezeich- 
nete Höhe gereicht habe, so müsste also das Land noch um so viel 
weniger hoch aus demselben emporgestiegen gewesen seyn, wodurch 
dann wieder alle Möglichkeit der Gletscher-Bildung in den Alpen weg- 
fiele. Daher bleiben nur zwei Arten der Erklärung übrig: entweder 
sind, lokal, die Gletscher einmal ausgedehnter gewesen und konnten 
die noch jetzt vorhandenen Flüsse die Fortführung und Umherstreuung 
der Blöcke vollenden, — oder solches ist durch eine grosse und 


allgemeine Fluth bewirkt worden, welche: der Vf. zwar ' ausgemacht: . 
festzustehen scheint, aber gerade: bei, den erratischen Blöcken unerklärt: 
lassen würde, warum diese auf die Nähe der Schnee- und Eis-Gebirge: 
beschränkt seyen, und: warum unter ihnen die primitiven Gesteine ; ‚der‘ 
weit ‚grösseren Ausdehnung der sekundären Gebirgsarten  ungeachtet;, 
so weit vorwalten.  (Eingesendet,) j Be 

Cu. Martins: Beobachtungen über die Gletscher Spitzber-: 
gens verglichen mit denen der Schweitz und Norwegens: (Bibl., 
univers. 1840, XXVIII, 139— 172). Murrıns war Mitglied der. grossen, 
uordischen Expedition der Franzosen auf der Recherche in den Jah-, 
ren 1838 und 1839, und Spitzbergen. ist. eine Insel: zwischen dem:76° 30!, 
und 80° 30° n. Br. und dem 8° und 21° ö.L. von Paris. Seine ganze, 
West-Küste besteht aus aneinandergereiheten breiten und tiefen Buchten, 
wie der Hurn-Sund, der Eis-Sund,: die Kreutz-Bai, die Hamburger: 
und Magdalenen- Bai; überall: erheben sich daran 500m — 1200m hohe. 
Berge steil aus dem Meere, welche durch die Ausmündungen ‚enger 
Thäler getrennt sind. Die Thäler sind augefüllt von Gletschern, welche; 
mit solchen im Innern des Landes zusammenhängen, wie die Berichte von; 
Martens, Pnıpps, Scorzesgr, Parry, Lartta, KeiınHau u, A. bestätigen, 
aus welchen der Vf., da wo eigene Beobachtungen mangelten‘, zahl-. 
reiche Notitzen schöpft. Denu seine Studien. beschränken sich. auf die, 
Gletscher des Bell- Sund, der Magdalenen - Bai, und der sieben. Eis- 
Berge, alle nördlich: von der Priuz-Karl-Insel. Ihr Ansehen. erinnerte) 
ihn lebbaft an das der Schweitzer und Savoyer Gletscher, die er vier-. 
mal bereiset hatte. — Am: Bell-Sund in der Recherche-Bai sind 2 Glet- 
scher; der westliche kleinre auf der Fuchs - Spitze und der südliche, 
oder Haupt-Gletscher von Bell-Sund. In Magdalenen-Bai sind: rechts; 
oder südlich am Eingang der Entree-Gletscher und der der Grabmäler-. 
Spitze, dann „der Gletscher des Grundes der Bai“, an welchem M. seine: 
meisten Beobachtungen machte; zwei andre kleine im N. und S. reichen. 
nicht bis zum Meere, Hier. die. wichtigsten Resultate aus seinen und) 
der Andern Beobachtungen. 

1) Ausdehnung, Alle Gletscher erreichen das Meer; sie nflsgem 
gleichschenkelig dreieckig mit vom Meere gebildeter Grundlinie zu seyn; 
die grössten haben hier bis 34 engl, Meilen (zu 1852") Breite; ihre: 
Läuge verhält sich zur Breite höchstens wie 5:1, wechselt aber. bis zw 
1:1, während die Schweitzer Gletscher viel länger zu seyn pflegen. 

2) Sie entsprechen daher den obern Gletschern, Eismeeren, 
Firnen der Schweitz, deren untre Grenze nach Hucı in 2470m Höhe, 
ungefähr wie die Schnee-Grenze ist, — nicht den untern oder eigenuts, 
lichen Gletschern. | 

3) Sie erheben sieh mit ihrer Sohle. nur zu 3 der Höhe dortiger 
Berge, d.h. zu 300m —400m unter _\ 10°—-20°, während die Schweitzer 
Gletscher bis 2000‘ ansteigen: unter 100—30°, die Firnen aber bis. 1000 
bei schwachem, Winkel haben. 


355 


4) Ihre Oberfläche ist gleich- oder etwas‘ Wellen - förmig , im 
Ganzen eben oder von den Seiten ‘gegen die Mitte zu etwas vertieft, 
wie die der Firnen; die Nadeln der Gletscher, deren Bildung von der 
Stärke des Gefälles und des Abschmelzens ‘abhängt, finden sich nur 
zu Bell- Sund zu beiden Seiten am untern 'Theile des Gletschers, wo 
das Eis der steten Einwirkung: von 'den nahen nn zurück- 
geworfener Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. 

5) Senkrechte Spalten durchsetzen die Gletscher in die Queere, 
parallel unter sich und zur Küste; sie sind an der Oberfläche am wei- 
testen und verengen sich nach der Tiefe (20m), ohne den Grund zu 
erreichen; sie sind um so weiter (bis 10m), je näber dem: untern Ende, 
Alles etwa wie in der Schweitz. Als Ursache ihrer Bildung ‚mag man 
die wechselweise Ausdehnung und Zusammenziehung betrachten, welche 
eintritt zwischen Sommer und Winter, wo die tägliche Temperatur 
von -+ 4° auf —.40° herabgeht, Das wärmere Wasser, das sich darin 
ansammelt, wieder gefriert und als Keil sich ausdehnt, ar eine Haupt- 
ursache ihrer Erweiterung seyn. 

6) Die Beschaffenheit des Eises entspricht der auf den Firnen. 
Die Oberfläche ist rauh und uneben, die-Farbe der: Spalten azurblau; 
oft scheinen sie gestreift durch eine Menge verlängerter Luft-Bläschen, 
die man aber zuweilen auch rund findet; endlich ist dieses Eis nicht 
aus sg. Eis-Krystallen (Husı’s) zusammengesetzt, die in den Gletschern 
nach oben zu immer kleiner werden und in den Firnen sich ganz ver- 
lieren. Doch hat der Vf. andre krystallinische Bildungen ausnahmsweise 
zu Beil- Sund in Magdalenen- Bai beobachtet, beide Male zur Seite 
fliessender Gewässer, welche er weiter beschreibt. 

7) Gestein-Blöcke. Die Gletscher fliessen [?im Sommer] nicht, 
wie die Firnen, seitwärts oder da, wo sich an ihrem untren Ende Berge 
ihrer Fortbewegung entgegenstellen, mit den Bergen zusammen, son- 
dern sind durch tiefe Gräben, oft durch Bäche von ihnen getrennt und 
fallen mit steilen Mauern gegen sie ab, so dass sich ihr Inneres leicht 
studiren lässt; noch besser ist Solches möglich, wo sie‘ vom Meere 
unterwaschen fortwährend zusammenstürzen. Auf ihrer Oberfläche 
nun findet man nie Stein-Blöcke über und in ihrer Mitte, selbst nicht: 
bei ihrem Abfalle ins Meer; wohl aber erscheinen solche an den Seiten 
auf der Oberfläche wie im Innern häufig. Es könnte daher keine Mo- 
ränen am JEinde der Gletscher geben, wenn dieses auch nicht ins Meer 
fiele; wohl aber ‚gibt es solche längs der Seiten unmittelbar an deren 
Fusse, während die Schweitzer Gletscher ihre oben aufgenommenen’ 
Blöcke in den unteren Moränen oder der mitteln Gufer - Linien 'aus- 
stossen. Da die Sohle der Spitzberger Gletscher keinen Fall von den 
Seiten gegen die Mitte besitzt, und die Gletscher selbst seitlich mit 
steilen Wänden abfallen, so kann sich hier allerdings kein mit Blöcken 
beladenes Eis von deu Seiten gegen die Mitte drängen; doch ist vom 
Vf. nicht: nachgewiesen, warum keine Blöcke von oben längs der Mitte 
herabgelangen [zweifelsohne ist das starke Wegschmelzen an den Seiten 


336 


durch reflektirte Sonnenstrahlen: — obschon der Verf. sagt, dass die 
Gletscher in Spitzbergen fast garnicht schmelzen — die Ursache: der 
oben erwähnten seitlichen ‚Gräben (oft mit Bächen) :und:der Fortbewe- 
gung des Eises nach. beiden Seiten]. - Gletscher- Tische gibt es nicht, 
da. das Eis fast nicht schmilzt. [Woher denn die Bäche und Seitenwände?] 

8) Die vertikale Mächtigkeit der Gletscher an ihrem untern 
Ende ist 30m — 120m, worin ihnen die Firuen mehr als die Gletscher der 
Schweitz gleichkommen. | 

9) Die Ursache der jährlichen Zerstörung aiSehu Glet- 
scher ist, dass sie sich fortwährend in das Meer hinein bewegen und 
von diesem unterwaschen und getragen allmählich zusammenstürzen. 
Erstes erkennt man daraus, dass man das Ende der Gletscher in seiner 
Mitte: nie auf Gestein ruhen sieht, selbst nicht‘, wenn eben ein grosser 
Theil vom Ende des Gletschers ins Meer gestürzt ist, das gleich an 
ihrem Fusse 32% —120m Tiefe hat, und ‚dass dieses Ende die von Natur 
konkaven Buchten hinten mit gerader Queerlinie abschneidet. Ihre Fort- 
bewegung ins Meer ist im Winter durch dessen Eis- Decke gehemmt: 
und erfolgt nur im Sommer. Diese erfolgt aber nicht auf dem Boden 
des Meeres, sondern der Gletscher wird theilweise von Wasser getra- 
gen, durch ‘dessen Oberfläche - Temperatur von unten abgeschmolzen, 
durch dessen Bewegung abgespühlt, so dass, wenn ein Theil desselben 
einstürzt, er tief ins Meer hinabsiukt, um daun erst vom Grunde in 
die Höhe zu steigen. Diese Erscheinung ist daher entsprechend der 
der Höhlen-Bildung auf der Sohle der Schweitzer Gletscher, ; 

10) Die Haupt-Ursache der Fortbewegung der Gletscher 
sind ihr Gewicht, die Ausdehnung des in ihren Spalten gefrierenden 
Wassers und somit die Erweiterung dieser Spalten selbst, — da ein 
Abschmelzen am Boden der Gletscher hier gar nicht Statt findet. 


Ca. Martins: In wie fern Gletscher die Steine ausstossen 
(VPInstit. 1842, X, 52). Es ist bekannt, dass „der Gletscher nichts‘ 
Unreines in sich leidet“. Marrıns und Beavaıs machten im Sommer 
1841 darüber folgende Versuche auf dem kleinen Faulhorn-Gletscher in 
2620m Seehöhe. Am 26. Juli versenkten sie einen Stein 0M26 tief in 
seine Oberfläche, stellten darauf einen Messpfabl mit einem Visir, 
bemerkten sich auf den Hügeln zu beiden Seiten des Gletschers zwei‘ 
Punkte, die mit dem Visir eine gerade Linie bildeten, und bedeckten 
dann vollends den Stein mit dem herausgebohrten Eise. Fünf Tage 
später lag der Stein, durch Abschmelzen dieses Eises blos, noch 0m 04 
unter der Oberfläche des Gletschers; um aber das Visir wieder in ge- 
rade Linie mit den zwei Punkten zu bringen, musste man den Pfahl 
noch um 0mM02 heben. Relativ war also der Stein gestiegen, aber ab- 
solut um 0M02 gesunken. Die Oberfläche des Gletschers hatte um’ 
00224 abgenommen. 

Am 8. August grub man einen Stein 0W66 tief in den Glowihet 


l 


357 


ein; am 5. Sept. war er wieder an der Oberfläche; aber absolut war 
er um 0m96, die Oberfläche des Gletschers also um 162 gesunken, 
Der ganze Gletscher hatte sich jedoch seit einem Monat auffallend zu- 


sammengesenkt. 
Also der Stein steigt nicht über den Gletscher, sondern der Glet- 
scher schmilzt um den Stein ab — wie bei den Eis-Tafeln. Escher von 


‚DER Lintw bat im nämlichen Jahr gleiche Resultate am Aletsch-Gletscher 
erhalten [Jahrb. 7841, 675]. 


"L. Acassız: neue Beobachtungen am Aar-Gletscher (v. Hum- 
zsoLpr’s Brief an die Paris. Akad. 1841, Okt. 18 > VInstit. 1841, IX, 
354). A. versichert nun durch ein 140° tiefes Bohrloch die Wasser-Mengen 
ausgemittelt zu haben, welche bei Tag und bei Nacht und bei sehr 
ungleichen Temperaturen in die verschiedenen Tiefen der Gletscher ein- 
dringen, — Im Iunern des Gletschers wechselt die Temperatur nur 
zwischen 0° und — 0°,5. Bei dieser Temperatur blieb das Bohrloch 
trocken und zog sich binnen 48 Stunden sogar von 34” auf 24'° Weite 
zusammen. Die Einsiekerung des Wassers in das Bohrloch zeigte sich 
regelmäsig, wenn die Temperatur nicht merklich unter 0° hinabsank. — 
In der Eis-Masse sind vertikale Bänder blauen Eises vorhanden, welche 
mit weissen von 4’ bis zu einigen Zollen Dieke wechseln und wenig- 
stens 120° tief eindringen. — Der Firn ist kein Primitiv- Zustand des 
Schnee’s in hohen Gegenden. Auf mehren 10,000’ hohen Spitzen beob- 
achtete A. beständig folgende Abstufungen: 1) den eigentlichen Gletscher, 
2) den körnigen Firn, 3) Schnee mit Eis-Schichten wechselnd. — End- 
lieh hat er wiederholt gesehen, wie der Gletscher seinen Boden aus 
Granit, Serpentin und Kalk abschleift. 


W. A. Lampanius: über die Verflüchtigung des Goldes und 
Silbers vorzüglich durch die Röst-Prozesse (Erom. Journ. 
f: prakt. Chemie, 1839, XVT, 204—211). Dieser auf hüttenmännische 
Erfahrungen gegründete Aufsatz bietet Stoff zur Theorie der Erz-Lager- 
stätten. — Bei einer eben zum Schmelzen hinreichenden Temperatur: 
und sorgfältigen Behandlung verflüchtigen sich genannte Metalle nicht. 
Wehl aber hat man sie in Sauerstoff - Feuer, durch elektrische Einwir- 
kung, durch Brennspiegel-Hitze verdampfen gesehen, und Acrıcora und 
ErkEr wussten bereits, dass Anwesenheit von Arsenik ihre Verflüchti- 
gung begünstige. Der Vf. selbst hat in langjähriger Erfahrung folgende 
Beobachtungen gesammelt: 

A. Im Schmelz-Feuer. 

a. Silber verflüchtigt sich metallisch (1, 2, 3, 4), oder als Oxyd (5, 6). 

1) Iu offenem Hessischem Graphit - oder Thon-Tiegel verliert das 
Silber in der Hitze, wenn es treibt, d. h. bei anfangender Weissglüh- 
Hitze, selbst als Feinsilber mehr oder weniger an Gewicht. Als bei 
einem 1809 unteruommenen Versuch 10 Mark Feinsilber 2 Stunden lang 
in offenem Hessischem Tiegel bei 50° — 62° des Pliotometers; d. i. 


f 


358 


beinahe in der Hitze der Glas-Öfen, in Fluss erhalten wurden, verloren 
sie 0,02 ihres Gewichtes. 

-.. 2) Ein 12—15löthiges Kupfer -Silber auf ähnliche Weise bchnndektz 
aber halb mit Kohlen - Staub bedeckt, verliert 0,01 (Wınkrer Europ. 
Amalgamation, 134), und man findet einen Theil des verflüchtigten Sil- 
bers im Flug-Gestübe der über den Schmelz-Öfen angebrachten Conden- 
sations-Kammern. L. fand darin 0,181 dieses Staubes aus BEN 
Silber-Staub zusammengesetzt. 9, 

3) Fein-Silber eben so behandelt, aber unter völliger Kenn. im 
mit Kohlen-Staub , erleidet keinen merklichen Abgang. Aus diesen drei 
Beobachtungen zusammengenonmen ergibt sich, ‘dass das Silber. nicht 
eigentlich in Dampf-Gestalt aufgetrieben , sondern durch den Luft-Zug 
mechanisch mit emporgerissen werde. { 

4) Als der Vf. 1824 unter Andern (vgl. dessen Supplemente zur Hütten) 
Kunde II, 144) 20 Mark fein zu brennendes Silber mit etwas Blei auf 
einem in Sand gesenkten Teste dem Feinbrennen in Steinkohlen-Flamme 
übergeben und zuletzt bei scharfem Zuge und anfangender Weissglüh- 
Hitze gearbeitet hatte, fand er beim Ausräumen des Ofens den Sand 
einige Zolle hinter dem Teste bis nahe an den Fuchs hin mit metalli- 
schen Silber-Körnern von der Grösse kleinrer und grössrer Stecknadel- 
Köpfe belegt, welche inzwischen nur 3,1 Loth von dem 8,7 Loth be- 
tragenden Verluste ersetzten, daher noch ein Theil durch die Esse ent- 
wichen seyn musste. Diese Verflüchtigungs - Weise könnte. begünstigt » 
seyn durch die von Lucas wahrgenommene Entwiekelung von Sauerstoff- 
Gas bei Erstarrung des geschmolzenen Silbers (dieses Gas muss wäh- 
rend des Schmelzens zwischen die Silber - Atome eingedrungen und 
mechanisch von ihnen gebunden worden seyn). 

5) Silber durch Sauerstoffgas-Feuer in einer Kohlen-Grube geschmol- 
zen entweicht als Silberoxyd in Form eines feinen Rauches, den man 
auffangen kann. 

6), Bei eben solcher Behandlung bis zu Weissglülı - Hitze he das 
Silber von einigen strengflüssigen, ihm in der elektrischen Reihe. nahe 
stehenden Metallen zurückgestossen und dadurch dessen. Verflüchtigung 
ungemein begünstigt. Legt man zwei ungefähr gleichgrosse Körner 
von Silber und Nickel in die Kohlen-Grube, so drehen sie sich schnell 
um einander herum, und das Silber verdampft als Oxyd weit stärker 
als für sich allein. Dasselbe (vgl. Erpm. Journ. IV, 280, und XT,:9) 
beobachtete der Vf. beim Zusammenbringen von Silber mit Platin und Irid. 

b. Gold verflüchtigt sich in diesen Fällen weit weniger, und im 
dem letztgenannten Versuche mit Platin und Irid gar nicht (a. a. O. 
XT, 8, 9). 

B. Bei geringerer Hitze, wie beim Rösten Gold- und Silber- 
haltiger Erze, erfolgt die Verdampfung beider Metalle ebenfalls sehr 
leicht, und zwar nicht allein durch Mitverflüchtigung durch Chlor, schwe- 
felige und arsenige Säure und Salpeter-Säure etc., sondern sogar aus 
reinem Quarz. Nach den Freiberger Oberhüttenamts-Akten ist 


359 


4) der: Silber - Verlust beim Rösten einer aus dürren und bleiischen 
Erzeu bestehenden Röstpost von 7 Loth Silber- Gehalt pr. Centn. in 
Flammen-Öfen und behutsamer Behandlung = 0,0057 und bei stärkerer 
Röstung = 0,012 bis 0,015 gewesen. 

2) Derselbe beim Rösten 4löthigen Rohsteins in Roststätten = 0,0089. 

3)’ Derselbe bei einem von WinktEr 1826 sorgfältig durchgeführten 
Versuche mit 6%löthiger Freiberger Awalgamir-Beschickung —= 0,023. 
Der Rostflug -Staub in den Fluggestüb-Kammern enthielt viele mit auf- 
geflogene Erz - Theile; der grösste Theil des Verlustes aber war als 
Chlor - Silber in eine am Ende der Röstofen- Esse angebrachte Verdich- 
tungs-Kanımer übergegangen. 

4) Bei vier auf der Antonshütte bei Schwarzenberg angestellten 
Versuchen betrug der Verlust von eben so vielen zum Rösten vorgelau- 
fenen bleiischen Silbererz-Beschickungen 
> @..von 334 Centn, mit -170 Mark Silbergehalt = 0,0197 


Br 55130 »„ 169 „ ” = 0,0760 ir a 
ERBEN PRESSE RL TRRSETTESURN HT — 0,0403( Au HE 
Bain ig, raten, „5 = 0,0319 3 7 


Die zweite Post allein, welche den grössten Verlust erlitt, enthielt 
kein Blei; die übrigen waren mit Bleiglanz beschickt. 

' WınkLer (Erpm. Journ. I, 467) sagt von Silber-Verlust beim Rö- 
sten. der. sehr zinkreichen Erze auf der Sala-Silberhütte in Westmanu- 
land, dass 

a..die Schlicbe 0,10) verloren; im Duuchschnmiltti roelmpin man 

‚“ß. die, Stufferze 0,04| 0,07 Verlust, 
was.jedoch zum Theile von dem Mangel der Fluggestüb- fir her- 
rührte, 

‚ Der Russische Bergwerks- Chef vow Tscherrkın (über den Gold-: 
und ‚Silber-Verlust bei den Röst-Arbeiten, a, d. Russ. übers., Weimar 
1836) gibt den Verlust noch grösser an. Nach ‘ihm. erhielt von Mar- 
wainsky zu, Katharinenburg (a a. 0. S. 8) aus einem: ungerösteten. Roh- 
steine, welcher im Pud 1338 Solotnik Silber und $2 Sol. Gold, zusam-. 
men. 1432 Sol. güldisches Silber hielt, nach dem Abrösten desselben 
in, einem zugedeckten Tiegel nur 135%, und auf einem. Böst-Scherbchen 
unter der Muffel nur 114© güldisches Silber: 

„der Silber-Verlust im Tiegel = 0,043, unter der Muffel 0,203, 

„ ‚ Gold- Da} » = 0,200, „5 » » 0,400. 

Es. ergab: sich ferner, dass, je vollkommner die Abröstung der Sil- 
ber- und Gold-Erze erfolgte, desto mehr Silber und besonders Gold ver- 
loren ging, welches in 2 Fällen: sogar gänzlich verschwand (S. 10). 
Bei sieben im. Grossen mit Silber- und Gold-haltigen Rohsteinen , theils 
mit zerstückten in Roststätten, theils mit gepochten. in Flammen - Öfen 
angestellten Versuchen war der Verlust 

an Silber — 0,0225 'bis. 0,28, im Mittel = 0j15, 

ileld.e=0,32.00 see 

Bei melıren kleinen Versuchen, wo man Gold-Pulver mit Silber- 


360 


haltigem Kies, Eisenspath und Schwefel in mancherlei ' Verhältnissen 
mengte, betrug der Verlust an Gold = 0,16 bis 0,29. IF 
‚Endlich veranstaltete der Vf. einen Versuch mit künstlichen: Gi 
mengen von-reinem Gold mit Quarz-Mehl, mit Eisenkies- und mit'Ar- 
senikkies-Pulver, welche dann bei der erfolgenden 3stündigen Röstung 
unter der Muffel (bei den zwei letzten Gemengen mit einem kleinen 
Zuschlag von Koblenstaub) 0,360, 0,342 und 0,427 Verlust'an Gold 'er- 
litten, der mithin bei reinem Aura eben so gross war, wie bei der 
Anwesenheit flüchtiger Gemeng-Theile. | 


C. Petrefakten-Kunde. 


J. Duvar-Jouve: Belemnites des terrains eretaces infe- 
rieurs des environs de Castellane (Basses- Alpes), conside- 
rees geologiquement et zoologiquement, avec la descrip- 
tion de ces terrains, Paris 1841, 4° (80 pp. IX pll. et Il: cart.). 
Der Vf. hatte zu seiner Verfügung theils in Folge eigenen ’zehnjähri- 
gen Sammelns und theils in Hrn. Emerıc’s Museum ‘über 10,000 Belem- 
niten aus der unteren Kreide (Neocomien) seiner Umgegend. Es ist 
diess die Fund-Grube jener merkwürdigen Crioceratiten und jener 
bizarren, zusammengedrückten und ünregelmäsigen Belemniten-Formen, 
unter welchen RasrpaıL 61 Arten unterscheiden zu müssen geglaubt hat, 
während »’Orsıeny solche iin seiner Pal&ontologie Francaise auf nur 
5—6 Arten reduzirte, ohne jedoch aus Mangel an Material darin eine 
sichere Grundlage zu haben, daher der Vf. deren Zahl wieder auf 16 
bringt. Denn ihm war es möglich, Hunderte von Fenp En jeder Art 
zu zerbrechen; um auf dem Queer- und Längen-Bruche die Form-Ver- 
änderungen zu studiren, (welche jede Art von Jugend auf zu durchlaufen 
hat; er fand, dass nicht alle Arten die Schichten, welche sie fortwäh- 
rend von akiaden an ihre Scheiden anlegen, überall in gleicher Dicke aus- 
bildeu oder überhaupt über die ganze Oberfläche fortsetzen, und dass sie 
auf diese Weise mit dem Alter gar manchfache Gestalten anzunehmen ver- 
mögen, welche jedoch bei jeder Art einem gewissen Gesetze unterliegen, 
Er fand aber auch, dass nicht selten ein Individuum seine Spitze äb- 
bricht und, indem es nun um die Scheide ganz ohne Spitze oder mit 
abgebrochener und verschobener Spitze neue Zuwachs-Schichten anlegt, 
ganz eigenthümliche, aber zufällige Formen annimmt, deren manche bei’ 
Rasraıt ebenfalls als Arten aufgeführt sind. Die merkwürdigste Ent- 
deckung aber ist, dass, während bei allen andren, drebrunden, Arten’ 
der Siphon auf der Mittellinie längs der Bauch - Seite des Alveoliten 
nämlich unter der Bauch-Rinne der Scheide verläuft, er bei den zusam- 
mengedrückten Arten der Kreide der Basses- Alpes an der entgegen- 
gesetzten Rücken-Seite hinzieht, wesshalb der Verf. gegen FAurz-Bisuer, 
DE FERussac u. A. bezweifelt, dass ein zentraler oder ein zwischenständiger 


361 


Siphon ‚bei denselben jemals vorkomme,. Daher der Vf. die Belemniten 
in-3 Familien sondert, die Gastrosiphiten, die Notosiphiten und 
(die Bipartiten, wohin nämlich nur die einzige Art gleichen Namens 
gehört‘, ‘deren’ Scheide durch eine Rücken- und eine Bauch-Rinne der 
Länge. nach in zwei verwachsene Kegel getheilt wird und deren Siphon 
noch unbekannt ist. 

Folgendes ist die Inbalts:Übersieht von vorliegendem Werke: I. Be- 
schreibung der unteren Kreide-Bildungen unr Castellane (S. 5, Tf.xı, x); 
II. über Belemniten im Allgemeinen; ältre Ergebnisse; des Vfs. Beob- 
achtungen (S. 17); III. Geschichte der Belemniten der Basses - Alpes, 
RasraurL (S. 31); IV. Grundsätze des Vfs. bei Unterscheidung und Klas- 
sifikation der Arten (S. 34—39); V. Beschreibung und Klassifikation 
derselben (S. 40); VI. Ergänzende Resultate: synoptische Tabelle der 
Arten, Tabelle der geologischen Verbreitung und geologische Ergebnisse 
überhaupt (S. 77—80). 

Der Vf. klassifizirt seine Arten auf folgende Weise unter die schon 
genannten 3 Haupt - Abtheilungen, und gibt die ungefähre Exemplaren- 
Zahl an, die ihm von jeder Art zu Gebot gestanden. 


Belemnites. 
I. Biparties: eine ganze Rinne auf beiden Seiten. . „. 1. bipartitus Desu, 200. 


I. Notosiphites cs. 0.). 
4. Polygonales. 
Alveolar-Gegend breiter als der Rest; Form pyramidal 2. isoscelis ». 500. 
Alveolar-Gegend so breit als das hintre 1/3; Form - 
BERBBERBELCHE A a on REIS NE AR A Aula 732.600: 
Alveolar-Gegend sehr schwach; Form linear . . . . 4. trabiformis r, 100. 
' Alveolar-Gegend sehr schwach; Form sehr elliptisch „ 5. sicyoides z. 100. 
B. Plates. 

Scheide kurz, wenig zusammengedrückt, oft kantig. . 6. hybridus ». 1000. 
Scheide sehr lang, sehr zusammengedrückt, nie kantig 7. dilatatus Bıv. 1000. 
Scheide hinten sehr breit; schmale Seiten sehr gebogen 8. Emerici Rsp, 300. 

C. Semiplutes. 
Kanal längs der ganzen Bauch-Seite . . . . 2 . . 9. latus Bıv. 500. 
Kanal auf der halben Länge . . 2. 2... .10. Grasianus z. 100. 


1. Gastrosiphites (cs. o.). 
AConiques ....... 4 2 BE NR WIE extinetoriustRar, 100. 
B. Cylindriques. 

Kanal auf fast der ganzen Bauch-Seite . . -. . . . 12. Orbignyanus z, 100. 
flachgedrückt . . . 13. subfusiformis. Rsp, 3000, 
drehrund . . . .14. pistillifornis Bıv. 200. 
Scheide hinten sehr flach ge- 

jung sehr kurz . drückt . . : . . 15. platyurus ». 500. 
fast zylindrisch . . 16. semicanalicul, Brv. 1000. 


Jung sehr lang; alt 


Hinsichtlich der Synonyme entnehmen wir nur, dass der B. dila- 
tatus 12, der B. subfusiformis 12, der B, platyurus 6 Rasruıt- 
sche Arten in sich begreift; dass auch noch einige Buarsvirue’sche 
Arten unter die obigen eingetheilt worden sind; dass Actinocamax 
fusiformis und A. Milleri Vorrz unter B. subfusiformis und 
der Pseudobelus bipartitus Brv. mit Bel, bicanaliculatus Bıv. 
unter Bel. bipartitus Desn. gehört. 


362 


Die geologische Übereinanderfolge der Arten im SÖ. Theile'der 
Kreises von Castellane , Basses-Alpes, und im NW.-Theile des Kreises 
von Grasse, Var, ist diese; wobei die gemeineren mit * "bezeichnet und 
bei den in grössrer Vertikal-Erstreckung vorkommenden’Arten der Name 
zweimal, zu Anfang und zu Ende mit diesen Zeichen: ( und: )' ne ist. 


LE “ 


Rhotomagensis; Orbitulites etc. 


mit Dikotyledonen- 
Turbinolia; Cidaris; Discoidea subuculus; Te- 
T. 


h) Gault (schwarzer Mergel): 
Holz; 
rebratula ovata So., 


a) Grünsand mit Gryphaea columba, Ban tri- 
angularis Mr., Turrilites costatus So.; Ammonites 
suleatus So.; Natica 2 A. ; Solarium; Trochus 8 A.; 
Turbo 4 A.; Rostellaria Parkinsoni Mor.: Nautilus 


Clementinus 2’0.; Ammonites Dufrenoyi D’O:, A. 
Guettardi Rasp., E Emerici R., A. Duvalianus »’0., 


[; Juilleti D’VO., A. striafisuleatus D’O., A. erassico- 


Grünsand. 


status D’O., A. Martini p’0,., A, pretiosus D’O., A. 
nisus D'O., A. inornatus 0’0., A. Parandieri »’O., 
A does ha Micıt.. A. impressus »’O.. A. tortisul- 
catus D’O., A. Beudanti Brex., 
Fittoni P’O., 
A. denarius So., A. interruptus Brc., 
A. monilis So.; Turrilites 2 
a.; Squalus. 


A. splendens So., A 
A. Raulinianus D’O,, A. Guersanti p’O., 
A. Lyelli Levm., 
A.; Baculites; Hamites 
Totundus u. 


RD Harter weisser Kalk mit grünen Körnern: mit 
l Cidarites-Stacheln; Terebratula diphya u. a.; Nau- 
tilus pseudo-elegans D’O.; Ammon. pulchellus, A. com- 
- pressissimus, A. Parandieri, A. Castellanensis, A. in- 
fundibuium n»’O., A. sneife Rasp., A. ligatus , A. 
intermedius, A. incertus, A 
tes; Crioceratites Duvalii l’Ev, 


d) Graue Mergel mit Pentacrinites; Cidaris; Spa- 
tangus retusus u. a.; Serpula; Terebratula 7-8 A.; 
Ostrea; Pecten 5costatus; Trigonia; Pectuneulus; 
Pholadomya Langii; Aptychus 2 A.; Nautilus neoco- 

!mensis D’0.; Ammonites Lepoldinus, A. cryptoceras. 
A. inaequicostatus, A. incertus, A. subfimbriatus, 
A. diffieilis, A. elypeiformis, A. Grasianus, A. angu- 

\lieostatus. A. cultratus, A. Asulcatus, A. Ixion, A. 
verrucosus, A. Neocomensis, A. asperrimus, A. sim- 
plex 2’O., Crioceratites Duvalii, Cr. Emericii l’Ev.; 
Scaphites Puzosii, Sc. Yvanii, Baculites. 


Neocomien. 


e) Chloritische Schicht mit Am. radiatus Brc., A. 
Renauxianus n»’O.; Cidaris ? claviger; Nautilus Re- 
quieni D’O.; Aptychus. 


nel lm m m | 

f) Untre Kalk- und Merzel-Schichten mit Aptychus 
2A.; Terebratula 6—8 A.; Spatangus retusus; Exo- 
gyra Coulonii, Ostrea 3 A.; Solen 2 A.; Pholado- 
'mya u.a, 


lL/astriata Le.; Ostrea; 
Gryphaea; De Pecten 5costatus, Inoceramusj- 


. Ifostriatus »’Q,; Hami- 


Belemnites 
semicanaliculatus*; 


platyurus*; Grasianus} 


(subfusiformis; 
(dilatatus; 
a N subfusiformis * 
dilatatuss) —_ - (bipartitus; 
Emerieij — dlatus; 


-Orbignyanus; 
trabiformis ; sieyoides; ; i 
(pistiliformis; ' 
extincetorius; — latus*;) 
bipartitus >) .—; pisillifor- 
mis 


isoscelis *) — hybridus;) 
subfusiformis ® *), 


? 


. z 
vH n 


Endlich modifizirt der Vf. die von n’Orsicny anderwärts über die 
geologische Verbreitung der Belemniten überhaupt aufgestellten er 


etwas, in folgender Weise *): 


1) Die Belemnitellen (mit Alveolar-Rinne vorn) scheinen der ‚oberen 
oder weissen Kreide anzugehören (wie D’ORBIENY). | 


_ ri 


vw 


2) Die Belemniten mit Bauch-Rinne, doppelter a re 


*) Diese Notitz steht anch im Institut 1841, 6%, als Vortrag bei Pariser Akademie 1841, 


August 30. 


re 


i 2 ı% Ä 


3635 


runder Alveole, scheinen von der weissen Kreide ausschliesslich an bis 
zum oberen Theile der Oolithe einschliesslich zu reichen. D’ORrzıenY 
beschränkt dieselben auf den Gault und das Neocomien, .D. zitirt dü- 
gegen den B. subclavatus Vorrz im mitteln Jura-Gebirge der Basses- 
Alpes, den B. hastatus Brv. in den Vaches nvires, den B. ferrugi- 
nosus im Eisen-Oolith des Oxford-Thons nach Vorrz. 


3) Die Notosiphiten und Bipartiten scheinen das Neocomien und erste 
noch den obern Theil der Oolithe zu charakterisiren. »’Orsıcny be- 
schränkt sie auf erstes allein, aber VorLrz (bei DE LA BEcHE) zitirt den 
B. dilatatus Bzrv. noch im untern eisenschüssigen Oolith von Bayeur 
und im Lias von Gundershofen und Befort; BramwvisLe die von ihm 
selbst abgebildeten Exemplare in den Oolithen von Esnandes (Charente- 
infer), und der Verf. fand 2 Varietäten von B. latus’in ‘den Jura- 
Kalk- und -Mergel-Schichten unmittelbar über jenen mit Gryphaea 
arcuata. 


4) Die Belemniten ohne Bauch-Rinne und ohne doppelte Seiten-Linie, 
mit oft faltigem Scheitel und oft an der Spitze gekrümmiter, vorn ovaler 
Alveole scheinen die untern Oolith-Schichten nicht zu überschreiten. 


Die Lithographie’n in diesem Werke sind ausgezeichnet schön, Der 
Vf. scheint erst die Absicht gehabt zu haben, auch andre Familien fos- 
siler Konchylien auf dieselbe Art zu bearbeiten, hat sich aber nun ent- 
schlossen und bei den Ammoniten bereits angefangen, all’ sein reiches 
Material an pV’Orsıcny zur Aufnahme in dessen Paleontologie Fran- 
Caise zu übergeben. 


„RB. Owen: sechs neue Arten fossiler See-Schildkröten 
im London-Thon (Geolog. Proceed. > VlIastit. 1842, X, 44.— 45). 
Diese Reste stammen aus dem London - Thon der Insel, Sheppy und 
Nr. 6 aus dem der Gegend von Harwich. Cuvırr und BuckLann haben 
zwar Beste von See-Schildkröten im Muschelkalk, Wealden-Thon, Kreide 
und London-Thon erkannt und angeführt, aber noch ist keine Art ächt 
wissenschaftlich bestimmt worden. Einige Schildkröten - Reste von 
Sheppy hatte Cuvıer den Sumpf-Schildkröten, Emys, zugeschrieben. 


1) Chelone breviceps a. hat einen fast vollständigen Schädel 
und einen Schädel mit Rücken- und Bauch - Panzer hinterlassen. Am 
ersten fehlt nur das Hinterhauptbein. Er stellt einen starken ununter- 
brochenen Wulst, eine Kappe dar, die sich von der Parietal-Leiste je- 
derseits über die Schläfen-Grube erstreckt und hauptsächlich durch eine 
grosse Entwickelung der Hinter - Stirnbeine gebildet wird; ein sichres 
Kennzeichen des meerischen Geschlechtes, welches noch begleitet wird 
durch beträchtliche Dimensionen und die seitliche Stellung der Augen- 
Höhlen, deren hintere Grenze sich über den vordern Rand der Parietal- 
Linie hinaus erstreckt, durch die Abwesenheit der tiefen Furche, welche 


364 


bei den Sumpf- Schildkröten das obre Maxillar- Bein vom Pauken» Bein 
trennt, durch die seitlich ausgedehnte Platte der Wand-Beine, welche 
mittelst einer geraden Naht mit den Hinter-Stirnbeinen auf 2 ihrer Er- 
streckung, auf dem andern ‚Viertheil aber mit dem Schläfen - Bein oder 
zygomatischen Element. verbunden sind, und durch. die Bildung. der 
Schädel-Basis. Die äussre Fläche der Schädel-Kuochen ist unregelmä«-. 
sig ausgehöhlt und bietet ein ‚eigenes chagrinirtes- Ansehen dar. Auch 
im Unterkiefer finden sich zwei Kennzeichen von Meer - Schildkröten, 
indem das Zahn - Stück einen grösseren Theil davon als bei den Land- 
und Süsswasser- Schildkröten bildet und der untre Theil der Symphyse 
leicht ausgehöhlt ist. Die äussre Fläche beider Panzer zeigt: dieselben 
Unebenheiten, wie die des Schädels. Der Rücken - Panzer ist lang, 
schmal, eiförmig, vorn breiter, verschmälert sich allmählich nach binten 
und ‚endet. fast in eine Spitze. Neun (von 11), Wirbel-Platten sind er- 
halten und 8 Paare Rippen, wovon die 6 vorderen Paare genügende 
Theile ihrer äussern schmalen und gezähnelten Enden darbieten, um 
wieder die See-Schildkröte erkennen zu lassen. Diese Wirbel-Platten wei- 
chen 'wesentlich von denen der Emyden ab. Das letzte Rippen - Paar 
fügt sich an die 9., 10. und 11. Wirbel-Platte an, wie bei den See- 
Schildkröten. Das Stersum ist zwar mehr als bei den lebenden Arten 
dieses Geschlechtes verknöchert, bietet aber alle wesentlichen Kenn- 
zeichen desselben dar. Die Art unterscheidet O. von’ anderen an der Kürze 
des Gesichts-Theiles des Schädels im Verhältnisse seiner Breite u. s. w. 

3) Ch. longiceps n. hat einen Schädel mit eigenthümlich 'verlän- 
gerter und zugespitzter Schnautze geliefert. Die Oberfläche der Kno- 
chen ist auch ebener, als bei voriger Art, aber die sonstigen Charaktere 
deuten ebenfalls auf eine Chelone , wie insbesondre die Schlund - und 
Nasen-Gegend. Aber diese Art unterscheidet sich von den lebenden 
durch‘ die Schmalheit des Keil-Beins an der'Basis des Schädels und 
durch die Form und die Höhlungen der Flügel-Beine. Der Vf. beschrieb 
im: Detail auch noch 2 mittle  Wirbel- Platten mit den ausgebreiteten 
Theilen der entsprechenden Rippen rechter Seite, Wirbel-Stücke, das 
rechte Xiphosternal-Stück, einen Humerus und einen Femur, die mit 
dem Schädel gefunden worden sind. Ein fast vollständiger Rücken: 
Panzer in Bowersank’s Sammlung ‚„ welcher zu dieser Art gehört, un- 
terscheidet sich vom vorigen, indem er breiter und flacher ist, und durch 
einige untergeordnete Abweichungen. Der Brust-Panzer ist noch merk- 
würdiger, als der von Ch: breviceps, durch die grössre Erstreckung sei- 
ner Verknöcherung, indem der Knorpel-Raum in der Mitte verringert ist. 

3) Ch. latiscutata a. berührt auf einem. beträchtlichen Theile 
des, Panzers eines jungen Thieres von 0m75 Länge von der 2. bis 7. 
Wirbel-Platte einschliesslich, mit 'den ausgebreiteten Theilen der 6 ersten 
Rippen-Paare und dem Hyosternal - und Hyposternal- Theile des Bauch- 
Panzers. Sie unterscheidet .sich sehr von allen bekannten Arten durch 
die verhältnissmäsig grössre Breite der Wirbel- Platten ‚. welche. fast 
2mal so breit als lang sind. | id 


365 


4) Ch. aubeonvexa nm. beruhet auf einem fast vollständigen Pan- 
zer und hält das Mittel zwischen den 2 ersten Arten, indem ihr Rücken- 
‚Panzer schmaler und gewölbter als bei 2, breiter und in regelmäsigerer 
Kurve gewölbt ist als bei 1. Der Vf. beschrieb die einzelnen Theile 
ausführlich. Als See-Schildkröte wird die Art hauptsächlich eharakteri- 
‚sirt dureh die Form, die leichter sigmoide Krümmung und die geringere 
Länge des Femur, welcher nur 0m025 misst, während er bei einer gleich 
‚grossen Emys 0m038 haben würde. 

5) Ch. suberistata n. nähert. sieh durch ihren Panzer mehr als 
die vorigen der Ch. Mydas durch die Form seiner Rücken-Buckeln und 
zumal den kurzen schneidigen Längen - Kamm auf der 6. und 8. Platte 
(während er bei Mydas weniger stark auf der 4. und 6. Platte ist). 
Alle Theile wurden ausführlich beschrieben. | 

6) Ch. platygnathus, ein Schädel in Sepswick’s Sammlung, als 
‚solcher einer See-Schildkröte bezeichnet durch die grosse Ausdebnung des 
Knochen-Wulstes an den Schläfen-Gruben und durch den Antheil, welchen 
die Hinter-Stirnbeine an dessen Bildung nehmen; demungeachtet grenzt 
‚diese Art näher als die vorigen an Trionyx und Emys durch die schiefe 
Stellung der Augen -Höhlen und die minder beträchtliche Grösse des 
Raumes zwischen ihnen. Auch ist die Erstreckung von vorn nach 
hinten grösser als an allen lebenden und erloschenen Chelonen und die 
Abplattung des unteren Theiles der Symphyse merkwürdig. Auch ein 
Stück Brust - Panzer ist zu Harwich gefunden worden und wird im 
Britischen Museum aufbewahrt. 

So lange man die Schildkröten-Heste von Sheppy den Süsswasser- 
Sehildkröten, Emys, zugeschrieben, war der Unterschied der eocenen 
und der jetzigen Chelonier - Bevölkerung Englands ‘nicht so auffallend, 
weileine Emys, E. Europaea, noch gegenwärtig aufdem Kontinente häufig 
ist und selbst in England vorkommt. Nachdem man aber nun auf dem 
beschränkten Raum von Shrppy mehr Chelone-Arten gefunden, als jetzt 
im Ganzen noch lebend gefunden werden, von welchen nur 2, Ch. Mydas 
"und Ch. earetta, zuweilen die Gegenden besuchen, so gewinnt die Sache 
ein höheres Interesse, Sie deuten ,„ wie andere eocene Thiere, auf eine 
höhere Temperatur hin und mögen durch ihre Anzahl sehr zu Vermin- 
derung der Krokodil-Eier jener Zeit beigetragen haben, um: ihrerseits 
wieder die Beute der erwachsenen Krokodile zu werden. | 


Arc. P’OrBIoHY: Abhandlung über die Foraminiferen der 
weissen Kreide des Pariser Beckens (Mem. soc. geol. 1840, V, 
1—52, pl. 1-ıv > Bullet. soc. geol. 1840, XI, 38—39.. Zuerst zählt 
der Vf. die Leistungen von J. PLancus, LEDERMÜLLER, SoLpanı, FicHTEL 
und Morr, Lamarck, Nırsson, Dusırnın, RoEMeEr, v. Hauer u. A., so 
wie seine eigenen über die Foraminiferen überhaupt auf. Der Vf. bezeich- 
net ihr Vorkommen von den Oolithen bis in die lebende Schöpfung. Mau 
kennt über 1500 lebende oder fossile Arten. Im untern Tertiär-Gebirge 


Jahrgang 1842. 24 


366 


von @entilly bei Paris ist eine Gesteins-Schichte fast ganz daraus zu- 
sammengesetzt; nur ein leichtes Zäment bindet sie aneinander; ein 
Kubik-Zoll des Gesteins enthält deren 58,000, ein Kubik-Meter 3,000,000,000. 
Lebend finden sie sich in allen Meeren. Ihre Reste sind es hauptsäch- 
lich, welche allmäblich die Sandbänke bilden, die Golfe verstopfen , die 
Häven erfüllen und mit den Korallen wärmerer . Meere neue. Inseln 
bilden. Eine Sondirung Lerkvre’s in 35’ Tiefe des Havens von Alexzan- 
dria hat dem Vf. den Beweis geliefert, dass die drohend fortschreitende 
Verschlammung desselben ‚hauptsächlich aus Foraminiferen besteht. Jede 
Gebirgs-Formation hat ihre eigenthümlichen Arten , mit deren Hülfe sie 
sich erkennen lässt. So hat auch jetzt jede klimatische Zone der Erde 
ihre eigenthümlichen Genera, mit deren Hülfe sich mithin: wieder die 
Temperatur einer Gegend oder einer Zeit erschliessen lässt. Die voll- 
ständigsten jetzigen Foraminiferen-Faunen findet man: von den Antillen 
bei pe za Sacra *), von den Canarischen Inseln bei Wer und Bekr- 
THELOT ”*), von Süd-Amerika beim: Vf. selbst *"*). n 

In der weissen Kreide insbesondre hat man bisher aus der Pariser 
Gegend »ur Lenticulina rotulata, Lituola nautiloides und L. 
difformis durch Lamarck, aus England wieder die erste uuter dem 
Namen Nautilus Comptoni durch Sowerxy, und aus Schweden die- 
selbe unter dem Namen Lentieulites Comptoni und L. cristella 
nebst drei neuen Arten durch Nırsson gekannt. Der Vf. hat im Pariser 
Becken, indem er alle Steinbrüche ‚und alle Sehiebten - Abtheilungen 
fleissig durchsuchte,, allmäblich 54 Arten zusammengebracht:; aber auch 
die der Kreide an der Loire , an der Charente, an der Gironde, in 
. Süd-Frankreich und in Belgien gesammelt, um durch deren Vergleichung 
zu allgemeineren Ergebnissen zu gelangen. Die geologische Stellung 
der weissen Kreide von Paris ist bekannt genug, um als Niveau zu 
dienen; sie enthält die 3 der Kreide eigenthümlichen ‚Genera Flabel- 
lina, Verneuilina und Gaudryina und eine ‚Menge: ‚erloschener 
Arten; während die Kreide von Mastricht, Fauquemont (Belgien), Tours, 
'Chavagne und Vendöme jünger ist, indem sie nur noch lebende oder 
‘wenigstens in Tertiär-Bildungen wieder vorkommende Geschlechter zeigt, 
alle andre Kreide - Ablagerungen aber nach der: Beschäffenheit ihrer 
-Foraminiferen als älter angenommen werden . müssen. Gleichwohl 
müsste man, um alle Kreide-Sebichten in Frankreich nach diesen Re- 
sten zu klassifiziren, sie in zwei geographische Abthejlungen bringen, 
die nordöstliche (Seine, Loire, Belgien, England), wo alle Arten von 
den untersten bis zu den obersten Schichten eine auffallende Ähnlichkeit 
und einen regelmäsigen Übergang aus der einen Schicht in die andre zeigen, 
— und die südwestliche, wo nieht nur .die Arten.alle von den vorigen 
verschieden sind, sondern auch- fast alle anderen. Geschlechtern ange- 
hören. Der Vf. gibt folgendes Bild: harter! 


*) Histoire politique, physique et naturelle de V’ile de Cuba, 
**) Histoire nalurelle des #les Canaries. ' 
“**) Foyage dans U’.Amerique meridionale. 


tl. 


10. 


8 


3. 


= 


zu 


367 


NO.-Gruppe. 


. Obre Kreide von Mustricht und Fau- 


quemont. 

Polyparien-Kreide von Falognes und 
Nehou. 

Dergl. im Loire-Becken, zu Fendöme 
(Loire-et-Cher), Chavagne (Maine- 
et-Loire), Tours (Indre-et-Loire). 
Weisse Kreide von Ciply in Belgien. 
Dergl. von Paris, Yonne, Aube, Eng- 
land, 


 Craie tufau mit Gryphaea columba, 


Loire, 


Grünsand von Mans (Sarthe). 


Gault von Troyes, Aube. 
Neoconien im .£ube-Dept. 


SW.-Gruppe. 


. Nummuliten-Krelde von Royan (Chu- 


rante infer.) und längs der Pyrenüen 
zu Suint-Marlory (Haute - Garonne) 
und St Gaudens bis zum Aude-Dept. 


. Polyparien - Kreide zu Suintes (Chu- 


rente infer ) 


. Ammoniten - Kreide mit Gr. columba 


zu Martrous bei Rochefort. 


. Kaprinen-Kreide auf dir, in den Cor- 


bieres, lude. 


. Gründsand von Fouras, auf dir, in 


den Corbieres. 


Die Foraminiferen darin sind, nach denselben Nummern zusammen- 
gestellt, folgende, jedoch in der Richtung von unten nach oben besser 


‚überblicken. 
"Die Agathistegier (Milioliten) bleiben der tertiären und jetzi- 


gen Schöpfung aufbewahrt. 


12. 


u 


IL, 
. Die Genera, welche weiter unten noch 


Zu den 3 bei 10. genannten Genera 
gesellen sich neu: Nonionina, Fau- 
jasina und Heterostegina, 
welche alle auch lebend oder tertiär 
vorkommen, 


nicht als erloschen bezeichnet sind; 
neu treten auf Polystomella, Po- 


iymorphina, Globulina. 
.. Gleichzeitig mit 8; daher noch Fla- 


bellina; aber sonst audre Arten als 
in 8. 


. Alle Genera wie in 3, zum Theil mit 


den nämlichen Arten; Flabellina 
seit 3 bestehend erscheint zum letzten, 
Verneuilina und Gaudryina 
zum ersten und letzten Male; Nodosa- 
ria, Marginulina, Valvulina, 
'Rotalina, Rosalina, Trunea- 
tulina, Uvigerina, Globige- 
rina, Pyrulina, Sagrina er- 
scheinen zum ersten Male; am häu- 
figsten sind Frondicularia und 
die Binreih-fächrigen Formen, 


3 


. Litwola trittineben Dentalina auf, 


Dentalina,Citharinacverschwin- 
det hiemit), Frondicularia, Fla- 
bellina, Cristellaria, Buli- 
mina, Guttulina. 


}. 


Textularia. 


haupt von den einfachsten. 


Für die Pariser weisse Kreide zeigt 


Verhältnisse von 54 Arten an: 


1. Monostegier.. . .. . 
NM. Stichostegier. 


Dentalına . 
Märbınulina. .. |. „0 aau 
Frondienlariıa..- . - „20 


A. Gleichseitige . . 


B. Ungleichseitige . . . 


ill. Helicostegier, 


5 


nn 


Nodosaria. 


Flabellina . 


A. Nautiloideen . 


Cristellaria 
Lituola. 
' Rotalına 
Globigerina 
Truneatulina 
Rosalına 


. 


Valvulina . 


B. Turbino:deen . 


“” \ Verneuilina 
Bulimina 


“ 


Uvigerina. 
Pyrulina . 
Gaudryina 


IV. Entomostegier ... 


V. Enallostegier. 
A. Tezxtularideen 


B. Polymorphinideen . . . 
VI. Agathistegier . . . . 


Die ersten Monostegier erscheinen 


| Textularia 
“ | Sagrina 


Cristellaria, Nammaulinaschr 


häufig. Guttulinma. 

Nur Cristellaria. 

Die unter 3 genannten Formen im 
Allgemeinen. 


. Wie in 3. } 
. Dentalina, Cristellaria,Li- 


tuola, Alveolina, Chrysali- 
dina, Cuneolina 


f 


In den Oolithen gibt Citharina die Mehrzalıl der Arten; die Formen sind über- 


folgende Tabelle die Zahlen- 


I DER MIR DIN SER 
. u, UI UF- 20.\20 


oo) 


nn 
» = 
} £ > o 
3A A 
(7) .. wg 
e \ 5 a 


“ 
Dun on DD m N Gm rw 


. ° . . . “ . ® . 


° . [I . ” . . . . ° ” {1} 


erst in: den obern Tertiär- 


Bildungen, die ersten Entomostegier in der obern Kreide von Mastricht, 
die ersten Agathistegier in den untersten Tertiär-Schichten. Die Fauna 
der weisseu Kreide hat wenig Analogie mit den untern, mitteln und 
obern Tertiär-Bildungen von Paris, von Bordeaux, von England und 


369 


Belgien, wohl aber durch die grosse Anzahl von Stichostegiern mit 
jenen Wiens und der Subapenninen. — Diese Fauna der weissen 
Kreide mit der unsrer jetzigen Meere verglichen stimmt am meisten 
mit der des Adriatischen Busens überein; nur hier ist, wie dort, die 
grosse Menge der Stichostegier und die grosse Zahl von Bulimi- 
nen-Arten; bier allein kommen noch lebende Frondicularien vor, 
die in der weissen Kreide so manchfaltig sind; bier finden sich endlich 
die zwei einzigen Arten, welche sich noch lebend erhalten haben: Den- 
talina communis und Rotalina umbilicata. Man könnte daher 
folgern, dass das Klima der Pariser Gegend damals ein wärmeres ge- 
wesen; dass sich die weisse Kreide in einem gegen die Bewegung 
und Fortführung heftiger Wogen geschützten Busen oder Becken abge- 
setzt habe, da die Fossil- Reste in keiner Weise abgerollt sind, und 
dass auch Süd- England mit in dieses Becken gehört habe. — Welch’ 
vollständige Analogie aber hinsichtlich ihrer Foraminiferen - Reste zwi- 
schen der weissen Kreide von Meudon bei Paris, Saint-Germain, Sens 
(Yonne) und England bestehe, erhellt aus folgender Zusammenstellung: 


Gesammt- Arten-Zahl von 


Foraminiferen. zahl der 
Arten, Meudon. 


St.- Germain. Sens. 


England. 


Stichostegier . . 20 15 

Helicostegier .„. 30 19 14 18 

Enallostegier .„ . 4 4 1 1 

Im Ganzen . . .. 54 38 33 28 23 
. Dabei eigenthünlich . | . . . 9 2 6 

Mit den andern Orten | . . . 29 31 22 


Mit andern Schichten aber hat die weisse Kreide folgende Arten 
gemein: mit dem Grünsande von Mans: Dentalina sulcata, Mar- 
ginulina compressa, Cristellaria rotulata, wovon die erste 
und letzte auch in Schweden vorkommen; — mit der jüngeren Polypa- 
rien-Kreide von Tours: Bulimina obtusa und Textularia turris; 
— mit der Mastrichter Kreide: Dentalina multicostata und Ro- 
talina Cordierana; — mit den Tertiär- Schichten Wiens und der 
Subupenninen und zugleich der lebenden Fauna die schon genannten 
zwei Arten; so dass 47 Arten der weissen Kreide zu eigen bleiben. 

Hierauf folgt die Diagnostik, Beschreibung und Nachweisung des 
Vorkommens aller 54 Arten, welche sämmtlich in mehrfältigen Ansichten 
abgebildet sind. 


L. v. Buch: über Produkten oder Leptänen [?aus dem Bullet. 
der Berl. Akad. von 1841: 7 SS.). Productus oder Leptänen sind 
Brachiopoden , daher symmetrisch in allen ihren Theilen und innen mit 
2 Spiral- Armen versehen ‚„ die am Rande mit Frangen oder Winpern 


370 


besetzt sind. — Dem Geschlecht eigenthümlich ist: ein in seiner ganzen 
Länge gerader Schloss-Rand, horizontal wenn die Schaalen in ihrer 
Länge senkrecht stehen, ohne Spur von Area. ‚In der Mitte des 
Schlosses treten 2 Zähne der Oberschaale divergirend hervor und um- 
fassen 2, eng mit einander zu einem Knöpfchen vereinigte Zähne der 
unteren Ventral Schaale, die durch eine dreieckige Öffnung in den Buckel 
der oberen Schaale eindringen und diese Öffnung völlig verschlies- 
sen. Kein Heft-Band aus dieser Öffuunz. Dagegen stehen hohle Röhren 
an der ganzen Länge des Schlosses bin und häufig auch auf der Fläche 
der Oberschaale. Innen sind beide Schaalen mit einer Menge 
über die ganze Fläche zerstreuter Branchien-Spitzen bedeckt. 
Die Produkten unterscheiden sich daher von Spirifer und Orthis vor- 
züglich durch den Mangel eines Heft- Bandes und der Area. Auch 
fehlen ihnen die 2 inneren Lamellen oder auseinanderlaufenden Scheide- 
wände, durch welche die Spiral Arme bei Spirifer genöthigt sind nach 
eutgegengesetzten Seiten sich zu verbreiten. Auf der Oberfläche sind 
die Produkten jederzeit diehotomirend gestreift; nie sieht man die 
Streifen scharf und Dach-förmig, wie an Spirifer. Der untere Theil 
hängt schr oft. wie eine Schleppe herab und kann vom Thiere selbst 
nichts mehr, als Respiratious- Organe umschliessen. — Im Innern sind 
die Organe nach ganz ähnlichen Gesetzen, wie in anderen Brachiopoden, 
symmetrisch vertheilt. -Die zu einem Knötchen vereinigten Zähne tra- 
gen auch hier das ganze Knochen-Gerüste schwebend im Freien. Eine 
Scheidewand aus der Mitte entlässt zu beiden Seiten das Gerüst, wel- 
ches die Spiral - Arme unterstützt. Diese Spiralen wenden, sieh, von 
Aussen nach Innen und steigen mit Jhrer Spitze gegen die 
Dorsal-Schaale hberuuf, beide parallel mit einander; sehr verschie- 
den von Spirifer, aber ganz ähnlich, wie in Orbieula. Auf den Kernen 
erscheinen sie als zwei hochsteheude Buckeln, durch welche diese 
oft wunderbare Formen erhalten. Sowersy hat sie oft als eigene Arten 
aufgeführt (Pr. humerosus, Pr. calvus, Pr. personatus). ‚Dureh 
die Schaalen aber werden die Vertiefungen soleher Kerne ganz wieder 
ausgeglichen und diese dann zu bekannten Arten zurückgeführt.  Zwi- 
schen den mächtigen, tief in die Oberschaale eindringenden , senkrecht 
gestreiften Muskel- Eindrücken sieht man auf der ÜUnterschaale eine 
Blatt - förmige Erhöhung zu beiden Seiten des Dissepiments, den Ein- 
druck der inneren (Leber) Organe. Diese ganze innere Einrichtung 
hat Hr. Hönınsuaus in Crefeld 1828 auf einem besonderen Blatte schön 
abbilden lassen. — Die ganze innere Fläche der Srhaalen ist vom 
Schnabel bis zum äussersten Rande mit einer unglaublichen Menge 
Spitzen besetzt, welche oft wie Thränen hinter einander fort liegen 
eder auch an die Spitzen eines Herwelin- Mantels erinnern. Sie sind 
bei allen Pruoduetus-Arten so auffallend, dass sie schon allein hinreichen 
einen Productus zu unterscheiden und haben Puırrıes und Sowerer 
verleitet eine Menge Arten zu bilden, welche von vorher bestimmten 
mit Schaale gar nicht abweichen. Dennoch ist es nichts für die Produkten 


371 


Ausschliessliches. Es sind die verhärteten Wimpern oder Bran- 
chien-Ansätze der inneren Seite, am Rande des Mantels, welche 
das Thier benutzt, ausserhalb des Mantels das Wasser in Bewegung 
zu setzen und zu den Branchial - Gefässen zu führen. Werden die 
Wimpern zu hart, so bleiben sie auf der inneren Seite des Mantels 
‚zurück, und neue Wimpern dringen hervor. Diese Einrichtung ist allen 
Brachiopoden gemein. Auf Terebrateln, vorzüglich den glatten, 
sind diese Wimpern - Eindrücke als unzählige Poreu ganz deutlich, und 
T. punctata Sow. hat darin nichts Eigenthümliches. In der lebenden 
-T. ’dorsata erscheint im Innern jede Spitze als der Mittelpunkt, von 
welchem feinere Wimpern nach dem Rande auslaufen, und in T. spinosa 
treten diese Wimper - Spitzen sogar über die äussere Oberfläche hervor. 
— Die sonderbaren Röhren an den Schloss - Rändern der Produkten 
und’ zuweilen auch auf ihrer Oberfläche sind ihnen ganz allein 'eigen; 
sie wachsen fort mit der Muschel, und diess unterscheidet sie wesent- 
lich von den Hermelin - Spitzen des Mantels. Diese vergrössern sich 
nieht, und wenn sie auch einen Theil der Schaale durchdringen, so 
bleiben sie doch in der Schaale versenkt mit der Länge dieser Schaale 
gleichlaufend und mit der Spitze nach unten. Die Röhren dagegen 
steigen auf, von den uuteren Rändern abgewandt; und sind sie ab- 
gebrochen und verloren, wie in den meisten Fällen, so zeigen ‘doch 
ihre Narben eine völlig Zirkel-förmige Öffnung senkrecht auf die Fläche 
der Schaale, wie das die Spitzen nie thun. PuırLıes und SowErsBy 
haben überall Röhren und Brauchien - Spitzen mit einander verwechselt; 
allein Röhren stehen, ausser am äussersten Schloss- Rande, niemals 
auf der Fläche der Unterschaale, dagegen bedecken Spitzen 
das Innere der Unterschaale in derselben Menge und mit derselben 
Vertheilung, als das Innere der Oberschaale. — Die Produkten werden 
der Gebirgs-Lehre dadurch so vorzüglich wichtig, dass sie auf eine 
gar schmale und enge Zone in die Reihe der Gebirgsarten eingeschränkt 
sind. Wo sie in Menge erscheinen, da ist man gewiss von der grossen 
Steinkohlen-Formation nicht selır weit entfernt. In früheren silurischen 
Schichten, selbst in den oberen, sind sie nur selten (Pr. spinulosus, 
Pr. sareinulatus) und können in ihnen fast nur als Fremdlinge an- 
gesehen werden; auch sind es keine von denen, die der Schleppe-artige 
Fortsatz der Schaalen so auffallend macht. In neueren Schichten aber, 
über dem Koblen-Gebirge wird das ganze Vorkommen der Produkten 
mit dem Pr. aculeatus ScurorH. (horridus, calvus, humerosus) 
des Zechsteins scharf und schneidend beendigt, und von der ganzen 
Form findet sich seitdem nichts Ähnliches mehr, am wenigsten in der 
lebenden Schöpfung. Man köunte daher die ganze Formation des 
Kohlen - Kalksteins bezeichnender Produkten- oder Leptänen-Kalk 
nennen, um so mehr, da er sich über grosse Räume ausdehnen kann, 
ohne dass Steinkohlen darauf folgen, und wiederum , da es nicht eben 
nothwendig ist, dass er jederzeit als Trennungs-Glied zwischen siluri- 
schen und Koblen-Schichten wirklich vorkonmen müsse. So ist er in 


372 


der That in Deutschland recht selten, Es ist bekannt, welchen grossen 
Raum die Transitions-Gebirge in der Mitte von Deutschland einnehmen; 
der grösste Theil der Ardennen, der Eifel, des Hundsrücks, des Wester- 
Waldes, des Taunus, des Harzes, des Fichtelgebirges, des Voigtlandes 
sind daraus gebildet; “allein Alles gehört den älteren Bildungen. Es 
finden sich keine Produkten darin, und nur an den Bändern erscheinen 
sie ganz vereinzelt und ohne Zusammenhang. So sieht, man sie in 
der Nähe von Hoff bei Trogenau und bei Planschwitz, so bei Ralingen 
an der Ruhr, wo ihnen die Kohlen-Schichten in weniger Entfernung 
darauf folgen. : Einen zusammenhängenden Produkten-Kalk, Berg-Kalk 
oder Kohlen-Kalk würde man auf einer Karte von Deutschland gar 
nicht angeben können. Anders ist es, sobald man die Maas über- 
schreitet. Wise bei Mastricht, Choquier, Namur, Dinant, Tournay und 
viele andere Orte sind schon lange als reiche Fund- Gruben von Bro- 
dukten bekannt. Diese Produkten - Schichten begleiten das Koblen- 
Gebirge ununterbrochen fort und selbst am westlichen Ende, bei Buu- 
Zogne erscheinen sie wieder. Sie bilden die östliche Begrenzung der 
grossen Mulde, die sich über Belgien und den grösseren Theil von 
England und Schottland verbreitet und in ihrem tiefsten Punkte vom 
Kanal, wie von einer Axe, durchschnitten wird. — Eine ähnliche 
Mulde findet sich im Innern von Nord- Amerika wieder, und in Süd- 
Amerika haben die Herren PentLanp und ALcıpE D’OrzIcnY die Pro- 
dukten des Kohlen-Gebirges auf der Höhe der Anden, an der Ost-Seite 
des Sce’s von Titicaca in grosser Menge gefunden (Pr. antiquatus), 
Eine andere Mulde, der West-Europäischen ähnlich, verbreitet sich in 
kolossalem Maasstabe zwischen Finnland, dem südlichen Theile von 
Russland und dem Ural, und eben, wie in dieser , erscheint auch nun 
der Produkten- Kalk in ungeheurer Ausdebnung fort, welches auf die 
anschaulichste Art auf den Karten hervortritt, die man dem Baron 
v. Meyenporrr, den Hrn. v. HELMERSEN und vorzüglich der umsichti- 
gen und kritischen Arbeit des Hrn. AnoLru Erman verdankt. Deutsch- 
land und die Skandinavische Halbinsel bilden einen Damm zwischen 
diesen beiden Europäischen Mulden, welche der Produkten - Kalk in 
Deutschland kaum erreicht, in Schweden und Norwrgen aber gar nicht; 
denn in diesen Ländern, welche doch silurische Schichten bis weit 
über den Polar-Kreis aufweisen können, ist noch von Produkten des 
Bergkalks keine Spur entdeckt worden. — In Schlesien hat man vor 
wenigen Jahren bei Altwusser unweit Waldenburg auf einem kleinen 
Raum fast alles dieser Formation Eigenthümliche gefunden, was in 
Russland über einen so grossen Laudstrich verbreitet vorkommt; unter 
Diesem auch Produkten in gewaltiger Grösse, dann wieder bei Neudorf 
in der Grafschaft Glatz und bei Falkenberg; diess sind die einzigen 
Orte ihres Vorkommens in Schlesien. In der Schweitz und Italien hat 
man sie bisher noch nirgends gesehen , in den Alpen überhaupt nur 
ganz unerwartet zwischen Jura - Schichten am Fusse des Bleiberges 
in Karnthen. 


373 


Nach vielen Versuchen scheint es am zweckmäsigsten, die Produk- 
ten in solche einzutheilen, welche auf ihrem Rücken hochgewölbt sind, 
ohne alle Einsenkung der Mitte: Dorsati, und solche, welche in der 
Mitte durch eine grösstentheils flache und breite Furche, durch einen 
Die Furche entsteht 
durch die Entfernung der beiden aufsteigenden ‚Kegel der Spiral-Arme, 
zwischen welchen der Mantel und somit auch die Schaale einsinkt. 
Andere Kennzeichen ergeben die Streifung der Oberfläche, die Lage 
der Röhren , die Produktion der Schaalen, seltener die Branchien- 
Spitzen im Innern, und sehr selten die fast immer ungemein ‚veränder- 


Sinus, in zwei Hälften getheilt sind: Lobati. 


liche Form. 


Clavis der Productus-Arten. 


Rücken gewölbt (Dorsati). 
Oberklappe Schleppe-artig herabhängend ; produzirt. 


Produetus,. 


Produktion unsymmetrisch, vom schmalen Schloss an lang und breit 1. limaeformis. 


Produktion wenig breiter, oder schmaler als das Schloss, 


Ohren am Sehloss flach, dünu aufeinanderliegend . . .» .. 


Ohren am Schloss dick aufgeblähet . . 2» 2 2 2 2. 
OÜberklappe ohne Schleppe-artigen Fortsatz. 
Längsstreifen über die Anwachs-Runzeln hervortretend. 
Schloss viel breiter als die Mitte der Schaale . .. .» 

Schloss kürzer als die Mitte. ; 

Anwachs-Ringe keine ; queer-oblong . . ». . 2.2... 

Anwachs-Ringe oder Runzeln vorhanden, 

Streifen fein flach; queer-oval . . 2 2 22 .. 


Seäarınenob TUnd ID E PZN IE PN 


Längsstreifen von den Anwachs-Runzeln verdeckt. 
Anwachs-Ringe Dach-förmig, entfernt. . » 2 2 2 2 0% 
Anwachs-Runzeln rund, naheliegend. 


"Schloss breiter als die Mitte der Schaale . . » 2 2.» 


Sahlko sshächutaler 1101.30. IRRE: IENIBARINTL JO 


..2. comoides. 
3. giganteus. 

. 4, latissimus, 
5. sarcinulatuns, 


6. Scotieus, 
. 7. margaritaceus. 


8. fimbrieatus. 


9, spinulosus. 
; 10. aculeatus So. 


Rücken flach oder eingesenkt (Lobati). — OÜberklappe stets Schleppe- 


artig herabhängend; produzirt. 
' Rücken breit, am Sclhmabel nicht eingesenkt. 


Seiten mit dem Schnabel in gleicher Ebene . . .» 2. 2 0. 


Seiten herabhängend ..  :ucnaue even ehwlerte 
Rücken bis in den Schnabel eingesenkt. 


SEI aaellien zelnen es le eigene ee Zei eat 


queer- oder längs-gestreift. 
Längsstreifen über die Anwachs-Runzeln hervortretend. 
jene rund mit den Zwischenräumen gleich breit. 
Streifung stark, am Schnabel gegittert. 
Röhren am Rücken keine; gross . » ». . 0. 
Röhren 4 im Halbkreis auf dessen untrer Hälfte . . 
Strefung Seide drug. VERF NES VYN N 


jene breiter als die Zwischenräune . . 2 2». 000. 


Längsstreifen verdeckt von den Anwachs-Runzeln. . - 


1) Pr. limaeformis (Lima Waldaica) zu 
Anglesea. 


11. plicatilis. 
12. Martini. 


13. horridus. 


‚ 14. antiquatus. 
. 15. lobatus. 

. 16. coneinnus. 
17. costatus. 

. 18. punctatus. 


Nowgorod , Yise, 


2) Pr. comoides (Pr. pugilis Ph.) zu Altwasser, Bolland, Ra- 


tingen, Vise. 


374 


3) Pr. giganteus (Pr. personatus, Pr. auritus Pm., Pr. 
Edinburghensis) zu Nowgorod, und in Derbyshire. u 
4) Pr. latissimus zu Alezin und PUR DRSIR. an der Er Czerna 
bei Krakau; in Yorkshire. 
5) Pr. sarcinulatus, Gothlund, Ratingen, Eifel, Wales. 
6) Pr. Scoticus. au 
7) Pr. margarıtaceus zu Pise. 
8) Pr. fimbriatus (Sow.459, 1), zu Refrath bei Bensberg ; Däkrneh: 
9) Pr. spinulosus (Sow. 68, 3) zu Altwasser , Gerolstein; Vise. 
10) Pr. aculeatus (Sow. 68, 4, Marrını 1808) in England. 
11) Pr. plicatilis (Sow. 459, 2) zu Podolsk bei Moskau, Donetz, 
Ratingen; Vise. 
12) Pr. Martini: England, Tournay. 
13) Pr. horridus (Pr. aculeatus ScurLoru.) zu Gera, Lauban, 
. Büdingen; Durham. 
14) Pr. antiquatus (Sow. 317, 1—6) zu Kirilvw, Ratingen; Vise. 
15) Pr. lobatus (Sow, 318, 2—5) zu Altwasser ; in N.-England. 
16) Pr. coneinnus. 
17) Pr. costatus Pr. sulcatus Sow. 560, 1: 319, 2). 
18) Pr. punctatus (Sow. 823) zu Alexzin an der N Vise; 
Derbyshire, Cork. 
Diese Arten gehören fast alle dem Bergkalke an; Nr. 5 und 8 sind 
silurisch und Nr. 13 im Zechstein. 


H. G. Brons und J. J. Kaue: Abhandlungen über Gavial- 
artige Reptilien der Lias-Formation (mit 4 lithographirten Ta- 
feln in 9 Blättern und 1 Vignette; in Fol., Stuttgart). Beide Autoren 
haben sich entschlossen, ihre Untersuchungen über die Gavial-artigen 
Reptilien des Lias in einem gemeinschaftlichen Werke bekannt zu ma- 
chen, um sie gegenseitig zu ergänzen und den Gegenstand sogleich 
vollständiger zu erledigen, so weit ihre Materialien solches gestatten. 

Die Kaur’sche Arbeit (S. 1—3) enthält 1) eine neue Prüfung der im 
Dresdener Museum befindlichen sehr unvollständigen Reptil-Reste von 
Beil, auf welchen Herm. v. Meyer’s Genus Macrospondylus beruht; 
— 2) die erstmalige eigne Beschreibung und Abbildung des in Darm- 
stadt aufbewahrten Schädels von Altdorf, welcher seinem eignen Ge- 
schlechte Mystriosaurus zur Grundlage gedient hat; — und 3) die 
erstmalige Beschreibung. und Abbildung einer Unterkiefer - Symphyse 
aus gleichem Geschlechte in Graf Münster’s Sammlung ebenfalls von 
Altdorf : die ersten aus den Schiefern, die zwei letzten aus dem Kalke des 
Lias. Als Resultat ergibt sich, dass diese dreierlei Reste, so wie der 
Teleosaurus Chapmanni Könıe’s bei BuckLanp, nahe mit einander 
verwandt sind; dass jedoch Macrospondylus ein besondres, durch 
die Länge der Zähne und auffallend scheinenden Abweichungen in den 
Proportioneu der übrigen Körper - Theile ausgezeichnetes Genus bilde, 


375 


wenn anders jene Zähne zu diesen gehören; und dass die beiden an- 
‚deren Beste zweierlei Mystriosaurus - Arten anzeigen, welche sich in 
Proportionen des. Schädels und Zahl und Stellung der Zähne unter- 
‚seheiden und die Namen M. Laurillardi und M. Egertoni erhalten, 

Der Bronn’sche Antneil (S. A—36) dieses Werkes enthält 1) die 
erstmalige vergleichende Beschreibung und Abbildung zweier ziem- 
‚lich ‚vollständigen Skelette seiner Sammlung nebst Abbildung in gan- 
‚zer Grösse, eines Schädel-Theiles aus einem sehr unvollkommenen 
.‚Skelette des Hrn. Apotheker Weısmann in Stuttgart, des Gaumens von 
dem Skelette des Hrn. Grafen MAnpersLon in Ulm, nebst einigen ver- 
‚gleichenden ‚Nachweisungen über dasselbe und das der SENKENBERG- 
schen Gesellschaft in Frankfurt gehörende Skelett (indem die ausführ- 
lichere Beschreibung dieser zwei letzten Hrn. H. v. Meyer vorbehalten 
ist), ‚welche Reste sämmtlich aus; den Lias - Schiefern der Gegend von 
Boll stanınen; — 2) die erstmalige vollständige Original- Untersuchung 
des Schädel-Kernes aus dem Altdorfer Lias- Kalke im Mannheimer 
Kabinete, welcher zur Gründung des Kaur’schen Geschlechtes En- 
gyommosaurus. gedient hat; — 3) eine systematische Zusammenstel- 
Jung uud Charakteristik dieser mit sämmtlichen schon anderwärts be- 
schriebenen Gavial-Resten der Lias-Schiefer. Deutschlands und Englands; 
— 4) eine Vergleichung mit den noch übrigen Gavial-artigen Geschlech- 
tern der höbern Oolithe und insbesondre eine Revision der Charaktere 
‚des Geschlechtes Teleosaurus aus dem mitteln Theile derselben; — und 
5) allgemein zoologisch-geologische Betrachtungen über alle diese Thiere. 
Der Vf. hat nicht nur seine eignen 2 Skelette aus dem Gesteine her- 
‚ausgearbeitet und deren Schädel sogar von allen Seiten ganz frei ge- 
macht, sondern auch am den Manwperston’schen und Weısmann’schen 
‚Exemplaren. von der Unterseite des Schädeis wenigstens noch die Gau- 
‚men-Gegend frei gelegt, wodurch er nicht nur diese. Schädel alle, son- 
dern. auch; die ihnen. einzeln entsprechenden weiteren Theile des Skelettes 
in:grossem Detail kennen lernte und zu vielen neuen und wichtigen 
‚Resultaten: gelangte. Folgendes etwa sind die bedeutendsten darunter. 
a): Alle:6 unmittelbar untersuchten Individuen bilden mit den. lebenden 
Gavialen eine Familie.und stehen (so weit ein jedes derselben erhalten 
ist). denselben; ausserordentlich nahe nicht nur durch die. Gesammt- 
Bildung des ‚Skelettes und insbesondie des: langrüsseligen Schädels mit 
seinen endständigen vorderen und auch den, am Ende des Gaumens ste- 
‘henden: runden engen hinteren Nasen-Öffnungen, sondern auch durch das 
‚Keil-förmige Eindringen .der Ineisiv - Beine zwischen die Kiefer - Beine 
‚oben ;auf: den Rüssel, dureh die mehr oder weniger nach oben gerichte- 
ten: Augen-Höhlen und dahinter gelegenen Scheitel- Löcher, durch die 
-Kegel- förmigen längsstreifigen Zähne in getrennten Alveolen, und mit 
‚den Ersatz - Zähnen in: den Wurzeln, dureh 17 lange und in der Mitte 
stark  verengte Brust- und Lenden-, und 2 Becken-Wirbel, durch die 
Axt-förmigen 'Hals- Bippen, durch den zusammengedrückten Buder- 
schwanz, durch die Bildung der bekrallten 5 Zehen vorn und 4 hinten, 


376 


durch die Panzer -artige Umkleidung des Körpers. Sie weichen aber 
von den lebenden Gavialen ab durch eine vielleicht etwas flachre Stirne, 
durch kleinere flachrandige Augen-Höhlen, durch weit grössre längliche 
Scheitel-Löcher, welche fast die ganze hintre Schädel-Fläche einnehmen, 
durch kleinre Flügel-Beine, durelı ein eigenthümliches Relief des Gau- 
mens um und vor der hinteren Nasen- Öffnung, durch die Aufnahme 
der Kiefer - Beine zwischen den Incisiv-Beinen an der unteren’ Seite, 
durch die meistens grössre Anzahl von Zähnen und die eigenthümliche 
schon von Mystriosaurus bekannt gewesene Stellung der Schneide- 
zähne zuf dem Löffel- förmigen Rüssel-Ende, durch bikonkave (statt 
konkav-konvexe) Wirbel-Körper, durch 15 Brust- und 2 Lenden-Wirbel, 
durch (von vorn nach hinten) längre Dornen-Fortsätze, durch eine etwas 
frühere gänzliche Verbindung der Rippen mit den Queer-Fortsätzen an 
den vordersten Brust-Wirbeln, durch ein grössres Missverhältniss zwi- 
schen den schwachen Vorder- und starken Hinter-Beinen und gewöhnlich 
auch zwischen dem oberen und dem unteren Theil der Beine, dureh 
einen stärkeren, aus lauter grossen viereckigen und porösen Schildern 
bestehenden Panzer. Die fossilen Geschlechter der Oolithe:' Aelodon 
Gnathosaurus, Metryorhynchus und Leptocranius, so viel.sie bekannt, 
unterscheiden sich jedes in seiner Weise in den Proportionen des Schä- 
dels, der Zahl, Stellung und Form der Zälne, in der Zahl und Bildung 
der Wirbel; im besondren aber Aelodon durch nur 24—25 Zähne und 
4—5 Lenden-Wirbel, gegen 12—13 Brust-Wirbel wie bei den lebenden 
Krokodilen; Gnathosaurus dureh mehr als 40 etwas zusammengedrückte 
vorn viel stärkre Zähne mit den Ersatz - Zähnen neben sich; Metrie- 
rhynchus durch nur 22 zweischneidige Zähne und konvex - konkave 
Wirbel-Körper mit pyramidalen Queer-Fortsätzen, und Leptosramius 
durch einen sehr schmalen, unten Keil - förmig . zusammenlaufenden 
Schädel mit grossen und ganz seitlichen auseinandergerückten Augen- 
Höhlen. — 6) Eines der eigenen Skelette mit den drei anderen unmit- 
telbar untersuchten Individuen, nämlich einschliesslich des Engyomma- 
'saurus, so wie der Teleosaurus Chapmanni Könıcs bei BuckLanp ge- 
'hören zu Mystriosaurur, welches sich insbesondre auszeichnet durch 
eine vorn stark abgestutzte Scehnautze mit vorwärtsgerichteter queerer 
Nasen-Öffnung, durch kleine sehr nahe zusammengerückte und ganz 
nach’ oben gekehrte Augen-Höblen, durch nur mit einer Kanten-artigen 
Einfassung versehene und wenig getrennte Scheitel- Löcher, durch eine 
die Äste an Länge übertreffende Symphyse des Unterkiefers mit einem 
Symphysen-Winkel von 35°—40°, durch 4 + 28 bis 34 Zähne überall, 
durch Vorder- Extremitäten, welche 2 von der Länge der hinteren be- 
sitzen. — c) Das andre, kleinere der eigenen Skelette bildet ein zwar 
naheverwandtes, doch vielfach unterschiedenes Geschlecht, Pelagosau- 
rus, mit einer vorn niedrigeren abgerundeten Schnautze und länglicher 
nach oben gekehrten Nasen-Öffnung, durch grössre von einander wehr 
entfernte und mehr seitliche Augen-Höhlen, durch eine breitere flache 
Einfassung und’Trennung der Scheitel-Löcher, durch eine nach ‚vorn 


377 


verlängerte (in eine Knochen -Blase fortsetzende?) Anschwellung der 
Gegend um.die hintre Nasen. Öffnung, durch noch kleinre und mehr 
nach vorn gedrängte Flügel-Beine, durch eine die Äste an Länge nicht 
erreichende Synıphyse des Unterkiefers, deren Winkel 28° beträgt, durch 


nur Per B = Zähne jederseits, durch einen kürzeren Hals, durch stärker 

verengte Brust- Winkel, und durch nur die halbe Länge der hinteren 
erreichende Vorder-Extremitäten und zumal: schwache Hände. — d) Beide 
Genera, insbesondre aber das letzte, nähern sich dem Teleosaurus 
(so weit dieser bekannt) ausserordentlich. Da er sich von oben nur 
noch durch einen nach hinten im Verhältniss zur Länge breiter wer- 
denden Schädel, durch fast queere (so breite als lange) Scheitel-Löcher, 
durch auswärts geneigte längre schlankere und zahlreichere (im Ober- 
kiefer über 45) Backen-Zähne, durch etwas weniger an den Seiten her- 
abreichende Augen-Höhlen und einige sonstige Dimensions-Abweichungen, 
so wie durch bis zu 4 ihre Oberfläche übereinandergeschobene dicke 
Schilder, welche in Queerreihen von je sechsen den Bauch-Panzer und 
zu je zweien den Rücken- Panzer bilden .und nur am Schwanze gekielt 
sind, von Pelagosaurus: unterscheidet, während die Gesammt-Bildung 
des Hinter-Gaumens völlig übereinstimmt, wenn man nämlich die von 
Cuviıer und GeoFFRroy ST, HıLaıre als Arterien -Loch bezeichnete , aber 
verhältnissmäsig sehr grosse Öffnung für die an Grösse, Form und 
Lage ganz entsprechende hintre Nasen-Öffnung nimmt, so konnte über 
die richtigere Deutung dieser Öffnung kaum ein Zweifel mehr bleiben, 
in welchem Falle aber die weiter vorn im Gaumen befindliche, queere, 
von Cuvier und Georrroy selbst als hintere Nasen - Öffuung_ erklärte 
Spalte um so mehr als Bruch des Gaumen-Beins erklärt werden musste, 
als alle vom Vf. selbst untersuchte Gaumen an dieser Stelle einen, bei 
jedem abweichenden, aber nirgends mit dem Nasen-Kanal kommuniziren- 
den Bruch oder Eindruck wahrnehmen lassen. Auf die Mittheilung 
dieses Ergebnisses an Hrn. Ducrotay De Bramvirze in Paris und auf 
die Bitte das dort befindliche Original des Teleosaurus- Schädels hin- 
sichtlich dieser Öffnung und der Kontinuität des Nasen-Kanals bis zum 
angeblichen Arterien - Loche Cuvier’s unmittelbar untersuchen zu wol- 
len, bestätigte dieser vollkommen des Vfs. Voraussetzungen, nur mit 
der Modifikation, dass jener Bruch nicht die Gaumen-Beine an sich be- 
troffen habe, sondern jener Bruch-Spalt und die dahinter liegende Ver- 
tiefung, der offene Gaumen-Kanal GEorFroyY’s, in welchen diese Nasen- 
Öffnung einmünden sollte, durch das Wegbrechen einer mit dem Nasen- 
Kanal in Verbindung gestandenen mitteln Knochen - Blase als Analogon 
der zwei seitlichen Knochen - Blasen der lebenden männlichen Gaviale 
entstanden seye. Somit entbehrt Georrroy’s Geschlecht Teleosaurus 
des Haupt - Merkmales, worauf es gegründet worden, und fällt dessen 
Familie der Teleosaurier zusammen, die durch die Gavial-artigen Bep- 
tilien der Oolithen-Periode, bei welchen allen er ähnliche Nasen-Öffnun- 
gen, wie bei Teleosaurus vermuthet hatte, gebildet werden sollte. Die 


378 


Genera Teleosaurus und Aelodon unterscheiden sich demnach nicht 'we- 
sentlich von den Lias - Gavialen hinsichtlich der unter b und ce angege- 
- benen Charaktere und schliessen sich an sie zu einer Grüppe an, wäh- 
rend die drei anderen Geschleehter der Oolithe weiter zurückstehen. — 
e).Wenn schon man hiernach sich der Frage kaum erwehren kann, ob 
nicht Teleosaurus und Pelagosaurus die männlichen, und Mystriosaurus 
die weiblichen Individuen ‘eines: grössren geschlechtlichen Typus ent- 
halten, so erscheinen die oben bezeichneten weiteren: Unterschiede, 
nach Analogie des bei lebenden Gavial - Arten Bekannten’ doch :zu be- 
trächtlich, um jener Hypothese Raum zu geben. Ferner zeigen alle 9 
bis jetzt bekannten Individuen von Mystriosaurus in den von: ihnen er- 
hältenen Theilen, besonders aber in der hintern Gaumen-Gegend, :in den 
Dimensionen, Zähnen u. 's. w. noch ‘so auffallende Verschiedenheiten, 
dass‘ man sie für eben so viele Arten halten möchte, oder in Ermange- 
lung der: zur genauen Vergleichung nothwendigen Theile der Skelette 
wenigstens nicht mit Sicherheit in eine: ‘geringere Anzahl von Arten 
vereinigen. kann, welches Resultat ganz mit dem vom Owen neuerlich 
hinsichtlich der Iehthyosauren : des Englischen Lias erhältenen. überein- 
-'stimmen würde. Aber die Unvollständigkeit einiger dieser Individuen 
‘und ©die: Unsicherheit ‘des Werthes,, welchen manche Merkmale. behufs 
‘der Unterscheidung der- Arten noch haben, ‘veranlassen den Vf. zu kei- 
nem (bestimmten Ausspruche in dieser Beziehung,,' ‚obschon ihm ange- 
‘messen scheint „' einem ' Theile derselben : systematische Benennungen 
zu geben. | rt Hi | 


F. C. Luxıs: Bemerkungen und Erläuterungen über die 
Zersetzung der Stämme suceulenter Pflanzen (Loupon’s 
Magaz. of nat. hist. 1834, Jan. 32— 38 == Wızem. Arch. 1835. I, 173). 
Nicht allein die Farnen und, nach Rnope, die Cacteen geben auf ihren 
Stämmen solche Zeichnungen, wie man sie an manchen fossilen Stäm- 
men findet, sondern auch manche succulente Pflanzen. Ganz auffallende 
und’ verschiedene Zeichnungen der Art fand der Vf. in der Epidermis-, 
in der Rinden- und in der Holz-Schichte eines Arms-dicken Stammer 
von Sempervivum arboreum, _ welche auch noch nach dem Alter 
abweichen, wie, beigefügte mt erläutern. Unter drei solchen 
verschiedenen Ansichten kann mithin auch eine und dieselbe Art fossi- 
ler E Pflanzen vorkommen, was er in ‚Phytolithus verrucosus und 
Ph. cancellatus nachweiset. 


umy 


Vorläufige Übersicht 
| über 
- die eigenthümlichen bei Villmar an der Lahn 
auftretenden jüngeren Kalk - Schichten der 
älteren (sog. Uebergangs-) Formation , 
besonders nach ihren organischen Einschlüssen , 
| uch und 
Beschreibung ihrer wesentlichsten neuen Arten; 
nebst ‘einem. Vorwort über Namengebung in der Naturbeschreibung 
überhaupt und in der Paläontologie insbesondere, 
von 


Hrn. GUIDO SANDBERGER. 


— 


Hiezu Tafel VIII B: 


Von mehren ausgezeichneten Männern ist in neuester Zeit mit 
Recht darauf hingewiesen worden, wie erspriesslich nicht nur, sondern 
auch wie unumgänglich nothwendig es sey zur Erreichung einer grösseren 
und genügenderen Einheit der Gesammtwissenschaft (Philosophie), dass 
die Wissenschaft vom Menschen-Geist tund die Wissenschaft 
von der Natur zu einem innigeren Bunde zusammentreten, wie schwer 
auch eine solche Vereinigung wegen des Umfangs beider Gebiete heut- 
zutage für den Einzelnen seyn mägs. Versuche einer solchen innigeren 
Vereinigung beider Gebiete haben einzelne talentvolle Männer in neuerer 
und neuester Zeit schon gemiacht. Allein bei den Hindernissen, welche 
ihr bisher noch in den Weg traten, war es vorauszusehen, dass eine 
genügende Harmonie herzustellen diesen Einzelnen noch nicht gelingen 
konnte. Die Hindernisse liegen auf beiden Seiten. aber vorzugsweise 

Jahrgang 1842, 23 


380 ER 


bis jetzt noch auf Seiten der Naturwissenschaft, und zwar theils in 
dem Gegenstande selbst, theils an seinen Bearbeitern. 

In Betreff des Ersten sind manche der wesentlichsten Natur- 
wissenschaften noch zu jung und unausgebildet, um schon in allen ihren 
Theilen Gleichmässigkeit und Abrundung genug haben zu können, welche 
erst allmählich erreicht werden wird. Das Zweite aber, nämlich die 
Bearbeitung, hängt, wie natürlich, unzertrennlich mit dem Gegenstande 
zusammen und damit, ob die Bearbeiter bei der Behandlung einer 
Wissenschaft bisher tief genug eingegangen sind und dieselbe kritisch 
genug durchgebildet haben oder nicht. Es ist daher sehr wesentlich, 
dass jeder folgende Bearbeiter irgend eines, wenn auch kleinen Zweigs, 
nicht zu viel Autoritäts-Glauben gegen das schon Geleistete und seine Vor- 
gänger beweise, sondern selbst zusehe, wie die Akten stehen; und vor- 
züglich ist diess denjenigen unumgänglich nöthig, welche ein grösseres Feld 
der Wissenschaft sich zur Bearbeitung und Weiterbildung erwählt haben. 

Dass diess von sehr vielen im Allgemeinen und von einzelnen aus- 
gezeichneten Männern auch auf durchgreifende Weise schon geschehen 
ist, kann Niemand läugnen; dass jedoch hauptsächlich es noch daran 
gebricht, dass alle Bearbeiter von Einzelnheiten in den Naturwissen- 
schaften, so viel in ihren Kräften steht, durch eine vernünftige, nicht 
zu äusserliche, sondern auf alles (an sich, nicht in Beziehung auf diesen 
oder jenen Zweck) Wesentliche hinzielende Behandlung der harmoni- 
schen Gestaltung der umfassenderen Gebiete fördernd weiter helfen, liegt 
klar vor und wird an dem einen Beispiel und Hauptpunkt, welchen ich 
jetzt hervorheben will, noch mehr vor die Augen treten. 

Von entschiedenem Einfluss auf das Verständniss im Ganzen und 
im Einzelnen ist bei den beschreibenden Naturwissenschaften doch ohne 
Zweifel eine vernünftige Namengebung, und es scheint wir, da in 
dieser Beziehung noch gar wenige Gesichtspunkte anerkannt, geschweige 
denn wirkliche Prinzipien festgestellt [?] sind und da in der Ausübung 
dieses Geschäfts gar manches Verkehrte könnte vermieden werden, nicht 
unpassend, wenn ich hier einige und zwar insbesondere auf die Paläon- 
telogie bezügliche Gesichtspunkte andeute, die sich mir bei Gelegenheit 
meiner Studien aufgedrungen haben. 

Als Hauptsatz für die Namengebung der. beschreibenden Natur- 
wissenschaft betrachte ich, dass man ein wesentliches Merkmal 
(wo möglich das wesentlichste) indem Namen ausdrücke. Nun 
fällt uns freilich sogleich die eine grosse Ausnahme ein, dass bei der 
‚heschreibenden Astronomie dieser Grundsatz am Einzelnen nicht kann 
durchgeführt werden; dagegen ist aber auch klar, dass sich für unsere 
Anschauung im Bereich der Klassen von Himmels-Körpern, nämlich unter 
den einzelnen Fixsternen, den einzelnen Planeten, den einzelneu Kometen 
keirie Gattungs- und Art-Unterscheidungen machen lassen, und dass dabei 
die Namen meistens (die Spezial-Beschreibung der Mondfläche ausgenommen) 
nur dazu dienen, um einen festen Anhaltspunkt für die gegenseitigen 
Zahlen-, Stellungs-, Grörsen-, Bewegungs-Verhältnisse zu haben, 


381 


Aber im Gebiete der eigentlichen Naturbeschreibung ist ebenfalls 
sogleich und zwar ein sehr zu berücksichtigender Einwurf möglich. Wie 
sollen wir nämlich für die ungeheure Masse von Gegenständen Namen 
genug aufbringen, die alle etwas Wesentliches bezeichnen , ohne dass 
wir Wiederholungen und unzählige Verwirrungen herbeiführen ? Es ist 
diess freilich ein Einwurf, der erst dadurch, dass eine allgemeine Durch- 
bildung der Naturbeschreibung in dieser Beziehung versucht werden 
muss, sich widerlegen kann. Allerdings sind dazu bis jetzt nur erst 
hin und wieder tüchtige Anfänge gemacht worden. Für die Gattungen 
hat man meistens griechische, für die Arten lateinische Benen- 
nungen gebraucht. Nach dem aufgestellten Grundsatz sind also die: 
jenigen Namen gut, welche ausser einer richtigen etymologischen Bil- 
dung, gegen welche leider so vielfach und mitunter auf sehr plumpe 
Weise gefehlt wurde *), wesentliche Eigenschaften aussprechen , und es 
sind auch in einzelnen Fällen diejenigen nicht zu verwerfen, welche von 
mythologischen Personen entlehnt sind, wenn sich nämlich eine genü- 
gende Analogie nachweisen lässt. Nach Eigennamen Arten oder gar 
Gattungen zu benennen, lässt sich nach meiner Meinung mit hinreichend 
triftigen Gründen nicht vertheidigen. (Auch habe ich diess von Männern 
tadeln hören, welche selbst sich solcher leichteren Namenbildung früher 
bedient haben). Ausgezeichnete Männer der Wissenschaft dadurch zu 
ehren, ist nicht nöthig; denn wer wirklich ausgezeichnet darin ist, dessen 
Namen bewahrt die Geschichte der betreffenden Wissenschaft doch der 
Nachwelt auf **). Namen, welche ganz allgemeine Begriffe und Eigen: 
schaften enthalten, wie z. B. die in der Paläontologie häufig angewende: 
ten Arten-Bezeichnungen priscus, antiquus, antiquatus, vetustus, vetustatus, 
_ primaevus, primordialis, primigenius, proavius, grandaevus und ähnliche 
sind auch nicht zu rechtfertigen. Wollte man sagen, der Name solle 
weiter Nichts seyn, als ein Zeichen für einen gewissen Natur-Gegenstand, 
welchen man dabei sich in seinen gesammten Eigenschaften vergegen- 
wärtigt, so ist dagegen zu bemerken, dass, wenn es auch gar Viele 
geben mag, welche auch selbst bei einem guten Namen als an ein 
bloses Zeichen denken, es doch für. diejenigen, welche in einem Wort 
auch gern einen entsprechenden Begriff finden, ungleich leichter ist, von 
der einen wesentlichen im Namen ausgesprochenen Eigenschaft aus- 
gehend, sich auch die übrigen daran anzuknüpfen °**). 

Was die Namen-Priorität anlangt, so glaube ich, kanrı man sie nur 


*) Besonders unangenehm kommen Wörter, welche anstatt aus einer vielmehr aus 
zwei bis drei Sprachen zusammengesezt sind. Ss; fund insbesondere Namen 
wie Gilbertsocrinus! Br.] 

*%*) Vielleicht nicht immer so gewiss als die Namen von NaroL£on oder Jeau Pat, 
denen man gleichwohl Monumente sezt! Br. 

***) Diese im Ganzen sehr begründeten und für alle Fälle, wo sie anwendbar sind, 
nicht oft genug in Erinnerung zu bringenden Vorschläge scheitern nur zu häufig 
nothwendig daran, dass es nicht möglich ist den oder einen Charakter jeder Art 
mit einem Worte auszudrücken, und dann werden alle richtig gebildeten und 
wahren Namen fast gleich gute. > Br. 


382 


in: den Fällen unbedingt festhalten, wo der früßiih Name auch der 
richtigere ist"). ' es 7 T 

Dass für zeitgemässe Weiterbildung der Nomenklatur: und für neue 
Namengebung in.jeder Hauptwissenschaft recht vollständige Namen- 
Register **) nicht nur, sondern auch vollständige synomymische Wörter- 
Sammlungen nöthig sind, hat sich in neuester Zeit besonders in der 
Paläontologie schon sehr deutlich gezeigt. Das wenigstens wäre 
einstweilen sehr zu wünschen und zu berück sichtigen, 
dass beineuen Forschungen und Entdeckungen in diesen 
Gebieten wenigstens das Unzweckmässige und Nichts- 

sagende nicht mehr auftauchen möge. | 

Um hier noch auf einige Einzelnheiten der Namengebung in dr 
Geognosie zu kommen, so halte ich dafür, dass man Schichten, die einer 
Gegend ausschliesslich eigenthümlich sind, allerdings nach der 
Fundstelle benennen mag, wenn nicht sonst ein genügender Charakter 
im Namen leicht zusammengefasst werden kann. Eine‘ solche Benen- 
nung kann aber dann natürlich, wenn man’s streng nimmt (wie man es 
immer nehmen sollte), sobald analoge Schichten noch anderwärts 'sich 
vorfinden , nicht mehr bestehen bleiben “*“*), und man muss nach einem 
geeigneteren Namen sich umsehen, was alsdann ‘schon dadurch sehr 
erleichtert wird, dass sich der eigentlich wesentliche Charakter fast immer 
noch bestimmter herausstellt, wenn die Schichte mehrfach‘ vorkommt. 

Von den meisten Namen, mit welchen man die verschiedenen geolo- 
gischen Formationen bezeichnet, ist es bekannt, dass sie theils nur berg- 
männische und zufällige Bezeichnungen sind, theils auf einen früheren 
Standpunkt der Wissenschaft sich beziehen, und dessen veraltete Ansichten 
aussprechen, so dass in dieser Beziehung ein bedeutender Mann der 
Wissenschaft die Gesammtheit der verschiedenartigen geologischen Namen 
scherzweise einem buntlappigen Hanswursten verglichen hat. 

Noch ist zu erwähnen, dass das Benennen von Schichten nach 
anderwärts bekannt gewordenen ähnlichen mit grösster Vorsicht geschehen 
muss, dass solche Schichten, um sie mit Recht parallelisiren zu können, 
eine genügende Analogie haben und unter einem passenden Namen zu- 
sammengefasst werden müssen. Beispielsweise will ich hier einen Punkt 
besprechen, welcher gerade jetzt sehr an der Zeit ist. Die ältere (sg. 
Übergangs-) Formation fängt gegenwärtig an, nachdem sie in England 
besonders durch Murcuison und Sepewick im Einzelnen genauer erforscht 
worden ist, auch in Deutschland die besondere Aufmerksamkeit der 
Geognosten und Paläontologen in Anspruch zu nehmen. Für die engli- 
schen Schichten hat Murcniıson von Eigennamen und besonders auch von 
Lokalitäten Benennungen gewählt, welche nach den vorhin aufgestellten 


*) Dann gute Nacht allen Namen! BR. 


**) Wie wir z. B. in gewisser Beziehung für Geologie, Geognosie, Mineralogie und 
Paläontologie einsehr dankenswerthes Hülfsmittel von Hrn. Lommeı. in dem Reper- 
torium erhalten haben. 

***) Da man diess aber nie voraus wissen kaun, so würden sich gerade gegen diese 
Namen von vorn herein die begründetsten Einwendungen machen lassen, Br, 


383 


Gesichtspunkten nieht genügen; und bleiben wir hier Beispiels-weise 
nur bei den zwei Namen silurisch und devonisch stehen, so ist der 
erste Name von den Siluriern hergenommen, und es ist doch keine 
andere Beziehung zu den nach ihnen benannten englischen Schichten 
vorhanden, als dass die Silurier etwa in jenen Gegenden in alten 
Zeiten gewohnt haben. Ich glaube, es wird leicht Jedermann klar seyn, 
dass diese Beziehung nicht vollkommen berechtigen kann, für die Wissen- 
schaft einen solchen Namen festzustellen. Diese Schichten sind nun auch 
England eben so wenig lokal-eigenthümlich, als die von Devonshire 
benannten devonischen. Nun wird aber doch der zufällige Umstand, 
dass in England diese Schichten zuerst genauer untersucht worden sind, 
und dass dort die Schichtungs-Verhältnisse und in Manchem die orga- 
nischen Einschlüsse deutlicher hervortreten, unmöglich auf die Dauer 
berechtigen können, diese englischen Schichten als einzige Norm hinzu- 
stellen, wonach wir z. B. unsere deutschen analogen Schichten bemessen 
und auch benennen sollen. Übrigens stehen die lezten auch an manchen 
Orten, soviel mir bis jezt bekannt ist, an Deutlichkeit der organischen 
Einschlüsse den englischen gar nicht nach und sind zum Theil an Ver- 
steinerungen sogar weit reicher. Wir haben in neuester Zeit gesehen, 
wie viel im Einzelnen Verwirrung durch diese Parallelisirung deutscher 
alter Schichten mit diesen englischen durch Murcnison selbst und durch 
deutsche Geognosten entstanden ist. Es ist allerdings sehr gut und zur 
Förderung der Wissenschaft nöthig, dass die Geognosten eines jeden 
Landes bei Untersuchung einheimischer Schichten immer auf die schon 
bekannten ähnlichen andrer Länder genaue Rücksicht nehmen und gegen- 
seitig vergleichen; und es ist ebenfalls gut und nöthig, für analoge 
Schichten nur einen guten Namen zu gebrauchen. (Dabei versteht es sich 
übrigens von selbst, dass in wissenschaftlichen Werken meistens noch die 
Synonyme von früheren Standpunkten der Wissenschaft und aus den 
Sprachen der anderen Länder, wo schon darüber geschrieben ist, hinzu- 
kommen müssen). — Wir müssen schon jetzt und werden es noch immer 
mehr lernen, dass die deutschen älteren Formationen, vorzüglich 
nach ihren organischen Einschlüssen, nicht so streng in Glieder abge- 
schieden sind als die englischen, sondern an verschiedenen Orten die 
weitgreifendsten Vereinigungs-Punkte bieten, wozu auch die 
nachfolgende vorläufige kurze Übersicht über die Willmarer Schichten 
einen Beleg liefern wird. ö 

Es: wird daher sehr erspriesslich seyn ,,. wenn wir in Deutschland 
zwar. nicht das Vergleichen der englischen Schichten mit den deutschen, 
aber doch die unmittelbare Gleichstellung und gleiche Benennung aufgeben. 


Mit der folgenden Übersicht über die Villmarer. Verhältnisse be- 
zwecke ich nur eine vollständigere Gesammt-Ansicht und theilweise Be- 
richtigung der über die Villmarer Schichten herrschenden Ansichten. 

Das Material besitzt Niemand bis jetzt vollständiger. Das Meiste 
habe ich nebst meinem jüngeren Bruder, FrıDoLın SANDBERGER, seit etwa 


384 
zwei Jahren gesammelt ; sehr schätzbare und wichtige Beiträge verdanke 
ich noch den Bemühungen des Hrn. Oberschultheissen WeycHirt zu 
Villmar und des Hrn, LausacH zu Bohnscheuer bei Dietz, | 


Die Bestimmungen und somit auch die ganze Arbeit machten mir nur 
die vielfachen Förderungen durch Hrn. Geh. Reg.-Rath Gorpruss und 
Hrn. Prof. Bros möglich, denen ich hiemit meinen Herzlichen Dank sage. 

Dass mir die Verhandlungen über den Corker Kalk in den Geological 
Transactions of London und besonders die von Weaver nicht zu Gebot 
standen , bedaure ich sehr, indem vielleicht Manches sich mit Villmar 
identisch erwiesen hätte, 


Durch eine tauschweise_ erhaltene sehr reichhaltige Sendung bel- 
gischer Versteinerungen der älteren Formation (einschliesslich des Berg- 
kalks) und gleichfalls sehr reichhaltige und äusserst dankenswerthe, 
dieselbe begleitende briefliche Mittheilungen des Hrn. Prof. De Konınck 
zu Lüttich wurde ich einerseits in den Stand -gesezt, noch einige Fill- 
marer Arten als mit belgischen identisch zu erkennen, andrerseits über- 
zeugte ich mich aber auch, dass im Ganzen wenig Übereinstimmung 
zwischen den belgischen und Fillmarer organischen Resten stattfindet, 


Das angefügte systematische Verzeichniss enthält eine Menge Namen 
von Arten, die noch nicht beschrieben sind, was vielleicht Manchem 
unnütz und unangenehm vorkommen wird. Jedoch ist dabei mein einziger 
Zweck, wenigstens eine genauere und konkretere Übersicht über die 
einzelnen Gattungen und die Zahlen-Verbältnisse der Arten innerhalb 
jeder Gattung, soweit bis jezt meine Materialien reichen, zu geben, so- 
wie auch eine allgemeine Anschauung der gegenseitigen Verhältnisse 
und Beziehungen der beiden Villmarer Schiehten, von denen ich handle, 
möglich zu machen. Den Arten hat mein Bruder die uns gerade zu- 
fällig bekannten anderen Fundorte der Vergleichung wegen beigesetzt, 
ohne dass dieselben irgend auf Vollständigkeit Anspruch machen. 


Die Namen, welche von Anderen schon gegeben waren, habe ich 
in dem Verzeichnisse , wo nicht das System eine Änderung unumgäng- 
-lich nöthig machte, unangetastet beibehalten, weil natürlich ein solches 
bloses Verzeichniss nicht der Ort ist, die Nomenklatur weiter zu bilden, 
und besonders desshalb, weil es, gesetzt auch ich wäre mit einer anderen 
ausführlicheren Arbeit jetzt schon hervorgetreten, noch ganz ändere 
Studien und der Beihülfe Vieler bedarf, um darin genügend weiter zu kommen. 


In Bezug auf die Beschreibung der wesentlichsten neuen Arten 
bemerke ich noch, da vielleicht Viele sie allzu weitläufig finden könnten, 
dass ich‘ hier eine paläontologische (zoologische) und nicht eine: blos 
zeognostische Beschreibung geben wollte und überhaupt glaube, man 
müsse diejenige Art der Beschreibung, welche sich auf die alleraugen- 
fälligsten Merkmale, zum Behuf der Bestimmung der Felsarten 
bezieht, von einer zoologischen, alle noch erkennbaren Merkmale der 
organischen Überreste der Vorwelt aufzählenden sehr wohl unter- 
scheiden, 


385 


Von den wesentlichsten neuen Villmar eigenthümlichen Arten hat 
Hr. Geh.-Rath Gororuss schon Pleurotomaria quadrilineata und 
Pl. decussata sehr bezeichnend benannt, welche Namen ich daher mit 
Vergnügen beibehalte. 

Was ich über Villmar schon früher (Jahrb. 1841, 238 ff.) mittheilte, 
ist durch Nachstehendes überflüssig gemacht und theilweise berichtigt. 


I. Über die eigentlichen bei Villmar auftretenden jüngern Kalk- 
Schichten der älteren Formation , besonders nach ihren organi- 
schen Einschlüssen. 


Zu Villmar — Villa Mariae — an der Lahn finden 
sich sehr mächtige feste Kalk-Massen, die sich ihrer Dich- 
tigkeit und ihrer schönen Färbung wegen sehr gut zur Ver- 
arbeitung als Marmor eignen und auch vielfältig in grossen 
Partie'n dazu benutzt werden. Dieser feste Kalk enthält 
manche Versteinerungen, welche aber meistens zu innig mit 
dem Gestein selbst verbunden sind, als dass sie die einer 
sicheren Bestimmung nöthige Deutlichkeit zeigten. Im All- 
gemeinen sind es für den (Übergangs-) Kalk der Zifel charak- 
teristische Arten, 

In ziemlich genauer und allmählich übergehender Ver- 
bindung mit diesem festen (Übergangs- ) Kalk kommt an einer 
Stelle bei Wilhelmsmühle, von Vellmar 4 Stunde Zahn-aufwärts, 
ein ‚liehtgrauer Kalk -Mergel von nache sehr bedeutender 
Mächtigkeit vor, welcher auf festem, ällmählich lockerer 
werdendem Kalk auflagert und sehr reich an Versteine- 
rungen ist. Darüber ist eine feste Kalk-Decke mit einzelnen 
festen Kalkfels-Stücken; darüber eine kieselige derbe Kruste, 
Hornstein ähnlich; auf dieser liegt das Diluvium, welches 
von Dammerde bedeckt wird. Die Stelle, wo diese Schichten- 
Folge zu beobachten ist, liegt ziemlich oben am Berg-Abhang, 
rechts von der Wolhelmsmühle.. Weiter unten nach der Lahn 
hin, diehtam Wege, sind verschiedene Stellen im Schalstein wie 
Nester eingeschlossen, welche weit weniger, wiewohl bezeich- 
nende Versteinerungen bieten und besonders durch Korallen- 
Bänke von Calamopora polymorpha Gr. sich auszeichnen. 


386 


Diesen Villmarer Kalk-Mergel hatte Berrich ‘dem 
Strygocephalen-Kalk als sehr analog betrachtet, und ihm 
folgend, als ich das Material zur vollständigeren Beurthei- 
lung noch nicht ‚hinreichend. besass und untersucht hatte, 
nannte ich ihn früher (Jahrb. 1841, 258 ff.) auch Strygo- 
cephalen-Kalk, 

Eine zweite rosenroth und weisslich gefärbtebröckelige 
Schichte findet sich an der sogenannten Bodensteiner-Ley, 
dicht am Wege von Villmar nach Runkel, etwas Lahn-ahwärts 
von Villmar,, die Aussenfläche einer sehr mächtig zu Tag 
tvetenden Kalkfels-Partie bekleidend. In der Regel bildet die 
äusserste Fläche, wo nicht angeschlagen ist, eine von Eisenoxyd- 
Hydrat ganz durchsetzte und dadurch ockerig gefärbte etwa 
einige Zoll dicke Kalk-Krusie. 

Diese beiden Schichten enthalten zwar beide den Stry- 
gocephalus Burtini Derr., allein beide sehr selten (die 
erste noch etwas häufiger und auch alte Exemplare, 'was 
Beyricn noch nicht wusste), und es kann daher derselbe 
für unsere beiden Schichten durehaus nicht als das Wesent- 
lichste betrachtet werden. Manche scheinen sich auch haben 
täuschen lassen, indem sie die häufiger vorkommenden jungen 
ludividuen von Spirifer oblatus Sow. für ii 
phalus Burtini gehalten haben. th | 

Die genannten zwei Schichten sind vielmehr dureh ge- 
meinsame eigenthümliche Arten nicht nur, sondern auch 
durch zwei gemeinsame eigenthümlich ausgezeichnete 
Sehneeken-Gattungen charakterisirt, nämlich durch die 
mit aufwärtsgebogenem Mündungs-Theil versehene Gattung 
Scoliostoma Max. Braun und die mit abwärts gewendeter 
Mündung Catantostoman. Beide Gattungen sind übrigens 
selten. In der menrgeligen Schichte bei der Wilhelmsmühle 
ist Catantostoma etwas häufiger, als im bröckeligen Kalk 
der Bodensteiner-Ley und als die Gattung Scoliostoma 
überhaupt. Jedoch scheiden sich‘ dureh ihre Einschlüsse 
beide Schichten des Villmarer Kalks, der Vellmarer Kalk- 
Mergel und der bröckelige Villmarer Kalk auch sehr 


387 


deutlich und natürlich als zwei Unterabtheilungen von 
einander. ! 

Dem Fillmarer Kalk, wie ich diese zwei lokal-eigenthüm- 
lichen Sehichten mit ihrem Gesammt-Namen nennen will, gehö- 
ren ausser den beiden genannnten Gattungen als wesentlich fol- 
gende Arten an: Pleurotomaria decussata Gr. nov., 
Pl. nodulosa Sanpe. nov., Pl. eatenulata Sanne. nov., 
Pl. subelathrata Sanpe. x0vV., Dentalium priscum 
Münster, Orthoceratites tubieinella Sow. jun. (Devon. 
Syst.), Bellerophon lineatus Gr., Euomphalus pen- 
tangulatus Sow., E.tenuistriatus Sans. nov., Schizo- 
stoma(Euomph.) striatum Gr., Chitonpriseus Münsr., 
Terebratula Wilsoni Sow., T. reticularis Brosn, T. 
concentrica v. Buch, T. subdentata Sow. jun. (Dev. 
Syst), Trigonotreta (Spirifer Sow.) oblata Bros, Tr. 
aequali-arata Sanoe. nov., Tr. polymorpha (Delth.) 
Gr,, Tr. erispa (Delth. Danuımas) Sanoe., Arca prisea 
Gr., Cyathocrinites pinnatus Gr., Actinocrinites 
nodulosus Gr., Gorgonia infundibuliformis Gr, 
Lithodendron caespitosum Gr., Calamopora poly- 
morpha und €. spongites Gr., von Trilobiten Caly- 
mene laevigata Gr. In beiden Schichten kommen, wie- 
wohl verschiedene, Goniatiten mit ungetheiltem Dorsal- 
Lobus vor. R / | 

Beide Schichten unterscheiden sich dadurch von einander, 
dass in dem Vollmarer Kalk-Mergel die Kriniten und Poly- 
parien, letzte meist nieht sehr gut erhalten, häufig sind, im 
Bröckeligen Kalke selten; dass in der ersten Schichte die 
Cardiaceen und vorzüglich auch die Gasteropoden bei weitem 
mehr enthalten sind, als in der letzten; dass in der ersten 
Pleurotomaria quadriiineata Gr. nvv. sehr vorherrscht, 
welche in der letzten äusserst selten sich vorfand ; dass in 
der ersten Trochug bieoronatus Gr. und Turbo (Sub- 
genus Monodonta) granosus Sans. nov. häufig sind, 
in der letzten ganz fehlen. In. der ersten kommt eine kleine 


3> 
zierliche neue Sigillaria vor: S. elypeata Sans. not., 


388 


in der: letzten Conularia quadrisuleata Sow. (d.h. 
die des Kohlen-Kalks, nicht die im Silurian- System gleich- 


falls als solche bezeichnete). 


Durch das sehr bedeutende Vorherrschen der Gastero- 
poden (vergl. unten die numerische Übersicht) und besonders 
durch das Vorkommen von Chiton, Patella und die Si- 
gillaria ist klar, dass wir es bei den Villmarer Schiehten 
mit einer Ufer-F ormation zu thun haben. 


Schon aus dem bisher Gesagten und noch vollständiger 
aus dem nachfolgenden Parallel-Verzeichnisse der Einschlüsse 
‚von beiden Fundstellen erhellt, dass der Villmarer Kalk 
ein eigenthümliches gewichtiges Vermittelungs- 
Glied zwischen den sogenannten silurischen und 
besondersden devonschen Übergangs-Kalken einer- 
seits und dem Kohlen- oder Berg-Kalk andrer- 
seits ausmacht. 


II. Beschreibung der wesentlichsten neuen Arten. 


1) Ceriopora dentiformis Sanne. (Fig. 1a, b;—c: 
die Mündungen). Unregelmässig strunkartig, mit aufwärts- 
gerichteten vielgestaltigen, bald spitzeren und bald stampferen 
Warzen, welche selten so sehr heraustreten, dass der Po- 
Iypenstock sich verästelt. Die Warzen gleichen meistens 
am höchsten Theil des Polypen-Strunks in ihrer Zusammen- 
stellung mehr oder weniger der Krone eines Mahlzahns. 
Die Mündungen sind unregelmässig, mehr eckig als rundlich, 
stehen dicht zusammengeordnet, aber nicht in bestimmten 
symmetrischen Figuren. An äusserst wenigen Exemplaren 
unseres Vorkommens erkennt man die Mündungen genügend. 


2) Trigonotreia aequali-arata Sanne. (Fig. 2 a, 
b, — ec Schalen-Rest). Meist so lang als breit; mäsig kon- 
vex; Schloss-Rand fast gerade und ziemlich lang; die Buckeln, 
besonders der der grösseren Klappe, ziemlich stark einge- 
rollt, beide (wo keine äusseren Umstände, wie meistens, die 


volle Ausbildung hinderten) fast gleich hoch (dadure ch die 


389 


Art fast gleichklappig und doppelte Area mit der dem Schloss- 
Rand parallelen Streifung sichtbar); die Schale ist gleich- 
mäsig mit mäsig gewölbten in ihrem ganzen Verlauf ein- 
fachen ‘etwa 24—2S Rippen versehen, zwischen welchen 
schmälere scharfe (an den Steinkernen gleichweite) Furchen 
sich befinden, durch die Zuwachsung fein wellenförmig queer- 
gestreift. Vorkommen: meist Sternkerne,, selten mit einem 
deutlichen Überbleibsel der äusseren Schale; die meisten 
Exemplare schief verdrückt, so dass sie ein ungleichseitiges 
Ansehen erhalten. i 

3) Pleurotomaria quadrilineata Gr. (Fig. 3 a, 
b, e: Schlitz-Linie und Zuwachs-Streifung). Regelmässig 
kegelförmig ; etwa 6 Umgänge; die Aussenfläche der Um- 
gänge mäsig gewöülbt; die auf der Mitte des Gewindes 
ziehende Schlitz-Linie ist in eine schmale mäsig vertiefte 
Hohlkehle zugewachsen und wird von zwei flachen, doppelt 
so breiten, unter einem stumpfen Winkel anstossenden Hohl- 
kehlen begrenzt, wodurch sich also auf der Mitte zwei 
ziemlich kantige Leisten-Linien bilden. An die obere breitere 
Hohlkehle legt sich, gleichfalls unter einem stumpfen Winkel, 
eine zweite gleichbreite in der Art an, dass sie meistens 
an ihrem oberen Rande ebenfalls noch eine erhabene Grenz- 
leiste darstellt, indem sich gerade damit jeder folgende 
Umgang auf der unteren Grenzleiste der unteren breiten 
Hohlkehle auflegt. Demnach zeigen sich nur am jedesmaligen 
letzten freien Umgang deutlich die vierfachen Linien. Unter- 
halb der unteren breiten Hohlkehle befinden sieh (natürlich nur 
da sichtbar, wo dieser Theil gerade frei liegt) auf der unte- 
ven flachen und kaum ein wenig gewölbten Fläche des Kegels, 
an eine zweite wieder schmälere und sehr flache Hohlkehle 
sich anschliessend, kaum sichtbare Längslinien. Die Zuwachıs- 
streifung besteht aus feinen diehtgedrängten Linien, von 
denen etwa jede dritte oder vierte etwas deutlicher wird‘ 
und beim Übersetzen über die Leisten-Linien, besonders bei 
den obersten, Knötchen gestaltet. Diese Zuwachsstreifen 


390 


kommen von dem oberen Rande des Umgangs als etwas vor- 
wärts geneigte Bogen in ziemlich spitzem Winkel ‚auf die 
obere Grenzleiste der Schlitzlinie (der schmalen Mittelhohl- 
kehle). Von deren unterer Grenzleiste ziehen sie in-weniger 
spitzem Winkel, etwas vorwärts sich. biegend, nach. der 
Nabel-Gegend. Die Zuwachsstreifen der Sehlitz-Linie stehen 
ziemlich weitläufig und, nur-wenig zurückbiegend, fast senk- 
recht auf deren beiden Grenzleisten. Die Nabelgegend von 
einer Schwiele überdeckt ,- welche, das Säulchen und. die 
Mündung zu einer ganz umschliessenden (nicht durch den 
vorigen Umgang ergänzten) gestalten hilf. Die. Mündung 
viereckig, kaum höher als breit. Ä | 
-4) Pleurotomaria nodulosa 'SAnDe. (Fig. 4 a, b, 
e: Schlitz-Linie). Niederig kegelförmig; nach rechts ge- 
wunden; 5 Umgänge; die Schlitz-Linie liegt an dem äusseren 
Rande der flachen unteren Fläche des Kegels. Die Aussen- 
fläche der, Umgänge oberhalb der Sechlitz-Linie ist mäsig 
gewölbt und ziemlich dicht mit runden Knötchen besetzt, 
welche so gestellt sind, dass sie Längs- und @uer-Streifen 
vertreten, indem sie einestheils mit den Windungen parallel 
gehen und anderestheils in einem. spitzen Winkel in wenig 
gebogener Reihe gegen die Schlitz - Linie geneigt stehen. 
Unterhalb der Schlitz-Linie verlaufen deutliche zahlreiche 
dünne ‚Längsleisten, welche von etwa gleich diehtstehenden, 
von der Schlitz-Linie in mäsig spitzem Winkel nach dem 
Nabel verlaufenden Bogenlinien gekreutzt werden. Die Schlitz- 
Linie ist in ein flach-konvexes Band zugewachsen, welches 
nach seinen Seiten durch mässig vertiefte Linien abgegrenzt 
ist, Die Zuwachsstreifen der Schlitz-Linie beugen nicht - 
tief nach hinten zurück ; drei kaum sichtbare gleichmäsige 
Längsleisten kreutzen dieselben. Der enge Nabel wird durch 
den inneren, von da ausgehenden Mundrand, welchen eine 
ziemlich schmale Leisten-Schwiele bildet, grösstentheils ver- 
deckt. Mündung viereckig, durch den vorigen ‚Umgang er- 
gänzt. Die äussere Lippe sitzt auf dem Schlitzband ‚auf. 


391 


5) Pleurotomaria subelathrata Sanne. (Fig. 5 a, 
b, 'e: Schlitz-Linie). Gewinde niedrig, kegelförmig (etwas 
niedriger als bei der vorigen Art); 5 Umgänge; die Schlitz- 
Linie liegt oberhalb der Mitte der ziemlich bedeutend ge- 
wölbten Aussenfläche der Umgänge; bei dem unmittelbaren 
Aneinanderstossen zweier Umgänge bilden sie etwa einen 
rechten Winkel’ und sind nach Innen durch eine scharfe 
etwas vertiefte Linie abgegrenzt; die Längs-Streifung tritt 
bei ‘weitem deutlicher auf als die Quer-Streifung und: ist 
aus vielen flachen mehr oder weniger breiten Hohlkehlen 
nebst den dazu gehörigen Grenzleisten gebildet. Jede solche 
- Hohlkehle ist wieder aus zwei kleineren, die in einer niedri- 
geren und feineren Grenzleiste zusammenstossen, zusammen- 
gesetzt. Die sehr feinen und dichtstehenden Zuwachsleisten ver- 
laufen oberhalb der Schlitz-Linie von dem oberen Rande des 
Umgangs in mäsigem Bogen und setzen in spitzem Winkel 
auf derselben auf, gehen unterhalb derselben mit mäsig 
spitzem, nach vorn ausgehendem Winkel, gleich beim Be- 
ginnen etwas zurückbeugend und gegen den Nabel hin. aber- 
mals etwas vorwärts und wieder zurückbeugend in den Nabel. 
Die Schlitz-Linie -ist in eine, ‘von deutlicher vortretenden 
kantigen Grenzleisten umgebene Hohlkehle zugewachsen. 
Ihre wenig zurückgebogenen feinen, sehr dicht stehenden 
 Zuwachs-Streifehen werden in der Mitte von einer längs- 
laufenden feinen Grenzleiste gekreutzt, welche die Hohlkehle 
ähnlich den anderen Längsstreifungs -Hohlkehlen in zwei 
kleinere abtheilt. Der ziemlich enge Nabel ist grösstentheils 
von einer flach, aber mäsig ausgebreiteten Schwiele, welche 
die ziemlich schmale innere Lippe gestaltet, verdeckt. Mün- 
dung von Aussenfläche des Umgangs nach dem Nabel hin 
oval, durch den vorigen Umgang ergänzt, indem sich die 
äussere Lippe in geringer Entfernung unterhalb der Schlitz- 
Hohlkehle anlegt. — Bei Puitirs Geol. of Yorkshire sind 
mehrere ähnliche Pleurotomarien, deren Abbildung aber zur 
sicheren Bestimmung nicht genügt. 


392 


6) Pleurotomaria deeussata*) Gr. (Fig. 6 a, b, 
e: Sehlitz-Linie). Gewinde niederig kegelförmig (wie 'bei 
der vorigen Art); 5 Umgänge; die ziemlich schmale Schlitz- 
Linie liegt etwas unter der Mitte der ziemlich bedeutend 
gewölbten Aussenfläche der Umgänge; die Umgänge stossen in 
scharfer Abgrenzung (wie bei der Pl. subelathrata) etwa in 
rechtem Winkel zusammen; die Längsstreifung wird durch 
mäsig tiefe, oberhalb der Schlitz- Linie (5—6) weitere, 
unterhalb derselben schmälere und daher zahlreiehere Hohl- 
kehlen gebildet, in deren Mitte bisweilen noch 'eine ganz 
feine Grenzleiste hinzieht; die mäsig dieht stehenden 'sehr 
deutlichen Zuwachsleisten verlaufen oberhalb der Sehlitz- 
Linie, bei ihrem Hervortreten aus der oberen Grenze des 
Umgangs einen Bogen nach vorn bildend, alsdann in spitzem 
"Winkel, die Längsleisten schräg durchschneidend, geradlinig 
auf die Schlitz-Linie; unterhalb der Schlitz-Linie gehen die 
Zuwachsleisten, meist etwas schwächer werdend, in einem 
kaum spitzen Winkel beginnend und sogleich sanft nach 
hinten beugend, in fast gerader Linie nach der Nabel-Gegend. 
Die Schlitz-Linie ist in eine ziemlich tiefe Hohlkehle zuge- 
wachsen; ihre feinen und dichtstehenden Zuwachs-Leistehen 
beugen mäsig zurück. Nach dem an sich sehon ziemlieh 
engen Nabel hin zieht sieh, mitten eine bogige Rinne lassend, | 
eine allmälich breiter werdende Schwiele, welche den Nabel 
halb umfasst und seine Öffnung sehr einengt; sie bildet in 
ihrem grössten Theil die innere Lippe der Mündung. Mün- 
dung viereckig, etwa so breit als hoch, durch den vorigen 
Umgang wie bei der Pl. subelathrata ergänzt. 

7) Catantostoma elathratum Saxpe. (Fig. 7 a,b, 
e, d: Schlitz-Linie). Catantostoma (Kara'vrnc, sc, bergab, 
abwärts gehend, abschüssig, -grou« Mund) nov. gen.: Testa 
elliplica modice in altum torta; terlia ultimi anfractus pars 
subito deorsum deflectens ; orificium imperfectum, labia inde 


*) Decussare [decem] in die Lage einer römischen Zehn [X] bringen, 
schräg theilen [Cıcero]. 


393 


ab esterna ipsorum Conjunclione parallela, umbilicum inter se 
continentia; in medio anfractu fuscia, scissuram. claudens, 
modice lata, vix ercavala, arcualo-coslala. 

Mündung abwärts: das letzte Drittheil des letzten 
Umgangs biegt sich nämlich plötzlich, etwas wulstig wer- 
dend, besonders unten, in einem ungefähr viertel-rechten 
Winkel abwärts und zugleich ziemlich stark einwärts, so 
dass dadurch der Nabel zwischen die beiden Enden der 
langgezogenen Mündung kommt. Dieselbe ist zweimal so 
lang als breit; die Mundränder laufen, von ihrer nach aussen 
liegenden halbkreisförmigen Vereinigung aus, fast parallel. 
Der obere Mundrand bildet dadurch, dass er sich nach Innen 
umschlägt, eine starke Verdiekung, der untere weit dünnere 
ist von aussen in seinem ganzen Verlauf zugeschärft und 
sitzt mit deutlicher Abgrenzung auf dem vorletzten Drit- 
theil des Umgangs auf. Die Mitte des Umgangs zeigt ein kaum 
erhöhtes, mäsig breites, nach Innen flach ausgehöhltes Band 
mit bogenförmig zurückbiegenden, nicht sehr dichtstehenden 
@uerstreifehen, wie Pleurotomaria, welches schliessen lässt, 
dass die. nicht ausgewachsenen Schalen einen ähnlichen Schlitz 
hatten, wie Pleurotomaria; bei ausgebildeten Schalen zeigt 
der. obere verdickte Mundrand noch als Andeutung an der 
Stelle eine kaum merkliche Einbiegung. An dieses Band 
legen sieh von oben in mässig spitzem Winkel schmale Zu- 
wachsleisten an, welehe mit den von unten schon in stumpferh 
Winkel das Band berührenden Zuwachsleisten einen ganz 
flachen stumpfen Winkel bilden, an dessen zusammen- 
laufenden (konvergirenden) Schenkeln die zugewachsene 
Schlitz-Linie angrenzt. Von der Stelle an, wo das letzte 
Drittheil Windung nach unten lauft, schwindet das Band, 
meist durch eine längliche Schwiele beginnend, in eine 
schmale Leistenlinie zusammen. 

Bei C. clathratum sind die fünf bis sechs Um- 
gänge gegittert. Mit der zugewachsenen Schlitz-Linie 
laufen nämlieh Hohlkehlen parallel und bilden Längsstreifung. 


394 


Die zunächst unter der Schlitz- Linie liegende 'Hohlkehle 
zeichnet sich von den anderen meistens durch Breite nnd 
dadurch aus, dass in ihrer Tiefe noch eine ganz feine 
Längsleiste lauft. Diese Längsstreifung ist von der etwa 
eben so dichtstehenden @uerstr 'eifung e und dadurch 
also die ganze Schale gegittert. | 

'8) Turbo (Subgen. Monodonta) granosus Sach. 
(Fig. Sa, b). Gewinde niedrig kegelförmig; 4 Umgänge ; 
die Aussenfläche derselben ziemlich bedeutend gewölbt; die 
Umgänge scharf von einander abgegrenzt; an der oberen 
Seite: derselben läuft ein flaches glattes Band; die ganze 
‚Aussenfläche mit starken, ziemlich weitläufig stehenden 
Knötchen besetzt, welche Längs-Reihen bilden und an den 
ersten‘ Umgängen sowie nach der Nabelgegend hin mehr 
‚zusammenhängende Leisten-Linien bilden. Die Zuwachs- 
- Streifung besteht aus ganz feinen Runzel-Linien. Die Nabel- 
gegend wird von einer sehr ausgebreiteten halbmond- 
förmigen Schwiele überkleidet, in deren Mitte’ eine bogige 
flache, allmählich nach dem eigentlichen Nabel hin stärker 
werdende Rinne verläuft, vor welcher an dem obern Theil 
der inneren Lippe ein ziemlich stumpfer, nach beiden Seiten 
hin bogenförmig abfallender Zahn steht. Mündung rundlich 
und zwar wegen des Zahns bohnenförmig. | - 

Ob die ähnlichen Exemplare von Bensberg im Bonner 
Museum zu dieser Art zu zählen sind, wage ich, weil die- 
selben besonders in Betreff der Mündung nicht hinreichend 
gut erhalten sind, nicht zu entscheiden, | 


395 


II Parallel-Verzeichniss der organischen Einschlüsse der beiden 
Schichten des Villmarer Kalks. 


Mr läufigeren Arten sind mit einem ! bezeichnet. 
= bedeutet, dass eine Art noch nicht bestimmt oder noch nicht genannt ist 
: dass Etwas zweifelhaft ist in Betreff sicherer Gattungs - und Art- -Bestimmung. 
1. Vorkommen im Kalkmergel; li. im bröckeligen Kalk. 


Tr TE EL SEE ES RE BEE EEE ST EEE aa ET ET EEE TEE EEE EEE STE 


2 | Vorkom- 
Namen. men ım Fremde Fundorte. 
| 1l. 


A. Pflanzen. 


Sigillaria 
elypeata Sp. n. sp: - - » 
B. Thiere. 


I. Polyparia. 


Scyphia 
constricta Sp. now. 
?Favosites inflatus Kon. 


Belgien: Bergkalk: 
in dit... . - 


Stromatopora au 
polymorpha Gr. . . . . Eifel, Devonshire, Weilburg in 
Schaalstein,  Niedertiefenbach 
bei Limburg in Nassau. 
Lithodendron 
‚eaespitosum Gr. . . » : Eif., Bensberg, Weilb. in Schaalst; 
subaratum SB. nev. : . ; Freienfels, Vierfurth bei Weilb., 
Hadamar : Kalk, Aumenau bei 
r Weilb;: Eisenkalk, Weilb. und 
Fierfurth: Schaalstein, 
Cyathopbylilum 


plicatum Gr. ® 3 . D s 


Tournay, Kentucky.| 
cesatiles;GF.. 35: .-.\.0..:,» 


Eif., Bensb.. Paffrath, Niedertie- 
fenb., Aum., Weilb.: Schaalst. 
und Cytherinenschiefer. 

Eif:, Belgien. 

Oberscheld, Yorksh., St. Cassian. 


helianthoides Gr. , : 
?* (?gracile PnıLL.) . 


Strombodes 
vermieularis Lonsp. . . Eif., New-York, Devonslire. 
Amplexus 
coralloides Sow. . . .. Eif., Hof, Paffr., Vise, Dehren 
bei Limburg : Quarz. 
8 [ s 4 “ 
Gorgonia 


infundibuliformis Gr. Ems, Eif., Chiniay, Tournay, 


Wipperfürth, Gera, Spessart, 
Glücksbrunn. 
var. eloıgata Se. novV. . | > 


granulosa Sp: now. . 
Jahrgang 1842. 26 


| 
EN 
| 
| 


Namen. 


Margarodes 7) 
taeniatus SB. 200. 
Syringopora 
retieulata Gr. . . 
“ Calamopora 
polymorpha Gr. 


spongites Gr. . - 


fibrosa Gr. . . . 


Cellepora 


antiqua Gr. . . . 


Ceriopora 


dentiformis SB. nov. . 
granulosa Gr. . . 


| II. Radiaria. 
Cidarites 
priseus Mst. . . 


Nerei Mst. . . . 
?Echinosphaerites 


inaequabilis Sp. nov. 


Pentatrematites 
planus Se. nov. . 
Actinocrinites 
laevis: Wlan.  ..203%s 
moniliformis Mir. . 


nodulosus Gr. . 
Rhodoerinites 

verus Mır. . . 
Cyathoerinites 

pinnatus Gr. > 

tuberceulatus Miır. . 

rugosus MıL. . . 


Cupressocrinites 
abbreviatus GF. 
(eolumnae aliarum 

rum) 

Pentacrinites 
priscus_GrF. 


III. Pelekypoda. 


Solen 

vetustus Gr. . 
Sanguinolaria 
laevigata Gr. . . 


0 


% 


ax 


R 
Ei 


EX 


x 


Fremde Fundorte, 


Olne in Belgien: Bergkalk. 


Devonsh., Ludlow, Bensb., Eif., 
Belgien, Weilb.: Schaalstein. 
Wenlock, Devonsh., Eif., Bensb., 
Aumenau, Weilb.: Schaalst. 
Wenl., Lahnstein: Grauwacke, 
Devonsh., Eif., Waldaiplateau. 


Eifel. 


Wenlock, Eifel. 


Belgien: Bergkalk. 


Belgien, England, Eifel. 

Went., Eif., Lanyscheid in Nas- 
sau: Grauw. 

Eifel. 

Eifel. 

Eif., Rhein. Grauw., Schlesien. 
Went., Eif. Rhein. Grauw. 

Eifel, Weilb.: Cytherinensch., 
Tournay. 


Eifel. 
Eifel. 


Eifel. 
Eifel. 


+) Eine neue Gorgonia-ähnliche Gattung, welche durch flache Perl-förmige, zu einer 
Dute zusammengesetzte Reihen charakterisirt wird: napypapsöıs Perlen-ähnlieh. 


Namen. 


? Donax 
lamellosus Sp. nov. . 
Conocardium 
elongatum Sow. 
aliforme Sow. ER, 
squamosum SB. noV.. . . 


armatum SE . :... 
(Pleurorhynchus arm. 
Phiır.) 


procumbens Se. nov... 
Cardium 
palmatum Gr. 


Cypricardia 
lamellosa Phır. ET NERNS 
(Pterinea elegans Gr.) | 
parallela Piz. . 
Isocardıa 
lamellosa Sp. nov. 
nuculaeformis SB. novV. . 
?(indeterm.) . - 
Hippopodium 
ponderosum Sow. . 
Megalodus 
auriculatus Gr. 
oblongus Gr. 
Cardiomorpha 
lamellosa Kon... . » - » 
Arca 
prisca Gr. 
Nueula 
laevis Sep. nov.. . 
undata Sp». (Arca 
Pas) rind) .° 
Pinna 
laevigata Sp. nov. 
Mytilus 
priscus Gr. . 
rugosus SB. NOV. . .» . . 
exporrectus SB, 200... . . 
Avicula 
lamellosa Sp. nov. 
Pterinea 
clathrata Se. nov... 
tenui-costata Sp. n0vV. 
lineata GE. ..... . . 
reticularis Sp. auvV. . . . 
undata Se. (Posidonomya ve- 
nusta Msr.). 


obtusa 


Perna 
fragilis Sp. nov. . . 


Vorkom- 
men in 


I. | I. 


Se 


Fremde Fundorte. 


Ratingen, Vise, England. 
Tourn., Vise, Rating., Bensb., Eif. 


Yorkshire. 
Oberscheld, Martenberg in West- 
phaten. 


Rating., Vise, Chimay, Eif. 
Vise. 


Coalbrok Dale (BRroNN). 


Bensberg. 
Bensb., Gerolstein. 


Belyien: Bergkalk. 
Schlesien. 


Vise. 


Eifel. 


Ems, Belgien. 


Schübelshammer und Presseck, 


Weithb.: Cytherineusch., Went. 


Namen. nen? ın Fremde Fundorte. 


Pecten 

srandaevus GE2 7 0. .02.1% Herborn. t. 
Östrea 

undulata Se. 200... : |". 


1V. Brachiopoda. 


Strophomena (Leptaena Iada | 
DIDICHIS. nee Ol tn Caradoc, Old red, Rhein. Grauw. 
rugosa BRoONN . . ... .” | Tournay, Vise, Gothland, Nord- 
Amerika, Gerolstein. 
(Productus aculeatus Sow.) .* | Paffrath, Wise, Engl., Irland. 
(Produetus Martini Sow.) . 2 Vise, Tournay, Ratingen. 
tlabellum Se. nov. . . . RE 
Trigonotreta 7) 
stringocephalus 7) SAnDe. 
 phalus Burtini 


” 
J 


. = | Eif., Bensb., Paffr., Devonsh. 


DErR.).... TA FERN; a 
oblata Brons » * = | Vise, Gerolstein, Ralinyen. 
lineata Se. (Spirif. lin. Sow.) na, 1 Fise. 
siriatula GE. . ... en: = 
aequali-arata Sp. zov. . .|* .* 
acuto-lobata Se. a0V. . . Al 
a ek N 
mieroptera (Delth.) Gr.. . .” | Namur, Beig. u. Rhein. Grauw. 
macroptera (Delth.) Gr. . . = | Eif., Bely. und Rhein. Grauw. 
laevicosta (Delth.) Gr. . . . ” | Rhein. Grauw. 


polymorpha (Delth.) Gr, .|* .* | Ratingen. 
(Deltb. erispa Darm.) . .|* .* | Vise. 

elevata (Delth.) Gr... . .|* .* | Rhein. Grauw. 
lato-plicata Ss. now. . . - |" . 

fureatula Se. 200. ..... 2.1 %.. 

Orthis resupinata Sow.) . | * . ” | Vise, Tournuy. 


Di 
0 


fasciculata (Orthis) GF.. . ‚.” | Rhein. Grauw. 
(Ortbis erenistria Phi.) 7 Vise. 

Terebratula 
pugnus Marın . ....|°®. Vise, England, Irland. 
eordiformis Sow. . . » -» .” | England: Bergkalk. 
Schnurii pe Verneum . .|”" .” | Bensberg. 


(Atrypa subdentata Sw.jun.) ; Devonslire. 

CEumEena DOW o .e ehe England: Bergkalk. 

lacunosa v. SCHLOTH, .» . |” - Ludiow. 

primipilaris v. Buch . Gerolstein. 

Wilsoni Sow. . . » 

varr. minor et parallele- * = | Wenl., Eif., Belg , Rhein. Grauw. 
pipeda BR. . . » 

plicatella Darm. 


o 


“ 


S 
OS 


Gothland, Tournay. 


ferita v. Buch a 3 Gerolstein. 
dindentaDa u. Be u. ru: % Schweden. 
-+) Trigonotreta — Orthis et Delthyris (Spirifer Sow.). 


+7) Strygocephalus, die gew öhnliche Schreibart, ist falsch gebildet und falsch geschrieben. 
orpiyk, ozpıyyos, also Stringocephalus, - 


399 
Er VE VE ZEITEN 
Vorkom- 
Namen. DIET IE Fremde Fundorte, 
1; | 1._ 


Terebratula 
euneolus SB. nov.. .: : .I”". 
reticularis GMELIN ER 


varr. aspera et expla- * ,® | Rhein. Grauw., Eif., Russland, 
Babes... 22... England etc. 
sacculus Martrın . . . . .” | Vise, Gothland, Derbysh. 


concentrica v. Bucn . . 
varr. globularis et hete- * .„* | Paffrath, Bensb., Eif., Belg. 
zolypa Br... ..-- . . 


V. Gasteropoda. 


Dentalium 
priscum Mst, . . . . ..]° ,* | Tournay. 
ELLI TS Re Bensberg, Eif. 
annulatum Se. nov. . . .|*. 
subcanaliculatum Sp. n0%. ® ei 

- (D. ornatum Kon. in litt.) ; Vise. 

Chiton 
priseus Mer. . . ...1” ,.” | Tournay. 
subgranosus Sp. nv. . . |”. 
Fasesatus Se. noV. . ..18 

Patella 
triradiata Sp. zw. .. .|* 
oblonga Se. nw. . . ei 

Pileopsis 
CBWICH ) SE: NOD.. uueiter 
are Eif., Rhein. Grauw. 
erdenlis SE, 0Ugms.) ini rn 
deelinata Sp. nov.. . . . 5 

Buceinum 
subelathratum ff) Se. nov. . | * 

Trochus 

bicoronatus Gr. . . . .|*. Eifel. 
rasen)... ee. 9. 
2 (frasment). Nik. r 

Pleurotomaria 
quadrilineata Gr. nov. . .|* .* 
Hadnlosa SE. 100. aninsieneal 7 m 
eatenulata Sp. nor. . . .|* - x 


deceussata Gr. nov. . . .|I*.» 

(Pl. radula Kon. in litt. .|* .* 
subelathrata Se. nov. . .|*. 
canalifera Sp. nov. . . ., . 
costato-fasciata SB. n00. .|” 
taeniata Se. nor. . 2 ..-.|* 
fasciata SB. nov. . .: ..|” . 
subsulcata Sp. n0ov. . . . 3 


a 


ES 


+) Ist der Pileops. rugosa Mst. aus dem Liaskalk von Amberg sehr ähnlich und wird 
mit derselben eine neue Gattung bilden müssen. 1 

fr) Vorläufig nach der Analogie von B. arculatum Gr,, — B. acutum Sow., — B. im- 

brieatum Sow. so genannt, welche mit dieser Art eine neue Gattung bilden müssen. 


Fremde Fundorte. 


Pleurotomaria 
helieoides Kon. in litt. .| |. 
(Ampullaria hel. Sow.) .) : 
scalari-faseiata SB. novV.. . an 
striatella Sp. u». . .. 2 
complanata Sp. nov. . . . Ai 
Catanostoma 
clathratum Ss. nov. . . .I|* .* ? 
Scoliostoma 
Dannenbergii Max. Braun . | * . * 
Turbo 


subretieularis Sp. n0v. . .| * 
(Monodonta) granosus Se. n. 
a 11232 1 Se AR PR. 

Delphinula 
nodosa SE. 00. . ... .& 

Euomphalus i 
pentangulatus Sow. . . . |” - ” | Ratingen, England, Belgzen. 
tenuistriatus SB. nov. . .|” .* 


acutus Sow.. . . Ba = Vise. 
planorbiformis Sep. nov.. .. Sr 
pr . . . e . . = 


Schizostoma 

 stssalim GE... a a 
elathratum Se. nov. . . .|” 
striatellum Sep. mov. . . »| *” 
subeostatum SB. 0v. . .|” 


=> D o . . o . 2 = 
Rotella 

helicinaeformis Gr. . : .|” - Puffrath. 
> 22 . . - [7 2 
? striata = nov. a 
Ampullaria 

nobilis Sow.  .... 2. Vise. 
Natica 


(Nerita spirata Sow.) 


SRE Wenlock, Cork, Vise ete. 
striatella Se. ıov. . . .|*. 
D.} 
y3 


arva Sow. . . A Ludlow. 

lineata (Nerita) Gr. . - - Eifel. 

Imrata Par means .* | Yorkshire, St. Cassian. 
Phasianella 

buceinoides Gr. . . . .|* . Eifel. 

venftricosa GE. . . . . .|”" .”" | Bifet. 


striatella Se. nur. . . .I*.* 
conoidea Gr. . . . „Pr. "4 Hıfel. 


acummata Gr. . . . .. .” | Eifel. 
Murchisonia 

bilineata D’ArcHıac ”" „* | Paffrath. 

excavata D’ÄRcCH. a: u ® Vise. 

Ba a ? 


Melania 
(Turritella) costata Gr.. .| * . * | Eifel. 


401 


Vorkom- 


men in Fremde Fundorte, 


Melania 
(Turritella coniea Sow, jun. 
Sil. System . . a LE Old red. 
(Turr.) angustata Be Eifel. 


(Turr.) acuminata Gr. . .|* . Eifel. 
clathrata Se. uav. . . .|” 
Dune: 2... TS Erg 


longissima Sp. now. 2.» 


VI. Cephalopoda. 


Bellerophon 
lineatus Gr.. . . . . .„|” »* | Paffrath, Eifel. 
vasulites Monwtr. . » . .|” »* | Belgien: Bergkalk. 
patens SB, uv. . . . ie 
Conularia 
quadrisuleata Sow. . . . » * | Covalbrook Dale, Belgien. 
Orthoceratites 
tubicinella Sow. jun. . . |” - * | Devonsh., Eifel. 
?> a SR ern 
sentralis. Hıs? . . NR .” | Schweden, 
regularis v. Sn ix Eibersreuth, Prag, St. Sauveur, 
Wissenbach. 
Goldfussianus Kon. in litt. . "| Vise, Oberscheld. 
calamus Kon, in litt... » .” | Vise, Tournay. 
rimulosus Sg. n0V. . . .» og 


analıs Gr 2.8.0.8, . = | Eifel, Oberscheld. 
Cyrtoceratites?* 
(??depressus Gr). . . . .* | Paffrath, Eifel. 


Spirula 3 
gracilis Sp. now. . . . .|]” - 
arcuatella Sp. nv. . . .|" - 
annulata Gr. . . , * | Gerolstein. 
Wis se 
Goniatites 
acutulus Sp. nv. . . ...|* 
simpliei-septatus SE. novV. . a 
cornu-arietis SB. 20V. . . N 
profundo-septatus Sp. nov. | * - 
presso-septatus Sp. n0V. & 
acuto-septus SE. nv. . . ne 
VII. Annulata. 
Spirerbis 
tenuis MurcH. . . Dach $ \ Ludlow. 


ammonia (Serpula) GER, Bensberg. 
omphalodes (Serpula) Gr. . .* | Eifel. 
gracilis SB. nov. . . . 


VIII. Crustacea., 


Calymene _ ; k 
laevigata Gr. . .» . » .1* .* | Wissend., Lahnstein: Grauw., Eif. 


402 


Vorkom- 
men in Fremde Fundorte. 


Calymene 
tuberceulosa Se. nov. . . . 
variolaris Bronen. . ,„, 
Brontes 

flabellifer Gr. 
Trinucleus 

?(fragment.) . ... 


Wenlvck. 


* 


Belgien, Eifel, Devonsh. 


Incertae sedis: 


Polymeres 
oblique-striatus Ss, nov. 


| 
| 
| 
| 


iA. sämmtlicher|| B. der (sicheren) 

Arten. neuen Arten, 
Numerische Übersicht der organischen 
Einschlüsse der Fillmarer Schichten. 


Dam 


m (> 
.eaoeoM 


1. |. m IS | LI nme 
= = 
a) Pflanzen; ..... bus 1 . > 1 1 ash Te 
I, Polyparia ..| 3 7-11 21 2 1 3 
U. BRadıaria. ..| 8 3 3 14|| 1 2 are | 
Ill. Pelekypoda . [18 | 3 |12 3 5 are 
IV. Brachiopoda. [12 [14 |12 38j| 3 1 2 
b) Thiere V. Gasteropoda. [49 |ı8 |12 | 70123 | 9 9 
VI. Cephalopoda. | 7 | 3 [12 | 2215 , 
VI. Annulata. .. | 2 1 2 Ar er! 
VIII. Crustacea .. | 2 2 5 1 
incertae sedis | 1 ARE Le 11 1 rei 2E 
941494166209 142-+1134-128=]83 
Der Villm. „Kalkmergel“ enthält. 944-149 —;143/42--113 155 


Der Villm. ‚bröckelige Kalk“ enthält | . . |494166=i1151| . . 134-128=f41 


Über 
Balanus carbonaria, 
von 


Hrn. Dr. PETZHOLDT *). 


Hiezu Tafel IV, 


Die Gattung Balanus (Meereichel), zu den Cirri- 
pedien gehörig, verdient schon im Allgemeinen eine ganz 
besondere Beachtung, weil die Stellung der Familie der 
Cirripedien im Systeme lange Zeit eine zweifelhafte und 


. verkannte war. Denn nachdem sie CuviEr , Gorpruss, 


WıteRAnD, OKEN u. s. w. zu den Mollusken gerechnet, 
Lamarck und DE BraivirLe aber aus ihr eine für sich 
bestehende Klasse, Cirrhipoda, zwischen den Mollusken und 
Annulaten gebildet hatten, wiesen Joun V. Tuomrson und 
Burmeister mit Sicherheit nach, dass die Cirripedien zu 
den Krustazeen gehören und der Familie der Lophyropoden 
sehr nahe stehen. 

Diese Familie ist den bisherigen Beobachtungen zufolge 
auffallend arm an Gattungen, und die Minderzahl derselben 
(Balanen und Lepaden) ist im fossilen Zustande nur in 
verhältnissmäsig sehr jungen, in Kreide- und tertiären Ge- 
birgs-Schichten gefunden worden, mit Ausnahme des Polli- 
ceps Hausmanni aus dem Oolithe. 

Die einfachste Schlussfolgerung aus diesem Verhältniss 


*) Im Auszuge mitgetheilt aus dessen Schrift „de Balano et Culamosy- 
ringe“, Dresd. et Lips. 1841. 


404 


dürfte nun seyn, es habe den Cerripedien in einer früheren 
Periode entweder an den Bedingungen ihres Lebens gefehlt 
und sie seyen mithin gar nieht entstanden, oder aber man 
habe ihr Vorkommen im älteren Gebirge übersehen. Die 
erste Annahme wäre etwas befremdend, indem wir wissen, 
dass die Krustazeen im Allgemeinen sehon in- den ältesten 
neptunischen Formationen durch die Trilobiten repräsentirt 
werden und sich dann in verschiedenen Geschlechtern durch 
die ganze Reihe der geschichteten Gebirgsarten hindurch- 
ziehen, und indem auch die vergleichende Anatomie und 
Physiologie keine Rechenschaft von soleher abnormen Er- 
scheinung geben; daher denn die Vermuthung, dass man die 
Reste der Cirripedien in andern Formationen bisher bloss 
übersehen habe, ganz verzeihlich ist. Und da bei den Le- 
paden die kalkige Hülle aus einzelnen Schalen-artigen Theilen 
besteht, während die der Balanen zu einem Gehäuse fest 
verbunden ist und dasselbe Verhältniss wohl auch bei den 
vorweltlichen Cirripedien stattfand, so liegt auf der Hand, 
dass die Reste der Balanen weit eher in ihrer vollständigen 
und leicht wieder zu erkennenden Form erhalten werden 
konnten, als die leicht zerfallenden Lepaden. Waren nun 
noch Abweichungen in Form und Bau zwischen den noch 
lebenden und den fossilen Gattungen vorhanden, so scheint 
ein Übersehen dieser fossilen Reste in älteren, ohnediess 
weniger durchforschten Formationen sehr natürlich. Ich 
zweifle daher nieht, dass man bei sorgfältiger Nachsuchung 
im ältern Gebirge auf mehrfache Reste von Cirripedien stossen 
wird. Ich halte dafür, dass durch v. ScHLoTHEıMm und GERMAR 
bereits der Anfang darin gemacht worden ist, insofern sie die 
unter den Namen Rhyncholithesund Aptychus bekannten 
Petrefakten als Reste von Lepaden bezeichneten, was meine volle 
Beistimmung hat und wozu nun meine eigene Entdeckung von 
Balanen-Gehäusen im Steinkohlen-Gebirge kommt. Ehe ich je- 
doch davon ausführlicher spreche, will ich hier einige Bemer- 
kungen anknüpfen, die sich mir beim Studium des vorzüglichen 
Werkes von Burmsister *) über die Cirripedien aufgedrängt 


405 


haben. Während nämlich nicht geläugnet werden kann, dass 
die zuden Krustazeen gerechnete Familie der Trilobiten, welche 
nurin den ältesten neptunischen Gebilden unter der Steinkohlen- 
Formation gefunden wird, ausserordentlich viel Eigenthüm- 
liehes und Problematisches darbietet, so wird die über den 
Trilobiten schwebende Dunkelheit durch Burmeisters schöne 
Untersuchungen fast vollständig aufgehell. Denn indem er 
an Pentalasmis striata Leacn (Lepas anserifera 
Linn.) nachwies, wie das dem Ei entschlüpfende Junge, an- 
fangs frei umherschwimmend, erst später sich an fremde 
Körper festsetze und sich mit Kalk-Schalen umgebe und wie 
dabei gewisse Organe in einer langen Folge von Verände- 
rungen so verwandelt werden, dass, wer bloss das eben aus 
dem Ei hervorgegangene und das in seinem Wachsthum 
vollendete Thier sähe, auf keinerlei Weise zwischen beiden 
einen Zusammenhang vermuthete, so scheint mir daraus ein 
ähnlicher Entwiekelungs-Gang auch für die Trilobiten ab- 
leitbar zu seyn, wenn nicht gar die Trilobiten zu den Cir- 
ripedien selbst gerechnet werden müssen [?$]. Denn wer 
mit Aufmerksamkeit jenes Werk studirt, wird durch den 
Bau der Pentalasmis striata in der zweiten Entwicke- 
lungs-Periode, wo sie als Junges noch frei umherschwimmt 
und von kalkigen Schalen noch nicht umgeben ist, auf eine 
überraschende Weise an Trilobiten-Formen und namentlich 
an Paradoxides Tessini erinnert werden. Die Deutung der 
. Formen und die daraus zu folgernde Kenntniss der sonstigen 
Eigenthümlichkeiten der Trilobiten, welche noch Niemanden 
hat glücken wollen, ist mir durch Burmeıster’s Unter- 
suchung der Cirripedien gegeben worden; und ich mag 
jetzt die Trilobiten für nichts anderes als auf einer frühern 
Stufe der Entwickelung stehen gebliebene urweltliche Cirri- 
pedien halten. Eine genauere Untersuchung ihrer bisher 
bekannt gewordenen Gattungen wird nicht schwer nahweisen 
lassen, dass unter den manchfaltigen Formen ein tieferer 


“) Beiträge zur Naturgeschichte der Rankenfüsser, Berlin 1831. 


406 
Zusammenhang statthabe, so dass die eine den Embryo- oder 
Jugend-Zustand der andern darstellt. 

Endlich komme ich auf den Hauptgegenstand .dieser 
Mittheilung, auf die von mir aufgefundene Balanus car- 
bonaria zurück, obwohl auch hier wieder ein kleiner Ab- 
schweif nothwendig wird. Da nämlich diese Balanus‘ von 
mir im eigentlichen Steinkohlen- Gebirge entdeckt wurde, 
worin thierische Reste bis jetzt nur sehr selten und in sehr 
wenigen Gattungen beobachtet worden sind, so gewinnt 
dieser Fund ein besonderes Interesse; was sich jedoch dann 
erst recht klar herausstellen kann, wenn wir sehen, von. 
wie wenigen Thieren dieses Vorkommen mit Sicherheit be- 
hauptet werden darf. Denn eine kritische Untersuchung 
beschränkt das angebliche Vorkommen von Thieren in der 
Steinkohlen-Formation ungemein, was die nachstehende Über- 
sicht ohne Zweifel zu rechtfertigen im Stande ist *). 

Man findet im Steinkohlen-Gebirge angeführt : 


1.."MoTTuasKe m 


‚nach An. Bron6nIart bestimmt 
u. vonDELA BEcHE (Geogn, bearb. 
von Dechen, Berlin 71832, 516) 
angeführt. 

nach pe LA Biche’s Angabe (a. a. 0. S. 516), 

Nucula attenuata Frem.| der jedoch gegen die zu Rutherglen zitirten 

gibbosa Fırm. Petrefakte, als dem Steinkohlen-Gebirge an- 
gehörig, Zweifel hägt. 

Unio subconstrictus Sow. (Min. Conch. I, 83, pl. 33, fig. 1, 2, 3; 
und Goupr. Petref. Taf. 131, Fig. 18) zu Lüttich, Derbyshire, 
Nottinghamshire (im Sphärosiderit in so grosser Menge, dass diese 
Lage muscle-bank genannt wird), auch wohl in andern Kohlen- 
Revieren Englands. | 

uniformis Sow. (M. C. I, 83, pl. 33, fig. 7 und Goıvor. Taf. 131, 
Fig. 20. 

(Mya ovalis Marrın) in Derbyshire, zu Löbejün, Wettin, Kusel. 

acutus Sow. (M. C. I, 84, pl. 83, fig. 5, 6, 7). 

Urii Frem. zu Rutherglen? nach vE LA Bechrz, s. 0. 

abbreviatus Gorpr. (Petref. Taf. 131, Fig. 15) zu Lüttich. 


Mya tellinaria zu Lüttich. 
ventricosa zu Lüttich. 
minutaam Kammerberg bei Ilmenau. 


*) Der Herr Verf. scheint zwar den Kohlen-Kalk vom „eigentlichen 
Steinkohlen-Gebirge“ auszuschliessen; doch dürften die Werke von 
Ascassız, PuiLLırs, MurcHıson etc. noch manche Ausbeute gegeben 
haben. ‚Br. 


407 


atratus Gowvr. (Petref. Taf. 131, Fig. 16) zu Werden. 

tellinarıus Gorpr. (Petref. Taf. 131, Fig. 17): Lüttich, Werden. 

carbonarius Gorpvr. (Taf. 731, Fig. 19), Tellinites carbonarius 
SCHLOTH. zu Kusel und Löbejün. 

Noch ist hier des Vorkommens von Unionen in den Potschappler 
Steinkohlen-Gruben bei Dresden *) und in den Steinkohlen-Lagern von 
Northumberland und Durham ”*) zu gedenken. 

Lutricola truncata Goror. bei Kusel, Werden. 
Blainvillei Goror. zu Werden. 
acuta Gorpor. (Unio acutus Sow.) zu Werden, Lüttich, Ilmenau, 
Bochum, Bradford (in oe ). Die Anführung dieses 
Genus von DE La Becue (a. a. ©. S. 516) muss wohl auf einem 
Irrthume beruhen, denn Gorpruss a keine Lutricola, welche 
‘ dem Steinkohlen-Gebirge angehörte; ja er führt nicht einmal die 
genannten Spezies L. truncata, Blainvillei und acuta an. 
Anodonta, von ALzx. BRonsNIarr """) aufgezählt, jedoch mit einem Frag- 
zeichen. In der deutschen Übersetzung dieses Werks von Kreinschrop 
(Leipzig, 1830, S. 424) ist Anodonta ganz Ne worden; 
den Grund kennen wir nicht. 

Mytilus cerassus Frem. zu Werden, in Schottland? (ve 11 BEcHE 

a. a. O0. 516; Sow. I, 84; Brit. Mineral. pl. 386). 

carbonarius = Unio carbonarius. 
Pecten papyraceus Sow. (M. C.IV, 75, pl. 354, wohl Posidonomya?) 
Werden, Bradford. 
dissimilis FrLem. in Schottland; beide nach ve LA Becne (a. a. O. 

S. 515). 

Lingula nach Kremscurop (in dessen Übersetzung von Broncntart, S. 

424 ; im Originale ist sie nicht verzeichnet). Zu Lüttich im Alaun- 


Schiefer. 
mytiloides Sow. (pl. 19, fig. 1, 2) zu Walsingham. 
Turritella Uri: Frrm. zu Rutherglen, von DE LA BEcHE 
elongata FLem. angeführt und bezweifelt. 


Conularia quadrisulcata Sow. (III, 107, pl. 160, fig. 6). Beide 
von Tronliebank, Glasgow. 
teres Sow. (III, 108, pl. 208, fig. 1, 2). Durch ve La BEcHE an- 
geführt; die zweite von Sowergy als iiberhaupt unsicher bezeichnet. 
Ammonites Listeri Martin (Sow. M. C. V, 163, pl. 501, fig. 1): 
Whitleywood mine bei Scheffield, Lüttich. 
carbonarius Gorpvr. Lüttich, Werden, Wetter. 
sphaericus Gorpr. Chockier bei Lüttich, Werden (diese Spezies 
kommen auch im Kohlenkalksteine vor). | 


”) CHR. Fr. Schutze, Betrachtungen der brennbaren Mineralien, ingleiehen der an 
verschiedenen Orten in Sachsen befindlichen Steinkohlen, in den Schriften der 
Leipziger ökonomischen Gesellschaft, Dresden 1777, S. 240. _ 

”*) CARL Lyeıu’s Geologie, üb. vonC. HarTmann II, 265. 

**%) Tahbleau des Terrains, qui composent V’ecorce du globe, Paris 1829, p. 426. 


408 


li. Krustazeen. 


Balanus carbonaria miht, aus der Potschappeler Steinkohlen-Grube 
bei Dresden. ; 


I. Fische*. 

Acanthodes Bronniiı Ac. im Birkenfeldschen, Saarbrückischen und 
Lüttichs’schen. 

Amblypterus macropterus Ac. (Palaeoniscum macropterum 
Br.) im Birkenfeldischen und Saarbrückischen. 

Palaeoniseum Blainvillei Ag. (P. Freieslebense Bramv.) im Saar- 
brückischen; zu Westfield ın Connecticut und Sunderland in 
Massachusetts. 

Flossen-Stacheln (Ichthyodorulites) BuckrLann und ve LA BecHE; 

Felling-Kohlengruben bei Newcastle, von Sunderland und Rutherglen. 
Überblickt man nun die ganze Reihe der in vorstehender 

Übersicht eingezeichneten Geschöpfe, so stellt sich, je nach- 

dem der Nachweis des Fundortes und die nähere Bezeich- 

nung der Gebirgsart vernachlässigt oder genau angegeben 

worden ist, in Betreff der Sicherheit ihres Vorkommens im 

Steinkohlen-Gebirge folgendes Resultat heraus. 

M ya scheint richtig zuseyn; Nucula ist sehr unsicher; 
Unio ist entschieden; Lutricola ist falsch, denn GoLDFusS 
wird als Autorität zitirt und doch findet man in seinem Werke 
gar nichts angeführt; Anodonta sehr unsicher; Peeten 
entschieden; Lingula sehr unsicher; Turritella ebenso; 
Conularia unsicher; Ammonites entschieden; Balanus 
entschieden; Fische sind vorläufig als sicher zu betrachten. 

Doch genug der Abschweife! ich wende mich jetzt 
zur Beschreibung der von mir aufgefandenen neuen Balanus. 

Balanus ecarbonaria fand sich im Schieferthone un- 
mittelbar unter dem ersten, also obersten Steinkohlen-Flötze 
zu Potischappel im Plauenschen Grunde bei Dresden, und 
ich glaubte sie nicht unpassend „ecarbonaria“ nennen zu 
dürfen, um ihr Vorkommen anzudeuten. Sie ist bis jetzt 
bloss einmal aufgefunden worden, obgleich auf der in meiner 
Sammlung befindlichen 18 langen und 9 breiten Schiefer- 
thon-Platte (gebildet durch Spaltung des Schieferthones in 


*) Vergl. Bronn’s Lethaen geognostica, 1837, 1, 124 ff., und pe La Becne's Geognosie, 
übers. von Decurn, S. 516. ? 


409 


der Richtung seiner Schichtung) nahe an 40 Exemplare theils 
einzeln, theils in gedrängten Haufen und Reihen beisammen 
stehen. Tafel IV gibt eine Ansicht des mittlen Theiles dieser 
Platte, wo zugleich die grösste Menge dieser Balanen von 
verschiedener Grösse sitzt. Da, wo sie einzeln stehen, sind 
sie ihrer Form nach am besten erhalten, während sie dort, wo 
siein Haufen und Reihen gestellt sind, manchfach verdrückt 
erscheinen, genau so, wie man es noch bei lebenden Balanen 
unter gleichen Umständen sehr häufig zu bemerken Gelegenheit 
hat, wie auch Duvernoy *) dasselbe bezeugt. Das konische 
Gehäuse besteht aus einer Menge **) glatter, nach aussen 
der Länge nach gewölbter, und ziemlich gleichbreiter Schalen, 
welche oben lanzettförmig zulaufen, an ihrer Basis bisweilen 
durch eine schwache Furche scheinbar in 2 seitliche Hälften 
getheilt werden, und bei den verschiedenen Exemplaren in 
verschiedener Anzahl zu beobachten sind. 

Die Charakteristik lautet dem Vorausgeschickten zufolge: 

Balanus carbonaria mihr: Testa multivalvis [8 21 
conica, valvis ad longiludinem convesis, laevibus, apice lanceo- 
latıs, basö inlerdum tenuiter sulcalis. 

E lithanthracario Plaviensi prope Dresdam. 

Bemerkt muss noch werden, dass sämmtliche Schalen 
dieser Gehäuse einen Theil ihres kohlensauren Kalkes 
zurückbehalten haben ; denn während ein Tröpfehen Salz- 
säure, auf irgend eine beliebige Stelle des umgebenden 
Schieferthons gebracht, niemals ein Aufbrausen hervorbringt, 
so geschieht diess stets, sobald eine solche Schale des Ge- 
häuses mit der Säure betupft wird. Das Innere der Ge- 
häuse ist mit derselben Steinmasse erfüllt, aus welcher das 
umgebende Gestein besteht. 


*) Im Artikel „Balanes“ des Dictionnaire des sciences naturelles, Tom. 
III, pag. 410. 

”") Balanus hat nie mehr als 6 Schaalen; da diese an B. carbonaria 
der Länge nach gerippt sind, so scheinen ihrer vielleicht viele zu seyn, 
was denn auch bei der Diagnose zu berücksichtigen ist. Br. 


a 


Über 


den Quincunx, als Gesetz der Blattstellung 
bei Sigillaria und Lepidodendrum, 


Hrn. Prof. C. F. Naumann. 


—ı 


Es haben bekanntlich schon Carr ScHimpEr und ALEXAN- 
per Braun die Gesetze der Blattstellung zum Gegenstande 
ihrer Untersuchungen gemacht. Braun’s Arbeit schliesst 
der angewandten Mathematik ein ganz neues Gebiet auf, in 
welchem auch bereits fast allen Formen des Pflanzen-Reiches 
ihre Gesetze der Blattstellung angewiesen worden sind. 
Mit freudigem Staunen muss jeder erfüllt werden, der sich 
die Mühe nimmt, seine Abhandlung zu studiren; und reich- 
lich wird solche Mühe belohnt, indem sich uns Wunder 
der Pflanzen- Welt offenbaren, von welchen wir bei der 
gewöhnlichen Betrachtung derselben kaum eine Ahnung 
erhalten. 

Noch ehe ich Braun’s Abhandlung kannte, wurde ich 
durch die Betrachtung der Sigillarien auf ähnliche Unter- 
suchungen geführt, welche freilich nur einen einzelnen 
Punkt des grossen Gebietes betreffen, durch welches Braun 
seine Untersuchungen hindurchgeführt hat. Da er jedoch 
gerade diesen Punkt unberücksichtigt gelassen hat, und 
da ich, von ihm ausgehend, auf eine etwas andere Betrach- 
tangs- Weise des Gegenstandes gelenkt werden musste, so 
erlaube ich mir, meine Ansicht der Prüfung der Botaniker 


411 


u 


‘und Paläontologen vorzulegen, wenn sie auch keinen andern 
Werth hat als den, uns die glänzenden Entdeekungen Braun’s 
von einem neuen Gesichts-Punkte aus erbliecken zu lassen. 

Es scheint mir nämlich, dass die wunderbare Gesetz- 
mäsigkeit der Blattstellung, wie solehe durch Scuimrer und 
Braun nachgewiesen worden ist, eben so wohl aus den Ge- 
setzen des Quincunx, wie aus den Spiralen abgeleitet wer- 
den könne, welche für Braun den Ausgangs-Punkt seiner 
‚Betrachtung bildeten. Er selbst hebt in seiner Abhandlung 
mehrorts die Bedeutsamkeit der vertikalen Blatt - Reihen 
oder Zeilen hervor; und in der That dürften diese schon 
durch die Richtung des Wachsthums als hochwichtig be- 
zeichneten Reihen den eigentlichen Schlüssel für die Inter- 
pretation der ganzen Erscheinung darbieten, sobald man 
ihre Stellung im Quincunx berücksichtigt. Die sogenannten 
Spiralen, Schrauben-Linien oder Wendel sind nur eine noth- 
wendige Folge der konischen, zylindrischen oder hemisphä- 
roidalen Form der Stämme, Zapfen, Anthoklinien u. s. w., 
auf welchen die quincuneiale Anordnung zur Ausbildung 
gelangt ist. | 

Wenn uns die Regelmäsigkeit in der Konfiguration der 
Sigillarien, Lepidodendra, Koniferen-Zapfen u. s. w. über- 
haupt zu einer mathematischen Betrachtung ihrer Verhält- 
nisse auffordern muss, so scheinen uns die Sigillarien insbe- 
sondre als den eigentlichen Ausgangs-Punkt solcher Be- 
trachtung den Begriff des @uincunx anzuweisen. Nur 
wird dieser Begriff nach seinen verschiedenen Modi- 
fikationen in das Auge gefasst werden müssen. Dein, 
obwohl die Stellung der Schilder oder Sigilla auf der Ober- 
fläche der Sigillarien im Allgemeinen als quineuneial be- 
stimmt wird, so ist solche doch höchst verschieden je nach. 
der verschiedenen Beschaffenheit des @uincunx selbst. 

Den ursprünglichen Römischen Quincunx, welcher die 
einfachste Varietät der quineuneialen Anordnung darstellt, 
will ich den Quinceunx binarius oder den binären, zwei- 


reibigen Quincunx nennen, weil sein Gesetz sich allemal in 
Jahrgang 1842. 27 


412 


zweien Reihen oder Zeilen vollständig erfüllt. ‚Dieses Ge- 
setz lautet folgendermaasen: zwei ‚parallele Reihen  äqgui- 
distanter Punkte, die Punkte der einen ‚Reihe korrespon- 
diren den Mittelpunkten der Distanzen ‚der anderen 
Reihe; oder auch: die eine Reihe ist um eine halbe Di- 
stanz gegen die andere verschoben. Die dritte. Reihe 
zeigt daher wiederum die Verhältnisse der ersten Reihe. 
Im Römischen Quincunx wird wohl noch gewöhnlich vor- 
ausgesetzt, dass je zwei neben einanderliegende Punkte der 
einen Reihe mit den beiden zwischenfallenden Punkten der 
zunächst anliegenden Reihen ein«@uadrat bilden; oder 
mit andern Worten, dass das Intervall der Reihen gleich 
der Hälfte einer Distanz sey.. Diess ist jedoch nur ein 
spezieller Fall, und die besondere Erscheinungs-Weise die- 
ser einfachsten quineuncialen Anordnung hängt; (überhaupt 
von dem Verhältnisse ab, welches die Distanzen ‘der 
‘Punkte zu den Intervallen der Reihen haben. .  . ..,, 

Ausser den longitudinalen Reihen oder Zeilen tre- 
ten bei jeder quincuneialen Anordnung mehre und, zwar 
zunächst zwei diagonale Reihen hervor, welche sich 
durch die Linien bestimmen, die man von irgend einem 
Punkte einer Zeile nach den vier zunächst liegenden, Purik- 
ten beider Nebenzeilen ziehen kann. Ich. will.diese LE. 
nien die Quinceuncial-Linien oder auch schlechthin. die 
@uincuncialen nennen, da sie es eigentlich sind, ‚welche 
vorzugsweise die. allgemeine Erscheinungs- Art eines jeden 
Quineunx bedingen und gleichsam. ‚die ‚ charakteristisehen 
Lineamente seiner  Physiognomie bilden. , Sie. entsprechen 
denjenigen Reihen, welche Schimrzr und ..BrAvn. allgemein 
mit dem Namen Wendel bezeichnen. Im Römischen Quin- 
cunx liegen diese beiden Linien: symmetrisch gegen die Lon- 
gitudinal-Reihen,, oder sie haben gleiche. Neigungs- Winkel 
gegen dieselbe... Nennt man das Komplement: ‚dieses Nei- 
gungs-Winkels den Aufsteigungs-Winkel des. Anincunx ‚und 
setzt man . 

diesen Aufsteigungs-Winkel = w, 


413 


die Distanz je zweier Punkte einer Zeile —= a, 
das Intervall je zweier Zeilen — b, 

D) ’ D, b 
so wird cot w = PT 


Der binäre Quincunx ist bei weitem der gewöhnlichste, nach 
welchem die Schilder der Sigjllarien und die Narben der 
Syringodendra vertheilt sind, 

Allein ausser: diesem einfachsten @uineunx gibt es mög- 
licherweise zahllose andere, welche sich zunächst in zwei 
Klassen bringen lassen, die ich als einfachen und zu- 
sammengesetzten @uincunx unterscheiden will. 

Die Varietäten des einfachen Quineunx, zu welchen 
auch der vorher betrachtete binäre @uincunx gehört, haben 
das gemeinschaftliche Merkmal, dass sieh ihr Gesetz, wie 
viele Reihen-Intervalle es auch in transversaler Rich- 
tung erfordern mag, in longitudinaler Richtung allemal in- 
nerhalb einer vollen Punkt-Distanz erfüllt zeigt. Man 
kann daher diese verschiedenen Varietäten durch die Bei- 
namen binär, ternär, quaternär u. s. w. untervschei- 
den, je nachdem ihr Gesetz in zwei, drei, vier und mehren 
Reihen erfüllt wird. 

'Im ternären Quinceunx sind je zwei unmittelbar neben 
einander liegende Reihen oder Zeilen um 4 der Punkt- 
Distanz verschoben, und es werden daher alle vierten 
Reihen einander korrespondiren. Die beiden @uineuneial- 
Linien sind nicht mehr gleich geneigt gegen die Longi- 
tudinal- Reihen, sondern sie haben zwei verschiedene Auf- 
steigungs-Winkel w und w‘, woran man es auf den ersten 
Blick erkennt, dass kein binärer Quincunx gegeben ist. Es 
bestimmt sich 


cot w & t w’ 
= —_., etw! = 
| a ? 2a 


Diese Anordnung nach dem QAuincunx ternarius‘ findet sich 
unter andern bei ' 
Sigillaria elliptica Bacon. pl. 752, fig. 1 und 8; 
Sigillaria notata Bren. pl. 153, fig. I; 
I 


414 


Sigillaria tessellata Bren. var. a, non reliquae, 
pi. 156, fig. 1; 

Sigillaria orte Bren. pl. 758, ee 7; non 8; 

Favularia nodosa Lixor. pl. 792 

Bergeria acuta Presz b. STERNB,. an 48, fig. Ye 

Im quaternären @Quincunx sind je zwei unmittelbar ne- 
ben einander liegende Reihen um 4 der Punkt-Distanz ver- 
schoben, und es werden daher alle fünften Reihen einander 
genau korrespondiren. Die Aufsteigungs-Winkel der @uin- 


euncial-Linien bestimmen sieh: 


4b 
ee eot w’ = 32 
Nach diesem Gesetze scheint Sigillaria Defraneii Bacn. 
pl. 159, fig. 1 gebildet zu seyn. | 


Es lässt sich nun diese Betrachtung leicht weiter fort- 


cot w = 


führen und zeigen, dass allgemein im einfachen m-reihigen 
Quincunx je zwei unmittelbar aneinander grenzende Reihen 


; 2 1 [3 = . 
um—- Distanz verschoben sind und dass 
m 


m b 
m-n)a 

So scheinen z. B. Sigillaria Cortei Bren. pl. 147, 
fig. 3 und Sigillaria striata Bren, pl. 757, fig. 5 einen 


quinären QAuincunx zu haben. 


m b 
cot w = ——, ceot w!. = 
a 


Ich muss es den Botanikern überlassen, darüber zu 
entscheiden, ob es wahrscheinlich sey, dass in einer und 
_ derselben Spezies verschiedene Gesetze des @uincunx 
vorkommen können *). Sollte das Urtheil verneinend aus- 
fallen, so würden sich die beiden von BroncnIartT als Si- 
gillaria ornata auf pl. 758 in fig. 7 und S abgebildeten 
Exemplare nicht zu einer Spezies rechnen lassen; dasselbe 
würde von den beiden auf pl. 146 und 155 u Bil- 


dern der Sigillaria elegans gelten. 


*) Nach Braun ist es allerdings der Fall; doch liegen die verschie- 
denen Gesetze einander so nahe, dass die Abweichungen nicht 
sehr gross sind. 


415 


In einem jeden einfachen oder m-reihigen @Quincunx 
(und eben so auch in einem jeden zusammengesetzten Quin- 
cunx) sind zwei verschiedene, aber gewissermaasen kom- 
plementäre Quincuneial-Linien gegeben. Wenn man nämlich 
die Reihung der Punkte nach entgegengesetzten Richtungen 
verfolgt, so wird dieselbe Reihe (oder Zeile), welche 

. & 5 1 
nach der ersten Richtung gegen ihre Nebenreihe um — 
m 
Distanz verschoben erscheint, nach der andern Richtung um 
m a 1 5 j o ° . 
——— Distanz verschoben erscheinen. Diess gilt auch für 
m 
den binären Quincunx, bei welchem jedoch diese Verschie- 
denheit beider @uineuneial - Linien aufgehoben wird. Es 
scheint zweckmäsig, allemal diejenige Quineuneial-Linie als 
die eigentliche und ursprüngliche und folglich als die Di- 
reetrix des @uincunx zu betrachten, welche durch die 


Verschiebung um — gegeben ist. 


Da nun bei Pflanzen -Stämmen mit quineuncialer Stel- 
lung der Schilder oder Narben die "Richtung nach oben 
jedenfalls eine bestimmte ist und die Directrix allemal auf- 
steigend zu denken seyn wird, so kann hier der Unter- 
schied in Rücksicht kommen, ob der @uincunx nach rechts 
oder nach links aufsteigt (@uineunx dextrorsum aut sini- 
strorsum scandens). Um aber dieses Rechts und Links ein 
für alle Male mit Konsequenz und Bestimmtheit aufzufassen, 
so denke sich der Beobachter in der Axe des Stammes 
aufrechtstehend, und mit dem Gesichte der Aussenfläche 
des Stammes zugekehrt; je nachdem bei dieser Vorstellung 
die Direetrix nach der rechten oder nach der linken Hand 
zu aufsteigt, mag der Quincunx rechts oder links aufstei- 
gend genannt werden. Diese (mit der in der Lehre vom 
Elektromagnetismus gebräuchlichen Methode ganz analoge) 
Bestimmungs- Weise von Rechts und Links ist bereits von 
Braun als die einzig richtige hervorgehoben worden. Übri- 
gens ergibt sich aus Braun’s Beobachtungen, dass dieses 


416 


r 


Rechts und Links keinen spezifischen Unterschied begrün- 
det. Unter 150 Zapfen desselben Baumes von Pinus syl- 
vestris waren 79 rechts und 71 links gewunden. 

Alle bisher betrachteten quineuneialen Anordnungen 
stehen unter dem Gesetze des Quineunx simplex. Sehr 
viele Formen aber und, wie es scheint ‚ insbesondre viele 
Lepidodendra zeigen einen Quincunx compositus. 

Dieser zusammengesetzte Quineunx ist wesentlich darin 
begründet, dass je zwei auf einanderfolgende Reihen um — 
Distanz verschoben sind, wo n sowohl als m ganze Zahlen und 


€ N 1 n bh na 
> 1 sind, während n < 4 m, also = < 4 ist. 


So seheint z.B. Syringodendron eyelostigma Bren. 
pl. 166, fig. 3 einen binoquinären Quineunx und Syringo- 
dendron pachyderma Ben. ibid. fig. 1 einen trinosep- 
tenären Quincunx zu besitzen. 

Auch jeder zusammengesetzte Quincunx hat zwei wesent- 


lich verschiedene Quineuneial-Linien, und während die Di- 


, ı . . . . ° ’ 2 | 
rectrix durch — , wird die zweite Linie durch die Zahl 


m 
3 x 
mn ! & ; ö 5 
— bestimmt *). Ihre Aufsteigaungs-Winkel sind: 
m | | 
mb | m b 
et w = ——, det w! = — 
na (m—n) Aa 


Die Furchen, durch welche die einzelnen rhombischen 
Schilder der Lepidodendra getrennt werden, folgen in ih- 
rem allgemeinen Verlaufe gewöhnlich den Richtungen, welche 
durch diese Quineuncial-Linien vorgeschrieben sind. Dass 
übrigens von den Winkeln w und w‘ ein Gebrauch bei 
der Bestimmung der Spezies zu machen seyn werde, ist 
nicht wahrscheinlich, weil a ein veränderliches Element 


E re : e n : 
ist. Wohl aber dürfte auf die Bestimmung: von a ein 
Werth zu legen seyn. 


Bei jedem @Quincunx lassen sich nun aber ausser den 


“) Es ist diess wesentlich dieselbe Verschiedenheit, welche Braun 
durch die Wendel naclı dem kurzen und langen Wege bestimmt. 


417 


beiden primären @uincuneial-Linien eine grosse Menge 
sekundärer @uincuneial-Linien nachweisen, von welchen 


et a 
nach Maasgabe der verschiedenen Werthe von —, a und b, 
m 


bald diese, bald jene deutlicher in das Auge fallen; ja sehr 
häufig kommt es vor, dass dergleichen sekundäre @uincun- 
cialen weit eminenter hervortreten,' als die Directrix 
selbst, und in solehen Fällen kann bisweilen die Auffindung 
des Grundgesetzes etwas schwierig werden. Braun hat bei 
seinen Untersuchungen auf diese Verhältnisse vielfach auf- 
merksam gemacht und Regein angegeben, wie die primäre 
Wendel aus den sekundären aufgefunden werden kann. Die 
allgemeine Gleichung dieser sekundären @uineuneialen ist - 
x 
(sm—ın)a mr rt 

wo s und r gewisse Zahlen sind, die sich für verschiedene 
@nuincuneialen verschiedentlich bestimmen. 

Schon die Sigillarien lassen nicht selten dergleichen 
Verhältnisse wahrnehmen; weit häufiger sind sie aber bei 
den Lepidodendra, weil diese gewöhnlich einen zusammen- 
gesetzten Quineunx besitzen, und gerade in solchen die Be- 
dingungen zur Ausbildung einer grossen Manchfaltigkeit von 
sekundären Quineuneialen gegeben sind. So hat z. B. Le- 
pidodendron aculeatum Srrec. einen Fundamental-@uin- 
cunx nach £- (also denselben, welcher von Braun für so viele 
lebende Koniferen als der herrschende erkannt worden ist), 
während doch gewöhnlich zwei sekundäre @uincuneialen 
viel bestimmter hervortreten, deren eine nach #, die an- 
dere nach #, gebildet ist. 

Es lassen sich ganz allgemeine Regeln und Formeln für 
die Auffindung derjenigen sekundären @uincuncialen auf- 


n 
stellen, welche bei bestimmten Werthen von mi) und b 


das Maximum der Deutlichkeit und daher einen besonders 
eminenten Charakter zeigen müssen. Indessen muss ich die 
Bekanntmachang dieser und anderweiter Untersuchungen 


einer späteren Arbeit vorbehalten, 
—— nn Der — 


| | Über 
die Blattstellung der Gewächse, 
mit Beziehung auf die fossilen Formen und die vorangehende 
Abhandlung, 
von 


Hrn. Prof. ALEX. BRAUN 
in Carlsruhe. 


Aus einem Briefe an Professor Bkoxn. 


m 


Es war mir erfreulich zu schen, dass auch von Seiten 
der Versteinerungs-Kunde nun ein Anfang gegeben ist zur 
Erforschung der Blattstellungs- Verhältnisse einer unterge- 
gangenen Pflanzen- Welt, in welcher in dieser Beziehung 
gewiss noch Vieles aufzudecken ist; besonders erfreulich 
aber war es mir zu sehen, wie ein Mann, den ieh dureh 
seine geistvolle Behandlung der Krystallographie kennen 
und ehren gelernt habe, die Sache auf neue Weise aufzu- 
fassen und darzustellen sucht. In Verlegenheit wurde ich 
anderseits durch Ihre Bitte um vergleichende Mittheilung 
meiner Betrachtungs-Weise gesetzt, weil ich bald sah, dass 
dieser Gegenstand nicht so leicht und kurz behandelt wer- 
den kann, und dass er, wenn er gründlicher behandelt 
werden sollte, was wieder ohne Figuren kaum möglich wäre, 
das Maas überschreiten würde, das einer bloss gelegenheit- 
lichen Notitz in Ihrem Jahrbuche angemessen wäre. Ich 
muss mich daher auf sehr wenige Bemerkungen beschränken. 

Die NaumAnwssche Methode die Blattstellung zu beur- 
theilen hat sich an der Betrachtung fossiler Stämme ent- 
wickelt, welche äusserst selten ihrem ganzen Umfange nach 


419 


gegeben sind; sie geht darauf aus auch an dem blossen 
Fragment das Gesetz der Blattstellung zu erkennen, wozu 
bisher die Möglichkeit noch nicht gezeigt wurde. Sie glaubt 
diese Möglichkeit gefunden zu haben durch die Bestimmung 
des Quineuns, welche mit Sicherheit geschehen kann, sobald 
so viele Längszeilen vorhanden sind, dass die Wiederkehr 
von Punkten in derselben Horizontalen gesehen werden kann. 

| | | | 


en | 

®); 

| | 
| 

| 


| 
| | 
a 1 RR VL EI 
ee 
elta | 
In vorstehender Figur ist ein Beispiel gegeben, bei 
welchem wenigstens sechs aneinander grenzende Längszeilen 
der Beobachtung zugänglich seyn müssen, weil erst in der 
sechsten wieder Punkte gegeben sind, die in dieselbe Hori- 
zontale mit den Punkten der ersten Zeile fallen, so dass 
die Puukte jeder ersten und sechsten Zeile die Grenz- 
Punkte des Quineunx bilden. Die in das so durch 4 Punkte 
begrenzte Feld des Quincunx fallenden eingeschlossenen 
Punkte müssen nun die Natur des Quincunx näher bestim- 
men. An dem gegebenen Beispiel zeigen sie uns, dass die 
Distanz je zweier Punkte einer Längszeile in 5 Theile ge- 
theilt werden muss, und dass die zweite oder Nachbar- 
Zeile in dem Maas (wie sich Naumann ausdrückt) „ver- 
sehoben“ ist gegen die erste, dass ihre Punkte zu denen 
der ersten in 2 oder 2 Distanzen (je nachdem man die Ver- 
schiebung nach der einen oder nach der andern Seite — 
oder auch aufsteigend oder absteigend bemisst) sich befinden. 
‚Einen solchen @uineunx nennt Naumann einen binoquinären: 
er lässt sich einfach durch den Bruch 2 (oder 2) ausdrücken. 
Mit einem gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit wird das 
Quineuneial- Gesetz schon bestimmt werden können, wenn 
bloss zwei benachbarte Zeilen gegeben sind; nur fehlt als- 
dann dem durch wirkliche Messung zu gewinnenden 


420 


Resultat gleichsam der natürliche Beweis, denn erst durch die 
sichtbare Wiederkehr von Punkten in derselben Horizontalen 
zeigt sich deutlich in wie vielen Längszeilen und auf welehe 
Weise sich das Gesetz des Auinceunx erfüllt. 

Es entsteht nun die Frage, ob durch diese Bestimmungs- 
Weise wirklich eine Methode gefunden ist, nach welcher 
sieh das Blattstellungs-Gesetz aus einem blossen Fragment, 
ohne Kenntniss’ des ganzen Umfanges des Stengels bestim- 
men lässt, oder mit anderen Worten, ob der dureh die 
Quineuneial- Bestimmung gefundene Ausdruck genügt, ob 
die Bestimmung dadurch erschöpft ist® leh kann diese 
Frage nicht anders als verneinend beantworten. Die Quin- 
euncial- Bestimmung ist zwar bei Fragmenten die einzig 
mögliche, sie hat daher ihren Werth und ihre Wichtigkeit; 
aber sie gibt das Gesetz der Blattstellung nicht ganz, und 
es gibt überhaupt durchaus keine Methode, die das Gesetz 
ganz geben kann, wenn der Umfang des Stengels unbekannt 
ist. Nur wenn die Grösse des Umfangs bekannt ist, kann 
aus dem einseitigen Fragment das Blattstellungs - Gesetz 
ganz bestimmt werden. Bei der Naumann’sehen @uineun- 
eial-Bestimmung bleibt es zweifelhaft, wie oft ein gewisser 
Quineunx sich im Umfang wiederholt; es wird als gleich- 
gültig betrachtet, wie oft die bestimmte Zahl der Zeilen, in 
denen sich das Gesetz desselben erfüllt, nebeneinander 
liegt. Diess ist aber in der Natur nicht gleichgültig! Die 
Pflanze zeigt hierin Bestimmtheit, es fehlt also der Bestim- 
mung der Blattstellung noch etwas Wesentliches, wenn 
dieser Punkt nicht mit in den Ausdruck des Gesetzes auf- 
genommen wird. Die Zahl der zyklischen Wiederholungen 
der Länge nach lässt sich mit Recht als unwesentlich und 
mehr oder weniger zufällig betrachten; aber nieht mit dem- 
selben Rechte kann die Wiederholung des @uincunx im 
Umkreis des Stengels oder der Breite nach als unwesent- 
lich betrachtet werden, denn in ihrem Längen- Wachsthum 
kann die Pflanze wohl unbeschlossen seyn, im Umkreis aber 
ist sie jederzeit bestimmt abgeschlossen, 


421 


Die Frage, ob die Naumann’sche Quincuncial-Bestimmung, 
oder ‚ob ‘die Bestimmung der Divergenz nach der Grund- 
Wendel die der Natur angemessene Ausdrucks - Weise des 
Blattstellungs-Gesetzes abgebe,. führt offenbar auf die Un- 
tersuchung des Baus der Pflanze überhaupt, namentlich aber 
auf die Untersuchung der Genesis der Blätter zurück. Diese 
Seite der Untersuchung lässt ‚sich jedoch nicht mit einigen 
kurzen Bemerkungen abhandeln, und ich kann um so weni- 
ger darauf eingehen, als die, wie ich glaube, allein ‚richtige 
Theorie des Bildungs - Prozesses der Blätter, in welcher 
zugleich der wahre Schlüssel für die Blattstellungs-Gesetze 
gegeben ist, von ihrem Entdecker C. Scuimper noch nicht 
veröffentlicht worden ist. Ich begnüge mich ‘daher auf 
meine Andeutung hierüber *) zu verweisen und knüpfe hier 
nur noch einige von der Betrachtung des @uincunx selbst 
ausgehende Bemerkungen an. 

Die @uincuneial - Methode geht von der senkrechten 
Zeile aus, von ihr aus. die horizontale Reihe aufsuchend; 
die Konstruktion nach der Grund- Wendel erhebt sich vom 
horizontalen: Kreis und betrachtet die senkrechte als das 
letzte Resultat der spiraligen Anordnung. Wie es nun bei 
komplizirteren Stellungs- Verhältnissen häufig nicht leicht 
ist, die senkrechte Zeile, die bei der Bestimmung der 
Grund-Spirale nach den diagnostischen Zeilen den Ausschlag 
gibt, mit Bestimmtheit zu erkennen, was wohl hauptsächlich 
die Bravaıs’sche Annahme einer spiraligen Anordnung mit 
irrationaler Divergenz der Blätter („feuilles curviseriees“) 
veranlasst haben mag, so ist es noch viel schwieriger in 
ähnlichen Fällen die horizontale zu finden, die bei der 
Quineuncial- Bestimmung den Ausschlag gibt. Gehen wir 
der Ursache dieser Schwierigkeit weiter nach, so finden 
wir, dass bei weitem die Mehrzahl der lebenden Gewächse 
sölehe Anordnungen der Blätter besitzen, bei welchen .das 
Aufsuchen der Horizontalen auf das Blatt oder den Punkt, 


von dem ich ausgegangen, zurückführt, indem nämlich in 


*) In der Regensburger Flora 1835. I. S. 152— 151. 


422 


einer Horizontalen immer nur 1 Bftt sich befindet. Man 
macht sich leicht eine Vorstellung von dem hier Gesagten, 
wenn man das oben im Text gegebene Figürchen des 'bino- 
quinären @Quincunx seitlich rollend in einen Cylinder ver- 
wandelt, und zwar so, dass die zwei Grenz-Linien in eine 
zusammenfallen. Man hat alsdann, spiralig betrachtet, die 
2Stellung oder, nach dem langen Weg ausgedrückt, 3Stel- 
lung, jenes so bekannte Stellungs-Verhältniss, das in einem 
von der Naumann’schen Anwendung dieses Wertes abwei- 
chenden Sinne seit Boxnser von den Botanikern Quineunz 
genannt wurde. Nach der Naumann'schen @uincuneial- 
Bestimmung erhalten wir dafür denselben Bruch, es ist ein 
Quincunx nach 2 (oder 2). Da hier beide Methoden zu 
demselben Ausdruck führen, so könnte man glauben, es sey 
gleichgültig und willkürlich, welcher Methode man folge. 
Es ist dem aber nicht so. Nur bei einer gewissen Reihe 
von Blattstellungs - Verhältnissen ist die Quineuneial-Distanz 
gleich der Spiral-Divergenz, nämlich nur bei den einumläuft- 
gen Blatt-Stellungen (dem einfachen Quincunx NAUMARN’s) 
z.B. 4, 4,1, 1 ...., und von mehrumläufigen (@uincunx 
compositus N.) bei denen, welche der Kette 2, 3, „u & »-- 
angehören. Bloss diese lassen sieh gleiehsam umstürzen, 
ohne dadurch verändert zu werden, wie man an dem obigen 
Figürchen der 28Stellung sehen kann, das dasselbe bleibt, 
wenn man die vertikalen Linien zu horizontalen und um- 
gekehrt macht. Macht man dieselbe Probe mit anderen 
Stellungs-Verhältnissen, so trifft diess nicht zu; 2 (oder 3) 
Spiral-Stellung z. B. erscheint von der senkrechten aus be- 
trachtet als 2 (oder #) @uineunx und vice versa, was seine- 
einfache Regel hat, die ich jedoch hier übergehe, da es mir 
bloss darum zu thun war zu zeigen, dass die Ausdrücke 
nicht überall zusammenfallen. | 

Eine letzte Bemerkung mag zeigen, dass es, auch ab- 
gesehen von dem oben angedeuteten physiologischen Gesichts- 
Punkt, Gründe gibt, die der Bestimmung nach der Spirale 
gegen die Quineuneial-Bestimmung das Wort reden. Ich 


423 


finde diese Gründe in der vollkommneren Zusammenstimmung 
der Ausdrücke für die verschiedenen bei einer und dersel- 
ben Pflanzen - Spezies zu findenden Stellungs - Verhältnisse, 
so wie ich denn überhaupt in der Erforschung der Gesetze 
des Variirens der Blatt-Stellung den sichersten Anhalt zur 
Vertheidigung der Spiral-Theorie mit rationalen Divergenzen 
gegen alle davon abweichenden Theorien, wie z. B, die 
oben erwähnte Bravaıs’sche, ferner die neuerdings von Lınk 
wieder vertheidigte Annahme der ursprünglich Quirl-artigen 
Anordnung der Blätter, und so denn endlich auch gegen 
die @uineuneial-Theorie finde. Um mich von dem speziellen 
Gegenstande der Naumann’schen Abhandlung nicht allzusehr 
zu entfernen, will ich, von .dem übrigen Pflanzen - Reich 
Umgang nehmend, nur einige hieher gehörige eigene Beob- 
achtungen an Sigillaria, mit Hinweisung auf: analoge Er- 
scheinungen bei den lebenden Farnen und Farn-ähnlichen 
Gewächsen, mittheilen. 

Im Jahr 1831 hatte ich Gelegenheit in Si. Ingbert einen 
grösseren fast 11° dieken Stamm einer Sigillaria (wahr- 
scheinlich S. Cortei oder S. mammillaris A. Broxen.) 
zu untersuchen. Derselbe war zwar ziemlich plattgedrückt, 
aber dabei ringsum so erhalten, dass die vollständige. Ab- 
zählung der -diagnostischen Zeilen möglich war. ' In ver- 
schiedener Höhe fand ich an demselben erstlich 42, 43, 85 
‘(d. h. 42 schiefe nach der einen, 43 schiefe nach der an- 
dern und 85 zwischen diesen diagonale senkrechte Zeilen); 
ferner 43, 43, 86; endlich 43, 44, 87. Betrachten wir 
diesen Fall nach der @uincuncial-Methode: die Zeilen 42, 
43, 85 entsprechen einem Quincunx mit der @uincuncial- 
Distanz $2 (oder #3); die Zeilen 43, 44, 87 geben einen 
@uineunx nach #3 (oder #4); die Zeilen 43, 43, 86 dagegen 
geben einen einfachen Binär-@uincunx, also @uincuncial- 
Distanz 4. Welche Unnatürlichkeit! möchte man hier denken: 
das eine Mal ein @nineunx, dessen Gesetz sich schon in 
2 Zeilen erfüllt, das andere Mal @uincuneial-Stellungen, 
welche erst in 85 und 87 Zeilen ihr Gesetz erfüllen! Das 


424 


eine Mal derselbe Quincunxz 43 Mal im Umkreis sich 'wieder- 
holend, die anderen Male der Quincunx die ganze Peripherie 
ohne Wiederholung einnehmend, und diess nicht nur bei 
derselben Spezies, nein an demselben :Stämm.: Das schein- 
bar unvereinbare in diesen 3 Stellungs - Verhältnissen ist 
aber nur Folge der @uincuncial-Methode.‘. Nach der 'Spiral- 
Bestimmung lassen sich die 3 Verhältnisse so: ausdrücken, 
dass ihre Zusammengehörigkeit sogleich ins Auge springt. 
42, 43, 85 sind die Zeilen der 2,Stellung;'43, 44, 87 sind 
die Zeilen der „Stellung; 43, 43, S6 wird erzeugt durch 
abwechselnde 43gliedrige  Quirle; diese @uirle aber sind 
das Resultat einer Cyklen-weise absetzenden Spirale mit 
der’ Divergenz 7};, oder, wie man hier, weil durch »den 
prosenthetischen *) Übergang von einem @uirl zum andern 
eine Eintheilung des Umkreises in 86 Theile gegeben ist, 
besser sagen muss, mit 2; Divergenz. In diesen Ausdrücken: 
En En 37 ist der natürliche Zusammenhang der 3 Verhält- 
nisse klar; es ist sichtbar, dass die scheinbar unvereinbare 
Quirl-Stellung (der 4 Quincunx) das notliwendige Mittelglied 
zwischen den 2 beobachteten fortlaufenden Spiral-Stellungen 
ist. Dieselbe Art des Variirens zeigen die lebenden Baum- 
Farnen und Lykopodiaceen: Lyeopodium annotinuim 
z. B. zeigt 2, 3, „5; „7, und „4 Stellung, darnaeh also 8- 
bis 12zeilige Blätter; nach der Quincuneial-Bestimmung aber 
erundi ze @uincunx. Ich enthalte mich mehre Beispiele 
der Art anzuführen. Meine Beobachtungen 'an' fossilen 
Stämmen sind leider noch wenig zahlreich; doch haben mir 
die wenigen, die ich sammeln konnte, hinreichend gezeigt, 
dass die untergegangene Pflanzen- Welt früherer Epochen 
in mancherlei abweichenden Reihen von Blattstellungs-Ver- 
hältnissen weit über die lebende Pflanzen-Welt hinausgeht. 
Bei lebenden Baum- Farnen sind mir aus der ‚Reihe der 
zweiumläufigen die Stellungen $, 3, 3, %, HH ss» m m 
Bar Fr Sa in #5 bekannt; A. Bronsntarr führt auch 24 


*) Vergleiche bot. Zeitung, 1835, I, S. 161. 


425 


Zeilen bei lebenden Baum-Farnen an, wahrscheinlich nach 
25; bei lebenden Lykopodien sind mir die Blatt-Stellungen 
dieser Reihe nicht weiter als bis „5 vorgekommen. Die 
fossilen Farn-ähnlichen Gewächse werden gewiss die Reihe 
bis zu den an der Sigillaria von Sf. Ingbert beobachteten 
Gliedern nicht nur ausfüllen, sondern auch noch weiter 
fortführen, da BroneniaRt angibt, dass er bis auf 100 Zei- 
len bei ganzen Sigillarien-Stämmen gezählt habe. Die Ver- 
 gleichung der lebenden und fossilen Equisetaceen liefert 
ein ähnliches Beispiel, nur mit dem Unterschied , dass die 
fortlaufenden Spiral- Stellungen in dieser Familie nur als 
höchst seltene Ausnahmen erseheinen. Unter den lebenden 
Equisetum-Arten zeigen die höchsten Zahlen der einen 
@uirl bildenden Blättehen E. hiemale mit 6—23 (je nach 
den Varietäten und der Stärke der Exemplare), E. limo- 
sum mit 10—22, E. eburneum mit 12—40, E. myrio- 
chaeton mit 30—36, E. robustum mihi (aus Ostindien) 
mit 34—35, E. giganteum (aus Westindien) mit 20—42. 
Da die Quirle miteinander alterniren, so entsteht die dop- 
pelte Zahl der Zeilen, das Maximum wäre also 84 senk- 
rechte Zeilen (& St.). Equisetum columnare aus dem 
Keuper hat mir an verschiedenen Exemplaren SS, 118 und 
120 Blätter der alternirenden Quirle gezeigt; ein Exemplar 
von Calamites Suceowii 132; das Exemplar von C. gi- 
gas im Mannheimer Museum 190. Das beobachtete Maxi- 
mum unter den fossilen Equisetaceen, „4, Stellung 
(oder, wegen der Alternation der Quirle, besser „3, Stel- 
lung) übersteigt ‚somit das Maximum, das an lebenden be- 
obachtet wurde, beinahe um das Fünffache! 

Zum Schlusse sey mir noch eine Bemerkung über die 
‚Bestimmung dieser Verhältnisse nach Abbildungen er- 
laubt. Ich halte dieselbe für sehr gewagt und unsicher, 
wenn die Abbildungen nämlich nicht mit besonderer, be- 
wusster Rücksicht auf Blattstellungs- Verhältnisse verfertigt 
sind. 


Briefwechsel. 5 


«Ze 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
‚gerichtet. 


Weimar, 8. April 1842. 


Meine Frühjahrs- Wanderungen führten mich in einem Umkreise 


von 2 bis 3 Meilen von bier hauptsächlich in die Gebiete des Keupers, 


Muschelkalks und Bunten Sandsteines. Von dem Städtchen Kranichfeld 
an der Ilm nahm ich meinen Weg über die Gebirgs- Ebene zwischen 
dem IIm-Grunde und dem Saal- Thale. Dort hatte ich den Bunten 
Sandstein verlassen und folgte nun der weiten Verbreitung des Mu- 


schelkaiks. Wie in der Regel, so auch hier, folgte ich keinem bestimm- 


_ ten Wege, sondern bald einen Fusspfade, bald einen Graben oder einer 


Schlucht , wie solche von der Wasserscheide aus einem der genannten 
Fluss-Gebiete sich zuwenden; bald erstieg ich auch einen der Kalk- 
Abhänge und überschritt seinen Rücken. In 'der:Nähe eines auf der 
Höhe gelegenen Dorfes und mehrer kleiner Teiche hatte ich eben eiuen 
Fusspfad verlassen, dessen sehr lettige Oberschicht von der März-Luft 


 ausgetrocknet in Kreuz- und Queer-Sprüngen ganz zerrissen erschien, 


und mich einer dem Saal - T’hale zuführenden, zu beiden Seiten von 


mehr als 100° hohen Kalk - Auflagerungen begrenzten Schlucht zuge- 


wendet, als mir der Gedanke beikam: Wie, wenn das Meer, aus wel- 
chem sich diese Kalk-Schichten unstreitig niedergeschlagen haben, erst 


vor Kurzem sich zurückgezogen hätte und daher diese ziemlich horizon- 


tal gelagerten Schichten sich noch in weichem Zustande befänden, wie 
würden bei Einwirkung gesteigerter Wärme der Atmosphäre, «welche _ 
wir in der geologischen Zeit jener Kalk-Ablagerung aus mehrfacher Be- 
ziebung zu folgern berechtigt sind, wie würden sich diese mächtigen 
Kalk-Ablagerungen, der Beschaffenheit des von mir so eben verlassenen 
Fusspfades gegenüber, verhalten, da die Letten-Schicht desselben durch 
die Frühjahrs-Witterung höchstens einige Fuss tief durchnässt gewesen 


‚seyn mag, wogegen jene Kalk - Ablagerungen in einer Mächtigkeit von 


mehr als 100° die weiche” Eigenschaft des Meeres - Schlammes gehabt 
haben müssen? 


427 


Die trocknenden un‘ darum erhärtenden Kalk - Lager würden ün- 
streitig ebenfalls Risse bekommen müssen, welche, bei der Mächtigkeit 
der Schlamm- Auflagerungen und der gesteigerten Almosphär- und Erd- 
Wärme, im Fortschreiten des Austrocknens bald als weite Spalten, a 
Klüfte erscheinen würden. In vielen und zwar den tieferen derselben 
würden sich Quellen bilden; die Quellen - Abflüsse, durch jene Klüfte 
sich Wege bahnend, würden sich zu Bächen vereitigen und diese end- 
lich zu Flüssen. Die Ufer der Bäche, die steilen :Abhänge ünserer 
Spalten, würden bald äls tiefe Schluchten erscheiner ; die schroffen 
Gehänge dieser, wenigstens ein grosser Theil derselben, würden sich 
bald von ihren Haltepunkten lösen und in die Tiefe hinabstürzen:; un- 
sere Spalten würden sich zu tiefen 'Thälern erweitern, dürch welche 
die Flüsse ihren Weg weiter suchen, 

Je länger ich in der von mir betretenen Gegend weilte, je aufinerk- 
samer ich von einer der erstiegenen Kalk - Höhen hinab in das Saal= 
Thal und hinüber in die vielen Schluchten und Seiten - Thäler blickte, 
welche dem Saale-Fluss neue Wasser- Mengen zuführen, um so mehr 
Wahrscheinliches glaubte ich für meitien Gedanken zu finden. Es ist 
unleugbar, dass, so einförmig auch die hochgelegenen Gegenden und 
flachen Weitungen des Muschelkalks sind, die Fluss-Gebiete dessel- 
ben ilır Eigenthümliches, dem von mir entworfenen Bilde Entsprechendes 
‘ finden lassen; wenigstens zeigt sich diess in dem von mir so eben 
betretenen Gebiet der Saale mit seinem 3 bis 400° hohen, zum grossen 
Theil sehr steilen Fels-Gehängen, und ich habe solches auch in den 
Muschelkalk-Regionen des Werra-Thules überall beobachtet. 

Da mieines Wissens eine ähnliche auf die ursprüngliche Auströck: 
nung nepfunischer Abläßerungen basirte Erklärung der Zerklüftung und 
Thal-Bildüng, wie ich sie hier in Bezug auf den Muschelkalk versucht 
habe, noch nicht gegeben worden ist |?], so erlaube ich mir, Ihnen meine 
in flüchtigem Gedanken gefasste Meinung mwitzütheilen. Ich brauche 
wohl kaum zu erwähnen, dass ich von solchen Berg- und Thal-Bildungen, 
Gebirgs-Zerreissungen und - Trennungen, welche durch Erbebang pluto- 
nischer Massen aus dem Erd-Innern entstanden Sind und sich durch 
Aufrichtung ihrer Schichten und Verrückung derselben beurkunden, 
hierbei ganz absehe; diese geologischen Ereignisse stehen in ihrer ei- 
&enthümlichen Grösse und Bedeutsamkeit für sich. Als Erscheinungen 
für sich bleiben auch Abspülungen und Auswaschungen, welche durch 
Wasser- Strömungen in späterem Wechsel von Wasser -Bedecküngen 
ihre Veranlassungen gefunden haben. Viele Thäler mögen wohl das 
zusammengesetzte Ergebniss der hier benannten Kräfte und Wirkungen 
seyn. An diese geologische Phantasie knüpfe ich eine zweite. Ich 
wurde nämlich von einem Kreise meiner Bekannten vor Kurzeni aufge- 
fordert, einen Vortrag über das Vorkommen von Stein - und Brauv- 
Kohlen zu geben. Hierbei hielt ich es für nötbig, eine kürze Andeütung 
der wichtigsten Momente in der Bildungs- Geschichte der Erde voraus- 
zuschicken und wurde dabei auf den früheren Wechsel von Festland 

Jahrgang 1842. 35. 


428 


und Wasser-Bedeckung geführt und dadurch zu dem Gedanken verlei- 
tet, dass in der Reihe der neptunischen oder Schicht- Gebirge ein re- 
gelmäsiger Wechsel von Land- und Meeres - Bıldungen herrschen 
müsse, wenn ich nämlieb diejenigen Gebirgs-Formationen, welche durch 
eine auf dem Festland erst folgende Wasser-Bedeckung gebildet worden 
sind, als Land-Bildungen und diejenigen, welche aus der früheren 
Wasser - Bedeckung oder dem Meere sich niedergeschlagen haben, als 
Meeres-Bildungen bezeichne. 

Die ältesten neptunischen Ablagerungen als diejenigen, welche nach 
der ersten Wasser-Bedeekung des Erdballs und der ersten Einwirkung 
des Wassers auf der Erd-Oberfläche, nach Auflösung, Zertrümmerung etc, 
derselben, nach Wechselwirkung der erkaltenden Erd-Kruste und der 
darauf sich niedergeschlagenen Wasser-Mengen, aus dem Urnieere, wenn 
ich so sagen darf, sich absetzte, erschienen mir als Meeres-Bildungen; 
es sind diess die sogenannten Übergangs-G ebilde mit ihren Resten 
von Wasser - Pflanzen (Algen). Der erste Wechsel von Festlaud und 
Wasser-Bedeckung in Folge von Gebirgs-Erhebungen in einzelnen Thei- 
len der Erd-Oberfläche liess die älteste Land-Bildung, die Steinkohlen- 
Formatien mit dem Todtliegenden entstehen. Aus dem ruhig 
gewordenen Meere setzte sich hierauf die zweite Meeres-Bildung ab, 
es entstund die Zechstein-Gruppe. 

In dieser Weise fortschliessend erschien nur der Bunte Sand- 
stein als Land - Bildung; der Muschelkalk unbestritten als Meeres- 
Bildung; die Keuper-Schichten wieder als Land-Bildung; die Lias- 
und Jura-Formation als Meeres-Bildung. Die Wälder- und Hils- 
thon-Gruppe (mit dem Eisensand und Purbeck -Kalk) erschien mir 
als eine nun folgende Land - Bildung, welcher ich auch die unteren 
Grünsand-Schichten beizäblte, und der Obergrünsand und die Kreide 
ergab sich als Meeres-Bildung. Die tertiären Gebilde erachtete ich 
zum grössten Theil als Land-Bildung. In diesen Betrachtungen glaubte 
ich einen sicheren Grund für die Bestimmung des Vorkommens von 
Schwarz- und Braun-Kohlen zu finden, indem sich solches nothwendig 
an das Vorkommen einer Land-Bildung anschliessen muss. ' 

Die Authrazit- Lager des Grauwacke - Gebirges schrieb ich einer 
reichen Wasser-Flora zu und weiter ergaben sich die ältere Steinkoblen- 
Formation, die Keuper-Schichten, die Wälder- und. Hilsthon-Gıuppe und 
die tertiären Ablagerungen (letzte wenigstens zum grossen Theil) als 
solche, denen Steinkoblen und bezüglich Braunkohlen eigen sind; nur 
in dem Bunten Sandsteiue fand ich einen Stein des Anstosses, obgleich 
das Vorkommen von Resten tropischer Pflanzen in den mittlen, fein- 
körnigen Abtheilungen desselben meiner Meinung zu entsprechen schien, 
Das Vorkommen von Seethier - Resten in den Laud - Bildungen konnte 
übrigens nicht befremden, da solche mit den Meeres-Wassern dem Fest- 
lande nothwendig zugeführt werden mussten. 


Dr. 6. Heresrt. 


429 


Berlin, 14. April 1842. 

Im verflossenen Sommer gelang es mir endlich eine leitende Ver- 
steinerung in dem Nummuliten - Dolomit aufzufinden, die sein Alter be- 
stimmt. Was früher Lagerungs - Verhältnisse ausser Zweifel gesetzt 
haben, wird jetzt von einer anderen Seite bestätigt. Der Nummuliten- 
Dolomit lagert nämlich gleiebförmig in der Tatra und in dem weiter 
südlich parallelen Zuge, Nizne Tatry genannt , mit dem grauen Alpen- 
Kalk und dem bedeckenden Karpathen - Sandstein. In vielen Profilen 
kann man die Schichten dieser drei Gebirgsarten mit gleichem Fallen 
und Streichen beobachten, Der Numinuliten - Dolomit bildet also das 
Mittelglied zwisehen den genannten Gebilden. Der Tatrische Alpen- 
Kalk entspricht dem Lias, wie ich es früher bewiesen; der Karpathen- 
Sandstein wohl den unteren Gliedern des mittlen Jura oder dem In- 
ferior-Oolit. Darin fand ich folgende charakteristische Versteinerungen 
neben vielen unbekannten: Ammonites Murchisonae, A. Cony- 
beari, A.radians, Belemnites brevis, Avicula inaegquivalvis, 
Aptychus lamellosus; den letzten öfters in unendlicher Menge an- 
gehäuft, so dass er ein Konglomerat bildet. Somit müssen die Nummu- 
liten in eine viel ältere Schicht herabgezogen werden. Aus tertiären 
Gebilden sind sie in die Kreide übergegangen und gegenwärtig in den 
Lias. Die mit den Nummuliten vorkommenden Versteinerungen in der 
Tatra haben eine ganz eigenthümliche Physiogunomie; ihre Formen 
reihen sich nieht an die bekannten an; es sind besonders verschiedene 
Spezies von Peeten, dann Ostrea, aber niemals ist mir eine Grry- 
phaea vorgekommen, und da ich diese Gegenden mehrmals sehr genau 
untersucht, so glaube ich, dass diese Augabe auf einem Irrtum beruht. 
Die neu aufgefundene Versteinerung, dem Lias eigenthünlich, ist Te- 
rebratula numismalis; sie findet sich ziemlich häufig bei Zukopane 
im Berge Regiel witten zwischen Nummuliten und Pecten. Nicht alle 
Exemplare dieser Terebratel tragen jedoch den Charakter der Cincten; 
— Individuen mit deutlich ausgesprochenen Rippen, die sich in der 
Stirn zu einem Reife verbinden, finden sich seltener; für gewöhnlich 
sind sie glatt, etwas stärker gewölbt als die Schwäbischen von Boll, 
und werden vollkommen der Varietät von Rothhoff am Klei bei Braun- 
schweig ähnlich. Die ganz glatte Varietät ohne Rippen und Sinus 
konnte man verwechseln mit T. carnea, aber stets hat die T. numis- 
malis ein ihr eigenthümliches Kennzeichen, wodurch sie sich leicht unter- 
scheidet; eine scharfe Kante zieht sich vom Schnabel an der Oberschaale 
gegen das Ende der Schloss-Kanten; bei T. carnea ist diese Kante 
niemals, die Schaale fällt sanft ab. Gewöhnlich ist T. numismalis 
eben so breit als lang; zwar selten kommen auch Exemplare bei Zuk0- 
pane vor, die verlängert fremdartig aussehen , bei denen die Länge zur 
Breite sich verhält wie 100:70. Immer bleibt die scharfe Kante kon- 
stant, und in einer grösseren Anzahl von Exemplaren lässt sich ein 
Übergang verfolgen von den glatten und länglichen in die deutlich geripp- 
ten Cineten. Alle diese Abänderungen reihen sich der T.numismälis an. 

as * 


430 


Obgleich Pusen durch Lagerungs-Verhältnisse geleitet den schwar- 
zen Kalkstein von Krzeszowice für Berg- oder Kohlen-Kalk bestimmte, 
so fand dennoch diese Ausicht keine vollkommene Anerkennung, und es 
erhoben sich dagegen Zweifel von vielen Seiten. Dazu wird man auch 
ziemlich berechtigt. Wie sollte nämlich dieses Gebilde, auf wenige 
Theile von Europa beschränkt, in weiter Entfernung als eine abge- 
sonderte Insel hervortreten, mebr als 100 Meilen von den Belgischen 
oder Russischen Kohlen -Kalken entfernt; und darum war man geneigt, 
den KÄrzeszowicer Kalkstein mit dem Übergangs-Gebirge von Polen zu 
verbinden, : Die von Hrn. Pusca angeführten Versteinerungen sind nicht 
hinlänglich, um ein Glied aus dem Übergangs-Gebirge zu unterscheiden. 
Ähnlich verhält es sich mit den Lagerungs- Verhältnissen des Koblen- 
Sandsteins: er wird bedeckt beinahe durch alle Formationen, die sich 
bei Krzeszowice finden. Nördlich von Czatkowice bedeckt ihn Koblen- 
Sandstein, wie auch bei der Vereinigung des Czerna-Thales wit dem 
von Gorenice; entlang dem Rücken, der sich oberhalb des Dorfes Ozerna 
zieht, bedeckt den in der Thal-Sohle hervorragenden Bergkalk Dolomit 
des Muschelkalkes, der viele Knochen von Sauriern enthält; — bei 
Dembrik ist weisser Mergel, der charakteristische Jura-Versteinerungen 
führt, als A. biplex, A. polyplocus, Insel-artig auf dem Bergkalke 
aufgesetzt. Die meisten Mergel gehören nach L. v. Buch zur unteren 
Abtheilung des weissen Jurakalkes (Coralrag) und finden sich weiter 
sehr ausgebreitet in Sanka, Krzeszowice, wo sie nicht zu unterscheiden 
von denen in der Schwäbischen Alp bei Urach. Alles deutet darauf, 
dass der schwarze Kalkstein von Krzeszowice früher abgelagert war, 
als alle späteren Formationen. Die kalkigen Konglomerate entstanden 
auch daraus, da sie aus abgerundeten Stücken von grauem oder brau- 
nem Kalkstein bestehen. i 

Von der anderen Seite haben die dunklen Krzeszowicer Kalksteine 
alle äusseren Charaktere des Bergkalkes. Für gewöhnlich sind sie ganz 
rein , dicht ,.manche Abänderungen schimmern auf den flachmuscheligen 
Bruchflächen. Dunkle Farben herrschen vor, aber sie ziehen sich in 
lichte. Schwarz und Braun ist die gewöhnliche Farbe, seltener finden 
sich rothe, lilarothe , lichtbraune und graue. . Bedeutende Brüche sind 
ia der schwarzen Abänderung angelegt bei Dembrik,. sie haben das 
Material zum Ausschmücken der Kirchen von Krakau gegeben; auch 
in der Lila-farbigen Abänderung ist ein Bruch angelegt von der. Gräfin 
Porocka und sind damit die Wände ausgekleidet in der neuen Dom-Kapelle. 

Selten durchziehen die schwarze und braune. Abänderung. weisse 
Adern von Kalkspath, die sich ausnahmsweise erweitern zu Drusen, 
ausgefüllt mit Krystallen. Bei Dubdie findet sich im grauen Kalksteine 
eingewachsen schwarzer Hornstein in parallelen Streifen. Ausser 
Schwefelkies, der in kleinen Punkten eingesprengt ist, kommen keine 
andern metallischen Mineralien vor. 

Gewöhnlich ist dieser Kalkstein in mächtige Scehichtev abgesondert, von 
3—6’ und im allgemeinen stark geneigt, was Pusch ausführlicher beschreibt. 


451 


Wenn auch diese Charaktere viel Übereinstimmendes mit dem Berg- 
kalke zeigen, so fehlten doch paläontologische Beweise, Die von Pusch 
angeführten Versteinerungen sind zu wenig charakteristisch, um Ab- 
theilungen einer Formation zu unterscheiden, Als ich vor Kurzem dieses 
Gebilde von neuem untersuchte, so ergab sich, dass diese Kalksteine 
an mehren Punkten Petrefakte führen, die zugleich beweisen, dass 
derselbe entschieden dem Bergkalke angehört. Es sind folgende: 1) Pro- 
duetus giganteus Sow. (PHILLıps Gevlogy of Yorkshire Mountain 
Limestone district VIII, 5; L. v. Buch; über Productus S. 19) 
findet sich in einem verlassenen Steinbruche im langgezogenen Dorfe 
Czerna nur selten mit der folgenden Spezies; — 2) Pr. latissimus 
Sow. (Paız. VIII, 1) in unendlicher Menge angehäuft mit untermengten 
Stiel-Stücken von Krinoideen, die sich nicht eignen zu einer näheren 
Bestimmung; — 3) Spirifer resupinatas Marrın (Paır. XT, 1) in 
lichtbraunem Kalkstein ziemlich angehäuft bei Cratkowice. 


L. ZeuscHneR. 


Wien, 16. April 1842. 


Zu meiner im Jahrbuch 7839, S. 639 enthaltenen brieflichen Mit- 
theilung trage ich Folgendes nach. Die Bohrung in der Nähe des 
Piräus wurde in Folge meiner Anträge wieder aufgenommen und die 
Niedertreibung des Bohrloches, das man einstweilen eingestellt hatte, 
begann wieder im September des Jahrs 1839, 


Meter. 
Übernommene Tiefe laut Jahrb. 1839, S. 693 . ü \ 38,43 
Kalkstein, wechselnd mit Thon-Straten ‚ ; R i ande 
* derselbe mit Feuerstein und Hornstein . \ 1,00 
Mergel . $ ü - bern \ . i 1,00 
Kalkstein, wechselnd mit Mersel. : & z R Ä 3,00 
Mergel . 5 R \ r 1,00 
Schiefriger Mergel mit Kalk etheelanl Be : i 1,00 
Schwarzer Thon, Kohien-führend ? ) h Ä i 1,00 - 
Thon, Eisenoxyd-haltig, kiesig, mit Kalk- Erkner i } 2,00 
„ mit Quarz-Trümmwern | R i , F a 0,50 
ih »  Quarz- und Eisenerz-Trümmern 2 Aa 1,50 
Quarz und Glimmerschiefer i J ; : } 6,00 
' Eingestellt den 19. März 1840 in 58,18 


Auf den ersten Blick ersieht man zwar, dass dieses Bohr - Journal 
von keinem Sachverständigen geführt wurde und dass man die Fels- 
Gebilde der Mutter Erde im Register etwas zu sehr pauschaliter nach 
den Meter- Maase behandelte. Doch halte ich dieses Verzeichniss der 
Lagerungs -Folge für einen werthvollen Beitrag zur Erkenntniss der 
Fels-Ablagerungen in der Umgegend von Athen, da uns dieselben unter 
der Thal-Sohle bisher noch ganz unbekannt gewesen sind. Wenn wir 


/ 


432 


das ganze System der mit dem 58,18 Met. oder 179 Par. Fuss tiefen 
Bolnloche durchfahrenen Straten betrachten, so haben wir am Küsten- 
Rande des Piräus und in der zunächst daran grenzenden Ebene: 


Meter. 
Die Alluvionen nur zu einer Tiefe von . : : 3,75 
Dichten Kalkstein, wechselnd mit Thon- und Merk Straten, 
Feuerstein- und Hornstein-führend in einer Mächtigkeit von 43,43 
Tbon mit Quarz und Kalk- Trümmern, eisenschüssig und 
kiesig, zum Theil Eisenoxyd-Hydrat-führend. In einer 
Mächtigkeit von : 2 . £ 5,00 
Im quarzigen EuumeIsch RN runden, gebohrt . 6,00 
58,18 


Der dichte Kalkstein gehört der Hippuriten- führenden Kreide an, 
die das hügelige Terrain ringsherum bildet und die überhaupt in Grie- 
chenland eine so bedeutende Rolle spielt. Ausser den Mergel- und 
Thon-Straten, mit denen dieselbe wechselt, enthält sie eine 0,37 Met. 
mächtige Schicht von Salz-Thon und tiefer eiue 2,62 Met. mächtige 
Schicht von Kohlen - Schiefer und Kohlen - Lehm mit Spuren von Stein- 
kohle. Feuerstein, Hor»stein und Quarz-Nieren sind durch die ganze 
Masse der Kreide und ihrer Mergel vertheilt; doch scebeinen dieselben, 
wie es so häufig der Fall ist, sich auch in eigenen Straten auszuschei- 
den, und eine solche Lage eines eisenschüssigen Hornsteins scheint 
auch die im Bohr - Journal mit 1,68 Met. Mächtigkeit angeführte Lage 
des eisenschüssigen, quarzigen Gesteins zu seyn, in welchem das Bohr- 
loch stand, als dessen Niedertreibung im September 1839 wieder in 
Gang kam. | 

Der Thon, welcher in einer Mächtigkeit von 5 Metern unter dem 
ohne Zweifel der Kreide noch angehörenden schieferigen Mergel, der 
mit Kalk wechselt und Eisenkies eingesprengt enthält, unmittelbar auf 
dem Grundgebirge quarziger Glimmerschiefer liegend getroffen wurde, 
scheint seiner Stellung zu Folge eine parallele Bildung des Wälder- 
Thons zu seyn. Diess ganz genau auszumitteln mangeln die hiezu 
nöthigen Daten, z. B. fossile Reste organischer Körper; doch spricht 
sehr für meine Ansicht der Umstand, dass diese Thon- Ablagerung in 
“ der innigsten geognostischen Verwandtschaft mit der Kreide in ihren 
untersten Schichten steht, und dass sie so zu sagen aus jener hervor- 
geht oder umgekehrt. Wir sehen z. B. als unterstes Glied unserer 
Kreide schiefrige Mergel mit zerstreuten Kalk-Trümmern und Eisenkies- 
haltig, gleich darauf aber und als oberstes Glied des Wälder-Thons einen 
Thon. mit zerstreuten Kalk - Trümnıera und Eisenkies- führend; folglich 
Mergel einerseits, Thon andererseits, beide in ganz gleichen Verhält- 
nissen. Interessant ist die oberste Strate dieses Wälder-Thons, die: im 
einer Mächtigkeit von ungefähr 1 Meter einen schwarzgefärbten, kobli- 
gen Tbon führt, der eine Wiederholung des Kohlen führenden Thous zu 
seyn scheint, den man mit dem Bohrloche oberhalb dem dem Kalksteine 
angehörenden gelben Thone durchfahren hat, — In demselben Jahre, 


433 


nämlich 1840, begann man auf dem Gute des damaligen Inspektors 
Rur ein neues Bohrloch abzuteufen und zwar ungefähr 1 geogr. Meile 
von der Küste entfernt, zwischen dem Piräus und Athen, in der tief- 
sten Niederung der Atheniensischen Ebene, in der Gegend des Öl- 
Waldes. Man durchfuhr von oben nach unten folgende Schichten, als: 


Meter, 
Lehmerde mit kleinen Kalkstein-Stückchen ; ; Ä 1,61 
\ „ grössern Kalkstein-Stückchen . : : 0,37 
Schutt-Konglomerat . : . : ; , s 1,88 
en mit grossen Geschlebei : . h 3,05 
Sähdiger und Kalk-haltiger Mergel . INEHTHANR ! : 5,03 
Konglomerat . . : - 5 ; : > 1,90 
Mergel, sandig und Kalk- haltig 3 | , \ ; 1,90 
Sandstein . ; } : i , 2,45 
Mergeliges Konglomerat mit Versteileruhgen : i . 4,70 
x „ vorwaltend mit Pecten n . 2,46 
Fester Kalkstein (wahrscheinlich ein grosser Block im 
Konglomerat) . b e - ; - : \ ; 0,46 
Mergel, sehr Kalk-haltig . h R i 2 h i 1,45 
Thon » D . . D » . D 3,48 
Konglomerat mit Aires. Geschiehen ; R P . { 1,68 
Thon und Mergel ; . MR, b | s - 6,60 
Mergel mit Nestern von Kalkstein ; 4 2 . . 1,44 
Mergel‘ i ; Ä ; : 5 h . ® 3 3,42 
Thon . 3 i : : : - Ä i } . 1,11 
Mergel . i { b - s - i ; - 5,67 
Kalk-haltiger Thon F ; i ; ; ; ; | 27,54 
Sandiger Thon . Ä ; - ; - i ! : 0,56 
80,76 


Nachdem man das Bohrloch bis zur Tiefe von 80,76 Meter oder 
ungefähr 249 Par. Fuss niedergebracht hatte, wurde es aus mir unbe- 
kannten Gründen eingestellt, obwohl es die höchste Raison gewesen 
wäre, dasselbe weiter fortzusetzen. Die Fels- Ablagerungen, welche 
damit durchfahren worden , gehören meines Dafürhaltens alle dem 
Alluvium des Beckens von Athen an, das in der Niederung des Öl- 
Waldes eine ausserordentliche Mächtigkeit zu haben scheint, während 
diese am Rande des Bassins, an der Küste des Piräus, wo das erst- 
erwähnte Bohrloch sich befindet, nur ganz geringe ist. 


RussE6GeEr, 


Weimar, 25. April 1842. 
Wie selbst die unterirdischen Schätze der Natur durch das rastlose 
Strebeuw der Menschen nach und nach gemindert zu werden scheinen, 
sieht man recht deutlich an dem Ilmenauer Bergbau auf Mangan-Erze, 


434. 


den ich vor Kurzem erst wiederholt zu beobachten Gelegenheit hatte, 
Die Versendung dieser Erze ist dort jetzt viel bedeutender, ihre Aus- 
heute aber viel sparsamer als sonst, so dass man sich schon seit mehren 
J;hren bewogen gefunden bat, die alten Berg- Halden an den in der 
Gegend zerstreut umherliegenden Gruben umzuarbeiten und das jetzt 
zu Geld zu machen, was man sonst wegwarf. Leider ist der in den 
Händen von Privat-Leuten befindliche Bergbau auf Manganerze in der 
Slmenauer. Gegend durch seinen häufig nicht regelmäsig-bergmännischen 
Betrieb, welcher gar zu oft nur Raub-Bau genannt zu werden verdient, 
in einen bedauerlichen Zustand gekommen. Hübsche Handstücke der 
dort brechenden Manganerze (Pyrolusit, Hausmannit, Braunit 
und Psilomelan) sind nur mit Schwierigkeit noch zu erlangen; die 
für den Mineralogen so äusserst interessanten metamorphischen Kry- 
stalle, Hauy’s Epigenien, in welchen namentlich der Pyrolusit ehedem 
dort gefunden wurde, sind ‚gegenwärtig eine ausserordentliche Seltenheit 
geworden. Um so mehr mag es daher von Interesse seyn, über einige 
bereits vor 10 bis 15 Jahren in meinen Besitz gekommene solche Kry- 
stalle Naehricht zu geben, da dieselben, wegen ihrer ausserordentlichen 
Grösse und Vollkommenbeit der Ausbildung, schon zur Zeit der reich- 
sten Ausbeute dieser Vorkommnisse zu den Seltenheiten gehörten. 


Fig: 


Es sind diess namentlich zwei Exemplare. Beide sind dem ıbomboed- 
rischen Krystall-System entsprechende sechsseitige, ungleichschenkelige 


4355 


Pyramiden, wie solche als Kalkspath häufig vorkommen, von der Grösse 
und äusseren Gestalt der Fig. 1 und 2 gegebenen Abbildungen. Der 
Krystall Fig. 1 ist: mit seinem aus strahligem Pyrolusit und Schwer- 
spath bestehenden, innig durch einander verwachsenen Mutter-Gestein 
noch eng verbunden; Fig, 2 aber ist ein locker von seinem Mutter-Gestein 
getrennter Krystall oder eigentlich ein Zwillings - Krystall. Mit dem 
Hand-Goniometer habe ich die Neigungs- Winkel der Pyramiden-Flächen 
zu bestimmen gesucht und folgende Resultate erhalten: 

von a nach b, c nach d, und e nach f 1441°, 

von b nach c, d nach e, und f nach a 10430; . 

von e nach x 1321°, 

Mehre aus kleineren Individuen bestehende Drusen solcher Kry- 
stalle, welche ich besitze, sind von zusammengesetzter Form; namentlich 
ist eine Kombination der so eben beschriebenen ungleichschenkeligen 
sechsseitigen Pyramide mit einem Rhomboeder darunter, welche Fig. 3 
in wahrer Grösse darstellt. Die mit dem Hand. Goniometer geschehene 4 
Winkel-Messung hat ergeben: 

ET | von der Rhomboeder-Fläche r nach r 781°; 
von b nach r 14210, 
von b über r nach c 1043°, wie oben; 
von e nach d 1444, 

Wird demnach das bei der Krystallisation des Kalkspaths vorkom- 
mende Khomboeder, dessen Flächen an den Achsen-Kanten 105° 5’ gegen 
einander geneigt sind, als Grundgestalt angesehen und mit R bezeich- 
net ‚so erscheint das Verhältniss der Achse des Rhomboeders r zu der 
Achse von R= 2:1, oder es ist nach der krystallographischen Be- 
zeichnung von Mous das Rhomboeder r gleich (R + 1). Die Flächen 
dieses Rhomboeders nehmen die scharfen Achsen-Kanten der sechsseitigen 
Pyramide hinweg. Die Pyramiden selbst, wie sie Fig. 1, 2 und 3 dar- 
gestellt und hier beschrieben worden sind, werden unter obiger Voraus- 
setzung von R nach der Mous’schen Methode mit (P) 3 zu bezeichnen seyn. 

_ Diese Krystalle bestehen ihrem ganzen Volumen nach aus strabligem 
Pyrolusit. 

Nächstdem besitze ich noch einen der Grösse und äusseren Form 
nach mit Fig. 2 übereinstimmenden Krystall, welcher in seinem Innern 
zum grössten Theil hohl, also gleichsam eine Krystall- Hülle ist; die 
Spitze desselben ist abgebrochen und das Innere deutlich wahrnehmbar; 
seiner Substanz nach besteht aber dieser Krystall grösstentheils aus 
Hausmannit. Sowohl in dem inneren hohlen Raum, als an den äusseren 
Krystall-Flächen sitzen Hunderte von kleinen Hausmannit-Krystallen; 
es ist diess also ein für die gewissermaasen parasitische Bildung dieser 
Krystalle unstreitig sehr instruktives Stück. 

Sämmtliche hier beschriebenen Krystalle sind von Öhrenstock bei 
Ilmenau. 


Dr. G. Hkresrt. 


436 


n 


Mittheilungen an Professor BRONX serichtet. 


Heidelberg, 18. Okt. 1810. 


Meeres-Ströme *: äussre Bedingungen und Schluss- 
Bemerkungen. 

2) Winde, Luftdruck und andere Verhältnisse (Verdun 
stung u. Ss. w.), Äussere und atmosphärische Bedingungen 
der Meeres-Ströme. — Haben wir die Strom- Gänge des Meeres 
nach den Bedingungen, die im Meere selbst und in der Natur 
seines Bodens liegen, im Allgemeinen gewürdigt, so müssen wir 
jetzt den Blick auf die Bedeutung atmosphärischer Bedingungen 
werfen, da wir diese bisher nur vorübergehend berührt haben. Auch 
sie werden uns auf die Natur des Meeres selbst zurückführen. 

Auf bestimmte, oberflächliche Meeres - Strömungen wirken herr- 
schende Winde bekanntlich entscheidender als Ebbe und Fluth, 
Diese kann wohl bedeutende, selbst örtliche, sich leicht wieder aus» 
gleichende Schwingungen, nimmermehr aber die genaue und bestän- 
dige Haupt-Richtung solcher Ströme, noch minder ihre Begrenzung 
erwirken, welche auch da möglichst bestimmt sich hält, wo sie sich, 
je nach dem Strich der Winde, gegen sich selbst kehrt. — Die Begren- 
zung und vorzüglich die Richtung wird vielmehr nach den Gesetzen, 
welche die Bewegung der Wasser bedingen, durch das Relief der Län- 
der, durch die Küsten und durch das Streichen untermeerischer Gebirgs- 
Züge, da diese, wie bemerkt, bestimmt bis zu denjenigen Tiefen auf- 
steigen, zu welchen solche Strömungen reichen; — sie wird im Ver- 
hältniss zu diesen Grund-Marken zugleich von oben durch herrschende 
Winde und durch die Temperatur - Verhältnisse der Erd - en im 
Grossen, wie gewisse Luftströme selbst hervorgerufen. 

Der stete Wechsel der Ebbe und Fluth und die Achsendrehung He 
Erde vermitteln z. B. die oben berührte Äquinoktial-Strömung, die nach 
W. gehend dem herrschenden O.-Wind (Passat-Wind) entspricht, und 
von den Polen dringt südwärts nach niederen Breiten eine wenigstens 
theilweise von Scorespy, Ross u. A. nachgewiesene, früher allgemein 
schon, wie bekannt,. von RıccioLı,„ Fournıer, Vossivs, RommEe, dann 
von DE LA METHERIE, von Pırror u. A.””) angenommene Strömung. 
Zugleich fliessen jene mächtigen Wasser - Dämpfe, welche die starke 
Verdunstung des Meeres unter dem Gleicher erzeugt, durch Luft-Strö- 
mungen nach den Polen ab, entladen sich zum Theil schon in den 
gemäsigten Zonen, vermehren aber am beträchtlichsten erst in den po- 
laren Regionen die Masse des Meer- Wassers, welche sie unter dem 
Äquator mindern. Dadurch fördern sie die starke Strömung nach 


letztem u. s. w. Eben so rufen gesetzlich wechselnde Winde periodisch- 


*) Vgl. Jahrb. 1842, 283. 
**, ParRoT, Grundr. d. theoret. Phys. Ill, 339. Im Übrigen vgl, Au, Humroupr Ablı. 
Berl. Akad, 1827, 3. Jul, etc, 


. 


437 


wechselnde, wenigstens obere Meeres-Strömungen hervor, und unter die 
Ursachen örtlicher Strömungen hat man nicht mit Unrecht auch die 
obere Temperatur des Wassers und den wechselnden Drucke 
der Luft gesetzt. Wahre Meeres - Ströme ziehen aber ungestört ihren 
Weg, mag der Barometer gleich bedeutend sinken. Örtlich steigt, wenn 
der atmosphärische Druck abnimmt, örtlich sinkt, nimnt er zu, das 
Meer. Nur verschwindende Wogen-Thäler und -Berge entstehen, gleich- 
zeitig in weiten Strichen, durch wilde Stürme. Soll aber die örtliche 
Wirkung eines ruhevollen atmosphärischen Druckes ins Grosse verfolgt 
werden, dann fordern unter verschiedenen Erd -Gürteln diese Erschei- 
nungen noelı genauere Beobachtung, vollständigere Prüfung als uns bis 
. heute geboten sind. Im Atlantischen Ozean z. B. hat nian bestimmt 
bemerkt, dass der höchste Barometer-Staud, also der geringere Luft- 
Druck, zwischen die Wende -Kreise, der niedrigste ausser dieselben 
fällt. Zugleich aber hat man allgemein *) zweifelnd den Blick auf 
die Verdunstung der Wasser gerichtet, ungewiss, wie das Maas dersel- 
ben zu jenen Bedingungen des Steigens sich verhalte. Das tropische 
Meer (damit ich durch ein bekanntes Beispiel deutlicher werde!) zeich- 
net sich auf audere Art, als das mittelländische, — durch Verdunstung 
aus. Wegen seiner Verdunstung hat man bezweifelt, ob es wirklich 
und, wenn das, ob es wegen jenes geringeren Luft- Druckes so hoch 
stehe und desshalb nordwärts und südwärts abströme, ob darum 
etwa der Gulfstrom die entsprechende Bewegung zeige. In der That, 
diese Zweifel sind erheblich, sie dringen auf klare Einsicht des Maas- 
Verhältnisses, dieser entscheidenden Bestimmung in allen Kreisen 
der Natur, wie des Denkens, die Prarom veranlasste, der Mathematik 
Unkundige aus den Hörsälen ächter Bildung zu weisen. Sie sind mehr 
als Zweifel, wenn man erwägt, um wie Weniges, durch jene Verhält- 
uisse der Temperatur auf allen tropischen Meeren, der Spiegel derselben 
höher zu stehen kommt. Sey aber jenem, wie ihm wolle, man sah klar 
jeues Abströmen allein könne die Rotation des Golfstroms nimmer- 
mehr begründen. Dieser Strom fliesst am schnellsten und wildesten da, 
wo Alles auf die Heerde grosser Natur-Veränderungen durch vulkanische 
Erschütterungen deutet und bei Bahama, wo eben diese Gewalten vor- 
mals jene Verengung durch Küsten und Inseln bewirkt haben, welche 
von den Wandungen des offenen Beckens aus wohl seinem Umschwung, 
— keineswegs aber seine Wärme, Farbe und chemische Beschaf- 
fenbeit erklärt **), 

Sehowr die Unabhängigkeit dieser Grund - Eigenschaften nicht nur 
von der Hitze des Gleichers, sondern zugleich die Unfähigkeit der ge- 
wöhnlichen atmosphärischen Bewegungen sie zu begründen, 
macht auf die Schranken der Wirkungen, welche man letzten zuschrieb, 
aufmerksanı, und begründet eine Reihe von Zweifeln, die wir in den 


*) Ausland. 1840, Nr. 279. 
**) Hertha 1836, S. 189, 


438 


Schluss-Bemerkungen wieder aufnehmen werden. Dass schon die 
chemische Beschaffenheit des Meer-Wassers, durch BERGMANN, LAGRANGE, 
VoGErL, PrArr, Murrar, Laußens u. A. geprüft, von P. A. v. Bonsporr“) 
neuerdings untersucht, Verhältnisse zeigt, welche den Gesetzen der 
Schwere, des Druckes u. s. w. nicht durchweg folgen, habe ich in 
Bezug auf den Salz-Gehalt des Meeres im Jahrb. 1834, 184 z. B. schon 
bemerkt, an HoLLemann u. A, dabei erinnert. Die Armuth des Stälen, 
der Reichthum des Atlantischen Ozeans an Salz-Gehalt gleicht sich nech 
E. Lenz im Indischen Ozean in der Art aus, dass letzter, wo er mit 
jenem zusammenströmt, ärmer, wo er den Atlantischen Ozean begrenzt, 
reicher an Salz ist, als in der Mitte. Der Atlantische ind Stille. O%ean 
hat im N. und S. ein Maximum des Salz-Gehaltes. Nach G. J. Muı- 
DER u, A. wechselt das spezifische Gewicht des Meer-Wassers in 
denselben Gegenden zu verschiedenen Zeiten und die Dichtigkeit 
desselben ist an verschiedenen Orten verschieden, wie die Schwere, 
die besonders vom Salz - Gehalt bedingt ist, so dass das Wasser des 
Atlantischen Ozeans am schwersten im nördlichen, das des Stillen im 
südlichen Maximum des Salz-Gehaltes, jenes 40° w. L. von Greenwich, 
dieses 1199, letztes nach den neuesten Angaben um Weniges schwerer 
als erstes befunden wurde und jenes natürlich gegen N., dieses gegen 
S. mit zunehmender Breite abnahm. Der Einfluss, welchen Temperatur 
auf das spezifische Gewicht des Meer - Wassers äussert, hat A. Erman 
untersucht *”). | 

Diese und ähnliche Verhältnisse mögen anderen Ortes geeignete 
Würdigung finden. Auf die Frage nach den Strom-Gängen des 
Meeres gewinnen sie nur dann bedeutenden Einfluss, wenn, wie gesagt, 
deren Wärme, Farbe und chemische Beschaffenheit u. s. w. 
bis in grössere Tiefen vollständiger und zuverlässiger, ais bis heute, 
verfolgt seyn wird, wovon schon in der Hertha die Rede war. Dass 
oberflächlich verschwindende, wenn auch sehr bestimmte Bewegungen und 
andere Erscheinungen — Anhaltpunkte zur Beurtheilung oder Verglei- 
chung wit eigentlichen Meeres - Strömen nur dann bieten, wenn beide 
gehörig unterschieden werden, wurde schon vorkin bemerkt. Das 
Gemeinsame, welches in jenen oberflächlichen und in diesen 
durchgreifenden Erscheinungen liegt, ist nicht von der Art, dass 
dadurch viel ausgemacht würde. Anziehend sind indess alle, belehrend 
mehre Beobachtungen jener Spuren in Bezug auf diese, ungefähr wie 
die Kenntniss oberflächlieher Quellen nicht ohne Einfluss auf die Kennt- 
niss der tiefsten Mineral-Quellen ist (Jahrb. 7840, 388 f., 1841, 77 ff.). 


‚Nach Untersuchungen z. B., welche Scorr Russen in der zehnten 
Vorlesung der Englischen Naturforscher (1840) bekannt machte, sollen 
Fluth-Wellen, so gut als die sogen. grosse Fortschaffungs- 
Welle (translation wave) unter bestimmten Verhältuissen nicht nur 


“, PoGGEnvorFrr's Ann. Phys. XXXX, 133 ff. 
##) Pouggenporrr’s Anı. Phys. XXXXlI, 72 ff. 


439 


sich begegnen und kreutzen, sondern, wenn sie in derselben Rich- 
tung ziehen, auch übereinander hinweggehen. 

Wo unterseeische Felsen den Widerspruch entscheidend begünsti- 
gen, welchen das bewegte Wasser oder zusammentreffende Strömungen 
erfahren, die von verschiedenen Richtungen gegeneinandertreiben , da 
entstehen, durch doppelt gebrochene Fluthen, Kreis-fürmige Umdrehun- 
gen, Strudel, Mahlströme. Auch solche Strudel haben ihre Ge- 
schichte, und wer z. B. Italien kennt, weiss, dass veränderte Boden- 
Verhältnisse, ins Meer gestürztek Fels- Wandungen ältere Wirbel eben 
so gut gefahrloser machen, sie schwächen, als. neue veranlassen können. 
Sellast die Natwr ®. B. des Kanales, dessen Schrecken ehemals die 
-Charybdis war, lässt nur im Grossen, nur auf die angegebene Art 
sieh würdigen, nicht bloss an der Verbesserung. der Schifffahrt sich 
messen, die noch heute mit der entsprechenden Strömung zu 
kämpfen hat“), auf welcher gleichwohl NeLson im Jabre 1798 seine 
Kriegsflotte fechten sah **). Lange wenig bekannt gefährdeten sämmtliche 
Strömungen des Mittelmeeres die ältere Schifffahrt. Jetzt, mit ihren Seiten- 
Richturgen auf See-Karten wohl verzeichnet, unterscheiden sich je Strö- 
mungen in solche, welche auf der Oberfläche und in solche, 
die in den tieferen Regionen dieses Meeres herrschen. Auch in 
diesem Meere , welches, wie alle Europäischen, gleichwohl zu den we- 
nigst tiefen gehört, sind nur jene oberen Strömungen zur Genüge er- 
forscht, und selbst diese liefern noch manche Rätbsel, welche nur in 
der Bildungs-Geschichte dieses Meeres ihre Lösung finden, über 
die ich in der Athene und in der Hertha mehrfache Andeutungen, 
zugleich bestimmte Belege gegen die sonderbare Hypothese gegeben 
habe “*”), welche Lınk über deren Entstehung aufgestellt hat. 

Obere Strömungen dringen ins Mittel-Meer von den Mündungen 
desselben zwei entgegengesetzte: die eine aus dem höher gelegenen 
schwarzen Meere zieht reissend an Konstantinopel vorbei und reissend 
noch durch die Bahneu zwischen den Inseln des Archipels. Die andere 
dringt mit eilendem ‚Fall von Gibraltar nach O,., wechselt aber im wei- 
teren Verlaufe, bei mächtig-fluthenden Ostwinde auch wohl die Richtung. 
Beide Strom-Gänge, namentlich letzter, führen diesem sonst Fluth-freien 
Meere Wasser-Massen zu, deren ungemeiner Überfluss durch die grosse 
Verdunstung, welche HıLrry und Burron 7) vorzüglich diesem Meere 
desshalb zuschrieben, keineswegs sich ausgleicht, auch dann kaum, 
wenn man mit Popowirscn 47) durch unterirdische Wärme die übertrieben 


E72 


”) GILBEERT’s Annal. d. Phys. Bd. 5, S. 98. — Spauanzanı’s Reisen IV. Th., 1 St., 
S 147 ff., 166 fi. (mit CatTEat DE Carıevirte’s Gemälde der Ostsee, S. 121 ff.). 
==) ALDo LA GRANE im Giornale del’ Italiv und daraus in den vermischten „Beiträgen 
zur phys. Erdbeschreib.“ Bd. 111, St. 1, Nr. 5. 
”F#) Athene Heft Ill, 183%, auch unter dem Titel: vermischte Aufsätze, 
Kempten bei DannnEimer 1833, S. 170 ff., mit Hertha, Almanach für 1836, 
5. 136 ff. Auch Jahrb. 1841, 210 Note, 229. 
m) Hartey Miscellanea curiosa, T. I. Burron Histoire naturelle I, 399. 
ty) Untersuchungen von Macos, Frankf. und Lpzg. 1750, 4. 


‚ bomern 
B92277 
a 

EborhN ic 


440 


angenommene Verdunstung erklären wollte. Eben so wenig half: die 
ältere Annahme unterirdischer Verbindungen mit dem rothen Meere, 
welche von KırcHer *) ausging. Letztes steht bei Suez, durch die all- 
gemeine West - Strömung des Ozeans und durch” andere vermittelnde 
Ursache an 27° höher, als das Mittelmeer bei Alexaudrien. Unterirdi- 
sche Verbindung würde also dieses, könnte sie Vieles erwirken, erhöhen, 
statt erniedrigen. Durch die Verdunstung aber würden nach BERGMmaAnn’s **) 
Berechnung nur 30° von den 22’ abgehen, um welche das Mittelmeer 
nach Maas des einströmenden Wassers jährlich steigen müsste. Dem- 
nach muss jeder Versuch, die gleichbleibende Höhe seines Spiegels auf 
dem Wege der Verdunstung zu erklären, auf die Voraussetzung 
unterirdischer Wärme zurückkommen, sogar diese Voraussetzung noch 
übertreiben, um so grosse Verdunstung annehmbar zu machen, oder er 
muss scheitern. | 

Zwar hat in neuerer Zeit selbst v. Horr “”*), der sonst von der 
Verdunstung der Meere keine übertriebenen Vorstellungen liebt, die 
Erklärung durch diese Verdunstung wieder aufgenommen, gegen Berc- 
MANN eine neue Berechs:\ z, die sehr beachtenswerth, versucht,‘ aber 
die Zweifel, die ihn dazu bewogen, ruhen auf einem Übersehen hydro- 
dynamischer Gesetze f). Nicht bloss die entsprechenden Verbält- 
nisse ähnlicher Meere, die Natur des Mittelmeeres selbst gibt Aufschluss. 

Nach Urkunden, deren Glaubwürdigkeit ff) auch v. Horr nicht 
in Abrede stellt, strandete, von Franzosen mitten in der Meer-Enge von 
Gibraltar zu Grunde gebohrt, i. J. 1712 ein niederländisches Schiff in 
Trümmern, zwei Lieues von der Stelle, wo es gesunken war, entfernt 
erst nach ziemlicher Weile wieder auftauchend, an den Küsten des 
Atlantischen Ozeans. Der oberen, von Gibraltar ostwärts ziehenden 
Strömung nämlich wirkt, ausgleiehend, doch natürlich mit geringerer 
Schnelligkeit und unter vielseitigeren Hemmnissen, eine untere entgegen, 
welche westwärts in den Allantischen Ozean streicht. Diese Doppel. 
Strömung erklärt mindestens an der W.-Grenze des Mittelmeeres die 
Haupt - Schwierigkeit. Ihre Annahme unterliegt zwar noch mancher 
Frage, beruht aber a) nicht bloss auf jenem Wieder-Auftauchen 
zerstreuter Gegenstände. So gut als diese, sprechen b) mit den 
Gesetzen , so weit sie ermessen sind, der Verdunstung, auch e) die 
Verhältnisse des Salz-Gehaltes, und d) nach der Natur des Meeres- 
Bodens hydrodynamische Gesetze dafür. Nur diese vier Mo- 
mente, unter sich und im Vereine e) mit entsprechenden Verhältnissen 
anderer Meere, bestimmen mich zur Annahme dieses Unterstroms, im 
Blick auf das ganze Mittelmeer. Auch die ruhelose, besonders im 
Herbst bewegte Baltische See, die an Strömungen reich ist, hat nach 


“) Kırcaer Mundus subterraneus, T. I, 
2) Physikal. Beschreib. d. Erd-Kugel Th. 11, Abth. 5, Kap. 3. 
>=) Gesch. Veränd. Erdoberfl. I, 154, Ill, 178. 
f) Nachgewiesen z. B. v. Muncke in Geuter’s Werke, Bd. 6, S. 1769. 
++) Phil. Trans. Nr, 385, p. 191. Girserr’s Ann. d. Phys. Bd. 63, S. 139. v. Horra.a.®, 


441 


Pırron’s schönen Versuchen mit dem Senkblei *) einen Unterstrom, und 
nieht ohne Grund sucht Marsıcıı **) einen solchen selbst in der Meer- 
Enge des Thrakischen Bosporus, wo, wie bei Gibraltar, die Verhält- 
nisse des Salz - Gehaltes beachtenswerthe Winke ***) mit bieten. So 
würde dann iu O, und W., das Mittelmeer mit seinen Ober- und Unter- 
Strömen ein wundervolles Bild mächtiger Wechsel- Bewegungen geben! 

Im äussersten W. gewährt eben jener Felsen-Graht, der zwischen 
den Säulen des Herkures (zwischen Abila und Kalpe) uus tiefem 
Grunde steil bis zu 11, sogar bis zu 4 Faden Tiefe unter dem Wasser- 
Spiegel aufsteigend die beiden Welttheile in der Tiefe verbindet, einen 
Beleg mehr, nicht, wie v. Horr meinte, gegen, sondern für die Annahme 
des dortigen Doppelstroms , sey es, dass an bestimmter Stelle der Un- 
terstrom wie an einem Wehr schräg aufsteigend überwoge, oder dass er 
in. beschränkter , keineswegs in der ganzen Breite der Meer-Enge, sich 
an der Felsen- Wandung brechend vom oberen Strome niedergehalten 
rückwärts kreise, und gleichzeitig sich selbst und den oberen Strom 
hebend da überfliesse, wo die Felswand die tiefste Öffnung bietet. 

In der Enge von Gibraltar füllt das Meer eine Tiefe hier nur von 
960, dort von 5700. Bei Nizza dagegen nach Saussure hat es nur 
2000°.. Gerade am Felsen-Grahte der Enge wetteifert es mit dem Atlan- 
tischen Ozean an Tiefe. Diese Enge war schon den Alten besonders 
denkwürdig. Um diese Striche spielen die kühnsten Mythen von Hrra- 
KLEsS und Artras, die schönsten Dichtungen von den Pforten des Orkus, 
wie von Jen Inseln der Seeligen. Soron in Praron’s Tımävus und die 
Überlieferungen der Ägypter, aus deren Munde Sozon dort eben diese 
Sagen mittheilt, deren Inhalt kernhafter ist, als einseitige Schulgeiehr- 
samkeit bisher ‘sich gestand, setzten schon zur Zeit der fabelhaften 
Atlantiden (Canarier) ein ausströmendes, kein geschlossenes Meer, — 
wie ich in der Hertha bemerkte. Einige alte Geographen, unter diesen 
Mera, beschreiben die Spanischen Küsten indess so, dass man glauben 
könnte, die Gaditanische Insel habe sich bis an die Meerenge von 
Gibraltar erstreckt und einen Kanal mit der alten Küste gebildet. — 
Nach neueren Beobachtungen und Reise- Berichten scheint in der That 
das Meer diese Insel und selbst die Küste von Puerto Santa Maria 
bis zum Guadalguivir geschmälert zu haben, besonders die W.- und S.- 
Seite von Cadio noch zu gefährden, dessen enge felsige Land - Zunge 
von S..gegen N. ansteigt. Dagegen treiben heftige Ostwinde von der 
Küste zwischen Puerto Santa und Puerto Real mächtige Sand-Massen 
in.das Meer, bilden Bänke und Untiefen in der Bucht von Cadix. Die 
Mündungen des Guadaleta und des San-Pedro-Flusses verlängern sich 
so, sehr, dass sie die Bucht zu füllen drohen, welche sich vor zwei 
Jahrtausenden vom Portal von Xerez bis Cado Roche über Chiklana 


*) Edinburgh Philos. Journ. Nr. VIll, p. 245, 243 ff. 
”*) Histoire physique de la mer. Amst. 1725, Fol. 
"”#) Vgl. ALExAnneR MARcET in Gutgert’s Ann. d. Phys. Bd. 63, S. 139 mit Muncke in 
Gruver’s Wörterb. Bd. 6, S. 1773. 


442 


hin — (vormals kleinere Inseln) erstreckt haben soll; Diese Füllung 
der Bucht und die Zerstörungen an der Land-Zunge von Cadix bedrohen 
nach mehrseitigen Beobachtungen diese einst frisch blühende, durch 
Geistes-Freiheit ausgezeichnete Gegend Spaniens mit sandiger Verödung: 
Aber noch lauge fort bleibt sie die sicherste Stätte der Welt- en 
dung des Mittelmeeres mit dem Atlantischen Ozean. Ri 
Ob nun gleich die Haupt-Masse des Mittelmeeres im Ganzen die 
allgemeine Bewegung von O. nach W. mit anderen Meeren theilt,"so 
ist doch die bekannte, sichtbare Haupt-Bewegung desselben die von W. 
nach O. Upntermeerische Berg-Züge, die zahlreichen Engen des Mittel- 
meeres und die Brandungen an der Küste begründen jedoch, selbst in 
den oberen Regionen dieses Meeres, wesentliche Abweichungen von 
dieser Richtung, und die Winde, wie gesagt, verursachen zuweilen 'auf- 
fallende Seiten- und Gegen-Strömungen. Jener Haupt-Strömung dringen 
besonders zwei Seiten-Strömungen oft wechselnd entgegen. Diese Ver- 
hältnisse sind heute aber selbst dem grösseren Publikum schon aus ganz 
populären Blättern, z.B. aus dem Ausland, aus neueren Geographie’n u. 8. w. 
bekannt. Man weiss, dass der Haupt-Zug längs der Afrikanischen Küste 
reissend durch den Golf von Tunis und. an der S.-Küste Siziliens hin nach 
O. gelit, dass diese Strömung im Kanal von Malta, an der Insel Maritimo 
ihre grösste Heftigkeit gewinnt. Der Meerbusen von Sidra gilt daher 
in der Fortsetzung dieses Zuges als-Gegend des Unglücks, wie der 
Nebel. Der Lybischen Küste entlang wendet sich die Strömung; in 
einiger Entfernung von Alezandrien, endlicb gegen ONO., bis sie nord: 
wärts der Syfischen Küste folgt. Zwischen Syrien und dem Archipet 
zeigt sich eine „leichte westliche Strömung“; längs der Küste ist sie 
reissend, bricht sich am W.-Strande des Buseus Adalia, wirft sich dann 
mit Gewalt gegen Kup Chelidonia und verliert sich zuletzt im stillen 
Spiegel des Meeres. Weiterhin dringt aber wiederum jene Strömung 
aus dem schwarzen Meere herein, die in zahlreichen ‘Armen indie 
Kanäle zwischen den Inseln des Archipels sich ergiesst. na pmbnön 
Auch in das Adria-Meer geht eine Strömung längs der Küste, also 
drohend, nach Venedig, folgt dann im Wesentlichen’ der Italienischen 
Küste bis sie aus dem Adriatischen Meere heraustritt. D 
Der Einfluss, den die Winde auf die Strömungen’ des Mittelmeeres 
äussern, zeigt sich vielleicht am deutlichsten an der nördlichen Ver- 
zweigung der Haupt-Strömung, die wir noch erwähnen :müssen, nämlieh 
an den Küsten Frankreichs und Spaniens. Diese Strömung‘ nimmt bei 
starkem NO.-Wind häufig eine rückkehrende, entgegengesetzte Richtung 
an. ‘In Bezug auf jene Strömungen und auf die häufigen Stürme'des 
Adria-Meeres habe ich in meinem Italien (Berlin bei Reimer’ 1837) des 
vulkanischen Zuges gedacht, welcher dort untermeerisch fortstreicht. — 
Über die Strom-Gänge anderer Meere, wie über den verschiedenen Stamd 
ihres Spiegels ein andermal (Jahrb. 1836, 573 #.). 
3) Schluss-Bemerkungen. (— Atmosphärische a er 
marische Bedingungen. Lösung der Widersprüche —). 


\ 


443 


Gleich unseren Land-Flüssen häben die Ströme des Meeres 
ihre Ausbildung im Ganzen gleichzeitig mit der jetzigen Physiogno- 
mie der Gesammit- Oberfläche der Erde, also mit der letzten Haupt- 
Epoche der Emporhebung ihrer Gebirgs-Systene gewonnen, wie ich im 
Jahrb. 1834, 295 ff., auch in der Schrift Neptunismus und Vulka- 
hismus 1834, S. 143, in der Hertha 1826, S. 190 und änderwärts 
auszusprechen Veranlassung fand. 

Würde auch die’ Boden-Gestält des Meeres, die wan zu einseitig 
ausser Acht lässt, — über die Richtung, welche seine Ströme auf der 
Oberfläche zeigen, weniger entscheiden, als das sichtbare Relief 
weit entfernter Küsten, welchen man gar zu mächtige Wirkungen zu- 
theilt, so gehörte dennoch jene zu den entscheidenden Haupt-Bediugungen 
durchgeführter Untersuchung, namentlich derjenigen Ströme, deren Tem- 
neratur und innere Beschaffenheit auf tiefere, nieht einseitig, nur auf 
obere Wirkungen zurückdeutet: Derselbe Blick auf die Striche 
herrschender Winde und Meeres-Ströme, der den sichtba- 
ren Einfluss der ersten auf diese beurkundet, zeigt auch 
die Grenzen dieses Einflusses, und diese sind von der Art, dass 
sie vollständig weder durch Temperatur und Druck der (ruhigen 
oder flüchtig bewegten) Atmosphäre, noch durch jene Anzie- 
hungs-Kraft der Sonne und des Mondes erklärt werden, die in 
Ebben und Fluthen des Meeres eine früher bezweifelte Rolle spielt: 
Diese Momente und ähnliche bilden hier nur vermittelnde oder unterge- 
ordnete, die herrschenden Winde, die übrigens selbst noch räthselreich - 
sind, sehon mehr, doch nicht allein entscheidende Gründe. Gerade jener 
denkwürdigste fast aller Ströme, der Golfstrom bliebe auf diese Art 
unerklärt. Immer muss man zugleich auf die Gestält der Länder: 
Massen blicken, auch da, wo der Einfluss derselben auf die Winde 
keiner Rede mehr werth, oder doch unendlich klein , unmessbar scheint: 
Aber die Länder-Masse ist in ihrer untermeerischen Fortsetzung 
zu würdigen, 

Nimmt man doch auf die Boden. Verhältnisse, so weit man sie kennt, 
bei,sonstigen nahe verwandten Strömungen Rücksicht: erklärte 
man doch durch sie nicht bloss z. B. die Gewalt der Strömung bei 
Konstantinopel, die Strömungen der Meer-Euge von Gibraltur. Strom- 
Gänge selbst ausgedehnter, wenn auch nur eingeschloössener Meere, 
wie des Mittelmeeres überhaupt, sucht man zwar durch ihre Verbindung 
mit dem Ozean und durch den Einfluss grosser, ih diese Meere mün- 
dender Flüsse zu erläutern. Aber diese Erläuterung weist offenbar, 
sobald sie durchgeführt wird, von selbst über die Beachtung der blosen 
Küsten hinaus, wenigstens theilweise auf die des Bodens. Dass wir 
diesen Boden nur theilweise kennen, daraus folgt nicht, dass er selbst 
nur eben so theilweise mitwirke, 

Umschwung der Erde, Anziehung der Sonne, des Mondes, Unter- 
schiede der atmosphärischen Tenperatur und Winde sind, wie gesagt, 


mehr oder weniger nur allgemeine Ursachen der Meeres - Ströme. 
Jahrgang 1842. 29 


444 


Die Gestalt aber der Länder und Küsten bietet ohne Beachtung der 
wechselnden Tiefe und Form des Meeres - Grundes: keine durchgrei- 
fende Bedeutung für, diese Ströme. Und was sind ‚zuletzt ‚ohne 
Blick auf das Ganze jene Einflüsse von oben, was ohne (diesen Blick 
jene Winde selbst? Ihre. Zeiten, Gebiete. und ‚Striche, ihre Wirkungen 
hat zwar — oft bittere,Erfahrung, weniger vollständig ‚aber ‚hat sinnende 
Beobachtung bis jetzt ihre letzten Ursachen und. Gesetze erforscht. 
Allerdings warf die neuere Wissenschaft ernste,‘ selbst tiefe‘Blieke in 
die Verhältnisse der Temperatur, in die bedingende Kraft ihrer 
Ungleichheit (Jahrb. 1841, 207). Aber. von Kenntniss; zu Er- 
kenntniss ist, auch im Gebiete der Ursachen, noch ein grosser, wenn 
auch ‚selten‘ vollgültig gewürdigter Schritt, und begriffen im ‚wahren 
Sinne wird offenbar nur die Wirkung, deren letztentscheidenden Ursachen 
und Gesetze vollständig erkannt sind, . Selbst die Ungleichkeiten der 
Temperatur sind, nicht alle vollkommen durch klimatische: Verhält- 
nisse, Achsen-Drehung u. s. w. zu erklären, obwohl’diese Verhältnisse 
jene; .Ungleichheiten im , Allgemeinen vermitteln. _ Wesentlich 
wirken dazu die Verhältnisse,des: Bodens: diese z.. B. sind, 
wie. oben. bemerkt, .‚Mit-Ursache des milden Klima’s ‚bestimmter: Länder- 
Striche, ‚sind ‚entscheidende Ursache der vorhin berührten hohen Tem- 
peratur der, Meeres-Tiefe bei, Spitzbergen, .. wo- man, gleichwohl. in 
‚der ‚Entfernung nur Eine vulkanische. Insel kennt.. Dahin‘ gehört, was 
ich. oben schon berührt habe, das ganze System der Hebungs-. und :Sen- 
kungs-Linien, die vuikanischen Züge, das Verhältniss derselben zu dem, 
Wandel’der magnetische» Linien (Jahrb. 1840, 564, besonders 569 
nit 1836, :573 fi.) ı Diese Bestimmungen führen: aber nicht bloss auf 
die, Tiefe der Erde, vielmehr auf die, offenbarsten Wechsel- Prozesse 
des Innern und Äussern des:Planeten, auf die geologische Welt; 
Ohne sie bleibt auch die Ungleichheit der Temperatur, ohne,sie 
also aueh der ‚letzte Grund u. s. w. der Luft - Strömungen; unlösbares. 
Geheimniss. ibilsueie 

‚Selbst zwar,vorübergehende Winde , die minder anhaltende Be- 
dingungen, als die herrsehenden, voraussetzen, ‚hat man vielseitig 
beobachtet, nicht aber von wannen sie kommen, schon erkannt „Arach, 
dem Maase ihrer Wirkungen auf das Meer, das Maas der Wirkungs- 
Fähigkeit. herrschender Winde auf eben dieses Element?) 
ermessen,. Unverkennbar z. B. bewirken elektro-magnetüsche Pro-, 
zesse der Atmosphäre oft.beftige Wind-Stösse. ‚Der: letzte ‚Grund, aber, 
der denkwürdigsten ‚Stürme dürfte häufig tiefer liegen ‚.als. dass er:be- 
sonnen allmählich, fortschreitender: Beobachtung und erfabrungstrener. 
Folgerung schon heute völlig klar seyn könnte, wo, .doch selbst |die., Na-ı 
tur der Wärme und Elektrizität, wie die des Magvelisung, apa strenge; 


*%) Beobachtungen über die Stärke des Windes zu Biene, 2. B. theilte 
erst kürzlich ForsLer Oster der zehnten Versammlung der Englischen Naturfor- 
scher mit (1840). Im Betreff älterer Beobachtungen erinnere ieh hier nur an Kru- 
senstenn’s Reisen Tlı. III wegen des Golfstroms. 


445 


Prüfungen fordert, ehe der Blick in jene Sphäre des grossen, ich möchte 
sagen, tellurischen Chemismus_ frei, wird, ‚die wir als meteorologi- 
schen Prozess betrachten, Über die Natur. bestimmter Orkane 
hat der Ernst. der Seefahrer auf verschiedenen; Meeren in neueren Zei- 
ten grosse, herrliche Aufschlüsse gewonnen, ‚Vieles aber ist in diesen, 
weit mehr noch. in tiefer greifenden Beziehungen, in jenen nämlich zu- 
rück, welche unter, bisher dem Anscheine nach oft widerstreitenden De- 
obachtungen die unaufbörliche Wechselwirkung des Innern 
und Äussern, die, unleugbare, des Planeten ahnen lassen. Mit 
en auf ee in meiner Schrift „Italien“ z, B. S. 670 
(Erl. zu S. 48) und an anderen dort angeführten Stellen - auffallender 
‚Erscheinungen gedacht, die in den Sturm-reichen Zeiten der Tag- und 
Naeht-Gleichen, in Perioden also eintraten, wo, mathematisch ge- 
nommen, ..die Differenz der Beziehung. der Erde auf .sich und ‚auf die 
Sonne, alsodes Äquators und der Ekliptik zum Minimum wird, ‚eine 
Differenz, ohne welche das bestimmte Leben.der Erde nicht zu denken ist * 

Ist nicht. selbst die Wolken-Bildung, die mit. der Natur =>, 
Winde und Gewitter so eng verbunden ist, auf unserer Erde ver- 
hältnissmäsig, fast: noch so rätbselvoll, wie im Blick auf unser Welt. 
System die Natur kometarischer Körper (Jabrb. 1834, 167 not.), 
die so durch und durch Atmosphären-- äbnlich erscheint, dass man von 
ihnen, wie aus umgekehrten Gründen von dem Monde, keine weitere 
Atmosphäre erwartet (Jahrb. 1834, 194)?.. Und sind nicht in der Bil- 
dung. der Gewitter. unsere Gebirgs-Systeme weithin mitthätig? 
Wie in Erzeugung, gewisser Meteore, auch, solcher, in denen sich 
Versuche fester Bildungen (sog. Kern-Bildung) zeigen, an den äusser- 
sten Grenzen der Atmosphäre der Äther mittbätig scheint (Jahrb, 1834, 
166 mit 1841,, 213, 226),.,so.sind in den tieferen Regionen des meteo- 
rologischen: all ‚der Erde (dessen Kraft ihre einfache Mitte 
in. den Gewittern; extremere Seiten z. ‚B. in Nordlichtern ete, offenbart) 
(Jahrb. 1834, 167 not.,, 1840, 413) — Land und Meer =; ‚kurz die 
geologischen Marken unseres Weltkörpers betheiligt, und durch wesent- 
liche. Vermitteluugs - Glieder,, keineswegs : auf bloss unmittelbare Weise 
bewährt ‚sich ‘in allen ‚umfassenden Prozessen die, Tiefe seiner ganzen 
individuellen. (spezifischen), Natur. 

Gross z. B. für seine Zeit war der Gedanke des Arısrorkius Ay" 
der: ‚Einfluss. der Sonne umbilde die Ausdünstungen des. Meeres so, 
dass sie, Erden) zurückfallend , die salzigen und bitteren Bestandtheile. 
des: Seewassers lieferten: er war ‚grösser in der That, als manche Hy- 
pothese, der, modernen Zeit, die. gleichwohl eine reifere Naturwissenschaft 
vor ‚sich, hatte. Würden wir aber nicht den Seholastiker n gleichen, 


#) Dort habe ich. kritisch auch die Beobachtungen berührt, die man auf einen 
zweifelhaften Zusammenhang zwischen vulkanischen und astronomischen 
"Verhältnissen, selbst auf den Zusammenhang geologischer Ereignisse mit gewissen 
Weltkre Be. durch die Atmosphäre sich verbreiten, gerichtet hat. 
*%*) ARISTOTELES Meteorol. Il, 3. , 
Ken Velten 9 = 


446 


welche dem Arıstorezes auch darin nur nachsprachen, wo er irrte, 
indem er das Meersalz auf meteorologischem Wege entstehen 
liess falls wir ausschliessend auch auf solchem Wege, auch nur von 
oben und nur noch mit Hülfe etwa der Achsen-Bewegung etc., alle Strö- 
mungen des Meeres, selbst den @olfstrom, erklären wollten ‚weil wir 
nur dafür grosse Auktoritäten (Jahrb. 1641, 207) vor uns haben? 
und wie klein sind die grössten Namen unserer Zeit neben ArısToteLzs! 
Wollten wir aber umgekehrt bloss von unten ausgehen, 'das Recht der 
übrigen Verhältnisse missachtend, so würden wir in diesem Punkte eben 
so einseitig verfahren, wie Marsıcrı *), welcher jenen Gehalt des Mee- 
res aus Steinsalz-Lagern, die er überdiess unbegriffen zurückliess, ab- 
leitete, statt, wie ich früher bemerkte (Jahrb: 1834 mit 1841, “200, 
208 ete.), beide aus Einem Prinzipe, doch in verschiedener Bestimmtheit 
zu würdigen und jener mehr flüssigen Ergüsse, welche‘ oft miassige 
Ausbiüche begleiteten (Jahrb. 1841, 200 n., 207 n., 208” n.), und 
jener Macht zu gefenken, die als Energie der Mitte gerade dem Ex- 
trem des sog. Flüssigen, dem Meere, nicht bloss Eis (Jahrb. 7841, 
214, 208 #. und die dort a. a. Stellen), sondern auch Salz, dem Extrem 
des Festen, den Gebirgen, die meisten Quellen gibt. Will man die 
Wunder des Meeres ergründen , so muss man auch das es us 
den festen Boden des Meeres beachten. ıu4 

Selbst der Einfluss herrschender Winde auf die Meeres-Ströme führte 
auf Würdigung der Länder-Masse. Bedingt aber die Länder-Masse der 
Erde die Natur jener Meeres - Ströme, so können doch die Küsten- 
Grenzen allein nicht Alles erklären, was die übrigen Verhältnisse 
unbegriffen zurücklassen, selbst abgesehen vom wechselnden Maase 
der Wärme im ganzen Lauf dieser Ströme wie an den Grenzen der: 
selben, und abgesehen von den Widersprüchen der Rückwirkung des 
Boden-Reliefs auf den oberen Lauf, wovon wir 'schon' (S. 443) gespro- 
chen. — Die Schwere gibt mächtige, klare Gesetze; nicht minder 
mächtige, nieht minder unbeugsame, nur heute noch minder klare gibt 
in harmonischer Gegenwirkung auch bier (Jahrb. 1841, 213) die Wärme. 
Auf ihre allseitigen Geheimnisse werden wir gewiesen, sobald wir an 
die Natur der Grund-Marken aller Meere, wie aller Festländer denken. 
Auf diese Grund - Marken führt zuletzt offenbar der besonnene Blick, 
dem keine Zwischenwand die Aussicht verstellt. ;’ 

In der Wissenschaft, wie vorläufig noch in der politischen Geschichte, 
ist die Zeit der Gewaltthat halbglücklich vorüber. Man sucht das Be- 
ständige; das rasche Aufbauen nackter Theorie’n , die bacchantischen 
Feste einer typhonisch überspannten Naturphilosophbie wichen der Er- 
müdung, ihrer natürlichsten Folge, und der grosse Thyrsus-Schwung- 
herr selbst, übersatt von den Allgemeinheiten, die er anti-herakleitisch 
in feuchter Begeisterung predigte, verirrte sich vom Taumel übermannt 
und fiel. in den gährenden Schwall schwer zu entwirrender Massen, 


*) Marsıcıı Histoire physique de la mer. Amst. 1725, Fol, 


447 


mit deren Trocknung und Zerbröckelung betriebsame Jünger bescheide- 
nen Kleinhandel treiben *). 

Sonach wendet sich Alles „ es wendete sich daher , so weit es ver- 
mochte **), sogar diess Geschlecht — auf das Einzelne, auf Anschauun- 
gen, welche ein Bewusstseyn gründen, das ohne sie nicht vollzogen 
wird (Jahrb. 1841, 209). Da ist es denn billig, dass man diese An- 
schauungen völlig durchdringe, nicht einseitiger Zerstreuung sich ergebe, 
das Kleinste vielmehr zusammenhaite, in gegenseitiger Beziehung es "”") 
fasse, in Allem die Natur selber, keine Theorie vernehme, die nur 
Schulen bilden will. | 

Selbst die kleinste Natur-Erscheinung ist für die Wissenschaft ein 
Heiligthum und fordert eben desshalb (Jahrb. 1841, 224) die 
gründlichste Prüfung. Nicht aber auf vereinzelte 'Thatsachen lassen 
sich darum Systeme bauen. Wohl jedoch sind die Winke zu beachten, 
welche uns naturtreue Zusammenstellung erprüfter, wenn auch noch 
vereinzelter Thatsachen gibt, zumal diese Winke zugleich und um so 
bestimmter warnende Zeichen sind, je tiefer sie auf Jie Räthsel 
der gesammten Erd-Geschiclhte deuten. 

Kein denkender Naturforscher wird verkennen, dass auch jene 
Meeres - Ströme ihre Haupt - Bedeutung nur im Systeme der grossen 
Erd-Bildungen finden , in denen sie ein so anziehendes, eigenthümlich- 
geordnetes Gebiet einnehmen, —. keiner das Bedürfniss in Abrede stellen, 
den Zusammenhang so mächtiger Erscheinungen, wie unter sich, so mit 
allen jenen zu erforschen, welche sämmtlich auf der Erd- Obeifläche 
sichtbar werden, Land, Meer und Atmosphäre zugleich betreffen, mithiu 
nicht ohne Blick auf die Natur der geologischen Welt im Grossen be- 
griffen werden können. Die Aufschlüsse der neueren Geologie selbst 
führen unabweisbar auch auf dieses Gebiet. In dieser Wissenschaft 
dürfte der gesuchte Schlüssel liegen, dessen Führung allerdings , soll 


=) Einen Blick auf diesen Unfug, der jetzt zur Schande deutscher Wissenschaft im 
S. und N. wieder gehägt wird, geben folgende Erinnerungen an ScHELLING’s 
höchst eigene Worte, In seiner „Zeiischrift für spekulative Physik“ bestimmt 
dieser Meister Il, 1, S. 6 die absolute Identität als die absolute „Vernunft“, 
welche (S. 19) „nicht Ursache des Universums, sondern das Universum selbst ist.“ 
Gleich darauf (S. 122) heisst es inderselben Sehrift — im vollsten Ernste: 
„Der Stickstoff ist die reelle Form des Seyns der absoluten Identität“. — Er- 
stickt nun diese Weisheit, die sich in derselben Abhandlung S. 4 frischweg für 
die „alleinige“ erklärt, — erstickt eingeständlich ihre ganze „Vernunft“ und „Iden- 
tität“ im Stickstoff, so kann es nicht melır befremden, wenn die Schüler und 
Anbeter dieses bescheidenen Helden neuerlich wieder Dinge vorbringen, die an 
Naivetät BERINnGER’s Unschuld noch übertreffen und völlig nur an jene frommen 
und leckeren Theologen erinnern, welche in kugeligen Hornsieinen des Berges 
Karmel — „versteinerte Melonen“ erblickten, so dass Jou. Pnıuıpp BREYN im 
Jahr 1722 zu Leipzig sich veranlasst fand, eine förmliche Epistola de melonibus 
petrefactis montis Carmel vulgo creditis herauszugeben, worüber man die acta 
eruditorum 1722, S. 439 nachsehen kann. 

"”) Wie wenig es in verwandtem Bezuge diess vermochte, zeigte unter Anderen MunckE 
gegen Scueruing in den Heidelberger Jahrb. 1832, V, 577 ff. 

“==) Vgl, Arez. v, HumsoLor Abh, Berl, Akad, 1877, 3. Juli, S, 295 f. mit 305 ft. 


448 


sie zum letzten Ziele führen, eine starke Hand fordert, ohne welche 
jedoch der Mittelpunkt, in dem sich die Strahlen der verschiedenen An- 
sichten vereinen, die daguerrotypische camera obscura, das Adyton die- 
ser Fragen nicht aufzuschliessen ist. Wie konnte man z. B. auf atmo- 
sphärische Verhältnisse das alleinige, schlechthin über diese Fragen 
entscheidende ‘Gewicht legen? Ihre Bedeutung haben wir gewürdigt. 
Vereinzelt man aber die Thatsachen, die Ein Ganzes begründen; dann 
ist, wie oben’ gezeigt wurde, Zerfallin widerstreitende Ansich- 
ten, wie sie heute noch über die Meeres-Ströme herrschen, nothwendige 
Folge. Und auf keinem Felde verirrt man sich- leichter, auf keinem 
noch heute verzeiblicher, als auf dem meteorologischen, in endlose Wi- 
dersprüche. Wie mit dem Fliegen, will es dem Menschen überhaupt 
mit der Luft noch am wenigsten oder doch am schwersten gelingen. 
In diesem durchsichtigen, schleichenden Elemente werden die einfach- 
sten Verhältnisse gleich die räthselhaftesten, und doch ent- 
hüllen sich, wie BrewsTEr glänzend gezeigt, auch diese, wenn man sie 
in bestimmte Beziehungen verfolgt, unfehlbar und sicher dem uner- 
müdeten Blicke (Jahrb. 1841, 207, 220, 224, 226. ff.).. Nach Gesetzen 
gehen auch sie vor sich, und diese Gesetze erschliessen sieh nothwendig 
dem beobachtenden Verstande. Die Frage aber nach den denkwürdig- 
sten Erscheinungen der Meeres-Ströme hängt von atmosphärischen und 
anderen, in engerem Sinne sg. physikalischen Beziehungen, die für: sie 
sämmtlich von hoher Wichtigkeit bleiben, unmöglich allein ab. Wird 
man jene Verwirrung , in die sie gebracht ist, jemals lösen, wenn man 
nicht zugleich auf tiefere geologische Gesetze gründliehe Rücksicht 
nimmt? Frei will und selbstständig jede Sphäre der Erkennt- 
niss, jede Wissenschaft ausgebildet werden. Je freier, 
aber je unbestochener von Neben-Beziehungen jede grosse 
Erscheinung beurtheilt wird, gerade um so tiefer, um so 
bestimmter führt sie auf den allseitigen Zusammenhang 
der Natur, auf jenes Maas, welches das Bandaller Dinge 
und jede Begrenzung bedingt und ihr Ziel begründet. Alle 
Haupt - Erscheinungen der unorganisch bewegten Natur weisen zuletzt 
auf den geologischen Boden des Lebens bin. Nur weil er 
diesen Boden weniger mit beachtete, konnte selbst einem FoRBESs *) 
B. die periodische Quelle zu Kissingen, deren sonstige Bedeutung er 
wit ausgezeichneter Klarheit darstellte — noch räthselhaft erscheinen — 
eine Quelle, die, wie ich in Ihrem Jahrb. 71841, 78 gezeigt habe, aus 
dortigen Gebirgs - Verhältnissen sehr einfach zu erklären ist. Eben das 
gilt auch in anderen Fällen: es gilt selbst von den Räthseln, . ge- 
rade von den grössten der Meeres-Ströme, | 
In der Überzeugung von der Allseitigkeit der Aufgabe dem geo- 
logischen Boden, was ihm gehört, zu unterwinden, seine vollen Rechte, 
die Rechte des grossen Zusammenhangs aller Wissenschaften der 


*) Edinburgh New plilosoph. Journal von Rogerr Jameson Vol. XXVI, 1839, 5. 326. 


449 


unorganischen Natur auch im angegebenen Bezuge zu sichern — wäre Die- 
ses in bestimmterem und ausgedehnterem Sinne, als man bisher wagte, 
gelungen; so wäre ich zufrieden, wenn auch die Vermuthung, die ich 
hier, wie in der Hertha entwickelt, auch in Ihrem Jahrbuche (1841, 224) 
schon angeregt habe, als bloses Fragezeichen gestrichen wurde, die Ver- 
muthung uämlich, dass bestimmte heisse Strom-Gänge des Mee- 
res in entscheidendem Verbande mit bestimmten Strichen 
vulkanischer Spalten der Tiefe stehen und dass das Relief 
des Meeres-Bodens, selbst in grosser Tiefe, erbeblichen 
Eiufluss auf die Richtung und Begrenzung gewisser, viel- 
leicht nicht bloss solcher Meeres-Ströme äussert, von welchen 
nachzuweisen ist, dass sie in weiten Strecken in der Tiefe heisser sind, 
als nach oben. Dennoch scheint wir diese doppelte Vermuthung durch 
die augegebenen Thatsachen und Gesetze der Mechanik, Meteorologie 
und Geologie in gewissem Maase gesichert. Auch fand sie schon freund- 
liche Aufnahme. Aber ganz ins Reine zu kommen, bedürfen wir noch 
zahlloser Beobachtungen, Vorläufig sollte nur ein kleiner, ein !minder 
beachteter Aunhalts-Punkt, ein mitbedingender Faktor zum Verständniss 
solcher, sonst oft scheinbar sich widersprechender Beobachtungen und 
ihres Zusammenhaängs mit dem grossen Ganzen der Erd-Bildung ge- 
geben werden. 

Zeigen nämlich schon die denkwürdigen Umwälzungen, deren Er- 
gebniss die heutige Gestalt der Erde ist, je genauer gewürdigt, um so 
grösseren Zusammenhang, erscheinen sie als objektive, als periodi- 
sche Schlussfolgen, als Ereignisse nach bestimmten Gesetzen 
(Jahrb. 1834 z. B. 203 #., 1841, 212, 205 ff.), die man, wie räthsel- 
haft sie noch seyn mögen, bis in astronomische Gebiete, oft nur 
durch kleine Analogie’n *), oft leider durch blose Vergleichungen zu 
verfolgen wagte, die nie ungestraft einseitig genommen werden; wie 
viel auschaulicher ais letzte muss das Band der Gesetze seyn, welche 
die Vertheilung der Länder, Meere, See’n und Ströme be- 
dingt haben **). 

Jedenfalls ist die. Frage nach diesen Wundern des Meeres nicht 
ohne Bedeutung für das Verständniss der alten Bildungen des 
‚Wassers und selbst jener vorbiın berührten flüssigen Er- 
güsse, die das Aufquellen plutonischer Massen oft im Grossen 
begleiteten (Jahrb. 1841, 200 ff., 213, 224 ff. mit 1834). Von der er- 
neut hinreissenden Kraft der Anziehung, welche diese mehr gleicharti- 
gen (sog. normalen) Gebilde wieder ausüben, sprach ich erst kürzlich 
in Ihrem Jahrb. 1841, 227, indem ich bemerkte, dass auch die reine 
Natur dieser Felsarten, die verschiedene Form ihrer Schichtung, 
dass nieht bloss ihr Reichthum an Verstein erungen die Hierogly- 
phen-Schrift des Lapidar-Styls ihrer Entstehung ausmacht , dass aber 


*) Jahrb. 1834, 194 mit Cur. Kavp,, Italien, Berlin 1337, 5. 670, Erl. zu 48 über die 
Beobachtungen Forster’s zu Cambridge, wovon oben. 
“*) Jahrb. 1834, 171, 177 ete. Hertlia 1836, S. 136 fi. 


450 ? 


nicht umsonst die Araber Äyyptens diesen Spuren versunkener Schöpfun- 
gen, welehe auch die Aufmerksamkeit altgriechischer Denker schon 
auf sich gezogen *), einen Namen nach der Sphinx ihres Landes gaben, 
Die eigene Natur schon des heutigen, wie des alten Meeres (Jahrb, 1841, 
234) weckt, ohne unter der Hand weitere Zuthat, im Blicke auf das Erd- 
Gebäude, mit selbstständigem Reitz den forschenden Verstand. Wohl 
begegnet jener Blick oft düsteren Wolken und sieht nicht Alles 
gleich, wie es ist. Auch Irrthum indess, wenn der Prüfung werth, 
wird durch diese in jedem Gebiete Förderung der Wahrheit und selbst 
die berrschende Macht des Tages, die praktische Thätigkeit in mechani- 
schen Kreisen lehrt — dass auf die einfachste Weise das Grösste 
nur da erzielt wird, wo man die verschiedenen Mittel, wie in der 
Wissenschaft entsprechende Gedanken zusammenhält und durchführt. 
Dort raht die Kohle, dort das Eisen, dort diess und jenes. Ordne die 
Mittel und auf geebneter Bahn führt Dich gesichert die einfachste 
Mascbine von selber aus Ziel! 


Car. Kape. 


Würzburg, 21. April 1842, 

Im September des jüngst verflossenen Jahres wurden von dem Hın, 
Pfarrer VorBEcK zu Aura an der Suale zwei Fährten- Abdrücke aus 
dem Bunten Sandsteine der dortigen Gegend an die hiesige königl. 
Kreis-Regierung eingesendet und von dieser der mineralogischen Samm- 
lung unserer Universität überlassen, Dieselben bestehen aus gıünlichem 
Saudmergel, sind 13° bis 3° dick, ganz frei von umgebendem Gestein 
und zeigen den Umriss, wie ich solchen (Tafel VIII A, Figur 1, 2) 
beilege. An der Seite eines dieser Fährten- Abdrücke sieht man 
(bei a) Schuppen -artige Erhabenheiten, so wie auch leicht erkenn- 
bar ist, dass einer jener Abdrücke von einem rechten und der andere 
von einen linken Fusse herrührt. Legt wan beide mit der flachen Seite 
zusammen, so passen die Zehen ziemlich gut aufeinander. Über die 
näheren Lokal - Verhältnisse des Fundortes kounte ich seither keine 


”) Über den AıSos KOPXITES (Muschel-Marmor) der Alten vgl. 2. B. Pausan. Attic. 
c. 44, $. 9 und die Erklärer. Nur in Megara brach nach Pavsanıas jener weisse 
und weiche ArSos KOYXITES, aus welchen Kuustwerke gearbeitet wurden, wie 
sie aus CıcEro’s Briefen an ArtTıcvs 1, $ bekannt sind. Vrgl. die Erkl, zu OrRPHEUS 
zrepl Aısov, zu THEoPHRAsSTus de lapidibus etc. Überhaupt dachten die Alten 
über solche und andere Erscheinungen „ so wenig sie auch dieselben genau kann- 
ten, viel vernünftiger, als die fronımen theologisch Gelehrten der neueren Zeit, 
welche lauf aufklagten, als Worr in den „Gedanken von den Wirkungen der 
Natur“ 6. 375 erklärte, die Sündfluth reiche nicht aus. Man treffe Versteine- 
rungen in verschiedenen Lagen. Vgl. Jonann Jacoß SCHEUCHZER’S piscium 
querelas et vindicias 1708. Ausserdem J. Gesser’s Tractat. de petrificatis., Ed. 2, 
Ludg. Batav. 1758, und andere schon von Faseıcıvs in Syllab, scriptor. de verj- 
tate religionis christianae Cap. 13. p. 365 angrführte Schriften. 


451 


Auskunft erhalten, und hierin liegt der Grund, wesshalb ich bis jetzt mit 
der Anzeige von diesem Funde zurückhielt. 

Bei dieser Gelegenheit übermache: ich Ihnen eine flüchtige Skizze 
von dem Bruchstück eines sehr mürben Geweihes von schmutzig- 
selblichweisser Farbe , welches ich der Güte meines Kollegen LeiısLeın 
verdauke,. Dasselbe wurde im verflossenen Jahre in der Nähe eines 
mächtigen Gyps Stockes. (im Muschelkalke) am Steinderge bei Würzburg 
ungefähr 12° unter der Oberfläche gefunden, doch mangeln wir auch 
hier speziellere Nachweisungen über die Fundstätte. 

Bei Hochberg, 1 Stunde von hier, wurde in dem letzten Sommer 
beim Zerschlagen eines ganz festen Muschelkalk - Bloekes ein lebender 
Froseli entdeckt. Die Arbeiter im Steinbruche legten keinen beson- 
deren Werth auf diese Beobachtung: bis ich daher Kunde davon erhielt 
und an Ort und Stelle kam, war weder Thier noch Stein mehr zu 
sehen; die Aussagen der Arbeiter auf meine desshalb gestellten Fragen 
stimmten jedoch genau mit einander überein. 

Dass Trigonotreta fragilis, welches früher hier ganz übersehen 
wurde, in dem hiesigen Muschelkalke gar nicht selten vorkomme, ist 
Ihnen bekannt, da ich das Mineralien-Comptoir zu Heidelberg reichlich 
damit versehen habe. Erst vor Kurzem wurde wieder eine Partie reich- 
lich damit besetzter Platten beigeschafft. — Auch von Placodus gi- 
»as Acass. habe ich einen sehr schönen Zahn 1 Stunde von hier in 
Muschelkalk erhalten, meines Wissens den ersten, der in biesiger Gegend 
aufgefunden wurde. — Wirbel- und andere Knochen von Sauriern sind 
in dem. hiesigen Muschelkalke nicht sehr selten, kommen jedoch in 
Schichten vor, welche bis jetzt durch Steinbrüche wenig zugänglich 
zemacht sind. 

Noch muss ich bemerken, dass ich den Dolomit, welcher in dem 
Katalog des Heidelberger Mineralien - Comptoirs für geognostisch-petre- 
taktulogische Sammlungen S. 45, 312 (262) als oberstes Glied der 
Muschelkalk-Formation aufgeführt wird, dem Keuper-Gebilde angehörig 
und zwar als Glied über der Letten-Koble erklären muss. Ich werde, 
sobald es meine Zeit erlaubt, völlige Gewissheit darüber zu erhalten suchen. 

| Rumpr. 


Friedrichshütte bei Tarnowitz ın Schlesien, 
25. April 1842. 


In. dem Oberschlesischen Muschelkalk habe ich eine dieser Forma- 
tion bisber fremde Versteinerung aufgefunden: Delthyris rostratus 
v. Zier. Als solche erklärt sie Hr. L. v. Buch, der die Güte gehabt 
hat, meine Exemplare zu untersuchen. Er findet dieselbe völlig über- 
einstimmend mit der in den Gebilden von St. Cassian in Tyrol gefun- 
denen Art, welche mit vielen andern daselbst entdeckten, bisher unbe- 
kannten Formen vom Grafen Münster voriges Jahr in den Beiträgen 
zur Petrefakten - Kunde bekannt gemacht worden ist. Wegen Mangels 


452 


an Analogie'n entscheidet sich Graf Münster nicht bestimmt über die 
Formation, welcher jene Petrefakten angehören könnten, lässt jedoch 
durchblicken,, dass der Muschelkalk immer die Mitte ausmache, um 
welche sie schwanken. Hr. L. von Buc# sagt nun in einer Zuschrift 
an mich, dass er sich jetzt, nachdem zwei der Versteinerungen von St. 
Cassian in dem hiesigen ausgezeichneten Muschelkalk aufgefunden wor-' 
den sind, nämlich schon früher Terebratula trigonella und jetzt 
Delthyris rostratus, nicht länger bedenke, die Verwirrung der For- 
mations-Charaktere von St. Cassian zu läugnen und Alles dem Muschel- 
kalk zuzurechnen. Auf Veranlassung des Hrn. L. von Bucn lasse ich 
- jetzt den hiesigen Fundort der D. rostratus durchsuchen 'und alle 
daselbst vorkommenden Versteinerungen sorgfältig sammeln, in der Hoff- 
nung, noch mehr Seitenstücke zu den Formen von St. Cassian zu finden. 
Bis jetzt ist die Ausbeute jedoch nicht erheblich gewesen. Mit Ausnahme 
einer gerippten Terebrabel und einiger Bruchstücke von Stein-Kernen 
grosser Muscheln, die ich nicht zu bestimmen wage, sind nur solche 
Petrefakte aufgefunden worden, die der Muschelkalk auch anderwärts 
darbietet, nämlich Plagıostoma striatum, Delthyris flabellifor- 
mis Zesk., Trochiten vom Lilien-Enkrinit und ein Krebs — Pem- 
phix Sueurii. Alie von diesem Fundort gesammelten Gegenstände 
liegen dem Hrn. L. v. Buc# vor, der die Güte haben will, dieselben zu 
bestimmen. 

Die Fundstätte der D. rostratus ist ein Steinbruch bei Tarnnwitz, 
welcher einem Hrn. Böum angehört. Die Muschel findet sich daselbst in 
grosser Menge in Exemplaren von 4“ — 1’ Länge, deren Dimensions- 
Verhältnisse sehr variiren. Als Regel ist jedoch anzunehmen, dass die 
Breite beträchtlicher als die Länge und Dicke ist. Die hiesigen Exem- 
plare besitzen daher nicht die kugelige Form der im Lias vorkommen- 
den, sondern erscheinen mehr breitgedrückt. Die Hohl-Kehle auf der 
Rücken-Klappe ist nur bei grössern Exemplaren völlig ausgebildet; die 
ihr entsprechende Wulst auf der Bauch-Klappe ist nur am Stirn-Rande 
bemerkbar und tritt daselbst unter der Wellen-förmigen Biegung, welche 
die Einbuchtung der Rücken-Klappe veranlasst, hervor. Die Area er- 
reicht nieht die Breite des Schlosses und die Rücken - Klappe ist zu ihr 
hin auf der Kante abgerundet. Das Verhältniss zwischen Breite und 
Höhe der Area wechselt sehr. Nach Hrn. L. von Buch ist die Area 
jedoch höher als bei der in andern Gebilden vorkommenden Muschel 
derselben Art. Eine bei allen hier aufgefundenen Exemplaren bemerkte 
und sehr deutlich hervortretende Eigenthümlichkeit ist die Umgrenzung 
der Area mit einer scharfen Leiste, ganz so wie bei D, rostratus 
von St. Cassian, welche Graf Münster hat abbilden lassen. Zuwachs- 
Streifung ist stets vorhanden , jedoch nur am Rande. Die Schaale ist 
diek, meistens glatt, jedoch findet sie sich auch rauh und bisweilen 
Damast -artig gezeichnet, indem sie mit kleinen Wärzchen bedeckt ist, 
die mit konzentrischen Ringen umgeben sind. 

Das Gestein, welches D. rostratus eiuschliesst, gehört zu den 


453 


hangendsten Schichten des hiesigen Muschelkalkes und ist mit dem sg. 
wilden Dach - Gestein von Oppatowitz, welches auf dem Dolomit der 
Friedrichs-Grube ruht, identisch. (Ich bitte „Puscn’s geogn. Beschrei- 
bung von Polen“ etc. I, 260 zu vergleichen, wo von diesem Gebilde 
die Rede ist, jedoch die zanz unbegründete Vermuthung ausgesprochen 
wird, dass dasselbe schon dem Jurakalk angehöre.) Die identität des 
in Rede stehenden Gesteins mit dem Oppatowitzer Kalkstein ergibt 
sich daraus, dass die untersten Lagen im Bönm’schen Steinbruch eine 
dolomitische Beschaffenheit annehmen und: Versteinerungs - leer sind. 
Hinsichtlich der Einschlüsse von organischen Resten findet jedoch zwi- 
schen diesen Gebilden wenig Übereinstimmung Statt. Nur Plagio- 
stoma striatum, Delthyris flabelliformis und Enerinites 
liliiformis finden sich sowohl bier als dort. Terebratula vulga- 
ris, Pecten discites, Ceratites nodosus, so wie die Fisch- und 
Saurier-Reste, welche der Oppatowitzer Kalkstein in so grosser 
Menge und Manchfaltigkeit ‚darbietet, scheinen in dem Bönm’schen Stein- 
bruch gänzlich zu fehlen. | i 
Die Mächtigkeit der Versteinerung - führenden Lage im Bönm’schen 
Steinbruch beträgt 2—3 Lachter. Das Gestein ist deutlich geschichtet, 
die Schichten fallen mit geringer Neigung gegen S. ein und sind 1’—2‘ 
stark. Die Ablosungs- Flächen sind mit Stylolithen bedeckt, deren 
Säulen meist senkrecht auf den Flächen stehen und diesen dadurch ein 
schr rauhes Ansehen geben. Das Gestein enthält viele Feuersteis- 
Knollen, ist dicht, besitzt eine hell gelblichgraue Farbe, flach-muscheligen, 
auch wohl ebenen Bruch und ein melr erdiges als feinkörniges Gefüge. 
"Die Entdeckung der D. rostratus im Muschelkalk hägt zur 
Bestätigung der von Ihnen gemaebten Bemerkung bei, dass die Forma- 
tionen nicht scharf gegen einander abbrechen , sondern Übergänge er- 
lauben, Vielleicht bin ich im Stande hierzu noch mehr Belege zu liefern. 


MenTzer, 
Hütten-Inspektor. 


m mn 


Neue Literatur. 


A. Büche:e. 
1838. 


Heısa. D. Rocers (des Staats-Geologen) : zweiter Jahres-Bericht , gele- 
sen im Senat den 1. Febr. 1838, Harrisburg (104 SS.), 8°, 


1839. 


Heınr. D. Rocers: dritter jährlicher Bericht der geologischen Unter- 
suchung des Staates Pennsylvanien, gelesen im Hause der Reprä- 
sentanten am 19. Febr. 1839, Harrisburg (138 SS.), 8%. 


1841. 


J. DE CuARrPENTIER:  Essai sur les glaciers et sur,;le terrain erratique 
du bassin du Rhöne [363 pp. avec des vigneltes, des planches et 
une carte], Lausanne 1841, 8°. 

L. pe Koninck: description des animauz fossiles, qui se trouvent dans 
le terrain houiller et dans le systeme superieur du terrain un- 
thraxifere de la Belgique, Liege, 4°, Livr. ı, ıı, sm, p. 1--144, 
pl. A—H und ı—vıı avec leur explication [9 fl. 36 kr.] (soll xı—xsı 
Lieferungen geben). 

A. Pricurn: History of Infusoria, living and fossil, arranged according 
to „EHRENBERE’s Infusions- Thierchen“, coutaininy coloured engru- 
vings of all the genera and descriptions of all the species in that 
work with several new ones, London, 8° [vgl. S. 319]. 

Henry D. Rocers (Staats-Geologen): fünfter Jahres-Bericht über die 
geologische Untersuchung von Pennsylvanien, Libanon (188 SS.), 8°. 


1842, 


F. J. Hucı: über das Wesen der Gletscher und Winter -Reise in das 
Eis-Meer (135 SS.), 8°, Stuttgart und Tübingen [1 fl. 48 kr.]. 

Cu. LyeıL: Grundsätze der Geologie, oder die neuen Veränderungen der 
Erde und ihrer Bewohner in Beziehung zu geologischen Erläuterun- 
gen; III. Band: die neuen Veränderungen der organischen Welt 


455 


zur Erläuterung geologischer Thatsachen, mit 6 lithogr. Tafeln; — 
nach der 6. Original-Auflage übersetzt von C. Hartmann (431 SS.), 8°, 
Weimar [a fl. 48 kr.; — vgl.'Jahrb. 1841, 462]. 

A. v’Orsıeny: Paleontologie Frangaise [Jahrb. 1842, 235), Tome T, 
Livr. xxximt—XL, Ir, 9. 431—662, pl. 128—166 [p. 1—662 und 
pl. 1— 148 bilden den Z. Band: Cephalopoden,, mit Register und 
einigen Cartons]. 

F. L. Ruope: Gedrängte Übersicht der Revolutionen der Erd- Kruste 
und der in den Schichten der Erde begraben liegenden Thier - und 
Pflanzen - Schöpfungen der präadamitischen Vorwelt, Darmstadt 
(39 SS.), S® [36 kr.],. Missverstandenes, Halbverdautes und theuer 
Verkauftes! x 

P. DE TenimkatcHorr: Coup d’oeil sur la Constitution geologique des 
provinces meridionales du royaume de Nuples; suivi de quelques 
notions sur Nice et ses environs, 284 pp., 8°’ et 1 carte geol., Berlin. 


B. Zeitschriften. 


Karsten und v. DecHen: Archiv für Mineralogie, Geognosie, 
Bergbau und Hütten-Kunde, Berlin, 8° [vgl. Jahrb. 1841, 688]. 


1841, ı, XVI, ı, S. 1—1420, Taf. ı—ı1. 

ScHEERER: Bildungs-Gesetze des Gmeises mit besonderer Beziehung auf 
die Keırnau’sche Theorie, S.. 109— 166. 

Beexs: neue Knochen - Höhle in Westphalen, S. 167—186. &= Jahrb. 
1841, 143). 

NozegerAtH: Erdbeben in der Rhein-Provinz im März und April 1841, 
S. 349—357. 

Noesseratn: Basalt-Durchbruch im Bunten Sandstein bei Nierstein am 
Rhein, S. 358—363. 

NoessErATH: Vorkommen des Gabbro bei Ehrenbreitstein, S. 363—366. 

Kersten: Vorkommen des Vanadins in den Kupferschiefer - Schlacken 
der Mannsfelder und Sangerhäuser Hütten und zu Richelsdorf in 
Hessen, S. 367—369. 

Kersten: Resultate der Prüfung des Kupferschiefers u. a. Mineralien 

_ auf Vanadin, S. 370—372. 

Kersten: über einen in Brauneisenstein und Bitumen umgewandelten 
Menschen-Schädel, S. 372—375. 

RBussescer: Bildung des Natron-Salzes in den Natron - See'n Ägyptens 
und über das Wüste-Salz, S. 3350—388 [aus des Vfs. Reisen]. 


J. Fr. .L. Hausmann: Studien des Göttingischen Vereins berg- 
männischer Freunde, Göttingen, 8° [vgl. Jahrb. 1838, 422] 
enthalten : | i 

1841, IV, ıı, S. 1—397, Tf. n. } 
Hausmann: Krystallisation des Kupfer- u. des Autimon-Nickels, S,347—349. 


456 


Hausmann: blättriger Graphit aus Zeylan, S. 349-351. ı 
„Eisenstein vom. Steinberge bei Markoldendorf, S. 361— 354. 
STRIPPELMANN: Flötz- artige: Einlagerung basaltischer Massen ‘in der 
Habichtsspieler Kohlen-Ablagerung am Habichtswalde, S. 355-358. 
— — Vorkommen‘von Gyps und Sehweiel in Prauakoblas Ablagerungen, 
S. 358— 359. 5 ns HET N 
Bussen: dessgl., S. 359— 361. st Fahukeia 
„».. - »über die ‚Nauheimer. Thermal. Quellen, 'S. 361-366, I 
ge über: sg. BEER Glimmer, S.,374—377. 1 H; Bun - 


J. C. Poctenporrr: Annalen der Physik ad Chemie, kg, 8° 
enthält an Einschlägigem in i 
1842, ı, u; Lv, En 15, Ss. es TE. 1m. 
C. Zınken und C.-Bromsıs: Bildung von "Cyan - Verbindungen in den 
Prodükten des Mägdesprunger Hochofens, S. 89—97. 
H. Rosz: Untersuchungen einiger Mineralien in seinem u 
1) Awpsesew: Leuzit und! Analzim, S. 107. 
2) Rosares: Oligoklas von Arendal, S. 109. 
3) BopEmann und Lırto: Oligoklas und Feldspath, = 110. 
4) C. Bromsis: Glimmer vom Vesuw, S. 112. 
5) v. Würrn: Okenit aus ?/sland, S. 113. 3 er 
6) Moss Strahl. Aeolith, S.114: oh astsesd-wennbliil = ummern 
. 7) Ta. Bopemann: Buntkupfererz, S. 115.10 „0. X 4ih 
-8):C. Ta.» Börtser : dunkles: Rothgültigerz aus Mezika, S. 117. 
9) C. Bromzıs: Fahlerz von Durungo in Mexiko, S. 117. ı\ 
C.: Kersten: Untersuchung eines. krystallisirten Hütten - Produktes. bei 
der Blei-Arbeit in Freiberg, S. 11S—121. 7 or 
G. Rose: Dimorphie. des Palladiums, 8. 329—331: 


try. y 
i Eii.dk) 


The Annals a. Magazine u N en Blume: London, She [val. 
rn. 1841, 689]. i 
1841 Oct. — 1842 March, no. 4854; FI, 2-6 ad. Eupen. 
S1—552 a. vum, pl. mx. i i 
S. Peace Prarr: Beschreibung einiger "neuen Ammoniten - Arten des 
‚‚Oxfordelay in der grossen West - Eisenbahn bei Christian - - Malford, 
8. 161-165, pl. m—vı. bis le 
H. D. Rocers, Larpner Vanuxem, R. C. "TarLor, EREngzER Einmons 
und T. A. Conkan: Bericht über die von Hitchcock beobachteten 
Ornithichniten im New-red-Sandstone von Massachusetts und 
Connecticut, S. 235—238 [Jahrb. 1841, 739]. 
R. J. Murcsison: Ergebniss seiner zweiten geologischen Reise in Russ- 
and [Brief an Fischer, Jahrb. 1842,91], S. 289-294. 
Durocuer und Bowmann: über Eis- oder Diluvial- Phänomene in’ den 
Pyrenäen und in Britannien, S. 319. | 
Wesrwoon.: über fossile Flügel- Decken zu lonöbfiehl, S. 456. RT 


457 


S, Sturcununy: neues Genus fossiler Anasheln: Pachyodon, S. 481— 

486; pl. 1X, x. 

Proceedings of the Geulogical Society 1841, Febr. 14 — Juni 16 (einzeln). 

Murcsison : über einen Durchsebnitt und Petrefakten-Liste- aus New- 
York von James Harz (7. Apr.), S. 506— 507. 

R. Owen: über Labyrinthodon, S. 305—314 [Jahrb. 1841, 629]. 

P. G..Ecerron: Trias-Fische in Englund: (7. Apr.), S. 391—392. 

Buckranp: Benagung und Aushöblung festen Kalksteins, durch Land» 
schnecken (19. Mai), S. 459. 

J.Scort BowErgBanK: über Moos-Achate u. a, kieselige Körper (19. Mai), 
S. 460—462. 

Cu. Lyerr: die Faluns der Loire, Vergleichung: ihrer Fossil - Arten 
mit denen der neuern Tertiär - Schichten im Cotentin,. und. über 
das relative Alter der Faluns und des Crag in a (2. Juni), 
S. 507—514. 

D. LanosgorousH: Beschreibung der neu - pliocenen ie zu 
Stevenston uud der post-tertiären Niederschläge zu Stevenston 
und Largs in der Grafschaft Ayr (16. Juni),.S; 514—515, 

° MacraucHLan: Noten zu den von ihm und, SrırL' in Pembrokeshire 
gesammelte Fossilien (eud.), S. 515—517. ’ 

R. Owen: Beschreibung einiger Reste eines wahrscheinlich re hen 
Riesen-Krokodiliers aus dem Unter-Grünsand zu Aythe, und von 
Folyptycehon - Zähnen aus gleicher Formation zu Maidstone 

 (eod.), S. 517—520. 


—. 


The London and Edinburgh Philosophical Magazine and 
Journal of Science (incl: the Proceed. ofthe Geovlog. Soc. 
of London), London, 8° [vgl. Jahrb. 1842, 324]. 


1841, Nov. — Jan.; XIX, v—vı a. Suppl:; no, 125 — 127, 
p- 337—608 a. vr. 
M.P. Moyrr: Analyse der Luft einiger Cornischen Gruben, S. 357—369. 
Proceedings of the Geological Society of London, 1841, Febr. 24. 

R. Owen: Beschreibung von Theilen von 5 Labyrinthodon-Arten und 
über die Identität von Cheirotherium mit dieser Sippe fossiler 
Batrachier, S. 394—402. 

Durocher: polirte Felsen zu Fontainebleau (Compt. rendus, 1841, 

Jul. 12), S. 409—411, 

R. I. Mvreuison: erste Skizze einiger Haut-Resultate einer zweiten 
geologischen Untersuchung Russlands, S. 417—423. 

R. Hıre: über die Theorie der Stürme, in Bezug auf ReprırLn’s An- 
‚sichten, S. 423—432. 

R. Hunt: über die Verwandlung von Kupfer- Bisulphuret in Sulphuret 
(Gias-Kupfer) durch Elektrizität, S. 442—445. 

J. E. Bowman: die Frage über den Beweis des vormaligen Daseyns 
von Gletschern in N.-Wales, S. 469—479 [wird verneint]. 


458 


Proceedinys of the Royal Society, 1841, Jun. 17. 
Henwoop’s: Versuche über die elektrischen Bedingungen der Gesteine 
und kiyene von Longclose- und Rosewall- Hill-Gruben in Kg 
wall, S. 483. 
Proceedings of the Gevlogical Society, 1842, März 24. 
Müurcusson und Ds Verweuin: über die geologische Struktur der nörd- 
lichen und mitteln Gegenden von Europäisch- Russland, S. 489-500. 
BrayLey’s Vorlesungen über Feuer-Meteore uud Meteoriten, S. 500—502, 
Proceedings of the Geological Society, 1841, Apr. 7. — Mai 19. 
P. Grey Ecerton: Trias-Fische in Britischen Schichten, S. 522. 
NorDessKiörLn:: gefurchte Felsen in Finnland, S. 524. 
T. Buıtey: Kies-Ablagerungen bei Basfurd, S. 525. 
Thompson: Bohr-Brunnen zu Longfleet, Dorset,, 526. 
Crase: Block-Ablagerungen bei Glasgow, S. 528. 
Murcnsison: über J. Hırr’s Durchschnitte und Petrefakten- Liste aus 
New-York, S. 530. 
W. B. CrarkeE: geologische Erscheinungen bei der Kupstadt, S. 531. 
Cu. Darwin: Vertheilung erratischer Blöcke und gleich-alte unge- 
schichtete Ablagerungen in Süd-Amerika, S. 536. 
BuckLann: Abnagung und Aushöhlung harter Kalksteine durch Land- 
sehnecken, S. 541. | 
J. Scort BOWERBANK: Ursprung und Struktur der Kreide-Feuersteine 
und Grünsand-Kiesel, S. 542—547. 
Proceedings of the Royal Irish Akademy, 1341, Dee. 14. 
Avrsoun: Zusammensetzung des Pyrops, S. 594—595. 


C.. Zerstreute Aufsätze. 


1. A. Conen: ‚Beiträge zur eologischen Kenntniss unsres Vaterlandes 
[Hol!avd] (v. 2». Hoerven An DE Vriese Tijdschr ı,. 1842, IX, 17— 67). 


Auszüge 


y 


— 


A. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


P. Sıvı: Branchit, eine neue brennliche Mineral-Art aus 
‘der Braunkohle bei Monte Vaso in Toskana (Isis 1841, 558). Von 
'Savı benannt zu Ehren Prof. Brancur’s in Pisa, der sie zerlegt hat, 
"Durehbsichtig; ritzbar [dureh ... .?]; im Bruch raub; fettig anzufühlen; 
‘ohne Geruch und Geschmack; bei 60° R, schmelzbar, gelbwerdend; 
ist entzündlich und flüchtig mit Rauch und schwachem Geruche, ohne 
Rückstand; wird durch Reiben elektrisch; wiegt wie Wasser; ist in 
Weingeist auflöslich; krystallisirt daraus in zarten Blättehen; löst sich 
auf in flüchtigen und fetten Ölen. Ein Krystall war ein rhombogd i- 
sches Prisma. “Ähnlich sind der Scheererit (Naphthalin) und Tuom#- 
'son’s Meerwachs; aber jener schmilzt schon bei 36°, riecht bren- 
‘zelig und krystallisirt nach der Schmelzung; dieses hat ein anderes 
Vorkommen und ist wenig bekannt. Das Mineral bildet mit Chalcedon 
und Eisenkies kleine Adern in Lignit. BruncHr’s Analyse steht im 
"Giornale Toscano di scienze, Pisa 1840, I, 30. 


Cravssen: Vorkommen der Diamanten im Alten rothen 
Sandstein Brasiliens (Brüsseler Akademie 71841, Mai 7 >> VInstit. 
1841, 266). Anfangs 1839 entdeckte man die Diamanten auf primitiver 
 Lagerstätte im Psammit-Sandstein des Serro do Santo Antonio de Gra- 
"mayoa in der Provinz Minas geraes. Dieses Gebirge besteht aus 
'mwächtigen Sandsteinen, welche mitunter das Ansehen des Itakolumits 
"haben; aber ihre wenig geneigten Schichten ruhen unmittelbar auf 
"Übergangs - Macigno und lassen daher keinen Zweifel zu über ihre 
“Identität mit den psammitischen Saudsteinen von Abaethe. Da das 
' Gebirge an der Oberfläche mürbe und mithin leicht zu zermalmen und 
die Diamanten leicht zu gewinnen waren, so liefen über 2000 Menschen 
“hinzu, um es zu bearbeiten; sie machten bald einen Theil des Gebirges 

Jahrgang 1842. 30 


460 


einstürzen, was ihnen förderlich wurde; aber in der Tiefe ist das Ge- 
stein hart und die Arbeit mühsam. Die Diamanten sind im Psammit 
eingebettet; im Itakolumit- Sandstein liegen sie zuweilen zwischen den 
Glimmer-Blätteben, fast wie Granaten im Glimmerschiefer. Im Museum 
zu Rio Janeiro sieht man einen ziemlich grossen abgerundeten Dia- 
manten mit sehr deutlichen Eindrücken von Quarz-Körnern. — Ein 
Franzose, MarLArn , zu Quro Preio besitzt ein 2‘ langes und 1°’ brei- 
tes Stück metamorphosirten Sandsteins vom Aussehen des Itakolumits, 
das einen als abgerundetes Oktaeder krystallisirten Diamanten von etwa 
2 Gran Gewicht enthält, wofür er 3000 Francs fordert. Ein Brasilia- 
nischer Negoziant zu Rio Janeiro besitzt ein Faust-grosses Stück gelb- 
lichen Sandsteins mit 2 Diamanten in Form des vollständigen primitiven 
Oktaeders, der eine. etwa 1 Karat, der. andere 1 Gran schwer. — Alle 
Diamant-Krystalle im Itakolumit-Sandstein sollen abgerundete, alle im 
Psammit frische Kanten haben, woraus folgern würde, dass dieselbe 
Ursache, welche den Psammit in Itakolumit verwandelte, auch auf die 
Krystalle wirken konnte. — Nie sind die. Diamanten in eine Erd-Rinde 
eingebüllt, wie einige Autoren geschrieben haben, Ihre Oberfläche ist 
‚gewöhnlich glatt, selten rauh. Sie sind sehr leicht zu erkennen, wenn 
man sie.ins Wasser legt, indem sie dorf ihren ganzen Glanz behalten 
und einer Luft-Blase ähnlich sind, während alle andern Edelsteine den- 
selben verlieren. — Noch hat die Brasilianische Regierung keinen Werth 
„auf, die Entdeckung des ursprünglichen Diamanten-Gebirges gelegt, 


R A. Erman: Gediegenes Eisen aus der Petropawlowsker Gold- 
seife (Erm. Arch. f. wissensch. Kunde von Russland, 1841, I, 314— 
320). . Bearbeitet hauptsächlich nach einem Aufsatz SokoLowsksr’s im 
Gornoy Journal, 1841, Juli, dann nach einigen andern Quellen. Die 
.Gold- führende Trümmer-Formation von Petropawlowsk im Bezirke des 
‚Mrasa -Fiusses liegt in 52°7 Br. und 85°7 ö. L. von Paris, am NW.- 
Abhang des Kusnezker Gebirgs-Zuges zwischen den Quellen des Tom 
und dem Telezker See. In der untersten Schichte jener Seife über 
einem dickschiefrigen Kalke, 31,5 Engl. unter der Oberfläche wurde 
nun Anfangs 1841 nach manchen unbeachtet gebliebenen kleinen Stück- 
chen Eisen und mit einer Menge von Brauneisenstein auch ein 171 Pf. 
‚schweres Stück Gediegen-Eisen von unregelmäsig dreiflächiger [?] Form 
‚mit. abgerundeten Winkeln und Kanten und 7,25'’ grösstem Durchmesser 
gefunden. Es ist von aussen mit einer Rinde von Brauneisenstein über- 
zogen, welche an den abgeriebenen ?Kanten das metallische Eisen kaum 
bedeckt, an andern Stellen aber bis 1'' diek ist.. Sonst ist die Masse 
. ganz, gleichartig, ihr Gefüge derb und nur an einer Stelle mit Neigung 
zum Blättrigen, ihre Farbe hell stahlgrau und der Glanz stark metal- 
lisch. Sie ist schmiedebar, härter als gewöhnliches Eisen, doch leicht 
ritzbar durch Stahl, Ein kleines Stück hatte 7,76 Eigenschw., Als 
chemische Bestandtheile ergaben sich 0,97 Eisen und 0,02 Nickel ohne 


461 


Spur von Kohle. Vergleicht man dieses Ergebniss mit den bekannten 
Analysen aerolithischer Eisen-Massen, so finden sich darunter zwei fast 
ganz übereinstimmende, nämlich die am 26. Mai 1751 gefallene 21pfün- 
dige Masse von Hraschina, aus 0,965 Eisen und 0,035 Nickel 
und die Elbogener Masse aus 0,975 Eisen und 0,025 Nickel. 

Die in der genannten und in andern Sibirischen Seifen öfters ge- 
fundenen kleinern Stückchen Eisen hatte man bisher als abgestossen 
betrachtet von den beim Waschen des Sandes gebrauchten eisernen 
Geräthen. Diese Annahme ist aber für gegenwärtigen Fall wegen der 
Grösse des Stückes, der Tiefe der Lage und der bisherigen Unberührt- 
heit der Seife nicht wohl möglich. Es ist aber ausserden: einerseits 
die Sibirische Sage zu beachten, dass die „Schmiede - Tataren“ und die 
Jakuten vom Wilwi ein natürliches Gusseisen zu fördern wussten, so 
wie die. geschichtlichen Nachrichten , dass in den Nachbar - Gegenden 
schon in früher Zeit ein Eisenwerks-Betrieb Statt gefunden habe, 


Ps. Prauramour: über zwei neue Mineralien Skandinaviens : 
den Ägirin und ein Titan-Eisen (Bibl, univers. 1841, no. 64 = 
VInstitut. 1841, 308). Die Analysen wurden in Berzeuıus’ Laboratorium 
unternommen. Das erste Mineral fand Esmark in den Syenit- Felsen 
bei Breviy in Norwegen und nannte es nach Äcir, dem Gott des Mee- 
res in der Skandinavischen Mythologie. Sein Ansehen ist wie bei der 
Hornblende. Es gehört zu der von Koseır aufgestellten Art Arfwed- 
sonit, worin Kalk - und Talk-Erde der Hornblende durch fixes Alkali 
ersetzt sind. Die Farbe ändert von Schwarz bis Braun und Grün. Sein 
Queerbruch ist rauh durch das ungleiche Brechen der Lamellen nach 
den Blätter-Durchgängen. Auf Kohle erbitzt schmilzt es zu schwarzer 
opaker Glas-Perle. Die Zerlegung zeigte: 


MuselSaure —, ....'. .4:,046571, 


Alaunerde IN ER EERLUNE FIR: Nach Abzug des „Oxyde 
Titan-Säure . . . . . . . . 0,02017 fferreux“, welches zum „Fer ti- 
Talkerde . . . . . ..... . 0,05878] taneux“ gehört, bleibt übrig 
ade, . . . ... 4.0.05. 0,089131 ein Alaunerde-haltiges Bisili- 
Kali ee nn ne 0502961 \kat der gewöhnlichen Basen 
Dan 0! .20:20.-04,.0,07790| der Hornblende, denen sich 


„Ozyde manganoso-manganique“ 0,02068| Kali und Natron beigesellt ha- 
Eisenoxyd („Ozxyde ferrique“) . 0,24384 1 ben und worin etwas Kieselerde 


Pluor . id yes dsansts = neu; SPUF durch Alaunerde ersetzt ist. 


1,00995 } 

Das andere Mineral ist ein Titan-Eisen aus der Gegend von Udde- 
walla, grünlichschwarz, mit dichtem Bruch ohne Spur von Krystallisation. 
Für sich vor dem Löthrehre erhitzt schmilzt es zu einer stahlgrauen 
Perle, welche nach dem Erkalten Spuren von Krystallisation erkennen 
lässt: Es besteht aus: 

30 * 


46% ; 


» 
Titan-Säure .. R 4 £ 0.155598) 
Eisenoxydul? („Oxyde RESET MO ETROLLELTO 1 FR a 
Eisenoxyd? („Oxyde ferrique‘) . i . +0,712478[ ° RE 


Verlust, Fluor, Kieselerde . ; } ; 0,018714 


; "Yorke: über ein Stück künstlichen Arragonits (Lond. 

. chem. Soc. 1841, Mai 18 > Philos. Magaz. a. Ann. 1841, XIX, 
330 — 332). Zu Port Eliot, Lord St. Germaine’s Sitz in Cornwall, 
bildete sich die Substanz als eine 0,4° dicke Lage in einem kupfernen 
Kessel, worin Wasser zum Hausgebrauch heiss: gemacht ‘wurde, und 
zerstörte diesen. - An der Seite nächst dem Kupfer war es verschmolzen 
mit Kupfer-Dioxyd, und die Masse schien wie aus einer Zusammenbhäu- 
fung prismatischer Krystalle zusammengesetzt, deren Achsen senkrecht 
wären auf die Flächen des Kessels. Unter dem Mikroskop schienen 
diese Krystalle 6seitige Prismen zu seyn. Ihr Pulver, unter dem pola- 
risirenden Mikroskope mit solchem vom Isländischen Doppelspath und 
Biliner Arragonit verglichen, hatte ganz das Ansehen des letzten. Un- 
ter diesem Pulver erkannte man einige sehr scharfe doppelt sechsseitige 
Pyramiden, zweifelsohne ähnlich den von G. Rose (in der im Jahrb. 
1838, 332 ausgezogenen Abhandlung) durch Verdunstung von kohlen- 
saurer Kalk-Auflösung in der Siede-Hitze gebildeten und manchen Saphiren 
 gleichenden Krystallen. Die chemische Zerlegung ergab noch eine ge- 
ringe Verunreinigung mit Gyps und Talkerde, nämlich: 


in Salzsäure unauflöslich: Kieselerde, 

Eisen - und Kupfer-Oxyd . ; 0,013 
Schwefelsaure Kalkerde _. L 0,018 
Kohlensaure Kalkerde 2 h { 0,937. 
Kohlensaure Talkerde ; ; | 0,032 


N 1,000 h 


Nach Entfernung des Kupfer-Dioxyds und des Gypses weils 3 
Versuche über die Eigenschwere angestellt, 2 mit in ein vorher ge- 
wogenes Röhrchen voll Wasser gefülltem Pulver und der dritte nach 
der von G. Rose angegebenen Methode, dann ausgetrocknet, leicht: ge- 
glühet (wodurch bekanntlich der Arragonit in a übergeht). und 
wieder gewogen, wodurch sich ergab: 


Eigenschwere 

TI na 

vor dem Glühen. nach dem Glühen. 
Versuch 1 . ü 2,842 N 2,708 
sFnitsy? 2,828. 2,701 
nn 2,878 2,681 
im Mittel . .. 2,849 r 2,696 

Die Eigenschwere der Arragonit-Krystalle von Bilin ist =. 2,946 


und die höchste Eigenschwere , welche Rose von: künstlichem Arragonit 


463 


erhielt, war —= 2,836; die des Isländischen Doppelspathes — 2,72, 
so dass wenig Zweifel darüber bleiben kann, dass jenes Kessel-Erzeug- 
niss Arragonit gewesen, und dass Rose’s Versuche richtig seyen. Der 
Vf. machte noch selbst einige Versuche über künstliche Arragonit-Bildung, 
war aber nicht zufrieden mit dem Resultat. 


Marcer. DE SERRES: Tripolian, eine neue Mineral-Art 
(VPlnstit. 1842, X, 10). Tripolian, „Tripoleenne“ nennt der Vf. diese 
am linken Ufer des Bergstromes Bartras, Ardeche, von einem Ingenieur 
aufgefundene Substanz, wegen ihrer Analogie mit dem Tripel im An- 
sehen und in der Anwendung zum Poliren. Sie ist mehr oder weniger 
rein weiss, sehr zerreiblich , zwischen den Fingern zerdrückbar , löst 
sich nicht im .destillirten Wasser, absorbirt es aber stark unter Abblät- 
tern. Sie gibt etwas braune organische Materie dahin ab und wird hie- 
durch noch weisser. : Sie besteht nach Abzug ihres Wasser - Gehaltes 
und der organischen Beimengung aus 


Kieselerde . 5 ö s - 0,89 
Eisen-Peroxyd . : ; 2 2 0,01 
Alaunerde. N: $ \ P 0,06/ 1,00 amt 
Kalkerde : ? : : ; 0,03 
Talkerde . 5 - e k ; 0,01 


Es ist also Kieselerde in Verbindung mit kleinen Quantitäten von 
Alaunerde-, Eisen-, Kalk- und Talk-Silikaten; denn diese Erden können 
nicht im kohlensauren Zustande vorhanden seyn, weil das Mineral mit 
Säure nicht aufbrauset. Übrigens scheint dasselbe kaum als ein gut 
charakterisirtes Mineral angesehen werden zu können, sondern als eine 
Art Gemenge. [Schade, dass keine mikroskopische Untersuchung vor- 
genonmen worden ist!] ir 


A. Damour: Romein, ein neues Mineral (Paris. Akad. 1841, 
Aug. 30 > V’Inst. 1841, 295 — 296). Berrrannp pe Lom hat es von 
St. Marcel in Piemont mitgebracht. Sein Name ist zu Ehren Rome 
DE u ’lsre’s, Sein Vorkommen in Form kleiner Nester und Adern in 
Mitten der Gangarten, welche das Mangan-Erz begleiten, bald zwischen 
Feldspath, bald überzogen mit Mangan-Oxyd, violettem Epidot, Quarz 
u. Ss.,w., auch in Gesellschaft des Greenowit. Ritzt Glas; ist Hya- 
zinth- bis Honig-gelb; die äusserst kleinen Krystalle sind verwirrt 
gruppirt; einige dreieckige Flächen unter der Lupe sichtbar deuten auf 
Oktaeder - Form, nach Durrenoy’s Untersuchung mit einem Reflexions- 
Goniometer auf ein dem regelmäsigen nahestehendes Quadrat - Oktaeder. 
Am Platin - Draht erhitzt schmilzt es zu schwärzlicher Schlacke. In 
Borax-Glas und Phosphor-Salz löst es sich langsam auf; im Reduktions- 
Feuer bleibt das Glas farblos, im Oxydations - Feuer wird es violett. 
Auf Kohle mit kohlensaurem Natron geschmolzen liefert es Antimon- 
Kügelchen, die einen weissen Rauch erzeugen und zum Theil in die 


464 


Kohle eindringen. Auf Platin-Blech mit kohblensaurem Kali und Salpeter 
zugleich geschmolzen 'reagirt es wie Mangan. Salpeter-, Schwefel- und 
Salz-Säure greifen es nicht an. Zwei Analysen ergaben: 

I. Hs ia TERTET IT; 
Antimonige Säure \ Zn Re ee 
Eisen-haltiges Gold . k 0,0056 . 0,0067 7 
Mangan-haltiges Gold. , 0,0101 . 0,0124 rg anf 
Kalkerte ggg N 060 Ren Sb’, 
Kieselerde . : De 0,0030 „ 0,00464 te 
Verlust ‘ Ä } 0,0009 . 0,0049 


Angewandte Mengen . Ä 0,4680 . 0,4750 

Übrigens, fügt D. bei, habe er keinen Beweis , dass das Antiımon, 
welches hier die elektro- negative Rolle übernimmt, im Zustande anti- 
moniger Säure eher als in dem des Oxyds oder der Antimon-Säure vor- 
komme; nur die Unlöslichkeit des Minerals in Säuren stehe, der letzten 
Annahme entgegen, 


— 


Traır: berichtete über das essbare Bergmehl aus Umea- 
Lappland (> Feor. Notitz. 1841, XVIII, 58), wovon Lime 1838 eine 
Probe mitgebracht, und welches Eurengers mikroskopisch untersucht 
hat, an die Edinburger königl. Geseilschaft. Es war dicht unter einer 
Lage verwitterten Mooses, 40 Engl. Meilen über Degersfors in Umea- 
Lappmark gefunden worden. Die chemische Zerlegung ergab: 

0,22 organische Substanz, durch Rothglühen völlig zerstörbar, und 
einen schneeweissen Rückstand, welcher noch alle organischen 
Formen erkennen liess, aber noch zerlegt werden konnte in 

0,7113 Kieselerde, i \ 

0,0531 Alaunerde ( 

0 ‚0015 Eisenoxyd 

Jene grosse Menge organischer Substanz [als Pollen Stickstof- reich) 
erklärt die Tauglichkeit dieses — zur Nahrung, 


wohl zufällig. 


Paren: Zerlegung Chinesischen Mineral-Mehls (Paris. Akad. 
1841, Aug. 9 und 30 > VInstit. 1841, 270 und 294). Der. General- 
Prokurator der Lazaristen- Kongregation in China hatte an STANISI. 
Juzien ein Mineral-Mehl übersandt, dessen sich die Einwohner der Pro- 
viuz Kiang-Si iu Zeiten des Hungers statt der Nahrung bedienen. 
Es sieht erst wie Kreide aus und bat nur wenig Zusammenhalt. Mau 
verwandelt es dann in feinen Staub und mischt es unter Reis- oder 
Weitzen- Mehl, 3 Pf, auf 2 Pf., macht es mit etwas Zucker oder ‚Salz 
zu Teig und bäckt es. Der Genuss der reinen Erde würde sehon naclı 
2'Tagen Magen - Drücken etc. veranlassen und ‘den: ;Tod herbeiführen, 
Sie scheint dem Pflanzen-Wachsthume nicht günstig zu seyn. ul, 

Perpier hat mittelst des Mikroskops keine Spur von Organisation 


465 


darin entdecken können; ‘auch bietet es keine Ähnlichkeit mit den von 
Eur£nserg mitgetheilten Mustern von Infusorien-Erde dar. 

Nach Payen'ist die Erde weiss, mit dünnen 'gelblichen zart anzu- 
fühlenden Schichten; klebt stark an die Zunge; riecht etwas aromatisch; 
wird, in warmem Wasser vertheilt , orangegelb und riecht stärker; Al- 
kohol zieht Farbe und Geruch aus, welcher nach dem Erkalten an 
Pfeffermünze erinnert, Äther entzieht ihm Spuren fetter Materie, u. s. w. 
Die Zerlegung ergab: 

unmittelbar. ' berechnet, 
Kieselerde . . . » »°. 0,506 Alaunerde . . . >. 0,503 
Alaunerde . . 2 2 2 ...0265 Talkerde . . . . 05351 ) Silikat, 
Tulkerde . . .. . 20 25% 05091  Kalkerde » : x 4323 %,012 
Kalkerde . . . 2.» 0,004 Eisenoxyd. . .. „0,00% 
Eisenoxyd. » . 2 0... 0,002 Wasser u. org. Mat. 0,132 
Wasser u. organische Mat. . 0,132 


/ 1,000 
In dem angenommenen Thon-, Talk- und Kalk- Silikate ist der 
Sauerstoff der Basen denı der Säure gleich, Das Eisenoxyd ist frei, 
veränderlich und färbt die gelben Äderchen. Aus der organischen Ma- 
terie entwickelt sich Ammoniak in stärkerer Hitze. | 


B. Geologie und Geognosie. 


: Durrenoy: über die vulkanischen Gebiete der Gegend um 
Neapel (Memoires pour servir a une description gevlogique de la 
France cet., IV, 227 cet,). Die Bucht von Neapel wird gegen S,. 
durch eine Kalk-Kette begränzt, au deren Fuss auf einer Seite Castel- 
amare, Vico und Sorrent liegen, und auf der andern Amalfi; nach 
0. finden sich die Phleyräischen Felder, eine Gesammtheit von Hügeln, 
die Vorgebirge von Pausilippv und Misene in sich begreifend, und 
Puzzuolo so wie die Hauptstadt beider Sizilien beherrschend; der 
mittie Theil des Festlandes endlich, welchen das Meer im O. bespült, 
bekannt unter dem Namen Campagna di Napoli, hat im Zentrum der 
Ebene des Wesuv aufzuweisen: an der Küste Portici,  Herculanum, 
Torre del &reco, Torre dell’ Anunziata, und ostwärts zwischen dem 
Vesuv und dem Sarno-Flüsschen Pompeji. Die Berg- Masse von Sor- 
rent, bestehend aus Jura-Kalk und aus Kreide, wurde wahrscheinlich 
in derselben Epoche emporgehoben, wie die Tertiär-/Gebilde der Pro- 
vence und Cataloniens; es haben diese drei Ablagerungen das nämliche 
Streichen. Nach S. setzt die Sorrenter Berg-Masse, indem sie unter 
dem Meere hinzieht, die Insel Capri zusammen, wie gegen N. die Fort- 
setzung der Phlegräischen Felder in einer beinahe parallelen Richtung 
mit jener Berg-Masse die: Eilande Procida und Ischia bildet. Die 


466 


geologische:Beschäffenheit der: Phlegräischen Felder und: die, der beiden: 
Inseln ist die: nämliche, wie: 'jene..des: Landes um Neapel: ein Bims- 
stein- Tuff‘, dessen Zusammenhang nur stellenweise durch : where un- 
terbrochen wird; zeigt sich  herrschend, U seläiditnnhn 

Die Absicht des. Vf. ist: zu beweisen : © + un... mn; ige 

1): Dass. der:Bimsstein - Tuff auf: Bi Siehe Bades 
über Trachyt-Streifen: abgesetzt worden, «welche Streifen 
im flüssigen Zustande aus dem Erd-Inneruihervorgetreten 
im innern. Boden oder, was eben so viel sagen will, auf 
einem nicht geneigten Boden erhärteten. . _ Inaisanil 

2) Dass ein Theil des Tuffes, gleich dem- darusitex: hier 
findlichen Trachyte emporgehoben wurde. . ir 

3) Dass nicht nur die Phlegräischen Felder, Procida Sn 
Ischia, Ergebnisse dieser Emporhebung sind, sondern dass. 
auch der grosse Theil des Vesuvs, Somma genannt, den nam- 
lichen Ursprung hat, während das Übrige des Berges, der 
eigentliche vulkanische Kegel, jünger als die Somma, zu- 
gleich durch Emporhebung und durch Eruption entstund. 

Untersucht man mit Aufmerksamkeit den Bimsstein-Tuff des Landes 
um Neapel, so überraschen seine Erstreckung und das Gleichartige der 
Varietäten selbst an weit von einander entlegenen Orten. Ihre Ver- 
schiedenheit rührt vorzüglich von der mehr oder weniger grossen Ver- 
kleinerung der Theile her; sie stammen von Trachyten ab und zeigen, 
was das Regelrechte ihrer Lage betrifft und die Natur der Körper, 
welche sie einschliessen, die nämlichen Merkmale von Niederschlag- 
Gebilden und mit derselben Evidenz, wie'Solches bei gewöhnlichen 
Tertiär-Formationen der Fall. Im Schoose des Meeres hat sich das _ 
Material abgesetzt, welches den Bimsstein-Tuff bildet. 

Der Pausilippao-Tuff rührt fast gänzlich von Trachyten her. Er 
besteht im Allgemeinen aus einer pulverigen Materie und aus Bruch-- 
stücken von verschiedener Grösse, wovon die meisten Bimssteine sind, 
ferner aus Geschieben von Trachyt, von alten Felsarten und von grauem 
Kalk. Die pulverige Materie, selten in isolirten Lagen auftretend, dient 
meist den Bruchstücken als Teig; er verhält sich, seinem chemischen 
Wesen nach, wie Bimsstein. Endlich trifft man in diesem Tuff Ostrea, . 
Cardium, Buccinum, Patella, fossile Körper, davon Analoge heu- 
tiges Tages noch im Mittelländischen Meere leben. Besonders merk- 
würdig wird der Pausilippo- Tuff durch die Regelmäsigkeit seiner hori- 
zoutalen Lage gegen das Meer hin und durch eine Neigung von 12—14°, 
welche diese Lagen in verschiedenen Hügeln der Phlegräischen Felder 
wahrnehmen lassen. 

Der auf Ischia so häufig verbreitete Tuff hat ziemlich verschieden; - 
artige Beschaffenheit. Er bildet fast allein den Epomeo, den Berg in- 
mitten der Insel gelegen. Die Schichten neigen sich unter 14 — 15°. 
In diesem Tuff kommen dieselben Versteiuerungen ver, ‚wie in jenem 
von Pausilippe. — Man findet ‚auf Ischia ferner ein Alaun-baltiges 


467: 


Gestein, ähnlich der Brekzie vom Mont Dore, und an einigen Stellen 
der Insel tritt Subapenninen-Thon auf mit seinen fossilen Besten. 

Der Tuff von Sorrento hat die nämliche Beschaffenheit, ‚wie der 
des -Neapolitanischen Bodens; nur ist er fast stets durch Eisen-Peroxyd 
gefärbt; auch wechseln seine Lagen zu mehren Malen mit Bänken kal- 
kiger Rollsteine. 

Endlich kommt ein Tuff an der Somma vor, welcher, sonderbar 
genug, dem Neapolitanischen identisch ist; es enthält. derselbe nicht 
bloss die fossilen Körper, welche, wie jene aus dem Thon von Ischia, 
uns auf Subapenninen-Gebilde hinweisen , sondern selbst noch neuere 
fossile Reste. | 

In Tuff von Neapel, dessgleichen in jenem an der Küste von 
Sorrento hat man Gebeine grosser Säugethiere gefunden, ähnlich denen, 
welche der Tuff der Campayna di Roina enthält. 

Es lässt: sich nach diesem Allem dem Bimsstein - Tuff kein höheres 
Alter einräumen, ‚als der Subapenninen - Formation; nur fragt es sich, 
ob er derselben gleichzeitig oder noch jünger ist? Dem Vf. gilt Letztes 
als das Wahrscheinlichste. Wären beide Ablagerungen gleichzeitig, so 
müsste die Identität des Bimsstein-Tuffes von Neupel mit dem Römischen 
erwiesen werden, und man müsste die Überzeugung erlangen, dass die 
Säugethier-Gebeine von Sorrento, antediluvianischen Arten angehörend, 
nieht durch irgend eine Alluvion den Orten, wo solche jetzt liegen, zu- 
geführt worden, wie diess der Fall binsichtlich der Kalk-Rollstücke, wo- 
wit dieselben vorkommen. Was bestimmter für ein jüngeres Alter des Tuffes 
von Neapel, im Vergleiche zur Subapenninen-Formation, spricht, .das 
ist die Identität seiner fossilen Muscheln mit den gegenwärtig noch im 
Mittelländischen Meere lebenden. Der Vf, nimmt daher als sehr glaub- 
haft an, dass jener Tuff neuer sey als die Emporhebung des Subapen- 
ninen-Gebietes und als die letzten Diluvial-Strömungen, und dass der- 
selbe Erzeugniss einer Umwälzung seyn könne, welcher der Ätna und 
Stromboli ihre Erhebung verdanken. In jedem Fall wurde der erwähnte 
Tuff ursprünglich im Meere in regelrechten, horizontalen Lagen abge- 
setzt und später an vielen Stellen emporgehoben. In den Hügeln der 
Phlegräischen Felder, welche fast alle Kegel- Gestalt haben, erkennt 
man bald den Trachyt als unmittelbares Agens ihrer Emporhebung; 
denn der Kern der Solfatara, von Astroni, von der Pianura, ist Tra- 
chyt, und die Tuff- Schichten erscheinen von allen Seiten gegen ihren 
jedesmaligen Kern aufgerichtet; dasselbe findet auf Ischia statt und auf den 
Ponza -luseln, welche nur eine Fortsetzung des Epomeo sind. Eine 
entschieden dafür sprechende Thatsache, dass der Trachyt erst hervor- 
getreten, nachdem der Bimsstein- Tuff schon vorhanden war, ist, dass 
an der Punta Neygra, am Fusse der Solfatara, der Trachyt den Tuft 
überdeckt. — Am Monte-Nuovo, der seine gegenwärtige Höhe im Okto- 
ber 1538 erreichte, sieht man auf das Deutlichste, wie alle Tuff-Schichten 
gegen ihr Zentrum emporgehoben sind. Der Vf. glaubt übrigens nicht, 
dass der Mont» - Nuovo sein ganzes jetziges Relief der Erhebung von 


468 


1538 verdanke; er nimmt vielmehr zwei Emporhebungen an: die eine, 
gleichzeitig mit der Erhebung der Phlegräischen Felder durch Trachyt, 
hätte einen Hügel hervorgebracht, die andere, jene von 1538, hätte nur 
den Zentral- Theil dieses Hügels durch Gas - und Schlacken-Eruptionen 
noch mehr aufwärts getrieben. Ausserdem liesse sich’sehwer begreifen, 
wie der ArorLo- und Pruro-Tempel am Fusse des Monte- Nuwvo, an 
dem Ufer des Averno-See’s, erbaut nicht hätten umgestürzt, oder nicht 
wenigstens ihre Gewölbe hätte zerspalten werden müssen, 7. 0 

Nimmt man an, dass die Phleyräischen Felder in nerarkähdeneh 
Epochen durch Wirkungen einer emporhebenden Gewalt erhöht wurden, 
so lässt sich nicht in Abrede stellen, dass an einer und derselben Stelle 
Einsenkungen des schon erhobenen Bodens und sodann Erhöhungen des 
nämlichen eingesunkenen Bodens Statt gefunden haben. Diese für die 
Geschichte der Erde im Allgemeinen und für jene von Campanien im 
Besondern so wichtige Thatsache ist vorzüglich durch Forzes *) augen- 
fällig dargethan worden. In der That sieht man heutiges Tages, dem 
Wasser-Spiegel gleich, in der Bucht von Pozzuolo Römische Bauwerke 
mit einem ungefähr 7 Meter mächtigen, regelrecht geschichteten Alluvial- 
Gebilde bedeckt. Unmöglich kann man bei der Ausicht der Örtlichkei- 
ten in Abrede stellen, dass jene Bauwerke auf einem Boden errichtet, 
welcher über das Meer hervorragte, nicht später unter dessen Niveau 
gesunken seye und dass sie mit den Alluvionen bedeckt worden, welche 
dieselben heutiges Tages noch überlagern, endlich dass eine Empor- 
hebung nicht bloss jene Alluvionen wieder aufwärts und bis über den 
Meeres - Spiegel hinauf getrieben, sondern auch die Bauwerke bis zu 
jenem Niveau erhoben haben. 

Das Äussere der Somma stellt an der gegen N. gekehrten Seite 
einen gedrückten Kegel dar, dessen regelrechte Gehänge unter unge- 
gefähr 26° sich neigen. Es ist eine Halbkreis-förmige Böschung, die, 
einer Mauer gleich, die Hälfte des vulkanischen Kegels umzicht. 
Zöge sich die Böschung auch nach S. ohne Unterbrechung fort, so 
würde sie die Laven zurückhalten, welche der Feuerberg ergiesst. Die 
Gesteine, ann Somma -Gehänge auftretend, bestehen aus Leuzit, aus 
schwarzem Augit, aus Labrador und aus einigen Olivin-Körnchen; sie 
zeigen sich verschieden von den Laven des Vesuvs, denn wenn diese 
wohl auch Olivin-Körner enthalten und etwas Augit, der jedoch grün 
gefärbt ist, so sind solche gleichsam frei von Leuzit und fast ganz aus 
einem eigenthümlichen Feldspath gebildet, der weder dem „gemeinen“ 
Feldspath (Orthose) angehört, noch dem Albit oder Labrador. Übrigens 
haben beinahe alle Somma-Laven in ihrem Charakter etwas „Granit- 
ähnliches“ oder Trachyt-artiges, während die meisten [?] Vesuvischen 
Laven schlackig sind. Endlich fehlt der Bimsstein - Tuff, welcher die 
Somma an mehren Stellen vom Fusse bis zum Gipfel bedeckt, dem 
vulkanischen Kegel gänzlich. — Eine besonders gewichtige Thatsache 
ist übrigens die Kontinuität und Ideutität dieses Tuffes mit jenem der 


*) Ich denke: schon durch Breistack, vgl, meine „Reisen“ I, 1824, $. 393 M, Br. 


469 


Campagna di Napoli,,so wie mit’ dem Tuffe der Phlegräischen Felder 
und mit dem von Ischia. "Die Kontinuität ist augenfällig ; die Identität 
ergibt 'sich aus ‘der ‚chemischen Zusammensetzung und daraus, dass, 
wie schon’ bemerkt worden, der Somma-Tuff die nämlichen Arten fos- 
siler Reste‘ tertiärer' Formationen enthält, wie der Tuff von Ischia. Der 
Somma-Tuff umschliesst ausserdem Fragmente Glimmer-haltiger Primitiv- 
Gesteine, Blöcke dichten Kalksteins, welche unmerklich iu körnigen 
Kalk übergehen 'und in denen man Petrefakte sekundärer Gebilde trifft, 
ferner Bruchstücke von Somma-Gesteinen, lauter Körper, die dem ei- 
gentlichen Tuff fremd’ sind und nur durch zufällige Ursachen in den- 
selben geführt wurden. 
-ı» Da nun der Somma-Tuff dem Tuff der Campagna di Napoli ideu- 
tisch’ ist; so muss derselbe gleich diesem auf dem Meeres-Boden dureh 
Absatz wagerechter Lagen ‘gebildet worden seyn, die später emporge- 
hoben wurden. Neue Beweise dieser Thatsache sind die neuerdings 
auf der Somma aufgefundenen Kalk - Blöcke, bedeckt mit kleinen Ser- 
pulen, ähnlich denen, welche auf Felsen der Küste Siziliens noch heuti- 
ges Tages im Meere leben. Als der Tuff sich ablagerte, war die Sıemma 
vorhanden, denn es schliesst derselbe Fragmente ihrer Felsarten ein; 
allein damals dürfte der Berg das Meeres-Niveau nur sehr wenig über- 
ragt'haben, denn der Tuff bedeckt manche Theile bis zum Gipfel. Von 
einer andern Seite beweiset der steinige oder krystallinische Charakter 
der Laven, welche die Somma zusammensetzen, dass deren Materie 
nur in-einem Becken, oder auf einem wagerechten Boden in festen Zu- 
stand übergehen konnte, und dass sie ihr gegenwärtiges Relief nach 
der Tuff- Ablagerung erhalten hatte. Endlich stellt die Somma nach 
dem Vf. zwei Arten von Spalten dar; die einen scheinen die Öffnungen 
zü seyn, durch welche sich die Laven der Somma vor der Emporhe- 
bung aus dem Innern ergossen hat; die andern dürften in Folge der 
Erhebung entstanden seyn; die ersten sind erfüllt mit der Somma- 
Lava identischen Massen, während die zweiten Massen umschliessen, 
die, wie es scheint, jenen des Vesuvs entsprechen. — Was die Frag- 
mente sogenannter Primitiv-Gesteine betrifft, die Trümmer dichten und 
körnigen Kalkes,, welche im Tuff in Geschieben vorkommen, so glaubt 
der Vf., dass der körnige Kalk ursprünglich dieht gewesen und umge- 
ändert worden seye entweder zur Zeit des Ergusses der Soemma-Laven, 
oder selbst während der Epoche der Tuff- Ablagerung. Er ist geneigt 
anzunehmen, dass die Bildung von Idokras, Nephelin, Mejonit und So- 
dalit, welche man so häufig am Vesuv in Kalk-Blöcken trifft, der Um- 
wandelung des dichten Kalkes im körnigen gleichzeitig sey, dass in 
jedem Falle das Entstehen der genannten Mineral-Substanzen den jetzt 
thätigen Feuern des Neapolitanischen Vulkans fremd seye. 

Die Ansichten Durr£noy’s sind: 

1) ' Dass die Trachyte der Phlegräischen Felder, die Laven der 
Somma aus dem Innern durch Spalten der Erd-Rinde ergossen, in 
wagerechten Streifen verbreitet wurden und zwar "in dem nämlichen 


470 


Zeitraume,. wo die Leuzit - Gesteine. der, Campagna..di. Roma geflossen 
sind und die Trachyte des mittlen Frankreichs 3.4 ©, mh Sim bus 
2) dass der Bimsstein-Tuff, :von modifizirtem Trachyt berrührend, 
in. wagerechten. Schiehten unter dem Meere abgelagert‘ worden; iy 
3) dass die Phlegräischen Felder , aus: Tuff: und; Trachyt .zusami- 
mengesetzt, in derselben Epoche wie die Somma: und. man deX: rsehiehte 
lichen. Zeit emporgehoben wurden. bs 
Nach dem Vf. hat die Somma , der ee En er 
cher ursprünglich einen vollkommen Kreis- runden erhabenen. Umfang 
besass, nichts Vulkanisches, als die Gesteine feuriger. Herkunft! unter- 
halb des Tuffes, und was ihr Entstehen betrifft, ‚so, ist, dieselbe, durch- 
aus unabhängig vom Vesuv; ein Resultat, welches .der Geschichte)kon- 
form ist, ‚die. den Ursprung des Vulkans in. das Jahr, .79..christlicher 
Zeit-Rechnung setzt. Es scheint, dass der grossen Katastrophe, welche 
Herculanum und Pompeji zerstörte ,,. vom Jahr 63 au fast ‚ohne: Unter- 
brechung Erdbeben vorangiugen, bis zu . dem Augenblicke, wo ein 
Eruptions-Krater inmitten des Umfangs ‚der Somma eröffnet zur Ent- 
stehung des Vesuvs Anlass gab. — Der Kegel des Vesuvs, welcher: fast 
überall einen unter 33° geneigten Abhang hat, steigt ‚plötzlich, mitten 
aus dem Piano hervor, und der. Kulminations - Punkt, seines Kammes, 
die Punta del Palo, überragt den Piano um 535 Meter und das Niveau 
des Meeres um 1185 M. Aber die Punta del Palo ist so. wenig wie. 
der Ätna beständig; die Höhe von 1185 .M. kann demnach nur für die 
Epoche, in welcher die Bestimmung geschehen, als genau gelten. Von 
der Meeres-Seite trennt sich der Kegel gänzlich vom Piano, und: dieser 
erscheint als Ebene eines sehr gedrückten abgestumpften Kegels, dessen 
Basis mit dem Küstenland des Mittelländischen Meeres zusammenfliesst. 
An der dem Meere entgegenliegenden Seite wird der Kegel des Vesuvs 
zum Theil durch die Somma verdeckt durch die bereits: erwähnte „Um- 
fangs-Mauer‘, deren höchste Stelle, Punta Nazone, 1177. M. über den 
Meeres-Spiegel emporsteigt, folglich der Punta del. Palo beinahe ‘gleich 
kommt. Was man allgenıein den Krater des Vesuvs: nennt, oder. sein 
Gipfel, hat die Gestalt eines in der Richtung ‘von O, nach W. etwas 
verlängerten Kreises, dessen Durchmesser ungefähr. 750 — 700, M. be- 
trägt; dieser Kreis nach drei Viertheilen seines Umfanges durch einen 
Kamm begrenzt, dessen inneres Gehänge weit steiler ist, als das äus- 
sere, zeigt sich überdeckt mit Blöcken von Schlacken und Laven; Spal- 
ten, aus denen elastische Flüssigkeiten hervorbrechen, ‘die zum Theil 
als weisse Dämpfe erscheinen, durchsetzen den Boden; endlich. findet 
man zwei geräumige Höhlungen in der Mitte, welche mehr Folge von- 
Einstürzungen scheinen, als Öffnungen durch neue Ausbrüche entstanden. 
Der Vf. erwähnt hinsichtlich der Schlünde, die sich am Vesuv auf: 
einer Linie aufthun,, um dem Eruptions-Material, Ausgang. zu 'verschaf- 
fen, ähnlicher Thatsachen, wie die von ELıe pe BEAUMmonNT in seiner 
Denkschrift über den Ätna verzeichneten (vgl. Jahrb. 1841, 380 f.).. Un- 
ter der Überschrift: Gesetz des Laven - Abflusses werden eine Menge. 


471 


Beobachtungen’ mitgetheilt, welche sich sämmtlich den BeraumonT’schen 
anreihen, besonders hinsichtlich der Schlussfolgen, welche aus der Tex- 
tur der Laven in Betreff der Umstände ihrer Erstarrung sich ergeben, 
und zumal was deren Flüssigkeits-Zustand angeht, , so wie ihre Massen- 
Beschaffenheit und den Boden, auf welchem die erwähnten Feuer-Erzeug- 
nisse fest geworden sind. D. ist der Meinung , dass sie nur auf hori- 
zontalem oder höchstens 1 — 2°. fallendem Boden dicht werden; dass 
sich dieselben Säulen-förmig, den Basalten gleich, unter solehen Um- 
ständen ‘nur alsdann ‘gestalten, wenn ihre Masse sehr mächtig ist; dass 
sie blasig und schlackig ‚auf Abhängen werden, deren Neigung über 2° 
beträgt; endlich ‘dass. auf Gehängen von 4° die Laven nur Haufwerke 
unzusammenhängender Bruchstücke darstellen. 

Lässt der Vesuwv äusserlich nur Eruptions-Erzeugnisse wahrnehmen, 
wie diejenigen, welche den Kegel-förmigen Ätna-Krater bilden, so ist 
der Vf. dennoch ‚der Meinung, dass unterhalb der erwähnten Produkte 
Trümmer der Erd-Rinde vom Boden des Piano vorhanden sind, welcher 
zu verschiedenen Malen durch Eruptionen emporgehoben wurde; ihm 
gilt demnach der Vesuvische Kegel zugleich als Emporhebungs - und 
Eruptions-Erzeugniss. | 

Den Schluss dieses Aufsatzes machen Betrachtungen über die Art 
und Weise, wie Herculanum und Pompeji unter Vesuvischen Produkten 
begraben wurden. Trotz des Stillschweigens von Prinıus d. J. über das 
grosse Ereigniss bezieht der Vf. solches dennoch auf den Ausbruch vom 
Jahre 79, allein er stellt in Abrede, dass dasselbe schr plötzlich, gleich- 
sam augenblicklieh Statt gefunden, und dass der herrschenden Meinung 
gemäss Herculanum mit einer Lage von Laven bedeckt worden, wäh- 
rend: Pompeji bloss unter einem Regen von Asche begraben worden. 
Er fand in Herculanum so wenig Laven als in Pompeji; beide Städte 
‚erscheinen jetzt überlagert von 'Tuffen, welche ihrem chemischen Wesen 
nach einander durchaus ähnlich sind. Besonders bei Untersuchung des 
Innern der Häuser von: Pompeji und bei Vergleichung derselben mit 
Wohnungen, welche durch Sand-Dünen weithin vom Meeres-Ufer durch 
Winde geführt verschüttet worden, sah sich der Vf. veranlasst, die all- 
gemein: verbreitete Ansicht zu bestreiten, dass Pompeji ausschliess- 
lich unter einem :Aschen - Regen begraben worden. Das Innere der 
durch Düneu-Sand verschütteten Wohnungen ist leer, während in Pom- 
peji sowohl als in Herculanum das Innere der Häuser, die Keller u. s. w. 
mitreinem Tuff erfüllt getroffen wird, welcher. alle Eindrücke der Ge- 
genstände bewahrt, an denen er haftet. Solche Wirkung kann nur von 
einer: durch Wasser getragenen im Wasser schwebenden, pulverigen 
Materie hervorgerufen werden, welche überall eindringen kann, wo 
solches einer Flüssigkeit: möglich 'ist;; das nach und nach absorbirte 
Wasser hinterliess die Theile, die es getragen, in den Höhlungen , wo- 
hin‘ dasselbe eingedrungen,‘ aber diese Wirkung, das letzte Phänomen 
der Katastrophe, würde ner allmählich Statt gefunden haben. Der Vf. 
sieht den Hergang, auf folgende Weise an, ‚Während vier Tagen und 


472 


vier Nächten fiel ein Regen glühender Asche auf beide: Städte nieder 
und vertrieb alle Bewohner, welche entfliehen konnten; dieser ‘Aschen- 
Regen war indessen unzureichend, ‘um die mächtige Tuft- Lage zu bil- 
den, welche die Städte bedeckte; man muss annehmen, dass bedeutende 
Einstürzungen ‘höher gelagert gewesener Massen: dazu »beitrugen, und 
dass alsdann das Wasser nach und nach das inkohärente Material jener 
Einstürzungen in die Wohnungen führte *). Eine in solcher Hinsicht be- 
sonders wichtige Thatsache ist, dass der. Tuff von Pompeji und Her- 
culanum vollkommen identisch mit dem Tuff der Campayna di Napoli 
und mit jenem der Somma von: den Vesuvischen Erzeugnissen abweicht. 
Über Herculanum ist der Tuff bisweilen mächtiger; als über: Pompeji; 
denn: hier beträgt seine. mittle Mächtigkeit 5m33, während derselbe 
über Hercutanum eine Stärke von 10 bis 37: Metern bat. FAR 
"Der: Vf. stellt. Vergleichungen an zwischen ‘den vulkanischen Er- 
zeugnissen der Gegend um Neapel hinsichtlich ihrer Zusammensetzung 
und der durch sie hervorgebrachten Phänomene. Die: vergleichenden, 
mit Veswvischen und mit Somma-Laven, so’ wie mit dem Tuff der Cam- 
payna di Napoli unternommenen chemischen Analysen bestimmten Dv- 
FRENOY, diesen drei Produkten einen verschiedenen: Ursprung beizumes- 
sen, so ‘dass die Chemie vollkommen übereinstimmt mit‘ der re 
Folge, welche die geologischen: Beobachtungen ergeben. - nn 

Vesuvische Laven. Sie bestehen aus verschiedenen entre 

1) Einzelne Olivin-Körner; > 

2) einzelne glänzende, Labrador- ahnkiehent Blättchen ; 

3) lieht-grüne Krystalle, wahrscheinlich der Augit- Art! mit kalkiger 
Basis, dem Sahlit oder Diopsid am nächsten stehend; 

4) ein durch Chlor-Wasserstoff-Säure era ‚Mineral, BE 
chemische Natur noch nicht genau ermittelt worden, welches jedoch 0,09 
bis 0,10 Natron und 0,025 bis 0,03 Kali enthalten dürfte; endlich 

5) ein durch Chlor -Wasserstoff- Säure nicht zersetzbares Mineral, 
0,06 bis 0,07 Natron und 0,06 bis 0,07 Kali enthaltend. 

Da nun das durch Chlor-Wasserstoff-Säure zersetzbare Mineral in 
den Vesuwvischen Laven in viel grösserer Menge vorhanden ist, als das 
andere, und da beide Substanzen jene Laven vorherrschend bilden, se 
ergibt sich, dass das Natron darin ein: bedeutendes Übergewleht über 
das Kali behauptet. 

Suomma-Laven. Zeigen sämmtlich grosse Gleichförmigkeit in 
ihrer Zusammensetzung. Wesentlich bestehen dieselben aus zwei wohl 
bekannten Gattungen, aus dem Augit mit Eisen-Protoxyd-Basis (gemeiner 
Augit) und aus Leuzit. Vielleicht enthalten sie auch einige Labrador- 
Krystalle. Es’ weichen diese Laven’ wesentlich von jenen des Vesuv 
ab, indem Kali darin über das Natron vorherrscht, und zwar im Ver- 
hältnisse von 12,74 zu 2,40. 

Tuff von Neapel. Die Tuffe der PEN di Nabe der Phle- 
gräischen Felder, so wie die von Ischia, bestehen wesentlich aus mehr 


*) Im Wesentlichen wie Lıpri ; vergl, BRons, Reisen I, 369 ft. 


473 


oder weniger zerkleintem Bimsstein; sie können darum weder mit den 
Vesuvischen Laven, noch mit jenen der Somma verwechselt werden. 
In den analysirten Handstücken vom Tuff von Pausilippo und vom Berge 
Epomeo herrscht das Kali wesentlich über das Natron vor (wie 5,3 : 1,5 
oder wie 6,75 : 1,88); hbiedurch werden sie von den Laven des Vesuv’s 
entfernt und jener der Somma näher gebracht. Aber ihre Eigenschaft, 
zum grossen Theile in Chlor- Wasserstoff-Säure auflösbar zu seyn, un- 
terscheiden: sie davon. | 

Berrnıer’s Zerlegung des Tuffes von Pompeji bringt denselben 
‚den vorerwähnten Tuffen näher, deutet jedoch zwei Unterschiede an: 
Kali und Natron verhalten sich darin = 2,10 : 2,30, und man trifft 
wenigstens 0,09 kohlensauren Kalk, eine den übrigen Tuffen fremdartige 
Substanz, deren Gegenwart übrigens dem Einflusse sehr günstig ist, 
welchen unser Vf, dem Wasser beim Einbringen des Tuffes in die Ge- 
bäude der begrabenen Stadt einräumt. 

Chemische und mikroskopische Untersuchungen einiger 
vulkaunischen Aschen. Die Resultate, welche der Vf. bei chemischen 
-Prüfungen der Laven und vulkanischen Aschen eines und des nämlichen 
.Feuerberges erbielt, waren zu interessant, um nicht den Wunsch anzu- 
regen, solche Untersuchungen vervielfältigt zu sehen. Es ergab sich 
eine gleichartige Natur bei von einer und derselben Lava entnommenen 
Handstücken, die ihrem äusserlichen Aussehen nach sehr verschieden 
waren. Ferner wurde dargethan, dass Musterstücke von Lava eines 
und des nämlichen Vulkans, jedoch in verschiedenen Epochen ergossen, 
identisch oder wenigstens sehr analog sind. Durrenoy vermochte bis 
jetzt nicht die Resultate seiner Laven-Analysen auf scharf bestimmte 
Mineral-Substanzen zurückzuführen, indem solche Feuer-Erzeugnisse in 
der Regel ein inniges Gemenge mehrer Mineral-Körper sind. Indessen 
darf man hoffen, einige dieser Gattungen durch Untersuchung der von 
demselben Vulkan, dessen Lava analysirt wurde, ausgeworfenen Aschen 
zu erkennen; denn solche Aschen sind aus den nämlichen Mineral-Kör- 
pern zusammengesetzt, wie die Laven, nur mit dem Unterschiede, dass 
jedes Theilchen nicht alle Substanzen enthält, welches die Laven des 
Vulkans bilden, sondern nur eine derselben. Auf bekanntem Wege ge- 
langt man zu ihrer Bestimmung. So. bestehen die von den Feuerbergen 
auf Guadeloupe im Jahre 1797 ausgeschleuderten Aschen aus: 

1) Alaun, Gyps, Eisen-Vitriol; 

2) einer Art Labrador mit Kalk-Basis und Eisen-Protoxyd, lösbar 
‚in Chlor - Wasserstoff- Säure; 

3) aus Ryakolith und 

4) aus Titaneisen. 

Die von den nämlichen Vulkanen 1836 ausgeschleuderten Aschen 
‚gaben bei der Untersuchung die drei letzten Substanzen gemengt mit 
‚Schwefel, und was besonders merkwürdig, ein Sand, von einer schlam- 
mwigen Eruption derselben Vulkane herrührend, bestand aus Labrador, 
Ryakolith und Titaneisen und überdiess aus einigen Hessonit- (Granat-) 


474 


‚und Augit-Körnern. — Die vom Vulkan Cosiguina im mittlen Ame- 
‚rika ausgeworfene Asche, welche der Verf. gleichfalls untersuchte, 
-hat eine von der: Guadelouper Asche gänzlich: verschiedene Zusam- 
‚mensetzung. | 


A. v. MeyEnporrr: ‚Geognostischer Umriss von Russland 
(A. Erman Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland, 1841, 1, 
-61—71).. Der Herausgeber des genannten Journals hat versucht, das 
Ergebniss aller vorhandenen Beobachtungen von Pırras, GÜLDENSTEDT, 
‘HERMANN, EvVERSMANN, ENGELHARDT, STRAnGwAYs, EıchwiLn, PAnDER, 
‚Dusoss, Rose, Fıscn£r v. WarpHneım, E. Horrmann, v. HELMERSEN, DE 
VERNEUIL, L. v. Bueu, MurcHison, v. MEYENDoRFF, JasıkoF und einigen 
‚anderen Russen in einer Abhandlung „über den dermaligen Zustand und 
die allmähliche Entwickelung der. geognostischen Kenntnisse vom Euro- 
‚päischen Russland“ S. 59—109 und S. 254—313 zu berichten und auf 
‘eine unmittelbar anschauliche Weise in einer grossen Karte zusammen- 
zustellen. Was die neueren Schriftsteller betrifft, so haben wir: de- 
ren ihrer Zeit in diesem Jahrbuche gedacht und sie selbst grössten- 
‚theils im Auszuge mitgetheilt, einige in Russischer Sprache verfasste 
‘Abhandlungen im Petersburger Bergwerks- Journale von verschiedenen 
:Bergbeamten und einen ganz neuen Brief MeyEnnorr’s an Hrn. Erıe DE 
:BEAuUMoONT (vom 28. Januar 1841) ausgenommen, welchen wir hier mit- 
‚theilen wollen. | 


v. MEvEnDorFF bereiste 1840 in Begleitung von MurcnHıson und DE 
“VERrNEUIL den Norden, während sich Graf Kryseruine, Prof. Brasıus 
‘und H. v. Zıvowırw nach der Mitte und dem Süden wendeten. Um sich 
‘die gewonnenen Resultate nun zu einem deutlichen Bilde zu gestalten, 
'hat man sich die Schichten gehoben zu denken durch das kontinuir- 
liche und unmerklich langsame Emporsteigen des krystallinischen Kegels 
-von Finnland, durch die Ural’sche und Kaukasische Hebung. Jenen er- 
'sten ‚umlagern (oft steil aufgerichtet) in Halbkreise: 1) die Silurischen 
‘Schiehten im W. und S., nämlich in S.-Skandinavien und südlichen Fin- 
nischen Busen (und beschränkter am Dniestr bei Kamenez) und darauf 
2) die Devonischen im Süden und Osten desselben, von der Ostsee 
bis zum weissen Meere. In der Vertiefung aber, welche vom Finntschen 
bis zum weissen Meere ziehend den Onega- und den Ladoga-See auf- 
mimmt, treten noch (pseudo-) vulkanische Diorite zwischen die krystalli- 
nische Zentral-Masse und die Meeres-Gebilde und verwandeln den Siluri- 
schen Kalk in Marmor, den Devonischen Thon- und Sand-Stein in thoni- 
gen Schiefer und Quarzit. Nur hier deutlich fallen alle Schichten unter 
nicht 1° nach SO. zu. — Hierauf folgt 3) die Kohlen-Formation, 
der Berg- und Kohlen-Kalk, in Gestalt eines langen und gleichbrei- 
ten Streifens, welcher in NO.-SW. Richtung vom O. des weissen Mee- 
res an ausserhalb des Devonischen Streifens über Smolensk [herab und, 
von. da an breiter, ostwärts bis zum 50° L. zieht, aber dann in 


475 


beschränkter Ausdehnung *) auch] bis zum N. des Axrbw’schen Mevrös er: 
scheint. Sie bildet eine horizontale, in der Mitte wenig vertiefte Platte 
und ist die Grundlage aller neueru Formationen. Die:obere: Abtheilung 
oder der Russische Kohlen-Kalk erscheint. äber nur: änı -Süd- Rande des 
Streifens, welcher von Smolensk' östlich. zieht, in kurzer ‚Erstreckung 
und an der Nord-Seite des Azow’schen »Strichs. | Endlich: erscheint diese 
Formation mit Kohlen, ebenfalls durch Diorite, emporgehoben, in; einer 
wieder nordwärts gegen das weisse Meer ziehenden Beihe getrennter 
Flecken, welche vom Ende des östlichen ‚Streifens beginnt ;' doch ist .die 
nördliche Fortsetzung derselben noch nicht, bekanut. : Graf v. Kryseruine 
hat beobachtet, dass der tiefere Bergkalk vou Argangelsk. bis Moskau überall 
durch Spirifer Choristites Fıscn. charakterisirtw erde,.der,aber in.den 
höhern Kohlen-führenden Kalken fehle, welche dagegen überallProductus 
gizanteus enthalten. — 4) Der NewredSandstone der Engländer oder 
die Zechstein-Formation erfüllt das ganze ‚mächtige. Dreieck , zwi- 
schen dem SW., dem O. und dem N. Streifen der. vorigen Formation. Sie 
besteht in trostloser Einförwigkeit aus einem’ beständigen, Wechsel von 
grünen und rothen Mergeln ”*) ohne, Petrefakte, einigeversteinte Hölzer 
an der nördlichen Dwina ausgenommen, — 5) Von der Jura-Formation 
kommen nur. die obern Lager des Lias mit dem Oxford-Thon vor im Gebiete 
vou 3. und 4 auf kleine Flecken beschränkt und. nur : im ‚obern; W’olga- 
Thal in. Form eines längeren schmalen: Streifens [von welchen aus sie 
gewiss unter das ausgedehnte Kreide - Gebiet eindringt, so: wie. sie sich 
ganz. abgelegen um den Iek findet, einen Arm des in. das Kaspische 
Meer fallenden Urals].. — 6) Die Kreide nimmt einen grossen rauten-för- 
migen Flecken auf dei linken Ufer der Wolga@ und: des Don;,; zwischen 
dem Smolensker und Azuw’schen: Kohlen-Kalk ein, erreicht aber, einige 
kleinere abgeschlossene Flecken ausgenommen, den 34° O. L. nicht 
ganz. — 7) Endlich in Westen der Kreide, im Süden des Smolensker 
Kohlen-Kalk-Streifens, im Norden. des schwarzen Meeres und des Dnje- 
ster verbreiten sich tertiäre Schichten, theils ältere, wie sie Du- 
2018 u. A. beschrieben; theils Jjüngere,. welche im »S.W. Theile jenes 
Striches liegen und von den vorigen ‚durch einen: im N. von Zaganrug 
am Azow’schen Meere spitz beginnenden und zwischen Dnjepr und Buy 
gleichbreit bis Kiew ziehenden Granit- Streifen getrennt sind. Letzte 
bilden den „Steppenkalk“, mit welchem sich Eıchwarn ebeufalls’und De 
VeErNEUL vorzüglich beschäftigten (postplioeen Murch.). ' [Als äusserste 
Grenze, bis zu. weleher die erratischen Blöcke Finnlands reichen, zieht 
Erman, wie es scheint, aber abweichend von M. Augabe, eine Linie, 
welche bei Breslau südlich beginnend gerade nach Tula (35° O.L. von 
Paris) und von da mit unmerklicher Bogen-Form nach einem Punkte in 


*) Die eingeschlossene Stelle ist nach dem Ergebniss der Ermaw’schen Karte zuge- 
setzt, und enthält eine Abweichung von der Darstellung des Vfs. Überhaupt ist 
dieser ganze Auszug immer mit Rücksicht auf die Karte gefertigt. 

**) Nach einigen Stellen des Briefs möchte man eher glauben, es seyen unter 4) die 
Sand- und Thon - Bildungen der Trias verstanden. 

Jahrgang 1842. al 


| 476 

62° N: Br. und 52° L. führt.] — Vier Haupt-Charaktere zeichnen die Flötz- 
Schichten des Zuropäischen Russland vor denen anderer Länder aus: die 
grosse Erstreckung ‘der 'einzelnew Formationen: in ungestörtem Zusam- 
menhang; ihre völlige’ Identität auf den entlegensten Punkten; ihre söh- 
lige Schichtung: [mit "unmerklichem -SO.-Fallen]; und die unveränderte 
Beschaffenheit der primitiven Bestandtheile der Schichten, vermöge wel- 
cher der Berg-Kalk' am: Onega Schreib-Kreide liefert, die Sandsteine als 
loser ‚Sand, die Thon-Schiefer als unveränderter Thon erscheinen und 
nur in der Nähe der Finnischen, Uralischen und Kaukasischen Hebun- 
gen verändert sind: sie liefern hiedurch eine vortreffliche Basis zur Be- 
urtheilung des. Grades der Umwandlungen , welche die Gesteine in an- 
dern Gegenden: später erlitten haben. 


E. Desor: die Besteigung der Jungfrau u. s. w. (extr. de la 
Biblioth. univers. de: Geneve, 1841, Nov. 56 pp. 2 pll.). Acassız, For- 
BES, DU CHATELIER von Nantes und Dzsor haben nach den Gebrüdern 
Meyer von Aarau i. J. 1811 und '1812, und einigen Führern von der Grim- 
sel 1828, die Jungfrau am 28 Aug. 1841 bestiegen. Das Geschichtliche 
ist schon durch‘ die Zeitungen mitgetheil. Einen wissenschaftlichen 
Bericht von Acassız erwarten wir noch. Eine bemerkenswerthe Erschei- 
nung ist, dass die grossen Schneefelder des ganzen Gebirgsstocks zwi- 
schen : Lauterbrunn, Grindelwald, Hasli-Thal und Wallis alle so ziem- 
lich eine Ebene bilden, aus 'welcher sich oben die letzten Kämme und 
Pik’s erheben. Eine schöne Karte 'versinnlicht das und gibt die Aus- 
dehnung der Gletscher, des Firn und des Schnee’s an. Jener reicht nie 
unter 10,000’ herab. Gneis bildet die Spitze der Jungfrau. 


Desor bemerkt in Bezug; auf die Gletscher (I’Inst. 1842, 94— 
95), dass Schliff-Flächen in den Kalk-Thälern der Alpen verhältnissmä- 
sig selten seyen, obschon im Jura gerade die schönsten Schliff-Flächen 
auf Kalkstein vorkommen. Die Schliff-Flächen und die Roches mouton- 
nees sind für den Reisenden die Vorläufer der Gletscher; überall begeg- 
net man ihnen schon 2—3—4 Stunden unterhalb der jetzigen Gletscher, 
und gewöhnlich sind in tiefern Gegenden die Felsen vollkommener ge- 
schliffen, als in höheren, obsehon auch das Umgekehrte vorkommt. Aber 
eben so bemerkenswerth sind sie wegen ihres Niveau’s, das sie nicht 
übersteigen. Am untern Aar-Gletscher kann man sie noch 800° über 
demselben sehen; aber gegen seinen Ursprung hinauf nähert sich ihm 
ihre obere Grenze immer mehr, bis sie sich in 9000° Seehöhe unter 
den Firn verliert. 


Fortführung von Staub über’s Meer [V’Instit. 1842, 120). 
Vgl. Jahrb. 1842, 115. Der Brersnaus’sche Almanach und daraus JAmE- 
son’s Journal [auch die Allgemeine Zeitung u. a.] enthalten eine Nachricht 


477 


aus dem Schiffs-Buch der „Prinzess Louise“, welche die schon früher be- 
kannte Fortbewegung des Afrikanischen Staubsandes über das Atlanti- 
sche Meer bestätiget. In der trocknen Jahreszeit vom November bis 
Mai pflegt nämlich die Luft an der ganzen West -Küste zwischen Cap 
Bojador und Cap Verd davon beständig wie mit einem Nebel erfüllt zu 
seyn. Die in jenem Buche aufgezeichneten Beobachtungen am Bord des 
genannten Schiffes bei seiner Hinreise und Herreise sind folgende: 


4 Abstaud v. Eu: Sand-Staub, wahrscheinlich aus 
ie Y..Br, W.L.  Testlande. Afrika. 


14. Jän. 24° 20’, 26° 42° 12°: färbt alle Segel, 
15. „ 23005’ 28° 18° 12°: eben so, ist noch gelber, lässt sich 
abklopfen. 


6. Mai. 109 29° 32° 19°: 17%: färbt, wie früher, die Segel. 
7: 5.12% 20° 34900° 18%: - färbt noch gelber, 

8. „140 21° 359%24° 19%: bedeckt Segel und Thauwerk. 
9. „160 aa! 36° 37°. 20%: nimmt nicht mehr zu. 


Im Jahr 1839, vierzehn Tage später, kam W. B. CrarreE auf dem 
„Roxburgh“ von England aus denselben Weg und sehrieb an die geo- 
logische Societät in London, wie am 
4.Febr. 14° 31° 25° 16° bei 72° F. Temp.: bedeckter Himmel und grosse 
Schwüle war, des Nachmittags Nach- 
lassen des Windes, dann SW.-Wind und 
Regen; die Atwospbäre war mit einem 
Staube erfüllt, welcher die Augen sehr 
angriff. 

5. „ 120 36° 24° 13° bei 72° F. und 55 Engl. Meilen Abstand vom 
Cap-Verdischen Vulkan Fogo und hel- 
"lem Himmel bedeckten sich die Segel 
mit unfühlbarem rothbraunem Staube, 
welcher gewissen vulkanischen Aschen- 
Auswürfen sehr ähnlich war, und of- 
fenbar [??] nicht aus den Wüsten Af- 
rika’s gekommen seyn konnte. (Indes- 
sen ist bekannt, dass der Fogo damals 
keine Ausbrüche hatte.) 

Crirke liess sich von den Offizieren des Roxburgh noch folgende 
Beobachtungen mittheilen: Als 1822 „der Kingston“ von Bristol nach 
Jamaica gehend bei der Insel Fogo vorüberkam, bedeckten sich ‚seine 
Segel ebenfalls mit solchem braunem, stark nach Schwefel riechendem 
Staube. In der Breite der Kanarischen Inseln und in 35° Länge hat 
man 2—3 mal Aschen-Regen beobachtet. Zu Bombay hat man öfters 
das Deck der Schiffe bis’1” dick mit Staub bdeckt gesehen, der aus 
den Arabischen Wüsten gekommen seyn soll. Im Jänner 1838 beobach- 
tete die Mannschaft eines Schiffes in den Chinesischen Gewässern, wäh- 
rend ein Vulkan auf den Bashee- Inseln thätig war, obschon man sich 
in grosser Entfernung davon befand, einen ähnlichen Staub-Fall. Im J. 

alır 


478 


1812 fiel Asche auf das Deck Binek Packet-Boots, welches nach Brasi- 
lien ging, obschon es über 1000 Engl. Meilen von jedem Lande war. 


De Correeno hält die Ritzung der Schliff-Flächen für ein 
Argument gegen die Fortbewegung der Gletscher. Denn, nimmt man 
auch als Maximum die Fortbewegung eines Gletschers zu 2337 im Jahre 
an, setzt man 100 Tage des Gefrierens und Aufthauens im Gletscher, 
und nur 200—300 täglich gebildete [?Haar-] Spalten, so bekänse jeder 
Ritz nur immer 1 Centimeter im Zusammenhang zurückzulegen und 
müsste dann wieder unterbrochen werden. Aber man sieht auf den er- 
sten Blick, dass die Fels-Ritzen ohne Spur von Unterbrechung und Un- 
gleichheit die Bewegung einige Decimeter weit fortsetzen (2’Instit. 1842, 
75). L[Diess scheint‘ denn doch ein Missverständniss zu seyn; denn jener 
Theorie zufolge soll ja jeder Ritz nächtlich nicht nur durch die Bewegung 
des eignen Gletscher-Theiles fortgeschoben werden, sondern auch an der 
aller höher aufwärts befindlichen Theile des Gletschers Antheil haben, Br.] 


BoussinsauLt: über die Wärmestrahlung des Schnee’s 
(VInst. 1842, 94,104). R. beobachtete drei Thermometer, einen in Be- 
rübrung mit dem Boden unter einer nur 0m1 dieken Schichte Schnee, 
den zweiten auf den Schnee und den dritten 12m über dem Boden in 
freier Luft an einer gegen starke Strahlung geschützten Stelle, und fand 


am Thermometer 


am 11—14, Febr. 1842. Li ee 

11. Febr. 51 U. Abds., Himmel hell, Luft ruhig 0°%,0 —ı%,5 429,5 
12. » 7, Morg., „ » ” D) — 88, 7 E20 
la Ba ADS ei irienee el -, 0%,0 — 14 + 3,0 

Bat u MORE A grau, „ rege —?27,0 — 8,2 — 3,8 
Hi ADAS.; ae hell. Tuhıe 0,0 -10 +45 


14. „ 7. „ Morg., feiner Regen, W.-Wind 0,0 +05 + 23,0 
Der Unterschied der Temperatur über und unter dem Schnee betrug 
daher in einem Falle durch Ausstrahlung des Schnee’s 9°. 


F. WAnGENHEIM von QuALENn: geognostische Beiträge zur 
Kenntniss der Gebirgs-Formationen des westlichen TUrals, 
insbesondere von den Umgebungen des Flusses Diöma bis 
zu den Ufern des westlichen Iks, im Orenburgischen G ouver- 
nement, (Bullet. de la soc. imper. des ‚natural. de Moscou, 1840, 
391—429.) Eine Abhandlung voll genauer Beobachtungen, über ein Ge- 
birge jedoch, welches weder beträchtliche Profile, noch zusammenhän- 
gende Durchschnitte darbietet, überall ein anderes Ansehen gewinnt und 
doch wieder weithin durch eingemengte Kupfer-Erze und Kohlen-Theile, 
durch Mangel an Versteinerungen u. Ss. w. eine gewisse Gleichheit des 


479 


Charakters besitzt, über das wir aber wegen des mangelnden Zusam- 
menhangs in der Darstellung nicht wohl einen erschöpfenden Auszug 
mittbeilen können. Die ganze Oberfläche ist sanft wellenförmig, die 
20—70 Faden tief eingeschnittenen Fluss- Thäler ausgenommen, deren 
eine Seite allmählich, die andere steil anzusteigen pflegt. Man kann 
im Ganzen folgende fünf Haupt-Abtbeilungen mit mehren Unter-Abthei- 
lungen in dem Gebirgs- Gesteine unterscheiden, die sich aber nirgends 
weit in horizontalem Zusammenhange verfolgen lassen, und wovon die 
Unter - Abtheilungen gewöhnlich keine bestimmte Lagerungs- he be- 
halten. 
":V. Kalk-Tuff mit Kiesel- Gehalt and mit einigen Lokal-Bildungen. 
IV. Gyps: 
111. Kalk- und bunter Thon-Mergel mit einem elle Thon-Flötz 
und einer Kalk- und Kalkmergel-Brececie. 
11, Bunter Sandstein mit schiefriger und Russ-Kohle, Mergel-Letten, 
braunen eisenschüssigen ahanen und Konglomeraten. 
‘1. Derber Kalkstein. 


I. In den Wasilief’schen Sanderz- Kupfer-Gruben auf einer flachen 
Berg-Ebene 10 Werst vor der Diöma hat man folgendes Profil für _ 
I. und II. 


(IIg). Kleine Kalkı- a Thon-Mergel- een Kalk-Breccien, 
Thon, Alluvionen. 
(ILf). Leber-brauner Eisen-Thon . . .» . . 8-10 
(Ile). Bunter Sandstein; weiss-grau, gestreift, init Kerken Ge. 
«schieben, Glimmer-Blättchen, Thon-Gallen, oben von 


Arschinen. 


«  'Kupfer-Grün durchzogen . . ; vo 
(II.d). Bläuliche Schiefermergel-Letten ar Kupfer-Grün did 
Lasur, das Erz 0,02 Kupfer gebend . . . . . 75 


(IL ec). Röthlicher Sandstein voll Glimmer-Blättchen, mit nel 
nigem und Kalk-mergeligem Bindemittel . . . . . 12—15 


(Ib). Blaulicher Mergel-Letten, Flötz von Pr A 10 
(AL a). Sehiefer-Kohle . . 2. , aM 0,50 
(D).  Derber, weisslicher Kalkstein, Mer dee mit 205. 


Hundert Werst weiter südlich hat man dagegen auf der Karlin- 
schen Erz-Grube nächst der Werchny-Troitzkuschen Kupfer-Hütte von 
unten nach oben denselben Kalkstein von mehr als 35 A., Malachit- 
Erz bis 4 A., Leber-braunen, eisenschüssigen Thon mächtig, bunten 
Sandstein, Konglomerate, kleine Mergel-Schichten, Danmerde. Alle 
andern Mergel:Gruben in einem Umfange von 300—400 Wersten zeigen 
diese derben Kalksteine ae Baden pur dünnschieferigen Kalk-Mergel 
und Tuff. 

II. Der bunte Sandstein 'ist'in einem Bereiche von mehr als 700 
Wersten die herrschende Gebirgsart mit weissgrauen, auch grünlichen, 
seltener röthlichen und braunrothen Farben gestreift, horizontal gelagert, 
oft sehr reich an Glimmer-Blättchen, gebunden durch Thon und Thon- 


480 


Mergel, seltener durch Kiesel, begleitet von Mandel -förıhigen Thon- 
Gallen, hin und wieder von. Nesteru, Strichen und kleinen Flötzen von 
Quarz- und Horostein - Geschieben bis von. Wallnuss-Grösse mit Kiesel- 
Zäment und Kupfer-Grün durchsetzt. — Die Schiefer-Kohle hat der V£. 
nur einmal in einem regelmässigen Flötze vorgefunden, scharf geschie- 
den von oben erwähntem Kalkstein; er betrachtet sie desshalb auch um 
so lieber als die Sohle des ‘bunten -Sandsteins, da dieser: überall nicht 
arm an Kohle ist, welche die Kupfer-Erze treu begleitet. Oft sind es 
dünne Streifen von unreinem Kohlen-Russ, welche nur: wenige Faden 
unter der Dammerde liegen. Oft sind es versteinerte Holzstämme, vor- 
zugsweise im bunten Sandstein gelegen, mit ,Buss.und Kupfer-Grün 
durchzogen, oder sie bilden einen wahren Lignit mit Holz-Textur. Oft er- 
setzt dünner Kohlen-Russ die Stelle des -Glimmers:in einem Sandstein- 
Schiefer; oder es kommen kleine Schiefer-Flötze vor, welche ganz aus 
einem in wahre Holz-Kohlen übergegangenen Schilf bestehen; endlich 
sind einzelne gauz in Kohle übergegangene Kalamiten mit Kohlen-Russ 
und kleine Koblen-Nester mit Letten nicht selten.. Dieser Kohlenstoff 
scheint dem Vf. vegetabilischen Ursprungs und übereinstimmend mit der 
Keuper-Kohle zu seyn. — Der bläuliche Mergel- und Schiefer - Letten 
durchschneidet den bunten Sandstein in untergeordneten Lagern und 
Schichten von 1—10 A. Dicke, enthält oft Kupfer-Erz und Eisenkies, 
und scheint desshalb wie wegen seiner Übergänge und seines Erz-Reich- 
thumes mehr zu I. als zu III. zu gehören, oebschon er dort, etwas 
Kalk-reicher, auch vorkommt. Er ist oft. blaulich, selten mit kleinen 
Glimmer - Blättchen, grobschieferig , milde, etwas kalkiıg, oft reich 
durchmengt mit Kupfer-Grün und -Lasur. — Der Leber-braune und 
eisenschüssige Thon ist sehr weit verbreitet, zwar. ohne bestimmte 
Altersfolge, doch blieben seine 2—15 A. dicken 'Flötze immer in der 
Nähe des bunten Sandsteins und steigen nie zu III. empor. Er ist ge- 
wöhnlich dickschiefrig, derb oder bröckelig, zuweilen steinhart, enthält 
selten Kupfer-Erze, noch seltener organische. Reste, nie Holzstämme. — 
Die Konglomerate aus Quarz, Hornstein, und Iydischen Steinen sind 
mehr lokal verbreitet, doch immer vollkommen abgerundet, von feinstem 
Korn bis zur Grösse einer Kinder-Faust, in Flötzen, Streifen und 
Nestern verbreitet. li 

Ill. Die Kalk- und Bunte Thonmergel-Gruppe ist äusserst veränder- 
lich in ihren Charakteren und, obschon immer auf dem bunten Sand- 
steine ruhend, doch vielleicht nicht als Formation verschieden. Weisser 
veiner Kalkıwergel bildet zuweilen lange Bergzüge auf den Plateau’s und 
pflegt nach oben und unten thoniger zu. werden. In der Mitte liegen 
dann wohl kleine schiefrige Schichten. oder Geschiebe eines ziemlich rei- 
nen, derben, weissen Kalksteins, so dass das Flötz öfters in eine Kalk- 
Breceie übergeht. Zuweilen entwickelt sich ein Schnee-weisser, Kreide- 
artiger, erdiger Kalk an mehr als 3—4 Faden Mächtigkeit auf grössere 
Erstreckung, welcher wohl etwas Kiesel-haltig ist und dalier nieht nur 
ein schlechtes Schmelzmittel abgibt, sondern auch Knollen eines kieseligen 


481 


Gesteins ausscheidet. Wo der Kalkmergel. verschwindet, treten die 
Thon- und Letten-Mergel in bunter Färbung mehr hervor, sind oft 
reich an horizontalen Russ-Streifen, auch ‚an Nestern: und Flecken von 
Kupfer-Grün. Auch die Thon-Letten werden zuweilen Stein-artig, und 
in einer solchen Schicht bei der Nischny - Troitzky’schen Kupfer - Hütte 
fand der Vf. ein Flötz mit Muscheln (Neuropteris-. und Calami- 
tes-Resten). — Eine rosenrothe Thon - Ablagerung von geringer Mäch- 
tigkeit, aber weiter Verbreitung , aus eisenschüssigem Thon mit Kalkerde 
bestehend, bildet mit der noch zu erwähnenden Kalk-Breccie immer das 
letzte und oberste Glied von. IlI.,: ist‘ an ihrer. .hellrothen: ‘Farbe leicht 
kennbar und bietet so einen guten ‚geognostischen Horizont: dar. ; Ihre 
Mächtigkeit ist von 1 A. :bis einige ‚Raden.:—::Die „Kalk-Breceie“ Her- 
MANN’S, eine Anhäufung von. schiefrigen! Kalk-: und: 'Mergel- Steinen 
mit erdigem Kalkmergel-Mulw: ohne eigentliches Bindemittel, ist weit 
verbreitet, aber selten einige Faden mächtig. Sie: bildet überall das 
oberste Glied unter den Alluvial- Anschwemmungen: und der. Dammerde, 
da die folgenden Gebilde nur. lokal! verbreitet: oder: jüngere unbekannte 
Formationen sind. 

IV. Gyps ist nicht näher beobachtet; ‚dont oft RN 

V. Kalktuff mit vieler‘ Kieselerde- bedeckt die’oberen Abrundungen 
der Gebirge hart unter der Dammerde 'Mantel=förmig: als ein derber, 
am Stahle Funken gebender —2 A. dieker Kalkstein. Man findet ihn 
vorzüglich auf steilen Berghöhen an den Ufern der Flüsse. Er ist schr 
porös und enthält eine Menge kleiner, krummer,. senkrechter, ihn in 
ganzer Mächtigkeit durchsetzender Röhren, vielleicht entstanden durch 
das Aufsteigen irgend einer Gasart.': Er enthält keine organischen Reste, 
aber viele von oben eindringende  Höhlungen, welche unverkennbar 
durch Baumwurzeln entstanden sind, um: die sich der einst flüssige 
Kalk- und Kiesel- Stoff herumgelegt hat, wie man denn in manchen der- 
selben noch unzersetzte Wurzeln :mit Rinde und Holz- Textur bis von 
einigen Zollen Dicke antrifft, die in anderen in Braunkoble: oder Russ 
übergegangen sind. Dieser Tuff ist unbezweifelt erst in neuerer Zeit 
von Siekerwassern abgesetzt worden. LET 

VI. Bemerkungen über Metall-Oxyde und vereait BR ET Fossi- 
lien in diesen Gebirgsarten. Kupfer-Erze sind durch die genannten Gebirgs- 
arten allerwärts verbreitet, kleine Flecken, Nester u. s. w. 'bildend, so dass 
man dergleichen findet, wo man ‚auch nachgräbt. Doch. weit seltener 
sind die Anbrüche bauwürdig; oft dienen sie aber dazu, zu solchen zu 
leiten. Die kohlensauren Kupfer-Erze finden sich hauptsächlich in II., 
steigen aber auch in III. bis einige Arschinen unter: die Dammerde em- 
por, so dass an Feststellung eines allgemeinen Lagerungs-Verhältnisses 
nicht zu denken ist. Mehr Beständigkeit zeigen noch die Sand-Erze 
und die mit Kupfer-Grün und Lasur ‘durchzogenen Letten und Sand- 
Schiefer, welche in horizontalen Lagen von 2''—12‘ Dicke nicht selten 
100—200 Faden fortziehen und im Erz’ gewöhnlich 0,02— 0,03 Kupfer 
enthalten. Die Sand-Erze aber erscheinen in oft ungeheuern Nestern 


482 


bis 3:Faden hoch: und -lieferiv weniger, aber reicheres Kupfer. Eine be- 
sondere: Art reicher ’ Erze' liefern im bunten Sandsteine die. zahlreiche 
fossile: Baumstämme begleitenden Kupfer-Oxyde, deren Erze 0,03--0,05 
Kupfer gebein' “ Die'iHolzstämme‘'haben von der Dicke eines Fingers bis 
1: Arschinen ;. besitzen ‘selten - Seiten-Äste, dürchziehen: den Sandstein 
horizontal naeh -allen Richtungen, doch immer in einem gewissen Niveau 
mit unbedeutendem: Steigen und ‚Fallen, sind mit: Kupfer-Grün ganz 
durchzogen, das von’ ihnen’ auch in -das.benachbarte taube'Gestein’ über- 
geht. ' Der Kohlenstoff'des’ Holzes’ hat hier unbezweifelt die Anhäufung 
des Metall-Oxydes veranlasst. ‘ Die meisten dieser Holzstämme scheinen 
dikotyledonische zu seynz 'andere'zeigen aber auch bündelweise Holzfa- 
sern,, ohne Jahresringe erkennen zu lassen: Die kleinern Stämme und 
die: Äste 'sind 'oft plattgedrückt,. die grössern rund mit deutlicher Holz- 
Vextur-und ganz mit Kohlenstoff oder Russ durchzogen. Nicht selten 
haben viele Arschinen‘ lange Stämme Rinde und Holz in den schönsten 
erdizen Mälachit verwandelt, während‘der innere Kern ganz mit schwarz- 
braunem mildem Russe angefüllt: ist, daher die Bergleute sie „Röhren“ 
nennen, Oft muss sich der Bergmann mehre Faden lang durch die taube 
und harte ‚Gebirgsart: hindurch arbeiten, bis er. einen einzelnen mit 
Kupfer-Grün durchzogenen :Holzstamm findet, der ihn endlich zu einer 
stärkere: Anhäufung: von Stämmen und Erzen hinleitet. Der Sandstein 
hat um.diese Erze gewöhnlich ein tboniges Bindemittel, oft ist es auch 
kieselig. — Die übrigen Nachweisungen über die Kupfer-Erze haben ein 
zu lokales Interesse, alsı dass’ wir sie mittheilen dürften. 

Ausser den fossilen Baumstänimen findet man im bunten Sandstein 
zuweilen auch Abdrücke von Schaalthieren und Farnen, häufiger 
von Kalamiten und Equisetein. In verschiedenen Erz-Gruben im 
Niveau des Erz-Lagers — also durchaus nicht in Diluvial-Gebilden — 
tand der Vf, 3 fossile :Backen:Zähne, wovon: 2 im Sand-Erze lagen und 
ganz in Kalait verwandelt ‚waren, Dann wurden seit einigen Jahren 
in : verschiedenen Grüben 5 Bruchstücke von Bein -Knochen gefunden, 
wovon 2 ganz. mit Kupfer-Grün durchzogen waren, Ein Schiefer mit 
Pflanzen-Abdrücken und Bivalven streicht am Fusse einer hohen Gebirgs- 
kette hin, ruht auf buntem; Sandstein und ist mit Thon-: und Merzel- 
Arten bedeckt... Ein anderes, graues Thonmergel:-Flötz von einigen Zol- 
len Dicke, ‘über eine Werst weit am Flusse Kidasch hinstreichend, 
besteht. fast. gauz aus. einer. Gattung Muscheln,: Es liegt unter einer 
mächtigen Thon-Ablagerung, in. deren untern Lagen sich Breccien-artige 
Gebilde dieses 'Schaalthier- Schiefers finden. 

VII. ‚Allgemeine, :Bemerkungen, : Duzuıson hielt nach Werner die 
West-Dralische Sandstein-Ablagerung. für Rothen Sandstein; Rose neunt 
sie: Weissliegendes ; Kurorga Kohlen-Formation; A. Bovr; zieht sie: frage- 
weise zur Trias. Dazu. hat,.in Betracht des gänzlichen Mangels au 
wahrer Steinkohle und der vielen Salze und Gyps-Spuren, wie. der fos- 
silen. Kuochen,, der Vf. sie immer gerechnet, ‚obschon der Muschelkalk 
fehlt, ; Sollte sie aber dem Bothliegenden und der Kohlen-Gruppe mehr 


4853 


genähert werden, so müsste man glauben, es habe hier wie im Salz- 
burgischen eine Vermengung der organischen Reste Statt gefunden und 
das Rothliegende sey mit dem Bunten Sandstein und Keuper in Eines 


verschmolzen. 


10. 


12: 


‚13. 


‚Trochus, 


G. Fiscner v. Warpueım. Nachtrag. zur vorigen Abhandlung, die 
vom Verf. zur Bestimmung eingesandten’ organischen Über- 
reste betreffend (a. a. O., S. 488—494.). 


I. Wirbelthiere.' 


. Ein grosser Saurier, Kuror- 


ca’s Orthopus: Schulter- und 


_Vorderarm-Stücke. 


Hippotherium graeile 


„Kaup, Backen-Zahn. 


Cervus: Backen-Zahn, durch 
grünes Kupfer-Oxyd in Türkis 
verwandelt. 


. Fisch.oder Saurier, ein mit 


Schuppen bedeckter Körper. 


II: ,Mollusken. 


Gestein-Platten, ganz erfüllt 
mit Terebratula 
Sow., von den Ufern des Ki- 
dasch [sollte das nicht irgend 


‚ein Productus seyn? Br.]. 
..Spirifer undulatus Sow., 


ein loser Findling. 
Unio umbonatus? 

».. acutus Sow. 
Lingula? in Sandstein. 
kleine, vielleicht 
neue Art, 


Ill. Pflanzen. 


A. Equisetaceae. 
11. 


Equisetum columnare 
Bren., ganz verkohlt. 

Calamites 
Bren., desgl. 
Calamites trigonus? Kı- 


arenaceus 


‚TORGA: Taf. v, Fig. 3 
B. Lyceopodiaceae. 


14. Sigillaria leioderma Ben., 


Tf.157, Fg.3., undeutlich, a 
von Kupfer. 


spinosa 


15. 


16. 
17. 


Sigillaria sulcuta n. sp. 

(wird charakterisirt). 

Lycopodites digitatus. 
vn: furcatus, nä- 


hert sich den Fucoiden. 


18, 


Lycopodites pinnatus, 
Leth. 33, Tf. vu, Fg. 2. 


C. Filices. 


19. 


20. 


primaeva 
Lindleyi 


Caulopteris 
Lispr.; Sigillaria- 
Bren., pl..140. 

Caulopteris macrodiseus; 
Sigillaria macrodiscus Bren., 


pl. 189. 


21. 
22. 


23. 


. Pachypteris 


Bockschia n. sp., und 
AR dilatata n. sp. 
(werden beschrieben, sind un- 
deutlich). 

Pachypteris lanceolata 
Bren., pl. 45, Fe. 1. I 
latinervia 
Kurorca 33, Tf. vu, Fg. 3. 


. Pachypteris macrophylla 


Bren. 

Pachypteris 
Bren. et, 
Pachypteris petiolata =. 


inaequalis 


"sp. (charakterisirt). 


Gleichenites Göpperti 
n. sp. in Sandstein (charakte- 
risirt). Y 


. Asterocarpus Sternbergi 


Göpr. 188, Tf. vı, Fg. 1—4. 
Neuropteris Wangenbei- 
m ii. Fıscn. (s. unten). 


. Neuropteris salicifolia n. 


pl. (diagnosirt). 


484 


32: Bl ähteitle heterophylla 41. Odontopteris artieulata? 


Bren. 243, pl. 71. »42. Adiantites N 
33. Neuropteris rotundifolia (si wi) wen“ 
Bren. im lockern Sandstein, 43. Adiantites pinnatus ish 
mit Unio acutus. (s. u.; — Sphenopteris inter- 
34. Neuropteris Villiersii rupte-pinnata Kurorcı 30, Tf. 
Brom. pl.’64, fig. 1 (s. u.). | 17, Fg. 2, zum Theil). 
35. Neuropteris Grangeri 44. Adiantites giganteus Gör. 
Brer. pl. 68 (beide mit deut- Tf. vır. 
lichen Seiten - Nerven; daher 45. Adiantites inaequalis ı n. 
nicht zu Adiantites). "sp. (diagnosirt). En 
36. Neuropteris diehotoma? 46. Adiantites Strogonovii n. 
37. 0»... macrophylla sp. (dessgl.). Kuh 
‚Baen. pl. 65, fig. 1. 47. Cheilanthites KutorgaeR. 
38. Neuropteris flexuosa (Sphenopteris euneifolia Kur. 
Bren. pl. 68; v. Sterne. tb. 3%, Two 
XXXIl. | 48. Glossopteris erenulata? 
39. Neuropteris Voltzii Bren. Bren. 254, pl. 78, fig. 1, 2 
pl. 67. 49. Glossopteris Phillipsii 
40. Pecopteris Grandii? Brec. Bren. pl. 65 bis, fig. 5. 
= Alethopteris Görr. 50. Einige Holz-Stämme, 


Ci. Pete alle 


| 6. Fischen von WarpHeim: Notitz über einige fossile Pflan- 

zen Russlands (Bullet. de la soc. naturalist. de Moscou, 1840, 234— 
240). Der Vf. beschreibt folgende neue Arten Steinkohlen-Pflanzen: 

1) Lepidodendron Bloedii, von Bröne, bei Charkow. 

2) Pecopteris rosmarinifolia, von demselben, zu Petrofka in 
Charkuw. 

3) Neuropteris? Villiersii Beren. var. von WANGENREIM- QUALEN, 
zu Belebei in Orenburg. 

4) Neuropteris Wangenheimii dessgl. 

‚5) Adiantites pinnatus dessgl. 

6) A Goepperti dessgl. 

Die dritte Art ist bei GöPrert ein N weil sie Seh 
Bronsntart und ihm kein Mittelnerv hätte; aber das Russische Exem- 
plar hat solchen bestimmt. 


DE Carıstor.: Beschreibung eines neuen Geschlechtes fos- 
siler Muscheln: Sinemuria (Bullet. geol. 1841, 91 — 93). Eine 
grosse Zalıl der in Eisenoxyd verwandelten Muscheln von Semur (Si- 
nemurum) im Dept. Cöte-d’or war bis jetzt zu Unio gerechnet worden, 
muss aber ein besondres Genus unter den Mactraceen Lmx’s. , den 


485 


Gonchaäceen Braınv’s. bilden. Die einfachen Muschel-Eindrücke’ und 
der einfache Mantel-Eindruck 'sind ganz wie bei Crassatella und Astarte, 
das'Schloss ist dem von Eryeina ähnlich. Von Unio weicht es ab durch 
die Zahl und Form der Zähne, das innre Band und die Muskel-Eindrücke; 
der Leisten-artige Zahn fehlt. Ausser dem kleinen innern Band ist viel- 
leicht noch ein grösseres äussres vorhanden, 

Si 'testa aequivalvis inaequilatera valvis approzimatis clausa;z 
cardo.dente unico cum fovea vubliqua; dentes laterales 2 remoti: an- 
terior valvae dextrae et ig sinistrae uterque erlERULIE Impves- 
nkate. Ligula pallealis integra et angusta. Ligamentum internum 
in foveola cardinali „oubliguaque“ incertum. 

"Ss. Düfrenii: testa solida subtrigona transversim oblonga sulcata ; 
sulcis planis latis striatulis; margine integro; 2'' lata. Vielleicht. gibt 
es noch eine etwas kleinere Art. | t 


L. Acassız: Monogruphies d’Echinodermes vivans et fos- 
sites, 3°, livraison contenant la 3°. et la 4e. monuographies: 
les Galerites etles Dysaster par E. Desor (94 pp. 13 pll., et 
29 pp. 4 pil., 4. Neuchätel 1842). Wegen der früheren Hefte vgl. Jahrb. 
1841, 612 und 1837, 226, 228, Vorrede S. ı—-ıv. Der Plan wird hier 
beibehalten. Desor war Ascassız’n schon bei seinen früheren Lieferun- 
gen behülflich und verfasste die jetzigen nach dessen Auftrag und 
dessen Materialien; A. revidirte sie. Die bearbeiteten 2 Gruppen der 
Ciypeastroiden schienen der Aufhellung ihrer Synonymie am meisten 
zu bedürfen, welche demnach auch in grosser Vollständigkeit geliefert 
ist. Der Verf. vertheidigt als Beobachtungs-Sache seine Ansicht, dass 
wenigstens von Echiniden die verschiedenen Formationen und Formations- 
Abtheilungen auch ' durchaus verschiedene Arten enthalten. Er habe 
die im Jahrb.: 1842, 82—8S4 [nach andern Autoren] angeführten Bei- 
spiele des Gegentheils unter den Echinodermen geprüft und irrig be- 
funden und meint, dass es auch mit den übrigen Thier- [und Pflanzen?-) 
Klasseu so seyn werde. Hiebei kommt denn natürlich die Frage wieder 
in Anregung, welche Verschiedenheiten blosse Varietäten, und welche 
eigene‘ Spezies’ begründen. So wird z. B. bei Discoidea eylindrica eine 
etwas flächere .Varietät zugegeben, aber Pygaster Gressiyi aus dem 
Portlandien (obrer' Jurse) von den P. laganoides aus dem Polypen-Kalk 
von ‘Ranville (untrer Jura) , womit sogar Acıssız selbst ihn verbuuden 
hat, 'zuerst’im Texte nur durch zweifelhafte Andeutung, in der geogno- 
stischen: Übersicht aber definitiv getrennt, weil er etwas gewölbter und oben 
mit diekern und: dichtera Warzen versehen zu seyn scheint, in der -dia- 
gnostischen "Übersicht aber &ar nicht angeführt, noch ‚abgebildet. Ind 
50. gesteht «der Vf. S. ır auch hinsichtlich einiger andern Arten noch | 
Zweifel zu haben, welche nur nach durchaus vollständigen Exemplaren 
mit Sicherheit zu unterscheiden möglich seyn würde. So hält er es 


486 


auch S. 78 für nicht unmöglich, dass Cliypeus semisulcatus PaızL.: aus 
dem Coralline-Oolith Yorkshire’s mit seinem Pygaster unbrella des’ Port- 
landien identisch seye, Der Text der Galeriten besteht aus-einer Ein- 
leitung (S. 1—6) über allgemeine Verhältnisse, der Beschreibung. der 
Genera und Arten (S. 7—85), einer geologisch-geographischen Übersicht 
(S. 86— 88) und einer diagnostischen Zusammenstellung '(S. 89 — 94): 
Eben diese Theile hat der Text über die Dysastern (S. 5—6-—-26—27--29). 

. £ «> ui Bi Yuan un 


... In den Oolithen In.der Kreide \, ini 
[untre, mittle  obre | wntre, mittle obre, | u. 
Genera und Arten - Zahl. a en 2.250 18 
(Koral- (Port- |Neoco- (Glau- Weisse Hayden 
lenk.). landien,)| mien.. conie). Kreide. r Yı. 


A. Galeritae. 


1. Galerites Lkm. 11 a U U) ” 
2. Pyrina Desm.. 4 1 3, 
3. Globator Ace. . 1 : 1 
4. Nucleopygus 
Be 1 u E a Ma 
5. Carotomus Ag. 5 % k UELI amt 
‚6. Echinoneus ie tropisches 
PHEES.t...0i "7 N 78 W.-Ame- 
BE i rikau!a,? 
7. Discoidea GraY i \ S Via . 
Discoideae . 10 a „eo KEORRRRTESERN 
Holectypti .10| 4 3 2| r=iit u dee 
8. Pygaster Ac.. 7| 1 1 3 Be r 
9. HyboclypusAc. 2| 2 
B. Dysastera. i 
10. Dysaster Ac. .20| 8 7 5 


Von diesen 10 Genera gehören also 2 allein den Oolithen,. 2 ihnen 
mit der Kreide gemeinsam, 5 dieser allein an, und nur. eines existirt 
als lebender Repräsentant. Die Abbildungen sind in gewohnter Weise 
vortrefflich, grossentheils stark vergrössert, diessmal alle schwarz. ;; 


pe Laızer und DE Parızv: Notitz über ein neues fossiles 
Pachydermen-Geschlecht, Oplotherium (Ann. sc. nat. 1838, X, 
335—342, pl. ıx, fig. 1-8; — vgl. Jahrb. 1839, S.. 235). ı  Dunum | 

Oplotherium. (Anoplotherium s. CyclognathusJlatieürva- 
tum Georrr. in Revue encycl. 1833, — und Jahrb.: 1839, 493). Zähne 
in zusammenhängender Reihe; jedoch die mitteln Schneide- und die 
Eck-Zähne überragend die Backen-Zähne des Oberkiefersz Richtung der 
Halbmond-Flächen auf den oberen Hinter- Mahlzähnen genau umgekehrt 
gegen die audrer Pachydermen; Winkel des Unterkiefers von‘:halb 
Zirkel - förmigem Umrisse, welcher unten und hinten über den übrigen 
Rand vorsteht und am Ende daran absetzt. Eine Rinne auf der Mittel- 


487 


linie. der Stirne und Nase. Zalın-Formel (für den Unterkiefer theilweise 


I TE TE AR 12538 1% Ti 

hetisch) — — —— 

isn 1 6, 
"Arten zwei: 1 @plotherium laticurvatum, 
ddp ir? RELEUTT leptognathum. 


‚Die. zahlreichen Schädel - Reste, ‘welche (mit nur einer Ausnahme) 
Graf: Liizer selbst von diesen Thbieren besitzt, stammen alle aus dem 
zerreiblichen Tertiär-Sandsteine von Chaptuzat, Perier, Cournon und 
Gannat in Auvergne. Die Höhe des Unterkiefer - Gelenkkopfes, die 
Höcker der Backen-Zähne, die obern Schneide - und Eek-Zähne weisen 
denselben sogleich ihre Stelle bei den kleinen Arten von Anoplotherium, 
Lophiodon u. s. w. an, indem die Länge der Zahn-Reihe gewöhnlich 
0m004 nicht übersteigt. Der vorderste Schneide - Zahn ist, gegen die 
übrigen Schneide-Zähne genommen, noch läuger, als der Eck-Zahn ge- 
gen die Backen. Zähne: er krümmt sich vertikal herab und ist daher 
auf der Vorderfläche etwas gewölbt nach Art der Schneide - Zähne der 
Nagethiere. Die Eck-Zähne sind merklich stärker als bei Anoplotherium; 
die obern 2 Lücken-Zähne sind zweiwurzelig, seitlich zusammengedrückt, 
etwas dreilappig und ziemlich schneidig wie bei Adapis. Die zwei fol- 
genden Backen-Zähne rähern sich den hintersten mehr an: der erste 
hat!noch einen inneren Höcker, wodurch seine Krone mehr dreieckig 
wird;ı der zweite eben so, erscheint aber mehr von vorn nach hinten 
 zusammengedrückt als ein queer geneigtes Prisma, dessen End-Kante 
in 2 pyramidale Höcker getheilt ist, — ein dritter äussrer Höcker 
kommt noch 'hinzu. Dieser vierte Zahn nun stellt in gewisser Weise 
die Hälfte eines der drei letzten Backen-Zähre dar, welche nach einem 
gemeinsamen Prinzip gebildet sind, und in welche er durch eine ein- 
fache Progression übergeht. Ihre Krone ist ungefähr quadratisch, aus 
zwei queer: geneigten und gegen das Innere der Kinnlade etwas kon- 
vergirenden Prismen gebildet; auf dieser Seite sind ihre Enden sogar 
dureh einen leicht. gewundenen Rand vereinigt und ruhen auf einer 
gemeinschaftlichen sehr breiten Wurzel, während an ilırem anderen oder 
äusseren Ende die Prismen sich auf eine gemeinsame Wurzel stützen. 
Im Ganzen sind diese drei Zähne aus denselben Elementen, wie bei 
Anoplotherium, Cboeropotamus und Anthracotherium gebil- 
det, nur dass sie bei diesem Geschlechte in einer umgekehrten Ordnung 
stehen. Dort ist: das vordre Zahn - Prisma in 3 kleine Pyramiden ge- 
trennt, das ‚hintre in 2 mit einem rudimentären dritten: hier verhält 
sich das gerade entgegengesetzt. 

Die Stirne ist auf eine zierliche Weise gewölbt. Die Nasen-Beine 
sind nieht auf die Weise gestellt, dass sie hätten einem Rüssel zur 
Stütze dienen können; und mitten auf denselben läuft: eine Längen- 
Rinne vonder Hälfte der Stirn-Beine an herab. 

Auf dem Unterkiefer hat man nur die 6 hintersten Backen - Zähne 
und die, zwei ersten Schneide - Zähne: noch an ihrer Stelle gefunden. 
Zwischen beiden sind nur noch zwei andre Alveolen , anscheinend für 


488 


einen dritten Schneide- und einen Eck-Zalın, wornach ein: Backen-Zahn 
weniger als im Oberkiefer wäre; aber alle stehen in‘ ununterbrochener 
Reihe. Von den drei Schneide-Zähnen stehen die 2:innern fast über- 
einander , der äussre daneben. Da sie aber liegend sind, wie/beim 
Schweine, so mussten sie mit den oberen unter einem Winkel von etwa 
135° zusammentreffen , und das untre Kiefer - Bein etwas: kürzer'seyn, 
als das obre. Die unteren Backen - Zähne sind,’ nach gewöhnlicher 
Weise, viel schmäler als die obern, und im’ Allgemeinen ihnen ;ähnlichz 
die drei hintersten bieten 2 dreiseitige Prismen dar, deren Basen. am 
inneren Rande ungefähr auf der nämlichen Linie stehen, am 'Ausseren 
aber einen kleinen offenen Winkel zwischen sich lassen. Jeder’ Kante 
der Prismen entspricht auf der Krone eine Unebenheit, wovon: die in! 
neren höher sind. Der hinterste derselben besitzt, wie bei mehren Ge- 
schlechtern, noch einen dritten Lappen, Rudiment eines dritten Prisma’s: 
Die schiefe Lage der Kau- Fläche der untern Backen-Zähne zur Ebene 
des Kiefer- Astes, die allgemeine Form dieser Zähne, die des Vorder- 
Schädels (die Nasen-Rinne ausgenommen) und mehre BERENE, ‚Charaktere 
erinnern an das Moschus-Thier. 3 

Der Gelenk-Kopf des Unterkiefers steht Schr hoeh und: Rare etwas 
schief fast wie bei den Rumminanten, ist aber stärker und: abgerundeter, 
als bei diesen. Wie bei diesen ist auch der Kronen-Fortsatz nach: hin- 
ten übergebogen. : Der hinter -untre Winkel hat jene eigenthümliche 
Form, worauf sich die zwei Namen Cyclognatbus laticurvatus bei Geor- 
rRoy beziehen. Er ist mehr angeschwollen, als bei den meisten Pachy- 
dermen, aber nicht so dick als beim Daman. Der viertelskreisrunde 
Rand: desselben steigt hinten senkrecht an, überragt hinten den übrigen 
Vertikal-Rand, endet in eine nach oben gerichtete‘ Spitze, und geht 
durch einen kleinen Halbkreis, dessen Öffnung nach oben’ gekehrt ist, 
in denselben über. Jene Spitze hinter einem Halbkreis- formigen Aus- 
schnitte findet sich nicht an der übrigens ähnlich gestalteten Ecke bei 
Anoplotherium commune, dem Tapir, dem Rhinozeros. Das andre, untre 
Ende dieser Bogen -förmigen Ecke. springt auch seinerseits auf eine 
symmetrische Weise über den unteren Rand vor, schliesst sich‘ aber 
durch einen etwas stumpfen Winkel au denselben an, welcher beträcht- 
licher als am Pferde und einhörnigen Nashorn , aber lange nicht so 
stark als anı Hippopotamus ist. AB 

Der vorspringende Winkel des Unterkiefers lässt sich‘ aber auch 
mit den gewisser Nager und uuter den Wiederkäuern mit dem‘ der 
Kameele vergleichen, welche letzte dagegen durch ihre Schneide- und 
Eck- Zähne ebenfalls wieder von den andern Wiederkäuern abweichen 
und nach der Konvexität des Gelenk-Kopfes zwischen den Wiederkäuern 
und Dickhäutern in der Mitte stehen. Übrigens könnte man nach der 
Gesammtheit der Verwandtschaften Anoplotherium und Oplotheriun, ob- 
schon ihre Namen im Gegensatze zu einander stehen, als Sektionen 
eines grossen Genus mit einander verbinden , welchem 'der una Ple- 
regnathus beizulegen wäre. YAOMN 


Auer‘ 11H 


489 


Was die Arten betrifft, so wollen die Vff. nicht zu viel Werth auf 
Unterscheidung einer grösseren Anzahl derselben legen. Sie bemerken, 
dass unter den aufgefundenen Schädel - und Kiefer-Theilen 

einige grösser (Fg. 2 und 5), andre kleiner (Fg. 1 und 7), — 

einige Unterkiefer gewölbter (5), andre flacher (Fg. 7) 
seyen, was vielleicht von Alter und Geschlecht herrühren könnte; dass 
aber ferner bei gleicher Länge der Backen-Zahnreihe 

einige Unterkiefer nur 09,001 dick(Fg. 5), andre von 0,002 Dicke (Fg. 8) 
seyen, was von obigen Einflüssen nicht wohl abzuleiten stehe und mit 
grössrer Bestimmtheit auf zwei Arten hindeute. Sie bilden daher aus 
der Fg. 8 eine eigene Art, O. laticurvatum, welche auch von einem 
andern Fundorte stammt, und vereinigen vorläufig alle übrigen Frag- 
mente, die alle in einer Gebirgsart von gleicher Mineral-Beschaffenheit 
liegen, in die Spezies O. leptognathum. 

Schliesslich erinnern die Vff., dass Bravarp schon vor 10 Jabra 
ein Genus kleiner Pachydermen unter dem Namen Cainotherium an- 
gekündigt, aber bis jetzt noch nicht näher bezeichnet habe. Sie schei- 
nen nicht zu wissen, ob dasselbe mit Oplotherium identisch seye, 
oder nicht. 


D’Arcmac: Note über die Fossilisation der Echinodermen 
(Bullet. geol. 1841, XII, 143—146). Die Schaale der Echiniden be- 
steht bekanntlich aus 20 radialen Reihen kalkiger Täfelchen, überzogen 
von einer dünnen Haut, woran durch zarte Muskeln die Stacheln be- 
festigt sind und durch deren Zusammenziehung dieselben um die nicht 
durchbohrten sowohl als die (nur unvollständig) durchbohrten Warzen 
bewegt werden, an welch’ letzten sie noch durch besondre Muskeln 
befestigt scheinen. Nach dem Tode des Thieres fallen zuerst die schwe- 
ren Stacheln der durchbohrten Warzen ab; dann die neuern kleineren, 
indem die Haut zu Grunde geht, und die beweglichen Mund - Stücke. 
Nun besteht die nackte Schaale in ihrer ganzen Vollkommenheit, noch 
versehen mit den dünnen und Dachziegel-ständigen Hülfs-Täfelchen um 
den Mund und den After und mit den inneren Pfeilern gewisser Arten; 
sie ist wie im Leben noch dünne, leicht und fest, von Farbe weiss, von 
Textur schwamnig oder klein-zellig; enthält ausser kohlensaurem Kalke 
etwas thierische Materie, die in den Mund - und After-Täfelchen mehr 
vorzuwalten scheint. So findet man sie noch oft auf unserem Strande 
liegen, 

Durch die Fossilisation oder den Aufenthalt in niedergeschlagenen 
Erd-Schichten verschwinden zuerst noch die Hülfs- Täfeleben um Mund 
und After mit den inneren Anhängen, wahrscheinlich in Folge ihres 
grösseren Gehaltes an organischer Materie, und nimmt die Schaale an 
Dicke und Schwere zu, indem die schwammige Struktur mit dem Rest 
der organischen Materie verschwindet und durch eine späthige Struktur 
ersetzt wird. Eine späthige Struktur in Fasern oder unregelmäsigen 
Blättern findet sieh zwar auch bei manchen Konchylien (Inoceramus, 


490 


Pinnigena, Belemnites, — Pecten, Ostraceen); äber bei’ den 
Radiarien ist sie durch die Ausbildung der Durchgäuge des primitiven 
Kalkspath-Rhomboeders ausgezeichnet, wie der Vf. als grösste Selten- 
heit auch bei Buceinum arceulatum, B. Sehlotheimii u. n. a. 
Konchyl - Arten von Pafrath beobachtete, während die Schaale der 
Sphaeroniten von Petersburg aus sechsseitigen Prismen durchschei- 
nenden Kalkes bestehen, deren Grundlage die sechsseitigen Täfelchen 
sind, an denen sich nichts von den organischen Merkmalen verloren: hat. 
Dabei bleiben alle Details der Form auf das Genaueste erhalten. Es haben 
die organischen und Kalk-Theilchen des Schwamm-Gewebes durch eine 
Art Walhl- Verwandtschaft noch mehr Kalk aus der einschliessenden 
Schichte angezogen, die Lücken ausgefüllt und sich in krystallinischer 
Weise geordnet. 

Nun erst beginnt eine neue Veränderung, eine vollständigre Bewe- 
gung der' Moleküle, wodurch jede Reihe sechsseitiger Täfelchen in eine 
gleiche Anzahl Krystalle von kohlensaurem Kaike („inverse‘“), die aus: 
sen und innen symmetrisch vertheilt sind, umgewandelt wird. Die 20 
Reihen Krystalle sind wie paarweise mit einander verbundene Platten, 
und jedes Paar besteht abwechselnd aus grossen und aus kleinen Kry- 
stallen. Die Reihen der grossen Krystalle entsprechen den Täfelchen 
der Zwischengäng -Räume, die der kleinen denen der Fühler - Gäuge 
selbst. Diese Krystalle sind nicht immer einfach‘, sondern manche sind 
parallel zur Haupt-Achse gruppirt, so dass jedem Täfelchen ein einzel: 
ner ‘oder eine Vereinigung von. mehren Krystallen entspricht. Doch 
kann ein Theil der Schaale in Krystalle verwandelt seyn, während ein 
“ andrer im Zustande des gewöhnlichen Kalkspathes verblieben ist. Auch 
ist diese Verwandelung in solche Krystalle ziemlich selten in der Natur; 
der Vf. zeigt sie vor an Cidariten aus dem Unter-Oolithe von Hirson, 
Aisne, und am Clypeaster peltiformis Hıs. des Grünsandes von 
Fouras, Charente -inferieure. In diesem letzten Falle ist also die ur- 
sprüngliche Symmetrie der Schaale noch repräsentirt durch die der 
Krystalle; aber alle Spur von Organisation ist verschwunden und der 
Körper erscheint von Neuem gestachelt durch eine Menge von Spitzen, 
die, aber das Erzeugniss unorganischer Kräfte sind. 


GörrErRT und Eurengerg: über das Schlesische Wiesen-Papier 
(Bert. Akad. 1841, Juni > LU’Instit. 1841, IX, 380). Auf EnkengEerg’s 
Veranlassung forschte Görrert in Breslau nach Proben Papier-artiger 
Massen, welche mit den 1686 in Curland gefallenen übereinstimmten, 
um den Ursprung der letzten nachzuweisen, fand aber statt dessen in 
der St.- Bernhardins - Bibliothek 2 grosse Stücke eines Watten-artigen 
Stoffes, welcher von der Überschwemmung der Oder i. J. 1736 herrüh- 
ren mag (Kunpmann rariora naturae et artis, p. 550; Jahrb. 1841, 734). 
Es ist eine’ Masse aus ineinandergefilzten. Konferven (C. fraeta) und 
Gramineen - Blättern, 34° lang und 2°— 3‘ breit, auf der einen’ Seite 
dicht, gleichartig und bräunlich-aschgrau, grobem Fliess-Papier ähnlich, 


491 


auf der andern grünlich-rothbraun, aus Gras-Blättern schlaf gefilzt, mit 
einigen kleinen Planorben u. a. Süsswasserthier- Resten. Die erste 
ist offenbar die obre, der Sonne zugekehrte; die letzte war nach unten 
gewendet mit dem Rasen in Berührung gewesen. Diese ganze Be- 
sehaffenheit stimmt recht wohl mit der Kunpmann’schen Beschreibung 
überein. 

EurEnBERG unterschied mittelst des Mikroskops, ausser der genann- 
ten Konferve, 19 schon bekannte Infusorien- Arten, wovon 17 kiese- 
lig, 2 weich und 150jährige Mumien sind. 


R. Owen: zweiter Bericht*) über die fossilen Reptilien 
Gross-Britanniens (Brit. Assoc. 1841 > V’Instit. 1842, X, 11—13). 

I. Pliosaurus ©. ist ein Mittel-Glied zwischen Plesiosaurus und 
den Krokodilen. Der Haupt- Charakter‘ besteht in den Hals- Wirbeln, 
welche viel kürzer als die Rücken- Wirbel sind. Bei allen lebenden 
Sauriern haben beide gleiche Länge. Hiedurch wird der xanze Hals 
kürzer als bei Plesiosaurus und nähert sich dem des Ichthyosaurus. 
Auch die Proportionen der Zähne kommen mehr mit denen der Kroko- 
dile überein, wie gross auch die übrigen Beziehungen mit Plesiosaurus 
seyn mögen. Diese Reste sind gefunden worden im Kimmeridge elay 
von Market- Ruset, Weymouth und Shotover. Sie scheinen 2 Arten 
anzudeuten. 

I. Die Krokodilier-Reste, welche von den eocenen Bildungen 
Englands bis in die Oolithe inelus. vorkommen, weichen von den leben- 
den Krokodilen um so mehr ab, je mehr ihre Menge mit dem Alter der 
Formation zunimmt, und unterscheiden sich stärker, als die lebenden 
Arten untereinander. Ein.Theil derselben stimmt mit den lebenden Ar- 
ten überein durch konkav-konvexe Wirbel-Körper. So der Cr. Tolia- 
picus aus dem London-Thon von Bracklesham auf Sheppey, und aus 
den dem Rothen Crag untergeordneten [? — vgl. vır] Sand - Lagern zu 
Kyson; — der Cr. eultridens aus der Wealden-Formation, welchen 
O. als ein Subgenus der Krokodile mit dem Namen Sucehosaurus be- 
zeichnet; — der Goniopholis erassidens eben daher, welcher 
stärker als irgend ein andrer Krokodilier umpanzert gewesen und im 
Tilgate-Forest, bei Battle- Abbey und im Purbeck-Kalke zu Swanage 


gefunden worden ist. — Ein andrer Theil hat bikonkave Wirbel-Körper. 
Zu ihnen gehört der Teleosaurus Chapmanni, häufig im Lias der 
Yorkshire-Küste, — der T. Cadomensis, in den Oolith- Bildungen 


um Caen gemein und auch im Oolith bei Woodstock und zu Stonesfield 
gefunden. Ferner der Stenecsaurus, der sich von vorigem dureh 
fast terminale Nasen-Löcher unterscheidet, aus dem Kimmeridge- Thon. 
von Shotover und dem Oolith von Storesfield. — Eine dritte Abtheilung 
der Britischen Formationen mit konvex-konkaven Wirbeln bildet v. Meyer’s 


”) Der erste Bericht ist uns bis jetzt nicht vorgekommen. D. RB. 


Jahrgang 1842. 3% 


492 


Streptospondylus; er findet sich im Lias von Whitby und im Oolith 
bei Chipping-Northon. 

III. . Einige Riesen - Saurier , welche sich vom Grünsand bis in die 
Oolithe finden, wetteifern an Grösse mit unsern Cetaceen und scheinen 
ganz im Wasser, insbesondere im Meere gelebt zu haben. Auch ihre 
Wirbel sind bikonkav und die Laug-Knochen ohne Spur von Mark-Höhle. 
Cetiosaurus hypoolithieus hat Wirbel u. a. Knochen im Unter- 
Oolith von Chipping-Northon hinterlassen, nach welchem er 40° Länge 
gehabt haben muss. Von C. epiovolithicus hat man unter Anderem 
einen Wirbel im Oolithe zu White-Hale in Yorkshire gefunden, dessen 
Körper S’‘ lang und 9°‘ breit ist. 

IV. Polyptychodon, schon in Owen’s Odontographie so benannt, 
hat viele seiner eigenthümlich gebildeten Zähne in der Kreide von 
Barnwell, im Gault von Folkstone in Sussex und im Untergrünsand 
von Maidstone hinterlassen. Die Knochen eines von Mackson in den 
Grünsand-Brüchen bei Hythe entdeckten Riesen - Sauriers scheinen zum 
nämlichen Genus zu gehören. 

VW. Von Mosasaurus hat man nur einige Wirbel in der Engli- 
schen Kreide gefunden. Einige Zähne aus der Kreide von Norfolk, 
welche den seinigen ähnlich, aber durch die elliptische Basis der Zahn- 
Krone verschieden sind, haben zum Genus Leiodon Veranlassung gegeben. 

Nun folgen die, oft riesenhaften Repräsentanten der manchfaltigen 
Typen unserer kleinen Squamaten oder Lazertier. Dahin gehört 

VI. Raphiosaurus O. aus der Kreide-Formation von Cambridge 
und Maidstone, von welchem ein Unterkiefer - Fragment 22 Pfriemen- 
förmige Zähne zeigt und ein anderes Exemplar aus 5 Brust-, 2 Lenden-, 
2 Heiligenbein- und einigen Schwanz-Wirbeln nebst den Becken-Knochen 
besteht [?Jahrb. 1841, 857]. 

VII. Ein andrer Lazertier von der Grösse des Leguans im eocenen 
Sande unter dem Rothen Crag von Kyson hat ein Unterkiefer-Stück mit 
seinen Zähnen geliefert. 

VII. Die Lazertier-Reste aus dem Stonesfielder Oolithe (Mega- 
losaurus) zeigen in der Koochen-Struktur eine bemerkenswerthe Ver- 
wandtschaft mit den Scincoiden, von welchen die grössten Formen 
heutzutage in Australien wit Araucarien, Cycadeen, Clavagellen, Te- 
rebrateln, Trigonien und Beutelthieren leben, welche auch deren fossile 
Reste in England begleiten. 

IX. MuanterL und Buckranp haben Iguanodon und Hylaeo- 
saurus schon mehrmals ausführlich beschrieben; doch haben neuere 
Entdeckungen eine Nachlese geboten. Iguanodon insbesondere aber ist 
nicht gut benannt, weil unter den fossilen Formen er gerade von den 
lebenden Leguanen theils durch den Mangel konvexer und konkaver 
Gelenk - Flächen der Wirbel-Körper, theils durch zahlreiche parallele 
Mark-Röhrchen in den Zähnen am weitesten absteht. Der Femur ent- 
fernt sich von dem aller andern Lazertier durch die Erhöhung seiner 
inneren Seite beim obern Drittheil, um sich dem der Krokodilier zu 


493 


nähern, den er hinsichtlich der Entwickelung dieser Crista noch über- 
trifft. Owen beschrieb das ganze Skelett ausführlich vor der Plymou- 
ther Versammlung und lenkte die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die 
Form der Phalangen-Knochen, zumal der wahrhaft ungeheuern , welche 
nämlich mit anderen zu Horrsam entdeckt worden sind. Indem er diese 
mit den auf Wight und zu Maidstone gefundenen vergleicht, kömmt er 
zum Schlusse, dass Iguanodon keineswegs vorn zusammengedrückte und 
hinten platte Nägel besessen, sondern dass die von Zeit zu Zeit 
in der Wealden - Formation? gefundenen schmalen gekrümmten und zu- 
sammengedrückten Nägel einem anderen ausgestorbenen Reptile ange- 
hört haben. 

X. Der Hylaeosaurus vereinigt sub-bikonkave Wirbel mit den 
Haut-Schilden der Krokodile und dem Skapular-Bogen der Plesiosauren. 
Die in den Wealden - Schichten häufix gefundenen Zähne, welche man 
erst JÄcer’s Phytosaurus cylindrieodon und neuerlich Fiscner’s 
Rhopalodon [vgl.S. 495] zugeschrieben, sind von beiden verschieden, 
und, wenn nicht dem Hylaeosaurus, so gehören sie einem andern erlo- 
schenen Lazerten-Geschlechte an. 

XI. Thecodon und Palaeosaurus aus dem Magnesian - Kon- 
glomerat von Bristol, und 

XNH. Cladeiodon aus dem Bunten Sandstein von War iokeihine 
sind die ältesten Englischen Lazertier-Reste, welche von den leben- 
den Lazerten durch die Einfügung der Zähne in getreunte Alveolen 
abweichen, aber doch die Form und Struktur ihrer Zähne besitzen, 

XII. Rhynchosaurus Ow. ist neuer und ausgezeichnet durch 
die Charaktere des Schädels, der Wirbel, der Rippen und einiger Lang- 
knochen. Der Schädel namentlich vereinigt in sich Kennzeichen der 
Krokodilier, Lazeıten und Schildkröten. Owen erhielt ein fast voll- 
ständiges Exemplar von O, Warp zu Shrewsbury aus dem Neu-rothen 
Sandsteine von Grinsil, worin auch die Fuss - Spuren eines Reptiles 
seiner Grösse nicht selten sind und nach des Verfs. Vermuthung ihm 
wirklich angehören. Sie weichen von denen des Chirotherium ab, welche 
zu Labyrinthodon kommen. 

XIV. Pterodactylus macronyx von Lyme Regis und dem 
Oolith von Stonesfield. In den Knochen - Lagern von Aust - Passage 
sollen noch andre Saurier-Keste vorkommen. 

XV. Chelonia Harwiensis, Ch. breviceps ©. und Ch. acu- 
tirostris O. kommen im eocenen Thone von Sheppey 'vor. 

XVI. Cimochelys O., ein neues Schildkröten -Genus, in der 
Kreide von Maidstone [ob Jahrb. 1841, 857?)]. 

XVII. Emys und Trionyx an mehren Orten, und ein Schild- 
kröten-Femur sogar im Neu-rothen Sandstein zu Zlgin. 

XVII. Eine Schlange aus dem London-Thon von Sheppey hat O. 
schon früher beschrieben; er fügt jetzt noch eine kleine Palaeophis- 
Art aus dem eocenen Sande von Kyson und eine viel grössere Art von 
mindestens 20° Länge aus dem London-Thon von Brackleshum bei. 


494 


XIX. Von Mastodonsaurus, Salamandroides, Chirothe- 
sıum und Labyrinthodon war anderwärts die Rede, 


G. Gr. zu Münster: Beiträge zur Petrefakten-Kunde, von 
Herrm. v. Meyer, Prof. Germar, Baumeister ALtHaus, Prof. UNGER 
und Graf Münster; V. Heft (131 SS. mit 10 einfachen und 5 doppelten 
Tafeln, Bayreuth, 1842, 4°). Diese Fortsetzung, welche rasch auf die 
früheren folgt (vgl. Jahrb. 7842, 119), liefert einen ganzen Band ge- 
lehrter Sozietäts - Schriften mit herrlichen Abbildungen über die interes- 
santesien Gegenstände in der ungeheuern Sammlung des Vfs. mit Be- 
zugnahme auf einige andere. Hier deren Inhalt: Protorosaurus 
Speneri (v, Meyer); Brachytaenius perennis (ders.); Ptero- 
dactylus Meyeri — vgl. Jahrb. 1842, 35 — (ders); Iguana 
Haueri (ders.).. Merkwürdige Fische aus den Kupferschiefern: Do- 
rypterus Hoffmanni (Germar); Janassa und Dictaea, Acro- 
lepıs, Platysomus (Münster); Platysomus Fuldai (ArLtHaus); 
Globulodus elegans n, g. Pycnodont., Pygopterus Humboldtii, 
Coelacanthus (Münster). Bis jetzt bekannte organische Reste des 
Richelsdorfer Kupferschiefers und ihr Vorkommen darin (AnTrHaus). 
Einige neue Fische in den lithographischen Schiefern Baierns (Mün- 
sSTER > Jahrb. 1842, 37—42), Fossile Fisch-Zähne aus dem Tertiär- 
Becken von Wien mit den 2 neuen Gattungen Capitodus und Sori- 
cidens (Münsr.). Über das Genus Prosopon (v. Merer). Neue 
Krustazeen- Arten: Squilla antiqua von Monte Bolca, Reckur 
punetatus und Naranda anomala aus den lithographischen Schie- 
fern. Neue fossile Insekten aus den lithographischen Schiefern Baierns 
und im Schiefer-Thon des Steinkohlen - Gebirges von Wetlin (GERMAR). 
Neue Genera von Schaalen-losen Cephalopoden und Ringel-Wür- 
mern; Fukoiden des Kupferschiefers; einige neue fossile Pflanzen un- 
ier Unger’s Mitwirkung; neue Myriacanthus-Art im Jurakalk; Nach- 
trag zu den Versteinerungen des Klymenien -Kalks in Oberfranken mit 
Beiträgen aus Prof. Brauwn’s Sammlunz (Münster). Da dieses Heft 
nur von Petrefakten handelt und für sich zu haben ist, so müssen wir 
bei dem Andrange andrer Gegenstände uns versagen Auszüge daraus 
zu geben, welche keine grosse Abkürzung zulassen und ohne Abbildung 
doch zu viel verlieren würde. 


G. Fıscnzr pE Warpuem: Lettre @ Mr. R. MvzcaHıson sur le 
Rhopalodon, genre de Saurien fossile du versunt occiden- 
tal de l’Qural (Moscou, 1841, 10 pp., 8°). Neuere Untersuchungen 
haben den Vf. überzeugt, dass Moskau auf Lias oder Unter-Oolith er- 
baut ist, welchem der Kohlen-Kalk zur Basis dient [Jahrb. 1839, 125]. 
Der Lias besteht in einem schwarzen Mergel, welcher mit Pyrit ge- 
mengt ist und mit bituminösen Schieferun endigt. Er nimmt die Ebenen 
zwischen dem Kalke ein und folgt oft dem Laufe der Flüsse. Er scheint 
wie einen Gürtel des Kohlen- Kalks zu bilden und ist von zahllosen 
Versteinerungen erfüllt. Einige davon, bereits gezeichnet, will F. in 


495 


einer Notitz über den Lias von Moskau bekannt machen, aber vorher 
noch die Meinung von Puırrips vernehmen “).. Er hat folgende erkannt: 
Ammonites opalinus Vorrz, A. polyplocus Leth.,' A. bifurca- 
tus Reım., A. interruptus ScHLoTH., ‘u. e. a, schon in der „Orycto- 
graphie de Moscou“ abgebildete Arten; dann Belemnites Aalensis 
Vorzz, B. longiuseulus Vorrz, B. penicillatus Sow., B. sub- 
ventricosus W. s. mammillatus Nırss. [??]; Avicula inae- 
quivalvis Sow., Pholadomya ambigua Sow., Ph. acuminata 
Harrm., Astarte elegans Sow., Pectendiscites Leth., P.nummu- 
laris zn. sp., Inoceramus dubius Sow., I, gryphaeoides Sow., 
Trigonia costata Sow., ?Mytilus priseus Murca., Trochus ca- 
rinatus, Terebratula digona Sow., T. nucleata. ScaLoru., T. 
ornithocephala Sow., T. acuta Sow., T. tetraädra Sow.; — 
dann kommen Squalus-Zähne vor ”") zu Yauza. 

Aber in jedem Betrachte weit wichtiger ist der Ural. Von dem 
eben in Russischer Sprache über ihn erschienenen Werke StcHouRrovsky’s 
besorgt PıscauLt eine Französische Übersetzung. unter des Vfs. Augen, 
und die Arbeiten von WAnNsENHEIM v. Quaren (Bullet. d. natural. d, 
Mosc. 1840, 391 —423 > Jahrb. 1842, 478) mit den Petrefakten -Be- 
stimmungen FiscHer’s (ib. 1842, 483 — 484) und von Kurorsa (Jahrb. 
1838, 672, 1839, 233) sind bekannt. Nun hat Hr. WaAnsenBEIM aber 
noch ein Unterkiefer- Stück. von dort an Fiscner gesendet, dessen Be- 
schreibung hier folgt. Es ist stark und scheint einen aufsteigenden 
Ast gehabt zu haben. Gegen den Zahn Rand ist es zusammengedrückt 
mit einer schiefen Furche, und trägt noch 9 von einander entfernt ste- 
hende Zähne, welche nicht in Alveolen stecken, sondern wie aufgeleimt 
sind auf den Kiefer-Rand. Sie haben die Form einer gestielten, läng- 
lichen, spitzen Keule (daher der Name Rhopalodon, Keulen-Zahn, von 
poraAov Keule, und 0od@» Zahn), sind mit Schmelz bedeckt, glatt und 
zeigen eine unter der Lupe fein gezähnelte Kante, Die Form ist also 
ganz wie an den Zähnen, welche ManterL zu Tilgate-Forest gefunden 
und Phytosaurus zugeschrieben hat, wogegen in der Lethäa bereits 
Einwendungen gemacht sind [vgl. auch vorbin S. 493, X]. Der Vf. 
charakterisirt mithin Genus und Arten wie folgt: 

Rhopalodon. 

Dentes distantes petiolati, petiolo cavo; coronali, corona solida 
clavata acuminata striata aut sulcata. Arten zwei. ; 

1) Rh. Wangenheimii fig. 1: Rh. (minor) dentibus petiolatis 
coronatis corona splendida substriata, anlice carinatis carina den- 
ticulata. Das Bruchstück ist 2° 3°’ lang und 11° hoch, beim 
aufsteigenden Aste aber 1 2 hoch; der grösste Zahn hat nur 44 
Länge und 2‘’ Breite. Es steckt in einem Konglomerate sehr feiner 

*) Warum lässt man nicht überhaupt alle diese Petrefakten durch Männer und an 

Orten bestimmen, welche die Mittel dazu haben, In Moskau sind die Mittel nicht 

hinreichend; daher auch in obiger Liste ‚wieder unrichtige Bestimmungen sind 


und die Irrungen kein Ende nehmen. D. R. 
=) Bullet. d. natural, Mosc, 1838, 241, pl. vr, fig. 3. _ 


496 
durch eine körnig-kalkige Masse verkitteter Geschiebe, und stammt aus 
der Grube Klutchevskaia jenseits der Dioma. ; 

9) Rh. Mantellii, fig. 2: Rh: (major) dentibus petiolatis corona- 
tis, corona solida longitudinaliter sulcata (Phytosaurus eylindrieo- 
don Manr. Tilg.-Foss. pl. xv, fig. 3, 4; und Geol. S. E. Engl. 293, 
pl. xı, fig. 3, 4 > Leth. 754, Tf. xxxıv, Fg. Aabe, woraus die Fi- 
guren kopirt sind). Länge der Zähne 13‘ Engl. 


L. Acıssız: Nomenclator zoologicus continens nomina. 
systematica generum animalium tam viventium quam [os- 
silium etc. Fasciculus IT. continens Mammalia, Echinodermatu et 
Acalephas (Soloduri, 1842, 4°). Dieses nützliche Werk, welches zwar 
eine allgemieinere Beziehung zur ganzen Zoologie hat und nieht bloss 
den Paläontologen angeht, ist in einzelne Abtbeilungen gebracht, deren 
jede einer Thier- Klasse entspricht und besonders paginirt ist, so dass 
man nach der Beendigung des Ganzen diese Abtheilungen systematisch 
ordnen kann. Das erste Heft enthält die 3 auf dem Titel genannten 
Abtheilungen oder -Klassen. In jeder dieser Abtheilungen findet man: 
eine alphabetische Zusammenstellung aller je darin vorgeschlagenen 
Geschlechts - Namen mit Verweisung auf etwaige gleichlautende in an- 
dern Klassen oder bei den Pflanzen, mit Angabe des Autors des Namens, 
wie des Buches, worin er zuerst vorkommt, mit der Jahrszahl, um Prio- 
ritäts-Fragen schnell zu entscheiden, mit der Etymologie und Bedeutung 
des Namens, und mit den Familien und Ordnungen, zu welchen jeder Name 
in der bezüglichen Klasse gehört, Alles'jedesmal in emer Zeile hinter 
dem Namen stehend, so dass, da die Namen jener Familien und Ord- 
nungen mit grössrer Schrift am Ende jeder Zeile gediuckt sind, man 
mittelst dieser auch sehr schnell übersehen kaun, welche Namen alle 
in eine Ordnung oder Familie zusammengehören. Natürlich ist es nicht 
möglich bei so übersichtlich tabellarischer Einriehtung, und ohne jedes- 
mal eine ganze Abhandlung zu jedem Namen zu schreiben, auch anzu- 
geben, ob und in welchem Umfange derselbe Name auch heutzutage 
noch im Gebrauch ist, was aber in andern Werken aufzufinden nun 
doch ebenfalls leichter seyn wird. Die Summe aller derartigen Nawen: 
des Thierreichs wird sich über 17,000 belaufen. Das Mspt. liegt ganz 
fertig; das ganze Werk soll 600—700 Seiten enthalten und im Subserip- 
tions-Preis nicht über 48 Frances (Französisch) kommen. — Trotz sei- 
ner kompendiösen Einrichtung gibt es wenige Bücher, welche so viel- 
fältigen Bedürfnissen zugleich abhelfen, als dieses, 

H. E. StrrıckLann: über das den Lias bezeichnende Genus 
Cardinia Acass. (Brit, Assoc. 1841 > UInst. 1842, X, 13), Cardinia 
Ac. etud. crit. istPachyodou Srurcasury und Dihora Gray, scheint 
zu den Venerilden gehörig, besitzt die Form von Pullastra, aber ausser 
lem konvergirenden Schloss-Zahne [?] ein Paar schr starker Seiten- 
FRE: wie Cardium. Man hatte diese Muschela früher ihrer queer 


| 497 


ovalen Form und Schloss-Zähne wegen zu den Unioniden gebracht, von 
denen ‚sie sich aber unterscheidet durch einen Herz -förmigen Eindruck 
unter dem Nabel [?] und ihren Aufenthalt im Meere. Man kennt 10—12 
Arten, alle aus den Lias-Mergeln oder dem Unter-Lias. Srurchzurx 
will eine Monographie davon geben [folgt sogleich]. Unio Listeri Sow. 
dient am besten als Typus. | 


S. P. Prasr legt (ibid.) den Flügel einer Drachen -Fliege fLibelle) 
aus dem Lias vor, 


S. Sturcugury: über ein neues Geschlecht fossiler Mu- 
scheln. (Ann. a. Magaz. nat. hist. 1842, VIII, 481—486, pl. IX, X). 
Schon seit einigen Jahren unterscheidet der Vf. 8-9 Muschel-Arten aus 
marinen Schichten des Lias und Unter-Oolithes von Unio, womit sie 
bis dahin von den Sowzersy’s, wenn schon nicht ohne Bedenken, ver- 
bunden worden waren, 1837 übergab er einen Aufsatz darüber an das 
Magazine of natural history, der aber aus irgend einem Grunde nicht 
abgedruckt wurde; inzwischen fand der zu ihrer Bezeichnung vom Vf. 
gebrauchte Genus-Name Pachyodon allgemeine Aufnahme bei den Per- 
sonen, welche mit dem Museum der British Institution verkehrten. 
Acassız soll demselben Geschlechte den Namen Cardinea gewidmet ha- 
ben: Gray stellt es in einer „Synopsis of the British Museum“ mit dem 
Namen Ginorga unter die Crassiniden, aber nirgends scheint inzwi- 
schen noch eine Charakteristik desselben bekannt gemacht worden zu 
seyn, daher der Vf. noch das Prioritäts- Recht in Anspruch nimmt. — 
Es ist ohne Zweifel Bercer’s Thalassides, Jahrb. 1833, 70, wo 
noch weiteres Material] Pachyodon: testa bivalvis aequivalvis in- 
aequilatera. Dens cardinalis valvae dextrae singulus obliquus incrus- 
satus in foveam sinistvae insertus. Dentes laterales: anticus in valva 
dextra obtuse cunicus, posticus in sinistra elongatus et umbonem versus 
attenuatus. Plica (fold) valvae dextrae deplanata cum ligamento paral- 
lela et ad umbonem [vvea vubsoleta vblique divisa; ad extremitalem an- 
ticam plaga depressa infra lunulam et in fronte dentis lateralis anlici 
cuntinuata, plagae elevatae vulvae sinistrae opposita. Umbones valde 
approzimati. Impressiones musculares profundae. Ligamentum ex- 
ternum in sinu profundo marginali postico dorsali positum. Dieses 
Genus unterscheidet sich von Unio dadurch, dass der Schloss- Zahn oft 
undeutlich, der vordere Seiten- Zahn dick, einfach ungestreift, in der 
rechten Klappe befindlich ist und in eine entsprechende Grube der 
linken Klappe einpasst; der hintere Seiten- Zahn steht in der livken 
Klappe, die für ihn bestimmte Rinne in der rechten. Die zwei Muskel- 
Eindrücke sind sehr tief und deutlich; über dem vordern in der linken 
Klappe noch ein anderer klein und rund. Der Mantel-Eindruck ist ganz 
und ohse Bucht. Die Schaale dick und schwer, obne Spur von Aus- 
fressungen an den Buckeln und ohne Perlmutter. Die Zuwachs-Linien 
sehr deutlich. Die Arten sind: 


498 


1. P. Listeri (IX, 1, 2; Unio Listeri Sow., GoLDF.). 
P. hybridus (IX, 3, 4; U. hybrida Sow., an var. Pe ?). 
: P. imbricatus n. sp. x, 5,6% 
P. erassissimus (IX, 7; U. crassissimus. Sow.). 
. P. erassiusculus (IX, 8; U. crassiusc. Sow., Pullastra Puızı. 
Yorksh. 13, 16). 
6. P. abduetus (X, 9, 10; U. abductus Pair. t. c.) 
7. P. euneatus n. sp. (X, 11, 12). 
8. P. lanceolatus z. sp. (cum fig.). 
9. P. attenuatus m. sp. (X, 13, 14). 
10. P. concinnus (X, 15, 16; U. coneinnus Sow., GoLDF.). 
11. P. ovalis n. sp. (X, 17, 18, 19). 
Alle finden sich in England. Aus dem Lias stammen Nr. 1, 2, 3, 
5, 7, 8, 9, 10, 11; aus den Inferior Oolite Nr. 4; im Lias von Chelten- 
ham und im Inferior Oolite von Dundry Hill in Somerset zugleich 
findet sich Nr. 6, an beiden Orten in Gesellschaft von andern Arten des- 
selben Geschlechts. Zwei andere Arten scheinen noch die Bristoler In- 
stitution und H. E. STRICKLAND zu besitzen. 


A. C. Corpva: zur Kunde der Karpolithen namentlich.der 
Steinkohlen-Formation (Verhandl. d. Gesellsch. d. vaterländ. Mu- 
seums in Böhmen von 1841, S. 95—110, Tf. I, II... BronsnIaRrT, STERN- 
BERG und Linporey haben schon eine Anzahl Früchte und Fruchtstände, 
fast alle aus der Steinkohlen- Formation ahsehikdek und benannt, aber 
selten beschrieben und gedeutet. 


I. Cardiocarpum (nach BRGEn.u. STRRB.). Carpolithes. 


1. Wi majus. 6. = convezus. 
2. Ri Pomieri. 1: copulatus. 
5er eordiforme. 8. hs torculum. 
BURN, ovatum. 9. ; diospyriformis. 
5...  acutum (auch LinpL. foss. A. 10. „ diseiformis. 
VIlI , pl. 76). ll. „.  discoideus. 
6, ® bieuspidatum (Carpol. STERNB. 12. H ellipticus. 
4, TEVIL PENS), 13. $, excavatus. 
U. Trigonocarpum (naclı Bren.). 14. „ granularis. 
1. x Parkinsonia, 15. T incertus. 
2. » .Noeggerathi. 16. 5 lagenarius. 
3: i ovatum., 17. nn minimus, 
4. n eylindricum. 18. » minutulus. 
5. x dubium. 19.  . morchellaeformis. 
ill. Musocarpum (nach dems,). 20. > pistacinus, 
l.  „. prismaticum. 21. „  regularis. 
2; - difforme. 328 n retusus. 
8. > contractum. 23: 4 strychninus. 
IV. Carpolithes (nach STERNR.). 24. „  subeordatus. 
» “ acuminatus, 25. y tesselatus. 
2. “ annularis. u AR: u truncatus. 
3 clavatus. 27. x umbilicatus. 
4. = compressus, 28, “ umbonatus und 
5 A contractus. 29, * alatus Lınpr. pl.87, ?Conifere. 


499 | 


Unter diesen. sind ein Theil der Cardiocarpa und alle Carpoli- 
them [ausser.Nr. 29] unstreitig von dikotyledonen Phanerogamen, etwa 
30 Arten, wozu noch folgende 16 neue aus dem Kohlen-Sandstein von 
Radnitz, besonders von Chumle und Swina kommen, die ebenfalls von 
Dikotyledonen herrühren. 


Carpolithes. S. T£f.. Fe. Carpolithes. 81: Dfaü: Fgi 
Ina, placenta ,„ „. 14; 1, 1. 9, ». .tentiformis . 107; 1, 7—9. 
BU IBcuS . 0, ADRAz 2. 20. 10. „- Sternbergii „ 107; 1, % 

3. „ eostatus . . 1045 1, 4-5. 11. „  putaminifer 107; 1, 2. 

AS eereticukun 23.2.1055 2,21. 12. „ acutiusceulus 1085 2, 13—14. 
5. ı pyriformis . 1055 1, 6. 13. „  implicatus . 108; 2, 22—23. 
B.t0.,,. £isadinus 5 »:105;:'2,: Al—12. 14. „  ovoideus . . 108; 2, 24-25. 
"7 » . foliculus . . 106; 1, 10. 15. „  macrothelus . 108; 2, 26. 

2 SR macropterus . 106; 2, 15-19. 16. „ mierospermus 109; 2, 27. 


-- Nimmt man nun die gesammte Anzahl bis jetzt beschriebener Pflan- 
zen-Arten der Steinkohlen-Formation auf 400 an, so bilden die dikotyle- 
donen Carpolithen über 0,1 derselben, wenn man auch die Sigillarien, 
Lepidodendren, Stigmarien, Sternbergien , Annularien und Sphenophyllien 
nach Brosensart zu den Farnen zählt; wenn diese aber, wie aus des 
Vfs. Untersuchungen höchst wahrscheinlich wird, ebenfalls dikotyledone 
Phanerogamen sind, so beträgt deren Gesammtzahl, mit vorigen, 196 
und mithin fast die Hälfte der Steinkohlen-Flora, und es ergibt sich als 
Resultat, „dass die Vegetation der Kohlen-Formation eben- 
falls Repräsentanten aller Pflauzen-Klassen der Jetztwelt 
enthielt und in keiner einseitigen aufsteigenden Entwicke- 
lung begriffen war. 

Und da die alte Steinkohle Glied des Rothliegenden ist, so wird 
die obige Zahl noch durch 3—4 in jener gefundene dikotyledone Frucht- 
Arten derselben Formation vermehrt. 

Von den. zuletzt aufgezählten findet man Carpolithes lentifor- 
mis .in der Schlesischen Kohle mit Farnen- und Koniferen - Fragmenten 
vergesellschaftet; C. placenta ist im Schiefer der Decke, C. cycadi- 
nus und C. acutiusculus sind im Kohlen-Sandsteine der Radnitzer 
Koblen-Werke gefunden worden; C. discus lag in einem Stück Kohlen- 
Sandstein; alle anderen sind auf eigenthümliche Weise nur im Hohlraume 
der Baumstämme, welche die ganze Kohlensandstein-Masse durchweben, 
gleichsam “aus der sie erfüllenden Gebirgs-Art eingeschwemmt, gefun- 
den worden und zwar durchschnittlich nur in je einem Baumstamme, 
selten in 2—3 Individuen einer Art, noch nie in Stämmen verschiedener 
Art, obschon sie gewiss nicht zu diesen Stamm - Arten ursprünglich ge- 
hören, Die Stämme von Cycadites Cordai und C, columnaris 
aus dem Kohlen-Sandsteine von Chomle waren vorzüglich reich an Car- 
polithen-Einschlüssen, und einer der ersten enthielt mit Resten von Poa- 
rites tenuinervis, Neuropteris plicata, Diploxylon eycadeeoi- 
deum und Koniferen den schönen Carp. Sternbergii. Ein gros- 
ser Stamm dieses Diploxylon’s lieferte C., macropterus, C. reti- 
ceulum, C. ovoideus, C, macrothelus und €. microspermus; — 


500 


Lomatofloyos crassicaule den Carp. implicatus und 3 noch un- 
beschriebene Arten. Bloss C. foliculus wurde in den Swinaer Wer- 
ken mit Lycopodiolithes elegans und Poaciten gefunden. 

Unter den von StErNBERG beschriebenen Früchten kam nur Palma- 
cites Carpolithes astrocaryiformis vereinzelt noch bei einem ?Sy- 
ringodendron im Schiefer-Thone vor; alle andern Arten begleiteten 
die damals so. prachtvoll erscheinenden Stämme von Lepidodendron 
aculeatum, L. obovatum und Lycopodiolithes dichotomus, 
deren Ausfüllung sie grossentheils bildeten. 

Einige Karpolithen des Kohlen-Sandsteins haben ihre Saamen- Decke 
noch gut erhalten, in eine glänzende dunkelbraune Kohle verwandelt, 
die oft noch deutliche mikroskopische Struktur zeigt; ihre Substanz ist 
aber stets mit Sandstein ausgefüllt. Die fleischigen und saftigen Saamen- 
Decken dagegen sind gewöhnlich verkohlt und verzerrt, als ein hohler 
oder ein mit Kohlenstaub ausgefüllter Raum. Hautartige Hüllen sind 
am besten erhalten. Das Putamen ist gewöhnlich nur unvollkommen, 
zeigt jedoch bei C. cycadinus einige Gefäss-Bündel mit Spiral-Gefässen. 
Selten ist die ganze Frucht in Steinkohle verwandelt. — Die Früchte 
der Steinkohlen-Formation dagegen sind nur ausgefüllt und nie mit Ver- 
steinerungsmittel eigentlich durchdrungen, wie die des Opales etc.; da- 
her stets seitlich angeheftet, aufgebrochen und meist unvollständig. Sie 
zeigen nie organische Struktur. Dieser unvollkommene Zustand, der 
Mangel des Embryo und der Kotyledunen sind daher auch die Ursachen, 
‚warum die Zurückführung dieser Karpolithen auf Ordnungen und Fa- 
milien der Pflanzen nicht gelingt, wesshalb auch der Vf. solche bei den 
von ibm beschriebenen Arten nicht versucht und sie alle unter dem Na- 
men Carpolithes begreift. 


Ixem (in Quedlinburg) über Reinigung in Grünsand und san- 
digen Mergeln vorkommender Petrefakte (Frorıres N. Notitz. 
1841, XIX, 183—184). Zuerst wird mit Säuern untersucht, ob das 
Bindemittel vieien Kalk enthalte oder nicht. In jenem Falle wird dann 
mit Meisel, Zange und Grabstichel behutsam das Gröbste möglichst weg- 
gearbeitet, das ganze Stück in [?] fliessendes warmes und, wenn sich 
ihm die Wärme ebenfalls mitgetheilt hat, in kaltes weiches Wasser so 
lang eingetaucht, bis kein Blasenwerfen mehr Statt findet. Dann kommt 
es in ein (in blechener Schaale über Spiritus-Lampe bereitetes) Sandbad 
von 20°—30° R., und wird der Sand mit kaltem fliessendem Wasser so 
besprengt, dass fortwährend Dämpfe aufsteigen, aber die Wärme sich 
nicht vermindert; nach einiger Zeit wird das Stück herausgenommen, 
um zu sehen, ob sich schiefrige Theile mit dem Grabstichel ablösen 
lassen, und die Behandlung mit dem Sandbade nötbigenfalls so lange 
fortgesetzt, bis diess vollständig geschehen kann. Die letzten unreinen 
Stellen werden noch mit schwacher Säure oder wechselnd mit kaltem 
und warmem Wasser mittelst der Bürste gereinigt und endlich das Petre- 
fakt im Schatten getrocknet. — Schreitet man, ohne die erste Behandlung 


>01 


mit kaltem und warmem Wasser, sogleich zu Anwendung des Sand- 
bades, so zerklüftet die Versteinerung sich stark. Einzelne Muschel- 
Klappen, welche ohnehin leicht zerklüften würden, muss man zuerst 
möglichst, hauptsächlich an der innern Seite, von der anhängenden 
Gebirgsart befreien. f 

Enthält die Gebirgsart mehr fetten Letten und freien Sand, so wer- 
den die Stücke oft wechselnd mit lauwarmem und kaltem Wasser be- 
feuchtet, bis die Versteinerung möglichst sichtbar wird, darauf die Rei- 
nigung mit Grabstichel und Zange und endlich mit einer steifen, kurz- 
haarigen Bürste und weichem Wasser mit etwas Salpetersäure vollendet. 

Bei lockerer, sandiger, lehmiger Gebirgsart wird abwechselnd war- 

mes und kaltes Wasser und die Bürste angewendet. 

Zerbrochene Petrefakte werden durch Leinöl-Firniss mit Bleiweiss 
oder durch mit Gummi arabicum versetzte Leim-Auflösung gekittet. 


ı L. Acıssız: Recherches sur les Poissons fossiles, Livr. XIV., Neu- 
chätel et Soleure 1842, 4° [vgl. Jahrb. 2840, 378]. Lord Francıs EGERToN 
hat den Original- Atlas des Vfs., woraus die lithographirten Figuren zu 
diesem.Werke ausgewählt worden, mit der Bedingniss gekauft, dass er 
zu des letzten Verfügung bleibe, so lange er dessen bedürfe. Diess hat 
den, Vf. in Stand gesetzt, ohne Preis-Erhöhung die Materialien in der 
gegenwärtigen Lieferung zu verdoppeln, und so will er es auch mit 
der nächsten und letzten thun, das in Jahresfrist geliefert seyn soll. 
Damit soll das Werk für jetzt geschlossen werden, obschon dem Verf. 
während der Publikation wieder Material zu 10 Supplement-Lieferungen 
geworden ist. Diese Lieferung enthält von Band IV. die Bogen 27—37 
oder. S. 205—291, und 22 Seiten Inhalts- Übersicht und alphabetisches 
Register, welches sehr willkommen ist; dann S. 131—138 des Feuille- 
ton, und 23 Tafeln, wobei 3 doppelte, 7 dreifache und 2 vierfache zum 
II, und V. Bande gehörig. Der als Ende des IV. Bandes gelieferte Text 
enthält die Familien der Teuthyen, der Squamipennen, welche mit Aus- 
nahme von 3 Arten alle von Monte Bolca sind, die der Aulostomen, 
der Pleuronekten, deren Übersicht nach Geschlechtern, Arten-Zahl und 
Verbreitung wir bereits im Jahrbuch 1839, 740 mitgetheilt haben. Das 
Feuilleton meldet von der grossen Menge Fische, die der Vf. wieder nach- 
träglich aus allen und zumal den ältern Formationen, hauptsächlich aus 
dem Devonischen Gebiete und aus der Steinkohlen-Formation erhalten 
hat. Erdrückt durch die Masse supplementaren Materials, das er jetzt 
ausser Stand seye so rasch zu bearbeiten, bittet er die Personen, welche 
ihm solches anvertraut haben, um Geduld, wenn sich die Rücksendun- 
gen noch etwas verspäten sollten. Wir erlauben uns wenigstens den 
Wunsch auszudrücken, dass der Vf., welcher dieses schöne klassische 
Werk mit so unermüdlichem Fleiss und Ausdauer so weit vollendet hat, 
uns etwa am Schlusse des Feuilleton noch eine systematische Übersicht 
dessen geben möge, was er bereits untersucht. und bearbeitet, aber noch 


502 


nicht publizirt hat, theils weil dieselbe als Resultat schon an sich von 
grossem Werthe seyn würde, theils um bei so manchen ungenügenden, 
unrichtigen und bruchstückweisen Mittheilungen, welche dürch andere 
Personen darüber ins Publikum zu kommen nicht ermangeln Wrerdeh, 
er Maassen zum en und zur Orientirung zu dienen. 


37 


Bouortanp: Höhlungen in festem Kalkstein durch Land- 
schnecken (Geoloy. Soc. 1842, Mai 19 > Ann. a. Magaz. vf nat. 
hist. 1842, VIII, 159—460. Lond. a. Edinb. philos. Magaz. 1842, XIX, 
541—542). Bei der Versamnılung der Französischen Geologen zu Bou- 
logne im Sept. 1839 wurde BuckLaNnD von GrEENoUCH auf eine Ansamm- 
Jung eigenthümlicher Aushöhlungen an der Ünterseite einer Schichte 
Kohlenkalk aufmerksam gemacht, die auf den ersten Anblick den Pho- 
laden-Löchern ähnlich waren, aber viele Exemplare von Helix aspersa ent- 
hielten, daher von ihm als ein Werk dieser Thiere wälrrend mehrer Ge- 
nerationen angesehen ‘wurde (Bullet. geol. 1839, X, 434). Dann be- 
nachrichtigte ihn auch der elhırenwerthe N. SrarLeron, dass er im Köh- 
lenkalk von Tenby, worauf die Schloss-Ruine steht, 30°—40' hoch über 
Hochwasser-Stand Aushöhlungen von Pholaden gefunden habe, die er 
selbst aber bei näherer Prüfung ebenfalls für das Werk von Helix er- 
kannte, wovon er lebende und todte Exemplare noch in den Löchern 
fand. Die Vertiefung mag durch Ausscheidung irgend einer Säure aus 
dem Körper oder Mantel des Thieres, wie bei Patella vulgata, ausgeätzt 
werden. Die Vertiefungen an beiden Orten unterscheiden sich aber von 
denen der Pholaden 1)durch ihre Grösse und Form, indem sie nicht ge- 
rade und einer Pholaden-Schäale entspreehend, sondern gewunden, un- 
regelmässig erweitert und zusammengezogen, selten in gerader Linie 
fortsetzend, oft nur durch dünne Zwischenwände von einander getrennt 
oder ganz zusammenfliessend sind; 2) weil sie in der Oberseite der 'vor- 
stehenden Kalk-Bauk fehlen und nur neben und unten vorkommen, wie 
man auch die Schnecken selbst nur selten an der obern Seite und ge- 
wöhnlich neben und unten antraf, und zwar lebend oder todt, oft in 
diesen Löchern. Wenn man diese nicht beachtet hat, so mag es geschehen 
seyn, weil man sie der Wirkung der Atmosphäre oder des Wassers zu- 
schrieb. 


Const. Prevost: Kalkfelsen von Helix durchbohrt (Soe. 
philom. d. Paris, 1842, Avr. 2. > VlInstit. 1842, X, 132—133). Der 
Vf. hatte 7831 am Monte Peleyrino bei Palermo in 200m Seehöhe einen 
harten Kalkstein gefunden, welcher ihm von Landschnecken durchbohrt 
schien. Die 0m,12—0m,16 tiefen und 0W,004— 0,04 breiten Löcher waren 
zu unregelmässig und krumm, um sie Pholaden zuschreiben zu können, 
und in jedem derselben sass eine Helix Mazzullii von ungleichem 
Alter; genau dem Durchmesser der Höhle entsprechend. Doch war der 
Gedanke, diese Arbeit Landschnecken zuzuschreiben, noch zu fremd, 


03 


oT 


um ihn öffentlich auszusprechen, ehe andere Beobachtungen ihn unter- 
stützten. Diese ergaben sich 1839 bei der Geologen-Versammlung zu 
 Boulogne-sur-mer, wo der Vf. gemeinsam mit BuckLanp und GREENoUCH 
die der vorigen ganz nahe stehende Helix aspersa genau in densel- 
ben Verhältnissen beobachtete, und GrEENnouUGH glaubte auch unmittelbar 
die Thatsache beweisen zu können. Pr. zeigt nun, dass in einem 
Falle die Schnecke so genau an den Grund der Höhle, in welcher sie 
sitzt, anpasst, dass ein Vorsprung derselben sogar dem kleinen Eindruck 
an der Stelle des Nabels entspricht. Die Wirkung ist keine mechanische, 
sondern eine chemische; denn überall, wo die zahlreichen Adern reinen 
Kalkspatbes in dem Sizilischen thonigen Kalkstein auf die Wände der 
Höhle treffen, stehen sie in derselben hervor, was bei einer mechani- 
schen Wirkung unerklärlich wäre. Die H. Mazzullii kommt am Monte 
Pelegrino auch fossil vor. Ihre Löcher deuten auf eine lange Erhebung 
desselben aus dem Wasser; wären sie von Pholaden, so würden sie eine 
Versenkung desselben im Meere andeuten. 


Buckıneuam: Menschen-Fährten in Nord- Amerika (B. the Slave 
States of America, London 1841? > VlInstit. 1842, X. 140). Sehr 
deutliche Eindrücke menschlicher Füsse, welche um etwa 4 grösser als 
gewöhnlich und mit sehr abstehenden Zehen versehen waren, als ob 
sie nie Sohlen und Sandalen getragen hätten, sind 90 Engl. Meilen 
NNW. von Athens-Georgia auf der höchsten Spitze des sog. bezauber- 
ten Berges gefunden. Der Berg ist etwa 500° hoch, steil, an der Spitze 
unbewaldet. Die Fährten bilden eine lange Reihe, sind abwechselnd 
vom rechten und linken Fusse und in der. Entfernung eines gewöhnlichen 
Schrittes von einander 4’ tief eingedrückt. Ausser den Fährten eines 
Erwachsenen findet man andere von kleinen Kindern auf dieselbe Weise 
geordnet, und solche von unbeschlagenen Pferden, deren Schritte aber 
auf einem fetten Boden vorangeglitten wären. Einige halten diese Fähr- 
ten für natürliche Eindrücke in den Boden, bevor er hart und empor- 
gehoben worden ist. Andere halten sie für Werke Indischer Kunst und 
bringen sie und zugleich den Namen Zauberberg in Verbindung mit 
religiösen Gewohnheiten. Der Vf. schliesst sich der ersten Ansicht an, 
da er den Ureinwohnern des Landes weder Kunst genug zutraut, um 
etwas der Art zu machen, noch Spuren des Meisels oder anderer In- 
strumente daran entdecken konnte, vielmehr in Allem die Anzeigen einer 
Modelirung im weichen Zustande zu finden glaubt. | 


A. v. Gursier: über einen fossilen Farren-Stamm, Cau- 
lopteris Freieslebeni, aus dem Zwickauer Schwarzkohlen-Ge- 
birge (16 SS., 4 Taf. 8%. Zwickau 1842). Nachdem der Vf. erinnert, wie 
selten noch immer die Fälle sind, wo es möglich gewesen, die innere 
Struktur fossiler Stämme mit ihrem äusseren Ansehen zu vergleichen. 

Lepidodendron Harcourtii nach LınpLey [Jahrb. 7833, 622, 
1835, 238]. | 

Stigmaria ficoides nach Linpeey und Görrerr [Jahrb. 78541, 828]. 


504 


'Lepidodendron punetatum 
= Protopteris Cottaeana Sterne.? nach Corra [.Jahrh. 1836, 31], 
— Caulopteris punctata Göre. 

Sıgillaria elegans nach Bronensart [Jahrb. 1841, Sı10], 
'Calamites nach PerzuorLvor [Jahrb. 1842, 181], 
gedenkt er des Vorkonimens von Abschnitten von Farnen-Stämmen im 
Zwickauer Kohlen-Gebirge, welche fast walzig, 3'—4" dick, 14° —34 
hoch, in feinsten Schiefer-Thon verwandelt, Spuren innerer Struktur 
mit äusserer Kohlen - Rinde unterscheiden lassen, Letzte ist unregel- 
mäsig längs-gestreift und gerunzelt mit undeutlich Buckel- förmigen Er- 
höhungen an der Stelle der Blatt-Narben. Darunter ist der Stamm mit 
3’*—2''' langen Stricheln und Drüsen überzogen, durch Queer-Falten 
uneben und mit deutlicheren Zoll-langen elliptischen Blatt-Narben ver- 
sehen, deren je 3 in alternirenden Wirteln von 14’ — 2° Entfernung 
stehen. Die nach der Schichtung des Schiefers entstandenen Queer- 
'Schnitte des Stammes, etwas polirt, lassen in dessen Achse sich mehr- 
fach umschliessende Faserbündel, von höchst feinen Klammer -förmigen: 
Kohlen-Linien umgrenzt und im Übrigen undeutlich, wahrnehmen, von 
welchen einzelne Bündel in schiefer Richtung auf- und aus-wärts in 
die Blatt-Narben gehen, die man daher auf manchen Durebschnitten zwi- 
schen dem zentralen Bündel-Komplexe und der Peripherie begegnet. Oft 
sind aber diese Bündel wie breit gequeischt. Dieser Mangel au Erhal- 
tung und ihre übrige Undeutlichkeit mag ihrem Einschlusse in Kohlen- 
Schiefer zugeschrieben: werden müssen, dessen bloss mechanische Be- 
rührung und Infiltrirung einer theilweisen Zersetzung weniger, als das 
chemische Eindringen kieseliger Materie in verquarzten Stämmen vorzu- 

beugen vermochte. | 

Diese Stamm-Reste möchte nun der Vf. einer jedenfalls nahestehen- 
den Zwickauer Farnen-Art zuschreiben, deren plattgedrückte Stämme 
mit 1° dicker Kohlen-Binde und grossen elliptischen, von unten nach 
oben Fächer-förmig erhaltenen Blatt-Narben unter der Kohlen-Rinde zu 
Linoreyr’s Caulopteris zu gehören, Sigillaria peltigera Bronentarr’s 
nahe zu stehen und dessen Sigillaria macrodiscus und S. Cistii 
zu verbinden, wenn nicht eine eigene Art zu bilden scheinen und auf 
den plattgedrückten Queer-Schnitten deutliche Spuren ähnlicher Gefäss- 
Bündel, wie die runden Stamm-Stücke erkennen lassen. Die Röhren- 
und Staar-Steine und Lepidodendrum punctatum Corra’s ge- 
hören damit in einerlei Genus. Die Mittheilung der etwas detaillirteren 
Beschreibung würde ohne die Abbildungen der Queer-Schnitte, deren 
der Vf. später noch einen deutlicheren (nicht mehr abgebildeten) erhal- 
ten hat, unklar bleiben. Diese Arbeit sollte als Versuch einer Fort- 
setzung der frühern Arbeit des Vfs. über die Pflanzen des Zwickauer 
Kohlen-Gebirges dienen, und im Falle ihr der [gebührende] Erfolg zu 
Theil würde, wollte er die zu dieser Arbeit noch rückständigen Tafeln. 
in Kreide ausführen und neue Spezies abbilden. 


nn 


en. i Über 
die in den Eisen-Gruben am Gonzen bei 
Sargans im Kanton St. Gallen vorkommen- 
den Mineralien, nebst einigen Bemerkungen 
vermischten Inhaltes, 
von 


Herrn Davıp FRIEDRICH WISER 
in Zürich. 


Aus einem Briefe an Geheimen-Rath v. LEoNHARrD. 


‚Gegen Ende vorigen Jahres vernahm ich durch meinen 
Freund, Escher von. DEr Lint#, dass in den. Gruben am 
Gonzen. bei Surgans kohlensaures Mangan vorkomme. Ich 
wandte mich, sogleich an den in Plons wohnenden Sohn des 
Besitzers dieser, Gruben, Hı'n. B. Neuer , mit der Bitte, mir 
gefälligst einige Exemplare: (dieser Mangan-Erze zu‘ über- 
senden. ‘Hr. Neusr hatte; die Güte nicht nur‘ diesem mei- 
nem Wunsche zu entsprechen, sondern ‚mieh, mit (einer 
vollständigen. Suite aller dortigen, Vorkommnisse. zu erfreuen 
und dieselbe. mit einem. ausführlichen ‚interessanten Schrei- 
ben zu ..begleiten,, wofür, ich „mich. diesem Herrn recht sehr 
verpflichtet erachte.. . | 

Da ich bis jetzt diese, Trsben selbst zu: Pollen ieene 
Gelegenheit hatte und überdiess in der Geognosie nicht 


sehr bewandert bin, so bat ich Hru. Escher_von Der Line, 
Jahrgang 1842. 33 


506 


die geognostische Beschreibung zu übernehmen, welchem 
Wunsehe mein Freund aufs Bereitwilligste zu entsprechen 
und überdiess noch beiliegende geognostische Skizze vom 
Berge Gonzen zu verfertigen die Güte hatte, 

Hr. Escher sagt: 

„Der Roth-Eisenstein, welcher im Gonzen gewonnen 
wird, bildet, so viel wenigstens bis jetzt darüber bekannt 
ist, ein wahres Lager im blauschwarzen, spröden, bald 
dichten und bald fein krystallinischen Kalkstein; man kann sich 
hievon ‘sowohl’ in’'der Grube selbst als an’ Killer .h Stellen 
überzeugen, an: denen. das Eisenerz; an: Fels- Wänden, ‚zu 
Tage, ausgeht; überall liegt es den Schieht- Flächen ‚des 
Kalksteins parallel, und in der Grube sieht man deutlich, 
dass es an den grössern und femer Wellen-förmigen Bie- 
gungen der Sohle und des Daches Theil nimmt; zufolge 
der Aussage der Arbeiter ist man noch nie auf'Gänge oder 
 Klüfte gestossen, welche dasselbe verworfen oder abgeschnit- 
ten hätten. 

In der Grube ist Ai Lager etwa 20’ mächtig; doch 
scheint diese Mächtigkeit zum Theil von dazwischen liegen- 
den Kalk-Streifen herzurühren, daher die Bergleute wohl 
von zwei Lagern sprechen, die das Erz bilde. Nerdwest- 
lich von der Grube verringert sich seine Mächtigkeit aber 
sehr bedeutend, so dass sein ‘Ausgehendes’ an den Fels- 
Wänden ungefähr 1 Stunde von der’ Grube entfernt bloss 
noch 3— 4° beträgt; häufig wird es sogär durch’ den Kalk- 
stein fast ganz verdrängt und bildet nur ellipsoidische grös- 
sere und kleinere den Kalk- Schiehten fortwährend REISE 
Bel laufende Nester. a ar 

Der nordwestlichste Punkt, 'an ale das a bis ‚jetzt 
gesehen worden, befindet sich oberhalb Heilig = Kreuls ; „im 
weitern Verlaufe der Gonzen - Kette‘ gegen" die Kurfürsten 
hin ist keine Spur davon bekannt. Von den Graben gegen 
©. hin ist das Eisen-Lager ebenfalls nieht ‘mehr sichtbar; 
ohne Zweifel fällt es mit dem Kalkstein gegen den Rhein 
hinab. Über sein Streichen und Fallen lässt sich keine 


allgemeine Angabe aufstellen; das Kalk-Gebirge hat nämlich, 
‘wie heiliegende von den Höhen ob Mels entworfene, an den 
‚dargestellten Wänden selbst aber verifizirte Skizze zeigt, 


un N N $ SS 
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ALU UT N nn 


Schloss Surguns 


hier eine der merkwürdigsten und grossartigsten Biegungen 
und Knickungen erlitten, die in den Alpen bekannt siud. 
Seine Schichten (bb), die in der Kette des Alvier und Gonzen 
im Allgemeinen NO. fallen, sind, ohne irgend auffallende 
Brüche zu zeigen, eine bedeutende Strecke (wenigstens, eine 
starke Viertelstunde weit) über sich selbst zurückgelegt und 
fallen dann wieder ostwärts gegen das jetzige Rhein-Thal ah. 
Der ‚grösste Theil dieser dem ARäein - Thal zugewandten 
Schicht-Flächen des Kalksteins ist indessen verschwunden; 
nur am Fusse des Gebirges bei Sargans und am Schollberg 
zeigt sich Gestein (d), das. mit demjenigen des Gonzen-Gipfels 
übereinstimmt; der ganze mittle Theil des Abhangs dagegen 
besteht gegenwärtig aus. der Schichten-Folge (ee), welche das 
‚Liegende des Eisen-führenden Kalksteins bildet. 

Ob. die Kalk-Massen,. welche die Mitte des Abhangs 
bilden sollten, weggerissen. worden oder ob sie bloss in die 
Tiefe hinabgerutscht sind und ihre obersten Köpfe den 
“ Schloss- Hügel von Sargans und den Schollberg bilden, ist 
unentschieden. Dass unter solehen Verhältnissen das Strei- 
chen und Fallen des Eisen-Lagers an verschiedenen Stellen 


sehr ungleich seyn muss, ist einleuchtend. Indess herrscht 
33 * 


in der Eisen-Grube am $chollberg und am Sarganser Schloss- 
‘Hügel und überhaupt am O.-Abfall des Gebirges Str. h 12 
‚mit ©.-Fallen allgemein vor; hieraus scheint dann auch zu 
folgen, dass die Spalte des Rhein- Thals nicht bloss eine 
einfache, die Schichten durchbrechende Queer-Spalte ist, wie 
Klusen im Jura, sondern dass sie zwei Gebirgs - Gruppen 
scheidet, von welchen jede eine gewissermaasen selbststän- 
dige topographische Einheit bildet. Der Gonzen erscheint 
als das halbellipsoidisch geformte O.-Ende der Gebirgs- 
Gruppe der Kurfürsten und des Alvier; der ie 
und Falknis als das W.-Ende der Rhätikon-Masse. | 
Auch in Beziehung auf sein Alter ist das Eisen- Lager 
des Gonzen sehr merkwürdig. Der schwarzblaue spröde 
Kalkstein nämlich, der dasselbe umschliesst, ist zufolge aller 
vorhandenen Untersuchungen der Repräsentant des mittlen 
Jura-Gebirgs; in diesem aber ist im ganzen Gebiete der 
Schweilzischen Alpen, wo er wenigstens mit einiger Sicher- 
heit nachgewiesen ist, sonst nirgends eine Spur von Eisen- 
Gehalt bekannt, mit Ausnahme von einzelnen Eisenkies- 
Konkrezionen. Die Unterlage dieses Kalksteins von Wallen- 
stadt bis zum Gonzen besteht hauptsächlich aus schwarz- 
braunen Schiefern und aus eisenschüssigem, :unreinem, hie 
und da oolithischem Kalkstein; letzter enthält hie und da 
Pentakriniten ‘und andere Petrefakten- Trümmer. Diese Bil- 
dung entspricht: ohne Zweifel dem Eisen - Rogenstein und 
wohl auch dem Lias. Es ist nämlich in: den 'Schweilzer 
Alpen noch nieht gelungen, diese zwei He mit kr 
licher Sicherheit von einander zu trennen.: DEZ 
Die wohl an 1000 mächtige Decke’ des schwarzblaueh 
spröden Kalksteins besteht bis’auf den höchsten Kamm des 
Alvier hinauf aus Neocomien;, "enthält aber‘ sehr‘ ‚selten‘ ei 
trefakte.“ v Dun A -Jnssuanial. SIOTE 
Der oberste Theil des Re en nach 
Hrn. Neuer in sogenanntes „melirtes Erz“ über, ein’ Ge 
menge von Rotheisenstein, rothem gemeinem Jaspis, Mangan- 
Erz, Magnet-Eisen, Eisenkies, Kalkspath, Thon, @uarz 


509 


und zuweilen auch Eisenglanz. Hierauf folgt erst das ei- 
gentliche Manganerz-Lager, welches eine Mächtigkeit von 
4—5‘ haben - soll. — Das rothe kohlensaure Mangan soll 
das besagte Manganerz-Lager in kleinen Gängen durchsetzen 
und das Schwarz - Manganerz ebenfalls ein Lager - artiges 
Vorkommen zeigen. «Hr. NEurr schreibt mir ferner: 

„Die Grube am Gonzen ist uralt und von ausserordent- 
licher : Ausdehnung; die letzten Nachrichten darüber gehen 
bis zum Jahr 1200, doch ist es sehr wahrscheinlich, dass 
schon die Römer hier Bergbau getrieben haben, indem das 
Sarganser-Land früher eine Römische Provinz war. — Die 
Grube wurde; jedoch nur. zeitweise ‚schwunghaft betrieben; 
allein : selbst: bei: sehr vermehrter Ausbeutung ist noch 
lange an ein Ausgehen .der' Erze gar nicht zu denken. 
In: jüngster Zeit: produzire ich aus den Mangan-Erzen 
ein vorzügliches Rohstahleisen, das mit dem berühmten 
Sieyenschen rivalisirt. — Die Mangan-Erze, mit dem Roth- 
eisenstein gehörig gattirt, geben ein eben so vorzüglich 
gutes Roheisen zur -Stabeisen’- Fabrikation, und ich kann 
versichern, dass wir im Falle sind, eine Qualität davon zu 
erzeugen, die derjenigen des beriihmten Schwedischen Eisens 
gleichkommt.“ 

‚Ich gehe: nun zur Beschreibung der in diesen: Gruben 
vorkommenden Mineralien über, . 

1) Rotheisenstein: Stahl-grau bis bräunlich -roth, 
meist in.:derben Massen von: dichter Zusammensetzung, zu- 
weilen ‚schiefrig, am seltensten strahlig in ungefähr :3' 
breiten. Adern: den . dichten  Rotheisenstein durchsetzend. 
Beibrechende Substanzen : sind: graulichweisser Kalkspath, 
meist als Rinde-förmiger krystallinischer Überzug; rother 
gemeiner Jaspis; Eisenkies fein eingesprengt; Magneteisen 
in: grösseren und kleineren Quantitäten, bald innig; mit dem 
Rotheisenstein gemengt, bald in grösseren und kleineren 
Partie'n darin ‚ausgeschieden. Solche Exemplare wirken sehr 
stark auf die Magnet-Nadel, geben aber dennoch ein röthlich- 
braunes Striehpulver. 


slo. 


Der siehtlich reine Rotheisenstein soll 6070. Pros 
zent rentiren. — Mit Borax zeigt derselbe bloss die Reak- 
tion von Eisen und gibt mit Soda auf Platin-Blech selbst 
unter Zusatz von Salpeter keine Mangan-Reaktion.. «u; 

2) Eisenkies: meistens'von Messing-gelber Farbe und 
fein eingesprengt in sämmtlichen Erzen dieser Grube, mit 
Ausnahme des‘ Schwarz-Manganerzes. Selten findet sich 
dieser Eisenkies in Faust - grossen, derben, feinkörnigen 
Massen, stellenweise mit diehtem Mnzuieteisen und: grau- 
lichweissem Kalkspath gemengt. | u 

3) Magneteisen: rd 

:a) Dichtes: schwarz und matt, in grössern si »leihenil 
derben Partie’'n mit kohlensaurem Mangan,  Rotheä nstein, 
rothem gemeinem Jaspis und Eisenkies. | 

b) Krystallinisches: glänzend, graulichäeliingoh, ins 
Grüne stechend, mit Milch-weissem krystallinischem Baryt- 
spath, in lichte Rosen-rothem kohlensaurem Mangan.  — 
Diese Abänderung findet sich nur sparsam und in kleinen 
Partien. Höchst selten sind Krystalle dieser '‘Abänderung 
von Magneteisen, welche überdiess ihrer Kleinheit ‘wegen 
mit Gewissheit nicht näher bestimmt werden können. 

4) Eisenglanz: in kleinen, schaaligen, eisenschwar- 
zen, glänzenden Partie'n, mit‘ Eisenkies auf strahligem weis- 
sem kohlensaurem Mangan. | | 

5) Kohlensaures Mangan. 

a) buntes: nämlich von grauen, bräunlichen und grün- 
‚lichen Farben , welehe Flecken- oder Streifen-weise abwech- 
seln. Dieses bunte Erz>äist in der Grube nächst dem Roth- 
eisenstein am häufigsten vorhanden und findet sich in 
derben Massen von feinkörniger ins Dichte übergehender 
Zusammensetzung. Selten ist ein: unvollkommen- blättriges 
Gefüge : wahrnehmbar. ' Die chemischen Kennzeichen sind 
folgende: Vor (dem Löthrohre in der Platin- Zange nicht 
zerknisternd , schwarz 'werdend und metallischen 'Glanz 'er- 
haltend, aber sich Jauch bei anhaltendem: Feuer nicht 'ver- 
schlackend oder verglasend und nicht magnetisch werdend; 


stil 


mit Borax leicht und ruhig zu klarem, röthlich Amethyst- 
farbigem Glase schmelzend; in Chlorwasserstoff-Säure unter 
starkem Brausen  theilweise lösbar mit Hinterlassung eines 
ziemlich bedeutenden Rückstandes. Die Auflösung hat eine 
gelblichgrüne Farbe., Mit Schwefelsäure gibt dieselbe erst 
nach einigen Stunden‘ einen ganz geringen weissen Nieder- 
schlag, ‘der hauptsächlich aus schwefelsaurem Kalk zu 
bestehen scheint; denn, wenn derselbe mit destillirtem 
Wasser gekocht und hernach mit Oxal - Säure versetzt 
wird, so zeigt sich nach einiger Zeit ein weisses Präzipi- 
tat; Kalium-Eiseneyanid bringt in der salzsauren Lösung 
einen braunen, Kalium - Eiseneyanür einen blaulichgrünen 
Niederss“lag hervor. Der in Chlorwasserstoff-Säure unlös- 
liche Rückstand gibt mit Phosphorsalz ein klares. Glas, das 
nach dem Erkalten milchig wird. Er scheint demnach aus 
Kieselerde zu bestehen und dürfte vielleicht von dem die- 
ses Manganerz begleitenden Jaspis herrühren. 

'b). Weisses: dicht, seltener sirahlig, am  seltensten 
blättrig. ' 

‘Das dichte erscheint gewöhnlich als mehr und weniger, 
jedoch zuweilen 6 dicke Rinde auf buntem kohlensaurem 
Mangan, oder auch auf sogenanntem melirtem Erz. Die 
Farbe: ist gewöhnlich Kreide-weiss, öfters mit einem, Stich 
ins. Gelbe, zuweilen auch ins Graulichweisse übergehend. 
Die Oberfläche ist meistens stark ‚gestreift oder gefurcht. 
Ich bin sehr geneigt, diese Streifung. für ein Produkt der 
Reibung zu halten, und diese gefurchten Flächen für. soge- 
nannte Rutseh-Flächen anzusehen. Diese gestreiften 
Exemplare sollen nach. Hrn, Neuer, in der Nähe des Daches 
vom Manganerz-Lager vorkommen. “ 

„Ieh‘ übersende Ihnen, beikommend ein, Istrankırı an 
ielchem solche Rutsch-Flächen sogar in zwei verschiedenen 
Richtungen wahrnehmbar sind; es ist bis jetzt das einzige, 
woran ich diese Erscheinung beobachtet habe, Vor dem 
Löthrohre verhält sich dieses dichte, weisse kohlensaure 
Mangan wie das bunte, nur ist die Amethyst-Farbe des 


512 


Borax-Glases nicht so rein; in Chlorwasserstoff- Säure ist 
dieses Erz mit heftigem Brausen ohne den geringsten Rück- 
"stand lösbar. ‘Mit Schwefelsäure gibt diese Lösung‘ einen 
starken weissen, mit Kalium-Eisencyanid (des.Vorhandenseyns 
von Eisenoxydul wegen) einen dunkelblauen, ‘und’ mit Kalium- 
Eiseneyanür einen blauliehgrünen Niederschlag. inlajliaseı 

Das strahlige weisse Mangan scheint weit seltener vor- 
zukommen als das diehte. Es’ hat eine Schnee-weisse ins 
Graulich-weisse übergehende Farbe und verhält‘ sich se- 
wohl auf trockenem als 'auf 'nassem Wege wie das’ dichte.‘ 

Das blättrige weisse Mangan findet sich bald mit dem 
dichten, bald mit dem strahligen vereint, aber, wie schon 

ir, —_ a 
Weil das diehte und das strahlige weisse kohlensaure 


gesagt, nur sparsam. 
Mangan dem äussern Ansehen nach viele Ähnlichkeit ‘mit 
dem Bitterkalke haben, so bat ich den Hrn. Dr.‘ EnvArv 
SCHWEITZER, Privatdozenten der Chemie und Oryktognosie 
an hiesiger Universität, dieselben gefälligst auf Bittererde 
"zu prüfen, deren Niehtvorhandenseyn jedoch "durch 
seine Analyse ausser allen Zweifel gesetzt wurde. ' Herr 
SCHWEITZER hatte die Güte, mir darüber Folgendes zu berichten: 
„Durch die qualitative Analyse wurde in beiden Ab- 
änderungen kohlensaurer Kalk, kohlensaures Mangan-Oxydul 
und kohlensaures Eisen-Oxydul nachgewiesen. — Bei der 
quantitativen Analyse wurde die Menge des 'Kalks genau 
bestimmt. In der strahligen Abänderung fand ich 80,15, 
in der dichten 64,00 kohlensauren Kalk. 

Die Menge des kohlensauren Eisen - Oxyduls in beiden 
ist jedenfalls nur sehr gering, in der dichten jedochet- 
was grösser als in der strahligen. Berechnet man das 
kohlensaure Mangan- Oxydul aus dem Verluste, so hat man 
in 100 Thbeilen: 


im strahligen | im diehten Geo ji 

80,15 CCa 64,00 ECa 

19,85 CMn mit kleinen a 36,00 CMu mit kleinen Mengen 
von (Fe n CEe 


100,00 100,00 neh 


515 


Wenn schon der Kalk-Gehait überwiegt, so halte ich 
die Benennung „weisses kohlensaures Mangan“ den- 
noeh nieht für unpassend, weil der Mangan-Gehalt doch be- 
deutend grösser ist als in den sog.’ Mangan-haltigen Kalken. 
sure) Rothes: meist von .Fleisch-rother und nur selten 
von lichte Rosen-rother Farbe; das erste zeigt unvollkommen 
strahlige, das zweite unvollkommen blättrige Struktur. Beide 
Abänderungen ‘finden sich in grössern und kleinern derben 
Massen, aber nur sparsam; die chemischen Kennzeichen 
derselben sind folgende: Vor dem Löthrohre in der Platin- 
Zange‘ beim ersten‘ Einwirken der Flamme zerknisternd, 
bei'anhaltendem Feuer sich oberflächlich verschlackend oder 
verglasend, aber nicht magnetisch werdend ; mit Borax leicht 
und ruhig lösbar zu klarem Amethyst-farbigem Glase; in 
Chlorwasserstoff-Säure mit starkem Brausen ohne Rückstand 
lösbar; die Auflösung hat eine schwach gelblichgrüne Farbe. 
Mit Schwefelsäure gibt dieselbe einen ziemlich bedeutenden 
weissen Niederschlag. — ‘lm Übrigen verhalten sich die 
Proben dieser beiden Abänderungen von Roth - Manganerz 
ganz so, wie ich es beim bunten kohlensauren Mangan an- 
gegeben habe. 

"d) Gelblichbraunes: von unvollkommen blättriger 
Struktur als ungefähr 24‘ dicke Rinde auf buntem kohlen- 
saurem Mangan; es ist die seltenste der verschiedenen Farben- 
Abänderungen des kohlensauren Mangans und verhält sich 
sowohl auf nassem als auf trockenem Wege wie das bunte. 

Die begleitenden Substanzen des kohlensauren Mangans 
aus den Gruben am Gonzen sind: Magneteisen, Rotheisen- 
stein, Eisenkies, rother gemeiner Jaspis, Barytspath, Fluss- 
spath, Chlorit, Eisenglanz und Amianth. Diese letzte Sub- 
stanz ist jedoch die seltenste. — Mit Ausnahme des Eisen- 
kieses sind die übrigen lauter Mineralien, welche meines 
Wissens als Begleiter des kohlensauren. Mangans bis jetzt 
nicht angeführt wurden. Theils desswegen und. besonders 
aber, weil mir bis jetzt kein anderer Ort. in der Schweilz 
bekannt ist, an welchem kohlensaures Mangan gefunden und 


514 


benützt wird, fand ich mich veranlasst; ee 
zu erwähnen. | ET 
6) Schwarz- Miieeiniee, Bien soll das kekiche, 
Erz seyn, welches Bertuier analysirt hat (Annales des mi- 
nes, 3”e livraison de 1837). Farbe schwärzlichbraun; 
blättrige Struktur; Eigenschwere 4,318 (BErTHIER); undurch- 
siehtig; mit dem Messer ritzbar; an den frischesten Stellen 
hat der Strich eine Kastanien - braune. Farbe *); ‚nieht auf 
die Magnetnadel wirkend; im Kolben viel Wasser gebend, 
welches auf Lackmus - Papier schwach sauer :reagirt; im 
Chlorwasserstoff-Säure unter Entwicklung vieler Blasen ohne 
Rückstand lösbar. Die Auflösung hat eine grünlichbraune 
Farbe; mit Schwefelsäure gibt dieselbe einen: äusserst ge- 
ringen weissen Niederschlag, der aber erst nach’ einigen 
Stunden wahrnehmbar ist; mit Kalium -Eiseneyanid gibt 
dieselbe einen braunen Niederschlag; mit Kalium-Eiseneyanür 
gibt dieselbe einen Niederschlag, der anfänglich Lila-farben, 
. nach längerem Stehen aber schmutzig-graulichgrün erscheint. 
Vor dem Löthrohre der Platin-Zange sich an der Oberfläche 
verschlackend, ohne eigentlich zu schmelzen, und ein Eisen- 
schwarzes, metallisches Ansehen bekommend, aber nicht 
magnetisch werdend; mit Borax leicht und: ruhig zu 'röth- 
lich Amethyst-farbigem Glase schmelzend ; in Phosphor-Salz 
unter Entwickelung vieler kleiner Blasen lösbar zu klarem, 
Ameihyst-farbigem Glase, welches beim Erkalten trübe wird; 
mit Soda auf Kohle: in kleinen Stücken nicht lösbar, und im 
Reduktions-Feuer behandelt befeuchtetes Silber nieht schwär- 
zend, also keinen Schwefel enthaltend. — Diess Schwarz- 
Manganerz hat dem äussern: Ansehen: nach viele Ähnlichkeit 
mit dem Hausmannit, unterscheidet sieh aber dayonlida- 
dureh, ‘dass es im Kolben viel Wasser gibt. ‚Seine Beglei- 
ter' sind: buntes und weisses 'kohlensaures Mangan; zuwei- 
len aueh Magneteisen. | BEST, 
7) Schwarz - Manganerz, dichtes, welches dem 


Ya 


*) Unvollkommener Metallglanz. IRRE 


515 


Psilomelan sehr ähnlich ist: derbe Massen von dichter Zu- 
sammensetzung; schimmernd; bläulichschwarz; Bruch sehr 
tlachmuschelig, beinahe eben; mit’dem Messer ritzbar; Strich 
sehwärzliehbraun und glänzend. Vor dem Löthrohre in der 
Platin-Zange sich an der Oberfläche stellenweise etwas ver- 
schlackend und ein Eisen-artiges Ansehen bekommend, ohne 
wirklich zu schmelzen. Im Kolben viel Wasser gebend; mit 
Borax leicht und ruhig zu klarem, Amethyst-farbigem Glase 
schmelzend; in Chlorwasserstoff-Säure unter Chlor-Ertwicke- 
lung lösbar: die Auflösung hat eine braune Farbe. Dieselbe 
gibt mit Schwefelsäure einen geringen weissen Niederschlag 
(von 'schwefelsaurem Baryt!). Kalium -Eiseneyanid bringt 
in. derselben einen braunen und Kalium-Eiseneyanür einen 
blaulichgrünen Niederschlag hervor. Begleitende Substanzen 
sind: Gelblichbrauner, zuweilen ins Graue übergehender 
Kalkspath, theils in kleinen Krystallen, theils als Rinde- 
förmiger krystallinischer Überzug die Oberfläche dieser Man- 
gan-Stuffen PenaebAhd, und Pyrolusit in Bauen Adern die- 
selben durchsetzend. 

S) Kalkspath, graulichweisser. 

a) Sogenannter „Doppelspath“ in Gruppen bildenden, un- 
vollkommenen Krystallen der Kernform und in krystallini- 
schen Massen. in 

b) Kleine Krystalle der Varietät dodecaedre raccourcie 
von Havy, mit ‘kleinen, durchsichtigen, graulichweissen Ba- 
vythspath-Krystallen, Eisenkies, Rotheisenstein, rothem’ ge- 
meinem Jaspis und Magneteisen. Diese Krystall-Form scheint 
übrigens’ nur: selten vorzukommen.. | 

'9) Barytspath. ' 

a) Milchweisser, durchscheinender in kleinen unvoll- 
kommen blättrigen ‚Partie’n, innig mit lichte ‘rosenrothem 
kohlensaurem Mangan und graulichweissem Flussspath ver- 
wachsen; 

'b) zu kleinen, graulichweissen,, durchsichtigen, olinben- 
den Krystallen, welche wegen dem Verwachsenseyn mit den 
so eben beschriebenen Kalkspath - Krystallen nieht ‘näher 


516 


bestimmt werden können, als dass daran ausser den Flächen 
der Kernform noch Entrandung, Entapitmpeklipe und. nt- 
seharfseitung vorzukommen scheint. sch 
10) Flussspath: in kleinen, srialichwenne len 
sicehtigen, krystallinischen Partie’n,- innig mit. liehte. rosen- 
. rothem , kohlensaurem Mangan und nilchiweisedum a 
verwachsen, fr FENer 
11) Chlorit:' Kleine Zaun Bier Partie Be 
Eisenkies, in strahligem weissem  kohlensaurem Mangan. |. 
12) Amianth: Eine ganz: kleine Masse von faseriger 
Zusammensetzung. Farbe gelblichweiss ins Röthliche ste- 
chend; Seidenglanz; vor dem Löthrohre:in der Platinzange 
sehr leicht und mit Aufwallen zur schwarzen, matten Kugel 
schmelzend. : Dieser Amianth erfüllt’ eine kleine schmale Kluft 
in: buntem kohlensaurem Mangan. Begleitende'' Substanzen 
sind: lichte rosenrothes kohlensaures Mangan, graulichweis- 
ser krystallinischer ;Flussspath und ganz’ kleine glänzende, 
nicht näher bestimmbare Krystalle von Magneteisen. 
Die Hauptmasse dieses Exemplares besteht aus buntem 
kohlensaurem Mangan mit einer Rinde von zweimal: abwech- 
selnden, dünnen Lagen von lichte rosenrothem kohlensaurem 
Mangan und graulichweissem,: halbdurchsiehtigem krystal- 
linischem Flussspath; als jüngstes oberstes Gebilde erschei- 
nen die erwähnten kleinen Magneteisen-Krystalle. — Diess 
Exemplar .ist bis: jetzt das einzige, an- welchem ich diese 
Erscheinung. beobachtet und v woran ich On Engels waliırgenom- 
men habe: | | | | 
Die beschriebenen Versuche auf nassem RR auf: trocke- 
nem Wege sind von mir selbst gemacht worden, um mög- 
lichste: Gewissheit über die Beschaffenheit der angeführten 
Mineralien zu erlangen. So viel ich weiss, ist‘ das. Vor- 
kommen: von Magneteisen, Barytspath, Flussspath,, Chlorit 
und Amianth in den Gruben am Gonzen bis jetzt noch nir- 
gends nachgewiesen worden. Jch verdanke die Gelegenheit 
dazu der Güte des-Hrn. Neuer, der mir seither immer von 
allen neuen oder ihm unbekannten Substanzen, welche durch 


517 


ihn oder seine Leute aufgefunden wurden, Proben zur Un- 
tersuchung übersandte. 

Noch habe ich zweier Hütten-Produkte von dem Eisen- 
werke in Plons zu gedenken, welche ich ebenfalls der Ge- 
fälligkeit dieses Herrn verdanke, nämlich: 

t) zu Magneteisen umgewandelter Roth- Eisen 
stein aus den Gruben am Gonzen, ein Produkt, welches 
beim sogenannten Röst-Prozesse gebildet wird. Es sind theils 
kleine, eisenschwarze, stark glänzende Oktaeder, theils Na- 
del- und Haar-förmige Krystalle von gleicher Beschaffenheit, 
‚welche die Drusenräume derber Massen dieses umgewandel- 
ten Roth-Eisensteins bekleiden. 

In Grocker’s Jahresheften 1835, 5. Heft, S. 59, wird des 
Vorkommens von künstlichem, schön krystallisirtem Magnet- 
Eisen im Hohofen zu Chalillon sur Seine erwähnt. 

2) Aus den Mangan-Erzen des Gonzen erzeugtes Zinn- 
'weisses, glänzendes Roh stahleisen mit blättriger Struk- 
tur. Mit Soda auf Platin-Blech gibt dasselbe unter Zusatz 
von Salpeter starke Mangan-Reaktion und enthält demnach 
noch eine geringe Quantität Mangan, wie diess ‚bei gutem 
Roh-Stahleisen der Fall: seyn soll. Die blättrige Struktur 


desselben scheint mir beachtenswerth zu a 


Im ‚Februar dieses Jahres: erhielt ich eine Sendung, ‚S2- 
zihianischer.: Mineralien , wovon ich. N zu erwähnen 
mir erlaube. : | 

ib); Hakhäpail, von: dei ine Fin Eihteigahcn FM 
gelai 11! breites und: 41 dickes: derbes Stück... ‚Farhe grau- 
Jichgelb ,; mit röthlichbraunen und: blaulichschwarzenStreifen. 

» 2)Hyalithz in kleinen „theils.Nieren-förmigen;und theils 
traubigen Partie'n ; von: imilehweisser, : ins Blaue. stechender 
‘Farbe; mit krystallinischem ,  feinblättrigem, ‚ graulich... =is- 
‚sem‘, durchscheinendem Gypsspath „und: einem: gelblichbrau- 
nen, Rinde-förmigen, Eisenspath-artigen Minerale in..den 
Blasenräumen eines dunkelbraunen Dolerit- Mandelsteins. von 
der Insel Zipari. 


518 


3): Thomsonit. ı Ein graulichweisser, kleiner, aber 
sehr deutlicher Durchkreutzungs-Zwilling. Die Indi- 
viduen ‘sind: 'entseitete Gerade rhombische Säulen, welche 
die Hauptaxe mit einander gemein haben. Dieser Zwilling 
bekleidet mit andern einfachen Thomsonit-Krystallen der be- 

.‚schriebenen Varietät, nebst einer Schnee-weissen, kugeligen 
exzentrisch-faserigen, Mesotyp-artigen Substanz und: mit 
sehr schönen Analzim-Krystallen der variele triepointee die 
Blasenräume eines grünlichgrauen, feinkörnigen, Dolerit- 
artigen Gesteines von den Cyklopen-Inseln unweit Catania. 
So viel’ich weiss, ist bis jetzt des Vorkommens von Zwil- 
lings-Krystallen des Thomsonits noch nirgends erwähnt worden. 

4) Breislakit: in mehr und: weniger feinen, grünlich- 
grauen und graulichweissen, Seide-artig glänzenden, kurzen, 
Haar-förmigen Krystallen die Blasenräume ‚eines grauen, 
feinkörnigen, Dolerit-artigen Gesteins erfüllend, 'von den 
Cyklopen-Inseln. Dieser Breislakit hat dem äussern Ansehen 
nach ‘die grösste Ähnlichkeit mit ‘dem sogenannten ' Bysso- 
lich: Auch in dem Verhalten vor dem Löthrohre unterschei- 
det sich der erste von dem letzten bloss dadurch, dass 
jener schwache Kupfer-Reaktion zeigt. Ich halte es nicht 
für überflüssig, dieses Verhalten hier ausführlich zu besehrei- 
ben. Der Breislakit von den Cyklopen-Inseln schmilzt vor 
dem: Löthrohre in der Platin-Zange leicht und mit Aufwal- 
len zur: schwarzen glänzenden Kugel; mit Borax leicht lös- 
bar zu klarem, schwach von Eisen gefärbtem Glase, wel- 
ches auf Kohle im  Reduktions-Feuer mit Zinn "behandelt 
‚eine braunrothe Farbe erhält, ohne jedoch undurehsichtig 
‚zu werden; mit Phosphor - Salz theilweise lösbar zu kla- 
rem, schwach von Eisen gefärbtem Glase, welches nach dem 
"Erkalten trübe wird; . auf Kohle im Reduktions- Feuer mit 
-Zint behandelt erhält dasselbe “eine braunrothe Farbe, ohne 
jedoch undurehsichtig zu werden; mit Soda auf Platin-Blech 
‘selbst unter Zusatz von 'Salpeter keine Mangan - Reaktion 
‘zeigend. Auf der diesem Mineral beigelegten . WR 
derselbe als Mesotyp bezeichnet. 


‚319 


5) Kupfer-Indig: als klein-nierenförmiger, auch kuge- 
liser, dünner, Rinde-förmiger Überzug; Farbe indigblau ins 
Schwärzliche; schimmernd; undurchsichtig; Strich 'unver- 
ändert; sehr‘ weich; Bruch eerdig; zerreiblich. - Vor dem 
Löthrohre' auf’Kohle einen Augenblick ‚mit blauer ‚Schwefel- 
Flamme brennend‘, leicht und ruhig zu einer Schlaeke’sehmel- 
zend,, welche, solange sie heiss ist, Eisen-sehwarz, nach 
dem Erkalten’ aber braunroth und stellenweise: zu metalli- 
schem Kupfer reduzirt erscheint: diese Schlacke‘ gibt mit 
"Soda ein bedeutendes’ Kupferkorn. Im Kolben und in'der 
offenen Röhre Schwefel sublimirend; mit Borax ein klares 
blaues Glas gebend, das durch Zusatz von Zinn braunroth 
und undurechsichtig wird. — Dieser Kupfer-Indig findet sich 
mit kleinen Schwefel-Krystallen auf einem Rauch-grauen 
Feldspath-artigen Gestein, welches sehr fein eingesprengten 
Eisenkies enthält, in dem Steinbruche von Zaragbone auf 
der Insel Volcano. 
 8o viel ich weiss, ist bis jetzt (mit einziger Ausnahme 
des Thomsonits) des Vorkommens der so eben beschriebenen 
Mineralien in Söziken in den mineralogischen Lehrbüchern 
noeh. nicht erwähnt ‘worden. | 
546) Kiesel-Kupfer: in derben Massen von Span-grüner 
ins Himmelblaue übergehender Farbe, in einem braunen, fein- 
körnigen, etwas zersetzten, Dolerit-artigen Gestein, von der 
Insel’ Zipari. Ich 'habe dieses  Sizöihanische Kiesel- Kupfer 
auf nassein und (troekenem' "Wege ‘geprüft. Es entspricht 
genau der von ‚dieser. Substanz‘ "bekannten Charakteristik, 
nur scheint: dessen: Härte-Grad etwas-höher zw seyn.‘ 

-+ 0 An Leonsurn’s’Handbuche »von 1826, 'S. 220.heisst' es: 
„Auch als Einschluss der Laven-Auswürflinge des ‚Ätna sollsich 
das Kiesel-Kupfer finden (Jonx.);* ' Es’ scheint’demnach diese 
Substanz 'an' zwei‘ versehiedenen: Orten Siziliens vorzukom- 
nien,' Nur 'selten ist\das'Kiesel-Kupfer von Zipari: stellen- 
weise mit kleinen, undeutlichen, nicht näher bestimmbaren 
Krystallen von gleicher Farbe 'bedeekt, die den damit ge- 
machten Versuchen zufolge ebenfalls aus Kiesel-Erde, Wasser 


320 


und Kupfer-Oxyd bestehen. .'Öfter hingegen nimmt man an 
den Exemplaren dieses : Sizilianischen Kiesel- Kupfers bald 
kleinere, bald grössere Stellen wahr, die'sich durch bedeu-. 
tend grössere Härte (nicht mehr mit dem Messer ritzbar), 
höhern Grad der Pelluzidität und. Glasglanz von der Häupt- 
masse unterscheiden, und welche. man zuweilen für ‚grün- 
gefärbten Gemeinen Opal zu halten: versucht, ‚ist., Da. der 
Kiesel-Gehalt der Perle von den härteren, durchsichtigern 
Partie’n. bedeutend grösser , der Kupfer-Gehalt hingegen viel 
geringer ist, als es bei Proben von der weichern, weniger 
pelluciden Hauptmasse der Fall’ ist, so darf man wohl: nicht 
annehmen ,. dass letzte bloss durch. Verwitterung der här- 
tern und durchsichtigern Partien entstanden seye. —. Soll- 
ten vielleicht die weicheren Stellen längere, die härteren 
hingegen nur kürzere Zeit der Einwirkung von Kupfer- 
haltigen Dämpfen ausgesetzt geblieben seyn® | 
7) Ein Kupferlasur-artiges Mineral von der In- 
sel Saline, ebenfalls einem der Ziparischen Eilande. Es fin- 
det sich in sehr kleinen Krystallen,, welche schiefe rhombi- 
sche Säulen zu seyn scheinen, deren stumpfe und spitze 
Ecken abgestumpft sind. Bei einigen ist diese, Abstumpfung 
beinahe zur Schärfung über P fortgeschritten. : Farbe Smalte- 
blau ins ‚Berlinerblaue übergehend. Einige. Kirystalle sind 
theilweise oder ganz Span-grün. gefärbt, als ob eine ‚partielle 
oder. vollständige Umwandlung. in Malachit Statt ‚gefunden 
hätte... Auch. besitzen. nur, wenige,.der..blaugefärbten., Kry- 
stalle. den. .der'Kupfer-Lasur. zuständigen Glasglanz;; 'die, .mei- 
sten. haben. ein ‚mattes- Aussehen;; als: 'ob., sie ‘der, Wirkung 
saurer Dämpfe Ausgesetzt, gewesen....Die. chemischen.‚Kenn- 
zeichen :derselben sind folgende :,..1 4.1 2.0 114 l ala dom A. 
oihlns Chlorwasserstoff- Säure;mit Brausen: Könbitg; im'Kol- 
ben 'wiel, ‚Wasser ’gebend! und. schwarz; werdend; wor dem 
Löthrohre,auf Kohle die; Flamme | einen :Augenblick,,blau und 
grün färbend ‚leicht und; mit. einigem Aufwallen! zur. Eisen- 
sehwarzen, metallischglänzenden, dem’ Magnete nicht folg- 
samen Kugel schmelzend, die.nach dem. Erkalten. braunroth 


521 


erscheint. Mit Soda gibt diese Kurgel ein Kupfer-Korn, (Sollte 
die Färbung der Flamme von mechanisch beigemengtem Chlor- 
Kupfer herrühren?) Mit Soda auf Kohle im BReduktions- 
Feuer behandelt: befeuchtetes Silber nicht schwärzend, also 
keinen Schwefel enthaltend; mit Borax und mit Phosphor- 
Salz im Oxydations-Feuer grünlichblaue durchsichtige Gläser 
gebend, welche im Reduktions-Feuer braunroth und undurch- 
siehtig werden. 

Beibrechende Substanzen sind: Ein derbes, dunkelbrau- 
nes, fettigglänzendes, undurchsichtiges und ein unvollkom- 
men Trauben-förmiges, stark durchscheinendes, Gras-grünes 
Mineral, welche beide den damit gemachten Versuchen zu- 
folge hauptsächlich aus viel Kiesel-Erde, Wasser und Kupfer- 
Oxyd zu bestehen scheinen. Im ersten ist überdiess noch 
eine geringe Quantität von Eisen-Oxyd vorhanden. — Das 
beschriebene Kupferlasur-artige' Mineral findet sich auf einem 
eisenschüssigen vulkanischen Gestein. 


Durch die in Karsten’s Archiv, Bd. 15, 1841 erschie- 
nene geognostische Beschreibung der Insel Elba von Herrn 
A. Kranz veranlasst, die in meiner Sammlung befindlichen 
‚Mineralien von diesem Eilande neuerdings zu durchgehen, 
fand ich eine kleine Gruppe von Lievrit-Krystallen, de- 
ren Flächen stellenweise mit ganz kleinen Tropfen eines Eisen- 
schwarzen, glänzenden Manganerzes (Psilomelan$) bedeckt 
sind. — Diese Tropfen geben mit Borax ein klares, röthlich 
Amethyst-farbiges Glas und: mit Soda auf Platin- Blech be- 
sonders unter Zusatz von Salpeter starke Mangan-Reaktion. 
Der Lievrit gibt zwar auch eine solche; allein sein Gehalt 
an Mangan ist nicht bedeutend genug, um dem Borax-Glase 
Amethyst-Färbung zu ertheilen. Überdiess lassen sich die 
beiden Substanzen schon den äussern Kennzeichen nach leicht 
von einander unterscheiden. Ich erhielt dieses Exemplar im 
Oktober 1833 vom Mineralien-Comptoir in Heidelberg. — 
‚Des Vorkommens von Manganerz mit Lievrit ist meines Wis- 
sens bis jetzt noch nirgends erwähnt worden. 

Jahrgang 1842. 34 


522 
' Von Schweilzischen Mineralien , wei ich. Harlalıch 


erhalten habe, erlaube ich mir anzuführen: u... 

1) Apatit: in kleinen, Tafel-förmigen, REP TEEN 
sehr complizirten Krystallen, von ausgezeichnet starkem Glas- 
glanze. Die Krystalle sind theils des Verwachsenseyns mit 
den begleitenden Substanzen, theils der Kleinheit ihrer Flä- 
chen wegen mit Gewissheit nicht näher zu bestimmen. Zu- 
weilen sind dieselben mit einer dünnen, theils graulich und theils 
gelblich-weissen krystallinischen Rinde bedeckt, die mit den 
Säuren braust. Ich habe diesen Apatit auf nassem und trocke- 
nem Wege geprüft. Beibrechende Mineralien sind: Eisen- 
“ spath in kleinen, braunen, primitiven Rhomboedern; grau- 
liehweisse ins Gelbliche stechende, durchsichtige Bergkry- 
stalle der varıete prismee, wovon die grössten ungefähr 3 
lang und 2°" dick sind. Ausser den gewöhnlichen Säulen 
und Zuspitzungs-Flächen lassen sich ‘an diesen Krystallen 
auch noch Rhomben-Flächen wahrnehmen. ‘Ferner ‘kleine 
schwärzliche, Nadel-förmige, zuweilen mit Endflächen ver- 
sehene Rutil-Krystalle. Das Muttergestein ist ein Silber- 
weisser, stellenweise durch Eisenoxyd -Hydrat gelblichbraun 
gefärbter dünnschiefriger Glimmer-Schiefer und der Fund- 
ort das Tawetscher-Thal in Graubündten. 

Es ist diess ein mir bis jetzt unbekanntes Vorkommen 
‘des Apatits, und ich kenne keinen andern Schweilzischen 
Fundort, dessen Krystalle einen so hohen Grad von Durech- 
siehtigkeit und so ausgezeichnet starken Glanz besitzen. 

‚2) Sehwarzer Turmalin: in Nadel-förmigen, nicht 
näher bestimmbaren Krystallen, mit Feldspath, Glimmer, 
Chlorit und einem Kalk-artigen, dünnen, Rinde-förmigen 
Überzug, auf stellenweise etwas verwittertem, derbem Eisen- 
spath, von der Südseite des @oflhards. — Dieses Vorkommen 
des Turmalins auf kohlensaurem Eisen-Oxydul war mir bis 
jetzt unbekannt. url 

3) Anatas: in sehr kleinen, aber deutlichen, dunkel- 
blauen, glänzenden Krystallen. Es sind meistens primitive 
quadratische Oktaeder mit abgestumpften Scheitelkanten. 


3253 


Begleitende Substanzen sind: grössere und kleinere, voll- 
ständig ausgebildete, graulichweisse Kalkspath-Krystalle der 
variete dodecaedre raccoureie ; zwei Gruppen innig mit einan- 
der verwachsener, theils bunt angelaufener, theils mit einer 
Rinde von Eisenoxyd-Hydrat bedeckter Eisenkies - Würfel, 
wovon die grössere ungefähr 6° im Durchmesser hat; fer- 
ner kleine, gelblichweisse, durchscheinende Adular-Krystalle 
der variete ditetraedre; wenig Silber-weisser Glimmer und 
Brauneisen-Ocker. 
04) Anatas: in kleinen Eisen-schwarzen Krystallen der 
‚Kernform, mit ganz kleinen, an der Oberfläche in Eisenoxyd- 
Hydrat unigewandelten Eisenkies-Krystallen, deren Form die 
Kombination des Hexaeders mit dem gewöhnliehen Pyritoeder 
zu seyn scheint. Die Flächen des Hexaeders sind sehr vor- 
herrschend. Diese Anatas- und Eisenkies-Krystalle sind auf 
eine kleine Gruppe von Bergkrystall aufgewachsen. — Die 
beiden so eben beschriebenen Exemplare von Anatas sind im 
Tawelscher-Thale gefunden worden. Es sind mir wenigstens 
neue, bisher unbekannte Vorkommen, und ich entsinne mich 
auch nicht, dass bis jetzt des Eisenkieses als Begleiter des 
Anatases irgendwo erwähnt worden wäre. | 

5) Antimon-Glanz: in Blei-grauen, krystallinischen 
Massen, mit blättriger Struktur, auf Quarz, aus dem Scham- 
ser-Thale in Graubündten. Das Schwefel - Antimon scheint 
übrigens hier nur sparsam vorgekommen zu seyn, denn aus- 
ser meinem Exemplare, das aus der Sammlung von J. J. 
SCHEUCHZER, des seiner Zeit berühmten Verfässers“ der Na- 
turgeschichte des Schweizerlandes“ herstammt, ist mir bis 
jetzt nur noch eines bekannt, das in der hiesigen städtischen 
Mineralien-Sammlung aufbewahrt wird. — Im Kataloge der 
Scueucnzer'schen Sammlung heisst es von meinem Stücke: 
„Nr. 1195 Antimonium ex vulle Sessamin«.“ Ferner führt 
Bernourtı in seinem Taschenbuche für die Schweilzische 
Mineralogie, 8. 216, Ponte Tresa am Luganer-See als Fund- 
ort des Schwefel- Antimons an. Ich habe jedoch von die- 


sem Orte noch kein Exemplar zu sehen Gelegenheit gehabt. 
34: 


>24 


Überhaupt scheint dieses Erz in der Schweilz nur. salten und 
sparsam vorzukommen.' ' 

6) Eisenkies: in sehr ia aber. a er 
stallen, deren Oberfläche in ‚Eisenoxyd-Hydrat umgewandelt 
ist. Es sind Pentagon-Dodekaeder entgipfelkantet und ent- 
seheitelt mit vorherrschenden Dodekaeder- Flächen (Fer sul- 
fure cubo-icosaedre), oder die Kombination des gewöhnlichen 
Pyritoeders mit dem Hexaeder und dem Oktaeder. a 

Begleitende Substanzen sind: Graulichweisse. ins. Gelbe 
stechende, Schilf-förmige, kurze Krystalle von Grammatit 
ohne Endflächen und lichte bläulichweisser krystallinischer 
Kalkspath.. Das Rluttergestein ist ein feinkörniger, ‚gelblieh- 
weisser Dolomit, und der Fundort Campo END 
grande im en Tessin. A 

Unter mehren Exemplaren Samroliuhe vom Monte Cam 
pione bei Faido im Kanton Tessin, welche ich Anfangs die- 
ses Jahres zu kaufen Gelegenheit: hatte, befindet sich eines 
mit dem. ungefähr 5‘ ‘langen und 34 breiten Bruchstücke 
eines dünnen, durchsichtigen, graulichweissen. Disthen-Kry- 
stalls, welcher einen noch dünnern, dunkel bräunlich-rothen 
Staurolith-Krystall der varsete unibinaire mit. vorherrschen- 
der Entscharfseitung als Einschluss enthält, wovon aber nur 
das eine Ende sichtbar: ist. 7 BR | 

Durchwachsungen. dieser beiden Substanzen sind) wie 
bekannt, ziemlich häufig; die so eben erwähnte Art ihrer 
Verbindung aber war mir bis jetzt unbekannt. | 

Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir zu bemerken, 
dass ich bis jetzt an den Zwillingen des Schweilzischen 
Stauroliths noch ‚niemals rechtwinkelige Durchwachsungen 
beobachtet habe, sondern. immer. nur schiefwinkelige, und 
ich habe doch schon ‚recht viele solehe Hemitropie'n gesehen. 
— Bei. dem Staurolith aus Bretagne scheinen.\hingegen. die 
rechtwinkeligen Durchwachsungen vorherrschend zu seyn.,,. 

Von dem bekannten, sogenannten Hyazinth-Granat 
von, Disenlis, der sich aber nach Lusser am Berge Zolen 
im Magis, einem auf der Grenze von Urs liegenden Bündtner- 


Thale findet, erhielt ich kürzlich eine Druse, ander ich 
eine mir bemerkenswerth scheinende Beobachtung machte. 
Es finden sich nämlich neben (den gelblichbraunen ins Röth- 
liche stechenden, glänzenden, durchscheinenden Granat-Kry- 
stallen von ungefähr 21“ Durchmesser — welche dreifach 
entkantete Rauten - Dodekaeder sind — einige schwärzlich- 
grüne, matte oder blass-schimmernde, undurehsichtige weiche 
Krystalle genau von der gleichen Form und Grösse wie die 
gelblichbraunen. ' Dieselben bestehen ganz aus einer Chlorit- 
artigen Masse, welche vor dem Löthrohre in der Platin- 
Zange zur Eisen-schwarzen, matten, dem Magnete folgsamen 
Kugel schmilzt. — Im Kolben gibt sie Wasser; in Borax 
ist sie langsam lösbar zu’ klarem, stark von Eisen gefärbten 
Glase, welches nach dem Erkalten farblos wird. In: Phos- 
phor-Salz ist sie nur in geringer Menge lösbar zu klarem, 
stark von Eisen- gefärbtem Glase, welches ein bedeutendes 
Kiesel-Skelett umschliesst. In Soda auf Platin-Blech ist sie 
nicht lösbar, und selbst unter Zusatz von Salpeter zeigt sie 


keine Mangan - Reaktion. 


Ich bin sehr geneigt, diese schwärzlichgrünen, weichen 


Krystalle für Umwandlungs-Pseudomorphosen zu hal- 
ten; denn es befindet sich dabei ein Krystall, an welchem ein 
kleiner Theil desselben sich noch in seinem ursprünglichen 
Zustande befindet, d. h. gelblichbraun, glänzend, durchschei- 
nend und hart ist, während der grössere Theil aus der so 
eben erwähnten weichen, Chlorit-artigen’Substanz besteht *). 


Die gelblichbraunen Granat-Krystalle von diesem Fund- 


orte zeigen zuweilen noch eine andere Eigenthümlichkeit, 
nämlich die, dass ihr Kern aus Asch-grauem ins Blaue ste- 
chendem, durchscheinendem, gläsartig-glänzendem krystal- 
linischem Epidot besteht. — Die Substanz des Kerns, 
schon dem äussern Ansehen nach von derjenigen der mehr 
und ‘weniger dieken 'umhüllenden Rinde verschieden, zeigt 


*) Leonsarp’s Handbuch von 1826 erwähnt S. 445 solcher Umbil- 
dungen aus Granat-Krystallen von Bergmannsgrün und Breiten- 
brunn im Erzgebirge. 


526 


auch ein anderes Verhalten vor dem Löthrohre, indem jene 
in der. Platin-Zange mit Schäumen zu einer Blumenkohl- 
ähnlichen Masse von gelblicher, bei fortgesetztem Blasen 
dunkler werdender, Farbe anschwillt, während diese ruhig 
zu einem dunkelbraunen, glänzenden, durehscheinenden, dem 
Magnete nicht folgsamen Glase schmilzt. h 

Die begleitenden Substanzen dieses Granats sind: Kry- 
stallinischer, graulichweisser Kalkspath und. Quarz; Asch- 
grauer ins Blaue stechender Epidot; selten ganz kleine, grau- 
lichgrüne, durchscheinende Krystalle, die ich für Diopsid 
zu halten geneigt bin. | | | 

Eine ähnliche Art von Abnormität an Krystallen des 
hexaedrischen Eisenkieses, wie sie Suckow an denjenigen 
von Lobenslein beobachtet und im Journ. f. prakt. Chemie, 
Bd. XXIV, 1841 beschrieben hat, kommt auch an tesseralen 
Eisenkies-Krystallen vom Gollhardt vor. ers 

Mehre solche Krystalle von verschiedener Grösse, deren 
Oberfläche in Eisenoxyd-Hydrat umgewandelt ist, sind be- 
gleitet von Braun-Eisenocker, grünlichem und Silber-weissem, 
dünnsehiefrigem Talk, auf graulichweissen, unvollkommen 
krystallisirten Quarz aufgewachsen, | 

Der grösste dieser Eisenkies-Krystalle ist ungefähr zu 
lang, 3‘ breit und schwach 4 diek. Es ist die Kombina- 
tion des Hexaeders mit dem Oktaeder; allein. vier Flächen 
des Hexaeders — wovon zwei sich gegenüberstehende un- 
gefähr 3“, die beiden andern hingegen nur schwach 4" breit 
sind — sind in der Richtung seiner Hauptaxe dergestalt ver- 
längert, dass der Krystall wie eine enteekte, gerade, rektan- 
guläre Säule aussieht. Die Zeiehen dieser cheats einund- 
einaxigen Form nach NAumann wären: 

aPm. oPa. P. oP. 

Das beschriebene Exemplar befindet sich in meiner Samm- 
lung und ist bis jetzt das einzige, an welehem ieh diese Er- 
scheinung zu beobachten Gelegenheit hatte. 

Der Güte eines meiner hiesigen Freunde verdanke ich 
ein Stück Blätterkohle aus den Gruben von Käpfnach bei 


327 


Horgen am linken Ufer des Züricher- See's, welches ausge- 
zeichnet schöne und deutliche parallelepipedische Zerklüftung 
wahrnehmen lässt. Das Stück ist ungefähr 3° lang, 2 breit 
und 12‘ dick. Es ist der Länge nach in zwei gleiche Hälf- 
ten gespalten, die genau auf einander passen, und jede der- 
selben besteht aus vier unter sich parallelen Reihen von vier 
wenig geschobenen, ungefähr 7'' langen und 5‘ breiten 
Parallelepipeden. Es ist bis jetzt das einzige Exemplar von 
diesem Fundorte, an welchem ich eine. solche regelmäsige 
Zerklüftung wahrgenommen habe. 

Die bei den beschriebenen Mineralien angeführten Di- 
mensionen sind alle nach Neu-Schweilzer Maas bestimmt, 
der Fuss zu 10 Zoll, 


Monographie 
; der | 
Rügen schen Kreide - Versteinerungen, 
Ill. Abtheilung: Moll at 


von 
Hrn. Dr. FRIEDR. v. HAGENOW. 
(Vergl. Jahrb. 1839, 253 — 296 und 1840, 631 — 672.) 


_ UN ET ni 


Hiezu Tafel IX. 


Sn 


— . 


Nicht zu beseitigende Hindernisse haben abermals die Fortsetzung 
der Monographie verzögert, welche auch mit diesen Bogen noch nicht 
abgeschlossen ist. Es bleiben nun noch die Krustazeen- und Fisch- 
Reste zu beschreiben übrig und einige Nachträge zu den ersten beiden 
Abtbeilungen, welche schon in einem ae nächsten Hefte des Jahrbuchs 

nachfolgen werden. 

Zur Erläuterung des Inhaltes dieser Bogen habe ich wenig zu sa- 
gen; ich wünsche nur, dass auch diese Mittheilungen zur näheren Kennt- 
niss des Norddeutschen Kreide-Gebirges ein Scherfehen beitragen 
mögen. Auch die hier aufgezählten Geschlechter sind mit dem grössten 
Fieisse und mit möglichster Vorsicht bearbeitet und aus vielen derselben 
noch Stücke zurückgestellt worden, deren Bestimmung mir zu zweifel- 
haft erschien; ich zweifle indess nicht daran, dass Hr. Roemer, wenn 
derselbe mir einmal das Vergnügen seines Besuches schenken wollte, 
auch unter diesen Stücken noch manches Neue und Brauchbare 
‘für etwaige Nachträge zu seinem jüngsten Werke herausfinden und aus- 
serdem die Überzeugung mitnehmen würde: dass es besser gewesen 
sey, er babe meine Sammlung noch vor der Herausgabe seines Kreide- 
Werkes gesehen. Es dürfte dann z. B. nicht bloss die vorgenommene 
Zersplitterung der Celleporeen in 5 Geschlechter unterblieben und höch- 
stens nur eine Vertheilung derselben in Familien — nach den von dem 


529 


Hın. v. Buch bei den reichhaltigen Geschlechtern der Terebrateln 
und Ammoniten angewandten Prinzipien — geschehen seyn; auch die 
in seinem Werke mir zum öfteren aufgebürdeten Irrthümer und Ver- 
wechselungen u. s. w. würden dann bei dem Vergleiche meiner reich- 
haltigen Suiten, von welchen ich dem Hrn. Rozmzr der Zeit nur Weni- 
ges und zum Theil Beschädigtes ablassen konnte, wohl so ziemlich alle 
als richtig anerkannt worden seyn, in so fern ich sie durch beigefügte 
Fragezeichen nicht schon selbst als unsicher bezeichnet hatte. Ins De- 
tail hierüber mich einzulassen, wäre weder dem Raume noch dem Zwecke 
dieser Blätter angemessen; diese allgemeinen Andeutungen glaube ich 
indessen den Forschern, welche meine Notizen etwa benutzen möchten, 
und auch zu meiner Rechtfertigung mir selbst schuldig zu seyn; sie be- 
treffen jedoch nur die erste Abtheilung meiner Monographie ; die zweite 
erschien, während Hın. Rormer’s ‚Werk unter der Presse war, und in 
dieser dritten Abtheilung wird man mein auf sorgfältige Beobachtungen 
begründetes Urtheil über die von Hrn. Rormer aufgezählten Mollusken 
aus hiesiger Kreide an den betreffenden Stellen finden. 

Schliesslich habe ich mich noch über einige bei den Mollusken ge- 
brauchte Bezeichnungen zu erklären. 

Indem ich mir nämlich das Thier als von mir abwärts krie- 
chend und mich es in vertikaler Ausicht beschauend denke, er- 
läutern sich die Ausdrücke: vorn, hinten, oben, unten, rechte und linke 
Schaale oder Seite von selbst; die Entfernung vom Schlosse zum unte- 
ren Rande ist die Länge; diejenige zwischen dem vorderen und hin- 
teren Rande hingegen die Breite*). Bei den Terebrateln ist die Be- 
zeichnung des Hrn. v. Buck befolgt. Alles Übrige wird verständlich seyn. 


IV. WMollusken. 
A. Brachiopoden. 


1. Cranıa Bemivs. 


1) Cr. Nummulus Lamk., Horsıneu. Monogr. Fig. 5. 
Eine freie, ziemlich ausgewachsene untere Schaale, welche 
' etwas abgerieben und desshalb nur zweifelhaft zu bestimmen 
seyn würde, wenn nieht die hinteren doppelten und die 
Schaale durchbohrenden Muskel-Gruben entscheidend wären. 
— Von Barth. 

29) Cr. antiqua Derr., Hoznınan. Fig. 6, a—g. Sehr 


*) Nach dieser Art zu messen wäre eine Schlange sehr kurz und sehr; breit! Auch 
stehen diese zwei Bezeichnungs-Weisen mit der übrigen Terminologie des Hrn. Vfs. 
im Widerspruch. BERYDL AR. 


330 


selten; es sind von Rügen nur 2 schöne untere Schaalen — 
die eine frei, die andere mit der ganzen Fläche auf einem 
Belemniten angewachsen — und von Barlh 3 freie, etwas 
abgeriebene Unter-Schaalen vorhanden. 

3) Cr. parisiensis Derr., Hornınen. Fig. S. a, b. 
Eine hübsche und instruktive Suite mit der ganzen Fläche 
auf Belemniten und anderen dünnen Schaalen angewaehsener 
oder grösstentheils junger Exemplare — in welchen ersten ich 
früher Cr. Nummulus zu erkennen glaubte — zeigt die ver- 
sehiedenen Ausbildungs-Perioden dieser Art sehr deutlich, 
Zuerst erscheint eine zarte Ring-förmige, oberwärts gerade 
abgestutzte, sehr poröse Erhebung, welche mit dem Umfange 
zugleich an Höhe zunimmt. Erst nach und nach wird auch 
die innere Fläche mit einer schwachen und porösen Schichte 
bedeckt, welche von vorne nach hinten nachwächst. Dann 
erscheinen hart am hinteren Rande die ersten Spuren der 
hinteren Muskel-Gruben, und, erst wenn diese mit einem 
ziemlich hohen Rande umgeben sind, wird auch die Grube 
‚der vereinigten vorderen Muskeln bemerkbar, und es zeigt 
sieh zugleich nahe am Limbus die erste Andeutung des kamm- 
artigen Scheiben-Eindruckes. Diese Ausbildung haben nur 
3 Exemplare erlangt, deren grösstes erst 4" lang ist und 
also noch nicht die Hälfte des von Hornıneuaus abgebildeten 
Exemplares erreicht hat, indem, wie es scheint, der Kreide- 
Niederschlag sie zu frühe begrub und tödtete. Das Nach- 
wachsen der ganzen Schaale geschieht sehr häufig seitwärts, 
wodurch sie ein schiefes, verschobenes Ansehen gewinnt. 
Obere Schaalen wurden noch nieht gefunden, obgleich diese 
Art nicht eben selten ist. | | 

4) Cr. eostata Sow., HornıncH. Fig. 11 die untere 
Sehaale; unsere Fig. 1 die obere Schaale. Kommt am häufigsten 
vor: die oberen Schaalen jedoch viel seltener als die unteren, 
welche sämmtlieh frei sind. Äusserlich sind beide 
Schaalen einander so ähnlich, dass sie im geschlossenen Zu- 
stande, wovon mehre Exemplare vorhanden sind, gar nieht 
zu unterscheiden seyn würden, wäre es dieser Art nicht 


531 


eigenthümlich, ‘dass die beiden Seitenränder der unte- 
ren ’Schaale sich allemal etwas nach oben biegen, 
dagegen bei der oberen Schaale stets etwas zurück- 
treten. Die hinteren Muskel-Narben der bisher nicht 
beschriebenen oberen Schaale sind oval-konvex, die vorde- 
ren aber oval-konkav, nach einwärts mit einem hohen schar- 
fen Rande begrenzt, durch eine breite Kerbe weit getrennt 
und unterhalb der Mitte liegend. Die beiden Begrenzungs- 
Ränder vereinigen sich tief unten, nahe am Limbus,, zu einem 
schwachen Schnäbelehen. Die Eindrücke der Scheibe sind 
Halbmond-förmig und mit abgerundeten Spitzen auswärts 
gerichtet. Der Limbus ist zart gekörnt. An keinem der 
(über 100) vorhandenen Exemplare ist ein Anheftungs-Punkt 
bemerkbar. | | 

5) Cr. striata Derr. Hossınan. Fig. 10, Zwei schöne 
freie Unter-Schaalen vom Barther Schlossberge. 

6) Cr. barbata nob., Fig. 2. Drei ganz gleiche Exem- 
plare der unteren Schaale, deren eines einen breiten An- 
heftungs-Punkt zeigt, nebst einer schönen oberen Schaale; 
alle von Rügen. Wie die folgende Art sich der Cr. costata 
nähert, eben so ist es mit dieser und der Cr. striata der 
Fall, in so fern es die Gestalt und die gerippte Aussenseite 
betrifft. Im Innern zeigen jedoch beide Schaalen eine ab- 
weichende Bildung, indem die hinteren oval-konvexen Nar- 
ben der Unterschaale sehr nahe am hinteren Rande, 
und die vorderen mit ihrem Schnäbelchen nahe daran auf 
der Gränze des ersten und zweiten Dritteis der 
Länge liegen und am unteren Rande in einen dreieckigen 
spitzen Kiel, einem herabhängenden Barte (einem sogenann- 
ten Wallensteiner) vergleichbar, auslaufen, der jedoch nur 
die Grenze des zweiten Drittels der Schaalen-Länge erreicht 
und mit der. Kerbe der Oberschaale korrespondirt. Die 
Eindrücke der Scheibe sind an jeder Seite vierstrahlig. Die 
hinteren Narben der Oberschaale sind rund-konvex; die 
vorderen länglich-konkav und nach innen durch zwei vor- 
springende Höcker getrennt, zwischen welche sich eine tiefe 


332 


Kerbe herabsenkt, die unterwärts gespalten, nach beiden 
Seiten divergirend, schwach ausläuft und durch eine Lippen- 
förmige @ueerleiste begrenzt wird. Der Eindruck der Schei- 
ben besteht in einer schmalen @ueer-Vertiefung, die an bei- 
den Enden gabelig gespalten ist. Die Innen-Fläche beider 
Schaalen ist äusserst zart ausstrahlend gerippt, und es laufen 
diese Rippehen am inneren Rande des Limbus, der schmal 
und im Übrigen glatt ist, in eine Beer Reihe kleiner ag 
chen aus. | 

Bestimmt unterscheidet sich diese Art von Cr. seriher 
dadurch, dass die Unter-Schaale am vorderen und hinteren 
Rande aufwärts gebogen ist, die beiden Seitenränder 
jedoch zurücktreten. Bei Cr. striata findet gerade das 
Gegentheil Statt. Auch zeichnet sich die Oberschaale 
durch einen rings um den Rand vortretenden glatten Sanın 
aus, welcher in eine verhältnissmäsig tiefe Einsenkung 
des Randes der Unterschaale eingreift. — Länge 21, 
Breite 24. 

7) Cr. larva nob., Fig. 3. Eine untere Schaale von 
Rügen und eine ‚obere von Barth; beide sind schwach ge- 
wölbt, rund und nur nach hinten etwas stumpf verlängert. 
Der Scheitelpunkt liegt bei beiden nahe oberhalb der Mitte, 
von welchem 14—16 knotige Rippen ausstrahlen, die am 
“Rande zart gezackt vorspringen und zwischen welehe sich 
einige kürzere einschieben. Nie breiten Zwischenräume sind 
flach und mit kurzen dornigen Rippchen besetzt. — Der 
Limbus ist sehr breit, flach und zart gekörnt. Die hinteren 
Muskel-Narben der Unter-Schaale sind kreisrund-konvex; die 
vorderen, welche fast genau in der Mitte liegen und von 
einem kleinen Schnabel getrennt sind, eirund. Die hinte- 
ren Narben der Ober-Schaale sind etwas eirund-konvex, die 
vorderen sind doppelt, wovon das obere Paar vertieft ist 
und ziemlich getrennt genau in der Mitte der Schaale liegt; 
sie sind einwärts von einem im Winkel gebogenen Rande, 
auswärts aber durch ein erhabenes dreieckiges Läppehen 


533 


begrenzt — Das untere, ebenfalls vertiefte, längliche Paar 
liegt nahe beisammen in einer abgestumpft Schnabel-fürmigen 
Erhebung, welche abwärts Bart-förmig zugespitzt ausläuft. 
Eindrücke der Scheibe sind nicht bemerkbar; eben so wenig 
ein Anheftungs-Punkt. Das grössere Exemplar 24 bis 3 
lang und breit. _ | 

8) Cr. leonina nob., Fig. 4. Abgerundet dreieckig, 
fast Halbkreis-förmig , hinten in der ganzen Breite schwach 
gebogen und abgestutzt. Das eine vorhandene Exemplar 
scheint eine Oberschaale zu seyn, deren Scheitel fast genau 
in der Mitte der Schaale liegt, und von welchem zahlreiche, 
starke, scharfe Rippen gedrängt nach dem Rande ausstrah- 
len, über den sie scharfzackig vortreten. — Die innere Bil- 
dung hat auffallende Ähnlichkeit mit einem Löwenkopfe, wie 
man ihn als Schild-Blättchen geprägt, mit einem Ringe im 
Maule, allgemein kennt. Die hinteren Narben-Gruben sind 
sehr gross, fast eirund und tief-konkav; die vorderen schei- 
nen aus zwei Spalten eines Lappens hervorzutreten, der 
Hauben-förmig herabhängend und scharf längsgekielt den 
vorderen Rand der Schaale fast berührt. Der Limbus ist 
vorne sehr schmal, hinten hingegen sehr breit, ringsum ge- 
körnt und mit einem glatten Rande eingefasst. 

9) Er. laevis nob. Eine obere Schaale; sie ist un- 
regelmäsig rund, aussen glatt, mit. schwach angedeuteten | 
Wachsthums-Streifen. Der Scheitel-Punktliegt nahe oberhalb 
der Mitte. Die Innen-Fläche und der Limbus sind glatt, 
die hinteren Muskel-Narben elliptisch-konvex, nahe am Rande 
liegend und durch eine schwache Erhebung der Schaale ge- 
trennt. Die vorderen Narben sind durch einen lang herab- 
hängenden, unten, abgerundeten, etwas gekielten Lappen 
getrennt, der oberwärts der Narben . gespalten in zwei 
Haken - förmigen Leisten divergirt. An der Aussenseite 
sind die Narben durch einen scharf vortretenden Halbmond- 
förmigen Rand begrenzt, Es sind nur zwei Exemplare vor- 
handen. 


534 
2. Terebratula Bruce. 
(a. Conecinnae v. Bucn.) | 


4) T. gallina An. Bronen., Zeihaea xxx, S. Nur in 
einem beschädigten Exemplare vorhanden, welches noch et- 
was grösser ist, als die angeführten Abbildungen a und b; 
auch der Sinus ist tiefer eingebuchtet. | - 

3) T. plieatilis Sow. 218, 1; besser: Leihen, 9. 
‘Ein Feuerstein-Kern, bestimmt hieher gehörend, von Rügen; 
ferner zwei ausgewachsene und ein junges Exemplar von Barth. 

3) T. oetoplicata Sow. 118, 2 — T. retraeta Rom. 
Kr. Geb. vı, 2. Die vorhandenen (etwa 40) Exemplare 
sind fast alle gleich gross und weichen nur in der Anzahl 
der Sinus-Falten zwischen den Extremen 2 und 10. ab; 
gewöhnlich sind deren 7 bis 9 vorhanden. 

4) T. subplieata Mast. xxvı, 5, 6, 10. Diese Ak 
wird eben so häufig gefunden wie die vorige, welcher sie 
im Allgemeinen ähnlich ist, aber höchstens nur eine Breite 
von 7 und eine Länge von 51‘ erreicht. Die gewöhnliche 
Länge ist 44'" und die Breite 53. Ausgewachsene Exem- 
plare ‘sind fast eben so dick wie lang. Äusserer Umfang 
regelmäsig oval, hinterwärts durch den vortretenden Schna- 
bel und vorne durch den ein wenig eintretenden‘ Sinus be- 
grenzt. Das Längen-Profil bildet einen Kreis-Bogen, dessen 
Steigung am Schlosse fast vertikal ist und dessen höchste 
Erhebung hinter dem vorderen 4 der Länge liegt. @ueer- 
Profil: abgerundet-dreieekig mit wenig gewölbter Basis, welche 
fast doppelt so lang ist, wie die Höhe; die Wulst wird 
erst am Stirn-Rande bemerkbar. Bei abgehobener Ventral- 
Schaale bilden die Ränder der Dorsal-Schaale eine horizen- 
tale Ebene, über welche der scharf zugespitzte Schnabel 
nur sehr wenig, desto mehr aber die Einbiegung des Sinus 
emportritt. Der Schlosskanten - Winkel beträgt 120°, der 
Übergang der Schloss-Kanten in die Rand-Kanten geschieht 
wegen der allgemeinen Rundung völlig unmerklich; eben so 
gehen diese in die Stirn-Kante über, die einen schmalen, 


3355 


aber bei ausgewachsenen Exemplaren sehr hohen Sinus zeigt, 
dessen Falten zwischen 2 und 7 abwechseln. Die Dorsal- 
Schaale ist nur schwach konvex und der Sinus bildet sich 
erst hinter der Hälfte der Länge mit einer schroffen Bie- 
gung, fast rechtwinkelig. Die Schaalen sind durchaus glatt 
und nur an den vorderen Rändern treten an jeder Seite 
des Sinus sieben, selten mehr Falten, gewöhnlich hinter 
einem scharf-markirten Anwachs-Ringe bestimmt und scharf- 
gezahnt hervor. Die jungen Schaalen, welche in der Regel 
nur wenig kleiner als die ausgewachsenen sind, erscheinen 
nur schwach gezahnt, mit kaum bemerkbaren Spuren der 
sich bildenden Falten und einer sehr geringen Einbiegung 
des Sinus. Es ist eine fast durchgängig sich zeigende Ei- 
genschaft der hiesigen Exemplare, dass in der Stirn-Ansicht 
der Sinus und sein korrespondirender Wulst allemal etwas 
nach einer Seite, öfter rechts als links verschoben ist, wo- 
durch der eine Flügel immer grösser ist, als der andere. 
In meinem ganzen Vorrathe, aus etwa 50 Exemplaren. be- 
stehend, findet sich kein einziges mit ganz regelmäsig ge- 
bauten Schaalen. Es fehlt diese Spezies zwar in Herrn 
v. Buc#s Verzeichniss, es ist jedoch diejenige, deren bei 
Beschreibung der T. Mantelliana (Terebrateln, S. 53) als 
von Rügen stammend am Schlusse erwähnt wird. 

5) T. Pisum Sow. 536, 6, 7; Leth. xxx, 7. Da es 
Manchen noch zweifelhaft ll, ob T. Pisum eine reine 
Art, dieselbe vielmehr identisch mit T. octoplicata sey, so 
dürften nachstehende Beobachtungen dazu dienen, die An- 
sicht Sowergy’s und Anderer zu bestätigen. — Beide Arten 
haben ‘allerdings im Allgemeinen eine grosse Ähnlichkeit, 
doch unterscheiden sie sich 1) durch ihre Grösse, in wel- 
cher T. Pisum etwa um die Hälfte hinter T. oectoplieata 
zurückbleibt. Übergänge finden sich nieht, und es. bleibt 
zwischen beiden eine Lücke, welche durch die äusserst 
seltenen jugendlichen Exemplare von T. octoplicata nicht aus- 
gefüllt wird, die man auch augenblicklich erkennt. Dass 
aber die hiesigen Exemplare von T. Pisum ihr höchstes 


386 


Alter und ihr grösstes 'Wachsthum "auch: erreieht "haben, 
ergibt sich deutlich und bestimmt aus den Falten und den 
sie durchkreutzenden Anwachs-Ringen. Letzte’'werden gegen 
die Stirn hin allmählich schmäler und hören ganz auf, so- 
bald das Individuum in Länge und Breite ausgewachsen ist. 
Dann nimmt die Dicke (Höhe) der Sehnale: hehrdiundilmebr 
zu und es verlängern sich die Zähne demgemäss durch 
schichtweise Überlagerungen; diess geschieht am stärksten 
an den Zähnen des Sinus der Dorsal-Schaale und 
an denen der beiden Flügel der Ventral-Schaale; 
am schwächsten hingegen an den ‘diesen Theilen' entspre- 
chenden Zähnen, ‘wodurch der Sinus bei ganz alten Exem- 
plaren sich‘ sehr tief einsenkt, und die entsprechende Wulst 
dann so sehr emporgeschoben wird, dass das Exemplar 
fast die Gestalt der Pugnaceen annimmt *).' Sobald da- 
her das Aufhören der Anwachs- Ringe auf der Ober- 
fläche der Schaalen bemerkbar wird und die mehr oder 
minder vertikale Verlängerung der Zähne eintritt, wie es 
hier mit beiden fraglichen Arten der Fall ist, dann hat das 
Individuum aufgehört, sich in die Länge und Breite auszu- 
dehnen und nimmt nun rascher wie bisher an Korpulenz 
zu, welches Gesetz bei den meisten, wenn nicht bei allen 
gefalteten Terebrateln anwendbar seyn dürfte, ‘hier aber 
besonders deutlich hervortritt und bemerkbar wird, da die 
Exemplare so leicht und schön von der anklebenden weichen 
Kreide zu reinigen sind. 

Es ist ferner 2) T. Pisum mehr er als breit und aus 
diesem Grunde — und da der Schnabel spitzer als bei T. 
oetoplieata vortritt — ist der Schlosskanten - Winkel ein 
rechter oder kleiner, bei T. octoplicata hingegen, ‘welche 
mehr breit als lang ist, verengt sich dieser Winkel nie bis 
zum rechten; er ist stets mehr oder weniger stumpf. — 


”) Diess scheint Hrn. Rormer verleitet zu haben, in einem von mir 

erhaltenen sehr alten Exemplare von T. octoplicata eine neue Art 

‚zu erblicken: T. retracta, welches auch aus seiner Abbildung 
Nordd. Kreide-Geb, VIT, 2 deutlich zu ersehen ist. 


537 


Es sind 3) die Schloss- Kanten mehr abgerundet wie bei 
T. octoplieata, bei welcher ‘die Area scharfkantiger von der 
Dorsal-Schaale getrennt ist. 4) Erscheint die kleine Öf- 
nung des spitzen Schnabels etwas Röhren-förmig verlängert, 
indem das Deltidium vorgebogen und ein wenig umgekrämpt 
ist. Es ist 5) der Sinus, von der Stirne betrachtet, mehr 
Bogen -förmig gekrümınt. (eingebuchtet), bei T. octoplicata 
ist er hingegen mehr trapezoidal - scharfeckig. Endlich 
6): scheint es mir bemerkenswerth, dass T. octoplieata — 
selbst im jugendlichen Alter — in der Regel immer mit 
einem Feuerstein - Kern gefunden wird,‘ welcher der halb- 
durchsichtigen Schaale einen: bläulich-grünen Schimmer gibt; 
bei T. pisum ist mir diess. noch gar nicht vorgekommen, 
welche stets mit Kreide ausgefüllt, desshalb mehr der Be- 
schädigung durch den Druck ausgesetzt war. 


(b. Diehotomae: v, Buch.) 


6) T. leeellus Derr. in kit. teste Gowor.; T. Faujasii 
Rorm. Kreidegeb. vır, S. Ich behalte den Namen locellus 
bei, indem er die Priorität hat, ein willkürliches Verändern 
der Namen auch nur Verwirrung bringt, die ohnehin gross 
genug ist. Diese und die folgende Art zeigen zwar nur 
ausnahmsweise und nicht an allen Exemplaren gespaltene 
Rippen, aber die Ohren der kleinen Klappe nöthigen, sie 
an die unmittelbar nachfolgenden Arten anzureihen, mit 
welchen sie eine der natürlichsten. kleinen Terebratel-Fami- 
lien bilden. ii 

DT. Gisii n.. Sie ist klein, ihre mittle Länge etwa 
24/%/, fast Kreis-rund oder etwas länglich. Die schwache 
Wölbung der Ventral-Schaale hebt sich vom Schloss-Rande 
zum Buckel rasch empor, ist dort am höchsten und fällt 
dann im zarten Bogen nach den Rändern und der Stirn 
sanft ab. Die Wölbung der Dorsal-Schaale ist mehr als 
zweimal so hoch und bildet im @ueer-Profil einen fast voll- 
ständigen und regelmäsigen Halbkreis. Sie fällt an den 


Schloss-Kanten schroff ab, dort zu beiden Seiten des schwach 
Jahrgang 1812. 35 


338 


produzirenden, wenig gekrümmten Schnabels in kleine Oh- 
ren auslaufend, deren Grösse bei verschiedenen Individuen 
abwechselt, die bei jüngeren Exemplaren aber in der Regel 
im Verhältnisse grösser erscheinen und Flügel-förmiger ab- 
wärts stehen’als bei älteren, wo sie oft kaum zu bemerken 
sind. Bemerkbarer aber bleiben sie an der Ventral-Schaale. 
Der Schlosskanten - Winkel variirt zwischen 70 und. 75°, 
Alle Kanten laufen ununterbrochen Bogen-förmig in einander, 
so dass keine Grenze zu finden ist. Die Oberfläche ist mit 
13 — 15 abgerundeten, sehr regelmäsig vertheilten Falten 
bedeckt, welche nicht dichotomiren und gegen den Rand 
hin an Stärke und Breite zunehmen. Zarte gestrichelte 
Anwachs-Ringe durchkreutzen die Falten und ihre Intervalle 
und bilden sich auf ersten’ zu kleinen Knötchen aus, so 
dass jede Falte einer Perl-Schnur gleicht. Auf den Ohren ' 
ist neben einigen unregelmäsigen Knötchen nur die Anwachs- 
Strichelung bemerkbar. Der nicht über die Schloss-Linie 
hinausgebogene spitze Schnabel hat eine verhältnissmäsig 
grosse Öffnung, welche eine aus der Ventral-Schaale  vor- 
- speingende Buckel - Spitze begrenzt, so dass nur an jeder 
Seite der Öffnung: ein kleiner Abschnitt des fast diskreten 
Deltidiums sichtbar wird. Eben so sind die Abschnitte der 
Area sehr klein. | 

Es führt diese Terebratel, als Denkmal einer dreissig- 
jährigen“innigen Freundschaft, den Namen eines längstver- 
storbenen Deutschen Kern-Mannes; er war gleich achtungs- 
würdig als Mensch, Künstler und Forscher *). . unit 

8) T. striatala Mant. xxv, 7, 8, 12; Sow. 536, 
3,4, 5. | | 

9) T. ehrysalis v. Scnvoru., Fausas Mnt. St. Pierre 
26, 9; Leth. xxx, 6. 


”) Solche „freundschaftliche* Benennungen nach in der Wissenschaft 
unbekannten Personen sind nie, zu rechtfertigen und als ein Miss- 
brauch zu achten. Welche Ehre kanu z. B. Hr. L. v. Bven noch 
darin finden, eine Art T. Buchii genannt zu sehen, wenn jedem 
Unbekannten diese Ehre auch zu Theil würde? Br.’ 


539 


10) T. graeilis v. Scuuorn. , v. Buch Terebr. Fg. 35 
a—d; T. rigida Sow. 536, 2. 


(ce. Loricatae v. Bucn#.) 


11) T. pulchella Nirsson ıı, 14; Rorm. vu, 11, 

...12) T. Humboldtii n., Fg. 5. Der T. coaretata 
(— retieulata) Sow, 312, 1 (grosse Figur links) so ähnlich, 
dass sie auf die Abbildung. gelegt, diese genau deckte. 
Eben so passt die Beschreibung dieser Art von Herrn L- 
y. Buch (Terebrateln, 8. 79, Nr. 7) fast durchgängig und 
weicht nur im Folgenden ab. Der Sinus ist etwas flacher 
und daher die Wulst noch weniger erhoben als bei T. coare- 
tata; auch liegen Area und Deltidium in einer geraden 
Ebene, welche sich mit dem langen, spitzen, sehr fein 
durchbohrten Schnabel etwas krümmt und mit dem Rücken 
der Schaale ganz scharfe Kanten bildet, was bei 
jener, wegen der etwas seitwärts abfallenden Area, nieht 
der Fall ist. Die Rippen dichotomiren vielfach; man zählt 
deren am Rande 25, wovon 10 auf jeden Flügel und 5 auf 
den Sinus kommen. Der Schlosskanten - Winkel beträgt 
etwa 70 Grad. Bei der Ventral-Schaale laufen die Schloss- 
Kanten in einander und bilden einen regelmäsigen Halbkreis. 
Länge 7'", Breite 6“, Höhe 34‘ Nur in zwei schönen 
Exemplaren vorhanden. 


(d. Laeves v. Bvch.) 

13) T. earnea Sow. 15, 5, 6; T. subrotunda Sow. 
15, 1; T. ovata Sow. 15, 3; T. elongata Sow. 435, 1, 2. 
Die allgemeinste der hiesigen Muscheln; es ist gewiss viel 
zu geringe angeschlagen, wenn man sagt: dass in jedem 
Kubik-Fuss Kreide eine stecke; dessenungeachtet gehören 
ganz vollständige zu den Seltenheiten. Sie ist ausserdem 
weit verbreitet in unserm Küsten-Lande und wird nicht 
bloss in jeder Mergel-Grube, sondern auch .allenthalben im 
Acker gefunden, an letzten beiden Orten jedoch nur mit 
einem Feuerstein-Kerne, indem die nur mit Kreide ange- 


füllt gewesenen im diluvialischen Aufruhr der Elemente mit 
30% 


540 


den Kreide-Lagern zertrümmert wurden. Der Varietäten 
sind so viele, dass es den Zweck und Raum dieser Blätter 
überschreiten hiesse, sie alle zu beschreiben. Es sey mir 
nur gestattet zu erwähnen, dass ausser denjenigen Formen, 
welche den ENT RR Synonymen SOWERBYS entspre- 
chen, wohin noch mehre zu zählen seyn dürften, auch noch 
eine Abänderung vorkommt, welche ich früher wegen ihrer 
sehr kugeligen Form irrthümlich für T. semiglobosa hielt, 
und eine andere, in welcher man eine der Cinctae v. Buch zu 
erkennen geneigt seyn könnte, indem die korrespondirenden 
abgerundet - kantigen Rippen deutlich über die ganze Länge 
der beiden Schaalen fortlaufen and den Individuen in der 
Stirn-Ansicht eine grosse Ähnlichkeit mit v. Buch’s Abbil- 
dung der T. lagenalis Fg. 43 c geben. | 
14) T. granulata n. Diese Terebratel erscheint in 
ihrem Umfange als ein fast regelmäsiges Kreis-Segment von 
73 Grad, in welchem die langen geraden Schloss - Kanten 
die Radien, hingegen die unmerklich in einander laufenden 
Rand- und Stirn-Kanten den Bogen bilden. Sie ist im All- 
gemeinen nur schwach gewölbt, am schwächsten die Ventral- 
Schaale, welche sich nur am Buckel ein wenig hebt und 
dann nach allen Seiten sanft und gleichmäsig abfällt, wel- 
ches eben so bei der etwas mehr gewölbten Dorsal-Schaale 
der Fall ist, deren Schnabel sich so wenig krümmt, dass der 
Rand der verhältnissmäsig sehr grossen Öffnung sich stark 
rückwärts neigt und in der vertikalen Ansicht nur als ein 
Halbmond-förmiger Ausschnitt erscheint. Starke Anwachs- 
Ringe treten in unregelmäsigen Zwischenräumen hervor; 
sie verlaufen schroff an den etwas aufgebogenen Schloss- 
Kanten der Dorsal-Schaale und der langen Area. Das Del- 
tidium ist klein, fast diskret. Die Aussenfläche ist äusserst 
fein gekörnt, desto stärker aber die Innenseite der 
Muschel, so dass es selbst dem unbewaffneten Auge be- 
merkbar wird. Diese inneren Körner sind halbkugelig und 
ziehen sich in hin- und her-gebogenen gedrängten Rei- 
hen in der Richtung der Anwachs-Ringe. Die Schaale ist, 


a4 


sehr zart nnd zerbrechlich, so dass es bisher nicht glückte 
ein vollständiges Exemplar zu erhalten, an welchem die 
verhältnissmäsigen Längen - und Breiten-Dimensionen genau 
zu beobachten wären. Die Beschreibung ist nach einem 
Exemplar von mittler Grösse entnommen, dessen Formen 
am bestimmtesten erhalten sind; es ist 94‘ lang, 

15) T. Sowerbyi n. Der T. grandis Brumengach 
Archaeol. tellur. Tf.I, Fg. 4, Leth. xxxıx, 19, = T. gigan- 
tea v. ScuLoTa., v. Buch Terebr. S. 110, in Grösse und 
Gestalt zum Verwechseln ähnlich. : Sie weicht jedoch von 
jener dadurch ab, dass die Oberfläche. ausstrahlend fein ge- 
strichelt ist, welches selbst bei ganz jungen Schaalen 
schon an den Rändern bemerkbar wird. Auf der Mitte 
der Schaalen sind — besonders bei den älteren — die 
Striche kaum, oder gar ‚nieht bemerkbar, nehmen jedoch 
in ihrem Verlaufe nach den Rändern an Zahl und Stärke 
zu, indem sie zu scharf vortretenden feinen Falten anwach- 
sen, welche bei ihrer Durchkreutzung der hier selir gedrängt 
liegenden Anwachs-Ringe. zuweilen mit länglichen Perl- 
artigen Knötchen verziert erscheinen. Die Zwischenräume 
sind 2—3mal so breit, wie die Falten. Die ganze Ober- 
fläche ist ausserdem fein gekörnt, welches jedoch nur unter 
einer scharfen Lupe und bei guter Queer- Beleuchtung be- 
merkbar wird. Die Körnchen zeigen dann eine länglich- 
elliptische Gestalt und stehen regulär in abwechselnden 
Längsreihen divergirend. Die Öffnung des kurzen, starken 
Schnabels ist sehr gross, stets rückwärts gelehnt, gewöhn- 
lich etwas nach vorwärts in die Länge gezogen und gegen 
den Schloss-Rand Lippen - förmig überhängend; .in ihrem 
Triehter-förmigen Innern erblickt man am Vorder - Rande 
das durchgehende Deltidium, manchmal breit Rippen -artig 
vortretend oder Rinnen-förmig vertieft, mit feinen @ueer- 
Linien bedeekt. — Zwei der vorhandenen Exemplare haben 
eine ungewöhnliche Dicke erlangt und sind fast Kugel- 
förmig. : Durch ihre bedeutende Schwere ist der Schnabel 
mehr gekrümmt vorgezogen worden, so dass die überhängende 


342 


Lippe das Deltidium äusserlich ‘ganz verdeckt und ‚auf 
dem ‘Buckel der Ventral-Sehaale so dicht und: fest auf- 
liegt, dass das Thier die Schaalen unmöglich: mehr öffnen 
konnte und mithin ‘seine Korpulenz die Ursache des Todes 
werden musste. . Grösstes Exemplar fast 3 lang.  Rosmer 
erwähnt dieser von mir ihm 'mitgetheilten Art bei der T. 
obesa Sow. (Nordd. Kr.-Geb. S. 43); sie kann jedoch eben 
so wenig mit ‚dieser vereinigt werden, als überhaupt jemals 
noch eine Spur derselben hier gefunden wurde. 

NB. Die hiemit verglichenen schönen Exemplare der 
T. grandis sind von Bünde, welche ebenfalls eine mit hel- 
len Punkten bedeckte, aber nicht gekörnte Oberfläche zeigen. 

16) T. Fittoni n., Fg. 6. Der kleine starkgewölbte 
Körper bildet ein langgezogenes Pentagon, welches seine 
grösste Breite nahe am Scheidepunkte der Schloss- und 
Rand-Kanten erlangt; @ueer-Profil fast kreisrund. : Die 
Schloss-Kanten sind fast doppelt so lang, als die Rand- und 
Stirn-Kanten, welche ziemlich gleich lang und fast gerade 
sind. Die Bauch-Schaale hebt sich am Schlosse rasch und 
erreicht ihre grösste Höhe am ersten Drittel‘ der Länge; 
sie fällt dann in regelmäsiger, aber schroffer Wölbung nach 
den Seiten und senkt sich am zweiten Drittel der Länge 
zu einem zierlichen, scharfbegrenzten Sinus ein. Die Dor- 
sal-Schaale ist stärker gewölbt und es wird die Wulst schon 
in der Nähe des Schnabels gebildet, und durch die zahl- 
reichen und sehr faltigen Anwachs- Ringe bestimmt  ange- 
deutet, indem schon die ersten und zartesten derselben die 
scharfeckige Gestalt der Stirne mehr und mehr annehmen. 
Sämmtliche Anwachs-Ringe beider Schaalen nehmen gegen 
die Schloss- und Rand-Kanten hin an Schärfe und Dicke zu 
und krämpen sich dort um, wodurch besonders die Schloss- 
Kanten etwas Rinnen-artig vertieft erscheinen und die nicht 
begrenzte Area in die Länge gezogen wird. Das Deltidium 
ist breit, niedrig und sektirend; der Schnabel kurz, dick, 
sehr gekrümmt’ und die Öffnung gross, ‚länglich‘' und jener 
der T. grandis an Gestalt gleichend. Die Schaale ist glatt. 


343 


— Sehr selten; alle Rügen'schen Exemplare beschädigt; be- 
stes und grösstes Stück aus: der. oberen (harten) Kreide 
zu Quilzin, ein altes ausgewachsenes: Exemplar, was an 
den sehr gedrängten Anwachs-Ringen der vorderen Schaale 
bemerkbar ist. Länge: 5. Breite: 3 9“, Höhe: zu. gum, 

17) T. pumila (Magas pumilus) Sow. 119; Leth. xxx, 1. 


3. Orthis DALMAN, v. Buch. 


Es ist gewiss eine interessante Erscheinung: ein Ge- 
schlecht , welches nur den älteren Formationen anzugehören 
sehien und dessen letzte Spur mit..der O. Laspii im Zech- 
steine sich verlor, viele Zwischen-Glieder in der Formationen- 
Reihe überspringend hier in der Kreide wiederum in drei 
Arten auftreten zu sehen. ‚Sie ‚tragen so deutlich und be- 
stimmt die charakteristischen Zeichen dieses Geschlechtes, 
dass sie ohne allen Zweifel hieher gehören und zwar zur 
Abtheilung der ©. expansae v. Bucn. 

1) ©. Bronnii n., Fg. 7, T. Bronnii v. Hac., Rorm, 
‚Kr.-Geb. S. 41. Halbkreis-förmig und durch die vorsprin- 
genden Falten am Rande gezackt; die Schloss- und Rand- 
Kanten verlängern sich zuweilen zu seitlichen spitzen Hör- 
nern, Die Ventral-Schaale ist flach und nur der Buckel 
erhebt sich ein. wenig. . Die dreieckige, flache, Gitter-artig 
gestreifte grosse Area der Dorsal-Schaale ist zurückgelehnt, 


wodurch die Spitze des Schnabels der höchste Punkt ihrer 


Wölbung wird; von hier fällt dieselbe nach den Seiten 
gleichmäsig sanft ab. Viel schmäler ist die Area der Ventral- 
Schaale, welche sich auch etwas weniger zurücklehnt, als 
jene der Dorsal-Schaale; beide bilden einen Winkel von 
etwa 100°. ‚Die grosse dreieckige Öffnung der Dorsal-Area 
tritt wie ein rundlicher Ausschnitt auch: in. die kleinere 
Area hinein; sie ist nie verschlossen oder verwach- 
sen. Starke, selten nur dichotomirende Rippen (Falten), 
welche auf beiden Schaalen korrespondiren und deren grösste 
Anzahl bei meinem grössten Exemplare 14 nicht übersteigt, 
bedecken die Oberfläche; sie werde durch feine Anwachs- 


314 


Streifen Wellen-förmnig durchkreutzt, die in unregelmäsigen 
Zwischenräumen zu scharf vortretenden Anwachs-Ringen 
anschwellen. Länge 1 11“, Breite 3‘, Höhe 1“. | 

Im Innern erhebt sieh auf der Bauch-Schaale ein ein- 
faches, dreieckiges, dünnes Knochen - Gerüst, dessen Basis 
das zweite und dritte Viertel: der Schaalen-Länge einnimmt, 
so dass dem Schlosse und der Stirn zu ein Viertel der 
Schaale frei bleibt. Die Spitze dieses gleich einer Wand 
aufgerichteten und an seiner Basis durch ein Knochen- 
Stückehen unterstützten dreieckigen Stückes ist abgestumpft 
und der Länge nach etwas gespalten. In der Dorsal-Schaale 
befindet sich eine Kiel-förmige feine Leiste, welche, am 
Schloss-Rande entspringend, zwei Drittheile der Länge bis 
zur Stirn einnimmt, fast in der Mitte jedoch, dem Ventral- 
Knochenstücke gegenüber, unterbrochen ist, so dass dessen 
gespaltene Spitze in diese Lücke einsetzt. Der Ausschnitt 
der Ventral-Area theilt sich nach innen, und es bilden sich 
zwei Muschel-förmige, konkave Plättehen, den hinteren 
Muskel-Gruben der Cranien ähnlich, welche über die durch 
den erhöhten Buckel entstehende Höhlung etwas vortreten, 

2) ©. Buchii n., Fg: S. Um die Hälfte kleiner, als 
die vorige Art, hat ihre fast ganz flache Bauch -Schaale 
eine quadratische Form mit abgerundeten Basal-Ecken. Die 
Seiten laufen entweder parallel oder konvergiren oberwärts 
ein wenig. Die Dorsal- Area ist zurückgelehnt, jedoch 
weit weniger, als bei der vorigen Art, indem der etwas 
längere Schnabel zart nach vorne gebogen ist, so dass 
die grösste Höhe der Rücken-Schaale ein wenig hinter den- 
selben liegt. Die Öffnung ist gross, dreieckig und nie ver- 
schlossen; eben so der korrespondirende Ausschnitt der 
Ventral- Area; ihr beiderseitiger Winkel beträgt 90 — 95°. 
Jede Schaale hat vier stark vortretende, korrespondirende 
Falten, welche, paarig vom Buckel auslaufend, am Rande 
doppelzackig vorspringen und in der Mitte stark divergirend, 
auf beiden Schaalen einen tiefen Sinus bilden. Feine und 


sedrängte Anwachs-Streifen und stärker vortretende Ringe 


545 


durehkreutzen die Falten, der zackig quadratischen Gestalt 
folgend. Länge und Breite 15° Der innere Bau ist nicht 
bekannt. 

3) ©. hirundo n., Fg. 9. Der Körper dieser kleinen 
ausgezeichneten Art besteht gewissermaasen nur aus zwei 
zarten auf beiden Schaalen korrespondirenden Rippen, die 
aus einem Punkte Gabel-förmig divergiren, an welche sich 
oberwärts die Schloss-Kante mit doppelter Area Flügel- 
förmig anlegt. Der weitgeöffnete kleine Schnabel guekt mit 
schwacher Krümmung Helm - förmig darüber hervor. Kaum 
blieb für das Thier ein anderer Raum übrig, als in den 
abgerundeten Rippen, denn die Schaalen-Theile, welche sie 
unter einander und mit den Schloss-Kanten verbinden, lie- 
gen so nahe auf einander, dass fast gar kein Raum dazwi- 
schen. blieb. Die Wölbung: der Rücken-Schaale ist sehr ge- 
ringe und besteht eigentlich nur in einer konvexen Biegung 
der beiden Rippen, in welche sich die konkav-gebogene 
Bauch-Schaale vertieft einsenkt. Der etwas zurückgelehnte 
Schnabel macht mit der Ventral- Area einen Winkel von 
etwa 110°. Zahlreiche feine Anwachs-Streifen laufen, wie 
bei den beiden vorigen Arten, der Gestalt des Körpers ana- 
log, queer über die Rippen. Der innere Bau ist unbekannt. 
Das eine nur vorhandene Exemplar ist 1° lang und $‘“' breit. 


B. Conchiferen. 


1. Ostrea Lanumck. 


1) ©. carinata Lmck., GoLor. ıxxiıv, 6. Kommt sel- 
ten und nur in kleinen, aber ausgewachsenen Exemplaren 
bis von 1” 6’ Länge vor. 

2) ©. pes-hominis n., Fg. 10. Bis 6° lang und sehr 
schmal, nahe am Schloss Sichel-förmig, fast im rechten 
Winkel nach vorne umgebogen, nach hinten in der Gestalt 
einer Ferse etwas abwärts verlängert, einem Menschen- 
Fusse sehr ähnlich; die Oberfläche beider Schaalen ist glatt, 
mit vielen zarten Wellen-förmigen Anwachs-Streifen bedeckt, 


546 
welche unten in 4 bis 5 lange Zehen-förmige, am vorderen 
und hinteren Rande aber in kurze gezalınte Falten auslaufen, 
Der Anheftungs-Punkt der Unter-Schaale ist meistens sehr 
klein und liegt in der äussersten Spitze am Schloss. ' Eine 
allgemeine Ähnlichkeit mit O. carinata ist zwar unverkenn- 
bar: diese ist jedoch regelmäsiger gebogen und bildet ihre 


Am 


allerwenigsten aber sind die vorhandenen Schaalen als ju- 


stärkste Krümmung erst gegen die Hälfte der Länge. 


gendliche O. carinatae zu betrachten; sie sind vielmehr. völlig 
ausgewachsen, was aus den vielfach mit Anwachs-Schiehten 


erhöhten (verlängerten) Zähnen bestimmt hervorgeht. 


‘ 


3) O. flabelliformis Niırss. vı, 45 Gorpr. ıxxvı, 1; 
wahrscheinlich auch Ostrea Manr. xxv, 4. Amon 


4) ©. hippopodium Nirss. vi, 1; 


5) ©. Nilssonii nob. 


GoLdr. ıxxxi, 1. 


Die allgemeine Ähnlichkeit die- 


ser Auster mit der vorhergehenden veranlasst mich zu einer 


vergleichenden Beschreibung beider Arten. ch sah 


O0. Hippopodium. 

Die untereSchaale ist mit der 
ganzen Fläche aufgewachsen, links 
gebogen; äusserst selten ge- 
rade oder rechts gebogen. 

Die innere etwas konkave Flä- 
che glatt oder zart gerunzelt, 
nur äusserst selten eine fragmen- 
tarische Spur von ausstrahlenden 
feinen Rippen zeigend, welche den 
selten etwas gekerbten Begrenzungs- 
Rand überschreiten und dann so- 
wohl auf der Oberfläche der äusse- 
ren unregelmäsigen Ausbreitung, 
als auch auf der Ober-Schaale 
bemerkbar bleiben. 


Der äussere Limbus ver- 
schwindet entweder allmählich als 
zarte Ausbreitung oder ist unregel- 
mäsig aufgekrämpt. 


0. Nilssoni. un 
Die untere Schaale ist. mit 
der ganzen Fläche aufgewachsen; 
stets rechts gebogen. 
y Et 

Die innere etwas konkave Flä- 
che glatt, mit konzentrischen Au- 
wachs-Ringen und mit ziemlich ge- 
drängten, ausstrahienden und zahl- 
reichen, am Rande eingeschalteten 
zarten Rippen bedeckt, welche den 
durch eine scharf erhabene Linie 
eingefassten Begrenzungs - Rand 
nicht überschreiten, unterhalb des 
äusseren, sehr regelmäsigen 
Limwbus unbemerkt fortsetzen und 
am äussersten aufgekrämpten Rande 
desselben wieder hervoitreten,, so 
dass derselbe dadurch fein gekerbt 
erscheint, if 
Der äussere Danke, ist am 
Rande regelmäsig aufgekrümmt, am 
unteren vorderen Ende der Schaale 


am höchsten. RR 


547 


Der Schloss-Rand ist ge- 
rade, mittelst eines bochvortreten- 
den schmalen Kieles scharf begrenzt. 

Die Schloss-Rinne mit drei- 
eckiger Band-Grube tritt über 
den Kiel binaus vor und ist stets 
links gebogen, auch bei den jüng- 
sten Schaalen bemerkbar. 

DerMuskel-Eindruck ist auch 

bei ganz jungen Schaalen an der 
linken Seite deutlich bemerkbar. 
. Die Ober-Schaale ist gerade 
oder schwach gewölbt, glatt und 
zart gerunzelt, zuweilen Spuren 
ausstrahlender Rippen zeigend. 


Der Schloss-Rand ist nach 
beiden Seiten etwas abwärts gebo- 
gen und nicht begrenzt. 

Eine Schloss-Rinne und 


 Band-Grube ist nie bemerkbar; 


anstatt derselben findet sich stets auf 
der entsprechenden Stelle eine Lücke 
in der anklebenden Schaale. 

Der Muskel-Eindruck ist aueh 
mittelst der Loupe nicht zu finden. 


Die Ober-Schaale ist mäsig 
gewölbt und mit überlagerten kon- 
zentrischen Anwachs-Bingen regel- 
mäsig bedeckt. 


Länge und Breite des grössten 
Exemplars 7°. 


Der hiesigen grössten Exemplare 
haben Länge 13°, Breite 16’. 


Die hier aufgezählten charakteristischen Kennzeichen 
werden zur sichern Unterscheidung beider Arten genügen. 

6) ©. polymorpha nob. Diese Art ist in ihrer Form 
eben so sehr veränderlich, als die von Dusker und Kocn be- 
schriebene ©. multiformis; es finden sich gerundete, ovale, 
lange, Sichel-förmige, dreieckige und auf allerlei Art irre- 
gulär gestaltete. Die Ursache dieser Veränderlichkeit dürfte 
allein in dem sehr geselligen Beisammenleben der oft dicht 
an einander gedrängten und über einander gelagerten Schaa- 
len begründet seyn. Dem vorhandenen Raume musste sich 
zunächst die mit ihrer ganzen Fläche aufgewachsene Unter- 
Schaale anschmiegen; sie ist im Innern entweder glatt oder 
konzentrisch gerunzelt, blasig, gekörnt u, s. w., und an den 
Seiten mehr oder weniger aufgekrämpt, dabei äusserst zer- 
brechlich, so dass ich bisher kein Exemplar mit wohlerhal- 
Die Oberschaale ist in der Regel 


nur wenig gewölbt, sehr dünn und auf der Oberfläche mit 


tenem Schlosse erhielt. 


konzentrischen, blätterigen, unregelmäsig-gezackten oder run- 
zeligen und rauh-gekörnten Anwachs-Ringen bedeckt, im 
selteneren Falle nur so regelmäsig, wie die Abbildung der 
©. multiformis Dunk. und Koch, Tf. V, Fg. 11, a und e. 
Im Innern ist sie meist glatt und vor der Schloss-Rinne und 
zu beiden Seiten abwärts, bis etwa zur halben Länge der 


\ 348 


Schaale, mit einer abgerundeten, gewöhnlich gekerbten Rippe 
begrenzt. Die Schloss- Rinne und Band-Grube des spitzig 
abgerundet vorgezogenen, gewöhnlich links-vorwärts geboge- 
nen Schnabels ist dreieckig und fein queergefurcht. Der 
Schliessmuskel -Eindruck liegt meist über die Hälfte der 
Schaalen-Länge hinaus, gewöhnlich auf der Grenze des zwei- 
ten und dritten Drittels der Länge. Wird bis 2‘ lang. 


7) O. ungula-equina nob. Die ÜUnterschaale ist 
schief Ei-rund, hoch gewölbt, mit grosser Anhefiungs-Stelle, 
daher am Schlosse stark abgestutzt, einem Pferde-Hufe sehr 
ähnlich. Von der Aussenseite betrachtet ist sie meist nach 
der linken Seite etwas gebogen und verlängert. Die Ober- 
fläche ist glatt, mit konzentrischen, blätterigen Anwachs- 
Ringen ziemlich regelmäsig bedeckt. Unter der Loupe ist 
eine feine Längs-Strichelung bemerkbar. — Die Oberschaale 
ist nicht bestimntt nachzuweisen; die wahrscheinlich hieher 
gehörende ist flach, glatt, fein konzeutrisch geringelt. Länge 
und Breite 6 bis 7°. Die Abbildung der etwas kleineren 
©. calceola bei Rormer, Ool.-Geb. xvıu, 19, b, ist am ähn- 
liehsten. 


2. Gryphaeca Lane. 


G. (Ostrea) vesicularis Lamk. Wenn die Flügel- 
förmige vordere Verlängerung der unteren Schaale ein we- 
sentliches Unterscheidungs-Merkmal der Gryphäen von den 
Austern ist, so gehört diese Art ohne Zweifel hieher. Ihr 
mehr oder minder abgestutzter Buckel kann um se weniger- 
in Betracht kommen, als dessen Gestalt lediglich von der 
Grösse und Gestalt des Anheftungs - Gegenstandes abhängig 
war; hier gab es der hinlänglich grossen nur sehr wenige 
und das Thier musste sich oft mit dem allerkleinsten be- 
gnügen. Unter diesen Umständen musste bei dem raschen 
Fortwachsen eine grössere Ausdehnung in die Länge und bei 
der Schwere der Schaale auch eine stärkere Krümmung der- 
selben entstehen, wie diess auch an den meisten der hiesi- 
gen Exemplare bemerkbar ist. Bei vielen ist ein Anheftungs- 


549 


Punkt gar nicht bemerkbar, und diess lässt vermuthen, dass 
sie. schon frühe losgebrochen sind und dann frei gelebt 
haben. 

3. Exogyra Sır. 

1) E. Münsteri nob. Seltener frei als angewachsen, 
im freien Zustande einer Chama sehr ähnlich. Die grosse, 
rechte Schaale ist ungekielt, konisch, hornförmig gekrümmt 
und eingerollt; die linke, kleinere Schaale halbkugelig 
konvex. Beide Schaalen sind ausstrahlend mit dichotomi- 
renden, Säge-artig gezähnten scharfen Rippen gedrängt be- 
deckt, wovon die bei weitem grössere Zahl den Wirbel er- 
reicht. In der Regel ist aber die grosse Schaale ganz auf- 
gewachsen und äusserst regelmäsig stets links eingerollt, 
die innen glatte Schaale ist halbdurchsichtig und lässt die 
von zahlreichen Wachsthum-Ringen durchkreutzten Rippen 
durchscheinen, welche an den etwas aufgekrämpten Rändern 
sichtbar vortreten. — Die freien Exemplare waren vielleicht 
in der Jugend auch angewachsen; ein Anheftungs-Punkt ist 
indess nicht bemerkbar. Beide vereinigten Schaalen errei- 
chen die Grösse einer mäsigen wälschen Nuss. 

Die von Rozmer S. 48 angeführte E, aurieularis kommt 
auf Rügen nicht vor, und es findet hier offenbar eine Ver- 
wechselung mit der ganz aufgewachsenen grossen Schaale 
der vorbeschriebenen Art Statt, deren kleine Schaale Hrn. 
RormEr unbekannt war. 

2) E. conica Sow.— E. recurvata et E. plicata Sow. 
26, 2, 3, 4; GoLDF. Lxxxviu, 1. (9) 


4. Pecten Lanmk. 
a. Gerippte Arten. 

1) P. denticeulatus nob. Fast kreisrund, fast un- 
merklich schief, gleichschaalig und schwach gewölbt; die 
Rundung der Schaale verläuft mit sanftem Bogen in die hin- 
tere gerade Schloss-Kante, bildet jedoch mit der vorderen, 
etwas eingebuchteten einen ziemlich starken Winkel; der 
Schlosskanten-Winkel ist ein spitzer. Sehr zahlreiche, mit 


550 
feinen schuppigen , Zähnen besetzte Rippen strahlen hinten 
und in der Mitte der Schaalen geradlinig und gedrängt, 
vorne aber etwas gebogen aus; jüngere, schwächere Rippen 
mit spitzigeren Zähnen schieben sich allenthalben ein und 
füllen die Zwischenräume fast gänzlich aus. Auf drei Li- 
nien Breite zählt man 20 bis 30 Rippen, und die Gesammt- 
zahl derselben eines nieht völlig ausgewachsenen Exemplars 
beträgt am Rande 278. Die Zähne der seitlichen Rippen 
sind mehr abgerundet und treten stärker und gedrängter 
vor, als die der mittlen Rippen, Starke und schwache Rip- 
pen wechseln entweder ab oder sind zu fünfen oder neunen 
geordnet; nur wenige, etwa 20, erreichen den Wirbel und 
bilden dort mit den spärlich sie durehkreutzenden Anwachs- 
Linien ein zartes Gitter. Die Schloss-Linie ist gerade; das 
vordere Ohr tritt Flügel-förmig vor und ist am vorderen 
Rande S-fürmig geschweift; das hintere Ohr läuft gerade 
empor und ist rechtwinkelig; beide sind mit ausstrahlenden, 
starken, scharf gezahnten Rippen besetzt. Länge 1” 8“, 
Breite 1” 6“ Die Abbildung bei Gorpr. xevin, 12, a ist 
am ähnlichsten. Kommt mit viel kürzeren, abgerundeteren 
Zähnen auch in England vor, was aus einem von Brighton 
erhaltenen Exenıplare hervorzugehen scheint. 

2) P. nodoso-costatus nob. Der vorigen ähnlich, 
jedoch etwas kleiner, schmäler und stärker gewölbt. Starke 
und schwache ausstrahlende Rippen wechseln regelmäsig ab; 
ihre Zahl beträgt am Rande 118; nur die starken erreichen 
den Wirbel; alle sind mit elliptischen Knoten sehr gedrängt 
besetzt. Zwischenräume sind kaum vorhanden. Kräftige 
Wachsthum- Absätze treten häufig, aber in unregelmäsigen 
Zwischenräumen vor. Beide stumpfwinkeligen Ohren senken 
sich mit ihren Spitzen etwas und bilden eine gekrimmte 
Schloss-Linie; sie sind ausstrahlend gerippt und queerge- 
furcht. Das vordere Ohr ist zweimal so gross wie das . 
tere. Länge 1’ 4 6", Breite 1” 2, 

3) P. subaratus Nırss, ix, 14. 

4) P. pulchellus Nirss. ıx, 12; Goror. xcı, 9. 


551 


5) P.inflexus nob. Grösse und Gestalt wie bei der 
vorigen Art. Bei jungen Exemplaren, welche etwa 3 der 
Grösse erreicht haben, ist der Wirbel und der grösste Theil 
der Schaale glatt oder zart konzentrisch gestrichelt, und nar 
am. unteren Rande zeigen sich Spuren kurzer Rippen. Hin- 
ter dem ersten, schon ziemlich stark aufliegenden Wachs- 
thums-Absatze nehmen die Rippen an Stärke zu und haben 
mit den Zwischenräumen gleiche Breite. Ganz alte Exem- 
plare haben 3 bis 4 solcher Absätze, welche einander Ziegel- 
artig überlagern und deren letzter nach innen scharf umge- 
krämpt: ist und der Schaale ein Napf-förmiges Ansehen gibt. 
Die ‚zuweilen dichotomirenden flachen Rippen strahlen gerad- | 
linig aus und sind, wie auch die Zwischenräume, konzentrisch 
fein ‚gestrichelt, letzte am deutlichsten. Am vorderen und 
hinteren Rande ist bei ganz alten Exemplaren noch 
eine diagonale Streifung bemerkbar; die ungleiehen Ohren 
sind wie die der vorigen Art gestaltet und schuppig gerippt. 
0:6) P. striatissimus nob., Fig. 11. Schief, Halbkreis- 
förmig, gleichschaalig, schwach gewölbt; ausstrahlend sehr 
fein linürt, doch nur unter der Loupe bemerkbar; auf die 
Breite einer Linie zählt man etwa 20, auf der ganzen Schaale 
nahe 280 Linien, welche, besonders auf der ersten Hälfte 
der Schaale, sehr regulär durch konzentrische schmale Rip- 
pen durchkreutzt werden, die auch über die Ohren fortlau- 
fen. Die hintere: Schloss-Kante: ist gerade und sehr lang, 
die vordere etwas kürzer und eingebogen; beide bilden einen 
Winkel von nahe 95°. Das. vordere Ohr ist abgerundet 
und stumpfwinkelig, das hintere steigt gerade auf und ist 
rechtwinkelig. 

‘9% P. Leonhardi no. Lang-oval, etwas schief, mä- 
sig. Im Innern treten 12 abgerundete, breite, durch scharfe 
Furchen begrenzte glatte Längs-Rippen vor, deren jede durch 
2 feine Längs-Linien dreitheilig zerspalten: ist. Das vordere 
Ohr fast gerade aufgehend und spitzwinkelig, das hintere 
lang Flügel-förmig abgerundet und längsgefurcht, wie das 
Innere. der Schaale. Die Schloss - Linie gerade, scharf 


umgebogen; der Schlosskanten-Winkel etwa 85°. Die Aussen- 
Fläche mit 13 scharfen, weitläufig mit kurzen Stacheln be- 
setzten Rippen, die mit den inneren Haupt-Furchen korre- 
spondiren, Ebenfalls mit den inneren schwachen Doppel- 
Linien korrespondirend treten zwischen den Haupt-Rippen 
niedrige scharfe Neben-Rippen paarig hervor, welche ge- 
drängter mit feinen Zacken besetzt sind, als die Haupt- 
Rippen. Die zwischenliegenden glatten Furchen sind: sehmä- 
ler als die Rippen, welche alle an der Basis zu beiden’ Sei- 
ten mit nach vorwärts gerichteten feinen Zähnen enge'ge- 
säumt sind. Die Ohren sind längsgerippt und tragen lange 
scharfe Dornen. Nur in einer linken Schaale vorhanden. 
Länge 5 6‘, Breite 4 5, SEE TIT BETEN? 
S) P. variabilis nod. Lang Ei-rund, stark gewölbt 
und sehr schief, wodurch sich diese Art sogleich von der 
vorigen unterscheidet, mit welcher sie jedoch hinsiehtlich 
der dreitheiligen Rippen grosse Ähnlichkeit hat; diese sind 
eben so, aber mit etwas mehr röhrigeren Stacheln besetzt 
und mit feinen Zähnen gesäumt, welche beide jedoch bei 
einem grösseren Exemplare, 2 Linien vom Rande entfernt, 
plötzlich aufhören. Die Rippen setzen über diesen glatten 
Saum fort und gleichen sich die Haupt- und Neben-Rippen 
zu fast gleicher Stärke aus, und zwar so, dass jede dersel- 
ben wieder dreitheilig wird und aus einer höher gelegenen; 
glatten, abgerundeten Leiste mit zwei etwas tiefer zu bei- 
den Seiten liegenden, halbrunden Stäben besteht, welche 
letzte mit zarten, gebogenen @ueer-Rippen' bedeckt sind. 
Länge eines jungen, wohlerhaltenen Exemplars: 6°, Breite 4. 
9) P. trisuleus nod. Halbkreis-fürmig, etwas:schief 
und stark gewölbt; die vordere Schloss- Kante länger und 
mehr Bogen-förmig eingebuchtet als die hintere; sie ‚bilden 
einen spitzigen Winkel. Vorderes Ohr gerade aufsteigend, 
das hintere lang und zugespitzt Flügel-förmig; 11 schmale, 
abgerundete, glatte Rippen zertheilen sich in der Nähe des 
Wirbels, jede zu dreien, später aber nieht mehr, so dass 
in Allem 33 vorhanden sind: sie strahlen nur in der Mitte 


335 


der Schaale gerader, nach den Seiten aber Bogen -förmig 
aus. Jede ist von zwei abgerundeten, Stab-förmigen, etwas 
niedriger liegenden Neben-Rippen begrenzt, welche von ge- 
bogenen, feinen @Aueer-Rippen weitläufig durchkreutzt wer- 
den. Zwischen den benachbarten Neben-Rippen bleibt als 
Zwischenraum nur eine schmale, scharfe Kerbe. Im Umrisse 
am ähnlichsten der Abbildung bei GoLor. xcv, 7. Länge und 
Breite 1’ 1% | 

10) P. Weissii nob. Regelmäsig Ei-rund, schief, ziem- 
lich stark gewölbt, die allgemeine Rundung verläuft unmerk- 
lich und mit sanftem Bogen in die kurzen Schloss - Kanten, 
welche einen sehr stumpfen Winkel bilden. Das hintere 
Ohr tritt lang Flügel-förmig, aber rechtwinkelig abgestutzt 
vor; das vordere fehlt. — Die Schaale ist mit etwa 200 sehr 
gedrängt liegenden Rippen bedeckt, ohne Zwischenräume; 
auf der Länge einer Linie liegen deren 14; sie erscheinen 
vergrössert etwas körnig-rauh. Die über das Ohr ausstrah- 
lenden Rippen sind deutlich mit gedrängten Körnern bedeckt. 
Nur eine linke Schaale vorhanden. Länge und Breite 5. 


11) P. striato-costatus Goror, xcıı, 2.. Von dem 
durch Rorwer mit dem Fundorte Rügen aufgeführten P. quin- 
quecostatus (Kr.-Geb. S. 54) ist mir bisher keine Spur vor- 
gekommen, und ich habe Ursache zu vermuthen, dass seine 
Bestimmung auf Irrthum beruhe, indem sie wahrscheinlich 
nach einem von mir erhaltenen Feuerstein - Kerne gemacht 
wurde, den ich mit dem unbezweifelt richtigen, auch 
von Gorpruss selbst als richtig anerkannten Namen P. striato- 
costatus, ihn mittheilte; dagegen aber vermisse ich den Fund- 
ort Rügen bei dieser Art, S. 55. 


b. Glatte Arten, 


12) P. nembranaceus Niıtss. ıx, 16. GoLDr. xcıx, 7. 
Diese Art scheint im Leben konzentrisch roth und weiss 
gestreift gewesen zu seyn; bei mehreren Exemplaren ist die 
rothe Streifung sehr schön erhalten. Der von Rorner (Kr.- 


Geb. S. 50) als neu aufgestellte P. spathulatus ist nichts als 
Jahrgang 1842. 36 


354 


eine VarietätvonP.membranaceus, welcher hiersehr häufig und 
veränderlich vorkommt, so dass er selbst in die folgende Art 
hinüber spielt und ich einige der Mittel-Glieder nicht zu 
unterscheiden vermag. Zu Hrn. Rormer’s Rechtfertigung muss 
ich indess gestehen, dass auch ieh — als Anfänger und erst 
im Besitze weniger Exemplare — ebenfalls in jener Form 
_ eine neue Art zu erblieken glaubte, durch meine wachsende 
Sammlung aber bald eines Besseren belehrt wurde; auch ist 
die Richtigkeit meiner Bestimmung, besonders von den Nor- 
dischen Forschern, durch Vergleichung mit Schwedischen 
Stücken bestätigt worden. 

| 13) P. Nilssoni Goror. xcıx, 8. 

14) P. laevis Nırss. ıx, 17. 

15) P. lan da snal. Ka gleichschaalig ka 
fast genau gleichseitig, schwach gewölbt, glatt, glänzend 
und zart konzentrisch gestreift. Die verhältnissmäsig sehr 
kleinen gestreiften Ohren sind so schmal und abgerundet, 
dass sie fast noch innerhalb der Kreis-Form liegen. Länge 
und Breite 2” 3. 

16) P. abbreviatus no. @ueer-eirund, um } breiter 
als lang, gleichschaalig und fast gleichseitig, wenig gewölbt, 
glatt und glänzend. Die Ohren sind ungleich. Länge 8‘, 
Breite 12. 

17) P. Jugleri nob. Halbkreis-förmig, gleichschaalig, 
fast gleichseitig, glatt, glänzend, ziemlich starkschaalig, aber 
sehr zerbreehlieh. Drei bis vier konzentrische breite An- 
wachs-Streifen lagern zart Treppen-artig über einander. Die 
vordere Schloss-Kante ist etwas konkav eingebuchtet, der 
hintere gerade. Der Schloss-Winkel oszillirt um 90°. Die 
vorderen Ohren abgerundet rechtwinkelig und gleich gross, 
stark queergerippt, zuweilen auch etwas längsge- 
streift und dann fein gekörnt erscheinend; die hinteren Ohren, 
ebenfalls gleich gross und gerippt, treten nur als schmale 
abgerundete Läppchen vor. Länge 10%, Breite 9. 

18) P. latus nob. Schief-oval, mehr breit als lang, 
gleichschaalig, schwach gewölbt und glatt. Die Schloss-Kanten 


* 555 

sind gerade und bilden einen Winkel von etwa 90°, Die 
Ohren steigen ganz gerade auf, sind gleieh gross und. beide 
sehr nahe rechtwinkelig. In der Nähe des Wirbels sind 
einige konzentrische Linien bemerkbar. Länge 4 5", Breite 
zu Gun, \ 


5. Lima Desm. 


1) L. semisulcata Desn.; Plagiostoma semisulcatum 
Nırss. ıx, 3; GoLDr. cıv, 3. 

2) L. decussata v. Münsr., Goror. cıv, 5.- 

3) L. granulata Desn.; Plag. granulatum Nırss. ıx, 4; 
Gorpr. cın, 5. Den von Rormer 8. 55 in L. muricata um- 
geänderten Namen dieser Art habe ich um so weniger auf- 
nehmen mögen, als er bereits von Gotpruss gebraucht ist; 
dergleichen kann nur Irrthümer erzeugen. 

4) L. denticulata nob.; Plag. dentieulatum Nırss. ıx, 5. 

5) L. pusilla nod.; Plag. pusillum Nırss. ıx, 6. 

6) L. Forchhammeri nob., Fig. 12. Sehr schief und 
lang-oval, mittelmäsig stark gewölbt und vorne gerade abge- 
schnitten, der Abbildung bei Goror. cu, 11, a sehr ähnlich. 
Ohren klein, das vordere sehr stumpfwinkelig, das hintere 
schmal und abgerundet. Von den wenig vortretenden Wir- 
beln strahlen bis 9 zarte, aber scharfe Rippen über den 
Rücken der Schaalen aus, deren sehr breite, etwas Rinnen- 
förmige Zwischenräume, so wie die Seiten der Schaalen sehr 
zart längsgestrichelt ‚sind. . Zahlreiche Ring-förmig_ auflie- 
gende Anwachs-Streifen durchkreutzen die Rippen. Länge 
94, Breite 5". 


7) L. Hoperi Desn. (non Gorpruss); Plag. Hoperi 
Sow. 380; Manr. xxvi, 2, 3, 15. 

S) L. Goldfussii nob.; L. Hoperi GoLor. cıv, 8. ‚Diese 
von Goıupruss als L. Hoperi besehriebene, mit der Abbildung 
ganz genau übereinstimmende Art, kommt ziemlich häufig, 
aber bei ihrer Zerbrechlichkeit nur sehr ‚selten wohlerhalten 
vor. Die ächte L.Hoperi weicht aber sehr davon ab, und diess 


veranlasst mich, sie unter des Herrn Entdeckers Namen 
36° 


596 


aufzuführen. — Es ist wahrscheinlich die von Rormer als 
L. aspera bestimmte Art, welche aber hier nicht gefunden 
wird. v 

9). L. Dunkeri nob. Der L. squamifera GoLor, en, 3 
sehr ähnlich; ein mit der Abbildung jener Art gleich gros- 
ses Exemplar unterscheidet sich jedoch durch die etwas 
länglichere Form und eine viel grössere Anzahl enge gezack- 
ter Rippen, welche SO übersteigt, bei L. squamifera aber nicht 
über 40 geht. Die Rippen sind aus diesem Grunde viel fei- 
ner, liegen sehr gedrängt mit ganz schmalen Zwischenräu- 
men und erreichen alle den Wirbel. Bei einigen Exemplaren 
liegen zwischen den Rippen unregelmäsig eingeschaltete feine 
Stäbe, welche keine Zacken tragen. 

10) L. teeta Gorpor, cıv, 7. Kommt hier bis 1” 5% 
lang vor. 

11) L. Geinitzii nob., Fig. 13. Schief Ei-rund, stark 
gewölbt, vorne etwas zugespitzt. Die Schloss-Kanten gerade, 
die vordere um 4 länger als die hintere; der Schlosskanten- 
Winkel nahe 85°. Etwa 50 nicht zerspaltene Rippen be- 
decken die Schaale bis auf einen schmalen Raum, der am 
hinteren Rande frei bleibt und nur von gedrängten Anwachs- 
Streifen hedeckt ist, die in den gleichbreiten Zwischenräu- 
men der hinteren Schaalen-Hälfte als queer-elliptische Grüb- 
chen, auf der vorderen aber als ausstrahlende Perlen-Reihen 
erscheinen. Länge 5‘ 4"", Breite 5‘. ER 

12) L. Brightoniensis nob.; Plag. Brightoniensis 
Manrt. xxv, 15. 


6. Spondylus Lin. 


Da die grosse Ähnlichkeit einiger hieher gehörenden 
Arten deren Bestimmung sehr erschwert, auch die hiesigen 
Exemplare stets mit der Aussenseite an der Kreide hängen 
bleiben, so dass man bloss die Innenseite sieht und nur mit- 
telst Aufkleben derselben mit Papier-Stückchen eine Schaale 
umzuwenden im Stande ist, so sind nur die mit Sicherheit 


nachzuweisenden Spezies aufgenommen worden, bis die 


- 


397 


vorhandenen, noch unbestimmten Stücke in einem künftigen 
grösseren Vorrathe besserer Exemplare erklärende Paralle- 
len finden. Alle hier vorkommenden Schaalen sind mehr 
oder minder mit Stacheln besetzt und ist aus diesem Grunde 
RokmER’s Bestimmung des Sp. obliquus Manr. (Kr.-Geb. 
S.-60) unrichtig; auch Sp. truncatus wird nicht gefunden 
(S.59). Das Vorkommen des Sp. fimbriatus(S. 60) ist nicht 
minder zweifelhaft und eben so wenig sicher nachzuweisen 
als Sp. lineatus, obgleich angewachsene Schaalen vorhanden 
sind, die anscheinend hieher gehören. 

1) Sp. hystrix GoLpr. cv, 8 (fest. v. Münsr.). Die 
bei Gororuss abgebildete Schaale ist eine junge; die ausge- 
wachsene rechte Schaale ist mittelst konzentrischer, gefalteter 
Blätter mehr oder minder angewachsen. Es sind stets zwi- 
schen 50-55 Rippen vorhanden, und es ist diese Art be- 
sonders daran zu erkennen, dass sowohl die stärkeren Rip- 
pen der linken Schaale, als auch die der rechten, so weit 
dieselbe nieht angewachsen, mit 5—7'' langen Stacheln be- 
setzt sind. 

2) Sp. radiatus GoLpr. cvı, 6. Die vorhandenen, mit 
der ganzen unteren Fläche angewachsenen rechten Schaalen, 
in welchen man bis 50 Rippen zählt, kommen zwar ganz 
genau mit der angeführten Abbildung überein, benehmen 
mir jedoch nicht allen Zweifel an die Selbstständigkeit die- 
ser Art. Ich glaube vielmehr, dass es untere, rechte Schaa- 
len von Sp. hystrix, vielleicht auch von Sp. fimbriatus, und die 
im Innern bemerkbaren stärkeren Rippen, die sonst sta- 
chelntragenden der erwähnten Arten sind. 

3) Sp. Hagenowii v, Münst. in hil.; Anomia gra- 
nulosa Rorm. vıı, 4. . Vielgestaltig, rund, länglich, breit, 
schief oder abgerundet viereckig, selır dünn und halbdurch- 
sichtig, so dass die Rippen der Aussenseite 'inwendig durch- 
scheinen. Die rechte Schaale ist mit der unteren Fläche 
aufgewachsen und ist daher die Wölbung der linken Schaale 
von der Gestalt der Anheftungs-Fläche abhängig; sie ist 
im Allgemeinen nur schwach. Nach oben verdiekt sich 


298 


der innere Rand und ist dort zuweilen (obwohl selten) mit 
Fe Knötehen unregelmäsig besetzt. Das Schloss hat 

2 —3 etwas erhabene und nach unten gerichtete un- 
regelmäsige , schwielige , kleine Zähne. Ein Schliesmuskel- 
Eindruck ist nieht bemerkbar. Sehr zahlreiche Linien-artige, 
feine Rippen mit etwas breiteren, konzentrisch- -feingewellten 
Zwischenräumen bedecken mehr oder weniger regulär-aus- 
strahlend, zuweilen hin- und hergebogen, vielfach dicheto- 
inirend und zum Theil sich wieder vereinigend, die Schaale; 
sie sind mit zarten, kurzen, halbröhrigen Schuppen ea 
besetzt. Länge und Breite bis 2“. 

An keinem der vorhandenen (etwa 40) Exemplare ist 
ein Loch oder Ausschnitt in der Schloss-Gegend bemerkbar, 

welches diese Schaale als Anomia charakterisiren könnte. 
Römzr’s Bestimmung ist daher unrichiig. 

4) Sp. plicatus n. Der vorigen im Allgemeinen ähn- 
lich; die linke Schaale ist jedoch vielfach und irregulär kon- 
zentrisch gefaltet, schrumpfig und hin und wieder blasig 
aufgetrieben. Die Oberfläche ist ausstrahlend mit länglichen, 
Rippen-artigen Knötchen unregelmäsig rauh bedeckt. Die 
rechte Schaale ist nicht bestimmt nachzuweisen. Bis 1% 
gross. Die von Gorpruss bei Ostrea hippopodium ıxxx1, 1 g 
abgebildete Oberschaale gehört vielleicht hierher; sie ist sehr 
ähnlich, doch muss ihre innere Bildung entscheiden. 


7. Inoceramus Sow. 


DJ. annulatus Goiwor. cx, 7. 

2) I. striatus Manr. xXVI, 5; Goupr. exu, 2%. 

3) 1. Cripsii Manrt. xxvir, 11; Goror, exn, 4. 

4) 1. planus v. Münsr.; Gorpr. exnı, 1, 

Kommt in sehr grossen Exemplaren vor, ist aber stets 
so zerdrückt, däss man nur Bruchstücke erhält. Bei meiner 
Anwesenheit auf Rügen im Jahr 1840 wurde im Fahrnilzer 
Kreide-Bruch des Stubbenilzer Ufers ein riesenhaftes Exem- 
plar blosgelegt, welches an einer überhängenden Wand an- 
klebte, Ich würde es gerettet haben, wäre nieht die Nacht 


359 


darüber hereingebrochen, bevor das nöthige Werkzeug zum 
Lossägen des Stückes herbeigeschafft werden konnte, und 
es blieb mir nur noch Zeit übrig, es zu zeichnen. Am 
nächsten Morgen fand ich die Kreide-Schichte durch einen 
Regenguss herabgeschwemmt und das seltene Stück leider 
gänzlich zertrümmert. 

5) I. mytiloides Manrt. xx’ı1, 2; Sow. 442; Goıor. 
cxın, 4. Erreicht hier nur eine Länge von 2—21, ist sehr 
gemein, aber stets beschädigt. | 

6) I. tegulatus n. Die vorhandenen, sehr be- 
schädigten 10 Exemplare lassen nur im Allgemeinen auf eine 
- der vorigen Artähnelnde Form schliessen, und es scheinen beide 
Schaalen eine gleichmäsige und ziemlich starke Wölbung zu 
haben. Die eben so, wie bei I. mytiloides, gestalteten An- 
wachsringe werden von 14—1S aussirahlenden Furchen, mit 
scharfer Basis durchkreutzt, worunter sich stets 3—4 durch 
bedeutendere Tiefe auszeichnen. Die erhabenen, ziemlich 
gleichbreiten und glatten Zwischenräume erscheinen wie eine 
Reihe übereinander gehängter flacher Dachziegel (Bieber- 
Schwänze) mit etwas aufgebogenem vorderen Rande. Grösstes 
Exemplar lang 2 3°"; Breite 1" $, 

7) 1. latus ($) Mant. xxvu, 10; Sow. 582; GoLDr, 
cxill, 9. 


Ss. Gervillia DEFR®. 


1) G. solenoidesDerr., GoLor, cxv, 10; Zeth. xxxu, 17, 


9. Avicula Lmck. 


1) A. subnodosa n. Schief-oval, mäsig gewölbt, 
längs der Mitte der Schaale etwas niedergedrückt; vorderer 
kleinerer Flügel spitzwinkelig, hintrer stumpfwinkelig, genau 
wie A. semieostata, Gouor. cxxı, S, gestaltet. Junge Schaa- 
len sind ganz glatt und man bemerkt nur eine schwach- 
runzelige Anwachsstreifung ; mit zunehmender Grösse zeigen 
sich zuerst am vorderen Rande einige Spuren spärlich aus- 
strahlender zarter Rippen mit sehuppigen, von den 


360 


durchkreutzenden Anwachs-Ringen gebildeten Knötehen, wel- 
che später am hinteren Rande und endlich auch am unteren 
erscheinen, durch Zerspaltung an Zahl und auch an Stärke 
zunehmend. Es wurden bisher nur linke Schaalen 'gefun- 
den. Bis 9“ lang. 


10. Arca Lınn. 


1) A. radiata v. Münst.; Gotor. cxxxvınm, 2. 

2) A. striatissima n., Fg. 14. Kreide-Kern der 
linken Schaale. Abgerundet, länglich - rhomboidal, mäsig 
gewölbt, in der Mitte ein wenig niedergedrückt. Die Schaale 
scheint ausstrahlend sehr fein und scharf gerippt (gestreift) 
gewesen zu seyn, welches am Kerne deutlich bemerkbar 
ist; in der Mitte des unteren Randes der Schaale kommen 
7—S Streifen auf die Länge‘ einer Linie. Ausserdem mit 
runzeligen Anwachs-Ringen bedeckt. | 

3) A. minor n., Fg. 15. Kreide-Kern der linken 
Schaale; regelmäsig lang-eirund, mäsig gewölbt, in der Nähe 
des Buckels am stärksten, nach dem unteren etwas einge- 
buchteten Rande keilförmig abgerundet, hinten stark zusam- 
mengedrückt. Der Kern ist mit feinen ausstrahlenden Strei- 
fen bedeckt, welche hinten als ziemlich starke Rippen er- 
scheinen. | 

4) A. divisa n., Fg. 16. Länglich, schief-rhomboidal 
gerundet, stark gewölbt. Ein schwacher abgerundeter Kiel 
trennt die Schaale in der Diagonale in zwei fast ganz gleich 
grosse sphärische Dreiecke, deren unteres vorderes ge- 
wölbt, das obere hintere dagegen scharf niedergedrückt 
ist. An dem einen nur vorhandenen Kerne der rechten 
Schaale ist eine Erhebung des Buckels über den Schloss- 
rand kaum bemerkbar, welcher vorne nur sehr wenig, hin- 
ten aber sehr lang und schwach gebogen, mit dem. unteren 
Rande der Sehaale parallel vortritt; die ganze Schaale ist 
jedoch , hinten am deutlichsten, mit zarten konzentrischen 
Runzelu gedrängt bedeckt. Länge S'", Breite 13“. 

5) A. semicostata n., Fg, 17. Stark gewölbt, im 


561 


Queer-Profile vollkommen Herz-förmig, mit ziemlich hoch 
vortretenden, vorwärts geneigten, sich berührenden Buckeln, 
1 breiter wie lang; vorne abgerundet, hinten schwach rund- 
lich gekielt und zusammengedrückt. Der Schloss-Rand fast 
gerade, hinten und vorn wenig vortretend. Die Oberfläche 
mit konzentrischen zarten Runzeln bedeckt, welche an bei- 
den Enden am mehrsten vortreten. Über die Mitte der 
.-Schaale laufen 10 deutliche, vom Wirbel ausstrahlende ein- 
fache Rippen, mit gleich breiten Zwischenräumen; sie sind 
am hinteren Ende am stärksten und verlieren sich nach vorne 
allmählich. Kreide-Kern aus der oberen harten Kreide- 
Schichte zu Quilzin. Länge 3 6, Breite 4" 6, 


= 


11. Nucula Lınn. 
1) N. Phillipsii z. Ein auf Kreide liegender Kern 


der linken Schaale, welcher mit N. Menkei aus dem Port- 
land, Rormer ool. Geb. vı, 10 ganz genau übereinstimmt, 


12. Pinna Linn. 


1) P. restituta Hornınan.; GoLDr. cxxxvim, 3. 

2) P.imbrieata n. Die vorhandenen, sehr zerdrück- 
ten Bruchstücke lassen nur auf einen sehr langen und dün- 
nen Körper schliessen, dessen Oberfläche mit ausstrahlenden 
feinen Rippen bedeckt ist, welche von Queer-Linien wellen- 
förmig durchkreutzt werden, so dass sich ein Hohlziegel- 
artiges Gefüge bildet, genau, wie es die Abbildung der 
P. radiata bei Gorpruss cxxvır, 6 b darstellt, deren Körper 
jedoch vielmehr konisch zugespitzt ist. 

3) P. triangularis nod. Es ist nur eine einzelne, 
etwas zerdrückte, aber anscheinend ziemlich vollständige 
Schaale von dreieckig-flügelförmiger Gestalt vorhanden. Die 
Bauch- und die vordere Kante sind gleich lang, die Rücken- 
Kante aber fast um 4 länger. Die Schaale scheint eine zu- 
sammengedrückte sechsseitige Pyramide gebildet zu haben, 
indem sie durch zwei abgerundete Längs-Rippen in 3 fast 
ganz gleiehbreite Theile getheilt ist. Die Oberfläche ist mit 


96% 


feinen hin- und hergebogenen Längs-Linien bedeekt, welche 
in unregelmäsigen Abständen von starken abgerundeten Rip- 
pen schräge durchkreutzt werden. 


13. Mytilus Linn. 


1) M. eretaceus n. Der eine vorhandene Kreide- 
Kern hat genau die Gestalt des jugendlichen M. subglobosus 
Goror. cxxx, 3b. Die Oberfläche ist mit feinen Anwachs- 
Streifen gedrängt bedeckt, wovon je 5—6 zu aufgeschwol- 
lenen konzentrischen Ringen vereinigt sind. Eine ganz gleiche 
Form, wahrscheinlich noch nicht beschrieben, kommt bei 
Essen vor. 


14. Isocardiıia Emck. 


1) I. Coreulum n., Fe. 185. Ein freier, wohl. er- 


g oval, fast 


kreisförmig, stark gebaucht und im @ueer -Profile Herz- 


haltener Kreide-Kern, im Umrisse regelmäsi 


förmig. Die Wirbel treten stark nach hinterwärts hervor, 
biegen sich etwas nach vorne, der linke jedoch mehr wie 
der rechte, und lassen einen schmalen Zwischenraum übrig. 
Die Schaale scheint einige konzentrische Anwachs-Streifen 
gehabt zu haben. Länge 10, Breite 8" 6“. 

2) I. substriata n. Kreide-Kern der linken Schaale: 
regelmäsig eirund, sehr stark gewölbt, am höchsten in der 
Nähe des sehr kurzen, am vorderen Rande vortretenden 
Wirbels, von wo sie nach hinten und vorne fast im halben 
Kreisbogen, nach dem unteren Rande aber geradlinig ab- 
fällt. Die Oberfläche ist konzentrisch gestriehelt. Länge 7°", 
Breite 9", 

3) I. ($) tenuistriata n. Kreide-Kern der linken 
Schaale; schief eirund, stark gewölbt; der Wirbel tritt sehr 
lang vor, länger als bei irgend einer Art. Die Oberfläche 
ist sehr gedrängt, mit feinen ausstrahlenden Linien bedeckt, 
welche besonders am vorderen Rande scharf vortreten. 
Länge von der Wirbel- Spitze zum unteren Rande 1" 2, 
Breite 10'. 


563 


'15. Cardıium Linn. 


f 
1) C. deecussatum Mant. xxv, 3; GoLDF. cXLV, 2. 


16. Panopaea MENARD. 


 1)P. tenuisulcata ». Lang, schmal, am Schlosse 
sehr aufgeblasen, mit dem langen, weitklaffenden, oberwärts 
stark zusammengedrückten hinteren Theile weit über die 
Schloss-Linie emporsteigend, und mit engen und tiefen kon- 
zentrischen Furchen bedeckt, welche nach hinten in zarte 
Linien auslaufen, 


C. Schnecken. 


1. Patella Li. 


1) P. striatula n. Oval, hochgewölbt und geblich- 
braun gefärbt; Scheitel fast mittelständig; mit ausstrahlen- 
den feinen, scharfen Rippen bedeckt, welche von konzentri- 
schen, auch im Innern der Schaale bemerkbaren zarten 
Runzeln durchkreutzt werden. Die Scheitel bilden ein glat- 
tes, halbdarchsichtiges Knötechen. Längster Durchmesser 
a 

2) P. constrietan. Feuerstein-Kern; kurz-oval, fast 
kreisförmig und rundlich gewölbt, mit ziemlich spitzem, vor 
der Mitte stehendem Scheitel; glatt und zart konzentrisch 
gerunzelt. Zu beiden Seiten des Scheitel-Punktes sind die 
Ränder der Schaale etwas eingebuchtet und emporgezogen. 
Längster Durchmesser 2%, 

3) P. orbis Rorm. Kreide-Geb. xı, 1; Geinıtz xvı, 4. 


‘2. Rostellaria Lmck. 


1) R. Parkinsoni Manr. xvıu, 1, 2, 4, 5, 6, 10; 
Fırron xvın, 24; Geinitz xy, 1,2. Am ähnlichsten den 
Abbildungen bei Manzert Fe. 2 und 6, aber noch etwas 
grösser. 

2) R. anserina® Nırss. ıı, 6. Bruchstück , bestehend 
aus dem letzten Umgange und einem Theile des Flügel- 


364 


förmigen, gerippten Fortsatzes; sehr wahrscheinlich hier- 
her gehörend. 


3. Delphinula Luck. 


Der von Rormer, Kreide-Gebilde, S. S1 beschriebene 
und xıt, 2 als D. coronata abgebildete Abdruck in Feuer- 
stein befindet- sich- zwar in meiner Sammlung, wurde je- 
doch als unbestimmhar zurückgelegt und ist jetzt nicht auf- 
zufinden. Ich lasse dessen Bestimmung daher bis weiter auf 
sich beruhen, indem ich ausser Stande bin, zur Zeit aus 
eigener ‚Ansicht darüber zu urtheilen. 


4. Trochus Lınn. 


1) T. laevis Nuss. ıı, 2. 

2) T. (9) inflatus n. Aufliegender Kreide-Kern, 31”, 
hoch und eben so breit, mit drei schwach-gewölbten Um- 
gängen, welche zart queergestrichelt sind. Nahe unterhalb 
der Mitte des letzten Umganges ist ein schwacher, aber 
deutlicher abgerundeter Kiel bemerkbar. 

3) T. ($) granulato-lineatus n. Ein auf Kreide 
liegender Kern, niedergedrückt kegelförmig und aus drei 
mäsig gewölbten Umgängen bestehend. Sechs zarte und mit 
Knötchen besetzte Linien folgen der Richtung der Windung. 
Der untere Theil des Gehäuses liegt verdeckt, es konnte 
daher die Geschlechts-Bestimmung nur nach dem allgemeinen 
Habitus geschehen; sie ist mithin unsicher. 


3» Cirrus Sow. 
1) C. perspectivus Manr. xviıu, 12, 21. Genau und 
in derselben Lage, wie die Fg. 21 bei Manrteır. 


D. Cephalopoden. 
l. Belemnites BREYN. 


1) B. muceronatus v. Scuuoru.; Sow. 600, 1-4, 
6, 7; Nırss. u, 1; Zeih. xxxuı, 10. Sehr häufig in den 
Rügen'schen Kreide-Lagern und zu Qustzin; nicht minder 


Br 


365 


allenthalben in hiesiger Mollasse und besonders im Mergel, 
Ist sehr veränderlich, so dass die Extreme sich nur durch 
zahlreiche Übergangs-Formen verbinden. Der Körper ist 
in der Regel und auch die Bruch- Flächen sind nicht 
selten mit Polyparien, Austern u. s. w. überwachsen. 
Gemeinschaftlich, jedoch immer nur selten, findet sich 
mit ihm in der Molasse, besonders im Mergel, B. mam- 
millatus Nirss. ıı, 2; Zeih. xxxın, 12. In unserer Kreide 
ist er bisher nicht gefunden; obgleich über 10,000 Belem- 
niten gesammelt wurden, ist darunter doch kein einziger. 
Es ist diese Art daher nur als Schwedischer Einwanderer 
zu betrachten und desshalb den unsern Kreide-Lagern eigen- 
thümlichen Kreide-Petrefakten nicht beizuzählen. 


2. Nautilus Linn. 
1) N. simplex Sow. 722. Sehr selten, aber deutlich 


und schön. Durchmesser des grössten Exemplars 4” 6. 
2) N. elegans Manr. xxı, 1, 4, S; Sow. 116. 


3 Ammonites. 
1) A. Nutfieldiensis Sow. 208. Obgleich das eine 


vorhandene, 5“ grosse, schöne und deutliche Exemplar im 
Übrigen mit der Abbildung bei Sowersy übereinstimmt, so 
bleibt mir doch hinsichtlich der Richtigkeit meiner Bestim- 
mung einiger Zweifel übrig, indem dasselbe mehr involut 
und etwas kleiner und tiefer genabelt ist. 

2) A. constrietus Sow., Tf. A, obere Figur. Ist 
sehr wahrscheinlich ein Scaphit; es sprechen nicht blos die 
vorhandenen Exemplare, sondern auch selbst Sowersy’s Ab- 
bildung für diese Ansicht. 

3) A. nodifer n., Fg. 19. Kreide-Kern; der vori- 
‚gen Art im Allgemeinen ähnlich; scheibenförmig, ziemlich 
dünn, mit fast parallelen, wenig gewölbten Seiten und ah- 
gerundetem Rücken; sehr involut und rasch an Grösse zu- 
nehmend. Die Seiten fallen gegen die Naht steil ab und 
bilden einen kleinen, tiefen Nabel, in welchem die Zahl der 


566 

wenigen Umgänge nicht bemerkbar ist. Abgerundete, schwache 
Rippen laufen anfänglich vorwärts, aber sogleich wieder _ 
zurückgebogen über den Rücken fort; auf einen Umgang 
kommen etwa 14, doch vermehrt sich diese Zahl durch Ein- 
schiebung von ein bis zwei kürzeren in jeden Zwischenraum, 
besonders am älteren Theil der Schaale. Sowohl auf den 
Haupt-Rippen, als auch auf den eingeschalteten, bilden sieh 
anfänglich eine, dann zwei und endlich drei Reihen abge- 
gerundeter, schwacher Knoten, welehe oberhalb der Mitte 
der Seiten stehen. Die Mündung ist sehr hoch und schmal. 
Loben sind nicht bemerkbar; 2 5“ gross. Das eine vor- 
handene schöne Exemplar verdanke ich der Güte meines 
Freundes, des Hrn. E. Rıcnter zu Bollincken. 


4. Scaphites Sow. 


Unter den wenigen bisher gefundenen, hierher gehören- 
den Stücken befinden sich einige ziemlich vollständige und 
deutliche, welche die nachstehenden Formen erkennen las- 
sen; bei anderen bleibt es noch zweifelhaft, ob sich, wie es 
wahrscheinlich ist, nach besseren Exemplaren dereinst neue 
Arten feststellen lassen. 

1) S. aequalis Sow. 18, 1, 3; Lelh. xxxıı, 8. 

2) S. striatus Mant. xx, 3, 4, 9, 11; 2Se, obliquus 
Sow. 18, 4—7. 4 

3) S. costatus Manrt. xx, S, 12. 

Von Turrilites Montr. bisher keine Spur. 


5. Hamites Parkiıns. 


1) H. attenuatus$ Manr. xıx, 29, 30. Ein’ deut- 
liches Bruchstück, jedoch zweimal so stark, wie die ange- 
führte Abbildung, scheint hieher zu gehören. 

2) H. Mantelli n. Zwei, auf einem Kreide-Stücke 
beisammenliegende und offenbar zusammengehörende, ganz 
gerade Stücke, denen jedoch die verbindende Krümmung 
fehlt; das grössere 5”, das kleinere 3" lang; beide im gröss- 
ten Durchmesser 1’ 6 haltend. Sie sind im Durehsehnitte 


367 


eirund und an beiden Enden gleich stark. Das grössere 
Stück hat gedrängt liegende, einfache, abgerundete, sehr 
wenig schräge laufende Rippen; die ebenfalls einfache Rip- 
pen des kleineren Stückes liegen weniger gedrängt und laufen 
weit mehr schräge. 

Ausser diesen beiden wurden noch die Bruchstücke von 
sechs, anscheinend ganz verschiedenen und wahrscheinlich 
auch noch unbekannten Hamiten gefunden, welehe ich indess 
in der Überzeugung noch zurücklege, dass die Bestimmung 
soleher Fragmente der Wissenschaft eben so wenig nützen 
kann, als wenn man z. B. jeden nur etwas variirenden 
Echiniden-Stachel benennt, zu welchem der Körper doch 
höchst wahrscheinlich bereits gefunden ist, der eine oder 
mehre dieser @uasi-Arten gemeinschaftlich trug, daher der 
Name des Stachels doch wieder gestrichen werden muss, 
- sobald man erst die zusammengehörenden Theile wird er- 
kannt haben. Aus diesem Grunde bezeichnete ich in der 
2. Abtheilung der Monographie S. 658 die hiesigen unbe- 
stimmten Stacheln nur mit a, b, e u. s. w. 


6. Baculites Lmck. 


1) B. anceps Luck.; Nırss. u, 5; Zeth. xxxıı, 6. 
Unter den hieher gezählten Stücken sind einige von mehr 
zylindrischer Gestalt, welche vielleicht B. Faujasii und 
obliquatus angehören. 

2) B. maximus n. : Das vorhandene, fast 4” lange 
Bruchstück bildet im Durchschnitt eine Ellipse, deren lange 
Achse 2" 6 und deren kurze 1” 3“ hält, und mithin auf 
ein Thier von ausserordentlicher Grösse schliessen: lässt, 
besonders da das Stück nur äusserst wenig konisch ist. An 
den Seiten sind einige flach gerundete, zurückgebogene Rip- 
pen bemerkbar, welche vermutben lassen, dass das Stück 
dem vorderen Theile des Gehäuses angehöre. 


7. Böhyncholithus Dr Bramv. 


}) R. eretace»wsn. Die untere Fläche ist glatt, vorne 


368 


etwas konkay und kurz gekielt, hinten abgerundet, konvex 
und aufwärts gerichtet. Der vordere Schnabel-förmige Theil 
erhebt sich schwach gebogen unter einem Winkel von etwa 
50° bis zur Mitte der Körper-Länge und fällt dann konkav 
gebogen nach hinten ab. Die seitlichen Flügel-förmigen 
Spitzen treten scharf vor und sind ein wenig abwärts ge- 
bogen. Die Seiten sind hinterwärts stark zusammengedrückt 
und laufen in eine .abgestumpfte, flache Schärfe aus. Der 
ganze Körper besteht aus horizontal-überlagerten Schichten 
und ist fein längsgestrichelt. Lang 11, breit S'", grösste 
Höhe 6". 

Die Abbildung von R. Voltzii Rormer Oolith-Gebirge 
xı1, 15 ist sehr ähnlich, nur vorne mehr zugespitzt und un- 
ten viel länger und schwächer gekielt. 

Ich schalte dieses Geschlecht, wovon, so weit mir be- 
kannt, noch keine Arten in der Kreide gefunden worden, _ 
hier ein, da demselben eine richtige Stelle im Systeme 
noch fehlt. 


E. Cephalopoda foraminifera D’ORB., Rhi- 
zopoda DUJARD., Bryozoa polythalamia 
EHRENB. | 


1. Nodosarıa Luck. 


1) N. suleata Nirss. ıx, 19. 

2) N. linearis$ Rorm. Kreide-Gebilde xv, 5. 

3) N. monile n. Besteht aus glatten,‘ durch tiefe, 
scharfe Einsehnürungen getrennten Kügelchen. Das längste 
Exemplar hat 9 Glieder. | 


2. Frondicularıa D’ORB. 


DE lingula n. Zungenförmig-elliptisch, am älteren 
Ende etwas spitzer als am jüngeren; mit 10 fast genau recht- 
winkelig gestellten Kammern, welche durch ihre schwach 
vortretende Wölbung der Oberfläche ein gerunzeltes An- 
sehen geben. Die Anfangs-Kammer ist etwas Knoten-förmig 


erhoben und die ganze Spitze ein wenig seitwärts gebogen, 
In den Begrenzungs-Furchen der 6 jüngeren Kammern er- 
heben sich feine Leisten, welche jedoch schon bei der drit- 
ten Kammer den äusseren Rand nicht mehr erreichen und 
bei der siebenten schon ganz verschwunden sind. 

2) F. solea n., Fg. 20. Der kleine, kaum 1‘ lange 
und sehr dünne Körper hat die Gestalt einer vorne zuge- 
spitzten, hinten aber stumpf abgestutzten Schuh-Sohle. Die 
5 Kammern laufen der äusseren Form analog und sind von 
zarten Leisten begrenzt, welche jedoch im Umbiegungs- 
Winkel unterbrochen sind und dort in ein Halbmond- 
förmiges Grübehen auslaufen, welche an der nach vorne 
gerichteten konvexen Seite mit sechs kurzen, divergirend 
ausstrahlenden, erhabenen Linien verziert ist. 

3) F. lineata n. Bruchstück der vorderen Schaale ; 
lang, schmal, sehr dünn ; Kammern spitzwinkelig; der Länge 


nach mit zarten und gedrängten. Linien - artigen Rippen 
bedeckt. 


E) 


3. Marginulina D’ÖRe. 


1)M. nitida rn. Sehr klein und zart, kaum 1 lang, 
glatt, glänzend, schwach gebogen, mit sehr wenig gewölbten 
Kammern, deren leizte zugespitzt-konisch verlängert ist, wie 
Nodosaria suleata in der Abbildung bei Nırsson. 


4. Planularia Derk. 


1) P. nodosa n., Fg. 21. Über die kurze Spiral- 
Mündung hinaus nur wenig abwärts verlängert, und mit 
drei gebogenen längeren und zwei kürzeren eingeschobenen 
knotigen Rippen geziert. 


2) P. compressa n. Glatt, glänzend, zusammenge- 
drückt, sehr wenig gewölbt; mit eingewundenen Anfangs- 
Kammern und konvexer Mund -Fläche, deren rechte Seite 
mehr auswärts gebogen ist, wie die linke; die Begrenzungs- 


Wände der 9 Kammern sind kaum bemerkbar. 
Jahrgang 1842. z 37 


970 


5. Textularia Der®. 


1) T. elongata n. Länglich, nur wenig konisch und 
abgerundet zugespitzt, zusammengedrückt und glatt; jeder- 
seits mit 7 halbdurchsichtigen Kammern, deren jüngste je- 
doch ganz dunkel ist. Rormer’s Abbildung, Jahrb. 7838, 
Heft 4, Tf. um, Fg. 18 ist am ähnlichsten. 


6. Bulimina D’ORE: 


1) B. amphiconica n. An beiden Enden konisch zu- 
gespitzt, am oberen Ende schärfer; rechts gewunden; die 
Kammern wie bei Helix aufgeblasen und ihre Zahn-förmige 
Zusammenfügung nur an einer Seite des Gehäuses bemerkbar. 


7. Valvulina p’ORr. 


1) V. tribullata n. Abgerundet dreiseitig-pyramidal 
und glatt, 'mit 10 schwachgewölbten Kammern, deren 3 
einen Umgang bilden; die länglich-abgerundete, Spalt-förmige 
Öffnung strahlt von der Achse des Gewindes aus; eine 
Hauben-förmige Bedeckung derselben ist nicht bemerkbar 
und vielleicht zerstört. " 

2) V. quadribullata n. Abgerundet vierseitig-pyra- 
midal und glatt, mit 13 schwach-gewölbten Kammern, deren 
4 einen Umgang bilden; im Übrigen der vorigen ähnlich. 


Ss. Rotalia Luck. 
1) R. turgidan., Fg. 22. Niedergedrückt-kugelig, mit 


Trochus-artiger zweimaliger Windung. Die vorhandenen 
6—8 Einschnürungen an der linken Seite radial ausstrahlend, 
an der rechten aber vorwärts gerichtet, sichelförmig; erste 
erhebt sich abgeflacht-konisch; letzte aber mehr spiral und 
aufgeblasen empor, besonders die letzte Kammer, deren 
Mund-Fläche daher lang- und schief- eirund, und fast 3mal 
so breit als hoch ist und seitlich stark herabhängend den 
kaum bemerkbaren kleinen Nabel fast ganz verdeckt. — 
Ist veränderlich und eben so häufig an der rechten als an 


der linken Seite genabelt. 


571 


2) R. constrieta n. Niedergedrückt-seheibenförmig, 
bis 3mal gewunden , mit 9—11 Einschnürungen auf der letz- 
ten Windung. Die rechte Seite ist nur wenig konisch er- 
haben und die linke dagegen nur schwach vertieft. Die 
Mund-Fläche ist etwas schief, verkehrt Herz-förmig. 


9. Globigerina D’ORR. 


1) G. globosa n. Kugelförmig; durch eine sehr 
schwache Einschnürung kaum bemerkbar in zwei gleich grosse 
Halbkugeln geschieden, deren eine mit einer kleinen läng- 
lichen Spalte geöffnet ist, die im rechten Winkel auf der 
Einschnürung steht. Die gegenüberliegende Halbkugel scheint 
noch aus zwei Kammern zu bestehen, welches in der Nähe 
der Spalte durch eine schwache kurze Furche angedeutet ist. 

2) G. eonfluens n. Kugel-förmig und aus vier zu- 
sammengeflossenen kugeligen Kammern bestehend, deren 
Wölbung nur an der Öffnung bemerkbar ist, wo ihre kur- 
zen Trennungs-Furchen in Form eines Kreutzes (7) in ein 
Grübehen zusammenlaufen, woraus die längliche Öffnung ver- 
tikal emporsteigt. In dieser Lage betrachtet, sind die beiden 
seitlichen Kammern am kleinsten, von der entgegengesetzten 


Seite ist eine Scheidung der Kammern nicht bemerkbar. 


10. Truncatulina p’ORR. 


1) T. sublaevis n. Oval, fast kreisrund und glatt; 
die flache rechte Seite ist meist etwas konkav und irregulär 
mit Rippen und Grübchen bedeckt; die linke Seite ist stark 
gewölbt, mit 4—5 kaum bemerkbaren Einsehnürungen; der 
Rücken scharf. 


1l. Planorbulina Dp’ORe. 


1) P. angulata n., Fg. 23. Scheiben-förmig , abge- 
rundet fünfeckig, sehr wenig schief, mit 14 deutlichen, 
scharfen Einschnürungen , wovon auf jede Seite des Fünf- 
ecks zwei, und mithin 3 Kammern kommen. Die tiefgenabelte 


rechte Seite lässt zwei vollkommene Umgänge erkennen; 


ww 
DW * 


572 


der: Wirbel der linken Seite tritt über die Fläche der Schaale 
nicht vor. Die Mund-Fläche ist abgerundet rautenförmig 
und ein wenig zurückgelehnt. Eine Öffnung ist nicht be- 
merkbar. | 

3) P. umbilieata n. Scheiben-förmig kreisrund ; die 
rechte Seite mehr, die linke weniger gewölbt, und mit S—-10 
schwächeren Einsehnürungen als die vorige, dagegen aber 
schiefer und der Nabel tiefer, welcher 2 Umgänge deutlich 
erkennen lässt. Die Mund-Fläche ohne sichtbare Öffnung 


ist oval, fast kreisrund, 


12. Robulina D’Ore. 


1) R. Comptoni vD’Ore,; Rorm. Kr.-Geb. xy, 33 — 
Nautilus Comptoni Sow. 121. ah 

2) R. sublaevis n. Scheiben-förmig, stark gewölbt, 
fast glatt, mit schnell an Höhe zunehmenden Windungen, 
deren letzte S Kammern zeigt, die durch sichelförmige, 
rückwärts gebogene Linien schwach begrenzt sind. Die Mund- 
Fläche verkehrt, lang Herz-förmig. 

3) R. erenata n. Scheiben-förmig, mittelmäsig stark 
gewölbt, mit scharfem Rücken, grosser und konvexer Nabel- 
Scheibe und 11—12 Kammern, deren Begrenzung durch 
etwas rückwärts gebogene, ausstrahlende Furchen angedeutet 
ist. Die Mund-Fläche breit und abgerundet lanzettförmig. 


13. Cristellarıa Lımck. 


1) C. exarata n. Scheiben-förmig, stark gewölbt, mit 
9 aufgsblasenen Kammern, welche hinter den scharfkantig 
vortretenden, rückwärts gebogenen Begrenzungs - Wänden 
eine ausstrahlende, breite, tiefe, scharfe Furchen haben. 
Die Mund-Fläche verkehrt Herz-förmig, Lunge der Mitte 
schwach gekielt, 

2) C. planicosta n., Fg. 24. Scheiben-förmig, stark 
gewölbt, mit 6 Kammern, deren Scheidewände scharf, aber 


abgeplattet und etwas S-förmig zurückgebogen,; vortreten; 


373 


_ ebenso ist der Rücken scharf gekielt und abgeplattet. Die 
'Mund-Fläche verkehrt Herz-förmig. 

3) C. productan. Scheiben-förmig, mittelmäsig stark 
gewölbt und mit scharfem Rücken. Die Scheidewände der 
8 Kammern sind anfänglich Sichel-förmig, stark vorwärts 
geschoben und dann zurückgebogen. Demgemäss ist auch 
die im Umrisse elliptische Mund-Fläche gebildet, deren kleine 
runde Öffnung Ring-förmig vortritt und ein wenig vom Rü- 
cken entfernt liegt. 

4) C. obliqua n., Fg. 25. Scheibenförmig, stark ge- 
wölbt, mit scharf-gekieltem Rücken und ein wenig schief; 
schnell an Höhe zunehmend; S Kammern dureh rückwärts 
gekrümmte, in der Mitte der Länge ein wenig geknickte 
Rippen begränzt. Die Mund-Fläche lang und gerundet drei- 
eckig. An beiden Seiten der Mund-Fläche sieht man die 
Ränder des Gehäuses, wahrscheinlich zur Bildung einer neuen 
Kammer, bereits etwas vorgewachsen; es scheint als wenn 
sie im lebenden Zustande biegsam gewesen seyen, indem sie 
irregulär-faltig, etwas zusammenklappen. 

5) CE. retroflexa n. Lang, Scheiben- oder Kahn- 
förmig, stark gewölbt, mit sehr schnell an Höhe zunehmen- 
den Windungen und 10, durch Sichel-förmig zurückgebogene 
Linien begrenzten Kammern, deren letzte an den Seiten 
stark aufgeblasen. Der Rücken ist schwach gekielt; die 
Mund-Fläche verkehrt kurz-Herz-förmig und sehr rückwärts 
gelehnt, und ihre obere Spitze erscheint bei 24maliger Ver- 
grösserung radial gestreift; eine Öffnung ist bei 4Smaliger 
Vergrösserung noch nicht bemerkbar. 


14. Orbignyna, nov. gen., nob. 

Frei und gleichseitig; Gewinde spiral, nur eines sicht- 
bar; Kammern einfach, schnell an Höhe zunehmend; Mund- 
Fläche gross, konvex, mit rundlicher Öffnung in der Mitte. 

1) 0. ovata n., Fg. 26, Eiförmig und kugelig gewölbt, 
mit rundlichem, etwas zusammengedrücktem Rücken. Von 
hinten betrachtet treten die Seiten Flügel-förmig vor und 


374 


bilden hei der schnellen Zunahme der 5 Kammern eine 
grosse, stark-konvexe, abgerundet-rautenförmige Mund-Fläche 
mit länglich gerundeter Öffnung in der Mitte. 


15. Nonionina D’ORB. 


1) N. globosa n. Fast kreisrund, sehr kugelig ge- 
wölbt, mit flach-gerundetem Rücken und ein wenig schief. 
Die 7 Kammern sind sehwach gewölbt und durch gerade- 
ausstrahlende und über den Rücken fortlaufende, kaum be- 
merkbare Furchen getrennt. Die Mund-Fläche umfasst den 
letzten Umgang, wie eine Haube, mit fast viermal grössrer 
Breite als Höhe; sie hängt an der linken Seite zuweilen 
etwas tiefer herab. 


Erklärung der Abbildungen. 
Tafel IX. 


Fg. 1, Crania costata, S. 530; a die obere Schaale ın uatürlicher 
Grösse ; b dieselbe 3mal vergrössert, 

» 2, Crania barbata, S. 531; a die untere Schaale von innen in 
natürlicher Grösse; b die untere; ce die ebere Schaale; d deren 
Aussenseite 3mal vergrössert. 

»„ .3, Crania larva, S. 532; ebenso. 

» leonina, S. 533; a die uutere Schaale von innen in 
natürlicher Grösse; b und c dieselbe von innen und aussen 
5mal vergrössert. 

»„ 5, Terebratula Humboldtii , S- 539; a Veutral- Ansicht; b 
Seiten-Ansicht und ce Stirn-Ansicht in natürlicher Grösse; d ein 
vergrössertes Stück. 

»„ 6, Terebraiula Fittoni, S. 542; a Ventral-Ausicht; b Seiten- 
Ausicht und e Stirn-Ansicht in natürlicher Grösse. 

» 7, Orthis Bronnii, S. 543, a in natürlicher Grösse; b Ventral- 
Ausicht; e Seiten-Ansieht und d Stiru-Ansicht, 3mal vergrössert. 

» 8, Orthis Buchii, S. 544; ebenso, aber b, c und d 4mal ver- 
grössert. ; 

»„ 9, Orthis hirundo, S. 545; ebenso. 

„ 10, Ostrea pes-hominis, S. 545; die obere Schaale 2mal ver- 
grössert, 

„ 11, Pecten striatissimus, S. 552; a in natürlicher Grösse; 
b ein vergrössertes Stück. 

„ 12, Liwa Forchhammeri, S. 555; ebenso. 


379 


Fg. 13, Lima Geinitzii, S. 556; ebenso. 


» 


„ 


14, Arca striatissima, S. 560; Kreide-Kern in natürlicher 
Grösse. 

15, Arca minor, S. 560; ebenso, 

16, ,„  divisa, S. 560. 

17, ,„ semicostata, S. 560; ebenso; a von der Seite; b 
von vorne, 

18, Isocardia Corculum, S. 562; ebenso; a von vorne; b 
von der Seite. 

19, Ammonites nodifer, S. 565; Kreide-Kern in halber Grösse; 

: a von der Seite; ‘b Durchschnitt. 

20, Frondicularia solea, S. 569; a in natürlicher Grösse ; 
b und ce Flächen- und Kanten-Ansicht, stark vergrössert. 

21, Planularia nodosa, S. 569; ebenso, 

22, Rotalia turgida, S. 570; a in natürlicher Grösse; b die 
rechte; ce die linke Seite und d von vorne, stark vergrössert. 

23, Planorbulina angulata, S. 571; ebenso. 

24, Cristellaria planicosta, S. 572: a in natürlicher Grösse ; 
b von der Seite und ce von vorne, stark vergrössert. 

25, Cristellaria obliqua, S. 573; ebenso. 

26, Orbignyna ovata, S. 573; a in natürlicher Grösse; b von 
vorne; c von der Seite; d von hinten, stark vergrössert. 


Dun 


Über 


einige Petrefakte des Zechsteins 
und Muschelkalks, 


von 


Herrn Dr. H. BRUNO GeIinITz. 


Hiezu Taf. X, Fg. 1—14. 


: Bei Anfertigung eines kritischen Registers der Ver- 
steinerungen, welche in Obersachsen und Lausitz aufgefun- 
den worden sind, und welches zu einer Gaea Saxoniae be- 
stimmt ist, die eben gedruckt wird, hat mich auf mehre 
noch nicht sicher bestimmte Arten geführt, deren Beschrei- 


bung und Abbildung ich hier mittheile. 


I. Muschelkalk. 

1) Koprolithen: Fg. 1, 2, 3. — Längliche, nach 
oben sich verengende, unregelmäsig gerundete Körperchen, 
3/4—4°' lang, welche unregelmäsige Queer-Furchen zeigen, 
wodurch die Oberfläche eine entfernte Ähnlichkeit mit einer 
Zapfen-Frucht bekommt, können bei der grossen Ähnlichkeit 
ihrer äusseren und inneren Struktur mit Koprolithen aus 
anderen Formationen nichts anderes als Exkremente, wahr- 
scheinlich von Fischen, seyn. — Mit Schuppen von Gyro- 
lepis tenuistriatus und G. Albertii, Zähnen von Hy- 
bodusplicatilis, Acrodus Gaillardoti, Psammodus 


577 


angustissimus zusammen in den obersten Schichten (des 
Muschelkalkes bei Matlstedt im Weimarischen. 

In der Sammlung des Dr. E. Scumio in Jena. 

2) Natica oolithica Zenk. (Taschenb. von Jena 1836, 
S. 228), Fg. A ab, 5, 6. — Ei-förmig bis von oben zu- 
sammengedrückt kugelig, mit 3—4 Windungen, von denen 
die letzte sehr bauchig ist, -mit gewöhnlich gar nicht her- 
vortretender Spira und einer sehr vertieften Naht, in 
deren Nähe eine Kante läuft. Glatt und von der Grösse 
eines Senf-Korns bis zu der einer Linie. — Oberer Mu- 
schelkalk vom Jägerberge bei Jena. 

In der Sammlung des Dr. E. Scamio. 

3) Buceinum gregarium v. Scuzorn. (Nachtr. Tf. 32, 
Fg. 6; B. helieinum Zenk. Taschenbuch von Jena, 
$. 229 scheint nicht speziell verschieden). Fg. 8a, b. Ei- 
förmig zugespitzt mit 4—5 niedrigen gerundeten Windun- 
gen, von denen die letzte bauchig ist. Mund - Öffnung ist 
Ei-förmig. Die Naht ist sehr vertieft, da die späteren 
Windungen die früheren etwas umschliessen. Oberfläche 
glatt. — Wellenkalk von Zwälzen bei Jena. 

In der Sammlung des Dr. E. Schmiv, 

4) B. turbilinum v. Schtorn. (Nachtr. Tf. 32, Fg. 5). 
— Fg. 7. Kurz Kegel-förmig, mit 3—4 gewölbten Win- 
dungen, welche einander weniger als bei der vorigen Art 
umschliessen. — Mit voriger zusammen. 

In der Sammlung des Dr. Scumi, 

5) Arca $Schmidii m. (v. Scuroru. Nachtr. Tf. 33, 
Fg. 5). — Fg. 9. Queer Ei-förmig bis elliptisch, hinten 
mit einer oben gerundeten Ecke, bauchig, mit wenig nach vorn 
liegendem, stark herabgebogenem, aber vorstehendem und 
stumpfem Wirbel. Die glatte Schaale zeigt nur konzentri- 
sche Anwachs - Streifen. — Mit Aviecula soecialis und 
Venus nuda zusammen am Jenziy bei Jena. 

In der Sammlung des Dr. E. Scumi. 

6) Cucullaea nueuliformis Zenk. (Taschenb, von 
Jena, 8. 227). — Fg. 11. Bauchig 


g, queer verlängert, mit 


>78 


stumpfen, etwas genäherten, kleinen Wirbeln, welche fast 
in 4 der Breite nach vorn liegen. Die vordere Seite bildet 
nach oben eine gerundete Ausbiegung und umschliesst ein 
Ei-förmiges Mondcehen; auf der hinteren, steil abschüssigen 
Seite läuft eine flache Furche von der Nähe des Wirbels 
nach dem unteren Rande. Auf dem hinteren Schloss-Rande 
zählt man 3 —4 lange Zähne. Schaale glatt. — In der 
Rhizokorallium-Schicht mit Trigonia Goldfussii. 

In der Sammlung des Dr. E. Scumm, 

7) Venus nuda Goıor, (v. Zıer, Verst. Württemb. 
'Tf. 71, Fg. 3). — Fg. 10 (Var.).' @ueer-Ei-förmig, bauchig, 
mit in der Mitte stehenden, stark vorwärts gebogenen und 
einander genäherten, stumpfen Wirbeln, vorn mit einem 
Ei-Lanzett-förmigen Mondehen, welches durch eine Kante 
begrenzt ist. Die hintere Seite fällt gleichmäsig, aber steil _ 
konvex ab, die obere vordere ist im Ganzen etwas konkav 
und ertheilt der Muschel ein der Cucullaea ähnliches An- 
sehen. Schaale glatt. — Mit Nucula Goldfussii Arserrı, 
Goror. Tf. 124, Fg. 13, welche ich für nicht verschieden 
von Corbula dubia Münst.. Goror. Tf. 151. Fg. 13 
halte, am Jenzig bei Jena. 

In der Sammlung des Dr. B. Corra. 


ll. Zechstein. 


1) Orthis excavata m. — Fe. 12 a, b, und 13. 
Die Form ist Taschen-förmig , fast wie von O. testudina- 
via Darm. (bei v. Bucn Delthyr. Tf. 1, Fg. 17 und 18). 
Die grösste Breite der Schaale ist unter der Mitte; die 
Stirn sehr sanft auswärts gebogen. Die Rücken-Schaale ist 
gleichmäsig gewölbt nach dem kleinen erhabenen Wirbel zu, 
oben aber nach beiden Seiten hin schnell abfallend. Die 
Bauch-Schaale ist stark vertieft, nur bei jungen Exem- 
plaren weniger tief, und ihre grösste Tiefe ist in der Mitte. 
Die Oberfläche beider Schaalen ist dicht mit feinen kon- 
zentrischen Runzeln bedeckt, zwischen denen auf. der 
Rücken - Schaale viele dünne Stacheln stehen, welche aber 


579 


meistens nur kleine Knötchen hinterlassen. Die feingegit- 
terte Dorsal- Area ist hoch, die Ventral- Area sehr niedrig. 
— Fg. 13: eine Dorsal - Schaale, 13 a: ihre Area; Fg. 12 
a,b: der Abdruck der Ventral-Schaale, wobei man noch 
deutlich die beiden Areen im Abdruck sieht. — Zechstein- 
Dolomit der Altenburg bei Pösnech. Im Freiberger Kabinet. 

2) Cyathophyllum profundum Germar. — Fg. 14 
und 14 a im Durchschnitt. Umgekehrt lang Kegel- förmig 
mit tief herab gehender konischer Mündung. Die starken 
Längs - Linien der Oberfläche, deren man oben gegen 15 
zählt, werden unregelmäsig und häufig durch konzentrische 
erhöhete und vertiefte Wachsthums-Ringe und Linien un- 
terbrochen. — Das untere Ende des Ganzen ist gewöhnlich 
etwas seitwärts gebogen. Die Mündung geht bis zur Mitte 
der Höhe, sogar noch tiefer herab. Die Vertheilung der 
Queer-Lamellen, deren in der Mitte der Länge etwa 24 
vorhanden sind, ist nieht ganz regelmäsig. In einem durch- 
gebrochenen Exemplare stehen die 4 bis zur Axe laufenden 
fast im Kreutz, und zwischen ihnen 5—6 kleinere, welche 
auch ziemlich abwechselnd kleiner und grösser sind. — In 
Zechstein von Jlmenau. 

Min. Museum in Halle; Sefnmikanzcn von Pens aupe 

mann FREIESLEBEN und Dr. Scamip, 


Briefwechsel, 


Mittheilungen an den Geheimenrath _v. LEONHARD 
gerichtet. 


Genf, 9. Juni. 1842, 


Einer unserer jungen Mineralogen, Hr. Favre BertrannD, hat kürz- 
lich der hiesigen physikalischen Sozietät eine Notiz mitgetheilt, über 
ein neues von ihm in Ober- Wallis entdecktes Mineral. Die Substanz 
zeigt viele Ähnlichkeit mit Zirkon; allein sie wird von Feldspath ge- 
ritzt, auch scheinen die Neigungs-Winkel der sekundären Flächen auf 
merkbare Differenzen in der Form hinzuweisen. Bis jetzt hat man in- 
dessen nur einen Krystall, so dass es nicht möglich war, auch nur 
den geringsten chemischen Versuch zu machen. 


SoRET. 


Stuttgart, 21. Juli 1842. 


In einem Liasschiefer-Bruche zwischen dem Bade Boll und dem 
Dorfe Pliensbach, Oberamts Kirchheim, haben die Arbeiter schon vor 
mehren Wochen den Abraum in der Absicht in Brand gesteckt, um den 
Schiefer schneller, als es durch Verwitterung geschieht, urbar zu machen, 
Sie haben zu diesem Zwecke den sehr ausgetrockneten Schiefer mit 
Reisig, Stroh u. s. w. geschichtet und angezündet, worauf sich von 
selbst die Gluth langsam auf der ganzen Halde und bis zu 10' Tiefe ver- 
breitete. Bekanntlich enthält der Boller Lias-Schiefer viel Bitumen, das 
sich schon durch Reiben an einem andern Körper und an heissen Som- 
mertagen in den Steinbrüchen durch den Geruch leicht erkennen lässt. 
Der Schiefer verbrennt daher unter einem starken Bitumnen-Geruch und 
unter Ausstossen von Rauch leicht und erhitzt sich dabei bis zur Glüh- 
Hitze, so dass seine dunkelgraue Farbe in eine hellrothe umgewandelt 
wird. Er wird spröde, rissig und verliert an seiner spezifischen Schwere. 
An den Stellen aber, wo nur eine sehr unvollständige Verbrennung Statt 


581 


finden kann, wird der Schiefer zuerst dunkler an Farbe und feucht von 
ausgeschiedenem Bitumen, wodurch er ein russiges Ansehen bekommt. 
An manchen Stellen sammelt sich das ausgeschiedene Bitumen in Tro- 
pfen an, die sich nach und nach zu einer kleinen Rinne vereinigen. 
Kommt dieses angesammelte Bitumen mit dem glühenden Gestein in Be- 
rübrunz, so eutzündet es sich und brennt nicht selten mit einer auf- 
lodernden Flamme, 

An einer Stelle,;wo die Halde schon bis auf ihre Tiefe durchgeglüht 
ist, hat sich durch das Zusammensintern des: Schiefers eine schwache 
Mulden-förmige Vertiefung gebildet. Schon in früherer Zeit muss der 
Liasschiefer an mehren Stellen in der Umgegend im Brand gewesen 
seyn und diesersich weit verbreitet haben, wie man noch heut zu Tag an den 
rothen Äckern zwischen Zell und Ohmden wahrnehmen kann. Im Jahr 
1836 sah ich beim Graben eines Kellers in dem Dorfe Zell bei einer 
Tiefe von 15—20' ganze Schichten von rothgebranntem Liasschiefer, 
von dem ich noch Belege in ‚meiner Sammlung habe. Ob er damals 
auch in Brand gesetzt worden, oder ob der Brand freiwillig, etwa durch 
"Zersetzung des häufig im Liasschiefer vorkommenden Schwefelkieses 
verursacht gewesen, ist nicht bekannt; jedenfalls aber hat sich der Brand 
damals auf einem nicht unbeträchtlichen Stücke Landes verbreitet. 


Dr. F. Krauss. 


Lyon, 21. Juli 1842. 


Ich säume nicht, Ihnen Nachricht zu geben von einem Ausfluge, 
welchen ich in das Dauphine gemacht und der den erratischen Blöcken 
galt. Der grosse Sumpf von Bourgoin hat auf seinem NW. - Ufer 
Kalkstein, dessen Schichten oft zu Tage gehen; auf dem SO. - Ufer 
sieht man nur Hügel von Diluvial- Gebilden, Lehm und Gruss. Auf 
beiden Ufern finden sich in unermesslicher Menge erratische Blöcke, 
theils im lockern Boden begraben, theils auf den Kalk-Schichten, oft in» 
beinabe horizontsler Lage. Unter diesen Blöcken kommen Protogyne, 
Granite und Gneisse vor. ferner Quarz-Gesteine mitunter von auffallen- 
der Weisse, sodann Grauwacke, Hornblende - Gestein, Jurakalke,. kör- 
nige Kalke, sehr feste Konglomerate, weiss, grün, auch roth von Farbe, 
wie jene von Zürich. Ich habe eine Karte aufgenommen, um zu sehen, 
ob in Vertheilung der Blöcke gewisse Regeln vorwalten. Icl fand, dass 
gegen den Thal-Grund hin vorzugsweise körnige Kalke getroffen wer- 
den; die Protogyne herrschen an gewissen Stellen des NW.- Ufers, 
und die Konglomerate findet man hier gleichfalls an verschiedenen Punk- 
ten. Manche „Grünsandstein - Brekzien“ (Poudingues a gres vert) 
— wovon Sie später mehr hören sollen — sind auf eine einzige Örtlich- 
keit beschränkt. Hornblende-Gesteine, Blöcke von 8—10' Durchmesser, 
erscheinen sehr häufig auf dem SO. - Ufer. 

Auf diesem SO.-Ufer habe ich auch Schichten ungemein harten 
Jurakalkes getroffen, die durch Strömungen augenfällig polirt worden; 


582 


ihre gerundeten Enden sind mitunter dem Profile einer Säulen-Basis ähn- 
lich. Eine halbe Stunde von Passin ist das Phänomen wahrzunehmen, 
Die polirten Flächen streichen Rh. 3; zuweilen ist die Glättung besonders 
vollkommen. — Wäre ich nicht durch ungünstiges Wetter gehindert 
worden, so würde es mir ohne Zweifel gelungen seyn, noch andere 
- polirte Flächen zu entdecken, und die allgemeine Richtung der Strömung 
hätte sich ausmitteln lassen. 

Betrachtet man diese mächtigen Diluvial-Ablagerungen, wo inmitten 
von Lehm, von Gruss und von Rollstücken sich in jeder Tiefe grosse 
eckige Blöcke der verschiedenartigsten Gesteine finden, so drängt 
sich die Frage auf: wie kommt es, dass zwischen Geschieben von Quarz, 
von Hornblende-Gesteinen u. s. w. Blöcke von Fels-Arten weit geringerer 
Härte, wie u. A. Kalksteine, ihre Ecken und Kanten behalten konnten? _ 
— Ich glaube in folgender Beobachtung die Antwort auf jene Frage 
gefunden zu haben. In Einsenkungen kalkiger Schichten, wo die Ab- 
lagerung gleich geschützt war gegen die Wirkung der Strömungen, fand 
ich, inmitten von Sand und von Kalksteinen, eckige Blöcke. 

Die Rollsteine, d. h. die kalkigen, lassen Eindrücke von andern 
Geschieben wahrnehmen, ähnlich jenen, wie ich solche in der Nagelflue 
bezeichnet habe *), und selbst tiefe Ausnagungen. Viele tragen noch 
Spuren des Bindemittels, welches sie einst zur Nagelflue verkitteten. 
Diese schou zugerundeten Rollstücke wurden ihrem Mutter-Gestein, 
der Nagelflue-Bildung, durch die nämliche Katastrophe eutrissen, welche 
die grossen eckigen Blöcke fortführte. Die Abrundung dieser nämlichen 
Rollstücke war Resultat eines Ereignisses, welches deu Katastrophen vor- 
anging, welche die grossen Blöcke fortschafften. In Wahrheit, ein 
Transport auf eine Weite von 50—60 Stunden würde keineswegs zu- 
reichen, um kleine Blöcke von Quarz-Härte zuzurunden; hierzu bedarf 
es nicht unterbrochener Meeres-Wirkungen. Das Meer ist es, welches 
alle diese Rollsteine zurundete und in den Nagelflue-Formationen ab- 
lagerte. Die Katastrophe, welche die eckigen Blöcke fortführte, hat 
auch Nagelflue-Blücke diesem Gebilde entrissen; das Binde-Mittel wurde- 
zerstört, die Geschiebe blieben isolirt. Übrigens trifft man erratische 
Nageflue - Blöcke ausserordentlich selten. In der letzten Umwälzung, 
wovon die Rede, wurden die Rollstücke bloss „gereinigt“, wie diess 
der Fall ist bei allen, welche unsere Flüsse ihren Ufern entreissen. 


LoRrTEr. 


*) Jahrbuch 1836, S. 196. 


>83 
Mittheilungen an Professor BRoONN gerichtet. 


Frankfurt a. M., 10. Juni 1842. 


Zuerst eine Berichtigung früherer Angabe. Durch fortgesetzte gü- 
tige Mittheilungen der HH. Dr. Mouseor und Prof. Schimper stellt sich 
nun heraus, dass der Muschelhalk von Luneville, ausser Simosaurus, 
wirklich auch Nothosaurus umschliesst und zwar in mehren Spezies, 
worunter N. Andriani und N. mirabilis am augenfälligsten. Von 
N. Andriani theilte mir Hr. Dr. Mouceor einen diese Spezies durch- 
aus bestätigenden Schädel mit; der Schädel der Kreis-Sammlung verhält 
sich wie 4:5. Dieser grössern Spezies von Nothosaurus gehört auch 
das schöne vordere Unterkiefer-Ende der Mouseor’schen Sammlung an, 
von dem ich, ehe ich wusste, ob Nothosaurus überhaupt der Muschel- 
kalk von Luneville umschliesse, vermuthet habe, dass er von Simo- 
saurus herrühren könnte. Die letzte Sendung des Hrn. Dr. Mousceor 
kam überaus erwünscht. Sie brachte den Unterkiefer und die vordere 
Spitze des Schädels oder die Zwischenkiefer-Schnautze von Simosau- 
rus. Wenn gleich die Vermuthungen , welche ich über der Beschaffen- 
heit dieser Schnautze hatte, bereits durch den schönen Schädel in der 
Sammlung des Grafen Wır.HuEeLM von WÜRTTEMBERG bestätigt waren, so 
fehlte es doch an der Kenntniss von der Beschaffenheit der Unterseite 
in dieser Gegend, welche an dem nur von der Oberseite entblössten 
Schädel ‚nicht zu erlangen war. Die Schnautzen - Spitze der Moueeor’- 
schen Sammlung zeigt nun, dass die Zähne bis zum vorderen Ende der 
Schnautze nur allmählich grösser werden und zwar ohne Unterbrechung, 
dass sie ziemlich gedrängt aufeinander folgen, und dass also ein auf- 
fallender Unterschied zwischen Schneide-, Eck- und Backen-Zähnen in 
diesem Genus wirklich nicht besteht. Es feblt jetzt eigentlich nur noch 
über die Gaumen - Öffnung genauerer Aufschluss. Ein besonderes In- 
teresse mussten die vom Unterkiefer herrührenden Theile gewähren, 
Die Symphysis des Unterkiefers von Simosaurus ist, auf ähnliche 
Weise wie die Zwischenkiefer-Schnautze, von Nothosaurus verschie- 
den. Das vordere Ende des Ünterkiefers in erstem Genus, einer von 
den Theilen, worin Dr. GAıLLAarDoT, der Vater, Schildkröte vermuthete, 
ist nicht verlängert, sondern stumpf zugerundet, und die Länge der 
Symphysis beträgt kuum die doppelte Breite der Kiefer-Äste und ist da- 
her im Vergleich zu Nothosaurus auffallend kurz. Die Bewaffnung 
dieses Endes besteht wohl in etwas grössern und längern Zähnen, die 
indess von den dahinter folgenden nicht so auffallend verschieden sind, 
als in Nothosaurus. Die Errichtung des Genus Simosaurus erscheint 
also in allen Theilen seines Kopfes gerechtfertigt, und auch die Theile 
des übrigen Skeletts zeigen bei unverkennbarer Annäherung zum Typus 
des Nothosaurus hinlängliche generische Abweichungen. 

Der Muschelkalk von Luneville umschliesst auch Reste von Thieren 
aus der in den beiden Endgliedern der geologischen Trias häufiger sieh 
einstellenden Familie der Labyrinthodonten. Gleichwie ich fand, 


554 


dass die im Schilf- Sandstein des Keupers vorkommenden Genera dieser 
Familie von den in der, vielleicht dem Muschelkalke näher verwandten, 
Letten-Kohle vorkommenden Genera verschieden sind, so sehe ich nun 
auch, dass wenigstens das Genus, von welchem mir Hr. Dr. Mougeor 
aus dem Muschelkalke von Luneville ein Fragment von der hintern Ge- 
gend des Schädels mittbeilte, verschieden. ist von allen mir bis jetzt 
bekannten Genera dieser merkwürdigen und sich immer reicher heraus- 
stellenden Familie aus der Zeit der Trias. Das Schädel-Fragment aus 
dem Luneviller Muschelkalk gehört der Sammlung des Hrn. Kapitän 
Prrrın, und das Thier, von dem es herrührt, nenne ich nach Beschaffen- 
heit der Erhabenheiten auf der Oberfläche des Schädels Xestorrhytias 
Perrinii. Der Reichthum an Sauriern, welche der Muschelkalk dar- 
bietet, ist, auch in Betreff der Typen, noch im Zunehmen. 

Von Hrn. Weısmann in Stuttgart erhielt ich einen etwas fragmen-- 
tarischen Schädel aus dem Muschelkalk von Krailsheim mitgetheilt, der 
eine neue Spezies von der Grösse des Nothosaurus mirabilis 'an- 
zeigt, die ich als N. angustifrons beschreiben werde. 

Unter den, mir von Hrn. PETER Merıan gütigst zugesandten Über- 
resten aus dem Muschelkalk der Schweitzerhalie bei Basel fand ich ein 
Schambein und Unterkiefer-Fragmente von zwei Individuen des Notho- 
saurus mirabilis vor. 

In dem Eiseu-Oolitlı von Aalen kommt ausser den Ihnen früher be- 
zeichneten Glaphyrorhynchus noch ein grösserer Saurier vor, von 
welchem ich indess bis jetzt nur die in den rundlichen Gesteins-Knollen 
zurückgebliebene Räume der Zähne kenne, welche Hr. Graf Müsster 
besitzt. 

Die letzte Ernte an fossilen Knochen in der Braunkoble der Schweitz, 
welche Hrn. A. Escher von Der Lint# mir mittheilte, lieferte zu Käpf- 
nach den ersten in der Braunkohle gefundenen Überrest von einem 
Fleischfresser. Er besteht in einem Bruchstück von der linken Unter-. 
kiefer-Hälfte mit den charakteristischen Zähnen von einem‘ zwischen. 
Dachs und Wiesel stehenden Genus, das ich daher Trochictis, Dachs- 
wiesel nannte; der vorliegenden Form gab ich den Namen Tr. car- 
bonaria. Aus derselben Braunkohle wurden wieder Überreste von drei 
Individuen des Cervus lunatus gewonnen, worunter eine Unterkiefer- 
Hälfte wit den sechs wohl erhaltenen Backenzähnen. Im Betreff der 
Häufigkeit folgt in dieser Braunkohle der C. lunatus unmittelbar auf 
den Nager. Bei dieser Sendung befanden sich auch die fossilen Kno- 
ehen aus der Sammlung in Winterthur, worunter ich den dritten Baeken- 
zahn aus dem Unterkiefer des Mastodon Turicensis erkannte, der 
mir noch nicht vorgekommen war. Diese Sammlung besitzt ferner aus. 
der Molasse von Bichelsee obere und untere Backenzähne von einem. 
grössern Rhinozeros. 

Der Sendung, welche ich dem Hrn. PETer Merıan verdanke, waren 
auch die Stücke beigefügt, die Hr. RıgeengAca in der Molasse der Schweitz 
gesammelt hatte. Es wird dadureli hauptsächlich das Verzeichniss der 


>85 


Stellen, wo die Molasse. der Schweitz Knochen führend sich darstellt, 
erweitert. Dabei waren von Ins im Kanton Bern Überreste von Rhi- 
nozeros, von Schildkröte und von Myliobatis; von Brütteln in 
demselben Kanton nicht näher bestimmbare Kuochen; von Exstavayer 
Überreste von Rhinozeros, von Schildkröte und von Fischen; 
und von Tour de la Moliere Fragmente von Schildkröte, zum Theil 
mit Grübeben auf der Oberfläche der Rückenpanzer-Platten. 

Hr. Professor v. Krırstein hatte die Gefälligkeit, mir die von ihm 
zusammengebrachte sehr beträchtliche Sammlung fossiler Kuochen aus 
der Rheinischen Gegend zur Benutzung bei meinen Untersuchungen an- 
zubieten. Es kam mir diess sehr erwünscht. Ich bin nun im Stande, 
die Wirbelthiere der Eppelsheimer Ablagerung mit denen anderer Lo- 
kalitäten genauer zu vergleichen. Die Verschiedenheit zwischen Ta- 
pirus priscus, von dem in dieser Sammlung die vollständige Gaumen- 
seite mit den Zähnen, so wie Unterkiefer sich vorfinden, und T. hel- 
vetieus ist auffallend. Auch für die Bestimmung der tertiären Wieder- 
käuer ist mir die Benutzung dieser Sammlung sehr erwünscht. Der 
schon bei Aufstellung des Genus Palaeomeryx von mir angegebene, 
zwischen diesem und dem Dorcatherium bestehende Unterschied in 
der Beschaffenheit der Backenzähne bestätigt sich vollkommen, was ich 
nun aufs Genaueste nachzuweisen im Stande bin. Beide Genera ge- 
hören mit Moschus zu einer Abtheilung geweihloser, mit einem gros- 
sen Eckzahn im Oberkiefer versehener Wiederkäuer. Es ist wirklich 
merkwürdig, dass das bei Eppelsheim so häufig vorkommende Genus 
Dorcatberium mir aus keiner der andern mich beschäftigenden Tertiär- 
Ablagerungen bekaunt ist, wogegen in letzten das Genus Palaeomeryx 
häufig begegnet wird, das in der Eppelsheimer Ablagerung selten ist. 
In der Krirstein’schen Sammlung fand ich von Eppelsheim Reste eines 
Palaeomeryx von ganz derselben Grösse, wie das Dorcatherium 
Nauii, welche der des P. Seheuchzeri aus dem tertiären Paludinen- 
Kalk des Salzbach-Thals bei Wiesbaden entspricht. Sie werden ein- 
sehen, zu welch’ interessanten Vergleichungen der verschiedenen Lokali- 
täten des Rheinischen Gebietes untereinander und mit andern Gebieten 
diese Untersuchungen führen, 

Unter den zuletzt von Hrn. Hönıncuaus erhaltenen Überresten aus 
dem Mombacher Tertiär-Kalk befindet sich ein Unterkiefer- Fragment 
von Palaeomeryx medius und ein äusserer Schneidezahn von einem 
grossen Fleischfresser. 

- Es lässt sich nicht verkennen, dass Hr. pe Cnristor bei Gelegen- 
heit der Errichtung seines, aus dem cobern tertiären Meersande von 
Montpellier stammenden Rhinoceros megarhinus (Ann. des sc, nat., 
Zoologie , 1835, IV) grosse Verwirrung in die fossilen Arten von Rhi- 
nozeros theils aus Mangel an gehöriger Kenntniss der verschiedenen 
Arten, theils aber auch aus Mangel an Berücksichtigung des Alters 
oder der Zeit ihres Auftretens in der Schöpfung brachte. Dem Rh, 
tichorhinus legt er nach unzuverlässigen Angaben Schneidezähue bei, 

Jahrgang 1842. RS 38. 


386 


währeud die Beschaffenheit der Zwischenkiefer-Gegend für das Gegen- 
theil zeugt; selbst Cuvıer war der Meinung, dass, wenn diese Spezies- 
Schneidezähne besessen, sie nur klein gewesen seyn und mehr der Ju- 
gend zugestanden haben könnten. CarıstoL stützt sich bei seiner An- 
nahme auf einen Unterkiefer von Montpellier, an dem 4 Alveolen für 
Schneidezähne sich vorfinden; er bedachte dabei wohl nicht, dass man 
Anstand nehmen würde der Ansicht beizupflichten, dass ein Unterkiefer 
aus Tertiärsand einer Spezies angehört habe, deren Vorkommen rein 
diluvial ist. Alle Angaben, über das Vorkommen von Rh. tichorhinus 
in Gebilden älter als die diluvialen beruhen auf Irrthum. Die Beschaffen- 
heit der im Unterkiefer von Montpellier sitzenden Backenzähnen ent- 
spricht auch gar nicht der von Rh. tichorhinus, dessen Backenzähne 
sich überdiess, wie ich nachgewiesen, durch eine dünne Bekleidung mit 
Rinden-Substanz auszeichnen, ein Charakter, der in Rhinozeros sich 
andern Charaktern nur als spezifisch beigesellt, während er in andern 
Thier-Abtheilungen selbst von grösserem als generischem Gewichte ist. 
Der Unterkiefer von Montpellier, woraus CurıstoL beweisen will, dass 
Rh. tichorhinus mit Schneidezähnen begabt gewesen, gehört daher 
offenbar einer andern Spezies an. Zunächst verfällt man dabei auf die 
Vermuthung, dass er von seinem, in derselben Ablagerung vorkommen- 
den Rh. megarhinus herrühre, dessen Schädel überdiess grosse Ähn- 
lichkeit mit Rh. Schleiermacheri zeigt, einer Spezies, in deren 
Unterkiefer ebenfalls 4 Schneidezähne nachgewiesen sind. Der Grund, 
- warum CHRIısToL auf diese offenbar näher liegende Ansicht nicht ver- 
fallen ist, scheint darin zu liegen, dass er den im Sande von Mont- 
pellier gefundenen Schädeln obere Schneidezähne absprach, während sie 
doch gar nicht geeignet sind, über die Gegenwart oder den Mangel 
solcher Schneidezähne zu entscheiden. Durch diesen doppelten Irrthum 
ward Carıstor ferner verleitet, die beiden bei Mainz gefundenen oberen 
Schneidezähne der ehemaligen Sömmerine’schen Sammlung, so wie die 
Schneidezähne von Avaray ebenfalls dem Rh. tichorhinus, und: die 
meisten von den Backenzähnen, - welche Cuvıer unter Rh. incisivus 
begreift, seiner neu aufgestellten Spezies Rh. megarhinus beizulegen; 
Erstes wenigstens widerstreitet der Möglichkeit, da Zähne des dilu- 
vialen Rh. tichorhinus nieht wohl in tertiärer Zeit zur Ablagerung 
gekommen seyn können, und Letztes, nämlich die Aufhebung des Rh. 
ineisivus durch De CuristoL, geschieht um ungefähr dieselbe Zeit, wo 
von anderer Seite her diese Spezies fest begründet wird. Den Schädel 
eines zweihörnigen Rhinozeros von Eppelsheim , von welchem Cuvıek 
durch ScHtEiermacaer eine Zeichnung mitgetheilt erhielt, hält pe Christor, 
da er daran von oberen Schneidezähnen nichts bemerkt, für sein Rh. 
megarhinus, indem er die zwischen beiden s'ch herausstellenden Ab- 
weichungen für Fehler in der Zeichnung und für individuelle Verschie- 
denheit erklärt. Wenn ve Curıstos Recht hat, dass beide Schädel einer 
und derselben Spezies angehören, so kann diess nur zur Folge haben, 
dass diese Spezies mit Schneidezähnen wirklich versehen war, Es stellt 


387 


nämlich die Zeichnung, welche Cuvizr mitgetheilt erhielt, einen Schädel 
von Rh. Schleiermacheri dar, dessen Schneidezähne nachgewiesen 
sind; und von Montpellier sind bis jetzt zwei Schädel bekannt, die 
über Mangel oder Gegenwart von Schneidezähnen keinen Aufschluss 
sewähren, da an dem einen, der dem Hrn. DE CuristoL zur Errichtung 
des Rh. megarhinus diente, die Zwischenvkiefer-Gegend weggebrochen 
und an dem andern, welchen Marcer DE SErRRES zuerst als Rhinozeros 
de Montpellier beschrieb, Cuvier für Rb, tichorhinus ausgab, 
später aber CHrıstor für seine neue Spezies erkannte, die Zwischen- 
kiefer-Gegend ebenfalls unvollständig ist. 

Hr. pe CaeıstoL hebt ferner die Spezies Rh. leptorhinus auf; 
die demselben beigelegten Gliedmaasen-Knochen, welche im Diluvium 
Europa’s, hauptsächlich in Italien sich gefunden, bringt er ihrer Ähn- 
lichkeit mit Rh. Sumätrensis wegen in sem Rb. megarhinus, dem 
er auch die isolirt gefundenen Zähne von Rh. leptorhinus wegen 
ihrer grossen Ähnlichkeit beizählt; an dem Schädel aber des Mailänder 
Museums will CuetstoL durch eine genaue Abbildung finden, dass er 
nicht, wie Cuvıer glaubt, zu Rh. leptorbinus, sondern zu Rh. ti- 
chorhinus gehört, In Betreff der isolirten Knochen und Zähne begeht 
CaristoL auch hier wieder den Fehler, dass er ohne genügenden Grund 
Reste aus Diluvial-Gebilden mit einer terliären Spezies verschmilzt. So 
viel steht fest, dass schon Cvviıer eine zweite Spezies von Rbinozeros 
erkannt hatte, deren isolirt gefundene Zähne eben so auffallend vom 
Rh. tichorhinus abweichen, als sie den Zähnen lebender und tertiärer 
Arten ähnlich sehen. Dieser Spezies, welche er Rh. leptorhinus 
nannte, zählte er auch den Schädel zu Mailand bei. Im Rheinischen 
"Diluvium liegt ebenfalls ausser dem Rh. tichorhinus noch eine zweite 
Spezies begraben, deren Zähne sich von der früher bekannten fossilen 
Art auf ähnliche Weise unterscheiden, gleich wie die des Rh. lepto- 
rhinus; es ist diess Rh. Kirchbergense oder, wie es später genannt 
wurde, Rb. Merckii. Ich finde nun, dass der Schädel in der Gross- 
herzoglichen Sanımlung zu Karlsruhe, der 1807 bei Daxland, eine 
Stunde von Karlsruhe gefunden wurde, nicht, wie man bisher allge- 
mein annahm, dem Rh. tichorhinus, sondern dem Rh. Merckii an- 
gehört, was dieses Prachtstück, woran beide Backenzahn -Reihen er- 
halten sind, um so werthvoller machen wird ; der Bau und die Beschaffen- 
heit der Zähne, so wie die Form des Schädels widerstreiten ganz dem 
Rh. tichorhinus, während, wie in diesem, die Nasen-Löcher durch 
eine knöcherne Scheidewand getrennt sind, aber, wie es scheint, nicht 
auf eine so grosse Strecke. Ausser dieser knöchernen Scheide stimmt 
es mit Rh. tichorhinus, seinem Zeitgenossen, nur noch darin über- 
ein, dass es zweihörnig war und keine Schneidezähne besass. Ich habe 
den Schädel der Karlsruher Sammlung von ällen Seiten genau ge- 
zeichnet und werde Ausführlicheres darüber bekaunt machen. Bei Rh. 
Merckii war bisher übersehen worden, den Rb. leptorhinus in Be- 
tracht zu ziehen ; jetzt ist es wohl Zeit sich dessen wieder zu erinnern. 


nIage> 
[> Des 


388 


Cuvıer bezeichnet dieses Thier als eine Spezies « narincs non cloi- 
sonnees et sans incisives, wovon nur der Mangel an Schneidezähnen 
auf Rh. Merckii passen würde. Nach der genauern Abbildung des 
Mailänder Schädels , welche pe Carısror gibt, sollte man indess glauben, 
dass Rh. leptorhinus mit einer kuöchernen Scheide zwischen den 
Nasen-Löchern versehen war, was vielleicht mit ein Grund ist, warum 
Curıston diesen Schädel für Rh. tiekorhinus hält. Nach eben die- 
ser Zeichnung wäre jedoch ins Mailänder Schädel das Nasenloch nicht 
so lang, das Nasenbein nicht ganz so geformt und die Hinterhaupts- 
Fläche mehr hinterwärts geneigt als inRh. Merckii, was indess auch 
Fehler in der Zeichnung seyn können. Es ist daher, ohne den Mui- 
länder Schädel genauer untersucht zu haben, nicht möglich zu ent- 
scheiden, ob er mit dem Karlsruher zu einer und derselben Spezies 
gehört; so lange bleibt es auch ungewiss, ob Rh. leptorhinus und 
Rh. Merckiıi identisch sind. Bei Daxland fanden sich auch Knochen, 
welche denen von Rh. leptorhinus ähnlicher sind, als denen von Rh. 
tichorhinus, und die aus diesem Grunde von Rh. Merckii her- 
rühren werden. \ ; 

In dem Rheinischen Diluvium ist Rh. Merekii überhaupt über Rh. 
tichorhinus vorherrschend. Die Karlsruher Sammlung besitzt von 
erster Art noch mehre Reste und auch ein Unterkiefer- Fragment, 
welches gleichfalls bei Daxland gefunden wurde und von Rh. Merckii 
herrühren wird, da die Zahn - Beschaffenheit von der in Rh. ticho- 
rhinus abweicht. Bei Leimersheim wurden obre und untre Backenzähne 
gefunden, von denen dasselbe gilt, und zwar mit Überresten von Bos 
und einer Unterkiefer-Hälfte von Cervus, welche einer im Diluvium 
der Lombardei gefundenen vollkommen gleicht, jedoch verschieden ist 
von einer Unterkiefer-Hälfte aus dem Sande von Mosbach ,„ welche grös- 
ser und stärker und auch in den Zähnen abweichend ist. Bei Leimersheim: 
lieferte das Rheinische Diluvium ferner den Eckzahn von einem Felis- 
artigen Fleischfresser von ausnehmender Grösse und Stärke, so dass 
also Felis dem Rheinischen Diluvium wirklich angehört. Dasselbe gilt 
für das fast häufiger gefundene Genus Ursus. Durch Hrn. v. Krirstein 
erhielt ich eine Unterkiefer-Hälfte von einem Bären, welche bei Gerns- 
heim gefunden wurde, zur Untersuchung. Unter den in der Karlsruher 
Sammlung befindlichen Überresten aus dem bei Mauer zwischen Neckar- 
gmünd und Sinsheim unter dem Löss liegenden Diluvial-Sande bemerkte 
ich einen Atlas und die Wurzel von einem Eckzahn, welche beide von 
Ursus herrühren werden. In demselben Sand wurden auch Überreste 
von einem nicht zu Rh. tichorbinus gebörigen Thier gefunden , wor- 
unter das so selten sich darbietende vordere Unterkiefer-Ende; für Rh. 
Mercki: scheinen die Zähne fast zu klein; ich habe meine Unter- 
suchungen darüber noch nicht beendigt. Es kommen damit Reste von 
Bos und von Cervus vor. Mit mehr Sicherheit glaube ich eine bei 
Wörth gefundene Unterkiefer - Hälfte in derselben Sammlung dem Rb. 
Merckii beilegen zu sollen. Es wäre zu untersuchen, wie im Rheinischen 


389 


Diluvium die Abtheilung des Lösses einerseits und die des Geröll- und 
Kies-Gebildes andrerseits sich:zu den beiden Rhinozeros-Arten ver- 
halten; die mir bis jetzt vorgekommenen Überreste von Rh. Merckii 
scheinen sämmtlich aus letzter Abtheilung und die von Rh. ticho- 
sbinus aus dem Löss herzurühren ; zur Annahme einer solchen Ver- 
theilung scheint es mir indess noch zu frühe. Es wäre auch. interes- 
sant zu wissen, ob das Diluvium des Nordens der Erde nur Rh, ti-- 
chorhinus umschliesst; jedenfalls scheint diese Spezies dort die vor- 
herrschende. 

Aus dem tertiären Thoneisen -Oolith von Kressenberg theilte mir 
Hr: Professor v. Krirsteın den vollständigen Cephalothorax von einem 
Kurzschwänzer mit. Er ist von der Oberseite entblösst und zeichnet 
sich durch gresse Einfachheit und staıke Wölbung aus. Am meisten 
gleicht er dem aus dem Tertiär-Mergel von Verona herrührenden Ca n- 
cer Boseii Desm. (hist. nat. des crustaces fossiles par BroNeN1arT 
et Desmarest, p. 94, pl. 8, /g9. 3, 4%), der nach MıLne Epwarpos 
(hist. nat. des crustaces, I, p. 380) in der Allgemeinheit seiner Form 
mit dem C..Ocyroe Ähnlichkeit hat, aber durch die Form seiner Stirn 
u. s. w. davon abweicht. C. Bosciıi ist etwas grösser und verhältniss- 
mäsig etwas breiter als der von Kressenberg; der Raum zwischen den 
Augenhöhlen ist breiter und dreilappig, am Kressenberger weniger breit 
und einfach; in C. Boscıi bemerkt man im vorderen Theil des Seiten- 
Randes auf jeder Seite sechs schwache Zähne, welche der Kressenberger 
Krebs nie besessen, an dem auch keine so lange und stark erhabene, 
nach der Herz-Gegend hin laufende Queer-Linie als in C. Boscii be- 
merkt wird; die Herz-Gegend, welche in C. Boscıi am deutlichsten aus- 
gedrückt ist, ist am Kressenberger Krebs gerade die undeutlichste; letz- 
ter ist auch stärker gewölbt als erster. Aus diesen Andeutungen wird 
die spezifische Verschiedenheit beider Formen deutlich hervortreten. Die 
Kressenberger Art namnte ich C. Klipsteinii. 

Die von Hrn. Mix Braun vor bereits 10 Jahren in dem Oxford- 
Thon von Dives in der Normandie gefundenen Überreste von mehren 
Exemplaren eines kleinen Krebses habe ich genauer untersucht. Ich 
fand darin mein Carcinium sociale (Jahrb, 1841, 96), das ich zu- 
erst aus dem Liegenden des Jurakalkes bei Dettingen von Hrn. Grafen 
ManDeustoH erhielt. An dem Exemplare der Normandie gewann ich 
Aufschluss über die mir bisher nicht bekannt gewesenen Endglieder des 
ersten Fusses, und sie dürften überhaupt zur richtigen Beurtheilung des 
Alters des Dettinger Mergels führen. Diese Krebschen liegen in dem 
in ihrer Nähe unveränderten weichen, feinen, bräunlichgrauen Oxford- 
Thon ganz so gekrümmt, wie in den Konkrezionen des Dettinger 
Mergels. 

Hermann v, Meyer. 


390 


Giessen, 15. Juni 1842, 


Erlauben Sie, dass ich Ihnen einige Zusätze und: Berichtigungen 
zu meinem Briefe vom 28. Dezember v. J. (Jahrb. 1842, 229) sende, 
da ich jetzt, nachdem ich um Ostern diese Formation durchsucht habe, 
vollständigere und zahlreichere Exemplare besitze und Hr. Prof. Braun 
in Carlsruhe so gut war, meine Petrefakte von Ahlersbach einer Re- 
vision zu unterwerfen. 

Von, für diese Bildung neuen Arten habe ich folgende hinzuzufügen: 
Vitrina elongata Dr., Helix: 2 wahrscheinlich neue Arten, die 
eine der H. lueida am nächsten stehend, die Hr. Prof. Braun H. alba 
genannt hat; die andre steht der H. nitidula sehr nahe. Ausserdem 
H. ruderata Srtup., H. aculeata Mürr..; Pupula laevigata 
Harrm.; Vertigo pygmaea Fe£r., V. striolata A. Braun, V. pu- 
silla Mürr. und V. Venetzii. Als Berichtungen theile ich Ihnen 
Folgendes mit. Meine H. nemoralis war eine sehr grosse H. hor- 
tensis, Statt H. costata und H. pulchella Mürr., wäre H. pulchelia 
Drar. zu setzen, da ich nieht sicher angeben kann, ob beide Varietäten 
vorkonımen; sicher ist die H. costata am häufigsten ; wahrscheinlich 
ist die glatte Ahlersbacher keine ächte H. pulchella, sondern nur 
eine abgeriebene H. costata. Lebend kommt in der Umgegend H. pul- 
chella vor, die H. costata habe ich noch nicht gefunden. H. cellaria 
und H. nitida sind H. nitens Mıcn. — Die H, hispida, welche ich an- 
geführt, hält Hr. Prof. Braun für H. sericea. 


F. A. GeExTH. 


Neue Literatur. 
A. Bücher. 
1841. 


J. N. Fucus: (Vorlesungen über) Naturgeschichte des Mineral-Beiches 
[352 SS.] mit 4 Figuren-Tafeln, als 3. Band von Anpr. Wacner’s 
Handbuch der Naturgeschichte, Kempten, 8°. 

Hırcncock: Final Report of the Gevlogy uf Massachusetts, in II voll., 
4°, Amherst. 

P. v. Körren: über den Wald- und Wasser-Vorratl im Gebiet der oberen 
und unteren Wolgya, ein Bericht an die Kommission zu Untersuchung 

. der Frage über den Einfluss der Verminderung der Wälder auf die 
Verminderung des Wassers an der obern Wolga. Mit einem Vor- 
worte v. Baer’s, St. Petersburg, 8°, mit 1 Karte. 

. CH. Lyeın: Elements of Geology, 2d American from the 2d London 
Edition, II vull., 12°, Boston. 

Euc. Sısmonoa : monografia degli Echinidi fossili del Piemonte (54 p»., 
III tab., Extr. del vol IV; ser, II delle Memorie della reale accad. 
d. scienze di Torino), Torino, 4°. 

Geoloyical Map of Nova Scotia (hauptsächlich nach Jackson und Auer, 
bei LırtLe und Brown [in ? Philadelphia] zu 624 cents. 


1542. 


L. Acassız: Etudes critiques sur les Mollusques fossiles , 2° livraison 
contenant les Myes du Jura et de la Craie Suisses (Premiere moi- 
tie Goniomya, Pholadomya, Ceromya, 140 pp., 48 pll. lithogr.), 
Neuchätel, 4°, 

— — Nomenclator zoologieus continens nomina systematica generum 
animalium tam viventium guam fossilium secundum ordinem alpha- 
beticum disposita adjectis auctoribus,, libris in quibus reperiuntur, 
anno editionis, etymologia et familüs, ad quas pertinent, in varüs 


592 


classibus. Fasciculus I, continens Mammalia, Echinodermata et 
Acalephas. Soloduri, 4°. 

G. Diarwın: the Structure and Distribution of Coral Reefs (being the 
first part of the geology of the voyage of the Beagle under the 
command of Capt. Fırzroy), London, 8°. 

P. Durr: Sketch of the Geology uf Moray, London, 8°, 

M. L. FrankenHem: System der Krystalle (besonders abgedruckt aus der 
II. Abtheilung des XIX. Bandes der Nov. act. acad. nat. cur.), 
Breslau [192 SS.], 4°. 

H. Br. Geinttz: Charakteristik der Schichten und Petrefakte des Säch- 
sisch- Böhmischen Kreide-Gebirges. Drittes Heft: die Sächsisch- 
Böhmische Schweitz, die Oberlausitz und das Innre von Böhmen; 
[S. 63—166 und ı—xxvi], mit Steindruck - Tafeln XVII—XXIV, 
kl. fol., Dresden und Leipzig. 

A. v. GutsIer: über einen fossilen Farrenstamm, Caulopteris Freies- 
lebeni, aus dem Zwickauer Schwarzkoblen - Gebirge (16 SS. und 
4 Taf., S%), Zwickau [10 NGr.]. 

Cn. Lyerr’s Principles of Geology, or the modern Changes ofthe Earth 
and its Inhabitants, considered as illustrative of Geoloygy (24 Ame- | 
rican from the 6th London Edition, in III voll.), 12°, Boston. 

Herm. Mayer: Clavis analytica u. s. w. [Jahrb. 1842, 235], 4te und 
letzte Lieferung, S. 257—446, Prag [1 fl. 21 kr.]. 

Murrevince: de Dilwvium : Recherches sur les depöts auxquels on doit 
donner ce nom, et sur la cause, qui les a produit, Paris, S°, 
avec 1 carte in fol. 

G. Gr. zu Münster: Beiträge zur Petrefakten- Kunde, von Hermann 
v. Meyer, Prof. Germar, Baumeister Antwaus, Prof. Unser und 
Graf Münster; V. Heft (131 SS.), 4°, mit 10 einfachen und 5 
doppelten Tafeln, Bayreuth, in Kommission. 

J. J. nD’Omarıus n’HarLor: Coup d’oeuil sur la yeologie de la Belgigne 
(132 pp. avec Lcarte extraite de celle de Dumonr), Bruxelles, 8°. 

A. PerzuoLpr: Beiträge zur Naturgeschichte des Diamantes; mit 1 
Kupfer-Tafel, gr. 8°, Dresden und Leipzig [30 Kr.]. 

F. V. Rasraın: Histoire naturelle des Ammonites suivie de la descrip- 
tion (des especes fossiles des Basses - Alpes de Provence, de Vau- 
cluse et des Cevennes [56 pp.), 8° av. 4 pll., Paris [12 Francs]. 

S. Sauvacr et A. Buvicnier: Statistique mineralogique et geologique du 
depurtement des Ardennes, avec 5 pll., Mezieres, 8°. 

STUDER: apergu yeneral de la structure geologique des Alpes, precede 
de gnelques observations generales par E. Desor (tirE de la Bi- 
blivtheque universelle de Geneve 1842, Mars) [32 pp. 1 pl]. 

F. X. M. Ziere : die Steinkohlen, ihr Werth, ihre Wichtigkeit im All- 

gemeinen und ihre Verbreitung in Böhmen, 53 SS. (abgedruckt a. 
d. Zeitschrift des Gewerbewesens mit 1 Karte des Böhmischen 
Kohlen-Gebirges), Prag, | 


393 


B. Zeitschriften. 


1) Bulletin de la Societe geologique de France, Paris, 8° 
[vgl. Jahrb,. 1842, 238]. 
1841; XII, 425—488, pl. x—xıı (Versammlung zu Angers, 1.—9. 
Sept.) et xxvar pp. (Mitglieder-Verzeichniss u. s. w.). 


DE Verneun: das Übergangs-Gebirge in Russland, S. 427—429. 

D’ArcHsac: Nachträge über pyrogene Fels-Arten des Limousin, S. 429—431. 

LEcHATELIER: statistische Übersicht der geologischen Konstitution des 
Departements Maine-et-Loire, S. 432—433.' 

Pıor: Ausflug nach den Kalk- und Schiefer-Brüchen un Angers, S. 434—438, 

Ausflug am 3. September, S. 439—446. 

Dereros: Beschreibung von Ernst’s Barometern, S.446—462, mit Abbild. 

LeenATEuser : Bohr-Versuche zu Beaufort und Saumur, S. 463. 

Rorzannp: Notitz über das Anthrazit-Gebirge an den Ufern der Loire 
bei 2a Huye longue, zwischen Rochefort und Chalonnes , S. 463 
—475; Tf. x, xt. 

BERTRAND GEstIn u. A.: Diskussionen über die angebliche Wechsella- 
gerung von Grünsand und Tertiär-Schichten bei Gap, S. 475—477. 

LEcHATeLier: über den Ausflug nach Sable, und Diskussionen, S. 378 
—485, Tf. xu. 

Pıor : über das Devon-Gebirge in England, S. 485—488..... 


1842, XIII, 1—80, pl. (8. Nov. — 6. Dez. 1841). 


| DE Versevir: Brief über seine Reisen in Russland, S. 11—14. 
VıqussneL: Tertiär-Marmor von Grauves, S. 15—16. 
E. Rosert’s geologische Beobachtungen in Nurd-Europa, 1837— 1838, 
und insbesondre über die alten Spuren des Meeres, S. 17—11. 
Reno: Erwiderung auf die Einwürfe im XII. Bande der Bulletins 
gegen die Theorie allgemeiner Vereisung, S. 43—52; Diskussio- 
nen, S. 55. 

vD’Onmarıus n’Hartoy: über die letzten geologisehen Revolutionen auf 
Belgischem Boden, S. 55—63. 

A. Leymerie: Diluvial-Ablagerungen im Aube-Departemenut, insbesondre 
jene im Thale der Ober-Seine, S. 63—78; Diskussionen, S. 79. 


2) Annales des Mines u. s. w. [Jahrb. 1842, S. 319], Paris, 8°. 
1841, no. ıv, v; XX, ı, ı1; p. 1—468, pl. ı—ıx. 

Daupree: Abhandlung über Lagerung, Zusammensetzung und Ursprung 
der Zinnerz-Stöcke, S. 65—113 [vgl. S. 609]. 

SauvagE: Haupt-Ergebnisse der Arbeiten im chemischen Laboratorium 
zu Mezieres im Jahr 1840, S. 193—216. 

Esermen: dessgl. zu Vesoul, S. 216—224. 

A. v. Meyenvorrr: über den Versuch einer geologischen Karte des Kuro- 
peischen Russlunds, S. 233— 247. 


594 


A. Dımour : Romein, neue Mineral-Art aus Piemont (Jahrb. 1842, 463), 
S. 247—255. | 

3. Domzyxo; über die Silberamalgam - Gruben von Argueros in Chili; 
Beschreibung einer neuen Mineral-Art, und der Amerikanischen Be- 
handlungs-Weise, S. 255—309. | ’ 

Divar: Haupt- Ergebniss im Laboratorium zu Marseille, 1840, S. 
309 — 322. 

SEentis und LECHATELIER: dessgl. zu Angers, S. 323— 337. 

Varın: dessgl. zu Alais, S. 337— 343. 


3) Erman’s Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland, 

Berlin, 8° [vgl. Jahrb. 1842, 323]. 
18541, I, ıv, S. 597—791. 

v. Caxcrız: die klimatischen Verbältnisse Russlands nach ihrer Abhängig- 
keit von der geographischen Lage und von lokalen Umständen, in 
Beziehung auf die Landwirthschaft, S. 702—723. 

A. Erman: fernere Untersuchungen über das Gediegen Eisen aus der 
Petropuulowsker Goldseife, nach dem Russischen, S. 723— 726. 

— — über neue Höhen-Messungen in Russland: 1. das kaspische Meer 
und der Kaukasus; II. A. v. Kevyserune’s Messungen im Europäi- 
schen Russland, S. 781-790. 

Summarische Übersicht der Ausbeute an Gold und Platin am Ural und 
in Sibirien in den Jahren 1839— 1841, S. 791—794. 


4) J. G. Lüppe: Zeitschrift für vergleichende Erdkunde, Magde- 
burg, 8°, enthält an bierher gehörigen Abhandlungen: 
1842, I, 1, 2, S. 1—192. 
Cu. Kırr: die Entstehung der Erde und ihr Inneres, auf dem Boden 
bisher ermittelter Thatsachen gewürdigt, S. 1—23, 
K. v. Raumer: der tertiäre Kalkstein von Paris und der Kalkstein des 
westlichen Palästina, S. 68—73. 


5) Verhaudlungen der Gesellschaft des vaterländischen Mu- 
seumsin Böhmen (vgl. Jahrb. 1841, S. 374), Prag, 8°, enthalten: 


vom 26. Mai 1841, 110 SS., xır Tafeln. 
F.X. M. Zırpe: die Mineralien Böhmens u. s. w., VIII. Abtheilung: 
Mineralien des Eger’schen Gebirges, S. 45—79. 
A. C. Corpa: zur Kunde der Karpolithen, namentlich jener der Stein- 
kohlen-Formation, S. 95—109, Tf. ı, ı. [>> Jahrb,. 1842, v]. 


6) Berichte über die Verhandlungen der k. Böhmischen Ge- 
sellschaft der Wissenschaften in ihren Sektions-Ver- 
sammlungen von 1840—1841 (40 SS, 4°), Prag 1842. 


Corvı legt am 11. Febr. 1841 60 Folio - Tafeln seines anatomischen 
_ Werks über die Pflanzen der Vorwelt vor, S. 9-10. 


395 


Beprensacher theilt am 23. Dez. die Resultate seiner chemischen Ana- 
Iyse der Pseudometeoriten von Iwan mit, welche deren terrestri- 
schen Ursprung bestätigen, S. 39. 

Zırpe zeigt zwei neue Vorkommnisse in der Steinkohlen-Formation des 
Rakonitzer Kreises, S. 39—40. 


7) L’Institut, le Sect.: sciences mathematiques, physigues 
et naturelles, Paris, 4° [vgl. Jahrb. 1842, 321]. 


X. annee, 1842, Fevr. 24 — Juillet 12, no. 427— 446, p. 73—252. 

PAILLETTE: Erz-Lager in Calabrien und N.- Sizilien (Acad. d. Paris 
1842, Febr. 28), S. 73. 

DE CasteLnau: Füsse bei den Trilobiten (das.), S. 74. 

CoLteeno: Glättung der Felsen (Soc. philom.d. Paris 1842, Febr. 19), S. 75. 

A. Breituaupt: über ein natürliches Wismuth-Oxyd-Carbonat, S. 80, 

W. J. Hewwoop: Versuche über die elektrischen Bedingnisse der Fels- 
arten und Metall- Gänge in den Erz-Gruben von ZLonyclose und 
Rosewall-Hill in Cornwall (Lond. roy. Soc. 1841, Juni 17), S. 87. 

Russesser: über ein Händethier aus dem Ned [<{ Jahrb. 1841, 452], 
S. 91—92. 

Dumas: Zusammensetzung der Atmosphäre (Acad. d. Paris 1842, 
März 14), S. 93. 

Boussinsaunt: Wärme-Strahlung durch den Schnee (das.), S. 94 u. 104 
[vgl. S. 478]. 

Desor: über Gletscher (das.), S. 94—95. 

Rosert: Zusammenhang zwischen dem Meere und gewissen Quellen 
(das.), S. 95. 

C. Prevost: Kobalt-führender Sandstein von Orsay (Soc. phelom. 1842, 
Febr. 26), S. 96. 

H.v. Meyer: Bestimmung gewisser fossiler Knochen, S. 99 [der ganze 
Brief im Jahrb. 1841, 458 wird als Bericht über die Verhandlungen 
des Natur-Vereins ın Wiesbaden übersetzt !] 

Quelle brennbaren Gases zu Newbridge , Clamorganslire, S. 100. 

Seymonps: Depression Palästina’s, S. 100. 

Erdbeben, S. 100, 112. 

Forses: Boden-Temperaturen (Acad. Bruxel. 1842, Jän. 15), S. 107. 

no’Omarıus p’HarLoy: Entstehung der Tertiär-Gebirge in Belgien (das.), 
S. 108. 

L. v. Buch erhält die Wortastow’sche Medaille, S. 112. 

CorLesno: Tertiär-Gebirge in Frankreich (Acad. d. Par. 1842, März 30), 


S. 11a. f 
Staub-Fall auf dem Schiffe „Prinzess Louise“ u. A. im Meer (<{ Bench. 
Alman. ete.), 8. 120 [vgl. S. 476]. ® 


Fossile Ichthyosauren in Baiern und Irland, S. 120. 

Hebung der W.-Küste S.- Amerika’s, S. 120. 

Desnovers et Constr. Pr£vost: Knochen-Höhlen und - Breccien um Pa- 
ris (Acad. Apr. 4), 8. 123. 


396 


Arc. VOrsıcny: Tertiär-System der Pampa’s (das.), S. 125, 

E. Rosert: Eisenhydroxyd-Erz von Meudon (Soc. philum. März 26), S. 125. 

(Murecuuson): Eis-Höhle im Gouvt. Orenburg, S. 128. E 

Domeyko: Silber-Gruben Chilt’s (Acad. Apr. 11), S. 129. 

C. Prevost: Kalk-Felsen von Schnecken durchbohrt (Soc. philom. Apr. 2), 
S. 132. 

BerzeLius: neue Schwedische Mineralien (Jahresbericht), S. 139. 

Buckiınenuam : Menschen-Fährten iu N.-Amerika, S. 140. 

E. Rosert: Knochen und Koprolithen von Sauriern, Knochen von Lo- 
pbiodon, Krokodil, Eidechse im oberen Theile des meerischen Grob- 
kalkes bei Paris (Soc. philom. Apr. 9), S. 144. 

E. Rogert: fossile Knochen unter der Strasse la Charonne zu Paris 
(das), S. 145. 

L. v. Buce: über Productus und Leptaena (Berlin. Akad.), S. 145. 

D’OrsıcnyY: Cephalopoden der Kreide (Acad. Apr. 25), S. 151. 

BerzeLivs: neue Schwedische Mineralien (Fortsetzung), S. 155. 

C. Prevost und Deswovers: Knochen-Höhlen und -Breecien um Paris 
(Soc. philom.), S. 161. 

Enrengere: die Meteorsteine von Iwan (Berlin. Akad.), S. 164. 

— — fossile Infusorien zu Berlin (das.), S. 165. 

Haipinser: neue Art fossilen Harzes, S. 167. 

Erdbeben zu Athen (Acad. Mai 16), S. 178. 

Fossile Saurier in Irland, S. 184. 

Armvör: Hebung der Schwedischen Küste (Poss. Ann. zıv, 444), S. 184. 

Meteorsteine in Oxfordshire 1830, S. 184. 

Preiscan: Eis, welches man im Sommer unter Basalt- Trümmern m 
Böhmen findet (Pocgen». Ann, ziv, 292), S. 195—196. 

Pollen-Regen in den Vereinten Staaten, S. 196. 

FLeursau DE Bertevue: Zersetzung von Mauern und Felsen in ver- 
schiedener Höhe über dem Bodeu (Acad. Mai 30), 8 4.193. 

Acassız : neue Gletscher-Reise (das.), S. 198. 

Durre£nor: Villarsit, ein neues Mineral (das.), S. 200. 

Erdbeben in Westphalen, S. 204. | 

pe Boys: das Vorkommen von Eisen und Mangan im Pariser Becken 
(Acad. Juni 9), S. 207. 

EıcauwarLn: Geologie des Bogdo (Petersb. Akad. 1841, ...). 8. 210— 211. 

Lagerung des Porpliıyrs am Pilatus-Berg, S. 212. 

Langsame Zerstörung der Küste von Baston-Bavent-Cliff, S. 212. 

Mächtigkeit der Kohlen-Lager in Pennsylvanien, S. 212. 

CosYBEARE: grosser Erdfall von Lyme, S. 212. 

Ayme Bay: Bohrbrunnen in Afrika (Acad. Juni 13), S. 214— 215. 

Hopkins: physikalisch® Geologie (Lond. Roy. Soc. Jau. 13), S. 215— 216. 

Sıeıne: Erd-Magnetismus (das.), S. 216. 

ForcHHAamMEr: Umwandelung der Terpentin-Essenz in den Torf-Lagern, 
S. 217. 


397 


G. Herscaer: Abkühlung der Erd-Kugel (<{ Jahrb. 1841), S. 218— 219 
und 226 — 227. 

R. Owen: über Cetiosaurus, S. 220. 

Fossile Knochen zu Wadelaincourt, S. 220. 

Kıye: Lagerung der Versteinerungen um Pondichery, S. 237— 228. 

Jounson und Cock zu Hattun- Garden haben einen 234 Pf. schweren 
Stein aus Chili erhalten, dessen Silber-Gehalt auf 0,140 — 0,50 und 
dessen Werth auf 300—400 Pf. Sterling geschätzt wird, S. 228. 

Pıssıs: geologische Lagerung und Hebung der Gesteine in S.-Brasilien 
(Acad. Juni 27), S. 230—231. 

Corrı: meteorische Erscheinungen zu Parma (Acad. d. Bruxel. Apr. 2) 
S. 240. 

Durrez und Crauar: Orkan in Belgien (das.), S. 240. 

Wartmann: Orkan zu Lausanne (das.), S. 2410—241. 

Damnni: Stalagmit in Korsika (Acad. d. Paris Juli 12), S. 245. 

C. Runzer: die Aerolithen von Iwan (<{ Aun. der Physik), S. 250. 


8) Cumptes rendus hebdomadaires des seances de l’Aca- 
demie des sciences, par MM. les secretaires perpe- 
tuels, Paris, 4°. t 

1842, 1. semestre; no. 7—8: Janv. 3 — Fevr. 21; XIV, 1—322. 

Marc. DE Surres: Note über den Tripolian, S. 64 [ >S. 463]. 

Vırror: Cotylelith: Versteinerung eines Sepien-Armes [aus der Be- 
schreibung nicht zu beurtheilen], 

Ar. Bronenıart und Erie De Beaumont: Bericht über Durocner’s Ab- 
handlung von den Diluvial-Phänomenen in N.-Europa, S. 78—110. 

Isıpor£e GEorrroyY Sr. Hırame: ein Vogel - Skelett im Gros-bane unter 
dem Fort Romainville gefunden, scheint mil einer der von Cuvier 
beschriebenen Arten übereinzukommen, S. 219. 

A. D’Orsıeny: zoologisch-geologische Betrachtungen über die Rudisten, 
wo 2. 

Rozer: Abhandlung über einige Unregelmäsigkeiten der Erd -Kugel, 
S. 243— 244. 

D’Arcursc: über seine Studien über die Kreide - Bildung am SW.- und 
NW.-Abhang des Zentral-Plateau’s von Frankreich, S. 245—246. 

Araco: der Bohrbrunner von @renelle, S. 247—252. 


9) The London and Edinburgh Philosophical Magazine and 
Journal of Science, London, 8° [vgl. Jahrb. 1842, 457]. 
1842, Jan. — Apr.; XX, ı-w; no. 728-131, p. 1—352. 
Proceedings of the Geological Sociäty, 1842, Juni 2—16, S. 49—64. 
Cu. Lyeır: die Faluns der Loire wittelst ihrer Fossil-Arten und die 
Tertiär-Schiehten im Cotentin mit dem Alter des Erag in Suffolk 
verglichen, S. 49, 
D. Lanpszoroven: Beschreibung der neu-pliocenen Ablagerungen zu 


398 


Sterenston und der post-tertiären zu Stevenston und Largs in 
Ayrshire, S. 56. 

ALEXANDER: jährliche Zerstörung von Land zu Easton - Bavent - Cliff 
bei Southwold, S. 57. 

H. E. SrrickLann: Beschreibung von Durchschnitten der Birming- 
ham-Gloucester Eisenbahn durch den Höhenzug von Bramsyrove 
Lickey, S. 58. 

J. R. Wricut: Beschreibung eines Modells von Arthurs Seat und 
Kings Park zu Edinburgh, S. 60. 

MacraucHLan: über einige von ihm und Srirre in Pembrockeshire ge- 
sammelte Mineralien, S. 60. 

R. Owen: Beschreibung einiger Reste eines wahrscheinlich meerischen 
Biesen-Sauriers aus dem Unter- Grünsand ven Hythe, und von 
Zähnen aus dem von Maidstone, zum Genus Polyptychodon 
gehörig, S. 61. 

BERTHIER : natürliches Silber-Bromid [vgl. S. 341]. 

J. Bryce jun.: Ichthyosaurus-Reste in Irland, S. 83—84. 

D. Wıruıams: Wahrscheinlichkeits - Gründe und positive Beweise, dass 
kein Theil des Devonischen Systems vom Alter des Old-red-Sand- 
stone seyn könne, S. 117—135, mit Holzschnitt. 

Die magnetischen, geographischen, hydrographischen und geologischen 
Entdeckungen und Beobachtungen während der Süd-Polar-Expedition 
unter Kapt. J. Ross, nach dessen Depeschen an die Admiralität, 
S. 141—146, nebst Karte. 

J. Ivory: Zusammensetzung der Atmospbäre, S. 197— 201. 

P. Sıvı: Ungesundheit der Maremmen-Luft (entlehnt), S. 233—240. 

J. Drummonp: Tabelle der Erdstösse, welche vom Sept. 1839 ‚bis Ende 
1841 zu Comrie bei Crieff beobachtet worden sind, S. 240— 248, 

J. Ivory: über die Zusammensetzung der Atmosphäre, S. 278—281. 

Proceedings of the Geoloyical Suciety, 1841, Juni 30. j 

HEnwoop: über Geologie der Gegend der Niagara-Fälle und in Neu- 
Braunschweig, S. 325. 

Trımmer: über Cucullaea decussata, S. 328. 

Owen: Cetiosaurus-Reste der Oolith-Formation Englands, S. 329. 

J. Smit#, alte tertiäre Lager am Tajo, S. 334. 

Cu. Lyert: silurische Schiehten zwischen Wenlock u. Aymestrie, S.335. 

— — dessgl. um Christiania, S. 337—339. 


C. . Zerstreute Aufsätze. 


Die Gletscher - Theorie, Theorie der Eis-Zeit (The Edinburgh Review, 
1842, April > Frorızr’s N. Wotitz. 1842, XXII, 193—199, 209 
— 217, 225—231, 241—248, 257—266, 273—290), [Eine sehr um- 
fassende Beurtheilung und Verbindung der Theorie’n von Agcassız, 
CHARPENTIER U. S. w.] 


Ans ie 


A. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


Rammersgerg: Zerlegung des Nickelglanzes (Nickel-Ar- 
seunikkieses) von Haueisen bei Loberstein (RammELSsBERG, Hand- 
wörterbuch II, 13). 2 

; Neue TTTRLO 

Arsenik . a h 48,022 


Schwefel . i Ä 3 20,159 
"100,000. 


Derselbe: Zerlegung des Psilomelans von Horhausen ım 
Siegen’schen (A. a. ©. S. 72 ff.). 
Manganoxydul . : b 81,364 


Sauerstoff . h F : 9,182 
Baryterde . , : : 3,044 
Kieselsäure ; 5 . 0,535 
Wasser s s > 3,392 
Cu 0,964 
Fe 1,428 
Ca 0,382 
Na u. Meg 0,321 
100,612. 


Biscnor: Zerlegung des Rasen-Eisensteins von Auer bei 
Morizburg (A. a. O. S. 89 ff.). 
Eisenoxyd . ; ; i 67,46 


Manganoxyd - 3 > 3,19 
Phosphorsäure . . 3 0,67 
Kieselerde . I . . 7,00 
Kalkerde . x R 2 0.90 ® 
Wasser N . . 3 17,00 
Schwefelsäure . ; i 3,07 


99,29. 


600 


DurocazeR: über die Mineralien der Faröer (Ann. des Mines, 
3eme Ser. XIX, 578 cet.). Chabasie kommt sehr gewöhnlich in 
Krystallen der Kern-Form vor, jedoch auch in mancherlei abgeleiteten 
Gestalten. Eine Analyse des Minerals von Naalsöe folgt unter A. 

Selten findet sich Mesotyp krystallisirt, bei weitem häufiger in 
strahlig - faserigen Massen. Der von Naalsöe hat eine Zusammen- 
setzung (B), welche jener der von Berzerivs, Fuchs und GenLEr zer- 
legten Mesolithe sehr nahe komnit. 

Heulandit wird auf Gängen und in Drusenräumen im „Trapp“ 
getroffen, begleitet von Chabasie, auch von Stilbit. Die Krystalle ge- 
hören der Kern-Form an. Gehalt des Heulandits von Stromöe: unter C. 

A. Chabasie B. Mesotyp C. Heulandit 
Kieselerde . 0 ARTS: Fan ngng: 247,50. 1 2 ee 
Thonerde . E B 20,85 , ; 26,10 ERBEN 18,10 


Kalkerde . : 3 RR ; 9,15 ? i 5,93 

Kali . 3 2 u) 7,4565 av DE 0,00 

Natron i \ an? 2,34 5 ' 4,57 f : 

Wasser . - s 21,30 : ; 12,80 ? i 16,67 
99,63. 100,12. 99,70. 


Aus dem letzten Resultat ergibt sich die Formel: 5AS? + Ca S®? + 9Ag, 
etwas abweichend von der durch WALMmsTEDT nachgewiesenen. 

Weniger häufig als die übrigen zeolithischen Substanzen ist der 
Apophyllit. Man findet ihn, begleitet von Chabasie, auch von Stilbit, 
in Krystallen der Kern-Form, ferner enteckt, theils bis zur Spitzung. 
Stilbit kommt sehr häufig vor; die meisten in Sammlungen. aufbe- 
wahrten Exemplare stammen von den Faröern. — Was Art und Weise 
betrifft, wie diese verschiedenen „Zeolithe“ getroffen werden, so er- 
scheinen sie bald auf Drusen inmitten der „Trapp“-Gesteine, bald auf 
Gängen und Adern. Leicht kann man sich davon überzeugen, dass die 
zeolithischen Mandeln spätern Ursprungs sind; in der Regel haften sie 
nicht fest an der Felsart und oft sieht man die Wandungen, welche 
dieselben überkleiden, vollkommen glatt. Zuweilen trifft es sich, dass 
die Höhlungen theils mit Zeolithen erfüllt sind, theils mit einer schwar- 
zen oder grünlichen Substanz, Wachs-ähnlich im Bruche, schwierig 
schmelzbar, Wasser -haltig und bestehend aus einem Silikat von Talk- 
erde und Eisen. Die meisten Drusen-Räume sind Resultate der Ent- 
bindung von Gasen; sie wurden später ausgefüllt und manche blieben 
auch leer. In vielen dieser Räume sieht man Mesotyp und Stilbit in 
konzentrischen Lagen geordnet, welche einander gegenseitig tragen. 
Das „Trapp“-Gestein führt übrigens nicht allein Zeolithe; im Tuf kom- 
men dieselben auch vor, besonders da, wo beide Fels-Arten einander 
begrenzen; denn unter solchen Verhältnissen, wo ejne kalte und eine 
geschmolzene Masse sich berührten, mussten viele Spalten und Risse 
entstehen, das Gestein wurde zerklüftet, oft gleichsam zertrümmert, und 
nun war den Zeolithen Gelegenheit geboten, in den freien Räumen sich 
ungehindert auszubilden. Was besonders merkwürdig, ist, dasa hin und 


601 


wieder Zeolithe gedient haben, die Gestein-Tıümmer zu verkitten, und 
dass sich in solcher Weise eine Art eigenthümlicher Brekzien gebildet hat, 
wo das Zäment zeolithischer Natur ist. Dazu kommt, dass die mit Zeo- 
litben erfüllten Spalten alle Erscheinungen wahrnehmen lassen, welche 
jenen eigen sind, in denen sich andere Mineral-Substänzen absetzten ; 
sie durchkreutzen und verwerfen einander gleich Gängen, welche ver- 
schiedenen Bildungs-Zeiträumen angehören. Alle diese Umstände scheinen 
der Hypothese zu widerstreiten, dass die Zeolithe sich aus dem Trapp 
in Folge einer Art elektro-chemischer Wirkung ausgeschieden haben, als 
er noch im feurig-flüssigen Zustande sich befand ; wäre diess der Fall, 
so müssten die Zeolithe in ähnlicher Weise auftreten, wie die Feldspath- 
Krystalle; es würden dieselben mehr oder weniger umschlossen von dem 
Gestein erscheinen. Übrigens wäre bei jener Voraussetzung schwierig 
einzusehen, wie die Zeolithe inmitten des Tuffes zerstreut vorkommen 
können, Alle diese Verhältnisse weisen auf eine viel spätere Bildungs- 
Epoche jener Substanzen hin, und zur Bestätigung dient, dass man 
grosse Höhlen trifft, Weitungen mehre Hundert Fusse lang, in welchen 
unermessliche Räume mit Zeolithen ganz in ähnlicher Art überkleidet 
sind, wie Kalk-Stalaktiten solches zu thun pflegen. Mehre dieser Höh- 
len liegen auf Naalsöe und auf andern Inseln dem Meeres-Niveau nahe; 
einige tragen ganz das Ansehen, als wären sie Folgen des Einwirkens 
der Wellen; so dass die Zeolithe sich daselbst in ziemlich neuer Zeit 
bilden mussten, ja, dass deren Entstehen vielleicht heutiges Tages noch 
fortdauert. — Man trifft Zeolithe in Gesellschaft anderer Mineralien, 
deren Ursprung weniger zweifelhaft ist und weit leichter zu erklären ; 
diess gilt vom Kalkspath und vom Chalzedon auf Island, auf den Fa- 
röern und hinsichtlich der Vorkommnisse mit Achat in der Rheinpfalz. 
Selbst an vielen Handstücken sieht man Zeolithe auf solchen Substanzen 
aufgewichsen. Was Kalkspath und Achat betrifft, so zweifelt heutiges 
- Tages Niemand [?] an der Art und Weise ihres Entstehens: es wurden 
jene Mineral-Körper, „in krystallinischer Form“ (sous forme crystalline) 
aus einem Flüssigen abgesetzt, welches entweder kohlensauren Kalk ge- 
löst entbielt oder Kieselerde”). Gleiches muss von dem Chalzedon gel- 
ten; diess ergibt sich ganz augenfällig aus der Stalaktiten-Form, in 
welcher man den Chalzedon auf den Faröern trifft. — — Weit unge- 
wisser bleibt der Ursprung der Zeolitlie; indessen beweiset die ziemlich 
ständige Verbindung der Zeolithe mit „Trapp“- Gesteinen oder mit Ba- 
salten”*) eine gewisse Abhängigkeit jener Mineral-Körper vor den Fels- 
*) Dass der Ursprung des kohlensauren Kalkes auf Island, des berühmten Doppel- 
spathes, nicht so leicht im dem von Hrn. DvrocHer beliebten Sinne erklärt wer- 
den könne, glaube ich dargethan zu haben (Basalt-Gebilde 1]. Abthl., S. 242 ff.) ; 
auch Hr. Krus von Nıppa trat später meiner Ansicht bei (Karsıen’s Archiv für 
Min. VII. Bd. und Jahrb. 1836, S. 391). Warum erlaubte sich Hr. D. blos unbe- 
dingter Aussprüche, statt die früheren Meinungen zu widerlegen (wenn diess 50 
leicht gewesen wäre). LEONHARD. 


**) Es gibtder Ausnahmen, wie bekannt, gar manche; wir erinnern an gewisseErschei- 
nungen in Skandinavien, auf dem Harz, im Banat, inden Alpen u.s.w, D.R. 


Jahrgang 1842. 39 


602 


Arten; und in dieser Hinsicht weichen Zeolithe von allen anderen Fos- 
silien ab, welche auf Gang-Räumen gefunden werden, indem diese keines- 
wegs von dem umschliessenden Gestein nothwendig abhängen. — — 
Bis jetzt hat es nicht gelingen wollen, Zeolithe künstlich darzustellen ; 
indessen lässt sich leicht einsehen, dass sie auf nassem Wege krystalli- 
siren können, ‚gleich dem Bleiglanz, dem Eisenkies u. s. w. Da es nun 
unmöglich ist, beim gegenwärtigen Stande des chemischen Wissens alle 
Umstände zu erklären, welehe die Bildung zeolithischer Substanzen be- 
dingen, so muss man sich darauf beschränken aus der Art ihres Vor- 
kommens das Entstehen derselben zu deuten. Wahrscheinlich bleibt, 
dass „Trapp“-Gesteine — die steten Begleiter der Zeolithe, und davon 
nur durch Unähnlichkeit in den Verhältnissen der Elementar-Bestandtheile 
abweichend — an diesen und jenen Orten, unter dem Einflusse gewisser 
chemischer und physikalischer Agentien, eine Zersetzung erlitten haben 
und dass in Folge von Reaktionen auf nassem Wege ein Fluidum, 
welches alle Elemente der Zeolithe, Kieselerde, Thonerde, Kalkerde 
und Kalium gelöst enthielt, in krystallinischer Form in Drusenräumen, 
Spalten und Höhlungen zeolithische Materie absetzte. 


Rımmeıspgers: Analyse des Hausmannits von Ihlefeld am 
Harze (Rammeusgerg’s Handwörterbuch I, 294). 


Mangan-Oxydul . f ; 92,487 


Sauerstoff . ; i : 7,004 
Bäryterde . - \ . 0,150 
99,641. 


Derselbe: Zerlegung des Heulandits aus Island (A. a. O. 
S. 302). Eine sehr ausgezeichnete Abänderung, im Mandelstein vor- 
kommend, gab: | 


Kieselsäure . ; : Ä 58,2 
Thonerde 2 i : } 17,6 ? 
Kalkerde : , ; { 722 
Wasser . . 2 i ; 16,0 
99,0, 


Bov£ und Bor#: Analysen von drei Feldspathen aus „Pri- 
mitiv“-Gesteinen im Delaware-Staate (Proceedings of the Amerie. 
phil. soc. 1841, Vol. II, p. 53 cet.),, Die den Serpentin im NW. von 
Wümington durchsetzenden Graunit-Gänge enthalten Feldspath in gros- 
sen Massen, welche theils die Merkmale des gemeinen (Kali-) Feld- 
spaths tragen, theils jene des Albits oder Natron-Feldspaths; wahr- 
scheinlich gehen beide Mineral- Substanzen ganz allgemein in die Zu- 
sammensetzung von Gneissen und andern plutonischen Felsarten der 
erwähnten Gegend ein. Die Zerlegung des gemeinen Feldspaths folgt 
unter A, die des Albits unter B. 


6053 


Das Gestein den S.-östlichen Theil des Delaware-Staates bildend ; 
d. h. was die „Primitiv‘“-Formation betrifft, weicht in mancher Beziehung 
ab und würde, nach der ihm eigenthümlichen Farbe, als „hlue rock“ 
bezeichnet. Der wesentliche Gemengtheil dieser Felsart ist ein durch- 
scheinender Feldspath von blauer oder rauchgrauer Farbe. Die Zer- 
legung eines von Quarryville im NO. von Wilmington entnommenen 


Exemplars, dessen spezifisches Gewicht = 2,603 gefunden wurde, er- 
gab folgende Bestandtheile (C): 
Gem. Feldspath A. Albit B. Feldspath C. 


Kieselerde . } 65,24 » : 65,46 . : 66,51 
Thonerde { i 19,02 . ; 20,74 . 3 17,67 


Eisen-Peroxyd h Spur . . 0;5AuR, - 1,33 
Talkerde B > 0,18 | i 0,74 . . 0,30 
Kalkerde i ! 0,333 WInzır 0,7217 ö 1,24 
Natron . h 4 3,06 . - 8,98 . - 3,03 
Kali ER scan, Fed 10945, rl SA — dab 9,81 

99,72. 99,97. 99,89. 


J. Priveaux: über den Fibroferrit, ein natürliches Eisen- 
Subsulphat (Philosophical Magazine, Mai, 1841, p. 307), Gebogen 
blättrige Masse, #” dick; Struktur parallel-faserig, der Blätter - Rich- 
tung entgegengesetzt; spröde, die Fasern mehr biegsam; Härte = 2,5; 
spez. Gew. (unter) 2,5. Gehalt: 

Eisenoxyd : \ ; - 31 
Schwefelsäure . 2 5 . 26 
Wasser . i ; } ; 33 
Schwefel, Erde und Verlust . 10 


100. 
Muthmasasliches Vaterland: Chile. 


H. Azıcn: Nachträgezuseinen Untersuchungen, die dem 
Feldspath-Geschlechtbeizuzäblenden Mineral-Substanzen 
betreffend (CH. Azıcn: über die Natur und den Zusammenhang der 
vulkanischen Bildungen, Braunschweig, 1841, S. 7 #.). Der Andesit, 
hinsichtlich seines spezifischen Gewichts dem Labrador, in der Zusam- 
mensetzung aber dem Oligoklas am nächsten stehend, wurde dem Vf. 
zuerst in grossen Milch-weissen, Perlmutter-glänzenden Krystallen, als 
ausgezeichneter Gemengtheil einer Felsart bekannt, welche in der Grube 
Marmato in Columbien das Neben-Gestein eines Gold-haltigen Eisenkies- 
Ganges oder Lagers bildet; es tritt das Mineral hier in Verbindung mit 
grünlicher Hornblende und krystallinisehen Quarz-Körnern in grünlich- 
weisser, feinkörniger Grund- Masse Porphyr-artig eingewachsen auf, 
welches auch fein eingesprengten Eisenkies enthält, so wie Spuren von 


39 * 


604 


Epidof. Es darf diese Felsart nicht (wie in PogsEnnD. Ann.’ Li, 523) 
geschehen, mit dem Gestein verwechselt werden, welches A. v. Hum- 
soLpr von Pisoje. bei Popayan auf dem rechten Ufer des Rio Cauca, 
westlich vom Abhange des Vulkans Purage, mitgebracht. Der Vf. be- 
fand sich in so fern im Irrthum, als er die Gebirgsart, welche den 
Andesin führt, mit dem Andesit identifizirte, unter welchem Namen 
allein ein vulkanisches Gestein zu verstehen ist, welches auf dem 
Hochrücken der Cordilleren die Trachyte zu vertreten scheint, während 
die plutonische Felsart vom Rio Cauca, den Porphyren von Pisoje 
zugehörig, mit der neuen Feldspath-Gattung auf der Grenze zwischen 
„Übergangs“-Porpbyr und Andesit seine Stelle einnimmt. — Der soge- 
nannte. glasige Feldspath vom Drachenfels und Mont Dore ist eine Ver- 
bindung von etwas mehr als 1 Atom Kali-Feldspath (Orthoklas), 1 Atom 
Natron-Feldspath (Albit), bei welchen eine mehr oder weniger bedeutende 
Vertretung des Natrons durch die isomorphen Elemente Kalk- und Taik- 
Erde Statt findet. — Der Periklin gehört, bei einem Gehalte von 2,50 
Kali und 7,99 Natron, und gleicher Formel mit Orthoklas und Albit, 
bereits dem Krystall-System des letzten an, und so erscheint die nach 
.der Formel N si R Si? zusammengesetzte Verbindung, welche in 
ausgezeichnet schönen Krystallen zum ersten Male auf künstlichem Wege 
gebildet im Kupferschmelz-Ofen zu Sangerhausen gefunden worden, in 
der Form und genau mit dem spezifischen Gewicht des Orthoklas. Die 


frühere Analyse dieses merkwürdigen Kupfer-Erzeugnisses liess Zweifel; 


eine vom Vf. angestellte Untersuchung gab: 


Kieselerde . ü . ; 65,03 
Thonerde ., - . i 16,84 


 Eisenoxyd . R i . 0,88 
Manganoxyd . { IHITRBB 
Kupferoxyd . - R - 0,30 
Titansäure . - 2 - Spur 
Kalkerde . ä ! R 0,34 
Talkerde . - > i 0,34 
Kali . - ; - . 15,26 
Natron - : : - 0,65 
- 100,00. 


Die geringen, aussergewöhnlichen metallischen Beimengungen, wo- 
durch die Krystalle gefärbt erscheinen, sind nur als Verunreinigung aus 
den Schmelz -Produkten des Ofens zu betrachten. Bemerkenswerth ist, 
. dass Kalk-, wie Talk-Erde, wenn gleich im Mivimum, in demselben Ver- 
hältnisse vorhanden sind, wie in den glasigen Feldspäthen. 


A. Breituaupt: über neue Formen des tesseralen Krystal- 
lisations-Systems (Poccen». Ann. d. Phys. LIV, 152 ff). Es be- 
treffen die Beobachtungen zwei deltoide Ikositessaraeder von Mangnet- 


605 


Eisen und zwei hexaederkantige Ikositessaraeder von Granat. Ein 
Auszug würde ohne Mittheilung der Figur unverständlich bleiben. 


Denis: Vorkommen der Diamanten in der Brasilianischen 
Provinz Minas Geraes (VInstitut, Nr. 342, p. 241). Gueis, Talk- 
schiefer, Itakolumit und Thonschiefer herrschen; untergeordnet kommen 
Hornblende- Gestein, Kalk, Serpentin, Quarz, Topfstein u. s. w. vor. 
Bis jetzt hat man Diamanten nur zwischen 16° und 20° 30° südlicher 
Breite gefunden. Ihre wahre Lagerstätte ist in der untern Hälfte des 
Itakolumits, welcher abwärts sehr talkig wird, während derselbe naclı 
dem Tage hin mehr in reinen Quarz übergebt.. — Die genaunten Fels- 
arten sind: von zahllosen Quarz - Gängen durchsetzt, welche Gediegen- 
Gold führen, ferner Eisen-, Arsenik- und Kupfer-Kies, Tellur- und 
Wismuth-Erze, die obne Ausnahme Gold-haltig sich. zeigen. Ausserdem 
kommen vor: Bleiglanz und Weiss-Bleierz, beide Silber-haltig, Anatas, 
Rutil, Sphen, Disthen, Turmalin, Hornblende, Manganerze, Eisenglanz, 
Titaneisen,, Brauneisenstein, Magneteisen, .Würfelerz, Braunspath, 
Granat u.s. w. — Die Ablagerungen, welche Diamanten führen, haben 
die Namen Gurgulho und Cascalho. Jene trifft man mehr an der Ober- 
fläche, bedeckt von einer dünnen Schichte von Sand oder von Damn:- 
erde. Sie bestehen aus kleinern und grössern, weder abgerollten, noch 
gebundenen Quarz-Bruchstücken mit vielem Sande untermengt. Es führen 
dieselben Gold in Körnern und in Blättchen, mitunter auch Platin, 
Eisenglanz und Magneteisen. Die Diamanten erscheinen klarer als im 
Cascalho und nur selten mit einer Rinde bedeckt; Kanten und Ecken 
werden weniger „abgerundet“ getroffen. “Der Cascalho besteht aus 
Quarz-Geschieben, zuweilen durch ein thonig-eisenschüssiges Bindemittel 
verkittet, oft auch ohne allen Zusammenhalt. Man findet darın: Gold, 
hin und wieder Platin - Körnchen, ferner Körnuchen von Eisenglanz, 
Magneteisen, Krystalle von Anatas und Rutil, kleine Disthen-, Blätt- 
chen und Kieselschiefer-Bollstücke. Ein Haufwerk solcher Art rubt in 
der Regel auf verschieden gefärbtem talkigem Thon oder auf zersetztem 
Gneis, dort zu Lande Picarra genannt. Von organischen Überbleibsein 
wird auch keine Spur getroffen. ! 


Sınpings: Analyse des Bournonits vom Pfaffenberge bei Neu- 
dorf am Harze (Rammeısgers’s Handwörterbuch, 1, 123). 


Blei ., . & . { 41,38 
Kupfer \ i . > 12,68 
Antimon { ; P 5 25,68 
Schwefel . R ; h 19,63 


99,37. 


606 


Rammensgerg: Zerlegungdes faserigen Braun-Eisensteins 
vom Elligser Brink unweit der Karlshütte im Braunschweigischen 
(A. a. 0. 124): 


Eisenoxyd . \ Be, 80,756 
Wasser \ . } r 12,714 
Kieselsäure ae ©, 4,581 
Thonerde . : ; ! 2,634 
Kalkerde .. { i & 0,916 

101,601. 


'SauvageE:- Analyse des Halloysits von Ecogne unfern Me- 
zieres im Ardennen- Departement (Ann. des Mines. 3me Ser. XX, 
204 cet.). Vorkommen in kleinen rundlichen Massen inmitten des Dilu- 
vial-Thones, welcher Spalten und Höhlungen im Kalk der untern ooh- 
thischen Reihe füllt. Begleitet von Eisenerzen. Die Substanz ist weiss, 
zum sehr lichten Himmelblauen sich neigend; weich, wie gewöhnliche 
Kreide, und stark an der Zunge hängend. Die Zerlegung ergab: 


Kieselerde . 3 ; : 0,42 
Thonerde A . 3 r 0,34 
Wasser . N E Ä Ä 0,24 

1,00. 


C. Kersten: über ein neues, ziemlich reichliches Vorkom- 
men von Vanadinin Deutschland (Possenp. Ann. d. Phys. LI, 359 ff.). 
Seit der Entdeckung. des Vanadin wurde dasselbe erst einige Mai, und 
zwar in sehr seltnen Mineralien aufgefunden und bloss ein Mal in 
Deutschland: .von. ScHRÖDER in Steyermärk’scher Eisenschlacke; durch 
den Vf. wurde jener Stoff in ziemlichen Mengen in mehren Varietäten 
blauer Kupferschlacken aus dem Mansfeld’schen nachgewiesen. 
Nachdem K, sich bei den Versuchen über die Ursache der blauen Fär- 
bung mancher Mineralien und Kunst- Produkte durch Prüfung einer 
grossen Anzahl blauer Hohofen-Schlacken überzeugt hatte, dass diese 
Färbung in sehr vielen Fällen vom blauen Titanoxyd, in einigen auch 
von Molybdän herrühre, wendete er sich zur Ermittelung der Ursache 
der blauen Färbung mancher Kupferschlacken. Es fand sich keine Spur 
von Titanoxyd, wohl aber eine gar nicht unbedeutende Menge Vanadin. 
Ob dieses Metall blaue Färbung der Schlacken bediuge, darüber \will 
jedoch der Vf. sich noch kein Urtheil gestatten. 


Bopvemann und Lirron: Untersuchung eines Oligoklases und 
eines Feldspathes (Possenp. Ann. d. Phys. LV, 110 ff.). Beide Mi- 
neralien bilden, in einem Gemenge mit rauchgrauem Quarz und schwar- 
zem Glimmer, einen grosskörnigen Granit, der zu Schaitansk im Ural 
Gang-förmig in Serpentin aufsetzt. AlsMittel aus zwei Analysen enthielten: 


607 


der Feldspath der Olikoglas 

Kıieselerde . h ) 64,25 \ ; 65,82 
Thonerde . ? ü 22,24 ; 19,15 
Eisenoxyd . . . 0,54 
Kalkerde h A 2,57 R . 0,53 
Talkerde 4 i i 1,14 ; i 0,07 
Kat roman... 1,06, 0% 12,25 
Natron : : > 7,98 - s 3,30 

99,76. 100,92. 


B. Geologie und Geognosie. 


F. Uncer: über ein Lager vorweltlicher Pflanzeu auf der 
Stanyalpe in Steyermark (Steyermärk’sche Zeitschrift, B, VI, ı.... 
(14 SS.). Auf den Grenzen von Steyermark gegen Kärnthen und Salz- 
burg findet sich ein Sandstein -artiges Grauwacken-Gebilde von 3000° 
Mächtickeit, welches Gneis und Glimmerschiefer mit untergeordneten 
mächtigen Lagern krystallinischen Kalkes zur Basis hat und in seinen 
oberen Theilen spaltbare schwärzliche Schiefer mit Glimmer-Schüppchen 
und Quarz-Körnchen in bis Fuss-dieken Lagen führt. Das Alter dieser 
Bildungen war bis jetzt nicht genau bekannt. Die Grauwacke enthält 
Anthrazit eingesprengt und nicht sehr deutliche Kalamiten; die Schiefer 
wimmeln von Pflanzen-Abdrücken, welche mit platigedrückten Stämmen 
von Sigillaria-Arten, Kalamiten und Lepidodendron durcheinander liegen; 
doch sind Stamm-Stücke von Fuss-Länge und Abdrücke auf 3 Quadrat- 
Fuss schon selten. Boue£ hat das Lager auf der Stangalpe beschrieben 
(Mem. soc. geol. II, ı, 1835... .), v. STERNBERG seine Neuropteris 
alpina von da abgebildet (Flora d. Vorw. II, tb. xxu, fg. 2), Hütten- 
Verwalter Tunser in Turrach viele Abdrücke von derselben in Zuro- 
päischen Sammlungen verbreitet. Aber die Lager der Kräuter-Schiefer 
finden sich, immer in dem obern Theil der erwähnten Grauwacke und - 
meistens nahe übereinander, auch an den benachbarten Kuppen des 
Fraueneck, des Woadinock, des Königstuhls, der Nosenigalpe wieder. 
Die Pflanzen-Reste selbst zeigen nun eine so grosse Übereinstimmung 
mit den in den Hochalpen und der Tarentaise mit Belemniten gefun- 
denen, dass der Vf. sie mit diesen in gleiches Alter setzt, aber, da er 
Broncniarr’s Ansicht von einer Anschwemmung der Pflanzen aus süd- 
lichern Gegenden in die Belemniten-Schiefer zu gezwungen findet, das 
sie einschliessende Gebirge in die Kohlen-Periode statt zum Lias ver- 
weiset, was nun freilich mit den im Jahrbuch 1841, S. 236 und 237 
angeführten Beobachtungen im Widerspruche ist. Hier eine Übersicht 
der bis jetzt aufgefundenen Pflanzen, worunter nur die Sigillaria 


608 


parallela neu ist und die auch anderwärts schon vorgekommenen Ar- 
ten sämmtlich, theils den zuletzt genannten, theils auch andern Lokali- 
täten, aber dann doch immer der Steinkohlen- Formation angehören, 
die Pecopteris Whitbyensis ausgenommen. 


Calamiteae. Pecopferis: Alethopteris Serlii Göe. 
lamites op „ Cyatheites dentata Gör. 
R nel 5 plumosa. 
RU EN m „ Alethopt. Beaumonti Gör. 
„ erucıafus, 2. HEN. 
Cistii a HA WhitbyensisGöe. 
” ee; is abbreviata. 
Stigmarieae, iR delicatula. 
Stigmaria ficoides. “ lonchitica (n. Bove'. 
Ä „ Cyath. arborescens Gör. 
Hydropterides Une. „ Alethopt. Defrancii Gösr. 
Annularia fertilis. 2 po 
Sphenophyllum fimbriatum. Cyath. Dalkony G. 
„ (Botularıa polyphylla Ste.). ” aspiottmdee; 
Asterophyllites equisetiformis. » hemitelioides. 
Hemitel. ceibotioides G. 
Filices. R oreopteridius. 
Sigillaria leioderma. Cyath. oreopteridius G. 
” Sphenopteris tenuissima St. 
\e Defranceiı. p P 
„ Brardii. Lepidodendreae Üne. 
gracilis. 1 er 
r hexagona. Lepidodendron ornalissimum. 
„ Schlotheimiana. » gracile Sr. 
n elliptica ß. | 5 undulatum Sr. 
R elongata. ® rimosum ST. 
ü obliqua. r lineare. 
” rhomboidea. Palm ae. 
s laevigata. N 
r Deutschtana, Flabellaria ? 
arallela n. 2 > 
Eee: BER. Plantae incertae sedis. 
% alpina. .  Knorria taxina Sr. 
Pecopteris Begleyi. Pinnularia capillacea L. H. 


Unter diesen fast 50 Arten ist keine entschiedene Wasser-Pflauze, 
wenn nicht die Hydropteriden dazu gehören, insbesondre kein Fucoide. 
Die Familien, unter welche diese Pflanzen gehören, sind zum Theil vom 
Vf. neu aufgestellt und werden von ihm vollständig charakterisirt. Schliess- 
lich nennt er noch 16 Arten der Französischen Alpen, die auf der 
Stangalpe bis jetzt nicht vorgekommen sind. 


609 


Dausr£ee: über die Zinnerz-Lagerstätien (nach Durr&nov’s 
Kommissions Bericht an die Pariser Akademie 7341, Okt. 15 < VInstit, 
1841, IX, 365—366). Der Vf., Professor in Strassburg, hat die mei- 
"sten Zinnerz-Lagerstätten Europa’s bereist. Überall sah er Quarz und 
Fluor das Zinn begleiten. Quarz ist der Begleiter auf Gängen und 
Trümmern, wie in der Felsart selbst. Er ist in der Art an das Zinn-Oxyd 
gekettet, dass, wenn die es führenden Gesteine damit imprägnirt wer- 
den, gewöhnlich auch ihr Quarz-Gehalt zunimmt, wie man zu Geyer 
und Altenburg sieht. Nach ihm sind die Fluor-Verbindungen die ge- 
wöhnlichsten Begleiter des Zinns: Fluo-Silikate, auch Fluo - Phosphate 
und Fiuorüre. So sind die das Zinnerz begleitenden Glimmer gewöhn- 
lich reich an Fluor, und der von Altenberg enthält 0,035, der von Zinn- 
walde 0,048—0,08 Fluor nach Gmerin. Topas und Pyknit, welche in 
den Zinn-Stockwerken sehr häufig sind, zumal der letzte bei Altenberg, 
sind noch reicher daran [0,05—0,19 Flusssäure]. Auch Apatit oder Kalk- 
Fluophosphat und selbst Calcium-Fluorür trifft man oft. Die granitischen 
Gänge von Finbo bei Fahlun, welche Zinn - Oxyd mit Tantal- Oxyd 
führen, enthalten auch Topas, Flussspath und verschiedene Cerium- und 
Yttrium - Fluorüre. Die berühmten Topas- und Smaragd-Gruben von 
Adontschelon auf der Chinesischen Grenze Sibiriens bringen zuweilen 
auch Zinn-Oxyd mit Wolfram und einem dem Zinnwaldischen ähnlichen 
Glimmer, und die Handstücke von Grönländischem Zinne in unsern 
Sammlungen rühren von der nämlichen Fundstätte her, wie der so 
Fluor-reiche Kryolith. Alle bekannten Zinnerz-Lagerstätten sind’ daher 
charakterisirt durch Fluor, dessen Menge oft beträchtlich ist, wenn man 
sie nicht mit der Gesammt-Masse der Lagerstätte, sondern mit ihrem 
Ziun-Reichthum vergleicht. — Auch die Boron-haltigen Mineralien finden 
sich oft mit den vorigen zusammen ein. Die Turmaline, bis 0,06 Borax- 
säure enthaltend, kommen auf den meisten Zinn - Lagerstätten vor und 
sind oft, wie zu Clarcaze und am Michelsberg ın Cornwall, zu Vil- 
leder und Pyriac in Frankreich, reichlich in den Zinn-führenden Gebirgs- 
_ arten eingemengt. 

Daher scheint das Fluor, obschon bei manchen Beschreibungen über- 
sehen, eine bedeutende Rolle bei Bildung der Zinnerz-Lagerstätten gespielt 
zu haben, so bedeutend, wie der Schwefel bei den meisten andern Metall- 
Lagerstätten. Zinn-Fluorür ist eine allen Temperaturen widerstehende 
und sehr flüchtige Verbindung, so dass es leicht aus der Tiefe gekommen 
seyn kann, welche der allgemeine Behälter der Metall-Fluorüre zu seyn 
scheint; und so ist es auch wahrscheinlich mit dem Tungstein und Mo- 
Iybdän, welche das Zinn treulich begleiten. So bildet auch Boron mit 
Fluor eine sehr Feuer-beständige und flüchtige Verbindung und mag, 
mit Fluss-Kiesel-Säure, der Tiefe entstiegen seyn. 

Der Berichterstatter bemerkt, dass L. v. Buch schon vor 20 Jahren 
dem Fluor eine Rolle bei Zersetzung gewisser Porphyre von Hall in 
Sachsen zu Kaolın zugedacht habe. Aber Dausazte sey der ersie, der 
‚hm eine sozusagen schöpfende Macht zuerkenne. Auch seyen die 


610 


gewöhnlichen Verhältnisse der Erz-Lagerstätten seiner Ansicht günstig. 
Gleichwohl bleiben noch Einreden übrig, zu deren Erläuterurg sich 
dieser mit chemischen Versuchen beschäftigt. 


S. A. W. v. Herper: über Gang-Theorie’n*). Bis zu welcher 
endlichen Teufe Erz:Gänge überhaupt niedersetzen,, und bis zu welcher 
Teufe man daher im Freiberger Revier auf dessen Erzführung rechnen 
dürfe, diese Frage kann nur durch richtige, der Natur der Gänge ent- 
sprechende Theorie’n über ihr Entstehen oder durch folgerechte Schlüsse 
analoger Erfahrungen beantwortet werden; Bergleute setzten, von frü- 
hesten Zeiten an, Vertrauen in eine unbegrenzte, in eine Teufe, wel- 
che von ihnen als die „ewige“ bezeichnet wurde; desshalb waren auch 
alle Verleihungen darauf gerichtet. 

Der Vf. geht nun zur Betrachtung der verschiedenen Gang-Theo- 
rie’n über, die er als jene der „Congeneration“, der „Lateral- 
Sekretion“, der „Descension“ und „Ascension“ bezeichnet. Es 
kann nur von grossem Interesse seyn, einen so Erfahrungs-reichen und 
scharf blickenden Bergmann und Geologen, wie HERDER es war, über 
jenes wichtige Thema urtheilen zu hören. 

Nach der Congenerations- und der Lateralsekretions- 
Theorie, welche beide die Erz-Gänge, entweder gleichzeitig mit dem 
Neben-Gestein, oder doch aus demselben durch spätere Gerinnung, Aus- 
scheidung, Gährung oder Umwandlung entstehen lassen, hängt die mehr 
oder weniger tiefe Existenz der Gänge von mehr oder weniger tiefem 
 Niedersetzen des Neben Gesteins selbst ab. Dass aber der Freiberger 
Gneis eine Seiger-Teufe von mehren Tausend Lachterun erreiche, 
und dass sonach auch ein Niedersetzen der Gänge bis in diese Teufe 
zu erwarten sey, ist schon nach der Lage der Schichtung jener Gebirgs- 
art und nach dem aufsteigenden Niveau seines Ausgehenden anzunehmen ; 
weder das hervorstossende Granit-Gebirge bei Naundorf, noch der vor- 
liegende Syenit von Scharfenberg und Meissen, noch der Porphyr des 
Tharander Waldes vermögen dem tieferen Niedersetzen des Gneises 
Grenzen zu ziehen. 

Bei der Descensions- Theorie, nach welcher die Erz- Gänge 
offene Spalten gewesen sind, die später durch Niederschläge von oben 
ausgefüllt wurden, nahm selbst WERNER, wie bekannt der Begründer 
dieser Lehre, an, dass die Teufe der Gänge einen aliquoten Theil 
ihrer Läugen-Erstreckung betrage. Nach Künn ist dieser aliquote Theil 
der Hälfte der Längen-Erstreckung gleich zu stellen, und diese Bestim- 
mung auf das Freiberger Revier angewendet ergibt als Resultat, dass 
man die dasigen Gänge bis zu einer durehschnittlichen Seigerteufe von 
1246 Lachtern niederzubringen hoffen darf. 


*) Aus dessen Werk: der tiefe Meissner Stollen. Leipzig 1838, S. 27 fl. und Bei- 
lage Nr. VW. 


\ 


611 


Nach der Ascensions- oder der plutonischen Theorie wur- 
den die Spalten durch; von unten emporgestiegene wässerig-schlammige 
oder feuerig-flüssige, geschmolzene oder sublimirte Massen, oder durch 
Mineral-Wasser angefüllt und so die Gänge abgesetzt und gebildet. 
Dieser Theorie huldigen bei weitem die meisten der bewährtesten Geo- 
logen neuerer Zeit. Der Vf. erklärt, dass keine der vier Theorie’n über 
Entstehung der Gänge einseitig erfasst und durchgeführt werden dürfe. 
Seine Ansicht ist nachstehende. 

Die Bildung der Chlorit-, der Feldspath-, der Glimmer-, der tauben 
Quarz- und der Zinnerz-Gänge im Gneis-, Glimmerschiefer-, Thonschie- 
fer-, : Granit- und Porphyr- Gebirge ; der Talk-, Amianth- und Asbest- 
Gänge im Serpentin-Gebirge, der Kalkspath-Gänge in Übergangs- und 
Flötz-Kalksteinen, der Gypsspath-Gänge im Flötzgyps-Gebirge, und selbst 
der Kupfer-, Kobalt- und Nickel-Gänge im Kupferschiefer-Gebirge fällt 
unfehlbar der Congenerations- und Lateralsekretions-Theorie anbeim. 
Sie haben keine grosse Erstreekung nach Länge und Teufe. Dagegen 
dürften die Letten-, Sandstein- und Kalkstein - Gänge mit Geschieben 
der Descension ihre Bildung verdanken. Die mächtigen, oft Meilen- 
weit verbreiteten Granit-, Syenit-, Porphyr- und Basalt-Gänge so wie die 
eigentlichen Erz-Gänge des Ur- und Übergangs-Gebirges fallen der As- 
cension ankeim und zwar stiegen erste in feurig-flüssigem Zustande 
empor, bei letzten, den Erz- Gängen aber ist ein wässriger oder 
Gas- förmiger Zustand und successive Ascension anzunehmen. Nach 
vielfältigen Beobachtungen, die der Vf, in Gruben des Erz-Gebirges, 
und bei Bereisung der wichtigsten Bergwerke des Auslandes zu machen 
Gelegenheit gehabt hat, ist er der Überzeugung geworden: dass die 
Erz-Gänge ihre Entstehung ähnlichen, in unbekannten Tiefen liegenden 
Ursachen zu verdanken haben, welche noch jetzt Mineral-Wasser- und 
Mineralgas-Quellen, sowohl kalte als heisse, aus dem Erd-Innern em- 
portreiben. Alle Mineral-Quellen, die er beobachtete, brachen entweder 
auf Gang-Klüften oder auf wirklichen Gängen, gewöhnlich im Ur- oder 
Übergangs-Gebirge hervor, z. B. die von Karlsbad auf Hornstein-Gängen 
mit Schwefelkies, welche in Granit aufsetzen, ‘die von Marienbad, 
Königswart, Wolkenstein und Wiiesenbad auf Agath Gängen in Granit 
und Gmeis, die von Bilin auf Gang-Spalten im Gneis, die heissen und 
kalten Quellen in Ungarn und Serbien so wie zu Töpliz auf mächti- 
gen Porphyr- und Syenit-Gängen, und selbst die warme Quclle auf 
Churprinz-Friedrich- August zu Gross-Schirma in 90 Lachter Teufe 
auf dem im Gneise aufsetzenden Ludewiger Spath-Gange. - Schon die 
Riehtung des Streichens, in welcher die nahe bei einander liegenden 
Mineral-Quellen vieler Gegenden hervorbrechen, lässt neben den übri- 
gen Lokal-Verhältuissen keinen Zweifel, dass dieselben auf einer und 
derselben Gang-Spalte emporsteigen, so z. B. der Säuerling, der Spru- 
del, der Schlossbrunnen, der Theresien-, Mühl-, Neu-, Bernhards- und 
Hospital-Brunnen bei Karlsbad; ferner die heissen Quellen zu Ofen, 
als die des Blockbades, des Raitzenbades. des Bruckbades, des 


612 


Sprengerbades und des Kaiserbades, welche sämmtlich in einer und der- 
selben Streichungs-Linie liegen ; mehrer anderen von gleichem lokalen Vor- 
kommen nicht zu gedenken. Ausserdem spricht aber auch eine Menge 
der den Erz- Gängen eigenthümlichen Verhältnisse für die Ascensions- 
Theorie überhaupt und insbesondre für ihre Entstehung dureh Quellen, 
sowohl durch Gas- als durch Wasser-Quellen. Namentlich gehören hie- 
her: a) das häufige und vorzugsweise Vorkommen der Silikate, als des 
Feldspathes, des Glimmers, der Hornblende, des Turmalins, Augits, 
Vesuvians, Granats u. a. m. auf Gängen, die in den Silikat - reichen 
Gebirgs-Massen feurig-flüssiger Entstehung aufsetzen und der Congene- 
ration angehören, und dagegen das Fehlen dieser Silikate auf den Erz- 
Gängen, mit Ausnahme der Zinnstein- Gänge, was um so auffallender 
ist, als sie ebenfalls in Gebirgsarten aufsetzen, die wesentlich aus Si- 
likaten bestehen, und als auf ihnen nicht allein die Kieselerde als Quarz, 
sondern auch die damit in der Schmelz-Hitze so gern sich vereinigenden 
Oxyde des Calciums, Magnesiums, Mangan-Eisens u. a. m. so ungemein 
häufig vorkommen und welche Silikate bilden mussten, wenn sie ge- 
schmolzen zusammen in die Spalten eindrangen. b) Die Zusammen- 
setzung der Ausfüllungs- Massen der Erz-Gänge aus Fossilien, die die 
Natur, wie verschiedentlich erwiesen ist, auf nassem Wege bildet. 
ec) Die manchfaltigen, theils krystallinischen, theils getropften und sta- 
laktitischen Gestalten, welche diese Fossilien nach allgemein bekannten, 
chemisch - physikalischen Grundsätzen bei ihrem Übergange entweder 
aus dem tropfbar-flüssigen, oder aus dem Dampf-förmigen in den festen 
Zustand dureh Abkühlung und Verdichtung annahmen. d) Die regel- 
mäsige sich oft wiederholende, theils mit den beiden Sahlbändern, theils 
mit den in den Gang-Räumen liegenden Bruchstücken des Neben- 
Gesteins (Sphären - Gestein) parallel laufende Lagenfolge mehrer die 
Gang-Räume auskleidenden und ausfüllenden Fossilien. e) Das Vor- 
kommen vollendeter Krystallisationen in den noch offenen, meist in der 
Mitte der Gänge befindlichen Drusen-Räumen, insonderheit der neueren 
Gang-Glieder, wie Schwerspath, Flussspath, Bleigianz und Schwefel- 
kies, ferner Opal- und Hornstein-artiger Quarz und Amethyst u. a. m. 
f) Das Vorkommen von Anflug an den, nach unten gekehrten Theilen 
der Krystalle. 8) Die auffallende Äbnlichkeit und Übereinstimmung 
vieler Gang-Glieder mit den Ausscheidungen noch jetzt fliessender Mi- 
neral- und Kalk-haltiger Quellen — als den Sprudel- und Erbsensteinen 
von Karlsbad — den manchfaltigen Kalksintern, Stalaktiten und In- 
krustationen der grossen Menge Kalk-haltiger Quellen, und selbst der 
alten Römischen Wasserleitungen zwischen Trier und Köln; ferner dem 
Kieselsinter vom Geysser in Island, dem Schwefelkiese, dem. Zäment- 
Kupfer der Kupferzäment-Quellen, der Eisenoxyd-Hydrate Eisen-baltiger 
Quellen u. a. m. Ferner: h) die grosse Ähnlichkeit und Übereinstim- 
mung mehrer Gang-Gebilde mit den Gebilden vulkanischer Dämpfe, die 
aus dem Inuern der Vulkane theils durch die Kratere, theils auf Spal- 
ten und Klüften, welche mit den vulkanischen Herden in Verbindung 


613 


stehen, ausströmen und sie als Niederschläge oder als Sublimate zurück- 
lassen, namentlich mit dem Schwefel, dem Schwefel-Arsenik, mehren 
Antimon-Verbindungen, dem schwarzen Kupferoxyd, dem Eisenglanz, 
dem Magneteisen, dem Schwefelblei, dem metallischen Blei, dem Kupfer- 
Bisulfuret, dem arsenikalischen Schwefeleisen, der Borsäure, dem 
Kieselsinter, mehren Salzen, als dem Chlor-Ammonium, - Kalium, - Na- 
trium, - Calcium, -Blei, - Kupfer, - Mangan, ferner dem schwefelsauren 
Kali, - Natron, - Eisenoxydul, - Kupferoxyd, dem kohlensauren Natron, 
dem borsauren Ammonium u. a. m. i) Die auffallende Ähnlichkeit und 
Übereinstimmang mehrer Gang-Gebilde mit gewissen Hütten-Produkten, 
z. B. mit dem Kupfer-Metall, dem Kupferoxydul, dem Zinkoxyd, der 
arsenigen Säure, dem Bleiglanze, der Zinkblende, dem Kieselgalmey, 
dem Arsenik-Nickel u. a. m., die an innern Wänden und in Spalten des 
Gemäuers der Schächte und der Herde der Eisen-, Silber-, Blei- und 
Kupfer-Röst- und Schmelz-Öfen, theils derb, theils krystallisirt, theils 
Haar-, Drath-, Baumblättehen- und Platten-förmig und gestrickt, als 
durch Dampf und Gas erzeugte Sublimate und regenerirte Produkte 
vorkommen. k) Die auffallende Ähnlichkeit und Übereinstimmung der 
Imprägnation und Veränderung des Neben-Gesteins der Gänge mit der 
Imprägnation und Veränderung des Gemäuers, der Röst- und Schmelz- 
Öfen, in welche, wie in eine erweichte, lockere und poröse Masse, die 
Dämpfe eindringen und ihre Anschwängerung in den verschiedenartig- 
sten, oft feinsten Einsprengungen, Nestern und Gang - Verästelungen 
zurücklassen. I) Die Verschiedenheit des Vorkommens der Erz- und 
Gang-Arten nach der Teufen-Erstreckung, nach Verhältniss der in sol- 
cher offenbar vorhandenen Verschiedenheit des Druckes, der Temperatur 
und der Nähe der atmosphärischen Luft und des Lichtes. m) Der Ein- 
fluss der oryktognostischen Verschiedenheit des Neben-Gesteins auf die 
demgemäss sich verschieden bildende Gang-Ausfüllung, wie solches un- 
ter Anderenı bei den Fallbändern (Hornblende - Lager im Goneis) zu 
Kongsberg in Norwegen und in den Blei-Gruben zu Derbyshire wahrzu- 
nehmen ist. n) Das Vorkommen von Bıuchstücken des Neben-Gesteins 
in der Mitie der Gänge — nicht auf den Sahlbändern ruhend, sondern 
im Freien schwebend — und daher von der emporgestiegenen Masse 
getragen. o) Das Vorkommen von Bruchstücken des Neben-Gesteins in 
oberen Sohlen von Punkten des letzten aus tieferen Sohlen. p) Das 
theilweise von unten auf sich zeigende Eindringen von Gang-Gliedern 
neuerer Formationen in Gang-Massen älterer Formationen, ohne bis in 
obere Teufen hinaufzudringen, und endlich qg) die Übereinstimmung des 
Vorkommens der Vulkane, der Mineral-Quellen und der Erzgang-Nieder- 
lagen in langen, auf und in weithin gedehnten Spalten-Zügen ruhenden 
Reihen. Wie sprechend, ja wie überzeugend deuten nicht alle diese 
Verhältnisse auf eine Entstehung der Erz- Gänge durch Wasser- und 
Gas- Quellen hin! Ein grosses und fruchtbares Feld verspricht die 
weitere, hier nicht statthafte Ausführung dieser Theorie dem beobach- 
tenden Geognosten. Lassen auch manche dieser Erscheinungen noch 


614 


- eine Erklärung durch eine andere Theorie zu, so wird doch keine die 
Gesammtheit derselben so befriedigend zu umfassen vermögen, als die 
der successiven Ascension durch Wasser und Gas-Quellen; durch Quel- 
len, die unter manchem Wechsel ihrer qualitativen und quantitativen 
Verhältnisse aus dem Innern der Erde, dem unerforschlichen Reiche 
erdiger und metallischer Elemente — der Materialien der Erz-Gänge — 
Jahrhunderte, ja wohl Jahrtausende lang emporstiegen, überströmten, ın 
den weiten unermesslichen Ozean sich ergossen und nur in einzelnen 
ruhigen Bassins, wie in der Thüring’schen und der grossen Sarmati- 
schen Niederung, in Niederungen am Rhein und in der Eifel, ferner 
in Süd-Deutschland (Amberg, Woasseralfingen) u. a. m. in den Silber- 
'haltigen Kupferschiefer-, Eisenstein-, Bleiglanz- und Galmei-Flötzen, 
selbst in den weit verbreiteten Flötzen des gediegenen Schwefels, des 
schwefelsauren Kalks und des Eisen-haltigen rothen und bunten Sand- 
steins, einzelne Sedimente zurückliessen! Sind nicht die noch jetzt 
fliessenden Mineral- Quellen die nachhallenden, einfachen Töne jener 
mächtigen und gigantischen Vorwelt, die von den manchfaltigsten, der 
magnetischen oder der elektrischen Strömung der Erde folgsamen Ele- 
menten und Atomen überfüllt war? Dass in solcher sowohl magnetische 
als elektrische Kräfte in den höchsten Potenzen wirksam gewesen seyen, 
scheint unzweifelhaft. Auffallend aber ist auch noch in dieser Beziehung 
ein Verhältniss, das, wenn es Bewahrheitung erhalten sollte, sich 
höchst merkwürdig und erfolgreich darstellen würde, nämlich: dass im 
Erz-Gebirge Sachsens die Gänge von Eisenstein — diesem erstarrten 
Magnetismus — so wie die Gänge des dem Magnet folgenden Kobaltes . 
und Nickels vorzugsweise in den Stunden der magnetischen Richtung 
— den fiachen und zunächst angrenzenden Stunden, — und die Gänge 
des Silbers und Kupfers — dieser erstarrten Elektrizität — vorzugs- 
weise in den Winkelkreutz-Stunden — den Stunden der elektrischen Strö- 
mung — in Morgen - und den zunächst angrenzenden Stunden — oder 
auch da aufzusetzen scheinen, wo dergleichen Klüfte sich anschaaren, 
schleppen und kreutzen; dass ferner jede der verschiedenen Gang- 
Formationen auf Gängen von einer bestimmten eigenthümlichen Rich- 
tung, und die Erz -Veredelungen hauptsächlich auf Gangkreutzen — 
dem Kreutzen magnetischer und elektrischer Wirkung — vorzugsweise 
vorzukommen, und dass endlich die Erze sich zu verlieren scheinen , so 
wie der Gang aus der, der Formation eigenthümlichen Richtung heraus- 
tritt — alles Verhältnisse, die, wenn sie, wie vorausgesetzt werden 
darf, wirklich Statt finden, eben so wunderbar und für den Bergmann 
höchst wichtig, als einer weiteren speziellen Untersuchung werth sind. 
Möglich, dass daraus auch noch die Entdeckung einer, die Richtung 
der elektrischen Strömung konstant anzeigenden Metall-Nadel hervor- 
geht! Wenn nun aber so viele Gründe dafür sprechen, dass die Aus- 
füllungs-Massen der Erz-Gänge von unten Quellen-artig herbeigeführt 
worden seyen, welche grosse Aussichten eröffnen sich dadurch für die 
Unternehmungen des Bergmanns nach der Teufe. Nichts mehr hat er 


615 


alsdann hinsichtlich der Erzführung der Gänge etwas von den zu er- 
reichenden Teufen zu fürchten, vielmehr von solchen getrost und mit 
Zuversicht ferneren unverkürzten Segen des Bergbaues zu erwarten. 
Nur dahin muss also sein ganzes geistiges Streben gerichtet seyn, Mittel 
zu entdecken und zu ergreifen, um dem endlosen Reichthum der Natur 
bis weit jenseits der Grenzen seines jetzigen beschränkten Wirkens 
folgen zu können. 


Waurker: über die durch Saxıcava rugosa im Fahrwasser 
von Plymouth bewirkten Veränderungen (Brit. Assoc. 1841 > 
Vlnstit. 1841, IX, 350 > und Athenäum, Fror. Notitz. 1841, XIX, 
257—261). Nach des Vfs. Meinung hat die genannte Muschel die Fel- 
sen in einem Grade zerstört, dass Tiefen au der Stelle von Klippen 
entstanden sind. Er beschreibt ausführlicher die Stellen, welche zur Be- 
obachtung geeignet sind und eine solche Ansicht begünstigen. Die Blöcke 
von Portland-Kalk, woran ehedem die Bojen befestigt gewesen, sind 
im Verlauf von 2—3 Jahren an ihrer Oberfläche gänzlich durchbohrt 
worden, und an den aus gleichem Stein erbauten Mauern der Schiffs- 
Docken von Devonport sind die Lagen unter dem Niveau der Spring- 
Ebbe wie Bienen-Kuchen durchlöchert. Zwischen der Landspitze Del 
und dem Berge Edgecumbe ist der Kanal 200° breit und 3—4Amal tiefer, 
als im Fahrwasser (la passe). Indem man mittelst der Taucher-Glocke 
den Kanal ausgrub und die Mauern eines Magazins erbaute, fand man 
den Kalk ganz durchbohrt, und die aus 36%—40m Tiefe herausgezoge- 
nen Kalk - Blöcke waren ganz durchlöchert. Im Fahrwasser zwischen 
Mount Edgecumbe und Mount Batten, wo keine Anlagerungen Statt 
finden, ist die Tiefe über Kalkstein beträchtlicher (50—120'), als über 
rotbem Sandstein (12—36’), was dem Vf. im Verein mit einigen andern 
angeführten Beispielen ebenfalls für seine Ansicht zu sprechen scheint. 
Auch in den von Wasser zerfressenen Kalksteinen über dem Meeresspie- 
gel bei Mount Batten u. a. finden sich Spuren der Zerstörung durch 
diese Muschel. Auch bier sind sie niedrer, als die Sandsteine. Am 
NW.-Ende von Drake’s Island ist ein kleiner Kalk - Felsen in gewöhn- 
licher Fluth-Höhe von der Muschel durchbohrt; eben so die Ufer-Wände 
bei der Zitadelle von der Höhe der Spring-Ebben an bis zu 15 — 20’ 
über Fluth-Höhe. In 15—20’ See-Höhe liegt ein Konglomerat von Ge- 
schieben, Saud und Muscheln; die Kalkstein-Geschiebe sind zum Theile 
von Saxicava durchbohrt. In den Bohrlöchern im Niveau der Ebbe le- 
ben noch die Thiere; höher liegen nur die leeren Schaalen darin, und 
über Fluth- Höhe fehlen auch diese. Im Kalksteine am Hoe-See sind 
Bohrlöcher von Pholaden 100° hoch über der Spring- Ebbe, durch 
eine Erdschichte gegen Verwitterung geschützt. — Ähnliche Zerstörun- 
gen haben durch Bohrmuscheln auch am Haven- Damme von Castella- 
mare bei Neapel Statt gefunden. 

Dr ıı Becne fügt bei: auch früher und durch andere Muschel- 
Arten seyen ähnliche Beschädigungen schon bekannt geworden. Diese 


616 


seyen doppelter Art, indem die eingebohrten Löcher die Oberfläche 
vergrösserten, auf welcher die aufiösende Kraft des kohlensäuerlichen 
Wassers die Kaik-Felsen angreifen könne. 


Buckranp erklärt, die Durchlöcherung des Gesteines von Mount 
Batten seye sicherlich nicht die Wirkung von Saxicaven und Pholaden, 
sondern glichen viel derjenigen, welche Helix aspersa nach Grer- 
nousm’s Beobachtungen bei Boulogne-sur-mer, 6 Engl. Meilen vom Meere 
entfernt, bewirke und auch an mehren landeinwärts gelegenen Oıten 
in England vorkomme. Dieselbe Art von Beschädigung an Steinen 
habe nämlich auch er mit Pıncenırs zu Tendy wahrgenommen und Hr. 
Sorwirn in Northumberland häufig an der Unterseite überbängender 
Bergkalk-Felsen gesehen. Diese Löcher verengten sich von der Ober- 
fläche an einwärts und seyen so unregelmäsig in Gestalt und Richtung, 
dass sie oft zusammentreffen; die der Bohrmuscheln dagegen erweiterten 
sich von der engen Mündung an einwärts in dem Maase, als die Mu- 
scheln beim Eindringen an Grösse zunehme. Die Thätigkeit der Bohr- 
muscheln scheint auf der auflösenden oder erweichenden Kraft einer 
sauern Ausscheidung zu beruhen, welcher dann ein Abreiben durch die 
feilende Bewegung der Schaale zu Hülfe kommt. Auch die Helix- 
Arten scheinen sich ihre Löcher durch eine saure Flüssigkeit zu bilden, 
die sie während lauger Zeitfristen an ihren täglichen Zufluchts-Stätten 
in sehr geringer Menge durch den Fuss aussondern [vgl. S. 502].. 


Owen glaubt nicht an die Wirkung einer solchen sauren Ausschei- 
dung, weil die Muscheln sich auch in andre als kalkige Felsen bohren. 
Er leitet ihre Löcher her von beständigen zur Existenz des Thieres 
nothwendigen Wasser-Strömungen, welche durch die .unausgesetzte und 
unfreiwillige Bewegung äusserst zarter Wimpern auf den Branchien 
u. a. Tbeilen des Thieres bewirkt würden und an Stärke zunähmen, 
wie das Mollusk sich tiefer einbohre. 


J. Puisrıps leitet die Löcher an der Oberfläche einiger der vorher 
bezeichneten Gesteine von dem Aushöhlungs-Vermögen andrer Thiere als 
der Bohr-Muscheln ab, und findet in der Regelmäsigkeit der Pholaden- 
Löcher den Beweis, dass es die Muschel selbst und nicht eine Wasser- 
Strömung seye, welche sie hervorgebracht hat. 


DE ıA Becne erinnert, dass freie Kohlensäure den Kalkstein in 
ein in Wasser lösliches Bicarbonat verwandele, und dass das Thier 
sehr wohl die ausgeathmete Kohlensäure zu diesem Zwecke verwen- 
den könne, 


BuckLAnD zeigt gegen Owen’s Ansicht, dass die Mündungen der 
Pholaden-Löcher der engste Theil seyen, während sie durch Wasser- 
Strömungen erzeugt am weitesten seyn müssten. Zu Lyme Regis zei- 
gen diese Löcher an ihren innren Wänden eine Kreis-förmige parallele 
Streifung, mechanisch entstanden durch die abreibende Drehung der 
Muschel in ihrem Loche. Helix-Arten dagegen würden nur chemisch 
wirken können. 


617 


R. A. C. Austen endlich hält es nicht für möglich, sich die Bohr- 
löcher der Mollusken auf chemische Weise zu erklären, da sich die 
Angriffe der Saxicava rugosa nicht auf kalkige Gesteine beschränken. 
In der Tor-Bai seyen auch die Trapp-Felsen durchbohrt, und oft finde 
man Pholaden-Löcher im Old-red- Sandstone, Er bestreitet die Mög- 
lichkeit, jene anderen Höhlungen von Helix-Arten herzuleiten, weil 
diese Tbiere sich nur einen Theil des Jahres fest an einer Stelle halten, 
wo aber ihre Schaalen- Mündung durch einen Deckel geschlossen ist, 
welcher an dem Gesteine oder einem andern Körper befestigt zurück- 
bleibt, wonach es denn nicht wahrscheinlich seye, dass noch ein andres 
Individuum sich an den näwlichen Platz anhänge. 


- | C. Petrefakten-Kunde. 


J. Scorr Bowergeank: über Moos-Achate u. a. kieselige Kör- 
per (Geolog. Soc. > Ann. a. Magaz. of nat. hist. 1842, VIII, 460— 
464). Der Vf. war früher der Meinung, die See-Schwämme, um die 
sich die Kreide-Feuersteine gebildet, hätten mehr Spieulae als die jetzi- 
gen enthalten. Seitdem aber hat er gefunden, dass auch die aus dem 
Mittelmeere und aus Westindien deren in grosser Zahl enthalten und mit- 
hin zwischen beiden kein Unterschied besteht. Spongia fistularis ist 
die einzige lebende Spezies mit wirklich Röhren-förmiger Faser. 

Jetzt hat der Vf, gegen 200 Achate und 70 grüne Jaspisse als 
opake Gegenstände in direktem, durch eine konvexe Linse konzentrir- 
tem Lichte untersucht, die ihn zu dem Resultate führten, dass die sg. 
Moos-Achate von Oberstein u. a. O. in Deutschland und Sizilien und 
die grünen Jaspisse Indiens ebenfalls Reste von See- Schwämmen ein- 
schliessen, wofür es 3 Beweise gibt. 

1) Die faserige Struktur. Obschon alle Exemplare polirter 
Achate bestimmte Beweise ihrer Abstammung von Spongien bieten, so 
ist ihre Schwamm - Struktur doch selten an allen Punkten vollständig 
erhalten, sondern lässt alle Zwischenstufen unterscheiden von voll- 
ständiger Zersetzung bis zur ausgezeichnetsten Erhaltung. Das kiese- 
lige Mutter-Gestein dieser Körper ist hell und oft von krystallinischem 
. Ansehen, die herrschende Farbe der Einschlüsse aber lebhaft roth, 
braun, ockergelb; manchmal ist die Faser auch milchweiss oder lebhaft 
grün. Die färbende Materie ist gewöhnlich auf die Grenze des tlieri- 
schen Gewebes beschränkt und lässt die Oberfläche glatt und ununter- 
brochen; zuweilen kommt sie nur im Innern der röhrigen Faser vor, deren 
Seiten halb durchscheinend oder milchweiss sind; in andern Fällen end- 
lich ist nicht allein die Faser vollständig damit durchdrungen, sondern 
auch deren Oberfläche etwas überrindet. In den angeblich Sizilischen 
Achafen besteht der grösste Theil aus einer verwirsten Masse uuzähli- 
ger lebhaft rother Fasern ohne wahrnehmbare Reste umgebender Struk- 
tur; aber am Rande der Exemplare sind die Röhrchen so wohl erhalten, 

Jahrgang 1842. 40 


618 


wie in frischen Schwämmen, und bieten eine halb durchscheinende 
Horn-artig aussehende Substanz als Hülle rother Fasern dar, In solchen 
Fällen, wo das rothe Pigment nicht ins Innere der Röhrchen einge- 
drungen zu seyn schien, war die Struktur am besten erhalten, wahr- 
scheinlich weil diese hohlen Röhrchen, wie an Sp. tubulauis, doch an 
ihren nmatürlicken Enden noch geschlossen waren. Diese Röhrchen in 
den Sizilischen Achaten anastomosiren auf dieselbe Weise, wie die der 
im Handel vorkommenden Schwämme aus dem Mittelmeere, und zeigen 
am Kreutzungs - Punkte oft deutlich die innre Höhle. Daraus erhellet, 
dass die rothe Faser nur der Steinkern jener Röhrchen ist, mit deren 
Höhlung auch ihre Dicke übereinkommt. In einem Moos - Achate von 
Oberstein sind die Wände der besterhaltenen Röhrchen roth gefärbt und 
die innern Höhlen mit durchscheinendem Feuerstein gefüllt, während 
an den mehr zersetzten Stellen nur eine lebhaft rothe Masse mit dun- 
keln Spuren von faseriger Struktur übrig geblieben ist. In den Indi- 
schen grünen Jaspissen sind die organischen Reste meistens besser er- 
halten, so dass man aus ihnen verschiedene Spezies erkennen kann. 
Ihre grüne färbende Materie war, mit wenigen Ausnahmen, beschränkt 
auf die Grenzen der Schwamm -Faser, deren Umgebung von kleinen 
Strahlen-förmigen durchscheinenden Krystallen gebildet wurde. Einige 
derselben lieferten gewundene Röhrchen, wie die an der Oberfläche 
der Kreide - Feuersteine vorkommenden; bei andern waren die Fasern 
in eine Reihe dünner Platten abgetheilt und gliehen den mazerirten 
Holz -Fasern der Blätter einiger Endogenen - Pflanzen: eine Struktur, 
die der Vf. nur an einer lebenden Art aus Australien kennt. Der Vf. 
‘erwähnt keiner Spiculae, weder in Achaten, noch in Jaspissen, nur ei- 
nes Vorkemmens von Foraminiferen. Alle in den grünen Jaspissen 
enthaltenen Schwämme reihet er zu seinem Genus Fistularia. 

2) Erhaltung der Gemmulae. Ein Indischer grüner Jaspis, 
welcher so zersetzt ist, dass man die ursprüngliche fibröse Struktur 
nicht mehr erkennen kann, bot zahllose Kugel-förmige Bläschen von 
fast einerlei Grösse dar. Einige davon sind einfach und durehscheinend 
und lassen sich nur durch die Regelmäsigkeit ihrer Form und Grösse 
und durch beständig über ihre Oberfläche gestreute schwarze Theilchen 
als organisch erkennen; aber die meisten lassen in ihrem Innern auch 
noch einen kugeligen opaken Körper von # ihres Durchmessers unter- 
scheiden. In ilırer Gesellschaft sind zahllose kleine faserige Massen, 
kleinen Horn - Schwämmen ähnlich, die grössten bis 5 oder 6mal so 
gross als jene Bläschen, dıe kleinsten identisch in ihrer Natur mit dem 
[?] Nucleus, doch in einem höheren Grade von Entwickelung. In an- 
dern Exemplaren des Jaspisses findet man grössre Bläschen sparsamer 
eingebettet mitten im Faser- Gewebe des Schwammes. Demnach schei- 
nen alle die Bläschen nur die fossilen Knöspchen der Schwämme zu 
seyn, welche die Grundlage der Jaspisse geworden sind. Zwei Achate, 
die von Oberstein seyn sollen, zeiger: das eine Knöspchen in unreifen 
oder in verschiedenen Zuständen der Entwickelung an die Schwamm- 


619 


Faser angeheftet, das andre uber Kuöspehen in verschiedenen Zuständen 
sparsam mitten im Gewebe eingestreut. Dieses Vorkommen der Kuösp- 
chen in situ erklärte dann auch die häufige Erscheinung von kleinen 
abgesonderten Massen von Schwamm-Faser im wohlentwickelten gröbe- 
ren Gewebe. Einige audre Exemplare, zumal ein Achat von Antigua 
bei Rogerr Brown, scheinen Knöspchen in verschiedenen Entwickelungs- 
und Zersetzungs-Zuständen zu zeigen, und ein Exemplar von Oberstein 
eine Menge kleiner durchscheinender gelber Kügelchen zu enthalten, 
welche mit den kleinen Körnchen in der die Fasern der Bade-Schwämn:e 
einhüllenden fleischigen Materie die grösste Ähnlichkeit haben und wahr- 
scheinlich beginnende Keime sind. 

3) Das Erhaltenseyn der Gefäss-Struktur. In einigen Ie- 
benden Schwämmen aus der Türkei und Australien eutdeckte der Vf. 
in der Horn-artigen Scheide der dichten Faser kleine anastomosirende 
Gefässe (Microsc. Journ. I, 10), die er jedoch bei Spongia fistularis 
nicht auffnden konnte. Eine solche Scheide um die röhrige Faser eut: 
deckte er nun auch an Exemplaren des Indischen grünen Jaspisses. Be- 
trachtete er unter 60facher Liinear- Vergrösserung einen polirten dünneo 
Splitter, so sah er, dass einige wohlerhaltene Röhrchen, grösser als 
die übrigen, aussen eine dunklere Rinde besassen, offenbar analog je- 
ner Scheide. Uater 500facher Linear - Vergrösserung aber sah er an 
2 Feuerstein - Stücken auch noch eine eben solche Netz-föormige Gefäss- 
Struktur, wie an jenen lebenden Arten. Er sah aber noch andre An- 
zeigen organischer Struktur: er sah in der Achse der von der Scheide 
umschlossenen Röhre einen dunkeln Draht auf eine beträchtliche Strecke 
hineinudringen, welcher bei 5006facher Vergrösserung Röhren-förmig und 
oft von dunkeln Flecken vielleicht thierischer Materie unterbrochen er- 
schien. In einem andern Exemplare von grünem Jaspis war dessen spiraler 
Verlauf und bei S00facher Vergrösserung die Röhren-Natur noch deut- 
licher. So zeigten sich auch fast in jedem Röhrchen des erwähnten 
Exemplares in Blättchen geordnete Fasern. In einem Exemplare, 
wahrscheinlich von Oberstein, war die sehr dicke Faser anscheinend 
umgeben von einer zottigen Rinde, und auf dem Längenschnitte sah 
man 1—2 kleine Gefässe von gleichförmigem Durchmesser und einfacher 
Struktur in der Achse der Faser verlaufen, und in diesen 7060 — 
3000 [?]” dicken Gefässen in ungleichen Abständen ' durchscheinende 
runde Kügelchen von 7095 — z3%0°‘ Durchmesser. An andern Stelleu 
waren im Innern der Faser opake oder halb durchscheinende Kügelchen, 
und in verschiedenen Gegenden des Achates waren viel grössere opake 
runde Körper, wahrscheinlich Knöspchen in verschiedenen Entwickelungs- 
Zuständen. DB. betrachtet die Gefässe mit den Kügelchen als wahre 
Eileiter. Zuweilen fanden sich Schnüren solch’ entstehender Knöspchen 
innerhalb der Grenze der Röhre und boten dann selten mehr als eine 
Reihe einfacher Kuöspcehen dar, aber zuweilen war der Durchmesser 
der Gefässe erweitert und die Knöspchen waren daun ohne Ordnung 
in Innern zerstreut. Zuweilen waren sie dicker, als das Gefäss, uis 


758 
= 


620 


ob sie es hätten platzen oder jene Wand sich verdünnen machen. Auch 
diese Gefässe scheinen den oben gedeuteten analog zu seyn. — Alle 
untersuchten Exemplare waren in den nicht vom Faser-Gewebe einge- 
nommenen Stellen erfüllt mit Quarz oder Chalzedon in Schichten, welche 
der Oberfläche des eingeschlossenen Fossils folgten. 

Ägyptische Achate, Mocha-Steine u. s. w. Ägyptische Jas- 
pisse polirt und wie die obigen bei direktem Licht unter 150facher Ver- 
grösserung gesehen, bestunden aus fein verkleinerten unregelmäsigen 
braunen Körnchen, verkittet durch halbdurchscheinenden Quarz, wie er 
in den Kreide-Feuersteinen vorkommt. Von. der Abwechselung- seiner 
Farben rührt das gebänderte Ansehen dieser Achate her. In diesen La- 
gen sehr unregelmäsig eingebettet fand B. Hunderte prachtvoller Fora- 
miniferen, ganz ähnlich denen in Kreide - Feuersteinen und oft schwer 
zu unterscheiden von den im Grignoner Grobkalk vorkommenden Arten. 
— Die Mocha- Steine boten nichts Organisches dar, doch dendritische 
Zeichnungen. — Dagegen entdeckte B. in den grösseren Geschieben 
eines Herefordshirer Pudding - Steines die charakteristische Schwamm- 
Struktur der Kreide-Feuersteine. 

Diese Untersuchungen alle sind sehr schwierig selbst für den Vf. 
gewesen, da er gesteht, nicht genug Schwämme lebender Arten unter- 
sucht gehabt zu haben; zudem seye ihr Aussehen unter dem Mikroskop 
ein gar nicht mehr zu erkennendes gegen das vor blossen Augen. Dass 
übrigens diese hornigen Schwämme mehr Antheil an der Bildung der 
Erd-Rinde genommen zu haben scheinen, als die vom Genus Halichon- 
dria, ist erklärlich, weil die losen Spiculae des letzten sich nicht so 
gut in ihrer natürlichen Lage erhalten konnten. 


= 


R, Owen: Beschreibung einiger Reste eines wahrschein- 
lich meerischen Riesen-Krokodiliers aus dem Unter-Grün- 
sand zu Hythe, und einiger Zähne aus gleicher Formation 
zu Maidstone, welche zum Genus Polyptychodon gehören 
(Geolog. Proceed. 1842, Juni 16 > Ann. a. Magaz. of Nat. Hist. 
1842, VIII, 517—520 und Lond. a. Edinb. Philos. Mag. 1842, XX, 
61—64). Hr. Maickesow entdeckte im Unter-Grünsande Becken-, Schen- 
kel-, Unterschenkel - und Mittelfuss - Knochen, aber ohne. Wirbe! und 
Zähne, daher ihre genauere Bestimmung schwierig bleibt. Der Mangel 
einer Mark-Höhle in den Langknochen, deren zentrale Struktur nur 
aus grobem Gitterwerk besteht, deutet ein Seethier an; das Vorhanden- 
seyn des Femur und die Beschaffenheit des Mittel-Fusses schliesst die 
Zetazeen aus; letzte auch die übrigen Säugethiere. Der Vf. beschränkt 
daher seine Beschreibung dieser Beste hauptsächlich auf eine Verglei- 
chung mit andern fossilen Sauriern. Von Femur sind die untern 3, 
doch ohne Gelenk - Ende, erhalten und messen 2° 4‘’ [? Engl.] in die 
Länge, 15‘' 6‘ Umfang in der dünusten Mitte, und 2° 5‘ am abge- 
brochenen untern Ende. Dieser Knochen entspricht daher durch diese 


r 621 


Maase dem grössten Iguanodon, unterscheidet sich aber durch den 
Mangel der Mark-Höhle und des zusammendrückten zweiten Trochanter- 
Fortsatzes, welcher sich bei Iguanodon aussen mitten am Schaft findet 
und eine seiner eigenthümlichen Analogie’n mit dem Nashorn begründet. 
Auch verbreitert sich dieser Femur mehr allmäblich, als bei Iguanodon, 
und der hintre Theil der Condyli muss weiter seitwärts gewesen seyn, 
da die hintre Längen-Aushöhlung zwischen den Condyli länger und 
breiter ist. Ausserdem zeigen sich noch einige andre kleine Verschie- 
denheiten. — Tibia und Fibula. Der erhaltene Theil der Tibia ist 
nächst ihrem Kopfe zusammengedrückt und die Seite gegen die Fibula 
etwas konkav. Der grösste Queermesser ist 8’ 9°, und die zwei an- 
dern dazu rechtwinkeligen [?] Queermesser haben 3" 3°’ und 2" 6’. 
Der Knochen verdickt sich schnell, da sein Umfang etwa 4 vom oberen 
Ende entfernt 16’ 6°’ ıst. Das Gitterwerk im Innern des Knochens 
bildet verschiedene aufeinanderfolgende Lager um einen Punkt nächst 
dem schmalen Ende des Queerschnittes. Tiefer unten wird die Tibia 
zusammengedrückt, und gegen das untre Ende zeigt der Queerschnitt 
eine gegen die Fibula gekrümmte Platte, deren schmälster Queermesser 
244 ist. Der Best der Fibula ist 114 lang, mitten auf einer Seits 
flach, auf der anderen etwas konkav, auf den 2 übrigen konvex. Das 
innere Gitterwerk bildet noch deutlichere konzentrische Lagen der Zellen. 
Nach dem entgegengesetzten Ende des Knochens hin wird die konkave 
Seite erst flach und erhebt sich dann zu einer kouvexen Wand, weiche 
am Ende des Queerdurchschnitts einer zusammengedrückten und ge- 
krümmten dieken Knochen -Platte endiget. — Metatarsus. Diese 
Beine besitzen die für die Krokodile charakteristische Unregelmäsigkeit 
in der Länge. Von zwei noch im Gestein liegenden und von O. als 
die 2 innersten angesehenen ist der erste 1°, der zweite 2’ lang und 
am obern Ende 8’, mitten 4' 5'' und am untern beschädigten Ende 
6° dick. Innerhalb ihrer äusseren dichteren Rinde bestehen diese Kno- 
chen aus 3’ —3''' weiten Zellen. Von 4 andern Mittelfuss-Knochen 
sind noch Überreste da. — Auch die Becken- und Rabenschnabel- 
Beine entsprechen denen der Krokodile. Die Reste der Insel - Beine 
sind flach und fast gerade und werden gegen das andre Ende allmählich 
etwas breiter. Von dem einen ist ein 25° langes und am breitesten 
Ende 10’ breites, vom anderen ein .20'' langes Stück erhalten. Die 
mitteln Enden von Pubis und Ischium lagen im nämlichen Stein-Block. 
Jenes ist breiter als bei den Krokodilen, am ausgesetzten Theile haupt- 
sächlich konvex, wird aber am entgegengesetzten oder Mittel - Rande 
konkav. Es ist 17° lang und an der breitesten Stelle 13’ breit. Das 
ausgebreitete Ende ist abgerundet, und der Durchmesser des entspre- 
chenden ausgebreiteten Endes des Ischiums, das schief abgestutzt ist, 
beträgt 9°. In einem andern Blocke ist das ausgebreitete Ende des 
entgegengesetzten Pubis erhalten, 22' laug und 14’ breit. Der Kno- 
chen, welchen O. für den Rabenschnabel hält, bat 2° in die Länge, 
17‘ in grösster Breite, und seine Dicke wechselt von 3° zu 5°. Diese 


622 


Breite zeigt eine stärkere Entwickelung der Muskeln zur Bewegung 
der Vorder-Füsse, als bei den Krokodilen an, daher der Verf. auf 
Schwimm-Hände schliesst. — Zu den Land-bewchnenden Geschlechtern 
Iguanodon und Megalosaurus und Poecilopleuron können diese Lang- 
knochen ohne Mark-Röhre nicht gehört haben. Der Schenkel und Mit- 
telfuss lassen an Ichthyosaurus, Plesiosaurus und wahrscheinlich auch 
Mosasaurus nicht denken. Die obre Ausbreitung des Pubis, der breite 
?Rabenschnabel, die Form des Femur, die riesigen Maase schliessen 
alle Unterabtheilungen lebender und fossiler Krokodilier aus. 

Die Saurier-Zähne aus dem Unter-Grünsand hat ©. in seiner Odon- 
tographie bereits unter dem Namen Polyptychodon beschrieben. 
Sie werden bezeichnet durch ihre mit zahlreichen und diehtgedrängten 
Längs-Rippen versehene Krone, welche in fast gleicher Länge bis 
nahe an die Spitze dieser Krone fortsetzen. Sie haben die Grösse und 
einfach konische Gestalt des sauroiden Fisch-Geschlechts Hypsodon Ac., 
unterscheiden sich aber durch die feste und dichte Struktur der Zahn- 
Substanz, die sich durch Zersetzung in ineinandersteckende Kegel auf- 
löst, und durch die Beschaffenheit der Längs-Rippen, welche bei’ Hyp- 
sodon abwechselnd lang und kurz sind und in ungleieben Entfernungen 
von der Basis plötzlich endigen, so dass die Zwischenräume zwischen 
den längeren Rippen gegen die Spitze hin breiter werden. Der Poly- 
ptychodon-Zahn ist regelmäsig etwas gekrümmt, mit einer hellen Amber 
[? Berustein-] braunen Schmelz-Rinde überzogen, woraus die Rip- 
pen eben bestehen, indem die Oberfläche der äussersten Lage von Zalhın- 
Substanz glatt ist. Ein Zahn aus dem Unter-Grünsand von Maidstone 
hat eine 3°‘ lange und an der Basis 1 4'“* dicke Krone und hat in 
der Basis der Zahn-Substanz eine kurze und weite Kegel-förmige Höhle. 
Sie unterscheiden sich von den dem Poecilopieuron zugeschriebenen Zäh- 
nen durch zahlreichere und dichter stehende Rippen und einen Kreis- 
runden statt elliptischen Queerschnitt, — von den Pliosaurus -Zähnen: 
durch eben diesen runden statt dreieckigen Queerschnitt und die über 
die ganze Oberfläche der Krone wegziehenden Rippen, — von den Mo- 
sasaurus-Zähnen durch die gerippte statt glatte Oberfläche. 

Da diese Zähne und jene Knochen aus gleicher Formation stammen, 
so schlägt O. nun vor, alle zusammen unter dem Namen Polyptyrho- 
don zu begreifen, den er anfänglich nur für die Zähne bestimmt hatte. 


M. oe Serres: Note über die Entdeckung eines ganzen 
Skelettes von Metaxytherium Cnrıst. (Ann. scienc. nat. 1841, B, 
XVT, 14—16). Von diesem zwischen Lamantin und Dugong stehenden 
Geschlecht (vgl. Jahrb. 2841, 861) hatte der Vf. viele Schädel - Theile 
noch mit Backenzähnen, Wirbeln und Knochen der Extremitäten aus 
dem obertertiären Meeres-Sande von Montpellier unter dem Namen von 
Dugong-Resten bekannt gemacht und DE Curistor andre in dem untern 
Meeres: Sande des Charente- und des Maine-et- Loire- Departements 


623 


gefunden. Wenn ein Cuvıer die Backenzähne zwei Hippopotamus- 
Arten zuschreiben konnte, so ist sich dessen nicht zu wundern, da die 
durch Abnutzung entstehenden Kauflächen bei beiden Kleeblatt-förmig 
sind und nur die Form und Stellung der Wurzeln abweicht, wie Cuvier 
selbst in einem andern Falle richtig bemerkte, indem er die von P£ron 
ebenfalls einem Hippopotamus zugeschriebenen Zähne auf Dugong be- 
zog (uss. fuss. V, I, 261). Nachdem man nun ferner aus den zahlrei- 
chen einzeln gefundenen Überresten bereits erkannt hatte, dass, wenn 
die Form des Schädels und der Kieferbeine dieses Thieres sich denen 
des Lamantins nähern, die Glieder mehr mit denen des’ Dugongs über- 
einstimmen, entdeckte man im August 1840 mitten in der festen Masse 
des Calcaire moellon bei Beaucaire ein vollständiges Skelett, wie man 
aus dem Berichte der Steinbrecher und aus einigen durch Dr. Quer 
dem Vf. mitgetheilten Knochen ersieht. Das Skelett scheint ausgestreckt 
im Moellon gelegen zu seyn, welcher tiefer als der Sand von Mont- 
pellier, aber nicht so tief als jener der andern genannten zwei, mehr 
nördliehe Fundorte liegt, — als ob nach dieser und einer Menge von 
andern Anzeigen (8. die „Terrains tertiaires“ des Vfs.) zu schliessen, 
dieselben Thier-Arten im südlichen Frankreich früher als im nördlichen 
ausgestorben wären. Die von jenem Individuum aufbewahrten Reste 
lehren aber über dieses Genus nichts, das nicht schon bekannt gewesen 
wäre. Auch die Art ist die nämliche, wie jene von Montpellier. Zwar 
zeigen die Reste dieses Fundortes geringere Dimensionen und auch 
sonst gar manche Verschiedenheit; allein sie gehören jungen Individuen 
an, deren Ersatz -Zähne noch nicht aus den Alveolen getreten waren, 
während das von Beaucaire ein ganz ausgewachsenes ist. Die Ver- 
schiedenheiten siad durchaus nicht geeignet, zwei Arten darauf zu 
gründen, und der Vf. zweifelt selbst an den mehrfachen Arten pe Cnpı- 
sror’s, da dieser gleichfalls nur Abweichungen in der Grösse zu ihrer 
Unterscheidung angibt. 


O. R. vu Roquan: Description des cogquilles fossiles de 
la famille des Rudistes, qui se trouvent dans le Terrain 
eretace des Corbieres, Aude [69 pp. av. 8 planch, lithogr.] 4°, 
Carcassonne 1841. Ein nützliches Werk, welches nach einer Einlei- 
tung (S. 1) besteht aus I. einer Geschichte der Familie der Rudisten 
(S. 7) und ihrer einzelnen Geschlechter nach Larrırouse (welcher seine 
Rudisten zu Rennes im nämlichen Gebirge, wie unser Vf., gesammelt 
hatte), Brucvisre, DE Lamarck, Tuomson, DE Roıssy, DE LamEraerie, 
Denıs pe Montrorr, Cuvier, Des Mourıns, Desnayes (Ann. science. 
nat. 1525, V, 205 und Encycl. meth., Diction. des Vers, II, 1830), 
DerrancH, DE Fürussac, De Bramvirte, A, D’Orsıeny; wobei aber 
Deutscher Autoren, wie L. v. Buc#’s, GorLpruss’ u. s. w., mit keiner 
Sylbe gedacht und die Familie so, wie Desmayes sie (aus Sphaerulites, 
Hippurites und der noch immer zweifelhaften Caprina) gebildet, nach 
seinem Vorgange bei den Austern untergebracht wird. — II. Beschreibung. 


624 


des Gebirges der Corbieres, welches die Rudisten enthält (S. 27). 
Eine Parallele desselben von D’Arcusac findet man schon im Jahrb. 
1841, 798, auf den sich der Vf. bezieht und dessen Ansicht er bei- 
pflichtet. Hinsichtlich der geologischen Beschreibung stützt er sich auf 
Durrenoy (Jahrb. 1832, 321 und 1833, 452 etc... Bei den Bädern 
von Rennes findet man zu unterst im Thale den schwarzen Übergangs- 
Marmor von Alet; darauf mächtige blauliche Mergel mit Gryphaea co- 
lumba und gefalteten Terebrateln, wechsellagernd mit kleinen Bänken 
harten Kalkes; darüber Schichten kieseligen Sandsteins, zuweilen mit 
Pflanzen - Abdrücken und Gagat-Lagerstätten, welcher auch die Höhen 
der Hügel zunächst um Rennes zusammensetzt. Aber die höhern Berge 
dahinter, insbesondre beim Weiler Montferrand nach Osten hin, zeigen 
über diesem Sandstein einen dunkeln sandigen Mergel von grosser 
Mächtigkeit. mit bezeichnenden Kreide-Versteinerungen, als Spatangus 
coranguinum, Pecten 5costatus,Plagiostomaspinosum; darauf 
ruhet ein etwas blättriger Glimmer-Sandstein, der sich leicht in Platten spal- 
tet und Kerne eisenschüssigen Thones, aber keine Versteinerungen ent- 
hält; seine Schichten sind zuweilen bis zum Senkrechten aufgerichtet 
und bilden dann oft Nadeln, wie das Granit-Gebirge. Über diesen Sand- 
stein hin noch weiter nach O. kommt man an den Fuss eines hohen 
und steilen Gebirges, die Montagne & cornes der zahlreich umherliegen- 
den Hippuriten wegen genannt: bis in die Hälfte der Höhe besteht es 
noch aus jenem Glimmer- Sandstein, welcher aber durch mergelige 
Theile in dünne Schichten getrennt. wird; dann aber folgt eine sehr 
harte Kalk-Bank und darauf ein erhärteter Mergel von 2m —3m Mäch- 
tigkeit, welche das ganze System bekrönt und die Rudisten enthält, 
[Ist diese Nacheinanderfolge zum Theile aufgerichteter Schichten auch 
die wahre Aufeinanderfolge?] Sie setzen fast seine ganze Masse zu- 
sammen, indem er nur das Zäment derselben abgibt, aus welchem man 
sie ohne Beschädigung nicht herausschlagen könnte, während durch 
Einwirkung der Atmosphärilien sie allmählich herausfallen. Von einigen 
Arten, wie Hippuritesbioculata und H.organisans kann man hun- 
dert Exemplare finden, bis man eines einer andern Hippuriten- oder gar 
Sphäruliten-Art antrifft. Sie liegen in der Art untereinander, dass sie 
vor Aufrichtung des Gebirges schon von ihrem Boden durch eine Strö- 
mung losgerissen, meistens zertrümmert und aufgeschüttet worden seyn 
müssen. Sie sindin Begleitung vieler Polyparien: Cyclolithes, Astraea, 
Meandrina,Korallen-Äste, auch Spuren von GryphaeaundLucina., 
— Il. Bemerkungen über die Rudisten (S. 35). Der Vf. fragt, warum, 
wenn nach Deswayes die Rudisten Bivalven seyen und neben den Au- 
stern stehen sollen, ihre Schaale doch zellig und die Buckeln derselben 
mittel- statt Rand-ständig sind? wozu den Hippuriten die 2 Längs-Leisten 
in der Unterschaale und die 2 Augen-Stellen in der oberen dienen? Sie 
für successive Schloss-Reste halten, habe seine Schwierigkeiten. Die 
7 von Larzrrouse abgebildeten Sphäruliten - und Radiolithen-Formen 
von Bennes bat Lamarck auf 3 Arten reduzirt, und der Verf. erkennt 


625 


darin gar nur eine, nachdem er Hunderte von Exemplare verglichen, 
Er bat, um sicherer zu seyn, die Lamarck’schen Exemplare in Paris 
durch Max Braun vergleichen lassen. Aber er unterscheidet 7 Hippu- 
riten - Arten theils nach ihren sehr veränderlichen äusseren Merkmalen, 
theils und hauptsächlich nach der Form der inneren Längen - Kanten, 
welche desshalb von allen Arten vergleichungsweise neben einander ab- 
gebildet sind, indessen doch keine sehr in die Augen fallenden Unter- 
schiede darbieten. AÄusserlich ist jedoch die Form der kleinen Deckel- 
Schaale eben so beständig, als die der wuchernden Unterschaale verän- 
derlich ist. Ausser einem losen und noch dazu etwas beschädigten 
Deckel, der ausser den 2 Kielen einen sie verbindenden regelmäsigen 
erhabenen Mantel-Eindruck darzubieten scheint, Wat der Verf. nie eine 
leere Schaale noch einen Kern (Biroster) gefunden und kennt daher die 
inwendige Beschaffenheit nur aus Durchschnitten. IV. Beschreibung 
der Arten (S. 45). 

1) Hippurites bioculata Luck. Syst. (et H. curva Luck, hist., 
Lapeie. vı, 4, vıi, 1, 2, 4), längsgefurcht, 2 Kiele, gross. H. rugosa 
Lmcr. hist. hat sich in der Sammlung nicht mehr vorgefunden. 

2) H. canaliculata R. (Lareır. pl, x, 3, 4; ?H. bioculata Zetä.) 
fast glatt, queergestreift, mit dem Rudiment eines dritten Kieles, klein. 

3) H. striata Derr. (Lapeme. pl. vi, 1, 2, 3; Radiolites turbinata 
Lmcer. collect.). 

4) H. sulcata Derr., Lareir. S. 23, no. 17, pl. v. 

5) H. turgida R. (Lareır. S. 31, no. 26, pl. ıx, jung H. dilatata 
Derr.). Warum blieb nicht dieser Name? 

6) H. organisans (Lapeir. 35, no. 30, pl. xı; Batolites Monrtr., 
H. fistulae Derr., Radiolites p’Ore.). 

7) Sphaerulites ventricosa R. (Ostraeites Lapeir. no. 1—#, 
pl. xıı, 1—5, xııt, 1, 25 Sph. ventricosa et Sph. rotularis Luce. hist.). 

Alle Arten sind diagnosirt, beschrieben und mit Synonymen ver- 
sehen, und gewöhnlich in mehren Figuren abgebildet. — Den Schluss 
macht eine Erklärung der 7 vortrefllich lithographirten Tafeln. 


Coovann: Abhandlung über-Aptychus (Bullet. geot. 1841, XII, 
376—391, Tf. x). Rürrer hatte zuerst einen Theil der Trigonelli- 
tes- oder Aptychus-Arten, Vorrz später alle für Deckel von Ammoni- 
ten gehalten, und letzter sogar die einzelnen Aptychus- Gruppen auf 
einzelne Ammonites-Gruppen, in deren Mündung er sie gefunden hatte, 
beziehen zu können geglaubt, obschon er des Ursprungs überhaupt noch 
nicht ganz gewiss war (Jahrb. 1837, 304 #., 432 ff.). 

Vor.rz scheint diese Schaalen auch am besten beschrieben zu haben: 
der Vf. bezieht sich darauf, setzt aber Einiges zu. Die zellige Struktur 
der einen Gruppe erscheint äusserlich nur, wenn die Oberfläche natür- 
iich oder künstlich abgerieben ist. Wenn sie aus einer kalkigen und 
einer Horn-artigen Schicht zugleich bestehen, so hat jede Schichte ihre 


626 
besondre, von der anderen unabhängige Zuwachsstreifung. Ist die 
Horn-artige Schicht aber nicht erhalten, so sieht man die Abdrücke 
ihrer Streifen oft noch innen auf der Kalk-artigen. Bei näherer Prü- 
fung scheint aber daraus hervorzugehen , dass «de meisten Arten eine 
solche Horn-artige Schichte wirklich besessen hatten, und die Zuwaclıs- 
streifen im Innern der kalkigen sind dann wie am Horn-artigen A. 
elasma beschaffen. Wegen dieser zweifachen Zuwachsstreifung hatte 
H. v. Meyer diese Schaalen für innre erklärt, DzsLonscnamps aber nach- 
gewiesen, dass kein fossiles oder lebendes Bivalv Zuwachsstreifen im 
Innern, sondern nur eine glatte Lage mit Muskel- und Mantel-Eindrücken 
besitze. Aptychus aber hat statt dieser Eindrücke innen eine eben so 
deutliche Streifung als aussen, woraus man entweder eine sehr grosse 
Verschiedenheit des Thieres, oder eine beständige und vollkommene Zer- 
störung der vorhanden gewesenen inneren Schichte folgern musste, wie 
Vorrz gezeigt, der aber auch die doppelte Streifung und ihren Ursprung 
aus einer anfänglich doppelten Schichte der Schaale erkannte und eben 
darin einen weiteren Grund fand, sie für Deckel zu halten, da auch die 
Deckel von Nerita, Turbo, Fusus u. s. w. aussen und innen eine un- 
gleiche Zuwachsstreifung erkennen lassen. Dieser Annahme scheinen 
aber doch entgegen zu stehen die zweiklappige Beschaffenheit und der 
schon erwähnte Mangel jedes Muskel-Eindrucks, wie er doch auch an 
jenen Deckeln vorkommt. Man weiss, bei Betrachtung der Organisation 
des Thieres von Nautilus, welches keinen Deckel besitzt uud also ana- 
log auch hier dagegen spricht, den Deckel nirgends dem Thiere anzu- 
fügen, noch zu erklären, warum zwar viele Ammoniten im weiteren 
Sinne des Wortes , aber keine Aptychen unter dem Lias, und nur ver- 
hältnissmäsig wenige und von sehr wenigen Formen in und über dem- 
selben vorkommen, warum sich auch zu gewissen breitrückigen oder 
riesenmäsigen Ammoniten noch gar keine entsprechenden Aptychus-Formen 
gefunden, und wie nach H. v. Meyer zweierlei Aptychus-Arten in einem 
Ammoniten oder nach Graf Münster’s Sammlung einerlei Aptychus in 
mehrerlei Ammoniten vorkommen können, obschon VorLrz bereits mehre 
dieser Einreden zu widerlegen gesucht hat. Ansichten von SCHEUCHZER und 
Knore, ‚BourDer und SowERBY, V. SCHLOTHEIM, PARKINSON, V. MEvER, 
— Eupes ves Lonccuamrs hat im V. Bande der Mem. de la Soc. Linn. 
de Normandie einige Arten unter dem Namen Münsteria beschrieben, 
sie zu Lamarck’s Sulenoiden gestellt und so charakterisirt: Test« bival- 
vis, aequivalvis , valde inaequilateralis, postice et antice hians ; valvae 
trigonae; umbones parvi marginales plane antici; margo superior 
reclus ligamentum elongatum ferens ; cardo linearis edentulus. Da die 
Schaale aber wirklich nicht zweiklappig und die Horn-artige Schicht 
„oder Epidermis“ innerlich statt äusserlich ist, so darf man diese Schaa- 
len nicht als Muscheln betrachten. Auch zur Nahrung der Ammoniten 
können die Aptychen nicht bestimmt gewesen seyn; diese mussten wie 
die Nautilen derbe Kiunladen besessen haben, wit denen sie sie zer- 
drückt und beschädigt haben würden, was mau an den in den Ammoniten 


627 


liegenden Aptychen nie wahrnimmt. Drsnayes hält sie für innre Theile 
der Ammoniten, will sich aber nicht aussprechen, ob es Deckel gewesen 
(Mem. soc. geol. IIT, 31). 

Hinter Münsteria beschreibt DestLonscHhamrs das den Kalmars ver- 
wandte Genus Teudopsis (Tf. xı, Fg. 5), welches er so charakterisirt : 
Schaale fossil, Horn-artig aussehend, dünn, verlängert, eben oder hin- 
ten und unten etwas konkav, längs der Mitte mit einer Falte, durch die 
sie an beiden Enden zuweilen gespalten wird, gewöhnlich begleitet von 
einem Dinten-Sack. Damit nun ist Aptychus so nahe verwandt, dass, 
von dem Dinten-Sacke abgesehen, man die ganze Definition auf Apt. 
elasma anwenden könnte, wenn die mittle Falte weniger ausgesprochen 
und beide Enden mehr getheilt wären; aber an dem sehr vollständigen 
Teudopsis Bunellii Desr. (Fg. 5) ist die Mittel-Falte deutlicher und 
die Trennung an den beiden Enden offenbar nur eine Folge des Drucks, 
während bei anderen Teudopsen die etwas erhöhete Mittel-Falte keine 
Unterbrechung veranlasst und nicht die mindeste Spur von einem Schlosse 
zu gewahren ist. Der so selten erhaltene Dinten-Sack beweist nun die 
nahe Verwandtschaft von Teudopsis mit Loligo, und die Ähnlichkeit von 
Aptychus mit Teudopsis weiset dann auch dem andern Genus seine sy- 
stematische Stelle an. Vergleicht man nun T. Bunellii mit Loligo 
vulgaris, so bestehen die Schaalen beider aus vielen übereinanderliegen- 
den Horn-artigen Schichten; die gewölbte, einer breiten Pfeilspitze ähn- 
liche Oberfläche ist bei beiden durch eine Mittel-Linie in 2 gleiche Hälf- 
ten getrennt; beide haben einen ganz ähnlichen Dinten-Sack bei sich, so 
‚dass beide Genera blos durch den Umriss verschieden sind. So wie 
Teudopsis ist auch Aptychus elasma beschaffen, nur vorne breiter aus- 
gerandet und kürzer. Die Imbricati und Cellulosi (Vorrz) bei Aptychus 
besitzen ausserdem noch eime Kalk-Schichte, welche bei den Cornei, 
bei Teudopsis und Loligo zwar fehlt, aber dieselben mehr den Sepien, wo 
sie noch zusammengesetzter vorhanden ist, nähern würde. Die Aptychen 
sind demnach, wie die Loligo-Leisten, innere Schaalen, überall mit dem 
Zellgewebe in Berührung, ohne besondre Muskel-Anheftung , an beiden 
Seiten auf verschiedene Art und durch verschiedenen- Stoff durch das- 
selbe fortgebildet und wachsend. Aptychus, Münsteria und Teudopsis 
bildeten miteinander eine erloschene Cephalopoden-Familie, den Sepien 
im System nahe stehend, im Leben den Ammoniten zugesellt. Neue 
Arten: j 

1) A, Blainvillei, fo, 8, 9: (Cellulosus ?) test« solida, oblongo 
trigona, Superne Convexa, cellulis numerosissimis serialim cribrata, 
inferne concavaz culmine mediv lineari profundo. 0m 06 longa, 0m 088 
lata. Von Verignon, Var, im untern Neocomien mit Amm. crypto- 
ceras, Belemnites subfusiformis u. a, 

2) A. Beaumontii, fg. 12: (Cellulosus) testa solida cordiformis 
subcompressa, supra Conveziuscula cellulis numerosissimis cribrala, 
inferius subconcava, strüs concentrieis exarata. OWOS longa, Om 646 
fata. Dem A. latus ähnlich, doch grösser, länger, zelliger. In 


628 


weissem Kalk über Oxford-Thon —= Coralrag Braum. bei Vergons, Bas- 
ses Alpes. 

3) A. radians, fg. 11, 11bis; (Cellulosus) testa REN oblongo- 
trigona, supra convexiuscula, longiltudinaliter lineato-punclata , lineis 
transversis apice decurrentibus ornata, inferius subconcava, 0»020 
lonyga, Om 010 lata. In der Punktirung etwas dem A. puncetatus Vorrz 
ähnlich, aber kleiner, konvexer, die Punkte weniger tief und am äus- 
seren Rande weniger zur Leisten-Bildung fahrend, Im untern Neocomien 
zu Lioux und Blioux, Basses Alpes. 

4) A. Didayi, fg. 10: (Imbricatus) testa subcordiformis, supra 
convexa, sulcis profunde imbricatis et prope culmen medium inflexis 
exarata. OmM030 longa, Om 018 lata. Mit voriger, wie auch zu Char- 
davon und Vergons (Basses Alpes), zu Orpierre (Hautes Alpes) und 
Greolieres (Var.). 

5) A. Seranonis, fg. 13: (Imbricatus) testa oblongo -trigona, 
supra convezxiuscula, lineis tenuibus circumdata. Om 010 lonyga, 0m 005 
lata. Aus dem Kreide-Gebirge der Basses Alpes. 


Schliesslich gibt der Vf. eine Liste aller bis jetzt bekannten Apty- 
ehus-Arten. 

Cornei: die 5 Arten bei Vorrz, Jahrb. 7837, 434, 

Imbricati: 12 daselbst; 3 obige; A. Theodosia Desn., Jura, 
Krimm. 

Cellulosi: 8 bei VorLrz, 2 oben. 

Zweifelhaft: 2 bei PnıLLırs, Vortz a. a. O.S. 437. Im Ganzen also 
33 Arten, worunter die neuen die ersten aus der Kreide-Formation sind. 


Mc Crerrann:: Notitzen über Hexaprotodon, einen fossilen 
Pachydermen Ostindiens (Journ. of the Asiat. Soc. of Bengal, VII, 
1038 > Wıecm. Arch. 1839, II, 413). Fauconer und CAurrey haben 
das Tbier zuerst in den Siwalik-Lagerstätien entdeckt und in den Asia- 
 tic Researches, vol. XIX beschrieben [vgl. Jahrb. 1838, 604; 1840, 
610). Es stund dem Hippopotamus sehr nahe, hat aber jederseits 3 
(statt 3) gleich stark entwickelte Vorderzähne, + (statt 2) Backenzähne. 
Ein abgebildetes Unterkiefer-Fragment jedoch (Fg. 3), welches der Vf. 
zu H. dissimilis bezieht, zeigt nur 2 Vorderzäbne, von welchen der 
mittle oder innere wie bei Hippopotamus stärker entwickelt war, und, wie der 
Ref. glaubt, auch nur 6 Backenzähne. Unter den Arten mit je 6 Vor- 
derzähnen oben und unten hat H. Sivalensis F. C. solche in einer 
fast geraden Linie stehen und sie parallel. der Längs-Achse des Unter- 
kiefers gerade nach vorn gerichtet, wie Zähne eines Rechens. Aber 
von einem andern bier abgebildeten Unterkiefer stehen nur die 4 mitteln 
in einer geraden Linie und der äussre etwas weiter nach vorn, innen 
vor dem Eckzalın. Wegen der ungeraden Stellung der Zähne nennt der 
Vf. diese Art H. anisoperus (avıdos und zepas). Auch scheinen der 
Abbildung zufolge diese Zähne etwas mehr aufgerichtet, subereeti, und 


629 


die Symphysis abweichend und zu der von H. Sivalensis in dem Ver- 
hältnisse gestanden zu seyn, wie die von H. amphibius zu H. fossilis. 
Eine dritte Art endlich, H. megagnathus M., die in der Stellung und 
Richtung der Vorderzähne mit H. Sivalensis übereinstimmt, hat von H. 
anisoperus die fast parallele Stellung der Backenzahn-Reihen, welche 
bei H. Sivalensis dagegen eine Bogen-förmige nach innen konvexe Li- 
nie bilden. Eine vierte Art, H. platyrhynchus, ist von H. Sivalen- 
sis verschieden in der abgeplatteten (fattened) Form des Kiefers. 


T. B. Jordan: Kopie’n von Petrefakten auf galvanischem 
Wege (Brit. Assoc. 1841 > VInstit. 1341, IX, 428). Versteinerungen 
von Trilobiten u. dgl. lassen sich auf die schon bekannte galvano- 
plastische Weise leicht herstellen. Da man aber manche Vertiefungen 
nicht in Wachs oder Gyps abgiessen kann, um nachher das Kupfer sich 
daran absetzen zu lassen, so hat der Vf. [?] eine elastische Komposition 
erfunden, derjenigen ähnlich, woraus man die Buchdrucker-Walzen fer- 
tigt, welche man warm auf das Fossil aufträgt, 24 Stunden trocknen 
lässt, und dann als Abguss der zartesten Theile auch aus den Vertie- 
fungen heraus abstreift. Allein diese Materie bedarf noch eines soliden 
Firnisses, um ihre Oberfläche zu schützen, wenn man sie nachher be- 
hufs des galvanischen Prozesses in die Flüssigkeit legt. Doch kann man 
mit jeder Matrix nur eine Kopie erbalten. Um solche leicht bräunlich 
zu färben, reibt man mit Silber- und Potassium-Cyanür u. s. w. 


Geologische Preis-Aufgaben 


der Niederländischen Sozietät der Wissenschaften zu Harlem. 


Bedingnisse: Die Beantwortungen müssen Holländisch, Französisch , Englisch, 
Italienisch, Lateinisch oder Deutsch, aber jedenfalls mit Lateinischer Schrift und 
sehr lesbar geschrieben, frankirt und auf die übliche Weise mit einem den Namen 
des Autors enthaltenden versiegelten Zettel vor dem 1. Januar des anzugebenden 
Jahres eingesendet werden an Prof. J. G. van BrepA, beständigen Secretair der 
Holl. Sozietät zu Harlem. 


1. Vor dem 1. Januar 1843 einzusendende Antworten 
waren im Jahrb. 1841, S. 503 schon angegeben. 


II. Vor dem 1. Januar 1844 einzusendende Beantwortungen. 
A. Wiederholte Fragen aus früheren Jahren, 


I. Les observations du changement de temperature, que le sol subit 
a differentes profondeurs, ont ete fort bien accueillies par les Physi- 
ciens ; la Societe demande d’apres cela: I) que Von observe la tem- 
perature du sol pendant au moins une annee entiere au moyen de 
thermometres construits dans ce but, et enfunces dans le sol a diffe- 
rentes profondeurs depuis la surface jusquau point, ou la tempera- 
ture ne subit pas, ou fort peu de changement; 2) que ses observations 


‘ 


630 


enregistrees avec ordre soient communiquees a la Sociöte, accompag- 
nees d’une description exacte de la nature du sol et des circonstances, 
qui ont accompagne les obervations; 3) quenfin Dun fasse un resume 
exact des consequences que l’on pourra deduire de ceite serie d’ob- 
servaltions. 

2. Les experiences de plusieurs Physiciens ont prouee, que les 
variations de temperature ne suivent pas toujours, 4 mesure, que Von 
s’eleve dans Vatmosphere, la marche reguliere que Von supposerait. 
"— La Societe, jugeant, quil est fort important, surtout dans des 
pays plats, tel que de royaume des Puys-Bas et autres, que ces va- 
riations soient connues avec exactitude, desire, que la temperature 
de V’atmosphere soit examinee pendant assez longtemps @ des hauteurs 
difförentes, soit que Von eleve dans Vair les thermometres a vöserver, 
au moyen de longues perches, soit qu’on les place sır des edifices fort 
elenes, ou bien qu’on les fasse monter dans Vatmosphere, en les atia- 
chant a des cerfs-volants, ou a des ballons captifs. — La Societe 
demande, que ces ubservations faites dans des saisons differentes lui 
soient communiquees, regulierement disposees, ainsi que les resultats, 
que Von pourra en deduire. 

8. L’on rencontre sur quelques points de V’Europe des couches, 
que Von regarde, tant d’apres le rang, qwelles occupent dans la serie 
des formations geologiques, que d’apres leurs fossiles, comme plus ou 
moins analogues @ celles de la formation de Maestricht. Les bancs 
culcaires de Laversines, departement de Seine-.et-Oise en France, 
les couches des Hauteville et ailleurs du departement Francais de 
la Manche, et celles de la vallee de Gosau dans les Alpes pres de 
Salzbourg, sont citces entre autres, comme ielles. — La Societe 
demande, que ces differentes formations geclogiques soient comparees 
entre elles, et avec celle de Maestricht, tant pour ce qui regarde leur- 


nature et leur position, que pour ce qui concerne les fossiles quwelles 
renferment. 


B. Neue Aufgaben. 

1. La Societe, persuadee du haut interet, qwWil y a de connaitre 
avec la plus grande exaclitude les proportions des gaz, qui composent 
Vutmosphere, desire que lair atmospherique soit examine de nouveau 
dans les Pays-Bas pres de la mer, et que la proportion exacte de 
ses principes constituants y soil determinee selon la methode d’analyse 
qui recemment vient d’etre employee avec le plus grand succes par 
Dvmas en France. rd 

2. Les tourbieres dans les Pays-Bas se distinguent en deux gran- 
des classes ; les tourbieres dites hautes et les tourbieres basses. La 
Societ& demande une description exacte des dernieres, ainsi qu’une 
comparaison de celles-ci avec les tourbieres hautes, afin que Von 
puisse en conclure, si elles ont eu la m&me origine, ou bien si elles 
ont ete produites par des causes differentes. 


Über 
einige Mineral-Spezies, 
von 


Hrn. Prof. M. L. FRANKENHEIM. 


ee 


In einer Abhandlung, die unter dem Titel „System der 
Krystalle“ in der zweiten Abtheilung des XIX. Bandes der 
Akten der Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Natur- 
forscher erschienen ist, habe ich von sämmtlichen bisher 
beobachteten Krystallen, natürlichen wie künstlichen, die 
Charakteristik entworfen und auch meh-e Punkte der Theo- 
rie der Krystall-Bildung, der Isomerie u. dgl. untersucht. 
Viele Aufmerksamkeit habe ich auch auf die Bestimmung 
der chemischen Formeln der Mineralogie verwendet und 
werde Einiges von dem, was die alenlang in dieser Be- 
ziehung enthält, hier isyoksaslets 

Die Bbaeichnlnk bezieht sich, wie es in der neuen 
Zeit von mehren estallangapbjein geschieht, überall auf 
die Normalen und lässt sich leicht in die von Weiss über- 
tragen, indem eine Normale, die im Folgenden mit 1, 2, 3 
bezeichnet wird, einer Fläche entspricht; die bei Waiss 
[a:4b:4c] heissen würde. 

1. Quarz und Opal. 

Der Quarz wird mit Unrecht als hexagonal beschrieben. 


Er ist rhomboedrisch und nicht hexagonal. Sein Durchgang 
Jahrgang 1842. 41 


632 


wird schon von Hauy rhomboedrisch angegeben; aber da er 
schwach ist, konnte man glauben, dass er allen Pyramiden- 
Flächen parallel sey. Allein Savarr’s Beobachtungen an den 
Klang-Figuren der Quarz-Platten sind entscheidend. Savarr 
machte einige Bemerkungen, aus denen hervorgeht, dass die- 
ser sonst sehr ausgezeichnete Physiker mit den Gesetzen 
der Krystall-Kunde nicht bekannt war, und einmal, als er 
eine Klang- Figur hypothetisch zeichnete, weil es ihm an 
einer für die Beobachtung geeigneten Krystall-Platte fehlte, 
hat er sich geirrt. Aber seine Versuche waren um so un- 
befangener und beseitigen jeden Zweifel an der Verschie- 
denheit der beiden Rhomboeder, aus denen die gewöhnliche 
hexagonale Pyramide besteht. Der Quarz gehört zu den 
am häufigsten beobachteten Krystallen, Aber wenn man 
den Figuren folgen sollte, die von ihm in den besten mine- 
ralogischen Lehrbüchern gegeben sind, so würde es schwer 
werden, seine Hemiedrie zu ‘bestimmen; denn oft wider- 
sprechen sich die auf demselben Blatte stehenden Zeichnun- 
gen. Die Darstellung, -die ich von der Hemiedrie des @uar- 
zes gegeben, beruht theils auf einer sorgfältigen Siehtung 
der mir bekannten Beschreibungen der Keae theils auf 
eigenen Beobachtungen. 

Es gibt wenig Minenalicns die so isolirt stehen, wie 
der Quarz. Mag er auch in dem Grund - Verhältnisse dem 
Chabasit ähnlich seyn, die Krystall-Formen sind durch die 
Hemiedrie und die Ausbildung gänzlich getrennt. In den 
Bestandtheilen stimmt er nur mit dem Opal überein, der 
daher fast allgemein als eine isomere Modifikation des @uar- 
zes angesehen wird, und zwar als eine amorphe. Seitdem 
man die Isomerie an so vielen Körpern entdeckt hat, hätte 
sie auch an der Si Masse nichts Unwahrscheinliches. Aber 
der Opal besitzt nicht die Eigenschaften eines selbstständi- 
gen Körpers. Er ist nicht krystallinisch, er ist nicht ein- 
mal ein Glas, sondern eine trübe, d. h. das Licht unregel- 
mäsig zerstreuende, wasserhaltige, hygroskopische Masse, 
die offenbar von leeren Zwischenräumen durchzogen ist, 


635 


welche ihr spezifisches Gewicht vermindern und den Auf- 
lösungs-Mitteln eine weit grössere Oberfläche darbieten, als 
eine von Poren freie Masse. Je kleiner das spezifische 
Gewicht, je grösser die Zwischenräume, desto grösser ist 
die Löslichkeit. Einige Opale stehen im spezifischen Ge- 
wichte dem Quarze beinahe gleich; sie sind auch die durch- 
sichtigeren, von alkalischer Lauge schwerer angreifbaren. 
Quarz- und Opal-Masse sind daher wahrscheinlich im 
Wesen nicht verschieden; nur ist der @uarz homogen, der 
Opal dagegen porös. | 

Was die Entstehung des Quarzes und des Opals betrifft, 
so bildet sich der krystallisirte Quarz unter allen Umständen, 
bei denen sich die Si Masse wasserfrei aus ihren Verbin- 
dungen ausscheidet, bei 20—30°, wie aus der feurig-flüssi- 
gen Masse, aus welcher sich der Granit abgesetzt hat. Der 
Opal scheint dagegen nur ein Produkt der Zersetzung des 
Kieselerde-Hydrates zu seyn, Sehr viele Oxyde, z. B. 
Baryt, Kalk, viele Metalloxyde, sind wahrscheinlich nur 
als Hydrate auflöslich und scheiden sich auch gewöhnlich 
in diesem Zustande aus. Aber diese Hydrate sind sehr oft 
von geringem Bestande. Wie viele Salze, verlieren auch 
diese Oxyde ihr Wasser bei gewöhnlicher, wie bei etwas 
erhöhter Temperatur, selbst dann, wenn sie sich in einer 
Umgebung von Wasser befinden; und mit dem Wasser ver- 
lieren sie die Löslichkeit, die sie besassen. Daher die Vor- 
schriften der Chemiker, zu Eisen- und anderen -Präparaten 
die Oxyde frisch gefällt anzuwenden; denn nach kurzer Zeit 
sind die löslichen Oxyd -Hydrate in weniger lösliche oder 
unlösliche Oxyde übergegangen. So ist es auch, wie ich 
glaube, mit der Kieselerde. Sie scheidet sich in vielen 
_ Fällen als Hydrat ab, zuweilen sogar krystallinisch; aber 
dieses Hydrat zersetzt sich leicht in IE und in ein sehr 
schwer lösliches Si. Die Kiesel-Masse erhärtet dabei zu 
einem sehr festen Steine, der in mehrfacher Beziehung dem 
Porzellane ähnlich, natürlich keine Spur einer Krystallisation 


zeigen kann und eine Menge von Zwischenräumen enthält, 
Ai 


634 


welche sein spezifisches Gewicht und seine Durchsichtigkeit 
vermindern und ihn fähiger machen, von einem Auflösungs- 
Mittel angegriffen zu werden, als die unmittelbar, wasser- 
frei gebildete Kieselerde. Man hat die Isomerie zur Er- 
klärung fast aller Unterschiede benutzt, die man zwischen 
Körpern von gleicher Zusammensetzung gefunden hatte, und 
in vielen Fällen mit Erfolge. Man ist aber, wie bei jedem 
neuen wissenschaftlichen Gesichtspunkte, darin etwas zu 
weit gegangen und hat für isomer gehalten, was nur Folge 
einer verschiedenen Textur oder einer verschiedenen Zu- 
sammensetzung war Würde man, und dieses sollte ge- 
schehen, den Ausdruck Isomerie auf diejenigen Fälle be- 
schränken, wo in den Eigenschaften zweier Körper ven 
gleicher relativer Zusammensetzung eine von der äusseren 
Form oder der Textur unäbhängige Verschiedenheit Stats 
findet, so würde die Anzahl der für isomer gehaltenen Stoffe 
' beträchtlich vermindert werden. Man darf auch diejenigen 
Körper nieht für isomer halten, bei denen die Gleichheit 
der Zusammensetzung bloss dadurch hervorgebracht wird, 
dass der eine mit dem Wasser chemisch verbunden, der 
andere darin bloss aufgelöst ist. Denn Auflösung und wahre 
chemische Verbindung sind ihrem Wesen nach gänzlich ver- 
schieden; nicht verschiedene Stufen eines Prozesses, son- 
dern entgegengesetzte Prozesse; und durch eine chemische 
Verbindung mit Wasser wird ein Stoff eben so wesentlich 
verändert, als durch eine chemische Verbindung mit einer 
Säure oder einem Alkali. 

ll. Serpentin. 

Der Serpentin ist nach dem ‘Resultate vieler Analy- 
sen Mg? IFSi, dem gewöhnlich etwas MgfH beigemischt ist. 
Dieselben Bestandtheile, nur hin und wieder mit Beimen- 
gung kleiner Quantitäten von SiÄl, Felf finden sich ebenfalls 
in Tuomsons Nephrit, in dem Pikrolith nach STROMEYER, 
dem Marmolith nach Lycnnert, dem Sehillernden As- 
best von’ Reichenbach nach Koserr und dem Schiller- 
'spath von der Basle nach Könter, — Die Isomorphie von 


6353 


Mo°HSi und Ms>8 wäre ein interessantes Beispiel von der, 
wie ich in der Abhandlung gezeigt habe, häufigen Vertretung 
der Basen R durch #. Aber die Serpentine haben, wie 
es scheint, wohl Absonderungen, aber keine Struktur, sind 
undurchsichtig, obgleich die Masse selbst durchsichtig seyn 
muss, und sind daher wahrscheinlich After-Krystalle, ent- 
weder des Chrysoliths, indem 1 M.G. des Mg durch H 
verdrängt ist, oder, was bei der Mächtigkeit der Serpentin- 
Lager nicht unwahrscheinlich ist, After-Krystalle eines bei 
einer anderen Temperatur gebildeten isomeren Stoffes. Wirk- 
lich krystallisirte Serpentin - Masse ist vielleicht der von 
Könzer beschriebene Schillerspath von der Baste, der mo- 
noklinisch oder triklinisch ist. 


Ill. Harmotem und Thomsonit, Desmin. 

Harmotom und Thomsonit sind isomorph. Ihre Zusam- : 
mensetzung ist aber verschieden. Der Thomsonit ist 
durch mehre Analysen gut bestimmt zu 

(Ca, Na)e 115 Äls Sis 

Bei dem Harmotom ist die Zusammensetzung in ver- 
schiedenen Varietäten sehr ungleich. Er enthält Si, Äl, H 
und eine Basis, die bald fast Ca, bald fast bloss Ba, bald 
ein Gemenge beider ist, zu welchem im Phillipsit noch K und 
Na treten. Seine Analysen lassen sich zu keiner einfachen 
Formel vereinigen. Mit Ausnahme von ein Paar offenbar 
falschen oder mit andern Körpern angestellten Analysen habe 
ich sie, auf Mischungs-Gewichte reduzirt, in folgende Ta- 


belle zusammengestellt: 


Si 1,ALlRo| 


g; +ER+E| 


Baryt-Harmotome. 


52,4 | 17,1] 12,5 | 81.3 69,5 | 93,8 Andreasberg, NAMMELSBERG. 
50,2 | 16,3 | 14,8 | 83,4 66,5 98,2 n Kötrer. 


49,0 | 15,9 | 17,5 | 83,2 | 64,9 100,7 A 

52,4 | 16,3 | 13,1 | 81,4 68,7 9445. A L. Gmenims. 
50,6 | 16,1 | 15,6 | 84,5 66,7 100,1 ° |Oberstein, KöuLer. 

49,6 | 15,9 | 15,7 | 83,8 65,5 | 99,5 |Strontian, Könrkr. 


50,6 | 14,81 16,4 | 82,7 65,4 99,1 ConKet. 


636 


s|mın| are 
Kalk-Harmotome. | 


45,8 | 24,8 | 20,3 | 97,9 | 73,6 118.2 |Gismondin, Koeetı. 
52,3 121. 5. 75,5 108,8 |Marburg, Könter. 


46,1 | 25,3 | 19,6 | 97,7.|': 71,4 |:1117,5 ö L: Gmeum. 
51,9 | 22.7.116.2 97,4 74,6 104,1 |Kassel, KöHLer. 

51,2 | 21.9 19,7 | 92,9 | 73,1° 119,6 R Thomson. 
52,4.1437 |. 1951 | 77,6, | , 67,1 94,7. |Phillipsit, Tmomson. 


45,9 | 26,7 | 24,5 | 81,6 | 72,6 106,1 |Bamberg, Thomson. 

Die beiden letzten Rubriken geben mit geringen Schwan- 
kungen das Verhältniss 2: 3, oder (R, 13 (Si, Äh?. Aber 
die relativen Verhältnisse von Si und Äl, von R und H sind 
im Kalk- und Baryt-Harmotome verschieden, und selbst in- 
nerhalb einer Abtheilung nicht gleich. Indessen sind. sie 
im Durchsehnitte | | 

bei dem Baryt-Harmotome Si :Äl=3: 1; R:H=1:5 
s „ Kalk- is 55:2 ill SG 
also jener RIPÄISi3; dieser RHısÄ:5j19 

Der Kali-reiche Phillipsit, wenn man den Wasser- 
Gehalt so hoch nimmt, wie bei den übrigen Kalk-Harmoto- 
men, hat dasselbe Verhältniss von BR + IH zu Si + Äl; 
aber im Übrigen weicht er beträchtlich ab. Dasselbe gilt 
vom Gismondin von Capo di Bove,: der mit dem von 
GuELin analysirten Marburger Harmotom ganz übereinstimmt. 
Der zuletzt genannte Harmotom hat für Na und Ca beinahe 
gleich viel M.G., wenn die Analyse richtig ist. 


Auch bei dem Thomsonit findet sich, dass die’ Summe 
von R und IE sich zu der Summe der Äl und Si wie 2:3 
verhält. Beide, der Thomsonit und die verschiedenen Har- 
motome lassen sich darstellen als Verbindungen von R> Si2, 
#° Si?, MH>Äl zwar nicht in jedem, aber doch in mehren 
Verhältnissen. | 

Der Desmin krystallisirt in einer zwar nicht gleichen, 


aber doch sehr ähnlichen Form, Seine Bestandtheile naclı 
Misehungs-Gewichten berechnet, sind: 


637 


gi E: IR | HS + A R+r| 


56,5 | 16,8 | 20,2 | 102,3] 73,3 122,5 | Tuomson. 

59,0.| 17,7 | 17,2 105,4] 76,7 122,6 .; 

60,4 | 16,7 | 15,6 |101,8| 77,1 117,4 | Rerzws. 

61,4 | 16,0 | 14,8.| 98,8) 77,4 113,6 | Mons bei H. Rose. 
62,4 [15,6 | 16,1 | 91,9] 78,0 106,0 | Hısineenr, | 


Diese Analysen stimmen zwar mit der von Andern auf- 
ein, aber noch besser stimmen’ die beiden zuverlässigsten 
Analysen von Rerzıus und Mons mit (R, #)3 AI, 522. 

Dass HE dem R und Äl dem :Si isomorph werden kann, 
habe ich durch mehre Beispiele erwiesen. Daraus folgt aber 
keineswegs, dass sich R und HE und anderseits Al, Sinoth- ° 
wendig in jedem Verhältnisse vertreten müssten. 

IV. Mesotyp, Natrolith, Lehuntit, Mesolith. 
Die Darstellung der Mesotyp- Gattung wird dadurch etwas 
verwickelt, dass man auch Harmotom- und Chabasit-ähnliche 
Mineralien als Mesotyp oder Mesolit beschrieben. hat. 

Der Natron-Mesotyp .oder Natrolith lässt sich 
nach allen Analysen sehr gut darstellen durch NaH? Si.A1Si, 
wobei zuweilen ein wenig Ca für Na eintritt, 

‘Der Kalk-Mesotyp oder der Skolezit ist 
GaAlSı IP — Gl S:ÄISıH, was lange so einfach nicht 
ist, wie bei dem Natrolith. Es. wird, wie es scheint, et- 
was Ca zuweilen durch Na und Mg vertreten, 

Der Lehuntit ist nach 'Tuomson’s Analyse ein Natron- 
Mesotyp mit 3H — Cal? SLÄISIH. 

Der Mesolith ist eine Verbindung von Natrolith und 
Skolezit in verschiedenen Verhältnissen, die sich sogar auf 
den Wasser-Gehalt erstrecken, der zwischen 2 und 3 M.&. 
steht, wenn man die übrigen Bestandtheile (Ca, NayÄlSi? 
setzt. JIndessen ist auch der Si Gehalt nicht immer kon- 
stant. Es gibt auch Mesotype, deren Formel (Ca, Na)? 
Äl3 Si517—-8 ist, und dennoch haben alle diese Körper eine 
gleiche Krystall-Form, wenigstens sind das Prisma und der 
Durchgang. bei allen dieselben, und wo mehre Winkel be- 
obachtet werden konnten, sind es die des Mesotyps. Die 


638 


Se Formel Haan Sie Me der Form CCa, Na) 
zuweilen auch der Mangel an Si TERN lässt sich jetzt 
noch nicht angeben. 

Mons unterscheidet in den von mir unter den Mesoty- 
pen zusammengefassten Krystallen zwei Gattungen, Be er 
folgendermaasen charakterisirt: 

1) Prismatischer Kuphonspath, Natrolith (Mineralog. 
II, S. 260) | 
isoklinisch; die Pyramide: 1434° 14220 5310 
Durchgang, vollkommen nach einem Prisma von 91°. 

2) Harmophaner Kuphonspath, Skolezit(a.a.0.,8.262) 
144° 40° 
144° 20° 
Abweichung der Achse 0° 54‘. 
Durchgang, vollkommen, nach einem Prisma von 910 35%. 

Die Krystalle, besonders die des Natroliths, sind 
nieht gut messbar, und man kann daher fast mit Gewiss- 


monoklinisch; die Pyramide: | 145° 29° 51° 51‘ 


heit annehmen, dass der Unterschied in der Klasse zwischen 
beiden Mineralien nieht Statt findet, -und wenn überhaupt 
ein merklicher Unterschied zwischen den Winkeln vorhan- 
den ist, dieser in den Bereich der Isomorphie fällt. 

V. Amphibol, Pyroxen. 

Zur Gattung Amphibol gehören viele in Bestandthei- 
len und physischen Eigenschaften unterschiedene kieselige 
Mineralien, deren Struktur aber und Krystall-Form inner- 
halb sehr enger Grenzen übereinstimmt. Sie zerfallen in 
zwei Abtheilungen. Thonerde-haltende und Thonerde- 
freie. Beide gehen allmählich in einander über, indem 
es Amphibole gibt, die ohne eine Spur von Thonerde sind, 
und solche, die einige Tausendtheile bis 0,15 enthalten, 
d. h. etwa 3 der Kiesel-Menge im M.G. 

Die Zusammensetzung der Thonerde-freien Am- 
phibole ist nach den übereinstimmenden Resultaten mehrer 
ausgezeichneten Analysen (Mg, Ca, Fe, Mn, Na...)83 — 
RSLRSSI®. Die vornehmsten Arten dieses Amphibols sind 


639 


Anthophyllit Mg*Si?, zuweilen fast rein; 

Pektolith Ca*Si3, wobei aber immer etwas Natron 
für Kalkerde eintritt; 

Tremolith (Mg,. Cay+Sis, wobei sich Mg: Ca etwa 
wie 2:1 im M.G. verhalten; 

Arfvedsonit Fe+Si®, wobei etwas Fe durch Na ver- 
treten wird. 

Ein von Tuomson analysirtes Mangan-Silikat scheint nur 
mit etwas Magneteisenstein gemengter Mangan-Amphibol 
— Mn?$i3 zu seyn. Diese Amphibole sind theils mit ein- 
ander, theils mit kleinen Mengen Natron- und vielleicht 
auch Kali-Amphibolen gemengt. 

Der Thonerde-haltende Amphibol oder die Horn- 
blende enthält immer mehre Basen der Form R, nämlich 
Mg, Ca, Fe in verschiedenen Verhältnissen. Die zuver- 
lässigeren Analysen ergeben, wenn man Mg und Ca, Fe und 
Mn zusammenfasst, folgende Resultate in M.G. 


u Ei Ce+Mn 


Ca--Mg + R | 2 


KuDErnatsch Kongsberg. 


52,8| 9,0| 14,3 67,2 

48,8 | 11,5 22,9 52,9 „ Veltlin. 
57,1| 4,4| 24,9 52,9 “% (Uralit). 
Saar 7,3 .):°20,0 50,7 BonsvorFrF N.-Amerika. 
Asa 1355 |: 23,1 54,7 = Vogelsberg. 
49,2 | 11,8 | 10,4 69,7 > Purgas. 

46,0 | 12,8 | 29,8 47,3 77,1 |ARFVEDSON en 

48,6 | 11,0 | . 23,0 59,5 82,7 |Heney aus Diorit im Ural. 


Man sieht erstlich, dass Ca + Mg, Fe + Mn ein- 
ander vertreten. Ferner, dass die Äl Menge steigt, wenn 
die Si Menge fällt, so dass das Verhältniss von Si+äÄtl:R 
fast konstant wie 3:4 ist. Wenu Si zuweilen einen Ei 
nen Überschuss hat, so rührt dieser wahrscheinlich von 
Feldspathen her, die mit der Hornblende vorkommen, ihr 
beigemengt sind, aber aus der undurchsiehtigen Hornblende 
nieht leicht abgeschieden werden können. Sie erhöhen na- 
türlich den relativen Kieselerde - Gehalt der Hornblende. 
Wir müssen also die Formel des Amphibols setzen: (Ca, 


Mg, Fe, Mn, Na...)t(Si, ÄlB. In vielen Amphibolen ist 


640 


ein Gehalt an Fluor, der zu gering. zu seyn scheint, um auf 
die Formel Einfluss. zu üben. An ‘öilie Beimengung von 
Fluor-Caleium ist hierbei nicht zu denken. Merkwürdig 
ist, dass die sonst so gewöhnliche Vertretung, des Al durch 
Fe und Mn im Amphibole niemals, und überhaupt bei Fluor- 
‚haltigen Silikaten nur selten vorkommt. 

Die zahlreichen Arten und Zwischenarten des Py voxens 
unterscheiden sich nur sehr wenig in ihren Winkeln. ; Der 
Winkel des Prisma’s //O, dem der Haupt - Durchgang ent- 
spricht, ist immer so gross, dass Log. B: A zwischen 9,985 
und 9,970 fällt, und der Winkel 020 — 001 ist zwischen 
72° und 74°. Desto mehr unterscheiden sie sich’ dem An- 
scheine nach in den Durchgängen. Diese sind gewöhnlich 
am stärksten nach 2/10 und etwas schwächer nach ZOO und 
010. Im Hypersthen erscheinen die Durchgänge weit deut- 
licher, im basaltischen Augit weit schwächer als. sonst. 
Dieses sind nur Unterschiede in dem absoluten Werthke der 
Durchgänge, wie sie oft vorkommen. "Die Intensität dersel- 
ben hängt ab von der Sprödigkeit der Masse, von der Art, 
wie die durch den Stoss erregten Wellen sich fortpflanzen, 
und ‘kann daher bei den Arten einer krystallographischen 
Gattung, bei denen nur die relativen Eigenschaften einander 
nahe gleich sind, sehr verschieden seyn. Aber im Pyroxen 
sollen auch in dem relativen Werthe der Durchgänge 
Unterschiede Statt finden. Im Diallag soll nämlich der 
Durchgang nach dem Prisma beinahe verschwinden, der 
nach /00 dagegen sehr vollkommen werden mit metallischem 
Perlmutter- Glanze, 010 schwächer mit mattem Fettglanze. 
Aber der Perlmutter-Glanz ist gewöhnlich ein Resultat von 
Sprüngen oder doch Unterbrechungen des Gefüges, also zum _ 
Theil von Absonderung. Der Diallag ist ferner eine Ver- 
bindung mehrer Augit- Arten, und, wenn die Dars'ellung, 
die ich in der Abhandlung von dem Zustande der Zwischen- 
arten gegebeu habe, dass sie nämlich bloss ‘aus einer regel- 
mäsigen Übereinander-Lagerung kleiner, aber nicht molekü- 
larer Krystalle der reinen ‚Arten bestehen, richtig ist, ‚80 


641 


lassen sich diese Unterschiede, die noch niemals in reinen 
Arten beobachtet sind, leieht erklären, 
Die vornehmsten Arten des reinen Pyroxens sind: 


. 


Bronzit Mg?Si2; Wollastonit Ca®$i2; 
Fowlerit oder Rothman- hg 
ganerz Mn®8>; Akmit Fe?NaSi?, da er 


immer Natron enthält, welches etwa #4 der Kieselerde im 
M.G. beträgt. 


Von den Zwischenarten sind am wichtigsten: 


Diopsid (Mg, Ca)®Si?; Bustamit,(Ca, Mn)?Si?; 
Hypersthen (Mg, Fe)? Si?; Hedenbergit (Ca, Fe)? 8i?; 
Paulit (Fe, Mg)3$i2; Diallag (Ca, Mg, Fe)? >i?. 


iteine Natron-Pyroxene gibt es so wenig, wie reine 
Natron-Amphibole. Auch in den Pyroxenen, besonders dem 
gemeinen Augit, findet sich Thonerde vor von der ge- 
ringsten Beimengung an, bis sie in Pargasit etwa 5 der 
Kieselerde in M.G. erreicht. Zur Basis gehört sie gewiss 
nicht, weil sie sonst selbst da, wo sie in wenigen Prozen- 
ten vorhanden ist, die Formel stören würde. Weniger ge- 
wiss ist es, ob man sie, wo sie in geringer Menge da ist, 
als ‚eine blosse Beimengung oder als elektronegativen Be- 
standtheil anzusehen hat, da die Zusammensetzung; auch 
wenn, man von der Thonerde ganz absieht, sehr nahe. R>Si? 
ist. Bei dem Pargasit wäre die Äl Menge zwar hinläng- 
lich, um die Frage über ihre Stellung entscheiden zu kön- 
nen, aber unglücklicher Weise weichen die beiden ‘Analysen, 
die wir von ihm besitzen, sehr von einander ab, | 
BoNnsDoRFF 49,88i i11,1Äl 76,2(Mg, Na, Fe) 
€. G. Gmevin 55,7 10,6 69,0. in M.G. 
was eher auf einen Amphibol, als auf einen Pyroxen hin- 
weist. Auch enthält der Pargasit Fluor. Nach den Ana- 
lysen des Thonerde-haltenden Diallags von Reenautr und der 
Erfahrung, dass man in den meisten Analysen die relative 
Menge des Si etwas zu hoch zu finden pflegt, wird es 
wahrscheinlich, dass das Äl hier, wie in dem Amphibol, 
zu den elektronegativen Bestandtheilen gehört, 


642 

Der Boltonit wird zwar triklinisch beschrieben, ist 
aber wahrscheinlich bloss ein Akmit. 

Der Pyroxen wird als Diopsid thermoelektrisch an- 
gegeben. Vielleicht, dass man sie in den schwarzen Augi- 
ten nur wegen des geringeren Isolations - Vermögens nicht 
wahrgenommen hat. In seinen Flächen ist bis jetzt noch 
keine Hemiedrie beobachtet. 

VI. Glimmer, Lepidolith. 

Wie unter den Ausdrücken: Asbest, Amianth u. s. w., 
versteht man unter Glimmer kein chemisch bestimmtes 
Mineral, sondern die kieseligen Mineralien von einem be- 
stimmten Gefüge, nämlich mit einem sehr starken Durch- 
gange und Perlmutter - Glanz auf den Spaltungs- Flächen. 
Diese Mineralien hat man zuerst nach ihrem optischen Ver- 
halten in ein- und zwei-achsige getheilt. Indessen 
kann man sich darin leicht täuschen. Man wird zwar nicht 
leicht ein optisch einachsiges Krystall-Blättehen für zwei- 
achsig halten können. Aber wenn eine Anzahl zweiachsiger 
Glimmer-Blättehen Zwillings-artig so übereinander gelagert 
ist, dass der Haupt-Durchgang parallel bleibt, die Lage der 
optischen Achsen in verschiedenen Individuen entgegenge- 
setzt ist, also eine Lagerung, die auch bei andern Krystal- 
len oft genug vorkommt: so kann es leicht geschehen, dass 
ein aus vielen zweiachsigen Individuen bestehendes Blättehen 
sich im polarisirten Lichte einachsig verhält, eben so wie 
eine Amethyst-Tafel von der ihrer Masse angehörigen zirku- 
laren Polarisation oft keine Spur zeigt, weil die rechts und 
links gewundenen Individuen sich in ihren optischen Wir- 
kungen neutralisiren; oder wie ein Glas-artiges Aggregat sehr 
kleiner Krystalle gleich einem Tropfen Flüssigkeit das Licht 
nur einfach bricht. Späterhbin hat man einige Seiten-Flächen | 
beobachten und selbst einige Winkel annähernd messen kön- 
nen. Alle einachsigen Glimmer gehören demnach zur hexa- 
genalen Klasse; es ist aber noch unentschieden, ob zu der 
hexagonalen oder der rhomboedrischen Ordnung. Ich habe 
hier die letzte gewählt, weil in mehren Fällen neben dem 


645 


vollkommenen Durchgange nach der Basis auch ein Durchgang 
nach einer Rhomboeder-Fläche angegeben wird. Zwar wird 
in einigen Fällen auch ein prismatischer Durchgang angege- 
ben, aber bei diesem ist theils durch Selbsttäuschung, theils 
durch eine Verwechselung mit Absonderung ein Irrthum 
leichter möglich, als bei der Rhomboeder-Fläche. Solche 
Betrachtungen können natürlich nur da die Wahl bestimmen, 
wo man zwischen zwei fast gleich wahrscheinlichen Hypo- 
thesen wählen muss. Eine einzige zuverlässige Beobachtung 
würde hinreichen, den Glimmer und alle der Analogie we- 
gen mit ihm zusammengestellten Körper in die hexagonale 
Ordnung überzuführen. 

Der Glimmer ist als ein geognostisch dee Könper 
oft analysirt und nach seinen Bestandtheilen in viele Arten 
gespalten worden. Aber da sie gewöhnlich Fluor enthalten, 
dessen Quantität noch nicht genau bestimmt werden kann, 
und dessen Verbindungs-Weise ebenfalls noch nicht bekannt 
ist, so lässt sich keine ganz zuverlässige Formel aus den 
Analysen ableiten. Auch hat man oft Glimmer analysirt, ohne 
die Anzahl ihrer optischen Achsen zu untersuchen. Ich will 
nun die Formeln einiger Glimmerarten zu bestimmen suchen. 

Der Pennin 1) und ein ihm ähnlich zusammengesetz- 
ter Glimmer aus Toberg 2) in Wermland enthalten in M.G. 
1) 35,981 9,2Ä1 7,2Fe -Mn -K 78,9Mg -CaF 65,7H n. Sonwerzer 
2). 38,5 10,6 90 2,3 2,2 70,7 1,8. 61,4 n. Svannene, 

Die Ripidolithe vom Zillerthal 1) und von Achmo- 
toff 2) haben nach den fast übereinstimmenden Resultaten 
der Analysen von KoserL und VArrentrapp in M.G. 

1) 34,58i 15,2Ä1 S5Fe 0,2Mn 79,3Mg 68,0H 

DB, 0 68,8 
Es sind offenbar dem Pennin sehr nahe verwandte Körper. 

Wenn man im Pennin das Eisen als Oxyd ansehen darf, 
so stimmen die Analysen mit der Formel meiner Tabelle 
ganz gut überein. Man kann diese auch setzen: 

Mg°Si.Me’HSi.H°Äl, Fe) 


so dass Mg, H und die übrigen R zusammen eben so viel 


644 


Sauerstoff enthalten, wie Si, Äl und Fe. Von der gerin- 
gen Quantität Fluor, die Svaneere gefunden hat, kann man 
wohl absehen. Ich weiss nicht, ob das Fluor auch im Ri- 
pidolith und Pennin aufgesucht ist. 

Ein blättriger Chlorit, den Lamranivs, und ein 
Mineral, ‘das Tuomson als Talk analysirt hat, sind wahr- 
scheinlich Ripidolith, nur war jener etwas verwittert und 
hatte dadurch Wasser verloren, und dieser enthielt mehr 
Eisen. Dasselbe ist der Fall bei einem von Gruner analy- 
sirten schiefrigen Chlorit. 

Die Chlorit- Analysen entsprechen der Formel 

(Fe, Mg)’Äl?Si°1E6 — 3(Me, Fe)’ Si.2HsÄj 
sind also dem Pennin und Ripidolith darin ähnlich, dass 
R ı H eben so viel Sauerstoff enthalten, als Si + X. 

Die Chloritschiefer scheinen ihren Haupt-Bestand- 
theilen nach Gemenge von Chlorit und Me>Si zu seyn. 

Ganz davon verschieden ist die Zusammensetzung der 
eigentlichen Glimmer. Sie enthalten in der Regel nur 
ein wenig hygroskopisches Wasser; wo ein starker Wasser- 
Gehalt angegeben wird, war es entweder kein Glimmer, 
oder man hat andere flüchtige Stoffe, z. B. F, für Wasser 
genommen. Der Titan, der zuweilen gefunden wird, rührt 
entweder von dem beigemengten Titaneisen,, oder von einer 
isomorphen Titan-Verbindung her, denn Fi=-F-Äl 
und ZıS — Ti3. 

Von dem Fluor-Gehalt abgesehen, werden die Analysen 
durch die Formel meiner Tabelle 

Me3Si + Al, FeySi 
ziemlich treu dargestellt. Die Quantität des Fluors, obgleich 
auch hier nicht ganz genau bestimmt, scheint höchstens so 
viele M.G. zu betragen, als die des Si. Vielleicht vertritt 
das # ein M.G. Sauerstoff ‘im Ms oder selbst im Si. 
Der Pinit ist wahrscheinlich bloss ein After-Krystall 
des Glimmers, aus dem der Talk und das Alkali ausgewit- 
tert sind. | 
Der Gigantolith und der Lepidomelan sind 


645 


ebenfalls Verbindungen von R3St und AS: in verschiedenen 
Verhältnissen. Die übrigen Silikate, die ich hier zusam- 
mengestellt habe, sind weder nach ihrem chemischen Inhalte 
noch nach ihrer Form bekannt. Das Chloritoid und der 
Marmolith sind vielleicht zweiachsig. 

Besser als der einachsige Glimmer ist der zweiachsige 

bestimmt. Die Analysen geben die Formel 

(Fe, Ca, K..) Al? Si3, nebst etwas Flusssäure, 
wobei die Menge und der Zustand der Flusssäure ungewiss 
bleibt. Der Lepidolith hat nach einigen guten Analysen 
die Formel 

(Li, K) Al, Fe, Mn) Si?, nebst etwas Flusssäure. 
Das Eisen und das Mangan sind darin als Oxyde. Das 
Fluor ist zwar in allen Lepidolithen, aber den Angaben 
nach in veränderlichen Mengen vorhanden. Nach den Ana- 
Iysen von RecsauLt beträgt es fast so viel als R in Mi- 
sehungs - Gewichten. Der Lepidolith wäre also RSi2.RE, 
In den Analysen von Turser ist der Haupt - Bestandtheil 
zwar ebenfalls ÄlSi?(K, Li)F; aber daneben ist eine be- 
trächtliche Menge Eisen, die eine ganz abweichende Formel 
nothwendig machen würde, wenn es nicht vielleicht zum 
Theil als Fefe eingemengt wäre. — Auch ist es noch sehr 
zweifelhaft, ob das Fluor hier wirklich als Fluor-Metall auf- 
tritt. — Einige Lepidolithe scheinen eine dem zweiachsi- 
gen Glimmer ähnliche Zusammensetzung zu haben, nämlich: 

Al, Fe)2Si3 (Li K) F 

VI, Tantalit, Columbit. 

Der Tantalit von Bodemais und mehren Orten in 
Neu-England wird zweckmäsiger Columbit genannt. Er 
ist, monoklinisch (hemiprismatisch). Ein Tantalit von Kimito, 
den Mons nach Weissensach als isoklinisch (prismatisch) be- 
schreibt, ist in seiner Krystall-Form ganz gleich dem von 
Bodemais, den er auf derselben Seite *) als monoklinisch 


*) Anfangsgr. der Naturgesch, des Mineralreiches, 1839, II, 425. 


646 


beschreibt; denn in jenem sind die Winkel des isoklinischen 


Oktaeders 
14710; 100°; 880, 


in diesem die Winkel des hen Oktaeders 

1490; 10210; 860, 
ohne Abweichung der Achse, also beides nur annähernd. 
Beide sind unstreitig monoklinisch; denn die Annahme rek- 
tangulärer Achsen würde zu ganz normalen Formen führen. 

Verschieden von diesem Tantalit ist der Tantalit von 
Kimilo nach NorvenskiöLps Bestimmung, der auch eine 
andre Zusammensetzung hat, als der Columbit: dieser (Fe, 
Mn)2Fa, jener Fefa. Es müssten daher, wenn Weıissen- 
gacH’s Beobachtungen, die ich nur aus Mons’ Mineralogie 
kenne, wirklich an Krystallen von Kimito angestellt sind, an 
jenem Orte beide Gattungen vorkommen. 

Übrigens ist die Ausbildung des nach NoRrDENsKIöLD’s 
Angaben berechneten Tantalits von Kıimito so anomal, dass 
das daraus abgeleitete Grund-Verhältniss nicht riehtig seyn 
kann. Vielleicht ist er monoklinisch, oder die beschriebenen 
Krystalle waren Zwillinge. 

Vill. Feldspath. 

Dieser so vielfach untersuchte Körper ist immer noch 
nicht genau bekannt. Ich habe daher alle über ihn vorlie- 
genden Untersuchungen sorgfältig geprüft. — Seine Charak- 
teristik, wenn 00O=P, 010 =M, 001 =[T, also 071 


— list, nach dem triklinischen Systeme, ist folgende: 


010° 001.1001 100.100 010. 


59° 24 67° 44'\ 90° 
9,9999 IE 9,9923 |KÄ. Sit Adular (Kvprrer). 


» » „17 NR, NayAl. Sit glasiger Feldspath. 
» BRUG 3 (K, CayAl. sit künstlieher 5 | 
Da „ ” (K, Na, Ca)Äl.Sit gemeiner y, 


590 ih 670 4 0 
610 < 670 900 2a RÄl. Sit Mikroklin (Bar 
633 69° 90° 14) „ Amazonenstrom (Breırn.). 


ee TEE TE TEE TE TEE ET TE 
v10 001.061 100.100 a 


610 65° 9510 


60% 44: 65° 12.) 930 28° a „ N 
BE © h ° (Rose). 
I... a if (BREıTH.). 


620 7. | 64° 55. 860 24° en ; 
9,9839 | 0,0008 | 0,0103 |NaÄl.Sit Albit (Rosr). 
[60° 8’| 69° 9: 930 36'\derselbe Albit auf die Normale 
von PMI reduzirt. 
9,9807 | 0,0090 | 0,0103] 
59° 42. 65° 15°) S6° A1’\Dessgl. (Brrıtuaupr), 


604° 65° 9510 » (Brooke). 
65° 90° »„ aus Pennsylvanien (Rosz), 
641 s64 (Na, CayÄ1.Si3 Oligoklas (Breirn.). 
574° 67° s7° Valencianit (BreitHaupr), 


62° 32°) 69° 3° | 94° 12./Ca2Äl2. Sis 

0.0071 | 9,9886 | 0,0043 \CasÄ13.Si+ 

[57° 58’) 650 36° 850 45’/derselbe Anorthit auf die Nor- 
male von PM reduzirt. 


| Anorchi (Ross). | 


9,9943 | 0,0014 | 0,0043] 
194° 19% (Ca, Mg, Mn)?Ä1?. Sis , Amphodelit 

9310 (Ca, Mg, MnyBÄl®. S;t "(Norosxsk.). | 

‚Na, Ca )3Ä13. SiS Andesin (Asıcn). 


63° ER ET LiÄ1.Sis—5$ Petalit (LEONHARD), 
93° LisÄ13.Sis oder LiÄl. SIE Spodumen 
i £ (Brooke). 
59° 6710 |S6—87°|Mn, Si$ ein Mangan-Silikat (Sue- 
PARD®) 


Die manchfaltigen Verbindungen von Kiesel- und Thon- 
Erde mit K, Na, Li, Ca..., die man früher unter eine, 
Gattung Feldspath zusammengefasst, später aber wiederum 
in mehre Gruppen getheilt hat, besitzen bei aller Verschie- 
denheit in der Krystall-Form und der Zusammensetzung doch 
in beiden Beziehungen eine grosse Familien - Ähnlichkeit. 
Was die Krystall-Form betrifft, so haben die Durelı- 
gänge in allen diesen Krystallen fast dieselben Neigungen 
und relativen Intensitäten. Der Haupt-Durchgang 100 = P 
neigt sich zu dem zweiten Durchgange 079 = M unter 


einem von 90° wenig verschiedenen Winkel. Der dritte 
Jahrgang 1842, 42 


648 


Durchgang 7 = 001 hat zu P eine Neigung von etwa 68°, 
und zu M von etwa 60°. Die sekundären Flächen führen 
für A:B:C immer auf ein von der Gleichheit wenig ent- 
ferntes Verhältniss. Die beiden Normalen 070 und 001 
sind also einander beinahe an Werthen gleich und um 60° 
geneigt; es wird ihnen daher auch 0/'/ —= ! an Lage und 
Werth nahe gleich kommen, und die Zone Obc des Feld- 
spathes, was die Winkel betrifft, der horizontalen Zone 
des hexagonalen Systems ähnlich werden. Nun unterschei- 
det sich zwar 010 = M von der Normale 007 = 7 und 
0/'1 = I! durch den starken Durchgang; aber der Durch- 
gang‘ nach 7 ist sehr schwach, gewöhnlich nieht leicht zu 
finden; es scheint überdiess auch nach der Normale 0/1 
— l ein Neben-Durchgang Statt zu finden. 7’ und / sind 
daher einander sehr ähnlich; nur bei Krystallen von reicher 
Ausbildung und recht homogenem Gefüge lässt sich 7 von 
! mit Sicherheit unterscheiden, und es ist keinem Zweifel 
unterworfen, dass sie auch zuweilen verwechselt sind. Ich 
habe daher bei dem Albit und dem Anorthit, wo mir 
die Mittel dazu geboten wurden, die Charakteristik zwei- 
mal berechnet und in der Tabelle mitgetheilt. In der ersten 
Reihe ist das von dem Beobachter gegebene 7 beibehal- 
ten, in der zweiten in Parenthese gestellten Reihe ist die 
Charakteristik so entworfen, dass die Achsen den Normalen 
P, M, ! parallel genommen sind. Man ersieht daraus, dass 
der Unterschied beider Stellungen sehr bedeutend ist, und 
dass beträchtliche Abweiehungen in den Angaben der Be- 
obachter sich durch diese Umstellung zuweilen auf sehr enge 
Grenzen reduziren lassen. 

In der Ausbildung sind alle Feldspath - Arten einander 
gleich ; sie bietet sogar geringere Variationen dar, als man 
bei einer Kıystall-Art, z, B. Kalkspath , Schwerspath, zu 
finden pflegt. Obgleich es natürlich mehre Stellungen der 
Achsen gibt, auf die man die Reihe der sekundären Flächen 
beziehen kann, ohne sehr verwickelte Zeichen zu erlangen, 
so sind diese doch bei keiner Stellung so einfach, als bei 


649 


derjenigen, welche in der Tabelle aufgenommen ist und 
sieh auf die Flächen P, M, T der Mineralogen bezieht. 
Es ist also keinem Zweifel unterworfen, dass, wenn 
man in den Krystall- Formen bloss die Winkel und die 
Durchgänge berücksichtigt, sämmtliche Feldspath-Arten ein- 
ander so nahe stehen, dass man sie in eine Gattung zusam- 
menfassen. muss. Aber diese Annahme wird dadurch wie- 
derum zweifelhaft, dass einige Feldspath-Arten eine monokli- 
nische Struktur zu haben scheinen. Es ist nämlich 010- 
001 oder MT nur wenig von 60° verschieden, und M:T 
beinahe = 1. Wäre der Winkel genau = 60° und M:T 
— 1, so würde 071 = 1 an Lage und Werth = 010 
oder 7’ werden, und der Feldspath in der Zone Obe einem 
Krystalle der hexagonalen Klasse ähnlich werden. Dieses 
ist nun zwar nicht der Fall, weil M sich durch seinen 
starken Durehgang und sein Ansehen leicht von 7’ unter- 
scheiden lässt, aber 7 und Z stehen, wie ich schon ange- 
führt habe, einander in ihren Eigenschaften bis zum Ver- 
wechseln nahe. — Es ist ferner der Winkel 200-010 oder 
PM fast 90°. Die in der Zone abO am häufigsten vorkom- 
menden Flächen haben zu 010 und 01'1 eine fast gleiche 
Neigung, und diese Zone würde daher der Zone «50 iin 
tetragonalen Systeme gleich werden, wenn nicht P und M 
in ihrer Lage gegen die Zone Obe, in ihrem Durchgange, 
und also auch in ihrem Ansehen sehr verschieden wären. 
Grösser als mit hexagonalen und tetragonalen Formen 
ist aber die Ähnlichkeit mit monoklinisehen, und diese 
würde vollständig seyn, wenn 7 und /, statt in der Lage 
einander ähnlich zu seyn, einander darin gleich würden, 
indem zugleich PT —= Pl und PM —= 90° wären. Das 
letzte scheint bei einigen Feldspath-Arten der Fall zu seyn, 
wo die Abweichung, wenn sie sich findet, innerhalb der 
Grenzen der Beobachtungs - Fehler fällt. Zwar ist auch 
hier noch einige Ungewissheit vorhanden; denn die Mes- 
sungen, zu welchen man am meisten Vertrauen haben muss, 


sind nicht an einfachen Krystallen, sondern an Zwillingen 
| 42 * 


650 


angestellt, bei denen die Flächen ? des einen und M' des 
andern Krystalls in eine Ebene fielen, und das‘liesse sich 
auch mit einer Abweichung des Winkels PM von 90° ver- 
einigen. Allein dieses selbst zugegeben, so würden die 
Krystalle darum noch nicht nothwendig monoklinisch seyn. 
Es müssten auch noch die Winkel PT = Pl seyn; aber 
dieses ist in früheren Zeiten, wo man den Feldspath für 
monoklinisch hielt, wohl vorausgesetzt, aber niemals durch 
Messungen gehörig erwiesen; denn so gewöhnlich auch 
Feldspath-Krystalle sind, so gehören doch gut ausgebildete 
Krystalle, bei denen die Flächen zu so feinen Winkel- 
Messungen glatt genug sind, zu den Seltenheiten *). Es 
bleibt daher, selbst wenn sich die Rechtwinkeligkeit in ei- 
nigen Krystallen bestätigt, noch sehr ungewiss, ob sie auch 
monoklinisch sind. Obgleich ich daher die Charakteristik 
der Feldspath-Arten nach den vorliegenden Arten entwor- 
fen, und sie daher zuweilen monoklinisch auffassen musste, 
so habe ich es dennoch vorgezogen, sämmtlich Feldspathe, 
die, von diesem Umstande abgesehen, eine so entschiedene 
Verwandtschaft mit einander haben, in eine Gattung zu 
vereinigen. 

Sollte indessen die monoklinische Form in einigen Kry- 
stallen wirklich erwiesen werden, so würde man diese, 


*) Es ist eine unter den Mineralien sehr häufig vorkommende Er- 
scheinung, dass Krystalle, die eine Verbindung mehrer isomor- 
phen Körper enthalten, sehr selten recht durchsichtig und glatt- 
flächig sind. Diese beiden Eigenschaften kommen fast ausschliess- 
lich an den reinen Arten vor, d.h. solchen, die, wie der Adular, 
wenig oder gar keine isomorphen Bestandtheile haben. Aus diesen 
und andern Gründen, die ich in der Abhandlung S. 72 ff. ausein- 
andergesetzt habe, bezweifle ich die Richtigkeit der Her’schen 
Ansicht, dass sich isomerphe Körper in jedem Verhältnisse ver- 
binden können, sondern glaube, dass, wo ihrer zwei oder mehre 
verbunden sind, sie, ganz wie heterogene Körper, ein blosses 
Gemenge, eine Aggregirung von Kryställchen bilden, die sich 
aber, da die Krystalle regelmäsig gruppirt sind. und fast gleiche 
physische Eigenschaften haben, sowohl was die Form als die 
Durcbsichtigkeit betrifft, den einfachen Krystallen wohl nähern, 
ihnen darin aber nur selten gleichkonmen. 


651 


ungeachtet der Analogie in allen übrigen Beziehungen, von 
den triklinischen Arten trennen und in die monoklinische 
Klasse versetzen müssen. Denn einen Übergang von einer 
Klasse in die andere können wir nicht zugestehen. Die 
allmähliche Abänderung, welche die Winkel durch Tempe- 
ratur, Druck, oder die Vermischung isomorpher Arten, 
erleiden können, wird nie der Art seyn, dass dadurch ein 
Krystall aus einem Systeme in ein anderes von einer höhe- 
ven Stufe der Symmetrie eintritt; denn der Charakter eines 
Systems besteht in der vollkommenen Gleichheit gewisser 
Winkel und Richtungen im Krystall; alle Ursachen, welche 
auf das Innere des Krystalls einwirken, müssen daher auf 
diesen Richtungen eine gleiche Intensität haben; sie kön- 
nen eine einmal vorhandene Symmetrie nicht aufheben und 
also auch eine Symmetrie, wo sie fehlt, niemals heryor- 
bringen. h 

Für die Lehre von der Isomorphie ist die Stellung 
der Feldspath- Arten, sie mag in der monoklinischen und 
triklinischen Klasse, oder in der letzten aliein Statt finden, 
ohne Einfluss. Denn gerade diejenigen Feldspathe, bei de- 
nen man nach aller Analogie eine Isomorphie erwarten 
sollte, zeigen in ihrer Form die grössten Unterschiede, 
während Krystalle von dem Anscheine nach ganz verschie- 
denen chemischen Formeln fast dieselbe Gestalt haben. In- 
dessen findet sich in der Zusammensetzung aller Thonerde- 
haltenden Silikate dieser Gattung eine merkwürdige Ähn- 
lichkeit, und diese besteht darin, dass, so verschieden auch 
der Kiesel-Gehalt seyn mag, R und Äl stets in einer glei- 
chen Anzahl von Misechungs-Gewichten vorhanden sind, so 
dass man sämmtliche Feldspathe unter der Form RäıSie 
zusammenfassen kann, wobei @ mehre Werthe oder vielleicht 
jeden Werth zwischen 4 oder 5 und 1 erlangen kann. 

Die vornehmsten Arten der Gattung sind, abgesehen von 
den ganz abweichend zusammengesetzten Körpern, folgende: 

1) KälSi* Adular. 

(K, NayälSit glasiger Feldspath; (K, GayAlSit 


652 


künstlicher Feldspath; K, Na, CayA1Sis gemeiner 
Feldspath. 

In den drei gemischten Varietäten sind die Verhältnisse 
von K zu Na und Ca veränderlich. In dem glasigen Feld- 
spath ist auch gewöhnlich etwas Ms; zuweilen sind K, Na, 
Ca und Mg gleichzeitig vorhanden, doch ist K immer in 
grösserer Menge, als eine jede der übrigen Basen der Forın 
R, wenn es auch zuweilen nicht die Hälfte von der Summe 
sämmtlicher R ausmacht. 

2) NaxlSit; (Na, Ka, CayÄlSit Albit. 

Sie sind in der Regel ziemlieh rein; doch wird die Menge 
Ka und Ca zuweilen fast derjenigen des Na in M.G. gleich. 
Die gemischten Varietäten dieser und der vorhergehenden 
Art haben wahrscheinlich auch andere Winkel als die reinen, 
und einige Unterschiede in den Messungen rühren wohl von 
einer Verschiedenheit der Bestandtheile her; aber die ge- 
mischten Arten haben aus Gründen, die ich oben angegeben 
habe, selten so glatte Flächen, dass man auf Unterschiede 
von einigen Minuten bauen könnte. Merkwürdig ist, dass 
ein nach RETTENBAcHs Analyse fast reiner Albit aus Penn- 
sylvanien in der Form, nach G. Rose's Bestimmung, dem 
Adular fast gleich kommt, wenn anders, was jedoch wahr- 
scheinlich ist, beide Beobachter dasselbe Mineral vor sielı 
hatten. Der von Breituaupr als Valeneianit beschriebene 
Krystall scheint zu dem Albit zu gehören. Der an demsel- 
ben Fundorte gewöhnlich vorkommende Feldspath ist nach 
BEA TNER, der Honn und Betr ——. es ein Adular. 

Er ist ein in Be a ot bekannter 
Körper. Das einzige, was sieh über seine Krystall- Form 
mit einiger Gewissheit sagen lässt, ist, dass sie triklinisch 
ist. Aber selbst die in der Tabelle aufgenommenen Winkel, 
und daher seine Stellung in dieser Gattung, sind noch un- 
gewiss. Die Analysen geben ebenfalls keine übereinstim- 
menden Resultate, so wie es überhaupt noch grössere Schwie- 
rigkeit hat, das Lithion quantitativ zu bestimmen, als andere 


653 


Alkalien, seine Menge bei verschiedenen Analysen gewöhn- 
lich sehr ungleich ausfällt und die chemischen Formeln der 
Körper, in denen es vorkommt, daher meistens weit unsiche- 
rer werden, als in anderen ähnlichen zusammengesetzten 
Körpern. Wenn der Petalit in die Feldspath-Gattung ge- 
hört, so enthält er wahrscheinlich 48i, obgleich die Ana- 
Iysen mehr auf 58i deuten. 

4) (Na, K, Ca)Äl Si? Rhyakolith. 

Das Natron ist der Haupt -Bestandtheil unter der R, 
es macht allein gegen 3 desselben aus. Die Kalk-Menge ist 
unbedeutend. 

5) CaÄ1Si?; (Ca, Na, Mg)ÄlSi? Labrador. 

Fast rein. Kalk-Labrador ist nur der sogenannte was- 
serfreie Scolecit aus Finnland. Alle anderen Labradore 
enthalten etwas Natron oder Talk, die zusammen 4 bis fast 
4 sämmtlicher R betragen. Kali ist im Labrador entweder 
gar nicht oder nur in einer so geringen Menge vorhanden, 
dass es wahrscheinlich von der Beimengung eines anderen 
Feldspathes herrührt. Minder rein und den Analysen zu- 
folge mit einem beträchtlichen Überschuss an R sind der 
‚Glaukolith vom Baikal- See und der Feldspath - ähnlich 
krystallisirte Porzellanspath. Der Labrador besteht oft 
aus einer grossen Anzahl Zwillings-artig gelagerter Lamel- 
len. Ähnliches findet sich auch bei andern Feldspath-Arten 
und mag hier wie in andern Mineralien die Bestimmung der 
Krystall-Form sehr erschwert haben. 


ERS et a ee el Ne tee une. RR 


6) NaAlSi3; (Na, CayÄ1Si3; (Na, Ca, K, MgÄlSi: 
Oligoklas oder Natron-Spodumen. 

Die Beimengungen steigen auf etwa 4 der ganzen R 
Menge. 

7) LiÄ18i3; (Li, NayÄ1Si3 (Lithion-) Spodumen. 

Dieses ist das Resultat von Reenaußr's Analyse. In 
den übrigen Analysen ist das Lithion bald in grösserer, bald 
in kleinerer Menge und zuweilen zum Theil durch Natron 
ersetzt. Seine Form ist noch nieht ‘gehörig bekannt. Den 


zwei Hauptdurchgängen nach gehört er in diese Gattung. 


654 


Die Spodumene sind vielleicht anzusehen als eine Ver- 
bindung von 1 M.G Rhyakolith mit 1 M.G Albit oder Petalit 
RAISi2. RÄlSit. 

Ss) (Na, Ca)’ÄBSi8 Andesin aus den Südamerikani- 
schen Andes; 

(Na, Ca)2Äl?Si5 ein Labrador -ähnlicher Feldsparh aus 
Schlesien ; 

(Na, Ca)3Ä1? Si? ein ee aus Popaga 

"In den beiden ersten Mineralien, die Asıc# und VArrrn- 
traP analysirt haben, sind Na und Ca beinahe in gleicher 
Menge, dech überwiegt das Na etwas; in dem dritten von 
Francıs 'analysirten Mineral überwiegt das Ca. Alle drei 
sind wahrscheinlich keine eigenthümliehen Arten, sondern, wie 
der Spodumen, Verbindungen von Albit und Rhyakolith oder 
Labrador in veränderlichen Verhältnissen. _ Dasselbe gilt 
vermuthlich von einem von ZELLNER analysirten sogenannten 
Saussurit vom Zobtenberge in Schlesien, der sich durch 
Ca2Ä125j5 bezeichnen lässt, und von einigen Labrador-Varie- 
täten mit überschüssiger Kieselerde, wenn diese nicht bloss 
von beigemengtem Quarze herrührte. 

9) CaÄl2$i3 oder CasÄl3Sit Anorthit. | 

Die Analysen stimmen um ein Weniges besser mit der 
zweiten Formel als mit der ersten. Der Amphodelit und 
der Diploit oder Latrobit scheinen im Wesentlichen 
dieselbe Zusammensetzung zu haben, nur enthalten sie statt 
des Kalks etwas Eisen- oder Mangan-Oxydul. Der Wasser- 
Gehalt im Diploit rührt von einer anfangenden Verwitterung 
her, wenn anders diese noch sehr unvollständig bekannten 
Körper zu der Feldspath-Gruppe gehören. Tuomson’s By- 
townit ist nichts als ein Amphodelit mit etwas überschüs- 
siger  Kieselerde. Diese Körper sind vielleicht BälSi2. 
2CaÄlSi. Indessen ist CaXlSi noch nicht in der Feldspath- 
Form gefunden worden. 

Wenn man die gemischten Arten in ihre Bestandtheile 
auflöst, so kann man annehmen, dass, von ganz unzuverlässigen 


655 


Stoffen abgesehen, folgende Körper in der Feldspath-Form 
krystallisiren: 

(K; Na; Li; Ca; Me)Äl. 25i2 Adular ,‚ Albit, Petalit. 

(K; Na; Ca; Mg)AıSı? Rhyakolith, aber 

(K; Na; Fr Ca; Me)ÄlSi® Oligoklas, Spodumen. 

ask Kit Anorthit. 

Eisen und Mangan kommen als Oxyd niemals in einer 
auf die Formel einwirkenden Menge vor, als Oxydul nur 
in geringer Menge, und in dem wenig bekannten Latrobit 
und Amphodelit. Auch Talk bildet nirgends den Haupt- 
Bestandtheil. | | 

Es ist nach dem oben Mitgetheilten nicht wahrschein- 
lich, dass die Feldspathe Verbindungen eines R und eines Äl 
Silikats sind; sie verhalten sich vielmehr wie isomorphe 
Verbindungen von RÄI mit verschiedenen Mengen von Kiesel- 
erde. Die Si und das RÄl für sich en aber be- 
kanntlich in anderen Formen. 


ve 
zu der 


Lehre von den Fels-Spiegelflä chen, 


von 


Herrn PH. Braun, 
Churhessischem Premier - Lieutenant. : 


Allgemeines als Einleitung. 


Von Natur aus zeigen bekanntlich die Felsarten nicht alleın Aus- 
sere oder Gestaltungs-Flächen, sondern auch innere und zwar in 
Fulge der Verdichtungs - Zusammenziehung Hohl- und Spalt- Flächen, 
wie in Folge ihrer Schichtung (Theilchen - Lagerung — Textur) Spal- 
tungs - Flächen. Diess aber sind, als mit der Natur der Felsarten in 
enger Verbindung stehend, normale Felsflächen. 

Wesentlich davon verschieden ist eine zweite Gattung von Fir 
flächen, umfassend jene Flächen, welche durch natürliche wie künst- 
liche Gewaltwirkung entstehen: die Bruchflächen, so wie diejenigen 
ursprünglichen Flächen, welche durch irgend eine besondere Natur- 
Thätigkeit eine gewisse abweichende, gleichsam fremdartige Aus- 
bildung erhalten haben. Diess sonach anomale Felsflächen. 

Letzte Art von anomalen Felsflächen — deren Bildung demnach 
eine von der, der Eigenthümlichkeit der Felsart zustehenden Flächen- 
Beschaffenheit abweichende, somit eine besondere ist — in manchen, 
vielleicht vielen Gegenden an dem Gesteine — an (zu Blöcken) abge- 
lösetem wie an (zu Fels) anstehendem — wahrzunehmen, ist eben nichts 
Seltenes. Sie zerfällt in drei Unterarten, indem nämlich die Bildung 
hervorging entweder 

bloss aus einer Abänderung einer normalen Fläche durch Reibung 

ohne Glättung (Politur) und Parallel-Ritzung, oder 

bloss durch Reibung mit Glättung und Parallel-Ritzung ohne Bil- 

dung und Ablagerung eines fremdartigen Stoffes, oder endlich 
durch Reibung mit Glättung, Ritzung und vorgängiger Bildung 
wie Ablagerung eines fremdartigen — des Spiegel-Stoffes. 


Die erste Unterart enthält die (eigentlichen) Reibu ngs-Flächen; 
die beiden anderen begreifen in sich die Spiegel-Flächen und zwar 
in der zweiten die uneigentlichen, in der dritten die ächten Fels- 
spiegel. Beide bestehen aus einem sehr verschieden dünnen 
Überzuge aus mehr oder minder umgewandeltem eigenen 


oder aus fremdem Stoffe, welcher — auf einer geraden 
oder gebogenen, gewundenen oder gefurchten Fläche be- 
findlich — in manchfaltiger Abstufung vom Matten bis 


Glänzenden, bei verschiedenen Härte-Graden geglättet und 
dabei bald mehr und bald minder, einfach wie mehrfach, 
parallelstreifig geritzt oder gerieft ist. 

Diess die Diagnose beider letzten Unterarten von der Gattung der 
_ anomalen Felsfläichen. Ich nenne sie überhaupt: Fels-Spiegelflä- 
ehen, abgekürzt: Felsspiegel, indem sie an Erz und Stein vorkom- 
“men. Ausgeschlossen davon sind die in der ersten Unterart enthalte- 
nen, das Gerölle, Geschiebe charakterisirenden zur Abrundung 
führenden Reibungs- oder Abreibungs-Flächen. 

Hierher gehört eine ganze Reihe yon Bezeichnungen und zwar 
als von der Ursache abgeleitet: Schifr-Eitcwen, Rutsch-Flächen 
und Reibungs-Flächen und als von der Wirkung entnommen: 
Fureh-Flächen, Schramm-Flächen, Riefungs-Flächen, Spie- 
gel-Flächen und Stein-Spiegel (Furchen, Schrammen, Riefen, 
Spiegel), wozu endlich noch, wohl als die älteste unter allen, kommt 
die den besonderen Überzug bildlich ausdrückende des Harnisches 
der Bergleute. — Sollte mit diesen Namen niemals eine Verwechselung 
der Sache eingetreten seyn? Möglich, sogar vermuthlich, dass es 
geschehen ! 

Welcher Ursache nun verdanken die Fels-Spiegelflä- 
chen ihr Daseyn? — Diess die Kernfrage und Schlussfrage in der 
ganzen Sache. Wer mit ihr beginnt und endigt, kommt zu keinem 
Ende oder — zu einem Irrschlusse; es gibt kaum etwas Einfacheres 
oder Natürlicheres, ja Nothwendigeres als der Erörterung der Frage 
von Ursprungeeines Dinges, die Feststellung der möglich-vollstän- 
digsten Kenntniss von dessen Seyn vorangehen zu lassen, d. h. 
ulso hier: die Feststellung der Beschaffenheit, des Bestandes, der La- 
gerungs- Verhältnisse und der Gebirgsart der Fels- Spiegel. Was aber 
ist bis jetzt hierin geschehen ? Nichts anderes als — nichts in dem 
einen Haupt - Lager der Spiegel, in der Schweitz, und wenig mehr in 
dem anderen, in Schweden. Dagegen jedoch hat es an Antwort auf 
obige Ursprungs-Frage — an verschiedener, nicht gemangelt (natürlich! 
das Anschauungs-Vermögen ist abweichend, der Anschauungs- 
Gegenstand hier manchfaltig): in Helvetien sollte zuerst Reibung die 
Ursache gewesen seyn, der indess nachher Krystallisation im Grossen 
substituirt wurde; dann sollte der Fels-Spiegel durch Alpenfluth-Geröll- 
Reibung, späterhin aber durch den Abschliff des sich fortbewegenden 
Gletscher-Eises auf den’ Felsen hervorgegangen seyn, während in 


658 


Skandinavien, mit Finnland und wenigstens der übrigen nördlichen‘ Erd- 
hälfte, eine ungeheure Nord - Geröllfluth die Felsen abschliff und — 
polirte; wogegen Andere — gleichsam im Äquator voriger Pole — die 
Schmelzung durch Senkungs-Reibung annabmen (man ersieht, dass sie 
den tief da unten im Erdschoose _geborgenen Harnisch der Bergleute 
in Berücksichtigung zogen, während die Bekenner vom festen und 
flüssigen Wasser darüber hinwegglitten und fortschwammen). So stand 
vor einiger Zeit noch die Sache. Da kam ein kräftiger Alpen-Sohn — 
er gehörte zu den Eis-Männern — und schuf sein’ glänzendes Gletscher- 
Werk und liess die Fels- Spiegel — Gletscher-Werk seyn, indem diese 
wunderbaren riesigen Eis-Massen in ihrer Bewegungs-BReibung die Fel- 
sen durch Sand und Geröll abschleifen mussten. Und welcher Gewinn 
ging auch daraus für die Lehre von den Fels-Spiegeln hervor? Die 
Bestätigung der Lehre nur, dass man bei der Erörterung eines Dinges 
niebt mit dem Schluss-Punkte beginnen soll. Ei; 
Die Frage aber ist im Allgemeinen: 
haben die Fels-Spiegelflächen nur eine oder mehre Doscbais 
und welche ? 
und sonach beziehungsweise: | 
gehört dahin irgend eine, gehören mehre, oder alle, oder 
zählt vielleicht gar keine der eben besagten Ursachen daher? 
Unzweifelhaft ist dieser Gegenstand ein nicht minder sehr schwie- 
riger als sehr interessanter — ein solcher, welcher mit den wichtigsten 
Lehren der Geologie in engstem Zusammenhange sieht, und ein solcher 
zugleich, dessen natürliche grosse Schwierigkeit, bei der vielfältigen 
Verschiedenheit in seiner Erscheinung, durch obige. viele Namen und 
vorige vielerlei Ursachen überdiess noch in nicht geringe Trübung künst- 
lich, ja sogar — paradox so zu sagen — wissenschaftlich versetzt er- 
scheint. 7 
Ich habe mir vorgenommen, bier ein Scherflein zu seiner Liehtung 
beizutragen, und sey es nur ein Funke, in dessen momentaner Erglän- 
zung erkennbar würde die Spur eines anderen, naturgemässeren We- 
ges zum Ziele. Dieser Vorsatz indess ist nicht von. heute oder 
gestern; er ist schon alt: könnte ich anders sagen — vielleicht, dass 
das Eis der Staunen-erregenden Gletscher von Acassız stellenweise, 
statt trübe, Kıystail-hell wäre. — Es sey mir gestattet diess im Näheren 
darzulegen. - 
‚Bereits im Jahr 1836 — es war bald nach meiner Ankunft. bier- 
selbst — stiess ich in den nächsten Umgebungen Marburgs auf die Er- 
scheinung der Fels-Spiegelflächen, und ihre auffalilende Eigenthünlich- 
keit veranlasste mich gleich damals einige Stuffen einzusammeln. Bald 
darauf aber fand ich sie schon von Hrn. ALtHaus im neuen Jahrbuch 
für Mineralogie”) besprochen. Es lag darin für mich, eingedenk 
des von mir Gesehenen, die Aufforderung, nunmehr einige spezielle 


P2 


*) Jahrgang 1837, S. 536. 


659 


Forschungen zu versuchen; und gleich ein erstes und baldiges Haupt- 
Ergebniss war: die Auffindung einer Lagerstätte des Spiegel-Vorkomm- 
nisses, welche erstlich ganz ausserhalb der von Hrn. Arrnaus für diese 
unsre Spiegel aufgezeichneteu Linie lag, und sodann auch mir That- 
sachen vorhielt, welche nieht blos über die von ihm aufgestellten weit 
hinausgingen, sondern auch mit den Spiegel-Ansichten berühmter Geo- 
logen — die ich nunmehr kennen zu lernen suchte — in Widerspruch 
standen. Diess aber spornte an zu eifriger Fortsetzung des Begonnenen; 
und so wurde denn unsere Gegend in Betreff der Fels- Spiegel nach 
allen Richtungen hin von mir sorgsam untersucht: das stoffliche End- 
Ergebniss war eine sehr beträchtliche Summe von Thatsachen, welche 
den bereits wahrgenommenen Gegensatz mit den Mittheilungen Anderer 
bestätigten. — Das stand der Öffentlichkeit nicht vorzuenthalten; sollte 
ieh die Mittheilung wagen ? — Die Kraft war schwach; doch der Wille 
siegte — im Vertrauen auf aufmunternde Nachsicht”): es folgte der 
Sammlung der Thatsachen ihr Studium; und die Resultate wurden in 
einer kleinen Schrift niedergelegt, unter dem Titel: „Über die Bil- 
dung der Fels-Spiegel; in 2 Abtheilungen“. Die erste handelte 
von den ebengedachten, in dem hiesigen Buntsandstein-Gebirge vielfältig 
vorkommenden Fels-Spiegeln im Besonderen; in der anderen dagegen 
ward, gestützt auf den in der ersten abgeleiteten Spiegel Entstehungs- 
Prozess und auf weitere einschlägige Fakten, die Aufstellung einer all- 
gemeinen Felsspiegel-Theorie versucht. 

Die Abhandlung — doch erst bis zu Anfang 1839 beendigt — konnte 
kein Zutagegehen finden (vielleicht fehlte es ihr an — Durchsichtig- 
keit); für das neue Jahrbuch erschien sie zu ausgedehnt; dem wohl- 
gemeinten, aufmunternden Rathe hingegen, es zu diesem Behufe in eine 
kleinere, geeignetere Form zuvor umzuschmelzen, vermochte ich — 
nunmehr in anderen Aufgaben befangen — vorerst nicht zu entsprechen; 
und so vergrub sie sich denn, noch nachträgiich abgeändert und mit 
Demjenigen vermehrt, was ich unterdessen in diesen Spiegeln noch 
gesehen und gelesen, in den Pult. 

Wichtige Anregungen gingen seitdem vorüber; und jetzt — es scheint 
Zeit zu seyn, dass er sich öffne! So möge denn jenes Versuchs-Produkt 
nunmehr, zerlegt in seine beiden Haupt Glieder und auf seine Essentiale 
reduzirt, an die Öffentlichkeit treten, eingeleitet durch vorliegende 
Worte; und die folgende Mittheilung möge also von den Buntsand- 
stein-Spiegeln der hiesigen Gegend handeln, die dritte und letzte 
aber den Versuch der Entwicklung einer allgemeinen Theorie der 
Fels-Spiegelflächen enthalten. — In der That: wer treu sich im 
Näheren mit der Erscheinung der Fels-Spiegelflächen befasst bat, wird 
aus klaren Thatsachen die Überzeugung gewonnen haben, dass dieselben 


*) Eben so schön als wahr sind die einfachen Worte Hrn. Rosını's in der zur Ein- 
weihung des Denkmals für den unsterblichen Gauiıteı zu Pisa, am 2. Oktober 
1839 gehaltenen Rede: „Die Nachsicht geht immer in Begleitung der 
wahren Gelehrsamkeit“, 


660 


schon in einem und demselben Gebiete einer Felsart in vielfacher Bil- 
dungs-Verschiedenheit aufzutreten vermögen und zwar unter Verhält- 
nissen, wonach dennoch als Schluss feststeht: diese Bildungs- 
Verschiedenheit ist aus einerlei Bildungs-Ursache hervor- 
gegangen, und die Verschiedenheit der Erscheinung selbst 
blos Resultat der verschiedenen Stufe der Ursach-Äusse- 
rung. — Bleibt nun aber auch diese Ursache bei einer Gebirgsart, wie 
diese auch örtlich zertheilt und abgesoudert oder selbst modifizirt erscheine, 
stets dieselbe? Besitzt jede Gebirgsart oder doch jedes der beiden Ge- 
birgs-Geschlechter eine besondre? oder aber ist allen eine und dieselbe 
Spiegel-Ursache zu eigen? Da die Gang-Spiegel des Bergmannes eben 
so unmöglich von Wasser als Eis erzeugt sind: so müssen die Anhänger 
der. Wasser-Politur eben so gut, wie die der Eis-Politur wenigstens 
zwei ganz verschiedene Felsspiegel-Ursachen annehmen und 
gleicher Weise gleich von vorn herein zugeben, dass Fels-Spiegelflächen 
auch noch auf einem anderen als dem von ihnen bezeichne- 
ten Wege zu entstehen vermochten. Ich fühle mich gezwungen solcher 
Ursachen vielleicht nur eine anzuerkennen. 

Verkannte Einerleiheit führt wie verkannte Verschiedenheit zu Ver- 
wechslung und Widerspruch, zu Verwirrung und Verdunkelung. Am 
besten fährt man bei den Fels-Spiegeln jedenfalls — so scheint wir es 
— wenn, wie schon erwähnt, Felsart, Bestand, Beschaffenheit und 
Lagerungs-Verhältniss vorgängig und zwar thunlichst vollständig 
festgestellt werden, ehe man an die Erforschung des Entstehungs-Grundes 
geht: denn jenes führt unmittelbar und sicher in das Wesen des ein- 
zelnen, wie des gesammten Spiegel-Vorkommnisses einer Felsart 
ein, und führt nachgerade — das leuchtet von selbst ein — schliesslich 
über zu diktatorischem Aufschlusse über den inneren Zusammen- 
hang der Gesammt-Erscheinung (bei allen Felsarten). — Daher 
‘ denn leitete ich auch meine erwähnte Abhandlung über die Fels: Spiegel 
mit folgenden Worten ein über dieses Natur-Räthsel, das, obgleich 
es — so zu sagen, dem geheimnissvollen Erd-Schoose entschlüpfend — 
allenthalben, oft sogar zahlreich, profanem wie geweihtem Blicke be- 
liebig zur Schau gestellt, offen und glänzend zu Tage gehe, und das, 
obrleich es schon vielfach das Nachdenken mancher Natur-Freunde in 
Anspruch genommen, gleichwohl bis dahin noch als ein Problem er- 
scheine. 

„Forscht man dem Grunde nach, wesshalb diese (eben gedachten) 
Bestrebungen bis dahin noch nicht zu dem gewünschten Ziele geführt 
haben: so wird er weniger darin gefunden, dass die fragliche Erschei- 
nungen nur örtlich (im weiteren Sinne) verfolgt worden ist, statt des 
Versuchs einer Auffassung im Ganzen (im Zusammenhange), als vielmehr 
darin, dass an die Stelle einer vorgängigen genauen Erscheinungs- 
Darstellung gleich der Versuch zur Auffindung des verborgenen 
Bilduugs-Vorganges selbst und somit das Ende an den Anfang ge- 
setzt worden. Denn so viel scheint, wo nicht gewiss, so doch sehr 


661 


wahrscheinlich : hätte man dort, wo des Fels-Spiegels zuerst in denk- 
würdigem äusseren Vorkommen erwähnt wurde — in der Schweitz, 
diesem geologischen Wunderlande und vieler verdienstvollen Naturfor- 
scher Vaterlande — begonnen , sämmtliche Felsarten woran, und jede 
Örtlichkeit woselbst, nebst der Art, wie die Spiegel-Ersceheinung auf- 
tritt, gründlich kennen zu Jernen, und sodann alles Äussere und Innere 
der Erscheinung in ein Gesammt-Spiegelbild zu vereinigen, so hätte die 
Herausstellung einer treuen Übereinstimmung sowohl zwischen den 
ober- als unter-irdischen Spiegeln, als zwischen denen verschie- 
dener Orte und denen anderer Länder nicht ausbleiben können, 
darnach aber die Geburts-Stunde der Hypothesen des Eis-, wie Wasser- 
Abschliffes vermuthlich ausbleiben müssen. Allein es ward — so liegt 
vor — das zwar einengende, jedoch grundfeste Gebiet des Faktischen 
flüchtig durchstreift, hingegen sich um so freier ergangen in der ver- 
loekenden Sphäre der Wunder - liebenden Phantasie; und — die volle 
Thatsache erlag in nur erkannter Halbheit der leerer Theorie.“ 

Und zu den Spiegel-Flächen des hiesigen Bunt-Sandsteines über- 
gehend, fuhr ich so fort: 

„Je fester ich dabei zuerst lediglich auf Dasjenige sah, was vorlag 
und wie, noch unbekümmert um das wodurch; desto reicher gestal- 
tete sich in Kürze schon die Reihe meiner Beobachtung an Vorkomm- 
nissen; denn solcher Gestalt folgte der Gang der Untersuchung ledig- 
lich den Thatsachen, nicht aber dem Impulse einer durch Autoritäts- 
Glanz verleitenden Hypothese; und dem Blicke — nicht getrübt durch 
blinden Glauben an irgend ein adoptirtes System — entginug nicht das 
oft vielsagende Kleine.” Je vollständiger indess ın dieser Weise die 


. 


Spiegel-Thatsachen des Bunt-Sandsteines sich dicht geschaart ringsum 
vor dem Auge zusammenordneten, desto heller erglänzend trat in ihrem 
Brenn-Punkte hervor — als Natur-Ausspruch: 


diese Spiegel sind, trotz ihrer grossen auch oberflächigen 
‚Verbreitung, weder durch Fluth noch Eis erzeugt worden 
und eben so wenig durch alleinige Senkungs-Reibung zwi- 
schen Fels und Fels.“ 


Die Buntsandstein-Spiegelflächen in der Umgegend 
Marburgs a. d. Lahn. 


Eine der lieblichsten Partien des Zuhn- Thales stellt 
die Umgegend Marburgs — in sich begreifend den ober- 
sten Abschnitt des mittlen Zahn- Gebieles — dar. Die 
darin fast ausschliesslich herrschende Gebirgs-Formation ist 


662 


die des Bunt-Sandsteines, einer Felsart , worin die Er- 
scheinung der Spiegel-Flächen in grosser Menge und Manch- 
faltigkeit auftritt. — Dieser merkwürdigen anomalen Fels- 
Flächen ist von Hrn. Creuzer in dem Schriftchen: „Ver- 
such einer Übersicht der geognostischen Beschaf- 
fenheit der nächsten Umgegend der Stadt Marburg 
(1825)“ nicht gedacht worden. Diess spricht wohl dagegen, 
dass ihrer bereits vor ihm irgendwo Erwähnung geschehen; 
wenigstens habe ich nicht vermocht, etwas Derartiges zu 
ermitteln; und es erscheint daher Hr. ALtuAus als der Erste, 
welcher dieses Vorkommniss öffentlich besprochen hat in einer 
Mittheilung an den Hrn. Geheimenrath in Leonnarn (N. 
Jahrbuch für Mineralogie u. s. wo 542). Es hat 
indess derselbe sich blos an die Beschreibung gehalten, und 
auch diess ist in so engen Grenzen erfolgt, dass zur Stunde 
behauptet werden darf, dieser unserer interessanten geo- 
gnostischen Erscheinung sey der Versuch einer vollständigen 
Beschreibung noch nicht zu Theil geworden und noch 
weniger der einer Erklärung. 

Über das Geheimniss der Felsspiegel-Entstehung 
zieht jedoch schon seit geraumer Zeit sich eine lebhafte 
Diskussion durch die Literatur. Muss Dem gegenüber nicht 
auffallen und befremden, dass noch nichteine vollständige Be- 
schreibung des Spiegel-Vorkommnisses irgend einer Felsart, ir- 
gend einer Gegend vorliegt* Oder ist es schon ein Abgethanes 
und Anerkanntes, dass zwischen Fels-Spiegel und Fels-Spie- 
gel kein Unterschied sey und überall Gleiches darunter ver- 
standen werde, wie dass, was von dem einen gelte, auch 
von dem anderen angenommen werden müsse $ 

Die Frage erscheint noch nicht entschieden ; darin aber 
liegt genügende Aufforderung zu weiteren Beiträgen behufs 
definitiver Lösung. Hier ein solcher! Was nicht aus Ver- 
trauen auf Kraft zum Werke (die erheischt und bittet um 
Nachsicht) geschehen kann, erlaubt sich die Liebe zum 
Gegenstande und das Verlangen nach seiner endlichen 


663 


naturgetreuen Entwickelung; und der Versuch einer Er- 
klärung stützt sich auf den der vorgängigen Beschreibung. 


N 


l. Beschreibung, 
A. Boden-Gestalt und Boden - Bestand. 


Der Darstellung dieses Spiegel-Vorkommnisses erscheint 
es förderlich, einen kurzen Umriss von dem Bilde unserer 
Gegend vorauszuschicken. Deren Haupt - Theile sind: der 
sehon genannte Thal-Abschnitt und die zwei ihn bildenden 
kleinen Gebirgs-Züge von ziemlich gleichartiger Gestaltung, 
indem jeder aus einer gewissen Anzahl flach-gewölbter Berg- 
Kuppen (von 500—600' Höhe über dem Zahn-Spiegel) be- 
steht, welche durch Längs-Ausdehnungen so untereinander 


verbunden erscheinen, dass sie ein Wogen-fürmig zusammen- 


8 
hängendes Ganzes mit vorgesendeten kurzen Ausläufern 
zwischen tief eingeschnittenen engen, mehr und minder ge- 
wundenen Gründen und Schlachten nach der Zehn hin dar- 
stellen. Gegen diese fallen jene, oft eine Vorkuppe bildend, 
gewöhnlich steil ab und zwar bisweilen mit einer Längs- 
Erstreckung Thal-auf- und Thal-abwärts, gleichsam andeu- 
tend, als hätten Absturz und Fortspülung des vorderen 
Theiles in der Ur-Zeit Statt gefunden. Darüber noch fol- 
gende wenige Worte im Besonderen. 

Der Höhen-Zug der rechten Thal-Seite, der westliche 
oder der W.-Bezirk, ist der schmälere und kürzere. Er be- 
ginnt am Meibelsberge zwischen Michelbach und Goss- 
felden (im untersten Abschnitte des oberen ZaAn-Gebietes), 
unter kurzer östlicher Ausdehnung über das Buchholz und 
den Aeideberg gegen den Vereinigungs-Punkt, zwischen Zahn 
und Ohm, oberhalb Kölde und endigt schon vor Nieder- 
Weimar in der Niederweimar'schen Kuppe. Auf und an 
dem steilen östlichen Abfalle des grössten seiner Ausläufer 
gegen das Zahn-Thal — von der Wehrshäuser Höhe herab- 
kommend, unter Zertheilung in den Rotheberg, Dammelsberg 
und Schlossberg — liegt die Stadt Marburg. Gegen das auf 


seiner W.-Seite in grosser Erstreekung sich ausbreitende 
Jahrgang 1842. A 


664 
Übergangs-Gebirge des Westerwalds fallt er, stellen- 


weise damit verknüpft, steil, jedoch weniger hoch als auf 
der O.-Seite, gegen die Lahn hin ab in einer fast südlich 
sich erstreckenden Linie, angedeutet von der Lage der Dör- ‘ 
fer und Höfe Michelbach, Görzhäuser Hof, Wehrshausen, 
Neuhof, Cyriaks-Weimar und Nieder-Weimar. 

Der des linken Zahn-Ufers, der östliche Höhen - Zug 
oder O.-Bezirk hingegen — von grösserer Breite und Länge, 
und östlich gegen das Ohm-Becken von Amöneburg theils _ 
flach auslaufend, theils steil abfallend — beginnt in der 
Bernsdörfer Kuppe und dem Mühlenberge (neben der Ver- 
einigung zwischen Zahn und Ohm) — dehnt sich über den 
Ortenberg, Lichteküppel und Stempel aus, bis über den Frauen- 
berg hin und endigt in engerer Beziehung zwischen Belters- 
hausen und Ronhausen, in weiterer aber jenseits des Frauen- 
berges am Zwesterahne-Grunde. 

Dieser beiden Bezirke gemeinschaftliche Scheidung bil- 
det nun das hier auffallend gewundene Zahn- Thal, indem 
die Zahn, in östlichem Laufe aus dem Wilttigenstein’schen 
herabkommend , am nördlichen Fusse der östlichen Ausdeh- 
nung des W.-Bezirks — von der Michelbacher Mühle an - 
über Gossfelden und Sarnau — vorüberzieht und sie sodann 
in einem beträchtlichen hakenförmigen Bogen — über die 
Kölber Mühle und Kölbe hin — so umfasst, dass die Riech- 
tung ihres Laufes unterhalb letztem Dorfe senkrecht ge- 
gen die frühere bei Sarnau erscheint, worauf sie nach ra- 
scher Umbiegung über W. und SW. in südlicher Richtung 
ihren Lauf über Wehrda nach Marburg fortsetzt, um bald 
nach einer fast westlichen Umbiegung in SW.-Richtung die 
Umgegend Marburgs zu verlassen. In der grossen obersten 
Umbiegung nimmt die Zahn in das linke Ufer die vom Vo- 
gels-Gebirge herabkommende Om auf, welche hier — in 
einem Bogen von SO. über ©. und NO. — von Bürgeln über 
Bernsdorf nach der Kölber Mühle hin die N.-Spitze des 
O.-Bezirkes umfasst. 


Obgleich der Versuch einer Erklärung des Bildungs 


665 


Vorganges dieser Fels-Spiegel sowohl auf den geognosti- 
sehen Bestand dieser Gegend, als auf den geologischen 
_Antheil an letztem Rücksicht zu nehmen hat, kann den- 
noch sich hier auf das unumgänglich Nothwendige beschränkt 
und einer etwaigen geognostischen Beschreibung dieser Ge- 
gend die vollständige Ausführung überlassen werden. 

1) Bei dem geognostischen Bestande ist vornehmlich 
des Mutter-Gesteines unserer Fels-Spiegel, des in hie- 
siger Gegend fast ausschliesslich herrschenden Bunt-Sand- 
steines zu gedenken; seiner näheren Betrachtung gehe je- 
doch voraus ein Hinblick auf das ihn umschliessende Gestein. 

Unter ihm zeigt sich im W.-Bezirke, beginnend an 
der Berg- Wand oberhalb Gossfelden und bei Michelbach 
vorbei über Görzhäuserhof, Wehrshausen, Neuhof bei (Cy- 
riaks-Weimar vorüber, und um die S.- Spitze des Höhen- 
Zugs herumlaufend bis über Gisselberg etwas an der Thal- 
Wand hinauf: eine braunrothe, sandig-thonige Geröll-Schicht 
von geringer Mächtigkeit, deren gröberen Geschiebe bald 
vorherrschend aus kieseligen Gebilden (Kieselschiefer, 
Hornfels, Jaspis, Quarzfels), bald vorherrschend aus kal- 
kigen (Dolomit, Stinkstein, Spuren von Zechstein, mit 
Kalkspath-, Braunspath - und Bitterspath-Drusen) bestehen. 
Diess also unsere Zechstein-Formation in blosser An- 
deutung. Darunter geht zunächst hie und da zu Tage: ein 
feinkörniger, dünnschiefriger, mürber, dunkelrother Sand-. 

‘stein (Michelbach, Wehrshausen, Nieder- Weimar , Gisselberg), 
auch — in der Nähe von Nieder- Weimar — neben felsiger 
Grauwacke: ein grobkörniges, Thon-reiches, dunkelbraunes, 
oft mit warzigem Kalksinter bedecktes Konglomerat, und 
— in der Nähe von Gisselberg — zwischen Grauwacke: 
ein dunkel graubrauner, sehr feinkörniger, thoniger und 
Glimmer-reicher, wenig fester Sandstein von ausserordent- 
licher Zerklüftung- Diess somit unsere Kohlengebirgs- 
Andeutung. Nunmehr — von der Fels-Ecke zwischen Nie- 
der-Weimar und Gisselberg — bis einige Minuten über @ös- 


selberg am Fusse der Thal-Wand aufwärts: Grauwacke 
43* 


666 


von verschiedenstem Korne und zwar bis in die Zone der 
Zechstein - Geröllschieht hinaufreichend.. — Diess der Be- 
stand des W.-Bezirks aus der Klasse der geschichteten 
Gebirgs-Bildungen. Aus der der massigen dagegen kommt 
vor: etwas Thon-Porphyr in kleinen Platten, welche auf: 
der Oberfläche des Zude-Abhanges dieht neben dem oben- 
gedachten dunkelbraunen Konglomerate — in der Nähe von 
Nieder- Weimar — zerstreut erscheinen und zwar in bis 
zum Zechstein-Gerölle hinaufgehender Lagerung. — Im O.- 
Bezirke hingegen an geschichteten Gebirgsarten nur 
Bunt-Sandstein, und an massigen blos Basalt; dieser 
in den beiden Kuppen Frauenberg (höchstem Punkte der 
Umgegend und, als noch durch alte Burg-Ruinen geschützt, 
ziemlich unversehrt) und Stempel (früher ein steil empor- 
ragender Kegel, dermals aber zu einer platten Kuppe abge- 
baut; sonst Fundort mehrer Mineralien, jetzt hauptsächlich 
nur noch des Harmotoms). 

So viel von den unter und zwischen dem Bunt-Sand- 
stein hierselbst vorkommenden Felsarten; von den über 
ihm gelagerten nur diess, dass in beiden Bezirken keine Spur 
vorkommt von Muschelkalk und Keuper, auch keine von 
Lias und Jura wie Kreide-Gebilden, und somit aueh 
keine von Quader-Sandstein, den Hr. CrEuzer (a. a. ©.) 
aufgeführt hat. Nur an der südlichen Grenze, im Zwester- 
ahne- Grunde und hauptsächlich jenseits: einige Tertiär- 
Bildungen, namentlich etwas Grobkalk, ziemlich mäch- 
tige Lager plastischen Thones mit Sand-Lagern und 
Andeutungen von Braunkohlen; dabei ebenwohl Basalte. 
Demnach aber das Deck-Gebirge unserer Gegend — mit 
Einschluss jener, an einigen Stellen des O.-Bezirks zerstreut 
umher liegenden fremdartigen, zwischen Quarzfels und Sand- 
stein stehenden Kieselgestein-Blöcke von ausserordent- 
licher Festigkeit und von mitunter wie geflossener Aussen- 
Fläche — eine gering-mächtige Lage von Quartär-Erzeug- 
niss (Diluvium und Alluvium) bestehend aus den Verwitterungs- 
Gliedern des Grund-Gebirges und der Zersetzung der auf - 


667 


ihm entstandenen organischen Gebilden, also aus Gerölle, 
Gruss, Sand, Thon, Lehm, Mergel und Dammerde 
nebst geringen Anfängen von Torf- Bildung. 

Über den Bunt-Sandstein selbst aber nun Diess. Eı 
zeigt sich — wie schon erwähnt — in vielfältig abwei- 
chender Ausbildung und zwar bald an gleich hohen Punk- 
ten unähnlich, bald an ungleich hohen ähnlich, so dass also 
die Erkennung eines geregelten inneren Zusammenhanges 
sehr erschwert ist. Alle diese Verschiedenheiten scheinen 
indess sich auf einige Haupt-Formen zurückführen zu 
lassen; sollten es vielleicht jene drei seyn, welche von 
Hrn. Vortz bei Sulzbad beobachtet worden®*). Meine frü- 
here Ansicht neigte sich dahin, ungeachtet einiger vorlie- 
genden Abweichungen; und gewiss ist, dass die untere 
Schichten-Reihe von der mittlen sich auffallend unterschei- 
det und sogar in einer unverkennbaren Grenze sich deutlich 
abscheidet; da diess jedoch nicht eben so unzweifelhaft zwi- 
schen den mittlen und oberen vorliegt, vielmehr zwischen 
ihnen, statt einer Abscheidung, ein Ineinander-Übergehen 
und Verwobenseyn sich andeutet: so scheint der Zwei- 
Gliederung der Vorzug einzuräumen, und die untere 
minder mächtige Abtheilung als die dunkele, die obero 


stärker ausgebildete aber als die helle zu bezeichnen zu seyn. 


Die untere Abtheilung — wegen ihrer vorherrschenden 
gleichmässigen braunrothen Färbung die dunkele genannt 
— zieht auf der W.-Seite des W.-Bezirkes von den Bergen 
zwischen G@ossfelden und Meichelbach über den Moseberg und 
die Wehrshäuser Höhe nach der Niederweimarischen Kuppe, 
erscheint dann an der Zahn-Thalsohle vom Fusse des Ziegen- 
berges an (zwischen Gisselberg und Ocherhausen) bis zum 
südlichen Fusse des Dammelsberges hinauf und fällt von da 
an in einer, in Hin- und -Herbiegungen nördlich (über Mar- 
bach nach Gossfelden) ziehenden Linie, unter die obere Ab- 
theilung ein; da sie ebenwohl im O.-Bezirke die Berge der 


“) N. Jahrbuch für Mineralogie u. s. w., 1838, 


668 


unteren Gegend zunächst dem Thale einnimmt, während sie 
in der mittlen, bei Marburg, nur noch an dem Fusse der 
Thalwand zu Tage geht (NW. Fuss des Galgenberges — 
W. Ausgang der Schlucht vor der Elisabeih-Brücke): so er- 
scheint darin ein Haupt-Einfallen gegen N.O. ausge- 
sprochen. Übrigens besteht dieser untere Buntsandstein bald 
aus ziemlich mächtigen und mehrentheils feinkörnigen bau- 
würdigen Bänken mit dünnen schieferigen und bisweilen ver- 
schieden gefärbten Zwischenlagen von Thon, Sandmergel 
und Sandstein (Ausgehendes an der W.-Grenze: Michelbacher 
und Neuhöfer Steinbrüche), — bald aus dergleichen festen, 
aber minder mächtigen Schiehten in Abwechselung mit der- 
gleichen lockeren, welche letzten durch Verwitterung vorerst 
in dünne Platten und Schiefer und zuletzt in braunen Sand- 
mergel sich auflösen (Einfallen gegen das ZaAn-Thal:  Ziegen- 
berg, Ockershausen u. s. w.), — so wie bald aus letztem 
mürben Gesteine und mehr oder minder vorherrschend aus 
Sandmergel (Finisloch, Hohlweg am NW, Fusse des Galgen- 
berges). — Wegen der durchgehends gleichartigen dunkeln 
Färbung dieser Abtheilung entspricht ihr keineswegs das 
Prädikat „bunt“, um so weniger, da ihre. Sandmergel nur 
eine geringe Streifung besitzen und überdiess die Ausnahme 
bilden. Noch gehört zur Charakteristik dieser Abtheilung, 
dass in ihr — abgesehen von den Zwischenlagen des Eisen- 
oxyd-Thones — Eisenstoff-Ausscheidungen seltener als in der 
oberen sind. 

Die obere Abtheilung — die helle als Gegensatz zu 
voriger dunkeln — ist in obengedachter Linie (deren südliche 
Fortsetzung aus dem Zabichtsgrunde — am südlichen Fusse 
des Dammelsberges — diagonal-abwärts durch das Zuhn-Thal, 
bei Kappel und dem Frauenberge vorüber nach dem Zwe- 
slerahne-Grunde hin läuft) der unteren in merkwürdiger Weise 
aufgesetzt, indem den Zusammenstoss eine mehre Fuss breite, 
oft schräg auf den Kopf gestellte, schieferige Trümmer-Schiehte 
bildet, bestehend aus braunem Eisensandstein und Eisenoxyd- 
Konkretionen. Sie besitzt mitunter ein starkes Einfallen 


669 


nach NO.; an der SW-Seite des Weissensleines zeigt sie sich 
in Unterteufung übergehend. — Während diese Abtheilung 
im W.-Bezirke vom Dammelsberge aus bis zum Heideberge 
(Kölberberge) die östlich der gedachten Scheidungs - Linie 
gelegenen Berge bis zum Thal-Rande einnimmt, tritt sie im 
O.-Bezirke östlich der genannten Grenz-Linie, unter NO. 
Einfallen, ausschliesslich auf. — Sie zeigt sich durchgängig 
von gröberem Korne als die untre Abtheilung und mitunter 
von sehr starkem, namentlich in den untren Bänken, wogegen 
in den obren im Allgemeinen feinres Korn vorwaltet und 
damit zugleich grössre Festigkeit, so dass die besten Stein- 
brüche an den höchsten Berg-Spitzen vorkommen ( Wehrskäuiber. 
Steinbrüche, Bruch am Zichteküppel). Neben ihrer grössren 
Mächtigkeit besitzt sie ebenwohl grössre Manchfaltigkeit als 
die untre Abtheilung sowohl nach Festigkeit als Färbung; 
denn in erster Hinsicht zeigt sie sich von ganz leicht ver-. 
witterbarer Textur (Marbacher Mühle, Wehrdaer Wand) bis 
zu beträchtlich fester (östliehe wie westliche Steinbrüche); 
in der andern Beziehung aber variirt sie so vielfältig und 
oft abstechend — zwischen Weiss, Gelb, Roth und Schwarz — 
dass ihr mit vollem Rechte die Bezeichnung „bunt“ gebührt. 
Diess tritt am stärksten in den untren, weniger festen Lagen 
in ausgezeichnetem Gestreiftseyn hervor (Marbacher Stein- 
bruch und Steinbruch hinter dem Marburger obren Siechen- 
hause), nimmt in den mittlen schon beträchtlich ab und zeigt 
sich in den obren nur nöch in gröbren Zügen. — Diese 
obre Abtheilung unterscheidet sich, neben der helleren Fär- 
bung, noch durch reichliche Eisenoxyd-Ausscheidungen; die 
Vorstellung liegt nah, dass zunächst zum Theil eben in dieser 
Konzentrirung des Eisen-Stoffes die hellere FREHUNE ihren 
Grund habe. 

Schliesslich sind von diesem Buntsandstein-Gebirge über- 
haupt noch einige bemerkenswerthe Erscheinungen aufzu- 
‚zählen, als erstlich: eine häufige, zu der Schichtungs-Ebene 
der Stein-Bank oft in vielfachem Winkel-Wechsel auftretende 
Ablagerung des Kornes; zweitens: Nichtvorkommen von 


670 


organischen ‚Resten (von Versteinerungen und Kohlen) wie von 
Gyps- und Steinsalz- Ablagerungen (wenigstens sind meine 
vielfachen desshalbigen Bemühungen bisher fruchtlos geblie- 
ben); drittens: wellenförmige Furchllächen — ohne Spiege- 
lung und Ritzung, aber auch in die Schichtungs-Ebene fallend; 
viertens: wülstige Erhöhungen einer- und ihnen entsprechende 
Vertiefungen andrer-seits, wohl in der Schichtungs-Ebene 
— wozu unregelmässige netzförmige Leisten-Bildungen den 
Schluss bilden, ohne dass ein Schluss auf Thier-Fährten hier ‘ 
zulässig erscheint. er 

2) Auch in Betreff des geologischen Antheils werden 
genügend erscheinen einige blos das Hauptsächlichste be- 
rührende Andeutungen, sich beziehend auf Entstehung dieses 
Bundsandsteines und auf die durch den Plutonismus [!] 
ihm später widerfahrenen Veränderungen, 

Sind diese Sandstein-Massen von 400 bis 609 F. Mächtigkeit 
entsprungen aus demallmälichen Niederschlage stehender 
Gewässer, oder aus dem raschen Absatze sey es einer 
fortrollenden Grossfluth, sey es mehrer! — Gegen den 
ersten Fall erhebt sich mehrfacher Widerspruch, z. B.: 
die grosse Verschiedenheit der Schichten-Absätze, möchten 
sie aus Landstrom- oder Meerstrom-Spülung hervorgegangen 
und möchte auch zu jener Zeit der‘ Plutonismus noch 
ungemein thätiger gewesen seyn; dessgleichen die zu diesem 
Bildungs-Gange erforderlich gewesene Zeit-Grösse, welche in 
zwei Haupt-Perioden sich zu theilen gehabt hätte; nament- 
lich aber der gänzliche Mangel an Meerbewohner- und 
sonstigen organischen Überresten. — Ähnliche Widersprüche 
erheben sich aber auch gegen den zweiten Fall. Obnehin, 
wie könnte eine Grossfiuth diese Sand-Massen abgesetzt ha- 
ben! Und selbst die Annahme mehrer — wenigstens zweier 
Hauptiluthen (entsprechend den beiden Haupt-Abtheilungen 
dieses Bunt-Sandsteins) erscheint ungenügend ; denn die Fluth 
setzt ihre festen und gelösten Massen je nach dem. abneh- 
menden Volumen, spez. Gewichte u. s. w. von unten nach 
oben ab; während jedoch jede dieser ungemein vielen 


61 


ursprünglichen Sand-, Thon- und Sandthon-Sehichtenabsätze 
eine besondre Niederschlags - Periode voraussetzt (natürlich 
hiebei die Sand-Schieht im Liegenden mit der darauf ruhenden 
Sandthon- oder Thon-Schicht zu einer Periode gehörig 
angenommen). — Wären demnach aber die diesem Sand- 
steine zu Grunde liegenden Sand-Massen ein Strand-Ge- 
bilde durch Wogengang und See-Wind gewesen? Auch 
diese Frage ist ungeachtet der schon angeführten merkwür- 
digen, vielfach wechselnden Diagonal-Lagerung der Sand- 
Körner, in Bezug auf Horizontalität der Schichtungs - Ge- 
sammtheit, hier nieht zu bejahen. Statt desshalbiger, hier 
ohnehin zu weit führender Erörterung genügt es indess an 
dieser Stelle, sich an das neptunische Bildungs - Gesetz 
der Schichtungs-Horizontalität zu halten; denn werden da- 
‘mit die dermaligen Lagerungs-Erscheinungen verglichen: so 
ergibt sich in der Differenz die Veränderungs-Lagerung 
oder das, was als Resultat des Plutonismus anzusehen 
ist; diess jedoch besteht hier kurz und summarisch darin, 
dass in diesem Buntsandstein Gebiete sowohl ein durchgän- 
giges Haupt-Einfallen fast gegen NO. als ein verschieden 
wechselndes spezielles herrscht. — Darüber nun folgende 
Erklärungs- Andeutungen. Erstes bedingt einen ausser- 
halb unserer Gegend gelegenen plutonischen Wirkungs-Punkt, 
wogegen Letztes mehre innerhalb derselben liegende vor- 
aussetzt. Hier wird der Basalt als Haupt-Ursache an- 
zusehen seyn, der auch — wie schon gedacht — im O.- 
Bezirke zwei zu Tage gehende Anhalts- Punkte darbietet, 
somit noch mehre nicht zu Tage emporgestiegene vermuthen 
lässt. Ob als untergeordnete auch noch: der Porphyr im 
W.-Bezirke® Über seine Bedeutung gibt noch kein Boden- 
Aufschluss Belehrung, — Dort jedoch — im ersten Falle 
— deutet die SW. Verlängerung der Einfalls-Achse nach dem 
Westerwald-Gebirge hin. Dessen Basalte — bei Wesler- 
burg namentlich — sind jedach (wenn auch der unterirdische 
geognostische Zusammenhang bisweilen sehr weit gehend ist) 
viel zu weit entfernt, um in ihnen die Ursache des fraglichen 


672 


Haupt-Einfallens erkennen zu können; die weit näheren 
Grünsteine dagegen sind älter als der Bunt - Sandstein; 
wäre wohl nun jenes Granit-artige Gestein dafür anzu- 
sehen, welches auf den flachen Feld-Höhen, nördlich von 
Hadamshausen — 13 Stunden, SW. von hier — in einem 
kleinen Zuge das Übergangs - Gebirge durchsetzt$ und ist 
dasselbe oder sind die Grünsteine es gewesen, wodurch 
jener Grauwacke-Zug, welcher im W.-Bezirke in beträcht- 
lich höherem Horizonte als die übrige nahe Grauwacke bis 
zu einer der höchsten Kuppen aufsteigt, in das. Bunt- 
sandstein-Gebiet bineinstreicht$  Ebenwohl darüber belehrt 
bis jetzt noch keinerlei Boden-Aufschlass. — Aus allen die- 
sen Andeutungen folgt demnach, dass hier der Plutonis- 
mus vielfach, wenn auch nur im Kleinen, thätig gewesen. 
Welchen Einfluss aber hat er nun im Ganzen auf die Ge- 
staltung unseres Gebietes gehabt: ist dieser Thal-Abschnitt 
Folge der Einsenkung zwischen beiden Höhen-Zügen, oder 
sind diese zwei Ergebniss der Hebung zu beiden Seiten 
des Thales, oder endlich, ist dieses ein Erzeugniss der 
Wasserspülung® — Noch Eines! Unser Sandstein fällt 
in der oben bezeichneten Linie gegen das Schiefer-Gebirge 
mehr und minder steil und tief ab, selbst in der Mitte, wo 
die Gegend von Zllnhausen ein von dieser Linie östlich be- 
grenztes kleines Becken im Schiefer- oder Grauwacken- 
Gebirge darstellt. Aber weder in ihm, noch an seinen 
übrigen Rändern erscheint unser Bunt-Sandstein und eben- 
wohl nicht darüber westlich hinaus gegen das Siegen'sche 
und Wittgenstein’sche Gebirge: wodurch nun ist dieser Sand- 
stein in diesen höheren Horizont gekommen und zwar ohne 
Anzeichen westlicher Fortsetzung! Und fast ganz ähnlich 
verhält es sich mit der O.-Seite des O.-Bezirks gegen das 
Ohm-Becken hin; nur dass jenseits desselben der Bunt- 
Sandstein sich wieder in Fortsetzung zeigt. — Vielleicht 
also, dass — am geeigneten Orte — tiefer eingehende For- 
schung dieses Buntsandstein-Gebiet anfänglich als einen Theil 
einer solchen Becken- Einlagerung , welche den Mitabsatz 


678 


organischer Gebilde nicht gestattete, und nachgehends als 
eine im Ganzen etwas geneigte plutonische Hebung, so wie 
darauf die Thal-Bildung als ein Werk der damals weit stär- 
keren Spülung vornehmlich ansähe! 


B. Die Buntsandstein - Spiegel. 


Was unter Fels-Spiegel überhaupt, wie unter Buntsand- 
stein-Spiegel insbesondre hier verstanden wird, ist bereits 
oben ausgesprochen worden. Hier nun die thatsächliche nä- 
here Begründung der Diagnose , unter Vorausschickung eini- 
ger Worte über das Vorkommen unserer Spiegel. 

1) Verbreitet ist diese Spiegel - Erscheinung — wie 
schon gesagt — nicht insbesondere, nicht in irgend einer 
Linie — wie Hr. Arrnaus angibt — sondern allgemein 
durch die beiden Haupt- Abtheilungen des Bunt-Sandsteines 
unseres Gebietes, aber hie und da reichlicher, hier und dort 
vollständiger und schöner ausgebildet, namentlich im West- 
Bezirke, und während sie an dem von Hrn. ArrtHaus de- 
taillirten schon fernen Punkte im N. unserer Gegend der- 
mals — wegen der grossen Verwititerungs- Neigung des 
Gesteins — kaum noch wahrnehmbar auftritt, kommt sie 
über eine Stunde von da nördlich, am W.-Fusse des Sehloss- 
berges zu Mellnau ganz ausgezeichnet vor. Dabei zeigt die 
Erscheinung sich so innig mit dem Wesen des Gesteines 
verknüpft, dass sich der Vermuthung gar nicht erwehrt 
werden kann: dieses Spiegel- Vorkommniss möge nicht blos 
für das hiesige, sondern für das gesammte — wenigstens 
für das nicht Versteinerungen führende — Buntsandstein- 
Gebirge, eine allgemeine Erscheinung seyn *). Noch grös- 
sere Aufmerksamkeit verdient: 


*) So deuten wohl die von Hrn, Russescer in einem grobkörnigen 
Sandsteine zwischen Kairo und Suezs 1838 beobachteten „Kamm- 
artigen Züge“, die sich „auf lange Strecken“ verfolgen lassen 
und deren Körner sich zusammengebacken, wie gefrittet zei- 
gen — von ihm angesehen „als eine kieselige Konkrezion“ 


— ein hierher gehöriges Faktum an (Neues Jahrbuch 7839, 
Heft 2). 


674 


2) Das Lagerungs-Verhältniss dieser Spiegel. Es 
ist ein doppeltes, indem der Spiegel entweder verein- 
zelt an losen und zerstreuten Sandstein-Blöcken, oder noch 
anstehend im ursprünglichen Lager angetroffen wird. Ob- 
wohl Erstes über Reichthum und Manchfaltigkeit der Spie- 
gel Aufschluss zu geben vermag, gewährt doch nur Letztes 
in das Wesen der Erscheinung einführende Belehrung. Nicht- 
beachtung oder Verkennung dieses Punktes scheint die Quelle 
zu grossem Irrthum über die Entstehung der Fels-Spiegel 
werden zu können, sogar geworden zu seyn. Man salı — 
wie zu lesen — gewöhnlieb nur hier vereinzelte Blöcke 
als Geschiebe mit polirten Aussenflächen, dort dergleichen 
Flächen am anstehenden Felsen. Diess aber sind zwei se- 
kundäre Erscheinungen; man muss mehr sehen: nur 
diese eine primäre, dass der wahre, der eigentliche und 
ächte Fels-Spiegel bei voller Ausbildung ursprünglich stets 
auf beiden Seiten einer feinen Fels-Spalte auftritt, also ge- 
genflächig, nie einseitig. 

So wenigstens von unseren Buntsandstein-Spiegeln; und 
wäre wohl die Vermuthung zu unterdrücken, dass es mit 
den Spiegeln anderer Felsarten sich anders verhalte! — 
Hier die dorthin gehörigen Thatsachen! 

Das gewöhnliche Vorkommniss bilden: 

A. Die vereinzelten und zerstreueten Spiegel, 
indem fast an allen Wegen und in allen Sandstein-Haufen 
der hiesigen Gegend Blöcke von der verschiedensten Grösse 
sich zeigen, welche mit Spiegel-Flächen versehen sind. Der 
vorzüglichste Fundort ist der Stein-Rücken im Felde am 
S.-westlichen Abhange unter dem Tannenwäldchen hinter 
der Kirchspitze, sewohl nach Menge und Güte als Vielfältig- 
keit des Fels-Spiegels; ausgezeichnet ist noch der Kalzen- 
berg südlich an Marbach; zahlreich, aber minder gut finden 
sich die Einzel-Spiegel an der Wehrshäuser Höhe und an der 
Rothenbergs-Strasse herab; zum Theil besser in den Ockers- 
häuser Feldwegen; noch sind zu nennen: der Weg an der 


N.-Seite des Marburger Schlossberges, der von Marburg über 


675 
Wehrde nach Gossfelden und verschiedene Wege im O.-Be- 


zirke. Ausserdem aber zeigen sich diese Spiegel noch viel- 
fältig hier selbst in Mauerwerk und Pflasterang; namentlich 
verdient eine in der S.-Seite des Marburger alten, über- 
wölbten Schlossthor-Weges, in einer Höhe von einigen Fussen 
enthaltene Spiegel-Fläche noch besondere Erwähnung. 
Werden solche Spiegel-Blöcke blos eines flüchtigen An- 
blicks gewürdigt: so kann wohl bei dem Einen und Andern 
der Gedanke an Entstehung dieser glänzend-glatten Flächen 
dureh natürliche Abreibung und Abschleifung aufkommen; 
nimmt man jedoch jene Blöcke zu einer näheren Betrach- 
tung auf: so findet sich, dass der einzelne öfters, statt einer, 
zwei — sich bald berührende, bald nicht berührende — 
äussere Spiegel-Flächen, bisweilen selbst noch mehre ent- 
hält; dass er neben äussern auch oft noch innere be- 
sitzt; dass die innere Fläche mitunter zugleich theilweise eine 
äussere ist; dass die innere Spiegel-Fläche manchmal in 
zwei oder mehre sich zertheilt, und dass also bei und zwi- 
schen mehren ein Ineinander- und Auseinander-, daneben 
zugleich aber auch ein Durcheinander-, wie Längseinander- 
Laufen Statt findet, indem die Spiegel-Flächen in sehr ver- 
schiedener Flächen-Form und Richtung durch den Block 
streichen; dass zwei innere, dicht aneinander- und fest 
aufeinander - liegende Spiegel-Flächen eine sehr enge Spalte 
darstellen, so dass man bei dem Zerschlagen des Blockes, 
die beiden Spalt- Spiegel einzeln erhält, wobei sich denn 
zeigt, wie den Wellen- und Wulst- förmigen Erhöhungen 
des einen ganz gleiche furchige und beckige Vertiefungen 
des anderen entsprechen — so wie, dass beide in gleicher 
Richtung mit gewöhnlich parallel-, mitunter aber auch dia- 
sonal-laufenden f eien Riefen versehen sind u. dgl. m. — 
Nunmehr aber stellt sich diese Ansicht fest, dass diese 
Fels-Spiegel nicht äusserlich und nicht einseitig ent- 
standen seyn können, sondern dass sie vielmehr innerlich 
und doppelt- oder gegen-flächig entstanden seyn müssen, 
mag auch oftmals die eine Spiegel-Seite gegen die andere 


676 
mehr oder minder in: der Ausbildung zurückstehen. — Wo- 
her nun aber diese Spiegel-Blöcke! Diess führt über zu 
dem seltneren Vorkommnisse j 

B. der anstehenden Fels-Spiegel. Es ist ein zwei- 
faches: ein ganz gestörtes, ein einseitiges, wo die zweite 
Gegen-Spiegelfläche — durch Natur- oder sonstige Wirkung 
verschwunden ist, und ein gewöhnlich nur theilweis unge- 
störtes — doppelflächiges. Hier erscheint also der Fels- 
Spiegel in seiner natürlichen Lagerstätte. 

Erste Art zeigt sich — u. a. O. — an den Rändern 
der Rothenbergs-Strasse (namentlich in ihrem Einschnitte zwi- 
sehen den Marburger Gärten), des Marbacher und besonders 
des nördlichen Ockershäuser Hohlwegs. Hier zeichneten 
sieh früher folgende, nunmehr zum Theil schon zerstörte 
Stellen aus, die ich, wie folgt, beschrieb. 

a. Gleich an den Gärten über dem Regenwasser-Ein- 
risse auf der W.-Seite, in der obersten Sandstein - Schicht 
(der unteren Haupt - Abtheilung) : eine grosse, jedoch sehr 
zerklüftete, nicht sonderlich ausgebildete Spiegel- Wand, 
von brauner, röthlicher und gelblicher Farbe, streicht NO. 
und fällt, gegen den Weg einen flachen Bogen beschreibend, 
SO. mit etwa 65° und derselben Ritzung ein; sie enthält 
zugleich Spuren einer zweiten Spiegelung, mit 5° nach NO. 
einfallender Riefung. 

b.. Etwa 35 Schritte im Wege aufwärts auf der O.- 
Seite: eine beiläufig 8’ hohe feste Sandstein- Wand, deren 
dem Wege zugewendete,:Block-weise vor- und zurück-tretende 
westliche Vertikal-Seite, mit einer merkwürdigen, obgleich 
nieht sehr in die Augen fallenden Spiegelung bedeckt ist. 
Am oberen (NW.) Vorsprunge von etwa 3‘ Höhe enthält 
die theils hellgraue, theils gelbe, theils rothgraue,, bald 
scharf angedeutete, bald gut ausgeprägte Spiegel-Fläche eine 
dreifache Ritzung auf- und übereinander, wovon die un- 
tere senkrecht, die folgende schräg und 40° gegen N. ein- 
fallend, und die obere horizontal und fein ist. An der 


SW. Entkantungs-Fläche des unteren Quaders dagegen eine 


677 


röthliche Spiegelung von etwa 50° Einfallen nach SW, mit 
Riefung von 10° nach NW.; auf seiner südlichen Vertikal- 
Fläche aber 85° nach 8. einfallend erst weisser, dann gel- 
ber und gelbbrauner Spiegel mit beiläufig 85° westlich ein- 
fallender Ritzung. 

e. Gegen 20 Schritte davon äufigtieke an der westlichen 
Fels-Wand, noch vor der ersten westlichen Umbiegung des 
Wegs: in der mittlen, 2—3’ mächtigen, in einem Bogen 
von 5° bis 0° NO, geneigten Sandstein-Bank eine zweifache 
Spiegelung (mit noch theilweis vorhandener Doppel- Lage), 
wovon jedoch nur die erste eine schöne, sehr gut ausge- 
bildete ist von hellgrauer bis weisser, gelber und brauner 
bis schwarzer Farbe. Sie streicht, etwas nach W. einge- 
bogen, fast von SSW. nach NNO. und fällt ziemlich östlich 
mit etwa 50° ein, während die Ritzung NO. Einfallen zu 
15—20° besizt. (Schräg gegenüber an der NO.-Seite auf- 
wärts: Anzeichen eines schönen Spiegel-Lagers.) 

Auch noch diese Felsspiegel- Erscheinung könnte wohl 
bei oberflächlicher Beobachtung zu der Ansicht von der Ent- 
stehung durch äussere Abreibung führen; doch wäre dieser 
Irrthum etwa noch nicht vollständig durch die obigen Fakten 
der Einzel- Spiegelblöcke berichtigt; das Folgende enthält 
seine definitive Beseitigung. 

Die andere Art der Lager-Spiegel zeigt das Phänomen 
im vollständig erkennbaren — wenn auch bereits theilweis 
‚gestörten — Ur-Zustande, und also auch im ursprünglichen 
Lager oder in der Ur-Lagerung in Bezug auf das Mutter- 
Gestein. Von den mir bekannt gewordenen Fundstätten sind 
folgende die bemerkenswerthesten. 

a, Die einige 100‘ lange und 5— 10’ hohe südliche Wand 
an der Rothenbergs-Strasse, zwischen dem Dammelsberge und 
der Wehrshäuser Höhe — also in der unteren Haupt-Ab- 
theilung des Bunt-Sandsteins — gelegen, welche bereits im 
Jahr 1835 von mir aufgefunden wurde und den ersten An- 
stoss zu vorliegenden Untersuchungen gegeben. Desshalb 
und weil sie durch die seitdem Statt gefundene Verwitterung 


678 


ihre. damalige Gestalt schon grossentheils: eingebüsset hat, 
sey dieselbe in vollständiger Beschreibung hier aufbewahrt. 
— Ihre Schichten bestehen: zu oberst aus einer geringen 
Lage von (Feld-) Allavium und darunter aus schmalen — 
nur 1—14' mächtigen — festen Sandstein- Bänken, welche 
mit stärkeren lockeren, sich leicht zerschiefernden und in 
Sand-Mergel zerfallenden, so’ wie mit dünnen braunen Thon- 
Schichten wechsellagern; sie fallen mit einer geringen Nei- 
gung gegen NW. Berg-einwärts und unter die westlich auf- 
steigende Strasse ein. Jene festen Sandstein - Lagen nun 
zeigen - fast sämmtlich auf ihrem Ausgehenden gegen die 
Strasse hin: helle; gelbliche Streifen von einer Stärke, 
die von 2‘ bis zum Verschwinden geht, erfolge diess durch 
Abnehmen oder Auseinanderfliessen; sie laufen der Schich- 
tung selten parallel, gewöhnlich diagonal, bisweilen, jedoch 
nur auf kurze Erstreckung in gerader, oft in gebogener, 
gewöhnlich aber in oszillirender Richtung. In der Regel 
enthält jede Sandstein-Bank mehre dieser Streifen, die un- 
tereinander entweder mehr und minder parallel oder diago- 
nal laufen; dieselbe Richtungs-Abweichung zwischen diesen 
Streifen verschiedener Bänke. Bisweilen wird die Stein- 
Schicht von den Streifen von der Scheitel- bis zur Sohl- 
Fläche schräg durchsetzt; manchmal setzen die Streifen auf 
erster Fläche auf, ohne die letzte zu erreichen oder auch 
umgekehrt, und oftmals beginnen und endigen sie innerhalb 
der Stein-Schicht. Diese sämmtlichen Streifen erscheinen mit- 
unter gar nicht, gewöhnlich theilweis, selten aber ganz mit 
einer sehr schmalen Spalte längs der Mitte ver- 
sehen. In Folge der vielfältigen Vertikal-Zerklüftung. des 
Gesteines in Länge und Breite tritt es am Abklüftungs-Rande 
gegen die Strasse hin im Kleinen bald über, bald unter 
jenen Streifen zurück und zeigt alsdann dort auf dem un- 
teren, hier an dem oberen Gesteins-Theile, also am Lie- 
genden, wie Harigenden — den Fels-Spiegel.e Nunmehr 
zeigt sich auch erstlich: dass, nimmt man einen Block aus 
dem Hangenden heraus, seine Spiegel-Fläche so genau auf 


679 


die des Liegenden passt, dass beide Spiegel gleichzeitig mit- 
einander und aufeinander entstanden seyn müssen und 
der eine gleichsam das Komplement des andern ist — und 
zum Andern: dass jene Streifen sammt und sonders nur 
Durchschnitts-Linien von Spiegel-Lagern, und dass 
ihre Spiegel selbst von sehr verschiedener Beschaf- 
fenheit, übrigens jedoch von ganz ähnlicher, selbst 
gleicher mit denen sind , welche sich auf Blöcken dessel- 
ben Gesteins zeigen, die am Abhange und im Strassen- 
Graben vorliegen. Diese Verschiedenheit der Spiegel - Be- 
schaffenheit aber besteht einestheils darin, dass die Spiegel 
seltener eine gleichmäsige (ebene oder gebogene), öfter 
hingegen eine ungleiehmäsige (gewundene, wulstige oder 
gefurchte) Fläche von verschiedenster Lage — bezogen auf 
Welt-Gegend, Horizont und Schichtungs-Ebene des Gesteins 
. — darstellen, und anderntheils darin, dass diese ihre 
Fläche sehr verschiedene Abstufung in Glättung und Ritzung, 
in Färbung, Festigkeit und Mächtigkeit besitzt. — Jenes 
Herausnehmen von Spiegel -Blöcken aus der Stein - Schicht 
wird indess bei Spiegel-Flächen geneigter Lage mitunter da- 
durch überflüssig, dass das hängende Gestein von selbst 
herabgerutscht, wogegen bei Bänken, deren Unterlage weg- 
gespült ist, sich es bisweilen umgekehrt verhält, indem 
blos das Liegende sich herabgefallen zeigt. Diess also zwei 
Fälle, wo die Stein-Blöcke mit Spiegel- Flächen von selbst 
sich zerstreuen auf dem Abhange und an seinem Fusse, von 
wo die Spülung der Regen - Wasser und Thätigkeit der 

Menschen- Hand sie sodann an entlegene Punkte hinführt, 
nunmehr darstellend die gewöhnliche Erscheinung der Einzeln- 
Spiegel-Blöcke, Solchergestalt aber ist dann in jenem ersten 
Falle die untere Gegen - Spiegelfläche (die des Liegenden) 
und im letzten die obere (die des Hangenden) blosgelegt; 
und ein Einzel-Block zeigt manchmal sich nur so viel herab- 
gerutscht, dass er auf der Kante des Liegenden in 'schwe- 
bender Lage erscheint; bei solehen theilweisen Herabgleitun- 


gen aber hat gewöhnlich sich Sand u. s. w. zwischen die 
Jahrgang 1842. 44 


680 


| hi | 
beiden Gegen-Spiegelflächen ‚gesetzt, was sich also ebenwohl 
einfach von selbst erklärt. 


b. SO. von voriger Stelle über das Feldabwärts ge- 
gen Ockershausen hin: die westliche, hier niedrige Wand in 
der westlichen Umbiesung des schon gedachten nördlichen 
Ockershäuser Hohlweges (an der Aohenleuchte). Zunächst 
der Weg - Sohle: fünf höchst ausgebildete , ziemlich grosse 
glasige Spiegel-Flächen mit theilsweis noch wohl erhaltener 
Doppel- und Gegen-Lage. Sie sind, bis auf wenige lichte Stel- 
len, dur ‚chgängig von graubrauner Färbung, die untern etwas 
dunkeler mit Dendriten-artiger Durchästelung von schwarzer 
Eisenstoff- Ausscheidung. Die Ritzung ist scharf und fein 
bis stark, gerad und eben, mit etwa 8° Einfallen nach fast 
SO., auf der untersten entgegengesetzt nach NW. zu 5°; 
dagegen das Einfallen der Spiegel-Flächen selbst zu s0—858 
NO. Die Streichungs-Verlängerung der untersten SO. und 
etwas rückwärts liegenden ist parallel mit den beiden mitt- 
len; die beiden obersten NW. dagegen laufen, hinterein- 
anderliegend, in einem Winkel von beiläufig S° NW. aus- 
_ einander. 


c. Davon NO. über den Feld-Rücken in dem Aabichts- 
Thal am südlichen Fusse des Dammels-Beryes: Ausgang der 
kleinen Einschnitts-Schlucht zwischen der unteren und oberen 
Buntsandstein - Abtheilung, aufgeschlossen durch Gartenbau 
(dermals gar nicht mehr erkennbar). Mehre Spiegel-Flächen 
an der W.-Seite, neben- und dicht hinter-einander mit deut- 
licher Gegenlage. Streichen in einer bergeingebogenen Linie 
von SW. nach NO.; Einfallen gegen S0° SO.; Ritzung all- 
gemein gegen NO. mit etwa 5° Neigung. — Zahlreiche 
Einzeln-Blöcke im Aufbruchs-Gesteine von manchfaltigster Ab- 
stufung in Ausbildung und Färbung. Von einigen ausge- 
wählten zeigen: 

zwei derselben zwei unter 115° und unter 140° ge- 
brochene oder zusammenstossende Spiegel-Flächen (also aus 
Kreutzungs - Spiegellagerung hervorgegangen) mit einerlei 


681 


Ritzung; die eine noch mit Andeutung einer dritten Spiegel- 
Fläche; von | 

drei anderen besitzt jede drei Spiegel- Flächen mit 
gleicher Ritzung, woyon je zwei aneinander liegende sich 
kreutzen unter stumpfen und spitzen Winkeln; und 

eine anderweitige kleine Stuffe enthält sogar vier deut- 
liche Spiegel-Flächen, sämmtlich von einerlei Ritzung; die 
drei oberen durchkreutzen sich zur Seite der Ritzung und 
nähern sich ebenwohl zum Durehschnitte mit der Riefung 
nach der einen Seite hin, während der unterste Spiegel nach 
der entgegengesetzten Seite hin zur Durchkreutzung mit vo- 
rigen dreien sich neigt unter einem Winkel von 8°. 

d. Nördlicher unterer Feldweg neeh hinter Kölbe und 
gleich nach seiner Ablenkung vom oberen, beim Eintritt in 
die geringe Höhlung. Auf der NO,.-Seite zuvörderst: eine 
weissliche, gelbliche und röthliche sehr gut ausgebildete, 
aber sehr zerklüftete Doppel-Spiegelung in mehren Lagern, 
die sich verschiedentlich durchkreutzen, also von verschie- 
denem Streichen von NO, bis SO. und ebenso verschiedenem 
Einfallen. Manchfaltiges Geritztseyn unter 0—10° SW. bis 
NW.-Neigung. Freie Spiegel des Liegenden wie Hangenden 
unter 95° SO.-Einfallen mit horizontaler Ritzung von NO. 
nach SW. Sodann: eine an zwei Stellen einseitig anstehende 
-öthliche Spiegelung auf der vertikalen. fast von SO. nach 
DW. streichenden niedrigen Steinwand auf der NO.-Seite; 

nicht sehr gut, aber sehr dauerhaft ausgebildet und hori- 
zontal geritzt. Übrigens mehre Einzeln-Spiegelstuffen ähn- 
lich wie bei c. 

e. Der Regenwasser-Graben zwischen dem Gessfelder 
Wege und dem Grunde am SW.-Rande des Weissensteins 
oberhalb Wehrda, fast von NW. nach SO. die Zusammen- 
stoss-Linie zwischen den beiden Haupt- Abtheilungen des 
Bunt-Sandsteines durchschneidend: ein etwa SO Schritt langes 
und in fünf Theile geschiedenes, ganz ausgezeichnetes, mehr- 
faches Gegen-Spiegellager, dessen Einzelglieder bald inein- 
ander, bald auseinander laufen uud bald sich kreutzen mit 

ar 


682 


bisweiligem Übergange in blinde oder nicht spiegelnde, weil _ 
zusammengekittete Lagen, d. h. in Spiegelstoff-Lager. SW. 
Einfallen von 75—85° und mehrfache Bloslegung des Spie- 
gels, bald beim Liegenden, bald beim Hangenden; die Ri- 
tzung theils senkreeht, theils gegen NW., theils gegen SO. 
etwas geneigt und zwar einfach wie mehrfach, übrigens 
ausgezeichnet gleich der Glättung, während die Färbung 
verschieden — weiss, gelblich, röthlich, braun und grau — 
ist. Besondere Erwähnung verdient noch ein schönes hori- 
zontales Gegen-Spiegellager an einer vorspringenden 
niedrigen Stein-Bank auf der NO.-Seite des Grabens, fast im 
mittlen Theile, wie im eberen eine wenig ausgebildete 
Queer-Spiegelung von SW. nach NO, streichend und 
75—80° nach NW. einfallend. —-Vorigen Fundorten sind 
noch folgende beiden späterhin aufgefundenen anzureihen. 

f. Der zweite Wehrdaer Steinbruch (hinter der Kırch- 
 spize). An der westlichen Wand eine von N. nach 8. 
streichende 30’ lange und S—10‘ hohe Spiegel-Wand des 
Hangenden, deren nördliche Fortsetzung abgebaut ist, wo- 
gegen die südliche in das Gestein einfällt. Erkennbare Gegen- 
Spiegelung; Einfallen mit 75—80° nach W.; Riefung ein- 
fach, gegen S. mit 70—75°; Farbe Rn, hauptsäch- 
lich aber lebhaft gelbroth. 

g. Michelbacher Wes am SW,-Fusse der Kirchspilze. 
Im mürben oberen Bunt-Sandsteine ein ausgezeichnetes 
Spiegel-Lager, von beinah SO. nach NW. in den Berg ein- 
streichend; das Liegende entblöset: die Doppel-Lage undeut- 
lich; Einfallen 65—70° gegen SW.; Ritzung dreifach, 
die Seihörrschlani mittle aber 65 — 700 gegen SO.; Inh 
hauptsächlich grauweiss ; Glättung vorzüglich gut. 

Nach vorigen Thatsachen steht also fest: 

1) Diese Buntsandstein-Spiegel sind ursprünglich nicht 
an, sondern in den Sandstein-Bänken enthalten, und zwar 
hauptsächlich in dem festen, mitunter auch mürben Gesteine,. 


2) Sie sind ursprünglich doppelseitig oder gegenflächig; 


685 


eine enge Spalte bildend und somit ein Spiegel-Lager, 
welches als eine Art von Gang-Bildung erscheint. 

3) Von den beiden Gegen-Flächen bildet der Gestalt 
nach der eine das Komplement der anderen; gleichwohl 


sind sie oft 


4) sehr verschieden ausgebildet und die eine, wiewohl 
selten und nur stellenweise bis nahe zum Verschwinden, 
was alsdann die Zusammenkittung beider zur Folge hat. 
Eben darum geht 

5) das Spiegel-Lager an den Rändern durchaus in (un- 
gespaltenes) Spiegelstoff-Lager, in den mittlen Theileu 
aber bisweilen in Zusammenwachsung über, so dass, 
findet Trennung der beiden Spiegel - Flächen Statt, in der 
einen sich eine abgebrochene Erhöhung zeigt, während in 
der andern die entsprechende Vertiefung zum Vorschein 
kommt. 

6) Das Spiegel-Lager ist seltner ein einfaches, 
gewöhnlich aber ein mehrfaches (ein aus 2 oder mehren 
Spiegel-Spalten bestehendes), und das einfache kann durel: 
_ Theilung in ein mehrfaches, so wie dieses durch Zusammen- 
fliessen in jenes übergehen. | 

7) Wie die einzelne Spiegel-Spalte selten eine et- 
was beträchtliche Ebene darstellt, sondern gewöhnlich eine 
im Ganzen wie Einzelnen aus- und- ein-wärts gebogene und 
gefurchte bildet, so laufen mehre Spalten fast nur ähnlieh- 
lagig und diagonal, woraus die Einzeln-Spiegelblöcke mit ver- 
schieden äusseren Spiegel-Flächen — in Folge der Zerklüf- 
tung und Zersplitterung — hervorgehen. 

8) Die Spiegelung ist im Allgemeinen und Ganzen 
lediglich einfach; nur bei besonderen Ausscheidungen aus 
der Spiegelstoff-Masse kann ausnahmsweise und nur in sehr 
geringer Ausdehnung eine doppelte auftreten. 

9) Die Ritzung dagegen ist gewöhnlich einfach, bis- 
weilen zweifach und mitunter selbst dreifach, dabei von 


vielfältigsten Neigungswinkel; ihre Schärfe hängt ab 


2 Zee 


von der Verschiedenheit in Stärke des Kornes und Härte 
des Spiegelstoffes. 

10) Die Glättung ist sehr verschieden, von Matt = 
zur vollständigsten Politur. 

11) Die Härte ist gleichfalls manchfaltig, je nachdem 
die Kieselerde oder die Thonerde vorherrscht, und ist ge- 
ringer als die des Quarzes, da die Sandkörner den Spiegel- 
stoff ritzen ; daher auch die verschiedene Verwitterungs- 
Neigung, ‘welche indess bei guten Spiegeln fast gleich Null 
ist. Ebensowohl zeigt | 

12) die Farbe grosse Verschiedenheit von Grau, Weiss, 
Gelb, Roth, Braun bis Schwarz, selten gleichbleibend, son- 
dern gewöhnlich — gewunden und flammig — in einander 
übergehend, oft auch scharf aneinander absetzend, auch mit- 
unter Dendriten-artig erscheinend und in seltenem Falle SER 
übereinander gelagert vorkommend. 

13) Das Streichen kann also (7) und somit auch ah 
Einfallen bei einer Spiegel-Spalte verschiedentlich wech- 
seln, und im Ganzen geschieht es dort nach allen Horizontal-, 
wie hier nach allen Vertikal-Winkeln. | 

14) Ursprünglich ist die Spiegel-Spalte ohne allen Aus- 
füllstoff; mitunter aber zeigen sich auf den Spalten-Wänden, 
d. i. auf den Spiegeln, Sauerstoffeisen- Ausscheidungen. 

15) Die anstehenden einseitigen Spiegel-Fläcken sind 
stets nur die übrig gebliebene andere Hälfte des Spiegel- 
Ganges, die Einzel-Spiegelblöcke aber lediglich fort- 
gerissene Theile, des Spiegel-Lagers, und beide Erschei- 
nungen sind somit nur nach den Lagen-Vorkommnissen ‚der 
in ihrer Ursprünglichkeit verbliebenen Spiegel- Lager zu 
beurtheilen. 

16) Die urs BE Lage. des Spiegeklingts wird 
bestimmt durch die Sehiehtungs-Ebene der Sandstein-Bank, 
die dermalige (oder NR nen Lage durch die Ebene 
des Horizonts. 

3) Betreffs des Spiegel-Stoffes nun Diess. Er tritt 


D 
” 


685 


quantitativ wie qualitativ sehr verschieden auf, worüber nur 
dieses Wenige. 

Quantität. Während er — im Ganzen unbestimmbar 
— in der einen Sandstein-Schicht in grösster und in der 
anderen in kleinster Menge sich in dünnen Lagen — in ge- 
spaltene und ungespaltene — zusammengezogen zeigt, er- 
scheint er in den meisten jedoch ohne eine solche Kon- 
zentration, und dann gewöhnlich in ziemlich gleichmäsiger 
Vertheilung, so dass er bei minderer Verdünnung festes 
Gestein und bei grösserer Vertheilung lockeres Gestein 
erzeugt hat. 

Qualitativ zeigt er ebenwohl eine vielfältige Ver- 
sehiedenheit, angedeutet durch manchfaltige Härte-Grade und 
zahlreiche Farben-Stufen; diess scheint indess mehr in dem 
Wechsel in den Einzeln-Mengen als in der Zahl der Elemente 
seinen Grund: zu haben, so dass vermittelst der chemischen 
Analyse wahrscheinlich keine Haupt-Norm herauszufinden 
‚seyn wird. Zwei qualitative Analysen des Hrn. Chemikers 
Dupon ergaben zum Bestande: 

a. Bei einer weissen Spiegel- Varietät: 

Thonerde (vorherrschend) 
Kalkerde (etwas) 


Kieselsäure 
” Bittererde 


S 
ı Eisenoxydul Dee Ra 


b. Bei einer braunen aber: 
'/ Eisenoxvd mit 
’ | (vorherrschend), 


Kieselsäure + Manganoxydul \ 


Thonerde 
S L 
Kölkerde | (blos Spuren) ; 


beide als Anhydrate, 

Hiernach erscheinen also die beiden geognostischen 
Haupt-Gegensätze: Kieselerde und Thonerde als Grund- 
Elemente des Spiegel - Stoffes. Ob übrigens hiebei von an- 
deren chemischen Verbindungs-Verhältnissen als binären die 
Rede seyn könne, muss zwar — bei dem Mangel der quan- 


titativen Analyse — in definitiver Beantwortung dahin 


* 


686 


gestellt bleiben; aller Anschein spricht jedash ‚degeBun, 
indem ‘ 

bei den weissen Varietäten bisw ei die Ki Se 
so sehr vorherrscht, dass sie gleichsam als Quarz-Spiegel 
erscheinen, und somit an eine (chemische) Verbindung 
zwischen Kieselerde und Thonerde u. s. w., nicht wohl zu. 
denken steht, was ebenwohl dort der Fall ist, wo umge- 
kehrt die Thonerde gänzlich prädominirt und, vorigen 
unverwüstlichen Spiegeln gegenüber, leicht verwitterbare 
_ darstellt; und ein Dergleiches gilt 

bei den braunen Spiegeln jener festen Art, worin 
die Kieselerde das Eisenoxyd weit überragt, so wie nicht 
minder bei der weicheren Art, deren Thon-Masse der 
Eisenoxyd-Menge sehr überlegen ist; und 

bei den gelben ist hauptsächlich die Färbung äusser- 

lich, nachträglich entstanden aus der Hydratisirung des. 
Eisenoxyds. — Es genügt demnach zweifelsohne zur voll- 
ständigen Erbringung des Beweises von der theoretischen 
Seite, dass hier nur vielfältigst wechseinde Mengung 
der genannten Binär-Stoffe vorliege, die Bi iinweisung auf den 
oben besagten Wechselan Festigkeit, wie namentlich an Färbung. 

Hier noch einige anher ‚gehörige Belege. Kine meiner 
eingesammelten Spiegel-Stuffen von wenigen @uadrat-Zollen, 
zeigt weissen, gelben, braunen undschwarzbraunen 
Spiegel neben- und selbst zum Theil auf-einander, und ein 
oberster Theil besteht aus Stilpnosiderit (also Phosphor- 
'säure-haltigem Eisenoxyd - Hydrate), wogegen eine andere 
weissgraue schwarze, mehrentheils metallisch - glänzende 
Eisenoxydoxydul-Schuppen — als Spiegel enthält. — Folglich 
aber: Alles spricht dafür, dass dieser Spiegel-Stoff nur als 
ein vielfach wechselndes Gemenge aus gedachten Bi- 
när-Stoffen anzusehen ist, woraus beim Übergange aus dem 
flüssigen in den StarniZucand, „überhäufige und überschüs- 
sige metallische Antheile (zum Theil als Ternär-Stoff) sich 
nach dem Hohlraume der Spalte hin auszuscheiden strebten. 

Die nächste Frage ist nun: woher ist dieser Spiegel- 


687 


Stoff gekommen ® Da die Antwort jedoch ausser den Be- 
reich des faktischen Theiles, somit in den des theoretischen 
Theiles dieser Felsspiegel - Erscheinung fällt: so sey jetzt 
zu diesem übergangen. 


1. Erklärung der Felsspiegel-Erscheinung. 


Sie umfasst die Entstehung des Spiegel-Stoffes 
und die Verwendung desselben oder die Entstehung des 
Buntsandstein-Spiegels. 


A. Eutstehung des Spiegel-Stoffes. 


Kam der Spiegel-Stoff von aussen — sey es von oben 
- oder unten — und wodurch in diesen Bunt-Sandstein$ oder 
kam er von innen, d. h. entstand er in diesem Sandsteine 
und wedurch? Hält man sich an diese Thatsachen: 

dass bei der Spiegel-Erscheinung ursprünglich zwei dicht 
aneinander liegende, blos durch eine feine Spalte von ein- 
ander getrennte Spiegelstoff-Lagen auftreten, deren eben- 
genannte Scheidung öfters wegfällt, indem die beiden Spie- 
gelstoff-Lagen in eine zusammenfliessen, die nun, statt Gegen- 
Spiegellage, Spiegelstoff-Lage ist, und 

dass diese Spiegelstoff-Lagen wenigstens eben so häufig, 
wo nicht zahlreicher als die Spiegel-Lagen und gleichsam 
das Ausgehende dieser sind, so wie 

dass die zahllosen, erst durch Abschliff oder langjährige 
Witterungs-Wirkung an und in diesem Gesteine zum Vor- 
schein kommenden feinen, ganz gleichartigen Linien (die 
bisweilen Strahlen- oder Feder-artig, gerad oder gebogen, 
zu mancherlei Figuren aus einem stärkeren Stoff- Punkte 
auseinander laufen), für nichts anderes als Minimums-Er- 
scheinungen oder Minimums-Nebenglieder der Spiegel, wie 
Spiegelstoff Lagen zu erkennen sind; und nimmt man zu 
vorigen Fakten noch: 

dass sowohl die Spiegel-, wie Spiegelstoff-Lagen stets 
entweder durch Menge-Abnahme oder durch mehr- und 
viel-fache Zertheilung des Stoffes in das Gestein hinein 


688 


verschwinden, ohne hier je nur eine Spur von einem leer 
übrig gebliebenen Theile einer Spalte zu zeigen, 

dass vielmehr umgekehrt, nach dem Gesagten, die Spiegel- 
Spalte einen ringsum geschlossenen Flächen-Hohlraum inner- 
halb der Stein-Schicht ursprünglich gebildet hat, und endlich, 

dass öfters sogar die Umgrenzung der Spiegel-, wie 
Spiegelstoff-Lagen innerhalb der Stein-Schicht enthalten ist, 
ohne alle Fortsetzung nach dem Ausgehenden dieser: 

so spricht sich von selbst als Antwort aus: 

„Dieser Spiegel-Stoff ist nicht von aussen in den Bunt- 
Sandstein gekommen und entsprang so wenig aus Infiltra- 
tion, wie aus Sublimation“ 

Daraus aber folgt einfach: 

„dass er bereits in dem Niederschlags-Mate- 
riale dieses Gesteines, nämlich in den ungeheuren 
ursprünglichenSand-Lagernmit enthaltengewesen 
seyn muss und zwar im Zustande der Auflösung“, 
und dass er: 

1) bei grösster Vertheilung das Bindemittel, den 
Kitt-Stoff für die Sand-Körner gebildet hat (daher, je nach 
seiner wechselnden Menge und Beschaffenheit, die verschie- 
dene Festigkeit des Sandsteines verschiedener Schichten 
und das allgemeine Gleichbleiben dieser Festigkeit in der- 
selben Schicht, so wie, dass das Gestein an den sieh in es 
verlaufenden Spiegelstoff -Lagen fester und viel fester als 
gleich daneben ist), während er 

-2) bei minderer und mindester Vercheilänlef 
nämlich bei grösserer Vereinigung , Überschuss-artig in be- 
sonderen Lagen abgesetzt oder vielmehr bei, in den feuch- 
ten Sand-Lagern entstandenen besonderen chemischen Thätig- 
keiten, in dergleichen Lagen, gleichsam als innre' Abschei- 
dung der mächtigen Sand - Lager zusammengezogen wurde, 
worauf die stärkeren, in Folge besonderer Thätigkeiten, 
die Ausbildung zu Spiegel -Lagen gleichsam Spiegel- 
Gängen, empfingen, wogegen die schwächeren zumehr oder 
minder leicht erkennbaren Spiegelstoff-Lagen übergingen, 


689 


während zugleich die Überführung des Sandes in Gestein 
vor sich und vermuthlich gerade von diesen besondren Stoff- 
Lagen zunächst ausging. 

Zwar bedarf eben Diess wohl keiner besondren vor- 
gängigen Darlegung mehr, dass diese Sandstein-Massen nur 
in Folge eines Kitt-Mittels aus den früheren Sand-Massen 
hervorzugehen vermochten, nicht aber vermittelst des Massen- 
Druckes — nicht des eigenen (denn der hätte gemäss 
— von der Sohle bis zur Firste der Sand-Lager vom Maxi- 
mum bis zur Nullheit — abgestufter Kraftäusserung eine 
eben, wenigstens ähnlich so abgestufte Gesteins-Festigkeit 
erzeugen müssen, abgesehen davon, dass Druck allein keinen 
Sand in Sandstein umzuwandeln vermag), — und auch nicht 
eines fremden (denn von welcher übergelagerten Stoff-Masse 
— wovon nicht die geringste Spur vorhanden — hätte er 
hier ausgehen können, und wie mächtig hätte sie gegenüber 
diesen ungeheuren Sand-Massen seyn müssen!) Dagegen aber 
muss gefragt werden: 

„wie kam dieser Kitt- und Spiegel-Stoff in jene Sand- 
lager? ging er aus dem Gewässer mit dem Sandstein-Material 
zugleich nieder? oder ward er in den Sand-Lagern erst erzeugt! 

Leieht ist die Frage, schwer die Antwort; doch es zeigen 


sich Anhaltspunkte — zu Deutungen! 
Dass die Kiesel-Erde — das Haupt-Glied dieses Spiegel- 
Stoffes — löslich, lehrt die Chemie; und dass sie sogar 


verflüchtbar sey, hat endlich das Experiment ebenwohl 
bewiesen. Dem gegenüber ist in der Natur der Prozess 
der Kieselerde-Auflösung uralt offener dargelegt bei so vielen 
Quellen, verhüllter im organischen Lebens-Prozesse; und 
Thatsache ist es, dass dieser Auflösungs-Vorgang — gleich 
vielen andren — durch die Gegenwart von Wasser ver- 
mittelt und durch Temperatur-Erhöhung gesteigert werde. 
Hat es nun mit der Ansicht von der periodenmässig- 
allmählichen Abkühlung dieses Erd-Körpers — wie etwas mehr 
als wahrscheinlich — seine Richtigkeit: so liegt darin all- 
gemein ausgesprochen vor, dass zu jener uralten Zeit der 


690 


betreffenden Sand-Ablagerung die Bildung der ‚Kieselsäure- 
Auflösung in sehr erhöhetem Maase stattgefunden habe; und 
da es mit der Ansicht, dass während der Haupt-Epochen der 
Erdoberflächen-Umbildung eine gesteigerte äussere Tempe- 
ratur geherrselit habe, zweifellos seine Richtigkeit hat: so 
zeigt sich darin im Besondren noch eine @uelle zur Steige- 
rung der schon höheren Kieselerde-Auflösung, gross und 
kräftig genug, um, unter Aufnahme von gleichzeitig vor- 
bandener. Eisen- und Mangan-Auflösung, wie von Thon- und 
Kalk-Erde u. s. w., eben den fraglichen Kitt- und Spiegel- 
Stoff herzustellen. — Natürlich kommt hier in engsten Mitbe- 
tracht Hrn. Enrengerg’s Entdeckung des wunderbaren Reiches 
der Infusorien-Hüllchen, welche dem freien Auge, ihrer unge- 
meinen Kleinheit halber, unerkennbar sind und trotz dem 
durch ‚ungeheuerste Menge ganze Gebiöfs-Lagen zusammen- 
setzen; Hüllchen übrigens, die bekanntlich in Wasser auf- 
löslich, auch unter besondren Verhältnissen gelatinirend 
und solchergestali Feuerstein u. s. w. bildend sind. Was 
steht der Annahme entgegen, dass sie schon vor der Ablage- 
rung jener Sandmassen vorhanden gewesen? — Weit näher 
liegt es übrigens, diese Kiesel- und dergleichen Auflösung, 
welche den Infusorien selbst erforderlich war, als schon vor 
diesen vorhanden gewesen anzunehmen, als jene der Er- 
zeugung durch diese (natürlich aus den Familien des Quarzes, 
Kalkes u, s. w.) zuzuschreiben, und um so gewisser, da dieser 
Lösungs-Prozess vermittelst Hydrat-Bildungen — nothwendig 
unter dem Einflusse der Elektrizität — noch fortwährend im 
jenem hohen Maase fortbesteht, wie es die Grösse der in 
Einzelngliede stets werdenden und vergehenden. organischen 
Natur erheischt und wonach somit ein dem. blosen. Auge 
unerkennbarer Kieselerde- (u. s. w.) Übergang von Starr zw 
Fluss und von Fluss zu Starr zurück ununterbrochen statt- 
findet, - — Demnach aber ist wohl gestattet: zu. schliessen: 
ne ndatein erst, sondern bereits vor und in den Sand- 
Lagern und zwar durch (neptunische) Lösung entstand ‚der 


691 


Spiegelstoff, somit keineswegs aber durch (plutonische ) 
Schmelzung“. 

Ohnehin: aus keiner andren Quelle hätte dann auch die 
zur Schinelzung der Sandkörner erforderlich gewesene Tem- 
peratur kommen können als vornehmlich aus der Reibung 
von Felsfläche auf Felsfläche; diess indess hätte nur zu ver- 
wirklichen gestanden auf den ursprünglichen und allgemei- 
nen Flächen, welches die Spaltungs-Flächen sind, wovon die 
Sandsteinbänke ganz durchsetzt werden, — auf normalen 
Flächen also, die von den anomalen der Felsspiegel ganz 
verschieden sind. Dem aber widerspricht, 

dass diese Spiegel-Flächen von den Normal-Zerklüftungs- 
flächen durchsetzt werden — ohne dass letzte mit Spiegel 
und Spiegelstoff erfüllt sind, — wornach also jene Flächen 
älter als diese, i 

dass die zahlreich in vielen Spiegel-Flächen enthaltenen 
Sand-Körner des Gesteines wohl abgerieben, durchaus aber 
nicht abgeschmolzen sind, 

dass die Ritzung oft horizontol läuft und bisweilen zwei- 
bis drei-fach auf einer Spiegel-Fläche von einerlei Spiegel- 
Stoff vorkommt, was mit der Senkungs-Reibung in vollem 
Widerspruche steht, — so wie 

dass bei dieser Senkungs-Reibung die eine Schicht, nämlich 
die liegende, stets hätte ohne gleichzeitige Mitsenkung, 
d. h. stets in fester Lage, während der Senkung der han- 
genden Schicht, bleiben müssen, was schon a priori ganz 
unwahrscheinlich ist und ebenwohl durch die Beobachtung 
widerlegt wird, — und endlich auch 

dass durch die Reibung zweier Fels-Lagen aufeinander 
— selbst wenn es statt der einseitigen eine entgegengesetzt- 
doppelseitige gewesen und sogar unter erhöhter allgemeiner 

_ Temperatur — unmöglich jene ausserordentlich hohe Tempe- 
ratur zu erzeugen steht, welche zur Schmelzung der @uarz- 
Körner erfordert wird, namentlich da diese Reibung inner- 
halb ganzer Schichten wie innerhalb des ganzen Gebirges 


hätte stattfinden müssen und folglich nur im kleinsten 


692 


Spielraume sich hätte äussern können, wonach denn aber 
die nur einseitig und blos abwärts wirkende Senkungs- 
Reibung sich selbst als eine Unmöglichkeit bezeichnet unter 


den Eutstehungs-Ursachen der Fels-Spiegel. 


_ B. Entstehung der Felsspiegel-Flächen, 


Es sind drei verschiedene Funktionen, in die der Spiegel- 

bildungs-Prozess zerfällt: die Stoff-Zusammenziehung, 
die Stoff-Erhärtwng und die Stoff-Reibung. 
1) Befand der Spiegel-Stoff sich in den Gewässern: so 
‚lässt sich eine beträchtlich. gleichmässige Vertheilung und 
Verdünnung, also auch ein ziemlich gleichmässiger Nieder- 
schlag, aber nur periodenweise, annehmen, je nach der ver- 
schiedenen Jahreszeit-Temperatur und auch, sonstigen be- 
sonderen wechselnden Bestandes-Beschaffenheit der Gewässer, 
so dass demnach in der einen Periode mehr, in der andern 
minder Kitt- und Spiegel-Stoff entwickelt und mit dem Sande 
niedergeschlagen wurde, d. h. so, dass also während der 
einen Schieht-Bildung ein gleichmäsiger grösserer, so 
beschaffener und in der nächstfolgenden anderen wieder ein 
gleichmäsiger geringerer, mehr wie minder anders 
zusammengesetzter Kittstoff-Absatz eintrat (woher denn die 
schon erwähnte ziemlich gleichmässige Festigkeit in derselben 
Sandstein-Bank, wie die — oft sehr — verschiedene zwischen 
den manchen übereinander gelagerten Stein-Schichten). — So- 
wohl in diesem Falle nun, als auch in dem etwaigen, dass 
dieser”besondere Stoff erst in den nassen Sand-Lagern — 
in Folge des durch Massen-Druck und erhöhte Temperatur 
hervorgerufenen Chemismus — erzeugt worden wäre, war 
eine Konzentrirung des Spiegel-Stoffes erforderlich. 

Sie ist denkbar als ein Werk der chemischen Attraktion, 
die selbst aber nichts anderes gewesen, als die Äusserung 
des wirksam gewordenen elektrischen Gegensatzes zwischen 
dem negativen Gliede Kieselsäure und dem positiven: Thon- 
erde, Eisenoxyd u. s. w. — Wird einer Lösung durch Er- 
hitzung das Wasser entzogen, ohne dass ‚die Theilchen des 


695 


gelöseten Stoffes mitentweichen: so werden sie mit der fort- 
schreitenden Wasser-Entziehung in zunehmende Annäherung 
untereinander versetzt; damit aber ist bei der zusammen- 
gesetzten Lösung der äussere Anlass gegeben zu dem Über- 
gange aus dem Fluss- in den Starr-Zustand, indem als- 
dann, unter dem geeigneten Grade der gesteigerten Tempe- 
ratur — dieser Erregerin und Trägerin der Elektrizität — 
die zwischen den kleinsten Theilchen der elektrisch-entgegen- 
gesetzten Stoffe bestehende Vereinigungs-Neigung in 
Wirksamkeit tritt. — Ähnlich so nun im vorliegenden Falle. 
Es war — das bezeugen die Thatsachen — einer jenen im- 
mensen Zeitabschnitte vollendet, wo der im Grossen auftre- 
tende Plutonismus dem Erd-Äusseren eine neue, reifere Ge- 
stalt aufzuprägen hat: das über den Sand-Ablagerungen be- 
findliche Wasser verlief sich — sey es in Folge ihrer eigenen 
plutonischen Hebung, sey es durch anderwärts eingetretene 
Senkung, oder sey es durch beides vereint — in die ihm 
angewiesenen neuen Betten; das in eben diesen Sand-Massen 
enthaltene Wasser entwich späterhin ebenwohl, allmählich dureh 
Aussiekerung und Verdunstung; die mit niedergegangenen 
und innerhalb ihnen enthaltenen Antheile der Hydrate von 
Kieselerde, Eisenoxyd u. s. w. aber, — einerseits befreit 
von dem Hindernisse übermäsiger Verdünnung und andrer- 
seits begünstigt von der, noch durch den Massen-Druck ver- 
mehrten (schon plutonisch erhöheten) Inner-Temperatur, — 
blieben darin zurück, theils wohl zufolge der mechanischen 

Filter-Wirkung des ER und theils gemäss der Adtkaktion, 
welche als unterste Stufe des Chemismus zu agiren scheint. 
Die nächste Folge, nach dieser kontaktischen Anziehung 
zwischen Sand und Spiegel-Stoff, war die elektro- 
chemische Anziehung der kleinsten Theilchen des 
letzten untereinander. Von dazu begünstigten Punk- 
ten ausgehend erzeugten sich solchergestalt, unter Massen- 
Drucke der Sand-Lager, vorerst dünne Lagen des schon 
konzentrirteren Stoffes, deren Lagerung nicht von der Ho- 
vizontalität des Sand-Niederschlags bedingt wurde, sondern 


694 
aus der gegenseitigen Lage der gerade hauptsächlich in An- 
ziehung versetzten benachbarten Kittstoff-Theilehen, somit 
aus der Richtung des bevorzugten Anzugs ausging (woher 
denn auch das bisweilige Übergreifen der Spiegel-Lager aus 
einer Stein-Schiehte in die andere, da die Bildung im Sand- 
Zustande vor sich ging). Daher aber der Spiegelstoff-Lagen 
sehr verschiedene Lagerung, ihr Auseinander- 
und Wiederzusammen-Laufen, so wie ihre Kreu- 
tzungen; diese Lagen jedoch — gangartige Abscheidungen 
innerhalb der Sand-Lager also — wurden ausnahmsweise 
bei grösserer Mächtigkeitein Scheidungs-Mittel zwi- 
schen Hangendem und Liegendem der Sand-Lager, bei ge- 
ringerer aber gegentheilig ein besonderes enges Bin- 
dungs-Mittel, während in der Regel dieser eigene Stoff 
in grosser Vertheilung verblieb und also bei geringster 
Mächtigkeit als allgemeines Binde-Mittel für die Sand- 
Körner auftrat. 
2) Der plutonische Umbildungs-Prozess war endlich in 

seiner Haupt-Thätigkeit, mit seinen Hebungen und Sen- 
kungen, vorüber; doch herrschte er — erlöschend im all- 
mählichen Rückgange — noch in Nachklängen: noch manche 
Zuckungen und Bebungen der Erd-Rinde, selbst wohl in der 
Richtung entgegengesetzte, je nach Zahl und Wechsel des 
Wirkungs-Sitzes. Daher denn mehr und minder kurze Hin- 
und -Her-Bewegung der Sand-Lager, wobei ihre geschmei- 
digeren Lagen, eben diese dünnen Spiegelstoff-Schichten , 

a. bei grösserer Mächtigkeit gerade zur Brechungs- 
Bahn des Stosses und Rückstosses (Gegenstosses), also 
zur Gleitungs- und Reibungs-Ebene’ zwischen Hangen- 
dem und Liegendem des Sandes wurden. Natürlich dass in 
ihnen solchergestalt eine besondere Temperatur-Erhöhung, 
mit, weiterer Wasser-Ausscheidung hervorgerufen und da- 
durch der Elektro-Chemismus herbeigeführt wurde und zwar 
mit seinem Sitze in der Zentral-Lage des Stoffes: hier 
also grösste Konzentrirung, d. i. grösste Scheidung 
vom Hangenden und Liegenden — die Bedingnisse 


695 


zur Spalt-Bildung. Von dieser Zentral-Lage des Spiegel- 
stoffes (keineswegs nothwendig in der geometrischen Mitte, 
wohl aber fast als geometrische Fläche zu denken) beider- 
seits abwärts schied der Stoff sich hauptsächlich in zwei 
Hälften, wovon beide entgegengesetzt auswärts sich in die 
anschliessenden Sand-Lagen verliefen; indem nun aber der 
Chemismus (so gut als unter diesen beschränkten Verhält- 
nissen möglich) sich vollendete und somit der Zusammentritt 
der Fluss-Moleküle zu Starr-Molekülen sich ereignete, trat 
vom Sitze des Chemismus aus die eine, obere Spiegelstoff- 
Hälfte mit den Sand-Lagen des Hangenden und die andere, 
untere, mit denen des Liegenden in Verkittung; dabei blieb 
jedoch der — mehr und minder — geringe Stoff-Überschuss 
der Zentral-Lage, als am stärksten erhitzt, noch etwas länger 
flüssig disponibel — als Erzeuger der bisweiligen Doppel- 
Spiegelung und überhaupt als letztes materielles Bedingniss 
zur Vollendung der Spalt- und Spiegel-Bildung, während 

b. beigeringer Mächtigkeit der Spiegelstofi-Lage diese 
Bildung des Überschusses in der Zentral-Fläche hinwegfiel, 
womit denn die Verkittung zwischen Liegendem und Han- 
gendem verknüpft war (todtes Spiegel-Lager — Spiegelstoff- 
Lage u. s. w.). | 

3) Fand nun die Erstarrung Statt unter Eintritt der er- 
löschenden Äusserungen des Plutonismus: so ergab sich 
Oszillations-Reibung zwischen Hangendem und Liegen- 
dem, und es entstanden die beiden Gegenspiel-Flächen 
mit Glättung und Ritzung, sey es ohne oder mit Fur- 
chung; erschienen dagegen keine plutonischen Bewegungen: 
so trat Verkittung zwischen Hangendem und Liegendem 
ein; eben so, wo irgend ein Theil der Überschuss-Lage ver- 
spätet in Erstarrung überging, so wie namentlich da im Ganzen, 
wo keine Zentral-Lage des Spiegelstoffes hatte auftreten 
können. Die Politur aber hing ab von Zartheit wie Härte 
des Spiegelstoffes und seiner grösseren Menge in der Zentral- 
Lage, die Ritzung — nach Menge und Ort — von der 


Menge und Beschaffenheit der äusserst in den Spiegelstoff 
Jahrgang 1812. 45 


696 


hineingelagerten Sand-Körner des Hangenden wie Liegenden, 
und zwar die einfache von der ungestörten einzelnen plu- 
tonischen Stoss-Richtung, die mehrfache Ritzung aber von 
der Kreutzung mehrer dergleichen Stoss-Riehtungen. Über- 
haupt findet nunmehr alles weiter Hierhergehörige seine 
einfache Deutung; so auch, dass von diesen Zentral-Erstar- 
rungspunkten aus allmählich die Erhärtung des nicht konzen- 
trirten Stoff-Theiles, des viel dünner verbreiteten Zämentes 
der Sand-Lager, d. h. die Sandstein-Bildung, exzentrisch 
vorschritt. Eine nächste Folge war die in ihrer Struktur 
begründete quaderartige Zerklüftung; dadurch aber wur- 
den die Spiegel-Lager mitzeriegt; und als nun durch den 
Plutonismus der nachfolgenden Erdumbildungs - Epoche 
diese Sandstein- Lager gehoben und gesenkt wurden, 
gingen auch die Spiegel-Lager in vielfache Zertrümme- 
rung und somit aus der Ur-Lage in die Veränderungs- 
Lage über. | 

Diess denn in Kürze die Entwickelung des Bildungs- 
Prozesses der Buntsandstein-Spiegel, dessen Prinzip 
also das chemo-mechanische ist. — Freilich ist es wohl 
nicht leicht, sich den Vorgang so zu denken: aber welcher 
wäre, folgend den Thatsachen und festhaltend die Natur 
der Erscheinung, es leichter? — Niemand war des Aktes 
Zeuge; Niemand besitzt die Kraft ihn zu rufen. Wo die 
Zutagförderung der Wahrheit selbst unmöglich, ist auch 
die des Wahrscheinlichsten nicht leicht. Das Wahr- 
scheinlichste aber ist: was den Naturgesetzen am mindesten 
widerspricht und mit den Thatsachen am meisten in Ein- 
klang. — Dass es im Vorliegenden so sey, ist wenigstens 
— mein Wunsch, es selbst aber — ein Versuch nur mit dem 
Motto: Je dunkeler ihr Schleier, desto lieber 
neckt die Wahrheit den forschenden Blick! 


| Über 
Graptolithen, 


Hrn. Dr. H. B. GeinıTz. 


— 


Hiezu Tafel X, Fg. 15—29. 


u 


Groptolithus Lm. (Lomatoceras Bronx, Feilen- 
horn). Linien-förmig, sehr allmählich in eine Spitze verlaufend, 
gerade oder gebogen, unverästelt, im Durehschnitte Ei-för- 
mig bis ganz flach zusammengedrückt, entweder an beiden 
Rändern gezähnt oder am einen ganzrandig, in welchem 
Falle die Zähne paarig stehen. Schief vom gezähnten Rande 
herab- oder herauf-laufende Scheidewände theilen das ganze 
Thier in niedrige und flache Kammern, welche durch einen 
Nahrungs-Kanal verbunden sind, der, wie bei den Am- 
moniten, zwischen den Kammern und der Schaale liegt. Als 
eine erhabene und vertiefte Linie läuft dieser, wenn beide 
Ränder gezackt sind, längs der Mitte, — ist aber nur ein Rand 
gezackt, längs des ganzen Randes oder in dessen Nähe nach 
der Spize herab. 

Es ist offenbar, dass beide, scheinbar so abweichende 
Haupt-Formen der Graptolithen leicht miteinander in Ein- 
klang gebracht werden können, wenn wir annehmen, dass 
die beiden symmetrischen Hälften eines auf beiden Seiten 

45 * 


698 


gezackten Graptholithen in der Mitte so zusammengeklappt 
sind, wie es bei den meisten Arten dieser Gattung vorkommt. 
Dann müssen die Zähne natürlich auch paarig zu stehen 
kommen, oder dicht aufeinanderliegen. Man dürfte wohl 
auch nicht annehmen, dass das Thier sieh willkürlich zu- 
sammenschlagen konnte, sonst würde man bei einigen Arten, 
welche man stets zusammengeschlagen findet, gewiss öfters 
auch ausgebreitete Individuen finden, und es scheinen durch 
diesen Charakter die Graptolithen in zwei Klassen zu zer- 
fallen. Ein solches willkürliches Zusammenklappen würde 
sich auch nicht mit der festen Schale vertragen können, die 
man bisweilen noch die Kammern bedecken sieht, und auf 
deren Vorhandenseyn man durch die ziemlich konstante Form 
der Arten geführt wird. Die Annahme, dass bei den, nur 
auf einer Seite gezähnten Graptolithen im lebenden Zustande 
sich beide Hälften gewölbt gegen einander geneigt haben, 
findet ihren Beweis nicht nur in der Gestalt vieler Exemplare 
von Gr, Priodon, sondern erklärt auch recht gut, wie der 
Nahrungs-Kanal häufig mehr oder weniger entfernt vom un- 
gezähnten Rande (Fg. 5, 9 und 12) liegt, welche Lage durch 
Zusammendrückung von oben hervorgebracht werden musste. 
Man findet Graptolithen auch ohne alle Zähne, so dass nur 
ihre Rückenseite sichtbar ist, und diese zeigen dann längs 
ihrer Mitte den Sipho. An einem einzigen Exemplare nur, 
aus der Sammlung des Hrn. Oberforst-Raths Cotta, sah ich 
innere Kammer-Scheidewände. Bei der grossen Flachheit 
der Kammern ist ein so seltenes Vorkommen der innern 
Wände wohl nieht zu verwundern. 
Ausserdem haben einige Graptolithen mit den Thieren 
einiger Chätopoden grosse Ähnlichkeit: der Gr. foliaceus 
mit Serpula vermicularis, Amphitrite portvent und 
Amphitrite de Spallanzani, und Graptolithus spira- 
lis könnte dann den Branchien der Amphitrite (Diet. d. 
science. nal., Annalides,, pl. 56, fig. 3, a und fig. 2, a) ver- 
glichen werden. Allein, wenn die Graptolithen wirklich 
Anneliden wären, warum findet man denn niemals die Röhre, 


699 


in welcher das Thier lebte, da dieselben doch in andren 
Gebirgen nicht selten sind, niemals aber das Thier selbst 
versteinert gefunden worden ist! In einer solchen Röhre 
waren die Graptolithen bestimmt nicht eingeschlossen, ihre 
Oberfläche war nur die Schale der Polythalamien. Der Sipho 
liegt bei den Graptolithen , wie erwähnt, zwischen Kammern 
und Schale, und er kann nicht etwa mit dem Kiele von Ser- 
pula vermicularis (Diet. d. sc. nat. Annelides, pl. 57, 
fig. 1, e) verglichen werden, welcher ganz äusserlich ist. 

Die Anneliden sind endlich verschieden gebogen, selbst 
bei einer kalkigen, festen Schale, meinen Untersuchungen 
zufolge hatten die Graptolithen aber stets eine konstante 
Form, und Gr. foliaceus, Gr. sealaris, Gr. Priodon, 
Gr. serratus bilden immer eine gerade, Gr. spiralis 
aber eine spiralförmige Linie, 

So erscheint demnach die Stellung dieser Thiere zu 
den Cephalopoden, unter die sie schon Kxorr und SchLotHEım 
gezählt hatten, ' ziemlich naturgemäss. Ausgebreitete Grap- 
tolithen, wie @. foliaceus erinnern unwillkürlich an die 
Gattung Frondicularia. 

1) G. foliaceus Murcuison (the Silurian Formation, 
Part. II, p. 694—696, pl. 26, fig. 3, 3 a). — Unsere 
Fig. 15 a und A vergrössert. Gerade, feilenförmig, auf beiden 
Seiten gezackt, aus niedrigen Kammern bestehend, deren 
Sipho in der Mitte des Thieres liegt. Die kleinen Zacken 
der Ränder sind durch flache Bogen mit einander verbunden. 
Die Scheidewände laufen schwach sichelförmig bis zur Mitte 
herab und stossen mit der entsprechenden der andern Hälfte 
unter einem stumpfen Winkel oder Bogen zusammen, den 
die Vergrösserungen nur richtig zeigen. Fg. 1, a ist viel- 
leicht etwas verzeichnet, da sich die Scheidewände am 
Sipho nie so weit erheben, dass ein einspringender Winkel 
entstände. Im Kieselschiefer vom Hügel an der Chaussee 
zwischen Ronneburg und Raizhain. 

2) Gr. Priodon (Lomatoceras Priodon Bronx 
Lethaca Taf. I, fig. 13). — Fig. 16 a und B vergrössert, 


700 


B von oben. Geradlinig, auf dem einen Rande ganz, auf 
dem andern hakenförmig gezähnt. Zähne rückwärtsgebogen 
und paarig. Durchschnitt eiförmig, nach der gezackten oder 
Bauch-Seite zugespitzt. Die Scheidewände gehen von den 
Zacken etwas sichelförmig nach der Rückenseite herab und 
vereinigen sich hier an dem Sipho, welcher in der Mitte 
des Rückens in einer Rinne liegt. In der Bronx’schen Ab- 
bildung ist diese Linie längs des geraden Randes deutlich 
hervorgehoben. In unserer Abbildung A fehlt diese Linie, 
doch ist sie auf B schon zu sehen. Meine Exemplare stam- 
men von Fougerolle bei Caen aus der Normandke. 

Gr. Ludensis Murcn. (the Si. form. pl. 26, fig. 1, 2) 
und Gr. virgulatus Beck halte ich davon nicht speziell ver- 
schieden, sondern nur für eine Varietät, wo die Zacken noch 
etwas mehr zurückgebogen sind. 

3) Gr. serratus — (Orthoceratites serratus v. 
Schroru. Nachtr. 7822, Tf. Vill, Fig. 3. — Knorr Petref. 
Th. UI, Kap. 4; S. 163, Suppl. Taf. IV C, Fig. 5 und 6 
zum Theil) — Fig. 23. Geradlinig, auf dem einen Rande 
ganz, auf dem andern mit kurzen, spitzen Sägezähnen und 
schief nach dem Sipho herauf laufenden Scheidewänden. 
Durch ein wenig seitliches Zusammendrücken der ursprüng- 
lich wohl eiförmig zusammengebogenen Seitenwände ist der 
Sipho vom geraden Rande etwas entfernt worden. — Häufig im 
Versuchs-Schachte auf Steinkohlen unferı dem Bade Ronneburg. 

4) Gr. sealaris Liv. (Syst. nat. — Fucoides serra 
Broncn. (Zist. des vegel. foss. I, p. 71, pl. 6, fig. 7—S) — 
Fig. 17, 18, 19. Sehr dünn, geradlinig, gewöhnlich auf der 
einen Seite ganzrandig, auf der andern gesägt, bisweilen auf 
beiden Seiten ganzrandig, Man zählt auf 1 Länge bei 4 
Breite 26 soleher Zähne, deren kurze Kathete mit der Hy- 
potenuse unter einem Winkel von etwa 45° zusammenstossen. 
Kammer-Scheidewände sind nicht zu erkennen. In der Corra’- 
schen Sammlung ist. ein Exemplar, das ausnahmsweise auf 
beiden Seiten gezähnt ist. — Mit vorigen zusammen: 

5) Gr. spiralis Geis, (Taf. I, Fig, 7, S, 10—15. — 


701 


Gezähnelte Lituiten Knorr Petref. Thl. II, Suppl. 
Taf. IV C, Fig. 5, 6 z. Th. -- Taf. X, Fig. 1 ein verkehrt 
gewundenes Exemplar. — v. Scuroru. Nachtr. Taf. VI, 
Fig. 2%) — Unsre Fig. 208 *). 

Anfangs spiral gewunden, dann von einer schwach ge- 
bogenen Linie, wohl auch in eine gerade übergehend, meist 
an der innern Seite der Windung glatt, an der äussern ge- 
zähnt. Individuen, wo der innere Rand gezackt und der 
äussere ganz ist, verhalten sich wie linksgewundene Turri- 
lithen zu rechtsgewundenen. Übrigens sind diese so selten, 
dass mir unter vielen Hunderten, die ich von Ronneburg 
kenne, nur das eine Fig. 20 abgebildete bekannt ist. Viel- 
leicht ist das deutliche Exemplar bei Knorr (Suppl. Taf. X, 
Fig. 1) gerade wegen seiner Seltenheit abgebildet worden. 
Das Ansehen des Ganzen ist nach dem Alter und der Art 
der Zusammendrückung verschieden. Die jüngsten Formen 
(meine Fig. 28, 29, 24, 27) besitzen die längsten, gerade 
aufrecht stehende oder rückwärts gekrümmte Zähne, so dass 
hier die Kammern nur mit einem sehr kleinen Theile zu- 
sammenhingen; bei Fig. 25 hat die Dicke der Zähne schon 
‚etwas zugenommen und auch ein grösserer Zusammenhang 
der Kammern ist vorhanden, während das alte Individuum 
Fig 26 am meisten Zusammenhang zeigt, zumal da hier dureh 
Zusammendrückung von der Rückenseite aus der Sipho vom 
Rande entfernt worden ist. Fig. 21, 22 sind gleichfalls alte 
Exemplare, bei denen die Zähne relativ am dieksten und 
meisten verkürzt worden sind, indem bei ihnen die Ver- 
bindung der Kammern am vollkommensten geworden ist. 
Der Sipho hat hier seine regelmässige Lage am ganzen Rande. 
— In Bezug auf die Windung sind die verschiedenen Formen 
dieser Art am besten mit manchen Arten von Hamites zu 
vergleichen. 


*) Hısıncer’s, wie es scheint, nicht in den Buchhandel gekommene 
Lethaea Suecica würde noch wichtige Beiträge zu diesem Gegen- 
stand geliefert haben. ’ D. R. 


——— DT — 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. 
Hamburg, den 15. Juli 1842. 


Indem ich Ihnen den vorjährigen Jahres-Bericht der Thätigkeit des 
hiesigen naturwissenschaftlichen Vereines zusende, benutze ich diese 
Gelegenheit, Ihnen einige physikalisch-interessante Wahrnehmungen, zu 
denen der Brand Veranlassung gab, mitzutheilen, die auch für den Mine- 
ralogen von einigem Interesse seyn dürften. | 

Als Haupt-Ursache der raschen und ausgedehnten Verbreitung der 
Feuersbrunst kann wohl die anhaltende Dürre dieses ganzen Jahres 
angesehen werden. Wir hatten nämlich im Januar und Februar nur au 
11 Tagen Schnee und an 2 Tagen Regen, im Ganzen aber bis zum 5. 
Mai, dem Tage, an welchem das Feuer ausbrach , nur an 17 Tagen 
Regen; vom 2. April an war gar kein Regen gefallen, dagegen weh- 
ten stets scharfe östliche Winde, die alles austrockneten; in der letz- 
ten Hälfte dieses Monates sowie auch im Mai war die Luft stets sehr 
milde. Das Feuer ergriff gleich im Anfange einen grossen Speicher, der_ 
mit 200 Fässern Branntwein, mit Terpenthinöl und Schellack angefüllt 
war, die Entzündung dieser Gegenstände verbreitete theils eine alles 
ringsumher ausdörrende Gluth, theils einen gewaltigen und leicht zünd- 
baren vom Südwinde über die ganze Stadt verbreiteten Feuer-Regen, dass 
bei dem ohnediess grossen Wasser-Mangel alle Mittel zum Löschen un- 
zureichend wurden. So zeigte das Feuer sich gleich von vornherein 
als ein höchst Gefahr-drobendes ; und da die Zuversicht, welche man durch 
lange Gewohnheit in unsere sonst sehr guten Lösch-Anstalten zu setzen 
pflegte, getäuscht wurde‘, entstand bald eine nur zu grosse Verwirrung 
und Unsicherheit in "der Leitung derselben. Eine Flamme, welche die 


705 


Ausdehnung von fast einer Viertel-Stunde gewann, musste natürlich be- 
deutende Luft-Verdünnung bewirken, und so kam es, dass der schon 
ziemlich starke Wind bald in einen förmlichen Sturm ausartete, Die 
durch die Flamme erzeugte Luft-Strömung war so stark, dass angebrannte 
Brief-Packete drei Meilen weit bis nach Wohldorf fortgerissen wurden, 
und angebraunte Läppchen Zeug und Papier bei Aschbery am Ploener- 
See niederfielen. Die Masse des Dampfes und Rauches war so gross, 
dass noch bei Rendsburg die Sonne verdunkelt erschien, und man ihn 
bei Schleswig riechen und sehen konnte. Die feurig-glühende Dampf- 
Masse nahm bei uns, voa der Luftströmung, der Wind-Richtung folgend, 
fortgerissen, einen Raum von fast einer kleinen Stunde ein; man hat sie> 
wie mir ein Seemann versicherte, deutlich auf der Nordsee gesehen. Die 
Hitze, welche dadurch verbreitet wurde, war so stark, dass die Blätter 
an den Bäumen braun wurden und die Blüthen abfielen. Volle 14 Tage 
glühten die Brandstätten, manche noch nach 6 bis 8 Wochen. Nachdem 
der Brand sein Ende erreicht hatte, waren diejenigen, welche sich mit 
Mineralogie beschäftigen, beflissen , die Wirkungen der Gluth an den 
vom Feuer zerstörten Gegeuständen zu untersuchen; und da schien uns 
Folgendes besonders der Beachtung werth. Die Mäuersteine waren häufig 
gesprungen, mit einer Glasur überzogen, welche die gesprungenen Stücke 
oder auch mehre Mauersteine aufs Innigste mit'einander vereinigt hatte. 
Nicht selten schwitzten die Mauersteine ein alkalisches Salz aus, welches 
noeh Kohlensäure enthielt, oder sie waren auch mit Blau-Eisenerde über- 
zogen. Der die Mauersteine verbindende Kalk war äusserst mürbe und 
locker gebrannt, so dass erste meistens unversehrt auseinanderfielen. 
Dieser Kalk war aber nicht immer ätzend geworden, sondern enthielt 
manchmal noch Kohlensäure, welches um so auffallender ist, da doch 
nur gebrannter Kalk zum Bauen benutzt werden kann. Das Glas zeigte 
die manchfaltigsten Veränderungen, je nachdem es geschmolzen oder aus- 
geglühbt war; theils war es in Klumpen zusammengeschmolzen, theils 
nur faltig und kraus, wie z. B. Bouteillen, zusammengesunken , nahm 
dann ein blättriges Gefüge an, veränderte die Farbe von der blauen 
bis zur schneeweissen, braunen und schwarzen durch alle Nüancen bin- 
dureh. Eben so verschieden fand sich die Härte desselben ; dünne Scheiben 
waren hornartig, Flaschen Jaspis- und Opal-artig geworden, einige 
Klumpen glichen vollkommen dem Obsidian. Porzellan hatte am besten 
der Hitze widerstanden, war aber doch häufig gesprungen und dann 
durch die Glasur desselben wieder als Breccie zusammengeschmolzen. 
Glasirter Thon war zuweilen in schaumige Schmelzung geratlien und 
bildete eine Art Tuff; so auch Glas. Das Kupfer oxydirte sich während des 
Schmelzens und bildete entweder wunderlich getropfte graue Massen, 
oder es erlitt eine Umwandelung in Rothkupfererz. Stahl ward weich, 
und Stahlfedern glübten zu diehten Massen zusammen. Eisen gerieth, 
selbstin Massen von 100 Pfd. in Schmelzung, bildete manchfache Schlacken, 
ward zuweilen in eine Graphit-artige Substanz, in Schwefel-Eisen und 
in Braun-Eisenstein umgewandelt. So fand sich in einem Eisen-Lager 


704 


ein prachtvoller, sammtfarbiger, getropfter Glaskopf von Braun-Eisenstein *). 
Silber schmolz selbst in ganzen Barren zusammen; besser widerstand 
das Gold der Gluth, doch schmolzen ganze Stapel Louisd’ors mit den 
Flächen zu einer Rolle zusammen. Da durch die Feuersbrunst auch 
das grosse Mineralieu-Lager des Hrn. Aseı zerstört wurde, so hatten 
wir Gelegenheit die Wirkung des Feuers auf diese zu beobachten. Der 
grösste Theil der Mineralien war zerstört durch Schmelzung oder Frit- 
tung, besonders die metallischen; nur der Kobalt hatte der Gluth wider! 
standen, doch war Smalte theils härter und gläuzend geworden, theils 
glasirt, theils in eine schwarze kohlige Substanz umgeändert **). Eisen- 
spath hatte seine Krystall-Form behalten, war aber in Braun-Eisenstein 
umgewandelt. Malachit war zwar geschmolzen, doch erkannte man ihn 
an der Farbe noch wieder. Alle talkartigen Mineralien hielten die Glüh- 
hitze am besten aus; Granaten und Opale blieben unverändert, doch hatte 
der Eisen-Granat seinen Glanz verloren und eine gelbbraune Farbe an- 
genommen. Diamanten waren theils gänzlich verbrannt oder trübe und 
kleiner geworden (so wenigstens sagte mir ein Juvelier) ; schwarzer 
Glimmer und Chlorit wurden goldgelb und glichen vollkommen dem 
Rubellan; Quarz nahm ein blättriges Gefüge an, Kieselguhr ward in ' 
Opal umgewandelt, Thon in Porzellan-Jaspis. Kalkspath ward mürbe, 
hatte zwar zum Theil noch seine Krystali-Form und brauste noch mit 
Säuren, fiel aber leicht auseinander ; Feuersteine wurden weiss, schmol- 
zen mit Eisen zu einer Breccie zusammen oder überzogen sich, vielleicht 
durch Blei, mit einer grünen Emaille. Schwarze Kreide oder Zeichen- 
Schiefer ward braun, steinhart und klingend. Granit und Sandstein 
wurden mürbe und bröcklich, die Granit-Quadern des Fundaments des 
Nikolai-Thurmes zersprangen an der Oberfläche in dünne Blätter. — Be- 
merkenswerth scheint wir noch, dass sich unter einem eingeäscherten 
Hause ein noch mit unversehrtem Eise gefüllter Eis-Keller fand. 

Es möge an diesen Beispielen der physikalischen Einwirkung des 
Feuers genügen. 

Genehmigen Sie mir noch .einige kurze Bemerkungen, die ich auf 
meiner Reise im vorigen Herbst zu machen Gelegenheit hatte. Nach 
einer geognostischen Wanderung durch einen Theil des Erz-Gebirges 
besuchte ich auch die Sächsisch-Böhmische Schweitz, um die dort vor- 
handenen, durch Corra genauer bekannt gewordenen, merkwürdigen 
Verhältnisse des Granites zum Quader-Sandstein und Pläner durch den 
Augenschein kennen zu lernen. Es machte auf mich einen eigenthümlichen 
freudigen Eindruck, das bestätigt zu finden, was mir aus Corra’s 


*) Sollte diese Angabe nicht auf einem Missverständnisse beruhen ? — Auch manche 
andere beobachtete Erscheinungen dürften mit bekannten Erfahrungen nicht im 
Einklange seyn. Es lässt sich darüber ohne Ansicht und nähere Untersuchung 
der Gegenstände nicht wohl urtheilen. A.d.R. 

*#) Durch das Verbrennen eines Lagers blauen Papieres war dieses zwar gänzlich 
zerstört, dieSmalte aber unverändert zurückgeblieben und ward in einen en 
zusammengeflossen wiedergefunden. 


705 


verschiedenen Abhandlungen darüber bekannt geworden, was ich früher 
aber, ich gestehe es, mit einigem Zweifel aufgenommen hatte, weil ich mir 
es nicht zu erklären wusste; worüber ich mich aber jetzt durch die Corra’- 
sche Erklärung hinreichend befriedigt bekenne. Da ich über diese merkwür- 
digen geognostischen Verhältnisse nichts Neues zu sagen wüsste, so 
übergehe ich sie als hinreichend bekannt, um mir noch ein paar Be- 
merkuugen über das Sandstein-Gebiet zu erlauben. — Wenn man von 
dem das Elb-Bassin umschliessenden Granit-Plateau herabsteigt, so muss 
es Jeden mit Verwunderung erfüllen, vor sich auf dem Wege in die 
Sächsische Schweitz keine Berge zu erblickeu, denn ausser ein paar isolirt 
stehenden Felsen, wie der Königstein und Lilienstein, sieht man vor sich 
nur eine schwach wellenförmige Ebene, flächer noch als die Ebenen 
Holsteins, welche gegen SO. allmählich etwas ansteigt. So gelangt man 
in den Liebdethaler Grund ohne ein Gebirge bemerkt zu haben. Steigt 
man aus diesen von schroffew Felsen-Mauern eng eingeschlossenen Grün- 
deu in die Höhe, so übersieht man so weit das Auge reicht immer nur 
eine Ebene, in beträchtlicher Ferne von Hügeln und Bergen eingeschlossen. 
Untersucht man das Schiehtungs-Verhältniss der Gründe und vergleicht 
es mit den isolirten Fels-Massen , so bemerkt man überall eine völlig 
gleichmässige durch keine Hebung oder Verrückung gestörte, vollkommen 
horizontale Schichten-Lagerung und diese aufs Genaueste übereinstimmend 
mit den Schichten der isolirten Felsen, so zwar dass diesen zum Theil 
noch einige Schichten mehr aufliegen, als der Haupt-Masse, und dass 
überhaupt die letzte gegen Pirna hinab allmählich stets einige Schichten 
mehr verliert. Ausserdem sieht man längs der steilen Fels-Abhänge so- 
wohl der meisten ‚Gründe wie insbesondere an der seigern Abdachung 
des Eib-Thales schwach wellenförmige Ausfurchungen des Gesteines, 
die unabhängig von den Schieht-Spalten überall miteinander korrespondiren; 
die obern ziemlich nahe übereinander, die untern schon mehr von ein- 
ander entfernt. Leider sind im Eld-Thale diese Ausfurchungen oft durch 
den Steinbruch unterbrochen, dagegen nimmt man sie im tiefen Grunde, 
im Mordgrunde, um das Prebisch-Thor herum u. a.n. v. a. O. desto deutlicher 
fortlaufend wahr. Beim Prebisch-Thor, sowie schon früher bei dem Kuk- 
stall, wird man überrascht durch die Ähnlichkeit dieser Felsen-Thore mit 
den „Gatts“ der Insel Helgoland, und die Ähnlichkeit der Bildungen 
beider Lokalitäten wird noch erhöht durch die isolirten Säulen und 
Pfeiler, Mönche genannt. Bei so grosser Übereinstimmung der Bildungen 
und Formen wird man unwillkürlich genöthigt auf gleiche Ursachen 
der Entstehung zu schliessen. Von Helgoland weiss man, dass es seine 
jetzige Gestalt dem Meere verdankt ; Wasser war auclı sicher die Ursache 
der Zerklüftungen und Austiefungen der einst eine zusammenhängende 
Gestein-Masse bildenden Sächsischen Schweitz, die als felsiger Meeres- 
Boden, durch die südöstliche Strömung der denselben bedeckenden Ge- 
wässer allmählich abgespült wurde, während einzelne Gesteins-Massen 
als Klippen und Inseln stehen blieben. Die Brandung des Meeres wühlte 
die „Gatts“ aus, welche jetzt noch als scheinbar unerklärliche Felsenthere 


706 


vorhanden sind. Nach dem Abfluss des Meeres wurden die, vielleicht 
schon bei der Zusammentrocknung der Gesteins-Masse entstandenen 
Spalten und Risse von scharfströmenden, vielleicht noch heissen Ge- 
wässern erweitert und ausgetieft; es entstanden das Zlbe-Bett und die 
manchfachen Gründe, deren schroffen Mauern bei allen Biegungen und 
Krümmungen genau mit einander korrespondiren. Anfangs schienen die 
Wasser langsam und mit kürzeren Unterbrechungen abgeflossen zu seyn; 
in spätern Zeiten haben vielleicht plötzlich gewaltige Abflüsse stattge- 
funden , worauf periodisch wieder ein Stillstand eingetreten zu seyn 
scheint. Schon Corra macht auf die Anhäufung des feinen Quarz-Sandes 
an den Granit-Abhängen aufmerksam und betrachtet ihn als ein Produkt 
der Thal-Bildung in der Sächsischen Schweitz. Vergleicht man aber 
diese verhältnissmässig geringe Masse mit der ungeheuren Masse der 
fortgerissenen Schichten, so muss man das Fehlende anderswo suchen. 
Hier wage ich es, mit einer Erklärung aufzutreten, die, so hypothetisch 
sie klingen mag, mir doch in der Natur hinreichend begründet zu seyn 
scheint. Bedenkt man, welche Dünen-Massen der Indus, der Po, der- 
Rhein, die Elbe u. a. Flüsse seit der historischen Zeit an ihren 
Mündungen aufgehäuft haben, und berücksichtigt man, dass, wie FRIED- 
rich HorFrMANnN bewiesen, die Elbe einst durch das Aller-Thal strömend 
den Lauf der Weser verfolgte, so scheint es nicht unwahrscheinlich, 
dass die Elbe die aus den jetzigen Gründen ihr zugeführten, aus ihrem 
eigenen Bette von ihr fortgerissenen Sand-Massen auf dem Boden der von 
ihr durchströmten Meere, also wahrscheinlich in der Gegend der jetzi- 
gen Lüneburger Heide, absetzte. Das darüber hinfluthende Meer be- 
wirkte durch die Dünen-Bildung die jetzige hügelige Oberfläche. Die 
Masse des Sandes ist nicht grösser, und vielleicht auch nicht einmal so 
gross, als diejenige, welche der Rhein absetzte, und dürfte auch nicht 
grösser seyn, als zur Ausfüllung der in der Sächsischen Schweilz durch fort- 
gerissene Schichten entstandenen Gründe und des EIb-Bettes erfordert wird, 
besonders wenn wir das abziehen, was von Böhmen her mit fortgerissen 
seyn dürfte. Diese in dem ehemaligen Meere, vielleicht vor der einst- 
maligen Mündung der Elbe als Dünen- und Sand-Watten abgesetzte 
Sandmasse bewirkte eine grossartige Delta-Bildung der Elbe, zwang 
einen Arm derselben durch das Aller-Thal, die andern durch das jetzige 
Eib-Bette zu fliessen, bis der erste Arm sein Bett versandete und die 
Eibe sich auf ihr jetziges Bett beschränkte. 

Weder die Erhebung des Granites, noch der Durchbruch der Basalte 
bei Stolpe und dem grossen Winterberge haben in der Sächsischen 
Schweitz eine beträchtliche oder ausgedehnte Schichten-Störung des Quader- 
Sandsteines bewirkt, so dass diesen Ereignissen oder überhaupt pluto- 
nischen Erschütterungen durchaus nicht die Zerklüftung desselben, wo- 
raus später die zahlreichen Gründe entstanden sind, zugeschrieben werden 
kann; dagegen sprechen die eigenthümliche Beschaffenheit dieser Gründe 
so wie der sie bildenden Felsen-Mauern, der vielfachbe Zusammenhang 
derselben untereinander und mit dem Eib-Bette, die wellenförmigen 


707 


Furchen an den Felswänden, welche genau so aussehen, wie diejenigen, 
welche noch von den heutigen Meeren durch den anhaltenden Wellen- 
schlag an Felsen-Ufern entstehen, die Beschaffenheit und Ähnlichkeit 
der Höblen und Felsen-Thore mit den „Gatts“ von Helgoland, innerhalb 
welcher, namentlich das Prebischthor , jene Furchen ebenfalls deutlich 
wahrzunelimen sind, die schlanken dünnen Säulen und breitern Pfeiler, 
die isolirten meistens etwas über das Plateau sich erhebenden Fels-Massen, 
um deren Fuss gewöhnlich eine grosse Menge Gerölle aufgehäuft ist, 
und die stufenweise Abnahme der Schichten gegen Norden aufs Deutlichste, 
wie mir es scheint, für eine mächtige Einwirkung des Wassers überhaupt, 
so wie dass nur diesem die Bildung der Gründe und der Thal-Austie- 
fungen zuzuschreiben sey. Dieses Wasser mag früher einen grossen 
See gebildet haben, das eingeschlossen vom Mittel- und Erz-Gebirge 
und den Sächsisch-Lausitzer Granit- und Syenit-Bergen, welche CorrtA 
unter dem Namen des Elb-Systems begreift, sich endlich zu beiden Seiten 
der Spaarberge stufenweise Luft machte, indem es dort einen Durch- 
bruch gewann, _ 

Es enthalten diese Bemerkungen (eine Ansicht, die unter andren 
auch schon von Corra ausgesprochen wurde) zwar nichts Neues; doch 
erinnere ich wich nicht, dass sie schon so bestimmt vorgetragen wurden; 
und da diese Ansicht einen Erklärungs- Grund für die Bildung eines 
Theiles der Norddeutschen Ebene bietet, so glaubte ich wohl einmal 
darauf zurückkommen zu dürfen ; wenn es auch gewagt scheint, einem 
so erfahrenen Gebirgs-Forscher, wie Sie, vielleicht noch unreife Beob- 
achtungen der Art mitzutheilen. 


K. G. ZimMERMANnN. 


Giesen, 39. Juli 1842, 


Bei der Durchsicht der Mineralien-Sammlung des hiesigen chemi- 
schen Laboratoriums kam mir ein Krystall eines, in Prehnit umgewan- 
delten, Analeims vor, deren G. LeonnAarn im Jahrbuch 1841, 30 ff. ge- 
dachte. — Es fehlte die Etiquette; doch stimmte das ansitzende Gestein 
vollkommen mit dem eines Handstückes, das ausser aus Mandelstein noch aus 
Thomsonit, Analeim und Kalkspath bestand, und mit dem Fundorte Kilpa- 
trick-Hills bezeichnet war. Der Krystall hat einen Durchmesser von 
2— 23° und besteht fast ganz aus einem Prehnit-Aggregat. In einem 
Drusenraum des Krystalls finden sich die Prehnite in deutlichen Kry- 
stallen. Doch helfen ausser Prehnit noch Kalkspath in nicht unbeträcht- 
licher Menge den Krystall zusammensetzen. Er ist ein Bruchstück eines 
Leueito@ders. Die schmutzig-weissen Flächen zeigen stellenweise einen 
eigenthümlichen Seiden-Glanz und schillern, je nachdem Spaltungs-Flächen 
des Prebnits oder andre ihr Ende in der Fläche des Krystalls er- 
reicht haben, 

Schon lange bestrebte ich mich das relative Alter der Zechsteine von 
Rückingen, Jem Spessart und der Wetterau, namentlich der von 


708 


Bleichenback, so wie auch deren von Büdingen und Haingründau kennen 
zu lernen. Durch Vergleichung der organischen Überreste, welche sie 
führen, glaubte ich zu einem Schluss gekommen zu seyn, der, wie mir 
wenigstens scheint, die meiste Wahrscheinlichkeit für sich hat. 

Aus der Übergangs-Formation keunen wir die grösste Anzahl von 
Bracbiopoden-Geschlechtern, ausserdem viele Polyparien. Dagegen finden 
wir im Muschelkalk von Brachiopoden nur 3 Geschlechter, von Polyparien 
‘gar nichts. | 

Nun finden wir, Jass aller Zechstein, der auf dem linken Kin- 
zig-Ufer und ganz nahe an der Kinzig auch einmal auf dem rechten 
Ufer derselben bei Rückingen hervortritt, ganz andre Versteinerungen 
führt, als der auf dem rechten. Die Zechsteine von Haingründau, Bü- 
dingen und Bleichenbach führen als bezeichende Versteinerungen: Stro- 
phomena aculeata Bronn; Spirifer; Terebratula Schlotheimi 
Buena; Lingula und Gorgonia infundibuliformis GoLpr. 

Zu Rückingen, Rodenbach und im ganzen sogenannten Freigericht 
kommt ein Repräsentant eines Geschlechtes vor, das der für den Muschel- 
kalk so bezeichnenden Myophoria ausserordentlich nahe steht, nämlich 
Axinus obseurus Sowersy; sodann noch Avicula antiqua Münsr. 
und eine Univalve, die nicht bestimmbar ist. 

Ich glaube nun, dass, wenn beide Zechsteine zusammen vorkommen, 
der Axinus führende auf dem, für welehen Brachiopoden bezeichnend 
sind, gelagert ist, folglich ein nicht so hohes Alter hat, als der andre. 


F, A, Gent. 


Zürich, 13. August 1842 *). 


Während meines Aufenthaltes in Gais kam Freund EscHER von DER 
Lintu in’s Weissbad, um von dort aus die Sentis-Kette nochmals genauer _. 
zu untersuchen. Er verweilte etwa fünf Tage in dieser Gegend. Wir 
machten zusammen einen Ausflug an den Fuss des Alpspiegels, um den 
an der Schienegg (Scheyenegg ?) im Nummuliten-Kalke vorkommenden 
Rotheisenrabhm, welchen Escher vor einigen Jahren daselbst entdeckt 
hat, wieder aufzufinden. 

Dank sey dem glücklichen Orts-Sinne meines Freundes: wir mussten 
nicht lange suchen und konnten, mit manchem charakteristischen Belege- 
stücke versehen, schon zum Mittagessen wieder in’s Weissbad zurück- 
kehren. Ich habe dieses Vorkommens bereits ihm Jahrbüch für 71839, 
S. 414 kurz erwähnt. 

Auf meiner Rückreise von Gais besuchte ich das Eisen-Bergwerk 
im Gonzen, wovon ich bereits eine ausführliche Beschreibung mittheilte. 

Von dieser Exkursion habe ich drei Substanzen mitgebracht, welche 
in meiner obbesagten Beschreibung nicht angeführt sind: 

1) Dichter Braun-Eisenstein, gewöhnlich unter dem Rotb- 


%) An Dr. G. Leoxnarp gerichtet und von diesen zum Abdrueke mitgetheilt. D. R. 


709 


Eisenstein zunächst der Sohle des Erz-Lagers vorkommend, jedoch nur 
sparsam. 

2) Ein Stück flachmuscheliges, glänzendes, pechschwarzes Sch warz- 
Manganerz, das sich dem äussren Ansehen nach von den zwei in meiner 
Beschreibung angeführten Schwarz-Manganerzen unterscheidet. 

3) Ein weisser erdiger Beschlag, der sich auf links vom Wege nach 
der Grube anstehenden, schwärzlichen, scheinbar thonigen Kalk-Schiefern 
findet. Den damit angestellten Versuchen zufolge besteht derselbe aus 
Talkerde, Schwefelsäure und Wasser, scheint demnach mit dem Bitter- 
salze identisch zu seyn, 

Ferner fand ich in einer grossen Masse des gerösteten Roth-Eisen- 
steines ein Stück von dem in meiner Beschreibung ebenfalls erwähnten 
künstlichen Magnet-Eisen in ausgezeichnet schönen und deutlichen Ok- 
taedern. Die Kanten der grössten messen schwach 1°‘ Neu-Schweitzer- 
Mass. Nach der Aussage des Hrn. Nener soll diess das schönste Stück 
seyn, welches bis jetzt vorgekommen. 

In den ersten Tagen der nächsten Woche gedenke ich noch den 
Gotthard zu besuchen und die Vorräthe der dortigen Händler zu mustern. 
Finde ich etwas Neues oder Interessantes, so werde ich mir erlauben 
seiner Zeit darüber Bericht abzustatten. 


D. F. Wiser. 


Mittheilungen an Professor BRoNnN gerichtet. 


Bonn, 7. August 1842, 


Da mein Aufsatz über Villmar mir noch nicht abgedruckt zu- 
gekommen ist, so erlaube ich mir Ihnen noch jetzt, bevor ich über 
andre Nassaw’sche interessante Schichten Übersichten gebe (aus dem 
Wissenbacher Thonschiefer enthält z. B. meines Vaters Sammlung 58 
Arten, ausser welehen mir von dort nur noch Goniatites Dannen- 
bergi Bryr. bekannt ist und worunter die Cephalopoden sehr bedeutend 
vorherrschen u. s. w.), einige Zeilen, welche sich auf die organischen 
Einschlüsse der Villmarer Schichten beziehen, mitzutheilen. 

Zunächst habe ich in meiner Tabelle eine Strophomena (Pro- 
ductus vetustus Sow.) vom zweiten Villmarer Fundorte ausgelassen. 

Dann konnte ich durch die Güte des Hrn. Geh.-Rathes GoLpruss die 
Abbildungen, welche die nächstens im VI. Band der Geolugical Transac- 
tions zu erwartenden Abhandlung des Hrn. De Vernevin über die Rheini- 
schen älteren Schichten und ihre organischen Einschlüsse begleiten wer- 
den, einsehen und will hieraus kurz die Synonyme der Villmarer Ver- 
steinerungen angeben auf folgenden Tafeln: 

XXXII. 14. Turbo squammiferus [squamif.] Vers. —=Trochus bicoronatus Gr. 

» 15. Monodonta purpurea Vern. — Turbo (Monodonta) granosus SDe. 


710 


Pi. subelathrata Sanne. 


XXXII 17. Pleurotomaria catenulata VERN. — 

ur 1520. Obignyana Vern. —= Pl. decussata Gr. 

r 21 » Lonsdalei Vers. — Pl. catenulata Sanpe. 
Bun BB; » Defranei Verw. — Pl. quadrilineata Gr. 
XXXIU. 3. ® elegans Vers. == Pl. nodulosa Same. 

„8. »Euomphaluslaevis VERN. = Euomph. laevis Gr. (Ratingen) = 


Euomph. pentangulatus Sow. var. laevigatus SANDE. (Ratingen 
und Wilimar). 
XXXV. 4. Terebratula Voltzii Vers. — T. Wilsoni Sow. var. (häufig 
zu Villmar). rt 
XXXVI. 6. Arca Michelivi Vern. — Arca prisca Gr. 
y 8. Cardium Lyellii Vern.. — Conocardium proeumbens SANDE. 
» 9-10. ,„ Vilmareuse [Vilimar.] Vern. — Conocardium squa- 
mosum SANDB. | 
fe 14. Cypricardia elongata Vers. — Avicula lamellosa Sea 
(De Verseumr’s abgebildetes Exemplar ist mangelliafkz es fehlt daran 
der vordere Flügel der Schale.) 


GuV1D0O SANDBERGER, 


Paris, 18. Juni 1842*). 


Aus dem 1. Hefte des diessjährigen Jahrbuchs ersehe ich mit Vergnü- 


gen, dass es Hrn. Bergmeister CRrepner in Gotha gelungen ist, meine 
Ihnen in Heidelberg wmitgetheilte, und auch von ihm in seinem Aufsatze 
erwähnte Beobachtung über die bestimmte Anwesenheit der Lias-Formation 
am nördlichen Rande des Thüringer Waldes, welche er, veranlasst durch 
die von Hrn. v. Arzertı zuerst bemerkte Ähnlichkeit des Gothaer Sand- 
steins mit dem Süddeutschen Lias-Sandstein, vor einigen Jahren bereits 
(in seinem Aufsatze über die Umgegend von Gotha) für den ersten in 
Anspruch genommen hatte, ohne dass es jedoch seinen eifrig fortge- 
setzten Untersuchungen gelungen war, bestimmte Beweise für diese 
Ansicht aufzufinden, nicht allein für den Plosenberg, wo ich zuerst 
Gryphaea arcuata, wie Sie wissen, ganz ähnlich der von Bahlin- 
gen, theils lose und theils eingewachsen in einem, wenn gleich nur 
wenige Fuss mächtigen und eine höchst geringe Längen-Erstreckung 
einnehmenden auf dem dortigen (dem Sandsteine vom sSeeberge bei 
Gotha völlig ähnlichen) Sandsteine unmittelbar gelagerten, gelb und 
schwärzlich-grauen Kalkstein in grosser Menge angetroffen hatte, son- 
dern auch noch für einen zweiten Punkt, südlich von Eisenach zwischen dem 
Arns- und Reihers- Berge in der Nähe des Kohlberges zu bestätigen, 
auf dessen letzten Untersuchung bewogen durch die unbefangene nach 
der Entdeckung des Lias aber erst eigentlich Zutrauen verdienende 
Angabe Vorcr’s in seinen Reisen (Il, 100) über das dortige Vorkonımen 
von Belemniten und Asterien (indem diese beiden Versteinerungen 


*) An die Redaktion mitgetheilt von Hrn. Prof, Brum. 


Be u 


11 


in allen Zechsteinen völlig fehlen) ich Hrn. Crepner’s Aufmerksamkeit 
von Neuem zu richten mir erlaubt hatte, obgleich derselbe, wie er in 
seinem Aufsatze gesteht, anfänglich nicht ungegründete Zweifel über 
die Richtigkeit der Voıgr’schen Notitz gehabt hatte. Es gewinnt aber 
diess neu entdeckte Vorkommen des Lias in Thüringen einige Bedeutung, 
weil einerseits der Lias, gleich wie die übrigen Glieder der Jura- 
Formation in dem ganzen grossen Landstriche zwischen Kobury und 
dem nördlichen Abhange des Hurzes bisher völlig fehlte, namentlich 
aber anderseits das allmähliche Verschwinden des unteren Lias (und 
damit zugleich das des Ammonites Bucklandi) gegen das nördliche 
Ende der Süddeutschen Jura- Formation bin, worauf L. v. Buch (über 
‚den Jura in Deutschland, S. 28) zuerst hingewiesen hatte, durchaus 
mit diesem Fehlen des untern Lias in Tküringen in Übereinstimmung 
zu stehen schien. Aus dem Auffinden der Gryphaea arcuata am 
Mosenberge und zugleich aus der Mittheilung des Hrn. Crepner über 
die Anwesenheit von Ammoniten aus der Familie der Arietes im dor- 
tigen Kalke ergibt sich indessen bereits mit Bestimmtheit, dass die neu 
aufgefundenen Spuren des Lias in Nord- Thüringen wirklich noch den 
untern Gliedern der Lias - Formation angehören und dass folglich das 
dortige Auftreten der letzten in der That als eine Art von Anomalie 
in Bezug auf die allgemeinen Verhältnisse in der Konstitution des Süd- 
deutschen Jura gelten kann. Durch die von mir am Mosenberge ge- 
sammelten Ammoniten wird, wie Sie wissen, diese Thatsache vollstän- 
dig bestätigt, da Hr. Prof. Eronn jene Ammoniten sämmtlich als dem 
‚Ammonites Bucklandi zugehörig erkannte, und eben so widersprechen 
die übrigen von Hrn. Crepner angeführten Versteineruiigen des Mosen- 
berges, zu denen ich nach Hrn. Prof’s. Bronn gefälliger Bestimmung noch 
Pecten vimineus hinzufügen kaun, einem solchen Resultate keineswegs, 
Es macht zwar Hr. Creoner darauf aufmerksam, dass die in dem 
schwarzen Letten des Schlierberges in Menge vorkommende Posidonia 
Bronnii, welche man, verführt durch den in der Nähe dort in ausehn- 
licher Ausdehnung anstehenden Keuper, in Thüringen früher für die 
Posidonia minuta gehalten hatte, diese Letten-Bildung, die jetzt allein 
für Lias-Letten angesprochen werden kann, nachdem der unter ihr lie- 
gende Sandstein als Lias- Sandstein erkannt ist, eine weit nähere Bc- 
ziehung auf den Norddeutschen Lias gebe. Berücksichtigt man aber, 
dass dieselbe Posidonia auch an dem äussersten nördlichen Ende des 
Süddeutschen Jura (bei Banz) in Häufigkeit angetroffen wird und dass 
die verhältnissmäsig bedeutende Entwickelung des Sandsteins in den 
jetzigen Resten des Thüringischen Lias so ganz mit der Weise, wie 
der Lias bei Koburg auftritt, in Übereinstimmung ist, so scheint es, 
obgleich allerdings die ganze Masse des Thüringer Waldes zwischen 
Koburg einerseits und Gotha nebst Eisenach andrerseits sich befindet; 
dass die Beziehungen des T’hüringischen mit den Süddeutschen Lias 
keineswegs für unterbrochener, als die des ersten mit dem Norddeut- 


‚ schen gelten können und dass, wenn je ein Zusammenhang des 
Jahrgang 1842. 46 


712 


Thüringischen Lias mit einer grüsseren Masse derselben Formation Statt 
gefunden hat, ein solcher eben so wohl nach Süddeutschland hin, als 
nach N. hin präsumirt werden kann. 
Nächst der am Mosenderge so ausserordentlich zahlreichen Gry- 
phaea arcuata (die bier ganz in dem Charakter erscheint, wie alle Gry- 
pbäen, mit Ausnahme der in der Pariser Formation, wo sie nur spo- 
radisch vorkommen, sich finden, in einer ungeheuern Anhäufung der 
Individuen nämlich), deren Schnäbel nicht allein stets stark queer ge- 
runzelt sind, sondern auch ferner durchweg eine tiefe, bis in die Spitze 
fortgesetzte Furche zeigen, ist Pecten vimineus, dann Avicula inae- 
quivalvis und stellenweise eine gefaltete Terebratel, welche Herr 
CrepnerR für identisch mit T. subserrata Rormer hält, dort am. zahl- 
reichsten vorhanden. Univalven babe ich nicht bemerkt. Die Ammoni- 
ten sind ebenfalls nicht häufig. Ob ein etwa 2’ langer und etwa 3 
im Durchmesser haltender, von mir am Mosenberge gefundener Körper, 
den ich anfänglich für Belemnites giganteus hielt, wirklich ein 
Belemnit ist, möchte ich jetzt um so weniger behaupten, als ich mich 
von dem Mangel aller organischen Struktur und namentlich der der 
Belemniten an dem Exemplar binlänglich überzeugt habe. Mit den Eng- 
tischen Lias-Koprolithen hat indessen die Farbe, die innere Beschaffen- 
heit auf den Bruch - Flächen und die ganze Gestalt dieses Körpers viel 
Äbnlichkeit. Auch im Französischen Lias zu Alais und zu St. Loup 
bei Montpellier (Bull. de la Soc. geol. X, 64 und 118) werden solche 
zylindrische Körper angeführt, ohne dass doch die Entdecker derselben 
sie für Koprolithen anzusprechen sich für berechtigt gehalten hätten. 
Eine Vergleichung meines Exemplars vom Mosenberge mit den Fran- 
zösischen anzustellen war mir bisher unmöglich, da diese letzten im 
Augenblicke in den Pariser Sammlungen fehlen. Ausser jenen am 
Mosenberge, wie es scheint, nicht selten vorkommenden problematischen 
Zylindern (Hr. Crepner erwähnt ebenfalls eines soleben  undeutlichen 
von -dort) finden sich -daselbst zahlreiche aus dem dunkelu Kalkstein 
bestehende Kugeln von etwa 1—2'' Durchmesser, die eingeschlossenen 
organischen Individuen ibren Ursprung verdanken mögen. Beim Auf- 
schlagen einer derselben bemerkte ich nämlich darin einen Ammonit 
mit gerundetem Rücken ohne Sipho und ohne Kanal, die fast in einer 
Ebene liegenden Seitenflächen der Umgänge mit ziemlich scharfen Fal- 
ten, ohne Zweifel also einen Planulaten eingewachsen *). Fortgesetzte 
Untersuchungen werden gewiss noch eine Menge dem Lias eigenthün- 
licher Versteinerungen in den Resten desselben in Thüringen nachwei- 
sen, da theils der Kalk am Mosenberge selbst so voll von organischer 
Materie ist, dass er beim Schlagen einen starken bituminösen Geruch 
entwickelt, theils die andern dortigen Glieder des Lias, wenn auch die 
Versteinerungen viel seltener in denselben sind, nicht ganz der letzten 


+ 


*) Auch Hr. v. Hor» erwälnt in dem Liasmergel von Banz das Vorkommen der Pla- 
nulaten (Taschenbuch 129, S. 24). 


* 


713 


entbehren. So führt schon Hess in seinem Aufsätze über die Umge- 
gend von Gotha das Vorkommen eines Ammoniten und von Mya-ähnlichen 
Bivalven in dem Seeberger gelben Sandstein an (Jahrb. 1820, S. 163). 
Nicht minder ist jetzt, wo die Aufmerksamkeit auf den Lias in Thürin- 
gen geweckt worden ist, zu erwarten, dass derselbe sich noch an 
manchen andern unbeachteten Stellen in den vielen am Süd-Rande des 
Harzes in die Thüringischen Ebenen herabziehenden Tbälern vorfinden wird. 

Für die Geschichte der Ergebnisse geognostischer Untersuchungen 
ist die Kenntniss der Literatur über den Lias- Sandstein am Seeberge 
bei Gotha, die sich fast ganz in Ihrem Jahrbuche findet, nicht ohne 
Interesse, da derselbe in den verflossenen 35 Jahren fast allen in der 
jedesmaligen Epoche der Entwiekelung der Geognosie den Beobachtern 
am bereitesten zur Hand stehenden Deutungen unterworfen worden ist, 
So hatte Hr. v. Horr 1806, durch die Autorität WERNERr’s bewogen, 
seine Überzeugung von dem jüngeren Alter desselben aufgegeben und 
ihn dem Bunten Sandstein untergeordnet, welcher letzte allerdings eben- 
falls nicht weit von Gotha ansteht (Taschenbuch I, 158). 1820 schloss 
sich daher Hr. v. Horr entschieden der von Hzss ausgesprochenen An- 
sicht an (Taschenbuch 1820, S. 172), dass der Seeberger Sandstein 
nothwendig jünger, als der Bunte Sandstein seyn müsse, weil er den 
buntfarbigen Tlion der Gegend bedecke, die Thone ihrerseits aber im 
Hangenden des Muschelkalks und der den letzten begleitenden Gypse 
sich befänden. Es hat diese Untersuchung von Hzss ausser dem Gewinn, 
der von ihr zunächst für eine richtige Kenntniss der Lagerungs - Ver- 
hältnisse in Nord-Thüringen hervorging, noch einen allgemeinen histo- 
rischen Werth in der Geognosie, weil durch sie mit Bestimmtheit zuerst 
in Deutschland die Existenz einer mächtigen auf dem unterliegenden 
Muschelkalk abweichend gelagerten, also jüugern Gebirgs-Bildung nach- 
gewiesen wurde, während die Deutschen Geegnosten ihre Formations- 
Reihe damals allgemein noch mit dem Muschelkalk abschlossen und bis 
zu den entscheidenden Untersuehungen von L. v. Bvc#, v. DECcHEN und 
v. Oerysuausen in Franken und Schwaben, von BuckLınnd und BovE 
in Mittel- und Nord-Deutschland ein Vorhandenseyn jüngerer Gebirgs- 
Bildungen iiber dem Muschelkalk, ohne durch bestimmte Gründe gelei- 
tet zu werden, nur dunkel in dem Quader-Sandstein Sachsens geahnet 
hatten. Desshalb nannte auch Hess, dessen Untersuchung nicht die 
wohlverdiente Aufmerksamkeit fand, den Seeberger Sandstein noch 
Quader - Sandstein. Erst später stellte Horrmann auf seiner grossen 
geognostischen Karte West- Deutschlands (1828) den Seeberger Sand- 
stein als der Keuper-Formation angehörig dar, den Sandstein des Schlier- 
und Mosen-Berges dagegen , trotz seiner vollkommenen Identität mit dem 
ersten, als Bunten Sandstein. 1829 endlich wies Hr. v. Horr (Taschen- 
buch 1829, °S. 19) allerdings auf die Ähnlichkeit des Koburger und 
des Gothaer Sandsteines hin und äusserte zugleich die Vermuthung, 
dass der erste wohl der Lias-Sandstein der Engländer seyn könne; in- 
dessen lässt sich auf dieses Urtheil kein besonderes Gewicht legen, da 


a6 * 


714 


die in jener Zeit, als Hr. v. Horr seinen Aufsatz schrieb, in: Deutsch- 
land sehr gewöhnliche Zusammenwerfung des Englischen Lias-Sandsteins 
und des Deutschen Quader - Sandsteins, mit welchen beiden man nach 
den Bestimmungen Buckrınv’s, Bouf's und Horrmann’s schon ziemlich 
im Klaren war, beweist, dass auch Hr. v. Horr noch nicht: die neueren 
richtigen Ansichten über das verschiedene Alter der beiden erwähnten 
Gesteine angenonimen hatte. So sind es denn allerdings Hr. v. Ar- 
BERTI und Hr. CREDNER, denen wir zuerst ein bestimmtes Urtheil über 
das Alter des Nord- Thüringischen gelben Sandsteins verdanken, der 
wahrscheinlich nun, nachdem durch die -Versteinerungen des Mosen- 
und Arns-Berges die entscheidendsten Beweise für seine Stellung unter 
den Formationen der Erd - Oberfläche gewonnen worden sind, "dieselbe 
wohl auch für die Zukunft ruhig behalten wird. x 

Hr. Creoner erklärt die Existenz des Lias-Sandsteins bei Gotha aus 
seiner Zusammensetzung und.aus seinen Kohärenz-Verhältnissen, die es 
ihm möglich gemacht hätten, bei der Thal-Bildung in jenem Theile von 
Thüringen sich zu erhalten, während die: viel weicheren übrigen Glie- 
der des Lias, der Lias-Kalk und der Lias-Letten der Zerstörung unter- 
lagen. Es ist diese Ausicht, deren Naturgemäsheit Jedem vollkommen 
einleuchten wird, der die erste zwischen Gotha und Arnstadt hoch 
über dem Keuper der Ebene an ihrem Fusse emporragende Hügel-Reihe, 
auf deren Gipfel überall der Lias-Sandstein gelagert ist, kennt, eben so 
wie die zweite aus dem Mosen-, Eichel- und Schlier-Berge bestebende, 
welche ebenfalls aus einer Keuper- Ebene, der von Kreuizburg und 
Eisenach, emporsteigt und deren höchste Punkte nicht minder durch 
den Liassandstein gebildet werden, in vollkommener Übereinstimmung 
mit der Weise, wie an einigen andern Punkten Deutschlands die Ge- 
staltung der Oberfläche des Bodens zu erklären ist. Untersucht man 
nämlich die Masse des Lias-Sandsteines am Mosenberge, so ergibt sich, 
dass dieselbe fast allein aus krystallinischen, im Sonnenscheine mit dem 
lebhaftesten Glas-Glanze spiegeluden Quarz-Partikeln fast ohne Binde- 
mitlel zusammengesetzt ist. Genau dieselbe Beschaffenheit zeigt der 
Lias-Sandstein zwischen Gotha und Arnstadt, und es wird bei einer 
‚solchen einleuchtend, dass dadurch das Gestein besonders befähigt 
wurde, der Einwirkung zerstörender Einflüsse zu widerstehen, welcher 
der weiche Keuper am Fusse des Thüringer Waldes erlag, so. dass. 
der letzte mit seiner Haupt-Masse jetzt nur noch die Oberfläche einer 
tiefen Ebene bildet, während er umgekehrt da, wo er geschützt durch 
den harten, unmittelbar ihn bedeckenden Lias-Sandstein sich erhalten 
konnte, wie an dem Seeberge und den übrigen Höhen zwischen Gotha 
und Arnstadt, nach Hrn. Creoner noch ein um 200° höheres Niveau 
als in der unmittelbar anstossenden Ebene erreicht. Sieht man aber 
ferner, wie der kleine von Hrn. Creoser beschriebene Rest von Lias 
zwischen dem Arns- und dem Reihers-Berge gleichsam in einer Schlucht 
verborgen liegt, wie in ähnlicher Weise der sehr zerstörbare Liaskalk 
des Mosenberges am westlichen Gehänge des letzten gleichfalls in 


‘ 


715 


einem Thale geschützt sich befindet, das von der einen Seite durch eimen 
ansehnlichen, längs der Werra hiuziehenden Höhen Zug von Muschel- 
kalk,'von der anderen durch die Kette des Mosen-, Eichel- und Schlier- 
Berges gebildet wird, vergleicht man damit selbst die Stellung des 
Lias-Sandsteins am Fusse des hoch denselben überragenden Thüringer 
Waldes, so ergibt sich, dass nächst den Kohärenz - Verhältnissen des 
Gesteins auch der Schutz, den die Lokalität sämmtlichen Resten der 
Lias - Formation in den Thälern bei Gotha und Eisenach gewährte, es 
war, welche die heute noch fortdauernde Existenz derselben bedingte, 
ganz ähnlich, wie in grösserem Maasstabe -der Kranz von Zechstein, 
welcher den östlichen und südwestlichen Rand des Hurzes, den west- 
lichen und südlichen Fuss des Thüringer Waldes, endlich den südwest- 
lichen Rand des Vogelsgebirges bei Büdingen und Hanau umzieht, 
seine Erhaltung allein dem schützenden Einflusse seiner benachbarten 
Gebirgs - Massen verdankt. Es ist diess ein Verhältniss, welches mit 
der Erhaltung von Schnee - Massen im Frühlinge in Schluchten und 
Berg-Abhängen einigermaasen sich vergleichen lässt und durch welches 
ebenfalls die Erhaltung der in den Thälern und an den Berg- Wänden 
bei Töplitz jetzt isolirt vorkommenden Pläner-Ablagerungen, wie ich früher 
nachzuweisen gesucht habe, mir veranlasst scheint”). Die abweichende 
Lagerung des Lias iu Thüringen beweist nämlich, dass, wenn eine 
Veränderung in der Lage der Muschelkalk-Schichten, eine Aufrichtung 
derselben nördlich von Eisenach Statt gefunden hat, wofür allerdings 
die fast senkrechte Stellung derselben in einer mit der Längen-Axe der 
dortigen Muschelkalk -Höhen (Michelsberg, Galgenberg) vollkommen 
übereinstimmenden Streichungs -Linie spricht, dass der Lias von einer 
solchen nicht mit betroffen worden ist und dass sein Erscheinen an 
der Erd-Oberfläche wenigstens nicht durch diejenige Hebung veranlasst 
ist, welcher man die Bildung des Thüringer Wald-Gebirges zuzuschrei- 
ben geneigt ist. Sieht man aber ferner die abweichende Lagerung des 
Lias bei Bisenach gerade als eine wesentliche Bestätigung für jene 
Ansicht an, nach der eine Emporhebung der Masse des Thüringer Ge- 
birges zwar vor der Ablagerung des Lias, aber nach der des Muschel- 
kalks oder des Keupers Statt gefunden habe, so lässt sich in der That 
nicht begreifen, warum das ganz in der Nähe des Muschelkalks bei 
Eisenach liegende Rothe Todtliegende, dessen sehr deutliche Schichtung 
weder im Streichen uoch im Fallen mit der des Muschelkalks überein- 
stimmt, nicht ebenfalls von der Hebung des Muschelkalks betroffen 
worden seye, da bei seiner Stellung unter dem Muschelkalk zu erwarten 
wäre, dass es weit mehr als dieser den Einfluss der beide Formationen 
gleichzeitig hebenden Kräfte zeige. Dafür ergibt aber das Todtliegende 


*) Auf ähnliche Weise schreibt BoerLaye die Erhaltung isolirter Grünsand-Abhlage- 
rungen an dem Abhange des zum Theil aus Porphyr bestehenden Bergwaldes von 
Ecowves bei Alengon dem schützenden Einflusse des letztren zu. (Bull. de la 
soc. geol. de France. XIII, 357.) 


716 


in der Umgegend von Zisenach, wie es scheint, nirgends ‚eine ent- 
schiedene Bestätigung. 
Von welchem wesentlichen Einflusse die Kobärenz- Verhältnisse. er 
Gesteins einer Gegend auf die Öberflächen-Bildung derselben sind, da- 
von finden. sich namentlich in dem Innern von Böhmen einige nicht 
unwichtige Beispiele, die ich hier anzuführen mir erlauben will, weil 
ungeachtet der Bequemlichkeit, welche die Emporhebungs - Theorie und 
der Metamorphismus den neuern Geognosten für die Erklärung ‚der 
Niveau-Differenzen auf der Erd-Oberfläche darbietet, Sie. häufig bemerkt 
haben werden, dass beide Theorie’n nicht immer anwendbar .:sind und 
dass die Gültigkeit der Ansichten der älteren Beobachter mit Unrecht 
viel zu sehr.in den Hintergrund gedrängt wird, wenn gleich auch von 
der andern Seite nicht geläugnet werden. kann, dass diesen,älteren. An- 
sichten ebkemals eine viel zu ausgedehnte Wichtigkeit eingeräumt wurde. 
Untersucht. man nämlich den südlichen Theil des Pilsener, den nörd- 
lichen Theil des Prachiner und des Klattauer Kreises, welche sämmt- 
lich durch Übergangs-Gebirge gebildet werden, so ergibt sich .als That- 
sache, dass, so wie in der Ebene der weiche Thonschiefer überall als 
die Haupt-Masse des Bodens erscheint, umgekehrt schwarzer Verstei- 
nerungs - loser, ungeschichteter Kieselschiefer die Höhen konstituirt. 
Nun ist es bisher, so viel mir.bekannt, noch Niemanden eingefallen, 
den Kieselschiefer trotz seiner Versteinerungslosigkeit und seines, wo 
er in grösseren Massen auftritt, ungeschichteten Wesens für ein pyri- 
sches Produkt anzusprechen. Das Vorhandenseyn regelmäsig dem Thon- 
schiefer mit gleichem Streichen und Fallen eingelagerter Schichten 
genau desselben Kieselschiefers, wie es auf das Entscheidendste so 
häufig in der Nähe jener Berg-Massen in Böhmen und auch in andern 
Deutschen Übergangs-Gebirgen zu beobachten ist, würde sofort die 
Annahme eines abnormen Ursprungs des Kieselschiefers auf das Ent- 
schiedenste widerlegen. Ist man also durch die Natur der Lagerungs- 
Verhältnisse genötbigt, die in den erwähnten Theilen vor Böhmen die 
Höhen desselben bildenden Massen des Kieselschiefers für derselben 
Bildungs - Epoche angehörend zu erkennen, welcher die in der Ebene 
auftretenden Schichten des Kieselschiefers, eben so wie des Thonschie- 
fers ihren Ursprung verdanken, so folgt unmittelbar daraus, dass die 
jetzigen Kieselschiefer-Berge für nichts weiter, als für regellos gestal- 
tete, in dem Übergangs-Gebirge einst eingeschlossen gewesene Masseu 
gelten können, deren Umgebung von dem früheren Niveau bis auf das 
jetzige herab (ähnlich wie der Keuper bei Gotha) verniehtet wurde, so 
dass nun diese ausgeschälten Kieselschiefer-Kerne als Marksteine des 
früheren Niveau’s des Transitions-Gebirges sich darbieten, Ein solches 
Verhältniss findet seine Bestätigung auch in andren Theilen von Böhmen, 
z. B. im westlichen Theile des Berauner und im östlichen des Pilsener 
Kreises. Sichtbar ist es, dass hier, wo entweder ebenfalls Kieselschiefer das 
Gestein der Höhen bildet (Schlossberg bei Zbirow, Horzelice zwischen 
Prag und Beraun, Hüttenwerk Franzensthal, die Höhen zwischen Zbiruw 


717 


und Syva, von Aublitz, Swata und Hublitz bei Joachimsthal in der 
Nähe der rothen, einen waldigen Höhenzug bei Ozastonitz, Robschitz, 
Branow, Carlsdorf, Rostock an der Beraun, Pürglitz gegenüber, zu- 
sammensetzenden Feldspath - Porphyre) oder ein zum Theil blendend 
weisser, aus reinen krystallinischen Quarz-Partikeln bestehender , fester, 
versteinerungsloser der Übergangs-Gebirgsformation angehörender Sand- 
stein an vielen Punkten auf dem Gipfel der Höhen auftritt, z. B. am 
Welisberge bei Kublow, auf den waldigen Höhen westlich von Syra, am 
hohen Lisch, am Kossow-Berge bei Karlshütte, am Hohen Matsch bei 
Brzezina, am Pleschiwetz *), dass die reichliche Anhäufung der Kiesel- 
erde eine stellenweis grössre Festigkeit des Gesteins und dadurch die 
jetzige Konfiguration der Oberfläche des Übergangs-Gebirges bedingte **). 
Lehrt ferner die Beobachtung, dass die grosse Zahl der Hypersthen- 
Felsmassen, welche im mittlen und östlichen Theile des Berauner Kreises 
nebst den Eisenstein-Lagern vorzugsweise da aufzutreten anfangen, wo 
die Quarz- und Kieselschiefer-Massen des westlichen Theils des Böhmi- 
schen Übergangs-Gebirges verschwinden, wogegen in der Nähe der Hy- 
persthen-Felsen die bekannten Versteinerung-führenden Kalk-Lagen er- 
scheinen, für ähnlich den Kieselschiefer-Massen zu halten sind, indem 
in der That ganz in der Nähe solcher grossen Berg-Massen dasselbe 
Hypersthen-Gestein in Schichten erscheint,- welehe auf das Begelmäsigste 
in der Schichten-Folge der Grauwacke oder dem Übergangs-Kalksteine 
mit gleichem Streichen und Fallen eingelagert sind (südlich von Pray 
z. B. zwischen Korne und Liten, wo regelmässig wiederholte Lager- 
artige Wechsel von Hypersthen-Fels und Schiefer St. hora 5, 6, F. 40—44° 


*) Die Stellung des weissen Sandsteins in Buhmen auf den Berg-Gipfeln in ziemlich 
horizontalen oder mindestens sehr wenig geneigten Schichten stinnmt ganz mit der 
Weise, wie Durkenoxv das Vorkommen des weissen krystallinischen Sandsteins auf 
den Berggipfeln des Transitions-Gebirges in mehren Departements der Ärelagne, 
früher auch sehon BRon&GSIAaRT in Contentin (1812), de Caxwmont inder Normandie 
(Mem. de la soc. Linneenne du Cot. 5.262) beobachteten und erklärten; überhaupt 
scheint jener Bohmische Sandstein mit dem-untren Quarzsandsteine Damozts in 
Belgien, mit den Quarzsandsteinen in der Normandie und Bretagne, welche ihrer- 
seits mit den Caradock Rocks übereinstimmen, identisch zu seyn. Das häufige 
Vorkommen von Graptolithen in Thonschiefer bei Prag, z. B. bei Motol in grosser 
Menge und bei Beraun oft in der nächsten Nähe der dichten Grünsteine, lässt ver- 
muthen. dass ein Theil des Röhmischen Thonschiefers ebenfalls silurisch ist, un 
so mehr, da unterhalb Zibemischel an der Litawka der horizontale Schiefer mit 
den weissen Sandstein-Schichten wechselt. 

**) In ganz ähnlicher Weise bildete der Coral Rag nach BoBLavYE zwischen Caez und 
Alengon wegen seiner schwereren Zerstörbarkeit einst eine Klippen-Reihe, als das 
Meer die weicheren angrenzenden tiefer liegenden Bildungen des Oxford-Thons von 
Dives, des Cornhraslı, des Bradford Clay und Forest marble zum Theil zerstörte; 
die verschiedenen Kohärenz-Verhältnisse des Coral Rag und der letzt genannten 
Gebilde sind zugleich die Veranlassung, dass der später auf der Oberfläche der 
Jura-Formation in der nördlichen Normandie und bei Alengon abgelagerte Grün- 
sand auf dem festen Coral Rag noch eiue Höhe von 310 Metres, auf dem weicheren 
Oxford und Bradford Clay dagegen nur von 330—210 Metres erreicht. (Bull. de la 
soc. geol, de Erunce FIN, 352), 


718 


zu beobachten sind) zu Vonvklus , .dann-an mehren Stellen unterhalb 
Butowitz und namentlich in einem Thale ebenfalls dort bei Neudorf 
gerade über der Stelle, wo der Weg aus dem Thale nach Holin hinauf- 
führt; an letztrem Punkte wechselt. Hypersthen-Fels in regelmäsigen 
Bänken wiederholt mit ‚schiefriger Grauwacke; die Schichten scheiden 
scharf gegen einander ab, fallen nach SO. mit 30° und streichen hor. 3”), 
so darf auch für den Hypersthen- -Fels, ähnlich wie für den Kieselschiefer 
die Ansicht geltend gemacht werden, dass durch seine eigenthümliche 
krystallinische Struktur und durch seine massenweise Anhäufung wäh- 
rend der -Bildungs-Epoche des Transitions-Gebirges die jetzige Empor- 
‚ragung desselben als Berg-Masse über dem Niveau des umgebenden 
Thonschiefers und Kalksteins begründet ist. Auch VoıgT sprach in Bezug 
auf den Thüringischen Trapp-Porphyr seine Überzeugung dahin: aus, 
dass derselbe wesentlich der Beschaffenheit und den Kohärenz-Verhält- 
nissen seiner Gemengtheile die Möglichkeit seines jetzigen Auftretens 
als Bergmasse verdanke ""). 


*%) Dergleichen Wechsel von Thonschiefer und Hypersthenfels erscheinen auch am 
linken Beraun-Ufer von Tettin gegenüber bis zu einer Schäferei; bei Baborin 
scheinen, so weit sich bei der Zerklüftung der Schiefer urtheilen lässt, letzte mit 
dem Grünstein gleichförmig zu streichen; bei Zditz erkennt man, dass der dichte ! 
Hypersthenfels die Streichungs-Linie des Schiefers gar nicht verändert. 

**) Für den Schlesischen Porphyr hat v. Carnarı das kuppenförmige Auftreten des- 
selben als veranlasst durch die grössre Festigkeit des Gesteins behauptet; bei 
Eisenach bildet der poröse krystallinische Zechstein-Dolomit von ziemlicher Festigkeit 
und im Allgemeinen sehr undeutlicher oder gar keiner Schichtung die höhern Punkte 
der Zechstein-Formation, während die deutlich geschichteten Lagen der andren 
viel weicheren Glieder der Zechstein-Formation, namentlich die sehr weichen bi- 
tuminösen Letten derselben, weit tiefer vorkommen. Bei Paris ist man sicher, dass 
fast jede Höhe, die sich über das Niveau der dortigen Tertiär-Formation erhebt, 
entweder im Innern einen von dem massenweise auftreienden, zwar sehr deutlich 
geschichteten, zugleich aber wenig durch den Einfluss der Atmosphärilien leidenden 
sehr krystallinischen Gyps gebildeten Kern oder äusserlich eine Decke auf dem 
Gipfel besitzt, die aus einem festen, fast durchweg horizontal geschichteten, fast 
ganz aus einem Quarz bestehenden tertiären Sandsteine gebildet ist, welcher letzte 
sichtbar chemischen Ursprungs theils der untersten Bildung der Tertiär-Formation 
(Picardie, Artois, Flandern), theils der mittlen (@res de Reauchamp auf dem rechten 
Seine- und Murne-Ufer), zum Theil auch der obreu (Gres de Fontainebleau) an- 
gehört, zuweilen aber auch von quarzigen Süsswasser-Meulieren oder endlich auch 
aus einem jener Sandsteine und den Meulieren gemeinschaftlich (Montmartre) 
konstituirt wird (w’Arcnuıac Bull, de la soc. geol. de Frunce IX, 181, 199). Es 
lassen sich nämlich die festen Sandstein-Decken auf den Höhen des tertiären Beckens 
bei Paris, namentlich in dessen östlichem Theile überall von Moatmirail im S. 
bis in die ehemalige Picardie, nach Hamm nördlich zu, dann von Paris bis Sois- 
sons und Laon östlich verfolgen. Sie liefern für diesen Theil von Frankreich 
fast das einzige brauchbare Material zum Strassen-Baue. — Wie sehr überhaupt 
die qualitativen Verhältnisse und das stockwerkförmige Auftreten des Gypses den- 
selben befähigt seine Integrität zu behaupten, beweisen die im tertiären Sande 
der Baltischen Ebene sporadisch vorhandenen Gyps-Massen in Holstein, Mecklen- 
burg, zu Sperenberg in der Mark Brandenburg , endlich zu Inowraclaw und zu 
Srebnagora bei Exin im Grossherzogthum Posen auf das Genügendste. In Bezug 
auf die beiden letzt-genannten Punkte scheint die hohe Lage derselben am Rande 
der Cmyuvischen Ebene, die Anwesenheit von entschiedenen Salz-Pflanzeu in der 


719 


ganzen Umgegend zugleich mit dem bestiminten, wenn gleich schwachen Salz-Gehalt 
aller dortigen Quellen bis auf das rechte Ufer der Weichsel hin (Saline von Solec 
im Königreich Polen), der schon sehr früh die Aufmerksamkeit der ehemaligen 
Polnischen Regierung ebenso wie später der Preussischen auf sich gezogen hatte, 
durch welche letzte im Jahre 1792 Ur. v. HumeoLor mit der Untersuchung die- 
ser Salz-Spuren (eine seiner frühesten wissenschaftlichen Arbeiten ) beauftragt 
wurde, endlich der ungemein: starke Gehalt an Chlorsalzen in dem Brunnen- 
Wasser des, wie man zufällig vor einigen Jahren entdeckt hat, auf krystallinischem 
sehr reinen festen Gyps_ stehenden Städtehens Inowraclaw, alle diese Verhältnisse, 
die sich überall da, wo der Gyps auftritt, in der Baltischen Ebene wiederholen, 
scheinen zusammengenommen einerseits dafür zu sprechen, dass der Gyps zwischen 
Exin und Inowraclaw, wie bei Paris, den Kern des dortigen Hügellandes bildet, 
anderseits, dass an vielen Stellen in Cujavien, namentlich an solchen, wo schwefel- 
saurer Kalk und Chlorealecium in dem Wasser reichlich sich findet, auch ein be- 
deutender Chlornatrium-Gehalt denselben, wie den ähnlichen Punkten in der Bal- 
tischen jüngern Tertiär-Bildung nicht fremd seyn mag, der vielleicht in bedeu- 
tender Tiefe bis zu der Bildung von Steinsalz-Lagern sich steigert. Während den 
älteren Gyps-Bildungen in der Tertiär-Formation , wie z. B. bei Paris ein solcher 
Chlornatrium-Gehalt gänzlich fehlt, begleiten in den jüngern Gliedern eben der- 
selben Formation in Calabrien, Sizilien, Algerien, in den Ländern zwischen den 
Carpathen und der Donau und wohl auch in dmerika Gyps und Steinsalz stets 
einander. 


F, E. GumpreEcHTt. 


Neue Literatur. 


A, Bücher. 
1842. 


B. Corra: Anleitung zum Studium der Geognosie und Geologie u. s. w. 
[vgl. Jahrb, 1841, 371] IV. [und letztes] Heft: Lithurgik und Boden- 
Kunde, S. 467—584 und 1—xx. 

C. Fromuerz: Geognostische Beobachtungen über die Diluvial-Gebilde 

des Schwarzwaldes, oder über die Geröll-Ablagerungen in diesem 
Gebirge, welche den jüngsten vorgeschichtlichen Zeiträumen ange- 
hören, (444 SS.) 8° mit 1 Karte der urweltlichen See’n des Be 
waldes, Freiburg. 

Sowergy: Mineral-Konchologie u. s. w. [vgl. S. 319], deutsch von Desor, 
durchgesehen von L, Acassız, IXeLief. [S. 153—306, Taf. 158—178] 
[3. Rthlr.] 


B. Zeitschriften. 


Bulletin de la Societe des Naturalistes de Moscou, 8°. 
1840; no. 1—4, S. 1—540, Tf. ı1—ıx. 

G. Fıscuer De Warpeeim: Notiz über einige fossile Pflanzen Russlands 
[>> Jahrb. 1842, 484], S. 234— 240. 

F. Wansenueim von QuaLen: Geognostische Beiträge zur Kenntniss des 
westlichen Urals u. s. w. [Jahrb, 1842, 478], S. 391—430. 

Notiz über: EıcnwarLn Ze monde primitif de la Russie etc. S. 473—488. 

G. Fıscher v. Warpeem: Bestimmung der von Quazen eingesandten 
Versteinerungen [Jahrb. 1842, 483], S. 488 —495. 


1841; no. 1—4, S. 1—928, Tf. 1—xı. 


G. BrozvE: Geognostische Beschreibung des Gouvernemenis Charkow 
[Jabrb. 1842, 246] S. 34—108. 


721 


G. Fısener v. Waunpnem: über den Rhophalodon [> dehnb. 1842, 494] 
S. 460—464, 

— — Notiz über den Beryx dinolepidotus, einem fossilen Fisch 
der weissen Kreide des Gouvts, Voroneje S. 465—466, Taf. var. 

RB. Hermann: über den Ural-Orthit, ein neues Mineral, S. 544—549, 

Hvor: Brief über den Bohrbrunnen von Grenelle S. 550—558. 

J. H. Brasıus und A. Gr. Kryseruins: Notiz über Verbreitung geogno- 
stischer Formationen im Huropäischen Russland, S. 371—900, 1 Taf. 

B. I. Murcuison: Geologische Beobachtungen über Russland [= Jahrb. 
1842, 91 iF.], S. 901—909. 


1842; no. 1. S. 1—220, Tf. ı. 


G. Fıscner v. Warpkeim: Übersicht der Versteinerungen des Gouvts. 
Moskau, S. 106—123, Tf. 1. 

R. Hermann: Untersuchung einer kürzlich in Moskau entdeckten Mine- 
ral-Quelle, S. 193— 203. 


Comptes rendus hebdomadaires des seances de Vacademie 
des sciences, par MM. les Secretaires perpetluels, 
Puris 4°, [vgl. Jahrb, 1842, S. 597.] 


1842; Fevr. 23—Mai 2, no. 9-18, XIV, 323—670, 


Durkenoy (u. A.): Kommissions-Bericht über A. PaıtLLerte’s „historische 
und geologische Studien über die Metall-Lagerstätten in Calabrien 
und Nord-Sizilien“, S. 323—328, 

Comses: Thermal-Wasser von Hamam-escoutin in en S. 334—336. 

Dr Casternau: Trilobiten-Füsse, S. 444—345. 

CnazarLon: Auszug aus seiner Abhandlung über die Gezeiten an den 
Französischen Küsten und besonders über die Gesetze, wornach das 
Meer während derselben steigt und sinkt, S. 368—370. 

Dumas: Mittheilungen über die Zusammensetzung der Luft, S. 379—382. 

Boussincaurt: über Wärmestrahlung des Schnee’s, S. 405—406. [S. 478.] 

Forses: Ergebnisse der 1837—1840 ın Edinburgh angestellten Beobach- 
tungen über das Fortschreiten der atmosphärischen Temperatur- 
Veränderungen ins Innere des Bodens, S. 410—4l1l. 

Desor: Schliff-Flächen u. Bauch-Gestalten in Alpen-Thälern, S. 412—416. 

DE Corzesno: Tertiär-Gebirge Toskana’s (Kommiss.-Ber.) S. 477—478. 

Pıssıs: Lagerung und Ausbeutung des Goldes in Brasilien, Ausz., 8. 
479—481. 

Jur. Irrer: Neocomien-Formation im Jura, Ausz, S. 514—516. 

D’OrsıehyY: Allgemeine Betrachtungen über das grosse Tertiär-System 
der Pampas, Ausz., 8. 516—517. 

Jur. Deswovers: Knochen-Höhlen und -Breecien um Paris, S. 522—528 

Bouz£r: Spuren alter Gletscher in den Pyrenäen, S. 528. 

Domzvko: 1) Silber-Erze Ohili’s und deren Behandlung; 2) Silber- 


722 


 amalgam-Gruben von Argueros in Chils, neue Mineral-Art und Ame- 
rikanische Behandlungs-Weise, S. 560—568. 

Rozer: vulkanische Erscheinungen der Auvergne Ausz., S. 582—584. 

E. Rosert: geologisch-metallurgische Untersuchungen über das Eisen- 
hydroxyd-Erz, besonders das Pisolith-Eisen, und über eine merk- 
würdige Alagerung von Mangan-Deutoxydhydrat, zu Meudon, S. 581 
(vgl. S. 664). 

J. pe Marsos: Diluvial-Ablagerungen im Vivarais, S. 589—591. . 

A. v’Orsıcny: über die Cephalopoden der Kreide-Gebirge, S. 607—608. 

De Casternav: über die geologischen Umwälzungen in den Zentral- 
Theilen Nurd-Amerika’s, S. 610—613. 


16 Jamzson’s Edinburgh new Pilosophical Journal, Edinb. 8° 
[vgl. Jahrb. 1840, 592] enthält an hieher gehörigen Aufsätzen in 


1840 ; Juli, Okt.; No, 57, 58, XXIX, ı, ı, S. 1—432. 


Fa. Mous: Übersicht der wichtigsten geognostischen Erscheinungen, mit 
welchen man bei bergmäunischen Versuchs-Arbeiten bekannt seyn 
muss, S. 1—22. 

H. v. Meyer: fossiler Vogel [<< Jahrb. 1839, 683], S. 27—28. 

Knörrer: über den Zirknitzer See [<{ Zeitschr. f. Phys.], S. 72—74. 

Necker: einige seltene Schottische Mineralien, S. 75—77. 

ALAN STEPHENSON: über gehobenen Strand, S. 74—75. 

Niveau-Unterschied zwischen dem Mittel- und Todten-Meere |Pocsenv. 
Annal. u. A.] S. 96—101. 


J. B. Jukes: über die Geologie von Neu-Foundland, S. 103—111. 

E. Bıor: Erdbeben in China, S. 139—144. 

Ergebnisse der letzten Russischen Untersuchuugen über d. Niveau-Unter- 
schied zw. dem Schwarzen und Kaspischen Meere, S. 144—147. 

W. D. Conveeare: ausserordentlicher Erdfall und grosse Bewegungen 
auf der Küste von Culverhole Point bei Axmouth, S. 160—164. 

Bravaıs: Linie des alten Seespiegels in Finnmark, S. 164—166. 


Miszellen: Acassız’s Wanderung nach den Schweitzer Gletschern, S. 
184 [<{ Jahrb.]; Ursprung der Gletscher-Spalten, S. 185; SEFSTRöM’S 
Nachforschungen, S. 185 [<{ Jahrb.]; Russesser geologische Kon- 
stitution von NO.-Afrika, S. 186 [<{ Jahrb.]; Wrangert: Verthei- 
lung des Mammuths in Sibirien, S. 186; Dysodolitb, S. 187; Pihlit, 
S. 187 [<{ Jahrb.]; Rose: Pyrrhit, S. 187. 


J. D. Forzges: über die Temperatur-Abnahme nach der Höhe der Atmo- 
sphäre in verschiedenen Jahreszeiten, S. 205—214. 

Neweorp: Beryli-Gruben zu Paddioor und geognostische Lagerung dieses 
Edelsteines in Coimbatoor im südlichen Indien, S. 241—245. 

W. Wurwert: Beziehungen zwischen Tradition und Palätiologie, S. 
258— 274. 


723 


B. Stuper: einige Erscheinungen der Diluvial-Epoche [|< Bull. geol.), 
S. 274—279. 

Renoir: die einstigen Gletscher auf d. Südseite der Voygesen, S. 280— 296. 

B. Struver: Ursprung des Granites und Anwendung der Hurrow’schen 
Theorie auf den jetzigen Zustand der Geologie [<“ Jahrb. 1840, 346]. 

G. Bıscuor: Physikalische und chemische Untersuchung von drei entzünd- 
lichen Gas- Arten die sich in den Kohlen-Gruben entwickeln, S.309— 334. 

J. Macaurar: Physikalische Geographie, Geologie und Klima von Madeira 
S. 336—376. 

Miszellen: Russeeger: Serapis-Tempel [< Jahrb.], S. 414; TeeveLvan 
Lebende Balanen ausser dem Meere, S. 414; Höhe der Fluth im 
Mittelmeere, S. 414; Hydrargillit [Poceenp. Annal.] S. 415; Barsowit, 
S. 416; Sonnenstein in Sibirien, S. 416; Blei-haltiger Arragonit, 
S. 416; Tachylit, S. 416; Bucklandit oder schwarzer Epidot, S. 417; 

 Chrysoberyli des Ural, S. 417; starke Strontianiten-Gänge in West- 

phalen, S. 417; Euxenit, S. 417; Gediegen Gold in Sutherlandslire, 

S. 418; Tschewkinit, S.418; Urotantalit, S. 418; Perowskit, S. 418. 

1841; Jan., Apr., no. 59—60; XXX, ı, u; S. 1—432; TFf. ı, ı1. 
INo. 59 ist uns bis jetzt nicht zugekommen.]. 

Notiz über pe za Foss’z Abhandlung über Krystallographie, S. 280—284. 

-C. Martins: Beobachtungen über die Gletscher Spitzbergens in Vergleich 
zu jenen in der Schweitz und in Norwegen, übersetzt [> Jahrb. 
1842, 354], S. 284—297. 

EHrRENBERG : Form unkrystallinischer Mineral-Substanzen, wie der Augen- 
und Brillen-Steine u, s. w. [ Jahrb. 1840, 679], S. 353—360. 

— — Lebende Repräsentanten mikroskopischer Kreide-Thierchen und 
Infusorien aus Mexiko und Peru; mikroskopische Tbiere der Nordsee 
(Jahrb. a. m. O.), S. 396— 403. 

Miszellen: BuckLanp: Wirkung kleiner Thierchen bei Bildung der Kalk- 
steine, S, 441; Kilbrickenit, S. 444; Zusammensetzung des Pyrops 
S, 445; Metaxytherium, S. 445—448. 


1841; Juli, Okt.; No. 61, 62; XXXS, ı, ı1, p. 1—444, 


J. Brick : einige Erscheinungen in Verbindung mit dem antediluvischen 
Gefrieren des Wassers in Zwischenräumen der Gesteine, S. 38—50. 

Veren: Eisberge und geologische Meinungen, S. 56—61. 

G. Forcuuammer: die Dünen Dänemarks (Jahrb. 1841, 1 ff.) S. 61—77. 

Renoir: Spuren alter Gletscher in den Thälern von Dauphine und jene, 
welche sich aus einigen Beobachtungen Rozerr’s für Nord-Russland 
zu ergeben scheinen, übersetzt, S. 79—92. 

D. Mırre: Erdstösse in Grossbritanien und besonders in Schottland und 
über deren wabhrscheinliche Ursache, S. 92—122 und 259--309. 
Braconsor: organische Materie in Urgesteinen |Jahrb. 1839, 105] S. 122. 
Ar. Bronensart: Verwandelung des Feldspathes der Urgesteine in Por- 

zellanthon [Jahrb. 1839, 324 u. a.] S. 123—125. 


724 


BoussincauLt: Zusammensetzung der Luft in den: Poren 'des Sehne! s, 
S. 125—129. ar 
R. I. Murcnıson und DE Verneum: geologische Struktur der nördlichen 
und mitteln Gegenden des Europäischen Russlands kbahiah, 1841, 
191, 1842], S. 129-140. 
WALFERDIN: Artesischer Brunnen von Grenelie [Jahrb. 1841, 604, 810). 
S. 140— 141. 
J. Rosıson: geologischer Durchschnitt seines Bohrlorhes, nebst Erläu- 
terungen, S. 141—144. 
Eırı EnniskıuL.ens und Pu. Gr, Eckrrton’s Sammlung fossiler Fische 
S. 144—149. 
J. E. Bowman: Fossile Stämme im Durchschnitt der Boltoner Eisen- 
bahn zu Diüron Foid bei Manchester und Folgerungen, S. 154—165. 
“2... Tabellarische Übersicht einer Anordnung der Mineralien nach 
physikalischen und chemischen Merkmalen, S. 174—182 und 357—370, 
Miszellen: Freiwillige Entbindung'geschwefelten Wasserstoffgases aus 
‚; den Wassern der Westküste Afrika’s u. a., S. 183—186; Oberfläche 
der Erdkugel [Jahıb. 7841, 275], S. 188; Spuren einst höheren 
Meeres-Standes auf Mauritius [Jahrb. 1841, 275], S. 190; Kröpen: 
Sinken der Dalmatischen Küste, S. 191; P, Parker: vulkanischer 
Aschen-Fall auf dem Meere, S. 192; Lusp: Menschen-Knoehen von 
hohem geologischem Alter [Jahrb. 7841, 606], S. 192; Woop: Wärme- 
Quellen am Ozxus, und Grasn: solche in Griechenland, S. 194. 
Fr. Horrmann: Skizze der geologischen Forschungen und Schriften des 
Barons L. v. Buch, S. 205— 231. 
A. Conser: chemische Zusammensetzung des Sillimanits, S. 232—236. 
Sıau: Thätigkeit der Wogen in der Tiefe, S. 245—247 [Jahrb. 1841, 604]. 
E. Rosert: Bericht über die Sammlungen und geologischen Beobach- 
tungen während der französischen Nord-Expedition in den Jahren 
1838 —1839, S. 247—253. 
BönrLisex : die wichtigsten Spuren, welche die letzte grosse Revolution 
‚in den Gebirgs-Gegenden Skandinäviens hinterlassen hat, S. 243—255. 
-Forges’ und Asassız’s [? Agassız’s und Forzes’] Ersteigung der Jung- 
frau, S. 376-378. ” 
Miszellen: Sepewick Galvanısmus und Polarität in Verbindung mit 
Entstehung und Struktur der Felsarten, S. 425. — Ders. über artesi- 
sche Brunnen, S. 426. — p’Omarıvus: die Mineral-Schichten von Con- 


dros, S. 326. — Crausen: Lagerstätte des Diamants, S. 427. — 
Bucktann: Dartmoor-Granit als Baumaterial, S. 429. — Sodanitrat- 
Brüche in Peru; wasserfreies Soda-Sulphat, S. 431. — Hausmann: 


Anthosiderit, S. 432, — Kersten: Vanadium in Kupferschiefer, S. 432. 


MB. SıLLıman: the American Journal of Science and Arts, 
New Haven 8° (vgl. Jahrb. 1842, 322); enthält in: 


1842; Jan., April; XLII, 1, 2, p. 1—468, pl. ı=v. 
J. Hırr: Noten über die Geologie der westlichen Staaten, S. 51—63. 
J. W. Baier: Skizze der Infusorien u. s. w. (Fortsetz.), S. 88—105, 2 pll. 


725 


W. C. Beorierv: der Sturm am 5. Dez. 1839, S. 112—120. 

H. C. Perkins: fossile Knochen vom Oregon-Territorium, S. 136—140. 

R. Harz: über Reprıerp’s Theorie der Stürme, S. 140—147. 

Miszellen: Meteorsteinfall zu Grüneberg in Schlesien, Meteoriten in 
Frankreich, S. 203; Alabaster in der Mammoth-Höhle in Kentucky, 
S. 206; Röhren-artige Konkrezionen von Eisen und Sand in Florida, 
S. 207; Kohlenwasserstoffgas in Kugeln von kohlensaurem Kalk- 
S. 214. 

Geologische Berichte über den Staat New-York 1840, S. 227—235. 

N. Darruine: Notiz über einen Orkan in Neu-England im Sept. 1815, 
S. 243—253. 

W. C. Reorıerp: Antwort an Hare (Ss. 0.), S. 299—377. 

Cu. Macraren: die Eis-Theorie von Acassız (aus einer Brochüre des Vfs.) 
S. 316—366. | | 

J. Locke: neue Trilobiten-Art von besonderer Grösse, Isotelus megi- 
stos, S. 366—368, Tf. Il. 

B. Sırrıman und O. P. Hussarn: chemische Untersuchung der bitumi- 
nösen Kohle aus den Gruben der Midlothian-Kohlenwerks-Kompagnie 
S. vem James-River, 14 Meilen von Richmond, Virg., S. 369—375. 

Miszellen: Acassız’ Monographie der Echinodermen, S. 378; mineralo- 
gische Notizen, S. 386; Infusorien; Kohlen-Gruben auf Cuba, S. 
388; CARPENTER geologische Untersuchungen von Louisiana und Be- 
schreibung eines Tapir-Zahns, S. 390; Harran: Knochen von Oryc- 
terotherium, S. 392. 


C. Zerstreute Aufsätze. 


J. L. Steeruens: über den Vulkan von Izalco in San Salvador (dessen 
Incidents of travel in Central-America, Chiapas and Jucatan > 
Frorıre’s N, Notiz. 1842, XXL, 147— 150). 

Weımann: über den Braunkohlen-Bau bei Grünberg: Historisches, Be- 
schreibung der Kohlen und [mit Herrwıc] chemische Zerlegung 
(Übersicht der Arbeiten und Veränderungen der Schlesischen Ge- 
sellschaft für Vaterländische Kultur i. J. 1841, 4°, S. 72—80. 


Auszüge 


L 


m 


A. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


W. Hımincer: über den Hartit, eine neue Spezies, aus 
der Ordnung der Erdharze, (PosGenoD. Ann. d. Phys. LIV, 251 #.), 
Vorkommen in der neu eröffneten Braunkohlen-Grube bei Oberhart unfern 
Gloggintz in Nieder-Österreich, unter ähnlichen Umständen, wie der 
Scheererit zu Uznach. Mehr oder weniger dicke, weisse, schwach 
fettartig glänzende, Wallrath-ähnliche Massen, welehe Längen- und Queer- 
Sprünge theils in bituminösem Holze, theils in Holzstein ausfüllen. Voll- 
ständige Entwickelung regelmäsiger Formen wollte nicht gelingen; Spuren 
von Theilungs-Flächen schienen auf Gestalten wie beim Gyps zu deuten, 
also auf das hemiprismatische System. Milde; aber nicht biegsam. Härte 
gleich jener des Talkes. Bruch muschelig. Eigenschwere — 1,046. 
Schmilzt erst bei 74° C. und entwickelt viel mehr Russ, als Scheererit. 
— Das Erscheinen des Hartits (der Name wurde vom Fundorte entlehnt) 
ist auf einen Theil der Braunkohlen-Lagerstätte beschränkt: ein ehema- 
liges Torf-Lager, also während der Bildungs-Periode ziemlich horizontal, 
gegenwärtig mit nördlichem Einfallen von etwa 70°. Festre Braun- 
kohle, theils mit eingeschlossenen Holzstämmen, einige derselben beson- 
ders an der Oberfläche verkohlt, bildet die untre 5 bis 6 Lachter mächtige 
Abtheilung oder das eigentliche Flötz. Im Hangenden findet sich eine 
Schichte von Baumstämmen, nun zu bituminösem Holze geworden, die 
einzeln in Letten eingewickelt sind, so dass man sich vorstellen kann, 
eine Masse von Stämmen sey dort in dickem, von Thon und Wasser 
gemengtem Schlamm abgesetzt worden. Diese Stämme sind es, welche 
in den, während ihrer Umwandelung zu bituminösem Holz oder zu Holz- 
steinen entstandenen Klüften den Hartit enthalten. Zugleich mit dieser 
Substanz findet sich, in Rissen bituminösen Holzes von Oberhart, in 
kleinen Mengen noch ein andres Erdharz vor. Es ist derb, muschelig 
im Bruche, dunkel hyazinthroth und bat einen, dem des Hartits ähnlichen, 


727 


nur mehr aromatischen, Geruch *). — — Nach einem spätern Zusatze 
(a. a. O. LVI, 347) ist die Unterlage des Hartits gewöhnlich ein sehr 
blassbraunes Holz. An der Oberfläche sind die Stämme oft mehr gebräunt; 
zum Theil selbst die Rinde zu Faserkohle geworden, also angebrannt. 
Im Braunkohlen-Lager kommt auch Eisenkies vor, theils als dünner 
Anflug auf Hartit-Flächen, theils schliessen kleine Kugel-förmige, konzen- 
trisch-faserige Eisenkies-Gestalten Hartit-Krystalle ein. 


I. Domeyko: Vorkommen von Fahlerz und Bunt-Kupfererz 
in den Chilenischen Gruben zu Machetillo, Los Porotos, San Pedro, 
Nolasco u. s. w. (Ann. des Min. 3e Ser. XX. 476 ff.). Gleich allen 
übrigen metallischen Substanzen des Landes nur selten krystallisirend. 
Die Gangarten stets thonig; das Gebirge Porphyr [? des bancs porphy- 
roides stratifies]. 


Gruser: Analyse eines Kalksteins aus dem Amberti-Thale 
im Dept. Puy de Döme (loc. eit. p. 539). Der Kalk, ein Süsswasser- 
Gebilde, gehört der mittlen Abtheilung des Tertiär-Gebirges an und ent- 
spricht dem Limagne-Kalk. Gehalt: 
Kalkerde . : ; ; 41,6 


Talkerde Bee . P 1,6 
Kohlensäure . ’ . . 33,8 
Kieselerde . . z Br 8,8 
Thonerde - - - - 6,2 
Eisen- und ee 1,4 
Wasser x ; : F 6,6 

100,0. 


x 


C. Bromzis: Untersuchung eines Fahlerzes von Durango 
in Mexiko. (Posscenp. Ann. d. Ph. LV, 117 ff). Das Mineral, derb, 
stalilgrau, stark metallisch glänzend , uneben im Bruche und von graulich- 
schwarzem Strich, gab: 

Schwefel . ü P” ; 23,76 


Kupfer BR Bra Bart 
Eisen h A ; - 4,42 
Zink y ü . . 5,02 
Blei 3 y ; . 0,54 
Sılber o e) ° s 1,09 
Antimon } h : ; 25,97 
Unzersetztes Mineral . ; 0,47 

98,38. 


*) Viele Analogie mit dem Hartit besitzt der von Fıkentscher im Torf entdeckte 
und von BromEis beschriebene Fichtelit, (Ann. d,. Chen. und Pharm. XXXVI, 
Heft 3, 1841.) 


Jahrgang 1842. 4% 


728 ‘ 
Auffallend ist der Strich, dessen Farbe nicht, wie bei zinkhaltigen Fahl- 
erzen, röthlichbraun erscheint; ohne Zweifel rührt diess von einer ge- 
ringen Quantität innig: beigemengten Bleiglanzes her. 


A. Gmarn: über Basalte undihr Verhältniss zu Doleriten. 
(A.a. O0. LIV, 557. ff). Von sehr geringem Erfolg waren die Bemühungen, 
nach äussern Kennzeichen jene Mineralien zu unterscheiden, welche die 
Basalte zusammensetzen. Man hatte Augit in den meisten, in einigen 
auch ein Feldspath-ähnliches Mineral, in vielen Olivin entdeckt; aber die 
Grundmasse, in welcher diese einzelnen Krystalle oder Körner ausge- 
schieden waren, liess sich auf diesem Wege nicht entziffern. Deutlichere 
Resultate lieferten chemische Untersuchungen. Nach dem Vorgange von 
C. G. Gmerin, welcher zuerst bei seiner Analyse der Phonolithe die 
Methode anwandte, durch verschiedene Zersetzungs-Mittel die Mineralien, 
welche in der Gebirgsart enthalten sind, von einander zu sondern, 
sind von ihm: sowohl: als Andern: Analysen der Basalte angestellt worden. 
Man gelangte: hiedureh: zur-Einsicht, dass; ausser den genannten einzelnen 
Mineralien, auch eine: Wasser-haltige: Kiesel-Verbindung: in: jenem Gestein 
enthalten seyn müsse, deren Zusammensetzung sich:aber nicht so bestimmt 
ausmitteln liess, um sie irgend einer der bekannten Arten der Zeolith- 
Familie zuzurechnen. Der Wunsch diese Zeolith-Arten wo möglich 
zu bestimmen trieb, den Verfasser besonders dazu, einen Weg ausfindig 
zu machen, um die einzelnen Mineralien noch mehr von einander zu 
trennen; er unterwarf daher diejenigen Mineralien, welehe sich im Basalte 
erwarten liessen, einer genauen: Prüfung in: Bezug auf ihr Verhalten 
gegen verschiedene. Auflösungs-Mittel. Allein diess: führte zu keinem 
ganz genügenden Resultate. Augit unterschied sich wohl dadurch vor 
Labrador und Feldspath, dass er von Säure nur wenig angegriffen wurde, 
auch diese beiden Substanzen wurden wiederum durch kochende Salz- 
säure zum Theil, aber nie: völlig zersetzt;: Magneteisen dagegen musste 
mit heisser Salzsäure behandelt werden, damit: es sich: vollkommen: löse. 
Dadureh.entstand: das: Übel, dass: Augit: und Magneteisen.: wohl getrennt 
werden konnten, bei beiden aber ein Theil des Feldspath-ähnlichen Be- 
standtheils mit in die Zersetzung gerieth, sogar bei letzter auch ein 
Antheil Augit, wieies die Analyse später zeigte, Was aber von Wich- 
tigkeit erschien, war, dass der zeolithische Bestandtheil und der Olivin 
vollständig von den andern. Mineralien durch Lösung. in Salpetersäure 
zu trennen waren, und es kam nur darauf an, einen: Basalt zu finden, 
in dem kein Olivin: enthalten war, um bei.diesem den Zeolith rein aus- 
scheiden zu können. Solcher.Anforderung genügte der Basalt von Wicken- 
stein um so mehr,. da seine Grundmasse sehr gleichförmig ist und 
nur einzeln deutlich ausgeschiedene Krystalle von Augit enthält *). Die 


*) Löwe hatte, diesen Basalt zwar. schon: zerlegt; aber in :seiner Arbeit wurden später 
mehre Rechnungs-Fehler nachgewiesen. 


729 


Resultate der Lösung in Salpetersäure, dann in kochender Salzsäure 
und zuletzt noch in kolilensaurer Baryterde folgen später, unter A, 

Die biebei erhaltenen Zahlen-Werthe zeigen, dass die durch kochende 
Salzsäure gelössten Theile derselben Natur sind, als die durch Zersetzung 
mit kohlensaurem Baryt aufgeschlossenen, und beweisen, wie die Unauf- 
löslichkeit vieler Silikate in Säuren nie streng zu nehmen ist. Die 
durch Salpetersäure gelösten Theile mussten nun den zeolithischen 
Bestaudtheil rein erweisen; allein die gewonnenen Werthe wollten auf 
keine bekannte Zeolith-Art passen: Die Menge der Thonerde war so gross, 
jene der Kieselerde so gering, und wiederum die der Alkalien so bedeu- 
tend, wie es bei keinem Zeolith vorkommt; indessen führte der Reich- 
thum an Thonerde und Alkalien zur Vermuthung, ‘ob nicht Nephelin darin 
enthalten seyn möchte. Und diese Annahme scheint ziemlich zu passen; 
denn lässt man zum Nephelin noch einen ungefähr gleichen Antheil Me- 
solith hinzutreten, so entspricht diess wohl der Zusammensetzung in der 
ersten Analyse. Die andern beiden lassen sich ohne Zwang auf einen 
etwas Kieselerde-armen Augit deuten; denn genau können solche Zer- 
legungen mehrfach zusammengesetzter Gebirgsarten mit denen einzelner 
Mineralien wohl nie stimmen. Das Resultat, dass im Basalte vom Wicken- 
stein Nephelin in’ der Grundmasse anzunehmen sey, bestätigte sich auch 
äusserlich durch .das besonders. fettglänzende Aussehen‘ desselben und 
wiess auf einen Zusammenhang in der Zusammensetzung dieses Basaltes 
mit dem Nephelin-Dolerite hin. Man hat in neuer Zeit immer mebr Fund- 
orte dieser eigenthümlichen Gebirgsart kennen gelernt, welche jedoch stets 
Gegenden angehörte, wo basaltische Gesteine zu Hause sind. Ausser 
dem Nephelin-Dolerit vom Capo di Bove und vom Katzenbuckel im 
Odenwalde hat man am Vogelsgebirge, bei Trendlenburg im Paderborn’- 
schen, sowie im Mittelgebirge zwischen Tetschen und Aussig diess 
Gestein entdeckt, und der Vf. fand unter Pyrenäen-Gesteinen einen 
Nephelin-Dolerit aus dem Baigory-Thal. Das ausgezeichnetste Beispiel 
dieser Gebirgsart liefert indess der Löbauer Berg in der Lausiz, wo 
das Gestein aus fast gleichen Theilen farblosen Nephelins und schwarzen 
Augits besteht. — Für eine zweite Untersuchung, wählte G. einen Basalt, 
von dem anzunehmen, dass er in nachweisbarer geognostischer Beziehung 
zu doleritischem Gesteine stände; der geeignetste schien der vom Meissner, 
wo man schon lange bemerkt hatte, dass mitten auf seinem grossen 
Plateau Dolerit-Blöcke vorkommen, deren Ursprung man nachzuweisen 
noch nicht im Stande war. Die Analysen, in derselben Art. wie die 
vorigen angestellt, ergaben Folgendes (unter B). 

I. Die Lösungen durch Salpetersäure enthielten: 


bei A. bei B. 
Kieselerde f } 40,562 i 39,58 
Thonerde f R 30,237 R 14,89 
Kalkerde N ? 5,839 R 5,99 
Talkerde i h 0,828 . 12,74 
Eisen-Oxydul . . Spur : 10,41 


AT 


730 - 


Natron . ; E 10,852 , 5,15 

Kalı . : E i 1,931 ; 1,90 

Wasser . : ; 8,687 i 7,67 
99,026 98,31. 


Il. Die Lösungen in beisser Salzsäure enthielt Magneteisen bei A» 
— 6,370, bei B== 5,323 des ganzen Gesteins; die (bei B sehr kleine) 
Menge der ausserdem gelösten Stoffe ergab: 


A. B. 
Kieselerde 2 - 47,042 : 44,79 
Thonerde . i s 9,338 a 15,38 
Kalkerde . . . 12,764 E 8,81 


Talkerde . : - N 16,06 . 
Eisenoxydull . - 13,849 : 16,41 


98,16% 95,44. 


III. Aus der Zersetzung durch kohlensaure Baryterde: 
A. B. 
Kieselerde . i 46,342 - 57,20 
Thonerde . e 3 9,137 - 16,32 
Kalkerde . ie 35.027 - 9,26 
Talkerde . P ö 16,287 2 6,27 
Eisenoxydul . . 13,849 ttREhEh 
Natron ; - Ä : N | 3,18 
Kalı . - i ; i w i 0,95 
98,642 98,82. » 


Die so ermittelte Zusammensetzung des letzten Basaltes (B) ist nicht 
allein in Rücksicht auf die einzelnen Bestandtheile jeder Lösung zu be- 
achten, sondern es stellt sich auch ein anderes Verhältniss hinsichtlich 
der relativen Menge konstituirender Mineralien heraus. In der Analyse 
des ersten (A) betrugen: 


“die leicht zersetzbaren Mineralien > & : 51,743 
die Jurch Schmelzung aufgeschlossenen . . 48,256 
99,999 


in der des letzten (B) dagegen war das Verhältniss 
der leicht zersetzbaren - nen . < 36,716 
zu den schwer zersetzbaren k A : = 63,283 
99,999. 
ein Beweis, dass hier die Wasser-freien Silikate die Hauptrolle im Ge- 
stein übernehmen. Die leicht gelösten Mengen zeigen durch ihren 
grossen Gehalt von Talkerde und Eisenoxydul den fein in der Masse 
eingesprengten Olivin an, der auch nach dem Glühen des Gesteins zum 
Theil dem Auge sichtbar wird; sonst scheint Kalkerde- und Alkali- 
führender Skolezit der Grundmasse noch beigemengf, sowie 5 Proz. 


*) Es wurde aus dem Ueberschusse des hier erhaltenen Eisenoxydes gegen das in 


nachfolgender Analyse (III) berechnet, da die übrigen Bestandtheile in beiden (Ik 
und ll) fast gleich sind. 


731 


Magneteisen darin vertheilt. Der Hauptsache nach aber besteht die Fels- 
art aus den Bestandtheilen der letzten Analyse vermittelst kohlensauren 
Baıyts, doch ist sodann der Kieselerde-Gehalt grösser, als er dem Augit 
allein eigen ist; auch die Thonerde kommt in so grossen Mengen keinem 
Augit zu, am wenigsten den schwarzen, basaltischen Abänderungen. 
Alkalien sind bis jetzt in ihnen nicht angegeben, dagegen stets viel mehr 
Kalkerde, Talkerde und Eisenoxydul. — Nimmt man nun aber an, dass 
diese Zusammensetzung auf ein Gemenge zu beziehen sey, das aus Augit 
und einem labradorischen Feldspath besteht, wie es die Dolerite alle klar 
und leicht erkenntlich zeigen, die auf der Kuppe des Meissners vor- 
kommen, so lösen sich die Angaben der Analysen zur Zufriedenheit. 
Die grössre Menge der Kieselerde,- der Thonerde und der Alkalien ge- 
hören dem Labrador an, und dadurch werden im Verhältniss die Menge 
der Talkerde, des Eisenoxyds und der Kalkerde aus dem Augit ver- 
ringert. Die Dolerite zeigen diese Zusammensetzung ganz unbestritten; 
es sind krystallinische Gemenge eines farblosen, tafelförwmig krystal- 
lisirten, Feldspath-ähnlichen Minerals mit schwarzen Augit-Krystallen, 
die zwar selten äussre Form, aber oft noch die innere Struktur wahr- 
nehmen lassen; dazwischen liegen einzelne Körner von Olivin und Mag- 
neteisen. Der einzige Unterschied zwischen diesem Dolerit vom Meiss- 
ner und seinem Basalte liegt im zeolithischen Bestandtheil, den der Basalt 
enthält; denn dieser Dolerit besitzt nach den Glüh-Versuchen des Vf’s. 
durchaus kein Wasser. Wie wäre hier die Gegenwart des Wassers im 
Basalt zu erklären? Sollten nicht beim Emportreiben die hebenden Dämpfe, 
welche gewiss grossentheils aus Wasser bestanden, die Zusammensetzung 
derjenigen Gestein-Massen verändert haben, mit denen sie in ummittel- 
bare Berührung kamen? und werden diess nicht die äussern Massen 
gewesen seyn, wie solches am Meissner zu sehen, während der innere 
Kern ein unveränderter Dolerit blieb? Daraus würde sich das stete 
Vorkommen des Basaltes an kleinen, einzeln emporgetriebenen Kegeln 
erklären, wie sie so häufig in Deutschland zerstreut sind, während da, 
wo grossartige ungeheure Massen gleichzeitig an die Oberfläche drangen, 
Dolerite vorwalten und Basalte zu den Seltenheiten gehören. — Der 
Vf. erinnert an die Irischen und Schottischen Gesteine und vor Allem 
an die mächtige Dolerit-Bedeckung von Island; die Dolerite von Havne 
fiörd sind jenen vom Meissner zum Verwechseln ähnlich. — — So würde 
sich dann der Basalt den Doleriten anschliessen und unterordnen; und 
so wie diese variiren, je nachdem sie Nephelin, oder ein Feldspath-ähnliches 
Mineral neben Augit enthalten, was wohl hauptsächlich in der Gegenwart 
einer grössern oder geringern Menge von Alkalien seine Veranlassung 
finden mag, je nachdem wird auch die Zusammensetzung der Basalte 
variiren, und daher rührt wohl die geringe Übereinstimmung in den Ana- 
Iysen der Basalte von verschiedenen Fundorten. 


- 


752 


‘6. Rose: über die Dimorphie des Palladiums. (Poceenp. An. 
d. Ph. LV, 329 ff.). Das Palladium verhält sich wie das Iridium; es ist 
nicht allein dimorph und kann nach Umständen die Form des Hexaeders 
oder jene der sechsseitigen Tafel annehmen, sondern auch, da diese 
beiden Gestalten mit denen des Iridiums übereinstimmen, mit denselben 
isodimorpb. 


F. X. M. Zıree: die Mineralien Böhmens, nach ihren geo- 
gsnostischen Verhältnissen und ihrer Aufstellung in der 
Sammlung des vaterländischen Museums geordnet und be- 
schrieben. «(Verhandl. d. Gesellsch. d. vaterl. Mus., Jahrg. 1337, 
S. 41 f.”). Mineralien des Basalt-Gebirges oder der vul- 
kanischen Trapp-Formation. Die hieher gehörigen Gebilde kommen 
in Böhmen sowohl in zusammenbängenden Gebirgszügen vor — Mittel- 
Gebirge im Leitmeritzer Kreise, zu beiden Seiten der Elbe, ferner das Ge- 
birge im Saazer und Elboyner Kreise zwischen Kaaden, Radonitz, 
Pomeisel, Libin, Libkowiz, Giesshübel, Euygelhaus, Schlackenwerth, 
Hauenstein und Klösterle — als in einzelnen Gruppen und zerstreuten 
Massen ım Flachlande und in den Gebirgen der Pisner, Elbogner, 
Saazer, Rakonizer, Bunzlauer, Bidschower und Chrudiner Kreise. Die 
Felsaıten dieser Formation sind hauptsächlich Basalt und Phonolith; 
an ersten schliessen sich Wacken an oder die mehr erdigen, theils 
durch Zerstörung zerreiblichen Varietäten basaltischer Gebilde, an den 
Phonolith reihen sich Trachyt-ähnliche Gesteine. 

1) Mit den Felsmassen gleichzeitig, in dieselben ein- 
gewachsen gebildete Mineralien. Meist kıystallinische Aus- 
scheidungen aus der Grundmasse der Felsarten. Augit-Krystalle von 
einigen Linien bis zu drei Zollen Grösse. Eingewachsen im Basalt vom 
-Wolfsberge bei Czernoschin im Pilsner Kreise, bei Warth an der Eger 
im Elbogner Kreise, in den Bergen bei Podersam und Schab im Saazer 
Kreise, am Ziegenberge bei Wessein an der Elbe, am Zieberlinger Berge 
bei Aussig, an Birkicht bei Tetschen, am Eichberge bei Lukka unweit 
Aussig, am Hummelberge, au den Wierzehnbergen; in Basalt-Geröllen 
bei Podsedlitz u. a. v. a. ©.; in Wacke bei Losdeorf unfern Tetschen, 
bei Welmine und bei Boreslau an der Paskopole. Körner von Augit, 
fest mit dem Gestein verwachsen, finden sich ungemein häufig. Abge- 
rundete, Geschieben ähnliche Gestalten von bedeutender Grösse trifft 
man zumal im Basalte des Glasberges bei Grasliz im Elbogner Kreise. 
Krystalle der Gestalt nach unversehrt, die Substanz derselben aber in 
eine zerreibliche, gelblichgraue Masse verändert, werden auf einem Basalt- 
Gange, welcher im Gneisse aufsetzt, bei Bilin getroffen. — (Basaltische) 
Hornblende, äusserst manchfaltige Krystall-Varietäten, mitunter bis 


*) Zur Ergänzung des im Jahrbuche für 1841, S. 577 ff, gegebenen Auszuges jener 
interessanten Mittheilung. Der Grund der Verspätung ergibt sich aus unserer a.a. 
Ö. gemachten Bemerkung. D. R. 


733 

zu 3‘! Länge und darüber, so namentlich am Wolfsberge bei Ozernaschin, 
zugleich mit Augit, in blasigen Lava-ähnlichen und Basalten, ferner in 
Wacke am Klotzberge bei Kostenblatt im Mittel-Gebirge. Sehr häufig 
lose in der Dammerde an den genannten Orten und bei Mukow und 
Lukow am südlichen und nördlichen Fusse des Radelsteines im Mittel- 
Gebirge. An einigen Orten erscheint der Basalt ganz davon erfüllt, so 
am Kletschenberge nordwärts Lobosiz.. Sehr kleine Krystalle trifft man 
im Trachyte der Gegend von Aussig, bei Wesseln, Schreckenstein, in Pho- 
nolith am Donnersberge, an der Debüike bei Sebusein. Derb, von kör- 
niger Zusammensetzung kommt Hornblende im Basalte an Birkigt bei 
Tetschen vor. -—Glasiger Feldspath. Kleine Krystalle in Phonolith, 
auch in Trachyt, so u. a. bei Schima im Mittel-Gebirge. — Olivin, 
meist in Körneru und körnig zusammengesetzten Massen, seltuer kry- 
stallisirt, ist im Basalte bei Duppau im Elbogner Kreise und am Kra- 
nichenberge bei Meroniz im Leitmerizer Kreise. Körnig zusammen- 
gesetzte Massen von besondrer Auszeichnung und seltner Grösse finden 
sich im Basalte des Kosakow-Berges bei Semil im Bunzlauer Kreise. 
— Titanit. Sehr kleine Krystalle zeigen sich in einigen Phonolith- 
und Trachyt-Massen am Schlossberge bei Tepliz, am Ziegenberye bei 
Wesseln und am Horaberge bei Welhoti?n. — Glimmer. Meist Säulen- 
förmige, selten deutlich sechsseitige, braunlich-schwarze Krystalle, vor- 
züglich häufig im Basalt am Kletschenberge bei Lobosiz, von Hornblende 
begleitet; am südwestlichen Fusse des Donnersberges, am Birkigt bei 
Tetschen, bei Krohn im Bunzlauer Kreise; in Wacke ebendaselbst und 
bei Welmine an der Paskopole. — Rubellan (Breıtnavpr), ein Glimmer- 
ähnliches Mineral in undeutlichen Krystallen mit rothbrauner, Bol-artiger 
Substanz verwachsen. Setzt mit diesem und mit Augit und erdigem 
Basalt ein eigenthümliches blasiges Gestein zusammen, dessen Blaser- 
räume mit sehr kleinen Phillipsit-Krystallen ausgekleidet sind. — Mag- 
neteisen. Sehr sparsam zeigen sich deutliche Ausscheidungen aus der 
Basalt-Masse, u. a, bei Hauenstein und am Keulichten Buchberge auf 
dem Iser-Gebirge., 

2) Mineralien in Blasenräumen von Basalt, Wacke, Pho- 
nolith Xnd Trachyt. Analzim, meist sehr kleine Krystalle, selten 
von Haselnuss-Grösse, in Trachyt bei Schreckenstein und im Tolls-Graben 
bei Wesseln, ferner im Basalt am Stabigt bei Tetschen. — Phillipsit. 
Sehr kleine Krystalle, selten Zwillinge, in Basalt bei Ober-Kamniz mit 
Chabasie und Comptonit, ebenso, auch von Mesotyp begleitet, bei Bömäisch- 
Leippa; bei Hauenstein im Elbogner Kreise mit Mesolith. — Chabasie, 
am häufigsten verbreitet unter allen zeolithischen Substanzen; die grössten 
bekannten Krystalle. In Phonolith, Wacke und Basalt, so zumal bei 
Rübendörfel und Aussig und am Lettenbüschel bei Böhmisch-Kamniz u. 
a.m.a.0.— Levyn, nur bei Ober-Kamniz im Basalt. — Mesotyp. Kry- 
stalle meist Nadel-und Haar-förmig; deutlich ausgebildete wurden neuerdings 
im Trachyt bei Schreckenstein gefunden; sie sind gewöhnlich auf Analzim auf- 
gewachsen. Ausgezeichnetes Vorkommen schneeweisser, zu Büschelv und 


734 


Halbkugeln gruppirter Nadel-förmiger Gebilde in Blasenräumen des 
Basaltes am Kautnerberge bei Böhmisch-Leippa, am Kalkofen bei Daubiz, 
bei Wernstadtel. Der sogenannte Natrolith besonders im Phonolith 
am Marienberge bei Aussig und am Kunietizerberg bei Pardubiz. — 
Comptonit, Mesolith, Mesole. Krystallisirte Varietäten hauptsäch- 
lich am Seeberge bei Kaaden. Schön Fächer-förmig zusammengehäuft 
in Trachyt-ähnlichen Gesteinen, zuweilen von Analzim begleitet, bei 
Aussig, in Phonolith am Kelchberge bei Triebsch. Binden-artige Über- 
züge auf Klüften im Basalt bei Habrowan. Mesolith vorzüglich ausge- 
zeichnet, Nieren-förmige und traubige Gestalten bei Hauenstein im El- 
bogner Kreise; sehr kleine aufgewachsene Halbkugeln am Kautner-Berge 
bei Daubiz, bei Ober-Kanıniz u. a, e. a..0. — Strahlzeolith. In 
Böhmen selten. Sehr kleine, zu Büscheln zusammengehäufte, Krystalle 
im Basalt bei Ober-Kamniz, vou Chabasie begleitet. — Albin. Zumal 
am Marienberge bei Aussig, mit Natrolith in Blasenräumen von Pho- 
nolith, weniger häufig im Basalt des Wostray bei Schreckenstein und 
am Kalkofen bei Daubiz von Natrolith begleitet. — Kalkspath, Schiefer- 
spath. Kalkspath-Krystalle nicht selten mit den namhaft gemachten 
zeolithischen Substanzen, Schieferspath als Ausfüllung regelloser Räume 
im Phonolitb bei Aussiy und Triebsch. 

3) Auf Klüften, als spätre Bildungen vorkommende 
Mineralien. Die Klüfte in basaltischen Gesteinen haben nur geringe 
Ähnlichkeit mit eigentlichen Gängen und die solchen Lagerstätten in 
der Regel zustehenden metallischen Substanzen fehlen hier gänzlich, > Die 
meisten Klüfte sind mehr oder weniger offene Räume, verschiedenen 
Richtungen folgend, je nach den Absonderungs-Verhältnissen der Fels- 
massen; selten trifft man wahre Spalten, und, wo sie vorkommen, zeigen 
dieselben eine grosse Erstreckung, hängen auch meist mit den erwähnten 
Klüften zusammen. Als Mineralien, welche bis daher nur auf Klüften 
gefunden worden, verdienen Erwähnung: Arragon. Zahlreiche Varie- 
täten in verschiedenen Gegenden des Basalt-Gebirges. Die interessan- 
testen sind die bekannten schönen Krystalle vom Horschenzer Berge 
(Oziczow) bei Liebshausen im Leitmerizer Kreise. Sie erscheinen zu 
Drusen verwachsen, welche sich sehr leicht vom Gesteine ablösen, da 
die Ausfütlungen der Klüfte nicht mit der Felsmasse verwachsen sind, 
auch sich kein sogenanntes Saalband findet. Beim Herausbrechen aus der 
Lagerstätte werden die Drusen gewöhnlich grossen Theiles zertrünmert, 
und man erhält daher die Krystalle meist abgebrochen. ‚Sie finden sich 
bis zur Grösse von vier Zollen; die kleinen zeigen sich am deutlichsten 
"und lassen die meisten Kombinationen wahrnehmen. Auch grössre Massen 
von dickstengeliger Zusammensetzung, mitunter spargelgrün und honig- 
gelb, finden sich auf jener Lagerstätte. Ausser diesen bei Horschenz 
vorkommenden Varietäten trifft man den Arragon in dickstengeligen 
‘Massen, sowie büschelförmig auseinander laufend bei T'schogau ; blass- 
violblau bei Waltsch; in Platten-förmigen Gestalten von gleichlaufend 
stengeliger Zusammensetzung, zuweilen nach den Enden in spiesigen 


735 


Krystallen ausgehend, bei Wistherschon und andern Orten der Gegend 
um Tepliz; in mehr oder weniger dicken Platten von gerader und gleich- 
laufend faseriger Zusammensetzung unweit Brüoc. — Braunspath (sog. 
Miemit). Die Flächen des Rhowmboeder theils einwärts gebogen, theils 
konvex. Durch Zusammenhäufung von Formen letzter Art entstehen 
eigentbümliche Nieren-förmige Gestalten. Fundort: Kolosoruh. — Ge- 
meiner Quarz und Chalcedon ebendaselbst. — Hyalith. Sehr aus- 
gezeichnet auf Klüften von Basalt in der Gegend von Waltsch. Ein- 
- zelne Trauben erreichen Wallnuss-Grösse, 

Mineralien des Mandelstein-Gebirges. Unter dieser Be- 
nennung versteht der Verf. jene „massiven Fels:Bildungen“, welche „in 
der Regiou des alten Flötz-Gebirges“ theils zwischen dessen Schichten, 
theils und am häufigsten diese als Stöcke oft von mächtiger Verbreitung 
durchbrechen und sich über das Niveau derselben erheben; es zeichnen 
sich dieselben besonders durch ihre Mandelstein-artige Struktur aus. 
Dieses „Mandelstein-Gebirge“ ist in Böhmen hauptsächlich im nord- 
östlichen Landes-Theil im Bezirk des Rothen Todt-Liegenden verbreitet, 
bildet am Süd-Abhange des Jeschken im Bunzlauer Kreise einen schmalen 
Strich von Swetlay bis Zaskal, einige Stöcke bei Frriedstein, und weiter 
südöstlich einen eigenen Gebirgszug zwischen Semil und Tutobit, den 
Kosakow. Die Grundmasse des Mandelsteins ist ein feinkörniges , meist 
inniges Gemenge von Augit und Albit, welches bei deutlich geschie- 
denen Gemengtheilen keine Mandelstein-artige Struktur zeigt und ge- 
wöhnlich Basaltit genanut wird. Das Mandelstein-Gebirge ist überdiess von 
Porphyr begleitet; auch Basalt findet sich in seiner Gesellschaft, so am 
Gipfel des Kosakow, Die im Mandelstein vorkommenden Mineralien 
trifft man hauptsächlich als Ausfüllungen oder Auskleidungen seiner 
Blasenräume und regellosen Klüfte. Amethyst, im Innern grössrer 
Achat-Kugeln im Kosakower-Gebirge. — Bergkrystallund Amethyst. 
Ebenso, Bei Raschen und Jaberlich am Jeschken, am Kosakower. .Ge- 
birge und am Morzinower-Berge bei Lomniz. — Chalzedon. Be- 
sonders häufig in Mandel-förmigen, knolligen und ähnlichen Gestalten 
von der Grösse einer Haselnuss bis zu der eines Kindskopfes ; sie sind 
zuweilen hohl und sodann zeigen sich Nieren-ähnliche Gestalten oder 
Krystall-Drusen von Quarz. In grosser Menge und Manchfaltigkeit am 
südlichen Abhange des Jeschken, bei Friedstein, am Kosakower Gebirgs- 
zuge, am Tabor-Gebirge und am Morzinower-Berge bei Lomniz, am 
Lewiner-Gebirge bei Neu-Pakka. Sehr häufig findet sich unser Mine- 
ral in der Dammerde dieser Gegenden, aus welcher dasselbe sodann 
durch die Gewässer in Ebenen am Fusse der genannten Gebirge, und 
in Flüssen fortgeführt und mehr oder weniger zu Geschieben abgerundet 
wird. — Jaspis. Manchfaltige Varietäten, durch verschiedene oft bunt 
gemengte Färbung ausgezeichnet. Meist auf regellosen Klüften ‘im 
Mandelstein, besonders am Kosakow und am Lewiner-Berge. — Helio- 
trop. Ebenso vorkommend, — Analzim. Sehr kleine Krystalle auf 
Quarz am Kosakow. — Chabasie. Auf Quarz-Krystallen in Höhlungen 


736 


von Achat-Kugeln, ebendaselbst, — Blätter-Zeolith, auf Quarz, am 
nemlichen Orte. — Barytspath, In körnig und stengelig zusammen- 
gesetzten Massen und Knollen von Quarz; bei Prazkow am Kosakower 
Gebirgszuge. 


Senez: Zerlegung des Kalksteines von Veuzac. (Ann. des 
Min., 3° Ser., XX, 569). Dieser Kalk, ockerig, erdig im Bruche ‚ liegt 
unter dem Eisen-Oolith. Die Analyse gab: 

Koblensauren Kalk . u 7,07 

5 Talk ; : 0,80 
Kohlensaures Eisen . : 0,33 
Kiesel- und Thon-Erde . x 0,59 
Eisen-Peroxyd _. - - 1,03 
Wasser . - u . 0,18 


10,00. 


B. Geologie und Geognosie. 


Arc. D’OrzısnY: über das Tertiär-System der Pampoa’s (Acad. 
d. Paris 1842, April 4: UInstit. 1842, X, 125). Das ungeheure tertiäre 
Becken der Pampas reicht ununterbrochen von der Provinz Chiquitos 
(17° 8.) bis zur Magellans-Enge, und vom Fusse der Andes im W. bis 
zu den primitiven Gebirgen Brasiliens im O., erstreckt sich somit auf 
35° oder 875 Stunden in die Länge und auf 12° oder 300 St. in die 
Breite und nimmt eine Fläche von 128.000 Quadrat-Stunden ein, 3mal 
so gross als Frankreich. Alle Niederschläge desselben lassen sich in 
3 Alters-Abtheilungen bringen, in die der Guaranischen Reihe aus 
Sandsteinen und Thonen ohne Fossil-Beste, die der Patagonischen 
Reihe aus meerischen Schichten mit fossilen Konchylien erloschener 
Arten und einigen Kuochen- und Pflanzen-Besten, und die der Pampas- 
Thone, welche für sich allein die Pampas bilden, ungeschichtet sind 
und nur Säugethier-Reste einschliessen. Weitre Betrachtungen führen 
den Vf. zu dem Schlusse, dass die Epoche, wo die Kordilleren ihr jetzi- 
ges Relief gewonnen, die der Zerstörung der grossen Thier-Arten Süd- 
Amerika’s und die des Niederschlages der Pampas-Thone ganz zusammen- 
treffen, so dass diese 3 Ereignisse vielleicht von einer der Hebungen 
der Kordilleren herrühren. Später hat der Boden Ameriku’s, wenigstens 
in den Pampas, wenige Störungen mehr erlitten, keine grosse Schichte 
hat sich mehr dort abgesetzt. Alle späteren Bildungen beschränken sich 
1) auf die Conchillas-Bänke, welche. auf dem Boden der Pampas bis 
über 40 Stunden weit und bis 20@ hoch von dem heutigen Wohnorte der 
in ihnen niedergelegten Konchylieu-Arten zerstreut sind; 2) auf die 


737 


Bänke von See-Konchylien in Monte video ; 3) auf die Konchylien-Schichten 
von Bahia de San-Blas in Patugonien, welche 10" hoch über dem jetzi- 
gen Wohnorte derselben Arten liegen. Die Erhebung dieser Schichten 
rührt von keinem allmählieben Ansteigen der Küsten, sondern von zu- 
fälligen und örtlichen Ursachen her, Denn, wenn das Meer etwas von 
einer ansteigenden Küste zurückweicht, so hinterlässt es überall Konchy- 
lien [doch nicht überall!!] noch in Berührung mit seinen Wogen, durch 
welche sie mithin alle gerolit und aus ihrer natürlichen Lagerung ge- 
bracht werden. Aber die Konchylien von Bahia de San Blas sind noch 
so an ihrer Stelle, wie sie auf dem Grunde des Meeres gelebt haben; 
was daher nur in Folge einer plötzlichen Hebung des Bodens bis in sein 
jetziges Niveau geschehen. konnte. Alle örtlichen Hebungen in den 
Pampas scheinen demnach herzurühren von den grossen vulkanischen 
Ausbrüchen in'den Kordilleren,-oder von partiellen Hebungen, wie man sie 
an der Ostküste Süd-Patagoniens beobachtet bat. — 

Vor den tertiären Niederschlägen gab es also kein regelmäsiges 
Becken in Süd-Amerika; die ersten Schichten konnten daher den ganzen 
Boden ebenen. Als in der zweiten Epoche die Meeres-Sebichten ent- 
stunden, war das Meer von Kontinenten umgeben, deren Gewässer 
Laudthier-Reste zu denen der Meeres-Thiere brachten. 


(Desor) Bericht über einen von Acassız und Dzsor gemach- 
ten Winter-Ausflug nach den Gletschern (Biblioth. univers. d. 
Geneve, 1842, Avril, 36 pp... Am 8. März machten sich beide auf den 
Weg nach dem Aar-Gletscher beim Grimsel. Auf dem Rückweg besuchten 
sie den Rosenlaui-Gletscher bei Meyringen. Die Hauptergebnisse waren: 
dass unter beiden Gletschern nur eine unbedeutende Menge klaren Wassers 
hervorkam: offenbares Quellwasser, welches mit dem milchich aussehenden 
Sand-führenden Schnee-Wasser vom schmelzenden Gletscher im Sommer 
nicht zu verwechseln war, und dass die Temperatur der Luft am Grimsel- 
Hospitz vom 11.—13. März in der Nacht nicht unter —4° C. sank, während 
sie an Tage nicht über + 1°1 stieg, obschon die Hitze in der Sonne 
auf dem Gletscher (7600') + 30° betrug und beiden Reisenden das Ge- 
sicht verbrannte. An denselben Tagen variirte die Temperatur auf dem 
Grossen St. Bernhard (in 7600') auch nur um 7°—10°; wie überhaupt 
eine grössre Variation selten, eine kleinre bis nur von 3° aber nicht 
ungewöhnlich ist. 8° tief im Aar-Gletscher eingebohrt zeigte der Ther- 
mometrograph nach Mittag —4°,5 C.: bei 1° Luft-Wärme, und am andern 
- Morgen um 8 Uhr 5° tief im Schnee beim Hospitz — 30 C. bei 2%5 
Luft-Wärme. Nach jenen Beobachtungen fällt also ein Argument weg, 
dass die ausstrahlende Erd-Wärme den Gletscher an der Sohle abschmelze 
und herabgleiten mache; denn vermögte sie diess, so müsste sie es auch 
im Winter thun (S. 4), wo aber nun kein Gletscher-Wasser abfliesst. 

Es ist gewiss verdienstlich, uns diese Thatsache geliefert zu haben; 
aber es ist uns unbegreiflich, wie nıan auf eine gegentheilige Annalıme 


738 


einen Beweis und auf diese Thatsache mithin eine Entkräftung des Be- 
weises zu gründen glauben mogte, Denn die ausstrahlende Erd-Wärme 
kann überall nichts thun, als nur eine kleinste Menge zur sonst vorhandenen 
-Temperatur des Bodens hinzufügen. Sie könnte daher ein Losschmelzen 
des am Boden festgefrorenen Gletschers nur auf solche wenig ausge- 
dehnte Strecken bewirken, deren anderweitige Temperatur theils nach 
der Meeres-Höhe und theils nach der äussern Dicke des Gletschers un- 
gefähr schon —= 0 wäre. Tiefer im Thale schmilzt der Gletscher schon 
ohnediess; höher hinauf reicht jener Zuschuss nicht hin; aber in soferne, 
als eine aufgelagerte Eis-Rinde die Zonen gleicher Erdwärme höher 
hinaufrückt (Jahrb. 7842, S. 63), würden unter dem Eise jene Strecken 
etwas höher aufwärts zu suchen seyn, als an freier Oberfläche; und 
diess (theoretisch genommen) wäre es allein, was durch Beobachtungen 
zu erweisen oder widerlegen wäre, wenn es bei der Frage über die 
Gletscher-Bewegung anders einen wesentlichen Einfluss haben kann, 
Wenn aber im Winter die ganze Sohle des Gletschers viel kälter als 0° 
ist, so kann jene ausstrahlende Wärme natürlich auch nirgends ein Ab- 
schmelzen bewirken; und da die Gletscher-tragende Erd-Oberfläche ohne 
ihn früher von aussen durch die zunehmende Luft-Temperatur des 
Frühlings, als von innen durch die wieder herandringende Erd-Wärme 
erwärmt werden würde, so müsste ein mächtiger Gletscher auch die Zu- 
nahme der Wärme bis zum Schmelzen seiner Sohle im Frühling ver- 
gleichungsweise verspäten, wie in andrem Maase deren Abnahme im 
Herbste. Vergl. übrigens Jahrb. 1842, 345, 346. 


J. DE CHARrPENTIER: über die Anwendung der Hypothese 
des Hrn. Venerz auf die erratischen Erscheinungen des Nor- 
dens (Bibl. univers. de Geneve, 1841, Juin, .. 23 pp.). Hatte der 
Vf. diesen Gegenstaud in seinem Gletscher-\Werke schon im Allgemeinen 
mit behandelt, so thut er es nun noch einmal auf besondre und abge- 
schlossene Weise hauptsächlich mit Hinsicht auf die von DurocHEr im 
Norden beobachteten und [vgl. S. 597] bekannt gemachten Thatsachen. 
Wir bedauern, dass es unmöglich ist, den ganzen Brief in dem engen 
für Auszüge bestimmten Raume unsrer Blätter mitzutheilen; sein Inhalt 
wird auf der letzten Seite in folgenden Worten zusammengefasst. 


1) In Folge der grossen Katastrophe, welche die nördliche Halb- 
kugel in grosser Ausdehnung [aber doch nur als Lokal-Erscheinung] be- 
troffen,, ist das Klima kälter und feuchter geworden, als es früher ge- 
wesen und jetzt ist. 


2) Während der langen Dauer dieses klimatischen Zustandes war 
die Sommer-Temperatur nieht mehr genügend, den Schnee ausserhalb 
dem 60° N. Br. ganz zu schmelzen. : 

3) Der Schnee zwischen 600—70° N. Br. wurde daher in Gletscher 
verwandelt; ausser dem 70° Br. blieb er Firn. 


739 


4) Dieser Gletscher erstreckte sich'über Nord-Russland bis Moskau, 
über Preussen, Polen, Nord-Deutschtand und vielleicht Ost-England. 

5) Er hat erratisches Gebirge fortgeführt und abgesetzt, und Spuren 
von Reibung (Glättung, Streifen und Schrammen) erzeugt; seine Wasser- 
Fälle haben die Riesen-Töpfe gebildet. (Das erratische Gebirge braucht 
nicht alle von höhern Bergspitzen auf seinen Rücken herabgefallen und 
so weiter gekommen zu seyn: es wurde auch zum Theil von seiner 
Sohle aus allmählich nach dem Rücken emporgehoben und dann weiter 
geführt.) ' 

6) Die südlichsten erratischen Anhäufungen in Form von Dämmen 
und Streifen sind Moränen, welche der Gletscher zur Zeit seiner grössten’ 
Entwickelung gebildet hat. 

7) „Ösar“ sind Moränen theils durch die Oszillationen während des 
Rückzugs des Haupt Gletschers, theils durch das Eis entstanden, welches 
noch lange nachher auf Bergen und Hochebenen sich erhielt. 

8) Die Materien aber, welche das Diluvial innerhalb oder ausserhalb 
der Grenzen des erratischen Gebirges zusammensetzen, sind durch Bäche 
und untermeerische Strömung herbeigeführt worden. 

9) Die grösste Masse des Diluvials wurde während des Schmelzens 
oder Rückzugs des Gletschers abgesetzt. 

10) Die kantigen Trümmer und grossen Blöcke, welche ausserhalb 
der erratischen Grenzen über den Boden umbergestreut oder im Diluvium 
eingehüllt liegen, sind durch die von Gletscher losgerissenen Eis-Blöcke 
längs der Flüsse oder südwärts über das Meer fortgetragen worden. 

Das Detail dieser Abhandlung findet in des Vf’s. Theorie mit ge- 
wohnter Klarheit und Einfachheit die Mittel zur Erklärung aller haupt- 
sächlichsten erratischen Erscheinungen des Nordens, weit besser als die- 
selben Erscheinungen namentlich durch Durocners Polar-Fiuth über Berg 
und Thal erklärt werden können. Wir zweifeln auch überhaupt nicht 
daran, dass jene Erscheinungen irgend wie mit den Gletschern zusammen- 
hängen, wie aus dem Jahrb. S. 344 ff. hervorgeht; aber unsre Überzeugung 
von der Unmöglichkeit eine so ungeheuer ganze Gletscher-Masse nach 
jener Theorie horizontal oder unter sehr geringem Gesammt-Gefälle 
über Berg und Thal voranzuschieben, die wir a. a. O. schon ausge- 
drückt, ist weder durch wiederholte Erwägung desjenigen gemindert 
worden, was der Vf. schon in seinem Essai gegen die möglichen Ein- 
reden gesagt, noch durch dasjenige , was er uns seitdem brieflich dar- 
über mitzutheilen die Güte gehabt hat. 

Wir wollen die entgegenstehenden Haupt-Momente in der Ansicht 
des Vf. und des Ref. in einem Beispiele einander entgegensetzen. 

Wenn 100,000 Würfel von Eisen von je 10’ Länge 1a) gauz hori- 
zontal so aneinandergereiht lägen, dass sie nicht aus der Linie weichen 
könnten (wie die Gletscher ir einem Thale), und man erhitzte einen der- 
selben genau in der Mitte der Linie so weit, dass er sich um 0,01 (also 
—= 0,1') in jeder Richtung ausdehnte, so würden (abgesehen von den 
andern Seiten des Würfels) die vor und die hinter ihm liegenden Blöcke 


740 


alle um 0,05’ fortgeschoben werden. Liegt b) der ausgedehnte Würfel 
ganz am Aufang der Reihe und stösst’dort an eine senkrechte Felswand 
an, so dass er sich nur nach einer Seite bewegen kann, so werden alle 
Würfel um den ganzen 0,1’ nach dieser fortgeschoben werden. Liegt 
ec) die Würfel-Reihe aber auf geneigter Ebene und befindet er sich nur 
in der Nähe des obren Endes der ganzen Reihe, so dass der Widerstand 
der Reibung der vielen tieferliegenden Würfel auf ihrer Unterlage grösser 
würde, als der Widerstand der Reibung und des (theilweisen) Gewichts 
der höher liegenden zusammengenommen , so würden die letzten allein 
bewegt und zwar um 0,1’ aufwärts gedrückt werden, Würden’ aber 2) 
in diesen Fällen (a b c) alle Würfel gleichzeitig und gleich stark erhitzt, so 
würden die Bewegungen zwar in denselben Richtungen erfolgen, aber jeden 
Würfel um so stärker treffen, je weiter er jedesmal von dem vorhin- 
bezeichneten einen entfernt ist; für den Fall 2b) würde der äusserste 
oder letzte also um 10.000° fortgeschobeu werden. Kühlten sich nun diese 
Würfel ab, so würden 0,1’ breite Lücken zwischen ihnen entstehen. 
Füllte man diese mit genau ‘passenden Eisen-Platten wieder aus und 
erhitzte dann von Neuem, so würden dieselben Bewegungen wie vorhin 
wieder erfolgen, nur für die mit 2 bezeichneten Fälle’ noch stärker im 
Verhältnisse der durch die eingeschalteten Platten verlängerten Linie. 
So wenn wir nicht ganz irren, stellen sich der Hauptsache nach Cuar- 
PENTIER, Acassız u. s. w. die Bewegung der Gletscher vor, und so weit’ 
sind wir mit ihnen ganz einverstanden. Was aber in andern Richtungen 
geschehen würde, wenn auch mehre Würfel neben- und über-einander lägen, 
ergibt sich genügend aus dem Vorigen. — Aber es müsste statt Eisen 
Eis, statt Wärme Kälte und statt’ der Platten eingesickertes Eis-Wasser 
gesetzt werden, und damit ist die Sache eine ganz andre geworden, 
Gesetzt der um 0,1‘ ausgedehnte Würfel 1) wäre selbst wieder 'aus leicht 
verschiebbaren, aber nicht komprimirbaren Theilen, aus Eisen-Kugeln, aus 
Quarz-Kies oder grobem Sande zusammengesetzt, die aber wegen seitlicher 
Schliessung der Ebene, längs’ der sich alle Würfel bewegen können’ (Wände 
des Gletscher-Thales), in’ jener Richtung gehemmt wären, so’ würden sie 
statt durch ihre Ausdehnung die ganze Würfel-Reihe um 0,1° fortrücken, 
blos zur obren Seite des Würfels um 0,1’ (oder, wenn man berücksichtigt, 
dass die ganze Massen-Ausdehnung des’ Würfels — die näch‘ 3 recht- 
winkeligen Achsen — wegen völliger Schliessung der’ Seiten der Ebene’ 
bloss nach dieser Richtung gehen muss, eigentlich um [10,13—10%] 0,3% 
hinausquellen. Dasselbe wird (für 2) mit'allen erfolgen, wenn alle auf 
solche Art zusammengesetzt sind, nur dass bei den’letzten Gliedern der 
Reihe die Schwere der inkohärenten Theile den aus’ der Reibung‘ der 
jedesmal noch etwa ausserhalb ihnen befindlichen Glieder am Boden er- 
wachsenden Widerstand überwinden, diese wenigen mithin wirklich vor- 
anschieben wird, und dass, da sie nun weniger hoch anquellen, sie auch 
ein schwächres Überquellen der ihnen nächst vorhergehenden Glieder 
gegen das Innre der Reihe bedingen. — Bestünden aber jene Würfel 
atıs zugleich inkohärenten und komprimirbaren oder wenigstens aus allein 


741 


komprimirbaren Theilen: aus Thon, Erde, Schnee u. dgl., so würde nicht 
einmal mehr ein Überquellen erfolgen, bis etwa durch fortdauerndes Kom- 
primiren und Nachfüllen der Stoff inkomprimirbar würde. Wie spröde, 
kohärent und unkomprimirbar nun aber auch ein Stückchen Gletscher-Eis 
scheinen- mag: überall und täglich wird der Gletscher im Ganzen von 
unzähligen und sich dieht: durchkreutzenden Haarspalten durchzogen, von 
Luft-Blasen unterbrochen, von breitern Rissen und Klüften durchsetzt, von 
Luftströmen durchschmolzen, von Rinnwassern durehwaschen, durch Krüm- 
mungen und ungleiches: seitliches Abschmelzen geschwächt und geknickt, 
überall seiner Spannung und seiner Kraft des Gegendrucks beraubt, durch 
rascheres Herabeilen der obren Schichten über die untren vielfältig getheilt: 
wo soll hier die Möglichkeit bleiben der glättenden Fortschiebung eines 
Gletschers' von: seiner Sohle: an’ in seiner ganzen: Länge, zumal wenn er 
nun noch am. Boden angefroren ist?’ Und was kann es helfen, wenn Hr. 
, v. CHARPENTIER gegen diese Einrede bemerkt, dieselbe Thätigkeit des 
Gletschers sey ja auf allen Punkten desselben vorhanden [wie wir es 
nie anders: gedaclit: haben]? Wir: zweifeln nicht, dass diese Darlegung 
klar genug seye, um sie zu fassen, wenn wir auch nicht geschickt genug 
gewesen seyn. sollten, v. CHARPENTIERS Meinung richtig zu verstehen, 
und hoffen so eine Verständigung herbeizuführen. (Br.) 


Duvrocuer hat nun auch in den meisten grossen Thälern in den Pyrenäen 
auf der Französischen: wie der Spanischen:Seite geschliffene Felsen mit 
Streifen und Furchen, —erratische Blöcke — und Geschieb-Ablagerungen 
von Form übereinandergeschichteter Haufwerke an den Seiten der höhern 
Theile der Thäler und in Form: horizontaler Terrassen nächst ihren Aus- 
mündungen in die Ebenen beobachtet. (Paris. Akad. 1841, Nov. 2 > 
Vlnstit. 1841, IX, 375). 


H. Br. Gemirz: Charakteristik der Schichten und Petre- 
fakte des Sächsisch-Böhmischen:Kreide-Gebirges. Drittes Heft: 
die Sächsisch-Böhmische: Schweitz, die Oberlausitz und das: Innre 
von Böhmen; mitvsı Steindruck-Tafeln (Dresden und Leipzig 1842) 
(vgl. Jahrb. 1841,. 122). Dieses’ Werk: wird mit vorliegender Lieferung 
geschlossen; und: für die 3 Lieferungen: wird ein gemeinsames Titelblatt’ 
(1839— 1842). mitgetheilt:. Das:Buch- wird dürch: seine Vollendung ein’ 
sehr brauchbares: und. wichtiges; Das- Heft enthält. A) die Beschreibung 
der zahlreichen. Petrefakte des Süchsischen und Böhmischen Kreide- 
Gebirges, Fische, Kruster, Anneliden, Mollusken, (Rhizopoden), Radiarien, 
Polyparien, Schwämme und Pflanzen (S. 63—99, Taf. xvu—xxıv); 
— B) die Beschreibung. des: oberen und unteren Quadersandsteins Sach- 
sens und Böhmens, 1) am linken Elb-Ufer zwischen Pirna und Tetsehen, 
2) am rechten Elb-Ufer zwischen Pillnitz und Tetschen bis zur Ober- 
lausitz und der Gegend des Jeschken, 3) im Innern von Böhmen 


«42 


4) mit Schluss-Folgerungen (S. 100—115); — C) einen allgemeinen „Index 
Petrefactorum e Saxoniae et Bohemiae formatione cretacea“, worin alle 
in diesem Hefte beschriebenen Arten mit ihren Beschreibung- und Bilder- 
Zitaten, Synomymen und allen dortigen Fundorten nach den 5 Rubriken: 
untrer Quadersandstein, untrer Pläner, Pläner-Sandstein ‘und -Mergel, 
Pläner-Kalk, obrer Quader-Sandstein eingetragen sind (S. 1-xxm); — 
“D) eine Erklärung der neuen Tafeln (S. xxıu—xxv). Wir entnehmen 
daraus folgende Resultate. 

Der ganze Quadersandstein bei Dresden und bei Tharand (CoTT. 
geogn. Wand. I, 53—62) ist älter, als der Pläner. Die untersten Schichten 
dieses Quadersandsteins enthalten als örtliche Bildungen mergelige und 
bituminöse Schiefertbon-Lagen voll Pflanzen, welche Corra den Hastings- 
Beds verglichen, zu Nieder-Schöna, zu Weissig bei Pillnitz (v. GUTEIER), 
zu Waltersdorf in der (berlausitz (GEınıTz) und im Saatzer Kreise 
(Dr. Revss). Aller auf Gueiss ruhende Quadersandstein zwischen 
Rabenau, Paulshain, Dippoldiswalda, Cunersdorf und Wendisch-Carls- 
dorf ist untrer. Die zuerst von Naumann in der Sächsischen Schweitz 
- und am hohen Schneeberg nachgewiesene Trennung des oberen und un- 
teren Quadersandsteins lässt sich jetztin der ganzen Sächsisch-Böhmischen: 
Schweitz bis nach der Oberlausitz und in die Gegend des Jeschken an 
vielen Orten verfolgen und ist von GrLocker auch bei Märisch-Trübau 
(Pocsen». Ann. ZS41, no. ıx, 157) nachgewiesen worden. (S. 101.) 

Durch den trennenden Pläner wird in Sachsen und Böhmen der 
obre vom untren Quadersandstein am besten erkannt. Aber ein petro- 
graphischer Unterschied besteht zwischen beiden nicht, obschon im All- 
gemeinen der untre fester, mitunter feiner und dichtkörniger ist. Der 
ganze paläontologische Unterschied beschränkt sich darauf, dass Pecten 
aequicostatus (die häufigste dieser Arten), Ammonites Rhotoma- 
gensis, Inoceramus concentricus, Peetenarcuatus, Serpula 
7sulcata, Fungia coronula und Scyphia reticulata aus dem 
unteren Quadersandsteine höchstens bis in die mitteln Pläner-Schichten 
hinaufgehen und also im oberen nicht vorkommen, welcher seinerseits nur 
den Pecten asper ausschliesslich besitzt; was von anderen Arten eiviger- 
maasen verbreitet ist, findet sich, obgleich mitunter in ungleieher Häufigkeit, 
in beiden wieder (S. 1411). Auch in Böhmen ist der untre Pläner so 
manchfaltig und veränderlich, als in Sachsen; die sg. Hippuriten- 
Schichten von Kutschin gehören dazu. Auch in Böhmen ist das untre 
Quader-Gebilde reich an schönen und wohlerhaltenen Petrefakten, besonders 
am Postel-Berge im Saatzer Kreise, der obre Quader aber noch ärmer 
als dort, da man nur Lima multicostata in ihm gefunden hat. (S. 113.) 

Die 370 bis jetzt von 1060 Fundorten gesammelten Petrefakten- 
Arten finden sich auf folgende Weise in den einzelnen Schichten vertheilt, 
deren Vergleichuug mit den Englischen die Rormzr’sche Parallelisirung 
bestätigt. ” 


743 


1, 1, Ill, IV, 
untr. Quad.-/untr.Pläner,|mittl. Plän.lobr. Pläner,'obr.Quäder- 
Bildungen. Sandstein u.|Plän. -Kalk.| Sandstein, 
Mergel. 
— 
I. Im Ganzen 168 30 
II, Gemeins. Arten 
in I 35 25 
II 29.7 13 
11 52 6 
IV 17 
gYin England 
= Blackdow®&ebilde 26 18 13 17 5 
„\Lower Greensand 20 9 12 6 5 
'{Gault 12 6 15 14 6 
SlUpper Greensand 9 11 10 12 5 
-JGrey Chalkmarl 12 3 9 25 3 
Daher sind obige 1-V |Low. Green- Upper Greensand. Grey Chalk| Upper, Flin- 
parallel in Enylund sand. Marl (Chalk| ty Chalk, 
Marlu.Low, 
‚Chalk.) 


J. Desnovers und C. Pr£evost: Knochen-Höhlen und -Breccien 
um Paris (Acad. d. Par. 1842, April 4 > VUInstit. 1842, X, 1235—124 
und 161). Desn., in einem Radius von 6—8 Stunden um Paris, und 
Pr£vost. schon früher und von ihm unabhängig auf mehreren Punkten des 
Pariser Beckens, haben am Grunde der zahlreichen Gyps-Gruben (zu 
Montmorency u..s. w.) eine Menge fossiler Knochen von Land-Säuge- 
thieren. gefunden, worüber sie vorläufig folgende Resultate bekannt 
machen. I) Die vielen oberflächlichen Einschnitte und innern Ausweitungen 
in den festen Schichten der Pariser Gesteine sind, wie in andern Höhlen- 
reichen Gegenden das Ergebniss von Orts-Änderungen des Bodens und 
Ausfressungen des Wassers. II) Die Orts-Änderungen rühren theils von 
allgemeinen und mit der jetzigen Gestaltung des Bodens nicht zusammen- 
hängenden Ursachen, theils von örtlichen Senkungen und Einstürzen 
an den Abhängen her. III) Die meisten dieser Unebenheiten sind aber 
noch durch Tagewasser erweitert und ausgefressen worden, welche 
von höhern Stellen aus oberflächlich umherliegende Stoffe mit sich 
dahin führten und Sand, Geschiebe, Blöcke, Mergel und Thon zu den 
Gesteins-Trümmern von den Wänden der Einschnitte selbst brachten. 
IV) Diese theils eingewaschenen und theils herabgefallenen Materialien 
wechsellagern oft mit krystallinischen Kalk-Niederschlägen oder metalli- 
schen und. hauptsächlich Eisen- und Mangan-Konkrezionen, woraus er- 
hellt, dass die Ausfülluugen nur während eines längeren Zeitraumes von 
verschiedenen und wechselnden Ursachen bewirkt worden sind. V) Die 
wirkenden Wasser sind süsse gewesen, fortdauernd oder unterbrochen 
fliessende, denn sie haben wohlerhaltene Land- und Süsswasser-Schnecken 
und viele Knochen kleiner Batrachier mit sich eingeführt. VI) Mitten 
in diesen verschiedenartigen Materialien und bis in die feinsten und tief- 
sten Verzweigungen der Höhlen finden sich zerstreut oder zusammengehäuft, 

Jahrgang 1842. 48 


j 744 
einzeln oder in ganzen Skeletten auch viele Säugethier-Knochen zumal 
von Wiederkäuern, Nagern und kleinen Raubthieren. VII) Die daran 
reichste Gegend war bisher jene von Montmorency, wo in einer einzigen 
Höhle von nur wenigen Metern Weite über 2000 Knochen (viele Schädel) 
von mehr als 300 Individuen und etwa 20 Arten meist von kleinem 
Schlage, aber grösstentheils von vorzüglicher Erhaltung gefunden worden 
sind. Die wichtigsten sind: A) Insektenfresser: 1) Sorex: 1—2 
Arten mit gefärbten Zähnen, nieht häufig; 2) Talpa: häufig. B) Raub- 
thiere: 1) Meles, 2) Mustela vulgaris, 3) M. Putorius, 4) M. 
Martes; wenige Knochen, von denen der lebenden Arten nicht ver- 
schieden. C) Nager: 1) Hypudaeus: Knochen an häufigsten, von min- 
destens 3—4 Arten, worunter eine grosse und eine der Wasserratte ähn- 
liche; 2) Cricetus vulgaris, obschon diese vom Elsass bis Sibirien 
verbreitete Art weiter westwärts nicht mehr vorkommt; 3) über 12 Schädel 
von Spermophilus ganz analog Sp. superciliosus Kaup’s von 
Eppelsheim und unter den lebenden näher mit Sp. Richardsonii in 
N.-Amerika als mit den nordöstlichen Arten verwandt; 4) Lepus: gross, 
der Schädel breiter und flacher als an der gemeinen Art; 5) Lagomys, 
ein nordasiatisches, aber auch in den Korsischen und Sardinischen Brec- 
eien sehr gemeines Geschlecht: 2 Arten von der Grösse des L. ogotona 
und des L. pusillus; ziemlich selten. D) Diekhäuter: 1) Sus: 
einige Zähne; 2) Equus: ein fast ganzer Kiefer und ein grosser Theil 
des Skeletts. E) Wiederkäuer: Alces: Geweihe und Knochen einer 
der von Etampes analogen Art, welche auch sonst in Frankreich und 
Belgien vorgekommen ist. — VIID Diese Liste genügt, um die Verwandt- 
schaft dieser Ablagerungen mit den Mittelmeerischen Knochen-Breecien 
und denen der Kuochenhöhlen anzudeuten. Sie mögen so alt und älter, 
als die Diluvial-Kiese der Seine-, Marne- u. a. Thäler mit Elephanten- 
und Rhinoceros-Knochen, aber doch etwas ungleichen Alters seyn. 
1X) Die Säugetbier-Knochen scheinen durch Wasser-Ströme allmählich in 
ihre jetzigen Lagerstätten geführt worden zu seyn, wie man denn noch 
jetzt auf dem Plateau von Muntmorency selbst eine Schlucht sieht, in 
welche sich seit Jahrhunderten alle wilden Wasser der Gegend hinab- 
stürzen, indem sie Sand, Geschiebe, Knochen und Pflanzen-Reste mit sich 
führen und in den Ausweitungen des Gypses absetzen. 

In einem Nachtrage bemerken die Vf., dass sie im S. von Paris, 3 
Stunden jenseits Corbeil am Rande des grossen Plateau’s vom Meerischen 
Sand- und Sandsteine des Waldes von Fontainebleau die Sandstein- _ 
Bänke zerbrochen, eingestürzt, voll weiter Spalten und Höhlen-Windungen 
gefunden haben, wie im N. und Mittelpunkte des Pariser Beckens; die 
abgerundeten und abgenutzten Wände dieser Höhlen zeigen, dass sie 
lange Zeit von Wasser-Strömen durehflossen worden, welche‘ endlich 
Sand und Lehm darin abgesetzt haben. An zwei Stunden von einander 
gelegenen Stellen fanden sie eine grosse Menge fossiler Knochen von 
Elephant, Rhinozeros, Hyäne, Höhlenbär, Pferd, Rind, 
Rennthier, wie sie in vielen Höhlen und das letzte zumal in der von 


745 


Etanmpes bekannt geworden sind. Insbesondre ist die Verbindung nor- 
discher (Benn, Lagomys, Ziesel, Hamster) mit südlichen Formen (Ele- 
phant, Nashorn, Hyäne) bemerkenswerth. 


ELie DE Beaumont (und Ar. Bronantart): Bericht über eine 
Abhandlung. Durocher’s: Beobachtungen über die Diluvial- 
Erscheinungen in Nord-Europa (Comptes vendus de l’ucad. d. scienc. 
1842, — Paris, 4° — XIV, 78—110). . Dieser sehr interessante Bericht 
lehrt uns, dass nach Durocner das „erratische Phänomen“ im Norden 
das Ergebniss zweier aufeinauderfolgender Akte ist. Die Schliffflächen, 
Furehen, Schrammen und die darauf liegenden und damit parallel aus- 
strahlenden Züge von Sandhügeln (asar) mit Seekonchylien sind das Er- 
zeugniss eines grossen (auch für Nord-Amerika) von den höheru Polar- 
Regionen ausgegangenen Stromes; die spätere Umbherstreuung der Fels- 
Blöcke aber auf und theilweise in die umgewüblten Sandhügel ist nur 
zu erklären durch ein, strengern Wintern als die jetzigen sind, ausge- 
setztes Eismeer. — Dieses letzte setzte nach dem Berichterstatter keine 
allgemeine, für die ganze Erde gültige, sondern nur eine örtliche Ursache 
der Temperatur-Erniedrigung voraus. — Über die Ursachen beider Erschei- 
nungen aber gibt es nur Konjekturen. 


©. Petrefakten-K unde. 


G. Micuerorrı: Monografia del genere Murez, ossia enumera- 
zione delle principali specie deiterreni sopracretacei dell’ Italia (27 pp-; 
5 tav. litogr. Vicenza, 1841, 4°). Inu den untertertiären Bildungen 
kennt man etwa 22 Murex-Arten; der Vf. beschreibt deren aus den mittel- 
und ober-tertiären Italiens allein 47 Arten. Die Beschreibungen sind sorg- 
fältig, die Synonyme ziemlich reich, die Lithographie’n vortrefflich; denn 
alle diese Arten sind hier abgebildet. \ 

Wenn man bloss die in dieser Schrift enthaltenen Zitate berechnet, 
so sind: 

in den 3 tertiären Abtheilungen zugleich 1, davon noch lebend 0 


— 


»„ » 2% untern » „ 1, » „ ” ß 
Ri mittel-tertiären Schichten 25, n „ ” 5 
„ mittel- und ober-tertiären Schichten 10, „ » on» 4 
„ in obertertiären Schichten 10, „ „ ” 4 

im Ganzen 47 - 13 


Die noch lebenden mittel-tertiären Arten sind meistens im Indischen 
Ozean zu Hause. 


Uncer: Über ‚die, versteinerten Hölzer des National- 
Museums zu Linz (Warte an der Donau, 1841, 6. August, $. 497—499). 


746 


Auf einer Durchreise durch Linz im Sommer 1840 hatten auch die im 
erst begründeten National-Museum aufgestellten Naturalien-Sammlungen 
Unsers Aufmerksamkeit-auf sich gezogen. 

Von der grossen Suite fossiler Hölzer aus Österreich wurden ihm 
durch Kustos Weıssnäuer Proben zur Untersuchung mitgetheilt. Obgleich 
diese nur ganz kleine Stückchen waren, so zeigten sie sich für eine 
naturhistorische Untersuchung dennoch hinreichend, da dieselbe nur durch 
vorbergegangene mechanische Präparation und nachfolgende Anwendung 
des Mikroskopes zu erzielen ist. 

Jene Hölzer rühren angeblich durchaus von den Sand-, Geröll- und 
Mergel-Lagern des Donau-Thales und seiner Seiten-Thäler her. Alle 
fossilen Hölzer des mittlen Donau-Gebietes in Österreich sind theils 
Nadel-, theils Laub-Hölzer. Schon durch diese einfache Thatsache geht 
zur Genüge hervor, dass die Formation, in welcher sie begraben und 
nachher versteinert wurden, eine verhältnissmässig sehr junge ist, und 
da dem Vf. bereits aus andern geognostisch bekannten Gegenden ganz 
dieselben Holz-Gattungen vorgekommen, so würde er auch ohne nähere 
Bekanntschaft des Donau-Thales mit grosser Sicherheit geschlossen haben; 
dass diese sämmtlich aus der jüngeren  Tertiär-Formation abstammen. 
Alle fossilen Hölzer des mittlen Donau-Gebietes sind, so wie anderwärts, 
als mehr oder weniger ansehnliche Trümmer vorhanden und zeigen wenige 
oder gar keine Spuren von .Abreibung durch Weiterbewegung, was 
schliessen lässt, dass sie hier in ihrer ursprünglichen Lagerstätte, oder 
doch wenigstens dieser zunächst aufgefunden wurden. Die grössten 
Stücke messen 2%’ in der Länge und 7° in der Breite und Tiefe; die 
kleinsten sind nur Zoll-grosse Trümmer. Einige derselben haben eine 
zerfressene Oberfläche; bei andern ist sie mehr glatt, selbst glänzend 
und wie mit einem Firnisse überzogen. 'Sämmtliche Hölzer sind Kiesel- 
Versteinerungen von der Härte des Quarzes oder etwas geringer. Sie 
sind bis auf einige wenige, die unten näher bezeichnet sind, ihrer organi- 
schen Struktur nach so gut erhalten, dass selbst die zartesten Theile, 
wie z. B. die Tüpfel auf den Gefässwänden, ganz deutlich erkennbar sind. 
Bei vielen zeigen sich, wie überhaupt bei fossilen Hölzern, Spuren von 
Quetschung, wodurch sowohl die Lage der Elementar-Theile als ihre 
Dimensionen verändert wurden, was natürlich die Untersuchung sehr 
erschwert. 

An den 17 Proben fossiler Hölzer, die U. zur Untersuchung erhielt, 
lassen sich ganz gut 9 verschiedene Arten erkennen: 3 Nadelhölzer und 
14 Nummern von 6 Laubhölzern. Dieses Verhältniss der Dikotyledonen 
zu den Koniferen ist erst in der Tertiär-Formation zu beobachten, wäh- 
rend in allen älteren Gebirgs-Bildungen, wie bekannt, die. Nadelhölzer 
vorwiegen. Unter diesen Nadelhölzern ist die Gattung Peuce (den 
Gattungen Larix und Araucaria verwandt) vorherrschend und in 2 Arten, 
(P.affinis und P. minor), vorhanden. Es ist übrigens seltsam, dass unter 
den zahlreichen Arten dieser Gattung beide noch von keiner andern 
Gegend bekannt sind. Das dritte Nadelholz gehört Thuyoxylum an 


747 


und scheint weiter verbreitet zu seyn, denn U. faud diese Art auch 
im Drau-Thale. — Was die Dikotyiedonen betrifft, so lassen sie sich 
unter folgende 5 Gattungen; nämlich: Quercinium, Betulinium, Phe- 
gonium, Acerinium und Fichtelia bringen, deren Namen, mit Aus- 
nahme des letzten, schon die nahe Verwandtschaft mit mehren gegen- 
wärtig in Europa, und selbst in diesen Gegenden einheimischen Bäumen 
ausdrückt. Ausser mit Quercinium, das mit Quercus eine solche 
Übereinstimmung der Struktur zeigt, dass es von dieser kaum zu unter- 
scheiden ist, geben sich alle übrigen als deutlich verschieden zu erkennen 
selbst von den ihnen zunächst verwandten Holz-Pflanzen. Mit Ausnahme 
von Acerinium, das den Acerineen, und von Fichtelia, die wahr- 
scheinlich einer baumartigen Leguminose angehören mag, sind die übrigen 
Dikotyledonen -Hölzer des mittlen Donau - Gebietes den Julifloren, 
Kätzchen-tragenden Bäumen, zuzuzählen, was sehr wohl mit den Knochen- 
Resten von Bos Urus zusammenstimmt, die mit jenen zugleich ausge- 
graben werden, indem-es an jene düstern Wälder erinnert, welche noch 
gegenwärtig den Heerden jener Tbiere zum Aufenthalte dienen. Alles 
diess zusammengenommen zeigt, dass diese Flora jener Tertiär-Zeit der 
der gegenwärtigen Epoche, namentlich der wärmeren gemässigten Zone 
durchaus nicht wunähnlich : war, ein Resultat, das auch mit den auf 
‘anderem Wege gewonnenen Thatsachen im vollkommenen Einklange steht. 

Nadelholz- und Eichen-Waldungen von Buchen-, Ahorn-, Birken- und 
Gleditschia-artigen Bäumen durchwirkt, in denen Urochsen und andere 
Gras-fressende Thiere umherirrten, bildeten demnach die Hauptmasse der 
Vegetation jener Landstrecken, welche jetzt das reitzende Donau-Thal 
begrenzen, und es gehört wenig Einbildungskraft dazu, um hierin das 
Bilä mehrer Nordamerikanischer Landschaften zu erblicken. 

Die 17 Nummern der im National-Museum in -Linz aufbewahrten 
fossilen Hölzer des mittlen Donau-Gebietes sind folgende, und die Namen 
alle vom Verf. N 


19 } 
No. Namen der Hölzer. Fund-Ort. Bemerkungen. 


Coniferae. Ein abgeriebenes, gebräunt. 
14' lang. und 9° breit., un- 


1 | Thuyoxylumjunipe- | Scheerding im Inn- D°, a 
regelmäsig geformt. Stück 


rinum, Kreise, \ ; 
mit unebenem, etwas splitt- 
rigem Bruche. 
2 | Peuce affınis. Bachmanning bei 
3 Lamberg. 
3 y minor. desgleichen. 
Juliflorae. 
4 |Querein.sabulosum.| Bachmanning. Gegend, wo Knochen v. Bos 
” Urus gefunden worden. 
3 „ » Österreich. Uneben, etw. abgeschliffen, 
a wie mitein. Firnissüberzog. 
6 „ „ Österreich. Sehr zerstört. 
7 % r ' Buchmanniny. 


748 


Tr 


No. Namen der Hölzer. Fund-Ort. . Bemerkungen. 


8 |Quercin.sabulosum.| Österreich. 

9 „ . austriacum.| :Bachmanning. Ku 

10 |Betulinium tenerum| Freystadt an der |Kleine Stücke im Gerölle. 
 Jautnitz. 

11 \ . Freystadt. Kommt häuf. in 14’langen u. 
BETEN | 3! hreiten Stücken vor. 

12 |Phegon. vasculosum.| Gaspoldshofen im 2z' lange und 7'’ breite und 
Hausruck-Kreise, | eben so dieke, glänzend ab- 
RU geschliffene u. abgerundete 
Stücke, aus der Nähe eines 
Braunkohlen-Lagers. 


13 PR io Österreich. Plattes 13° langes Stück. 
14 .» »”.- Freystadt. { ‘ 
15 “ Scheerding , am Sandsteinartig; Struktur 


"Acerineae., Löffter-Bache. fast unkenntlich. 


16 | Acerin. danubiense. | Österreich. 
Leguminosae. 


17 |Fiehtelia articulata. | Österreich. 


Die Diagnosen der hier aufgeführten Hölzer sind früher, S. 173, 
bereits mitgetheilt!' worden, — Sämmtliche Fossilien aus Österreich, 
aber mit nicht näher bestimmtem Fundorte, rühren aus der Sammlung 
des Hrn. Baron v. Lemsruca her. 


—— 


Enw.Forezs: z0o0-geologiseheBetrachtungen über dieSüss- 
wasser-Konchylien (Ann. a. Mayaz. of nat. hist. 1840, Dec. no. 37 
— Fror.N. Notitz. 1841, XVII; 340—348). Die Lungen-Schnecken des 
süssen Wassers bieten wenige subgenerische Gruppen der Arten, die Genera 
(Limnaeus, Planorbis, Physa, Aucylus) sowohl als die Arteu sind 
sehr verbreitet auf der Erd-Oberfläche; das Klima wirkt nicht einmal auf 
ihre Grösse und Farbe ein. Die kammkiemigen Gasteropoden (Palu- 
dina, Melania) dagegen nehmen an Geschlechtern und Arten gegen 
. die Tropen zu, und eigenthümliche Formen erstehen: die Gruppen sind 
selbst unter einerlei Breite auf beschränkte Landstriche zentralisirt; die 
Amerikanischen sind von der Asiatischen verschieden; die Grösse der- 
selben Art wechselt mit dem Klima. — Ebenso auch bei den Muscheln 
(Najaden und Cyclas). Man kann aus diesen Thatsachen folgern: 
1) die spezifischen und generischen Form-Abänderungen der Lungen- 
Gasteropoden des Süsswassers hängen weniger als die der Kammkiemer 
und der Acephalen vom Klima ab; 2) bei einem vom Klima unabhängigen 
Geschlechte ist .die geographische Verbreitung um so bedeutender, je 
konstanter die Formen sind; bei den andern umgekehrt. 


In geologischer Beziehung ergeben sich nun daraus wieder folgende 
Schlüsse: 1) Liegt der Haupt-Grund der Verschiedenheit früherer und 
jetziger Arten in klimatischen Verhältnissen , so muss nach Obigem der 


749 


Unterschied zwischen den einstigen und jetzigen generischen und sub-. 
generischen Formen bei den Lungen-Schnecken des Süsswassers bei 
Weitem nicht so gross seyn, als bei jenen des Meeres. Und in der That 
sind die fossilen Süsswasser-Lungenschnecken den lebenden sehr ähnlich 
und ohne ausgestorbene Genera. 2) Dagegen müssen die fossilen kamm- 
kiemigen Schnecken und Muscheln einer gemässigten Gegend in 
Charakter, Verbreitung und Arten-Zahl sehr von den jetzigen daselbst 
abweichen; Länder höherer Breiten müssten fossile Formen wärmerer 
Zonen aufzuweisen haben. Und wirklich findet man in England z. B. 
eine Menge von Melania, Melanopsis, Ampullaria, Paludina, — Cyrena 
und Cyclas, welche jetzt theils nur sparsam dort vertreten, theils ganz 
ausgestorben sind. 3) Ein Laxer fossiler Süsswasser-Bewohuer aus 
einer Epoche der Erde, wo das Klima Grossbritanniens dem jetzigen 
tropischen gleichkam, müsste daher Arten darbieten, welche im Ganzen 
und auch hinsichtlich der Zahl mit denen wärmerer Klimate wohl über- 
einstimmten, ihnen nahe verwandt oder identisch wären.. Und so verhält 
es sich mit dem von Morr1s beschriebenen Muschel-Lager von Grays in 
Essex, worin die Pulmoniferen mit den jetzigen [tropischen und zugleich] 
Grossbritannischen Arten identisch sind, während die Kammkiemer und 
Muscheln heissen Ländern anzugehören scheinen. 4) Weicht in einer 
tertiären Süsswasser-Formation die Fauna nicht merklich von der jetzigen 
ab, und zeigt sich die Abwesenheit eines Unterschiedes hauptsächlich 
bei Lungenschnecken, so haben wahrscheinlich sekundäre Einflüsse 
dieselbe bewirkt; "zeigt sie sich bei Kammkiemern und Muscheln, so 
ist nur die Möglichkeit soleher Einflüsse anzunehmen. 5) Berechnet 
man die Ähnlichkeit früherer und jetziger Faunen nach Prozenten iden- 
tischer Geschlechter und Arten von See- und Binnen-Konchylien, so führen 
diese Genera in den älteren, die Arten in pleocenen und jüngern Bil- 
dungen zu Trugschlüssen, und man muss für erste Formationen die 
Prozente der Süsswasser- und Meeres-Spezies, für letzte die der Pul- 
moniferen besonders beachten. 


A. D’Oreıeny: zoologisch-geologische Beobachtungen über 
die Rudisien (Acad. d. scienc. 1842, Fevr. 7 > UInstit. 1842, X, 
51, jetzt ausführlich in Ann. scienc. nat. 1842, XVII, 173—192). Die 
Resultate sind: 

1) Die Rudisten, unter der Kreide noch nicht beobachtet, bilden 
aufeinanderfolgende Absätze, Bänke mit scharf abgeschnittenem Horizont, 
treffliche Mittel zur Unterscheidung der Schichten. 

2) Verschiedene Zonen von Rudisten im nämlichen Becken und in 
einer Folgenreihe von wenig gestörten Schichten abgesetzt, wie man es 
im W. des Pyrenäischen Kreide-Beckens sieht , könnten beweisen, dass 
es nicht grosser örtlicher Bewegungen bedurfte, um verschiedene Faunen 
an einen Ort zu führen, dass aber zweifelsohne andre Ursachen auf diesen 
Wechsel der Faunen eingewirkt haben. 


750 


3) Die Rudisten erscheinen 5mal an der Erd-Oberfläche im Kreide- 
Systeme, jedesmal in ganz verschiedenen Formen ohne zoologischen Über- 
gang zwischen den Arten und ohne Überführung der Individuen aus 
einer geologischen Zone in die andre. So wurden die respektiven Faunen 
der 5 Rudisten-Formen, sey es in verschiedenen Schichten, oder in Schichten 
eines Stockes, der Reihe nach zerstört und ersetzt durch andre ganz neue, 
was keineu Übergang in Formen und Schichten andeutet. 

4) Die Horizonte, welche diese Rudisten-Zunen abgeben, behalten 
immer ihre nämliche Lage in Beziehung auf andre fossile Arten. 


Gurrin: Insekten im Bernstein Siziliens, mitgetheilt von 
Prof. MaravısnA zu Catanea. Der Bernstein stammt aus einer Tertiär- 
Formation am Meeresufer Siziliens, nahe an Fluss-Mündungen. Beson- 
ders kenutlich sind ein Platypus, mehre Ameisen, von welchen zwei 
Fig. 9 und 10 zu einem noch jetztin Amerika, Afrika und Asien verbrei- 
teten Genus LeptaleaKruc (welches Formica gracilis, F. tenuis und F. 
filiformis Fagr. einschliesst), eine Ceratopogon Fg. 15 (von G. wohl aus 
Versehen Dasypogon genannt), besonders kenntlich, mehre kleine Zwei- 
flügler aber nicht näher zu bestimmen sind (Gurrın Revue zoulog. > 
Erıcahson in WıEsm. Arch. 7839, Il, 309). 


C. J. Dare: fossile Libellen (Annals a. Magaz. of nat. hist. 
1842, B, IV, 257). In diesem Journale IV, 302 ist ein Flügel aus dem 
Lias in Warwickshire als Aeshna liasina SrtriıckL. neben einem 
Flügel von Ae. grandis und Libellula depressa zur Vergleichung ab- 
gebildet (vgl. a. a. O. IX, 302). Aber das Stigma an dem Flügel zeigt, 
dass er dem von Cordulegaster und insbesondre von Petalura (zovol. 
miscell. 11, pl. 94) aus Neuholland viel näher steht. Mit dem Flügel 
eines Weibchens aus Chırpren’s Sammlung stimmt er ganz überein. 


Der Marquis v. Norruampron hat 4 fossile Arachiden erlangt. 
Die eine, von Soulenhofen, hat 10 Füsse und ist nach J. E. Gray zunächst 
mit den parasitischen Meeresbewohnern aus dem Geschlechte Nymphon 
verwandt; sie mag auf Ophiura gelebt haben, welehe in nämlichen Hand- 
stücke damit vorkommt. Die 3 andern sind aus der Süsswasser-Bildung 
von Aixz und haben 8 Füsse; sie gehören 2 Arten, wahrscheinlich aus 
dem Geschlechte Argyronecta, an. Mit einer derselben kommt auch 
ein Abdruck vor, welcher einem Chelifer oder BäCher-Skorpion gleicht, 
welcher die Klauen eines Skorpions aber nicht dessen’ Schwanz besitzt. 
(Bucktann’s Jahrtags-Rede > Ann. magaz. nat. hist. 1842, IX, 162). 


H.E. SrrickLan hatim Lias von Evesham in Warwickshire den Flügel 
einer Libellulide entdeekt [s. vorhin]. Der Nerven-Verlauf ist ganz wie bei 


751 


den lebenden Arten und gleicht sehr dem bei Aeshna. Der dunkle Fleck 
am vordern Rande des Flügels ist deutlich. Tiefer als in den Solenhofer 
Schichten hatte man diese Thiere bisher nicht gekannt. Voriges Jahr 
hatte Bropie auch eine in den Süsswasser-Schichten der Wealden-Formation 
bei Dinton im Wardour-Thale in Wiltshire gefunden, bei andern Insekten. 
Einen Hemerobius-ähnlichen Flügel in den Stonesfielder Schiefern, 
mit vielen Kdfe r-Flügeldecken gefunden, hat Buckranp schon früher 
(Geulog. Proceed. II, 688) beschrieben. Reste kleiner Hymenopteren 
sah er an Kohlen-Stücken aus der Umgegend hängend in der Sammlung 
der Universität Glasgow; — und Murchuison hat (Silur. syst. p. 105, 
»0. 13) die Flügel eines grossen Neuropteren in einer Thoneisen-Niere 
wahrscheinlich aus dem Kohlenfeld in Staffordshire abgebildet, welche 
dem einer in Caroiina lebenden Corydalis gleicht und sich in MAnTELr’s 
Museum befindet. (Ebendas. S. 163.) 


Gray hat in seiner Monographie der Seesterne (Ann. nat. hist. 1840, 
VI, 175, 278, 286) zwei neue Genera aufgestellt: eine dem Coelaster 
nahestehende Comptonia [wie längst ein Planzen-Geschlecht heist] nach 
einer Chalzedon-Versteinerung aus dem Grünsand von Blackdown in 
Devon, welehe nun in der Sammlung des Marquis von NorTHAMmPToNn ist; 
und ein Geschlecht Fromia, welches einen eigenthümlich getäfelten See- 
stern aus Kreide nebst einer in Neuholland lebenden Art in sich begreift. 
(Ebendas. S. 164.) 


Eus. Sısmonpa: Monografia degli Echinidi [ossili del Piemonte 
(54 pp., IIl tav. 4° Torino 1841). Ein Abdruck aus den Memorie della 
R. Accad. delie scienze, B, II. Auf eine Einleitung über die Klassifi- 
kation der Echiniden durch GratELouUr, DesmouLiss, Acıssız u. A. folgt 
eine Charakteristik aller Genera nach letztem (S. 1—17) und dann die 
Beschreibung der 25 Piemontesischen Arten. Sie sind alle tertiär; 14 
davon gehören den miocenen Hügeln um Turin (d), 7 dem pliocenen 
Gebirge von Asti (e) und 4 beiden zugleich an, welche Zählung (S. 52) 
jedoch nicht mit den Detail-Angaben übereinstimmt. Einige davon sollen 
anderwärts im Jura (a), Kreide (b), eocenen Bildungen (c) oder auch 
lebend vorkommen. Die mit * sind abgebildet. 


u  ————— 


u anderwärts. = | anderwärts, 
5 s 
Ei ' ea 
Schizaster Borsonii n.” Sen 
canaliferus Ac. .de.def übe- Grateloupii 2.” . d 
rall. intermedius n.”.d .. 
eurynotus Ac. .d.. ovatus n.* RT, 
Agassizi un.” .d.. Spatangus 


Genei n.” hr purpureus Lx. .? e.f Europa. 


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D = y 

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chitonosus n.” .d.. Beaumonti z Er 
Echinolampas . ; Anastern.g. ; 
GREY: Studeri n.” de - 
affınis Ac. - .d .. d Bor- |Cidaris Lr. (Sta- 
2 deaux. cheln). k 
similis Ac.* :d ..e Paris. ?nobilis Münst.”..de.a Europa. 
Studeri Ac. Sen Blumenbachi . 
Clypeaster Münsrt.” .. e.a Europa. 
rosaceus Lk. .de,.fS.Amer.| marginata Gr.”“.d. .ab Europ. 
‚altus Le. .d ... de Europ. pustulifera Ac.“.d. .a Besang. 
crassicostatus vesiculosa Gr. .d .b Europa. 
Aue dd... Echinus 
ambigenus Brv.. d lineatus Gr.  ..e.a Baiern. 


Jedoch kommen in dieser Arbeit viele Verwechselungen vor, wie 
theils aus den Zitaten in sehr verschiedenen Formationen wahrscheinlich 
und theils bereits bekannt und erwiesen ist. Zu letzten gehören insbe- 
sondre auch die Cidaris-Stacheln, von welchen Ref. schon i831 einige _ 
(in_ seinen Italiens Tertiär-Gebilden , S. 131—132) als eigene und von 
den obigen jurassischen verschiedene Arten, MicneLorti einige als Anti- 
pathes-Fragmente beschrieben (Jahrb, 1838 , 614), aber S. 225 seine 
Zoophytologia und Jahrb. 71840, 344 dann selbst für Cidaris-Reste er- 
kannt, aber au erster Stelle auf Abbildungen abweichender Arten bei 
GoLpruss bezogen hatte. 


C. G. Enrengers: Vorläufige Nachricht über ein Lager 
fossiler mikroskopischer Organismen in Berlin (Monats-Bericht 
der Berlin. Akad. 7841, Juli > Pocsenp. Ann. d. Phys. 1841, LIV, 
436—442). Nachdem des Vorkommens fossiler Infusorien unter Mitwir- 
kung Zeuscaner’s bis in den Oolithen-Kalk von Krakau und unter der 
von HeELmersen’s bis in den Bergkalk Russlands verfolgt worden ist, 
führt uns der Vf. wieder auf den flachen Boden von Berlin zurück, 
welches grossentheils auf einem Infusorien Lager steht. 

1) Das Berliner Lager ist unter allen bis jetzt im Detail bekannten 
Süsswasser-Gebilden der Art das auszedehnteste. Es ist unter einem 
Hause der Luisenstrasse nahe der Marschalls-Brücke, unter einem andern 
in derselben Strasse bei der Karlsstrasse, und in der gegenüberstehenden | 
. Häuserreihe, — auf der Insel hinter dem Neuen Museum — dann in 
der Kochstrasse vom Vf. untersucht und ausser diesen 3 von einander 
sehr entlegenen Haupt-Punkten nach der Aussage der Baumeister und 
Brunnenmacher noch zwischen der Kochstrasse und dem Halle’schen 
Thore, in der Karlsstrasse, unter der Charite und in mehren anderen 
Gegenden der Stadt beobachtet worden. | 2 

2) Das Berliner Lager ist auch das mächtigste aller derartigen 


755 


Gebilde, obgleich seine Mächtigkeit sehr ungleich ist, In jenen 2 erst- 
genannten Gegenden liegt dieses sogenannte „Torf-Lager“ zwar nur 5/ 
diek in 12°—15' Tiefe unter der Oberfläche, 4°—8° tiefer als der Boden 
der Spree, und besteht in dieser Abgeschlossenheit vom Lichte zu 3—3 
seiner Masse aus kieselschaaligen, noch theils jebendigen Infusorien, 
aber am Unterbaum ist es mit 70' nicht durchsunken, in der Karlsstrasse 
nahe der Panke soll es an 100' haben, im Runstegen’schen Garten in 
der Kochstrasse und in der benachbarten Friedrichsstrasse sehr mächtig 
seyn und eben so tief oder noch tiefer auch mitten in der Stadt Pots- 
dam vorkommen. Das grosse Infusorien-Lager in der Lüneburger Haide 
ist nur # so stark. 

3) Die Verdiekungen dieses Lagers nach unten sollen oft eine deut- 
liche Trichter-Form haben, und wenn sie 100° nahezu erreichen, kommt 
ihre Tiefe dem Niveau der Ostsee gleich, 

4) Dieses Lager aber ist kein todtes, sondern findet sich noch in 
einem Zustande des Lebens, welcher die Fortpflanzungs-Fähigkeit grosser 
Massen von Individuen anzeigt. Viele kleinre Schaalen sind zwar zer- 
brochen, andre aber unversehrt, voll frisch und lebhaft grüner geord- 
neter Kügelchen d. ı. von grünen Eyern erfüllter Zellen; nur der Zahl 
solcher Zellen nach stehen sie gegen die an der Oberfläche lebenden 
zurück. Die meisten dieser Thierchen gehören zu den (wie Austern und 
Schildläuse) unter allen Umständen bewegungslosen Gallionellen;einige- 
male sah der Vf. spontaue Bewegung, wie bei kleineren Naviculis, aber 
eine so starke Orts-Veränderung, wie die Naviculae sonst haben, fehlt 
den meisten. So fände sich also Leben, grüne Färbung uud Fortpflanzung 
dieser Organismen in lichtlosen fossilen Lagern, wo das Wasser die 
Atmosphäre zu vermitteln scheint. 

5) Die Hauptmasse dieser Formen ist sonst noch gar nicht lebend 
bei Berlin beachtet worden; obschon dieselben Spezies das mit Braun- 
kohle und Sandstein wechselnde Lager von Infusorien-Mehl bei Kliecken 
bilden. Besonders auffallend sind viel beigemischte, sehr zackige und 
stralige Kiesel-Nadeln, wie sie bei Seeschwämmen häufig vorkommen, 
aber nie bei Flussschwämmen und nie lebend bei Berlin gefunden wor- 
den sind. Auch die Absätze des Berliner Gesundbrunnens, dessen Quelle 
eine sehr beständige Temperatur zeigt und daher nicht ganz oberfläch- 
lichen Ursprungs seyn kann, enthalten nur die gewöhnlichen meist eisen- 
haltigen Formen der Umgegend Berlius, nicht obigen Lagers. Aber 
der zu den Schlamm-Bädern der Luisenstrasse dienende Schlamm ge- 
hört dem Infusorien-Lager an und hat seines gleichen bei Loka in 
Schweden. 


Anzeige verkäuflicher Mineralien- und Petre- 
fakten-Sammlungen aus dem Pariser Becken. 


Die unten verzeichneten Sammlungen aus dem Pariser Becken 
wo durch Eisenbahnen- und Festungs-Bauten jetzt so viele Örtlichkeiten 


54 

Pe 2 / 
aufgeschlossen, sind mit grösster Gewissenhaftigkeit an Ort und Stelle 
angelegt, geordnet, mit Katalogen und Zeichnungen des Terrains und 
der Schichten-Folgen versehen, so dass es dem Besitzer derselben ebenso 
leicht wird, diese Bedingungen zu studiren und nach irgend einem 
Systeme abzutheilen, als wenn er sich selbst an Ort und Steile befände. 
Die Handstücke in den Sammlungen folgen sich übrigens von der Kreide 
an aufwärts bis zu den neuesten Fluss-Bildungen genau wie in der Natur. 
Der Preis derselben wechselt je nach der Grösse der Stücke und der Sel- 
tenheit der Petrefakten und ne von 25 bis 100 RR Eth und 
zwar kosten: 


1) Geologische Sammlungen: 100 Stück von 0,08 Länge und 
0m,05 Breite, mit den charakteristischen Petrefakten versehen — 25 Eranes. 


2) Geologische Sammlungen bis zu 500 Stück, grössre Hand- 
stücke, grössre Anzahl von Petrefakten, kommen auf 150 Frances und 
darüber , wobei es dem Liebhaber frei steht, mit Berücksichtigung der 
in unsrem Katalog für die seltneren Petrefakten angesetzten Preise sich 
den Umfang der Sammlung selbst zu bestimmen. 


3) Sammlungen von Petrefakten allein: 100 Spezies (Pflanzen, 
Mollusken, Krustazeen u. s. w..... ) 50 Fes. Für Reste grössrer 
Thiere wird der Preis besonders bestimmt. 

4) Mineralogische Sammlungen, grosse Handstücke: 100 Stück 


50 Fr.; kleinere von 50--80 Stück werden zu Preisen von 25—30 Fr. 
abgelassen. 


Bei dieser Gelegenheit erlauben wir uns auf die geologischen 
Reliefs aufmerksam zu machen , welche über die verschiedenen Länder 
Europa’s von Wıru. OBERMÜLLER ausgearbeitet und hier bei H. Baver- 
KELLER geprägt werden und ebenfalls bei uns vorräthig sind. Bis jetzt 
ist erschienen: 1) der Montblanc bis zum Genfer See; 2) die ganze 
Schweitz; 3) Europa. In Arbeit sind: Frankreich, Deutschland und 
England. Preis eines Reliefs, feinkolorirt und kartonirt 25 Fr. - Diese 
Reliefs, entworfen nach den neuesten und besten Hülfsmitteln, geben 
alle geognostischen Details eben so scharf als die Flachkarten, aber mit 
dem Vortheil, dass auf ersteren Höhen und Tiefen, Gebirge und Ebenen 
m erhabener Prägung hervortreten, ein Umstand, wodurch das Verständ- 
niss geologischer Thatsachen ungemein erleichtert wird, indem solche 
Reliefs -gewissermasen Abgüsse der Natur sind. Dieselben Verhältnisse, 
aber auf Flachkarten, werden von dem nämlichen Verfasser in seinem 
ethno-geographischen Atlasse, von dem bis jetzt 2 Blätter erschienen 
sind, dargestellt werden. 


Naturforscher, welche während ihres Aufenthaltes in Paris die geo- 
logischen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennen lernen wollen, finden 
bei uns jederzeit sachkundige Führer. 


‚19 


OBERMÜLLER & TascHE 
18 rue d’Ulm & Paris. 


755 


Verzeichniss aller im Paris. Becken *) vorkommenden Petrefakte **). 


I. Kreide, 
Strahlthiere: No. 1-3, 


Asterias aurantiaca. 
Ananchvtes ovata. 
Spatangus coranguinum, 


Mollusken : 4—15. 


Ostrea vesieularis. 
Catillus Cuvieri. 
Crania parisiensis. 
Pecten quinquecostatus. 
Plagiostoma spinosum. 
Mytilus laevis. 
Terebratula Defrancii. 


Ma plicatilis. 
er octoplicata. 
carnea. 


» ? 
Trochus Baxteroti. 
Belemnites mucronatus. 


II.TertiäresGebilde. 


A. Pisolithen-Kalk, 
Zoophyten: 16—19. 


Orbitulites plana. 
Turbinolia elliptica. 
Flustra. 

Eschara. 


Strahlthiere ; 20—22, 


Spatangus. 
Cidaris-Stacheln. 
Glieder von Asterien. 


Anneliden: 3-24. 


Dentalium. 
Serpula. 


Molusken : 35 —6?. 


Crassatella tumida, 
Corbula. 

Corbis lamellosa. 
Lueina grata. - 

” contorta. 
Cytherea obliqua. 
Venus obliqua. 
Corbula galliea. 
Cardium porulosum. 

= granulosum. 
= rugosum. 
Arca biangula. 
» Fudis. 
»  barbatula. 
» filigrana. 
Chama. 
Modiola cordata. 
Lima inflata. 
„  ‚(spathulata?). 
Solen. 
Hipponyx cornucopiae. 
Calyptraea trochiformis. 
Natica patula. 
Nerita angiostoma. 
Delphinula oder Turbo. 
Solarium patulum. 


*) Hier muss das Wort „Pariser Becken“ in 
schränkten Sinne verstanden seyn ? 


Trochus subcarinatus. 
Turritella imbricataria. 
? 


Cerithium giganteum. 

” semicostatum. 
Fusus. 
Oliva branderi. 
Cypraea. 
Pleurotomaria concava. 
Nautilus. 
Miliolites. 
Fischzälhne. 


B. Plastischer Thon. 


Radiaten und See-Muscheln 
von der Kreide stammend ; 
63—66, 


Ananchytes ovata. 
Catillus Cuvieri. 
Östrea vesicularis, 
Belemnites muecronatus. 


Süsswassermuscheln, gleich- 
zeitig mit der Thonbildung: 
 67—71. 
Anodonta Cordierii, 
» antiqua. 
Cyclas. 
Paludina lenta, 
Planorbis. 
(Fisch-Reste), 


In dem (Holzkohlen) plas- 
tischen Thon finden sich 
ferner : 72—99, 


Konchylien. 
Planorbis rotundatus. 

e ‘ punctum. 

” ' prevostinus. 
Physa antiqua. 
Lymnaea longiscata. 
Paludina virgula. 


ä indistincta. 

£ unicolor. 

= Desmarestii. 

e conica, 

PR ambigua. 
Melania triticea. 
Melanopsis buccinoidea, 

costata, 


» 
Nerita globulus. 
».  Pisiformis. 
2: sobrina. 
Cyrena antiqua. 
» ...tellinoides. 
5 cuneiformis. 


See-Bewohner. 


Cerithium mutabile. - 
e: melanoides. 
Ampullaria depressa. 
OÖstrea bellovacina. 
„»  Incerta. 


Pflanzen. 


Exogenites. 
Phyllites multinervis. 
Endogenites echinatus. 


C. Grünsand 100. 


Nummulites und viele andre 
Zoophyten und Mollusken, 


D. Grobkalk, 
a. Unterste Schichte 
101— 114. 


Astraea (viele Arten). 
Turbinolia elliptica. 

> sulcata. 
Retoporites digitalis, 
Lunulites radiata. 
Fungia Guettardi. 
Lucina lamellosa. 
Cardium porulosum. 
Crassatella tumida, 
Voluta eythara. 
Turritella imbricataria. 
Cerithium giganteum, 
Nummulites laevigata, 
Nautilus Lamarckii, 


b, Mittle Schichte: 
115—126. 


Orbitulites plana. 
Cardita avieularia. 
Cardium aviculare. 
Pectunculus pulvinatus, 
Cytherea nitidula. 

2 elegans. 
Calyptraea trochiformis, 
Voluta harpula. & 
Terebellum eonvolutum. 
Turritella imbricataria. 
Cerithium u. s. w. 
Milielites. 


c. Oberste Schichte: 
127—133. 


Cardiım lima. 
Lucina saxorum. 
Ampullaria spirata. 
Cerithium. lapidunı. 


a tuberceulatum, 
» mutabile. 
“ petricolum. 


E. Zerbrechlicher Kalk. 


Verschiedene ähnliche Peire- 
fakte. 


F. Sand u. Sandsteine 
von Beauchamp 154— 
174. 


Cerithium lapidum, 
Natica mutabilis. 
Melania hordeacea. 
Calyptraea trochiformis. 
Cytherea elegans. 
Venericardia. 
Avicula fragilis. 
Cerithium mutabile. 
Fusus subcarinatus. 
Fistulana, 

Chama u. s. w. 
Corbula angulata. 
Cyrena deperdita. 


»inem weit miehr als za mlen be- 


*%) Eine solche Sammlung von Peirefakten müsste vorausbestellt werden, da sie sehr 
schwierig herzustellen ist und auch Kosten nöthig macht, 


Cytherea cuneata. 
Venus solida, 
Venericardia complanata. 
Pectunculus depressus, 
Östrea eueullaris, 

N arenaria. 
Trochus patellatus, 
Cerith. mutabile, 

5 Hericarti. 

% thiarella. 

A Cordieri. 

» Ppleurotomoides. 

5: Lamarckii, 
Fusus minor. 

Oliva Laumontiana. 
Lenticulites variolaria. 
Mactra semisulcata, 
Corbula minuta. 

a striata. 
Lueina saxorum. 
Cythereas2.. .. 
Melania hordeacea. 

2 lactea. _ ® er 


Natica labellata. — . .. 


Cerithium subula. 
A tricarinatum, 
lapidum. 
Ancillaria buceinoides. 


3 


G. a r-Kalk:’ 


175— 187. 


Cyelostoma mumia. 
Limnaea longiscata. 
Planorbis rotundatus. 


& lens. 
inversus. 
Paludina pyramidalis. 
5 elongata, 
e varicosa. 
R eyclostomiformis. 
RAR pusilla. 
7°,» fiterebra. — 


736 


Stengel und Körner v. Chara 
medicaginula. 


Typha, 
H. Gyps. 
Die hier vorkommenden 
Wirbelthiere lassen sich 


nur durch Geld - Unterstü- 
tzung u. s. w. erlangen. Klei- 
nere Theile lassen sich er- 
halten. 


I. Flussmergel: 200 *)— 


203. 
Cytherea 
convexa-Glauconomya ? 
plana 
Krustazeen. 7 34% W 
Cypris faba. 
Cloportes mehrere Arten. 


K Mittler Süsswasser- 


3 I Tale 204 io; 
Helix globulosa und ara 


Ptlanzen- nz Mollusk. 


L. Salzwasser- Mergel: 
ı 572054217. 


Päludich thermalis, ” 
Östrea hippopus. 
„  longirostris. 
„  cochlearia. 
Eh) N ngnata.., ; H a 
Osdieren elegam a: 1 
ori rag s 


Natica Hana een ssig 
Cerithium plieatum. 
einctum. 3 ER 


za72 © “ a} 74. 


""Milolites..” 


9 


M. Sand und Sandstein 
von Fontainebleau: 
218—229. 


Ostrea flabellula. 
Corbula rugosa. 
Cytherea nitidula. 

Fr laevigata, 

% elezans, 
Donax retusa. 
Crassatella compressa, 
Cerithium eristatum. 

R lamellosum. 

2 mutabile. 
Fusus longaevus, 

Oliva mitreola. 


N. Obrer Süsswasser- 
Kalk: 230—247, 


Chara eng hi 
& icteres. 


SNy ERS Arethusae. 


"Lycopodites squamatfus. 


Mollusken. 
Cyclostoma elegan ER 
Potamides, amarckii,- £ P # 
Planorbis rotundatus. 

3 cornu. 
3 ' Prevostinus. 
Limnaea cornea. 
S fabula. 
= ventricosa. 
intlata. 


-- Bulimus pygmaeus. 
Ei terebra. 
Pupa Franeii. 
Helix Lemani. 
= Drau Ze 


Hr 


x 


„Ein Yerp richtige der. zeopnnsijschm = A Hand- 


ücke ‚Kap. auf Verlangen. ebeyialis mitgetheilt werden u 


‚#) Die Ziffern»188—199 u ip vorgefunden. 


PZN 


437 Fee Fa! 


eier 


Evs 


D. Ro 


Versuch 
einer 
allgemeinen Theorie 


der 


Felsspiegel-Flächen’*) 


von 


Herrn Pu. Braun, 
Churhessischem Premier-Lieutenant. 


Nachdem längst der Bergmann da unten — tief in der 
Erde -— den Fels-Spiegel als „Harnisch“ aufgefunden hatte, 
ihn so ziemlich sich selbst und der Vergessenheit überlassend, 
blieb mit einem Male ein frommer Mann der Berge — hoch 
‚ oben auf der Erde — staunend stehen vor dem Spiegel des 
grossen Sf. Bernhards. Nun ward davon gesprochen; aber 
die Rede verscholl; denn es war noch geologische Dämme- 
rung. Doch die Erscheinung war ja — ein offenbares 
Geheimniss derNatur, und in der Natur des Geheimnisses 
liegt der Zauber der Anziehung, wenn auch ein geschwächter 
beim offenbaren. — Also war vorauszusehen, dass das schein- 
bar verklungene Wort im späteren Widerhalle um so leb- 
haftere Anregung erzeugen werde. So geschah! Aber das 
Echo hatte sich im Ziekzacke zu winden, bevor es wieder 
hervorzubrechen vermochte; es brach sich allzusehr an den 


”) Eine frühere Abhandlung s. i. Jahrb. 1842, 656 ff. 
Jahrgang 1842. 49 


758 


— Fremdsteinen. Ein Wanderer der Erd-Forschung (die 
Erde hatte seit Deulschlands Werner begonnen immer weniger 
ein Fremdling uns selbst zu seyn) sah jene und nannte sie: 
erratische Blöcke, und fragte: woher$ — Einfach kam 
er auf Nahes: auf das Wasser; doch Andere geriethen auf 
noch Näheres: auf das Eis. Und diese Rollblöcke, als Irr- 
steine,. führten nun über zu.den Felsspiegeln und sonach 
auch wieder auf Murkitu zurück und — auf Fluth und 
Gletscher. Warum Letztres$ weil Rollstein und Stein-Spiegel 
sich so gern Gesellschaft keisten, — Ist Diess auch natürlich, 
so war Jenes doch nieht nöthig.. Warum ward nieht in den 
alten Bergmanns-Spiegel hineingesehen, der doch völlig 


gleiehmäsig so beschaffen — eben so schön geglättet und 
scharf geritzt — ist, und den doch so wenig eine Fluth 


als ein Gletscher hat jemals erreichen können$ Vielleicht 
wäre, als Erfahrungs-Satz, darin zu lesen gewesen, dass 
der Felsspiegel doch viel mehr in als auf der Erde vor- 
komme; natürlich! weil der eigentliche Spiegel, als der Ver- 
witterung tausendjährig trotzend *), auf der Erd-Oberfläche 
‘dem Zwecke derselben, dem eben Verwitterung zur Unter- 
lage erheischenden Vitalismus, geradezu widerspricht. Mös- 
lich, dass Diess zu folgendem Schlusse geführt hätte: diese 
Theile der Felsspiegel liegen darum zu Tage, weil Verwitte- 
rung und Spülung, , auch Gletscher-Schürfung bis zu ihrem 
Lager vorgedrungen sind und das Ganze aufgeschlossen und 
gelöset haben. — Wäre man wohl auf diesem natürlichen 
Pfade in die Fluthen und auf das Eis gerathen mit den Stein- 
spiegeln! Schwerlich! | 43 

‘Fast in denselben Worten sprach ich an einer Stelle 
meines ersten Spiegel-Versuches. Jetzt fahre ich so fort: 


Das Phänomen der Felsspiegel zeigt sich — wie oben, in 
der früheren Mittheilung, bereits gedacht — in zwei Arten 


des Vorkommens, an zerstreueten einzelnen Steinblöcken 


”) Man erinnere sich u. a. der Spiegel an den senkrechten Felswänden 
des Hasli bei Hın. Acaıssız und derer m Bette der Dalelf bei 
Hın. SerstTröm. 


759 


und am anstehenden Gesteine; Diess ist allgemein. In 
Bezug auf die Buntsandstein-Spiegel speziell ward gezeigt, 
dass erste Art lediglich eine aus der andren, der primä- 
ren irgendwie hervorgegangene sekundäre sey. Hier 
fragt es sich nun erst: obDiess eine allgemein gültige 
Wahrheit sey, oder: ob nicht die Spiegel-Bildung 
eben sowohl am Einzelnblocke als am Felsen sich 
verwirklicht habe? | 
Die Induktion beantwortet den ersten Theil der 
Frage unbedingt bejahend, indem 'sie sich auf das ganz all- 
gemeine und grossentheils nothwendige Hervorgehen des 
einzelnen Steinblockes aus dem anstehenden Gesammt-Gesteine 
stützt, möge es sich erzeugen durch Verwitterungs-, Fluth-, 
Eis-, plutonische oder Menschenhand - Wirkung; und meine 
eigene Beobachtung antwortet bejahend mit Thatsachen, 
ausser denen aus dem hiesigen Buntsandsteine, noch aus der 
Grauwacke, dem Thonschiefer, Quarzfels, Schaalsteine des 
nahen Übergangs-Gebirges, und folgert dieselbe Nothwen- 
digkeit aus Spiegel-Erscheinungen am Grünsteine wie Basalte, 
und zwar all’ Diess in solcher Weise, dass Erfahrungs- und 
Induktions-Beweis in voller Übereinstimmung. — Ein Andres 
dagegen ist es mit dem anderen Theile jener Frage. Die 
"Einzel-Spiegelblöcke erscheinen in den Moränen und Äsern 
wie in den hiesigen Flutbgraben. Warum auch nicht! Aber 
kann das Gletscher-Eis Felsen voliren: warum nicht eben- 
wohl Felsenblöcke$ vermag die Nordfluth Felsen zu spiegeln: 
warum nicht auch Felsenstücke® Ist diess aber der Fall: 
dann muss es Geröll-Anhäufungen geben, worin Steinblöcke 
dort blos mit ursprünglichen Spiegel-Flächen, hier blos 
mit nachträglichen, sey es durch Eis- oder Wasser- 
Abschliff, und endlich solche Geröll-Lager, worin beide Spiegel- 
block-Arten gemengt vorkommen, — Also ursprüngliche 
Spiegel-Flächen, d. i. solche, welche mit dem Gesteine zu- 
gleich, oder in ihm, entstanden sind, — und nachträgliche, 
nämlich solche, welche erst späterhin am Gesteine, und lang 
wohl nach seiner Entstehung hervorgerufen wurden; und 
49 * 


= 766 


jenem, dem‘ ch ein o!mechanischen Spiegel hätte körkäh 
sich noch’ der ' Aus'blöser Reibung hervorgegangene, also der 
inechän ische, beizugesellen!’ — — Wie nun mit jenen Stein- 
blöcken mie" ürsprünglichen' Spiegelii, welche 'späterhin in 
den "nachträglichen ‚Spiegelbildungs - Prozess 'mitverwiekelt 
wurden $ Dass alsdann ein soldlieg Zusammentreffen unmöglich 
gewesen, wir Fd’ wohl'Niemänd Befkfupren wollen. Verblieben 
durchaus die alten’ Spiegel‘, und wärd ein’neuer’neben 
den’ alten“ gesetär, "ünd’ entständ "ein 'heuer auf'dem alten? 
Oder verblieben‘ die’ alten‘ durchaus nicht, und es’ ging 
aus dem alten ein "heuer HEN >ünd' wie $"Oder "verblieben 
endlich‘ son den alten dieeihen: IRITERT REES ‘würden von 
den fbı ig 6 nie‘ einen’ ga’ uiigewihdelt, die anderen jedoch 
hur tNeilsweise, ka Wie "Döch vorerst“ AD 


NSRHFE 9 37 TR; ang! REST, &t, 2} IRFZIF 04 73 di BEN NORSL- % 


arts Aufzählung den, bekannten. Spiegel- Daten. Bar 
) Te LE Beobachtungen Aulkız 32.9.59 

ein: ‚Kapitel, welches sieh seit ‚meinem ersten Versuche sehr 

‚erweitert- und umgestaltet, hat. CRFBABEN | 


wr ‚wird Reste; Easanakn m Geulogie ständen 


x 


wert! 


Aufbau in neuester Zei extensiv wie > intensiv en 
lich zugenommen. habe, ._ Seys!. es war ‚jedenfalls früher zu 
viel zu thun,. als dass Alles ‚zugleich i in seiner vollen Wich- 
tigkeit hätte erkannt. und‘ demgemäss verarbeitet werden 
können; ohnehin stellt oft die wahre Bedeutung. des einen 
wie andren. ‚Gliedes sieh erst im Verlaufe der Entfaltung 
des Ganzen. zu. Tage. So ist es wohl auch bei der litho- 
physiologisch Wichesrh Felsspiegel - Erscheinung gewesen 
und daher die ‚Beobachtung früherhin sehr ‚zurückgeblieben. 
Der Gegenstand, war längst | bekannt, aber sein Werth unge- 
nügend gewü rdigt. Erst | 
1) bei Hrn. v. LEONHARD u, findet sich eine sehr inter- 
essante Zusammenstellung und Diskussion. Derselbe ent- 


deckte Spiegel 


”) Geologie oder Naturgeschichte derErdei®. 424. — Densgl. 
N. Jahrb. f. Min. u. s. w. 1837, S. 536. 


61 


2) zwischen ungleichen Felsarten; am Gneisse und 
körnigen Gangkalke, von Auerbach an der Bergstrasse, 
— an den Ur- und Gang-Graniten am Nekar-Ufer, -— 
am Buntsandsteine und Gan g-Granite von Heidelberg, 
— am Bun dsandsteine und. Porphyre des, Donners- 
berges, — am Sandsteine und (Gang-#) Granite unfern 
Spandau a. d. Elbe, — am körnigen And Bang 
Banäte unweit Wunsiedel; ‚ dessgleichen | 

.b) zwischen gleichen. E elsarten oder achnähr in der- 
er Felsart: den Dolerit-Laven: des Kaiserstuhls, — 
der Kreide von Weinbühla unfern Meissen. Ar 
. Ausserdem gedenkt Hr. v.. Leoxnarn noch des Geglätte t- 
seyns fester Gesteine, an der ‚ganzen, ‚Schwedischen, Küste 
von Golhenburg bis Hodgal und bis zum südlichen Ende des 
Wenern-See's, das schon vor vierzig. Jahren bekannt gewesen; 
dessgleichen der Streifung und Furchung, des höchsten 
Granits in mehren Provinzen Schwedens und längs der 
Grenze zwischen ihm und Norwegen; und schliesslich erwähnt 
derselbe noch der grossartigen Reibu ng.und 'Glättung 
vom Fusse bis zu. ‚den 'erhabensten Gebirgs - Rücken der 
Schweitzer- Alpen und’ "Namentlich ‘derer des St. Golthards, 
St. Bernhards, der Grimsel und des ‚Stmplons. ER 
8 Bezüglich der Cha Malte ristik der Spiegel liefert 
derselbe Vf. mehre® schöne Daten; so z. B. in Betreff 
des Bestandes: dass der ‚Spiegel der Dolerit-Laven ‘des 
Kaiserstuhls in polirtem Magneteisen, -, der des Granits 
von Wunsiedel in ı einer Serpentin- oder 'Speckstein: 
artigen, und der Ze Br von “Auerbach in einer thoni- 
gen Substanz, der u; bunten Sandsteines von Heidelberg 
aber in einem Feldspath- Schmelze’ bestehe, n. "während 


IR 


in Betracht der Form dersäibe ° ‚die Bu bezeichnet e als, 


2 jshuk ı # 1 BETEN 
häufiger aber a mi ‚geradlini gen ri auch 
3813 Ten SOLLEN} il; £ EERBILAFINLEN REF“ 
Benechr oder: weniger tiefen" urchen verse hene 
PAR en. i isysige ag 


Eu Betreff der Eirestehuiig s* Wise enanenwBarsicht 


ESK .U_.8 Y y dudsk 


f- $-1Ta1p-FH- 


\ 


762 


dieser Gelehrte jene von ihm beobachteten Erscheinungen an nur 
als Folgen gewaltsam in die Höhe geschobener oder abwärts 
gesunkener Fels-Massen (daher Reibungs- oder Rutsch- 
Flächen) und deutet. ‚wegen der Politur, gleichsam Ver- 
glasung, auf Gluht- Mitwirkung hin; in Bezug auf das 
Phänomen, im Ganzen jedoch scheint dem. Kenner der Viel- 
fältigkeit i im Naturwalten kaum eine Erklär ‘ung für alle Fälle 
möglich; und so wird zugleich hingewiesen auf den Fluth- 
Abschliff in Schweden und den Eis-Abschliff in der. Schweilz. 
— Ebenwohl sehr anziehend: sind 

2) die von Hrn. ErBREıcH aufgeschlossenen Spiegel des 
Braunkohlen-Gebirges des . Westerwaldes *), deren Bildung 
durch die Aufsteigung des Basalts bewirkt worden, 
Sie zeigen sich sowohl am Basalte als an den Thon- und 
Kohlen-Lagen; Beweis, dass erster gegenüber der halb- 
festen Flötz-Masse und der so geringen Höhe der Rücken 
seine jetzige Festigkeit später erst, nach der Hebung, er- 
langte. Es sind vornehmlich einzelne, auf den Rücken ab- 
gestossene Flötz-Streifen, welche schuppenartig aufeinander 
gehäuft zu beiden Seiten Spiegelflächen, theils einfach und 
theils mehrfach gestreift, tragen (also Spiegel-Spalten bilden 
ähnlich denen des Buntsandsteines). Übrigens mehrmaliges, 
Aufsteigen der Rücken mit verschieder Richtung des Druckes. 
Dieselben Erscheinungen, welehe gewöhnlich die Gänge be-, 
gleiten. — Eine sehr anziehende Mittheilung! Man lasse ir- 
gend ein grossartiges Naturereigniss die Decke hinwegnehmen, 
und diese unterirdischen Spiegel-Flächen sind oberir- 


dische und je nach den Verhältnissen zerstreute wie, 


anstehende — pluto-neptunische Felsspiegel. Demnach 


ursprüngliche weiche und feuchte, auch mindestens theilweise 
flüssige, Massen, — plutonische Hebung und ar 
(Hebungs- und Stoss-) Reibung. 

3) Hr. Karp hat Spiegel-Flächen, beobachtet ROLE 
jüngerem und, älterem Granite bei Karlsbad, jedoch ohne 
nähere Bezeichnung‘*). Weiterhin bemerkt er, dass Bıum 
**) N. Jahrb, f. Mineralogie u. s. w. 1841, H. 1. 


763 


an der Nagelflue (wo?) Reibungs- Flächen aufge- 
funden. | 

4) Hr. v. Warnsporr entdeckte Spiegel auf Kluft-Flächen 
der aufrechtstehenden Schiehten des @uader-Sandsteines, 
mit rechtwinkliger Richtung gegen die Schichtung, bei Klein- 
Schwadowitz unfern Nachod in Böhmen. Nähere Angaben 
fehlen *). 


5) Schweitzer Spiegel-Daten. 


a) In. v. Saussure. Der „Rocher poli“ (von Murrıru 
— einem Geistlichen aus der Nähe des grossen St. Bern- 
hard — schon vor mehr als 60 Jahren entdeckt **)) ist so 
glatt, so glänzend geschliffen, dass man sich darin wie im 
Spiegel besehen kann, und übrigens gestreift. Seine erste 
Ansicht, dass diese Politur — nicht erzeugt durch herab- 
gerollten quarzigen Sand oder niedergestürzte Eis-Massen 
— Folge gewaltsamer Reibung sey, gab S. später gegen 
die Annahme einer Krystallisirung im Grossen auf, 
ivrgeleitet [2] durch die, der Bergkrystall-Streifung ähnliche 
Ritzung. A 

b) Hr. Anpre pe Luc sagt von dem ebengedachten Spiegel- 
Felsen ***) — dem Anfangs-Punkte der Spiegel-Debatte — 
„Dieser polirte. Felsen befindet sich auf dem Gipfel eines 
Berges weit entfernt von Gletschern: es sind die Wände 
einer Spalte (gut!) die unter einem grossen Winkel in 
den Berg eindringt (schön!) und die daher niemals (doch: 
jetzt theilweise ?) an der Oberfläche gewesen sind; die Po- 
litur rührt von einem quarzigen Überzuge her, woran man 
die Streifung des Bergkrystalls erkennt (also feine Ritzung)), 
oder vielmehr sie ist die Wirkung einer mächtigen 
Reibung nach einer und derselben Richtung, die durch 
das Herabgleiten der einen Wand an der anderen 
entstand.“ — Er führt noch andere Felsen an, „über die 


*) Das. Heft 4. 
**) Das. 1837, S. 536. 
”**) Annalen der Länder-Kunde, 3. R., Bd. 1X, S. 10 


764 


gewiss kein.Gletsceher'hinweggegangen“,'nament- 
lich.den Granit der @rimsel, so wie die von Thirria beob- 
achteten Spiegel in.den Einsenkungen, Höhlungen und 
Spalten des aufgeschwemmten. Landes im Departement ‚der 
oberen. Marne, — „denjenigen «ganz ähnlich, welche die 
Grotten des Jura zeigen“; — Sehr gut! u auch Jura- 
Spiegel, die kein Gletscher erzeugte... u. 

Früher. herrschte die Ansicht; die erratischen Blöcke 
der Schweitz -seyen ‚durch ‚Wasserfluth Entführte; da nun 
viele.Spiegelblöcke darunter :,.so. war natürlich die Wirk ws 
der Fluth auf Block und.Fels: die Ursache de 
Abschl iffes..‚ Allein Hr. Venerz zeigte, ‚dass die et 
_ Folge. des Gletscher-Schubs. seyen; und die Fluth-Roll- 
blöck e, wurden bei Seite geachähen dureh die Te-Balleliehs 
Der erste Bekehrte war  ...\. bus 

e). Hr; :v. ende: fülgcheihte"i es ist 
die:Wirkung des Gletseher-Eises auf Block und 
Fels dieUrsache desAbschliffes %; und wie früher 
die! Wasserfluthen: bis zun Jura'gereicht haben mussten — 
der dortigen Stiefbrüder der alpinischen Findlinge halber : — 
so mussten jetzt die Eismeere sich‘ bis zum Jura ausbreiten. 
Der Nachweis erzeugte Differenz — nicht im Schliff- und 
Polir-Mittel, sondern in seinem Auftreten; und der eben 
Gewonnene schied sich wieder ab durch das Gewonnene, nämlich 

d) Hr. Acassız, welcher früher mit Hrn. ScuimpEr in 
Einklang war **). — Hr. Ac. hat auf den Unterschied zwischen 
seiner Theorie und der des Hrn. v. Charpenrier öffentlich 
aufmerksam gemacht ***); dieser Unterschied ist jedoch in 
Bezug auf die Felsspiegel nichtig, denn er behält eine und 
dieselbe Ursache ihrer Entstehung: den Abschliff durch 


”) N. Jahtb. f. Mineralogie u. s. w. 1837, S. 467. Dessgl. Annalen 
der Länder-Kunde u. s. w. (1837) IV, S. 12. Sein „Essai sur 
les Glaciers etc. Lausanne 1841 (angezeigt in der Isis für 1842, 
H. 1) ist mir noch nicht näher. bekaunt geworden. | 
**) N. Jahrb. f. Mineralogie u. 8.1838, H.2 und 3, wie auch 1839, S. 477. 
””y, Dss3 1839, .H.iscnitt 2 dh 


7165 


Gletscher=Eisy2beiz und selbst’ wenn beide'etwa verschie: 
dener Ansicht wären’betreffs des’Speziellen in’der Wirkungs- 
Äusserung des Gletscher-Eises, 'so wäre‘ diess’ unerheblich, 
hier, wo es lediglich ankommt auf:die physikalische Mög- 
lichkeit der Fels-Politur' durch Eis. Dass von’ der Theorie 
des Gletschereis-Abschliffes; ausser den" Genäninten ‘noch u. 
a. Ungläubigen die HH. Sruper, Escher,’ Mousson , Forsgs, 
Hraru ,:Marrıns an Ort: und Stelle bekehrt' wurden *), be- 
weiset, dass die Gewalt der Gletscher-Natur , in verschie- 
denem Sinne, grösser ist"auf den‘ Menschen als auf den Felsen. 

In den Angaben über das Mutter-Gestein der Spiegel 
herrscht neben Unvollständigkeit grosse Zerstreuung, eigent- 
lich nur gelegentliche’ Nennung. ‘Die Eröffnu ngs-Red e 
zu Neuchatel **) bezeichnet (8. 195) im Jura: die ‚Gesteine 
der neokomischen und Jura-Formation“, namentlich 
den Portlandstein ‚oberhalb Zanderon und in der: Nähe von 
St. Aubin und Concise, das grobkörnige Konglomerat 
des Pelerin (in der:Anmerk. , nach'BrAancher) und: polirte 
Kiesel (S. 201); in’den „Bemerkungen über die Glet- 
scher“ ***) erscheint ‚genannt: der Granit der: :Grimsel 
und von Zapiaz; in seinem Werke „Untersuchu mgemüber 
die Gletscher“ aber findet sich‘ aufgezeichnet: ‘der kom- 
pakteschwarzeKalkstein am Rosenlaui-Gletscheri(S.179) 
— der schiefrige ,Serpentin des Gletscher-Bodens von 
Zermatt, der grobkörnige Gneis und Granit; am Ab- 
schwung im Unleraar-Gletscher (8.181) und der Granit bei 
Morcles im Rhone-Thale (S. 233). Das ist für so grosse 
und spiegelreiche Gebiete und ein umfassendes Erkennen 
sehr wenig. — An auswärtigen Fundorten der Spiegel führt 
Hr. A. — ohne Nennung des Muttergesteines — an: die 
Vogesen (nach Rexoır, Ls Branc und Hocaro), — England 
(Umgebung von Edinburg n. J. Harı, Westmoreland und 
Cumberland n. Sepewick und Buckrann, Zancashire n. v. 

») N. Jahıb. f. Mineralogie, 1842, S. 56. 


==) Annal. d. Erdkunde u, s. w. 3. R., VI. Bd. S. 193. 
“=*) Dies. Bd. IX, S. 5. Dessgl. N. Jahrb. f. Mineral. u. s. w. 1840, S. 1. 


766 


VerRSNEuG) (8. 277) und Schweden (n. Graf Lasteırıe, Ab, 
Broncniart und Serstköm) (8. 275). 


Seine Spiegel- -Definition findet sich bereits in üeh Er- 
öffnungs-Rede gegeben, wo es heisst (S. 195): „Sie — die 
polirten Flächen — erstrecken sich über die ganze Oberfläche 
hin, und folgen allen Unebenheiten derselben, sowohl auf 
den Gesteinen der neokomischen, als der Jura-Formation, 
sie ziehen sich eben sowohl in die Einsenkungen hinab, welche 
die kleinen Thäler bilden, als sie sich auf die isolirtesten 
Gipfel erheben. Überall, wo sie neuerdings aufgedeckt wor- 
den sind, .... erscheinen sie gleichmäsig polirt, wie ein 
Spiegel. Sie sind bald eben, bald wellenförmig, zuweilen 
von mehr oder weniger tiefen und gewundenen Furchen durch- 
zogen oder mit longitudinalen, sehr abgerundeten Höckern 
besetzt, die jedoch beide niemals der Richtung des Berg- 
Abhanges folgen... “; es wird hinzugefügt, „dass diese po- 
lirten Flächen gleiehmäsig sind, und zwar selbst dann, wenn 
das Gestein aus Bruchstücken von verschiedener Härte be- 
steht, und die darin enthaltenen Muscheln sind zerschnitten, 
wie auf künstlich polirten Marmor-Platten. Ausserdem be- 
merkt man auf sehr gut erhaltenen Oberflächen feine Linien, 
wie man sie mit einem Diamant auf Glas hervorbringt,, die 
im Allgemeinen der Richtung der erwähnten schiefen Fur- 
chen folgen“. N 

Woraus übrigens der Spiegelstoff besteht, ist nirgends 
gesagt; dagegen wird über die Verschiedenheit der 
Polirung S. 6 der „Bemerkungen“ angeführt: der Granit 
wird in grossen Massen mit ziemlich gleichförmiger konvexer 
Oberfläche abgerundet *). Der Kalkstein ist mehr in kleinen 
Massen höckerig und zeigt die vollkommmenste Politur, und 
nur auf dem Kalkstein finden sich die den künstlich polirten 


*) Erinnert an Hrn. L. v. Bucu’s schaalenartige Absonderungen des 
Granites zu Spiegeln in Schweden. Man sche die Berichte der HH. 
Wıssmann und Rormer im N. Jahrb. f. Mineralogie u. s. w. für 
1841, H. 6 und für 1842, H. 1. 


767 


Marmor-Platten ähnlichen Flächen. Der Gneis und die Schiefer 
sind. mehr gefurcht, oft queer über ihre Schicliten.“ 

Eine eigene Erscheinung zeigt noch 

e) Hr. Sruper. . Früherhin, als Anhänger des Wasser- 
Abschlifies *), Gegner der. Eis-Polirung, fühlt er sich jetzt 
überwältigt von Glanz und — Schein der Gletscher-Wirkung 
(man s. 8. 232 der „Untersuchungen“) und, defnach 
benagt von — ihm jetzt unauflösslichem — leisem Zweifel, 
flüchtet: er sich — in das fruchtbare Gebiet der Entwer- 
fung einer geognostischen Karte der Schweilz **). * Und mit 
Hın. p& Luc behauptet noch Hr. Goderrroy — jener als Eis- 
Abschliff-, dieser als Bloek-Gegner — die Arena ***). 

6) Nordische Spiegel-Daten. — Regenguss-Fluth ver- 
mag. schon Bänke von Steinen und Erden, entlegenen Stellen 
im Einzelnen entführt, ab- und auf-zulagern.; Ähnliche Er- 
scheinungen, nur. im grossen Massstabe, bilden die Moränen, 
die Asarn. Diese beiden aber enthalten (was bei jenen 
Bänken ebenwohl mitunter vorkommt) Steinblöcke mit Spiegel- 
flächen. Seltsames Phänomen! Woher? — Unläugbar : Wasser- 
geröll schleift ab: demnach: es polirt auch (das: war der 
erste Fehlschluss)! somit aber: jene gewaltigen Geröll-Abla- 
gerungen sind, gleich den in ihnen enthaltenen Spiegelflächen, 
Folge einer Grossfluth. (das war der zweite Fehlschluss)! 
und folglich: hat diese Fluth die Einzelblöcke geglättet, so 
muss sie auch die Felsen abgeschliffen haben; nichts natür- 
licher! allein das war — der dritte Irrthum. — Aus der 
Schweitz quollen soleher Gestalt nach einander hervor: Alpen- 
erhebungs-Fluth, Aufthauungs-Fluth,, Alpensee-Durchbruchs- 
Fluth; in Schweden aber liess 

a) Hr. SErsTtRöm eine gewaltige Nordäuth petridelau- | 
nische Fluth genannt, daherwogen f). Obgleich die Zeit 


der Wunder längst vorüber war: diese Fluth zog, mittelst 
»).. N. Jahrb. 1838, Heft 2 und 3 

*®) Daselbst 7841, H. 6. 
“=#)  Daselbst. 

T) Annalen der Physik und Chemie von Poscennorrr, Bd. XLIIl, S. 533. 


768 


ihres »Gerölles, „Furehen“ auf: ‚allen. Gebirgs- Arten vom 
Graniteanbis einschliesslich derKeuper-Bildung, selbst 
auf: Quarz, Porphyr und:Trapp, und auf .den Fels 
spitzen wie-an den Bergseiten. -Diess ist noch zu sehen bei 
Carlscrona: 21‘ unter dem Meeresspiegel, bei. Särna 
und Dalarne etwa 1500‘ darüber.: Die Furchen erschei- 
nen: bald: feiner, bald: gröber, 'oft :von bewunderungswerther 
Regelmässigkeit; mitunter. zeigen sich beide vereint, und 
bisweilen ist die feine: mit ; der! groben sich kreutzend; 
die :Furchen-Richtung allgemein aus: fast NNO. nach SSW,, 
im Kleineren ’an den  westlichen.Berg-Seiten gen -W., auf 
den östlichen nach ©. ablenkend, während im Grossen die- 
selbe Abweichung in Folge, der-Abänderung ‘der Fluth- 
Richtung: durch die: grossen :Gebirgszüge (daher Normal- 
und Seiten-Furchen), :übrigens zusammenhängende 
Befurchung und zersprengte: mit Verschiebung. Die 
Geröllfluth selbst aber, obgleich sehr alt, war: doch jünger: 
als:Keuper und Trapp, und: ging,‘ aus einer 'unnennbaren 
Quelle in NNO, hervorbreehend,,:;weit über Schweden gen 
SSW. hinaus; ihre Tiefe betrug im Mittel S00 F. und ihre 
sehr grosse Geschwindigkeit ist‘ unbestimmbar; und 'ob- 
gleich ihre Dauer keine sehnell vorübergehende, keine plötzlich 
aufhörende und keine: unterbrochene gewesen, war ihre Ge- 
walt gleichwohl ausserordentlich.; — Mehr . als: ausseror- 
! | 

Ausserdem fand Hr. S. le ei Re an Be. Kalk- 
fels en bei: Rüdersdorf östlich von Berlin, an: einem harten 
Sandsteine- oberhalb: Pirna —hier: „für ein ungeübtes Auge 
nicht » erkennbar“; also «höchst fein —: und in: den »steyer- 
schen Alpen noch -auf::Höhen v0n:8000'. — Zi: da Schule 
hatvsich' noch ‘bekannt «su. ou wo. : Iorltnkat ra 

b) Hr. v. Bär *).  -Derselbe nahm shhlneiile Fürchiingen 
in Finnland — mitunter: von :3.bis: 4: Zoll: Breite, und an 
ihren Wänden zuweilen wiedergestreift — wahr. Es scheint: 
ihm gewiss, dass sie „überhaupt nicht auf der inneren 
*) Bercnaus: ‘Annalen u. s) wö 3’ Ry'VIL. Ba; Sl ang, PH 


769 


Struktur der Gesteine beruhen , denn’ sie stehen zu :der 
Verklüftung ebenvso-wenig in einem kenntlichen 
Verhältnisse, als die schmäleren Furchen, so: dass man 
sie nur (?) einer mechanischen Einwirkung: aufidie'Oberfläche 
 zuschreiben kann“. -Auch auf der Insel Zochland fand er 
die Furchung, jedoch nicht auf) den Kuppe n .(800--530' 
Höhe), „wohl aber in den sattelförmigen Vertiefungen 
zwischen diesen Höhen“. „Die Furchung geht hier in der 
Regel von IINW. nach SSO.“;; diess macht mit der Richtung 
der Geröllfluth Serström’s seine Differenz’ 'von einem: @ua- 
dranten. — Eine er Beamten elle. —Kreutzungs- 
fluth! — Noch hat: basdlnolds‘ darin si ah 

c. Hr.’ Börauıner‘' dber- ‚die Ainnländischen. „s eh de nn 
berichtet *%) und unter‘ Nennung dem granitisehen und 
schiefrigen Felsarten ‚" ein schönes . Verzeichniss: von : Fund- 
orten der "Schrammen ‘mitgetheilt, Dadurch wird: ‚die ‚eben- 
gedachte, von Hrn. v.Bär :wahrgenommene, Richtung: bestä- 
tigt. Er fügt ‘hinzu sv5Die ‚Betrachtung; eines; einzigen, auf 
seiner Oberfläche: so 'veränderten» (wie durch Kunst: gleich- 
mäsig abgeschliffenen; den: glatten, ;hohen /Meeres - Wogen 
nach ‘einem Sturme‘ gleichenden) Felsen: muss: uns- über die 
Kraft in Erstäunen:setzen, welche die Veränderung bewirkte. 
Jahrhunderte‘ hindureh rollt die: Meeres-Brandung ‘an den 
Ufern (2) von Finnland, -Fuss-grosse Blöcke die Felsen hinauf- 
schleudernd, und doch vermochte sie nur stellenweise die 
alten Züge zu verwischen; an ‘den. Klippen im starkströ- 
menden Wuozren zeigen sich die Schrammen mit grosser 
Deutlichkeit . ... ..’Wie musste nun die Kraft der Diluvial- 
Fluthen sich verhalten, und wie ungeheuer ihre Wasser- 
Menge gewesen seyn, um auf eine Strecke von: 1000— 1200 
Werst sämmtliche Felsen zu ebnen und tiefe Furchen und 
Kanäle in das feste Gestein zu graben!“ i 

Ausserdem sind mir noch eig Spiegel-Nachrichten 
bekannt geworden. 1... 


”) Dieselben, VII. Bd., S. 563. Dessgl. PoGsEnDorrr: Annalen u: s. w. 
LU, H,4; undN. Jahrb, f..Min. etc. auf 1839, S.725, wie auf. 1841, H. 6. 


770 


7) Hr. Grarr *) beobachtete ausgezeichnete „Rutsch- 
flächen“ an der Gang-Masse in den Gold-Gängen von la 
Gürdelte und Bourg d’Oisans im Isere-Departement (im Pro- 
togyn), folgend dem Streichen „mit parallelen, der Tiefe 
züugekehrten Streifen und Furchen“. An mehreren Stellen, 
u. a. in den Stollen Gueymard und Panis, findet man S—10 
jener Oberflächen von Harnischen einander genähert und 
4 oder 5 verschiedene Senkungen (?) des Hangenden anzei- 
gend. Sie kommen noch in Tiefen von SO Metern und weiter 
abwärts vor und auf Erstreckungen von mehr als 400 Metern. 
Im westlichen Theile sind die „Spiegel“ den verschiedenen 
Quarz-Streifen parallel, welche den Gang bilden, und stehen 
ohne Zweifel mit deren Entstehung in innigem Zu- 
sammenhange. Der Druck war übrigens nieht an allen 
Stellen gleich stark; man findet Gang-Theile von 0,02 Meter 
Dicke zwischen zwei Rutsehflächen, welche auf einer Seite 
vollkommen geglättet sind, während auf der anderen Seite 
nur die äussersten Enden der Krystalle abgeschliffen wurden. 
— Sehr interessant und sieh genau anschliessend Hrn. Ers- 
REIcH’Ss Spiegeln des westerwäldischen BrannkohlenGebir ‘gs 
wie denen des hiesigen Buntsandsteines. | 


S) Hr. Aneeuor "entdeckte Spiegelflächen auf der 
Südseite der Pyrenäen **); und 


9) Hr. Marner fand in Norden ea die „DilarigE Frechene 
im Allgemeinen parallel der Richtung der Thäler, selbst in 


den @Querthälern, wogegen 


10) Hr. Lockr am Ohio, eine vollkommen slesehp; Kalk: 
steinfläche von 10 Acres wahrnahm mit mehren Sy- 
stemen von geraden und. parallelen Furchen aus NW. 
nach SO., einige so fein wie mit einer Diamant-Spitze gemacht, 
andere aber 0%01 breit und 0°003 bis 07004 tief und im Grunde 


ganz Ban #**), 


— 


*) N. Jahrb. f. Mineralogie, 1841, H. 4. 
=) N. Jahıb. f. Mineralogie, 1841, H. 5, S. 572. 
:>>#) Dasselbe 1842. H. 2, S. 245. 


771 
B. Weitere eigene Spiegel-Beobachtungen. 

1) Zwischen den aufrechtstehenden Säulen des Basalts 
auf dem hiesigen Frauenberge: eine plattenförmige schnee- 
weisse, an der Luft sich etwas röthende feinkörnige Silikat- 
Masse, von erdigem bis steinfestem Zusammenhange, äusser- 
lich öfters in eine weisse durchscheinende Bol- Substanz 
übergehend, gewöhnlich aber mit einer dünnen Lage von 
braunem Bol überzogen, welche bisweilen mit sehr deutlicher 
feiner Vertikal-Ritzung versehen ist. 

2) Im Thonschiefer bei Zudamshausen und Helmars- 
hausen (3 Stunden von hier): zahlreiche Spiegel, von feiner 
bis grober Ausbildung; es lassen sich drei Hauptabstufungen 
erkennen. Die erste Art — die sehr seltene — zeigt einen 
grauen ebenen, sehr fein geritzten, lebhaft glänzenden Spalt- 
Spiegel, dessen Stoff-Fläche in einem unabnehmbar dünnen, 
talkartigen Häutehen besteht. Die andere Art: gelblich, 
rothbraun, dunkelbraun , bisweilen bläulich angelaufen, theils 
gut glänzend, namentlich auf den dunkleren Stellen; eben- 
falls von dünner Spiegelstoff-Lage aus Eisenoxyd-Thon und 
feiner Ritzung, sowohl auf der Vertikal- als Horizontal- 
Klüftung, oft im Reehtwinkel an einander stossend; minder 
eben; ist zahlreich, Die dritte Art, als unterster Grad, 
ist die Fortsetzung der vorigen und ganz allgemein. Übri- 
gens allgemeine Doppelflächigkeit der Spiegelung. — Eine 
meiner daher stammenden Spiegel-Stuffen besteht aus einem 
einige Zoll langen und anderthalb Zoll dieken vierseitigen 
vechtwinkeligen Prisma, dessen vier Längsseiten-Flächen ge- 
spiegelt sind ; die Ritzung zweier aneinanderliegenden Spiegel- 
Flächen fällt fast in eine rechtwinklig-queere Durchschnitts- 
Ebene zusammen; die Ritzung der beiden übrigen Seiten- 
Spiegel dagegen ist diagonal und zwar unter sich verschie- 
den; auch sind diese Spiegel von verschiedenem Grade der 
Ausbildung. | 

3) Aus der Grauwacke bei Gösselberg (1 Stunde ent- 
fernt), AJudamshausen und Helmurshausen: häufige Spiegel, 
aber selten gut ausgeprägt und mehr oder minder, je nach 


272 


der. Rauhheit, und Körnigkeit der; Warke; ‚dabei Doppel- und 
Viel- ‚Flächigkeit,, ‚ganz, ähnlich, der des; ‚Buntsandsteines, nur 
in.beschränkterer, ‚Ausbildung ; ‚seltenen ; und, geringer Glanz; 
Vielfältigkeit der Aaleueldechnn-. und ;Ritzungs-Neigung; die 
Streifung.raub;. ‚die, Für rbung, manehfach : . grauweiss, weiss- 
gelb,. gelbroth,; graugelblich, „grauröthlich ;, ‚der, Spiegel-Stoff. 
Kieselshonig ‚pait. Sanerstoff-Eisen und, Mangan), . dünn, ‚auf- 
| getragen, „Eine; ‚kleine, ‚kleinkörnige, Sammel: Stnffe, zeigt. vier 
verschiedene , grauröthlich gesprengte, wenig, ausgebildete 
Spirgelflichen: « ‚wovon; drei, zurnitzend ‚sind, un ee ab- 
aumPienf, dla no nah ee Fenster 

4) ,8 Ein. sehr. ‚feinkörniger; „fester, braunrater. Gran- 


na ED 


enthält. ‚einen. „schönen ,. ebenen, ‚glatten, gran — 
gestreiften grau- und, weiss-röthlichen Kieselthonniganlı auf 
der Schichtungs- Ebene. duß! negihhk-iln, 2 MRRLE? 
TORE) ‚Eine. vothbraune , ‚Eisenoxyd- Ku Platten, Bj 
daher, ‚besitzt eine sehr, ; unebene,; aber ziemlich. glänzende, 
mehr gefurchte_ als geritzte „Spie egel-] -Fläche. aa 

.6) Im Quarzfels des, | Vollenberges. bei Wetter @ ru 
den . ‚nördlich . von ‚Marburg);. „ausserordentlich, zahlreiche 
Spiegel an n. kleinsten, ‚wie, ‚grössten, Steinblöcken,, doppel- 
lagig_ wie, mehrseitig ,. und. ‚bestehend, aus einem bald mehr, 
bald. minder durch sauerstoffiges, Eisen und Mangan gefärbten 
Quarz- -Überzuge, { Ein Sammel-Exemplar zeigt sich von der 
einen, ‚Seite nach innen. ‚krystallisirt, 
| m. Im Übergangs-Gebirge, am ‚Weinberge östlich ı vor Kal- 
dern (2 Stunden nordwestlich von hier) zuerst am Wege von 
Marburg her .an einer dureh plutonische Hebung auffallend 
zerworfenen Stelle: ‚zwei, — eingesammelte — dunkelbraune 
Eisenoxyd- -Spiegel auf einem "Thonstein- -artigen Konglomerate 
und ein, weisslicher , matter, dennoch selır deutlicher, Kiesel- 
artiger Spiegel auf einem Thonsteine; sodann an der Thal- 
Wand ‚nördlich unter voriger Stelle: eisenthonige mehrseitige 
Spiegel und ein Belberaner, kieselthoniger auf feinkörniger 
Grauwacke. ini Te 


773 


- 8) Spiegel des Sch aalsteins.. Zwei Spiegel-Varietäten 
auf grossen Schaalstein Blöcken’ in dem’ sehr interessanten 
Bruche auf den Nöhren, nördlich von Dillenburg, wovon 
ein Bruchstück der’ einen‘, ° aus Kalkspath bestehend, den 
Spiegel zweiseitig und’ röthlich ‚jedoch von geringer, oh 
deutlicher Ausbildung zeigt ‚ wogegen’ ‚die Bruchstücke‘ der 
anderen, aus Kalkspatli, T Kikerde und Eisenoxyd- -Hydrat be- 
stehend, einen ‚dergleichen Braugelben“ had gräuröthlichen 
en enthalten. ur Harr°u 

'9) Eine kleine ‘dünne! ERRITN Plätte aus dem Über: 
gangs-Gebirge, aufgefunden an dem von Gladenbach nach 
Dillenburg führender Wi ege bei Weidenhausen), zeigt — auf 
der einen Seite: mit einer kalkartigen Rinde bedeckt — auf 


a ya m 


der entgegengesetzten 'eine‘ glanzlose' Riefung, die Riefen 
bald dunkel-, bald“helEgran‘, bald’sehr dünn überzogen ı init 
einer weissen Steinmark-artigen Substanz. ; Bas 

10) Auf der 'Hälde der," westlich’ nahe bei Zartenroth, 
am heweep nach Dillenbürg liegenden Küpfer-Grube: zahlreiche 
QAuarzspiegel auf theils ziemlich grossen @Quarzblöcken. Eine 
eingesammelte grössere "Stufe "enthält einen ‘schönen, wenn 
gleich im Ganzen "hattglähzenden Spiegel, welcher durch 
viele schmale, lebhaft glänzende Streifen der Riefung 
ausgezeichnet ist; eine Zweite‘ kleinere dagegen, bestehend 
aus einem umgewandelten‘ sehr weissen, "feinkörnigen matten 
Quarz-Gesteine, zeigt die Spiegelung Auf zwei sich fast pa- 
rallel liegenden Seiten, wovon die eine, sehr glatt ünd fein- 
gerieft, durch eiigeiengtes' Eisenoxyd- u gelblich Be- 
färbt ist. ee en MORE .P 

11) Eine Platte vor‘ den Hälde der ‚Kupfeigrube Niho- 
laus, NO. von Dillenburg ,' bestehend’ in ihrer einen "Hälfte 
aus dunkelgrauem Thonschiefer und’in der anderen : aus einer 
Lage feinkörniger grauer Gräuwacke, zeigt auf‘ ihrer in 
verschiedene Absätze zerfallenden Thönschiefer-Seite mehre, 
unter diese Absätze sich verlaufende schwarzgrane ‚Spiegel 
von mattem Glanze , auf der Grauwäcken-Seite’ dagegen eine 


Graphit- -artige, bei einfallendem Lichte lebhaft "glänzende 
Jahrgang 1842. 50 


274 


Spiegelung, auf, dünnen. Kalkspath-Lagen , welehe sämmtlich 
von, der ‚einen ‚Seite, gegen. die andere, hin,sich untereinander,, 
sehräg im, die, ‚Grauwacken-Masse, einfallend „verlaufen. ...: 
„12, Zah lveiche, „R,oitheisensitein-Spiegel aaf; den 
Halden .d ex, Eisenstein-Gruhen „auf; der‘ eisernen Hand: (etwa: 
4 ‚Stunden, fast, östlich, yon Dillenburg) ; von .mattemibis hell-: 
stem. metallischen Glanze und gewöhnlich bei. nicht „einfal-. 
lendem Lichte, von, dunkel-braunrother:Farbe.' Grosser Mangel 
an Zeit liess zwar keine; genaue, Beohachtung, der;anstelienden 
Spiegel zu; ‚indess. ‚zeugten ‚auch hier ‚alle Merkmale, dafür, 
dass. die. En ‚scheinung in, den ‚Kreis,..der, schon bekannten Bil-: 
dungs-Form. falle ;.und, es genügt, wohl nur.noch hinzuzufügen: 
während. der plutonischen Hebungs-, und Stoss-Reibung. ward, 
unter Mitwirkung des, Massen-Drucks, ‚die, durch die empor- 
steigenden Grünstein-Massen. ‚erzeugte, hohe Temperatur so. 
sehr gesteigert, dass; das, ‚Eisenoxyd. der. Spaltflächen eine 
Verdiehtungs- Umwandlung. ‚erfuhr „die mitunter; bis; zur 
Schmelzang. ging. — An yonsıden, ‚Halden, mitgenommenen 
Stufen Diess., Zwei Bunshsiiirki — ein grossesund.ein,kleines 
— eines. Kiesel-reichen | Rotheisenstein -Blockesi, ‚mit einer. 
grossen ‚und ‚ausgezeichnet, ‚sehönen, ‚Spiegel-Fläche, zeigen- 
den ganz dünnen, sehr metallisch, glänzenden ‚(hier 'und.'da, 
schon mit. einem Anfluge. von erdigem, rothem Eisenoxyde; 
bedeckten) Spiegel flach- und. ungleich-wellenförmig,: parallel: 
mit; der bald feineren,,. bald. gröberen Riefung,, worüber stel- 
lenweise eine. zweite schärfere läuft ,. welche, .diagonal auf- 
setzt und allgemein .bis in. die;senkrechte Richtung ‚umbiegt,, 
eine Umbiegung,, die zum Theil sich: mit der Diagonal-: 
Richtung kreutzt, wodureh ‚diese ‚Riefung ein hier und da 
etwas verworrenes ‚Ansehen, ‚erlangt; und am Ende: mancher, 
dieser Riefen erscheint das Metall in ein feines längliches,. 
glättes Tröpfehen zusammengeschoben. _Unverkennbar war 
das. Hangende oder Liegende ‚der ‚Spalte, nach Bildung der, 
ersten ‚geraden Riefung,. alsbald ‚einer zweiten diagonalen; 
Ss. Richtung ausgesetzt, während welcher es eine Drehung; 
in. Folge entweder des Hängenbleibens ‚mit der. einen; Seite, 


775 


oder des Auftritts "einer" dritten sich Kreut zenden Stoss- 
richtung‘ erfuhr) wovon‘ re et erschienene später er- 
losch als die vorkieähllh IN Rine edricte‘ Kieseleise n- Stuffe besitzt 
auf ihren beiden spitzkeilförnig" zuläufenden Seiten die Spie- 
gelung in minderer’Ausbildäng ud in verschiedener‘ Abstu- 
fung," also zwei'ih \\Rreützung Bestandene Spiegel: er 
dhlkgendeh ad elnlöweg: ı bau, szunid) msuaaılia) 

13) Spiegel‘ des: Grünsteing. In" dein’ 'andem“ nord- 
westlichen Abhange der‘ eisernen Händ, längs‘ all Strasse 
abwärts nach Oberscheid) Zur "rechten Seite Kugelig hervor- 
brechenden' Diorite'? gegeniflichige' und doppeltseitige Spiege- 
langaufporphyrartigikälkreichen Grünsteii-Schuppeh zwischen 
den Bomben- artigenBildüngen. ‘Einige herauisgenömmene Bruch- 
stüdke' zeigen 'den’zwar Yanz (deutlichen, aber nicht schön, 
dennoch intersseeeeeh Sehmalfurchig 'gerieften, in 
verschiedener Ebenelliegeriden Spiegel von schwarzbrauner 
Farbe mit blaulichem'Scheine, bestehend aus Eisenoxyd- und 
Kalkerde-haltige » Griinstein-Mässe, 4 Eine aus dieser Gegend 
mitgetheilte Stuffe,"deren Fundort jedoch nicht näher ange- 
geben werden konnte ein‘ feinkörniger, von Kalkspath- 
Adern durchzogener und an einer kleinen Stelle feine Kalk- 
spath-Mandeln enthaltender Grünstein — ist auf ihrer grössten 
Seite einige Linien tief" mit braunem Eisenoxyd imprägnirt 
und zeigt ‘einen dünn aufgetragenen, aber vorzüglich aus- 
geprägten Eisenspiegel mit lebhaftestem Metallglanze bei ein- 
fallendem Lichte, bei nicht einfallendem jedoch mit einer 
sehr schönen dunkelbraunen Farbe; er ist klein- und glatt- 
furchig, fast ohne Ritzung und trägt längs derselben auf 
der Mitte eine dünne röthlichweisse Kalkspath-Bedeckung; an 
einer Kante ist ein fast® Linien unter dem’ Hauptspiegel’erschei- 
nender kleiner Vorsprung mit einem zweiten dergleichen 
Spiegel belegt. — Ein sehr Quarz-haltiges Grünstein- "Schaalen- 
Stück aus der Bergwand‘ bei der Mühle östlich unter Har- 
ienroth, bedeckt mit Ocker, zeigt einen Ben feihstreifigen 
Spiegel -auf unebener Fläche. me 

- Ferner in dem Grünsteind des 'Rimberges,' "etwa rt St. 
50° 


Re 


776 


N von “Kaldern: m ehrere nn yaren von“ eigehthüilicher 
Spiegelung; und endlie ch hiehrere Spreger‘ Stellenim Grünsteine 
an der Strassen- Wand im im oberen Zunn- Thale zwischen she 
und Biedenkopf. - _ “Daran reilien"sich, zum Schlusse,* 

14) vier mie mitgetheilte Kobalt! Spiegel.‘ BEN 
— der kleinste und‘ von Bieber 2 "befindet sich ‘Auf einem 
röthlich grauen” "Schwerspath - Ges Steine" mit eingesprengtem 
hellglänzendden Speiskobakte; “er ist weis und’ grau, glänzend 
bis matt und von ‚rauher Riefun ng it fein krystallinischer 
Ritzung. — Von zwei ‚anderen — von’ Richelsdorf — - besitzt 
der are — auf e einer, in "dünhen Lagen" hell- bis dunkek 
grau imprägnirten, weissen Schwerj "pathiStuffe, mi mit eingespreng- 
tem Speisköbalte‘ und 'Kupferniekel: =»: einen etwas: wellen- 
förmig "gebogene ’(gefürehte)'' graue zobeileinfallendem ‘Lichte 
lebhaft glänzende und etwas"irisirende Fläche>\mit-bis' zum 
Verschwinden 'gehender Ritzung, !während.der grössere. — 
auf einer’ dergleichen! -helleren; ’streifig und’ dendritisch''grau- 
imprägnirten Stuffe —“in drei Flächen-Theile zerfällt: in eine 
mittle: Hohlfläche . mit krystallischem | ‚gelblichgrünem Bitter- 
spathe. (Miemit) ‚auf .einer.\,fein) ‚krystallischen. Speiskobalt- 
Spiegelung, und in.zwei, in „verschiedenen Ebenen liegende 
Randflächen mit gleicher feiner schräg laufender Ritzung, 
ausgezeichneter Glätte und lebhaftem , ‚Glanze,. besonders bei 
‚einfallendem Lichte, woyon die tiefer liegende ‚einen sehr 
dünnen gelbmetallischen = (vermuthlich Kupferkies-) Über- 
zug besitzt und sich in "die Kobalt-Basis der Mittelfläche 
verläuft. Von ‚dem vierten Spiegel, von grauem 'Speis- 
kobalte auf einer. hell- bis dunkel-streifig und‘ dendritisch 
imprägnirten Stuffe von röthlichgelbem Schwerspathe, ist zwar 
der Fundort nicht anzugeben; jedoch ist seine volle Verwa indt- 
schaft mit vorigen Spiegeln 'von Richelsdorf nicht zu ver- 
kennen. Dieser Spiegel — fast "eine geometrische Ebene 
darstellend und dunkelgrau, bei einfallendem Lichte lebhaft 
glänzend —- ist ausgezeichnet glatt’ und von einer mit dem 
blossen Auge nicht erkennbaren feinen’ Ritzung, gleichwohl 
aber durchzogen von vielen kleinen und sehr feinen Ziekzack- 


727 


Sprüngehen,, sanken; einer Menge „fast nicht wahr- 
nehmbarer ‚kleiner, Aussprünge, und | auch mit vielen sehr 


3 9 DEED KDaRfy 


kleinen, mehreren.kleinen; und 1 einig en; grösseren dünn- -aufge- 


BIN 1 


tragenen Stellen, ‚eines, ;gelbei n. Metalles —. wahrscheinlich 
Kupferkies — ‚daszhie , und, ‚da, sehr. ‚hellglänzend , grossen- 


W Pg« Ä 


theils aber von dunkelbelegter ‚Farbe, ı letzte, etwas ( diekere 


HOW DAB aTenıa 


‚Stellen. zeigen, eine, nicht ‚ganz ‚geradlinige Ritzung,, die, un- 


IE NUR 


geachtet ihn Schärfe, fein-krystallisch erscheint, gleichsam 
maulenten als Aa wa Alansı im Aiomenfe ur krystalli- 


nt. Herselben an. zwei Stellen” "schon. mie dem ‚blossen 


EEK: 


‚Auge, erkennbare, ikrokrystallisation. Be 


Nach: allen; . Angaben‘ ist, es, also, I ude . 

1) Die Spiegelflächien-Bildung, besteht. Ei ‚den, beiden Fels- 
'arten-Geschlechtern des:Feuer-.wie des Wais ser- ‚Prozesses, 
und es gibt ‘demnaeh:/drei nn ae von „Felsspiegeln, 
nämlich die pluteni sche: Ceinschliessli ich! der. ‚vulkanischen), 
‘die neptunischesand: die: pluto- neptunische., | 

9) Die Felsspiegel bestehen 'ganz einfach sowohl unter- 
irdisch als oberirdisch‘,' ‘dört''in ‚der Ganzheit — 
Reinheit, hier in’der Zert SE RTEN — Plier veirning der 


\ s 4 
i Di 72 gr} 


‚Erscheinung. URL aKın 


3) Sie sind ; im AEHR ale ident Eines und 
Dasselbe darstellend, und bedingen somit ein 'gemeinseha ft- 
liches Bildungs- Prinzip. Demnach nun: Br 


BIEREI- 


4). die Felsspiegel- Bildung ist eine allgemeine geo- 
‚gnostische , eine ‚in, ‚der Natur der, Fels-Bildung überhaupt 
gelegene, d. i. eine. litho- physiologische aurschemung, 


= er ai al Bildung. ach hei , der hier 
noch nicht genannten Fels-Arten möglich, und es. ‚sohin denkbar 
‘erscheint, dass die. Ber dureh, an Ver- 


FREE können 9 na 


UNNA Fin son 


< : TEIOS 717 ICHIR 


IH H3lsıY Io 
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U. ‚Zwsammenstellung: undiKritiki der. seitherigen. 
warrim .Spi egelbildungs,T heorien. eo ee 


Diese ' Theorien’ ergebe, Meer Vize .—. 


Übersicht =" til gs are ed: Yo Iyri- 2 319% sisıok is 
+h 4) DB; Raten Harsis e; _ ; ost 0 SYIFTERLFE 
y ’ Ü gi: 027 (EX Far F 
3 die rein- ee ena'a göl ig 
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a) des Wässer- Abse hites, ae 
“4 © 2 u aenkee 
"5 des EisYAds chHifres und | Ka 
„Ser Pe 1s!Rei bi  dlezroe Nre22 Eameer: ER a.) 2 
ni \dsa2ed A Tepen AN ss i Ei FAT, 
BE ie A mec aerraeR ‚die also den n äch- 
een d 30 I EEG ed% ef ER irn ö 
sten ‚Über an bildet ‚ 
5 ng I u Jon.21s3n Ju nahen: | er Dres aan 
4) zu deri in der vorigen ‚Mittheilung, aufgestellten. ehemo- = 
5: @ 019% KEY 2 i 
mechanischen, die. . gomac h,, als, der Komplex, des chemi-, 


sehen, und, mechanischen Bildungs-Elementes erscheint. 


Seltsam ! ‚von, u früheren, dieser Theorie'n: "bekämpft; 
die eine. die andere; vermeintlich mit. vollem. Rechte; ‚natür- 
lieb; jedoch! der. volle Widerspruch | liegt..schon. in. der ‚Natur. 
jeder selbst. Alles Diess aber nur ein.Beweis, dass keine Recht. 
hat. Keine von. allen, frühe vien.kann sich. der ganzem 
Erscheinung bemächtigen;; jede muss sich,begnügen mit Theilen: 
Wasser und, Eis mit den. aussenliegenden Spiegeln, und. zwar 
nur mit, den. horizontalen;;, bei. den ‚geneigten wird es schon 
kritischer, und bei, den senkreehten und den gemischten wird: 
sie an sich selbst irre; — die Fels-Reibung aber mit den innen 
befindlichen; von der neuen wird das Ganze umfasst: 
die inneren wie äusseren, dieganzen wie zertheilten 
Spiegel-Lager und. Spiegel-Flächen, und, die des. Buntsand- 
steines wie alle weiteren, von mir ‚aufgezählten — kurz alle 
uneigentlichen wie alle eigentlichen Gang-Spiegel, also 
auch jene innerflächigen der Schweitz, deren es sowohl 
nach den Andeutungen des Hrn. pr Lvc manche, als nach 
der Natur der Dinge, selbst zahllose gibt; — und Diess gilt 
ebenwohl von Schweden, von Finnland, von der ganzen Erd- 
Rinde; — und jene oberflächlichen oberflächigen der 
Schweilz, Schwedens u. s.w. müssten eine Ausnahme machen, 


779 


obgleich’ auch sie sichlieiiweiben' können tu Sierreihen sich 
von'selbst ein A/weil sie naturgemäss”es müssen. 
Was indess. ‚diese Kritiken Andewex.betriffe: „so :waren 
die: ni eigentlich nur Gegen-Kritiken zur ‚Verthei- 
‘digung der eigenen Theorie — - ‚ziemlich ‚unerheblich; indem 
sie die physikalische Möglichkeit ‚der, ‚Politur, durch, das 
angegriffene Polir-Mittel ‚unbeachtet, hessen, —r, etwa weil 
das - angenom mene ‚eigene, selbst ‚daran . litt$. 80 richtet 
sieh z. B. Hr. Asassız sowohl ; ‚gegen, den ‚schweitzischen 
als den schwedisch n Wasser-Abschliff*) in der, „Er- 
öffnungs- Rede« (S. 196, 199 u. s. w.), in den »Bemer- 
kungen“ (8. 5) und i in den „Unters uchungen“ (S. 240, 
257 —265, 276). ° "Freilich 'erscheint es "merkwürdie, dass 
Hr. A. gleichwohl die Wasser- Pour: wieder annimmt 
(Unters. S. 177, 178, "334 Anmerk. und 973) a! auch die 
Polirung durch erw er fung (8)! wie’ die’ durch Fort- 
rutschung (Eröffnungs-R: S. 196" u. Unters 8. + —_ 
also im ‚Ganzen vier’ Polir!Ursache n anerkennt." Die 
späteren Kritiken‘ Aiiderer® hingegen‘ erfolgten erst nach 
Aufstellung meiner eigenen ' Kritik "und’ könnten somit eben 
so wenig mir dabei Zum Anhalte dienen. '' Hierher zähle ich 
namentlich die der HH! Kapp **), Wisswann #2) und'BRöNN +). 
— Sonderbares Zusammentreffen! wie Hr. Karr ein Dutzend 
Gründe dem Gletscher-Abschliffe’ entgegenschickt‘, hatte ich 
gerade ein dergleiches Dützend gesen Serströw’s Flüth:Politur 
bereits in meinem ersten Versuche aufgestellt: Sie mögen 
unten wörtlich aufgeführt "werden. — Hr W issmann hält 
kaum für möglich „einen’du rchereifenden Unterschied 
zu nennen zwischen ‘solchen Flächen,‘ welche von Gletschern 
=) Hr. Tu. v. Saussur£ brachte die Strom-«(Fluth-) T:heorie für die 
erratischenBlöcke.auf. Sie ward von Hrn. L. v. Buch sehr verbes- 
sert und wurde u. A. von Hrn. Stuper für den Felsabschliff 
adoptirt (N. Jahrb. f. Mineralogie 1838, H.-2 und 3); er gab sie 
indess später wieder auf (das. Jabrb. 1841, H. 6). nov j 
2 Ns Jahrb;; f. Mineralogie 1841, H. ;2,, S. 196. 
=##) Das. H. 6. | 
T) Dasselbe 1842, H. 1, ig, 56 


u 


bearbeitet,;und)solehen,;; welehe äehte-Rutschflächen: sind«—, 
das. 4 ‚wohl x zu. ‚merken; or r aid, Ar. ‚Brons. bestreitet: 
nieht..die F elspolitur durch. GletschersEis.; Übrigens Kenntniss- 
volle und lehrreiche Auffassungen, ımrüleh gehe ‚zu :meiner. 
eigenen; Kritik; über, die. im folgenden; |neuen Gewande nur 
eine ‚Umarbeit Lung; der: alten. ‚darstellt. ..: At: af: sahne nt 

1A: Die «(rein-) chemische Spisgel-Bildung, — wie isie: 
Sa von; ‚Hın.; Ve SAUSSUREI: angenommen wurde —«be- 
steht ‚nicht; der Fhaudemagul bildet -aur- sor male:- ‚und. selbst 
— :unter; den, entsprechenden, Verhältnissen. — ausgezeich. 
niealude , sogar feingeriefte.;normale.- ‚Staarkörper- 
 Elächens(die nun freilichz.ie. ‚ändehem- Sinne, regelmäsig;,oder 
unregelmäsig.seyn.können);-jene andmalen, die den anecha- 
nischen; -Reibungs-Druck bedingen; » schliesst der. Chemismus, 
gänzlich aus, als ‚ein. seiner..Natur&Exemdes: und. ‚Widerspre= 
chendes. . Nie;; die kenaltete; Eruehhe re deal weh, nie;wieder. 
sich. zu.- ‚verjüngern; nsmmozilovem Jar isisiesd mIMmIR 


ne “Die. ae, u Isa sich in: ver- 
elasen Kategorie’n. wie- Phasen. gezeigt. Sure Zuerst 
-:1),Der. „Abschlif£.: smittelhst Fluch. (Geröll-Fluth,; 
Schlammgeröll:Fluth). Diess: der Wasser-Absehtiff — der 
ältere „schweilsische, und:.nachherige ‚schmedischei . Es: bedarf 
augenfällig,, nur der Prüfung, eines einzigen. . ‚Dabei, aber 
kommt. es janf. zwei, Entscheidungs-Gründe lediglich an: auf. 
den, geolog isichre n; Nachweis.des D.a, gewesenseyns der 
Geröll- ‚Fluth, „oder: Sindaiche, doch auf. den der Mög- 
lichkeit. ine alte Fluth,.so wie auf. den physi- 
kalischen, Nachweis. ‚der; ‚Möglichkeit der Gesteins- 
Politur, dureh; Fluth-Gestein....Es ist einleuchtend 
stände letzter Nachweis etwa nicht zu erbringen :- ‚so wäre 
es “überflüssig, den ersten zu versuchen. Daher zuförderst 
tg, ‚Beantwortung, der physikalischen Frage: welche 
Erscheinungen: können hervortreten, wenn durch strömende 
WasserMässen Gestein (mit Kies, Erde und Schlamm) über 
Eee 3, gelluthet wird$ Ba „Man halte sich. an, die Er- 


EEE ’ 
fahrung! Wird Gestein athe Krezensune von . Wasser 


u; 


gerieben :"so erfolgty fesiiäch der’Härte des’Gesteins und fe 
nach ‘der gleichartigen ‚oder ungleichartigen® Zusänimenstel-' 
lung, eine verschie deneAbreibengünd durchaus nichts 
Andres als Abreibun gj>und’zwar. © sissmdol Dun 
sn bheiben stersdieselben ‘beiden’ Flächen: Amnanls 
hingleitender Berührung |=#:blos>Pil sch ensAbreibun &, 
und (die Reibungs-Bewegung äussertsich? pärallelhörizontal 
oder--diayonal und“4m Max im um: (was jedoch: ‘selbst wieder: 
von der Horizontale'bis'zur Vertikaleieine’grösste und’kleinste 
Summe besitzt); sie‘kann‘ aber auch" horizontal wie‘ ei a- 
Per kreisend'seyn, sind 1313 5208 ‚9hniaysig 
"wechseln hingegen‘ die Seiten, >d.>h, wolkt' ee: eine 
Sach über den liegenden anderen :>so ist"\des“ ersten: Be- 
wegung vertikal-kreisend:'(sey es säuf®der“ Horizontal- 
eder- Diagonal-Fläche)'Sund” erzeugt "Flächen - "ünd'“Kanten-, 
auch‘ Eck-Abreibung;" wo! also > hier’'die’Abreibung im Mi- 
nimum besteht, höchst unvollkommen ist'®und sogar" zer- 
störend seyn uhrip3 HR nen! bei! Würfel "und ‚Prismen- 
Gestalt und weicher’Felsart; wegen. des schärfen‘ Aüfschlags 
der Kanten und Ecken. Hierbei fiidet' \überdiess'noeh weniger 
irgend eine chemische Umw ändlung- des Stoffes’der 
Reibungs-Flächen und am’wenigsten’die Bildwng’eines 
besonderen Stoffes auf’ denselben Statt. Demnach aber: 
es ‘kann hier durchaus: weder von‘ Spi egels' toff-, noch 
von Spiegelflächen- ‚Erzeugung die Rede‘ seyn! ‘Spie- 
gelnde Glättung“«Bolitur)j°ohne: Bildung eines besonderen 
‚Stoffes, ist: wohl‘ bei hartem’ Gesteine’ möglich; jedoch nur 
mittelst eines dritten’härteren, fein zertheilten Körpers, wo- 
hin aber nie Ko "Sand zu ... steht‘ a Be Atiliche 
3) Bei ‚weichen aus gen 9 Theilehen Saar Amineralo- 
gischen Körpern ist es, ein. Anderes auf dem künstlichen Wege: 
sie können schon mittelst eines dichtglatten: zweiten Körpers (z. B. 
mit dem Fingernagel) geglättet 'werden. ‘Diess jst'jedoch'nur eine. 
vorübergehende, Glättung(Schein-Politur) und .erfölgt.. durch 
blosse Verdichtung der Tbeilchen der Aussenschicht, vermöge ein- 


seitiger Aneinanderlegung , ‚ohne Dichtheitswandlung Gferandereng 
des Aggregat- -Zuständes). iz nısdasr Die 


782 


Steinspiegel- -Fläehen  - ‚sind Feb 
diese;-W eise .durehaus:nicht zwierzielen.: v2. backe 
Hält» mansnun. „diese Erfahrungs-Sätze Brei ‚Fluch 
 atlcngh ‚s0;istsdie, vorgelegte Frage dadurch definitiv: 
"beantwortet; denn.ibei: der. Geröll-Fluth ist die natürliche 
Reibung noch: hundertfach unvollkommener als. im vorigen. 
Minimums#Falle ‚derokünstlichh en-Reibung.. »Diess aber ist. 
. ganz; einleuchtend,-wenn ‚man! bedenkt, dass: das Bollgestein, 
je nach seinem; Volumen iund;Bigengewichte, vonder Fluth 
je naehyihrer ‚Tiefe ,; Diehtheit und ‚Geschwindigkeit; mehr 
und minder (schwebend) fortgetrageny„fortgesehoben 
oderifortgerollt: wird... und zwar lalldiess» so. bunt durch- 
einander,.dass:.die; eine -Äusserung die andere «mehr: und 
‚minder: :hemmt und  aufhebt.. Die, spezifische-Schwere des 
‚Steines:nimmt -hier «also’iu demselben Verhältnisse ab, worin 
das Wasser ‚selbst, .dureh!.Erde-:' und : Schlamm - Aufnahme 
diehter wird ‚und. ein grösseres»spezifisches Gewieht erlangt; 
dazu aber kommt noch. obendrein, .dass die Fluth' inihrem 
ganzen Bereiche je nach ihrer ‚Stärke entspreehend schwere 
Steinblöcke aufnimmt, welche sie ebenso nur etwas: umzu- 
wälzen,,. oder auch blos; ‚eine ganz; kleine Streeke bis zum 
nächsten F elsvorsprunge; hübsch langsam fortzuschieben ver-. 
mag. Was erfolgt: dadurch? Nicht‘ genug, dass sie, selbst 
ganz unmöglich: Fels-Glättung zu ıbewirken: im Stande sind; 
sie: verhindern sogar noch die: — einmal :als möglich ange- 
nommene Abschlifi-Wirkung der:anderen, lebhafter bewegten 
Gesteine, indem sie selbst, als der Fluth-Kraft proportional- 
schwere Steine, den Fluth-Grund einnehmen und so nicht 
allein.den Reibungs-Anschlag der leichteren an dem Felsboden 
unmöglich machen, sondern sogar deren ruhige Ablagerung 
in ihrem todten Fluthwinkel auf den Fluthgrund begünstigen 
und somit deren Abschliffs-Unfähigkeit zur äussersten To- 
talität erheben. Und ohnehin: wie nur. sollen 'auf diesem 
Wasser-Wege die vielerlei runden wie langen konvexen, kon- 
kaven und konvex-konkaven Spiegel mit unter allen, mög- 
lichen Horizontal- wie Vertikal-Winkeln auftretender einfacher ' 


783 


und sich »kreutzender"Ritzungo-haben" entstehen" können? 
-— Diess Alles aber istnunteben so igenamund' leicht herleit- 
barıdureh den: Schluss üals;ies' ‘sehon wahrnehmbar durch 
den AugenscheinDemjenigen"ist, welcher: die'Gelegenheit 
findet, nach. einem starken 'Platzregen "einmäl> einen’ Flath- 
grund im Gebirge zwibeobachten: ‘Hr. Srunzr selbst sagt ®): 
„Hatte ich doch . „uw nicht’ ohne Befremden ‘geseheny dass 
die: so: voft: zitirte Bagne=Flüth'im «. 1S1Sickeeinen) ein- 
zigen etwas beträchtlichen’ Bloek ausidem Bagne- 
Thal:bis-nach"Martignyherabzubringen“vermocht 
hat“. — Und wäre endlich dessenungeachtet in Natur und 
Wirklichkeit das’ Gegentheil der Fall: so 'müssten"alle die in: 
Felsen eingeschnittenen Fluthgraben "durchaus" und je nach 
der Felsart zusammenhängend mit Spiegelung 'bedeekt;'und 
die, etwa "weggerissene ‘alte’ bald wieder ‘durch' eine" neue 
ersetzt seyn. Die Beobachtung aber’ sagt:"nein!"und dem- 
nach‘ hat der'Verstand"zwschliessen? somit müssen die 
rg Felsspiegel-Fläehen' ganz ’anderen Ursprungs seyn! 
Die Antwort auf die le Prage lautet nunmehr. 
wörtlich °so: wma iz:naılaks F Ba 
vo Geröllfluth en Ursprunges und: von welcher 
Ausbildung sie auch sey-— vermag ‘am ’Gesteine -—= änı losen 
Blocke wie anstehenden Felsen — blos Hervorbringung der 
untersten Stuferder Aussenflächen-Veränderung: 
blose Abreibung und" zwar nur in sehr geringem Grade, 
wennjenenicht lange, nieht Monate, nicht Jahre lang anhält "). 
Demnach aber ist die Prüfung ion 
*) N. Jahrb. f. Min. 1841, 0.6. | 
”*) Ein interessantes Beispiel’ von’Wasser-Absehliff fand ich im vorigen 
Jahre in den, gerade'von Philippsruhe: bei Hanan gegenüber auf 
- dem jenseitigen (linken) Main-Ufer im ebenen. -Felde gelegenen 
Dolerit- (Anamesit-) Bruche auf. Dieser zeigt an der Südseite eine 
kleine Wand von kräftigen, dieht aneinander aufrecht stehenden, 
6seitigen Säulen, auf deren Köpfen: eine geringmächtige’Decke von 
Alluvium und Ackerkrume abgelagert ist. Sie zeigen an der vor- 
deren Vertikal-Seite, zunächst dem Kopf-Ende, eine horizontal- 


fortlaufende Reibungs-Ausfurchung: demnach eine Maingeröll- 
Abreibung. Nach einer alten Flusskarte soll-das Main-Bett in 


784 


nsnihr des geoloigisehren «Nachiweises>unnörhig.! ‚Liegt es 
döch;: dass auch hiem Arbles: gepie rlis eh:.anftritt ,. ‚sehon: im 
Sinne zorigeroWorte > Beirders&chweilz»nämentlich erscheint 
— nur in einigen Zügen sey es angedeutet — die Seedurch- 
birnehs-Elut;h, noeh;als,die,bei weitem rascheste; aber, wo 
lagen denmidiese” See'n % iniweleker :Höhe — der: ‚Höhe des 

SB Vorkommirsses: Eoitaumbk: ‚ohne: — - Eismeere zu 
seyn$, u. Sehon, viel, ‚länger r, müssfe i die Se und. Eis- 
schmelz-Fluth. ‚gewährt. haben, naber ‚auch „viel ‚breiter, 
viel'seichter ünd'=-> ganz “Abschliffsunwirlksam‘ tu Fern‘ 
und ae) ‘wie nur wäre si e,a als möglich zu denken ® — Und 
die: Gebirgserhebungs-E isch ‚könnte. allenfalls. ‚wie ein 
—_— Schneckengangs-Abaug: ‘geschaltet: haben ! ‚Die - ‚skan- 
dinavische Nordfluth ‚schliesst wo ‚möglich Zt’noch 
grössere Unmöglichkeiten ein. "Nach ihrer gewaltigen Höhe 


und: ‚Ausdehnung‘ bis: zum Aitıhası müsste. die. Erwee Pol- 
Abplattüng \ der nördlichen ’Erdhälfte‘ mit einem’ Male'"=- so 
im Nu! =: ‚verschwunden. seyn; denn welche Fluch hätte 
FEIERE einsilam gsame, :wenn-auch.noch so grosse plutonische 
Hebung’enitstehen können $’ und "hätte sie blos’seinen ‘Theil 
der ‚Pol- -Abplattung, umfasst: ‚hätte die Fluth so ‚gross. aus- 
fallen: ‚können, ‚und. würde sie. ‚sieh. nicht zunächst. ‚nach. dem, 
in ‚der älten‘- Tief-Lage verbliebenen: Theile » hingeworfen, 
d. h. in ganz anderen, Z, Th. ganz entgegengesetzten Rich- 
tungen, | ‚verbreitet. haben ?. ‚Diese ‚urplötzliche, Donnerkeil- 
schnelle ;und gleichwohl immer; noch ungeheuer Er- 
hebüng (mAn denke nur ungefähr vergleichend an die’ fort- 
‚geschossene Wasser-Masse ! und wohin mag.sie nur gekommen 
seyn;!nach'.vollendetem: .Felspolir - ‚Auszuge) wäre. ‚also im 
NNO. der Halbinsel aufgetreten: welcher Geograph weiss 
‚das emporgestiegene . Ars Festland anzugeben $ oder sollte es 
‚ebenso.wieder dahin: verschwunden seyn, woher es ‚gekommen 
_ in das —. ‘Mein alves ‚Dutzend 0 ET 


{3 si 


ser ae eine ehe südliche are gehabt kabdier (Sollte diese, 
"bei uos vielleicht einzige Erscheinung noch. nicht dem Wegebau 
»ıswgeoplert ‘seyn:'so: wäre sie wohl der Wissenschaft zu erhalten.) 


785 


verweise ich auszugsweisevihdie Anmerkung*)a di, meinem 
ersten Versuche hatte ich nächst diesen geologische n,Stö- 
rungen‘ auch noch'etwas.dieretwaigen astronomischen 
Be 1 SIDE SE ) Wir ud 133uahet Ins 23 92 NOTiHN ERREHTLET Te 
7 Wie verhält steh re RONaKde*beiteiner der Fihth in den'Weg 
> tretenden Erhöhung?“ Kann vsieiizu' einer‘ Seite: \oden:zu beiden 
0. '»ausweichen: so. geschieht ‚liess, ‚unter Ablagerung, im, ‚Ablenkungs- 
‚oder Theilungs-Winkel; ist es nicht möglich, oder. geht die‘ 'Fluth 
darüber ee lagert sich Geröll im Ahsfähings- Winkel ‘ab, 
mitunter wohl ae gung) =- unter Seben so 
geringem als. sehr. Jangsämen,, Meraufschieben;, RR ‚ Zusammen- 
; seharren ‚der Massai ‚wobei natürlich. „an ‚Polirung, und Felsaus- 

2 Fr 25 


Asenung gar nicht zu denken ist 


ERSTES EWIE verhält die Geröll: Mässe sich bei in ‘die® Bähn‘ fatlender 
"s Vertiefung? ıSiesdagert ‚sich -darim; bis zur, Ausfüllung, ‚ab, und 
„folglich, wären nicht alleiu_ die ‚Querthäler, zur Fluth- Richtung, son- 
„dern auch selbst die zu ihr gleichlagigen, Längs- Thaler“ mit den 
 Gerölle ausgefüllt "worden, ma mel nl. sısaehe; 

4 6) Kann durch"das Bapikttdh der: Fluth.' an: eine Erhöhung) die 
„zunächst neben, dieser Anstoss-Richtung, ‚forttreibende Geröll- Masse 
«denn. die in jeuer, Bichtung fortwogende soll ja über den Rücken 
"gehen zur Bildung - der Norar Furchen) eine solche seitwärts 
‚gehende Richtung‘ erhalten, dass sie an ‚rück wärts-seitlich' gelegene 
Höhen sanstosse, ‚um, jan.|deren, Gegenseiten die |anomalen „,soge- 

... nannten Seiten- -Furehen zu erzeugen? Unmöglich.! ‚sie wird 
» _ vielmehr durch den Gegendruck ‘der benachbarten Fluthmasse und 
ihres Gerölles nicht "allein’ davon abgehalten‘; sondern‘ vielmehr 
wenigstens «theilweisep in den. Rückstauungs:Winkel der. fraglichen 
Erhöhung eingespült, und ‚darin ‚abgelagert. Me og 
7). Wie würden die Rollsteine — einmal angenommen, "sie a 


von der Fluth schwebend’ fortgetragen werden — "sich werhalten 
müssen ‘bei dem Anstösse! ans der. sog. Stossseite: ‚der | Berge, 


ker und zertrünmern, Statt len 

8) Wie verhält sich aber wirklich der Anstoss bei einem grossen Hin- 
"dernisse während der Fluth? ‘Die Anstoss-Kraft ninimt; zufolge ‚der 
Stauungs-Hemmung, -von,einem ‚gewissen, Punkte: vor „der Anstoss- 
Fläche an bis zu ‚ihr ‚bin so ab, dass er hier so ziemlich = 0 wird. 

9) Wie erklärt sich das angebliche 'Nichterseheinen der 'Spiegel 
auf der sog. Leeseite? "Einfach dadurch, dass eben: die”Muütter- 
gesteins- Schicht der Spiegel bier bisweilen ‚durch: Verwitterung oder 
andere Ursache a rauden ee Ba A Auer — durch Nicht- 
Entstandenseyn. isrlag 3% T ıesih 

10) Wie hätten ie die Fluth: von! de iuBie ikakan fort- 
gerissenen ‚Schichten-Blöcke {sich »verhalten:>müssen ?ı: Sie ‚wären, 


786 { 


in «Würdigung genommen; namentlich flutherregende A:n-' 
näherung ‚eines: sanderem (Himmelskörp ers’ und sogar fluth- 
erzeugenden:Zussammenstoss mit’einem dergleichen. Von 
diesem:baaren: Überflusse-hier zw: 'abstrahiren, wird der Sach- 
verständigen Gutheissung‘ ‚gewiss'seyn. IE TT ee” 
.2)«Der Absehliffimüttelst Eis — BRAERBN allenfalls 
dreifach seyn, je nachdem derSteinblock sich frei auf, oder 
unter dem Eise los, 'oder' in; seine Unterfläche'theilsweise 
eingefroren vorfände (von Gesteins-Abschliff et innerhalb 
des Eises kann’ ohnehin Eat. die‘ Rede pa —_ "Sind 
es nun so. © | As | 
.@..auf dem Dis Ligen Steinblöcken ‚und die Eis-Decke 
alien (in! Folge -plutonischer 'Hebuig) eine geneigte Lage an 
— von den Schweitzer- Alpen‘ bis’zam Jura: ‘so glitten jene 
Blöcke auf ihr (der. doch vielfältigst zerbrochenen , 'verbo- 
genen, |verschobenen und zerschmolzenen$) pfeilschnell bis 
zum Jura hin, schliffen sieh'am'Eise (!) ab, ohne’ sich 
selbst aneinander zu reiben; und bildeten‘ so die dortigen 


auf der Lee-Seite angekommen, durch den empfangenen Ippuls und 
vermöge ihrer Schwere auf ihr niedergerutscht, hätten sie also 
abwärts gewiss weiteher abgefurcht als es bei der Stoss-Seite durch. 
die aufwärts geschobenen Steinblöcke stattgefunden haben soll, 
und. bätten dann sich in. dem dahinter befindlichen todten» Fluth- 
Winkel abgelagert ; die felsige Lee-Seite aber wäre, als gegen die 
Stoss-Wirkung der Geröllfluth an sich schon geschützt, nicht durch 
sie aufgerissen und abgezackt worden; eher hätte umgekehrt diess 
auf der Stoss-Seite eintreten müssen. ar 
.‚11) Werden, in Skandinavien sich Berge vorfinden mit Spiegeln 
auf der Südwest-Seite? Ganz gewiss! und da gerade so, wie auf 
‚allen übrigen Bergseiten, uud zuverlässig’ mehr unter der Erd- 
Oberfläche als auf ihr, 

12) Ist wohl auch durebgängig eine Haupteiäktulen der Furchen 
und der Fiuth. fest behauptet worden (das Nachweisen ist ohne- 
hin eine — unmögliche Aufgabe)? Nein! Sersrröm selbst sagt 
vielmehr S. 537: „dass schon auf einem so kleinen Felsen wie 
dieser (bei, der Fahlun-Grube), der nänilich nur 30 F. lang ist, die’ 
Furchen in. ihrer Neigung bedeutend von.einander abwei- 
chen“; S. 538... 539 und 540. ..541...543...; endlich heisst 
‚es S. 544: anderweitige. dergleichen Abweichungen glaubt er ‚einst- 
weilen mit Stillschweigen übergehen zu müssen“. 


Moränen mit scharfkantigen Stein-und Spiegelstein- 
Blöcken.  Diess der eine: Theil ‘der früheren »Hypothese'ider 
HH. Acassız. und. ScHimeer *).5 Da sie: wieder: aufgegeben 
worden ,; so bedarf: .es'keiner Wiedererweckung durch die 
Kritik. — Handelt: dagegen es, ‚sieh j husitassy 
ß. um, auf dem:Gewässer forttreibende Eis- Seliollen, in 
dans Untentläche dew.Block ‘mit seinem oberen‘ geeignet ge- 
stalteten: Theile Angefroren:ist ::s0:erscheint erstlich.gewöhn- 
lich eine gar langsame —absechliffs-unmögliche [$] Bewegung, 
ist -es. Seewasser;. zum: Ändern : ‚entweder‘ der: Anstoss ‘an 
Seegrund-Fels ist schwach, und die Scholle bleibt hier 
hängen, dort gleiteti.sie'‚durch> (horizontale) Umdrehung am. 
Bahn-Hindernisse hinweg, — ‘oder der Anstoss ist heftig. 
und:dann; wieder entweder vorige Erscheinungen, oder Heraus- 
brechung des, Blockes aus der Scholle, ‚wobei ihm sowohl 
sein Gewicht. als die grosse beiderseitige Festigkeits-Differenz, 
sehr förderlich wird. | Im: günstigsten Falle’ also: seltenste 
und; geringste Abreibung: nur: an einem: ge ringsten 
Theile der Aussenfläche. — Befindet sich aber 
9,.das Eis in Bewegung über dem Gesteine, in Einzel- 
blöcken oder anstehenden. Felsen: so treten zwei Unterfälle 
ein : entweder das Eis liegt in. Schollen'zerklüftet-am. Strande 
auf Gestein (sandiger oder 'thoniger Grund kann natürlich 
hier nicht in Betracht kommen) und wird bewegt. theils, 
durch die andrängenden Kisschollen (ein, so viel ich weiss, 
noch. nirgends aufgestellter — ‚Gesteins- Nichtabsehliff) ; man 
erinnere sich der Bisschollen an der Mündung des Wuozxen 
in den Ladoga-See nach Hrn. Böruninek **); — oder. das 
Eis ist Landeis, Gebirgseis, nämlich Gletscher-Eis, und es 
bewegt sich, statt über Wasser, über das’ unter ihm befind- 
liche Gestein‘ dahin. Den ersten 'Unterfall lasse ich fallen‘ 
aus Gründen; der letzte aber umfasst den Felsabschliff 
dureh Ki et De und der ist daher einer um so 


=») N. Jahrb. f. Mineral. 1838, H. 2. undk 3. Dasselbe 237; S. 477 
und’ 478. 
=) BeecHaus: Annalen u. .s. w. 3% R., VIII. Bd., 8. 566. 


788 


genaueren Prüfung zu unterwerfen, je grössere eg: 
er Bear zu haben’ scheint. iii | 

® -Merkwürdig ! während eifrig eine lange Disskussion über _ 
die Bewegung des 'Gletscher-Eises geführt worden, er- 
scheint die allernächste Frage: die über die Wirkung des 
über Block und Fels sich 'hinbewegenden Gletscher-Eises ganz 
ausser Erörterung‘ gelassen, als wäre der ra ir te Eis- 
Felsabschliff ein längst bewiesener, oder gar ein sich von 
selbst verstehender! Was hälfe es nun aber, ob jene 
Bewegung eine einfache Folge der Schwere (auf geneigter 
Bahn), oder des Wassergefrierens (sey es inSchrün- 
(den, sey es in Haarspalten des Eises, oder eine aus 
allen diesen Ursachen kombinirte Folge wäre, wenn ein für 
alle Mal das Eis durchaus ‘nicht unmittelbar das Ge 
stein abreiben, geschweige denn’ pol iren, und wenn es 
mittelbar das Gestein auch wohl abreiben, aber niemals 
poliren und aın allerwenigsten mit ächten Spiegelflächen ver- 
sehen könnte $ — Statt mich daher mit Prüfung der Ursachen 
der Gletscher-Bewegung vorgängig zu beschäftigen, will ich 
vielmehr sogleich mit dem Wesentlichen beginnen, nämlich 
mit der Frage nach der physikalischen Möglichkeit 
des vorgeblichen Fels-Abschliffes durch das Gletscher-Eis und 
dann dem Ausserwesentlichen hinterher so re Beachtung 
Bee als es gerade verdient. 


Voraus zwei Erfahrungs-Sätze: 

1) Ein weicherer Körper kann keinen härteren abschlei- 

fen; Grösse, Lage, Reibungs-Geschwindigkeit heben diess 
nicht auf. | 

2) Bonus) zwei Körper von verschiedenen Härte-Graden 

in Reibung: so wird der weichere vom härteren abgeschliffen, 


zerrieben, zerstört, je nach der mitwirksamen Grösse, Lage 


und Reibungs-Geschwindigkeit. T 

' Nun die Härte des Eises zu der der Felsarten gehalten: 
es liegt sofort unumstösslich vor, ‘dass das über die Fels- 
Lagen sich hinbewegende Gletscher-Eis 


R 789 


‚überall w.o, keine 4 wischensehicht von:Genöll, Kiess, 
Soma Schlamm vorhanden iShy;W0, 88s.Also „u nmästelbar 
auf dem Felsen ruht,; nieht, fliesen .. „sondern. nun. ‚sieh 
se l b st abreiben kann, wenn; es.anderswicht durch, die, Wärme, 
die durch den grösseren Widerstand, während; ‚der; Reihung 
hervorgerufen werden „würde, ‚alsbald; ab bgeschmolzen;; d...h. 
Abeeib aa unlübie,giunn, ‚worden.., ‚Hören, wir. die 
Beobachtung! .S ..„174 der, „Untensuchungen« ‚heisst . es: 
»„Dieuntere Fläche des 6 letscher-Eises ist, stets voll- 
kommen. (?) Ehen Auul. ‚selbst; glatt, „wie, ‚ein,.abge- 
riebener Eisblock“;..d dessgl.: :.„Buchtige;, gerundete 
(gewundene?) Linien, zeigen, die Umrisse,der abge- 
riebenen Gletscher;Fragmente; an“. So ists — natur- 
gemäss! Beispiele; Abschwung, . ‚Glacier, des; Bois, ‚Metsch- 
und Viescher - Gletscher „(S.. 179 —180).. ‚Hat, ‚nun „aber, un- 
möglich das abgeriebene ‚Eis, ‚den. Felsen. ‚abgeschliffen; wer 
denn® — Ruht hingegen. das. Gletschereis ;, SR. CR n 
a us unmittelbar, auf. dem. en indem; nämlich 
eine, solche Zwischenschicht vorhanden ist. (8. 173):. 
findet durch die, Fortscbiebung der gröberen. Theile ver- 
mittelst des. fortrückenden , Eises wohl einige Abreibung des 
Fels- Grundes, niemals aber, Polirung und Bekleidung; ‚desselben 
mit ächten Spiegelflächen Statt, vielmehr, reiben: sie sich in 
die Unterfläche des Eises ein, und ‚zerstören ‚somit dasselbe 
theilweise und zwar so lang, als sie am Boden noch „grös- 
seren Widerstand finden : ganz natürlich — weil der Rei- 
bungs-Widerstand am "weicheren Eise geringer und weit 
schwächer ist, als am härteren und viel härteren Felsen. 
Folglich aber: zwischen Eis und Geröll selbst findet — wie 
oben — gar keine Abreibung des letzten und zwi- 
schen Geröll und Fels nur etwas’ beiderseitige Abrei- 
bung Statt, jedochganz’unmerkliche, wenn die:Wirkung 
nicht jahrungezählte ist. Einfach! einmal:’weil'die'Gletscher- 
Bewegung in den Unter-Regionen und; selbst: ini, günstigen 
Falle eine mit dem blossen Auge unwahrnehmbare: ist, (man 
Jahrgang 1842. Beni ahilahe Be) gig 


790 
vergl. damit die Sehnelligkeit ‚der künstlichen Polirung *)! 


zum andern: weil die Zwischenschieht bisweilen nieht besteht 
(S. 172); drittens: weil: wegen des „n ach allen Se Seiten“ 
hin sich ausdehnenden Irrgartens von Eisgeröhen. (S. 
165) keine Berührung, geschweige denn Reibung vorhanden; 
— viertens: weil in den Ober-Regionen, in den 'ausgedehn- 
testen Theilen des Gletschers , Unterfläche und Boden: zu- 
sammengefroren sind (8. 144 und 151) und endlich fünftens: 
weil diese Abreibung noch überdiess durch die Härte-Ditferenz 
beider Gesteins-Arten beschränkt wird; nämlich 

sind beide weich: so ergibt sich keine Abreibung, 
wohl aber Zerreibung, ers: durch den gewaltigen 
Reibungs-Druck ; | | 

ist der eine weich, der andere Theil hart: so erfolgt, 
bei grosser Härte-Differenz, Zerreibung oder Zerdrückung 
des weicheren, bei kleinerem Härte-Unterschiede aber 
grössere oder geringere Abreibung des weicheren, etwa unter 
geringer Abreibung des härteren; 

sind hingegen beide gleieh-hart: so ist die Abrei 
bung beiderseits nur im Minimum vorhanden und je nach 
der Stärke, Schnelligkeit und Dauer der Reibung. 

Wie erscheint solehen Sätzen gegenüber die Bildung 
einer Eis-Raspel, Eis-Feile für den Feisabschliff dureh Ein-. 
frieren der Quarz-Körner in die Gletscher-Unterfläche (8. 174 
und 176)° Wohl Phantasie-reich, aber ganz Physik-arm und 


”) Wenn nach Hrn. Acassız (S. 154) die Schnelligkeit der unteren 
Gletschersehicht = 1, die der mittleren = 2 und die der oberen 
= 3 gesetzt wird, und wenn darnach die wahre Schnelligkeit seyn 
soll bei der Mittelschicht = (2 +1 =) 3 und bei der. Oberschicht 
= 83 +2-+1>=)6; wenn die beobachtete. schnellste Gletscher- 
Bewegung bei Hrn. Hucr’s Hütte vorgekommen mit 2200 F. in 3 
Jahren (S. 139), und wenn diese Bewegung auf das Sommer- 
Halbjahr zu beziehen ist: so berechnet sich die Geschwindigkeit 
der beteubicht zu circa 3, die der reibenden Unterschicht also 
zu 35 Linie auf die Minute. — Distel- und Unteraar Gletscher sollen 
— eine Merkwürdigkeit — in 1 Jahr an 50 F. vorgesehrilten : seyn 
(S. 216): diess ergibt eine Reibungs- Geschwindigkeit für'die 
Unterschicht von etwa z4, Linie auf die Minute! 


791 


durchaus Natur-widrig. — Also überhaupt hier: höchstens 
nur und selten, wie erst in langer Zeit — etwas Abrei- 
bung, durchaus keine Politur und am allerwenigsten 
jene mit vorausgegangener Bildung eines besonderen Stoffes, 
des Spiegelstoffes. Und dennoch da oben sowohl unter 
dem Gletscher als da, wo er gewesen seyn soll, die schönsten 
ächten Felsspiegel! Folglich? — 

Es erscheint also ganz und gar überflüssig, noch beson- 
ders hervorzuheben, wie ausserdem noch so viele Behaup- 
tungen der „Untersuchungen“ sich selbst wieder aufheben 
durch ihren eigenen Widerspruch; erinnert aber sey dagegen 
daran, dass in der übersorgfältigen Unterscheidung zwischen 
Eis- und Wasser-, wie Verwerfungs- und Rutsch- 


Politur mit einem Male — innere Spiegelflächen neben 
äusseren erscheinen. — Freilich, die Natur selbst schob 
einige innere an den Tag, und so nun standen da — die 


äusseren! Es kam nun blos darauf an, im geringen Form- 
Verschiedenen nieht das ganze Sach-Gleiche zu ver- 
kennen, sondern vielmehr zu erkennen, dass — nach auf 
der Hand liegender Absonderung der blossen Reibungsflächen 
die sämmtlichen Spiegel-Glättungsflächen unter sich nur ausser- 
wesentliche, so zu sagen zufällige, Verschiedenheiten 
eines und desselben Erscheinungs-Ganzen dar- 
stellen. Und diess würde erfolgt seyn, wenn — gemäss 

obiger Leitsätze — von dieser Erfahrungs-gerechten Basis aus- 
gegangen worden wäre. 

1) Felsgebilde kann so wenig durch Eis als Wasser 
an und für sich abgeschliffen werden; nur vermittelst 
Gestein (von feinstem bis gröbstem Volumen) kann es ge- 
schehen, möge das Bewegende heissen Wasser, Eis oder 
plutonischer (vulkanischer) Druck ; 

2) der Felsabscehliff ohne Politur ergibt die (ge- 
wöhnlich nur äusserliche) Abreibungsfläche; er 
erfolgt blos auf mechanischem Wege, sey es — wie ge- 
wöhnlieh — durch Wasser- oder Eis-Geröll, sey es durch 
Schichten-Reibung verinöge plutonischer Kraft ; 


51* 


792 


‘3 der Felsabsehliff mit Politur erzeugt die 
(allgemein nur innerliche) Felsspiegelfläche und kann 
erst nach vorausgegangenem Chemismus mechanisch darge- 
stellt, ‘also’ auf chemo- -meehanischem ee re 
rufen werden‘; und: 72 3 

4) die‘ Fels Spiegeliläche kann durch Gesteins-Reibung, 
einerlei ob diese von Wasser oder Eis ausgeht, zerstört 
und somit ‘in ‘eine Reibungsfläche (2) theils ‘oder ganz — 
je nach Sei besonderen en — Br 
werden. Madi tinteagaeılolos sei: : | 
So nun aber sondern und erklären sich naturgemäss 
alle die verschiedenen in den Alpen wie im Jura und auf 
wie in der ganzen Erd-Rinde vorkommenden Felsabschliff- 
Erscheinungen ; und das Übrige, wasin den vielerlei Angaben 
diesen Fundamental- Wahrheiten des Felsabschliffes 
zu widersprechen scheint, oder wirklich damit in Wider. 
spruch steht, erweckt nunmehr die dringendste Vermuthung, 
dass es auf unvollständiger Beobachtung und Auffassung 
beruhe. — Überhaupt also: mit den Spiegelflächen der Schweitz, 
Deutschlands, Frankreichs, Englands, Schwedens — der ganzen 
Erd-Oberfläche gerade = wiehier selbst; nur Verschie- 
denheit in’Mass und Zahl, und alle entstanden mit dem 
Gesteine zugleich, bis auf die wenigen zwischen pluto- 
nischen und neptunischen Felsarten, wovon nachher. 

Allein nicht genug, dass Hr. Acassız vorigen Spiegelweg 
nieht wandelte (der ihm unvermeidlich entlockt haben würde 
diesen Schluss-Ausruf: nein, das Gletschereis ist doch kein 
Spiegel-Erzeuger,, sondern das diametrale Gegentheil: 
ein Spiegel-Zerstörer!), nicht genug auch, dass er sagte 
(S. 184): „Um die Schliff-Flächen und Streifen aus aller 
Beziehung zu den Gletschern zu bringen, ist man so weit 
(!) gegangen, zu behaupten, sie seyen von anderen Ursachen 
abhängig, seyen schon vor den Gletschern da gewesen und 
die Gletscher bewegten sich auf dem vorher geschliffenen 
Boden fort *)“; nein, er begräbt endlich sogar — da „überall, 


— 


*) Wer hat diess früher behauptet und wio?- 


793 


wo polirte Felsen „vorkommen , einmal Gletscher müssen 
existirt haben“ ($. 231) — die Erde unter ein — Alles 
vernichtendes Eis-Meer (8. 284, 307)! 

Nur Diess noch! Was von der physikalischen Un- 
möglichkeit der Fels-Politur durch den einzelnen 
Gletscher unabänderlich feststeht, gilt eben so unum- 
stösslich von alten Gletschern, wie von dem einen 
Urgletscher, in den sie sonach einst einmal zusammen- 
geflossen seyn müssten.  _ 

Folglich aber: ist boleliörgetahe überhaupt die Bildung 
der Felsspiegel durch Gletscher-Eis vonder phys ikalischen 
Seite her als eine absolute Naturwidrigkeit darge- 
stellt: so bedarf es somit. eigentlich keiner Einrede mehr 
von der geologischen Seite, obgleich auch hier sich sehr 
gewichtige noch erheben liessen; sie können jedoch hier 
um so mehr übergangen werden, als dieses Forum bereits 
durch ein wohlberufenes Organ sein zurückweisendes 
Urtheil öffentlich abgegeben hat *). Es sey mir bloss diese 
(sehon theilweise in meinem ersten Versuche aufgestellte) 
Schluss-Andeutung gestattet. 

Der Erd-Körper hat in seiner Ausbildung, oleich je- 
dem anderen höheren Gebilde der Natur, einer stufen- 
weise, gesetzmässigen, einer gleichsam organischen — weil 
in sich bedingten — Entwicklung unterlegen; und einer 
solehen widerspricht dieses ungeheure Ris-Moment durch- 
aus, weil der Erd-Körper nur aus der grossen Verdich- 
tung von Gas zu Fluss und der kleinen von Fluss zu 
Starr, demnach aber zunächst nicht aus dem kalten oder 
warmen, sondern aus dem glühendheissen Zustande hat her- 
vorgehen können; aus ihm, der noch jetzt wie ehemals und 
stets (trotz sehr scharfsinnigem, aber dennoch unmotivirtem 
Zahlen-Kalküle) seinen Sitz im Erd-Herzen hat, hinläng- 
lich stark, um von da aus jeden lebensverseheuchenden 
Eisumkrustungs-Versuch — in Nebel und Dunst 
aufzulösen — vermöge des bekannten Wärmeleitungs- 


*) N. Jahrb. f. Mineralogie 1842, 1, S. 56. 


794 


Gesetzes! und Diess um so gewisser, als das Selbst- 
erhaltungs-Gesetz dem Erdkörper würde geboten haben, 
diese — doch wohl Jahrtausende umfassende — Eis-Todt- 
legung seiner äusseren organischen und 'polybio- 
tischen Seyns-Sphäre mit Macht und Kraft, auf Leben 
und Vernichtung abzuwehren, Oder es hätte müssen die 
Erde urplötzlich, als ein missgerathenes Kind, durch die 
Mutter Sonne von ihr hinweg gestossen werden, Irrstern- 
artig weit über die Uranus-Sphäre hinaus — an die Marken 
ihres Reiches *). Welcher Physiker des Himmels weiss dafür 
nur eine —,Wahrscheinlichkeit anzugeben, der streng 
zu fordernden Noibwenddehee gar nicht einmal zu ge 
denken? — 

3) Fels-Abschliffmittelst Fels- Piehangi Hr. pe 
Luc hat ihn von der bekannten Schlifflläche des grossen 
St. Bernhards behauptet, als er fand, dass die Anwendung 
des nur äusserlichen Eis-Abschliffes hier ganz und gar un- 
möglich falle, indem der Spiegel in d’en Felsen einstreicht 
und zwar spaltartig — gerade wie in den Grotten mit 
Spiegeln im Spiegel-reichen Jura, und dort die beiden Flä- 
chen der Spiegel-Spalte mit spiegelndem @Quarz-Über- 
zuge bekleidet — tout comme chez nous! — Einige Frag- 
Bedenken. Durchsetzt die Spalte den Berg vollständig, so 
dass also dem hangenden Theile wirklich die Möglichkeit 
des Herabgleitens auf dem liegenden gegeben erscheint? und 
ist der herabgerutschte in ein Ruhe-Lager aufgefangen — 
etwa vom Fusse des Liegenden? Oder ist vielmehr die Spalte 
an beiden Seiten-Rändern in den Felsen sich verlierend und 
zusammengewachsen: wie war also Herabgleitung möglich? 
Was bedarf's somit noch der weiteren Fragen: wie lang 
war die Gleitungs-Bahn ? wie gross waren Neigung, Geschwin- 
digkeit, Zeit-Dauer, Massen-Druck ? und war nicht vielmehr 


*) Das daraus entsprungene Maximums-Aphel hätte natürlich dann 
wieder ein proportionales Minimums-Perihel bedungen, und 
— die Erde wäre somit zurückgekehrt gewesen in den Zustand 

des Kometen. 


795 


der ungeheure Druck-int-Vereine mit Bauliheit und Unebenheit 
der Basis-Fläche bei ge ringer Neigung gerade ein unbe- 
siegbares Hinderniss des Gleitens, bei starker jedoch eine 
. Ursache des Übersturzes?. Endlich: ist diese Quarz-Rinde 
hervorgegangen aus wässeriger Lösung oder aus Schmel- 
zung? der erste Prozess ist hier gar nieht auflösbar; und 
der andere dureh die Erhitzung, vermittelst Herabrutschung, 
also vermittelst eineseinzigen einfachen Reibungs-Stosses von 
— einer Spanne Länge? — Das heisst blos: an die Stelle 
der einen physikalischen Unmöglichkeit eine 
eben so Brain n auch BRRRARHEN, andere 
setzen. R 

C. Die eg REDEN che Emäbseh Bildung. 
Hier: Fortschritt, Entwieklung, Eingehen, in’die Natur der 
Dinge, in den Komplex der bedingenden Verhältnisse. Hr. 
v. Leonuaro sagt beim Anblicke der „an vertieften Stellen 
gleichsam wie mit glänzendem Schmelz bedeckt“ erscheinenden 
Flächen: „Diess dürfte ausserhalb der Grenzen einer 
blosmechanischen Entstehungs-Art der Spiegel 
liegen“. Und so gesellt der Reibung sich folgerecht bei 
dieSchmelzung gemäss den Thatsachen plutonischer Wir- 
kung — Diess sowohl bei den plutonischen Felsarten an sich, 
als bei deren Berührung mit neptunischen. Aber, was hier 
ausserhalb der Grenzen einer blos mechanischen Entstehungs- 
Art liegt, schliesst neben der Schmelzung auch noch die 
Lösung (in Bezug auf die neptunischen Felsarten unter sich) 
ein; Diess wäre also blos noch mit auszusprechen gewesen, 
und. darin hätte dann zugleieh mitgelegen die Verneinung 
des Bis- und Wasser-Felsabschliffes. Bot nun blose gele- 
gentliche Bespreehung schon so viel; so deutet sich von 
selbst an, welche Entwicklung zu erwarten gewesen, hätte 
sich Musse genug gefunden, den Gegenstand zur Aufgabe 
einer wirklichen Untersuchung zu erheben. — Übri- 
gens liegt somit deutlich vor, wie jene naturgemässen An- 
sichten sich als nächsten Übergang darstellen zu dem einen 
und allgemeinen Prinzipe der Felsspiegel-Bildung, nämlich 


796 


zum’chemo-mec cha a ni 18€ he en) za ae one nun fol- 


Srirsggin a 


SU 


IL. Entwicklung, eines a eina De n 
| Systems. 


pas ide a eiei Felsspiegel-Daten ‚geht se So die 
Spiegel-Bildung eine allgemeine geognostische Erscheinung 
ist sowohl. nach Felsart als Ort::- Warum auch nicht? Sind 
nicht diev»besonderen Ausscheidungen, nämlich die Aus- 
scheidungen :von besonderen. Stoffen, .in.den: Gebirgsarten, 
namentlich die der Kieselsäure, etwas Allgemeines? Erscheint 
nicht der Plutonismus mit seinen Erschütterungen der 
Erd-Rinde als das erste .Bedingniss jeder Erdumbildungs- 
Epoche, und ist er folglich nicht für jede Neugebirgs-Bildung 
durch Feuer etwas Allgemeines? — Waren sonach die beiden 
Bildungs-Agentien: das chemische und mechanische 
Prinzip, einmal aufgefunden und für eine Haupt-Gebirgsart 
nachgewiesen: so lag es nah,» diesem Fingerzeig in andere 
Gebirgsarten zu folgen. . Der Erfolg meines Versuchs recht- 
fertigte die Vermuthung:: ich gelangte. bald zu.einer Reihe 
von Spiegel-Thatsachen, die mich nicht länger an der All- 
gemeinheit der Felsspiegel zweifeln liessen, und um 
so weniger als die Annahme der Gegenwart der Spiegelstoff- 
wie Spiegelbildungs- Mittel: bei dem Erzeugungs-Vorgange 
aller Gebirgs-Arten in den Bereich voller Möglichkeit, ja 
selbst theilweisen Nothwendigkeit fiel. Doch die anderweit 
aufgestellten verschiedenen, sich so sehr widersprechenden 
Spiegel-Theorien mahnten sehr zur Vorsicht — (die Natur 
ist zwar einfach in ihren Mitteln, aber unendlich reich in 
der Anwendung) — um so mehr, da die Beschreibung da- 
mals noch so mangelhaft war, dass es ein Befremden wie 
Bedauern erregte, das aus dem alten Versuche bis in den 
neuen hinüberklang. Und auch die mancherlei Bezeichnungen 
deuteten auf Vielerlei: war es Wirklich- oder blos Scheinbar- 
Verschiedenes? waren Vermengung, Verwechslung eingetre- 
ten® So war z. B. fast nur von Furchung:im:Norden 


797 


die Rede, was doch;nicht,leicht vereinbar mit. den.hiesigen 
verwandten Erscheinungen war. Nun ist ‚sie aber auch in 
den Alpen, im Jura und ist allgemein bei den älteren und 
ältesten Gebirgsarten — einfach! weniger, weil etwa die 
plutonische Kraft mit ihrer Stoss-Schwingung in den Urbil- 
dungs- wie Urumbildungs-Perioden der Erdoberfläche jünger, 
frischer, kraftvoller gewaltet (sie war blos allgemeiner), als 
vielmehr, weil der Kieselsäure-Überschuss in den Urgebirgs- 
arten grösser gewesen (wie die Ausscheidungen zu Krystall- 
höhlen u. s. w. ebenwohl beweisen), und weil die Natur 
der Gesteins-Masse im Zustande des glühenden Teigigseyns 
dem Gleiten auf den flüssigen dünnen Kieselsäure-Schichten 
günstiger sich zeigte. ‘ Und nun auch findet sich bei Hrn. 
Acassız definitiv ausgesprochen, was ich früher nur 
vermuthen durfte: die-Übereinstimmung der Jura- 
mit den Alpen-Spiegeln,; indem es heisst (8. 272), dass 
„die Felsen-Schliffe des Jura bis in die kleinsten Ein- 
'zelheiten denen der Alpen vollkommen ähnlich sind“. 
Daran aber reiht sich (S. 181): Undeutlichkeit und geringer 
Zusammenhang der Streifen beim grobkörnigen Gneis und 
Granit — ganz ähnlich so bei der hiesigen Grauwacke; 
Cdaselbst:) die runzeligen, mehr oder minder veriieften 
Kratze beim Kalk — ähnlich so meine Kalkspath-Abreibungs- 
Fläche; 8. 276: Erıe oe Braumonts Porphyr-Spiege! aus 
Schweden — stimmt „vollkommen mit den in der Schweilz 
anzutreffenden Felsschliffen überein“; (daselbst :) v. Verneuun's 
Bergkalk-Spiegel aus England (Lancashire) — hat „durchaus 
dasselbe Ansehen. .. wie die Schliffe von Zanderon“. 

Diese Thatsachen genügen zweifellos; sie bestätigen auf 
das Schönste meine frühere, bis zur Überzeugung gestei- 
gerte Vermuthung, welche ich am Schlusse meines vorigen 
Versuches dahin aussprach : 

Schon das Gewicht der bis dahin aufgezählten Steinspiegel- 
Thatsachen allein erscheint von soleher Art, dass keinerlei 
gegründeter Zweifel mehr an dem hier aufgestellten ehe mo- 
mechanischen Ursprunge der Fels-Spiegel aufzukommen 


° 

vermag; ja es zeigt" sieh. klärlich’ mit solcher Beweiskraft 
begabt, dass dreist zu.behaupten steht einerseits: es bedürfe 
keiner weiteren Zeugnisse mehr zur Begründung der Allge- 
mein- und Allein-Giltigkeit dieses naturgerechten Zeugungs- 
Aktes, — und andererseits: es müssen die Spiegel aller 
übrigen, hier noch nicht vorgekommenen Felsarten als glei- 
ehen Bildungs-Ursprunges auch in die gleiehen 
Bildungs-Formen fallen, so dass also hierin niehts Neues 
mehr, sondern blos die Wiederkehr, wenn auch die noch 
so sehr variirte, des Alten lediglich zu erwarten stehe, — 

Also vorerst; Unterscheidung und Trennung des Fels- 
Abschliffes — der Schliff-Fläehen — in solchen, welcher 
abreibt ohneGlättung, alsodierauhe Abreibungs-Fläche, 
schlechthin die Abreibungs-Fläche, ergibt, und in jenen, 
welcher abreibt mit Glättung eigentlich bloss reibt) 
und die glatte Abreibungs- oder Reibungs-Fläche, d. i. 
die Felsspiegel-Fläche erzeugt, und sodann: Festhaltung 
der letzten; ferner aber bei dieser: Unterscheidung zwischen 
ächtem und unächtem Felsspiegel; endlich Eintheilung 
allgemein: in plutonische, in neptunische und pluto- 
neptun ische Spiegel. 

Übrigens, diese SpiegekBildung ist — wie schon gedacht 
— an die Gebirgsarten-Entstehung geknüpft: jene 
gleichsam nur ein Produkt dieser, allein nur das im Entwieck- 
lungs-Prozesse gestörte, daher unvollkommene und 
zählend zur Gang-Bildung, während als vollkommenes die 
krystallische Ausscheidung erscheint. Doch, sie ist nur in 
der Regel ursprüngliche, indem sie ausnahmsweise als 
nachträgliche für den Fall (und zwar sowohl bei plutoni- 
schen als neptunischen Felsarten) zu denken steht, wo plu- 
tonische Durchbrechung — etwa auch Sublimation und In- 
filtration — eingetreten. Die Gebirgs-Bildung selbst aber 
ist in ihrer Hauptform ein Werk der Erdbildungs-Epochen. 
In meinem mehrgedachten früheren Versuche äusserte ich 
darüber folgende Vorstellung: 

Hat der Weltkörper Erde wieder eines seiner Lebensjahre 


799 


durchlaufen und also die‘ ihm angehörige Lebenswelt den 
ihr — ähnlich wie dem Individuum — vorgeschriebenen 
Kreislauf — nur eine Oszillation im grossen Weltgange — 
vollbracht: so ist die Stunde der Erdrinden-Umbildung ge- 
kommen, damit ihr Grab die alte Lebens-Reihe aufnehme und 
die Pforte eröffne einer neuen; und die Lebenskraft, aussen 
erlöschend, wird, innen erwachend, zu neuer höherer Lebens- 
Entwicklungsstufe wieder nach'aussen. Pluto unten sammelt 
seine Massen: Gase’und Glühflüsse wogen auf, sich gegen- 
seitig drängend und wechselseitig mehrend, wie gedrängt 
durch die Schwere der'auf ihnen lastenden Erdrinden-Decke, 
wodurch jedoch ihre Gewalt nur noch mehr gereitzt wird: 
allseitig streben sie, Alles durch Schmelzung und Explosion 
vor sich hinwegräumend,, aus der grauenvollen, glühenden 
Tiefe emporzusteigen zum Tage. Oben aber hält Neptun 
Wache mit tiefvorgesandten Hütern. Weil Natur-nothwendig, 
ist der Zusammenstoss unabwendbar (und Welit-Tod ist nur 
Welt-Geburt); denn so erst wird erhoben durch der gestei- 
gerten, glühenden Gährungs-Kampf die Umbildang, 
die Neubildung auf die nächsthöhere Staffel der 
Seyns-Entfaltung. Also denn aber: wachsende unge- 
heure Erderschütterung, Erdrinden-Berstung, -Hebung, 
-Senkung, — Gas- und Glühfluss-Emporsteigen, — Abnahme 
des Druckes und der Erschütterung, — innere Verdichtung 
und Entweichung freigewordener Wärme, — endlich, die 
Erdrinde ist stärker und gefalteter geworden unter Bildung 
neuer und Umwandelung alter Felsarten, und mit der Wiege 
für den neuen höheren Lebens-Reigen ist zugleich wieder 
miterschaffen sein nachfolgender negativer Pol — das Grab. 


A. Die plutonische Spiegel-Bildung. 

Alle hierher gehörigen Gesteins-Bildungen setzen ihrem 
Ursprunge nach einen glühheissen, bald mehr und bald minder 
flüssigen bis teigigen Zustand voraus. Sie besassen sowohl bei 
einem Bestande, welcher entweder selbst Gleitungs-fähig war, 
oder partielle und zur Spiegel-Bildung befähigte Ausscheidungen 


800 


zuliess, ‚als bei. einem solehen,,-welcher geeignetes anstos- 
sendes Gestein zur Spiegel-Bildung zu 'disponiren vermochte, 
die Fähigkeit zur Spiegel-Bildung;; und diese äus- 
serte sieh theils schon während der Emporsteigung,  theils 
erst im Stillstande der Glüfhflass-Masse. — Es erscheint 
wohl einfach, dass bei der Verschiedenheit der Entstehungs- 
Verhältnisse des Muttergesteins die plutonische Spiegel- 
Bildung „ebenwohl verschiedenartig', eharakterisirt auftreten 
muss, weil.schon das Muttergestein selbst, je nach der Ver- 
schiedenheit seiner Entstehungs-Weise-, eine andere Beschaf- 
fenheit besitzt. 'Indess scheint doch, als herrschte auch hier 
— namentlich bei den plutonischen.Gebirgsarten im engeren 
Sinne — das negative geognostische Hauptglied, die Kiesel- 
säure, gleichsam zufolge allgemeiner Nothwendigkeit zu 
disponiblem Überschusse vor. — So also mit der stoff- 
liehen Seite dieser Spiegel-Bildung; bei der der bilden- 
den Kräfte aber zeigt sich, dass während des Aufsteigens 
und der. Fortbewegung der plutonischen Massen hauptsäch- 
lich Druck-Bewegung, während des Stillstandes dagegen 
vornehmlich Stoss- oder Schwingungs-Bewegung 
herrschte und auch Kontraktions- wie Senkungs- 
Bewegung in Folge des durch die Temperatur-Abnahme 
so und wieder anderst bedingten Chemismus. Also aber 
vermochten unter solchen Zuständen sich zu bilden 

1) wirkliche oder ächte Spiegel, so zu sagen Ver- 
bindungs-Spiegel, weil erzeugt durch die volle Zu- 
sammenwirkung des chemo-elektrischen Prinzips und somit 
zur Unterlage besitzend einen eigenen, besonders ausge- 
schiedenen oder gebildeten Stoff: den Spiegel-Stoff.. Bei 
dessen Ausscheidung vermochte allerdings vorerst die Kom- 
pression des Massen-Druckes der chemischenK ontraktion 
vorzuarbeiten, dagegen aber auch nachher so entgegenzu- 
wirken, dass dieser mehr flüssige Stoff sich nur in dünnen 
Lagen, als Zwischensehichten, ausscheiden konnte; 
und-einfach ward er ebenwohl hier zur Gleitungs-Ebene 
der durch ihn gescehiedenen Muttergesteins-Masse, wie 


801 
zugleich, bei der Verschiedenheit des’ Stosses und ‚Gegen- 
stosses, zur Scheidungs-Ebene der verschiedenen Be- 
wegung zwischen Liegendem und Hangendem. Auch hier 
trat zuerst die Verkittung der beiden Muttergesteins-Flächen 
mit dem Spiegel-Stoffe, von beiden Seiten nach dessen Mitte 
hin allmählich vorschreitend, ein, wo denn die Zusammenstoss- 
Fläche — zum Fluss-leeren Raume, nämlich zur Spiegel-Spalte 
wurde, worin nun bald Furchung und Ritzung wie Glät- 
tung des Doppelspiegels sich — ähnlich wie bei’'m Bunt- 
sandstein-Spiegel — vollendeten. 

Zu dieser Art der plutonischen Spiegel- Bildung — der 
durch innere Ausscheidung — gesellen sich ‚noch die beiden 
der plutonischen Sublimation und Infiltration: Diess die auf 
den eigentlichen Gängen auftretenden Spiegel-Erscheinungen, 
indem die Muttergestein-Spalten — wie auch entstanden — 
mit Glühflüssen oder Gasen, oder mit ‘beiden (von: unten 
oder seitwärts her) erfüllt wurden, die nun darin zu Ver- 
dichtung und endlicher Erstarrung übergingen, während 
die Spiegelbildung zugleich — ähnlich wie oben — eintrat. 
— Wird diese noch etwas dunkle Pariie demnächst näher 
an das Licht gerückt seyn: so dürften sich ‚wohl' drei Arten 
des ächten plutonischen Spiegels ergeben, nämlich die des 
eigentlichen inneren Ausscheidungs-Spiegels, des In- 
filtrations- und Sublimations-Spiegels im engeren 
Sinne, beide letzten oft metallischer Natur und innerer 
wie (innerlich-) äusserer Spiegel seyn könnend. Ob 
dahin auch noch der Fall des chemischen Kontaktes 
gehöre, sey dahin gestellt. Die Erd-Rinde ist nämlich fort- 
während mit Wasser im Grossen imprägnirt zu stetiger 
In- wie Exhalation, ähnlich dem Athmungs-Rythmus. Durch 
die feinsten wie gröbsten Poren — durch Erd-, Sand-, 
Kies- und Geröll-Lager wie die Fels-Spalten geht es ein und 
aus und durch letzte mitunter bis zu bedeutender Teufe 
nieder, sich ansammelnd in kleineren und grösseren Hohl- 
räumen, Ausser der — für das Spiegel-Vorkommniss wohl 
ausbeutelosen — Erscheinung der heissen Quellen (mögen 


802 


sie mehr anf elektrischem Kontakte oder mehr auf’ Vulka- 
nismus beruhen) ist es ‚denkbar, dass aussergewöhnlich auf- 
steigende plutonische Massen mit jenen Wasser-Behältern 
in Berührung kommen und Dampf-Massen erzeugen können, 
welche in den Gebirgs-Spalten sich wieder mittelst Verdich- 
tung niederschlagen. Erscheint es nun annehmbar, dass 
manche Spalt-Wände dadurch in solche elektrisehe Zustände 
versetzt werden mögen, welche Neustoff-Bildung herbeiführen, 
so bleibt auch denkbar, ‚dass dieses Material zum Spiegel- 
Stoffe werden könne, sofern. plutonische Bewegung hinzu- 
kommt, bevor die Erstarrung eintritt; und je nachdem mit 
voriger plutonischen Berührung heise Lösung (als Neben- 
stück zur Schmelzung) verknüpft, oder alte kalte bereits 
vorhanden war, mögen auch gelösete Stoffe, durch den Dampf 
mitemporgerissen, in den Fels-Spalten niedergesehlagen und 
dort — unter den gedachten Verhältnissen — zur Spiegel- 
Bildung möglicherweise mitverwendet werden können, welcher 
letzte Fall also unter die gedachte Sublimation fallen würde. 

Sodann können auf diesem Gebiete auch noch, jedoch 
ebenwohl nur ausnahmsweise, entstehen: 

2) Spiegel ohne eigenen besonders ausgeschiedenen 
Spiegel-Stoff: die unächten oder After-Spiegel, bei deren 
Bildung das mechanische Prinzip solchergestalt prädomi- 
nirt hat, dass sie gleichsam Reibungs-Spiegel, streng 
geschieden von Abreibungs-Fläche, zu nennen sind, indem 
die Wirkung des chemischen Prinzips lediglich auf eine be- 
sondere Verdichtung der Flächen-Theilchen der Mutter- 
gesteins-Masse. mittelst der Friktions-Wärme beschränkt er- 
scheint. Diese Halbspiegel vermögen also auch da zu ent- 
stehen, wo die plutonische Masse schon (etwa in Folge eben- 
begonnener Erstarrung) Trennungs-Flächen angenommen, je- 
doch noch nicht vollständige Erhärtung erlangt hat, so dass also 
die plutonische Bewegung eben sowohl Gleitungs-Bahnen 
für ihre Massen als noch genügende Geschmeidigkeit der- 
selben vorfindet, um den einen Hauptstoff derselben unter 


besonderer Verdichtung mehr wie minder glätten zu können. 


s03 
Dies Alles 


a. von im: Innern ‘des Muttergesteins auftretenden 
Spiegeln — den Inner-Spiegeln, welche jedoch, obgleich 
auf Inner-Flächen erzeugt und nur darauf vorhanden, durch 
Trennung und Entfernung der einen Spiegel-Schieht und dem- 
gemässe Bloslegung zusseheinbar-äusseren Spiegeln wer- 
den können (z. B. Grünsteinspiegel); und ebenwohl 

.b. von am Äussern, an Aussenflächen des Mutter- 
gesteins, also an.den Berührungs-Flächen zweier verschie- 
dener Gebirgsarten, auftretenden Spiegeln, welche bei Nicht- 
Bloslegung scheinbar-innere sind (z. B. zwischen dem 
jüngeren und älteren Granite von Zeidelberg, dem Gang-Kalke 
und Gneis von Auerbach). Hierher dürfte auch noch der 
doppelte Fall zählen, wo Ausscheidung einer besonderen 
Gesteinsart in und aus dem plutonischen Muttergesteine und 
wo Aufnahme eines älteren in ein jüngeres stattfand und 
nachher zwischen beiden mehr und minder beträchtliche 
Spiegel-Bildung auftrat (z. B. meine kleine Jaspis-Stuffe aus 


dem Grünsteine). 


B. Die pluto-neptunische Spiegel-Bildung. 

Davon gilt ähnlicherweise das Ebengesagte, indem hier 
die neptunische Felsart von der plutonischen Masse durch- 
brochen wurde entweder mit Ab- und An-setzung des Spiegel- 
Stoffes an das neptunische Gestein oder unter theilweiser 
Umwandlung des letzten zu Spiegelstoff. Hr. v. Leoxuarn 
hat ebenwohl dazu einige schöne Daten geliefert: Granit 
und bunter Sandstein (Schandau), Porphyr und bunter Sand- 
stein (Donnersberg); und ein interessantes Beispiel sind Hrn. 
Ersreicn’s Spiegel zwischen Basalt, Kohle und Thon zu 
Westerburg. Aus meiner engen Beobachtungs- Sphäre ist 
leider nichts hinzuzufügen. 


C. Die nepiunische Spiegel-Bildung 
ist dieselbe, welche in der vorigen Mittheilung aufgestellt 
worden. Sie unterscheidet sich also wenig von den beiden vorigen 
Spiegel-Bildungen; es beschränkt Diess sich — wie vorliegt 


804 


— darauf einestheils, dass hier das mechanische Moment 
fast ausschliessend als Schwingungs-Bewegung auftritt, und 
anderntheils, dass statt der glühenden und heissen 
Schmelzung, auch heissen Lösung, hier die warme 
und kalte wässerige Lösung thätig erscheint. — Die 
anhergehörigen Belege finden sich bereits oben aufgezeichnet. 


Übrigens, wie erklärt sich der von Hrn. Acassız schon 
in den „Bemerkungen“ (S. 5), in der „Eröffnungs- 
Rede“ (S. 196) und ebenwohl in den „Untersuchungen“ 
(S. 270) erwähnte merkwürdige Fall von in Spiegel-Flächen 
enthaltenen und — wie durchschnitten — abgeriebenen 
Muscheln® — Sie fanden sich’ gerade in jener Lage 
des noch weichen oder feuchten Gestein-Materials vor, worin 
eben der Spiegel-Stoff sich in eine dünne Schicht zusammen- 
zog; als diese nun während :ıler plutonischen Erschütterungen 
zur Gleitungs-Bahn wurde, unterlag das Fossil ebenwohl 
und zunächst, als hervorragender Theil, dem Druck und 
der Reibung: es wurde dabei entweder mehr in die Masse 
des Liegenden, oder auch in die (es Hangenden hineinge- 
drückt und alsdann am hervorspringenden Thefle abge- 
schliffen, sobald seine Einkittung stattgefunden hätte; war 
diese aber etwa sogar — während eines hinlänglichen Ruhe- 
Momentes — doppeltseitig eingetreten: so musste es mit 
dem Wiederbeginne der Stoss-Bewegung in der Ebene der 
allein noch flüssigen mittlen Spiegelstoff-Lage durchbrochen und 
nun auf den Bruchflächen abgerieben und in die Vollendung 
der Spiegelfläche miteinverwebt werden. Ebenso beiKrystal- 
len (S. 5 der Bemerk.). 


Hier nun auch eine kurze Zusammenstellung Dessen, was 


D. über den Bestand des Spiegel-Stoffes 


bis jetzt herausgestellt erscheint. -— Er ist seltner einfach- 
binär, z. B. aus Kieselerde, Eisenoxyd u. s. w. bestehend, 
weil gewöhnlich mehrfach-binär zusammengesetzt, z. B. 
aus kieselsaurer Thonerde, kieselsaurer Kalk-Thonerde u. s. w.; 
offenbar aber zeigt sich die Kieselerde — wie schon erwähnt 


805 


— als das allgemeinste: Glied.’ des 'Spiegelstoffes; und leicht 
erklärbar ist es, wenn»der plutonische Spiegelstoff ingrösserer 
Manchfaltigkeit als’der. neptunische 'erscheint,. Etwas Ge- 
naues ist übrigens .hier noch‘ nicht gegeben, ;" das "Allgemei- 
nere besteht in Folgendenn. i 

a. Nichtmetallisehe'Spiegel: Anlsilze So iegel(be» 
sonders bei Granit ,„.„Quarzfels u. s. «w.)5»thonartiger 
Spiegel (Gneis von Auerbach); Feldspath-Spiegel-«(Bunt- 
sandstein von Heidelberg); -Serpentin-:oder Speck'stein- 
artiger Spiegel (Gänit von Wunsiedel); Bol-Spiegel Basalt 
vom Frauenberge) ;»verschiedenartige’ anderweitige kiesel- 
saure Spiegel (Buntsandstein u. s. w.). - 

b. Metallisehle. Spiegel: Eisenoxyd-Spiegel (Roth- 
eisenstein von der eisernen Hand); Magneteisen-Spiegel 
(Dolerit-Laven des, ‚Kaiserstuhls).; Bälle Sp er von 
Riechelsdorf und Bieber. 

Alles dieses nun findet naturgemäss seine nähere Verdeut- 
lichung im Hinblieke.auf die Entstehung des Spiegel-Stoffes ; 
allein diess führt zugleich sofort über auf die Entstehung 
der Felsarten selbst; denn. Spiegelstoff-Bildung und _ 
Felsarten-Bildung sind so innig miteinander verwebt, 
dass von jener keine genügende Auseinandersetzung möglich 
ist ohne Zergliederung dieser. Da ein solches Eingehen hier 
jedoch zu weit führen würde: so lieber bloss diese wenigen 
Uinrisse. : 

Die Gebirgs-Bildung en im PEN nur awiefäöhe die 
des-Niederschlags durch die Gewässer und die der 
Erhebung durch Schmelzung. Früher herrschte letzte, 
nunmehr waltet erste vor. — Die Erhebungs-Gebirgs- 
bildung fand ihr Material anfänglich vor im Urglül- 
fiusse, der durch äussere Abkühlung und demgemässe Er- 

‚härtungs-Verdiehtungin die krystallischen und krystallinischen 
Starr-Einzeltheilchen (Feldspath, Quarz, Glimmer, Chlorit, 
Talk, Granat u. s. w.) überging, die im Fortgange der Ab- 
kühlung miteinander verkittet wurden durch den Glühfluss 


selbst und namentlich die Kieselsäure, ‘welche ’im'Überschusse 
Jahrgang 1842. 2 


806 


noch darin vorhanden war. In Bezug auf Gebirgsart-Bildung 
war diess also Verkittungs-Bildung, wogegen aber auch 
eine Erhärtungs-Verdichtungsbildung da erschien, 
wo die Bestandtheile des Urflusses sich chemisch für sich 
ausschieden in zusammenhängenden, mehr und minder grossen 
Massen (z.B. Feldspath-, @uarz-Lager und -Gänge u. s. w.). 
Späterhin jedoch ergab sich das Gebirgsart-Material, mehr 
und minder unter Einwirkung des Erdkern-Glühflusses, aus 
Schmelzungs- Umwandlung der schon vorliandenen 
Gebirgsarten (der plutonischen wie sogar neptunischen), wo- 
bei indess die vorgängige Starr-Einzeltheilchen-Bildung und 
nachherige Verkittung derselben zur Felsart immer mehr 
zurückweicht unter Bildungs-Modifikationen,. je nachdem der 
Erhärtungs-Vorgang unter der Erde, oder unter dem Wasser, 
oder an der Luft stattfindet. Also dort mehr, hier minder 
Kittstoff-Überschuss,d. h.Spiegel-Stoffund Spiegel- 
Bildung. — Die Niederschlags-Gebirgsbildung hin- 
gegen beruht lediglich auf vorgängiger Vernichtung 
sehon vorhandener Felsarten (also anfänglich nur 
plutonischer und späterhin selbst auch neptunischer), d. i. 
durch vorausstattfindende Auflösung entweder mechanisch 
in Einzel-Starrtheile: Blöcke und Körner, auch Blätt- 
ehen, in Sand und Thon, Erde und Schlamm, zu nachheriger 
Verkittungs-Verhärtung derselben — oder chemisch 
vermittelst der Elektrizität (möge nur ein Wasser-Tropfen 
hinzukommen und ein Licht- oder Wärme-Strahl) in Fluss- 
und in Gas-Theilehen und nachherige Verdiehtung, wie 
namentlich Verdichtungs-Erhärtung — einzwar schein- 
bar sehr langsamer, aber dennoch rastlos und allumfassend 
vorschreitender Umbildungs- und Neubildungs-Gang. Dem- 
nach ebenwohl wieder dort mehr, hier minder Kittstoff- 
Überschuss — nämlich Spiegel-Stoff und Spiegel- 
Bildung. — Das Material beider Auflösungs- Arten aber 
— vornehmlich auf den Erd-Höhen: auf den Gebirgen, vor 
sich gehend — senkt sich vermöge der Schwere und durch 
Vermittlung des Wassers in die Erdoberflächen-Tiefen, nämlich 


807 


in die Meeres-Betten, indem zuerst die Starrtheilchen 
darin abgesetzt und zusammengespült werden, während, unter 
Mitwirkung der zu Fluss und Gas aufgelöseten Theilchen, 
sowie aus ihnen selbst die Verkittungs-Flüsse entstehen, wohin 
hauptsächlich gehören: Kiesel-Schleim und Kalk- 
Schleim *), mehr und minder gemengt und gemischt mit 
andren metalloidischen, namentlich aber metallischen und al- 
kalischen Auflösungen. Alsdann schreitet, bei hinlänglichem 
Material, die Gebirgs-Bildung, unter Mitwirkung des Massen- 
Drucks und Wechsel-Spieles zwischen der inneren Erd- 
und äusseren Sonnen-Wärme und des dadurch angefachten 
Chemismus, vor und zwar bald mehr mit Mengung, bald 
mehr mit Sonderung der Haupt-Bestandtheile und nun solcher- 
gestalt die Verschiedenheit der Gebirgs-Bildung hervorrufend. 
— So denn aber wird zweifelsohne das, nieht bedeutungslos, 
den grössten Theil der Erd-Oberfläche einnehmende Meeres- 
Bette bei seinem nahen Verhältnisse zum Plutonismus (seine 
Tiefen sind dem Erd-Innerflusse am nächsten) ganz einfach 
und verständlich zur Wiege der Niederschlags-Gebirgsbil- 
dung; nicht aber entstehen die Gebirgsarten darin, wunder-. 
voll-mysteriös, durch sogenannte polare: Ausgleicehung 
zweier oder einiger beliebig adoptirter Urstoffe. Diess 
erscheint, vielmehr durchaus in Widerspruch mit vorigen 
zwei Reihen von Gebirgszerstörungs-Thatsachen, wie auch 
mit den Bildungs-Thatsachen selbst; und die logische Spe- 
kulation lässt zweifelslos hier noch andere Ursprungs- 
Möglichkeit erkennen. — Wenn nun sonach die Entstehung 
der Niederschlags-Gebirgsarten aus jenem dynami- 
schen Wechsel-Rhythmus — a priori wie posteriori — ver- 
worfen werden muss: welche Nöthigung wäre vorhanden, 
sie mit ihm für die Erhebungs-Gebirgsarten anzuer- 
kennen? sie wie er ist hier nicht etwa noch weniger, 
beide sind obsolut gar nicht hier vorhanden; und beide 


*) Hucı: Grundzüge zu einer allgemeinen Natur-Ansicht u. s. W. 
Solothurn” 1841, S. 21T, 217. 
72° 


s08 


Gebirgsart-Bildungen gehen nieht divergirende Wege, 
sondern parallele, Hand in Hand. | 

Der Spiegel-Stoff selbst aber zählt somit in seiner 
Allgemeinheit zu den Bestandtheilen des Muttergesteins und 
ist damit zugleich entstanden und also ursprünglich; so 
nämlich bei allen Ausscheidungs- und Ausfüllungs-Spiegeln. 
Ob er auch noch, als Ausnahme, sich späterhin und nach- 
träglich unter dazu geeigneten Verhältnissen innerhalb 
einer Felsart durch elektrochemische Thätigkeit zu erzeugen 
vermöge: diess scheint allerdings in den Bereich der litho- 
physiologischen Möglichkeit zu fallen; allein jedenfalls kann 
nur da, wo das pluto-mechanische Prinzip sich dem chemi- 
schen beigesellt, solchergestalt der nachträgliche Fels- 
Spiegel entstehen. | 


E. Spiegei-System und systematische Zusammenstel- 
lung sämmtlicher Spiegel-Merkmale. 


Die Felsspiegel sind also 
1) nach dem Ablagerungs-Orte des Spiegel-Stoffes 
a. Inner-Spiegel, indem ihr Material im Innern des 
Muttergesteins zur Verwendung kam (plutonische wie 
neptunische Inner-Spiegel); und 
b. Aussen-Spiegel, wenn der Spiegel-Stoff an der 
Aussen-Seite bei Berührung zweier Fels- Arten abgesetzt 
wurde (pluto-plutonische wie pluto-neptunische Aussen- 
Spiegel). Die Fels-Spiegel sind 
2) nach der Herkunft des Spiegel-Steffes 
a. Abscheidungs-Spiegel, wenn die Stoff-Masse 
innerhalb des Muttergesteins hervortrat: er ist plutonisch 
und neptunisch und: der häufige; 
b. Ausfüllungs-Spiegel, wo die Stoff-Masse in 
Folge von Infiltration oder Sublimation in Spalten des Mutter- 
gesteins von aussen abgesetzt wurde; er kann im plutoni- 
‚schen wie neptunischen Gesteine vorkommen und ist wohl als 
gewöhnlich anzusehen; und | 
e. Umwandlungs-Spiegel, falls die Stoff-Masse erst 


809 


durch Umwandlung des Muttergesteins mittelst eines in das- 
selbe eingedrungenen Fremdstoffes erzeugt wurde; übrigens 
wie zuvor und selten. — Über die Ausfüllungs- oder eigent- 
lichen Gaug-Spiegel sagte ich in meinem ersten ‚Versuche 
im Näheren Folgendes: Es leuchtet ein, dass bei diesem 
Ausfüllungs-Prozesse zu Gängen im Momente der Erstar- 
rungs-Verdichtung, bei ungleicher Weitung der Klüfte und 
der abweichenden Zusammenziehung innerhalb der oft un- 
chemisch oder verschieden-chemisch gemengten Füllmasse. 
nicht selten besondere Hohlräume entstanden, an deren Wän- 
den sodann die chemisch-konstituirten Füll-Stofftheile mehr 
und minder Spielraum erhielten zu Absonderung und Regel- 
gestalt-Bildung (Krystallisation), während die Wände da, 
wo durch Abnahme des Hohlraumes Berührung eintrat, der 
Spiegel-Bildung unterlagen — sofern die erforderliche plu- 
tonische Reibungs-Bewegung rechtzeitig hinzutrat, — so 
dass also bisweilen Spiegel-Bildung und Krystallisation nicht 
bloss dieht aneinander auftreten, sondern selbst ineinander 
übergehen. | 

3) Nach dem Bestande sind sodann die Spiegel ent- 
weder nicht-metallische oder metallische, und 

4) nach der Zusammensetzung desselben entweder 
einfach-binäre, oder mehrfach-binäre, so wie sie 

5) nach der Ausbildung sind entweder ächte Spiegel 
— bei voller Verwendung eines eigenen Stoffes, oder un- 
ächte, nämlich Halb-Spiegel, bei blosser einfacher Dichtheits- 
Umwandlung des Muttergesteins ; endlich aber sind sie 

6) nach der Zeit ihrer Entstehung, in Bezug auf die 


ihres Muttergesteins, entweder ursprüngliche — diess 
in der Regel — oder nachträgliche — diess die Aus- 
nahme. — 


Indem nun die pluto-neptunischen Spiegel auf der einen 
Seite zu den plutonischen, auf der andern aber zu den nep- 
tunischen Gebirgs-Arten zählen, bilden somit 

?) die Felsarten zwei Spiegel-Reihen, nämlich die 
plutonische (einschliessend der vulkanisehen) und die 


810 


neptunische Spiegel-Reihe. Zu der ersten zählen 
bis jetzt: = 

Granit (Protogyn), Diorit, Serpentin, Porphyr, Dolerit 
und Basalt wie Gangkalk mit ihrer Einwirkung auf sich 
und auf andere Felsarten, z. B. auf Quarz, Jaspis, Thon 
und auf Braunkohlen: | 

zu der letzten Spiegel-Reihe gehören bis jetzt: 

Gneis, Quarzfels, Thonschiefer, Grauwacke, Schaalstein, 
Buntsandstein, Kalkstein, Nagelflue. — | 

Bevor ich schliesse, doch auch noch ein Wort über die 
erratischen Blöcke! — | 

Die Fels-Findlinge sind mir theils Transport- 
linge, sey es durch Wasser oder durch Eis, und theils 
Nicht-Transportlinge. Jene sind Fremd-Findlinge ge- 
worden, indem sie an entfernte Orte hingeführt wurden; 
diese sind Orts-Findlinge: sie verblieben an demselben 
Orte, wo sie aus dem Auseinanderglitsche oder Zusammen- 
sturze eines Berges, eines Feldkegels hervorgingen; somit 
aber: erste verloren — mehr uınd minder — ihre Scharf- 
kantigkeit, letzte jedoch behielten sie unversehrt bei. Daher 
nun werden die Eis-Scehuttwälle verschieden abgerundete 
und selbst scharfkantige — gespiegelte und ungespiegelte 
Blöcke enthalten, je nachdem sie auf oder unter ihm, früher 
oder später zur Moräne gelangten ; diese Mengung verhält- 
nissmäsig auch noch bei dem Wasser-Schuttwalle; der 
Zusammensturz-Schuttwall aber wird überall, wo er 
sich auf keinen der vorigen Schuttwälle bettete, seine Spiegel- 
und Nichtspiegel-Blöcke nur mit Kantenschärfe und Eck- 
spitzigkeit aufweisen. Dass übrigens im Zusammensturz- 
Walle Kies, Sand und Erde sich zu unterst zeigen können, 
wird desshalb nicht befremden, weil sachnaturgemäss das 
Feinere durch die Zwischenräume des Gröberen auf die 
Grundfläche hinabsteigt. Diess gilt aber verhältnissmäsig 
ebenwohl von den beiden ersten Arten des Sehuttwalles und 
bei dem des Wassers schon an und für sich und bei dem 


des Eises in Folge der Regen-Spülung. Kein Wunder also, 


siil 


wenn Felsblock-Findlinge bisweilen auf Diluvium gelagert 
erscheinen; wunderbar aber klänge der Schluss: dass darum 
jedesmal das Feinere älter und früher, das Gröbere jünger 
und später abgelagert seyn müsse! — Aber wie kam nun 
— das sey noch einmal schliesslich gefragt — die Spiegel- 
Furchung auf den Abschliff durch Wasser und Eis, durch 
Fluth und Gletscher? — Fels-Geschiebeund Spiegel-Block 
leisten sich gewöhnlich Gesellschaft. Jener, der offenbar 
aus der Ferne Gekommene, zeigt allgemein abgerundete 
Ecken und Kanten: die Reibung ist unverkennbar, wenn 
auch eine geringeren Grades; bei diesem ist die Reibung 
unverkennbar, sogar glänzend und glanzvoll ausgesprochen, 
und auch er ist aus der Ferne gekommen; folglich aber: 
beide verdanken ihr Daseyn -— so schloss man — einer und 
derselben Ursache! Da nun das geologische Zwillings-Gebilde 
sich an solehen Orten zeigte, wo, notorisch nur die Fluth 
gewirkt haben konnte: so musste einfach die Fluth die 
Fels-Blöcke erfasst, fortgeführt, aneinander gerieben, geglättet 
und geritzt haben, und zwar natürlich nun auch da — wo 
die Fluth nicht notorisch existirt hatte. Und so denn ward 
die gewaltig ergreifende, rasch und unaufhaltsam fortreis- 
sende Flath — zur Spiegel-Mutter. Aliein bald sah man 
das friedsame Paar auch da, wo notorisch nur das Glet- 
seher-Eis geschafft haben konnte; und da es allerdings weit 
einleuchtender erschien, dass die Spiegel-Flächen in den Hoch- 
Regionen und auf den Berg-Spitzen von Gletscher-Eis, statt 
von Fluth-Wasser, gebildet worden: so ward einfach nunmehr 
das gewaltig ergreifende, in steter mysteriöser Bewegung 
begriffene, mitunter auch in furchtbaren Äusserungen don- 
nernde und zerschmetternde Gletscher-Eis — zur Spiegel- 
Mutter. Indessen — es zeigten sich nicht allein abgerundete 
Blöcke mit scharfkantigen vereint, sondern bald sogar bloss 
seharfkantige in Gesellschaft mit Spiegel-Flächen — ein ge- 
waltiger Stein des Anstosses für vorige beiden — Spiegel- 
Stiefmutter! Er hätte nach unten hin leiten sollen zu der 


wirklich bethätigten, freilich unsichtbaren Spiegel-Gewalt im 


812 


geheimnissvollen Dunkel der Tiefe. Freilich, wie sollte die 
an den Tag hinaufgestiegen seyn, wo das Spiegel-Feld so weit 
entfaltet vorlag? Man blieb lieber auf der Oberfläche und 
fand sichtbare Spiegel-Gewalten natürlicher; und es hiess 
also dort: Allfluth! hier Allgletsceher! — So aber ward 
denn — so lautete das Schlusswort meines ersten Versuchs 
: — von der tiefergriffenen und hocherregten Phantasie über- 
wältigt, der Verstand hingerissen zur Aufwendung seltenen 
Scharfsinnes für Hervorzauberung alles verniehtender 
und nur den winziger todten Fels-Spiegel erzeu- | 
gender Fluthen und Gletscher, einseitig abgeleitet aus geo- 
logischen Fiktionen statt Bedingnissen, während zugleich 
doch ihre auf physikalische Gründe gestützte Möglichkeit 
der Fels-Polirung gleichsam in Nebel und Nacht sieh hüllte. 
Diess war der Irrweg; der Irrthum folgte; aber die Natur 
bleibt oben mit ihrer Wahrheit. 


Über 
eine im Basalt-Konglomerat des Knüll- 
Gebirges aufgefundene Frucht, Dryobala- 
nus basalticus, aus der Familie der 
_ Kupuliferen, 


Hın. Dr. G. LANDGREBE, 
in Cassel. 


Hiezu Tafel XI, A. 


Wenn man an dem, bis zu 1970' Meereshöhe aufstei- 
genden, grösstentheils basaltischen, in der Grafschaft Ziegen- 
hain gelegenen Knüll-Gebirge in nördlicher Richtung herab- 
steigt und dabei dem Laufe der Zfze, eines in der Nähe 
des Städtehens Schwarzenborn entspringenden Gebirgs-Wassers 
folgt, so findet man unweit der von Hersfeld nach Homberg 
führenden Heerstrasse zwischen den Dörfern Kelbehausen 
und Holzhausen vechts einen mit Nadelholz bewachsenen 
Berg, den Eichelskopf, dessen nördlicher Fuss durch Stein- 
bruch-Arbeit aufgeschlossen ist. Dadurch wurde eine senk- 
rechte Wand von fast 70° Höhe entblösst, woran man hin- 
sichtlich der Gebirgs-Struktur Folgendes bemerkt. 

Die unteren zwei Drittel der Höhe bestehen aus Basalt- 


s14 


Konglomerat, wovon sich zwei Schichten unterscheiden lassen, 
die hinsichtlich ihrer Farbe, ihres Kornes und ihrer Bestand- 
theile von einander abweichen. Die untere Schicht, welche 
die obre um wenige Fuss an Mächtigkeit übertrifft, hat eine 
graue Farbe, und ihr Korn wechselt von der Grösse einer 
Erbse bis zu einer so ausnehmenden Kleinheit, dass man 
die einzelnen Bestandtheile fast nicht mehr mit blossem 
Auge erkennen kann. Die grössern Körner bestehen meist 
aus zerriebenem Basalt, sodann aus Olivin, Augit, Magnet- 
eisen-Theilehen, den feinsten Glimmer-Schüppehen und stellen- 
weise aus einem eisenschüssigen Zäment. Nur diese untere 
graue Schicht enthält vegetabilische Reste, und namentlich 
sind es die feinkörnigen Absonderungen, welche Holzopal 
fast ganz zersetzt, und sodann zahlreiche Blatt-Abdrücke 
liefern, die auf das Schönste erhalten, jenen im Polir- 
schiefer des Habichiswaldes ähnlich sind und auf ein von 
unserm jetzigen nicht sehr verschiedenes Klima hindeuten. 
In dieser untern Bank habe ich auch die nachher zu er- 
wähnende Frucht aufgefunden. — Die auf ihr liegende Schicht 
unterscheidet sich von erster durch eine gelbliche Farbe 
und besteht grösstentheils aus abgeriebenen Basalt-Stücken 
von der Grösse einer Feldbohne oder Erbse, die durch ein 
gelbes, Eisen-haltiges Zäment miteinander verbunden sind, 
welches letzte aus zersetztem Holzopal vorzugsweise ent- 
standen zu seyn scheint. In dieser Schicht trifft man keine 
organische Reste an; sie hat sich gleich der untern, wahr- 
scheinlich aus einem nieht sehr bewegten süssen Gewässer 
in wagrechter Richtung niedergeschlagen. Auf diesen beiden 
Schichten liegt eine horizontale Bank eines sehr festen, dich- 
ten, Olivin-reichen, vertikal säulenförmig abgesonderten Ba- 
saltes von etwa 15‘ Mächtigkeit. Die Säulen sind sehr stark, 
dick, unförmlich, nicht sehr regelmässig, haben 2'—3‘ im 
Queerdurchmesser und lassen auch eine Andeutung von hori- 
zontaler Absonderung wahrnehmen. Auf dieser Basalt-Decke 
liegt denn nun zu oberst, etwa 4'—5’ hoch, ein Basalt- 
Gerölle, vermengt mit einem thonigen, Humus-reichen Wald- 


815 


Boden, in welchem das vorhin erwähnte Nadelholz vortreff- 
lich gedeiht. — Dass diese Basalt-Decke auf den Basalt- 
Konglomerat-Schichten ruht, ist nach meinen bisherigen, an 
unsern Basalt-Gebirgen gemachten Beobachtungen als eine 
Ausnahme von der Regel zu betrachten; denn fast immer 
findet man bei uns das Basalt-Konglomerat entweder an dem 
Fusse, an den Abhängen oder auf dem Rücken des dichten 
Basaltes abgesetzt; aller Hessische Basalt-Tuff scheint sich 
überhaupt aus dem Gewässer, meist süssem, niedergeschlagen 
zu haben, 

Die Frucht selbst nun, welche sich in der untersten, 
grauen Tuff-Schicht vorfand, bietet manche interessante Er- 
scheinung dar, und es hat sich z. B. sowohl der Abdruck 
ihrer äussern, als auch der ihrer innern Gestalt auf das 
Vollkommenste erhalten. Durch einen höchst glücklichen 
Zufall beim Zerstuffen wurde jeder dieser Abdrücke in einem 
besondern Handstück erhalten. Man erkennt leicht, dass 
diese Frucht in die Familie der Kupuliferen gehört und die 
_ Cupula ist esauch allein, von der sich der Abdruck erhalten 
hat. Sie besitzt viel Ähnlichkeit mit der unserer Eichen; 
von der eigentlichen Frucht habe ich jedoeh nichts auffinden 
können; sie muss vorher schon aus der Cupula herausge- 
fallen seyn. Den Abdruck der äussern und innern Gestalt 
dieser letzten sieht man in Fig. 1, 2, 3 abgebildet und zwar 
in natürlicher Grösse. Die Substanz der Cupula hat sich 
nicht erhalten; sie war in eine gelbe, ockerartige Masse 
verwandelt, fiel beim Zerstuffen heraus und hinterliess einen 
leeren Raum, wie man in Fig. 3 sieht. Den Abdruck der 
äussern Oberfläche und Gestalt der Cupula verdeutlicht 
Fig. 1; die Ähnlichkeit mit dem Becherchen (dem Kelche der 
Frucht) unserer deutschen Eichen ist unverkennbar; sie unter- 
scheidet sich aber dadurch von ihnen, dass bei letzten die 
Oberfläche granulirt oder geschuppt, bei unsrer fossilen aber 
vollkommen glatt und im Leben wahrscheinlich nur fein be- 
haart gewesen ist. Diesen äussern Abdruck der Cupula sieht 
man in Fig. 1 und 3; er befindet sich auf dem unten liegenden 


816 


Handstück. Den innern Abdruck erbliekt man in Fig. 2% für 
sich und in Fig. 3 in dem äusseren abgebildet. Sehr deut- 
lich ist die Stelle, wo die Frucht innen auf der Cupula auf- 
gesessen hat; nicht minder deutlich ist es, dass ihr Rand 
ganzrandig war. Der innere Abdruck der Cupula ist noch 
glatter, als der äussere, durchaus nicht zerdrückt oder ge- 
quetsceht, sondern so beschaffen, als wenn er eben von der 
‚Drehbank käme. Im Innern ist er mit Basalt-Tuff ausgefüllt, 
demselben, woraus die Handstücke bestehen. Offenbar ge- 
hört diese Cupula einer urweltlichen Eiche an. Dadurch 
unterscheidet siesich jedoch, wie gesagt, von unsern jetzigen 
deutschen Eichen, dass sie mit glatter Oberfläche erscheint; 
aber auch noch jetzt. gibt es exotische Eichen mit glatter 
Oberfläche ihrer Cupula [f]. So viel mir bekannt, ist diess 
das erste Beispiel vom Vorkommen einer Frucht im Basalt- 
Konglomerat, einer Gebirgsart, in welcher man bisher noch 
so wenige organische Reste aufgefunden hat, und desshalb 
glaube ich nicht anstehen zu dürfen, Gieugnosten und Pe- 
trefakten-Freunde von meiner Entdeckung in Kenntniss zu 
setzen. 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. 


Weissenstadt, 10. Juli 1842. 


Schon voriges Jahr versprach ich Ihnen einige Beobachtungen *) 
über den Wunsiedler körnigen Kalkstein mitzutheilen, kam aber nicht 
dazu. Erlauben Sie mir desshaib, dass ich Ihnen jetzt, wo ich wieder 
im Fichtel-Gebirge umherwandere, dessen geognostische Darstellung als 
Sektion 20 unsrer Karte noch dieses Jahr fertig wird, einige Bemer- 
kungen über jenen Kalkstein: mittheile, der die Aufmerksamkeit der Geo- 
logen wohl verdient. 

So schr ich von der Walırheit Ihrer Lehre, nach welcher vieler 
körnige Kalkstein selbstständig als plutonische Masse aus dem Erd-Innern 
emporgedrungen ist, überzeugt bin, so kann ich doch, was den Wıun- 
siedler Kalk betrifft, eine solche Entstehung durchaus nicht für erwiesen, 
nicht einmal für wahrscheinlich halten. 

Dieser Kalkstein, der sich oft als schöner weisser Marmor zeigt 
und allerdings eine aüffallende Manchfaltigkeit besondrer Mineralien 
enthält, gehört ganz und nur dem Glimmerschiefer an. Man beobachtet 
ihn in einem über 2 deutsche Meilen laugen Zuge längs der Grenze des 
Glimmerschiefers gegen den Granit, von Hohenberg über Kottigen Biebers- 
bach, Stemmas , Thiersheim, Göpfersgrün, Sinatengrün, Hohlenbrunn, 
Wunsiedel, Schönbrunn, Fahrthammer und Tröstau bis in den Wald 
hinein, der die beiden Granit-Berge, den Hohen Matzen und die Platte 
verbindet. Hier wird er zugleich mit dem Glimmerschiefer vom Granit 
abgeschnitten; aber Spuren davon finden sich jenseits des hohen grani- 
tischen Fichtel-Gebirges in derselben Richtung und Linie im Glimmer- 
schiefer unterhalb Fichtelbery, wo ef sich jedoch mehr als Erla.n darstellt. 


=) Diese Beobachtungen sind als Resultate der geognostischen Untersuchungen anzu- 
sehen, welche, wie Sie wissen, Naumann undich in Auftrag unseres OÜberbergamtes 
alljährlich zu Vollendung der geognostischeu Karte von Sachsen anstellen, 


Bis 


Die Mächtigkeit dieses Kalk-Lagers, welches dem Glimmerschiefer paral- 
lel streicht und fällt (50—85° SSO.) und gewiss, wenn auch nicht 
überall nachweisbar, ein zusammenhängendes Continuum bildet, schwankt 
zwischen 20 und mehr als 100 Fuss. Im Hangenden scheinen zuweilen 
noch einige geringere Kalk-Lager von ähnlicher Natur hervorzutreten, 
wie bei Tröstau, Hohlenbrunn, Göpfersgrün und Thiersheim; und ebenso 
sind im Hangenden häufig Brauneisenstein-Lager der. Gegenstand berg- 
männischer Gewinnung, so bei Tröstau, Sinatengrün, Thiersheim und 
Kottigen Biebersbach. ER e 

Dasselbe Glimmerschiefer-Gebiet enthält etwas mehr südöstlich noch 
einmal eine ganz analoge Verbindung von Kalk- und Eisenstein-Lagern. 
Diese streichen von Schirnding über Schlottenhof und Arzberg, werden 
hier gleich dem Glimmerschiefer durch ein etwa eine halbe Meile breites 
Granit-Syenit-Gebiet unterbrochen, setzen aber dann von Unter-Lorenz- 
reut über Redwitz und Waultershofen bis hinter Pullenreut fort (im 
Ganzen also circa 3 deutsche Meilen). In diesem Lager-Zuge scheint 
sich der Eisenstein nur nordöstlich von der Granit-Syenit-Unterbrechung 
besonders bei Arzderg zu finden. Beide Lager-Züge sind schon auf der 
geognostischen Karte von BiscHorr und GoLprvss, aber nur sehr unvoll- 
ständig, angedeutet. Doch ich kehre zurück zum W’unsiedler als dem 
besser aufgeschlossenen und interessanter situirten Lager. 

Die Steinbrüche bei Wunsiedel, Hohlenbrunn und Sinatengrün sind 
Ihnen und überhaupt dem geognostischen Publikum bekannt, ebenso die 
Vorkommnisse von Tremolit, Anthrazit, Granat, Flussspath u. s. w. in 
-diesem Kalkstein. Wesiger bekannt scheinen die Steinbrüche bei Stemmas 
unweit Thiersheim zu seyn, wiewohl gerade sie eine höchst interessante 
Beziehung zwischen Kalkstein und Granit darbieten. Wie nämlich süd- 
westlich von Tröstau der ganze Lager-Zug vom Granit abgeschnitten 
oder wenigstens durchschnitten wird, so durchsetzen hier mebre 
2 bis 3Fuss mächtige Granit-Gänge den körnigen Kalkstein 
nach verschiedenen Richtungen. Die beiliegende flüchtige Skizze 
(Taf. X1B, Fig. 1) mag Ihnen eine Idee von den Durchsetzungs-Verhält- 
nissen geben, die nur desshalb leicht übersehen werden können, weil 
der fast Glimmer-leere, statt dessen oft grünen Talk enthaltende Granit 
(Protogyn) der Gänge meist so weiss und körnig als der Kalkstein selbst 
aussieht, und keine auffallenden Kontakt-Erscheinungen hervorgerufen 
hat. An einer Stelle findet sich in dem Granit viel Turmalin , und hier 
war es, wo ich zuerst auf das ganze Verbältniss aufmerksam wurde. 
Auf ähnliche Weise wird bei Kuottigen Biebersbach auch der Glimmer- 
schiefer von Granit-Gängen durchsetzt, der übrigens hier auch im Liegenden 
des Haupt-Lagers noch etwas Kalkstein enthält (vergl. Fig. 2). 

Beachtet man nun die überall gleichmäsige Einlagerung dieses körni- 
gen Kalksteins in den Glimmerschiefer, den er niemals in Gestalt von 
Ausläufern durchsetzt, während dagegen an den Gränzen zuweilen ein 
vielfacher regelmäsiger Wechsel von Kalkstein und Schiefer beobachtet 
wird, und beachtet man zugleich, dass dieser Kalkstein zur Zeit der 


819 


Granit-Bildung nothwendig schon vorhanden und fest seyn musste, um 
von ihm gangförmig durchsetzt werden zu können, so erscheint es aller- 
dings wohl wahrscheinlicher, dass er nicht als selbstständig in den 
Glimmerschiefer eingedrungene Masse, sondern als mit ihm gleichzeitiges 
(ob ursprünglich körnig gewesenes oder erst durch Umwandlung so 
gewordenes?) Gebilde anzusehen sey *). 

Interessant ist auch die Flora dieses Kalksteins, die sich recht merk- 
lich von der des Glimmerschiefers zu beiden Seiten unterscheidet. Mit 
Hülfe eines liebenswürdigen jungen Schweden, des Hrn. Crason, der 
mich voriges Jahr einige Zeit auf meinen Exkursionen begleitete, fanden 
und bestimmten wir als für den hiesigen Kalkstein bezeichnend folgende 
Pflanzen: Helianthemum vulgare Gäekr., Thymus Acinos L,, 
Verbaseum nigrum L., Anuthyllis Vulneraria L., Polygala 
comosa Scer., Linaria minor Desr., Ceutaurea scabiosa L., 
Astragalus glyeyphyllosL., Falcaria Rivini Host, Tussilago 
Farfara L., Gentiana ceiliata L., Poterium sanguisorba L, 
Aira eristata L. Damit soll aber nicht etwa gesagt seyn, dass diese 
Pflanzen nur auf dem Kalkstein vorkämen, o nein! sie finden sich einzeln 
vielleicht alle in der ganzen Gegend, auf dem Kalkstein aber vorzugs- 


weise häufig und üppig. 
BERNHARD CoTTA. 


Mittheilungen an Professor BRONN gerichtet. 
Tharand, 30. August 1842. 


Im zweiten Hefte Ihres diessjäahrigen Jahrbuches finde ich unter 
den Abhandlungen einen Auszug aus Hru, Dr. PerzuorLpr’s Schriftchen 
de Balano et Calamosyringe. Ich gestehe, es wundert mich, dass Sie 
den neuen Gattungs-Namen Calamosyrinx ohne allen Widerspruch 
aufgenommen haben. Was PrrzuoLpr unter diesem Namen beschreibt, 
ist offenbar ein interessanter und bisher noch wenig beachteter ”*) Cha- 
rakter der Gattung Sigillaria, er kann aber keineswegs dazu berechtigen, 
eine neue Gattung zu bilden. Alle übrigen Charaktere bleiben dieselben, 
es kommt nur dieser neue zu den bisher bekannten hinzu. Übrigens 
ist diese Wirtel-Bildung an Sigillaria nicht einmal ganz neu; etwas Ähn- 
liches findet sich schon in LinnLey and Hurron fossil Flora, Pl. 75 ab- 
gebildet, obwohl dort weniger deutlich ***), 

B. Corra. 


*) Ohne hier vorläufig in weitre Erörterungen über die mögliche Entstehungs-Weise 
des körnigen Kalkes von Wunsiedel einzugehen, will ichnur auf die von ihm ein- 
geschlossenen grössern und kleinern Glimmerschiefer-Massen aufmerksam machen, 
welche zum Theil unerkennbare Spuren erlittener Umwandlungen zeigen. LEONHARD, 

*=) Es wird daher doch nöthig seyn, ihn erst überall zu beobachten, ehe man ihn dem 
Genus Sigillaria ganz allgemein zuschreibt. BR, 
*°) Diese letzte Schrift ist mir unzugänglich. Br. 


820 


Bovenden, 25. September: 1842. 


- Der Gegenstand meiner r diessjährigen Untersuchungen ist stets der 
Harz gewesen, und alle diessjährigen Exkursionen haben dort ibr Ziel 
gefunden; Versteinerungen habe ich dabei fast nur am westlichen Harze 
getroffen; es hat sich dadurch deren Zahl .bis auf etwa 230 Spezies 
vermehrt; fast alle gehören dem devonischen Gebirge an und zeigen eine 
merkwürdige Übereinstimmung mit deuen der Eifel und des südlichen 
Englands; dass auch Calceola sandalina darunter ist, wird Sie inter- 
essiren; dessgleichen habe ich schöne Exemplare von Conularia ge- 
sehen, ohne freilich über deren Stellung im Systeme aufgeklärt zu werden; 
diese Art ist indessen von der Schwedischen Form sicher verschieden, 
wesshalb ich sie als C. acuta davon getrennt. Beim grossen Mangel 
‘von Petrefakten am östlichen und südlichen Harze blieben denn auch 
alle meine Bemühungen , dessen Alters-Verhältnisse zu ermitteln, eitel, 
bis mir auf der letzten Exkursion der Anblick der Felsen des Selke- 
Thales plötzlich die Augen öffnete; sie konnten nur dem Cambrischen 
Systeme angehören. 

Wirklich ist denn auch am schönen Harze, sieh das Devonische, 
als das Silurische und Cambrische System in einer Vollständigkeit ent- 
wickelt, wie sie nur [?] in England: zu treffen ist, und stimmen die einzel- 
nen Theile dieser Systeme aus beiden -Gegenden natürlich wieder eben 
so genau [?] überein, wie ich diess früher hinsichtlich des Kreide- und 
Oolitheu-Gebirges erwiesen habe. 

Meine schon früher geäusserte Meinung, dass das ganze Schiefer- 
Gebirge des Hurzes übergestürzt sey, hat sich vollkommen bestätigt; es 
liegen daher die älteren Bildungen stets im Hangenden der jüngeren. 

Die ganze Gegend zwischen Clausthal, Goslar uud Seesen gehört 
dem Devonischen Systeme an, zweihundert Versteinerungen lassen hier- 
über keinen Zweifel; mehre Unter-Abtheilungen sind nicht schwer zu 
finden und mit deu Einglischen leicht zu parallelisiren; so entspricht der 
Kalkstock bei Grund durchaus dem Plymouth-Kalke; nur die Stellung 
des am Rammelsberge und Kohlenberge vorkommenden Grauwacke- 
Sandsteins ist mir noch nicht zur Genüge klar geworden. 

Die Ludiow-Bilduug scheint nur durch Schiefer vertreten zu seyn 
und es werden die Kalke derselben bei Clausthal wohl fehlen; der Wenlock- 
Kalk ist dagegen im Lerbacher Thale nachzuweisen und durch Bron- 
tes signatus PuirLıps zu erkennen. Die Gegend zwischen dem Thale 
von Lerbach und dem Söfe-Thale wird vou den Wenlock-Schiefern ge- 
bildet; der dann folgende Bruchberg gehört dem Caradock-Sandsteine 
"an und sein Abfall nach dem Sieberthale den Llandeilo-Schiefern. 

Zwischen dem Sieber - und (der-Thale gehört die gauze Gebirgs- 
Masse dem Cumbrischen Systeme an; es herrschen darin Thonschiefer 
vor, und nur bei Lauterberg finden sich auch mächtige Grauwacke- 
Schichten. 

In der bisher betrachteten Gegend streichen die Schichten von Süd- 
west nach Nordost und haben dabei ein südwestliches Fallen : abweichend 


821 


davon zeigt der östliche Theil des Harzes mehr ein Streichen von Osten 
vach Westen, dabei freilich auch ein südliches Fallen der Schichten. In 
diesem Theile fehlt das Devonische System, wie es scheint, ganz; dagegen 
zeigt uns die Gegend von Ilseburg die Ludlow-Gesteine und nament- 
lich der Kalk des dort belegenen Klosterholzes den Aymestry-Kalk mit 
dem so charakteristischen Pentamerus Knightii, Spirifer inter- 
!ineatus und Lingula minima; im Tännen-Thale kommt Cardiola 
interrupta als Repräseutant der unteren Audlow-Bildung vor. 

Die Kalk-Massen von Elbingerode und Blankenburg mit Amplexus 
und vielen audren Korallen sind Wenlock-Kalk und stimmen bis auf 
die Höhlen mit dem Vorkommen in England überein; südlich von dieser 
Gegend folgen in parallelen Berg-Zügen der Wenlock-Schiefer, der Ca- 
radoc-Sandstein und die Llandeilo-flays, letzte bei Trautenstein sehr 
ausgezeichnet. Alles, was südlich von diesen Orten, von Hesselfelde, 
Allrode u. s. w. liegt, gehört dem Kambrischen Systeme an; es zeichnen 
sich dort namentlich die Schiefer des Selke-Thales wit ihren undeut- 
lichen Schichtungs-Flächen und senkrechten Absonderungen sehr aus; 
sie umschliessen beim Scheerenstiege und bei Harzgerode auch schwarze 
Kalk-Massen mit Acroeulia, Spirifer, Orthis, Terebratula und 
Trilobiten; Alles neue Arten. Die ältere Grauwacke bei Strassberg 
stimmt durch Pflanzen-Versteinerungen mit der von Neuhof bei Lauter- 
berg ebenso überein, wie durch den mineralogischen Charakter. 

Viel mehr wünschte ich zur Zeit über die einzelnen Bildungen nicht 
zu sagen; nachdem ich aber obige Resultate gewonnen, wird esim näch- 
sten Jahre leicht seyn, die einzelnen Formationen schärfer zu begränzen 
und ihre Versteinerungen zu suchen und zu finden, Leider fehlt der 
Kohlenkalk. 

Manche meiner Freunde höre ich schon jammern über die vielen 
neuen, zum Theil kaum auszusprechenden Namen der Gebirgs-Massen; 
die deutsche Zunge wird sich aber bald daran gewöhnen und schuldige 
Dankbarkeit gegen Englund verbietet gewiss, Deutsche Bezeichnungen zu 
substituiren *). Mit Gletschern scheint sich der Harz nie befasst 
zu haben. a 

Die Beschreibung der Harzer Versteinerungen wird schon Ostern 
erscheinen; der geognostische Theil meiner Arbeit ein Jahr später. 


Fr. A. RoEmer. 


Paris, 1. Juli 1842 **). 


Erlauben Sie mir bei dieser Gelegenheit noch einige Worte über das 
in Thüringen so häufig vorkommende Gestein, welches von den älteren 


*) Sollte uns Deutschland ein entwickelteres Bild dieser Formationen bieten als 
England, so würde die Wissenschaft verlangen, dass man, unbeschadet aller Dank- 
barkeit, das Deufsche als das vollkommnere zum Typus wähle, und nicht umgekehrt. 


Br: 
**) Von Hrn. Prof. Brum an die Redaktion gütigst mitgetheilt. 


Jahrgang 1812. Br 


= 
er) 


822 


Geognosten einstimmig Trapp -- oder Trapp-Porphyr, von den Neueren 
nach dem Vorgange Bronentmrrs und Leor. v. Buch#’s (Journal des 
mines 1813; XXXIV, p. 40) Melaphyr oder schwarzer Augit-Porphyr 
genannt wird, hinzuzufügen. Es ist bekannt, dass BRoNGnTART unter 
seinem Melaphyr ein aus Feldspath und Hornblende zusammengesetztes 
Gestein verstand, welchem der Quarz nicht fremd sey, also ein Gestein, 
das mit dem Werser’schen Grünstein oder Trapp im Ganzen überein- 
stimmte... Hr. v. Buca stellte später als bestimmten Charakter des schwarzen 
oder Augit-Porphyrs, mit welchem dann der Bronenıarr’sche Melaphyr 
vereinigt wurde, fest, dass der Augit wesentlich zur Constitution des- 
selben sey, der Quarz aber ganz darin fehle, während Prof. Hzsser zu 
gleicher Zeit bewies, dass der Basalt aus einem Gemenge von Augit 
und Labrador und nicht von Augit und Kali- oder Natron-Feldspath be- 
stehe, wie man bis dahin allgemein angenommen hatte. Durch die ge- 
nauen Untersuchungen von G. Rose wurde endlich dargethan, dass die 
Masse des Trapps theils ein Gemenge von Kalk-Feldspath und Ausgit, theils 
von Natron-Feldspath und Hornbleude, theils endlich von dem gewöhn- 
lichen Kali-Feldspath und ebenfalls Hornblende seyn könne und dass fast 
ohne Ausnahme die Anwesenheit des Labradors in der Zusammensetzung 
eines Gesteins die gleichzeitige Anwesenheit der Hornblende ausschliesse, 
während umgekehrt in den Dioriten und den ächten Syeniten Kali- und 
Natron-Feldspath stets mit Hornblende, nie.mit Pyroxen vorkommen, folg- 
lich auch die erkennbare Anwesenheit von Hornblende oder Pyroxen in 
irgend einem Grünsteine Schlüsse auf die Natur des vielleicht weniger 
deutlichen Feldspath-artigen Fossils und umgekehrt mit Sicherheit gestatte. 
Die Auffindung eines solchen gesetzlichen Verhaltens in der Zusammen- 
setzung des Trapps, wie dasselbe Hr. Prof. Rose für die Grünsteine 
vom Harze, vom Fichtelgebirge, vom Ural, später auch für die in West- 
phalen und im Hessischen Hinterlande nachgewiesen hat, ist desshalb 
von um so grösserem Interesse, weil mit dieser Eigenthümlichkeit ın der 
Zusammensetzung der Grünsteine die geognostischen Lagerungs-Verhält- 
nisse der letzten in engster Beziehung zu stehen scheinen. Die Be- 
stimmung nämlich der Grünsteine aus der von mir vor einigen Jahren 
wiederholt untersuchten Übergangs-Formation im Innern von Böhmen, 
welche Hr. Prof. Rose die Güte hatte auf meine Bitte vorzunehmen, 
hat dargethan, dass das eben angeführte Gesetzliche in der Constitution 
der Grünsteine auch für die Grünsteine im Innern von Böhmen seine 
Bestätigung findet, indem Gemenge von Labrador und Pyroxen den grös- 
seren Theil der Masse bilden, wie z. B. zu Komarow (Hypersthenfels 
mit grossen gestreiften Labrador-Krystallen, aber nur sparsamem Hyper- 
sthen) Praskoles (Hyperstbenfels mit deutlichen, blättrigen Pypersthen, 
und Labrador), zwischen Rostock und C'zastonitz (schwärzlich grauer 
Hypersthenfels mit nur kleinen Krystallen von Labrador und Hypersthen), 
zwischen Beraun und Tettin, bei Wonoklas, Suchomas (wo die Auf- 
lagerung des Hypersthenfelses auf schwarzen gänzlich unveränderten 
Thonschiefer sehr deutlich zu beobachten ist; es ist der Hypersthenfels 


- 


825 


hier ein körniges Gemenge von grünlich-weissem Labrador und Hypersthen 
mit tombackbraunem Glimmer), zu Motol, Neu-Motol (Hyperstbenfels mit 
tombackbraunem Glimmer), Strzeban, Poczaut, Lochvwitz (sehr feinköür- 
niger Hypersthenfels), Schuloth, Baborin, Karlstein, sämmtlich im Berauner 
Kreise, zu Plass im Pilsener Kreise (schwärzlieh-brauner Hypersthenfels 
mit grünlich-weissem Labrador und Magneteisen in kleinkörnigem Ge- 
menge, cin Gestein ganz wie das von der Krötenmühle bei Steben nach 
dem Urtheile des Hrn. Prof. Rose), während dagegen Diorite und Syenite 
in dem Bömischen Übergangs-Gebirge äusserst seltene Erscheinungen 
sind und, wenn sie vorkommen, in ihre Zusammensetzung neben der 
Hornblende niemals Labrador, sondern Natron- oder Kali-Feldspath eingeht. 
So habe ich in der That im Innern von Böhmen nur zwei Punkte auf- 
sefunden, wo ächte Diorite auftreten, an der Sazawa bei Eule und dann 
zu Knin, weiche beide ich früher bereits in einem Aufsatze über die 
Granit-Grenze in Böhmen (Kırstens Archiv X) namhaft gemacht habe, 
und ferner nur einen einzigen auf dem Markte des Städtchens Ronsberg 
im Klatauer Kreise, wo bestimmter Syenit erscheint: die ersten beiden 
Punkte unmittelbar auf der Gränze des Übergangs-Gebirges,, der letzte 
nur noch in der Nähe desselben, schon im Granit-Gebiete liegend. (Ge- 
legentlich will ich erwähnen, dass in der Nähe von Ronsberg eine Eu- 
photid-ähnliehe Masse, das nämliche Gestein wie das am Zobten in 
Schlesien und von Clausen in Tyrol, den Rotheherg an der Woitawa 
konstituirt.) Die von dem ältern Reuss früher als Syenit beschriebenen 
Gesteine von Nebilau bei Pilsen sind nämlich Granite, da sie keine Spur 
von Hernblende, wohl aber dunkelgrünen Glimmer als Gemengtheil ent- 
halten *). 

Im Allgemeinen scheint das Studium des Übergangs-Gebirges im 
Innern von Böhmen nun als Thatsache zu ergeben, dass der Hypersthen- 
fels allein da in bedeutender Entwicklung vorhanden ist, wo zugleich 
das Transitions-Gebirge Lager von Kalk enthält und nicht arm an Eisen 


*) Die Unterscheidung der labradorischen, dichten Grünsteine von den syenitischen 
und dieritischen in Böhmen möchte indessen, besonders wenn sie, wie so häufig, 
eine dichte aphanitische Masse bilden , oft unmöglich seyn; ist ja der Beobachter 
in Bezug auf diese dichten Aphanite sogar in Verlegenheit, wo er ihre Grenze mit 
dem Thonschiefer finden soll, da die oberen der Verwitterung ausgesetzien Theile 
derselben häufig die grüne Farbe in eine bräunliche verändern, dann in sehr regel- 
mäsige, schiefrige Lagen sich zerklüften und in diesem Zustande von dem gewöhn- 
lichen Übergangs-Gebirge fast gar nicht unterscheidbar sind. Im Allgemeinen kann 
die häufige Anwesenheit kleiner Kalk-Partikeln in den dichten Grünsteinen Böhmens 
als ein empirischer Charakter für ihre Erkennung als Labrader-Aphanite gelten, 
da umgekehrt ein solcher den dioritischen und syenitischen Aphaniten wesentlich 
zu fehlen scheint. Der Schwefelkies eharakterisirt nämlich nicht vorzugsweise, 
wie man zuweilen angibt, die Hornblende-Gesteine; er findet sich auch im Hyper- 
sthenfels, wie Hr. Prof. Rose bereits beobachtet hat. Nicht minder kommt der 
„Schwefelkies zuweilen in dem Hypersthenfels der Lausitz vor. Im Berauner Kreis 
sind endlich die dichten Grünsteine durch die auffallende Unfruchtbarkeit ihrer 
Wall-arfigen Erhöhungen über dem Plateau des Thonschiefers bereits von Weiten 
kenntlich. 


33 * 


824 


ist; dass umgekehrt die Hypersthen-Felsen völlig verschwinden, ‘wo, wie 
im Klattauer Kreise und im südlichen Theile des Püsener Kreises der 
Kieselschiefer oder audere Kieselerde-reiche Gesteine in grossen Massen 
auftreten, der Kalk-Gehalt dagegen bis zur Unsichtbarkeit abnimmt oder 
völlig fehlt; dass endlich da, wo weder Kieselerde, noch Kalk, noch 
Eisen im Transitions-Gebirge in grösseren Anhäufungen sich finden, 
also, wo weder ein Überschuss eines dieser resp. als Säure oder als 
Base auftretenden Elemente erscheint, Basalt sich gebildet hat, wie denn 
in der That im Innern des Pilsener Kreises, wo genau ein solches Ver- 
hältnıss vorhanden ist, indem dort nirgends Kalk, Eisenstein oder von 
Kieselerde gebildete Massen beobachtbar sind, der Basalt eine grosse 
Anzahl eigenthümlich gestalteter, über dem Plateau des Übergangs- 
Gebirges und des Glimmerschiefers (der dort an seiner Grenze mit dem 
Übergangs-Gebirge allmählich in das letzte übergeht) sich erhebender 
Berg-Massen (Schafberg, Scheiben Radisch, Polinkenberg bei Giersch, 
Wolfsberg bei Ozernoschin, Weinberg bei Kupsch, Schwammberg, 
Weseritzer Schlossberg) konstituirt. — Vergleicht man nun mit dieser 
Bigenthümlichkeit des Böhmischen Übergangs-Gebirges die Verhältnisse 
des Übergangs-Gebirges an dem rechten Rhein-Ufer, so ergibt sich ein 
‘ähnliches Resultat. An dem südlichen Rande des letzten nämlich ist 
die Masse desselben, wie z. B. n dem Taunus bei Wiesbaden, theils 
sehr reich an Quarz, so dass sie stellenweise zu festem, weisslichem 
Quarzfels (Platte) wird, theils enthält sie, wie dergleichen auch bei den 
untern Gliedern anderer Formationen so gewöhnlich ist (Glauconie gros- 
siere der Pariser Tertiär-Formation, Glauconie erayeuse der Kreide, 
jwm Lias und namentlich in den untern Gliedera des Lias [DE Caumorr 
mem. de la soc. Linn. du Calvados 1828, p. 243]; der untere silurische 
Kalk bei Petersburg ist so reich daran, dass er sogar noch in neuerer 
Zeit für identisch mit der Glauconie crayeuse zegolten hat [Erman, 
Archiv für wissenschaftliche Kunde Russlands 1841, S. 73] *), dunkel- 
grüne Blättchen von Eisenoxydul-Silikat in Menge. Kalk-Lager fehlen 
dem Taunus-Gebirge gänzlich, gleichfalls der Basalt, von dem nur in 
die Tiefe des Rähein-Thals einige sehr unbedeutende Punkte in der Nähe 
von Wiessbader sichtbar sind; nicht minder der Schaalstein und Hyper- 
sthenfelsen. Weiter nach Norden an dem südlichen Ufer der Lahn da- 
gegen treten erst, wie Sie wissen, die Schalsteine mit den sie beglei- 
tenden Eisenstein-Lagern und zugleich Kalk und Dolomit-Massen in 


*) Es ist von Interesse hierbei die Bemerkung des geschickten und aufmerksamen 
Beobachters ve Cavmonts (Mem de la soc, Linn. du Calvados 1838, 1, 254) zu 
vergleichen, der gleichfalls von dem wiederholten Anftreten des grünen Eisenoxyd- 
Silikats betroffen wurde. Nachdem. er nämlich angeführt, dass zu Agy in der 
Normandie die untern Schichten der Lias-Formation, des Kalks von Zgy nämlich 
und des Lias selbst (ibidem 243 und 254) mit Chlorit (oder nach BERTHIER mit 
Eisenoxydulsilikat) angefüllt sind, sagt er: C’est une chose digne de remargue, 
que la presence de la chlorite dans des formations, qui appartiennent ädes Epoques 
aussi distinctes, que le calcaire grossier tertiaire, la craie, l’oelite et le calcaire 
d’U/rmanville (untere Lias) elle paraitrait attester le retour periodique de eircon- 
stances analogues. 


825 


ansehnlicher Verbreitung auf. Nirgends aber zeigt hier das Übergangs- 
Gebirge einen solchen Überschuss von Quarz, wie an seinem südlichen 
Rande bei Wiesbaden. Diese konstante, allerdings auffallende Verbin- 
dang von Schalstein und Eisenoxyd im Nassauischen hatte früher Hrn. 
v. Buena bewogen, jenes erste Gestein, welches er für ein Äquivalent 
des augitischen Porphyrs in Süd-Tyrol hielt, allgemein als einen Metall- 
bringer anzusehen, in dieser Ausdehnung, wie es scheint, nicht ganz mit 
Recht, da die Blei-, Silber- und Kupfer-Gruben zu Weyer, Usingen, 
Holzappel und im Dillenburgischen in reinem Thouschiefer und Grau- 
wacke sich befinden uad nicht auf ähnliche Weise wie die Eisenstein- 
lager an den Schalstein gebunden sind, ebenso wenig wie die schwarzen 
Gesteine in Thüringen etwas anderes als einen vermehrten Eisen-Gehalt 
nachweisen, da die Braunstein-Gruben bei Öhrenstock und Ilmenau, 
die bedeutendsten des Thüringer Waldes sich nicht in schwarzem, sou- 
deru in dem sehr deutlichen rothen Porphyr mit feldspatbiger Grundmasse 
finden, welcher letzte von dem gewöhnlichen rothen Porphyr des Landes 
allein durch den Mangel von freiem Quarz sich unterscheidet, eine Eigen- 
thümlichkeit, die keineswegs berechtigen kann, die Mangan-führenden 
Porphbyre von Ilmenau von den übrigen rothen des Thüringer Waldes 
zu trennen und dem schwarzen Trapp zuzurechnen, umgekehrt aber 
genügend erklärt, warum bei der grossen Reichhaltigkeit des Thüringen- 
schen Porphyrs an Mangan nirgends dort, wie in dem Schebenholz bei 
Eibingerode, Kieselmangan-Verbindungen vorkommen, Es ist aber diess 
unregelmäsige nesterweise Vorkommen des Manzgans in dem Porphyre 
ähnlich dem des Vorkommens der Eisensteine im Transitions-Gebirge 
und wie auf gleiche Weise im Kleinen wallnussgrosse Anhäufungen von 
Eisenoxyd so häufig in den rothen Porphyren zu Baden-Baden erschei- 
nen *). Überall ist ersichtbar, wie die Eigenthümlichkeit des Mittels, 
aus dem die Porphyre und das Transitions-Gebirge hervorgingen, die 
stellenweise Armuth desselben an Kieselsäure, sowohl die Biidung der 
Quarz-freien Gesteine, als auch die Kontraktion des im Überschusse vor- 
kommenden Metall-Gehalts, zu dessen Sättigung die Kieselerde nicht zu- 
reichte, in diesen Gesteinen veranlasste. Wäre also bei Baden-Baden in 


*=) Wo die ursprünglichen Lagerstätten des im Hangenden des Transitions-Gebirges 
und namentlich im Mangenden des Kalks und des Dolomits nahe der Oberfläche 
vorkommenden, seit kaum 20 Jahren entdeckten und seitdem durch einen sehr 
lebhafteu Betrieb im Nassamischen zwischen Runkel, Obertiefenbach und Limburg 
gewonnenen Braunsteins (man gibt den jährlichen Ertrag der Gruben auf 25,009 Ctr. 
an) sich befinden, haben die bisherigen Erfahrungen noch nicht ermitteln können. 
Gewiss ist es, dass dieser Nassauische Braunstein, dessen Qualität wesentlich der 
des Thüringenschen nachsteht, so wie freilich auch sein Preiss bedeutend niedriger 
ist (L Rthlr.pr.Ctr.), indem thonigen das Transitions-Gebirge bedeckenden Bruch- 
stücke vondem unterliegenden Kalk und Dolomit enthaltenden Diluvium grössere und 
kleinere Nester bildet, und dass keine Thatsache bisher vorhanden ist, die auf 
einen Ursprung dieses Maugans aus dem Schalsteine selbst spricht. Sogar in wei- 
terer Entfernung von dem jetzigen Vorkommen des Braunsteins, im Diluvial-Boden 
des Rheins nämlich bei Wiesbaden, sollen noch vereinzelte Spuren des Braunsteines 
‚sieh vorfinden. 


826 


dem Mittel, aus welchem der Porphyr entstand, der überschüssige Eisen- 
Gehalt desselben theilweise durch Kieselerde, Kalk und Magnesia oder 
durch Kali oder durch Natron vertreten gewesen, so hätte ohne Zweifel 
aus demselben statt des rothen Porphyrs eben so gut Syenit, Granit, 
Diorit, Hypersthenfels oder Basalt nach dem jedesmaligen Verhältnisse der 
vorhandenen Elemente des Mittels hervorgehen können. | 

Auch nördlich von der Lahn wiederholt sich die konstante Verbin- 
dung von Kalk, Eisen und Schalstein bis an den Fuss des Westerwal- 
des, so dass jene 3 Gesteine in dem ganzen Laudstriche von Runkel 
westlich bis Wetzlar östlich zahllos wechseln. Es ist aber der Schal- 
stein stellenweise auf das Regelmässigste geschichtet (z. B. im Lahn- 
Thale zwischen Runkel und Armenau in dieken Bänken, deren Streichen 
zwischen h. 4, 5—6 schwankt, Fall mit 650%; zwischen Weilburg und 
Schloss Gräveneck erscheint der Schalstein unmittelbar im Wege in 
dünnen Schichten, die mit h. 7 streichen) und durchweg sehr reich an 
Kalk. Wo der Kalk-Gehalt des Schalsteines in Partie’n von einigen Zollen 
Durchmesser konzentrirt sich ausscheidet, finden sich zuweilen Verstei- 
nerungen in denselben vor, wie diess die Beobachtungen des Hrn. Dr. 
SANDBERGER in Weilburg erwiesen haben, der eben in solchen Kalk- 
Knollen dort sehr deutliche grosse Asträen und Cyathophyllen nebst 
einigen weniger deutlichen Bivalven entdeckte. In der Nähe von Weilburg 
lassen sich zugleich die verschiedenen Modifikationen des Schalsteins 
und ihre Überzüge in einander auf das Deutlichste verfolgen. Kann im 
Allgemeinen auch die Masse der Nassauischen Scehalsteine als ein Ge- 
menge von kieselsaurem Eisenoxydul und von kohlensaurem Kalke an- 
gesehen werden, so lehrt doch zugleich die Beobachtung, dass eine lokale 
Zunahme des Eisen-Gehaltes ebenso wie ein liöherer Oxydatious-Zustand 
des letzten alimählich Übergänge der hellgrünen Schalsteine in roth- 
braune Gesteine hervorruft, die noch die vollständige Schieftung des 
Schalsteins besitzen, auf dem Längenbruche aber , namentlich wenn ‚sie 
einige Zeit der Einwirkung der Atmosphäre- ausgesetzt sind, wo zugleich 
eine schiefrige Textur des Gesteines sichtbar wird, vollkommen metalli- 
schen Glanz erhalten. Als entgegengesetzte Endglieder der’Reihe von 
Modifikationen des Schalsteins müssen dann von der einen Seite die 
reinen Massen von Eisenstein, von der andern die Kalk-Lager an der Lahn 
angesehen werden, an welche beiden Endglieder Gemenge sich zunächst 
anschliessen, die theils aus Eisenoxyd und kohlensaurem Kalk allein 
(Loehnberg bei Weilburg, Aumenau) , theils zwar ebenfalls noch aus 
Eisenoxyd und kohlensaurem Kalk bestehen, in welche Kombinationen 
aber allmählich Eisenoxydul-Silikate in zunehmender Menge hinzutreten, 
bis dieselben zuletzt die Natur der wirklichen Schalsteine erhalten. Das Vor- 
kommen von Versteinerungen (Goniatiten bei Wetzlar und Oberscheld) 
in den Eisensteinen der Lahn-Gegend, ähnlich wie die Eisensteine in der 
Nähe der Hypersthenfelsen zu Komaron in Böhmen Delthyris-äbnliche 
Bivalven nicht selten enthalten, beweist zugleich mit dem Vorkommen der für 
dasRheinische Übergangs-Gebirge so charakteristischen Cyathophyllen 


827 


in den Kalk-Knollen bes Weelburg, eben so gut wie die Schichtung des 
Scehalsteins selbst, dass die abweichende Beschaffenheit: in der Konsti- 
tution des Übergangs-Gebirges längs der Lahn nicht von einem abnormen 
pyrischen Ursprunge der dortigen Glieder. desselben abhängt, sonderu 
dass sie durch die qualitativen Differenzen des Mittels, aus welchem 
das Übergangs-Gebirge hervorging, bedingt worden ist. Wo demnach 
Kalk, Eisen und Kieselerde bei der Entstehung des Nassauischen Gebirges 
in. einem solchen gegenseitigen Verhältnisse vorhanden waren, dass be- 
stimmte krystallinische Verbindungen sich bilden konnten, scheint aueh 
hier, wie in Böhmen, die Entstehung des Hypersthenfelses, des Dolerits 
oder des Basalts veranlasst zu seyn. ' Der Überschuss umgekehrt von 
Eisenoxyd oder von kohlensaurem Kalk im Centrum des Schalstein- 
Gebietes längs der Lahn muss der Bildung kıystallisirender Körper 
und also auch der Entstehung jener 3 eben genannten Gesteine nicht 
günstig gewesen seyn; es fehlte wiederum die Kieselerde,, um die 
Basen zu sättigen. Es: ist desshalb auch in dem eigeutlichen Nassaw- 
schen Schalsteine meines Wissens noch Niemanden gelungen, Pyroxen 
zu entdecken, eben so wenig, wie ich darin habe Labrador finden können. 
Geht man aber an denRand des Schalstein- und des Eisenstein-Gebietes, 
da wo zugleich die Kalk- und Eisenstein-Lager aufzuhören anfangen und 
umgekehrt der Kieselerde-Gehalt zunimmt (wofür im Osten der hohe aus 
Kieselschiefer bestehende Dinsberg bei Giessen, in Westen und Nord- 
westen die Quarz-reicheren Phonolithe und Trachyte bei Montabaur spre- 
chen), so erscheinen die schönsten Hypersthenfels-Gesteine am Schlossberge 
bei Weilburg, zu Burg Solms, am Lämmerich bei Gladenbach und zwar 
ohne Spur von Schichtung, wie diess überhaupt bei der Bildung aller 
derjenigen Gebirgs-Gesteine stattfand, wo die Elemente gerade in Verbält- 
nissen vorhanden waren, dass durch ihr Zusammentreten krystallisirte 
Verbindungen entstanden und der Einfluss der Schwerkraft überwunden 
wurde *). Durch dieses günstige Verhältniss der Elemente scheint also 
zunächst auch die Entstehung der Masse des Westerwaldes begründet, 
ebenso wie umgekehrt wahrscheinlich der Mangel eines solchen in dem 
ganzen grossen Schalstein-Gebiete nur an einem Punkte (zu Niedlerbrechen) 
die Bildung eines Dolerit ähnlichen Gesteines und einiger unbedeutenden 
Basalt-Höhen bei Limburg gestattete. Berücksichtigen Sie endlich , dass 
die durch Hrn. Prof. Rose bestimmten Hypersthen-Gesteine zu Elbin- 
gerode, zu Steben und Hoff im Fichtelgebirge, im Hessischen Hinier- 
lande und zu Briion sämmtlich in der Nähe von Kalk. und Eisenstein- 
Lagern, genau so wie die Hypersthenfelsen in Böhmen, bei Wetzlar 
und an der Lahn, nicht minder vielleicht dergleichen Gesteine an dem 
linken Elb-Ufer in Sachsen in der Nähe von Dohna im Pahre-Grunde vor- 
kommen, obwohl in letztem die Anwesenheit des Augits zweifelhaft 


*) Nur der Überschuss von Kieselerde im Granit und Porphyr scheint der Bildung 
des Feldspatlis und Glimmers in diesen Gesteinen nicht hinderlich geweseu zu seyn. 
Liegt diess vielleicht in ihrer eigenen Krystallisations-Fähigkeit ? 


s28 


ist und Eisenstein-Massen nur in einiger Entfernung (Nentmannsdorf, 
Berggiesshübel) das stellenweise reichlichere Vorhandenuseyn des Eisens 
in dem Transitions-Gebirge jener Gegend beweisen, so werden Sie mir 
nach allen diesen beobachteten Thatsachen vielleicht nieht ganz Unrecht 
geben, wenn ich behaupte, dass das Vorkommen von krystallinisch-körni- 
gem Hypersthenfels in der Nähe vun Versteinerung-führenden Kalk- und 
Eisenstein-Massen keineswegs als ein abnormes gelten kann, dass ebenso 
das Zusammenseyn aller dieser Gesteine keineswegs ein zufälliges ist, 
vielmehr die Entstehung derselben in. dem innigsten gegenseitigen Zu- 
sammenhange. steht. Bestätigt sich ferner die Ansicht des Hr». Prof. 
Rose als ein allgemeines Gesetz, dass zwischen Labrador-Doloriten und 
Hypersthen-Gestein kein spezifischer Unterschied vorhanden ist und ist 
der Übergang von Labrador-Dolerit in Labrador-Basalt für entschieden 
anzusehen, so dürfte man allerdings auch genötligt seyn, die Assichten 
über die Bildungs-Weise einiger Basalte und der damit verwandten Ge- 
steine noch nicht für völlig abgeschlossen zw erachten, Ergäben dagegen 
spätere Untersuchungen, dass das an den vielen erwähnten Punkten an- 
gegebene Zusammenvorkommen von Labrader und Hypersthenfels mit 
Kalk und Eisen und umgekehrt die Quarzlosigkeit 'des Transitions-Ge- 
birges in der Nähe des Hypersthenfelses, so wie der auffallende Mangel 
von freiem Quarz in allen Doleriten und Basalten nur ein zufälliger ist, 
so müsste man in der That gestehen, dass dieser Zufall ein sehr sonder- 
barer ist. Jedenfalls, glaube ich, fordern die angeführten Thatsachen 
zu einer weiteren Untersuchung des Gegenstandes auf, dessen Bestäti- 
zung oder Widerlegung nicht ohne Interesse für die Geognosie bleiben 
dürfte. — Noch hatte ich im vergangenen Jahre bei meiner geognosti- 
schen Exkursion: nach Thüringen Gelegenheit, einige Punkte au dem 
südlichen Rande des dortigen Waldgebirges zu sehen, die mit dem, 
was ich Ihnen eben als das Resultat meiner Erfahrungen in Böhmen 
und am #Ahein vorzutragen die Ehre hatte, keinesweges in Wider- 
spruch stehen. Sie wissen, dass Hr. v. Buch die von Hrm und Voısr 
Trapp genannten duukein Gesteine anı nördlichen Fusse des Taüringischen 
Gebirges, von welchen namentlich Vorer schon vor 50 Jahren in seinen 
kleinen Schriften sehr richtig bemerkte, dass in ihnen Quarz nur sehr 
selten vorbanden wäre, ebenfalls mit dem Tiyroler Augit-Porphyr für iden- 
tisch und für die Ursache der Erhebung der Berg-Massen in Thüringen 
gehalten hatte, Aus den ferneren Ansichten des Hro. v. Buck über die 
Beziehungen zwischen Melaplıyr und Dolomit folgt dann, dass auch die 
porösen Zechstein-Dolomite in Thüringen und namentlich im Süden jenes 
Landes, wo jene schwarzen Gesteine zwischen Mehlis und Benshausen 
eine ansehnliche Verbreitung erlangen und die dolomitischen Zechsteine 
ganz in deren Nähe (bei Albrechts) anstehen, jenen Melaphyren des Hru. 
v. Buch ihre qualitative Beschaffenheit verdanken, wie diess Hr. v. Buch 
in der That (Abhandl. d. Berl. Akad. für 1827, S. 201) auch bestimmt 
ausgesprochen hat. Später haben die HH. Caepner und Corra in ihren 
Aufsätzen über den Thüringer Wald die Bestimmungen des Hr. v. Buch 


829 


adoptirt und dem Trapp der älteren Geognosten gleichfalls "den Namen 
Melaphyr gegeben; eine Benennung, welche nach der Kenntniss, die 
wir den nevuern Untersuehungen "über die Natur der Gesteine in Tyrol 
verdanken, zu der Voraussetzung berechtigt, dass der Thüringische Me- 
laphyr gleich dem Tyroler ein Gemenge von Augit und Labrador sey 
und dass in ihm der freie Quarz fehle! Erstes indessen zu beweisen, 
ist bisher noch Niemanden gelungen, ja selbst noch nicht einmal ver- 
sucht worden. In der That erwähnen auch weder Hr. v. Buc#u, noch 
Hr. Ceeoner und Hr. Corra irgendwo das bestimmte Vorkommen des 
Pyroxens in den schwarzen Gesteinen; selbst Hr. CreDner, 'der diese 
letzten am genauesten kennt, ‘indem er sie zum Gegenstande eines 
sehr sorgfältigen Studiums gemacht hat, zitirt darin nur das Vorkommen 
eines Pyroxen-ähnlichen Fossils. Eben so weuig gelang es mir, in den 
sogenannten Augit-Porphyren von Suhl, Benshausen, Frauenwalde, im 
Nahe-Thale bei Schleusinger Neuendorf oder endlichim Zim-Thäle oberhalb 
Ilmenau eine Spur von Pyroxen zu entdecken. Dasselbe gilt für den 
Labrador, der gleichfalls nirgends mit Entschiedenheit in den erwähnten 
Gesteinen nachzewiesen worden ist. (Über die Natur eines von Hrn. 
ÜREDNER in den schwarzen Fels-Massen Thüringens aufgefundenen und von 
ihm Feldspath genannten 'Fossils müssen bestimnitere Angaben abge- 
wartet werden, um entscheiden zu können, welcher Feldspath-Modifikation 
dasselbe angehört und also auch ‚weiche Klasse der Rose’schen Grünu- 
steine dasselbe charakterisirt.) So lange überhaupt Bestimmungen und 
genauere Untersuchungen in: der Weise, wie Hr. Prof. Rose über die 
Grünsteine im Allgemeinen geliefert hat, in Bezug auf die Beschaffenheit 
des Thüringischen Melaplıyrs fehlen, scheint es mir unthunlich, diesen 
Namen, an den sich in der weuern Geognosie ein bestimmter Charakter 
knüpft, Gesteinen beizulegen, die sich fast durch niebts, als gerade durch 
den Mangel jedes bestimmten Charakters auszeichnen, und für deren 
Kenntniss, wenn ich wich nicht irre, gar nichts gewonnen wird, wenn 
man ihren alten vagen Namen Trapp oder Grünstein, dessen Existenz 
in der Wissenschaft doch nun einmal geduldet werden muss, mit einem 
neuern bestimmtereu vertauscht. Was ferner den Mangel von freiem 
Quarz in den in Rede stehenden Gesteinen betrifft, so ist derselbe einer- 
seits keineswegs als absolut anzusehen , anderseits dürfte selbst da, wo 
ein solcher Charakter mit Sicherheit nachweisbar ist, demselben ein viel 
zu hoher Werth in Bezug auf die Eigenthümlichkeit des Gesteius bei- 
gelegt worden seyn, indem bei der Entstehung von gauzen Gebirgs-Massen 
es sick wohl denken lässt, dass in der Bildungs-Region derselben stellen- 
weise die Menge der vorhandenen Kieselsäure zur Sättigung der Basen 
gerade hinreichte, während an anderen Punkten Kieselsäure oder Basen 
im Überschuss vorhanden waren, so dass von dem chemischen Standpunkte 
aus die Möglichkeit einer gleichzeitigen Bildung von Granit, Porphyr, 
Melaphyr, Basalt keineswegs unglaublich erseheint, eben so wenig wie 
abzusehen ist, warum da, wo wie im Melaphyr, Silikate den grössern 
Theil der Masse bilden, ein Überschuss von Quarz stellenweise absolut 


830 


unmöglich sey. In den hellgrünen, ungeschichteten Gesteinen des Bens- 
‚hausener Gruundes an der 10 Minuten unterhalb Mehlis etwa gelegenen 
Brettermühle habe ich indessen wirklich mit Bestimmtheit, wenn gleich 
in sehr geringer Menge, Quarz-Partikeln neben dem in grosser Menge 
in dem’ Gestein vertheilten kohlensauren Kalk gefunden, was an dieser 
Stelle um so weniger verwundern kann, da rother Quarz-führender Por- 
phyr dicht dabei ansteht. Es ist diess der Punkt, an dem Hr, Cotta 
die Verhältnisse des Melaphyrs zu geschichteten Gesteinen bereits im 
Jahr 1833 zum Gegenstande einer Mittheilung gemacht hat, und wo jener 
sogenannte Melaphyr, dem übrigens gleichfalls wie allen übrigen Thüring- 
schen Melaphyren jede Spur von Porphyr oder Labrador fehlt, die auf- 
fallendste Ähnlichkeit mit denjenigen Modifikationen des Schalsteines 
im Nassauischen darbietet, die.sich durch eine mehr krystallinische Be- 
schaffenheit ihrer Masse und durch ein Zurücktreten der Schichtung 
auszeichnen. Auch in diesem hellgrünen, im Innere sehr frischen Ge- 
stein an der Brettermühle von Mehlis, scheint Eisenoxydulsilikat gleich 
wie im Nassauischen Schalsteine den Hauptbestandtheil zu bilden. Ver- 
folgt man sodann von der Brettermühle-den nach Benshausen führenden 
Grund abwärts, so findet man bald die westliche Seite des letzten, 
theils aus geschichteten (Streichen konstant h. 3,5; Fall mit 30° nach 
OSO.), theils aus ungeschichteten Gesteinen bestehend. Erste sind 
entweder ächte Thonschiefer von schwarzer Farbe, oder Gesteine, die 
allmählich ihre dunkle Farbe in eine röthlichbraune verändern und nament- 
lich im Querbruche den dunkelrothbraunen, ungeschichteten Gesteinen 
vollkommen ähnlich werden, welche man noch weiter abwärts an dem- 
selben Thal-Rande vorherrschend auftreten sieht. Bleibt das röthliehbraune 
eben erwähnte geschichtete Gestein einige Zeit der Einwirkung der At- 
mosphäre ausgesetzt, so entwickelt sich in demselben, gerade wie in deu 
Eisen-reichen Modifikationen des Nassauischen Schalsteines bei Weilburg, 
deutlich die schiefrige Textur und zugleich auf den Flächen des Längen- 
bruchs ein metallischer Glanz, durch den das Gestein Rotheisensteinen 
täuschend ähnlich wird. Sichtbar ist es auch hier, dass theils der ver- 
mehrte Eisen-Gehalt des Thonschiefers, theils der höhere Oxydatious- 
Zustand des Eisens selbst die Eigenschaften des Thonschiefers zu ver- 
ändern und Übergänge aus denselben in die dunkelrothbraunen ungeschich- 
teten Massen allmählich hervorzurufen vermag, welche letzten, isolirt 
betrachtet, allerdings ganz von den schwarzen Thonschiefern verschieden 
zu seyn scheinen. Wie in dem Thonschiefer, fehlt auch in dem roth- 
braunen Gesteine der reichliche Kalk-Gebalt, durch welchen dagegen die 
hellgrünen Gesteine an der Brettermühle charakterisirt werden. Der Mangel 
eine ssolchen Kalk-Gehalts, so wie die höhere Oxydation des Eisens selbst 
scheint da, wo die rothbraunen ungeschichteten Gesteine jetzt sich finden, 
wiederum in der Bildungs-Region derselben, die Entstehung von Augit- 
oder Hornblende-Krystallen, von Hypersthen oder von chloritischem Ge- 
stein gehindert zu haben, da es überhaupt wenig in der Disposition der 
Elemente Kieselerde, Eisenoxyd und Kalk gelegen zu. haben scheint, 


831 


dass da, wo das erste mit dem Eisenoxyd oder mit dem Kalk allein 
sich befand, einfache Verbindungen zwischen denselben und namentlich 
krystallisirte entstanden. "Das: häufige Nebeneinandervorkommen von 
Eisenoxyd und Quarz (Ruhla, Hirschhausen bei Weilburg , Iserlohn) 
ebenso wie umgekehrt die auffallende Seltenheit von reinem kieselsaurem 
Eisenoxyd oder von kieselsaurem Kalk spricht, wie es scheint, dafür» 
dass eine zweite Base vorhanden seyn musste, um die chemische Ver-. 
bindung der Kieselerde mit einem dieser beiden Körper möglich zu machen 
oder auch nur vielleicht zu begünstigen. Umgekehrt dagegen gehört die 
Verbindung von Kieselerde und Eisenoxydul zu den häufigen Erschei- 
nungen in der Natur,‘ wie die Analysen Berrwers gelehrt haben. — 
Lassen sich auch die Lagerungs-Verhältnisse des hellgrünen Melaphyrs 
an der Brettermühle niebt mit voller Bestimmtheit ermitteln, so darf doch,;wie 
ich glaube, aus den sehr sichtbaren Übergängen des Thonschiefers in 
das rothbraune Gestein und aus andern Modifikationen des letzten eben 
dort, welche sich dem hellgrünen zu nähern scheinen, mit Grund gefolgert 
werden, dass den ungeschichteten Gesteinen des Benshausener Grundes 
kein anderer Ursprung als dem gesebichteten Thonschiefer zukommt und 
dass die Differenzen der erwähnten Gebirgsarten keineswegs durch einen 
versehiedenartigen Ursprung derselben bedingt sind. Endlich erwähnt 
auch Heim schon (Geol. Beschreibung des Thüringer Waldes Il, 3, S. 92), 
dass er den dunkeln Trapp Thüringens an zwei verschiedenen Punkten 
Quarz-haltend gefunden habe , zugleich aber, dass der rothe Porphyr in 
der Nähe desselben anstehe,. Dass vorzugsweise durch den überschüssigen, 
nicht gebundenen Gehalt an Eisenoxyd die Eigenthünlichkeiten der mei- 
sten sogenannten schwarzen Porphyre veranlasst ist, möchte zugleich 
für die ungeschichteten dunkeln Gesteine bei Darmstadt gelten. Hat 
zwar das sporadische Auftreten der letzten bisher eine bestimmte Kennt- 
niss ihrer Lagerungs-Verhältnisse gegen die Trachyte, Granite und das 
Rothe Todtliegende in eben derselben Gegend verhindert, so zeigt doch 
die Ausicht der Beschaffenheit der Masse derselben in den Steinbrüchen, 
dass sie stellenweise äusserst reich an Eisen sind, indem sie nicht allein 
durch den Einfluss der Atmosphäre rothbraun,, sondern selbst von ganz 
metallischem Ansehen werden, ferner dass Pyroxen und Labrador absolut 
in der Zusammensetzung der Masse fehlen, so dass bei Darmstadt wie 
in Thüringen nichts berechtigt, jenen dunkelu Gesteinen den Nawen 
Melaphyr zu geben. 

Sie sehen aus dem Vorangegangenen, wie wenig die Eigenthümlichkeit 
des dunkeln Trapps in Thüringen die Vorstellung von der Dolomitisirung 
des Zechsteins bei Aldbrechts zu unterstützen im Stande ist, wenn nicht 
schon überhaupt gegen eine solche Ansicht die Thatsache spräche , dass 
in Tyrol sowohl die Augit-Krystalle des Melaphyrs, als auch im Nassaut- 
schen die des Hyperstheufelses die frischeste Beschaffenheit ohne die win- 
deste Spur von Zersetzung zeigen, ein Zustand, der unmöglich wäre, 
wenn der Augit im Melaphyr und Hypersthenfels auch nur eines Theils 
der 15—20 $ seines Magnesia-Gehalts durch einen Zersetzungs-Prozess 


332 


beraubt worden wäre, dann speziell aber in Thüringen jene Ansicht, 
(ebenso wie in Franken diess bei den Jura-Dolomiten der Fall ist) durch 
das Lagerungs Verhältniss der Zechstein-Dolomite im Hangenden des regel- 
mäsig geschichteten, diehten Zechsteins nämlich unwahrscheinlich gemacht 
wird, weil, wenn die Dolomitisirung des Zechsteins durch Magnesia- 
Dämpfe, über deren Beschaffenheit weder die geoguostische Theorie noch 
die Erfahrung der Chemie uns belehren, stattgefunden haben sollte, es 
unbegreiflich bleibt, warum das umgekehrte Lagerungs-Verhältniss nicht 
das allgemeine ist, und wie überhaupt die geschiehteten Zechsteine oder 
Jura-Bildungen im Liegenden der Dolomite undolomitisirt bleiben konuten. 
Schon der Durchschnitt, den Hr. v. Buch im Taschenbuch von 1824 über 
die Lagerungs-Verhältnisse der Dolomite im Altmühl-Thale mittheilt, gibt 
einem solchen Einwande gegen die Dolomit-Theorie Grund, wie Hr. 
v. Buch am allerwenigsten selbst verkaunt hat. Nicht minder haben die 
neuern chemischen Untersuchungen der körnigen Urkalke im Erzgebirge, 
der dichten Kreide an vielen Punkter bei Dresden, der schreibenden 
Kreide bei Paris (letzte enthält stellenweise il $ Magnesia) nach einer 
älteren Analyse von BovItLo DEN LA GranGeE (Journal des mines, 2. Reihe, 


XXXIV,'S. 375), der Süsswasserkalke bei Ulm und Paris (Beyne,-Eu- 


zarches), von welchen Gesteinen namentlich die Pläner-Kreide bei Dresden 
im Äussern nichts von der krystallinisch porösen Natur der Dolomite 
zeigt, bewiesen, dass die Entstehung von Magnesia-reichen Gesteinen 
und von Dolomiten in Gegenden möglich war, wo keine Spur fast von 
der Anwesenheit bestimmter augitischer Porpbyre nachweisbar ist. ..- 

Das Studium der Umzegend von Suhl ist noch in manchfacher Hin- 
sicht lehrreich, obgleich die höchst interessante, dureh den früheren Berg- 


bau konstatirte Auflagerung der dunkeln Trapp-Gesteine auf dem Bunten 


Sandsteine, seitdem die Gruben am Domberge zum Theil verlassen siud, 


nicht mehr dem Geognosten sichtbar ist. Auf einem kleinen Räume zu- 
sammengedrängt sieht man deutlich im Nordosten von Suhl den nor- 
malsten Granit mit Quarz und dunkelsehwarzem Glimmer in Quarz-loseren 
übergeben, indem Hornblende den Glimmer zu verdrängen anfängt, bis 
zuletzt. das Endglied einer Reihe von Modifikationen des Granits, der 
deutlichste frischeste Syenif, erscheint. Neben beiden Gesteinen stellt 
sich rother Quarz-führender Porphyr eiu; in allen, insbesonders östlich 
und nordöstlich von der Stadt verbreiteten Gesteinen erscheint aber 


nirgends freier Kalk. Das Maximum des Kieselerde-Gehalts ergeben. 


dagegen die porösen und mit kugelförmigen festen Kontraktionen von 


} 


Quarz angefüllten rothen Porphyre auf dem Wege von Suhl nach Ohr- 


druff bei Oberhof und an noch mehren andern Stellen der Höhe des 
Thüringer Waides. Es bildet in diesen von Hrn. v. Buca beschriebenen 
Porphyren gleichzeitig Quarz die Wände kugelförmiger, mit Quarz-Kry- 
stallen bekleideter Porenräume, und durch die Festigkeit, welche derselbe 
solchen Stellen des Porphyrs verleiht, ist der Quarz die Veranlassung, 
dass, wenn eiu Zersetzungs-Prozess die weniger Quarz-reiche umgebende 
Masse des letzten zerstört, die hohlen Quarz-Kugeln ausgeschält auf 


838 


der Oberfläche des Gebirges zerstreut: zurückbleiben. Die ungleiche Ver- 
theilung der Kieselerde im Porphyr befähigt ferner den letzten zu 
technischen Zwecken, z. B. zu Mühlsteinen (Orawinket bei Ohraruff) 
ganz auf ähnliche Weise, wie manche Kiesel-reiche Modifikationen des 
Traehyts und wie die Quarz-reichen Süsswasser-Kalke der Pariser Ter- 
tiär-Formation (la Ferie sous Jouarre) benützt zu werden, letzte näm- 
lich da, wo der Quarz-Gehalt des Süsswasser-Kalkes theils von Anfang 
an eine poröse Struktur, gleich der des Quarz-Gehalts im Thüringer 
Porphyr besass, theils wo eine solche erst durch eine Auflösung der 
zwischen den Quarz-Konkretionen vertheilten Kalk-Partikeln hervorge- 
rufen wurde. — Nordwestlich von Suhl herrschen dunkle ungeschichtete 
Gesteine, welche namentlich uns zuerst in Thüringen Augit-Porphyr genannt 
worden sind, vor. Sie erscheinen im Maximum ihres Eisen-Gehaltes 
ebenfalls als reines Eisenoxyd und haben, wo dieses wie am Sauerberge 
und Domberge bei Suhl stattfindet, seit den ältesten Zeiten zu dem an- 
sehnlichen Grubenbau Veraniassung gegeben, dem Suhl seinen Wohlstand, 
indem derselbe auf die Entwickelung gewerblicher Thätigkeit zurück- 
wirkte, verdankt. Erst in der neuern Zeit hat die Unregelmäsigkeit 
der Lagerungs- Weise des Eisensteins in dem Trapp (es findet sich, dass 
derselbe Konkretionen oder Stockwerk-förmige Massen in dem letzten 
bildet) durch den hierdurch verursachten Kosten-Aufwand die Wichtigkeit 
des Suhler Bergbaues sehr vermindert. Unmittelbar an diese Rotheisen- 
oxyd-Massen schliessen sich dann Gemenge, gleich denen von Zoehn- 
berg und von Aumenau bei Weilburg, von kohlensaurem Kalk und von 
Eisenoxyd an, die einen vortrefflichen Zuschlag für die Verschmelzung 
des Eisensteins liefern, wie denn überbaupt die günstige Vereinigung 
der für den Eisenhütten-Betrieb nötbigen Gesteine an so vielen Punkten 
im Trapp-Gebiete vou Westphalen, im Hessischen Hinterlande, in Nassau, 
in Böhmen, am Harze, ım Fichtelgebirge, im Sächsischen Voigtlande, in 
Thüringen, wo dieselben Verhältnisse überall auf dieselbe Weise sich 
wiederholen, solchen Gegenden vorzugsweise die Befähigung zu einer 
bedeuterden metallischen Industrie-Eutwicklung ertheilt hat. Die Ge- 
menge von kohlensaurem Kalk und Eisenoxyd gehen ihrerseits bei Suhl 
in die dunkelgrünen, den Gipfel des Domberyes und des Sauerberges 
konstituirenden ungeschichteten Massen über, welche stellenweise durch 
einen höheren Oxydations-Zustand des in ihnen vertheilten Eisens rotlı 
gefärbt, zum Verwechseln jenen dunkelgrünen und roth gefleckten Ge- 
steinen ähnlich sind, welche die Wände einer tiefen in das Beraun. Thal 
einnündenden, mehre Stunden langen Einschneidung im Transitions- 
Gebirge zu Teyrzow und eines zweiten Thales bei Skrey, beide im Be- 
rauner Kreise Böhmens, bilden. Es beweist aber diese auf einen so 
kleinen Raum bei Sukl zusammengedrängte verschiedenarlige Beschaf- 
fenheit der Gesteine, dass das Gebirge Thüringens ebenfalls eine Reihe 
von Gliedern besitzt, deren Beschaffenheit in vollkommenster Überein- 
stimmung wit dem steht, was in andern Theilen Deutschlands die Er- 
fahrung über das Übergangs-Gebirge und über seine Verhältnisse zum 


834 


Urgebirge lehrt, und ich möchte desshalb in Bezug auf dieses Verhält- 
niss den-von Fr. Horrmann (Bull. de la soc. geol. de France TII, 168) 
für die südlichen Alpen ausgesprochenen Satz, dass die Granite, Porphyre 
und Melaphyre dort nur gleichzeitig gebildete Glieder einer einzigen 
grossen Formation sind, als richtig in einer weiteren Ausdehnung gelten 
lassen, nämlich dass ein grosser Theil der bisher als Urgebirge ange- 
sehenen Bildungen,, namentlich der mit dem Übergangs-Gebirge in Ver- 
bindung stehende, nur als Produkt im Wesentlichen derselben Bildungs- 
Weise und zugleich einer und derselben Bildungs-Region anzusehen ist, 
in weleher die Verschiedenheit der Glieder des Komplexes einzig durch 
die lokalen Differenzen in dem Mittel, den jene Glieder ihren Ursprung 
verdanken, veranlasst wurde. Ich möchte desshalb ferner glauben, dass 
die sämmtlichen Glieder des mit dem Übergangs-Gebirge zusammen- 
hängenden Urgebirges und des letzten selbst eine einzige grosse Reihe 
bilden, deren Extreme einerseits durch reine Massen von Kieselsäure 
(schwarzer und grauer Kieselschiefer im Übergangs-Gebirge und auch 
im Gneiss-Terrain, z. B. zu Dreyhacken bei Marienbad in Böhmen), 
weisse geschichtete quarzige Gesteine ven krystallinischem Gefüge che- 
mischen Ursprungs in Belgien (Systeme quarzifere inferieur et supe- 
rieur Dumont), England (Caradoc und Ludlow rock), Bretagne, Böhmen, 
weisse Quarzfelsen im Granit-Gebiet (Pfahlgebirge in Baiern), anderseits 
dureh Anbäufungen der als Basen auftretenden Elemente Kalk, Kalk und 
Magnesia oder Eisen charakterisirt werden, zwischen welchen Extremen 
dann die vielfachsten Modifikationen möglich sind, welche auf die wich- 
tigsten und hervorragendsten zu beschräuken die neuere Geognosie, 
wenn sie sich nicht in ein Chaos von Formen und Ideen verirren will, 
genöthigt seyn dürfte. Ich möchte nämlich glauben, dass die Erfah- 
rungen Beegerers über die Entstehung !von Krystallen von Quarz und 
von solchen Silikaten, die, wie der Cyanit, nur allein im Granit und in 
solchen Gesteinen vorkommen, welche dem Granit sich zunäebst anschlies- 
sen (Eklogit), von Silikaten also, deren mineralogischen Eigenschaften 
sie bereits sehr nahe den Edelsteinen stellen *), auf nicht pyrisehem 
Wege die Ansicht von der Existenz eines weit innigeren Zusammenhangs 
der krystallinisch-körnigen Gesteine und des schiefrigen, geschichteten 
und Versteinerungen-führenden Übergangs-Gebirges,, als die Geognosie 
bisher im Allgemeinen anzuerkennen geneigt war, wesentlich unterstützt. 
Das Resultat endlich der Untersuchungen Stupers und anderer Geognosten 
in Graubündten, am Gotthard und in den Ligurischen Alpen, das Auftreten 
des Granits und Syenits im Hangenden des Jura und der Kreide in 
Dauphine, Sachsen und in Irland (Griffith), das enge Anschliessen des 
Trachyts an tertiäre Bildungen einerseits, an den Porphyr, Phonolith 


”) Die neuerlichst von Dr. Petzuoıort in Zresden durch das Mikroskop entdeckte 
organische Struktur des beim Verbrennen von Diamanten unverbrennlich zurück- 
bleibenden Restes derselben ist ein neuer Beweis, dass selbst die höchsten Grade 
der Härte und des Glanzes bei Mineralien noch nicht zur Voraussetzung berech- 
tigen, dass dieselben desshalb gerade auf trockenem Wege gebildet seyn müssen. 


835 

und Basalt andrerseits, die Unsicherheit der meisten Beobachter über das 
Wesen und das gegenseitige Alter der Gesteine in Gegenden, wo Rothes 
Todtliegendes, Arkosen, krystallinischer rother Porphyr, Granit und Thon- 
stein-Porphyr zusammen und wechselnd vorkommen: Alles diess zusammen 
scheint dahin zu führen, die Entstehung von Graniten und der mit den- 
selben verwandten Gesteine, ebenso wie die des Basalts, auch noch in 
den neuern Bildungs-Epochen der Erde für möglich zu halten, mit welcher 
Foigerung dann freilich verbunden wäre, dass die Entstehung mancher 
. solcher krystallinisch-körnigen Gesteine nicht allein ‚auf dem ahnormen 
pyrischen Wege gesucht werden darf, so dass es wahrscheinlich, wie 
ich zunächst von dem Hypersthenfels und von dem Basalt glaube, zwei 
ganz entgegengesetzte, aber zu demselben Resultat führende Bildungs- 
Weisen soleher Gesteinen einst gegeben hat. Wie ketzerisch diese Ansicht 
bei der jetzigen Entwickelung der Geognosie erscheint, wie Manchem sie 
vielleicht auch nur als eine erneuerte Auffassung veralteter Irrtbämmer 
gelten mag, so glaube ich doch, ist dieselbe nichts als ein weiterer 
Schritt auf dem Wege, den die neueste Geognosie, gezwungen durch die 
unbedingte Nothwendigkeit die -engste Verbindung der krystallinisch- 
körnigen Gebirgsarten und der geschichteten dichten anzuerkennen, bereits 
durch die Aufstellung der Theorie des Metamorphismus gethan hat, eine 
Theorie, deren Sätze in ihrer jetzigen Gestalt schwerlich vor dem Richter- 
stuble der Chemie Gnade finden würden, da diese Theorie in der Zeit 
der Kindheit der Chemie in ihren ersten Zügen geboren, wenig damals 
von der letzten für ihren Zweck benutzen konnte, der späteren Auf- 
fassung derselben Theorie aber der Vorwurf gemacht werden muss, dass 
sie noch viel zu wenig bekümmert gewesen ist, sich die Weise klar zu 
machen, die die Natur bei einem solchen Metamorphosirungs-Prozess 
genommen haben müsste, Ehe aber die Geognosie nicht im Besitze einer 
grösseren Reihe von Untersuchungen über die Natur der krystallinisch- 
körnigen und namentlich der dichten Gebirgsarten sich befindet, bevor 
ferner nicht namentlich das Verhältuiss in der Qualität und der Quantität 
der Elemente in der Masse zweier angränzenden Gebirgsarten, von denen 
die eine als durch die andere verändert gilt, mit Genauigkeit festgestellt 
ist und ehe endlich nicht mit Bestimmtheit die Weise nachgewiesen 
worden ist, wie in erkennbaren Fällen ein solcher Metamorphosirungs- 
Prozess wirklich stattgefunden hat, bleibt das Wort Metamorphismus in 
der Geognosie nur ein leerer Schall, durch dessen Anwendung für die 
Wissenschaft selbst im Wesentlichen , wie es scheint, nichts gewon- 
nen wird. 

| Ich kann in Bezug auf meine Ansicht über das gegenseitige Ver- 
hältniss von Basalt und Granit mit Recht vielfache Einwendungen er- 
warten, zunächst den, der von dem Vorkommen des Basalts und Dolerits 
in Granit, also von dem Auftreten jener beiden Gesteine in einem Terrain 
entlehnt ist, wo die freie Kieselerde meist im Überschusse vorhanden, 
der Kalk aber fast gänzlich zu fehlen scheint. Ein solcher Einwand 
würde namentlich völlige Gültigkeit haben, wenn die neuere Zeit unsere 


836 


Kenntniss von der Natur des Basalts und des Dolerits nicht über diejenige 
Gruppe derselben hinausgeführt hätte, in welcher Labrador einen wesent- 
lichen Gemengtheil der Masse bildet. Seitdem aber bekannt ist, dass 
ihrem Habitus nach mit den Labrador-Basalten vollständig identische 
Basalte, die zugleich Olivin führen, sich aus Doleriten entwickeln können, 
in welchem neben dem Maguneteisen und Pyroxen-Nephelin (Löbau), 
Leuzit und ähnlicher Weise wahrscheinlich auch Analzim einen wesent- 
lichen. Gemengtheil bilden, so dass es Labrador-, Nephelin-, Leuzit- und 
Analzim-Basalte gibt, ergibt sich die Nothwendigkeit, einerseits für die 
Geognosten Charaktere zu ermitteln, durch welche diese verschiedenen 
Modifikationen in dem Chaos Basalt zu unterscheiden sind, also. auch 
das Bedürfniss einer erneuerten gründlichen Revision der’ chemischen 
Konstitution des Basalts "), andrerseits aber auch, dass die Natur solcher 
Basalte, wie der Nephelin- und Leuzit-Basalte, dieselben viel näher an 
den Granit und Diorit anschliesst, als diess in Bezug auf den Labrador- 
Basalt der Fall ist. Abgesehen aber von dieser verschiedenen Natur des 
Basalts zeigt das Vorhandenseyn Kalk-reicher Fossilien in manchen 
Gliedern des Werner’schen Urgebirges, z. B. die Häufigkeit des Sphens 
in den Syeniten des Odenwaldes und beider EIb-Ufer bei Dresden 
(Plauen’sche Grund, Neu-Leiss bei Meissen), namentlich aber die über- 
raschende Menge des braunen Sphens in dem Syenit zwischen Hohendorf 
und Dallwitz bei @rossenhayn, wie in den letzten zuweilen ein Salz-Gehalt 


*) Wie wenig selbst geübte Beobachter vor Täuschungen sicher zu seyn scheinen 
und wie leicht Basalt-ähnliche Gesteine mit dem Basalte selbst verwechselt werden, 
zeigt unter andern das Beispiel DumonT’s und Caucnv’s, welche bei Bastogne im Luxem- 
burg’schen Versteinerungen in Granaten-führendem Basalt entdeckt kaben wollten 
(Bull. de la soc. geol. F1II, 80), eine Beobachtung, deren Richtigkeit von anderen 
Geognosten mit Entschiedenheit bestritten wird; ferner die häufige Erwähnung von 
Basalt-Gängen im Granit, die oft doch uur lineare Modifikationen des letzten 
sind, in denen der schwarze Glimmer bis zur Unkenntlichkeit feinkörnig geworden 
den Granit homogen schwarz färbt und Basalt-ähnlich macht. _ Soiche Basalt- 
‚Ähnliche Streifen erscheinen z. B. im Keilbusch bei Meissen im Granit und sind, 
obwohl sie kenntlich freien Quarz enthalten, für Basalt gehalten worden. Derselbe 
Fall findet zu Pelimsdorf bei Bischofswerda statt, wo die von Hrn. Corra beschrie- 
‚benen, dunkelschwarzen sehr interessanten Gang-Streifen im Granit ebenfalls nichts 
anderes als feinkörnige Granite sind, von solcher Ähnlichkeit mit dem Basalte, 
dass erfahrene Mineralogen in den Handstücken die Masse derselben für wirkliche 
Basalte hielten. Überhaupt ist die Gegend zwischen Bischofswerda und Bautzen 
in der Sächsischen Oberlausitz besonders geeignet, die allmähliehen Übergänge 

des Normal-Granits in feinkörnige und durch Überhandnahme endlich des schwarzen 
Glimmers in dichte, fast Basalt-ähnliche Gesteine anschaulich zu machen, Von 
besonderem Interesse für die Lehre vom Basalte wäre namentlich eine verglei- 
ehende Untersuchung ächter Basalte aus dem Granit, Sandstein und Kalk, nicht 
minder ob eine Verschiedenheit in der chemischen Beschaffenheit der Englischen 
und Schottischen Whinstone stattfindet,’je nachdem sie im Gebiete des Moxntuin- 
limestone (Fifeshire in Südschotitland) oder im Old Red (Forfarshire) oder im 
der von weissem Kohlen-Sandstein gebildeten Ebene (in Kinrosshire) sich erheben; 
endlieh welche Beziehungen zwischen der chemischen Beschaffenheit solcher Massen 
gezen das sie umgebende Gestein sich ermitteln lassen; Untersuchungen, welche 
bisher gänzlich gefehlt haben. 


837 


in reichlicher Fülle vorhanden ist, so dass von der theoretischen Seite 
der Annahme von der Möglichkeit der Erzeugung von Labrador-Basalten 
inmitten des Bildungs-Kreises solcher Syenite wenigstens nichts im Wege 
steht. Das Auftreten der braunen, in ihrer Grundmasse sehr Eisen- 
reichen und stellenweise den Darmstädter und Benshausener Trappen ganz 
ähnlichen Gesteine in den Syeniten des Plauen’schen Grundes bei Zau- 
cherode am Burgwartsberge und unterhalb Neu-Imptsch z. B. und in 
den Gang-förmigen Streifen der Königsmühle gegenüber halte ich dess- 
halb für durchaus kein abnormes, sondern nur für ein durch lokale Um- 
stände bei der Bildung des ganzen Syenit-Terrains bedingtes Vorkommen. 
So deutet nicht minder der Sphen-Gehalt in den Phouolithen des Böhmi- 
schen Mitteigebirges auf einen Kalk-Gehalt derselben und zugleich auf 
eine Verwandtschaft mit den Basalten, die häufig so entschieden ist, 
dass die allmählichen Übergänge beider Gesteine zu den gewöhnlichsten 
Erscheinungen in jener Gegend gehören, während die Phonolithe ihrer- 
seitslängs beiden Elb-Ufern in Böhmen sich au: die dortigen trachytischen 
Massen anschliessen und Gesteine aus dem trachytisch-basaltisch-phono- 
litischen Gebiete Böhmens zum Verwechseln ähnliche Analoga in der 
Rhön und dem Siebengebirge finden. Es ist z. B. die Masse des Stell- 
berges in der Rhön auf das Täuschendste ähnlich der des Phonoliths 
von Wisterschan bei Töplitz (Hornstein-Porphyr WErners), so dass Stücke 
nebeneinandergelegt, verwechselt werden können. Dasselbe gilt von dem 
trachytischen Gesteine der Prochemuther Berge bei Marienbad (Pilsener 
Kreis in Böhmen); in Bezug auf den Trachyt des Kühlbrunn im Sieben- 
gebirge endlich sind die sehr Quarz-reichen Trachyte der kleinen Ro- 
senau im Siebengebirge vollkommen von derselben Beschaffenheit, wie 
die oben angeführten Phonolithe von Wisterschan und vom Siellberge. 
Sehr interessant für den Geognosten ist das Studium der Gesteine an dem 
rechten Elb-Ufer Sachsens wegen der grossen Manchfaltigkeit derselben 
auf kurzen Distanzen. Leider gestattet das zum Theil sporadische Auf- 
treten derselben in einzelnen aus dem Diluvial-Terrain emporsteigenden 
Massen nicht ein genaueres Studium ihrer gegenseitigen Lagerungs- 
Verhältnisse. So fehlt auch hier nieht der Hypersthen-Fels, der in einer 
sehr frischen, schönen Modifikation mit eingesprengtem Schwefelkies 
am Todtensteine zu Wiese bei Camenz, ferner am Koschenberge bei 
Senftenberg (in einem krystallinisch-körnigen Gemenge von schwätrzlich- 
grünem Hypersthen mit eingesprengtem Schwefelkies und grünlich- 
weissem Labrador) zwischen Grossgrabe und Schwebnitz (sehr deutlich 
mit lichteweissem Labrador, ganz wie der Böhmische Hypersthenfels) 
“erscheint. Sehr reich ist ferner namentlich die Umgegend von Camenz an 
Hornfels-artigen Gesteinen, welche mit denen des Harzes völlig ideutisch 
sind, wie diese letzten ihrerseits wieder ganz die Natur der Massen 
besitzen, die man an der Gränze der Granit-Gänge am Löwenberge auf 
dem Vorgebirge der guten Hoffnung beobachtet hat. Exemplare dieser 
Massen vom Kup in der Sammlung der geologischen Gesellschaft in 
London fand ich völlig identisch mit denen des Harzer Hornfelses (wie 
Jahrgang 1842. 4 


858 


dasselbe auch von Hrn. Prof. Hausmann an Stücken ebendaher in den 
Holländischen Sammlungen beobachtet worden ist) und mit den Gesteinen 
vom. Wolf bei Lausnitz, am Vogelsberge und an der Obermühle bei 
‚Camenz, mit dem Gesteine zwischen der letzten Stadt und der Scharf- 
richterei, zu Baschitz, Gosswitz, Gross-Kmehlen, zwischen Ossling und 
Weissig, am Steinberg bei Königsbrück, am Pulsnitzbach oberhalb der 
Gräffenhaynermühle bei Königsbrück zu Tschorra, am Steinberge zu 
Schwarz-Colmen bei Hayerswerda; endlich findet sich derselbe Horn- 
fels am linken Ufer der Elbe zwischen Wesenstein und Köttewitzmühle. 
Alle diese Hornfels-Gesteine in der Oberlausitz”) sind dicht , von fein- 
splittrigem Bruche, meist von violettgrauer Farbe, wesshalb sie von den 
Einwohnern gewöhnlich Blaustein genannt werden, und kommen häufig 
in der Nähe der Granite, ähnlich dem Harzer Hornfels und dem Killas 
in Cornwall vor, so z. B. bei Schwarz-Colmen unmittelbar mit dem 
Granit gränzend, an der Köttewitzmühle ebenfalls unmittelbar über dem 
Granit, endlich auch gangförmige Streifen von Granit wie am Dubringer 
Berge zwischen Dubring und Ossling bei Camenz einschliessend. Ganz 
dieselbe Hornfelsmasse ist aber auch in ziemlicher Entfernung noch von 
dem Granit vorhanden, in Böhmen z. B. bei Przibram dicht an der Stadt 
selbst; sie ist hier von röthlichblauer Farbe, splittrigem Bruch und ein- 
gemengtem silberweissem Glimmer, wenn gleich zwar die Gränze des 
grossen Granit-Gebiets des südlichen Böhmens kaum 2 Stunden südlich 
von Przibram anzutreffen ist, indem das Dorf Hay bei Pzribram bereits 
auf dem Granit steht, dann zu Skockowitz und Zabichlitz oberhalb Pray 
im Moldau-Thale. Die vielfachen Modifikationen der Grauwacke zwischen 
Ortrand, Königsbrück und Camenz machen jene Gegend für das Studium 
des Werner’schen Übergangs-Gebirges äusserst lehrreich; noch weit 
mehr würde diess aber der Fall seyn, wenn die Punkte, wo festes Ge- 
stein ansteht, nicht zu sehr isolirt und in der tiefen Sand-Bedeckung des 
Landes vergraben lägen und wenn namentlich die häufig vorhandenen 
Berührungs-Punkte voll Granit und Grauwacke mehr durch die Steinbruchs- 
Arbeiten aufgeschlossen worden wären. Nirgends zeigen diese Glieder 
des Lausitzer Übergangs-Gebirges Konglomerat-artige Struktur. Wo sie 
zunächst dem Hornfels sich anschliessen, mit welchem sie zuweilen zu- 
sammen vorkommen, z. B. Hornfels stellenweise mit Thonschiefer bei 
Ossling, sind sie vielmehr feinkörnig oder von flachmuscheligem und 
splittrigem Bruche, homogen, ausser dass sie stellenweise viel Glimmer- 
Blättchen enthalten, die Glimmer-Blättchen klein, doch durch ihre silber- 
weise Farbe sehr deutlich; auch der Horvufels hat stellenweise diese 
Glimmer-Blättchen (Gosswitz, Steinberg bei Königsbrück) ””) hart, klingend 


*) Ihre Bestimmung wie die der übrigen in den folgenden Notizen über die Ober- 
Tausitz erwähnten Gesteine verdanke ich ebenso wie die der Böhmischen Gebirgs- 
arten der Güte des Hrn. Prof. G. Rose, so dass dieselben vollkommen zuver- 
lässig sind, 

. **) Die fast überall in der Oberlausitzer Grauwacke, in dem Hornfels und dem Thoıt- 
sehiefer wie in Höhmen zu beobachtende Anwesenheit der silberweissen Glimmer- 


839 
beim Zerschlagen mit hellem Klange gleich den Phonolithen dergestalt, 
dass Pörscu sämmtliche Grauwacken bei Camenz und Königsbrück als 
Klingstein, ein neuerer Schriftsteller die Grauwacke vom Koschenberg 
und Schwarz-Colmen als wirklichen Phonolith beschrieben hat, meist 
ungeschichtet, wie diess namentlich in der Umgegend von Camenz der 
Fall ist (Wauldberg, dann an beiden Seiten des Mühlgrabens bei Königs- 
brück, Rosenberg bei Lüttichau, Schönfeld, Kalkreuth bei Grossenhayn, 
am Scheihgenberge bei Königsbrück [mit eingeschlossenen scharfbegränzten 
Granit-Partie’n und kleinen gangförmigen Streifen von Normal-Granit]); 
die Grauwacke im frischen Zustande zuweilen schwarz gefleckt, wie z. B. 
solche metallisch glänzende Flecken in der Grauwacke am Neusse-Ufer 
bei Görlitz, am Dubringer und Bichter-Berge, am Holzberge zu Moys 
bei Görlitz, dann zu Vir& in der Normandie vorkommen ; zuweilen aber 
auch geschichtet und dann die Schichten sehr steil aufgerichtet, (Wald- 
berg und Vogelsberg bei Camenz, Weissig (Str. 6,5—7; Fallen 60°) 
Schwebnitz (Str. 6, 5, Fallen sehr steil nach N.), Cunnersdorf (sehr aus. 
gezeichnete Schichtung, Str. h. 7, Fallen 62° nach NNO.), im Pulsnitz 
Thale bei Königsbrück). Die Schichtung tritt besonders da deutlich hervor, 
wo die Grauwacke dichter und erdiger (Rohrsdorf, Zieltsch, Eiskeller- 
berg bei Grossenhayn, Mühlberg bei Schmorkau) auf dem Querbrueche 
wird; sie nähert sich in dieser Modifikation dem Thonschiefer und wird 
endlich zu diesem letzten selbst (zwischen Königsbrück und Tauscha 
ganz dem Dachschiefer von Goslar ähnlich, in sehr dünnen, senkrechten 
NS. streichenden Schichten), Zuweilen findet sich geschichtete und 
ungeschichtete Grauwacke ziemlich nahe aneinander (Gotschdorf bei 
Schwebnitz , Str. b. 5-6; Fallen sehr steil; Schmorkau , Tauscha und 
Sacra bei Königsbrück, Schönbach); Grauwacke ferner mit Dachschiefer 
wechselnd (Krähenhüttebei Schmorkau, Str. h. 4 der senkrechten Schich- 
ten, Eiskellerberg bei @rossenhayn) oder auch Modifikationen, die zwischen 
beiden letzten Gesteinen stehen (Sacra, Str. h. 5, Fallen mit 60° nach SSO,), 
so dass es sichtbar ist wie die Glieder des Überganzs-Gebirges unter 
Umständen sich zu Hornfels, zu Mittelgesteinen zwischen Hornfels und 
Grauwacke (COracau, Raschitz, zwischen Linz und Bloschwitz bei Or- 
trand), zuGrauwacke oder zu Thonschiefer, zuweilen geschichtet, unter 
andern Umständen ungeschichtet gebildet haben. Wo das Gestein sehr 
homogen ist und wesentlich auf einen chemischen Ursprung hinweist, 
findet sich auch wohl statt der Schichtung nur eine sehr unregelmäsige 
Zerklüftung desselben, die an andern angrenzenden Theilen eben derselben 
Felsmasse aufhört (wie z.B. am Schanz oder Burgberg zu Prietitz bei 
Camenz, wo diese Zerklüftung b. 12 streicht). Für das Studium der 
Verhältnisse des Granits gegen den Hornfels und die andern Glieder 
des Werner’schen Übergangs-Gebirges sind namentlich einige Steinbrüche 


Blättchen, das Fehlen umgekehrt eben dort von schwarzen Glimmer-Blättchen, wäh- 
rend der Oberlausilzer Granit vorzugsweise nur dunkelschwarzen Glimmer enthält, 
spricht wenig günstig für die Ansicht der älteren Schule über die Entstehung des 
Übergangs-Gebirges aus dem Granit. : 


54% 


840 


zwischen Ossling und Dubring bei Camenz nicht ohne Bedeutung, da, 
wie ich vorhin bereits angeführt, in ihnen nicht selten Adern von sehr 
deutlichem Normal-Granit in einer Stärke von einigen Zollen bis zu Fussdicke, 
10—15. Schritt lang in dem ungeschichteten Hornfels der Brüche sich 
beobachten lassen; beide Gesteine, Hornfels und Granit, sind stets scharf 
von einander gesondert, selbst dann, wenn der erste keilförmige Aus- 
läufer in den Hornfels, so wie das Melaphyr genannte dunkle Gestein 
des Plauen’schen Grundes in den Syenit sendet; nirgends zeigt sich an 
hrer Begrenzung eine Spur von Beibungs-Konglomerat, eben so wenig 
eine wesentliche Abweichung in der Beschaffenheit des Hornfels von der, 
die man entfernter von den Granit-Gängen in dem Gestein der Brüche - 
bemerkt. Endlich liefert auch die Umgegend von Görlitz, obgleich in 
geringerem Maase als der westliche Theil der Oberlausitz, einige Be- 
achtung verdienende Erscheinungen; in der Nähe der ebengenannten 
Stadt fand ich z. B. vor einigen Jahren in einem durch den Strassen-Bau 
eröffneten Einschnitt in deu Granit eine 2—6‘' breite, theils aus ächtem 
dunkelgrauem Thonschiefer, theils aus einem mehr körniger Grauwacke 
ähnlichen Gestein bestehende, etwa 300 Schritt. weit zu verfolzende 
Lage mitten im Normal-Granit in horizontaler Stellung eingeschlossen. 
Diese Lage war in ihrer ganzen Länge, so weit sie sich verfolgen liess, 
völlig unzerbrochen und ohne irgend eine Spur erlittener mechanischer 
Einwirkung, was bei ihrer Dünne schwerlich ausgeblieben wäre, wenn 
der Granit die ganze Masse als ein Bruchstück aus der Tiefe in die Höhe 
hinaufgeführt hätte. _ k 

Zu diesen Notizen über die Oberlausitz will ich noch hinzufügen, 
dass die Gegend zwischen Grossenhayn, Meissen und der Elbe eine Fülle 
von Punkten darbietet, an welchen rother Quarz-führender Porphyr, Syenit 
und Granit wechselnd und nahe zusammen vorkommen. Leider sind die 
Steinbrüche auch hier so wenig tief und so ohne Bezug auf geognos- 
tische Ausbeute betrieben, dass der Reisende selten glücklich genug ist, 
unmittelbare Berührungs-Punkte dieser drei Gesteine aufgeschlossen zu 
finden. Es ist indessen nicht zu bezweifeln, dass eine ununterbrochene 
Aufmerksamkeit der Sächsischen Geognosten auf den Steinbruchs-Betrieb 
der erwähnten Gegend der Wissenschaft eine reiche Fülle von Thatsachen 
für die gegenseitigen Verhältnisse der krystallinisch-körnigen Gesteine 
und daun auch dieser letzten gegen das Werner’sche Übergangs-Gebirge 
erwerben könnte. So steht z. B. zwischen Göhra und Lenz bei Grossen- 
hayn ein ziemlich grobkörniger Syenit mit vorherrschendem weissen Feld- 
spath an, der ebenso wie der benachbarte von Hohendorf und Dallwitz 
Spben-Krystalle in übergrosser Menge enthält; eine Varietät dieses Syenits 
hat eine feinkörnige Grundmasse, in welcher grössere Feldspath-Krystalle 
von gleicher Farbe Porphyr-artig eingewachsen sind; sparsamer sind, wie 
erwähnt, die Sphenen in dem Syenite von Neuleiss vorhanden. Es ent- 
hält aber der letzte die Hornblende sehr deutlich und spaltbar von graulich- 
schwarzer Farbe, dann weisslichen Feldspath, aber keinen Glimmer und 
keinen Albit. Bei Blochwitz geht in die Masse des dortigen Granits 
neben silberweissem Glimmer schneeweisser Oligoklas und noch ein 


s4al 


zweiter eiwas durchscheinender graulich-weisser Feldspath ein; dasselbe 
ist mit dem Granit von @röba bei Riesa der Fall, in welchem graulich- 
weisser durchscheinender Feldspath, undurchsichtiger graulich-weisser 
Oligoklas, aber kein Quarz vorkommt. Zu Zschanitz bei Grossenhayn 
finden sich Syenit und Porphyr in demselben Bruche anstehend, die 
'Gränze aber war bei meiner Anwesenheit verrollt; dasselbe, ohne dass 
ebenfalls die unmittelbare Gränze aufgeschlossen war, war in den Stein- 
brüchen des Prüsterwitzer Tänicht zu beobachten. — Das feste Gestein 
hört endlich in der Lausitz nicht südlich von der Elster auf. Ausser 
den bisher bekannten nördlichsten Felspunkten am linken Elster-Ufer, 
dem Steinberge bei Schwarz-Coimen in der Nähe von Hoyerswerda 
und dem Koschenberg bei Senftenberg, finden sich noch andere anstehende, 
bisher aber fast ganz den Geoguosten unbekannt gebliebene Felsmassen 
nördlich der Elster. So erheben sich dort z. B. zwei ganz isolirte 
Massen von Kieselschiefer aus dem Sande, von denen die eine die weit 
bedeutendere der Rothstein bei Prestewitz (unfern Liebenwerda) in 
prallem, etwa 60 Fuss hohem Ansteigen und in einer 250 Schritt breiten 
und ungefähr 1000 Schritte langen Ausdehnung in dem sandigen Flach- 
lande des Eilb-Thals das hier ganz unerwartete Bild eines kleinen pit- 
toresken Fels-Gebirges schafft, die zweite viel unbedeutender ist und nur 
einen einzelnen, durch den Steinbruchs-Betrieb schon sehr verminderten 
Hügel zu Fischbach bei Dobrilugk konstituirt; sie besteht aus einem lichte- 
aschgrauen Kieselschiefer ohne fremdartige Beimenguug. Der schwarze 
Kieselschiefer des ARothsteins dagegen zeigt auf den Klüften bäufig mul- 
miges rothes Eisenoxyd und in seiner Masse vertheilt rothe durch Eisen- 
oxyd gefärbte Stellen, dann auf den Wänden der Klüfte noch kleine Quarz- 
Drusen. Beide Kieselschiefer-Felsen weichen in ihrer äusseren Erschei- 
nung wesentlich von den südlich der Elster aus der Ebene isolirt hervor- 
tretenden Grauwacken-Hügeln, welche stets von gerundeter Form sind, ab. 
Der Festigkeit des Gesteins ebenso wie der des Granits, des Hypersthen- 
fels und der Grauwacke am Koschenberg und bei Schwarz-Colmen ver- 
danken diese nördlichsten Fels-Massen am rechten Eild-Ufer ohne Zweifel 
ihre Erhaltung. Zugleich ist es aber auffallend, in dieser Gegend noch 
zwei kleine Ablagerungen von krystallinisch-körnigem Sandstein von höchst 
geringer Festigkeit zu Guteborn und zu Hohen-Bucka südwestlich von 
Ruhland, also schon auf dem linken Elster-Ufer, anzutreffen. Da ‘weder 
Versteinerungen in diesem Sandstein vorhanden sind, noch sonst ein 
Lagerungs-Verhältniss desselben sichtbar ist, so bleibt es zweifelhaft, 
wohin man diese beiden Vorkommen zu rechnen hat. Vermuthlich gehören 
sie ähnlich den isolirt aus dem Sande der Baltischen Ebene hervortre- 
tenden Sandstein-Massen von Konin an der Warthe im Königreich Polen 
und von Schildberg im Grossherzogthum Posen (TuürnageEr), welche 
beide Vorkommen ich nicht aus eigener Anschauung kenne, einem der 
jüngsten Glieder der Tertiär-Formation an, 

Mit Vergnügen sehe ich dem Augenblick entgegen, wo es Hrn. CrEDNER 
vergönnt seyn wird, das Resultat seiner mehrjährigen, mit grosser Be- 
harrlichkeit fortgesetzten Untersuchungen in Thüringen nbgeschlossen, 


842 


dem Publikum vorzulegen, Kann man in der That behaupten, dass in 
der Jugend der Geognuosie es keinen Theil Deutschlands, selbst Sachsen 
nicht ausgenommen, gab, der in Folge der vortrefflichen und für ihre 
Zeit klassischen Arbeiten von Voıgr, Heım und FREIEsLEBENy, welche auch 
jetzt noch den Geognosten einen unerschöpften Schatz von Belehrung 
gewähren, so genau als Thüringen gekannt war, so darf man es zugleich 
beklagen, dass eben dasselbe Land trotz der vielen in ihm zu beobach- 
tenden interessanten geognostischen Verhältnisse in den letzten 25 Jahren 
so völlig vernachlässigt worden ist, so dass wir in diesem langen Zeit- 
raume nur den HH. v. BucHn, Kruc von Nıpvoa, v. Horr und Hrn. Dr. 
Cortı einige kurze Aufsätze verdanken. Es ist also fast allein Hr. 
CkeEDNER, der Thüringen zum Gegenstande seiner Forschungen gemacht 
hat, in welchen er durch die von den verschiedenen Regierungen Thü- 
ringens in allen Richtungen. neuerlichst erbauten vortrefflichen Strassen, 
durch die von Hrn. GLenk in der Ebene am Fusse des Thüringer Wal- 
des unternommenen Bohr-Versuche und durch die günstige Lage seines 
Wohnorts auf das glücklichste unterstützt wurde, so dass wir aus Hrn. 
Crepner’s Händen ein vollständiges, des jetzigen Standes der Wissenschaft 
so wie seiner ausgezeichneten Vorgänger vollkommen würdiges Werk 
über Thüringen zu erwarten haben. Es wird Ihnen vielleicht von In- 
teresse seyn zu erfahren, dass ein zweiter eifriger Naturforscher, Hr. 
C. Nogack, Lehrer an der Handlungs-Schule in Erfurt, von dem vor 
einigen Jahren ein im Auftrage der Regierung bearbeitetes statistisches 
Werk über den Regierungs-Bezirk Erfurt erschienen ist, in welchem auch 
auf die geognostischen Verhältnisse Rücksicht genommen wurde, im Be- 
griffe steht, die in seinem Werke den Keuper betreffenden Notizen revidirt 
und vermehrt zu einer Monographie des Keupers im Begierungs-Bezirk 
Erfurt zu vereinigen, eine dankenswerthe Arbeit, da wir über jene 
Formation in Thüringen gar nichts besitzen und Hr. Noack desshalb 
das Material erst selbst mit grosser Mühe sammeln musste, Hr. CrREDNER 
wird sein Werk über Thüringen wit einer grossen Karte begleiten, die 
allein das Ergebniss eigener Untersuchungen enthalten soll. Es wird 
damit ebenfalis einem sehr wesentlichen Bedürfnisse abgeholfen, da aus 
den älteren Zeiten keine geognostische Karte über Thüringen im grossen 
Massstabe existirt und die von mir versuchte Kombination der aus den 
gedruckten Werken bekannten Thatsachen aus dem aus der ältern Säch- 
sischen Landes-Untersuchung hervorgegangenen Material auf einer Sektion 
der von Sımon ScHropr in den letztern Jahren herausgegebenen grossen 
geognostischen (die Horrmann’sche fortsetzende) Karte von N.-Deutschland 
bei weitem nicht den Grad von Vollkommenheit erreicht, den man jetzt an 
Arbeiten dieser Art zu fordern befugt ist, wenn gleich eben diese Kombination, 
vereinigt mit der aus den Horr’schen Mittheilungen entstandenen Sektion 
Gotha der Horrmann’schen Karte, bis jetzt das im grössten Massstabe vor- 
handene und zugleich voliständigste geognostische Bild von Thüringen 
gewährt. F, E. GuMmPREcHT, 


Neue Literatur. 


—— 


A. Bücher. 
1S41. 


K. C. v. Leonnarn: Geologie, of natuurliike Geschiedents van het uit- 
en in-wendige der aarde, op allgemeen bevuttelijke wijze voorge- 
steld, in drie deelen met plaaten en vignetten, wit het hoogduitsch, 
ie Amsterdam 8°, 1° Atlevering. 


1842. 


K. C. v. Leonuarn: Geologie oder Naturgeschichte der Erde [Jahrbuch 
1841, 686] 22—24. Lief. (od. Band IV, 385—490, mit A Stahl- 
stichen, und Band V, 1—176, 4 Stablstiche und 2 Holzschuitte). 
Stuttgart, 8°. 

A. D’Orzıcny: Paleontologie Francaise, Terrain cretace [Jahrb. 1842, 
455], Livr. xuım —xıvııı, Tome II, p. 1—80, pl. 167 —189. 

— — Paleontologie Frangaise, Terrains jurassiques, Livr. 1—v; 
Tome I, p. 1-80, pl. 1-20. ' 

M. A. F. Prester: die Gestalten der Individuen der unorganischen Natur, 
als Glieder eines Ganzen in ihrem gegenseitigen Zusammenhange 
und in ihren Übergängen konbinatorisch vollständig dargestellt. 
Erste Lieferung: die 1-, 2- und 3fachen vollzähligen Kombinationen des 
isometrischen Systems. 1 Tafel und 1 Blatt Text in Fol. Emden. 

— — tabellarische Übersicht des inneren Baues der Erde, aus dessen 
Naturgeschichte, I. Theil (Mineralogie) besonders abgedruckt, eine 
Tabelle in Folio. 

G. Rose: Mineralogisch-geognostische Reise [v. HumsorLor’s, G. Enßrn- 
BER@’S und G. Rose’s ji. J. 1829) nach dem Ural, dem Altai und 
dem kaspischen Meere , 8°. — II. Band: Reise nach dem südlichen 


: | 844 


Ural und dem kaspischen Meere; Übersicht der Mineralien und Ge- 
birgsarten des Ural. (xvı und 606 SS.) mit 4 Kupfern, 2 lithogr. 
und illum. Karten in 4° und Fol. und eingedruckten Holzschnitten. 
.. Berlin [4 Thlr. 12 Ngr. — Der erste Band erschien 1836, vgl. Jahrb. 

‚1836, 364.]. 

Dan. VÖLTER :- Geognostische Wand-Karte von Deutschland [48° boch 
und 44“ breit] aufgezogen im Umschlag, und Erläuterungen zu der- 
selben, 34 SS. 8°; Esslingen [7 fl. 48 kr. Einer künftigen Edition 
"würde sehr förderlich seyn, wenn auch gleich die Wand mit abge- 
druckt werden we 


B. Zeitschriften. 


1) Geologisch-mineralogische Vorträge bei der italie- 
nischen Gelehrten-Versammlung zu Turin im Sep- 
tember 1840 (Atti della secunda riunione degli scienziati Ita- 
liani tenula in Torino nel Seitembre del 1840, Torino 1841, 50 e 
397 pp. 4°. 1 tav. fol. > Isis 1842, 244—247 [eine nur ganz 
kurze Übersicht; wegen des vorhergehenden Jahrs vgl. 1842, S. 236]. 

G. Guivon:: Theorie über die Verwandlung des dunkeln Kalksteins in 
krystallinischen Marmor oder Dolomit; Diskussionen von SısmonDA 
und Pasını. | 

Domnanovos: fossileKnochen von Simia, Canis, Felis,Rhinoceros, 
Sus, Equus, Bos, Cervus, Capra, 4 Stunden N. von Athen 
gegen den Penthelikon gefunden. 

M. G. Desrine: Erze und Bergwerke in Piemont. 

Cuamousser: metallurgisches Verfahren beim Silber-haltigen Graukupfer 
(Fahlerz) von Presles. 

J. Porro: Instrument zum schnellen Aufnehmen der Bergwerke. 

Pırero: Tertiäre Meer- und Süsswasser-Schichten zu Sta. Ayata bei 
Tortona. 

L. Renpv: Theorie über den Ursprung der,Findlinge in den Alpen.- 

VEneEetz (aus dem Waadt) und Pasını verhandeln darüber. 

Sısmonda: geognostische Karte von Piemont (in Mem. dell’ Accad. di 
Torino, 1840, II). x 

Pırerto: Sekundär-Boden bei Nizza, älter als Lias. 

V. Micnerin (von Paris) geologisches System über Versteinerungen. 

L. Bancuerı: Gold-Gruben von Pestarena im Anzasca-Thal. 

Pırero: Geologische Karte von Ligurien. 

Pasınt: Übersicht der Formationen in verschiedenen Theilen Italiens. 

Barsamo und Fizirer: Geologie von Mailand und Como. 

Eve. Sısmonva: in Piemont gefundene Echiniden [Jahrb. 1842, 751]. 

G. Gumonı: Zinnober bei Serravezza. 

Pasını: Beschreibung der Euganeen. 

— — Geognostische Karte des Lombardisch- Venezischen Reichs. 

Sısmonpa : Meteorstein von Cereseto bei Casale, 1840, Juli 1817. 


845 


A. Zuccasni: geographisch-geognostische Karte von Toscana. 

Acassız: schickt ein Verzeichniss versteinerter Fische Italiens. 

A. perra Marmora: geologische Karte von Sardinien. 

Irıer (in Frankreich): Erdpech-Felsen im Jura bei Pyrimont-Seyssel. 
Das Erdpech ist durch die Wirkung der Hebungs-Kratere auf die 
Kohlenschiefer aus diesen in den ai Boden der Molasse und den 
Grünsand eingedrungen, 

Pereso: über den Volpinit. 

G. D. Narpo: eine sonderbare Konkrezion: Scaranto. Wenn Eisen 
in den thonigen Schlamm der Lagunen bei Venedig fällt, so löst 
es sich auf und verbindet sich mit dem Thon zu Stein. 

Mameıı:: Formation der Tarentaise. 

Pasını: Schichten-Stürze in der Kreide-Formation des Vicentinischen. 

Parero : Topographie der ligurischen Apenninen. 


2) Verhandlungen derschweitzerischennaturforschenden 
Gesellschaft bei ıhrer 26. Versammlung in Zürich im 
August 1841 (316 SS., Zürich 1842) enthält Verhandlungen der geo- 
logischen und a Nosischen Sektionen Ivel. Jahrb. 1842, 320). 

J. der allgemeinen Versammlung. 

Acassız : über die Skutellen, S. 53—54. 

Escher v. D. Lintu: Geologie des Kanton Glarus und seiner Umgebung, 
und Diskussionen von StTUDErR u. A., S. 54—63. 

Herm. v. Meyer: fossile Knochen, S. 62 und 67—68 [schon im Jahrb.]. 

Larpy: über den Waadländischen Jura, S. 63. 

Acassız : legt lebend und fossil ganz identische Konchylien aus England 
vor, S. 63—65. 

Desor: über Galerites und Disaster, S. 65. 

EscHer v. 0. ListH: über Lusser’s Profil von den Ufern des Vierwald- 
stätter-See’s , S. 66. 

Asassız: Gletscher in Schottland, S. 68. 

Desor , DE CHARPENTIER , Guvor und Acassız: Gletscher-Erscheinungen 
der Schweitz, 8. 69—73. 

Cu. Larpy: Bericht über die Überschwemmungen in nn Kantonen Uri, 
Wallis und Tessin, S. 164—195. 

ll. der Kantonal- Goslar in Basel 1840—41. (Nur sehr kurze An- 
gaben, S. 221.) 

III. der Kantonal-Gesellschaft in Bern während 1840—141. 

MeErer: a in Bergkrystall von Kipa’; Alabaster von 0: 
lina, S. 224—225. 

Stuper und Mousson gegen Acassız’s Gletscher-Theorie , S. 226. 

— — Magnesit in Serpentin von Elba, S. 227. 

IV. der Kantonal-Gesellschaft in Genf während 1840—41. 

Arpu, Favre: über den Anthrazit der Alpen in Tarentaise. Zu Petit- 
coeur liegt die Schichte mit Pflanzen der Steinkohlen - Formation 


846 


zwischen zwei Schichten mit Belemniten des Lias, was er herleitet, 
von einer seitlichen Zusammendrückung und einer Eintreibung der 
ersten zwischen die letzten, S. 245. 

V. der Kauntonal-Gesellschaft zu Neuwchatel während 1840—41. 

Desor : physikalisch-meteorologische pe am Aar-Gletscher, 

S. 247—248. 

Guyor: Lagerung des Neocomien, S, 248. | 

Acassız : Gletscher-Spuren in England, S. 248. 

— — Gyps-Abgüsse von Versteinerungen, S. 248. 

— — Zustand der Gletscher im Winter, S. 249. 

Gressry: Bohnerz-Lager oder Siderolith-Gebirge des Jura, S. 253-—255. 

VI. der Kantonal-Gesellschaft zu Lausanne während 1840—41. 

Larox: fossile Knochen der Gegend, S. 267. 

Brancuer: verkohltes Holz, S. 268. 

CHavannzs: ein vegetabilisches Mineral von Madera, S. 268. 

Larpy: erratische Blöcke in Wallis, S. 268. 

— — Geologie des Waadländischen Jura, S. 268—270. 

WARTManN zeigt Mineralien vor, S. 271. 

VII der Kantonal-Gesellschaft in Zürich, während 1840—41. 

D. Wiser zeigt Mineralien vom Gotthard, S. 276. 

Lintu-Escher über Acassız’s Gletscher-Hypothese, S. 276. 


3) Mineralogische Vorträge bei der Versammlung deut- 
scher Naturforscher in Maynz vom 19.—26. September 1842 
(nach den Tageblättern dieser Versammlung u. a. Quellen). 

v. Kriestein: über Dolomite der Lahn-Gegenden. 

— — über die in Basalt eingeschlossenen und veränderten Primitiv- 
Gesteine des Odenwaldes. 

ZaMINER: über körnigen Kalk bei Darmstadt. 

G. Jäser: über einige Reptilien- u. a. Reste des Keupers. 

F. Krauss: geologische Verhältnisse u. Versteinerungen des Kap-Landes. 

Fromnerz : über Diluvial-Gebilde des Schwarzwaldes. 

Brvm: über Pseudomorphosen und damit verbundene Erscheinungen. 

LorTErT: Erscheinungen an einem erratischen Block. 

Kurr: über einige Fossilien aus Muschelkalk und Keuper. 

Ar. Beaun: Zusammenstellung der gegenwärtigen, diluvialen und ter- 
tiären Mollusken des Rhein-Thales und insbesondere des Maynzer 
Beckens. Ä 

Herm. v. Meyer: die fossilen Wirbelthiere des Maynzer Beckens 

— — über eine zweite Art Rhinozeros mit knöcherner Nasenwand 
aus dem Rheinischen Diluviale [Jahrb. 1842, 585 f.]. 

Leuse: Einfluss der Chemie auf die Geognosie im Allgemeinen, und 
Erklärung der Bildung des Dolomits und der dolomitischen Kreide 
insbesondere. 

Kurg: über fossile Pflanzen aus dem Keuper. 


847 


Gorpruss: Schädel-Bau von Mosasaurus nach einer neuen Art. 

G. Sınperrger: paläontologische Verhältnisse der älteren Formationen 
Nassau’s. 

SchueLer: Umwandlung von Gyps-Krystallen in kohlensauren Kalk 
(Schaumkalk).  QUIRS | 

LeeLanc: über Gerölle von altem Gletscher-Boden. 

ZeuscHhser: chemische Zusammensetzung des Bindemittels in: Flysch 
oder Macigno. 

Rormer: geognostische Verhältnisse des Harzes, eingesandt [= S. 820]. 

Haıvinger: über die Mineralien- Sammlung der K. K. Hofkammer im 
Münz- und Berg-Wesen (eingesandt). 

K. Vosr: Beobachtungen in den Alpen-Gletschern. 

NoEGGERATH: über eine neue Breccie im Rhein-Bette. 

— — zeigt ein Relief vom Siebengebirge. 

Bromzis: zeigt Pnırıper’s Relief vom Vesuv. 

L. v. Buc#: Erläuterung vulkanischer Verhältnisse daran. 


4) The London, Edinburgh and Dublin Philosophical Ma- 
gazine and Journal of Science, London, 8° [vgl. Jahrbuch 
1842, 597]. 


1842, Mai, Juli; XX, v, vıa. Suppl. —; no. 132—134, p. 353—606. 


Mıtrrer: Eigenschwere von Schwefel-Nickel (Haarkies), S, 378—379, 
Proceedirgs of the Geological Society: 
Buckranns Jahrtags-Rede am 19. Februar 1841, S. 418—434. 
Proceedings of the royal Irish Academy, 1841, Jan. 11. 
Tu. H. Porter: Kies-Ablagerungen bei Dublin, S. 434—435. 
Miszellen: (Mineral-Analysen aus zweiter Quelle, den Annal. d. Min.) 
S. 440—445. i 
H. N. Newıns: Neues Konglomerat an der See-Küste um Eisen gebildet, 
S. 446—447. 
Wm. Brown: Einfluss der Luft-Strömungen auf Barometer-Stand, S. 457 
— 1469. 

— — Mittler Luftdruck in verschiedenen Breiten, S. 469—472. 
Proceedings of the royal Society of London 1842, Jan. 20 — März 10. 
Hopkins’: Untersuchungen über physikalische Geologie, 3€ Reihe, S. 

SABINE: Beiträge über Erd-Magnetismus, S. 
Proceedings of the Geological Society of London, 1841, Febr. 19. 
Bucktann’s Jahrtags-Bede, Fortsetzung (ein Auszug über BuckLann’s 
und Lyerr’s Beobachtungen über Gletscher-Erscheinungen in Bri- 
tannien etc.) , S. 512— 528. 
Neue Mineralien [aus Berzerrus Jahresbericht und Erpmann’s Jour- 
nal], S. 530—534. 
Proceedings ef the Geological Society: 1842, Febr. 18, 
Murcnıson: Jahrtags-Rede. 


848 


1842, July, Aug.; XXI, 1, u; no, 135, 136, p. 1—160. 
D. Wırrıams: Ergänzende Bemerkungen über die wahre Lagerung des 
Cornischen Killas im devonischen Systeme, S. 25—29. 
(Einige Mineral-Analysen aus deutschen Zeitschriften.) 
Proceedings of the Geological Society of London , 1841, Nov. 3—17. 
A. Sepswick: Supplement zur Übersicht von der englischen Reihe 
geschichteter Felsarten unter dem Old red Sandstone, mit zusätz- 
lichen Bemerkungen über die Kohlen-führende Reihe und den 
Old red Sandstone der Britischen Inseln, S. 141—150. 
Erdbeben in Cornwall am 17. Februar 1842, S. 153—156. 


5) J. Fr. L. Hausmann: Studien des Göttingischen Vereins berg- 
männischer Freunde, FREUE: 8° [vgl. Jahrb. 1842, 435] 
enithalten ‘in: 

1842, V, 1, S. 1—104, Tf. 1, m. 

Schuster: Geognostische Beschreibung des Stemmer Berges, mit 1 
Karte, S. 73—78. | 

J. Fr. L. Hausmann: Vorkommen des Gypses bei Stadt-Oldendorf , 
79—82. | 

-. — Glasiger Feldspath im Basalt des Hohenhagens zwischen Göttingen 
und Münden, S. 83—90. 

— — über den Tachylith von Säsebühl bei Dransfeld, S. 91—104. 


) A. Rıvıere: Annales des sciences geologiques; ou Ar- 
chives de Geologie, de Mineralogie, de Paleontologie 
et de toutes les parties de Geographie, d’Astronomie, 
de Meteorologie, de Physique generale etc., qui se 
rattachent directement a la Geologie pure et appli- 
 quee, Paris 1842, 8°. Nro. 7 [uns noch nicht zugekommen], 


C. Zerstreute Aufsätze. 


P. Bertuier: Note über Bromsilber-Erz aus Mexico und Chili, 
eine Fortsetzung von S. 341 [ann. chim. phys., 1842, C, IV, 165—177). 

GörrERrT: über einen unterirdischen bei Breslau entdeckten Wald 
[= Jahrb. 1842, 250] in: Übersicht der Arbeiten und Verände- 
rungen der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur, i. J. 
1841, 4°, S. 81-86. 


ZuSz u 0 e. 


A. Mineralosie, Krystallographie, Mineralchemie. 


Kranz: Vorkommen von Eisenglanz und Eisenkies auf 
Elba (Karsten und v. Decuen Archiv für Mineralogie u. s. w. XV, 
405 ff.). Die berühmte Grube von R:o liegt an der Ost-Küste der Insel, 
zwischem dem Mte. Fico und Mite. Giove an einem Hügel, dessen 
östlicher und nordöstlicher Abhang aus mehr und weniger charakteri- 
stischem Glimmerschiefer, der westliche und nordwestliche Abhang aber 
aus Apenninen-Kalk besteht. Die in Glimmerschiefer umgewandelten 
Gesteine zunächst über der Marina di Rio lassen sich nieht sehr weit 
in dem zur „Miniera“ führenden Weg hinauf verfolgen; sie treten hier, 
unter dem Einflusse zweier eruptiven Gebilde, in sehr verändertem Zu- 
stande zu Tag ; denn während höher hinauf Eisenglanz erscheint, ist die 
Grundlage von Serpentin zusammengesetzt. Es muss der Serpentin- 
Bildung jene des Eisenglanzes vorangegangen seyn, da der gehobene 
Glimmerschiefer viel Eisenglanz enthält, der Serpentin sich, dagegen 
stets frei davon zeigt. An. der Grenze mit dem Serpentin tritt der Glim- 
merschiefer. als ein mit quarzigen Ausscheidungen erfülltes, schr rei- 
ches, bald thoniges, bald kalkiges, zertrümmertes Gestein auf, ohne 
vegelmäsige Schichtung. Je mehr er sich dem ihn durchtrümmernden 
Eisenglanze nähert, desto geringer wird seine Festigkeit, bis er zu 
einem gelben Kalk sich umändert , der, wo derselbe mit dem Eisen in 
Berührung kommt oder von ihm durchzogen wird, oft als rother oder 
gelber Eisenocker sich darstellt. Mitunter behalten jedoch die Schiefer 
auch ihre Struktur und Festigkeit und werden im Gegentheil noch härter; 
stets aber zeigen sie sich an der Grenze durch rothes Eisenoxyd ge- 
färbt. Im Piano delle Fabriche befindet er sich in einer geräumigen 
Pinge. Die begrenzenden Wände sind die durch den Abbau hervor- 
gebrachten sehr steilen Einstürze, an welchen Eisenglanz den Glimmer- 
schiefer in solcher Menge erfüllt, dass er stellenweise vorwaltet. Die 
östlich von jener Ebene hinaufgehende Wand besteht aus mit Quarz 
häufig gemengtem Eisenglanze , so dass er fast nur Drusen bildet, welche 


s50 


durch die bunt angelaufene Fläche der Krystalle schon lange als Zierde 
der Mineralien-Sammlungen dienen *). — An der Wand, die Pinge nach 
N. umgebend, sind die Eisen-Vorkommnisse Quarz-freier. Die Krystalle 
in Drusenräumen stellen sich als sehr flache Rhomboeder dar und er- 
scheinen oft kupferfarbig angelaufen, auch rein schwarz, schön glän- 
zend und sodann stets mit weissem Steinmark dicht bedeckt. Die bloss- 
gelegten Wände bestätigen an mehren Stellen die Ansicht einer feu- 
rigen, beim Entstehen des Eisenglanzes thätig gewesenen Einwirkung; 
so bildeten sich hier u. a. da, wo Schiefer und Eisen sich nähern, 
viele Höhlungen, deren Wände ein stark gefrittetes, oft sogar ge- 
schmolzenes Ansehen haben. — Die Wand gegen W., von der nörd- 
lichen durch eine hoch herausragende reine Glimmerschiefer - Partie 
von weisser Farbe geschieden, ist in ihrer obern Abtheilung reich an 
gutem Material, besteht aber ausserdem meist aus grünlichem weichem 
Glimmerschiefer, der als mächtiger Streifen von O. nach W. in gerader 
„Richtung durch die Eisen- Ablagerung setzt und vielfach von Eisen- 
glimmer begleitet wird, welcher in seinen Drusen wieder Eisenkiese 
in unübertroffener Schönheit enthält. Der „fein-blätterige Eisenglanz“ 
macht ein vom gewöhnlichen völlig gesondertes Vorkommen aus. Von 
einem Hauptgange sich verzweigende Gang-artige Trümmerchen, die 
nicht über den „chloritischen“ Glimmerschiefer in den anlagernden Eisen- 
glanz hineinsetzen, zeigen die Eisenglimmer-Massen so, dass sie an 
jeder Seite des Trumes oder Ganges sich gleich mächtig anlagern, in 
der Mitte aber scharf ablösen. Die so gebildeten Drusen und Ab- 
lösungen lassen stets noch einzelne Flächen an den Blättchen durch 
Spiegeln erkennen : sie sind stets in den verschiedenartigsten Farben 
angelaufen und gewähren so ein dem Auge sehr gefälliges Ansehen. 
Durch bauchige Erweiterungen dieser Trümmer werden oft Drusen ge- 
bildet, die seltener Schwefel im reinen gelben erdigen Zustande, häufig 
aber Eisenkies, in einzelnen Krystallen dem Eisenglimmer aufsitzend, 
zeigen: sie zeichnen sich durch ihre Formen und den Glanz ihrer Flä- 
‘chen sehr aus; vorwaltend treten Pyritoeder auf in Kombinationen mit 
dem Oktaeder und Triakisoktaeder. Die Ausdehnung dieser verschieden- 
artigen Fläche ist höchst ungleichartig, bald walten die einen vor, bald 
die andern; den stärksten Glanz besitzen die Flächen der beiden letz- 
ten, während die Pyritoeder- Flächen ganz matt oder auch fast rauh 
sind. In der Nähe der Eisenglimmer-Schnüren erscheinen die Schiefer in 
ein Talk-artiges, leicht zerreibliches, Eisen-reiches Gestein zersetzt; in 
ihm finden sich in zahlloser Menge kleine Eisenkies-Krystalle einzeln, 
theils als Zwillinge, oder zu Gruppen vereinigt. Weiter nach der Tiefe 
zu konzentriren sich die Eisenkiese mehr zu amorphischen Gebilden, 


*) Die Quarz-Beimengungen machen das Erz zum Verschmelzen untauglich, wenig- 
stens für so lange, als man besseres Material in grösster Fülle hat; es wurde 
daher hier nur periodisch, namentlich in der Jahr-Herrschaft Napotron’s auf 
Stufen gebrochen , die er bevorzugten Personen zum Geschenk machte. 


851 


nur hin und wieder treten sie in kleinen oktaedrischen, glanzlosen Kry- 
stallen wieder auf und verschwinden endlich unter Eisen-Gerölle und 
Sand-Lagen. — Die Glimmerschiefer (Savr’s Verrucano) enthalten allein 
die Abbau- würdigen Eisenerz-Massen. Sie setzen den, Miniera di 
Ferro genannten, Hügel bis zu drei Viertheilen zusammen; nur der 
westliche Abhang besteht aus Kalkstein, in welchen das Eisen zwar 
eindringt, aber nie weit hineinsetzt. — Die Gesteine des nördlichen und 
nordöstlichen Gehänges sind vorherrschend quarzig. Es scheinen im 
Ganzen die nämlichen Verhältnisse statt zu finden, wie in der bebauten 
Miniera. Die Eisen-Erze nehmen stellenweise so überhand und breiten 
sich so aus, dass der Glimmerschiefer gleichsam nur in kleinen auf 
ihnen schwimmenden Inseln zu sehen ist. Man trifft die Eisen-Erze in 
zersetztem Zustande meist als Braun-Eisensteine, Aller Eisenglanz, wie 
er in dem westlichsten Abbau zu seben ist, zeigt sich in der Nähe des 
Kalksteins nicht nur auf der Oberfläche, sondern bis tief in die auf- 
geschlossene Masse hinein zu Braun-Eisenstein umgewandelt; dieselbe 
Änderung erlitten die Eisenkies-Krystalle, deren Kern oft noch unver- 
ändert erscheint. 


Rammeusgerg: Zerlegung des Bitterspathes (Miemit) von 
Kolozoruk bei Bilin in Böhmen (Bammeısgere’s Handwörterb. I, 95). 
Vorkommen in kugelig-zusammengehäufter Masse, welche aus kleinen 
Krystallen bestehen. Gehalt: 

Kohlensaure Kalkerde : i & 4 60,996 


> Talkerde : a N \ 36,530 
Kohlensaures Eisenoxydul ; 5 - 2,742 
100,268 


A. Breitumvpr: über Kalkspath und Arragon (PoccenD. Ann. 
d. Pbys. LIV, 156). Beide Mineralien finden sich nicht selten zusammen; 
das folgende Vorkommen dürfte indessen als besonders bemerkenswerth 
gelten. Um das Jahr 1797 blieb der Betrieb eines Stollens liegen, der 
zu Stenn bei Zwickau nach der Eisenstein- Grube Neugeboren Kind- 
lein geführt werden sollte. Er ist in sogenanntem „grünem Mandelstein“ 
und „Grünstein“ getrieben, welche in Blasenräumen und Gang-Schnüren 
viel Kalkspath enthalten. Im Jahr 1840 wurde der theils zu Bruch ge- 
gangene Stollen wieder gesäubert, und man fand an verschiedenen Stellen 
in der Sohle besonders da, wo sich die Wasser gestaut hatten, dicke 
Massen von Kalksinter gebildet. Dieser Kalksinter besteht zugleich aus 
Kalkspath und Arragon, so dass einer dieser Körper nach dem andern 
abwechselnd entstanden seyn muss, nicht etwa, dass der eine aus der 
Zerstörung des andern hervorgegangen. In manchem Handstücke wech- 
seln Kalkspath und Arragon lagerweise dreizehnmal mit einander. Der 
Stollen, welcher überhaupt sehr wasserreich ist, soll kurze Zeit nach 
starkem Gewitter so wie nach Tliauwetter besonders viel Wasser- 


852 


Abfluss zeigen. Vielleicht ist die Temperatur dieser Sommer- und Winter- 
Fluthen Ursache , dass sich bald Arragon, bald Kalkspath absetzt. 


SıuvacE: Analyse des Oxforder Thones und der unter 
dem Namen Craie tufau bekannien Kreide-Abänderung aus 
dem Ardennen-Departement (Ann. des Mines, 3me Ser. XX, 201 etc.) 
Der Provinzial- Ausdruck für die der Craie tufau oder dem oberen 
Grün-Sandstein entsprechende Felsart ist Gaize. ; 

; Oxforder Thon. Craie tufau. 


‚Wasser . 4 Ä : - ; 5 0,070 : 6 0,076 
0 =f KRieselerde . - i k 0,050 al de 0,105 
Eisen-Protoxyd . i a 0,015 , . : 0,020 

Silikate {| Thonerde . . : i 0,010 : - ..0,017 
Kalkerde . =: 1 0012 ee 

Talkerde und Alkalien 0,006 i ß 0,008 

Gelatinöse Kieselerde . a de E 0,562. . 0,679 


Thon und Kieselerde . ; ringe 0,2 75a (Sand 0,080 


—— 


Esermen: Zerlegung des Kalkes von Bucey-les-Gy in der 
Nähe der Departemental-Strasse von Vesoul nach Gray (loc. 
eit. p. 218 ss.) Der Kalk tritt an der Grenze der dritten Etage des 
Jura-Gebildes und des Terrain neocomien auf. Seine Schichten fallen 
unter 15—18°. Gehalt: | 


Kohlensaure Kalkerde Sa: , : 48,5 


5 Talkerde . : ; 40,5 
Kohlensaures Eisen . 3 ; . 1,6 
Eisen-Peroxyd . 2 S.-. - 1,4 
Auflösbare Thbonerde 3 ? 3 0,6 
Wasser und Bitumen.  . . . 1,6 
Thon . \ ; oae) allg ° sende 

| 100,0 


E. F. Grocker: über den Wasserkies. und dessen Vor- 
kommen in Mähren und Schlesien (PocGenp. Ann. d. Ph. LV, 489 ff.). Der 
Wasserkies (weich. Eisenkies) wird fast in allen neueren Mi- 
neral-Systemen unberücksichtigt gelassen ; er ist sowohl vom Eisen- 
kies (Schwefelkies), als vom Grau-Eisenkies (Speerkies, 
Strahlkies, Leberkies u. s, w.) bestimmt verschieden. Der Verf. 
geht in ausführliche Schilderung des Wasserkieses in der Quader- 
Sandstein-Formation von Alt-Moletein und Budigsdorf in Mähren ein; 
er beschreibt dessen Vorkommen in der Braunkohle von Zublinitz in 
Ober-Schlesien und in jener von Schönstein bei Troppau. Die Resul- 
tate seiner Untersuchungen sind folgende: 

1. Der Wasserkies ist eine aus Wasser-haltigem Schwefeleisen 


855 


(Schwefeleisen-Hydrat) bestehende Substanz, welche sich ausser dieser 
Zusammensetzung auch durch ihre physischen Eigenschaften, besonders 
durch beträchtlich geringere Härte und Sprödigkeit, durch viel geringere 
Eigenschwere u. s. w. von den ihr nahe verwandten Gattungen des 
Schwefel- und Grau-Eisenkieses bestimmt unterscheidet. Das 
Wasser ist, allen Anzeigen nach, chemisch mit dem Schwefeleisen ver- 
bunden und daher wesentlich, Wie aber der ch Gehalt überhaupt, 
wo er wesentlich ist, bedeutende Änderungen in sonst gleichen chemi- 
seben Substanzen heine, z. B. im Opal verglichen mit Quarz, 
im Gyps im Gegensatze zu Anhydrit u, s. w., so ist nicht zu ver- 
wundern, dass das Schwefeleisen ohne und das Schwefeleisen mit Wasser 
auch in ihren physischen Eigenschaften verschieden sind. 

2) Der Wasserkies kommt häufig in Verbindung mit Grau-Eisen- 
kies, zuweilen, jedoch seltnuer, mit Schwefelkies vor; möglich, dass er 
aus einem oder dem andern entsteht, 

3) Krystalle sind bei dem Mineral bis jetzt nicht vorgekommen. 

4) Im Allgemeinen ist Wasserkies zu Zersetzung und Vitriolesziren 
sehr geneigt; er wird dabei zuletzt schwärzlich, grau oder schwarz. Unter 
sonst gleichen Umständen vitrioleszirt derjenige besonders leicht, wel- 
cher auf seiner natürlichen Lagerstätte sich lange in feuchtem Zustande 
befunden hat, dessgleichen der in Braunkohle vorkommende. 


Durrenoy: krystallographbische und chemische Ünter- 
suchung des Villarsits (Comptes rendus des seances de V’Acad. d. 
scienc., XIV, 697 cet.). Die Substanz, zu ehrendem Andenken des Ge- 
lehrten benannt, welcher eine Naturgeschichte des Dauphine lieferte, 
wurde von BERTRAND DE Lom zu Traversella in Piemont auf einem 
Magneteisen-Gange entdeckt. "Die begleitenden Mineralien sind: blätte- 
ıiger Dolomit, Quarz, Glimmer und dodekaedrisches Magneteisen. Der 
Villarsit bildet kleine krystallinssche Adern, welche in sehr regelloser 
Weise den Gang durchziehen, und, wo Drusenräume vorhanden sind, 
trifft man denselben krystallisirt, Farbe grünlich- gelb; Bruch körnig. 
Kernform: eine gerade rhombische Säule mit Winkeln von 119° 59‘. 
Die vorkommenden Gestalten sind entscheitelte rhombische Oktaeder. 


Chemischer Gehalt: \ 
Kieselerde A ; ; } 2 39,60 
Talkerde . ö \ Ä A . 47,37 
Eisen-Protoxyd SUPER LE 3,39 
Mangan-Protoxyd . ’ Das: 2,42 
Kalkerde . ; i 3 . 1 0,53 
Kalı . - 5 ; - h ; 0,46 
Wasser ; n ; 3 ‘ E 5,80 


99,77 
Die Formel wäre: 4 Mg. S-+ Ag. — Ohne den Wasspiepebali.h pa? 
das Mineral eine dem Chrysolith ähnliche Zusammensetzung. 


Jahrgang 1842. Hub) 


834 


W. Hainincer : über den Ixolit, cin. Mineral aus dem Ge- 
schleehte'der Erdharze.' (Posernp. A. d. Pb. LVI, 345 fi.) Vor- 
kommen bei Oberhart unfern Gloggniz in Nieder- Oesterreich. Füllt 
Längen- und Quer. Sprüuge-in. bituminösem Holze; manchmal den Hartit, 
wovon die Substanz begleitet wird, berührend, aber scharf durch Struktur 
und Farbe davon geschieden. Derb; ohne Spur von krystallinischem 
Gefüge: Mehre von den grössern Massen schliessen bei etwa einem 
halben Zoll Dicke hohle Räume ein, wie man sie sich durch Gäsblasen 
hervorgebracht vorstellen kann, die in einer zähen Flüssigkeit stecken. 
Bruch vollkommen muschelig, dureh Zwischengrade in den erdigen sich 
verlierend,, da wo die Massen kleiner sind. Fettglänzend, Hyazinth-roth; 
die pulverigen Abänderungen so wie das. durch Zerreiben erhaltene Pulver 

.ockergelb oder gelblich-braun. Die muscheligen Splitter stark an den 
Kanten durchscheinend. Milde; lässt sieh leicht und unter Entwicklung 
“eines sehr aromatischen Geruches zwischen den Fingern zu Staub zer- 
drücken. Ritzt Talk nicht, wird: auch nicht davon geritzt. Gewicht 
— 1,008. Der Name Ixolit hat Beziehung auf die Eigenschaft, bei der 
Auflösung durch Wärme zähe zu werden: 


R. Hermann: über Ural-Ortbit, ein neues Mineral (Bull. 
d. natural. d. Moscou; 1841, 544—49). Dasselbe stammt von Miask 
im Ilmen-Gebirge und war für Tschewkinit ausgegeben worden, 
ist aber spezifisch leichter. Das untersuchte Stück wog 84 Unzen, war 
nierenförmig, ohne Spur von Krystallisation und nur durch kleinere Par- 
tie’n Fleisch-rotben Feidspatbes und kleiner Zirkon-Krystalle verunrei- 
nigt. Eigenschwere im Ganzen = 3,33, in ganz reinen Partien = 
3,41; Härte der des Feldspatbes nahe; Bruch klein- und flach-muschelig ; 
schwarzbraun; undurchsichtig oder nur an den äussersten Kanten etwas 
durchscheinend; harzglänzend. Vor dem Löthrohr bei schwacher Hitze 
unveränderlich, bei stärkerer an den Kanten schmelzend zu einem bla- 
sigen schwarzen Glase mit Blumenkohl-ähnlichen Verzweigungen. Im 
Kolben unveränderlich, doch etwas Wasser gebend. Mit Borax in der 
Oxydations-Flamme zu gelbem, nach der Abkühlung farblosem Glase 
löslich; in der Hitze der Reduktions-Flamme grünlich werdend. Von 
Phosphor-Salz schwierig angreifbar, doch endlich unter Eisen-Reaktion 
mit Hinterlassung von Kieselerde löslich. Gibt ein grünlichgraues 
Pulver, welches beim Glühen an der Luft rothbraun wird. Das sorg- 
fältig geschlämmte Mineral wird durch konzentrirte Salzsäure vollständig - 
zersetzt; nach: Verjagung der überschüssigen Salzsäure gelatinirt die 
Lösung. Die Zerlegung ergab eine der des Orthites nach zwei Zer- 
legungen von Berzeuıus sehr ähnliche Zusammensetzung, wie folgende 
Vergleichung zeigt: 


Orthit von . Üral-Örthit von 

Finbo.  ‚Goltliebsgung. Miask. 
Kieselerdge, . .. . ME; . .3695,, ...3200 :. 2519 
Kalkerde.. ‘> .,. .uE . .0489 . . .0784 . » .0925 
Thonerde > 27, Vo 291400. . .1480 . . .1821 
Cereroxyd . Bir) 7 ke 
Lanthan- Oxydul ; 123 ’ . ‚1944 . D ,1739 
Eisenoxydul . . .. « ..L1iA2. er BB .  .1303 
Manganoxyd . . .. | . .0136 . . .0340 . .  .0237 
Prierende‘  ..: mn . .0380 , 08445, - -.0000 
Magnesia .: 2. 2... . .0000 . ....0000 . . ..0206 
Wasser: 3.400: 3141) ...0870 . 0 ... 0200 
Morkust so... 3. .., 0... :0219 250138, . ..0020 
SUMME... ı. -... 00h . 1.0000 . | . 1.0000 . | . 1.0000 


Die Verschiedenheiten beider Mineralien mögen theils nur scheinbare 
seyn, wie der Mangel des Lanthan- Oxyduls im Orthit, da solches das 
Cerer sonst überall begleitet; — theils sind sie wesentliche, wie die 
Ersetzung der Yttererde durch Magnesia und der geringere Wasser- 
Gehalt, wesshalb der Ural-Orthit beim Erhitzen nicht gleich den Orthit 
aufschwillt. 


B. Geologie und Geognosie. 


Erıe pe Beaumont: Wirkung der Zentral-Wärme und der 
äussern Kälte auf die Gletscher-Bildung (Soc. philomat. 
1842, Juli 30 > Vlnstitut. 1842, X, 291—292). 

I. Zentral-Wärme. Die Zunahme der Wärme im Innern der 
starren Erd-Rinde veranlasst eine beständige Ausströmung von Wärme, 
welche durch diese Rinde nach Aussen geht und sich zerstreut. Nennt 
man g den Bruchtheil eines Wärme-Grades, um welchen die Wärme auf 
je 1 Meter Tiefe grösser ist, und k die Leitungs-Fähigkeit der Erd- 
Rinde, so hat jener Wärme-Strom zum Maase das Produkt gk, und er 
würde in einer Einheit von Zeit eine Eis-Schichte schmelzen können, 


ok 
deren Dicke —. 75 wäre, Schon vor einigen Jahren hat nun der Vf. 


diese Menge für den Boden des Pariser Observatoriums zu berechnen ge- 
sucht und gefunden , dass die dortige Wärme-Ausströmung jährlich eine 
0n0065 (63 Millimeter) dieke Eis-Rinde schmelzen könnte, welches Er- 
gebniss dann auch Poısson 1837 in einem Nachtrag zu seiner mathe- 
matischen Wärme-Theorie aufgenommen hat. Mit den Werthen von k 
und g könnte nun an verschiedenen Stellen der Erd-Oberfläche auch jene 
Grösse wechseln; doch kann diess nicht viel betragen, und man wird 
daher nicht viel fehlen, wenn man annimmt, dass die ausströmende 


39° 


856 


Zentral-Wärme an jedem Punkt auf der Erd-Oberfläche jährlich’ 64 Mil. 
lim, Eis: schmelze. ' Diese Wärme-Menge gelangt eben so wohl an den 
Grund der Gletscher’, wie der Meere u. s.' w. An den Gletschern kann 
sie je nach den Uniständen [deren Temperatur unter 0 u. s. w.] ent- 
weder ganz auch durch sie hindurchdiingen und sich an ihrer Oberfläche 
zerstreuen, oder kann ganz zur'Schmelzung des Eises dienen, oder kann 
theilweise jenes und dieses thun, m kann also als Maximum 
nur 6 Millim. Wasser jährlich, oder 4 Millim. monatlich von der Aus- 
dehnung der vorhandenen Schnee- und Eis-Schichten een mithin nicht 
mehr als ein ganz unbedeutender Regenschauer. 

Die Wasser-Menge dagegen, welche die Sonne und die atmosphä- 
rischen Agentien liefern, ist viel grösser. Nach BereHaus (physik. Atl.) 
fällt in den höhern Theilen der Alpen jährlich 35‘. oder 947 Millim. 
Wasser als Schnee und Regen. Da nun die Schnee- und Eis-Menge in 
den Alpen schon seit langer Zeit gleichbleibend ıst, oder eher ab- als 
zu-nimmt, so muss die jährlich daraus abfliessende [und verdunstende] 
Wasser-Menge jenem Niederschlag gleich seyn, oder ihn noch übertreffen, 
wenn man ihn nur mit der von Schnee und Eis wirklich bedeckten Ober- 
fläche vergleicht und berücksichtigt, dass es viele so steile Stellen gibt, 
auf deneu dergleichen nicht haftet, sondern in die Schluchten und Thäler 
hinabgleitet. Es wird daher nicht zu viel seyn, wenn man diesen jähr- 
lichen Abfluss aus den Schnee- und Eis-bedeckten Flächen auf 1200 Millim. 
anschlägt. Dieser ganze Abfluss ist aber eine Folge äusserer Einwir- 
kungen und fällt mithin auch gänzlich in die 6 Sommer- Monate (200 
Millim. monatlich), wo dieser äussere Einfluss wirksam ist, indem die 
Quote jener 6 durch die Zentral-Wärme geschmolzenen Millimeter, welche 
dazu kämen (4 Millimeter monatlich), fast verschwindend klein ist, 
da sie nur zd, von voriger ausmacht. Es ist daher ganz im Einklange 
mit der Theorie der Zentral-Wärme, wenn die Gletscher im Winter nur 
-sehr schwache Adern klaren Wassers liefern (vgl. S. 737), und spricht 
keineswegs dagegen; ja diese Adern sind stark genug, um auch noch 
theilweise aus Quellen abgeleitet werden zu müssen. Bei gleichbleibendem 
Klima könnte diese Wärme-Ausströmung auch nicht zu- oder ab-nehmen, 
ohne die Gletscher zurückzudräugen oder vorrücken zu- machen und 
selbst die Bildung neuer zu veranlassen, wie das wohl in einer sehr 
späten Zukunft noch gescheben wird. Wenn aber nun auch in einer 
frübern Zeit die Gletscher schon einmal ausgedehnter waren als jetzt, 
so ist diess von einer Veränderung des Klima’s abzuleiten. 

If. Äussere Kälte. Missverstandene Ausdrücke vielleicht haben 
einige Personen, die sich jetzt mit der 'Theorie der Gletscher beschäf- 
tigen, auf die Meinung gebracht, dass das am Tage auf der Oberfläche 
geschmolzene und in die Haar Spalten eingedrungene Wasser dort des 
Nachts durch (atmosphärischen) Nachtfrost erstarre. Doch hat DE CuAr- 
PENTIER am Ende seines Werkes „sur les glaciers“ diese Meinung bereits 
bestritten und als absurd bezeichnet. In der That kann die Wärmelei- 
tungs-Fähigkeit des Eises (welche noch nicht gemessen ist) nicht 'sehr 

u. 


857 


viel grösser als die der andern starren Felsärten seyn, und desshalb 
auch der Wechsel der täglichen Temperatur in einem merkbaren Grade 
nicht viel tiefer als in andern Boden eindringen; es könnte mithin der 
Nachtfrost jenes Wasser. nur bis zu. verhältnissmäsig. geringer Tiefe 
eines Gletschers gefrieren machen: und doch soll die Fortbewegung der 
Gletscher eine Folge davon seyn! Dieses Gefrieren ist nicht: möglich, 
obne eine beträchtliche Wärme-Entziehung, da bekanntlich Wasser auf 
0°, welches zu Eis auf 0° erstarrt, so viel Wärme verliert als nöthig 
wäre, um dieselbe Wasser-Menge von 0° auf 75° zu erwärmen. Man 
würde die Erscheinung nur begreifen können, wenn man. eime Art 
Kälte-Magazin im Innern des Gletschers vor dem Eindringen des Wassers 
annähme. Diess wäre aber nicht vom täglichen , sondern vom jährlichen 
Temperatur-Wechsel ableitbar. Im Winter erkältet sich nämlich die Ober- 
fläche des Gletschers um viele Grade unter 0° und diese Kälte dringt in 
abnehmendem Maase auch ins Innere desselben vor, zieht denselben 
zusammen, macht ihn sich zerspalten, und diese Spalten öffnen der 
kalten Atmosphäre den unmittelbaren Weg ins Innere. Wenn aber im 
Frühling die Sonne den Schnee auf dem Gletscher schmelzt, so erwärmt 
sie seine Oberfläche wieder auf 0°, bildet dann Wasser von 0°, welches 
in die Spalten des noch erkälteten Innern des Gletschers eindringt,, plötz- 
lich gefriert, und durch Abgabe seiner (Erstarrungs-) Wärme allmählich 
die Temperatur dieses Inneren überall auf 0° erhöhbet. Die Ausdeh- 
nung, welche hiebei stattfinden muss, kann ‘obne Zweifel zu den Be- 
wegungen des Gletschers mit beitragen; der Gletscher wächst durch jene 
Art von Intussusception von innen nach aussen (also auch von unten 
nach oben), während er dabei beständig von oben abschmilzt , wodurch 
sich die Ausstossung von. hineingefallenen Steinen u. a. Unreinigkeiten 
ganz in der Art erklärt, wie Martıns und Bravaıs sie beobachtet haben 
[Jahrb. 1842, 356]. Die Existenz von wirklichen Eis-Gletschern , wie 
in der Schweitz, ergibt sich mithin aus einem jährlichen (und nicht einem 
täglichen) Temperatur-Wechsel. Daher gibt es unter dem Äquator auch 
keine Eis-Gletscher, sondern nur ewigen Schnee, indem dort nur ein 
täglicher Temperatur-Wechsel stattfindet. Der Vf. bemerkt noch, dass 
er bei Aufstellung dieser Theorie weit entfernt seye,. die Folgerungen 
zu bestreiten, durch welche Horpkıns in einer neulichen Abhandlung die 
Schwäche derjenigen Thesrie dargethan hat, welche in der Ausdehnung 
die einzige Ursache der Gletscher-Bewegung sucht. Ist des Vfs, Ansicht 
richtig‘, so wachsen die Gletscher nur während eines sehr kleinen Theiles 
des Jahrs. Übrigens ist er überzeugt, dass die Ausdehnungs-Erschei- 
nungen weder die einzige, noch auch die Haupt-Ursache der Bewegung. 
der Gletscher sind, welche ihm mit ihren vielfältigen Spalten vielmehr 
ein von unten (wie durch ein angehängtes Gewicht) gezogener Riemen, 
als eine von oben (dureh Expansion) komprimirte und geschobene Barre 
erscheinen [vgl. damit in Übereinstimmung unsre Ansicht, S. 739 f.] 


858 


Ein: pe Beaumont: über erratische Phänomene (Soc. phil. 
1842, August 13 > V’Instit. 1842. X, 300—301). Man hat selten und 
nur für wenige Punkte die obere- Grenze der erratischen Phänomene 
(Seblifflächen, Bauch-Gestalten, Moränen - Terrassen) mit ihren gegen- 
seitigen Entfernungen verglichen. Der Vf. versucht Solches nun für das 
ganze Rhone-Thal von der Grimsel bis zum Genfer-See, für das Dranse- 
Thal, für den St. Bernhard bei Martigny, für das Wallis und einen 
Theil des Aar-Thales. Es ergibt sich daraus, dass diese obere Grenze 
von einem Zentral-Punkt aus nach allen Seiten abfällt. Die horizontalen 
Abstände in nachstehender Tabelle sind nach der Kerter’schen Karte 
gemessen; die Höhen sind nicht die der Ortschaften, sondern der obern 
Grenze der erratischen Phänomene. 


Entfernun- 
gen zwisch, 
beiden, 


Strecken Höhen-Un- | Gefälle zwischen beiden 


terschied, 


von bis in {Decimal.| in Graden. 


Grimsel Ärnen 25,000m| : 487m .| 6,019480 | 19 6'574 


Arnen Brieg 16,000 293 0,018312 | 1 257 
Brieg Martigny 80,000 70 0,000875|0 3 1° 
Gr. Bernhard | Pian-y-Beuf 15,000 731 0,048730 | 2 47 24 
Plan-y-Beuf Martigny 18,000 319 0,017722| 1 055 
Martigny Monthey 18,000 293 0,016277 |°O 55 57 
HB ‘ | Mimisse 44,000 425 0,009659 | 0 33 1% 
Mimisse Genf 49,000 585 0,011938 | 0 41 2 
Martigny Playau 44,000 228 0,0051:2 | 0 1748 
. Chasseron 92,000 400 0,004348 | 0 1456 
Playau 5 49,000 172 1)0,003510 | 0 12 4 
Plan-y-Beuf is 110,000 719 0,006536 | 0 2228 
Gr. Bernhard Y 125,000 1450 0,001169 | 0 39 52 
Grimsel Martigny 121,000 850 0,007025 | 0 24 9 
he Playau 165,000 1078 0,006333 | 0 22 27 
RR Chasseron 213,000 1250 0,005869 | 0 20 10 
Arnen Playau 140,000 591 0,904221 | 0 14 3 
Ob. Aaar-Firn | Grimsel 13,500 624 0,046211 | 2 3845 
Grimsel Brunig 29,000 1037 0,035758 | 2 252 


Bis jetzt kennt der Vf. in den Alpen keinen Gletscher, der sich in 
einiger Ausdehnung, z. B. von einer Stunde, auf einer erheblich gerin- 
geren Neigung von als 3° bewegte. 


Er hat nun an einer andern Stelle auch die Gefälle der Flüsse und 
Bäche zusammengestellt, welche natürlich vom ganz Senkrechten (Wasser- 
‚ fall) an bis zum ganz Horizontalen variiren können; denn die Rhone 
fliesst von Lyon bis Arles auf einem mittlen Gefälle von 0,000553 
= 1'54°'; der Rhein von Basel bis Lauterburg auf 0,000647 —= 2'13'!, 
und 138 sind beide sehr reissende Ströme; der Doubs bei Besangon 
mit 0,001000 = 3’26’’ Gefälle , steht ungefähr an der Grenze der Flüsse 
mit schiffbarem Gefälle; und doch sind diese Gefälle nur ungefähr „, 
bis 5) von den RR Neigungen , Bee die Gletscher auf einige 
Erstreckung darbieten. 


859 


Die Neigung der oberen Grenze der erratischen Erscheinungen fällt 
zwischen die der Gletscher. und- der ‚grossen schiffbaren Flüsse; sie ist 
geringer als jene und entspricht dem Gefälle der wildesten Bergströme. 
Sie würde durchweg für Flüsse von. ‚einigen Metern Tiefe sehr beträcht- 
lich, und für Wasser-Massen von der Höhe, welche die Zone der erra- 
tischen Phänomene in den Alpen-Thälern besitzt (bis 800m und 1000m), 
ungeheuer seyn. Solche Wasser-Ströme auf solchen Abhängen würden 
erschreckliche Geschwindigkeit annehmen und selbst Ströme des zähesten 
Schlammes noch eine Geschwindigkeit erlangen, die wunderbare Wir- 
kungen hervorbringen müsste. Die Anschwellungen aller Flüsse zeigen, 
dass Ströme von Flüssigkeiten mit ihrer Höhe an Schnelligkeit zunehmen; 
aber es ist noch zweifelhaft, ob eiu sehr mächtiger Gletscher bei ge- 
ringem Gefälle weniger Hindernisse der Bewegung erfahre, als ein 
schwacher. Der Unterschied zwischen der Bewegungs-Weise der Glet- 
scher und des Wassers ist so gross, dass wenn man 3 Tabellen ver- 
fertigte über die Bewegungen der Gletscher , der Wasserströme und der 
erratischen Phänomene, man dadurch ein bedeutendes Hülfsmittel er- 
halten würde, um dem Ursprunge der letzten näher auf die Spur zu 
kommen. 


pAgsaDıE: über das Tehama im westlichen Arabien (Bullet. 
de ia Soc. geol. X, 121 cet... Das Tehama ist das niedere Uferland 
zwischen dem Meere und den Bergen. Mit Ausnahme einiger vulkani- 
schen Stellen in letzten, da wo sie der Küste näher treten, scheint das 
ganze Tehama ein submarinisches Gebiet, welches in einer verbält- 
nissmäsig nicht sehr entfernten geologischen Zeitscheide von Wasser 
entblöst worden, wie solches die neuen wohl erhaltenen Muscheln be- 
weisen, welche man überall auf dem Boden findet. Fast alle Inseln des 
rothen Meeres, drei oder vier vulkanische Pics ausgenommen, dürften 
den nämlichen Ursprung haben. Der Samkar hingegen, der Strand, 
welcher die Berge Adyssiniens begrenzt, trägt ganz die Merkmale einer 
Alluvial-Formation, die durch Wirkung der Giessbäche im täglichen 
Zunehmen begriffen ist. — Die ersten Berge Abyssiniens bestehen aus 
Schiefer und Granit. . Vom Dorfe Halau, 2000 Meter hoch liegend, 
bis zum Berge Ckambel herrscht quarziger Sandstein von Quarz-Gängen 
durelisetzt. Es ruht auf Granit. Im Samen und bis Gondar sind nur 
sogenannte Trapp-Gebirge zu sehen. Der Berg Lumalmo hat eine 
Meereshöhe von 2,600 Metern. 


Steinkohlen-Ablagerungen in Istrien und in Dalmatien 
(der Bergwerksfreund , II, 255). Diese Ablagerungen, auf welchen die 
Adriatische Bergwerks- Gesellschaft baut, sind sebr merkwürdig; sie 
liegen in einem jüngern , auch fossile Reste höherer Thiere führenden 
Kalkstein. Eine der Ablage rungen befindet ‚sich in Istrien südwestlich 
von Albona an einem kleinen Meerbusen. Sie streicht Stunde 5 


860 


und fällt an 30° gegen Süden. In Ost und West erscheint die Koble in 
abgesonderten Flötzen, 6—7 an der Zahl und 3 bis 4 Fuss mächtig, 
aber in der Mitte der Ablagerung verschwiuden die Mittel zwischen den 
Flötzen und es bildet sich eine reine Kohlen-Masse von 7 Lachtern Mäch- 
tigkeit auf eine Länge von 300 Lachteru. -Eigenthümlich ist, dass auf 
den Schalen der gespaltenen Kohle Kupferkies liegt, eft in so dünnen 
Platten, dass sie sich mit dem Messer abheben lassen. Die ganz schwarze 
Koble brennt mit Flamme, gibt nur 2—3 Prozent weisse Asche aus 
gebranntem Kalke bestehend, verwittert leicht an der Luft und liefert 
vorzüglichen Koaks. — Das andere Kohlen-Gebilde befindet sich in Dal- 
matien, sieben Stunden nordöstlich von Sebeaiko, beim Städtchen 
Dernis. Iudessen ist das Vorkommen der Kohle nicht auf diesen Punkt 
beschränkt; es zieht sich, mit den aus W. in O. laufenden schwachen 
Muldungen des Kaiksteins der Promina, eines 4000 Fuss hohen Berg- 
Rückens, auf 10 und mehr Stunden fort, bis weit über die Österrei- 
chische Grenze ins Türkische Dalmatien. Innerhalb des in Betrieb be- 
findlichen Grubenfeldes bei Dernis ist die Kohlen-Masse 7—8 Lachter hoch, 
ausserhalb desselben aber scheinen die Kohlen anderer Natur zu seyn, 
Man trifft sie in mehren Lagen von 2 Fuss bis zu 2 Lachter Mächtig- 
keit, bröckelig, weniger gut; allem Vermuthen nach sind es spätere 
Ablagerungen der theilweise zerstreuten Hauptmasse. Statt des Kupfer- 
kieses hat diese dalmutische Kohle den gewöhnlichen Eisenkies; daher 
auch wohl die leichtere Entzündlichkeit. Da man nur die Stückkohlen 
verkaufen kann, so haben‘sich grosse Halden von Grus angesammelt, 
welche brennen. Erhebt sich nun der Bora, ein starker Nordost-Sturm 
von dreitägiger Dauer, so schlägt die Flamme hoch auf, die brennenden 
Zusammensitzungen werden oft weit weg durch die Luft geführt, wo- 
durch die Anwohner, nicht ohne Grund, in Schrecken gesetzt werden. 
. Schon hat die Gewerkschaft mehre Tausend Gulden Brand- Entschädi- 
gung für in Feuer gerathene Häuser zahlen müssen. 


v. SENARMONT: Beobachtungen über das Kreide-Gebiet im 
Aube-Departement (Ann. des Min. 3me Serie, XV, 463 cet.) Die 
sehr entwickelte Formation trägt in den verschiedenen, vom Vf. auf- 
gestellten Abtheilungen alle wichtigern Merkmale, wie solche an Glie- 
“dern der Kreide-Gebilde Englands nachgewiesen worden. Ebenso lässt 
sich SENARMONT’s zweite Gruppe der untern Abtleilung dem Kalke von 
Neuchätel parallelisiren , und zwischen der Kreide-Formation des. Aube- 
Departements und jener der Haute-Marne haben die grössten Analogie’n 
statt. 


A. Pauıerte: über dieSteinkohlen-Becken des östlichen 
Theiles der Pyrenäen-Kette (a. a. O. XVI, 149 ff.) Ohne dem Vf. 
in den Einzelnheiten folgen zu können, wollen wir blos auf die von 
ihm in den Gruben von Segure ‚oder de Tuchan unfern der. kleinen 


' 861 


Stadt Estayel nachgewiesenen und durch interessante Abbildungen er- 
läuterten Verhältnisse der Feldstein- Porphyre zum Kohlen-Gebilde auf. 
merksam machen; Emporhehungen;, Schichten-Störungen und andere 
merkwürdige Erscheinungen, Folgen der der Tiefe, nach Ablagerung der 
Kohlen-Formwation, entstiegenen plutonischen Gebilde , wie solche auch 
in manchen andern Gegenden beobachtet worden. 


Erdbeben in S. Salvador (Guatemala). Am 1. und 2. Oktober 
1839 hatte eine furchtbare Erschütterung statt. Im Verlaufe von 24 
Stunden verspürte man 48 Stösse, welche grossen Schaden an allen 
Häusern anrichteten und mehre gänzlich umstürzten. Die meisten 
Einwohner flohen aus der Stadt. Später traten erneute Katastrophen 
ein, welche bis zum 10. Oktober andauerten und S. Salvador gänzlich 
uabewohnbar machten. (Zeitungs-Nachrichten.) 


Erdbeben auf Ternate. Auı 2. Februar 1840, 81 Uhr Morgens, ver- 
finsterte sich die Luft; schwere Regenwolken zogen, durch starken NW.- 
Wind getrieben, über die Iusel bin, und bald erbob sich auch dicker 
Dampf aus dem Krater, der unter donnerndem Krachen Massen glühender 
Lava und Asche auswarf, die, wo sie niederfielen, Alles verheerten, 
Diess dauerte ohne Erdbeben fort bis an den andern Tag um 4 Uhr 
Nachmittags. Während des Auswurfs war das Geräusch unter dem Boden 
so heftig, dass zwei ganz nahe stehende Personen sich unmöglich ein- 
ander verständlich machen konnten. Jetzt blieb es, mit nnbedeutender 
Unterbrechung, ruhig bis zum 14. Februar, As diesem Tage, 124 Uhr 
Nachts, hörte man ein heftiges Geräusch und um 34 Uhr fühlte man 
beim furchtbarsten Platzregen einen Stoss, bei dem bereits die meisten 
Wohnungen einstürzten; an verschiedenen Stellen öffnete sicb der Boden 
und schloss sich eben so schnell-wieder. Der Boden wogte gleich der 
See. Endlich, am 15. Februar, gegen 10 Uhr Morgens, war der Vulkan 
in grösster Wuth und Alles flüchtete nach dem Meeres-Ufer; nicht ein 
Gebäude blieb stehen, selbst das Fort Oranje, das zwei Jahrhunderte 
lang allen Erdbeben getrotzt hatte, wurde ein Trümmer-Haufen. Auf Tidor 
und Gilolo fühlte man gleichfalls das Erdbeben, jedoch nur schwach. 


Dorrenoy: Aufnahme von Staub in die Wolken (VInstit. 
1842, X, 329—330). Dr. Bovuros zu Athen sandte an die Akademie einen 
Staub ein, welcher in der Nacht vom 24. zum 25. März (wo Erdbeben 
in einigen Theilen Griechenlands gespürt worden) über einen Theil des 
Petoponnes bei gelindem Regen gefallen war. Die Probe stammt von 
Amphisa in Griechenland und betrug nur 08r-,423, doch genügte sie zu 
einer qualitativen Analyse und mikroskopischen Untersuchung. Erste 
ergab ungefähr: kohlensauern Kalk 0,24, Eisen-Peroxyd-Hydrat 0,31, 
granitischen Sand 0,45, und der Rückstand erschien unter dem Mikroskop 


862 


zusammengesetzt aus Bruchstücken krystallinischer Körner, worunter 
man erkannte: 1) Blätter sehr gläuzenden Silber-Glimmers ; 2) Quarz 
‘mit muscheligem Bruch, 3) milchweisse , halbdurchscheinende Stücke von 
blättrigem Bruche dem Feldspath analog, 4) rothbraune dem Granat ähn- 
liehe Körner, 5) schwarzglänzende vom Magnet anziehbare Körner — 
von Titaneisen,, 6) stängelige schwarze Theile von Turmalin, 7) Quarz- 
Trümmer von solchen durchzogen , wie es in Primitiv-Gesteinen häufig 
ist. Dieser Staub ist daher genau übereinstimmend mit abgeriebenen 
Theilen der priwitiven und kalkigen Gesteine Griechenlands. Windhosen 
oder die bei Erdbeben oft aus der Erde aufsteigenden Gase mögen ihn 
emporgehoben haben. Er zeigt sich ähnlich zusammengesetzt mit dem, 
vom Vf. vor 2 Jahren untersuchten Staub, welchen Kommandant Cov- 
DERT am Vernet gesammelt, der aber während eines Sturmes gefallen 
war, — und mit dem von GaArLoıs gesammelten und von. VAuquELINn 
analysirten Staub, welcher 1813 den Schnee bei Idria roth färbte. 


C. Petrefakten-Kunde. 


L. Acıssız: Etudes critigues sur les Mollusques fossiles. 2° livrai- 
son contenant les Myes du Jura et de la Cruie Suisses (premiere 
moitie, 142 pp., 48 pll., 4°, Neuchätel 1842). Vgl. Jahrb, 1841, 848. 
Der grosse Umfang, welchen die Arbeit über die Myen gewonnen, hat 
deren Bekanntmachung in 2 Hälften nöthig gemacht, Hier die erste der- 
selben, 

I. Goniomya Ac. seit 1838 aufgestellt für Mya angulifera und 
Konsorten, Münster’s Genus Lysianassa, dessen Name aber auch bei 
den Krustazeen verwendet ist. Es können keine ächte Myen seyn, mit 
‚welchen sie äusserlich übereinkommen , weil der mächtige Zahn der Jinken 
Klappe sich nie auf dem Kerne abgedrückt findet; auch bat dieser nicht 
die 2 vertikalen Furchen des Kernes von Lutraria; Desuayes hatte sie 
desshalb mit Pholadomya verbunden. Doch sind sie auch hievon ver- 
schieden: sie haben eine äusserst dünne und nur selten erhaltene Schaale, 
‘ klaffen an beiden Enden, baben fast mittelständige Buckeln, ein kurzes 
äusseres Band unter und hinter denselben mit lanzettlichem Band-Felde, 
undeutliche Muskel-Eindrücke und keine Spur von Schlosszähnen, aber 
äusserlich die bekannten winkeligen, die Zuwachs-Streifung kreutzenden 
Furchen. Die von Oberlias bis in de» Grünsand reichenden 28 Arten 
enthalten 16 ganz neue. 

II. Ceromya Ac. enthält Arten aus Jura und Kreide, die man bis- 
her mit der Isocardien (I. excentrica, I, inflata etc.) verwechselte, deren 
äusseres Ansehen sie haben, Sie sind nie ganz gleichklappig; gewöhn- 
lich ist die rechte Klappe mehr entwickelt, Muskel- und Mantel-Eindruck 
sind höchst oberflächlich, wohl in Folge der grossen Dünne der Schaale, 
wovon zuweilen Restehen erhalten sind; ausser den Zuwachs-Streifen 


863 


'haben sie noch schiefe Furchen vom vorder-oberen gegen den hintern 
und untern Rand. Die zuwachsende Schaale bildete bei ihrer Verdickung 
inwendig noch Längen- und Queer-Furchen, welche sich auf den Kern 
deutlich abdrückten, aber nicht zu den Verzierungen der äussern Fläche 
der Schaale beitrugen, wie man bei Vergleichung der zusammengehörigen 
äusseren und inneren Abdrücke erkennt. Manche Kerne zeigen am 
‚Schloss-Rande noch Furchen, welche auf innere Kiele wie bei den Cucul- 
läen und manchen Solen-Arten deuten, die bei Isocardia nicht vorkommen. 
Ein schiefer Eindruck des Kerns unter dem Buckel der rechten Klappe 
(wie auch bei Gresslya) deutet eine in dieser Gegend vorhanden gewe- 
‚sene Schloss-Leiste an. Beide letzten Merkmale unterscheiden sie von 
Pholadomya. Sie mögen wie diese Küstenbewohner gewesen seyn und mit 
ihrem Hintertheile im Schlamm versenkt gelebt haben, dessen örtliche 
Weiche oder sandige und steinige Beschaffenheit, dessen Anhäufung in 
dicker oder dünner Schichte, wie Gresszy schon gezeigt hat, Individuen 
derselben Art bald gross und regelmässig, bald unregelmässig schief 
und klein werden liess. Einige ähnliche Arten müssen ein besonderes 
Genus Liocardia bilden, wornach noch 6 Arten mit 3 neuen bleiben. 

IH. Pholadomya, mit Panopaea, Lutraria und Mya ete. ver- 
wandt, besonders aber mit Ceromya, wovon sie sich durch die mehr oder 
weniger entwickelten Furchen der Oberfläche unterscheiden. Der Cha- 
rakter lässt sich aus den lebenden, einer ältern Art und 2 neuern Arten 
‚des Caspischen Meeres vollständiger geben. Die Schaale ist dünne. 
Von den Buckeln drückt oft einer den andern ein, Das Band und sein 
Eindruck sehr schwach, wie auch , einige grosse Arten ausgenommen, 
die Muskel- und Mantel-Eindrücke,, welche sich in einer dünnen Perl- 
mutter-Schichte befinden. Der Mantel-Eindruck steigt hinten vom Unter- 
rand an gegen den hintern Muskel-Eindruck in Form eines S aufwärts 
(wie bei andern Myaceen). Die Oberfläche zeigt radiale Falten in sehr 
verschiedener Anzahl und oft mehr auf der linken als auf der rechten 
Klappe, oft von Queerfurchen gekreutzt. Sie sind litoral mit einigen 
mehr pelagischen Arten, Bewohner schlammigen und sandigen Grundes; 
einige halten sich an die Korallen-Bänke. Geessrr verfolgte Pholado- 
myen-Bänke eine Stunde weit, worin die Muscheln meist noch in natür- 
licher senkrechter Stellung nur mit dem Hintertheil aus der Schlamm- 
Schichte hervorragte, also an Ort und Stelle versteinert seyn müssen. 
Der Vf. vertheidigt hiebei seinen Grundsatz, auch nach dem Vorkommen 
Arten zu unterscheiden, und greift den an, es nur nach der Verschie- 
denheit körperlicher Merkmale zu thun. In Beziehung auf Letztes 
haben wir zu bemerken, dass es wenigstens uns nie in den Sinn ge- 
kommen ist, zu behaupten [wie hier S. 42 gesagt wird], dass die Über- 
einstimmung der Individuen einer Art in verschiedenen Genera gleich 
gross (und der Abstand der Arten gleich weit) seyn müsse , oder dass 
ihre Unterschiede nur in schr auffallenden Merkmalen bestehen sollen; 
wir erkennen vielmehr von selbst an, dass sich gewisse Arten ursprüng- 
lich näher stehen können, als die Varietäten zweier andern es unter sich 


364 


thun; — dass man aber noch weniger eine Verschiedenheit der Schichten 
des Vorkonmmens für sich allein, oder auch in Verbindung mit so un- 
stäten Merkmalen als manche der bei Trigonia gebrauchten sind (Jahrb. 
1841, 853 ff.) als ein Motiv zur Trennung der Arten betrachten dürfe, 
wenn man sich nicht nach einer vorgefassten Ansicht im Ringschlusse 
bewegen oder selbst der Einfluss vieler äusseren Ursachen auf die Cha-- 
raktere der Arten läugnen will. Über diese Einflüsse habe ich mich 
weitläufiger verständigt in dem eben erscheinenden 5. Hefte der Ge- 
schichte der Natur , worauf ich verweisen muss; welche Willkühr aber 
"einem Naturforscher eröffnet seye, der bloss nach dem Vorkommen ohne 
körperliche Unterschiede oder nur in Verbindung mit kleinlichen Kenn- 
zeichen Konchylien-Arten unterscheidet, geht am klarsten aus den von 
Rossmässter in seiner Naturgeschichte der Landschnecken gelieferten 
Beobachtungen und Materialien überall hervor. Gerne wollen wir zugeben, 
wie schwierig es eben darnach allerdings auch oft erscheine, gute kör- 
perliche Merkmale zu Unterscheidung der Arten zu finden. Allein ich 
wiederhole es, Arten nach den Gebirgs-Schichten trennen, die man in 
gleicher Schichte nicht getrennt haben würde, heisst die Frage, ob ver- 
schiedene Schichten nur verschiedene Arten enthalten, nach einer vor- 
gefassten Meinung entscheiden. Dass sich aber zwischen den Indivi- 
duen einer Art in zwei verschiedenen Schichten gewöhnlich kleine Unter- 
schiede zeigen , kann weniger auffallen, als wenn es nicht der Fall wäre 
(vgl. Jahrb. 1842, S. 82 ff). Hier die Tabelle des Vorkommens der 
Arten nach den Formationen, wobei die für eine Formation charakteri- 
stischen Arten mit einem * bezeichnet sind. Beschrieben und abgebildet 
sind jedoch nicht alle Arten, sondern nur die neuen (n) und ein Theil 
der übrigen, soweit sie in der Schweitz vorkommen, 


a. Lias; b. untrer, e. mittler, d, obrer Jura; e. zweifelhaft; f. Neocomien; 
g. mittle, b. obre Kreide; i. untertertiär; k. obertertiär; I. lebend, 


| d 
I. Goniomya V seripta (So.) .|.|.|e 
(27 A.). Münsteri Aa. 
L. V seripta Mü | |. [ed 
a. eylindraceae. Major 7. .:.., Hilc 
eonstrieta z. ..1.|.|.|d designata (Gr.) .I.|.|.|.|.].|g 
sinuala 2..... |. |d subearniata (Gr.) Ja 
anaglyphica(Mü) 4.|.|.!d inflata 2. ....1.].ije { 
sulcata 2. ....1.|»|e parvula n.....f.|. |. |d 
sealprum 2... .}.|b v e. truncatue. 
b. ovales. Engelhardtii a. . fa 
Dubois 2. .... b caudata n.. Tabelle ls] chf 
b 
b 
.)cC 


. 


dB. 


conformis n. .. 
Knorrii As. | a 
angulifera Mü. 
angulifera (So) - 
proboseidea n. 
marginata n. 
obliqua n..... 
literata (So). . . 
oruata (Mü), 


lteyası722.. 2.11% 
d. trapezoidene. 
rhombifera (Gr.. 
heteropleura . . 
hybrida (Mü ).. 


I 0-5) 


ll. Ceromya 
(6 A.) 


excentrica (Vo.). 
phcata 2. ...r. 
inflata (Vo.) 
striata D’O. 
orbiculatis Roe. 
obovata Ror. 
tetragona K. D. 
tenera (So.).. 
neocomensis 2%. . 
cerassicorfis z. . 


ill. Pholado- 
mya (1!2 A.) 
4. area cardin. 

indetermin, 


a.multicostalue. 
caspica 2..... 
CHISPII ZIEL A 
semicostata 2... 
multicostataAc. 
acuticostataRoe. | 
Zietenii A. 
fidieula Z. 
acuticostataSo,* 
costellata 2... . 
eompta 2.... 
Favrina z..... 
elongata Mü. * 
Seheuchzeri z, . 
hdıeula,.So.s.. . 

b. trigonatae. 
eandida So, ... 
AarLusata Fr „m. 
Puschii Gr, 
subfhidicuta Mü. | 
elliptica Mü.... 
nodulifera Mü. 
albinash. ..'.. 
Esmarkii Puscnh. 
Kasimiri Posch. . 
nuda Ac. 
Trig. arcuata 
Lk. 
umbonata Ror, . 
caudata Ror. ,.. 
inflata Ac. | 
Trigonia Lk. 

ce. bucardinae, 
Hausmanni Gr. . 
cinctalnz .. 2: 
Roemeri Ac. x 
ambigua Roe. | 
slabra 2, u). 
media 2....:.» 
nodosa Gr..... 
nymphacea Ac. . 
ambigua So... 
aequalis So ... 
acuta 2. BT 
exaitata AG. | 
murchisoni Gr, | * 
decussata Ac. | 


.. 


eardium dec. 
So. 

alternans Roe. 
Murchisoni So, * 


b 


I: 


bucardium ». *, 
reticulata 2.#%.. 
texta 2.°* . 

deltoidea So, . 
erassa 2... ... 
Iyrata So. ... 


producta So. 

obtusa So... 

triquetra 2. . 

clathrata Mü. . 
carinata Gr... 
acuminataHAar'Trm. 
Protei Bren. * . 
'scutata 2. ..». 
plicosa n. 
tigonata 2. ... 
lorhienlata Roe. . 


. 
. 
. 
. 
. 
. 


> ET ai: 


os. 


rostralis 2. * ,. 
langulosa ME 
contraria 2. . 
truncata n. ” 
'nıyacina 2, 

bicosiata 2. ... 
paucicostata Roe. 
eoncentrica Ror. 
rugosa PuscH... 
GOF., 7 ee 
pulchella z.... 
parcicosta Ac. | 


. 
® 
. 
. 


ventricosa GF. 
ambigua Gr. 
Michelini z. ... 
margaritaceaSo.* 
Escheri 2. .... 
decorata ZIET, * 
foliacea 2..... 


B. area card. cir- 
cumscripta, 


d. flabellatae. 
tumida 2. ....» 
Hus1l72.m22% 
obliqua au 
fidieula Gr.) ** 
pelagica 2. ® .. 
sınllisa72.4.. 22% 
flabellata Ac. | 
angustata Gr. | * 
birostris 2. .». 
pontica 2. ».». 

e. ovales. 
tenuicosta z, * 
pectinata z... 
recurva 2.” .. 


Fr | 


striatula z. 
nitidar.... 
complanata Roe. 
angustata (So.) . 
canaliculata Ror. 
coneinna n.*.., 
ovulum 2. * 
parvula RoE. .. 


a, ker eine 


fabacea .....1.b 
siliqua 2. -»...14.|b 
Voltzii 2. ....Ia 
decemeostataRoe. |}, |, 
latirostris Aa. 
fidieula Ror, hei b 


obsoleta Pnıtr. . 
ovalis So. 
modiolaris nr. 


c\d 


ra ae... © 


m m® 


ring 


|: 


® 


depressa 2. ... .|d ae Ag. ” 
tenera n...... .|d concentrica GF. Sr »I-.1 c 
echinata r. .\d lineata Gr. 
paradoxa m. ... .|d laeviuscula 2. *. $.|.le 

f. cardissoides. antieaszı... 2.8 1. |. Id. 
eancellata z. Ar. d eingulata Ac. |. 
concelatan. . ..$.|.|e hemicardia Gr. | e 
eardissoides 2. * 5.|.|c |ihemicardia Roe. #.|.|.|d & 
Goldfusi: Ac. ?ı coneatenata AG. 
truncata Gr, d jaequalis Pusch. | "ICH | 


Der Vf. kömmt hierauf abermals auf seine Resultate zurück, dass 
er noch keine Art in 2 Formationen oder auch Formations-Abtheilungen 
zugleich gefunden habe; die Zitationen in zwei Abtheilungen beruhen, 
sagt er, „hauptsächlich auf der Gewohnheit, welche einige Paläontologen 
angenommen haben, ihre Versteinerungen mit den "Abbildungen einer 
kleinen [?] Anzahl von Bilderwerken zu vergleichen“; als ob den Paläon- 
tologen und Mineralogen in der Regel eine andere Methode der Bestim- 
mung möglich wäre! Nicht Jeder kann von Ort zu Ort reisen, um alle 
Sammlungen zu vergleichen; nur einmal höchstens senden die öffent- 
lichen und Privat-Institute ihre Sammlungen einem Naturforscher ins Haus, 
um sie bestimmen zu lassen, aber dann wohl schwerlich öfter; und in 
der Regel muss man annehmen, dass der Vf. einer lokalen Monographie 
bessere und deutlichere Originale zur Abbildung gehabt habe, als was 
einem entfernt Wohnenden durch Tausch aus jeder Gegend zu erwerben 
möglich ist, so weit wenigstens des Ref. Erfahrung geht. Also nicht 
die Gewohnheit, sondern die Nothwendigkeit und die Natur der Sache 
bringen jene Bestimmungs-Weise mit sich, — und die Zeit liefert Ver- 
besserungen zu jeder Art von Arbeit. — Die Beschreibungen und Ab- 
bildungen dieses Werks sind, wie immer, meisterlich und auf die herr- 
lichsten Exemplare gestützt; die Diagnosen folgen in der zweiten Hälfte. 


Corpa: Arbeiten über fossile Pflanzen (Verhandl. d. Böhm. 
Gesellsch. d. Wissensch. in den Sektions-Versammlung. 1840—1841, S. 
9—10).- C. legte. der Sektion am 11. Februar 1841 60 Folio-Tafeln seines 
anatomischen Werkes über die Pflanzen der Vorwelt vor. Einige ent- 
hielten Stämme und Queerschnitte von Blatt-Spindeln neuer. Formen aus 
dem Kohlen-Sandstein mit deutlich erhaltener Textur der Organen-Theile 
der Rinde, des Markes und selbst der Gefässe und Haare.. Man unter- 
scheidet die Richtung der Gefässbündel und die porösen Wände der Ge- 
fässe und Zellen. Aus erster geht hervor, dass die Farnen der Vorwelt 
ebenfalls eingerollte Blätter hatten, aber mit einer andern Riehtung zur 
Achse. Bei 2 Arten lassen die 10° dicken Blattstiele schliessen, dass: 
sie Baum-Farnen angehört hatten. Die bis jetzt gefundenen Farnen- 
Blattstiele zerfallen nach dem Bau der Gefässe des Blatibündels in zwei 
Reihen: 


867 


1. Gefässe mit porösen Wandungen und vielreihigen spiralständigen 
Poren ; 

I. Gefässe mit der aus Anabathra bekannten Form, welche 
gleichsam der vollkommenste Typus der Vasa scalariformia C. Spren- 
GEL’s sind, die sich in den Formen der Jetztwelt nie so schön und rein 
entwickelt finden. | 

Von Psaronius eyathaeformis Corpa, C. Partschii Corpa, 
Ps. asterolithus, Ps. parkeriaeformis, von Helmintholi- 
thus antiquus und Protopteris Cottai Corpa konnte die Struktur 
der Rinde, des Maırkes, des Bastes, der Gefäss-Scheiden und der Ge- 
fäss-Bündel bildlich dargestellt werden ; überall war der Austritt der 
Wurzeln deutlich und daraus erweislich, dass die kleinen „Tabuli“ der 
Staarsteine nur Luftwurzeln sind. Im Queer- und Längen-Sehnitt 
von Protopteris Cottai fanden sich sogar die Nuclei der Zellen, 
das Amylum, die Moleeülar-Massen der Fäulniss und die höchst zarten 
Fasern der Luftwurzeln. f 

Von Palmen sind bis jetzt nur 2 sehr schöne Stamm - Fragmente 
im Kohlen- Sandstein gefunden und ausführlich analysirt worden; noch 
eine dritte Spezies Palmacites Partschii Corpı wurde vorgelegt. 

Auch von Cycadeen und Lepidodendra desselben Sandsteins 
ergaben sich einige werthvolle Zerlegungen. Vier Tafeln enthielten die 
vollständige Analyse von Lomatofloyos erassicaule Corna, wel- 
ches wohl die am vollständigsten bekannte fossile Pflanze ist, indem 
man die ganze äussere und innere Anatomie des Stammes und der Blätter 
kennt: äussre und innere Textur der Schuppen, der Rinde, der Ober- 
haut, des Rinden-Markes, des Holz-Zylinders, des Zentral-Markes, die 
zu den Blättern laufenden Bündel, die Blätter mit der Epidermis, den 
Spalt-Öffnungen und Gefäss-Bündeln; einzelne Schuppen enthielten noch 
Amylum und unter der Epidermis kleine runde noch grün gefärbte Chro- 
mula-Körnchen. Pr 

Über Diploxylon, Stigmaria und Anabathra wurden neue 
Analysen mitgetheilt und die generische Identität beider letzten nach- 
gewiesen. | 

Eine Reihe neuer Hölzer, die sich keiner bekannten Familie ein- 
reihen lassen, wurde vorgelegt und die woblerhaltenen Wurzeln einer 
Orchidee auf Pitus antiqua in Abbildung dargestellt. — So auch 
noch, eine Reihe Zeichnungen von vor- und jetztweltlichen Koniferen, 
vom Bernstein-Baum und seiner Rinde. 


Nach W. H. Benson wäre Belleropbon mit seinem lebenden Genus 
Oxygyrus und mit Atlante zu den Nucleobranchiern statt den Cephalopoden 
zu stellen. Die Weise der Aufwindung der genabelten Arten, der Rücken- 
kiel einiger, die ihm entsprechende Ausbuchtung der äusseren Lippe hat 
B. mit Oxygyrus gemein; die Verlängerung der Lippen über den Nabel 
und die kalkige, statt hornartige Struktur der Schaale unterscheiden ihn 


868 


davon (Journ. of the Asiat. Soc. uf Bengal, 1837 ,. VI, a 
Arch. 1839, 11, 215). 


J. Quekett: über das Vorkommen von Infusorien in den 
uordischen Meeren, welche mit den fossilen Arten von 
Richnond in Amerika übereinstimmen (Ann. Magaz. nat. hist. 1842, 
IX, 66). Der Vf. berichtete an die Mikroskop- Gesellschaft in London, 
dass Professor Rocers neulich ein 20° dickes Infusorien-Lager unter der 
Stadt Richmond in Firginien entdeckt habe, welches merkwürdige Arten 
von Naviculae, Actinoceyelus und Gallionella ete., insbesondere 
aber auch einen eigenthümlichen, wie auf der Drechselbank gefertigten, rund 
scheibenartigen Körper enthalten. Diesen Körper habe er nun mit 6 jener 
Arten wieder gefunden in dem von einigeu Zoophyten abgewaschenen 
Sande, welcher von Capt. Parry’s Nord-Expedition i. J. 1822 stamme, 
und bier seye er zum Schluss gelangt, dass jene Scheiben, deren manch- 
mal 2 beisammen und mit etwas animaler Materie dazwischen vorkommen, 
einer Bivalve angehören. 


H.H. Warte: über fossile Xanthidien (das.). Diese Thiere, zu 
den Bacillarien gehörig, fand der Vf. von gelber Farbe, in Feuersteinen 
der Kreide eingeschlossen. Er beschreibt 12 Arten, welche sich von 
einander hauptsächlich durch die Zahl und Form ihrer Tentacula [?] 
unterscheiden, die aus dem äussern Panzer des Thieres hervortreten. 
Doch gibt die zitirte Stelle kein ferneres Detail. 


R. Owen: über die fossilen Säugethiere von Darwıns Welt- 
Reise (Zoology of the voyage of h. M. S. Beagle under the Command 
of Capt. Fırzroy, 1832—1836, edited by Cu. Darwın; Part I: fossil 
Mammalia by BR. Owen). Aus dem ersten Hefte’haben wir die Be- 
sehreibung des Toxodon bereits mitgetheilt (1837, 679, 1838, 111, 354, 
357). Den Inhalt des zweiten Hefts können wir nur den Überschriften nach 
angeben. Es folgt noch: Macrauchenia, ein zu den Kameelen über- 
gehendes Pachydermen-Genus; Glossotherium: Schädel-Fragment eines 
Edentaten-Geschlechts; und Mylodon: Unterkiefer-Stück und Zähne 
eines Megatherien-Geschlechts. Auch ein Pferd, ein Mastodon und 
einige kleine Nager a vorkommen. 


IV: 


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Fig: 3. Durchschnitt nach ef 


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Fig.3 ‚Profil der Ihal-Schlucht zwischen d.Apnsberg wReihersb. 


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MJahrb, Fi Mineral; 1842. 


Jahrb.f; Mineral. 1842. 


Taf VI 


Sig Ileriopora-dentiformzs Sandb. 


#:.Irigenolreta aequali_ arala Sandb. 


S.Meurolomarra- guadeilineaka Goldf 4. Fl,nodulosa Sardb. 


De /üubelalhrata: . 
7A Grtantlofloma olalhralırm- 


andb. 6. __ decufsala Goldf: 


Sandb. S. Turbo granofis JSandb. 


N. Jahrb.f Mineral. 1842. 


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REITER 
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N. Jahrb. f' Mineral. 1842. 


Jahrb.f Mineral. 1842. 


bei. Stemmas, von.oben gesehen. 


LLHRZ 


Fig. 2. 
Halkbrıech, bei Kottinerr Biebersbach, Stofsansıcht. 


Gl. Gdlimmerschiefer 
@. - Glimmerarmer Granit mit 
@- derselbe Granit schr zersetzt 
K.- Körniger Kalkstein 
E.- Brauneisenstein 


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